Anhang.

Anhang.

(A. Stropnitzky in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 120.)

Am rechten Ufer der Eger liegt bei dem Dorfe Sosau eine Bauernwirtschaft, deren Besitzer schon seit Menschengedenken den Dienst von Fährleuten versehen haben. Eines Tages kam nun zu dem Bauer ein kleines Männchen und sagte, er wäre der Zwergkönig und wolle mit seinem Volke aus der Gegend auswandern, da die Leute schon das Brot in den Ofen und die Knödel in den Topf gegeben hätten. Der Fuhrmann möge sich für seine Arbeit eine Mütze voll Gold oder für jeden Zwerg einen Pfennig wählen. Der Bauer wählte das Erstere. Am nächsten Morgen kamen die Zwerge, aber alle unsichtbar; nur durch den Lärm, den sie verursachten, wurde es dem Bauersmanne klar, daß er sein Werk beginnen könne. Er band also den Kahn los, und tief sank dieser in das Wasser, so schwer war er beladen. Doch sah der Fährmann niemanden. Bereits den ganzen Tag hatte er schon gearbeitet, und noch immer war kein Ende. Als er nun von neuem leer herübergekommen war, trat der Zwergkönig zu ihm heran, lobte ihn und gab ihm den bedungenen Lohn. Zugleich sagte er, daß er noch einmal hinüberfahren müsse. Der Fährmann war in den Kahn gestiegen und der Zwergkönig folgte ihm. Als sie nun in der Mitte der Eger waren, fragte der Zwergkönig, ob der Fuhrmann nicht sehen wolle, wie viel Zwerge er hinüber gefahren habe. Und als der Fährmann diesen Wunsch äußerte, so schlug der Zwergkönig mit seinem Stabe in die Lüfte, und nun sah der Fährmann die ganze Straße und die benachbarten Felder mit Zwergen erfüllt. Doch nur einen Augenblick währte es, und alles war wieder vorbei. Seitdem sind die Zwerge aus der Gegend verschwunden.

In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.

In No. 186 bezieht sich diese Sage auf den Wegzug der Holzweibchen.

(Nach der Mitteilung von H. Weißflog.)

An der Grenze der Dörfer Unterscheibe und Markersbach, unterhalb des sogenannten Vogtelgutes, läßt sich in stürmischen Nächten ein schneeweißer Hund mit rotleuchtenden Augen sehen, dessen Klagegeheul schauerlich durch die Nacht tönt. Er thut jedoch niemandem etwas zu Leide. Es soll dies der Hund eines Schäfers sein, der seinem Herrn sehr treu ergeben war. Der Schäfer hat sich einst in jener Gegend erhängt, und der Hund soll nun seinen Herrn suchen.

(Mitgeteilt vom Seminarist Emil Müller.)

Alte Leute in Thierfeld bei Hartenstein erzählen von einem Geiste, dem sogenannten Schmiedmönch, welcher früher in der Schmiede des Ortes sein Wesen getrieben haben soll. Den Kindern ist er zu einem Schreckgespenst geworden, denn wenn dieselben nicht folgen wollen, so droht man ihnen mit dem Schmiedmönch, welcher jetzt neben der Schmiede unter den Wurzeln eines Strauches wohnen soll.

(Nach einer Mitteilung des Archidiakonus Blanckmeister in Schneeberg.)

Ursprünglich hatte die St. Wolfgangskirche in Schneeberg drei Haupteingänge, von denen aber derjenige, welcher sich der Superintendentur gegenüber an der Turmseite befand, später zugemauert wurde. Als Veranlassung dazu wird folgendes erzählt: Ein früherer Pfarrer hat sich alle hundert Jahre des Nachts sehen lassen, und das letzte Mal soll er dem Pfarrer W. erschienen sein. Um nun das Wiedererscheinen des Gespenstes für alle Zeiten zu verhindern, vermauerte man nicht nur den oben bezeichneten Kircheneingang, sondern auch die gegenüberliegende Hausthüre der Oberpfarrerwohnung, welche sich auf der schmalen Seite des Hauses befand, und verlegte sie nach der Breitseite, wo sie sich noch heute befindet. Trotzdem glaubt man noch jetzt, daß es auf dem Kirchplatze nicht richtig sei, und man bringt z. B. das vor einer Reihe von Jahren auf dem Platze geschehene Unglück, wobei ein Arbeiter durch einen Erdfall ums Leben kam, damit in Zusammenhang, indem viele meinen, daß der umgehende Geist sein Opfer gefordert habe.

