IV. Milne-Bai bis Teste-Insel.

Junger Mann von Bentley-Bai.

Junger Mann von Bentley-Bai.

Außer Kokosnüssen und Papayafrüchten war an Lebensmitteln nichts aufzutreiben. Wir betrachteten wehmütig die schönen Schweine (Poru), von denen sich die Leute nicht trennten. Und doch hatte Moresby hier eine Menge erhandelt, aber die Bevölkerung ist seitdem offenbar geringer und ärmer geworden.

Das weibliche Geschlecht, im ganzen häßlich und unansehnlich, zeichnete sich durch besondere Zuthunlichkeit und Liebenswürdigkeit aus, wie ich sie selten bei Eingeborenen gefunden habe. So beschenkte mich ein kleines, nettes Mädchen mit einer Bekleidungsmatte, so schön, daß sie einem Bräutigam Ehre gemacht haben würdeübrigens das einzige Geschenk, welches ich jemals von einer Papuaschönheit erhielt. Ich hatte aber auch ein paar Handvoll Glasperlen weggegeben und die Damen noch besonders erfreut, indem ich meinen Arm entblößte. Die Verwunderung über die Weiße der Haut wollte unter dem sanften und melodischen Ausdruck des Erstaunens »agai-i« gar kein Ende nehmen, das Befühlen und Streicheln gab ihr aber bald einen dunklern Ton.

Haus in Bentley-Bai.

Haus in Bentley-Bai.

Der hiesige Pfahlbaustil ist am besten aus der Abbildung ersichtlich, und nur hinzuzufügen, daß das Material aus Bambu besteht und die Grasdächer mit toten Palmblättern belegt werden, um ihnen mehr Festigkeit zu geben. Die Diele ist meist aus Planken hergestellt. Auf dem Vorplatz, vor der Thür stehen gewöhnlich Töpfe(Nau), deren Anzahl zugleich den Reichtum bekundet, denn sie sind ein teurer Artikel und kommen weit her, von Teste-Insel. Neben den Häusern erheben sich kleinere Pfahlbauten oder Gerüste als Vorratskammern und die kleinen Siedelungen sind zuweilen mit einer lebendigen Hecke aus Croton und dergleichen eingezäunt. Gewöhnlich liegen auf dem freien Platze um die Häuser, der zuweilen auch mit Rollsteinen belegt ist, große Schieferplatten, auf denen die Eingeborenen gern zu sitzen pflegen. Ich vermute, daß diese Steine Gräber bedecken, sah aber später ein Grab in Form eines kleinen Hauses, ganz wie in Finschhafen (S. 173). Wie fast stets waren Crotons bei demselben gepflanzt. Ein hier, wie an der ganzen Ostspitze üblicher Gebrauch ist der, bei den Siedelungen oder am Strande Kokosnüsse an eigens dazu errichteten Pfählen aufzuhängen. Oft sieht man künstliche Bäume ganz voll von Kokosnüssen, die wahrscheinlich zum Anpflanzen dienen. Bentley-Bai ist nur schwach bevölkert und zählt etwa ein Dutzend ziemlich versteckter Siedelungen, von denen die größte, Tagoreüa, nur aus acht Häusern besteht. Aber einzelne Häuser finden sich, wie Plantagen, in den Bergen, die sehr steil und an 2000 Fuß hoch sind und von denen man einen schönen Blick auf Milne-Bai hat, denn die Breite der Halbinsel beträgt hier kaum mehr als drei Meilen. Schiffen ist übrigens Vorsicht anzuraten, da namentlich die östliche Seite der Bai nicht frei von Riffen und Felsen ist. Am westlichen Eingange liegt eine flache mit Mangrove bedeckte Insel (Catharine-Isl.), hinter der sich ein geschütztes Becken (Annie-Inlet) öffnet, das aber wegen Untiefen als Hafen unbrauchbar ist. Für Kanus mag es freilich gut genug sein, wenigstens flüchteten zwei solche, denen wir kurz vor Kap Ducie begegneten, eiligst in die Bucht, während ein drittes, mit zehn Mann Besatzung, längsseit kam. Die Leute verstanden kein Wort englisch und hatten nichts als etliche Stücke Obsidian zu verhandeln, kamen also wohl von Moresby-Straße herüber, wo diese Lava, die zum Rasieren überall beliebt ist, häufig sein soll.

Zwischen Cap Ducie und Excellent-Point erstreckt sich ein zwei und eine halbe Meile langes Vorland, dessen nördlicher Rand vonSmall-Bai bespült wird. Dieses Vorland ist meist mit Mangrove bestanden, erhebt sich aber nach Westen zu dichtbewaldeten Bergen von 400 bis 500 Fuß Höhe. Als wir diese westliche Ecke, Excellent Point, passiert hatten, sahen wir die ausgedehnte Chads-Bai, von malerischen Bergen umrahmt, vor uns. An ihrem östlichen Ufer machten sich dichte Bestände Kokospalmen bemerkbar, sowie Eingeborene, die uns zu Ehren flaggten, d. h. einen Lappen Zeug an einer langen Stange befestigten und damit winkten. Wir folgten ihrer freundlichen Einladung und gingen kaum zwei Kabel vom Ufer in 13 Faden zu Anker. Was oft nicht wenige Meilen Entfernung thun können! Während es in Bentley-Bai noch so schwer war, mit den Eingeborenen zu verkehren, zeigten sie sich hier viel weniger scheu, ohne Zweifel, weil sie noch keine üblen Erfahrungen mit Werbeschiffen gemacht hatten. Mein Freund Tamate war hier nicht bekannt, aber in aller Munde tönte das Wort »Toom!« Wer mochte wohl dieser Tom sein, der die Gemüter der Eingeborenen so bewegte? Endlich hatte ich es heraus. Nicht Toom, sondern »Koom« (Kokosnuß) meinten die Leute, und ob wir solche haben wollten? Natürlich, ja! — »Ein Schwein wäre mir lieber!« meinte Kapitän Dallmann, schüttelte aber bedenklich mit dem Kopfe, als ich ihm sagte, dasselbe sei bereits bestellt. Aber die Sache war sehr einfach, nachdem ich durch Imitation von Grunzen erst wußte, daß Poru auch hier Schwein heißt, wie Kiram Axt. Ich zeigte grunzend die letztere, und unter verständnisvollem Gegengrunzen paddelten die Leute nach dem Dorfe. Mit dem Wiederkommen dauerte es freilich etwas lange, und ich wollte mich eben selbst aufmachen, um dem Hohn zu entgehen und vielleicht mit einem Schusse nachzuhelfen, denn diese Papuaschweine sind oft sehr obstinat. Da tönte ein durchdringendes Gequieke herüber, daß alle Spötter zum Schweigen brachte, der Koch wetzte sein Messer und sagte: »Kaptain! De Doctor het regt! Sieh'! dor brengt de zwarte Jaantjes dat Swin!« Und so war es. Wie stand ich nun da! He? Selbst der Kapitän gratulierte zu dem Erfolge, der uns nach langer Zeit einmal frisches Fleisch und sein Leibgericht: »suur Swinfleesch en Arwgen« brachte.

