Zweite Abtheilung.Havana.
Am 8ten November trat ich meine Reise nach Havana an; es war jetzt hier so kalt, daß das Eis in den Straßen wohl 1 Zoll stark gefroren war, und wir auf der Norma, einem beliebten Paquetboot zwischen New-York und Havana, worauf keine Oefen sind, tüchtig froren. Die Gesellschaft bestand aus etwa 25 Personen, worunter einige sehr häßliche Nichten des frühern Präsidenten der V. S., die Frau eines Generals, der Secretair des französischen Consuls, ein deutscher Arzt, ein in Matanzas etablirter, aus Hamburg stammender Kaufmann, Trunkenbold erster Klasse, der Sohn eines der ersten Geld-Aristokraten in Hamburg; ein in kaufmännischen Geschäften ohne die geringsten Kenntnisse in Havana etablirtes junges Bürschchen u. A. waren. Ich rathe jedem geehrten Leser, der diese Reise macht, sich mit einem besondern Passe zu versehen, welches ich unglücklicher Weise vergessen hatte; auch hatte ich meinen preußischen Gouvernements-Paß nicht von dem spanischen Consul in New-York visiren lassen. Als der Capitain und die andern Reisegefährten dies erfuhren, meinte man, dies sei sehr schlimm, um so mehr, da das preußische Cabinet mit der Königin von Spanien nicht in freundschaftlichen Verhältnissen stehe. Der Secretair des französischen Consuls erzählte, daß 21 Franzosen, welche ohne Pässe angekommen wären, nach Frankreich zurückgewiesen worden seien, und auch wirklich hätten zurückreisen müssen, wenn der Consul nicht sich für die Herbeischaffung der Pässe verbürgt hätte; — ich indeß — behielt guten Muth, im Vertrauen, daß ich mich durch meinen Paß sowohl als durch angesehene Häuser in Havana würde legitimiren können; Einige glaubten sogar, ich würde als Arrestant behandelt werden. Nur ein junger Mensch, der Bruder eines Advokaten in Havana, sagte mir heimlich, daß er den Beamten kenne und für Alles sorgen wolle, was ich zunächst mit Dank annahm. Einmal, in einer Nacht, war die Gesellschaft sehr allarmirt, wir fuhren nämlich zwischen Felsen, an einer Stelle, welche von den Schiffern The hole in the Wall (das Loch in der Wand) genannt wird und waren in großer Gefahr, auf einen Felsen zu gerathen; allein der Capitain fand in der tiefsten Dunkelheit die Passage und am nächsten Morgen hatten wir das Fort von Havana vor Augen. Noch muß ich eines Zuges des jungen deutschen Arztes erwähnen; er war der Sohn eines Leipziger Professors, hatte aber wegen zu großer Gedankenfreiheit sein Vaterland verlassen müssen, und kam jetzt von New-Orleans, wo er gewesen war, um sich mit der Heilung des gelben Fiebers vertraut zu machen. Nur das muß ich an dem jungen Manne tadeln, daß er sich keines Patienten anders, als nachdem er nachdrücklich von demselben ersucht worden war, annahm. Er konnte, wie er selbst sagte, keinen Betrug leiden; dies zeigte sich hier bei unserer Fahrt ebenfalls bei einer eigenen Gelegenheit. Es ist auf allen für Reisende eingerichteten Paquetschiffen die Anordnung getroffen, daß an den Sonn- und Donnerstagen Champagner gratis zum Mittagsessen gereicht wird. Der Schiffs-Eigenthümer denkt auf wohlfeilen Proviant, und rechnet auf unkundige Trinker, und zwar auf solche, welche, wie es größtentheils der Fall ist, den Werth des Champagners nach dem Mußiren beurtheilen, und kein Wunder, daß unser Schiff mit dergleichen mußirendem Stoff versehen war. Meister in der Zubereitung solcher Getränke sind die Amerikaner; besonders verstehen sie, aus den Aepfeln einen mußirenden Cyder zu bereiten, der von Nichtkennern für Champagner getrunken werden muß — er wird jedoch vom Fabrikanten unter dem Namen Champagner-Cyder verkauft. Solcher Champagner-Cyder wurde an den erwähnten Tagen reichlich aufgetischt, und wurde denn auch allgemein mit Wohlgefallen für Champagner genossen; ich meinerseits schmeckte denselben beim ersten Glase heraus, und ließ es bei demselben bewenden. An einem der letzten Tage machte ich meinen Landsmann darauf aufmerksam, und ersuchte ihn, das Geheimniß bis zum Landungstage zu bewahren. „Stören wir die Illusion nicht,“ sagte ich zu ihm, „bis wir landen; dann wollen wir mit den Hamburgern, welche sich die ersten Champagnerkenner zu sein dünken, und die letzten Flaschen den ersteren stets vorzogen, unsern rechten Spaß haben, und dieselbe necken.“ Er versprach, meiner Bitte Gehör zu geben; allein als am andern Mittage sämmtliche Tischgenossen wieder den Champagner priesen, versicherte der Doctor, das, was sie tränken, sei nichts als Aepfel-Cyder; Keiner wollte weiter trinken, man ging unzufrieden von Tisch und meine so wie des Capitains Freude war verdorben. Als ich ihm darüber Vorwürfe machte, erwiederte er: ich hasse jeden Betrug, und es ist ein wahrer Betrug, Cyder für Champagner aufgesetzt zu bekommen.
Das Schiff lag vor Anker. Der Platz-Major, unter Begleitung eines Militair-Commando’s, langte auf einer Galeere zum Empfang der Pässe an. Mir ging es hierbei ganz glücklich; als der Dolmetscher den Inhalt meines Passes vortragen wollte, legte der Capitain denselben zusammen und sagte „schon gut!“ Es durfte indeß noch keiner von den Passagieren das Schiff verlassen; selbst der hohe Staatsbeamte mußte die schriftliche Erlaubniß von Seiten des Gouverneurs abwarten. Nur erst, nachdem sich ein in Havana Etablirter für den Ankommenden verbürgt hat, wird demselben die schriftliche Erlaubniß zum Landen gegeben. Der Gouverneur hat die Stunde von 12–1 Uhr zum Unterzeichnen dieser sogenannten Permitts festgestellt, weshalb Schiffe, welche des Nachmittags ankommen, bis zum folgenden Tage warten müssen.
