VII.Wundersagen.

VII.Wundersagen.

Durch Wunder geschieht Übernatürliches, d. h. alles das, was sich über die Naturgesetze erhebt. Wunder können daher nur Götter oder dämonische Wesen verrichten; wo sie von Menschen verrichtet werden, da wohnt in letzteren allemal etwas Dämonisches.

Wenn uns die Sagen von Wunderblumen erzählen, durch welche sich Berge mit darin verborgenen Schätzen öffnen, so leben wir auf dem Gebiete des Übernatürlichen, zugleich aber offenbart sich uns darin eine tiefe Symbolik. Die ersten gelben, blauen, weißen oder roten Frühlingsblumen sind die Abbilder des Blitzes, durch welchen Donar im Frühlinge die Berge des Himmels, d. h. die Wolken erschließt, so daß darauf die golden glänzende und Segen spendende Sonne sichtbar wird. Unter gewaltigem Krachen öffnet sich der Berg, unter Donner die Wolke, und Donar ist es selbst, welcher sie mit seinem Blitze öffnet, er ist der Hirte, von dessen Hand die Blume abgepflückt ward, die dann den Zugang zu den Schätzen im Innern des Berges erschloß. (Mannhardt, Die Götter der deutschen und nord. Völker, S. 204.) In allen hierher gehörigen Sagen ertönt die warnende Stimme: »Vergiß das Beste nicht!« und so ist dieser Zuruf nach Jac. Grimm (Deutsche Myth. S. 545) wohl die Blume selbst, unser »Vergißmeinnicht«, zu dessen Namen sich später erst die sentimentale Deutung bildete, oder der »Gamander« und das »Mausöhrchen«, welche beide ebenfalls vom Volke, das ihre Wunderkraft berücksichtigte, als »Vergißmeinnicht« bezeichnet wurden. Oder die Wunderblume ist die gelbe Schlüsselblume, das »Himmelschlüssel«, worauf eine Sage hinweist, welche Henne-Am-Rhyn (Deutsche Volkssage, S. 79) uns mitteilt. Darnach saß die Berg-Jungfrau am Steinböckli bei Unter-Erendingen im Aargau als Hüterin auf einem Häuflein gepflückter Schlüsselblümchen in der Morgensonne, ein Schlüsselbund, das sich hier, wie in anderen Sagen, stets auf einen verborgenen Schatz bezieht, an der Seite. Ein aufgehobenes Schlüsselblümchen verwandelte sich darauf in der Hand eines Jünglings in ein hellglänzendes Goldstück. – Wenn oben auf die Symbolik des Blitzes als Wunderblume hingewiesen wurde, so ist hier die Schlüsselblume unverkennbar eine solche, da sie sich in den Händendes Jünglings in ein Goldstück verwandelt; nach einem deutschen Volksglauben schlägt der Donner Gold ins Haus, und in Tyrol sagt man von den nach einem Gewitter gefundenen Münzen, daß sie vom Himmel gefallen seien.

Wie das Eisenkraut (Verbena) als »Wunschkraut«, wenn man dasselbe beim Aufgehen des Hundssterns sammelte, ehe es von Sonne oder Mond beschienen war, und ebenso die »Wünschelsamen«, d. h. die Sporen des Farnkrauts, alle Wünsche erfüllten (Reling und Bohnhorst, Unsere Pflanzen, S. 62 und 112), so galt auch die Wünschelrute unbeschadet ihrer Beziehung zu Donar als wunderkräftiger Stab, der dem Menschen von Odhin, als dem Herrn des Wunsches und Wisser der Orte, wo Gold und Silber in der Erde liegen, verliehen ward. Nach Jakob Grimm drückt der Wunsch den Inbegriff von Glück und Heil aus. Die Wünschelrute heißt darum in David Kellners 1702 zu Nordhausen geschriebenen »Schola metallurgica« oder »wohleingerichteten Bergmanns-Schule« auch Glücksrute, und hinzugefügt wird dabei, daß man sie noch »Wicker« oder »Wahrsager« nenne, »sintemal das alte deutsche Wort wicken so viel ist, als vorher- oder wahrsagen.« Die Wünschelrute ist der Kompaß, welcher in der Mitternachtsstunde des ersten Maitages den Ort anzeigt, wo die Wunderblume blüht (Mannhardt a. a. O. S. 206); sie führt nach den ältesten Überlieferungen zu verborgenen Schätzen, ja noch mehr als dies: sie stärkte und vergrößerte fort und fort deren Gehalt und verlieh dem Besitzer übermenschliche Kräfte, und darum sagt auch die Edda von dem Nibelungenhorte, »dem Schatze, der nichts anderes als nur Gestein und Gold enthielt,«

»Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein;Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister seinWohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.«

»Es lag der Wunsch darunter: von Gold ein Rütelein;Wer dessen Kraft erforschte, der möchte Meister seinWohl auf der ganzen Erde und über jeden Mann.«

Hier wird die Wünschelrute golden genannt, und obschon man in der Blütezeit ihres Gebrauchs vereinzelt auch aus Messingdraht gemachte Ruten, ja selbst Lichtscheren, wie uns sagenhafte Überlieferungen melden, mit gutem Erfolge anwandte, so war es doch hauptsächlich der Haselstrauch und in einigen Fällen noch der Kreuzdorn, wenn der Zweig in einem Jahre gewachsen und kein Flecken altes Holz daran war, von welchem sie abgeschnitten wurde. Nach einer Kärntner Sage von der Erbauung des Schlosses Waisenburg wurde ein Mädchen in einem Traume belehrt, sie möge mit einem Wachholderzweige einen Schatz suchen; dort, wo sich das Zweiglein der Erde zuneige, solle sie nachgraben. (Österr. Touristenzeitung 1885, No. 10.) Der dem Donar geweihte Haselstrauch ist nach der Sage mit wunderbaren Kräften ausgestattet.Sein Zweig schützt gegen den Blitz, denn letzterer darf weder den Strauch, noch denjenigen treffen, welcher unter ihm Schutz sucht; ein Haselstab, mit einem Hollunderzweige übers Kreuz gebunden, schützt gegen das wütende Heer; Haselzweige in den Ställen bessern den Viehstand auf; drei derselben auf dem Boden einer Scheune sichern das Getreide gegen allen Schaden; Kühe, von den Hirten mit Haseln an die Lenden geschlagen, geben reichlich Milch; ein am Karfreitage vor Sonnenaufgang im Namen des dreieinigen Gottes stillschweigend mit drei Schnitten abgelöster Zweig überträgt die Schläge auf den Abwesenden, und so weiß das Volk noch manche Kräfte zu nennen, welche dem Strauche verliehen wurden. Im Schwarzwalde trugen einst die Hochzeitsleute eine Haselrute, und an einigen Orten Frankreichs umtanzt man noch jetzt die Johannisfeuer mit einem Haselzweige.

