125stes Regiment, 45ste Brigade, 28ste Division N. G. S. Infanterie.Unter dem Adler liest man in einem Bande:Ex pluribus unum.Zweite Compagnie.Ordre.Hauptstadt New-York den 1. Octbr. 1838.Hiermit wird Ihnen angezeigt, daß Sie in Person auf dem Compagnie-Paradeplatz Broad-Way- und Biberstraße, equipirt und armirt, wie es die Gesetze vorschreiben, um 2 Uhr am Montag den 8. d. M. zur Compagnie-Parade, und zur Regiments-Parade am Freitag den 12. um 9 Uhr Vormittags, so wie auch zur Inspection der Revue am Montag den 15. Vormittags um 8 Uhr erscheinen sollen.In Ordre.Wellstood, Capitain.Welsh, Sergeant.NB. Es ist erforderlich, daß Sie in weißen Pantalons erscheinen. Kein Stellvertreter wird gestattet.
125stes Regiment, 45ste Brigade, 28ste Division N. G. S. Infanterie.
Unter dem Adler liest man in einem Bande:Ex pluribus unum.
Zweite Compagnie.
Ordre.
Hauptstadt New-York den 1. Octbr. 1838.
Hiermit wird Ihnen angezeigt, daß Sie in Person auf dem Compagnie-Paradeplatz Broad-Way- und Biberstraße, equipirt und armirt, wie es die Gesetze vorschreiben, um 2 Uhr am Montag den 8. d. M. zur Compagnie-Parade, und zur Regiments-Parade am Freitag den 12. um 9 Uhr Vormittags, so wie auch zur Inspection der Revue am Montag den 15. Vormittags um 8 Uhr erscheinen sollen.
In Ordre.Wellstood, Capitain.Welsh, Sergeant.
NB. Es ist erforderlich, daß Sie in weißen Pantalons erscheinen. Kein Stellvertreter wird gestattet.
Es sei mir erlaubt, wieder zu merkantilischen Dingen überzugehen, womit ich mich am liebsten beschäftige. Die Einrichtung des hiesigen Packhofs fand ich in jeder Beziehung tadelhaft, und gar nicht zu vergleichen mit den europäischen Einrichtungen, besonders denen des deutschen Zollverbandes. Die Importation ist in New-York enorm. Es giebt Tage, an welchen 15 und mehr mit Stückgütern beladene Schiffe ankommen, und zwar Kasten von 6–800, oder wohl gar tausend Tonnen Größe. Die Procedur hierbei ist nun folgende.
Einen Packhof, auf welchem die vom Schiffe gebrachten Güter aufbewahrt werden, giebt es nicht; im Mittelpunkt der Geschäftswelt ist ein interimistisches Packhofs-Gebäude, denn das durch den Brand zerstörte ist noch nicht wieder aufgebaut, und dasjenige, was jetzt gebaut und bald fertig sein wird, wird zwar, da das Material aus Italienischem Marmor besteht, ein Prachtgebäude geben, ist jedoch nur für das bei diesem Institut angestellte Personal bestimmt. Für die Güter, welche zur Revision gestellt, oder auch zur Niederlage declarirt werden, sind in verschiedenen Straßen Separat-Gebäude, von keinem besondern Umfange, durch Schilder mit der Aufschrift: Public-Store bezeichnet. Sobald die mit Güter beladenen Schiffe einen günstigen Platz zum Ausladen gefunden haben, was oft sehr schwer hält, so melden sich die Interessenten beim Ober-Inspector (hier zu Lande Collecter genannt), und produziren deren Connecemente und eine Factura, auf welcher der Inhalt und Werth jedes Ballens genau aufgeführt sein muß. Von diesem werden nun diejenigen Colly’s, welche zur Revision gestellt werden sollen, bestimmt. Der Eigentümer erhält jetzt vom Collecter ein Permitt (Erlaubnißschein), die zur Revision bestimmten Colly’s nach dem Public-Store zu bringen, damit sie revidirt werden können. Mit diesem Permitt begiebt er sich nach dem Schiff mit der Hoffnung, die Colly’s jetzt zu erhalten.Allein der Schiffer versichert ihm, daß dieselben in der Mitte, oder wohl gar auf dem Boden liegen, und da sich noch Niemand mit einem Permitt über die obersten Güter gemeldet habe, wohl noch 8–10 Tage verstreichen dürften, ehe er die geforderten Colly’s werde haben können. Unter diesen Umständen muß man so lange warten; ich