II. d'Entrecasteaux-Inseln.

Ungenügende Kenntnis. — Welle-Insel. — Nordküste von Normanby. — Weihnachtsbucht. — Unsere Weihnachtsfeier. — Scheu der Eingeborenen. — Verfall der Steinzeit. — Eigentümliche ethnologische Provinz. — Ausgezeichnete Fahrzeuge. — Bekleidungsmatten. — Spondylus-Muschelplättchen. — Liebenswürdigkeit der Eingeborenen. — Urgestein. — Hausbau. — Auf totem Riff. — Ostküste von Normanby. — Kolossale Kokosnüsse. — Gutheil-Bucht. — Friedliche Eingeborene. — Kap Ventenat. — Göschen-Straße. — Westküste von Normanby. — Dawson-Straße. — Exkursion. — Goulvain oder Ulebubu. — Eingeborene — sind Kannibalen. — Ostspitze von Fergusson. — Besuch eines Dorfes. — Musterplantage. — Manucodia Comrii. — Südküste von Fergusson. — Herrliches Kulturland — Kap Mourilyan. — Blick auf Goodenough.

Wir hatten den an 6000 Fuß hohen Berg Kilkerran auf Fergusson-Insel schon von Trobriand aus gesehen, und jetzt entfalteten sich die malerischen Gebirge der d'Entrecasteaux-Inseln immer deutlicher vor unseren Augen.

Die nach ihrem Entdecker benannte Gruppe wurde von diesem (1793) nur gesichtet und erst 80 Jahre später durch Moresby genauer aufgenommen. Durch ihn erhielten wir zuerst Nachweis über die richtige Lage der drei Hauptinseln: Normanby, Fergusson und Goodenough, die alle von vulkanischer Formation und vorherrschend gebirgig sind. Moresby hat uns übrigens nur mit der Westküste bekannt gemacht, und die östliche ist bis heute nur sehr unvollkommen aufgenommen. Der Naturaliensammler Andrew Goldie besuchte 1882 von Port Moresby in seinem kleinen Schuner Alice Mead die Westseite von Normanby und Fergusson, hat aber über dieseinteressante Fahrt, wie seine vielen Reisen in Neu-Guinea überhaupt, wenig publiziert. Und was Moresby mitteilt ist auch nur sehr gering, so daß die nachfolgenden Blätter umsomehr von Interesse sein dürften, als sie einige bisher nicht besuchte Lokalitäten besprechen.

Wir dampften längs der Ostseite von Welle, einer langen, dichtbewaldeten, niedrigen Insel, mit wenigen grünen Hügeln, und sahen die tiefe Bai vor uns, welche von der knieförmigen Einbuchtung der Nordseite von Normanby gebildet wird, wo wir einen Ankerplatz zu finden hofften. Und wir fanden ihn. In einer hübschen, malerisch von Bergen umschlossenen Bucht, mit dicht von Kokospalmen bestandenem Ufer, unter denen freundliche Häuser hervorguckten, ging die Samoa zu Anker, gerade am Weihnachtstage, dem zu Ehren wir dieselbe Weihnachtsbucht benannten. War es doch der Tag, an welchem daheim sich Millionen anschickten, das liebe Christfest zu feiern. Uns war kein Weihnachtsbaum beschieden, keine Feier bereitet. Und dennoch als die Sonne hinter den Bergen verschwand, als die eigentümlichen grünlichen, bläulichen und rötlichen Tinten des Zodiakallichtes allmählich in das tiefe Schwarz der Nacht verflossen, da begann auch unsere heilige Nacht. Das Firmament hatte seine Millionen Lichterchen angezündet, Sterne und Sternchen flimmerten; vor allem bemerkbar der Orion und der liebe Gefährte der südlichen Nacht, das südliche Kreuz. Kein feierlicher Glockenton rief zur Mette; nur das Zirpen der Cikaden, das rauhe Gequiek fliegender Hunde und andere Tierstimmen tönten vom Ufer herüber, bekannte Laute, die unsere Gedanken nicht abzulenken vermochten. Wo dieselben weilten? Das ist wohl unschwer zu erraten. Weit, weit weg vom südlichen Kreuz, von den Kokospalmen, vom Gekreisch der fliegenden Hunde, da, wo man an diesem Abende in trautem Kreise am warmen Ofen sitzt und sich des lieben Christfestes freut, während draußen die Schneeflocken herabwirbeln. Dort weilte jeder mit seinen Gedanken still für sich, — und als die letzte Pfeife verglommen, suchte jeder das Lager und versuchte auszuruhen von den Mühen und der Hitze des Tages. Das war unser Christfest in den Tropen! Für uns gab es keine Feier, kein Feiern! — Aber dieMannschaft durfte sich etwas anthun, und wohl zum erstenmale hörten die alten Kokospalmen und die scheuen Eingeborenen aus kräftigen deutschen Kehlen die »Wacht am Rhein« und »Stille Nacht! Heilige Nacht«! Eine gar wundersame heilige Nacht, eine Tropennacht!

Die Eingeborenen zeigten sich anfangs sehr scheu, kein Kanu kam längsseit, wie dies sonst gewöhnlich zu geschehen pflegt, und als ich zum erstenmale an Land ging, fand ich die Häuser verlassen. Die Leute waren geflüchtet, da sie uns wahrscheinlich für Werber hielten, die offenbar hier gehaust hatten. Das ließ sich an den vielen europäischen Erzeugnissen erkennen, welche die Eingeborenen besaßen, als sie nach und nach in Verkehr mit uns traten. Obwohl sie kein Wort Englisch verstanden, fand doch Tabak, und was merkwürdiger war, auch Thonpfeifen und Spiegel Nachfrage. Eisen war weniger begehrt, denn jeder Mann, ja selbst der Knabe besaß eine Axt; auch zwölfzöllige Messer kannte man bereits. Mit der guten alten Steinzeit war es daher vorbei und diese Eingeborenen bereits in dem Civilisationsstadium von Bandeisen. Mit solchen statt der früheren Steinklingen waren diese Äxte (Ira) bewehrt und zwar in einer eigentümlichen Weise, die für ganz Ost-Neu-Guinea charakteristisch wird. Die Schärfe der Klinge steht nämlich nicht quer zu dem Stiele, wie sonst (vergl.S. 63), sondern in gleicher Flucht mit dem letzteren. Die Abbildung des Atlas (T. I, 8) zeigt eine solche Axt. Der hölzerne mit Schnitzerei verzierte Stiel stammt noch aus der Steinzeit, die hier vielleicht noch wenige Jahre vorher regierte. Aber man sah, daß solche Arbeiten schon rar wurden, denn sobald Eingeborene erst Eisen haben, ist es mit ihrer Kunstfertigkeit zu Ende, statt geschickter und fleißiger werden sie ungeschickt und faul, das ist eine Thatsache, die sich überall wiederholt, und die mich weiter nicht verwunderte. Von guten Sachen konnte ich nur noch Reste sammeln, welche von der bewundernswerten Kunstfertigkeit der Eingeborenen Zeugnis ablegten. Hervorragend sind die schwungvollen Muster der eingravierten Verzierungen an Holzgeräten, die meist aus eleganten Schnörkeln bestehen und für ganz Südost-Neu-Guinea charakteristisch werden. In der That bilden die d'Entrecasteaux,mit Trobriand, der Ostspitze Neu-Guineas und dem vorgelagerten Archipel bis Teste-Insel hin, wahrscheinlich auch die Louisiade mit einbegriffen, eine eigene ethnologische Provinz, die sich durch manche Eigentümlichkeiten auszeichnet. Dahin gehört die besondere Ornamentik, von der die Abbildungen des Atlas (III, 4, XI, 4, 5) Proben geben, welche sich selbst bei kleinen Gegenständen (wie z. B. T. V. 2, 3) wiederholt, die Befestigung der Steinbeilklingen, das Verwenden von roten Muschelplättchen (Spondylus) zu Schmuck, die hohe Entwickelung in der Baukunst von Fahrzeugen und — vorgreifend, die weniger angenehme Sitte — der Kannibalismus!