(Johann Vulpius,Plagium Kauffungense, das ist: Der Chur-Fürstl. Sächß. Printzen durch Conrad (Curt, Cuntz) von Kauffungen, geschehene Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg, wie sich solcheAnno1455 zugetragen. Ohne Jahrzahl.)

Nachdem Kunz von Kauffungen mit seinen Genossen in der Nacht vom 7. zum 8. Juli 1455 die beiden Prinzen Ernst und Albert aus dem Schlosse Altenburg geraubt hatte, setzte er den erst genannten Prinzen auf ein gut gesattelt Roß und führte ihn bei finsterer Nacht nach dem Lande Böhmen zu, erstlich durch die Leine, so ein Wald oder Holz bei Altenburg gelegen, ferner durch die Rabensteiner Wälder bis ohnfern Elterlein um die Gegend des Klosters Grünhain, dahin er bei aufgehendem Mondschein gegen Morgen gekommen, vermeinend, nun mit seinem hohen Gefangenen leicht vollends nach Böhmen zu gelangen. Die andern haben den Prinzen Ernst auch auf ein Roß gesetzt und zwischen sich einen andern Weg davon geführt, willens ihn durch das Vogt- und Frankenland durch einen andern Strich in ihre Gewahrsam zu bringen; denn sie hatten sich dessen zuvor mit einander verglichen, diesen Raub durch unterschiedliche Wege wegzubringen, und obschon ein Teil mit seinem Prinzen ergriffen würde, so sollte doch der andere Teil seinen gefangenen Herrn nicht eher von sich geben, es wäre ihnen denn allen das Leben und Straffreiheit zugesagt.

Unterdessen ist auf dem Schlosse zu Altenburg ein groß Wehklagen, bei den Hofleuten aber ein großer Schrecken entstanden. Man hat es durch einen Eilboten gen Leipzig dem Kurfürsten zu wissen gethan, dem anfänglich diese That fast unglaublich vorgekommen. So haben die Hofleute auch nicht gesäumt, sondern von Stund an in alle Gegenden geschicket, sind auch zum Teil selbst ausgeritten, den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern angehen zu lassen, dadurch das ganze Land rege geworden, sintemal immer eines dem andern auf frischem Fuße gefolget, auch den Nachbarn zu wissen gethan, und alle Straßen beleget. Im Städtlein Geyer ist von den heftigen Glockenschlägen über diesem Sturme die Glocke zersprungen. Solchen Sturmschlag und Nacheilen hat Kunz von Kauffungen wohl gehöret, weil er aber bei Mittagszeit den Wald erreichet, verhoffte er leichtlich davon zu kommen. Da er nun nicht über eine halbe Meile bis zur böhmischen Grenze gehabt, hat es Gott sonderlich geschickt, daß den jungen Herrn, Herzog Albrechten (Albert) sehr gehungert und gedürstet, welches er Kunzen mit den Worten beklagt: Wo er nicht zu essen und zu trinken bekäme, würde er Krankheit halber nicht weiter kommen können,sondern müsse liegen bleiben. Solches besorget Kunz selbst, sintemal er ihn von Mitternacht bis nun fast gegen Mittagszeit auf einem schnell trabenden Rosse geführet. Deswegen behielt er einen Reiter bei sich und stieg vom Pferde ab, in Mangel anderer Speise dem Herzoge im Walde Erdbeeren abzupflücken; seine andern Reiter, derer fünf gewesen, hieß er ein wenig auf den Halt voranreiten, er aber spazierte im Walde mit dem Prinzen ein wenig abseits, Erdbeeren zu suchen. In diesem Walde arbeiteten aber unterschiedliche Köhler. Von denen war ein Junge, namens Urban Schmidt, gen Geyer geschickt worden, einen Kober voll Brot, Salz und andere nötige Dinge zu holen. Dieser Junge hatte das Anschlagen der Glocken gehört, dazu vernommen, wie die große Glocke von gemeldetem Stürmen geborsten und die Rede gegangen, es hätte der Feind zu Altenburg einen Einfall gethan, das Schloß erstiegen und einen großen Raub weggeführet. Weil man nun dazumal von keinem Krieg noch Feinde wußte, der Junge auch nicht mehr erzählen konnte, so gerieten die Wäldler oder Köhler in große Verwunderung und Bestürzung.