selbst hatte dieses Schicksal und erlitt hierdurch einen Verlust von 3–400 Piaster, denn die Waaren gingen im Preise um 20 Procent herunter, wie es häufig der Fall ist, wenn viele Schiffe zugleich ankommen. Die Zollerhebung ist von derselben Art wie in England; die Revisoren verfahren jedoch sehr oft eigenmächtig, indem sie nicht Waarenkenner genug sind. Früher ist viel geschmuggelt worden, bei dem jetzigen Collecter aber ist dies, wie man sagt, ganz unmöglich, weshalb man jetzt (im Jahre 1838) der Meinung ist, daß an den mehrsten englischen Waaren, besonders an den Tüchern (welche unter dem NamenFlanelleingeführt wurden), das halbe Capital verloren geht. Man hört allgemein Klagen über die Strenge des Collecters, und die Engländer klagen am meisten, da es ihnen früher ein Leichtes war, 50 oder wohl hundert Ballen feiner Tuche für Flanelle hereinzuschmuggeln. Im Einverständniß mit dem alten Inspector wurden früher nur die Ballen, welche Flanelle in sich begriffen, aber keinesweges diejenigen, welche Tuche enthielten, revidirt, und hiermit soll sich, wie man sagt, der alte Inspector, welcher von seinem Dienst in Gnaden entlassen worden ist, ein Vermögen von 100,000 Piastern gesammelt haben.
Bei den gegenwärtig (in der letzten Hälfte des Octobers 1838) statt findenden Wahlen für den im December zusammenkommenden Congreß in Washington ergiebt es sich deutlich, wie sehr der größere Theil der Handelswelt darauf hinarbeitet, den frühern Schwindel wieder einzuführen, der durch die Vorsicht des Präsidenten so ziemlich beseitigt wurde. Das Manufactur-Waarengeschäft,welches, wie schon früher bemerkt, die Hauptbranche ist, und mit welchem sich mehrere Millionen beschäftigen, weiter auszudehnen, ist der Wunsch Vieler. Obgleich die Handels-Bilanz Manchem brillant scheint, so könnte diese in der Wirklichkeit brillant sein, wenn es genug Fabrikanten gäbe, um den Bedarf für die Bewohner des Landes zu erzeugen; indessen es fehlt noch immer an Arbeitern jeder Art, und da die Regierung vernünftiger Weise dem Ackerbau mehr Aufmerksamkeit schenkt, als dem Fabrikwesen, so ist es natürlich, daß der größere Theil der Einwanderer zum ersten Zweck verwendet wird. Die Regierung sieht wohl ein, daß der Werth nicht in der Prima-Materie, sondern zum großen Theil im Arbeitslohn steckt, und überläßt es lediglich den Waarenhändlern, die Handels-Bilanz zurecht zu setzen. — „Wir müssen eine National-Bank haben!“ ist das Geschrei der Waarenhändler, „denn nur diese kann uns in Stand setzen, unser Geschäft auszudehnen; haben wir eine solche Bank, so sind wir im Stande, die doppelte, drei- oder vierfache Quantität Waaren von Europa einzuführen.“ Die Regierung muß vernünftiger Weise einem solchen Etablissement entgegen sein, weil die Actionaire sammt und sonders nicht im Stande sind, eine Bank auf solchen soliden Fuß, wie die Hamburger oder Bank of England, zu errichten. Wer Grundstücke besitzt, will Actionair werden, ohne daran zu denken, daß die Grundstücke um das Zehnfache über den Werth bezahlt worden sind, und demzufolge dem etwanigen Inhaber der Noten (von der zu errichtenden National-Bank) nicht die mindeste Sicherheit gewähren würden. So lange mithin nicht so viel nobles Metall vorhanden ist, den Inhabern von Banknoten damit zu begegnen, so ist jedes Etablissement gefährlich, und aus diesem Grunde widersetzt sich die Regierung dem Etablissement einer National-Bank, welche zu nichts Anderem führenwürde, als das Land mit den Fabrik-Erzeugnissen Europa’s dermaßen zu überschwemmen, daß schon in Zeit vonEinemJahre das ganze Gebäude zusammenfallen würde, welches ohne National-Bank vielleicht noch zwei Jahre stehen kann.