Diese Maßregel soll dazu dienen, das Land von Vagabonden frei zu halten. Die Meisten und Unterrichteten zeigen ihre Ankunft in früher absegelnden Schiffen an, und finden das Permitt beim Einlaufen vor. Auch ich hatte zwei Briefe nach der Stadt befördert, hatte aber durch die Schuld meines Correspondenten M... noch einige Weitläuftigkeiten, indem ich nämlich kein Permitt fand, und auch der Capitain, der sogleich nach Havana hinübergefahren war, mir keins mitbrachte, weil, wie er sagte, mein Paß in Unordnung sei. Ich faßte jetzt den Entschluß, selbst an’s Land zu fahren, und die Kraft des goldenen Spruches von Wieland: „Ein goldener Schlüssel öffnet jedes Schloß“ zu versuchen. Rasch griff ich in die Tasche und zeigte dem spanischen Don-Soldat, der auf Posten stand, einige Silberlinge, ohne etwas zu sagen; der Don verstand meine Silbertöne, und sagte in spanischer Sprache, wie mir gedolmetscht wurde: fahren Sie in Gottes Namen, kommen Sie jedoch nicht später als 8 Uhr morgen früh zurück, denn um 8 Uhr ist die Ablösung und meinem Nachfolger muß ich Sie überliefern.Mit andern Personen fuhr ich jetzt nach Havana über, und wir langten vor einem Boarding-Hause ohne Namen an. Eine eben so bejahrte, als beredsame Wirthin kam sofort herbei und gab mir sowohl auf Englisch, wie auf Französisch zu verstehen, daß ich dasjenige Zimmer, welches mir angewiesen wurde, in welchem sich eine Feldbettstelle, in der Form eines deutschen Stickrahmens mit einer dünnen Kattundecke, ferner ein ganz ordinairer Waschtisch und zwei hölzerne Schemel befanden — für nicht mehr, aber auch nicht weniger als 17 Piaster inclusive des Mittagessens und des Frühstücks pro Woche haben könnte. Nachdem ich diese erfreulichen Bedingungen mit philosophischer Ruhe vernommen und meine Sachen abgelegt hatte, eilte ich, meinen Correspondenten, den Consulvertreter M..., an den ich mich bereits früher wegen des Permitts gewendet hatte, aufzusuchen. Ihn und seine sämmtlichen Commis fand ich, wie es hier bei der Hitze üblich ist, im tiefsten Negligé bei Tische. Entrée und Speisesaal bilden ein mit Zugwind versehenes Ganze. Beim Caffee sagte M... zu mir, ich würde wohl daran gethan haben, meine Ankunft einige Wochen vorher anzuzeigen, damit ich alles Nöthige, Logis u. s. w. in Ordnung angetroffen hätte. Da ich dieses gethan zu haben mir bewußt war, so wußte ich, woran ich mit diesem Helden war. Wegen des Permitts versprach er, das Nöthige zu besorgen, und am andern Tage um die Mittagszeit, nachdem ich vorher meinem Versprechen gemäß, zu dem Don-Soldat zurückgekehrt war, erhielt ich denn auch endlich die schriftliche Erlaubnis Sr. Exzellenz, versehen mit 7 Unterschriften. Meine Sachen ließ ich am andern Tage Vormittags abholen, weil das Steueramt nur bis 12 Uhr expedirt; die Revision war nach preußischer Weise, d. h. sehr liberal; mein geringes Gepäck passirte ohne viele Umstände. Zum Fortschaffen desselben muß man hier drei Neger bezahlen, wo man in Europa nur einePerson gebraucht. Als ich nach meinem Logis zurückkam, trat mir ein Don-Soldat entgegen mit der Aufforderung, ihm sofort zum Capitain de Place zu folgen. Nachdem ich rasch meine Toilette gemacht, wobei der Soldat sich vor der Thür meines Zimmers befand, führte mich dieser zum Capitain, einem überaus artigen Manne, welcher, nachdem er mein Permitt gesehen hatte, mich um Verzeihung bat, und meinte, es müsse hier ein Irrthum in der Person stattgefunden haben; allein ich habe Ursache zu glauben, daß einer von meinen Reisegefährten eine Anzeige gegen mich gemacht hat.
Vor allem Uebrigen, dachte ich, als die Paß-Verlegenheit beseitigt war, ein Logis für mich zu miethen, weil die Ausgabe von 100 Piaster pro Monat für ein schlechtes Zimmer und eben so schlechte Kost mir zu theuer schien, und 100 Piaster kann man vollkommen die Ausgaben in einem solchen Boarding-Hause anschlagen. Es wurden mir von mehreren Bekannten Logis in Vorschlag gebracht, die ich sofort besah, und mit Pferdeställen zu vergleichen nicht umhin konnte; für Möbel und Bedienung sollte ich überall noch besonders sorgen. Zuletzt miethete ich eins was mir besonders empfohlen wurde, bei einer sehr braven Frau, die von Geburt eine Französin war, worin sich, wie in jedem Hause in Havana, Ratten, Mäuse, Scorpione, Cucerachas (große Würmer) aufhalten, und war dies Gemach in Hinsicht der vielen Thierarten mit Noah’s Arche zu vergleichen. In meiner Wirthin sowohl, als in ihren beiden Söhnen fand ich treffliche Leute, bei denen ich mich ungemein wohl befand, und mich von meinen körperlichen Leiden und den Widerwärtigkeiten der Handelskrisis merklich erholte.
Es ist so manches über Havana, seine Sitten und Verhältnisse geschrieben worden, auch der Herr von Humboldt berührt dieses Capitel in seinen berühmten Werken; allein was den Handel betrifft, so hätte in keinem Falledieser ausgezeichnete Mann, dem übrigens auch wohl die praktische Erfahrung in Handelssachen abging, hierüber etwas sagen können, was jetzt noch genügte, da jetzt die Handelsverhältnisse sich ganz anders gestaltet haben, und wenn es noch um das Jahr 1802 etwa drei Häuser gab, die sich mit dem Handel nach Europa beschäftigten, so giebt es deren jetzt vielleicht 300. Es wird nicht ohne allgemeines Interesse sein, nachzuweisen, in wie fern die jetzt stattfindende überaus große Concurrenz vortheilhaft oder nachtheilig für diese Insel und die europäischen Kaufleute ist. Meine gesammelten Erfahrungen werde ich ohne Scheu niederschreiben, meine Behauptungen klar und bestimmt aufstellen und beweisen, und endlich auch solche Vorschläge zur Verbesserung des Handels zu machen mich bemühen, welche mir, als praktischem Kaufmann, ausführbar scheinen. Zuvor werde ich jedoch Einiges über den Ort, über die Lebensweise der Bewohner etc. bemerken.
Havana ist an und für sich klein, obgleich es gegen 120,000 Einwohner zählt. Für die Passagiere ist der Place des Armes, welchen Platz er gleich nach der Landung am Werft betritt, höchst überraschend und anziehend; ein Viereck, auf welchem sich drei prächtige Gebäude, das Haus der Gouverneurs, der Intendantur, das Palais eines Großen und eine Kaserne im großartigsten Stil gebaut, präsentiren. In der Mitte ist ein Platz von der Größe des Lustgartens zu Berlin, und ähnlich wie dieser arrangirt. Vier kleine Fontainen und das Monnument Ferdinand’s befinden sich in den kleinern mit Gußeisen eingefaßten Quarrées, in welchen blühende oder fruchttragende Orangen-, Cedern- und Palmbäume majestätisch prangen. Zur Bequemlichkeit der Spaziergänger sind die Wege mit Quadratsteinen von Granit belegt. Die Promenade auf diesem Platz ist jeden Abend von 8–9 Uhr, wenn das Musik-Corps der Garnison, welches ausgezeichnet brav ist, die Retraite bläst, und zugleich die gewähltesten Stücke spielt. Die Damenerscheinen alsdann in Ballkleidern, jedoch ohne Kopfbekleidung und Handschuhe, die hier nicht Gang und gebe sind; Blumen, Perlen und dergl. dient den hiesigen Damen zum Kopfputz; die ältesten Frauen tragen nichts auf dem Kopfe, nur bei großer Kälte wird ein chinesischer Shawl über den Kopf genommen. Damen ersten Ranges verbleiben in den Volanten. Von diesem schönen Platz, durch welchen jeder Ankommende eine sehr vortheilhafte Meinung von Havana bekommt, gehe ich zu den vier Hauptstraßen über, sie heißen: Orili, Obispo, Lamperillia und Obra Pia, haben 16–18 Fuß Breite und sind mit schmalen, etwa 20 Zoll breiten, sehr fehlerhaften, zum Beinbrechen eingerichteten Trottoirs versehen. Man muß sich daher sehr vorsehen, auf diesen Trottoirs nicht auszugleiten, oder von einer vorübergehenden Volante gerädert zu werden. Die Volante ist ein zweirädriges Cabriolet mit einem Pferde, oder auch Maulthier bespannt, die gewöhnlich von einem Neger geleitet werden. Man muß daher mit sehr großer Vorsicht in den Straßen gehen, indem die Achsen dieser Cabriolets 6 Fuß in der Breite messen, und die Räder eine Höhe desselben Maßes erreichen, welche des Umwerfens wegen in der Art angebracht sind, daß der Raum an den obern Theilen auf 7 Fuß anzunehmen ist. Begegnen sich daher zwei solcher Volanten in den 16 Fuß breiten Straßen, so bleibt für den Fußgänger äußerst wenig Raum übrig; ein Rad muß nothwendig über das Trottoir gehen, wobei es nicht selten an den Röcken der Vorübergehenden gereinigt wird. Dazu kommt, daß die Neger darauf los fahren, ohne die Fußgänger anzurufen und Vorsicht zu empfehlen.