Für die Wünschelrute mußte vom Strauche eine jährige Zwiesel oder Gabel, welche so stand, daß Ost- und Westsonne durch dieselbe schien, im Mondschein geschnitten werden. Man wählte dazu am liebsten die Johannis-, aber auch Christ- und Karfreitagsnacht, oder die der heiligen drei Könige, nachdem man die Rute bei Neumond gesucht hatte. Sie durfte weder mit Hülfe eines Messers oder anderen metallenen Werkzeugs, sondern mußte mit einem scharfen Feuerstein rasch vom Stamme gelöst werden, damit der Strauch nicht Zeit habe, die geheimnisvolle Kraft aus dem Zweige herauszuziehen. Dabei kehrte man sein Angesicht nach Morgen, neigte sich dreimal vor der Rute und sprach: »Gott segne dich, du edles Reis! Mit Gott dem Vater such' ich dich, mit Gott dem Sohne find' ich dich, mit Gott des heiligen Geistes Macht und Kraft breche ich dich. Ich beschwöre dich Rute und Sommerlatte bei der Kraft des Allerhöchsten, daß du mir wollest zeigen, was ich dir gebiete, und solches so gewiß und wahr, so rein und klar wie Maria, die Mutter Gottes, eine reine Jungfrau war, da sie unsern Herrn Jesum gebar, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen!« (Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 712.) Beim Gebrauche faßte man die Rute an den beiden Zwieselenden, so daß sich der Stiel, in welchem sie zusammenliefen, aufwärts kehrte. Kam man damit über die in der Erde liegenden Erzgänge, so beugte sie sich gewaltig nieder, während sie dann, wenn man dem Gange nicht folgte, sondern ihn überschritt, gerade über sich unbeweglich stand. Etliche Rutenschläger »gingen mit ihr stillschweigend über das Gebirge, etliche aber fragten dieselbe entweder laut oder nur in Gedanken auf allerhand Manier und faßten auch ein gewiß Metall, dergleichen sie gern erkundigen wollten, daneben in der Hand.« »Es ist aber«, wie die oben genannteSchola metallurgica(S. 196) schreibt, »diese Wirkung der Rute ein Wunder der Natur und verborgenen Sache, deren Ursache man nicht wohl erkundigen kann, ebenfalls wie der Magnet das Eisen, der Agtstein, so er erhitzet, das Stroh oder Sprey, der Serpentin oder Schlangenstein, wo er im Felde lieget, die Schlangen an sich ziehet, und dergleichen natürliche Wunder viele mehr.«

Nach Jacob Grimm unterschied man von der Wünschelrute mehrere Arten: als Feuerrute, Brandrute, Springrute, Schlagrute und Beberute, und man glaubte mit ihr nicht nur verborgene Schätze und Erzadern, sowie taube Gänge, »alte Gebäude und Gezimmer in der Erde«, sondern auch Salz- und Kohlenlager und Wasserquellen, ja Mörder und Diebe zu entdecken.« (Grimm, Deutsche Myth. S. 546.) Der Verfasser derSchola metallurgicafügt außerdem (S. 490) hinzu, daß man von ihr fast alles erkundigen wolle, was in der Welt geschähe, ob nämlich diese oder jene Person zu Hause sei, oder ob man eine belagerte Festung erobern werde und dergleichen mehr; doch kann er nicht umhin, dabei hinzuzusetzen, daß ihm dieses sehr verdächtig vorkomme. Nach einer Überlieferung aus Johanngeorgenstadt schlägt die Rute auch auf verborgene Rainsteine und durch sie werden Diebe entdeckt und gestohlene Sachen wieder gefunden.

In das Bereich der Wundersagen gehören auch die Überlieferungen von den Venedigern oder Wahlen, jenen rätselhaften Fremden, welche außer dem Fichtelgebirge, Thüringerwalde, dem Vogtlande und andern mitteldeutschen Gebirgen auch das Erzgebirge nach Gold durchsuchten und von dem Volke mit übernatürlichen Kräften ausgestattet wurden. Sie kannten das Innere der Berge, wuschen die Goldkörner aus dem Sande der Flüsse und waren mancher Zauberkünste kundig. Vielleicht sind manche der von ihnen meldenden Sagen auf die Schätze hütenden Berggeister zurückzuführen, umsomehr, da in den Volkssagen der Oberpfalz die Venetianer häufig Größe und Aussehen der Bergmännchen besitzen. In der Bavaria (III. S. 269) deutet E. Fentsch die Wahlen als Wenden und verweist dabei auf eine Ansicht von Baumers, nach welcher die Vallen des Plinius ein slavischer Volksstamm waren, welcher beim Vordringen aus dem Osten Europas bis in die Fichtelgebirgsgegend gelangte und dort seine alte Kunst, nach Gold und andern Metallen zu graben, ausübte. (Zapf, Sagenkreis des Fichtelgebirgs, S. 104.) Wir können dann noch weiter gehen und auch die Venediger des Erzgebirges auf zerstreute Sorben zurückzuführen, welche, als einem unterdrückten Volksstamme angehörig, in der Überlieferung nach und nach zu zwerghaften Wesen zusammenschrumpften. Meldet uns doch auch eine alte Nachricht, »daß schon dreihundert Jahrevor Aufkunft des Goslarischen Bergbaues unter Otto I. die böhmischen Wenden unser Obergebirge (Erzgebirge) jenseits, unsere Wenden aber diesseits (d. h. auf jetzt sächs. Seite) angebaut, daselbst Eisenstein gegraben, Eisenhämmer und Schmelzhütten angelegt und von Pirna bis an Hof im Vogtland alle Wälder, Berge und Hügel durchschürft hätten.« (Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im s. Vogtland, S. 2.)

Neben den Sagen von Wunderblumen, welche den Zugang zu unterirdischen Schätzen öffnen, von der Wünschelrute und den Gold suchenden Venedigern sind auch diejenigen für unser Gebirge charakteristisch, welche uns von Träumen und Prophezeiungen erzählen, durch welche reiche Silbergänge angezeigt wurden. Es ist ein alter Glaube, daß vermittelst der Träume durch Schutzgeister der Wille der Götter den einzelnen Menschen als Rat oder Warnung mitgeteilt wird, und daher hegte man von jeher das Vertrauen auf Erfüllung dessen, was man geträumt, weil man darin Winke des Schicksals erblickte. In gleicher Weise wurden auch die Ahnungen, d. h. das Träumen im wachen Zustande, als Eingebungen der Götter angesehen, und ebenso achtete man bereits im Heidentume auf die Erscheinungen der belebten Natur; man erblickte in denselben, sowie in allen Dingen einen ursächlichen Zusammenhang, so daß man in den wunderbaren Gestaltungen der Wolken und in anderen auffälligen Erscheinungen am Himmel und in der Luft die Beschlüsse des von Göttern über den einzelnen Menschen oder ein ganzes Volk verhängten Schicksals herauslas. Das sind die Vorzeichen. – Hierhin gehören auch die Anzeichen durch mancherlei Geräusch, wie Klopfen an Thür und Wand, das Klirren von Waffen u. a. mehr, durch welche Töne entweder gewarnt oder ein Todesfall angezeigt wird.

Von derartigen Überlieferungen einer wunderbaren direkten Äußerung der Gottheit in Bezug auf das Geschick der Menschen finden wir eine ziemliche Mannigfaltigkeit, ebenso von wunderbarer Hülfe durch heilkräftige Quellen oder von plötzlicher Strafe für Meineid oder gotteslästerliche Worte. Es wird in dieser Hinsicht schließlich auf die einzelnen Sagen verwiesen.

(Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit, 1862, S. 40. Mündlich.)

Auf dem Schlettenberge bei Marienberg lassen sich zu gewissenZeiten ein paar kleine Lichter sehen. In dem Berge steckt nämlich ein goldenes Kind und aller 50 Jahre am Johannistage mittags 12 Uhr wächst auf dem Berge eine schöne Blume. Wer dieselbe nun pflückt, der kann in den Berg hineingehen. Da sieht er dann den goldenen Jungen in einer goldenen Pfanne liegen; beide werden von einem großen Pudel bewacht. Wer aber die Blume hat, darf sie nur dem Pudel hinzeigen, dann kann er die Pfanne mit dem goldenen Jungen nehmen. Jedoch muß er darauf schnell fortlaufen; ist er über den Hammergraben gekommen, so kann ihm der Hund nichts mehr thun. Wenn ihn jedoch der Hund einholt, ehe er über den Graben gekommen ist, muß er die Pfanne mit dem Kinde wieder hergeben und der Hund trägt beides wieder in den Berg.

Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene Kind zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden heidnischen Gottheiten hin? Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten Vorstellungen nicht nur der Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere golden waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte Gestalt, besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann (Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin gehört z. B. auch die Sage von einer goldenen Ente mit goldenen Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach liegen soll. (Gräßler, Sagen von Mansfeld, No. 46.)