Daß der im Jahre 1835 hier stattgefundene Brand zum großen Glück der Fabrikwelt war, bin ich jetzt überzeugt. Ohne diesen würden jetzt alle Waaren, statt daß sie seitdem nur etwa um 25 bis 30 Procent im Preise gesunken sind, um das Doppelte herunter gegangen sein. Feuersbrünste, wie der hiesige war, sind bei dem jetzigen Fabrikations-System, ähnlich wie der Krieg in andern Verhältnissen, ein nothwendiges Uebel, und alle zwei Jahre erforderlich. Die Assekuranz-Compagnieen würden hierbei freilich die Leidenden sein; sie würden indessen nur immer einen geringen Theil von dem viele Jahre hindurch Gewonnenen zurückgeben. Viele der hiesigen Compagnieen haben, trotz des ungeheuern Brandes, von welchem nur derjenige einen Begriff haben kann, der den Platz kennt, das Volle des versicherten Quantums, und einige unbedeutende Compagnieen 75 Procent desselben bezahlt.
Sieht man die Waaren-Massen in allen Städten der V. S., so gelangt man zur Ueberzeugung, daß die Art und Weise, wie jetzt fabricirt wird, den Wohlstand sehr Weniger befördern, aber den Untergang sehr Vieler herbeiführen muß, indem31⁄32aller Geschäfte Creditgeschäfte sind, und dennoch mit einem sehr unbedeutenden Gewinn abgeschlossen werden. Jeder drängt sich zum Verkauf, und Jedem werden ohne Bedenken Waaren verkauft und abgeliefert. Sieht man des Commissionairs Verkaufrechnungen über die an diesen zum Verkauf überschickte Waaren, so findet man, daß er sie auf 8 Monate Zeit verkauft hat, wobei er 2½ Procent für die Garantie aufführt, und mehrere,oder wohl gar die meisten der Commissionaire befinden sich in der Lage, die garantirte Summe nicht bezahlen zu können, wenn sie dieselbe nicht bezahlt erhalten, wie dies im Jahre 1837 der Fall war. Die übermäßige Production, die immerwährenden Modenveränderungen, dazu der immerwährende Geldmangel in den V. S., dies alles muß nachtheilig auf die Waaren-Vorräthe einwirken, Bankerotte herbeiführen, und zerstörende Resultate für Commissionaire erzeugen.
Kein Land ist in dieser Hinsicht gefährlicher als Amerika, weil die handelnde Welt kein reelles Vermögen besitzt, und Jeder sich nur so lange halten kann, als sich Alle halten; stockt ein kleiner Theil in der Gesellschaft, so stockt nicht lange darauf ein größerer, und bald das Ganze.
Besucht man die Ausstellung der Industrie-Erzeugnisse, so wird man bemerken, daß, wenn die Regierung es wollte, die V. S. vielleicht in einem Zeitraum von etwa 15–20 Jahren Manufactur-Waaren jeder Art exportiren, und mit jeder Nation zu koncurriren im Stande sein würden. Folgende Tabelle enthält über die Fabrikation der V. S. die interessantesten Data.