Die Straßen sind ungepflastert und daher oft, besonders nach starkem Regen, nicht zu passiren, indem das Wasser 6–8 Zoll hoch steht: welcher Umstand den Wäscherinnen nicht minder als den Volanten eine gute Erndte verschafft, denn es ist in Havana allgemein Sitte,in weißen Pantalons, feinen weißen Strümpfen, und Schuhen mit umgewendeten Sohlen umherzugehen. Bei großem Schmutz müssen diese 3–4 Mal täglich gewechselt werden. Es ist nichts Seltenes, daß Commis von Comptoiren 15 Piaster Waschgeld pro Monat bezahlen; ein junger Mann versicherte mir, daß er im Sommer täglich dreimal die Wäsche wechsele, und wohl 7 Dutzend Pantalons besitze. Die Kutscher der Volanten sind oft so mechant, daß sie im Vorbeifahren vorsätzlich den Vorübergehenden die weißen Pantalons beschmutzen, damit diese einsteigen und nach Hause fahren müssen, um auf’s neue Toilette zu machen. Man bezahlt für eine Tour etwa acht Groschen Courant, bei schlechtem Wetter oft das Doppelte.
Für die ankommenden Schiffer ist hier die Art und Weise des Abladens weit angenehmer als in New-York; es wird ihnen hier sogleich nach ihrer Ankunft ein bestimmter Platz dazu angewiesen, wogegen sie in New-York vielleicht 10 Tage warten müssen. Da indessen die Räume für die Waaren, die zur Niederlage gebracht werden, zu klein für die Importation sind, die Zollbeamten aber auch nur bis 12 Uhr Vormittags arbeiten, so ist es gar nichts Seltenes, daß die Empfänger von Gütern vier Wochen und noch länger warten müssen.
Das Weihnachtsfest begann hier ohne besondere Zurüstungen und Festlichkeiten; am sogenannten heiligen Abend sah ich nichts Ungewöhnliches in der Stadt vorgehen. Nur die Schiffer kündigten das Fest dadurch an, daß sie alle vom Werft in den Strom hinauslegten. Die bedeutenden spanischen Handlungshäuser schließen ihr Geschäft bis zum zweiten Januar und besuchen ihre Freunde auf dem Lande. (Es giebt hier nichts als Sommertage.) Man fährt von einer Plantage zur andern, und findet überall Schmausereien und Bälle. Die Commis machen es eben so; sie fahren auf der Eisenbahn, oder auch auf Dampfschiffen zu ihren Bekannten. Die Gastfreundschaft ist hiergrößer, als ich sie irgendwo gefunden habe, indeß sind auch solche Parthieen in der Regel sehr kostspielig, indem man an dem National Hazardspiele Theil nehmen muß, welches, wie alle dergleichen Spiele, für Pointeurs nachtheilig ist, man jedoch Theil daran zu nehmen nicht gut verweigern kann, weil jeder Spanier gern spielt, und als Wirth es einigermaßen erwartet, daß die Geladenen sich nicht davon ausschließen werden. Ein junger Deutscher versicherte mir, bei einem sehr gemäßigten Spiele 8 Unzen (à 17 Piaster die Unze) verloren zu haben. Mit dem 24. December hören alle Geschäfte auf, selbst der Packhof bleibt von diesem Tage an bis zum 2. Februar geschlossen — sehr hart für Geschäftsleute.
Das Weihnachtsfest wurde von Mitternacht an aus allen Kräften mit allen Glocken verkündet. Es regnete in Strömen, und dennoch zogen die Menschen zu jener Zeit in Massen nach der Kirche. Junge Leute von allen Religionen verfehlten nicht, den Messen und — noch etwas Anderem — beizuwohnen. Da ich indeß in meinem Leben von den Leipziger und Frankfurter Messen zu viel Genuß gehabt habe, so blieb ich von diesen Messen zurück, und legte mich in meiner Arche zu Bette.
Am Nachmittage des Weihnachtstages begab ich mich nach dem sogenannten Passeo de Tacon, einer von dem vorigen Gouverneur in großem Stil angelegten Promenade, welche, wenn die darauf gepflanzten Orangen-, Ceder-, Cocus-, Palm- und Brodbäume in Zeit von 50 Jahren etwa einmal Schatten für die Spaziergänger darbieten werden, zu den ersten Promenaden auf der Erde gerechnet werden dürfte. In derselben fand ich mehrere 100 Volanten, die, wie in St. Petersburg bei großen Schlittenfahrten in der Butterwoche, in der größten Ordnung fahren. Lanciers bilden eine Barriere zwischen den Hin- und Zurückfahrenden. Die Damen sitzen en deux oder auch en trois in Ball-Anzügen in den Volanten, wo sie ihre sehrschönen Füße, welche in den allerschönsten seidenen Strümpfen und Atlas-Schuhen ihr Obdach haben, so vortheilhaft präsentiren, daß die Vorübergehenden über diesen reizenden Theil des weiblichen Körpers ein vortheilhaftes Urtheil auszudrücken sich nicht enthalten können. Ich muß gestehen, daß ich die schönsten Füße, und die geschmackvollste Chaussirung hier antraf, denn was man in Paris und London nur hin und wieder sieht, das findet man hier im Allgemeinen. Dies ist wohl dem Umstand zuzuschreiben, daß die hiesigen Damen wenig oder gar nicht stehen oder gehen; in ihren Wohnungen sitzen sie stets und wenn sie durch Geschäfte aus dem Hause gerufen werden, so fahren sie in ihren eigenen Volanten, die jede Frau zu ihrer Disposition hat. Alle Einkäufe werden in den Volanten gemacht; die Laden-Diener müssen die Artikel, nach welchen die Käuferinnen fragen, an den Wagen bringen, man beordert, das Nöthige zu schicken, und fährt dann nach einem Conditor-Laden, um Gefrornes zu genießen (ebenfalls im Wagen). Aus diesem Grunde hat Jeder, der einen offenen Laden besitzt, eine Masse von Dienern nöthig, welche, wenn das Wetter die Damen vom Ausfahren abhält, den Orgelpfeifen gleich, hinter den Ladentischen stehen. Da die Damen hier zu Lande das Abdingen nicht so verstehen, wie die Berliner Damen, so weiß der Verkäufer es so einzurichten, daß dieselben den Lohn für jene Masse von Dienern mit bezahlen müssen. — Als ich gegen 8 Uhr von meinem Spaziergang durch die herrliche Allee von Orangen etc. zurückkehrte, dachte ich an meine guten Berliner, und wünschte, daß sie meinen Genuß auf diesem Spaziergange mit mir theilen könnten, ohne daß sie nöthig hätten, sich, wie ich, diesen Winter hier aufzuhalten, denn ein immerwährender Sommer muß dem Menschen, welcher den Wechsel in allen Dingen fordert, am Ende lästig werden, und dieses war mit mir der Fall.