Dazwischen begab sichs, indem Kunz von Kauffungen mit dem Prinzen und seinem Reiter über dem Erdbeersuchen etwas tiefer vom Wege ab im Walde spazierten, und am Fürstenberge, der von dieser Geschichte den Namen bekommen, Beeren pflückten, daß durch sonderbare Schickung Gottes ein Köhler, mit Namen Georg Schmidt, welcher in der Gegend ohnweit Grünhain und dem Dorfe Raschau Kohlen bereitet, im Walde sich umzusehen daher kommet und seinen Hund bei sich hatte. Dieser Hund wird fremder Leute innen, schlug also bellend an und führete seinen Herrn, den genannten Köhler, welcher einen dichten Schürbaum zum Waldgewehre in der Hand hatte, an den Ort. Dieser Köhler siehet, daß Kunz ein Panzerhemd anhatte, auch ein Pferd an der Hand führte, dazu, daß der bei ihm befindliche Knabe schön, zart und adliger Gebärden; lässet sich daher bedünken, es möge nicht recht zugehen, und fraget trotzig, wie der Wäldler Art ist, von wannen er mit dem Knaben komme und wo er hinaus wolle? Darauf ihm Kunz antwortete: Es sei ein böser Bube, der seinem Herrn entlaufen, dem müsse er ihn wieder bringen. Wie sie aber miteinander ein wenig fortgehen, fällt Kunz von Kauffungen in dem Gestrüppe, Gebüsche oder Hecken, darinnen er mit seinen langen Sporen hängen blieb, und konnte wegen der schweren Rüstung, und daß er das Roß an der Hand nicht wollte fahren lassen, nicht wohl wieder aufkommen. Da er nun also lieget, spricht Prinz Albrecht heimlich zum Köhler: Ich bin ein Fürst von Sachsen, mache mich los, mein Vater soll dirs wohl vergelten. Darauf Jan Schweinitz, Kunzens Reisiger, sein Schwertüber den Prinzen gezogen, daß nicht viel gefehlet, er hätte ihn umgebracht. Sobald der Köhler solches vernommen, auch des Reiters Ernst gesehen, erinnert er sich der oben gemeldeten Zeitung, die der Junge von Geyer mitgebracht, glaubet des Prinzen Rede, spricht dem Reiter ernstlich zu, solche Gewalt bleiben zu lassen, hetzet seinen Hund an, welcher sich sehr laut machet, Schweinitzen anfällt und stattlich zurückhält; er aber hat mit seinem Schürbaume auf Kunzen, welcher wegen seiner Rüstung nicht flugs hat aufkommen können, so wohl als auf den Reiter tapfer zugeschlagen, hätte auch vielleicht Kunzen totgeschmissen, wenn nicht der Prinz treulich gewehret und für ihn gebeten. Da nun der Köhler sich mit Mund und Händen sehr gereget, der Hund auch trefflich gebellt, läuft des Köhlers Weib aus dem Kohlenkrame auch herzu und siehet, was für ein Streit da ist. Als sie ihren Mann auf Kunzen schlagen siehet, denket sie, es seien Räuber da und giebt alsbald das gewöhnliche Waldzeichen, so die Köhler im Gebrauche hatten, daß sie mit einem großen Messer oder Zschörper auf eine Holzaxt schlagen. Hierauf liefen alsbald andere Köhler mit Äxten und Schürbäumen zu, nahmen Kunzen und seinen Reiter gefangen, den Prinzen führeten sie in einen Kohlkram, gaben ihm schwarz Brot zu essen und Wasser zu trinken, zeigeten es auch unverzüglich der Obrigkeit, nämlich dem Abte des Klosters Grünhain an, welcher alsbald Befehl gab, die vorangeschickten fünf Reiter auch aufzusuchen, und also geschahe es, daß noch diesen Tag, welcher war Kilianitag, Kunz von Kauffungen mit sechs seiner Gesellen in gefängliche Haft gebracht wurde. Diese Gefangenen überantwortete der Abt noch denselben Tag dem Oberamtmann von Schönburg auf Glauchau und Hartenstein nach Zwickau, welcher sie festsetzen und die übrigen ferner verfolgen ließ.