Wir gingen an Land, zunächst nach dem Dorfe, wo uns die ganze Bevölkerung, etliche 30 Köpfe, sitzend erwartete, ärmlich aussehende, aber bescheidene, nette Leute, die sich über jede Kleinigkeit unendlich freuten. Das Dorf bestand nur aus fünf Häusern, die ganz mit denen in Bentley-Bai übereinstimmten, wie die Eingeborenen selbst, mit Ausnahme eines einzigen, eines Albino. Er war so hell als ein sonnverbrannter Europäer, mit geröteten Wangen und Lippen, hatte rotbraunes Haar in eine mächtige Wolke aufgezaust, und braune, keineswegs lichtscheue Augen, wie sie sonst meist Albinos eigen sind. In europäische Kleider gesteckt, würde niemand in diesem Manne den Papua erkannt haben; man ersieht hieraus, was ein bißchen Hautfärbung thun kann. Jedenfalls ist es sehr merkwürdig, daß von dunklen Eltern zuweilen ganz helle Kinder abstammen, während umgekehrt wohl kaum ein solcher Fall bekannt sein dürfte. So lernte ich an der Südostküste Neu-Guineas eine Papuafamilie kennen, von der die sehr dunkel gefärbten Eltern zwei dunkle und zwei helle Kinder, so weiß als europäische, besaßen. Die Eingeborenen haben übrigens solchem Naturspiel gegenüber kein Vorurteil, was bei uns im entgegengesetzten Falle ohne Zweifel recht bedenklich hervortreten würde. In Begleitung der Männer machten wir eine Exkursion und schritten auf engen Pfaden längs einem kleinen Flüßchen oder in dem Bette desselben, bis wir auf eine grasige Hochebene gelangten, die savannenartig mit Schraubenbaum bestanden war und sich bis Bentley-Bai hinzuziehen schien. Sie würde sich wegen ihres nicht zu hohen, saftigen Grases trefflich zu Viehweiden eignen, besitzt aber auch guten, schwarzen Boden. Längs einem anderen Flüßchen, an dem schöne Plantagen lagen, kehrten wir gegen Abend wieder an die Küste zurück, wo wir von den freundlichen Leuten Abschied nahmen. Als wir ins Boot steigen wollten, gab es noch eine unerwartete Scene, denn erst mußte noch eine dunkle Dame gewaltsam entfernt werden, die sich unter einer Bank versteckt hatte und absolut mit an Bord wollte. Das war selbst mir in meiner Papuapraxis noch nicht vorgekommen, aber »es hilft nichts, meine Gnädige, Sie müssen raus!« Da stand sie händeringend, um die hartherzigen weißen Männer zu erweichen,von denen keiner nur ein Fünkchen Mitleid fühlte. Ja, wer mochte dieser zartbesaiteten Seele die Ruhe geraubt, es ihr angethan haben? Sicher keiner von uns vier Weißen, denn ein solcher läßt schwarze Damen stets kalt, aber unsere Ruderer, kannibalisch schöne Neu-Britannier, die konnten in ihren roten Flanellhemden wohl Eindruck machen und ein so unschuldiges Herzchen berücken. Aber galant waren diese schwarzen Stutzer auch nicht, denn als ich einen Tommy oder Bob fragte »you like this fellow papine?« (»magst du das Mädchen leiden?«) sagte er verächtlich: »bata! what fore? no all same avakak papine Mioko!« (nein! warum? nicht so schön als Mioko-Mädchen). Ja, ja! diese Schwarzen haben auch so ihren eigenen Geschmack, und dunkle Haut allein thut es nicht.

Fingerspitze.

Fingerspitze.