Obgleich ich schon einiges von den häuslichen Einrichtungen in Havana berührt habe, so erscheint mir doch dieser Gegenstand wichtig und interessant genug, um etwas ausführlicher darüber zu sein. Das Erste, woran Jemand denkt, der sich hier etablirt, ist der Ankauf von Sclaven. Viele Leser werden hierin etwas Widriges, und Ungerechtes erblicken, daß man einen Menschen als Sache behandelt und ihm die Freiheit nimmt, zu der er geboren ist. Allein, da hier keine Dienstboten zu miethen sind, und man dienende Leute nicht gut entbehren kann, so muß man schon zum Ankauf von Sclaven, d. h. der Neger schreiten, die hier wie ein Bündel Schwefelhölzer d. h. mit derselben Gleichgültigkeit gekauft und verkauft werden. Sie sind zu jeder Zeit zu haben, da es sehr viele Kaufleute giebt, die auf diesen Artikel spekuliren und immerwährend ein wohlassortirtes Lager von 6–800 besitzen. Der Preis eines Sclaven ist 400 bis 450 Piaster en detail und etwa 360, wenn man en gros kauft. Ueber den Handel en gros werde ich weiter unten ausführlicher sprechen.
Hat man Sclaven, so sieht man sich nach einem Hause um, welches monatsweise vermiethet wird und zwar zu 100 bis 500 Piaster; ein Haus von dem erstern Preise ist sehr unbedeutend, und eins von dem letztern nicht das ausgezeichnetste. Das Ameublement ist im Durchschnitt höchst mittelmäßig und mit dem in Europa in gar keinen Vergleich zu stellen.
Die Hauptrolle in demselben spielen die Armstühle, statt der vier Füße mit zwei Untergestellen, wie in Europa die Wiegen, versehen, wovon sechs bis acht vor den großen nur mit eisernen Gittern, ohne Glas, umgebenen Fenstern zum Empfang der Gäste bereit stehen. Die Damen sitzen Abends auf denselben und schaukeln sich, um von den Vorübergehenden bewundert werden zu können. Die Zimmer sind entweder durch hängende Lampen erleuchtet, oder dieselben stehen auf einem Tische in derMitte des Zimmers. Ein oder zwei Volanten müssen in den Vorhäusern zum Zeichen der Wohlhabenheit des Eigenthümers, und zur Unbequemlichkeit der Eintretenden dastehen; hin und wieder bemerkt man auch eine Volante im Gesellschaftszimmer in der Nähe des Piano. An der Thür muß ein Portier im weißen recht feinen Hemde sitzen, und seinen Cigarr rauchen, wenn das Haus einen vollkommenen Anstrich von Anständigkeit haben soll; die Portiers sind gewöhnlich Spanier. Oft sieht man im Vorbeigehen die ganze Damengesellschaft auf ihren Schaukelstühlen oder am Fortepiano mit brennenden Cigarren. Die Köche sind in der Regel freie Menschen und werden für ihr Metier sehr gut besoldet. Hier ist, wie es sich von selbst versteht, nur von Häusern erster Klasse die Rede. In der Mittelklasse sucht man gewöhnlich einen Sclaven zum Koch abzurichten, was sehr leicht ist, denn die Hauptkunst besteht hier darin, die Fricassées in Oel schwimmend auf den Tisch zu schicken, die Fleischspeisen zu Brei zu kochen oder zu braten, und mit tüchtig viel Knoblauch und Zwiebeln zu würzen. Die Bedienung bei Tische geschieht durch Sclaven, welche wie die Hunde dressirt sind, und beständig auf die Gäste aufmerken. Da steht Einer mit der vollen Flasche in der Hand, um das leere Glas sofort zu füllen; dort steht ein Zweiter, die Hände über die Brust gefaltet, er sieht den Gast scharf an, um seine Befehle entgegen zu nehmen; ein Dritter paßt mit reinen Tellern, Gabeln und Messern auf den Dienst. Bei Leuten untern Ranges ist es eben so, nur unterscheiden sich die Sclaven im Anzuge und es gilt von diesen, was der große Kant in seiner Anthropologie von den Polen bemerkt, daß nämlich bei den Großen in Polen man von Silber speise, und die Bedienung ohne Schuhe und Strümpfe aufwarte, wozu in Havana oft noch zerrissene Kleider kommen. Dem Eingebornen ist solche Schwäche nachzusehen, aber die Ausländer, die Deutschensollten hier dasselbe thun, was sie in den V. S. thun müssen, d. h. sich ihre Diener von Europa mitbringen. Doch was giebt es in Westindien für Deutsche? daß sich Gott erbarmen möge! Größtentheils solche, welche sich in Bremen mit Tabacks-Krämerei beschäftigt haben.
Haushaltungen kosten hier sehr viel; die Frauen in denselben bekümmern sich um nichts, jeder einzelne Sclave um das, was ihm übergeben ist; der Einkäufer von Proviant sorgt hauptsächlich für Knoblauch, das Lieblings-Gewürz der Spanier. Die Anzahl der Gerichte ist hier sehr bedeutend, aber die Schüsseln von geringem Umfange, und der Inhalt derselben ist wegen der ungeheuern Oeldecke schwer zu ermitteln. Es wird sehr rasch gegessen, Caffee getrunken, ein Cigarr geraucht, wenig gesprochen und man entfernt sich. Hinsichtlich des Essens befinden sich die Sclaven hier außerordentlich wohl, da sie Alles in Ueberfluß haben und daher mit ihrem Schicksal in Havana nicht selten zufriedener sind, als mit dem vorigen in Afrika. Die Neger, welche in gallonirten Jacken und Schuhen ohne Strümpfe, an deren Stelle sie große Cürassier-Schäfte von gebranntem Leder, auf deren Stülpen sich Silberstifte in Unzahl befinden, mit Schnüren über den Beinen befestigen, dünken sich Groß-Moguls zu sein, wenn sie mit großen silbernen Sporen und Schnallen, durch welche letztere jene Schäfte unter den Knieen befestigt sind, ihren Gebieter vom Pferde herab kutschiren. Alles, was man in Europa an den Wagen und Geschirren in Gürtlerarbeit von Bronce bemerkt, wird hier meistens vom besten Silber verfertigt, und alles dies ist für Leute ersten Ranges, an welche sich die deutschen Commissionaire auf Unkosten der europäischen Geschäfts-Freunde anreihen, unbedingt nothwendig.