Die übrigen Prinzenräuber, Wilhelm von Mosen, Wilhelm von Schönfels und andere, welche den Prinzen Ernst mit sich führten, hatten versucht beim Pfarrherrn zu Hartenstein einzusprechen, allein der Pfarrherr war nicht daheim und sie konnten deshalb keine andere Zuflucht finden, als daß sie sich in dem Walde nahe bei der Mulde, über dem Schlosse Stein, in eine entlegene Höhle oder Steinkluft versteckten. Denn sie höreten den Sturmschlag und konnten aus dem Getümmel die Verfolgung wohl ermessen. Zu dem brach das Geschrei, daß Kunz und etliche seiner Reiter gefangen und der junge Prinz Albrecht erlöset wäre, geschwinde aus, welches sie meisterlich erkundeten, auch besorgeten, es möchte ihnen gleichfalls nicht anders gehen; denn die Pferde waren ihnen bereits abgejagt und guter Rat teuer. In solcher Gefahr vergaßen sie des gemachten Vergleichs und waren entschlossen, sich mit dem Prinzen auf kurfürstliche Gnade zu ergeben. Deswegen schicktensie einen vertrauten Boten zum Oberamtmann nach Zwickau, dem sie schrieben, sie bereueten ihre That und hätten den Prinzen unversehrt bei sich; wenn ihnen von dem Kurfürsten Sicherung ihres Lebens, ihrer Ehre und ihres Gutes zugesagt werde, so wollten sie den Prinzen ausliefern, wo nicht, so würden sie denselben zuerst und dann sich selbst töten. Der Oberamtmann Friedrich von Schönburg sicherte ihnen dies darauf bei seinen »adeligen Ehren und Treuen« zu, und so lieferten sie den Prinzen am 11. Juli an denselben ab, der ihn dann seinen Eltern nach Chemnitz überbrachte.

In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden. Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h. geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)

In obiger Erzählung von der Befreiung der Prinzen und insbesondere des Prinzen Albert ist Geschichte mit Sage verbunden. Zunächst ist es sehr unwahrscheinlich, daß Kunz von Kauffungen in dem Walde bei Grünhain und in unmittelbarer Nähe der damaligen Grenze von Böhmen noch eine Rast hielt, während ringsum die Sturmglocken ertönten. Die Gefangennahme Kunzens war wohl nicht eine zufällige, sondern vielmehr ein Ergebnis planmäßiger Verfolgung. Gewiß ist aber, daß sich dabei der Köhler Schmidt durch besondere Thätigkeit auszeichnete und sich damit ein hervorragendes Verdienst um des Prinzen Befreiung erwarb. Die Altzeller Chronik erzählt, bei dem Kloster Grünhain sei Kunzen von ungefähr »ein arm Mann« (der Köhler) begegnet, der zurückgelaufen sei und dem Abte zu Grünhain, was er gesehen, gemeldet habe; er habe auch andere Mitteilung gemacht, und so sei Kunz gefangen worden. Auch die gewöhnliche Erzählung von der kurfürstlichen Belohnung des Köhlers gehört zum Teil in das Gebiet der Sage. Urkundlich ist, daß ihm und darnach dem jedesmaligen Ältesten seiner Nachkommen jährlich ein Scheffel Korn ausgesetzt wurde; unverbürgt ist das Geschenk mit dem sogenannten Trillergute in Eckersbach bei Zwickau. Der Köhler Schmidt, welcher in der Folge ebenso wie seine Nachkommen den Namen »Triller« erhielt, weil er angeblich den Kunz tüchtig getrillt, d. h. geschlagen habe, mochte sich später am Hofe zu Altenburg aufhalten und daselbst ein sorgenfreies Leben führen. (S. Koith, Kunz von Kauffungen, Mitteilungen des Freiberger Altertumvereins, 13. H.)