Was die Fahrzeuge anbetrifft, so erheben sich dieselben weit über die bisher gesehenen und übertreffen selbst die berühmten seetüchtigen Kanus, wie sie früher in den Marshall-Inseln gemacht wurden, mit denen sie aber nichts gemein haben. Zwar besteht auch bei den hiesigen Kanus der Kiel aus einem mächtigen, ausgehöhltem Baumstamme, aber an demselben sind halbrunde Querhölzer als Rippen und an diese klinkerförmige Seitenbretter befestigt (wie dies der Querschnitt Atl. VI, F. 3 zeigt). Dadurch wird das Fahrzeug eben viel weiter und erinnert mehr an ein Schiffsboot nach europäischem Muster als an ein gewöhnliches Kanu (wie z. B. Fig. 1 von Bongu). Die Seitenborde sind an Stern und Bug mit einem senkrechten Brett verbunden, das häufig mit Schnitzwerk verziert ist. Alle Teile des Fahrzeuges sind zusammengebunden und die Verbindungsstellen mit einem Kitte verschmiert; doch muß, wie bei allen Kanus, fleißig geschöpft werden. Sehr eigentümlich und charakteristisch erscheint das Auslegergeschirr. Der Auslegerbalken, fast so lang als das Fahrzeug selbst, ist ungeheuer dick und so groß, daß sich aus ihm allein ein gewöhnliches Baumstamm-Kanu zimmern ließe. Dieser Balancier ist durch 10 Querstangen, mittelst eingeschlagener doppelter Stützen, (vergl. VI. 4) mit dem Kanu verbunden, aber ungewöhnlich nahe, wie wir dies zuerst in Trobriand sahen. Die Entfernung zwischen Kanu und Balancier beträgt nämlich nur einen Meter, und da die Querstangen dicht mit Stäben belegt sind, so wird dadurch an einer Längsseite des Kanus eine Plattform gebildet. Die Spitze des Kielsragt an beiden Seiten wenig vor und ist je mit dem Querbrett an Bug und Stern durch ein senkrechtes Längsbrett verbunden, das mit, oft durchbrochen gearbeiteter, Schnitzerei verziert ist (Taf. VII, 7). Außerdem sind an den Spitzen Ovulamuscheln, Faserbüschel von Pandanusblatt und dergleichen angebracht, auch die Seitenborde häufig mit Malerei geschmückt (z. B. rot und schwarze Fische T. VII. 8). Diese Kanus führen ein sehr großes, oblonges Segel (VIII. 8) aus Mattengeflecht und laufen sehr schnell vor dem Winde. Sie sind bis 20 Meter lang, also sehr respektable Fahrzeuge, und dienen für Handelsfahrten und Kriegszüge, da sie eine große Anzahl Menschen transportieren können.

Kanu von der Weihnachtsbucht.

Kanu von der Weihnachtsbucht.

Die Bewohner der Weihnachtsbucht besaßen übrigens nur sehr kleine Kanus, wahre Einspänner, denn sie vermögen nur einen Erwachsenen zu tragen, wie dies unsere Abbildung zeigt. Ein solches Kanu ist aber auch nur drei Meter lang, übrigens eine sehr geschickte Arbeit, von welcher ein von mir mitgebrachtes Stück das Berliner Museum ziert.

Die Bekleidung der Männer erregte ebenfalls als neu mein Interesse. Sie bestand, statt aus der sonst üblichen Tapa (Baumrinde), aus einer Matte von Pandanusblatt (Gigi), die um die Lenden geschlagen wird und von weitem ganz wie eine Badehose kleidet. Diese Matten sind zusammengenäht und zuweilen in hübschen Mustern marmoriert, die durch Eindrücke in das noch grüne Blatt hervorgebracht werdenund sehr elegant aussehen. Auch diese Bekleidungsmatten (T. XVI. 6) gehören zu den Charakterstücken der genannten ethnologischen Provinz.

Schmuck war, wie gewöhnlich, nur wenig zu sehen, darunter aber Halsketten aus den erwähnten roten Muschelplättchen, die auch als Ohr- und Nasenschmuck, wie sonst vielfach, Verwendung finden. Diese Muschelscheibchen sind flach, rund, durchbohrt, etwa so groß als ein Chemisettknopf und schon des Materials wegen wertvoll. Die Spondylusmuschel, eine Klappmuschel, lebt nämlich nur in tieferem Wasser und ist, da sie mit der unteren Schale obendrein am Gestein festsitzt, nicht so leicht zu erlangen. Es verdient Beachtung, daß an der ganzen Nordostküste Neu-Guineas, wie im Bismarck-Archipel, Spondylusschmuck nicht benutzt wird, dagegen erst wieder in Mikronesien, in den Marshalls und Karolinen, eine hervorragende Rolle spielt. Unter den prähistorischen Resten, welche ich in den Ruinen auf Nanmatal auf Ponapé ausgrub, fand ich eine Menge solcher Muschelschalen. Die gegenwärtigen Bewohner Ponapés pflegten sich mit den Überbleibseln des Kunstfleißes ihrer Vorfahren zu schmücken, da sie die Anfertigung bereits verlernt hatten. Spondylusscheibchen haben an der ganzen Südostküste von Neu-Guinea Wert und bilden überall ein geschätztes Tauschmittel. Noch ein anderes, welches mir ebenfalls von dort bekannt war, fand ich in Weihnachtsbucht, nämlich Armringe aus dem Querschnitt einer großen Kegelschnecke (Conus millepunctatus), die unter die Kostbarkeiten der Papuas zählen. In Port Moresby wird ein solches Armband, Toia genannt, gleich 350 Pfund Sago gerechnet. Zirkelrunde Eberhauer (T. XXI 2), bekanntlich der kostbarste Schmuck, welche früher in den d'Entrecasteaux häufig waren, gab es nicht mehr.

Die äußere Erscheinung der Papuas von Weihnachtsbucht war keine vorteilhafte, zumal Schuppenkrankheit (Ichthyosis) unter ihnen sehr florierte. Im ganzen erschienen sie klein und schwächlich; am meisten die Weiber, unter denen es wenig passable Gesichter gab, desto niedlicher waren aber, wie immer, die Kinder. Die Männer trugen das Haar meist in eine Wolke aufgebauscht; im Nacken abermit Vorliebe verfilzte Haarzotteln, in langen Strängen bis in den Nacken herabhängend, die an der ganzen Ostspitze beliebt sind (vergl. Abbildung eines Mannes von Teste-Insel Nr. 60), übrigens auch in Astrolabe-Bai vorkommen (vergl.S. 39). Neben kräuslichem und lockigem Haar beobachtete ich hier auch durchaus schlichtes und natürlich fuchsrotes, wie wir es in Europa kennen, eine Färbung, welche ich bisher bei Papuas nicht gesehen hatte.