Den zweiten Festtag wendete ich dazu an, mich mit den Vergnügungen der Sclaven bekannt zu machen; ich durchstrich die entlegensten Theile der Stadt, um dieBelustigungs-Oerter dieser unsern Gefühlen nach unglücklichen Menschen aufzufinden. Indeß giebt es freilich nur wenige Herren, die nicht ihre Sclaven, einige Stunden der Ruhe abgerechnet, ununterbrochen im Joche halten. Ich folgte dem Zuge einer Masse von jungen Negern und langte in ihrer Mitte unter den Wällen der Festungswerke an. Mehrere Trommeln und verworrenes Geschrei, welches die Unglücklichen Gesang nennen, zogen mich zu den Häusern, wo die Belustigung stattfand, und ich sah eine junge Negerin die Königin des Balles machen und tanzen, nach der Trommel und dem Geschrei der zuschauenden Neger; Arme und Körper bewegten sich nach dem Takte, und sie gefiel ungemein; diesen Ball hatte, wie ich hörte, ein Cigarren-Fabrikant veranstaltet, der seine Arbeit wegen Mangel an Taback auf 14 Tage einstellte.
Die Erfahrung, welche ich in Hinsicht des Handels hier machte, war für mich höchst traurig; ich werde Alles ziemlich ausführlich erzählen, damit der kaufmännische Leser auf seiner Hut sei und nicht ein ähnliches Schicksal erleide.
Mein Correspondent, der Herr M... aus Bremen, war gleich bei meiner Ankunft sehr gesprächig und zuvorkommend. Da es hier üblich ist, den ankommenden Geschäftsfreunden seinen Tisch zu offeriren, so verfehlte auch Hr. M... nicht, mir zu eröffnen, daß ich an seinem Tisch ein Couvert für mich bereit finden würde. Ich habe indessen nie da gefrühstückt, und ging höchstens ein paar mal die Woche zum Mittagessen hin und zwar lediglich, weil mir das Essen in der ersten Restauration la belle Europe zuwider war. Die Bedienung der Restauration nämlich erscheint mit brennenden Cigarren im Munde und Pantoffeln über den nackten Füßen. Wenn etwas von der Asche des Cigarrs auf den Teller fällt, so wissen die Aufwärter dieselbe sehr gewandt fortzunehmen, und dies möchte noch hingehen; aber nichts Seltenes ist es auch, daß sie, wenn sie Bratfische oder Pudding bringen, vor dem Ueberreichen sich von der Wärme dieser Speisen überzeugen, und mit dem Tabackssaft an den Fingern dieselben betasten. Daher nahm ich zuweilen, obgleich mit einem innerlichen Widerwillen, den Platz ein, den M... an seinem Tische für mich bestimmt hatte. Die ganze Gesellschaft war gewöhnlich im Negligé, was auf mich einen höchst unangenehmen Eindruck machte. Die Unterhaltung war eben so trocken und kraftlos wie die Braten, beides nicht für einen deutschen Geist und Magen. Ich merkte bald, daß M... sich für mich intressirte, in der Hoffnung, große Geschäfte mit mir zu machen; daß dies von keiner großen Dauer sein würde, war leicht vorauszusehen, und zeigte sich bald aufs Deutlichste.
Als er eines Nachmittages über Zucker-Spekulationen zu sprechen anfing, und mir zuredete, daß ich eine im Belauf von 40,000 Piaster zu unternehmen nicht säumen möchte, und gute Rechnung finden würde, erwiederte ich ihm: In meinen Jahren ist der Kaufmann, der etwas Vernunft besitzt, nie so ambitiöse, sich über seine eigene Kräfte erheben zu wollen; wenigstens denke ich so, und werde mich daher nie in unabsehbare und unberechenbareSpekulationen einlassen. Meine Antwort mißfiel ihm sichtlich, und er entgegnete: „freilich wird man bedenklich, wenn man alt wird.“ Er brach jetzt ab, indessen bemerkte ich von nun an eine Gleichgültigkeit und Kälte, die sich in der Folge noch vermehrte, als er sah, daß ich mich selbst um den Verkauf meiner Waaren zu bekümmern anfing. Ich zeigte nämlich die Proben von einigen meiner Artikel in einem Handlungshause, und der Chef desselben, ein gewandter Geschäftsmann (Pole), sagte zu mir: „diese Waaren verkaufe ich Ihnen, sobald wir etwas von Mexico erfahren; ich habe einen Mann, der für 150,000 Piaster kaufen wird, er will jedoch zuvor das Paquet von Vera-Cruz abwarten.“ Auf sein Anrathen ließ ich die Proben bei ihm liegen. Mit Proben von einem andern Artikel begab ich mich nach dem Comptoir eines Amerikanischen Hauses, und erfuhr, daß diese Waare knapp (rar) und folglich gesucht sei; ich acceptirte den vorgeschlagenen Preis und verkaufte diese Waare sogleich. Als ich nun dem M... sagte, daß ich die Waare, von welcher er mir gesagt hätte, daß sie gar nichts werth sei, weil es keine Käufer dafür gebe, verkauft hätte, und ihm auftrug, sie dorthin zu expediren, so ergrimmte er gänzlich; auf alle meine Fragen wurde mir wenig oder gar keine Antwort ertheilt, kurz er wollte mir jetzt über Nichts Rede stehen. Aufgebracht über dies Verfahren, stellte ich ihn endlich förmlich über sein Betragen gegen mich zur Rede und erhielt zur Antwort, daß ihm meine Geschäfte nicht conveniren könnten, indem er nicht gewohnt sei, daß Leute, welche Waaren bei ihm in Commission hätten, sich selbst um den Verkauf bemühten, und Proben herumzeigten. „Wir wollen das jetzige Geschäft abwickeln,“ setzte er hinzu, „und an kein neues denken; überdies sind Sie mir fremd, da Sie kein Empfehlungsschreiben aus Europa an mein Haus mitgebracht haben.“ Ich entgegnete: „fremd kann ich Ihnen unmöglich sein, daich eine bedeutende Parthie Waare bei Ihnen liegen und schon mehrere Jahre mit Ihrem Hause in Verbindung gestanden habe. Daß ich dieses Geschäft mit Ihnen abwickele, ist freilich nothwendig.“ — Hier muß ich eine Bemerkung einschalten. Es scheint nämlich in dieser Stadt eine Convention unter den Commissionairen zu sein, daß sie keine Geschäfte, welche bereits einem andern Hause übertragen gewesen sind, übernehmen. Es verhält sich also mit diesen, wie mit den Karrenschiebern in Holland. Diesen durfte man nichts zum Fortschaffen übergeben, ohne vorher aufs bestimmteste mit ihnen accordirt zu haben, denn hatte derselbe die Sachen eine kurze Strecke gekarrt, so forderte erseinenPreis, und verweigerte man ihm diesen, so warf er das sämmtliche Gepäck von der Karre herunter, und man mußte sich dann der Willkühr eines andern Karrenschiebers unterwerfen. „Da ich also das Geschäft mit Ihnen abwickeln muß,“ fuhr ich fort: „so bin ich Ihnen für Ihr gefälliges Anerbieten sehr verbunden; daß ich übrigens die Proben selbst vorgezeigt, können Sie mir um so weniger übel nehmen, da Sie mir den Artikel als unverkäuflich schilderten, welchen ich selbst sofort verkaufte; da mir ferner Ihr Verkäufer, wenn ich ihm Käufer für einen oder den andern Artikel nenne, erwiedert: Sie wollen doch wohl nicht, daß ich zum Käufer hingehen soll, um die Waaren anzubieten? Wird er hieher kommen, um die Waaren zu kaufen, so werde ich mich bemühen, etc.“ — Hierauf erwiederte M... „Nun gut! Wir wollen es abwickeln,“ und ich verließ ihn. Ich mußte ihm alle Proben zustellen, die jetzt ruhig liegen blieben. Wären meine Waaren in den Händen eines andern Commissionairs gewesen, so würden sie sicherlich nach der Einnahme des Forts von Vera-Cruz verkauft worden sein, aber so blieben sie leider unverkauft; nachdem die Nachricht von der Niederlage der Republikaner von Vera-Cruz eintraf, war an das Verkaufen derselben nicht mehr zu denken.