Merkwürdige Felsen, die zwei übereinander stehenden Mauern ähneln, begrenzen die etwa drei Meilen breite Chads-Bai nach Westen, können aber übersehen werden, da eine sonderbar geformte Bergspitze, die ihresgleichen sucht, das Auge fast ausschließend gefangen hält. Unter den massigen, mit grünem Gras bekleideten Kuppen erhebt sich ein isolierter, schlanker, fast senkrechter, an 3000 Fuß hoher grüner Pik, die »Fingerspitze« Moresby's, ein gewaltiger und imposanter Bergobelisk, von dem diese Abbildung nur eineschwache Vorstellung zu geben vermag. Mit dieser charakteristischen Partie entwickeln sich weiter westlich bis in die Tiefe von Goodenough-Bai, auf eine Länge von fast 50 Meilen, immer neue und großartigere Gebirgsbilder, ein wunderbares Küstenpanorama, das wir einen ganzen Tag mit Entzücken betrachten konnten. Ohne Zweifel ist dieser Teil landschaftlich der schönste, den ich in Neu-Guinea kennen lernte, und wahrscheinlich für die ganze Insel überhaupt. Es würde ein unnützes Bemühen sein, eine Beschreibung zu geben, und ich muß mich auf einige kurze Bemerkungen beschränken, um wenigstens die charakteristischen Züge dieses Küstengebirges zu skizzieren. Dasselbe ist zunächst als eine noch unbenannte Fortsetzung der Stirlingskette zu betrachten, die nach Westen zu allmählich höher wird und sich von 3000 bis an 5000 Fuß erheben mag. Dieses Gebirge fällt fast allenthalben schroff und steil bis zur Küste ab, die nur hie und da beschränktes, meist mit Wald bedecktes Vorland aufzuweisen hat. Das Gebirge zeigt in seiner Kammlinie viele malerische Kuppen und Spitzen, zeichnet sich aber ganz besonders durch steile Schluchten und Schlünde aus, die auf ihrem Rücken schroffe Grate bilden. Trotz dieser markigen Gliederung fehlt das Wildromantische der eigentlichen Alpenlandschaft, weil nur selten größere Felspartien hervortreten, dagegen fast überall saftig grünes Gras die Seiten der Berge bekleidet, die nur in den Schluchten und im obersten Viertel oder Fünftel der Kammhöhe mit Wald bedeckt sind. Dieser Kontrast zwischen dem hellen Grasgrün und dem dunklen, fast schwarzen Waldesgrün gehört zu den Eigentümlichkeiten dieses Gebirges, das sich außerdem durch zahlreiche Wasserfälle auszeichnet. Sie treten besonders gegen Kap Frere in oft überraschender Fülle hervor, einem gewaltigen an 3000 bis 4000 Fuß hohen, massigen Gebirgsrücken mit fast horizontaler Kammlinie, dessen spaltenklaffende Seiten beinahe senkrecht ins Meer fallen. Zuweilen erblickte das Auge acht solcher Wasserfälle auf einmal, die freilich nur dünnen Silberfäden glichen, denn wir hatten noch trockene Jahreszeit (Dezember), aber gerade deshalb besonders merkwürdig erschienen. In der That ist es schwierig, für diese Menge von Wasserläufen von den Bergen herab eine genügende Erklärung zu finden, umsomehr als wir an der ganzen Küste kaum ein halbes Dutzend, jetzt meist vertrockneter Flußmündungen antrafen. Da noch niemand den Scheitel dieser Küstengebirge betrat, so ist es nicht unmöglich, daß sich von hier aus südlich bis zu den nur sechs bis acht Meilen entfernten höheren Gebirgsketten des Owen-Stanley-Systems (Mt. Thompson u. a., über 6000 Fuß) Hochebenen hinziehen, auf welchen diese nördlichen Wasserläufe entspringen. Auch die besonderen Verhältnisse, unter denen sich das Vorkommen des Menschen hier zeigt, scheinen dafür zu sprechen. Mit Chads-Bai fingen Palmwälder und Siedelungen an spärlicher zu werden, nur selten zeigten sich einzelne Hütten mit einer kleinen eingezäunten Plantage im Ufervorlande. Desto häufiger konnte man dieselben an den Hängen hoch in den Bergen mit dem Glase erkennen und erstaunte über die Häufigkeit der kultivierten Flächen in jenen Regionen. Wie immer waren mit Vorliebe besonders steile Stellen ausgesucht worden, und über die schroffsten Grate konnte man die halsbrechenden Pfade der Eingeborenen verfolgen, die in diesem interessanten Gebiete so recht eigentliche Gebirgsbewohner, wie die Koiäri im Innern von Port Moresby, zu sein scheinen. Mit dem Fernrohr ließen sich deutlich alte und neu angelegte Plantagen unterscheiden, aber nirgends war ein Mensch sichtbar, höchst selten ein Haus, dagegen zuweilen Rauch oft unmittelbar unter der Waldregion, in Höhen von über 2000 Fuß. Kap Frere ist jedenfalls der großartigste Teil dieses Küstengebirges und bietet namentlich von der Westseite, Bartle-Bai, höchst romantische Partien, wie die beigegebene Skizze des »Drachenfels« (S. 244), wenigstens andeutet. Die mit grünem Grase bekleidete, senkrechte Wand, an der ein Wasserfall herabstürzt, ist auf ihrer Spitze mit Felsmauern und Buschwerk gekrönt, wie mit einer märchenhaften Burgruine. Sehr reich an pittoresken Schönheiten ist Goodenough-Bai, der wir kaum eine Meile von der Küste entfernt, auf nahezu 25 Meilen in W.-N.-W.-Kurse folgten. Das herrliche Gebirge, welches ich zu Ehren des »Basilisk« benenne, wird höher und zeigt imposante Kuppen, Spitzen und Hörner, von denen wenigstens zwei Namenverdienen. Sie begrenzen die Einsattelung, welche ca. 20 Meilen west von Kap Frere das Gebirge durchschneidet. Die Ostseite der tiefen Schlucht bildet, eine regelmäßige Pyramide, die Flowerspitze, während die Westseite von einem auffallenden, schiefabstehenden Felsenhorn, der Sclaterspitze, begrenzt wird, beide benenne ich nach zwei hervorragenden englischen Naturforschern. Vor dieser charakteristischen Gebirgseinsattelung dehnt sich ein breiteres Vorland mit sonderbar geformten Vorbergen aus, die, wie schonMoresby[61]erwähnt, auffallend der Tafel eines Atlanten ähneln, welche die Gebirge der Welt darstellt, ein wahres Chaos von kleineren und größeren Pyramiden, die sich zuweilen giebelartig aneinander reihen. Diese mehrere hundert Fuß hohen Pyramidenhügel sind alle kahl und zeigten jetzt eine bräunliche Färbung, die nur durch spärliche Baumvegetation in den Schluchten unterbrochen wurde. Wenn übrigens Moresby dieses Land, wie den ganzen Strich, für ausgezeichnet für Kulturen wie Viehzucht erklärt, so kann ich damit nicht übereinstimmen. Und zwar aus dem einfachen Grunde, weil das Land fast nur aus Gebirgen, dabei sehr steilen Gebirgen, besteht und zu wenig Ufervorland bietet. Daß das letztere selbst von den Eingeborenen fast gemieden wird, ist freilich höchst sonderbar und auffallend, denn immerhin könnten Tausende hier leben. Von den zahlreichen Dörfern,welche Moresby erwähnt, sahen wir, abgesehen von einzelnen Häusern, nur vier, davon das erste (acht Häuser) ca. acht Meilen west von Chads-Bai, und dann erst wieder zwei noch kleinere in Bartle-Bai. Diese Häuser waren nicht »oval«, wie sie Moresby beschreibt, sondern von gewöhnlicher Form und standen zum Teil auf niedrigen Pfählen. Noch seltener als Siedelungen und Häuser (die ja auch ganz versteckt liegen können) trafen wir Eingeborene und kamen nur einmal mit ihnen in Berührung, oder vielmehr sie sehr unfreiwillig mit uns. Es war ca. 12 Meilen west von Chads-Bai, als plötzlich ein gewöhnliches Baumstamm-Kanu vor uns auftauchte, dessen fünf Insassen, offenbar in großer Angst, so ungeschickt vor dem Buge des Dampfers manövrierten, daß eine Kollision nicht zu vermeiden war. Die Leute retteten sich aber im letzten Moment durch Herausspringen, schöpften ihr Fahrzeug, das glücklicherweise keinen Schaden gelitten hatte, wieder aus und paddelten dem Ufer zu, ohne sich nur nach uns und den ins Wasser geworfenen Geschenken, roten Zeugstreifen an leere Flaschen gebunden, umzusehen. Ganz ebenso machte es eine Anzahl Weiber, die wir an einer fast ausgetrockneten Flußmündung überraschten, ein Mann in einem Kanu in Bartle-Bai und vier Kanus mit je drei Insassen in Goodenough-Bai, alles, was wir an Menschen überhaupt trafen und zu sehen bekamen. Bei den Häusern und Siedelungen beobachteten wir sonderbarerweise nie ein menschliches Wesen. Und doch zählte Moresby an einer Stelle in Bartle-Bai über 100 Eingeborene, die zwar scheu, aber freundlich waren und unter anderem einen Opferhund sowie ein Schwein überreichten. Es hat sich also offenbar seitdem vieles verändert und zwar nicht infolge des üblen Einflusses von Werbeschiffen (Labourtrade), die dieser Küste wohl fern blieben. Sie eignet sich nämlich wegen großer Meerestiefen[62]und Mangel von Häfen nicht sonderlich für Schiffsverkehr und wird schon aus diesem Grunde Ansiedelungen wenig begünstigen. Es ist zu bedauern,daß Moresby die Plantagen der Eingeborenen im Gebirge unerwähnt läßt. Wir sahen sie in Goodenough-Bai allenthalben, ja hier in noch bedeutenderen Höhen als vorher, nicht selten in 4000 Fuß, unmittelbar unter der Waldregion, welche die Kammhöhe bedeckt, und selbst auf den höchsten Kuppen ließen sich mit dem Glase Kultivationen, Fußpfade, grüne Wiesen und einzelne Häuser, wie Sennhütten, erkennen. Wer zu ihnen vordringen und über dieses sonderbare Gebirgsland und seine Bewohner Auskunft geben könnte! Hat doch bis jetzt kaum ein Forscher jene Küste, geschweige denn die einsamen Gebirgspfade des braunen Mannes betreten. Aber hoffentlich wird auch für dieses Gebiet bald die Zeit herankommen, wo diese Lücken ausgefüllt werden.

Drachenfels in Bartle-Bai.

Drachenfels in Bartle-Bai.

Pyramidenhügel in Goodenough-Bai.

Pyramidenhügel in Goodenough-Bai.

