Chapter 24

see captionDer Angriff auf Tabago, 3. März 1677.

Der Angriff auf Tabago, 3. März 1677.

Der Gesamtverlust der Franzosen betrug über 1500 Mann, der der Holländer 350 Tote und Verwundete; trotzdem wurde in Paris eine Siegesdenkmünze geprägt.

Der Angriff war also abgeschlagen; infolge großer Verluste und der schweren Beschädigungen seiner Schiffe mußte d'Estrées nach Frankreich zurückgehen, ohne weiteres in Westindien zu unternehmen. In Holland beschloß man, sofort Verstärkungen nach Tabago zu senden. Geldmangel verzögerte die Ausrüstung, obgleich man hörte, daß auch Frankreich eine neue Expedition für Westindien rüste, der Winter kam dazwischen; als ein kleines Geschwader endlich die Antillen erreichte, war die Insel gefallen.

Schon im Oktober1677war d'Estréesmit 13 Linienschiffen und Fregatten wieder ausgelaufen. Er bemächtigte sich zunächst der holländischen Besitzungen inSenegambien(Gorée, Pertudal, Joal u. a.) und segelte dann nach den Antillen, wo er durch 12 Flibustier verstärkt wurde. Am 6. Dezember erschien ervor Tabago, wo nur 2 holländische Kriegsschiffe lagen; diese wurden blockiert und 1500 Mann gelandet.Binckesverfügte nur über 350 gesunde Soldaten und mußte sich ganz auf die Verteidigungdes Forts beschränken. Am 11. eröffneten die Franzosen aus Belagerungsbatterien das Feuer, schon die dritte Bombe sprengte das Pulvermagazin auf, wobei Binckes und mehrere Offiziere umkamen. Das Fort wurde erstürmt, die Niederlassung verwüstet, die Schiffe verbrannt. Weiter aber erreichte d'Estrées nichts. Als er nach einigen Monaten Ruhe in Martinique im Frühjahr 1678 aufbrach, umCuraçaoanzugreifen, erfolgte die schon erwähnte Strandung seines Geschwaders auf denAves-Inseln(Seite349). Auch bei dieser Gelegenheit verließen (nach französischen Angaben) Admiral, Kommandanten und Offiziere die gefährdeten Schiffe und gaben die Mannschaften dem Untergange preis. D'Estrées kam (französische Angabe) der französischen Marine teuer zu stehen, wurde aber trotzdem wegen der „Eroberung von Tabago“ zum Marschall ernannt.

Der Krieg im Mittelmeer 1675–1678[207](Stromboli, Agosta, Palermo).LudwigXIV. hatte also nach dem Austritt Englands aus dem Bündnis den Entschluß gefaßt, seine Seestreitkräfte hauptsächlich im Mittelmeer zu verwenden; dementsprechend wurde imFrühjahr 1674von den Häfen am Ozean ein Geschwader von 10 Schiffen unter dem Chef d'Escadre Valbelle nach dem Mittelmeer gezogen. In Toulon waren die Galeren und eine Hochseeflotte — vorläufig 8 Linienschiffe, 2 Fregatten, 4 Brander, aber nach und nach beträchtlich vermehrt — in Dienst gestellt. Den Oberbefehl führteGraf de Vivonne(Bruder der Montespan), General der Galeren — der Posten des Vizeadmirals der Levante war nicht besetzt; unter ihm befehligten auf der Hochseeflotte Generalleutnant du Quesne als Vizeadmiral und Chef d'Escadre de Preuilly als Kontreadmiral. Die Hochseeflotte und das Geschwader vom Atlantik trafen sich (Anfang Sommer) in Tanger, um den Hafen vonCadizzu forcieren und die dort liegenden spanischen Kriegsschiffe zu zerstören, wie es früher die Engländer und Holländer auch getan hatten. Dieser Plan wurde jedoch aufgegeben, „weil die Spanier davon Kenntnis erhalten“ — du Quesne und Valbelle sollen den Angriff bei den gegen früher sehr verstärkten Befestigungen für untunlich erachtet haben. Vivonne ging nach Toulon zurück und von dort an die Küsten von Rousillon und Catalonien zur Unterstützung des Landkrieges — Schutz französischer (z. B. Collioure), Angriff spanischer Seestädte; Festhalten der spanischen Seestreitkräfte —, wir haben die Flotte oder Teile davon bei Tromps Operationen vor Barcelona und Rosas gesehen.