Der Hund ist der Wächter der Unterwelt. Aber worauf ist das goldene Kind zurückzuführen? Deutet es auf eine der goldstrahlenden heidnischen Gottheiten hin? Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch, I., S. 4) bemerkt, daß nach den ältesten Vorstellungen nicht nur der Himmel, sondern auch die Götter selbst und ihre Lieblingstiere golden waren. Die Pfanne ist wie der in andern Sagen auftretende Braukessel möglicherweise eine Hindeutung auf ein Opfergerät.

Eine Anzahl von Beispielen, nach denen der Schatz eine bestimmte Gestalt, besonders von Tieren, angenommen hat, führt Grohmann (Aberglauben und Gebräuche in Böhmen und Mähren, S. 214) an. Hierhin gehört z. B. auch die Sage von einer goldenen Ente mit goldenen Eiern, welche im Klosterhofe zu Sittichenbach liegen soll. (Gräßler, Sagen von Mansfeld, No. 46.)

(R. im Glückauf, Organ des Erzgebirgsvereins, 1882, No. 3.)

Gegenüber dem Geringsberge zwischen Lauter und Neuwelt erhebt sich am rechten Ufer des Schwarzwassers der im Ganzen kahle Teufelsstein, den man von der Haltestelle Lauter bequem in fünf Minuten erreichen kann. Nach der Meinung einiger ist der Name Teufelsstein verfälscht und lautet eigentlich »Taufenstein«, weil sich hier in alter Zeit ein Taufstein oder Taufbecken befunden haben soll. Eine andere Sage aber bezeichnet den Teufelsstein als ein verwünschtes Schloß, welches kostbare Schätze in seinem Innern birgt und von Jahr zu Jahr des Tages seiner Erlösung aus der Hand des »Bösen« und der Hebung seines reichen Gutes harret, – doch bis jetzt vergebens. Noch immer liegt es verzaubert unter mächtigen Felsblöcken. Zwar ist ein Schlüssel, durch dessen wunderbare Macht die verborgenen Zugänge unwiderstehlich sich öffnen, vorhanden, doch noch niemandem istes gelungen, hineinzudringen. Der Schlüssel ist eine gelbe Blume, welche alljährlich im Frühjahr aufs neue emporsprießt und ihren Wunderkelch entfaltet. Ein Schäfer aus Beierfeld, welcher dort vor vielen Jahren seine Herde weidete, fand sie eines Tages und pflückte sie. Alsbald merkte er, wie sich in seiner Nähe geheimnisvoll eine Felsenspalte öffnete, und verwundert schaute er in eine Höhle, aus deren Hintergrunde ihm zauberischer Goldesschimmer entgegenblickte. Da er jedoch die Mahnung des am Eingange sitzenden bärtigen Wächters mit grauem Hute, still zu bleiben, nicht beachtete, sondern einen lauten Ausruf des Erstaunens ausstieß, so schloß sich ebenso geheimnisvoll und schnell die Öffnung wieder und hat sich bis heute noch nicht wieder aufgethan.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 72.)

In südwestlicher Richtung von Gottesgab erhebt sich der kegelförmige basaltische, mit Wald bedeckte Spitzberg. Auf demselben stand nach der Sage in alten Zeiten ein großes, festes Schloß. Dort hauste mit gleichgesinnten Spießgesellen ein Ritter, der als Räuber und Mörder sich in der ganzen Gegend furchtbar machte. Einst geschah es, daß ein greiser Mönch aus dem nahen Kloster zu Mariasorg bei dichtem Nebel sich auf dem öden Heideplateau verirrte und in die ruchlosen Hände dieser Räuber fiel. Sie schleppten den Priester auf ihr schwer zugängliches Raubnest und warfen ihn unbarmherzig ins Burgverließ, wo er eines qualvollen Hungertodes sterben sollte. – Als die gottlosen Missethäter im Saale sich bei lärmendem Becherklang ihrer ausgeführten Verbrechen in frechen Lästerreden rühmten, sank der dem Tode überlieferte Mönch auf die Knie und flehte im inbrünstigen Gebete zu Gott, dem starken Helfer in der Not, daß er die berüchtigte Mörderburg in einen Schutthaufen verwandle. Plötzlich machte ein furchtbarer Donnerschlag die Mauern des stolzen Schlosses wanken, sie stürzten zusammen und begruben die Räuber unter ihren Trümmern; nur der Mönch wurde gerettet. Die angehäuften Schätze aber versanken in des Berges inneren Schoß. – Nach langen Jahren träumte einmal einem armen, frommen Hirtenjungen drei Nächte hintereinander, daß er dazu erkoren sei, den im Innern des Spitzberges verborgenen Schatz zu heben. Zwei Tage hatte er schon seine Kühe auf diesem Berge geweidet, und noch war ihm kein Anzeichen geschehen. Als er nun am dritten Tage – es war der Karfreitag – wieder seine Herde am Spitzberge hütete, sah er auf einmal auf einem nahenFelsblocke eine wunderschöne gelbe Blume stehen. Ei, dachte er, eine so schöne Blume habe ich in unseren Bergen und Thälern noch nicht gesehen! Ich werde sie pflücken und auf meinen Hut stecken, gewiß werden alle daheim die Schönheit der Blume bewundern. Gedacht, gethan. Kaum hatte er aber mit der Blume den Hut geschmückt, als unter einem fürchterlichen Knall sich der Berg aufthat. Der Hirt sah sofort eine weitgeöffnete Thür im Felsen, vor der ein kaum spannenhohes Männlein stand, das ihm zu folgen winkte. Obwohl er durch diese unerwarteten, wunderbaren Vorgänge für den Augenblick aus der Fassung gekommen war, nahm er doch allen Mut zusammen und schritt seinem Führer nach. Der Weg ging erst durch dunkle, dann magisch erleuchtete Gewölbe, deren Wände diamantartig glitzerten, bis beide endlich in einen überaus prachtvollen Saal gelangten, der mit den kostbarsten Schätzen aller Art angefüllt war, und in dessen Mitte sich eine weißgekleidete Jungfrau befand. Diese betrachtete den erstaunten Hirtenjungen mit freundlichen Blicken und hub dann lächelnd an: »Hier hast Du die feinsten und auserlesensten Speisen, genieße von ihnen! Wohin Du blickst, sind ganze Haufen von Gold, Perlen, Edelsteinen und köstlichen Gewanden aufgeschichtet. Nimm Dir davon, soviel Dein Herz begehrt; doch vergiß das Beste nicht!« Der Junge, durch die vernommenen Worte ermutigt, griff nach den besten Speisen und aß und trank, steckte sich hernach Hut und Taschen voll Gold und Edelsteine, und schickte sich zum Rückwege an. »Vergiß doch das Beste nicht!« rief lauter und ängstlicher zum zweitenmale die Jungfrau mit flehenden Gebärden. Der Hirtenjunge spähte umher und erblickte zu seiner Verwunderung eine Peitsche, welche vortrefflich zu seinem Geschäfte zu passen schien. Da dachte er: Du hast dir schon von allen Schätzen im Überfluß genommen; diese Peitsche da wird jedenfalls das Beste für dich sein! Mithin griff er ohne Bedenken nach der Peitsche. Da fing aber die Jungfrau bitterlich zu weinen und zu wehklagen an; ein plötzlicher Donnerschlag erschütterte den Saal so, daß der Boden unter den Füßen des Hirten wankte, der im Nu wieder auf der Oberfläche des Berges stand. Jetzt erst erinnerte er sich an seine Wunderblume. Mit Hast griff er an den Hut, um sie herabzunehmen, aber er bemerkte zu seinem größten Leidwesen, daß er sie unter den Schätzen im Felsensaale zurückgelassen habe. – Mit den Worten: »Vergiß doch das Beste nicht!« hatte die Jungfrau die gelbe Blume, den Schlüssel zum verzauberten Schlosse gemeint. Hätte der Junge dieselbe nicht vergessen, so würde er nicht nur die Jungfrau von ihrem Zauber befreit, sondern auch den ganzen Schatz gehoben haben. Seit dieser Zeit hat niemand die Zauberblume, diealle tausend Jahre einmal zum Vorschein kommen soll, auf dem Spitzberge gefunden, in dessen Innerem auch der Schatz noch heute verborgen liegt. Der Hirtenjunge aber, der ein reicher Mann wurde, wäre zweifellos noch reicher und glücklicher geworden, wenn er nicht das Beste vergessen hätte.

Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter dem Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen im Innern des Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei. Die Wolke wird als Berg gedacht; aus ihr leuchtet nach dem Gewitter wieder die Sonne goldig hervor. Die Sonne ist der Schatz. Die Schafe oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls Wolken; Donar ist der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist eine von den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits bemerkt wurde, den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204; Grohmann, Sagen aus Böhmen, I., S. 87.) – Der gleiche Sagenstoff, allerdings mit mancherlei Modifikationen, aber immer als Darstellung von einem Hirten, welcher eine Blume findet, die der Schlüssel zu einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß das Beste nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen aus dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders zahlreich im Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125, 138, 173, 180, 276, Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und an noch vielen anderen Orten entgegen. Auch die Lausitz, sowie das Vogtland und der Harz besitzen Sagen von Wunderblumen, durch welche man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie unterscheiden sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende Zuruf ertönt, das Beste nicht zu vergessen.Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre Insassen Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der Volksmund auch in anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte Silberloch bei Seesen im Harze die Stelle, wo gleiches geschah. Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete Jungfrau mit einem Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter des Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch ferner den Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine, Sagen aus dem Harze, S. 10.)

Bereits in der Einleitung ist darauf hingewiesen worden, wie unter dem Hirten Donar und unter der den Zugang zu den goldenen Schätzen im Innern des Berges öffnenden Blume der Blitz zu verstehen sei. Die Wolke wird als Berg gedacht; aus ihr leuchtet nach dem Gewitter wieder die Sonne goldig hervor. Die Sonne ist der Schatz. Die Schafe oder Kühe, welche der Hirt hütet, sind ebenfalls Wolken; Donar ist der Wolkenhüter. Die den Schatz hütende weiße Jungfrau ist eine von den Wolkenfrauen, welche der Erde himmlische Milch, d. h. den Regen spendeten, aber auch in Bergen wohnten, da man sich, wie bereits bemerkt wurde, den Berg als Wolke dachte. (Mannhardt a. a. O. S. 204; Grohmann, Sagen aus Böhmen, I., S. 87.) – Der gleiche Sagenstoff, allerdings mit mancherlei Modifikationen, aber immer als Darstellung von einem Hirten, welcher eine Blume findet, die der Schlüssel zu einem großen Schatze ist und mit dem Zurufe: »Vergiß das Beste nicht!«, als die Blume vergessen wurde, tritt uns in Überlieferungen aus dem Fichtelgebirge (Zapf a. a. O., S. 19 und 25), sowie besonders zahlreich im Thüringerwalde (Witzschel, Sagen aus Thüringen, No. 125, 138, 173, 180, 276, Gräßler, Sagen aus Mansfeld, No. 20 und 211) und an noch vielen anderen Orten entgegen. Auch die Lausitz, sowie das Vogtland und der Harz besitzen Sagen von Wunderblumen, durch welche man verborgener Schätze teilhaftig werden kann; sie unterscheiden sich jedoch insofern von den vorigen, als hier nicht der warnende Zuruf ertönt, das Beste nicht zu vergessen.

Sagen von Schlössern, welche in die Erde versanken, weil ihre Insassen Raub und Mord und andere Greuelthaten verübten, erzählt der Volksmund auch in anderen Gegenden. So bezeichnet das sogenannte Silberloch bei Seesen im Harze die Stelle, wo gleiches geschah. Auch hier läßt sich zuweilen eine weißgekleidete Jungfrau mit einem Schlüsselbunde, welche die Sage als die mildthätige Tochter des Burgherrn bezeichnet, sehen, um, wie sie es im Leben gethan, auch ferner den Unglücklichen und Notleidenden beizustehen. (H. Heine, Sagen aus dem Harze, S. 10.)

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 70.)

Einmal weidete ein vierzehnjähriger Knabe am Fuße des Grauensteins bei Joachimsthal seine Herde. Da dieselbe ruhig graste, ließ er sich ins Gras nieder, vertiefte sich in den Inhalt eines Buches und gewahrte zu spät, daß sich das Vieh auf die Gebirge verstiegen hatte. So mußte er denn mit bangem Herzen von einem Berge zum andern steigen, bis er endlich die vollzählige Herde fand, die er auf die Wiese zurücktrieb. Aber ermüdet vom langen Suchen, versank der jungeHirt in einen tiefen Schlaf. Als er erwachte, schimmerte ihm eine so feuerrote Lilie entgegen, wie er noch keine auf allen seinen Wanderungen über Berg und Thal gesehen hatte. Alsogleich eilte er darauf zu, pflückte sie und steckte sie auf seinen Hut.

Und wie wunderbar! Kaum berührte er sein Haupt, so ward es plötzlich auf demselben lebendig. Voll Bestürzung nahm der Junge den Hut ab; er sah eine Otter darauf liegen und warf den Hut eiligst zu Boden, wo statt des zischenden Tieres ein goldener Schlüssel niederfiel, der aber in dem Augenblicke verschwand, als er ihn aufheben wollte. – Es soll dies der Schlüssel zum Schatze in dem verzauberten Grauensteiner Schlosse gewesen sein, den bis auf den heutigen Tag noch niemand in Besitz genommen hat. Der Glückliche, dem er bestimmt ist, soll demnach noch kommen.

(Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)

Bei dem Orte Unter-Blauenthal findet sich eine jetzt durch Gesträuch fast völlig verwachsene Felsenschlucht und in dieser soll man einst ein eisernes Thor, welches eine Höhle verschloß, gesehen haben. Vor langer Zeit mähte in der Nähe dieser Höhle ein Einwohner des genannten Ortes Gras, und als er sich in der Mittagstunde unter einen schattigen Baum setzte, um seine Sense zu dengeln, stand auf einmal ein schwarzer Ritter vor ihm und zu seinen Füßen sah er aus dem kahlen Erdboden eine gelbe Blume hervorsprießen. Der Ritter aber sprach zu ihm, er solle diese Blume abpflücken, sie sei der Schlüssel zu der eisernen Pforte; damit solle er dieselbe öffnen und sich aus der Höhle so viel von den Schätzen mitnehmen, als ihm behage; »jedoch«, so setzte er hinzu, »laß mir die Blume nicht liegen, sonst bist Du verloren.« Der Mann that, wie ihm der Ritter geheißen hatte. Die Höhle, in welche er gelangte, war an den Wänden mit funkelnden Edelsteinen besetzt und auf dem Boden standen viel Kisten, aus denen ihm Gold und Silber entgegen glänzte. Plötzlich erweiterte sich der Raum zu einem großen Saale und an einer mit kostbaren Speisen und Getränken besetzten Tafel sah er den Ritter mit Gefolge wieder; die Speisenden wurden von Zwergen bedient. Da winkte der Ritter dem Manne, derselbe solle sich mit an die mit einem Trauerflor behangene Tafel setzen. Ängstlich setzte sich der Arbeiter nieder, aber bald bekam er wieder Mut. Nachdem er gegessen und getrunken hatte, steckte er sich auf Geheiß des schwarzen Rittersso viel von dem Golde und den Edelsteinen ein, als er fortbringen konnte. Da er wieder vor der Pforte stand, schloß sich dieselbe mit einem großen Knalle, der Felsen wankte und der Eingang war nicht mehr zu sehen. Erschrocken wollte der Mann nach seiner Blume greifen; doch er besaß sie nicht mehr, denn er hatte sie in der Höhle zurückgelassen, als er die Schätze zusammenraffte. Nach wenigen Tagen starb er; man fand ihn, das Gesicht nach dem Nacken umgedreht, und das Gold war auch verschwunden. Der Fels aber, in dem sich der Eingang zu der Höhle befunden haben soll, heißt heute der Teufelsfels.