Gegen Abend näherten wir uns dem Nordrande von Goodenough-Bai, der ähnlich wie Huon-Golf von West nach O.-N.-O. verläuft, aber nur 25 Meilen lang ist und mit niedrigeren, meist bewaldeten Höhenzügen bedeckt ist, hinter denen die majestätischen Gebirge von Goodenough-Insel hervorragten. Am anderen Morgen befanden wir uns in Ward-Hunt-Straße, welche die letztere Insel vom Festlande trennt und näherten uns Kap Vogel (S. 248), das Moresby nach dem früheren Premierminister von Neu-Seeland Sir Julius Vogel benannte. Es wird von einem ca. 400 Fuß hohen, steilen Hügel gebildet, der gleich einer grünen Wand die Nordostspitze der Kap Vogel-Halbinsel säumt, welche aus schönem Kulturland zu bestehen scheint. Am Strande zeigten sich dichte Bestände Kokospalmen, aber wir bemerkten nur ein Dorf, dessen Bewohner keine Kanus zu besitzen schienen und von uns gar nicht Notiz nahmen. Grüne Flächen und Hügel treten jetzt an Stelle der Hochgebirge und die ganze Küste nimmt einen anderen Charakter an. Seit Catharine-Insel sahen wir zuerst wieder kleine Inseln vorgelagert, die meist niedrig, dicht mit Mangrove bestanden und häufig durch Riff mit dem Festlande verbunden sind. Während es in Goodenough-Bai nicht ein Riff giebt, wurden solche von jetzt an häufiger und mahnten den Schiffer zur Vorsicht. Diese ist umsomehr geboten, als wir fast an dieser ganzen Küste bis Mitrafels hinauf noch in einer Entfernung von vier Meilentrübgefärbtes Wasser beobachteten, das selbst den sorgfältigen Ausguck illusorisch machte. Nicht selten wühlte die Schraube in klarem Wasser, während die Oberfläche des Meeres weit und breit schmutzig-grün erschien, was auf zahlreiche Süßwasserzuflüsse schließen läßt. Die Möglichkeit auf totes Riff zu rennen liegt daher nahe, und auch der Samoa drohte diese Gefahr ein paarmal, glücklicherweise kamen wir aber mit dem Schrecken davon. Das schmutzige Wasser veranlaßte auch Kapitän Dallmann der riffreichen Collingwood-Bai auszuweichen, deren Küsten wir schließlich ganz aus Sicht verloren. Was wir im östlichen Teile derselben sahen, war niedriges Hügelland, anscheinend mit viel grünen und braunen Kulturflecken, die wohl aber nur kahles Land sind, längs dem Ufer ein dichter Gürtel Mangrove.

Kap Vogel.

Kap Vogel.

Nach wenigen Stunden kam wieder Land in Sicht und entwickelte sich bald zu einem sehr malerischen Gebirgspanorama, demNelson-Gebirge mit seinen beiden hervorragendsten, an 4000 Fuß hohen Spitzen, Victory und Trafalgar. Sie sind wie das übrige Gebirge dicht bewaldet, laufen aber in grasige schiefe Flächen aus, die von dichtbewaldeten Schluchten durchzogen sind, und wahrscheinlich Flußläufe aufzuweisen haben. So zeigt der Berg Trafalgar an seiner Nordostseite einen hübschen Wasserfall und wird durch eine tiefe Schlucht in zwei Hälften geteilt, wie dies meine Skizze veranschaulicht. Die Küste schneidet in mehrere mangrovebestandene Buchten ein, die nicht frei von Felsen sind, wie es auch an Riffen nicht mangelt. So malerisch dieses Land aussieht und so sehr es für Kulturen geeignet scheint, Anzeichen des Vorhandenseins von Eingeborenen fanden wir nicht und verbrachten daher eine ruhige Nacht in Porlok-Bai, etwas westlich von dem schwer auszumachenden Kap Nelson. In dieser Gegend hatte auch der Basilisk eine Nacht geankert, und Moresby gedenkt zahlreicher Eingeborener und deren besonderskonstruierten, sehr großen Kanus, von denen manche 30 bis 40 Mann trugen. Wir hatten das letzte in der Nähe von Kap Vogel gesehen und trafen überhaupt erst wieder an der Ostspitze von Dyke-Acland-Bai, vor dem sogenannten Kap Sud-Est (von d'Entrecasteaux) mit Menschen zusammen, wie sich schon von weitem an einem Kokoshain erwarten ließ. Es entwickelten sich hier nach und nach vier größere Dörfer, von je einem Dutzend Pfahlhäusern, aber Eingeborene zeigten sich nur wenig, und diese wenigen kamen nicht, obwohl sie Kanus besaßen. Weiter nordwestlich begegneten wir keinen Siedelungen mehr, was, wenn auch vereinzelte übersehen worden sein können, immerhin zu dem Schlusse berechtigt, daß diese ganze, von Chads-Bai an nach ihrem Verlauf gemessene, an 270 Meilen lange Küste nur äußerst spärlich bevölkert ist. Und wie es auf deutschem Gebiete in Huon-Golf und längs der Maclay-Küste damit bestellt ist, haben wir aus Kap. 5 und 4 ersehen. In der That sind alle bisherigen Angaben über die Einwohnerzahl Neu-Guineas durchaus illusorisch und entbehren jedes sicheren Anhaltes. Aber bei der Genauigkeit unserer geographischen Lehrbücher müssen ja auch solche Zahlen ausgefüllt werden, selbst wenn sie auch nicht entfernt zuverlässig sein können. Was die Beschaffenheit der Küste selbst anbelangt, so ähnelt dieselbe im ganzen der von Herkules-Bai. Von der Kap Nelson-Halbinsel bis Kap Killerton ziehen sich inland ununterbrochen Gebirgsketten von 2000 bis 4000 Fuß Höhe, die von da an zu niedrigeren Höhenzügen herabsinken, während das Ufer westlich von Dyke-Acland-Bai meist mit dichten Kasuarinenbeständen gesäumt ist. Solche finden sich in den verschiedenen Buchten längs der sogenannten Holnicote-Bai, die übrigens kaum den Namen »Bai« verdient.

Trafalgar-Berg.

Trafalgar-Berg.