Nach »Loci theologici historii, oder Theologisches Exempel-Buch« von Kaspar Titius (Leipzig 1684), S. 133 lautet diese Sage:

Auf St. Annaberg in Meißen in einer Erzgruben zum Rosenberg genannt, ist ein Teufel gewesen, welcher in einer Kluft mit seinem Anblasen oder Anhauchen zwölf Bergknappen umgebracht, darum man auch dieselbige Grube oder Schacht, wiewohl sie ganz reich an Silber gewesen, hat müssen wüste liegen lassen. Den Odem aber oder Hauch, damit er die Leute anblies, ließ er aus aufgesperrtem Rachen heraus gehen: denn wie man daraus saget, er in eines Pferdes Gestalt mit langem Hals und greulichen Augen ist gesehen worden.

Nach »Loci theologici historiioder Theologisches Exempel-Buch (Leipzig 1684)« S. 137 lautet diese Sage:

Anno Christi1559 ist dies schreckliche Ding geschehen, auf der Platten, zwei Meilen Weges von Joachimsthal. Daselbst hat ein Schmied eine Tochter gehabt, die fromm, züchtig und gottesfürchtig gewesen, fleißig zur Kirche gegangen, hat auch das hochwürdige Sakrament oft empfangen. Diese ist durch Verhängnis Gottes vom Teufel besessen, ohngefähr in Fastnachten, und hat sie der böse Feind oft niedergeworfen, als hätte sie die fallende Sucht. Die Eltern haben hierüber bei Wahrsagern Rat gesucht, daß der Teufel nachmals hat zu Schutz seiner Gewalt angezogen. Nach Ostern hat der Teufel begonnen, leibhaftig aus der Jungfrau zu reden, hat sich in der Stube sehen lassen, wie ein Kuckuck, Rabe, Hummel und dergleichen, auch also, wie solche Vögel pflegen, geschrieen. Hat grausame, wunderliche Dinge aus ihr geredet, daß nicht genugsam davon zu schreiben, und ist ein großer Zulauf vom Volke, auch von vielen Fremden worden, diese wunderliche Dinge zu hören. Und haben sich viele fromme Christen unterstanden, mit ihm zu reden, denen er allen Antwort genug gegeben.

Aber die Jungfrau ist stets geduldig gewesen, hat oft selber mit zu Gott gebetet, und wenn sie um Erlösung im Namen Jesu Christi gerufen, hat sich bald der böse Geist wieder funden, ihr in den Augen gesessen und dieselben aus dem Kopfe herausgetrieben, so groß wie ein Hühnerei, die Zunge wie eine zusammengeflochtene Weide, einer Spannen lang zum Munde herausgesteckt, auch ihr das Angesicht auf den Rücken gewendet, also jämmerlich, daß es nicht genugsam zu beschreiben. Wenn sie Ruhe gehabt, und man sie gefragt, wie es ihr gehe, hat sie allewege geantwortet, es dünke sie, wie sie auf einem Wasser liege und müsse ertrinken, so kämen doch allewege viel fromme Leute, die ihr davon hülfen.