(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 172–174.)

Die Wünschelrute, durch welche Klüfte und Gänge ausgegangen werden, wird abgeschnitten von allerlei Holz, auch zu allen Zeiten, doch so, daß sie zwei Zacken oder Zwiesel hat, und man selbige in beiden Händen zwischen den Daumen und geschlossenen Fingern halten kann. Ja man mag auch eine andere Materie dazu gebrauchen, als Messing, Eisen u. dgl. Es ist aber der Nutzen der Rute dieser, daß sie die in der Erden liegende Klüfte und Gänge andeutet, indem, wenn der Rutengeher an dergleichen Stätte kommt und die Rute aufwärts hält, sie sich gewaltig niederbeuget und sich zuweilen, wenn sie stark gehalten wird, fast entzwei windet, während die Rute da, wo man dem Gange nicht folgt, sondern ihn überschreitet, wieder grade über sich unbeweglich steht.

Die Rute schlägt aber außer auf Gänge und Klüfte auch auf andere Dinge. Es entwendete eine Magd ihrer Herrschaft unterschiedliches, worauf man endlich einen Rutengänger holte, um im Hause die Rute zu schlagen; dieselbe führte ihn zu der Lade der Magd, in welcher sich auch die gestohlenen Sachen vorfanden. Ferner wurde einem Hammerwerksbesitzer allerhand entwendet. Derselbe schrieb an seine Freundin, den Rutengänger holen zu lassen, damit dieser mit der Rute forsche, ob nicht die Mägde des Bestohlenen, und welche unter ihnen, den Diebstahl begangen hätten. Er schickte zu dem Ende deren Namen mit. Die Freundin legte beide Zettel mit den Namen auf den Tisch, aber die Rute wollte sich nicht bewegen. Da fiel es der Freundin ein, ob nicht der Junge des Hammerherrn, dem es dieser zwar gar nicht zutraute, den Diebstahl begangen habe. Sie schrieb also dessen Namen mit auf ein Papier, wickelte es zusammen und legtees heimlich mit auf den Tisch. Da fing die Rute an sich zu winden, und als die Zettel gesondert worden waren, schlug sie allezeit auf denjenigen, welcher mit des Jungen Namen beschrieben war. Der Hammerherr nahm darauf den Jungen vor und die entwendeten Sachen wurden von ihm wieder erlangt. – In einem Zechenhause bei Johanngeorgenstadt wurden unterschiedliche Centner Kobalt entwendet, und weil einem frommen und christlichen Hammerwerksbesitzer, dem die Rute schlug, ein anderer Gewerke zuredete, zu versuchen, ob nicht die Rute den Dieb und dessen genommenen Weg anzeige, wollte dieser erst nicht darein willigen, in der Meinung, sie ziele nur auf Klüfte und Gänge. Er ließ sich aber doch bereden, nahm eine kleine Stufe Kobalt von dem Haufen weg, wovon ein Teil entwendet worden war, ging um das Zechenhaus, und als er an den erbrochenen Laden kam, schlug die Rute, führte ihn über die Wiese einen Berg hinauf und in einen Busch. Hier erblickte man frische Erde, und als diese hinweggeschafft worden war, fand sich eine Partie versteckter Kobalt. Darauf führte die Rute in einen zweiten und dritten Busch, so daß man wohl die Hälfte des gestohlenen Kobalts wieder bekam. Ja als sich einige Männer in der folgenden Nacht versteckten und die Diebe den Rest nachholen wollten, wurde einer davon ergriffen und nach Joachimsthal abgeliefert. – Die Rute schlägt auch auf Rainsteine. Einem Rutengänger wurde sofort der Rainstein im Boden angezeigt, ungeachtet schon Bäumchen darüber gewachsen waren. – Vielen Leuten schlägt die Rute gar nicht. Sie hat aber auch anderen von Kindheit an vortrefflich geschlagen; aber dieselben sind krank geworden oder gar ausgewachsen, und ob sie gleich wieder genesen, so hat ihnen doch die Rute keinen Zug mehr gethan.

Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen Wirkungen der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten Bemerkungen möge noch folgendes beigefügt sein:Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute Aarons, durch welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm der Israeliten angezeigt ward, in der Rute der Minerva, welche den alten Ulysses wieder jung machte, in derjenigen der Zauberin Circe, durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und in dem Wunderstabe des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene Gegenstände auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte, mochte man zunächst zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen aus verschiedenen Metallen gebraucht haben, bis man später fand, daß auch gewöhnliches Messing genügte.Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte Bergpredigt von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen versteckten Groschen. An denbeiden Enden der Rute wurde auch in einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter Erdweihrauch, d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner durch die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob Rotgüldig- oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon ein Stückchen zugleich mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische Belustigungen. Berlin, 1751. S. 116 etc.)Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der Wünschelrute noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon der Freiberger Professor Johann Friedrich Wilhelm Charpentier sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 erschienenen »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte Vorurteil mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius aber die Wünschelrute zerbrechend darzustellen.Dr.Gustav E. Stein erzählt noch von einem Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in Freiberg auf Veranlassung eines Markscheiders angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher Weise war dabei von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung die Wirkung einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem dünnen Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt worden, und es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die Schuhsohlen des Rutengängers mit dünnen Metallplatten belegt sein. Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser der erwähnten Abhandlung erwarteten Erfolge aus.

Zu den in der Einleitung zu diesem Abschnitte über die vermeintlichen Wirkungen der Wünschelrute und deren Gebrauch vorangeschickten Bemerkungen möge noch folgendes beigefügt sein:

Man fand in früheren Jahrhunderten Analogien dazu in dem das Wasser aus einem Felsen schlagenden Stabe des Moses, in der blühenden Rute Aarons, durch welche dem Moses der zum Priestertum bestimmte Stamm der Israeliten angezeigt ward, in der Rute der Minerva, welche den alten Ulysses wieder jung machte, in derjenigen der Zauberin Circe, durch welche seine Gefährten verwandelt wurden und in dem Wunderstabe des Merkur, durch den Wachende in Schlaf fielen.

Als man statt wirklicher Ruten Metalldraht und andere metallene Gegenstände auf unterirdische Gänge und vergrabene Schätze verwandte, mochte man zunächst zur Herstellung solcher Instrumente Legierungen aus verschiedenen Metallen gebraucht haben, bis man später fand, daß auch gewöhnliches Messing genügte.

Ein frommer Prediger in Freiberg entdeckte z. B., wie eine alte Bergpredigt von Meltzer mitteilt, mittelst einer Lichtputze einen versteckten Groschen. An denbeiden Enden der Rute wurde auch in einem seidenen oder tuchenen Fleckchen sogenannter Erdweihrauch, d. h. Harz aus Ameisenhaufen eingenäht. Man wollte ferner durch die Rute erfahren, ob Gold oder Silber und was für ein Erz, ob Rotgüldig- oder Glanzerz u. s. w. in der Erde liege, wenn man davon ein Stückchen zugleich mit der Rute in die Hand nähme. (Physikalische Belustigungen. Berlin, 1751. S. 116 etc.)