Ihre Hauptverwendung sollte die französische Flotte aber in demKampf um Sicilienfinden. Die StadtMessina, damals etwa 80–100000 Einwohner, hatte sich gegen Spanien erhoben, den Vizekönig verjagt und bat nun Ludwig um Unterstützung. Dieser ging gern darauf ein: Der Aufstand auf der Insel zog Spanien vom Kriege gegen ihn ab; Frankreich gewann, wenn es in Sicilien Fuß faßte, einen wichtigen Stützpunkt für Unternehmungen gegen Italien und für die Herrschaft im Mittelmeer überhaupt. Infolgedessensahen wir im September 1674 französische Seestreitkräfte eine spanische Flotte vor Rosas festhalten, die die Truppen nach Sicilien überführen sollte. Vor allem aber war es wichtig, dem schwerbedrängten Messina Lebensmittel zuzuführen.Valbellebrachte Ende September mit 6 Kriegsschiffen und 3 Brandern ein großes Getreideschiff unbehindert hinüber. Das Erscheinen der Holländer unter Tromp hatte inzwischen die spanische Flotte freigemacht, sie gelangte wohlbehalten nach Messina, und die Belagerung ward mit aller Kraft aufgenommen. Valbelle ward deshalb aufs neue hinübergesandt; er führte nur außer Getreideschiffen 500 Soldaten zur Verstärkung der Stadtbesatzung mit sich. Dieses Mal fand er hinter der Straße von Messina (am 30. Dezember) die spanische Flotte, Hochseeschiffe und Galeren. Er wartete günstige Wind- und Stromverhältnisse ab und lief am 3. Januar1675durch die Straße und in den Hafen ein, ohne daß die Spanier ihm entgegentraten; kleine Batterien, die Straße und Einfahrt bestrichen, waren leicht zum Schweigen gebracht worden. Es war die höchste Zeit für Ankunft dieser Unterstützung, die Stadt war fast ausgehungert; die Verteidigung erhielt nun neues Leben, die Belagerung ward lauer; die spanische Flotte machte nur einen erfolglosen Nachtangriff mit Brandern und Booten auf die französischen Schiffe.

Messina stellte sich jetzt unter den Schutz Frankreichs, und im Februar führteVivonne, zumVizekönig von Sicilienernannt, eine mächtigere Unterstützung heran. Mit 9 Linienschiffen, 1 Fregatte und 3 Brandern begleitete er — unter ihm du Quesne und de Preuilly — 8 Transporter mit Lebensmitteln und Truppen. Ihm endlich trat die spanische Flotte — 16 oder 17 Hochseeschiffe unterde la Cueva(ein Landoffizier) und 14 Galeren unterdel Viso(Generalkapitän der Galeren und Oberbefehlshaber) — entgegen, aber ohne Erfolg.

Am 11. Februar kommt es zu einem wenig Bemerkenswertes bietendenGefecht zwischen Stromboli und Lipari. östlicher Wind, die Spanier zu Luward. Nur 6 französische Linienschiffe sind in Linie, die Nachhut ist mit dem Convoi weiter in Lee. Die Spanier umzingeln in Gruppen. Die Franzosen wenden, vereinigen sich mit der Nachhut und bilden eine neue Linie. Während des neuen Gefechts kommt Valbelle mit seinem Geschwader von Messina und greift die Spanier von Luward her an. Die Galeren ziehen sich zuerst mit Hilfe der Riemen nach Luward aus dem Gefecht; auch die Schiffe brechen ab und lassen ein 40-Kanonenschiff zurück, das von du Quesne mit Booten genommen wird; die Spanier gehen nach Neapel (Verlust 4 Schiffe?), die Franzosen laufen in Messina ein. Wieder war es die höchste Zeit, die Stadt stand auf dem Punkte, zu kapitulieren.

Weitere Verstärkungen folgten nach; auch neue Kriegsschiffe stießen zur Flotte, geführt von Leutnantgeneral d'Alméras, der jetzt das Amt des Kontreadmirals übernahm (eines der Schiffe führte der bald berühmte de Tourville).