Wenn mithin bis jetzt nur etwa 200,000 Menschen in den Fabriken beschäftigt sind, und etwa 140 Millionen Piaster Capital dazu verwendet wird, so kann es doch nicht fehlen, daß im Verlauf von 10 Jahren die Fabriken um das Doppelte und vielleicht Dreifache anwachsenwürden, wenn die Regierung hülfreiche Hand leisten wollte. (Hierüber später ein Mehreres.)
Die Ausstellung (Mechanical Fair) kann für den Deutschen nicht viel Interesse haben, denn es zeigt sich offenbar, daß das ganze Fabrik-System sich noch in der Entwickelung befindet, wie dies auch aus der mitgetheilten Tabelle zu ersehen ist. Das Auffallendste unter allen aufgestellten Gegenständen, waren mehrere Feuerspritzen, mit einer Eleganz gearbeitet wie man sie selten an Staatswagen findet. Die Lackirung, die Malerei, die Broncen an jeder derselben müssen, meines Erachtens, wenigstens 1000 Rthlr. gekostet haben. Als ich einen anwesenden Freund fragte, ob diese Spritzen wirklich zum Löschen dienen sollten, oder nur als Kunstwerke zur Schau aufgestellt waren, erwiederte er mir, man habe hier noch elegantere als diese und erklärte mir die Ursache hiervon auf folgende Weise: „Wir Bürger,“ fing er an, „sind sammt und sonders dienstpflichtig: wer nicht Militair sein will, muß Feuermann sein. Bei Feuersbrünsten hat er den Dienst bei der Spritze zu versehen. Diese Feuerleute sind, wie das Militair, in Compagnieen eingetheilt, und so wie sich die Soldaten armiren und montiren müssen, so haben die Feuermänner für die Anschaffung ihrer Spritze Sorge zu tragen, und diese wetteifern nun, eben so die elegantesten Spritzen zu besitzen, wie Jene, die schönste Uniform zu haben.“ Auffallend ist es, daß die Deutschen, deren es hier 45,000 giebt, zu den vorzüglichsten bei den Feuerlöschungs-Anstalten gezählt werden.
Am Sonntage, vor meiner Abreise nach Havana, besuchte ich die deutsche Kirche, deren Prediger von allen anwesenden Deutschen vergöttert wurde; ich ging mit der gespanntesten Erwartung ungefähr eine halbe deutsche Meile weit und finde in demselben — einen Demagogen, der an der Gottheit zweifelt; die Predigt war durchaus verworren, so daß mir der Prediger selbst nicht bei gesunderVernunft zu sein schien. Nichts destoweniger hatten sich zwei Partheien, eine für, die andere gegen ihn gebildet, die beim Ausgang der Kirche über den Werth und Unwerth des Predigers in Streit geriethen. Sehr oft tritt hierbei der Fall ein, daß, wenn gewöhnliche Beweise nicht fruchten wollen, mit den Fäusten gegeneinander argumentirt wird. Dieser Fall soll erst kürzlich bei der Predigt eines Predigers E.., angeblich der Sohn eines deutschen Bischofs, vorgekommen sein, welcher allen Hader damit geendet hat, daß er sich bald nachher auf- und davon gemacht und zugleich zum Ueberfluß einiges Silbergeschirr aus der Kirche auf die Reise nach Ostindien mitgenommen hat.
Heute vor meiner Abreise hatte ich auch noch Gelegenheit, in dem Kaffeehause eines Italieners den vormaligen Wüthrich des deutschen Wollgeschäfts, den famösen Behr aus Mecklenburg zu sprechen. Obgleich seine Kleidung reinlich war, so verrieth sie doch, daß er nicht mehr so recht in der Wolle saß. Er kannte mich nicht, erinnerte sich jedoch bald meiner, als ich ihm meine Karte gab.