Sicher ist, daß sich der Glaube an die wunderbare Kraft der Wünschelrute noch bis in die Gegenwart erhalten hat, obschon der Freiberger Professor Johann Friedrich Wilhelm Charpentier sich bewogen fand, auf dem Titelkupfer seiner 1778 erschienenen »Mineralogischen Geographie der Chursächsischen Lande« das alte Vorurteil mit verbundenen Augen und fliehend, den aufgeklärten Genius aber die Wünschelrute zerbrechend darzustellen.Dr.Gustav E. Stein erzählt noch von einem Versuche, welcher anfangs der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts in Freiberg auf Veranlassung eines Markscheiders angestellt wurde. In scheinbar wissenschaftlicher Weise war dabei von seiten dieses Markscheiders in einer Abhandlung die Wirkung einer ganz metallenen oder auch hölzernen, jedoch mit einem dünnen Metallüberzuge versehenen Rute durch elektrische Ströme erklärt worden, und es sollten auch zur bessern Leitung dieser Ströme die Schuhsohlen des Rutengängers mit dünnen Metallplatten belegt sein. Selbstverständlich blieben die von dem Verfasser der erwähnten Abhandlung erwarteten Erfolge aus.

(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 197 etc. und 250. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S. 36 etc. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256.Documentaoder alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner etc. zu finden sein sollen. Abteilung inDr.David Kellner,Schola metallurgica. Nordhausen, 1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, S. 108.)

Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius, daß dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, als den Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in Flüssen und Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen abgerissen oder von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge erledigt; es ist das edelste und reinste Gold, dem Kronengolde gleich gehalten und ist ein Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. Solche Goldkörner, Flietschen und »Flämmigen« sind an Farbe und Gestalt nicht einerlei, etliche sind rot wie rostig Eisen, andere grau, etliche rauh und blaufarbicht, etliche wie Pech, andere dunkel und durchsichtig wie die Granaten, etliche mild und mürbe, andere zerspringen im Schlag wie Glas, etliche sind viereckig, etliche groß wiedie Erbsen und Bohnen, andere lassen sich »flötschen« wie Blei, und diese hält man für die besten. Solche Goldkörner, die sich flötschen lassen, hat man am Schallerberg um Lengefeld in Brunnen und Bächen gefunden. Alle Bächlein an der Zschopau, die vom roten Haus auf den Stolzenhain in das Grenzwasser am Weinberg (Weipert) fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei sich geführet, und die, so sich darauf verstanden, in kurzem reich gemacht. Im Grenzwasser Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner gefunden, die sich auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein Conduppel schwarze Körner, die man auf dem Amboß breit schlagen konnte. Im Preßnitzer Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter dem Spitzberge über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner gegeben und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz zum Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich und so gut als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, Fernrückertswald und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen klein und groß gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher auch die Forellen, die in solchen Goldbächen wachsen,Aurataegenannt, von Gold, nicht eben abaureolis maculis, daß sie goldfärbig wären, dieweil sie um Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich mit schwarzen Sprenklein gefunden werden, sondern von goldführenden Bächlein, oder bei sich führendem Golde, wie andere wollen. Am Schwarzwasser und seinen Einfällen über und um Platten, Gottesgab und Breitenbrunn, in ihren Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der Goldenen Höhe herein, werden noch bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten und Reinmachen des Zinnsteins in Federkielen gesammelt, und bisweilen feine Stüflein gediegenen Goldes gefunden, welche von Chymisten höher denn ander Gold gehalten werden. An der Schneeberger Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach, Fletschmaul u. s. w. werden auch Goldflietschen gefunden, und bei Eibenstock hat in einer Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des Tages 1½ Pfund Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl. gegolten.

Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, daß sich seit mehreren Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und Gold in Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach Hause trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen erwarben. Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie größtenteils aus Venedig her kamen; sie stammten aber auch aus Florenz, Veltlin, Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mechelnin den Niederlanden. So haben zu Gablenz im Schönburgischen an einem Orte im Oberdorfe Venediger alle Jahre Goldkörner »ausgeküttet«, und nach Auffindung der Bergwerke zu Annaberg sind die Wahlen auch dahin gekommen und haben das reichhaltige Erz geschmolzen und auf eine bessere Art gut gemacht, als die dasigen Bergleute konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A. folgende mit Namen.Dr.Markus undM.Hieronymus von Venedig und Piger, Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic. Schlascau, Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und BarthelFratresund Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 bis 1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden sind. Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft gewesen zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als Gründer des Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.

Die Orte, an denen die Wahlen Gold oder Edelsteine gefunden, haben sie fleißig angemerkt und in Büchlein, sogenannte Wahlenbüchlein, eingetragen, wobei sie sich merkwürdigerweise der deutschen und nicht ihrer Landessprache bedienten. Zur Orientierung schnitten sie in Bäume oder meißelten sie in Felsen bestimmte Merkzeichen ein. Sie bedienten sich auch vieler abergläubischer Mittel; so z. B. haben sie zum Schmelzen, Rösten und zur Verwandlung der Metalle einzelne Kräuter gebraucht, wie das Mondkraut (Lunaria), bei Aufgang der Sonne im vollen Mond gepflückt, ferner Goldwurzel oder Martigen, Mondraute und Eisenkraut, auch Taubenkraut genannt. Sie sollen aber auch die Erze verthan oder verzaubert haben, damit sie niemand als sie finden könne. Sie sollen deshalb ein Stück Holz von einem Sarge genommen und an solche Orte, wo Körner, Erz oder sonst Metalle sind, oder in einen Baum in der Nähe eingeschlagen haben, und niemand habe sie dann ausfindig machen können, es sei denn, das Holz wäre verfault oder herausgefallen. Auch sollen sie Totenköpfe in die Brunnen und Erzgruben geworfen haben, die erst entfernt werden mußten, wenn man etwas finden wollte; ja zuweilen sollen sie einen bösen Geist dahin gebannt haben. Gleichwohl gab es auch wieder Mittel, um diesen Zauber aufzuheben; so wurde folgendes angegeben: »Kreuch dreymal rücklings vorne um das (verzauberte) Loch, wenn es nicht aufgethan, so ist's auf jener Seite verthan worden und so hast du es auf dieser Seite noch einmal verthan. So gehe und kreuch auf jener Seite sechsmal rücklings herum, so thust du jenes und deines auf, dann wirst du es recht finden, also kannst du auch alle anderen Sachen, die verthan sind, wieder aufmachen, sie mögen verzaubert sein, wie sie wollen.«

Jedenfalls sind die Wahlen bergverständige Leute gewesen und deshalb hat der Aberglaube sie zu Zauberern und Teufelsbannern gestempelt.

Einige Proben aus obengenannten Wahlenbüchern, soweit sie sich auf das Erzgebirge beziehen, mögen hier Platz finden.

»Im Tharandischen Walde liegen Erz- und Kupfergänge so reich an Gold und Silber, daß es nicht zu beschreiben. Wenn man von Höckendorf geht, darunter liegt ein Bergwerk, ist so reich an Silber, daß vor viel tausend Thaler daraus genommen worden. Nicht weit davon liegt der graue Stollen, da fließet die Weißeritz, über dem Wasser nach dem Tharandischen Walde, dem Berg hinauf liegt ein reiches Bergwerk, darinnen Rothgülden- und Glaserz am Bruche stehet, auch bereits das Wahrzeichen an einem Baume zu finden, eine spitze Keulhaue und unter dem Baume ein großer Stein, darauf drey Kreuze gehauen. Weiter hinauf in dem Walde wird man mehr Zeichen an Bäumen finden, und mitten durch die Bäume streichet ein sehr mächtiger Kupfergang einer Ellen breit, und liegt der ganze Mann da, nach dem Wasser der halbe Theil, der Arm nach Freiberg, und das ganze Corpus liegt nach dem Tharander Walde, wie die Zeichen vermelden.