Nachdem die Eingeborenen ihre erste Furcht überwunden und unsere friedlichen Absichten begriffen, wurden sie bald zutraulich und zeigten sich als die liebenswürdigsten Menschen. Bei unseren Ausflügen waren wir stets von einer Anzahl Freiwilliger begleitet, die sich unserer in einer Weise annahmen, wie ich dieselbe bisher nicht kennen gelernt hatte. Unsere Führer suchten jedes Hindernis zu beseitigen, indem sie im Wege stehende Äste wegbogen oder abhackten und uns bei jeder beschwerlichen Stelle zeigten, wo wir den Fuß hinsetzen sollten; in der That eine Aufmerksamkeit, die dem civilisiertesten Menschen Ehre gemacht haben würde. Und da wird noch von Wilden gesprochen und geschrieben!

Obwohl das Ufer überall Korallformation verriet, so bestanden die steilen Berge doch aus Urgestein, und zwar einem quarzreichen Glimmerschiefer, der mehr als anderwärts für das Vorkommen von Gold zu sprechen schien. Aber leider hatten da Katzen gesessen; ich fand nur »Katzengold«! Wie im Ufervorland fehlte es auch in den Bergen nicht an gutgepflegten Plantagen, die mit Vorliebe an den steilsten Abhängen angelegt werden, wie wir dies später überall an der Südostspitze fanden. Neben Landbau wird, wie fast allenthalben, Fischfang betrieben, wie die schönen Netze zeigten. Die hölzernen Schwimmer derselben waren zuweilen mit Schnitzwerk versehen (vergl. Atlas IX, 2), aber noch von früher her, denn jetzt erfüllten gewöhnliche Holzstückchen den Zweck. Von Waffen sah ich nur Speere (Gita) und kurze hölzerne Handkeulen (Atlas T. XI, 4, 5); auch kennt man die Schleuder. Pfeil und Bogen, sowie Schilde sind unbekannt.

Häuser in der Weihnachtsbucht.

Häuser in der Weihnachtsbucht.

Die Siedelung in der Weihnachtsbucht war übrigens keine große, aber die Häuser zeigten eigentümliche Bauart, wie die Abbildung ambesten veranschaulicht. Die Häuser sind alle klein und zeichnen sich durch Schmalheit, wie die sattelförmige Einbiegung der Dachfirste aus. Gewöhnlich ist die ganze Vorderseite offen und wird mit Matten verhangen. Schnitzerei fand sich an den Häusern nicht. Bei den Häusern konnte man auch die Grabstätten erkennen, einige Schieferplatten mit bunten Blattpflanzen (Crotons) umgeben. In den Ästen eines sehr großen, an vier Fuß hohen Croton bemerkte ich eine sonderbare Röhre aus den Blattscheiden der Sagopalme, die ich natürlich untersuchen mußte, obwohl die Eingeborenen sehr dagegen waren. Sie enthielt sechs Schädel, wohl von Anverwandten, da sie nicht verkauft wurden. Hunde und Schweine gab es nur spärlich. Die ersteren unterschieden sich von der vorher (S. 53) beschriebenen Rasse durch geringere Größe und erinnerten an unsere Terriers; auch hatte man den Tieren Ohren und Schwanz abgeschnitten und dadurch ihre Schönheit eben nicht erhöht.

Die Wünsche unserer neuen Freunde auf Verlängerung unseres Besuches wären, sehr gegen unseren Willen, bald erfüllt worden, denn die Samoa befand sich plötzlich auf totem Riff, das dem Seefahrer kein Warnungszeichen durch Brandung giebt. Unter dem Kiele zeigte sich der mit grünlichen, bräunlichen und weißlichen Korallen wie gepflasterte Meeresboden, ein zwar sehr interessanter aber unheimlicher Anblick, auf den man gern verzichtet. Es sind die sogenannten Pilzkorallen (mushroom-corals) der englischen Seefahrer, die aus Tiefen von 20 bis 30 Faden bis nahe unter den Wasserspiegel wachsen. Wenige Zoll können da unter Umständen für das Wohl oder Wehe des Schiffes entscheidend werden, und jeder atmete freier auf, als die trügerischen Gebilde wieder verschwunden waren. Die Aussicht, möglicherweise in der Weihnachtsbucht bei Kokosnüssen und dergl. tropischer Verpflegung auch Ostern feiern zu müssen, hatte durchaus nichts Verlockendes. Selbst bei der größten Vorsicht ist in jenen Gewässern die Möglichkeit des Festsitzens vorhanden, und auch die Samoa entging nur mit knapper Not dieser Gefahr, indem sie ein paarmal das Riff streifte. Dabei kamen Kapitän Dallmann und sein erster Offizier oft tagelang nicht aus dem luftigen Sitz auf der großenRaa (vergl. Abbild.S. 17) herab, der durch ein Brettchen nicht sonderlich bequemer gemacht worden war. Riffe lassen sich nämlich nur von einem erhöhten Punkte aus beobachten, sind dann oft auf zwei bis drei Meilen sichtbar, während sie vom Schiffsbord oder Boot aus manchmal auf 20 Schritt unbemerkt bleiben. Freilich kommt es hauptsächlich auf die Beleuchtung und den Stand der Sonne an; bescheint die letztere das Wasser zu grell, so wird totes Riff häufig erst sichtbar, wenn sich das Schiff bereits auf demselben befindet, wie in diesem Falle mit der Samoa.

Wir hatten Kap Pierson passiert und dampften längs der Südostküste von Normanby herab, die durchgehends bergig bis gebirgig ist, aber viel Kulturland und Kokospalmen, oft wahre Wälder von solchen aufzuweisen hat. Überall sieht man ausgedehnte Plantagen, Kokoshaine und Fußpfade bis hoch in die Berge hinauf, aber trotz diesen deutlichen Zeichen des Bewohntseins im ganzen wenig Siedelungen und Menschen. Die letzteren zeigten sich sehr mißtrauisch, und nur in dem am meisten bevölkerten Küstenstriche um Kap Pierson kamen Eingeborene in fünf Kanus ab, die Kokosnüsse anboten und dafür Messer, Tabak und Streichhölzer verlangten. Aber nur einer vermochte diese Wünsche in englischen Vokabeln auszudrücken, ein gar seltsamer Kumpan in doppelter Wollgarnitur, die er jedenfalls der Freigebigkeit eines englischen Kriegsschiffes verdankte. Ja, wenn erst das Wollregime auch bei den Tropensöhnen sich in dieser Fülle eingeführt hat (der Mann trug allein drei Hemden übereinander!), dann wird diese Industrie einen ungeahnten Aufschwung nehmen. Zahlungsfähig sind die Leute ja, denn sie brachten Kokosnüsse von ungewöhnlicher Größe, die man für Kürbisse halten konnte. Manche Nüsse wogen acht bis elf Pfund und maßen 68 bis 73 Centimeter im Umfange; versprechende Aussichten für Koprastationen.

