Das achte Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 8, KopfstückDas achte Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 8, Kopfstück

Von denSchädlichen Folgerungen, welche vondem Weißmachen der Zähne entstehen.

§. 76.

Weiße Zähne sind eine große Schönheit, und dieselbigen weiß zu machen und weiß zu erhalten ist lobenswürdig, und eine Reinlichkeit, davon sich der Nutzen auf alle Glieder des Körpers erstreckt. Denn da die Zähne diejenigen Werkzeuge sind, vermöge welcher die Speisen im Munde zerschnitten, mit Speichel vermischt, und zur Verdauung geschickt gemacht werden; so thut man wohl, wenn man solche sauber, rein und weiß zu halten bemüht ist, um dem Magen in seiner Verdauungskraft desto besser zu Hülfe zu kommen, damit derselbe nicht außer Fähigkeit gesetzt werden möge, einen guten Brey (chymum) zu verfertigen. Denn wie dieser beschaffen ist, wird auch der Nahrungssaft, das Blut, und alle übrigen Säfte beschaffen seyn müssen, weil davon die Gesundheit und Krankheit des Körpers, nachdem die Säfte entweder eine gute oder böse Eigenschaft haben, vornehmlich abhängen.

§. 77. Der römische Arzt Bagliv räth die Sorge vor die Zähne sorgfältig zu beobachten an. Er spricht auf der 476 Seite, man solle Sorge vor seine Zähne tragen, damit man wohl verdauen, und lange leben möchte. Und Herr Doctor Platner hat in seiner sehr gelehrten Abhandlung von den Krankheiten, welche von der Unsauberkeit ihren Ursprung haben, gründlich ausgeführt: daß die Reinlichkeit der Zähne eine höchstnöthige Bemühung sey. Er sagt im 16. Absatze seiner Abhandlung: Es ist allen bekannt, daß mit den Zähnen die Speisen zerkäuet, verdünnet, ermürbet, und alsdenn zur Unterhaltung des Körpers angewendet werden. Wenn aber die Zähne ausfallen oder angefressen und wackelnd werden, wird die Speise im Munde nicht wohl präpiret, welche, so grob in sich genommen, sehr schwer von dem Magen und andern Eingeweiden bezwungen, und eine solche Crudität zugezogen wird, wodurch die Eingeweide geschwächt, und die Säfte verdorben werden. Indem wir käuen, wird der sich an Zähnen, Zunge und Gaumen häufig angelegte Unrath mit den Speisen sehr genau vermischt, welche denn einen unreinen Nahrungssaft und verderbtes Geblüte machen, mithin einen Grund zu künftigen Krankheiten legen.

§. 78. Man hat nöthig, eine kluge Wahl mit den Mitteln anzustellen, deren man sich, um die Zähne weiß zu machen, zu bedienen gesonnen ist, damit man nicht Schaden anrichte, oder gar seinerGesundheit verlustig werde. Wer sich meinen Rath gefallen lassen will, den wird es in Ewigkeit nicht gereuen, daß man gehorsam gewesen ist. Ich kann mit Wahrheit versichern, daß kein sichrer Mittel sey, die Zähne weiß zu machen, als wenn man solche fleißig durch Hülfe der Finger, nicht aber eines Zahnbürstchens, mit dem Kaffeesatze, welcher aber so lange ausgekocht werden muß, bis er dem Wasser keine Farbe mehr zu geben vermögend ist, abreibet, hernach aber die Zähne mit rothen Weine, welchen einige unvernünftige Weiber vor ein tödtliches Gift in den Blattern bey Kindern ausgeschryen haben, abspielet. Man kann entweder dieses Pulver vor sich alleine brauchen, oder mit andern Dingen versetzen lassen. Es ist so abgeschmackt nicht, wenn man dem Kaffeesatze florentinische Schwerdtlilienwurzel, gedörrtes Salbeykraut, rothe Korallen, und etwas weniges von der Terra catechu zugesellet. Wer eine Latwerge verlangt, der darf nur diese Stücke mit weißem Honige vermischen, und zum Gebrauch anwenden.