Zu Höckendorf, wo das Silber-Bergwerk ist, welches aber durch Gottes Strafe wegen Übermuths überschwemmt ist, hat ein Bauer 1660 gediegen Silber ausgeackert.«

»Bei Dippolswald ist ein Dorff, das heist Rotenbach, davon eine Meile bricht guter gelber Kieß, der ist sehr gut.«

»Henichen (Hainichen) ein Städtlein 2 Meilen von Freyberg, darbey liegt ein Dorff, heist Machern, alldar ist ein Waschwerck von guten Körnern und Gold; liegt nicht weit von Ottendorff an der Waldeck, da man durch den Wald gehet.«

»Bey der Zella in dem Wald bey Sibeln (Siebenlehn) und Nossen an der Mulda gelegen, da liegt gut Ertz und ein guter blauer Schiefer.«

»Bey Frauenstein ist ein Fluß gelegen, 2 Meilen etwa von Soda (Sayda?), bey einem Gerichte, da findest du zween Wege, einen zur rechten, den andern zur linken Hand, da gehe den Rasenweg fort, derselbe führt dich an einen Steig, dem folge nach, so kömmst du an ein Wasser, die Grimnitz (Gimlitz?) genandt, gehe daran wohl hinauff und zwart zur rechten Seite desselben, so kömmst du an einen alten Graben, da vorzeiten eine Mühle gestanden, folge demselben abermahls nach, so kommest du an einen Fluß, darinnen Forellen sind, der führet Körner, die sind wie natürlich Gold, und hab ich Hieronymus Weigard Hauß und Hoff davon erbauet.NB.Wenn die Körnernaß sind, sehen sie schwärtzlich aus. Gehe von dar weiter die Grimnitz hinabwerts, biß du zu einem Steige kommest, gehe aber nicht darüber, sondern den Weg, der da das Holtz herab gehet, so kömmest du wieder an einen Fluß, dem folge nach, so kommest du an ein Brüchig, wasche dar, so findest du schwartze Körner, die ich nicht genugsam verloben kan, ihres Nutzens wegen. Darnach gehe über die Grimnitz zurücke auff eine halbe Meile Wegs, da wirst du an einen großen Berg kommen, nahe bei einem Dorff, Liechtenberg genannt, da findest du gegen das Dorff am Berge weiße Letten, so sehr gut abzutreiben ist.«

»Bey Marienberg zwischen dem Olbernhause und Katternberg (Olbernhau und Katharinenberg) bricht ein spißiger Marcasith in einem schwartzen Schiefer.«

»Bey Zwickau liegt ein Dorff, heist Rotenbach, daselbst soll ein Bach seyn, welcher Gold und Silber-Granatenstein führet.

Item bey einem andern Dorff, so eine Meile von Zwickau lieget, Nahmens Hartmanns Grüen, findet man auch Körner, die sich fletschen lassen.

Item zur Neumarck anderthalb Meilweges von Zwickau ist ein gut Gold-Seiffen, und bricht auch Silber und Antimonium daherum.«

»Wenn du kommest gegen Dürresbach oder Auerbach, frage nach dem Fluß-Maul- oder Fletschmaul, darnach Eibenstock, allda frage nach dem Gold-Brunnen, darinnen sichere und suche, so findest du schwartze Körner, deren 1 Pfund 14 biß 18 fl. gilt. Diese Gelegenheit ist eine Meile vom Schneeberg, und kannst du in einem Tage 1 biß 2 Pfund waschen.«

»Hinder Otten im Voigtlande auf der Kuttenheide gehe zu oder vor St. Peters-Capell bei 2. Ackerlänge, gegen dem Großleinwerts, so kömmst du zu einen hohen Felsen, darbey ist nahe ein alter Glaß-Ofen, und hat vorzeiten eine Glaßhütte daselbst gestanden, da findest du ein weiß Wasser gegen dem schwartzen Berge zu, darinn sind gute Goldwasch-Körner enthalten, bißweilen als Erbsen oder Bohnen groß.

Willt du allda nicht waschen, so gehe wiederum hinab zum Hirschberge, da kommest du zu einen abgeschnittenen Baum, von diesem Baum gehe eine Ackerlänge, so kömmest du zu einer zwieselichten Gabel, daselbst lege dich nieder auf die Erde, und höre wo Wasser rauschet unter der Erden, räume das Mooß daselbst hinweg, so auff Holtz, gegen Mitternacht zu gelegt ist, so wirst du einen Ertzgang antreffen, welcher das herrlichste Gold führet.

Von dannen gehe weiter auff dem Rasen fort gegen Mittag vom Holtze an, da wirst du zu einen Brunnen kommen, in selbigen istnoch das schönste Gold enthalten. Von diesem Brünnlein gehe dem Wasser, das darauf entstehet, nach, so kommst du an ein Steingewölb, da warte auff.

Item Bey der Capellen unter den Fenstern gegen Mittage wirst du eine Hand in einen Baum geschnitten finden, die weiset dich nach der ziehnen Gabel, da kömmst du zu einen Brünnlein, woraus die Zwoyt (Zwota) entspringt; dem Fluß gehe nach zu der ziehnen Gabel, daselbst suche, so wirst du viel Gold finden.

Item Wenn du zur Kuttenheide, bey St. Peters Capell, bist, so frage nach St. Peters-Brunn, und gehe dem Flusse nach, biß er in einen andern Bach fällt, daran gehe förter und siehe dich um, so findest du ein Zeichen in einer Tanne und eines in einer Fichten, so nicht weit von einander stehen, dazwischen suche, da wirst du einen Schacht finden, der ist verdeckt; mache denselben auff, so findest du einen gelben Gang, von guten Gold-Ertz, davon das Pfund 10 fl. gilt.

Item, Auff der Kuttenheide frage nach Weyher, ist eine Meile davon ein Dorff, daselbst liegt eine Mühle, heist die Geigers-Mühle, am Bach, ein Armbrust-Schuß weit davon zur linken Hand ist ein Felsen, darinn bricht ein schöner Gold-Talck und sonst noch ein schwartz Ertz, das ist Marcasith.«

»Von Großlitz (Graslitz) aus gehe über eine Wiese am Wasser hinauf und siehe dich nach einer Buchen um, daran ein Kreutz gehauen ist, von derselben gehe einer Ackerlänge am Berge hinauff, so wirst du eine sehr große alte Fichten finden und nahe dabey einen alten Stollen, darinnen ist ein Gold-Ertz-Gang, dessen Pfund ist vor 14 fl. verkaufft worden.

Item. Wenn man von Großlitz aus der Holen geht, so kommt man zu einen Fohrenbach, der fleust Kreutz weiß über den Weg; daran gehe zur rechten Hand hinauff so lange biß an die Quelle desselben Baches, darauf er entstehet, die liegt auf einen hohen Berg, und wirft viel Sand aus, den sichere, so wirst du schwartze Körner finden, die viel Gold halten, davon das Pfund 15 fl. gilt.«

»Zu Schöneck frage nach der Helle und gehe von dar um St. Johannis Tag, bey St. Peters Capelle, der aufgehenden Morgen-Sonne gerad entgegen, biß zu Mittags 11 Uhr; so kommst du auf eine weite Heide, da eitel Birken stehen, davon gehe zwei Steinwürffe gegen Mittag zu, so kömmst du an ein Gemöß bey einem Wässerlein, räume das Gemöß hinweg und grabe daselbst ein, so wirst du einen großen Reichthum von Gold antreffen.