Da der Kapitän das riffreiche, schwierige Fahrwasser südlich von Kap Ventenat nur in der günstigsten Tagesbeleuchtung passieren wollte, so mußte für die Nacht ein passender Ankerplatz gesucht werden, obwohl es erst drei Uhr nachmittags war. Ein solcher findet sich nicht immer so leicht, und der in den Tropen so früh einbrechendeAbend mahnt zu größerer Eile, denn gewöhnlich fängt es schon nach sechs Uhr an dunkel zu werden. Glücklicherweise brauchten wir diesmal nicht lange zu suchen, und konnten bald in einer flachen Bucht, die ich »Gutheil« benannte, zu Anker gehen. Sie besteht aus bewaldetem Vorland, das rings von steilen Bergen, längs der Wasserkante von einem breiten Sandstrande begrenzt wird, und ist in der südlichen Ecke durch einen mit Buschwerk begrünten Felsen, Small-Island der Karten, kenntlich.

Das Fehlen von Kokospalmen ließ dasselbe auch hinsichtlich der Bewohner erwarten, aber kaum hatten wir den Fuß ans Land gesetzt, so erschienen auch Eingeborene, hielten sich jedoch in respektvoller Ferne. Erst nach und nach gelang es einige beherzte Burschen heranzulocken, die sich als Führer in die Berge anboten. In der nördlichen Ecke mündet, durch Treibholz und Barre versperrt, ein hübscher Fluß, an dem wahrscheinlich die Siedelungen der Eingeborenen liegen, denn die scheuen Mädchen verschwanden in dieser Richtung. Auch am südlichen Ende der Bucht mündet ein Fluß, dessen rechtes Ufer zum Teil von steilen Felswänden gebildet wird. Sie bestehen aus einem quarzreichen Schiefer, aber ich suchte in dem ausgetrockneten Flußbett, wie zu erwarten, vergebens nach »Nuggets« (Goldkörnern); denn im Goldsuchen habe ich ja niemals Glück gehabt. Dagegen fand ich in den Bergen hübsche Baumfarne, die mir neu waren, aber nichts nützten. Eingeborene hatten sich inzwischen in großer Anzahl angesammelt, betrugen sich aber sehr artig und überreichten uns buntblättrige Crotons und rote Hibiscusblumen. Ein glatzköpfiger Alter hielt mir in erregter Weise eine Standrede, deren Sinn sich wohl begreifen ließ. Es handelte sich wieder um die alte Geschichte: Rekrutieren von Arbeiter-Werbeschiffen! Solche Vorgänge können für friedlich nachfolgende Weiße, wie wir es waren, oft verhängnisvoll werden, und es ist in der That zu verwundern, daß uns niemals etwas zustieß. Als z. B. Kapitän Dallmann und ich keuchend den Berg hinaufkletterten wäre es für die Eingeborenen ein leichtes gewesen uns zu erschlagen. Ich kann es daher in dankbarer Erinnerung nicht oft genug aussprechen:»Wahrlich, jene nackten Söhne der Wildnis sind längst keine Wilden!« Und als nach Einbruch der Dunkelheit allenthalben an den Bergen Feuer blinkten, bei deren Scheine die Eingeborenen von den weißen Fremdlingen plaudern mochten, da fiel mir das schöne Schriftwort ein: »Selig sind die Friedfertigen!« denn auch diese braunen Brüder werden Gottes Kinder heißen!

In der Frühe des anderen Morgens passierten wir Kap Ventenat, die Südostspitze von Normanby, und damit traten nicht nur nach Süd, sondern auch nach West neue interessante wechselnde Landschaftsbilder hervor. In dem Gewirr von Riffen, Sandbänken, Inselchen und Inseln dampften wir zunächst am Nordrande des »Galgenriffs«, an dem so leicht ein Schiff hängen bleiben und den Hals brechen kann, der Göschen-Straße zu, welche Neu-Guinea von der Normanby-Insel trennt. Der Südrand der letzteren erhebt sich zu dem 3000 bis 3500 Fuß hohen Prevost-Gebirge, das viel kultiviertes Land der Eingeborenen zeigt, ebenso wie die malerische an 1000 Fuß hohe Lydia-Insel, die eigentlich aus drei Inseln besteht. Nach Süd begrenzt gebirgiges Land den Horizont; es sind die Inseln des Moresby-Archipel, die d'Entrecasteaux bereits 1793 auf 28 Meilen Entfernung sichtete, aber in nur zu leicht begreiflicher Weise für die Ostspitze Neu-Guineas hielt.

Wir werden die letztere noch kennen lernen, dampfen aber jetzt, einen späteren Besuch der d'Entrecasteaux an dieser Stelle einschaltend, der Westküste von Normanby zu. Ihre südlichste Ecke, Kap Prevost, mit dem gleichnamigen, an 3500 Fuß hohen, steilen Berge, bildet die höchste Erhebung, die nach Norden allmählich abfällt und in der Gegend von Duchesse-Insel nur noch etliche Hundert Fuß beträgt. Von hier an werden die Gebirge bis zur Dawson-Straße wieder höher und erreichen über 3000 Fuß. Einige Meilen nördlich von Duchesse-Insel säumte ein ausgedehntes Kopragebiet die Küste; sonst waren nur kleinere Bestände Kokospalmen, aber größere Flecke urbar gemachten Landes im Waldesdickicht der Berge zu sehen. Hier liegen vermutlich auch die Siedelungen versteckt, denn wahrscheinlich ist die Bevölkerung nicht ganz so gering, als es den Anschein hat.

Nach einer unruhigen Nacht dampften wir am anderen Morgen in die schöne Straße, welche Normanby und Fergusson trennt und zu Ehren des, um die Erforschung Neu-Guineas hochverdienten, Lieutenants Dawson vom Basilisk benannt wurde. Ihre landschaftlichen Schönheiten traten erst hervor als sich die Wolken verzogen und wir die steilen Gebirge von Normanby in der Nähe betrachten konnten. Sie sind von malerischen Schluchten durchzogen und mit üppigem Baumwuchs bekleidet, machen aber nicht den Eindruck der Wildnis, wie er sonst gewöhnlich gegenüber tropischer Landschaft fühlbar wird. Denn, wie überall in den d'Entrecasteaux, zeigen sich auch hier allenthalben Plantagen, Kokoshaine, einzelne Häusergruppen bis ein paar Tausend Fuß in die Berge hinauf. Das sieht alles so kultiviert, ja civilisiert aus und heimelt so sehr an, gerade wie dies Moresby vor zehn Jahren fand, nur daß Menschen fehlten. Während der Basilisk damals von Hunderten von Kanus mit zutraulichen Eingeborenen umlagert war, die alle eifrig handelten, sahen wir nur hie und da ein paar, die aber scheu verschwanden. Kein Zweifel, daß auch hier Werbeschiffe gehaust und die Bevölkerung geschädigt hatten.