Es sind alle Priester, so des Orts umher gewesen, dahin kommen und haben mit ihr Gespräch gehalten, denen der Teufel über die Maßen höhnische Antwort aus der Jungfrau gegeben, und wenn man von Christo Jesu ihn gefragt, ist er allewege auf eine höhnische Fabel gekommen, daß es nicht gut, so spöttlich zu schreiben. Da er auch befraget, wie er in sie gekommen, hat er gesagt: Sie habe es in einem Trunk Bier einges…, zu Fastnacht in einer Fliegen Gestalt, denn er sei ihr zwei Jahr nachgegangen, und da die Eltern zur Wahrsagerin gelaufen, habe er desto besser Platz bekommen.

Dieser böse Geist ist endlich von der besessenen Jungfrau durch fleißiges Gebet der Christen abgetrieben worden, da er wie ein Schwarm Fliegen ausgefahren.

(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 59.)

Zwischen der Stadt Buchholz und dem Dorfe Kunnersdorf steht in einem romantischen Thale eine Mühle, welche den sonderbaren Namen Katzenmühle führt. Ehe noch die Stadt Buchholz erbauet war, stand schon diese Mühle, welche selbst älter als das Dorf Kunnersdorf ist. Bei derselben befand sich ein Stall, in welchem ein Gespenst so böslich hauste, daß der Müller kein Vieh in demselben beherbergen konnte, sondern dasselbe wo anders einstellen mußte. Einst kam bei später Nacht und im schrecklichsten Schneegestöber ein Bärenführer mit zwei Bären, welcher sich im Walde verirrt hatte und den Müller flehentlich um Nachtquartier bat, weil er sonst mit seinen Tieren umkommen müsse. Mitleidig erklärte der Müller dem Bittenden, daß er ihm für seine Person gerne Quartier geben wolle, nur wisse er die beiden Bären nicht unterzubringen, weil er nur einen Stall habe, wo sein Vieh stehe und in einem andern hause ein Gespenst dermaßen, daß kein Tier darin bleiben könne. Gedrungen von der Notwendigkeit erwiderte der Bärenführer, daß er ihm den Stall, wo das Gespenst sei, nur einräumen solle, seine Bären möchten sehen, wie sie mit dem Gespenst fertig würden. Nach mancher Einwendung gewährte der Müller dem Fremden seine Bitte, welcher dann die Tiere in den Stall zog und sie ihrer Maulkörbe entledigte. Um Mitternacht erhob sich ein schrecklicher Lärm in dem Stalle der Bären, der bis gegen Morgen anhielt; dann wurde es endlich still.

Kaum war der Tag angebrochen, als der Bärenführer nach dem Stalle eilte, seine Bären gesund und wohl antraf und kurz darauf mit ihnen seines Weges zog. Bald darauf ging der Müller in den Wald, um sich etwas Holz zu fällen. Indem er an einem Felsen vorbei kam, rief ihn eine Stimme und fragte, oh die bösen schwarzen Katzen noch in seinem Stalle wären. Leicht erratend, daß dies die Stimme seines bösen Gespenstes sei, antwortete der kluge Müller: »Ja, und sie werden auch immer da bleiben«. Seit dieser Zeit wurde er seines bösen Geistes entledigt.

(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)

Zwei Frauen waren einst aus einem benachbarten Orte hinaufauf den Freiwald gegangen, Heidelbeeren zu suchen, und kamen unvermerkt an die Felsen des Greifensteines. Emsig suchten sie umher und hörten nicht auf einen Laut, der aus dem Felsen herabkam. Doch als das Rufen vernehmlicher ward und eine Frau sogar ihren Namen rufen hörte, eilte sie fort dem Schalle entgegen. Hoch und weit geöffnet sah sie plötzlich am Fuße des Felsens eine Höhle. Haufen von Gold türmten sich in ihrem weiten Raume auf und ein rabenschwarzer Hund bewachte den Eingang. Eine freundliche Stimme aus dem Innern der Höhle, die sie erinnerte, ihre Schürze zu füllen, belebte ihren bereits gefundenen Mut und furchtlos bepackte sie sich und eilte davon. Doch mehr und mehr verengte sich mit jedem Schritte die Kluft und ängstlich rufend entfloh sie mit schnellen Schritten der Geisterhöhle. Als sie aber am Ausgange war, ergriff der Hund ihre Bürde mit gierigen Klauen. Das geängstigte Weib starb am folgenden Tage.