Von Mitrafels kehren wir zu einer späteren Zeit wieder nach Bentley-Bai zurück, deren Bewohner uns diesmal als Freunde begrüßten und am liebsten ganz behalten hätten. Bei nochmaliger genauer Prüfung erwies sich aber dieser Platz, aus verschiedenen Gründen, zur Anlage einer Station, um die es sich diesmal handelte, nicht geeignet. Wir mußten also unser Heil anderwärts probieren und untersuchten die Küste bis Ostkap wiederholt. Sie wird vonmehreren kleinen, palmumrahmten Buchten gebildet, von denen sich aber nur die von Hihiaura brauchbar erwies, weil hier wenigstens kleine Schiffe ankern können. Diese Bucht, ca. eine Meile ost von Bentley-Bai und neun Meilen west von Ostkap, ist von malerischen Bergen umgeben, unter denen der über 1300 Fuß hohe Killerton der höchste ist. Trotz der Steilheit sieht man überall im Waldesdickicht noch hoch hinauf urbar gemachte Stellen, Plantagen der Eingeborenen, die im Verein mit den luftigen Kokoshainen des Strandes ein gar liebliches Bild geben. Bald wurde es lebendig; zahlreiche Catamarans paddelten heran, und eine große Menge Eingeborener hatte sich am Ufer versammelt, als wir landeten. Offenbar war schon von Bentley-Bai Kunde über uns hierher gelangt, denn die Leute zeigten sich, obwohl immerhin mißtrauisch, doch längst nicht so scheu als zuerst dort. Die Siedelung Hihiaura ist, wie alle an dieser Küste, sehr klein und zählte nur acht Häuser, darunter aber ein ungewöhnlich großes. Es war 40 Fuß lang, 18 breit und bis unter die Giebelspitze 25 Fuß hoch, dabei äußerst akkurat gebaut, und ich freue mich, auch dieses bemerkenswerte Bauwerk der Steinzeit hier in der Abbildung geben zu können. Nicht lange und man wird vergeblich nach einem derartigen Denkmal der Baukunst des sogenannten Naturmenschen suchen. Auch die hiesigen hatten die Steinaxt beiseite gelegt und dachten nicht daran, die beginnenden Schäden des Hauses auszubessern, wie der Eingeborene überall nachlässiger wird, sobald er erst eiserne Werkzeuge besitzt. Das bewußte Gebäude war übrigens ein Familienhaus, in welchem vier Familien, der größere Teil der Bevölkerung Hihiauras, wohnten. Für uns, die wir im Begriff standen selbst zu bauen, hatte dieses Haus, bei dem keine Säge, kein Bohrer, kein Nagel, ja überhaupt kein Eisen benutzt oder verwandt worden war, natürlich ganz besonderes Interesse, und selbst unsere Zimmerleute gaben ihrer Bewunderung als Sachverständige Ausdruck. Bald kam die Reihe des Erstaunens an die Eingeborenen, als sie sahen, was drei Weiße mit ihren Werkzeugen und vier Schwarzen zu schaffen vermögen. Während letztere den gekauften Platz klärten und mit wuchtigen Axthieben Bäume, z. B. die größte Kokospalmein zehn Minuten, zu Boden streckten, suchten die Zimmerleute im Walde nach passenden Bäumen zu Pfählen, denn auch unser Haus sollte ein Pfahlbau werden, wobei es hauptsächlich auf die Träger ankommt, auf denen der Fußboden ruht. Sie müssen von Hartholz (Mangrove und dergleichen) sein, das Fäulnis und weißen Ameisen widersteht und durch eine Blechkappe und Teeranstrich weiteren Schutz erhält. An Baumaterial hatten wir nur Pfosten und Latten für Gestell und Dachstuhl, Bretter zur Diele und Fensterladen mitgebracht, alles übrige mußte von einheimischem Material beschafft werden. Die Eingeborenen holten dasselbe herbei und erwiesen sich, soweit Kanaker überhaupt fleißig sein können, als recht fleißig. Freilich giebt es da immer mehr Zuschauer als Arbeiter, aber freundliches Zureden und ein freundliches Gesicht vermag auch die Trägen aufzumuntern, ja zuweilen fährt eine wahre Arbeitswut unter die Leute. Ein Teil schleppt Büschelgras für das Dach herbei, andere flechten Matten aus gespaltenen Blättern der Kokospalme zu den Seitenwänden, Kinder säubern den Platz von Steinen und holen Lianen zum Binden, aber alle wollen schließlich bezahlt sein und zwar gleichmäßig. Darin sind Kanaker reine Sozialdemokraten; denn wer immer nur etwas mitgeholfen hat, verlangt dasselbe als der, welcher wirklich arbeitete und der Knabe soviel als der Häuptling. Nun, ich will gleich hier bemerken, daß die Arbeitslöhne keine großen Summen repräsentieren, handelt es sich doch um Tabak, und einige Stangen mehr oder minder fällt nicht ins Gewicht. Ja, ein paar Stück mehr thun oft Wunder, erhalten die Leute in Stimmung, und nicht selten beginnen etliche freiwillig zu helfen, die bisher nur gafften. So schnell der Eifer des Kanakers plötzlich für eine Sache auflodert, so schnell verfliegt er auch, aber glücklicherweise wird so ein Haus ja ziemlich rasch fertig, wie die Entwickelung des unsrigen zeigt. Erster Tag: Bäumefällen und Klären eines Platzes von 120 Fuß Breite und 170 Fuß Tiefe; Graben von 24 Löchern und Einrammen so vieler Pfähle; zweiter Tag: Diele legen, Pfosten und Dachstuhl aufsetzen; dritter Tag: Fenster und Thüren einsetzen, Dach decken; vierter Tag: Dach vollendet, Innenwände gemacht; fünfter Tag: Seitenwände gemacht— und fertig war das Haus! Nicht wahr, das geht schnell? »Wird auch danach gewesen sein?« höre ich Zweifler einwerfen. Ja, ein Palast war es freilich nicht, aber, wie die Abbildung (S. 256) zeigt, immerhin ein Haus (40 Fuß lang, 14 breit und 16 hoch), das für die hiesigen Verhältnisse einen ausgezeichneten Bau repräsentierte, der die meisten Traderstationen, wie sie im Bismarck-Archipel üblich sind, bei weitem überragte. Ach ja, solche Stationen entsprechen in den meisten Fällen gar wenig dem, was man sich gewöhnlich darunter vorstellt und unterscheiden sich oft kaum von Hütten der Eingeborenen. Sogenannte »Native-Häuser«, d. h. aus Material des Landes, sind übrigens gar nicht zu verachten, und wenn gut gebaut, solchen aus Brettern und Wellblechdach, schon der größeren Kühle wegen, vorzuziehen. Dabei stellen sie sich bedeutend billiger, denn Bretter sind in Australien teuer, besonders Hartholz, das allein den weißen Ameisen widersteht, die mit gewöhnlichem Fichten- und Tannenholz gar bald fertig werden. »Billig und schlecht« rächt sich in den Tropen daher am meisten, aber gewöhnlich wird erst viel Lehrgeld gezahlt, ehe man dies einsieht.