Die Samoa war in einer Art kleinen Bucht zu Anker gegangen, und ich unternahm mit Obersteuermann Sechstroh eine Exkursion im Whaleboot, um die bisher ununtersuchte östliche Einfahrt von Dawson-Straße anzusehen. Wir gingen längs der Nordseite von Normanby, die ihren vulkanisch bergigen Charakter beibehält und überall Kultivationen, Kokospalmen oft noch über 1000 Fuß hoch zeigt. Hie und da breitet sich ein schmales, meist dichtbewaldetes Vorland aus, mit Sandstrand, der viel Eisen und Glimmer, aber auch Bimsstein enthält, wie das Geschiebe der Bäche, das meist aus Schiefer und Quarz besteht. Das spricht wieder für Gold! In der That, wenn irgendwo in dieser Region Gold vorkommt, so glaube ich noch am ersten in den d'Entrecasteaux, will aber damit keinen »rush« hervorrufen. Von Eingeborenen sahen wir nur einen, der in einem kleinen Einspänner-Kanu sich vor unserem Boote retten wollte und mir nun am Strande in die Hände fiel. Er war so sehr erschrocken, daß er meineGeschenke zurückwies und sich nach einigen Redensarten, vermutlich Entschuldigungen (oder sollten es Verwünschungen gewesen sein?) seitwärts in die Büsche schlug. Ja, wir Weißen standen hier in keinem guten Renommé, das war mir immer mehr klar, und das Warum leicht zu erklären. Angesichts dieser Wahrnehmungen schien Vorsicht auch für uns ratsam, denn drei einzelne Weiße in einem Boot machen nicht den Eindruck, als wenn ein Schiff in der Nähe ist. Dies fiel mir ein, als wir die Nordostspitze von Normanby erreicht hatten und nach dem vor uns liegenden Goulvain hinübersegelten. Es ist dies die größte der drei Inseln, welche den Osteingang von Dawson-Straße beengen, und kennzeichnet sich schon von weitem durch einen eigentümlichen Berg. Derselbe hat die Form eines langgestreckten Napfkuchens und ist wie ein solcher von zahlreichen Längsrinnen durchzogen. Sie lassen keinen Zweifel, daß wir es mit einem Vulkan zu thun haben und zwar einem noch nicht allzulang erloschenen, denn der Berg ist in seiner oberen Hälfte kahl, was gegen die dichte Bewaldung des unteren Teiles und der übrigen Insel scharf absticht.

Unsere Absicht, ungestört auf der Insel zu frühstücken, wurde vereitelt, denn kaum daß wir uns derselben näherten, zeigten sich Eingeborene in hellen Haufen. Das hohe Ufergras schien förmlich Menschen zu gebären. Sie waren zwar unbewaffnet, aber ich hatte wohl bemerkt, daß sie viele Speere im Grase niederlegten, ein beachtenswertes Zeichen, welches immer zur Vorsicht mahnt. Wir ruderten längs der Küste bis zu einem Dorfe, wo sich inzwischen eine große Anzahl Eingeborener, wohl mehrere Hundert, versammelt hatten. Sie schienen über unsere Ankunft sehr geteilter Ansicht zu sein, denn während einige mit grünen Zweigen zum Landen einluden, machten die anderen abweisende Gesten, die mich an die im Gras versteckten Speere erinnerten. Unser Verlangen zu landen wurde durch den unklaren steinigen Grund, der unserem schlanken Boote leicht gefährlich werden konnte, gezügelt, und schließlich fiel es uns ein, daß es vielleicht besser wäre zu bleiben, wo wir waren. Wahrscheinlich würden wir auch hier gut aufgenommen worden sein, aberwer will immer voraussagen, wie es kommen kann, und wer konnte wissen, was vor uns hier passiert war? Im Boot ließ sich ein Überfall leicht und ohne Blutvergießen vermeiden, denn ein paar Schüsse genügten, die Menge zu verjagen, aber an Land war dies ganz etwas anderes. Da brauchten nur ein paar Eingeborene ihre Speere zu erheben, und unsere tapferen Neu-Britannier wären unfehlbar mit dem Boote auf und davon gegangen, ohne sich um uns zu kümmern. Und was hätten wir drei, selbst mit Waffen, in einem solchen Knäuel von ein paar Hundert Speerwerfern anfangen wollen? Mir war es schon um Kapitän Dallmann zu thun. Wo hätte der einen anderen Steuermann herkriegen wollen? und als Opferlämmer waren wir ja überhaupt nicht hergekommen.

Kanuhaus auf Goulvain.

Kanuhaus auf Goulvain.

Unter den im Schatten der Bäume versteckten Häusern machte sich besonders eins bemerkbar, ein langer, niedriger Schuppen, in welchem ein großes Kriegs-Kanu untergebracht war. Vergl. Abbild.(S. 224). Es zeigte über der Thür einen gar besonderen Schmuck, eine kraniologische Sammlung, die ich gar gern den meinen einverleibt hätte. Schädel von Goulvain! die besaß Geheimrat Virchow gewiß noch nicht, und da mußte jedenfalls ein Versuch gewagt werden. Ich deutete daher auf meinen Kopf und nach jenen Schädeln, sowie auf einige Tauschwaren, und die Sache war eingeleitet. Die Goulvainer begriffen, daß ich nicht den meinen einverleiben, sondern ihr anthropologisches Material haben wollte, und bald war der Handel im Gange. Freilich meine »Kilam« (Hobeleisen) waren schnell zu Ende, aber die Eingeborenen nahmen auch Tabak und andere Tauschwaren, bis die Weiber den schnöden Schacher plötzlich zum Schluß brachten und den Rest des Mausoleums mit einer Matte bedeckten. Die guten Geschöpfe schienen sehr aufgebracht, und da es immer rätlich ist wütenden Weibern auszuweichen, so schieden wir von Goulvain, wo wir ohnehin nichts mehr zu suchen hatten. Wußte ich doch jetzt, daß die Insel bei den Eingeborenen Ulebubu, das Dorf vor dem wir lagen, Nuakarau heißt, sowie manches andere über Insel und Bewohner, von denen bisher kein Bericht vorlag. Jedenfalls hatten die Eingeborenen aber schon Weiße gesehen, denn sie kannten: »matches« (Streichhölzer), »pipe«, »knife« und titulierten uns selbst »manwar« (man of war = Kriegsschiff). Ulebubu muß sehr bevölkert und sehr fruchtbar sein; selbst an den Abhängen der steilen Kraterschluchten waren Plantagen zu sehen, wie es die Papuas überhaupt lieben, gerade an solchen Stellen zu kultivieren. Kokospalmen gab es in Masse, darunter auch solche mit den kleinen, orangefarbenen Nüssen, welche auf Ceylon »King-nuts« heißen und einer besonderen Art anzugehören scheinen. Die Eingeborenen unterschieden sich übrigens durchaus nicht von den bisher (z. B. in Weihnachtsbucht) gesehenen und machten schon deshalb keinen guten Eindruck, weil soviel Schuppenkrankheit unter ihnen herrschte. Wenn sonst Totenschädel, welche man bei Eingeborenen sieht, meist solche von Anverwandten sind, so verhielt sich dies hier doch anders, und die von mir erstandenen Schädel sprechen schweren Verdacht aus. Mit Ausnahme eines einzigen, zeigten alle 15 Schädel das Hinterhaupt zertrümmert, ganz so wie Kannibalen zu thun pflegenum die größte Delikatesse, das Gehirn, zu erlangen. Ja, ja! ihr Männer von Ulebubu, ich kann euch nicht rein waschen, so gern ich auch möchte, ihr seid Kannibalen, gar kein Zweifel! »Aber die anderen auch«! höre ich euch antworten. Ja wohl, ihr seid nicht schlechter als der Rest, denn die ganze braune Bewohnerschaft der d'Entrecasteaux, der Ostspitze Neu-Guineas, des Moresby-Archipels bis hinunter auf die Louisiade, sie alle sind Menschenfresser, und dieser Brauch bildet sogar einen eben nicht empfehlenswerten Charakter dieser ethnologischen Provinz.