Diese Sage befindet sich auch in »Loci theologici historii, oder Theologisches Exempel-Buch etc. in Ordnung gebracht durchM. Casparum Titium, Pfarrherrn zu Heckstedt (Leipzig, 1684)« S. 99 folgendermaßen erzählt: Zu Zwickau verfällt ein Knabe, der ausgetrieben hatte, mit einem tiefen Schnee, den findet man erst am dritten Tage im Walde, als er gefragt wird: Warum er nicht das Vieh eintreibe? spricht er: Ist doch noch nicht Abend. Ei, sagten die Leute, ists doch schon dreimal Abend gewesen; der Knabe sagt: Hier nicht. Sie fragen weiter: Hungert dich nicht? Er antwortet: Nein, ein Mann in einem weißen Kleide brachte mir ein Stück Käse und Brot, davon bin ich noch satt. Wer wollte hier sagen, daß es nicht ein Engel gewesen?

(Erzgebirgischer Bote, Zwickau 1809, S. 70.)

Es zog einst aus den Ebenen von Sachsen ein Wandersmann ins Gebirge, von da hinab zu steigen in die gesegneten Auen von Böhmen. Unkundig des Gebirges verlor er den Heerweg und betrat, unwissend wohin er geraten möchte, einen stark befahrenen Kohlenweg, der nach einer Meilerstätte des Freiwalds führte. Die Nacht war im Anzuge und die Angst des Wanderers groß. Im blassen Scheine des Mondes durchzog er den Wald, durchspähete sorgsam jede Rodung und horchte leise atmend auf das Bellen der Hunde, welches die Abendluft ausder Ferne herüber trug. Den Tönen nach zog er, als plötzlich eine kleine Geistergestalt ihm entgegen trat und ihn aufforderte, ihr zu folgen. Ihr Weg ging nun über Stock und Stein und fand endlich an den Felsen des Greifensteins sein Ziel. Kaum waren sie durch eine daselbst befindliche Höhle eingetreten, als sich auf einmal ein ungeheures Gewölbe dem staunenden Wandrer öffnete. Seine Wände schienen von Silber, seine Tische von Gold zu sein. Aus tausend goldenen, mit Edelsteinen besetzten Leuchtern, in denen die Strahlen der Lichter sich unzähligemal brachen, strömte ein überirdischer Glanz über das ganze Gewölbe. Eine lange, köstlich besetzte Tafel zog sich in demselben herab und war mit ehrwürdigen Männern umgeben, die sich an den aufgetragenen Speisen sättigten. Ein Diener lud ihn ein, sich zu setzen und ein anderer brachte ihm schon, indem jener noch sprach, Speisen von der langen Tafel. Da endlich der Wanderer davon genoß, ward er zusehends erquickt und fröhlich und gutes Muts. Die ehrwürdigen Berggeister aber freuten sich sichtbar über ihn und befahlen den Dienern, ihm den Reisesack zu füllen, den er bei sich hatte. Mit herzlichem Danke schied er darauf von seinen Wirten. Als er aber im Scheine des Mondes und nach einer ungeduldig durchwachten Nacht bei den ersten Strahlen der Morgensonne seinen Sack aufthat, blitzten ihm die Goldgeschirre und Edelsteine entgegen, deren Glanz ihn schon im Gewölbe in Erstaunen gesetzt hatte. Zum Überfluß hatten ihn die gütigen Berggeister hart an die Straße gebracht, auf welcher er fröhlich gen Böhmen zog. Später siedelte er sich ohnweit des Freiwaldes an und lebte in einem ruhigen Genusse seines Reichtums bis in ein spätes Alter.


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