Das siebende Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 7, KopfstückDas siebende Kapitel.

Abschnitt 2, Kapitel 7, Kopfstück

Von demSchaden, welcher sich von demSchwarzfärben der Augenbraunenentspinnt.

§. 72.

Allerdings müssen die Augenbraunen ebenfalls geändert werden, wenn nach der itzigen Mode alles am ganzen Körper ein ander Ansehen bekommen muß. Doch die Nase ist noch bis itzo unangetastet geblieben. Sie hat von Glück zu sagen, daß sie nicht auch wie andre Theile des Angesichts und des ganzen Körpers hat herhalten dürfen. Mich wundert es nicht wenig, daß der Witz der Schönen bey ihr so lange hatmüßig seyn können, ohne ihr einen Zierath oder sonst einen Nasenschmuck anzuhängen. Doch ich dächte, es wäre der Billigkeit gemäß, auch auf die Nase einige Sorge zu wenden, damit sie nicht ohne allen Putz bliebe. Die Schönen würden gerecht gegen dieses Glied handeln, wenn sie sich wenigstens einen goldnen Ring durch die Nase ziehen ließen. Ich bin bey mir selbst überzeugt: daß dieser Schmuck nicht nur artig zum Angesichte lassen, sondern auch sonst großen Nutzen haben werde. Wenigstens könnte dieser Nasenring bey widerspenstigen und ungehorsamen Weibern nicht undienlich seyn, zumal wenn man ein seiden Strickchen an diesen Ring befestigte. Denn wenn sich solche Weiber nicht mit Vernunft und Worten lenken lassen wollten; so könnten die Männer sie, wie die Bärführer den Tanzbär, mit diesem an den Nasenring gebundenen Strickchen nach ihrem Gefallen ziehen und zum Gehorsam bringen. Mich soll es nicht nur recht herzlich freuen, sondern ich will auch so gar eine hochmüthige Stellung, wie der Arzt Mäv, annehmen, wenn ich so glücklich seyn sollte, daß meine Erfindung und mein Gutachten von den Schönen wohl angenommen und mit gutem Erfolge gebraucht würde. Die Männer, welche böse Weiber haben, würden gleichfalls Ursache finden, mir für meinen glücklichen Einfall höchst verbunden zu seyn. Ja ich traue ihnen so viel Gutes zu, daß sie wohl gar diesen nützlichen Nasenring, aus wahrer Dankbarkeit, nach des Erfinders Namen nennen würden, so, wie es ehedem das sämmtliche Frauenzimmer gemacht hat, welches die spitzigen, und wie ein Thurm in die Höhe gesteckten Kopfzeuge, so des Königs in Frankreich Beyschläferinnla Fontangezum ersten erfunden hatte, nach ihrem Namen Fontangen zu nennen, vor rathsam befand.

§. 73. Daß die Augenbraunen vieles zur Schönheit des Angesichts beytragen, ist eine Gewißheit. Denn man betrachte nur einmal ein Angesicht, welches entweder durch die Blattern, oder andere Zufälle, die Augenbraunen eingebüßt hat, wie ungestalt und häßlich es aussieht. Der Nutzen aber, welchen die Augenbraunen zu erweisen pflegen, ist von weit größerer Erheblichkeit, als die ganze eingebildete Schönheit. Denn es hat das Ansehen, als ob dieselben vornehmlich darzu bestimmt wären, den Schweiß, welcher von der Stirne herunter läuft, so wie ein Damm das Fluthwasser abzuhalten, damit derselbe nicht in die Augen laufen, und solchen eine unangenehme Empfindung verursachen, oder gar einen größern Schaden zufügen möge. Die Augenbraunen halten auch den Staub und die Unreinigkeit auf, welche sonst gar leichte in das Auge fallen, und ihm zur Last werden können. Ja sie verhindern auch einigermaßen den allzu geschwinden Einfall starker und ungewöhnlicher Lichtstralen in die Augen, wenn man die Augenbraunen in etwas niederwärts zieht.

§. 74. Da aber die Schönen aus Mangel guter Vernunft, mehr auf die Schönheit der Augenbraunen, als auf deren Nutzen zu sehen gewohnt sind; so färben sie solche, um ihre Schönheit noch mehr zu erhöhen, schwarz, und hierzu bedienen sie sich derjenigen Mittel, welche ich im26und27stenAbsatze schon erzählt habe. Viele nehmen einen Mandelkern, halten ihn so lange an ein brennend Licht, bis er schwarz geworden ist, darnach färben sie die Augenbraunen damit. Andere nehmen ein Oel, und reiben es auf einem zinnernen Teller mit einer bleyernen Kugel so lange, bis eine schwarze Farbe davon entsteht, und mit dieser bemahlen sie die Augenbraunen, und machen selbige schwarz.

§. 75. Die im26und74stenAbsatze angeführten haarschwarzmachenden Mittel verursachen eben keinen Schaden, und können, wenn man sonst Thorheit genug besitzt, meinetwegen immer gebraucht werden, sich damit schwarze Augenbraunen zu machen. Dasjenige haarschwarzmachende Decoct aber, dessen ich im27stenAbsatze Meldung gethan habe, bringt nicht nur die im28stenAbsatze erzählten Krankheiten zum Vorscheine, sondern es macht auch noch mehrere Ungelegenheiten. Denn da dieses Mittel aus beizendenDingen besteht; so werden nothwendig die Haare der Augenbraunen davon weggebeizt werden und ausfallen müssen: folglich wird das Angesicht einen ansehnlichen Theil seiner Schönheit verlieren, die Augen aber selbst vielen Schaden leiden. Man wird es ganz wohl begreifen, daß, wenn die Haare der Augenbraunen weggefressen werden oder ausfallen, der Staub und andere Unsauberkeiten, ja so gar der Schweiß, welcher von der Stirne herunter rollet, den Augen zur Last werden, und in selbigen nicht nur empfindliche Schmerzen und ein beschwerliches Drücken mit einem beständigen Thränenflusse, sondern auch Entzündungen, Geschwüre, Blödigkeit und Blindheit verursachen müssen.

Abschnitt 2, Kapitel 7, Ende


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