Wir standen unter Segel nach Fergusson hinüber, stießen hier aber bald auf ausgedehntes Riff, das auch südlich von Goulvain die Straße zu versperren scheint. Doch konnten wir dies nicht ausmachen, denn es setzte hier scharfe Strömung ein, gegen welche vier Ruderer nicht ausreichten. Die Nordwestseite von Goulvain besteht aus Steilufer, so daß hier vielleicht eine Durchfahrt für kleinere Schiffe möglich ist, aber nördlich liegen noch zwei andere flache Inseln, die auf Riff schließen lassen. Sie zeigten dichte Bestände von Kokospalmen, wie ein großer Teil der Küste von Fergusson, die hier meist aus Flachland mit Hochgras besteht. Gleich einer alten Festungsruine erhebt sich hier ein, meist kahler, vulkanischer Berg, gleichsam ein Pendant zu dem Krater von Goulvain. Aber wir bemerkten kein kultiviertes Land an ihm, wie die ganze Küste der äußersten Südspitze von Fergusson kaum bevölkert schien. Das änderte sich aber mit einem Schlage, als wir westlich von der Landzunge in eine ausgedehnte Bucht einfuhren, die rifffrei und selbst für Schiffe praktikabel ist. Hier säumt ein breiter Streif von Kokospalmen den Sandstrand, auf dem sich Dorf an Dorf reihte. Ich zählte an ein Dutzend, die aus je 10 bis 15 Häusern bestanden. In der Tiefe der Bai, nahe einer kleinen Insel aus Korallfels, landeten wir inmitten von etlichen 20, sehr schönen Kanus, bei einem Dorfe, dessen Bewohner sich anfangs sehr fürchteten und zum Teil ausrissen. Das weibliche Geschlecht machte den Anfang und kam selbst später, trotz den Aufforderungen der Männer, nicht zurück, und so mußte ich diesen die Geschenke für die schüchternen Schönen übergeben. DasDorf mochte ungefähr 15 Häuser zählen, die sich durch die eigentümliche Bauart, wie sie meine Skizze zeigt, auszeichneten. Sie ruhen doppelt auf Pfählen, d. h. auf der unteren Plattform erhebt sich das Haus noch besonders auf kurzen, wie gedrechselten Füßen. Die schmale hohe Giebelfront ist sorgfältig aus Pandanusblatt gefertigt und zuweilen bunt bemalt, wie das Haus links in rot und schwarzem Schachbrettmuster. Alles sah sauber und reinlich aus, auch der Platz um die Häuser, auf dem ich Obsidian fand. Und nun gar erst die ausgedehnte Plantage hinter dem Dorfe! Sie war eine Musterfarm und konnte an Akkuratesse mit einer Ziergärtnerei bei uns konkurrieren. Man fühlte sich wie in einen Hopfengarten versetzt,so regelmäßig erhoben sich die Ranken des Yams an Stangen, aus reichem schwarzen Humus, der durchgesiebt schien. Zwischen dem Yams stand Taro, Zuckerrohr, Bananen und bunte Blattpflanzen, alles in schönster Ordnung und in größere Familienfelder eingeteilt. Merkwürdigerweise fehlte ein Zaun um die Plantage, wie dies sonst stets der Fall ist, was vermuten läßt, daß Wildschweine selten vorkommen. Allerdings sah ich gezähmte bei den Häusern, aber in Verschlägen; auch hatte man ihnen, um das Wühlen zu verhindern, sorglicherweise eine Liane durch die Nasenlöcher gezogen. Leider blieben meine Versuche, eins dieser Borstentiere zu erstehen, erfolglos. Die Eingeborenen werden sie selbst wohl gern essen, verschmähen aber auch den einzigen Vertreter der Familie Bimana (Homo sapiens, Linné) nicht, denn ich erhielt fünf am Hinterhaupt zerschlagene Schädel und sah ein menschliches Becken an einem Hause. Dabei waren diese Menschenfresser aber nicht allein sehr fleißige, sondern auch liebenswürdige Leute, und es that mir ordentlich leid, sie durch ein paar Schüsse in Furcht jagen zu müssen. Aber in einem hohen Baume zeigten sich sonderbare Vogelgestalten, nach denen ich schon lange gefahndet hatte. Als der Schuß krachte, lag ein prachtvoll stahlviolett schimmernder Vogel, so groß als eine Dohle, zu meinen Füßen, — Manucodia Comrii — der schönste Vertreter der Paradieskrähen. Die Art ist, wie ein wirklicher Paradiesvogel mit roten Seitenbüscheln (Paradisea decora), den d'Entrecasteaux eigentümlich, die zoologisch sehr ungenügend bekannt, ohne Zweifel manches Neue liefern werden.

Häuser auf Fergusson.

Häuser auf Fergusson.

Der günstige Eindruck, den uns diese Exkursion von Fergusson verschafft hatte, wurde am folgenden Tage noch bedeutend erhöht, an dem wir längs der Südküste bis Kap Mourilyan dampften. Sie besteht im wesentlichen aus einer ca. 1000 bis 1500 Fuß hohen Strandkette, hinter welcher sich unmittelbar dichtbewaldetes Hochgebirge, mit sanft gerundeten Kuppen, zuweilen mit stumpfen Spitzen, erhebt. Der an 6000 Fuß hohe Kilkerran scheint der Mittelpunkt dieses Gebirges, das den größten Teil der Insel bedeckt und ihr, wie den übrigen, vorwiegend Gebirgscharakter verleiht. Wenn esauch noch lange dauern wird, ehe Forscher in das Innere dieser Gebirge eindringen, so ist vielleicht die Zeit nicht so fern, wo das Küstengebirge nähere Untersuchung findet und dieselbe voraussichtlich reichlich belohnt. In der That hier sieht es gar sehr versprechend aus, und ich wüßte kein Gebiet in der ganzen östlichen Papuaregion, das sich mit diesem messen könnte. Gegenüber von Kap Dawson bis Kap Mourilyan, einem Küstenstrich von fast 20 Meilen, hat man fast nichts als kultiviertes Land vor sich, das einen heimatlichen Eindruck macht. Allenthalben sieht man bis hoch in die sanft ansteigenden Berge ausgedehnte Plantagen, sorglich eingezäunt, grüne Matten, einzelne Häuser und kleine Häusergruppen; Fußpfade führen hin und wieder und über die Berggrate, während die Thäler und Hänge mit Wald und Buschwerk bestanden sind. Gar liebliche Bilder, die durch den Reichtum an Kokospalmen ein erhöhtes praktisches Interesse gewinnen! Längs dem weißen Sandstrande ziehen sich oft meilenweite Palmwälder hin, und selbst an den Bergen reichen ansehnliche Bestände über 1000 Fuß hinauf; ein Kopragebiet, wie es nur selten vorkommt. Und doch ist dasselbe bisher noch unbearbeitet geblieben, worüber sich die Eingeborenen am meisten freuen können. Wir sahen zwar am Strande verschiedene, auch größere Siedelungen, aber von den Bewohnern auch nicht Einen! Diese Küste schien wie verzaubert, nicht einmal ein Kanu ließ sich blicken. Sehr malerisch ist Kap Mourilyan, der Ausläufer eines zwischen 2000 bis 3000 Fuß hohen erloschenen Vulkans, der bis zu dem kahlen, steilen Kraterrande dicht mit Kultivationen bedeckt ist. Wir mußten hier leider Abschied von den d'Entrecasteaux nehmen, die für England ohne Zweifel viel wichtiger und versprechender sind, als Port Moresby und der größere Teil der Südostküste Neu-Guineas und vielleicht noch einmal Bedeutung erlangen. Sie werden sich für Plantagenwirtschaft, wie Viehzucht gleich günstig erweisen und bieten bereits etwas Exportfähiges in den reichen Kopragebieten.