Mit den Eingeborenen hatten wir uns bald auf das freundlichste gestellt. Sie waren mit unserem Plane ganz einverstanden und brachten gleich das erste Schwein als Opfer der Freundschaft, welches bei allen Eingeborenen bedeutungsvoll ist. Große Freude machte es ihnen auch, daß ich nach alter Praxis jedes Wort aufschrieb, welches ich hörte. Und als ich erst »goanajai« (= wie heißt das?) fragen konnte, da ging es mit der Verständigung schneller. Aber diese ersten Worte machen eben die meiste Mühe. Namentlich ist es schwer, die Namen der Leute zu erfahren, weniger wer die Hauptpersonen sind. Denn das hatte ich in Hihiaura bei meiner Findigkeit schon am ersten Tage heraus. Und auch dies ist nicht immer so leicht, da sich ein »Gomira«, wie Häuptling hier heißt, äußerlich kaum von der übrigen Gesellschaft unterscheidet. Aber da der schwatzhafte Alte, mit den verschmitzten Augen, den ich wegen seines Zwickelbartes den Schneider nannte, der hat etwas zu bedeuten. Er entpuppte sich später als Gomira Taga! Und dann der behäbige Herr,mit dem gutmütigen, freundlichen Gesicht, der gehört auch zu den Honoratioren, obwohl er wenig spricht, stets Ernst und Würde bewahrt und nie lacht, denn so verschieden sind auch die Charaktere bei den Papuas. Ich hatte das Richtige getroffen: es war Gomira Tohodo oder Tohde, der größte und beste Häuptling Hihiauras, der sich uns stets hilfreich und freundlich erwies. Er war ein Mann von Besonnenheit und Nachdenken, und deshalb schienen ihm unsere Kühe und Schafe, die jetzt gelandet werden sollten, viel Sorgen zu bereiten. Solche Ungeheuer hatten die guten Leute noch nie gesehen, und namentlich flößte ihnen der Widder mit seinen gewaltigen Hörnern Angst und Schrecken ein. Und von was mochten sich diese Monstra nähren? vielleicht spießten sie Menschen auf, um sie später gemächlich zu verschlingen? Das waren offenbar alles Fragen, die durch Tohdes Kopf gingen, als ich mit ihm einen Ausflug machte, um einen passenden Platz für das Vieh ausfindig zu machen. Bald fanden wir mit Gras bestandene Berghänge, die sich für unsere Zwecke trefflich eigneten. Ich hielt, so gut ich konnte, einen Vortrag über Rindvieh und Schafe, den mein brauner Freund vollkommen zu begreifen und der ihn zu beruhigen schien. Sorgsam raffte er ein Grasbündel zusammen, dessen Zweck ich anfänglich nicht begriff. Aber da im Dorfe, vor dem versammelten Volke, da demonstrierte er mit dem Grase in der Hand die fremden Tiere, die nun unter Jubel gelandet wurden. Hei! wie das auseinanderstob, wenn der Widder einen Seitensprung machte, und gar erst als eine Kuh nach ihrem Kalbe brüllte; da war es mit der Courage wieder vorbei. Aber die Leute wußten nun, daß die Tiere Gras fressen und bezeugten ihre Genugthuung darüber durch einstimmiges »dewadewa« (sehr gut). Auch ich schloß mich im stillen diesem »dewadewa« an; war es mir doch vorbehalten gewesen, die ersten Nutztiere nach diesem Teile Neu-Guineas zu bringen, und daß sich wenigstens das Rindvieh trefflich halten würde, darüber war mir kein Zweifel. Freilich mußte das erst versucht werden, wie die ganze Anlage ein Versuch war, auch in diesem Gebiete freundliche Beziehungen mit den Eingeborenen anzuknüpfen und dasselbe für Handel und Civilisation zu eröffnen. Dabei kam der Umstandzu statten, daß die Eingeborenen bereits Bedürfnisse besaßen, z. B. nach Tabak und Pfeifen verlangten, deren Benutzung an anderen Orten erst nach und nach eingeführt werden muß. So kannten z. B. die Neu-Irländer vor wenigen Jahren Tabak noch gar nicht; heute ist er dort, wie überall, das gangbarste Tauschmittel. Wie die Eingeborenen bereits etwas verlangten, so hatten sie auch etwas abzugeben, ihren Reichtum an Kokosnüssen, mit dem es an der ganzen Ostküste von Neu-Guinea sonst gar ärmlich aussieht. Denn wo die Eingeborenen gar nichts abzugeben haben, da kann auch kein Tauschhandel aufkommen, wie dies leider meist der Fall ist. Hier boten sich günstigere Verhältnisse und ein weites Arbeitsfeld, das sich bei geeigneten Hilfsmitteln bis auf die nahen d'Entrecasteaux-Inseln ausdehnen ließ. Blumenthal, wie ich die Station (S. 256) nach dem Heimatsorte von Kapitän Dallmann benannte, sollte dafür die Grundlage bilden und wurde einem erprobten Manne, Karl Hunstein (vergl.S. 196), den ich glücklicherweise in Cooktown getroffen und engagiert hatte, übergeben. Er war mit mir im Inneren von Port Moresby gewesen, und ich wußte aus Erfahrung, daß keiner besser verstand mit Eingeborenen umzugehen als er. Einem solchen Pioniere, der bereits sieben Jahre unter den Eingeborenen Neu-Guineas lebte und niemals in Konflikt mit ihnen kam, brauchte man keine Instruktionen zu geben, der wußte selbst am besten, was er zu thun und zu lassen hatte.

Die Eingeborenen waren übrigens ganz so, wie wir sie in Bentley-Bai kennen lernten, und ich habe dem dort Gesagten (S. 235) wenig hinzuzufügen. Neu war mir ein eigentümlicher Trauerschmuck, ein Reif dicht mit Ovulamuscheln besetzt, den Frauen über die Brust auf der Achsel trugen, zugleich ein Hoheitszeichen, das nur Häuptlingsfrauen zukommt. Eine andere Auszeichnung bemerkte ich an einem Manne, der die eine Brustseite tätowiert hatte, eine Körperverzierung, die sonst an dieser ganzen Küste nicht üblich ist. Aber an der Südostküste hatte ich ganz gleiche Tätowierung bei Männern gesehen, die dort als Zeichen dient, daß der Betreffende einen Feind im Kampfe schlug, was vermutlich auch für hier gültig sein wird.Im ganzen schienen die Bewohner von Hihiaura aber sehr friedliche Leute, bei denen man selten eine Waffe (Speer) sah und die ihre Kampfschilde verkommen ließen, wahrscheinlich weil dieselben nicht mehr gebraucht werden. Statt Speerwerfen vergnügte sich jung und alt mit Schaukeln, die ganz wie die unseren aus zwei Stricken bestanden und an Bäumen angebracht waren. Ackerbau und Fischfang bildeten wie überall auch hier die Hauptbeschäftigungen. Letzterer wurde von Catamarans aus mit Netzen betrieben und galt hauptsächlich einer kleinen, sprottenähnlichen Fischart, die sehr häufig war. Wenn sich der Kreis des engmaschigen Garnes enger zog, versuchten die Fischchen gewöhnlich mit großer Behendigkeit durchÜberspringen zu entrinnen, so daß die Fischer meist vollauf zu thun hatten, dies zu verhindern. Ihr Gewerbe wird noch durch gefräßige Schmarotzer-Milane (Milvus melanotis) erschwert, die, ohne sich um den Mann auf dem Catamaran zu kümmern, von diesem bereits erbeutete Fische im Fluge wegzustehlen wissen, was oft gar ergötzliche Scenen giebt. Es mag noch bemerkt sein, daß die Eingeborenen diese kleinen Sprotten ganz gut zu räuchern verstehen und an Stöckchen aufgereiht zum Verkauf bringen. Die Ware hält sich aber nicht lange, da man kein Salz kennt und alle Speisen ohne solches zubereitet, wie dies für die ganze Südsee[63]gilt.

Station Blumenthal.

Station Blumenthal.