Die französische Flotte beherrschte die See, führte Lebensmittel für die Stadt heran und hinderte die Zufuhren der Spanier. Vivonne eroberte dann am 17. August fast ohne SchwertstreichAgostadurch eine Landung unter dem Schutz der Seestreitkräfte, jedoch warf man ihm vor, daß er nichts gegen die spanische Flotte in Neapel unternommenhabe; er verfügte im August über 29 Schiffe, 24 Galeren, 12 Brander. Das eigentliche Kommando über die Flotte hatte er, „durch seine Geschäfte an Messina gebunden“, übrigens bald andu Quesneabgegeben; französische Quellen sagen aber „wegen seiner Neigung zu Ruhe und Vergnügungen“. sein Beiname war „le gros crevé“ (Dickwanst). Auch den Landkrieg führte Vivonne lau, die Stadt blieb belagert. Weitere Unterstützungen an Lebensmitteln und Truppen waren nötig; auch die Flotte mußte instandgesetzt werden, weil man erfuhr, daß Holland den Spaniern Hilfe zur See unter Ruyters Kommando zugesagt hatte. Am 16. September wurde deshalb du Quesne mit zwei Dritteln der Flotte nach Toulon gesandt, um seine Schiffe zu überholen, die Unterstützungen zu beschleunigen und sie sicher heranzuführen. Verwaltung, Werften und Arsenale arbeiteten aber noch nicht zuverlässig, und so konnte der Admiral erst am 16. Dezember mit 20 Kriegsschiffen, 6 Brandern und verschiedenen Transportern Toulon wieder verlassen. Ruyter war schon Ende September in Cadiz angekommen, so daß die Absendung du Quesnes mit dem größten Teile der Flotte recht gewagt war; zu Vivonnes Glück wurde Ruyter lange aufgehalten.

Wenden wir uns nun zu diesem Eingreifen Hollands. Spanien hatteHollandumUnterstützung in Siciliengebeten. Wir wissen, daß schon Tromp im Herbst 1674 ersucht worden war, nach Messina zu gehen; nach Einmischung der Franzosen und besonders nach dem Siege Vivonnes (Februar 1875) wurden die Bitten um Unterstützung durch eine holländische Flotte immer dringender, ja man bat direkt umRuyter. Die meisten niederländischen Provinzen waren nicht geneigt, hierfür Mittel zu bewilligen; die Generalstaaten aber und auch wohl die Provinzen von Holland, besonders Amsterdam, fürchteten mit Recht, daß ein Festsetzen der Franzosen in Sicilien ihre Seeherrschaft im Mittelmeer sehr stärken und den holländischen Handel mit Italien und der Levante sehr gefährden würde. Außerdem sah man die alte Gefahr heraufziehen, Frankreich als unmittelbaren Nachbar zu erhalten: es verlautete nämlich, Spanien würde unter Umständen selbst seine Niederlande opfern, um Sicilien zu retten.

Die Verhandlungen im Lande führten zu der außergewöhnlichen Maßregel, daß nur eine Admiralität die erbetene Hilfsflotte stellte: Amsterdam erklärte sich bereit, die Schiffe zu liefern; von den 1½ Millionen Gulden Kosten sollte Spanien die Hälfte zahlen, 450000 wollte Amsterdam auf sich nehmen, so daß für die übrigen Provinzen nur 300000 blieben; die Admiralität der Maas wollte das Flottenflaggschiff stellen, aber nur um ihr altes Recht darauf zu wahren. Genannte Summe reichte nur zu der Indienststellung von 18 Kriegsschiffen, 4 Brandern, 6 kleinen Segeln und 2 Transportern; Spanien verpflichtete sich, 22–24 Kriegsschiffe und seine Galeren zu stellen.

Ruyter hielt die holländische Flotte für zu klein. Ihm war wohl bekannt, daß die französische Marine in jeder Hinsicht Fortschritte gemacht hatte; er achtete du Quesne hoch; er wußte, was von den Spaniern zu erwarten war. Die Generalstaaten aber hatten keine Aussicht, mehr Mittel zu erhalten, undbeurteilten auch wohl den Verbündeten und den Gegner anders. Ruyter mußte sogar kränkende Äußerungen hören; er beantwortete sie mit der ihm eigenen einfachen Würde, und die Zukunft sollte zeigen, wie richtig sein Urteil gewesen war.

Schon die Ausrüstung und die Ausreise der Expedition verlief ungünstig und langsam, dann waren die Spanier nicht fertig.