Von Goodenough-Insel bekamen wir wenig zu sehen; sie blieb, wie der gleichnamige, an 7000 Fuß hohe Berg, meist inWolken gehüllt, und wir erblickten sein majestätisches Haupt nur ein paarmal während unserer Küstenfahrt, zu der wir jetzt zurückkehren.

Ostkap. — Catamarans. — Bentley-Bai. — Anzeichen von Kannibalismus. — »Hallelujah«. — Tamate. — Scheu der Eingeborenen. — Äußeres. — Ausputz. — Freundliche Mädchen. — Häuser. — Catharine-Insel. — Begegnung mit einem Kanu. — Chads-Bai. — Koom und Poru. — Albino. — Schönes Land. — Eine Liebesgeschichte. — Fingerspitze. — Herrliche Gebirgslandschaft. — Kap Frere. — Wasserfälle. — Gebirgsplantagen. — Bartle-Bai. — Goodenough-Bai. — Basilisk-Gebirge. — Flower- und Sclaterspitze. — Pyramidenhügel. — Geringe Bevölkerung. — Bedeutende Meerestiefen. — Gebirgsbewohner. — Kap Vogel. — In trübem Wasser. — Victory und Trafalgar. — Kap Sud-Est. — Geringe Bevölkerung. — Küste von Kap Nelson bis Mitrafels. — Hihiaura-Bucht. — Familienhaus. — Wir bauen. — Native-Häuser. — Verkehr mit den Eingeborenen. — Gomira Taga und Tohde. — Wir landen Vieh. — Blumenthal. — Ethnologisches. — Schaukeln. — Fischfang. — Kein Salz. — Stellung der Frauen. — Tägliche Beschäftigung. — Kochen. — Mahlzeiten. — Gemütliches Leben. — Schwierigkeit zu civilisieren — und die richtigen Leute zu finden. — Schattenseiten des Tradertums.

Ostkap.

Ostkap.

Wie erwähnt ist die Aufnahme dieser in der Luftlinie über 200 Meilen langen Küste ein Verdienst Moresbys, das niemand besser würdigen lernte als wir, die auf der Samoa seinem Kurse folgten. Auch in diesem Abschnitt fasse ich die Resultate dreier Fahrten an diesen Küsten zusammen, die, bei der ohnehin so knappen Behandlung unseres Vorgängers, einen Beitrag zur besseren Kenntnis derselben in Wort und Bild geben werden. Wir haben Lydia passiert und sehen die Ostspitze Neu-Guineas immer deutlicher hervortreten. Sie wird von der Halbinsel gebildet, welche Milne-Bai nach Norden begrenzt und läuft in eine schmale Landzunge aus, die mit einem sanften, ca. 400 Fuß hohen Hügel endet, vor dem zwei kleine, durch Riff verbundene Inselchen lagern. Unsere Skizze zeigt eine derselben, Anker-Insel, mit Ostkap aus Norden, kein großartiges, aber ein liebliches Bild, anheimelnd durch die Plantagen auf dem Hügel und die Palmenhaine, welche den Strand einfassen. An dem letzteren standen Hütten und Kanus; auch Eingeborene zeigten sich hie und da, nahmenaber von dem Dampfer keine Notiz. Das reiche Kultivations- und Kopragebiet, welches an der Ostseite von Normanby seinen Anfang nimmt, setzt sich, mit gewissen Unterbrechungen, von Ostkap bis nahe an Bentley-Bai fort. Aber der Bergrücken, die Stirling-Kette, welcher die schmale Ostkap-Halbinsel bildet, deren Breite selten fünf Meilen überschreitet, wird allmählich höher. Damit steigert sich der Reiz des Landschaftsbildes, das in der von hübschen Bergen umschlossenen Bai zu einem besonders ansprechenden wird. Von Eingeborenen war wenig zu bemerken; sie hielten sich zurückgezogen und beachteten unsere Einladungen gar nicht. Jedenfalls hatten sie seit dem freundlichen Besuche Moresbys vor 10 Jahren, der die Ostkap-Leute »als die liebenswürdigsten Wilden«, welche er kennen lernte, bezeichnet, üble Erfahrungen mit dem weißen Manne gemacht. Hie und da huschte ein Catamaran über die spiegelglatte Wasserfläche, eine sonderbare Art Wasserkutsche, die wir einzeln schon in Normanby kennen gelernt hatten. Sie besteht aus drei vierkantig behauenen, vier bis fünf Meter langen Baumstämmen, die mit Lianen aneinandergebunden, ein ca. ein Meter breites, an beiden Enden stumpfzugespitztes Floß bilden. Diese Catamarans sind an der ganzen Ostkap-Halbinsel,wie in Milne-Bai, die gebräuchlichsten Fahrzeuge und ersetzen zum Teil die im ganzen seltenen Kanus. Es versteht sich von selbst, daß ein solches Floß nur längs der Küste und bei ruhiger See benutzt werden kann, denn selbst bei solcher nimmt es fortwährend Wasser über. Es ist daher zuweilen ein etwas erhöhter Sitz angebracht, um Tauschwaren einigermaßen trocken zu halten. Wir haben die Geschicklichkeit, mit welcher die Eingeborenen dieses primitive Fahrzeug zu hantieren wissen, stets aufs neue bewundert. Die Sache sieht nämlich viel leichter aus, als sie ist und geht bei knieender Stellung noch am besten. Aber aufrechtstehend erfordert es viel Übung die Balance zu halten; eine ungeschickte Bewegung, und das Floß kippt um, was unseren Leuten später, zum Gaudium der Eingeborenen, öfters passierte.

Catamarans.

Catamarans.