§. 79. Diejenigen aber handeln unrecht, welche sich die Zähne mit Bimsteine, Steinsalze, gebrannter Alaune, zu Kohlen gebrannten Brodrinden, oder gar mit saurem Vitriolgeiste weiß zu machen, beflissen sind. Es ist wahr, der saure Vitriolgeist macht die Zähne weiß, zumal, wenn man sehr zartes Papier, darinnen man die Metallgoldblätter zu verwahren pflegt, nimmt, diesen Vitriolgeist draufgießt, zu einer Salbe reibet, und die Zähne damit abputzet. Aber es währet gar nicht lange, so werden die Zähne davon morsch, und brechen Stückweise ab. Die übrigen Mittel verletzen nicht nur das Zahnfleisch, sondern sie benehmen auch den Zähnen das gläserne Wesen. Wenn aber dieses verlohren geht; so fangen die Zähne an hohl, schwarz und brandig zu werden, so, daß Zahnschmerzen davon entstehen und endlich brechen die Kronen davon gar ab, die Zähne selbst fallen aus, oder sie müssen ausgerissen werden. O wie garstig ist es, wenn ein junges Weibchen keine Zähne mehr im Munde zählen kann, und sich selbst mit schädlichen Mitteln zu einem alten Weibe vor der Zeit gemacht hat. Aber ein Glück ist es vor die Männer, wenn ihre bösen und gebeißigen Weiber keinen Zahn mehr haben, da hört man sie vor Freuden mit jenem Sinndichter anstimmen und singen:

Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,So bin ich inniglich erfreut.Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;Und mich ihr liebes Männchen heißen,Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:Denn nach dem Schmerze wird sie immer,Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.

Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,So bin ich inniglich erfreut.Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;Und mich ihr liebes Männchen heißen,Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:Denn nach dem Schmerze wird sie immer,Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.

Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,So bin ich inniglich erfreut.Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;Und mich ihr liebes Männchen heißen,Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:Denn nach dem Schmerze wird sie immer,Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.

Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt,

So bin ich inniglich erfreut.

Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen,

Nun glaub ich wird sie frömmer seyn;

Und mich ihr liebes Männchen heißen,

Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein:

Denn nach dem Schmerze wird sie immer,

Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.

§. 80. Wenn nun aber die Zähne durch solche schädliche Zähnweißmachende Mittel verlohren gegangen sind, so werden die Speisen im Munde nicht gehörig zermalet werden können, sondern ganz in den Magen geschluckt werden müssen; folglich wird der Magen dadurch sehr geschwächt werden, und einen unvollkommenen und rohen Brey bereiten, woraus denn nothwendiger Weise ein schlechter Nahrungssaft entstehen muß, der ein böses Blut und üble Säfte macht, welche den festen Theilen des Körpers kein Gedeyen geben können. Die festen Theile des Körpers werden also in einen ungewöhnlichen und widernatürlichen Zustand gerathen, und lauter solche Krankheiten erzeugen, deren Grund man in verdorbenen Säften zu suchen hat. Ja es wird sich wohl gar eine allmählige Abzehrung darzu einfinden, und der Körper wird in Lebensgefahr gerathen. Es würde mir nicht schwer fallen, ein ganzes Register von solchen Krankheiten herzusetzen, welche allesamt aus dieser Quelle zu fließen pflegen, wenn es mir selbst sowohl, als andern nur nicht zum Ekel wäre. Sehen sie nicht, wie vielen Gefährlichkeiten man sich aussetzt, wenn man unrechte Mittel zu seiner Absicht erwählet, und sich damit selbst betrüget? O was für ein Laster ist doch der Selbstbetrug! So geht es, man straft sich zuweilen selbst mehr, als man von andern vielleicht niemals gestraft worden wäre. Doch der übergroßen und sich selbst eingebildeten Klugheit geschiehet das Recht. Ich bedaure die Schicksale der Schönennicht, darein sie sich aus Unvernunft und Uebermuth gestürzet haben.


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