Kurz diese Ereignisse: Die Verhandlungen begannen im Frühjahr 1675 und waren im Juni zum Beschlusse gediehen, trotzdem konnte Ruyter erst am 29. August in See gehen. Als Vizeadmiral der Flotte war Jan den Haen kommandiert, ein tüchtiger Offizier, aber mit Ruyter nicht recht im Einverständnis; Kapitän Verschoor, selbst in seinem Dienstgrade noch jung, erhielt durch Gunst das Amt als Kontreadmiral. Ruyter war kränklich, erklärte aber auf abratende Vorstellungen seiner Verwandten, die Pflicht rufe, und er würde den Zug mitmachen, wenn er auch an Bord getragen werden müsse; ebenso hatte er auf die kränkenden Äußerungen geantwortet, er ginge, ohne Rücksicht auf sein Schicksal, wohin man ihn kommandiere, aber er wundere sich, „daß man die Ehre der holländischen Flagge so leichtsinnig aufs Spiel setze.“ Als böses Omen könnte man fast ansehen, daß sein altes ruhmreiches Flaggschiff („7 Provinzen“) nicht seetüchtig war; er ging an Bord der „Eendragt“ (76 Kanonen).

Sturm und widrige Winde verzögerten die Reise. Erst am 26. September kam er in Cadiz an und mußte hier 11 Tage ausbessern; die Ausrüstung der Schiffe war schlecht, wie sich während der weiteren Indiensthaltung immer mehr herausstellte. In Cadiz erhielt er Befehl, von der Ebromündung 7 spanische Linienschiffe abzuholen, den für Sicilien als Vizekönig bestimmten Don Juan d'Austria an Bord zu nehmen und sich in Palermo mit der spanischen Hauptflotte zu vereinigen. Die Reise wurde zu einer Argonautenfahrt, auf die wir nicht genauer eingehen wollen[208]: Sturm und Gegenwinde; den Haen mit 7 Schiffen im Sturm abgesprengt; keine spanischen Schiffe an der Ebromündung, auch nicht in Barcelona (14. November); hier 14 Tage durch Befehle und Gegenbefehle aufgehalten; d'Austria kommt nicht „wegen Krankheit“, in Wahrheit, weil er in Ränke gegen die Königin-Regentin verwickelt war. Am 4. Dezember ist Ruyter in Cagliari, den Haen in Neapel; am 20. Ruyter in Melazzo (Nordküste Siciliens), hört hier, daß die Spanier in Palermo noch nicht schlagfertig sind und daß sie es auch wegen Uneinigkeit zwischen Vizekönig und Admiral, wegen Lauheit der Behörden und Materialmangels sobald nicht sein würden; selbst den Haen wurde dort festgehalten. Endlich gegen Ende Dezember treffen den Haen und mit diesem 9 spanische Galeren sowie ein Kriegsschiff bei ihm ein; er kann am 31. in See gehen, um vor der Straße von Messina zu kreuzen und der Stadt die Zufuhren von Norden abzuschneiden; die spanische Hochseeflotte soll folgen, sobald sie bereit ist.

Anfang Januar1676 endlich vor der Straße von Messina angekommen, erfährtRuyter(über Neapel), daßdu Quesnevon Toulon aufgebrochen und schon an der Küste Sardiniens gesehen sei; er beschloß, ihm entgegenzutreten. Da der Wind verhinderte, die Straße zu passieren, und den Feind hinter dieser zu erwarten, so suchte er ihn auf. Am 6. befand er sich dicht unter der Insel Lipari und hörte von Küstenschiffern, man könne die Franzosen von den Bergen aus in Nordwest sehen; ein auf die Insel Salina gesandter Offizier bestätigte dies. An demselben Tage erfuhr der Admiral auch, daß die Spanier von Palermo ausgelaufen seien. Am 7. früh sichtete mandie Franzosen im Norden Salinas, bei Südsüdwest-Wind über Steuerbord-Bug liegend und aufkreuzend. Ruyter hielt mit vollen Segeln auf sie zu, drehte aber um 3 Uhr nachm. außer Kanonenschußweite bei und bildete die Gefechtslinie gleichfalls über Steuerbord. Dann rief er die Kommandanten an Bord und gab Anweisungen und Ermahnungen für die bevorstehende Schlacht; den Erschienenen soll sein sehr ernstes, ja gedrücktes Wesen aufgefallen sein.

Trotz der Luvstellung griff er an diesem Tage nicht an, sondern hielt sich auf Parallelkurse mit dem Feinde. Ein leichtes Schiff war während der Nacht nah am Gegner stationiert, um dessen Bewegungen zu signalisieren. Um Mitternacht sprang der Wind auf Westsüdwest und frischte so auf, daß die spanischen Galeren unter Lipari Schutz suchen mußten. Gegen Morgen wendeten beide Flotten, die Franzosen zuerst. Durch das Umspringen war der Wind für die Franzosen zur Fortsetzung der Reise günstig geworden, und sie standen jetzt zu Luward; du Quesne sandte seine Transporter voraus mit Kurs nach Messina, bildete mit der Flotte die Schlachtlinie und näherte sich den Holländern.