Solche Catamarans, die übrigens nur einen bis zwei Menschen tragen, gaben uns das Geleit, als wir in Bentley-Bai einliefen, hielten sich aber in respektvoller Ferne. Nur eineresolute Frau spornte ihre stärkere Hälfte an, längsseit zu paddeln, um einige Geschenke zu empfangen. Sie gab mir dafür ein paar Früchte des Melonenbaumes (Carica papaya), ungefähr alles was die Eingeborenen besaßen, denn Kokospalmen werden in Bentley-Bai schon spärlicher. Der furchtsame Gatte erregte durch einen besonderen Haarschmuck meine Aufmerksamkeit. Er trug im Nacken eine Zopfzottel, an der ein Halswirbel befestigt war, welche Zier ich natürlich gern für das Berliner Museum erworben hätte. Aber der Mann schien davon nichts wissen zu wollen. Es blieb mir daher nichts übrig als Raub; denn, was thut man nicht alles im Dienst der Wissenschaft! Ein Schnitt mit der Schere und der Zopf war mein, worüber die kleine Frau gar sehr schimpfte. Ihre zornfunkelnden Augen gingen aber bald in freudestrahlende über, als ich ihr einen goldenen Ring im Wert von zehn Pfennigen, ihrem Gemahle ein Messer schenkte. Die spätere Untersuchung hat den Knochen als einen menschlichen Atlas nachgewiesen, wodurch auch diese guten Eingeborenen den Verdacht Kannibalen zu sein auf sich laden. In Ermangelung besserer Beweise spreche ich diesen Verdacht übrigens nur mit Vorbehalt aus, und will hinzufügen, daß ich derartigen Zopfschmuck nur wenigemale hier, aber auch in den d'Entrecasteaux und um Ostkap beobachtete. Halswirbel vom Schwein und Dugong werden am häufigsten benutzt, besonders aber Ovulamuscheln, zuweilen auch sonderbare Fischgebisse, so daß es sich bei weitem nicht immer um Trophäen von erschlagenen Feinden handelt. Selbst in diesen abgelegenen Gegenden pflegen sich die Gegensätze zu berühren. Kaum war der Vertreter des menschenfressenden Heidentums mit seiner Ehehälfte weggepaddelt, da tönte es »Hallelujah! Jesus!« und wir begrüßten den ersten Christen, der sich schon durch ein früher weißes Hemd von der übrigen Gesellschaft auszeichnete. »Missionaly[60]Tamate Natuna!« Aha! der Herr Missionär dieses Namens, würde jeder gedacht, aber geirrt haben, denn der Zusammenhang dieser Wortewar nur dem verständlich, welcher die Südostküste Neu-Guineas kennen lernte. Hier ist von Freshwater- bis Milne-Bai ein Weißer unter dem Namen Tamate überall bekannt und beliebt, der Rev. James Chalmers in Port Moresby, der einflußreichste Mann an dieser ganzen Küste. Schon 10 Jahre lebt er unter den Eingeborenen, die ihn alle als einen Vater verehren. Kein Wunder daher, daß auch dieser braune Hemdenmatz sich Tamate Natuna, d. h. Kind von Chalmers nannte, dem er wahrscheinlich in einer Missionsstation in Milne-Bai begegnet war. Mit »Missionaly« (Missionär) pflegt sich gern jeder Eingeborene zu bezeichnen, der nur einmal eine Mission besuchte und deswegen noch keineswegs Christ zu sein braucht, da in Neu-Guinea das Wort Loto (= Christentum) unbekannt ist.

Ich durfte mich dem Kinde Tamate's gegenüber, das eigentlich Tau pa-uri hieß, als Tamate Wariga, Freund von Chalmers einführen, mit dem ich in Port Moresby so oft zusammen gewesen war, und manche Tour gemacht hatte. Der neue Freund erwies sich übrigens von keinem Nutzen und riß mit der übrigen Menge aus, als ich das Land betrat. Das kostete wieder Mühe sich anzupirschen! Ich hatte den Leuten lange am Strande zu folgen, manchen Bach zu durchwaten, ehe einige beherztere Burschen standhielten. Stückchen Tabak, die ich ihnen zuwarf, kirrten sie vollends, und endlich ließ sich einer die biedere Rechte schütteln. »So, nur Courage! sei doch kein Frosch, ich bin ja Finsch aus Bremen, ihr kennt mich ja!« — und die Leute wurden zutraulicher, kamen nach und nach heran, bis uns ein dichter Haufen umgab. Auch Mütter mit ihren Säuglingen fehlten nicht, und meine alte Praxis, die letzteren mit roten Bändchen zu schmücken, machte den gewünschten Eindruck. Auch Papuafrauen besitzen Mutterstolz und freuen sich, wenn man die braunen Papuaengelchen streichelt und lobt. Und diese Kinderchen sind im allgemeinen viel artiger als unsere, denn sie schreien viel weniger und fürchten sich gar nicht so vor dem »weißen Manne«. Die Eingeborenen von Bentley-Bai, wie um Ostkap, sind von ziemlich heller Hautfärbung und gehören zu denen, welche von Unkundigen als malayische Mischlinge erklärt werden. Aber mit Unrecht,denn sie sind echte Papuas, wobei uns das individuelle Vorkommen von lockigem, selbst schlichtem Haar nicht zu genieren braucht. Gewöhnlich wird es kurz gehalten, bei den Frauen meist abrasiert, aber junge Stutzer, wie der auf der Abbildung, zausen sich eine mächtige Wolke auf. Er ist im Gesicht zierlich mit schwarzen Strichen bemalt, trägt Blätter und eine künstlich zerschlissene Centropusfeder im Haar, am Arm eines jener kolossalen Armbänder (Bakibakira), die wir zuerst hier kennen lernten. Sie sind halbrund aus gespaltenem, schwarz gefärbtem Rotang geflochten und werden auf der hohlen Innenseite mit Moos und wohlriechenden Pflanzenstoffen ausgefüllt. Sie verbreiten sich über die ganze Ostspitze Neu-Guineas und dienen zum Teil als Trauerschmuck. Als solchen lernte ich, außer dem üblichen Schwarzmalen, auch breite zierlich aus Gras geflochtene Bänder kennen, die von beiden Geschlechtern kreuzweis über die Brust getragen wurden. Viele Eingeborene litten an Ichthyosis, wie sie überhaupt in Gestalt, wie Ausputz einen ärmlichen Eindruck machten. Das Septum war bei beiden Geschlechtern durchbohrt, aber gewöhnlich wurde ein Holzstift durchgesteckt, seltener ein aus Muschel geschliffener. Im Ohr trugen die Männer meist einen zusammengerollten Streifen Pandanusblatt, zuweilen einige Spondylusscheibchen oder kleine Schildpattringe. Halsstrickchen (Maura) und gewöhnliche Grasarmbänder (Ohame) bildeten, wie immer, den Hauptputz; in dem letzteren wurde häufig ein Stück Badeschwamm (zum Waschen!) getragen. Stutzer befestigen am Armbande, wovon auch solche aus Muschel (Conus und Trochus) vorkamen, zuweilen einen langen Streifen aus künstlich zusammengenähtenPandanusblatt, der gleich einem Bande herabflattert und Päropäro heißt. Als seltenen Knie- und Armschmuck sah ich aufgereihte mittelgroße, weiße Cypraea-Muscheln (Bunidoga); mit Ausnahme kleiner Knaben waren alle bekleidet. Die Männer trugen die eigentümlichen Pandanusmatten, Ahra (S. 214), die häufig an einer Schnur, zuweilen einem dicken Wulst (Apara) von Menschenhaar befestigt sind, von dem Schnüre aus gleichem Material mit Ovulamuscheln (Dunara), portepéeähnlich herabbommeln (vergl. Taf. XVI 6). Frauen, selbst kleine Mädchen, sind mit schweren Grasröcken (Nogi) aus gespaltener Kokosfaser bekleidet, wie dies die Abbildung (S. 237) zeigt. Mit der Steinzeit war es auch hier vorbei, denn die Eingeborenen besaßen bereits Äxte mit Bandeisenklingen (S. 212), begehrten jedoch am meisten Tabak und Pfeifen. Sie hatten aber wenig in Tausch abzugeben oder vielmehr gaben das wenige Gute, z. B. hübsche Holztrommeln und Holzschilde (Ragena) nicht her. Als Waffe besaßen sie nur rohgearbeitete Speere (Jera), keine Pfeile und Bogen. Neu waren mir sehr hübsch geflochtene, runde, schachtelförmige, Tragkörbe (Au-utu), mit drei Einsätzen, und eine sonderbare Art Fischfallen (Mahaba, T. IX. 1). Als Material zu Strickarbeiten wird die durch Klopfen bereitete Faser aus den Luftwurzeln des Schraubenbaumes (Pandanus) benutzt, die ich schon in Normanby bemerkte. Sie stellt an Haltbarkeit und Länge des Fadens die besten unserer Faserstoffe in den Schatten und würde einen trefflichen Exportartikel abgeben, wenn größere Quantitäten zu haben wären.


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