Das Waarengeschäft ist in ganz Westindien das schlechteste von allen Geschäften, besonders für die Europäer, welche es durch Commissionaire betreiben zu lassen für gut erachten, die entweder Tabacks- und Käse-Verkäufer in Hamburg und Bremen, oder auch Händler fertiger Wäsche gewesen sind, denen es daher an Waarenkenntniß gänzlich mangelt. Junge Leute, die zum Schreiben in Comptoirs, oder bei Lotterie-Collecten in Hamburg 5 Jahre als Lehrbursche gearbeitet haben, werden als Verkäufer engagirt, bekommen, da sie sich der Gefahr des gelben Fiebers aussetzen, große, ja enorme Salaire, und die Vollmacht, über das im Schweiße des Angesichts erworbene Eigenthum der in Europa wohnenden Kaufleute oder Fabrikanten frei zu schalten und zu walten. Der Commissionair will verkaufen, um seine großen Ausgaben für den Lohn der Leute, Miethen und luxuriöse Lebensweise zu decken. Zehn Procent wird für die Verkäufe, Garantie und das Remittiren in Rechnung gestellt; rechnet man aber das Angehängte hinzu (worüber ich später ausführlicher abhandeln werde), so sind es wohl 15 Procent, die in Rechnung gebracht werden. In den Comptoirs und demzufolge in den Caffeehäusern wimmelt es stets von jungen Comptoir-Bedienten, diesen Blutegeln für die europäischen Kaufleute, die nach Westindien Handel treiben. Es wird mit dem Gelde geworfen, die feinsten Weine werden getrunken, Landparthieen, die 50–80 Piaster kosten, werden unternommen, und wer bezahlt Alles dies? Antwort: wir armen Europäer. Wir erhalten nicht nur die Equipagen, die Sclaven, die Maitressen der Principale, sondern wir müssen auch Sorge dafür tragen, daß die Handlungsdiener sich Reitpferde halten, jeden Abend die italienische Oper oder das Theater de Tacon à 1½ Piaster Entrée etc. und nach Beendigung derselben ihreMädchen mit fünf Piastern in der Hand besuchen können. Wer dies Alles gesehen und die Art und Weise der Verkäufe beobachtet hat, dem vergeht ohne Zweifel die Lust, Geschäfte hieher zu machen. Man hat nur nöthig, mit den Käufern, Mercader genannt, in Berührung zu kommen und deren Schlauheit in Benutzung der schwachen Seiten der braven Commissionaire zu bemerken; wer dieses vermag, in dem wird der letzte Funken zu Geschäften aufs Gerathewohl erlöschen. Ich halte es für Pflicht und Schuldigkeit, die Handelswelt auf das Risico beim westindischen Handel aufmerksam zu machen, und werde deshalb (wie schon früher bemerkt) frei und ohne Furcht niederschreiben, was ich erlebt habe; kann Jemand meine Urtheile widerlegen, so werde ich es mit Dank annehmen, jedoch hierzu dürfte schwerlich Einer gefunden werden.
Die Insel Cuba, mit einer Bevölkerung von 800,000 Menschen,[A]unter denen 620,000 Neger und 180,000 Weiße, importirt jährlich für 20,000,000 Piaster, mithin im Durchschnitt für 25 Piaster auf jeden Kopf. Da indessen mit Gewißheit anzunehmen ist, daß die Durchschnitts-Consumtion sich nicht höher als auf 12 Piaster beläuft, so ist der Import auf Cuba noch einmal so hoch, als er sein sollte und wirkt nachtheilig auf die Preise. (Die V. S., mit einer Bevölkerung von 13 Millionen Weißen und 3,000,000 Schwarzen, importiren nur für 140 Millionen Piaster, von welchen noch etwa für 10 Millionen nach andern Staaten, Texas u. s. w. ausgeführt wird). Sämmtliche Waaren werden hingegen in Havana eingeführt und auch daselbst gelöscht, den Waaren-Einkäufern ist mithin hierdurch eine genaue Uebersicht von den Beständen gereicht, und können demnach beurtheilen, ob sie theuer, oder zu wohlfeilen Preisen einzukaufen haben, welches in den V. S. nicht der Fall ist, da es außer dem New-Yorker Hafen viele andere Städte giebt, in welchen Waaren direct importirt und nach dem Innern weiter versendet werden.
Die hiesigen eigentlichen Kaufleute und Waarenhändler en gros, Mercadere genannt, werden es, wie mir scheint, noch einmal dahin bringen, daß Commissionaire für Rechnung ihrer auswärtigen Freunde, deren Waaren sie kaufen, und gewöhnlich erst nach 6–8 Monaten, wenn sie zahlungsfähig sind, bezahlen, daß die Commissionaire, sage ich, für jedes Colly beim Empfang eine gewisse Summe baar ihnen einhändigen müssen, damit sie ihre Miethen und ihren Lohn bezahlen können. Es hat wirklich etwas Komisches, wenn man die Verkäufe in den hiesigen Commissionshäusern mit ansieht, wie diese Mercadere von den Verkäufern schmeichelnd und tändelnd tractirt werden; obgleich Jeder der Hereintretenden gesonnen ist, nicht mehr als höchstens die Hälfte des Fabrikpreises zu offeriren und die Zahlung innerhalb 8 Monaten zu versprechen, so wird er dennoch von den Verkäufern behandelt, als wisse dieser, der Mercader sei gesonnen, für die vorgezeigten Waaren einen ansehnlichen Gewinn und baare Zahlung zu gestatten; und nun die Procedur beim Verkauf! sie ist folgende. In kleinen Handschreiben berichtet der Commissionair den Mercaderen, daß er an diesen bestimmten Tagen im Auftrag eines auswärtigen Hauses eine Parthie Manufactur-Waaren verkaufen müsse, und ersucht diese, sich am Vormittag einzufinden, um die Waaren anzusehen und ein Gebot darauf zu machen. Die Eingeladenen erscheinen, und nehmen eins der geschriebenen Verzeichnisse, worauf diese deutlich specificirt sind, zur Hand, bemerken, nachdem sie die Waaren durchgesehen, auf denselben den Preis, den sie in Bausch und Bogen für seidene-, wollene-, baumwollene-, kurz alle Waarensorten durcheinander geben wollen, fügen ihre Unterschrift bei, legen dies auf den Tisch nieder und gehen weg. Daß die Käufer meistens unter sich einverstanden sind, versteht sich von selbst. Dem, der das größte Gebot gethan hat, schickt nun der Commissionair die Waaren zu; die Hälfte des Factura-Preises muß wenigstens geboten worden sein, wenn der Commissionair sich zum Verkauf geneigt fühlen soll; ist nur 45 Procent geboten, so wird weiter nicht Rücksicht auf ihn genommen. Bei Leinwand findet die Ausnahme statt, daß der Commissionair nur auf 15, höchstens 20 Procent unter den Fabrikpreisen eingeht. Die Käufer sind in der Regel nicht dringend mit ihrem Einkauf, da sie in derselben Woche vielleicht zehn dergleichen Einladungen von andern Commissionairs zu erwarten haben. Sie kennen die Bestände, den Bedarf, und wissen, daß für die ankommenden Waaren, durch Fortschaffung der alten, Platz werden muß, eben so gut, als daß der Commissionair rasch verkaufen muß und möchte, um die Waaren, worauf er 10 Procent für Provision verdient, selbst zu verkaufen und nicht durch Andere verkauft zu wissen, denn wie leicht könnte die Ordre zur Auslieferung von Europa eintreffen! Alles dies trägt dazu bei, daß die Käufer nie auf den selbstbestimmten Preis etwas zulegen und sich des Zuschlags für gewärtig halten. Die letztere Furcht aber wirkt am meisten. Es kommt daher nicht selten vor, daß hiesige Commissionaire, wenn sie sich im Auftrage eines Europäers zum Empfang der Waaren melden, die Antwort erhalten: die Waare ist schon verkauft, und die Abrechnung, welche bereits ausgefertigt ist, geht mit erster Gelegenheit ab.