Item. Im Holenstein eine halbe Meile von Schöneck ist ein Stollen, darinnen bricht ein Quartz, so weiß Gold-Ertz hält.«

»Auffm Schneeberg frage nach dem Schloß Wiesenburg, dabey fleust ein Wasser hinweg, an diesem gehe aufwerts fort biß du kommst dem Schafstall gleich, daselbst stehet ein Teich, über diesem Teich suche in dem Wässerlein, so wirst du viel und gute reichhaltige Gold-Körner darinn finden, welche dir die Mühe wohl belohnen werden.«

»Eisenberg ist ein Schloß also genennet, laß dasselbe auff der linken Hand liegen und gehe gerichts nach demselben wohl hinauff, auff den Kamp, und gehe gegen der Sonnen-Auffgang, nach Brix zu, auf dem Kamp, dann gehe auff das Schadehauß, so nahe darbey liegt, wenn du darhinder kommst, so kehre dich um, und wende den Rücken nach der Sonnen-Auffgang, siehe von dar wieder auff oder nach den Kamp, so wirst du einen Rasenweg, auff St. Katharinberg zu, erblicken, dann gehe einen guten Armbrust-Schuß weit, nach dem Kamp zu, hinein, da wirst du einen Steinfelß finden, dem stelle dich zur rechten Hand, gegen das schlimme Thal nach dem Schadeberge zu, und gehe daselbst im Thal nach 2 Hügeln gerade fort, so wirst du in einer Tannen eine Hand eingeschnitten finden, von derselben kömmst du zu einem Wasser, das zwischen dem Schottenberg hinfleust, da kannst du viel Gold waschen.«

»Wenn man von Brix auff Seida gehet, in dem Wald fleust ein Wasser, darinn sind gute Körner.«

»Zwischen Krohenzahl (Cranzahl) und Breßnitz fleuset ein Wasser, darüber gehet ein Brücklein und nicht weit davon stehet ein großer Baum mit einem krummen Ast, als ein Arm, da findet man schwartze Körner, die man auff einen Amboß breit schlagen kann.«

»Bei Kupferberg liegt ein Dörfflein, heist zum Holitsch an einem Berge bei dem Halß-Gericht, daselbst findet man je zuweilen auch gediegene Gold-Körner.«

»Auff Satzunge gegen Konnetur (Komotau?) nicht weit von einem Wege, da stehet eine Stein-Tanne, auf welcher Wurtzel ein Zeichen eingeschnitten ist. Nicht weit davon soll ein Wässerlein fließen, und um die Tanne ist eine Grube, in welcher ein schöner GoldhaltigerMarcasithbricht.«

»Schlackenwerth oder Schlackenwerda. Frage hiervon nach der Eger in die Nössel; wohl hinden am Steige findest du ein Loch in dem schwartzen Brand, kreich darein, so wirst du viel Gutes antreffen.«

»Hawenstein (Hauenstein) liegt eine Meilwegs von Schlackenwalda, von Hawenstein gehe in das Gründlein unter die Fichten, da der gestümmelte Baum stehet, allwo der liebe Gott dran hengt, und von dar weiter zu einen Felsen, etwa einer Ackerlänge vom alten Hammer-Graben, da ist ein Loch inne, worinnen viel weiß Gold enthalten ist,welches nach derCementationdem Arabischen und Ungarischen gleich ist.NB. Lieget nach dem Fichtelberge zu.«

»Von dem Hauenstein, da man in den Stollen gehet, fleust ein Wasser herab in die Eger an den Jungfer-Stein, dasselbe Wasser hat gute Körner, so viel Gold halten, das ist das reichste Seiffenwerk im ganzen Böhmerland. Diese Körner sind schwärtzlich und gediegen.«

»Im Walde bei Hasenstein (Hassenstein) unter einer Tannen, so gezeichnet ist, stehet ein Gang Spannen breit oder mächtig, welcher eine große Feste neben sich hat, darinnen ist ein sprenglichter Kieß, hält 12 Loth.«

»Item. Von dem Hasenstein frage und gehe nach einem Dorff, heist Brunnersdorff, gehe von dar ferner oben bey dem Dorff und der Mühlen hinaus, und frage nach einem Dorff, heist Wernersdorff, so nicht weit davon ist, alldar gehe auch oben die Straß nach dem Klösterlein, so kömmst du zu einem Dorff, ehe du in das Städtlein kommst, heist Zirnabis, und an der Straßen vordem Dorff findet man Amethisten am Wege und Äckern. Zur rechten Hand nach dem Gebirge, etwa einen Armbrust-Schuß dem Berg hinan, da ist ein Loch, kreich darein, so findest du einen Gang voller Amethisten.«

»Hagensdorff liegt nicht weit von Hasenstein, oder Hasendorff und Bleißdorff, bey diesem Hagensdorff hat vor Zeiten ein Kloster gestanden, wie noch zu sehen ist, darzu gehe, so findest du ein Berglein wie eine Mauer, darunter ist ein Stollen, in welchem man viel Granaten findet, ja! wenn man suchet, auch auff den Äckern daherum. Desgleichen auch auff dem Hasenstein im Eichwald, über dem alten Kloster. Item zum Hauenstein bey der Hauß-Mühlen ist ein schöner Goldgang.«

»Item. Bey Zirnisch ist ein Gründlein auff der rechten Hand, das heist die Schona, ist ein Wasser, darinnen hat ein Hirte geseiffet oder gewaschen und viel Gold funden, daher er sehr reich worden, und seinen Hirtenstand verändert; Massen er seine Güther an einem ihme gefälligen Orthe erkaufft und sich sehr wohl eingesetzt hat.«

»Item. Von den Caden an der Eger hinauff fleust ein Wässerlein, welches von Hauenstein in die Eger fleust, darinn findet man in weißen Quärtzlein gediegen Gold, und ist der reichsten Seiffenwerken eines in gantz Böhmen-Land. Dergleichen Quärtze und Gold-Körner findet man der Orthen herum fast viel in den sandigten Flüssen und Wasser.«

»Item bey Caden im Steinbruch stehet ein Letten eines Fingers breit, dessen Centner hält 14 Loth Silber.«

»Item Bey den vierzehn Nothhelffern nach dem Klösterlein über der Steinern Brücken, jenseits des Spitzberges in der Silberbach, hatein Hirte in einem Tage, nebst seiner Huth- und Weide-Verrichtung, ein Loth Gold gewaschen, an Körnern, die er vor Gold nur angesehen und erkennet hat, die andern hat er ohnerkandt weggeworffen.«

»Zur Hohen Tanne am Galgenberg, bey der Silberbach, da die zwey Flüßlein einen Steinwurff weit herabfließen, findest du einen alten Stumpff von einer abgehauenen Birken, in welchen ein Bilgrams-Stab geschnitten ist mit einem Sack. Zwischen dem Stumpff und Bach findest du eine Hurt, die hebe auff, darunter ist ein Loch in Stein gearbeitet, in welchem ein Gang einer Ellen breit des herrlichsten Gold-Ertzes ist. Kanst du die Hurt nicht flugs finden, so rumpele oder stöhre mit den Füßen oder Stock zu rings umher, biß du es hörest dummeln, allda wirst du viel Gold finden.«

In der Umgegend von Elbogen erzählt man, daß alte Leute noch im vorigen Jahrhunderte Goldsucher aus Welschland angetroffen hätten, welche mittelst Wünschelrute und Haue den unterirdischen Schätzen nachspürten. Besonders geschah dies am sagenreichen Krudimberge. Doch hat man sie niemals bei ihrer Arbeit, sondern stets vor und nach derselben gesehen. Bei dem Dorfe Steinmeißl bei Elbogen sahen Waldarbeiter aus den »Grundhöhlen« durch eine Art Rauchfang Rauch aufsteigen; doch nie konnten die Leute entdecken, wer das Feuer angemacht. Man meinte, daß es Venediger gewesen, die hier und im Hans-Heilingsthale Erze suchten. Der Wald bei dem Hornesbauerhofe war einst für Venediger ein wichtiger Fundort von Erzen. Besonders sollen sie in einer Höhle an der Morgenseite der Felsen ihr geheimnisvolles Werk getrieben haben. Es ist das eine Höhle, welche sich, wie die Sage berichtet, am Karfreitage öffnet, so daß man in die Felsen hineingehen und Schätze heben kann. –

In Platz wird erzählt, daß ein Italiener (Venediger) namens Antonio Stoll hier auf Silber einschlug und wirklich in zwei Bergwerken Silber fand, von dem er auch an die Regierung abgeliefert hat. Die Zeit, wann dies geschah, ist unbekannt.


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