Ich habe bereits erwähnt, daß alle Papuas nur gekochte Nahrung genießen, aber noch einiges über das Kochen nachzuholen. Dabei mag der Stellung der Frau gedacht sein, die so häufig durchaus falsch beurteilt wird. Da hört man nichts als von einem Sklaventum der Frauen, die nur die Lasttiere zu spielen haben, schlechter behandelt werden als das liebe Vieh, mit einem Wort, die bedauernswertesten Geschöpfe unter der Sonne sein sollen. Aber so schlimm ist es bei weitem nicht; denn auch die Papuafrau erfreut sich eines menschenwürdigen Daseins und spielt in ihrer Weise, unter Berücksichtigung des allgemeinen Bildungsgrades, eine so wichtige Rolle als bei uns. Giebt es doch in Neu-Guinea auch Königinnen! Im ganzen haben es Papuafrauen besser als das weibliche Geschlecht der ärmeren Volksklassen bei uns, auf dem nicht allein Hauswesen und Kindererziehung lasten, sondern das auch meist noch tüchtig arbeiten muß. Das weiß freilich nicht jeder bei uns, wer aber kennen lernte, wie sehr sich das arme weibliche Geschlecht in Europa plagen muß, der wird ihre dunklen Schwestern in Melanesien nicht beklagen. Betrachten wir das Tagewerk einer Papuafrau! In einer Zone, wo der Tag ungefähr zwölf Stunden dauert, darf man es nicht als Frühaufstehen bezeichnen, wenn die Menschen mit der Sonnemunter werden. Gewöhnlich lassen Eingeborene dieselbe erst ordentlich aufgehen, ehe sie auf der Bildfläche erscheinen, denn Morgenfrische und Tau sind der empfindlichen nackten Haut sehr unangenehm. Es ist also meist sechs Uhr vorüber, bis sich die ersten Eingeborenen vor den Hütten zeigen, um sich zunächst von den Sonnenstrahlen durchwärmen zu lassen. Die Frauen zünden dann Feuer an, um Reste vom vorhergehenden Abend aufzuwärmen oder frisches Essen zu kochen, holen Wasser in Kokosnußschalen und beginnen dann mit Kehren, ganz wie dies bei uns geschieht. Dabei wird nicht nur die Hausdiele, sondern auch der freie Platz um die Häuser, zuweilen der Strand gefegt; es herrscht daher eine Reinlichkeit, die vielerorts bei uns zum Muster dienen könnte. Gegen acht Uhr trollen die Frauen mit den Kindern, Schoßschweinchen und Hunden in die Plantagen ab. Dort wird vielleicht etwas Erde aufgewühlt, Yams ausgegraben, gepflanzt und dergleichen, aber nicht das verrichtet, was bei unserer ländlichen Bevölkerung Arbeit heißt, die oft nach des Tages Last und Mühe noch den Abend benutzen muß, um ein Stückchen Land zu bestellen. Gegen drei oder vier Uhr sehen wir die Frauen aus den Plantagen heimkehren, mit Früchten und Feuerholz beladen, schier niedergedrückt von der Last. Aber was ist dieselbe gegenüber derjenigen, welche Frauen bei uns zu schleppen haben, die Kiepen, wie wir sie in Thüringen finden, oder Körbe und Eimer, wie sie im Bremischen noch dazu auf dem Kopfe getragen werden. Jetzt beginnt das Holzzerkleinern in sehr einfacher Weise, indem man die dürren Aststücke auf einem Stein zerschlägt, und das Kochen kann seinen Anfang nehmen. In Ermangelung von Lappen wird der Topf mit einem Bananenblatt ausgewischt und ist nun zur Aufnahme von Lebensmitteln fertig. Mittelst Muschelschalen schälen die Frauen Bananen und Brotfrucht, schneiden solche in Würfel und füllen den Topf damit, eine Arbeit, bei der sich die zahmen Schweinchen sehr zudringlich und lästig erweisen, da sie von allem ihr Teil abhaben wollen. Jetzt wird mit dem gezähnelten Rande einer Muschel Kokosnuß gerieben und die ölreiche, breiige Masse, welche das Fett ersetzt, über den Inhalt des Topfes ausgeschüttet, der nunmit Süßwasser gefüllt und Bananenblättern zugedeckt, auf das Feuer gesetzt wird. Drei Steine stützen den unterseits runden Topf, unter dem bald ein lustiges Feuer lodert. Ist das Essen gar, so bekommt jeder sein Teil auf einem Bananenblatte serviert und häufig essen die Frauen mit den Männern zusammen. Letztere schämen sich übrigens keineswegs vor Küchenarbeit, und jeder Mann versteht ebensogut zu kochen als die Frau. Nach dieser Hauptmahlzeit, die nach englischer Sitte zwischen fünf bis sechs Uhr abends stattfindet, und bei der nur Wasser als Getränk dient, begiebt man sich meist zur Ruhe. Denn inzwischen ist gewöhnlich der Abend hereingebrochen und das Tagewerk des Papuas vollendet, des glücklichen Menschen, der nichts von vierzehnstündiger Arbeitszeit und Nachtarbeit weiß, ohne welche Millionen bei uns kaum ihr bißchen Leben zu fristen im stande sind. Aber mondhelle Nächte sehen auch den Papua, der das Dunkel der Nacht fürchtet, thätig, ja unermüdlich; es gilt aber dann nur fröhlichem Spiel und Tanz. Damit kann der Papua oft halbe Nächte zubringen und darf sich dies erlauben. Ist er doch ein freier Mann, dem Niemand am frühen Morgen zuruft: »Stehe auf und arbeite«! Ja, das wird noch lange dauern, ehe sich der Papua unserer Civilisation der Arbeit anbequemt hat, und ich fürchte, die Mehrzahl ist vorher darüber zu Grunde gegangen. Wie schwer es schon hält den civilisierten Papua, der bereits im Bunde der Christenheit steht, auf die Beine zu bringen, nur um der kurzen Andacht beizuwohnen, das habe ich in Port Moresby oft genug erlebt. Da nützte die Glocke, mit welcher ein Knabe durchs Dorf bimmelte, oft sehr wenig, und erst wenn der energische Rua, ein eingeborener Lehrer, in Person die Hütten visitierte und die Lässigen, wohl nicht immer mit bloßen Worten, aufmunterte, schlenderten sie nach dem Gotteshause. Freilich, wenn gerade ein Kriegsschiff da ist, dann kommen sie alle, die Bekehrten und solche, die es werden wollen, in zum Teil geborgten Feierkleidern, denn sie wissen ja, daß bei solchen Gelegenheiten meist etwas abfällt. Und solche läßt sich der Papua als praktischer Mann nicht entgehen, denn Eigennutz bildet einen hervorragenden Zug seines Charakters, während der Erwerbssinn,zumal wenn mit einiger Mühe verknüpft, fast gar nicht vorhanden ist.