Wie die Verkäufe hier betrieben werden, ist mithin eine Factura überflüssig, und man kann sich in Europa der Mühe überheben, dergleichen, anzufertigen, da sich kein Commissionair daran hält, es vielmehr den Käufern überläßt, die Preise festzustellen.
Detailleurs giebt es hier in Unzahl, d. h. unbedeutende Krämer-Läden, welche hier Magazin genannt werden, nicht aber bedeutende, wie in den V. S. und in Europa. So klein indeß wie sie sind, so vielfältig sind die Artikel, die man in denselben antrifft; von Allen liegen einige Stücke da, aber Leinwand spielt die Hauptrolle. Deshalb müssen auch viele Diener gehalten werden; vier ist die geringste Anzahl. Die Detailleurs kaufen nichts von den importirenden Kaufleuten, aus dem Grunde, weil sie ganz von den Mercaders abhängig sind, und alle Waaren von ihnen entnehmen müssen — bei Gefahr, ihres Credits verlustig zu gehen. Sie stehen unter starker Controlle, und die Preise sind in allen Läden so ziemlich gleich.
Hausirer giebt es in Masse; man sieht sie hier beim größten Schmutz in den entlegensten Straßen der Stadt, Männer und Weiber von allen Nationen, vorzüglich aber Neger; sie sind eben so zudringlich wie die Collecteurs der hiesigen Lotterie, welche jede drei Wochen gezogen wird und 144 Gewinne und 23,856 Nieten enthält. In Lumpen gehüllt, ohne Strümpfe und Schuhe, sieht man diese Collecteurs umherlaufen, wobei sie ihre Viertel-Loose à 1 Piaster ausschreien, wie Gemüseweiber bei uns. Sie sichern der Regierung eine Revenue von 25,000 Piaster pro Monat; sie kaufen eine Anzahl Loose auf Speculation, und bestimmen die Preise, je nachdem sie Liebhaber dafür finden. Viele Abnehmer finden sie unter den Sclaven, welche nach ihrer Freiheit streben, die sie nur gegen Erlegung der für sie bezahlten Summe erlangen können. Jedoch auch der Spanier, so wie jeder Ausländer spieltmit Leidenschaft; oft wird der doppelte Werth für ein Loos bezahlt, wenn die Ziehung ihren Anfang nimmt. Hat der Collecteur sein Loos verkauft, so bekümmert er sich nicht mehr um dasselbe. Sobald die Ziehung, welche nur ¼ Stunde dauert, vorüber ist, werden gleich wieder Loose zur folgenden ausgeboten, und wirklich verkauft. Einmal im Jahre, am Geburtstage der Regentin, kostet das Loos acht Piaster, und dann ist der größte Gewinn 40,000, der zweite 8000 Piaster; alle übrigen sind unbedeutend; der Monarch erhält zum Geburtstag aus der Lotterie-Casse 50,000 Piaster.
Zu allen bemerkten Uebelständen im Handel der Commissionaire kömmt nun noch, daß sowohl der größte Theil der Mercadere als die Commissionaire keine Kenntnisse im Waarenfach haben. Um sich gegen Verlust zu schützen, bieten daher die ersteren ungeheuer wenig; oft bietet Jemand 100 Piaster für eine Parthie Waaren; die ein Anderer für 700 Piaster kauft, dennoch haben die Mercadere mehr Kenntnisse als die Commissionaire, und diese glauben den Versicherungen der Käufer Alles. Sind diese daher einig, so wird ihnen ein Artikel, der jenem neu ist, für so viel wie nichts nachgeworfen. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung. Ich hatte einen Stoff, für Mäntel passend, an einen Commissionair geschickt und ausdrücklich bemerkt, daß ich wenigstens den Factura-Preis haben müsse. Als ich die Verkaufs-Nota über diese Waaren erhielt, sah ich sie für den halben Factura-Werth verkauft. Um mich zu überzeugen, ob ich selbst die Waare nicht besser verkaufen könnte, schickte ich an ein anderes Haus eine ähnliche Parthie, mit der Ordre, bis zu meiner Ankunft mit dem Verkauf zu warten. Als ich angekommen war, erzählte mir dieser Commissionair, daß derselbe Käufer, der im vorigen Jahre von einem andern Hause dieselbe Waare gekauft habe, auch diese Parthie, jedoch nur zu demselben Preise kaufen wolle, weil er diesen Artikel nur zu Kartuschen an das Gouvernement verkaufen könne. Um diesen unkundigen Commissionair einigermassen vom Holzwege abzuführen, entschloß ich mich die Läden von fertigen Kleidern zu durchstreichen, und überzeugte mich bald, daß derselbe Stoff auch hier zu Mänteln verbraucht werde. Als ich dies dem Commissionair erzählte, wollte er es nicht glauben, behauptete vielmehr, daß dieser Stoff nur zu Kartuschen zu gebrauchen sei. Auf solche Weise verlieren wir armen Europäer durch Unkunde der Commissionaire unser Vermögen, während die Mercadere mit diesem (indem dieselbe den langen Credit genießen) 300 Procent verdienen.
„Macht keine Geschäfte nach andern Welttheilen, besonders nach Westindien!“ so möchte ich meinen handelnden Landsleuten zurufen. Aber die Königliche Seehandlung, höre ich Viele sagen, macht überseeische Geschäfte, warum sollten wir, als gelernte Kaufleute, dieselben nicht mit eben so viel Nutzen, wie jenes Institut treiben können? Hierauf entgegne ich: ist es denn so gewiß, daß jenes Institut bei diesen Geschäften Gewinn hat? Antwort: Nein! Hierbei fällt mir ein, was einst der denkwürdige MinisterMaaßenbei einer Unterredung mir sagte: Der Staat muß zuweilen, ohne eine Miene zu verzucken, eine Million Thaler verlieren; obgleich dies sehr viel für unsern Staat ist, so ist es dennoch nicht viel, wenn eine hohe Nothwendigkeit es gebietet. Wir wollen ein Beispiel anführen. Die Seehandlung hat Schiffe, Eins derselben liegt in Havana, S.... et Comp. sind die Agenten; sie können dieses Schiff nicht mit Ballast zurückschicken, um so mehr, da die Zucker-Erndte vor der Thür ist. Beladen Sie es mit Zucker! Schreibt die Deputation der Königl. Seehandlung an ihren Agenten in Havana; sie denkt, unsere Raffinerieen brauchen rohes Material und werden sicher vorzugsweise von dem Institut kaufen. Man kauft, man trassirt, der Zucker wird verschifft. Die Havanesischen Häuser bemerken es und sprechen: die S... et Comp. kaufen 4000 Kisten; es muß in Deutschland etwas Bedeutendes vorgehen; wir müssen für unsere Freunde in Europa sorgen! Und warum sollten sie nicht für diese sorgen, da sie sich doch zugleich selbst dabei versorgen? Somit kaufen auch alle diese für Rechnung der Europäer Zucker, welcher nun in Havana im Preise steigt, schicken diesen so rasch als möglich ab, damit ihre Ladungen vor denen der Seehandlung in Hamburg eintreffen mögen; sie trassiren 2 Monat Sicht für den Belauf und melden den Verkauf der in Commission gehabten Leinwand etc., wodurch zwar Verlust entstanden sei, welcher jedoch durch den höchst vortheilhaften Einkauf des Zuckers bald um das Doppelte ersetzt werden müsse. Ihre Zucker-Sendungen langen nun wirklich vor denen der Königl. Seehandlung an; um jene Entnehmungen zu decken, werden sie jetzt per Auction verkauft,weil sie verkauft werden müssen, und siehe da! das Provenue ist 3 Piaster pro Kiste unter dem Einkaufspreis. Hat die Deputation der Seehandlung dieses voraussehen können? Oder wird diese den Nachtheil der Spekulation fühlen? Nein! Wohl aber fühlen den Nachtheil und Schaden die europäischen Kaufleute, und zwar doppelt, weil sie auf zwei Seiten verlieren, wogegen die Havaneser Commissionaire die zweifach Gewinnenden sind.
Aehnlich wie die Havaneser in Zucker-Spekulationen mit der Seehandlung wetteifern, ähnlich machen es die Bremer und Hamburger, wenn sie jenes Institut auf Fabrik-Erzeugnisse eingehen sehen. Allein dieses hat sehr viele und gute Mittel, und außerdem, wie mir der Herr Minister Rother schriftlich versicherte,lauter erprobteCommissionaire; den spekulirenden Kaufleuten fehlt es aber an beiden. — Daher, sollte jedes Geschäft nach und von Westindien von Niemanden, als von ganz Reichen unternommen werden.
In Westindien können die kaufmännischen Geschäfte schon deswegen nicht gedeihen, weil, das Geld zu viel Werth hat, d. h. weil es im Verhältniß der Erzeugnisse und der Importation in zu geringer Quantität vorhanden ist. Wo der Zinsfuß auf 21–24 Procent steht, wie es in dem allergrößten Theil Westindiens der Fall ist, da muß der Spekulationsgeist dem Wucher unterliegen. Der beste, stets begehrte Artikel ist baares Geld, Fabrikwaaren der Allerschlechteste. Es klingt sehr lächerlich, wenn man die hiesigen Commissionaire von dem überaus großen Bedarf der Waaren in Havana erzählen hört; daß dies nur Kunstgriffe zur Aufmunterung europäischer Kaufleute sind, liegt am Tage, denn für 800,000 Menschen, unter welchen ⅔ stets im Hemde und leinenen Patalons umherlaufen, langen jährlich über 100 Schiffe, vielleicht gar 150 mit Manufactur-Waaren an. Man sehe die im Königl. Packhofe zur Niederlage gebrachten Waaren-Vorräthe an, und man wird die Hände über’m Kopf zusammenschlagen und fragen: „was sollen diese Vorräthe in einem Lande, was kaum die Hälfte der Bevölkerung Londons hat?“ Anderwärts ausgeführt wird hiervon nichts, denn das Wenige, was zuweilen nach Mexico verkauft wird, ist so gering, daß es nicht in Betracht kommt. Die Commissionaire aber antworten: Unsere Vorräthe, die der Mercadere, und die im Königl. Packhofe (Depot) werden bald verbraucht sein, wenn die Havaneser und Havaneserinnen nur Ernst gebrauchen, jeden Tag ein neues Kleid anziehen und am Abend diese neue Robe fortwerfen zu wollen, wie es oft der Fall ist. Dieses ist das Lied, welches die Herren mit ihren Commis täglich im Chor singen, wenn ein Europäer angelangt ist. Indeß es sind der im Jahre 1838 übrig und unverbraucht gebliebenen Waaren so viele, daß sicherlich für jeden Bewohner der Insel Cuba täglich zwei Kleider gemacht werden müßten, wenn sie in zwei Jahren verkauft werden sollten.
Um eine Krankheit zu heilen, die zwar schon tief Wurzel geschlagen hat, jedoch keinesweges unheilbar ist, wäre Folgendes zu thun nöthig. Für Krankheiten, die aus Ueppigkeit entstehen, werden nicht selten Hunger-Kuren angewendet; so auch müßten die Havaneser Mercadere ausgehungert werden, damit sie nicht ganz das Vermögen der europäischen Kaufleute verschlingen. Mein Vorschlag wäre daher dieser. Kaufleute und Fabrikanten, welche nach Westindien Geschäfte treiben, errichten auf Actien eine Westindische Compagnie, d. h. sie etabliren Depots in Hamburg und Bremen, in welchen sie für den Actien-Belauf Waaren niederlegen und nur zu den festgestellten Preisen, durch die dabei angestellten Verkäufer verkaufen lassen; diese Compagnie muß zugleich mit einem baaren Fonds versehen sein, um Fabrikanten nöthigenfalls gegen das übliche Disconto die Hälfte des Werths ihrer Waaren vorzuschießen. So wie es jetzt in Westindien einige Commissionaire giebt, welche für ihre eigene Rechnung Leinwand aus Europa committiren, so würden sie durch diese Maßregel, wenn sie keine Consignationen erhielten, um nicht stille zu sitzen, für eigene Rechnung Waaren committiren müssen. Der Verkauf für eigene Rechnung würde ihnen besonders dadurch erleichtert werden, daß sie 12½ Procent für Provision, Del credere, Miethen etc. allein verdienen, die der Europäer bezahlen muß, und welche im Durchschnitt den Verlust auf Consignationen ausmachen und welcher im Ganzen genommen nicht übermäßig ist. Waarenbegehr in Westindien würde den Absatz in den Depots befördern, und es würden nicht nur bessere Preise behauptet werden, der Eigenthümer würde durch diese Maßregel auch zu jeder Zeit über sein Eigenthum disponiren können, wogegen er jetzt sehr oft zwei Jahre hindurch, wegen des Schicksals seines Eigenthums in Zweifel ist, und nach Ablauf dieser Frist wohl gar nochAbrechnungen empfängt, nach welchen ihm für 2000 Rthlr. 25,000 Cigarren zukommen.
Indem ich mir vorbehalte, auf die Art und Weise des Verfahrens der hiesigen deutschen Commissionaire zurückzukommen, will ich, ehe ich zu andern Gegenständen übergehe, Einiges über die Grundsätze vieler unter denselben bei Anfertigung von Abrechnungen mit Europäern berichten, was mir von einem nach Europa zurückkehrenden glaubwürdigen jungen Manne mitgetheilt worden ist.