Trotz der Liebenswürdigkeit der Bewohner Hihiauras wußte ich schon im voraus, daß das nicht so bleiben würde, sobald erst der Dampfer weg war. Aber Hunstein gegenüber brauchte ich unbesorgt zu sein, und wir werden später erfahren, wie sehr er sich unter schwierigen Verhältnissen als der richtige Mann bewährte. Und deren giebt es gar wenige. Vor allem erfordert es einen nüchternen Mann, der sich mit der eingeborenen Damenwelt nicht einläßt, was in der Regel die Ursache von Feindseligkeiten ist, ferner einen Mann, der die Eingeborenen zu behandeln versteht, sich nicht fürchtet, aber auch bei etwaiger drohender Haltung nicht gleich dazwischen feuert, wie dies so häufig geschieht. Ruhe und Nüchternheit sind daher Hauptbedingungen; außerdem aber noch eine Menge praktischer Fertigkeiten erforderlich, die sich nur im Buschleben erlernen lassen. Leute, welche solchen Anforderungen entsprechen, giebt es aber gar wenige, und man darf sich nicht wundern, wenn die noch so junge Geschichte der Handelsniederlassungen im westlichen Pacific bereits so viele blutige Dramen zu verzeichnen hat, während die Mission, mit ein paar Ausnahmen, überall friedlich durchkam. Das hat eben an den betreffenden Vertretern gelegen. Die Art und Weise im Betragen und Auftreten des ersten Weißen ist daher von großer, folgeschwerer Bedeutung für das weitere Einvernehmen mit den Eingeborenen. Über das Tradertum der Südsee ließe sich allein ein Buch schreiben, denn es setzt sich aus Elementen zusammen, deren Vergangenheit häufig eine sehr dunkele war, und unter denen Abenteurer der verschiedensten Art vorkommen. Man muß diese »Whistling Jacks«, »Kings of the Macaskills«, und wie sie sich sonst mit Vorliebe nennen lassen, kennen und wird zugeben müssen, daß sie den Eingeborenen selten als Vorbilder dienten. Ich erinnere mich dabei u. a. eines Traders auf Pleasant-Island, eines weggelaufenen Matrosen, dessen Halbblutsohn »Agua-Ardente« gar nicht erst englisch lernte, weil dies der Vater für einen »Kanaker« überflüssig hielt. Und solche weiße Kanaker, »Pákeha Maoris«, wie sie auf Neu-Seeland heißen,rekrutieren sich nicht immer, wie in dem letzteren Falle, aus ungebildeten Berufsklassen. Nein! gar manche haben etwas gelernt und waren Leute in guter Lebensstellung. Aber der Gin, der Gin! Da liegt meist das Übel! er spielt im Leben des Südsee-Traders eine gar große, böse Rolle, und wie wenige giebt es, die sich mit mäßigem Schnapsgenusse begnügen. Wenn die Eingeborenen Melanesiens in dieser Richtung nicht dem Beispiele des Weißen folgten, so liegt es daran, weil sie Spirituosen nicht mögen, die in anderen Südseegebieten z. B. den Gilberts bereits eine erschreckende Verbreitung gefunden haben. Aber auch in anderen Beziehungen waren Weiße nicht immer Vorbilder für die moralische Erziehung der Eingeborenen, die nicht nur in rohen Matrosen, sondern auch in Leuten der gebildeten Klasse zuweilen üble Lehrmeister erhielten. Was muß der Kanaker denken, wenn ihn ein Weißer beauftragt, gegen Bezahlung einen anderen Weißen umzubringen, wie dies in Neu-Britannien vorkam. Der Anstifter dieser grausigen That, ein Kapitän L...[64], war damals einer der hervorragendsten Weißen und ließ jenen Trader nur erschlagen, um dessen sogenannte Frau, eine Samoanerin, zu erlangen, wie einst David Bathseba. Solchen Beispielen gegenüber ist es leicht begreiflich, daß die Mission mit ihren braunen Lehrern (teachers), beschränkten, aber nüchternen und ordentlichen Menschen, weit mehr für Civilisation leistete als der Handel, dessen Träger nur in seltenen Fällen etwas dafür thaten. Hätte der Handel aber von Anfang an über ähnliche gute Hilfsarbeiter verfügen können, dann würde auch er für die Eingeborenen und deren Hebung dasselbe erreicht haben als die Mission, denn er ist ebenso gut dazu berufen segensreich zu wirken als die letztere. Ja, in gewisser Beziehung noch mehr, denn der Handel kann die Eingeborenen zugleich zu einer für beide Teile ersprießlichen Thätigkeit anspornen und ermuntern, hat aber in dieser Richtung bisher wenig geleistet. Und jetzt ist es an vielen Orten bereits zu spät. Die Eingeborenen zum Teilschlecht behandelt und durch das oft gewaltsame Wegführen von Arbeitern erbittert, haben das Vertrauen zum weißen Manne verloren, und dieses wird sich nur sehr schwer wieder erringen lassen.

Ich wußte Blumenthal in guten Händen, besonders da Hunstein einen tüchtigen Gefährten in einem schottischen Zimmermann erhalten hatte, und so dampften wir befriedigt Ostkap zu.

Killerton-Inseln. — Missionsstation auf Aroani. — Die Londoner Mission in Neu-Guinea. — Farbige Lehrer (teacher) — die wahren Pioniere. — Betragen der Eingeborenen. — Stellung der Lehrer. — Günstiger Einfluß der Mission. — Ein Sonntag in der Mission. — Christliche und heidnische Kunst. — Kirärauchen. — Beschaffenheit der Insel. — Ein schöner Sänger. — Milne-Bai. — Mita. — Higiba. — Schilde. — Häuser. — Baumhaus. — Eingeborene. — Chinastraße. — Moresby-Archipel. — Dinner-Insel. — Ein »Dimdim«. — Bestrafte Arbeiterwerber. — Tripang und Tripangfischer. — Missionsstation. — Eingeborene. — Tätowierung. — Basiraki. — Glockenfels. — Chas oder Teste-Insel. — Häuser. — Verschiedener Baustil. — Prähistorische Töpferei. — Reger Handelsverkehr. — Ethnologie. — Eingeborene. — Haartrachten. — Tätowieren. — Bekleidung und Schmuck. — Einfluß der Mission. — Idande der Lehrer. — Die verunglückte Sylvesterbowle. — Nach Cooktown. — Aufregung.

Die Südseite der Ostkap-Landzunge zeigt eine ähnliche Beschaffenheit als die nördliche. Aber die Hügel und Berge fallen zum Teil steiler ab und haben ausgedehnteres Kulturland, längs dem Strande dichtere Kokospalmbestände aufzuweisen; trotzdem bemerkt man wenig Siedelungen und Menschen. Bald sahen wir die Killerton-Inseln vor uns. So heißt eine Gruppe von drei kleinen und acht bis zehn sehr kleinen Korallen-Inselchen, die zum Teil untereinander und mit der Küste durch Riff verbunden, den nördlichen Eingang von Milne-Bai säumen. Mit Ausnahme der östlichsten Insel, Aroani oder Merari, sind sie unbewohnt, und auch diese ist erst durch die Londoner Mission besiedelt worden, welche hier ihre östlichste Station in Neu-Guinea besitzt. Chalmers nennt sie »a perfect model farm, splendidly laid out«; was man sich dabei für Vorstellungen zu machenhat, wird meine Abbildung zeigen. Die beiden Hauptgebäude sind links die Kirche, rechts das Lehrerhaus; die übrigen Häuser und Hütten (an 15 und mehr) dienen ca. 60 Missionszöglingen zur Unterkunft. Diën, der Lehrer (teacher), der uns schon in Hihiaura besuchte, kam uns in seinem Boote entgegen, um den besten Ankerplatz gegenüber der Station anzuweisen, der übrigens auch nicht frei von Korallriffen ist. Bald folgte in Kanus und Catamarans die Gemeinde, Eingeborene von der Küste, die mit der Mission leben, teilweise als Bekehrte oder weil es ihnen überhaupt bequemer ist. Sie waren meist heller gefärbte Menschen als ihr Lehrer, der von der Insel Lifu (Loyalitätsgruppe) stammte und den dunklen melanesischen Typus repräsentierte. Dennoch hatte er schlichtes Haar, was auf Lifu sehr häufig ist und mich weniger verwunderte, als rothaarige Individuen unter den Eingeborenen, weil natürlich-rotes Haar bei Papuas zu den höchst seltenen Ausnahmen gehört.


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