Jetzt erst konnte Ruyter die Stärke des Feindes genau feststellen, bisherige Nachrichten hatten von nur 12 Linienschiffen gesprochen.

Die Flotten setzten sich zusammen:

1)Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;2)darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen;3)darunter 1 zu 47 Kanonen und 1 spanisches;4)„Snauwen“ zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge.

1)Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;

1)Darunter 3 zu 90 Kanonen, aber fraglich, ob vollarmiert;

2)darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen;

2)darunter 2 zu 76 Kanonen; 1 zu 68 Kanonen;

3)darunter 1 zu 47 Kanonen und 1 spanisches;

3)darunter 1 zu 47 Kanonen und 1 spanisches;

4)„Snauwen“ zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge.

4)„Snauwen“ zu 8 Kanonen, 36 Mann; seit 1674 an stelle der Advijsjachten aufgeführt; kuttergetakelte Fahrzeuge.

Die Franzosen waren also an Größe der Schiffe und damit in der Armierung wesentlich überlegen; daß die französische Armierung auch in der Kaliberverwendung stärker war, ist uns bekannt. Die Besatzungsstärke — d. h. die gleicher Schiffsgrößen — war diesmal annähernd gleich. Die Flotten, in 3 Geschwader geteilt, wurden geführt auf holländischer Seite: Vorhut Verschoor; MitteRuyter; Nachhut den Haen; auf französischer Seite: Vorhut de Preuilly; Mittedu Quesne; Nachhut de Gabaret — d. h. so war die Rangierung in der Schlacht, da beide Flotten in „Kehrt“ standen.[209]

„Abraham du Quesne“, 1610 in Dieppe geboren, Sohn eines Seemannes, der zur See gefallen war, diente in der königlichen Marine und auch mehrere Jahre zu Kriegszeiten in der schwedischen. Nach Frankreich zurückgekehrt, zog er die Freibeuterei dem Dienst in der verfallenen Marine vor; erst unter Colbert trat er wieder ein. 1672 bis 1674 der befähigtste Admiral der Flotte im Kanal; 1674–1678 hervorragend im Mittelmeer, zeichnete sich auch später noch gegen die Barbaresken aus. Nur weil er Protestant war, wurde er nicht zum Vizeadmiral der Levante ernannt, obgleich er diesen Posten[377]ausfüllte — dieser Posten blieb so lange unbesetzt; er erhielt auch nicht den Marschallsstab trotz seiner Taten. Von Charakter fest und gerecht, war er ein vorzüglicher Vorgesetzter und Organisator der jungen Marine, aber kein bequemer Untergebener, besonders nicht den durch Hofgunst Bevorzugten gegenüber. Er starb 1688. — Daß Ruyter ihn als tüchtigen Gegner anerkannte, zeigt dessen Antwort auf die Frage eines englischen Kapitäns, was Ruyter vor Messina mache: „Ich erwarte den tapfern du Quesne.“

Trotz der Stellung in Lee und trotz der Übermacht des Feindes nahm Ruyter den Kampf zwischen den Inseln Stromboli und Panaria an. DieSchlacht bei Stromboli am 8. Januar 1676[210]ist besonders bemerkenswert wegen Ruyters Verhalten.

see captionAbraham du Quesne.

Abraham du Quesne.

Warum benutzte er die günstige Windstellung am 7. nicht zum Angriff? Warum nahm er am folgenden Tage den Kampf unter scheinbar ungünstigen Umständen an? Zwar haben wir ihn im letzten Kriege seine Schlachten behutsam vorbereiten aber dann doch — selbst gegen Übermacht — mit äußerster Energie, ja Tollkühnheit durchführen sehen, wenn ein Schlagen nötig war. Daß er auch hier unbedingt dem Feinde den Weg nach Messina verlegen wollte, wird durch sein Bleiben am Feind und sein Schlagen am anderen Tage bewiesen.

Die holländischen Quellen sagen nun: Am 7. habe Ruyter zunächst beidrehen müssen, um Nachzügler zu erwarten, später sei der Tag zu weit vorgeschritten gewesen; als er am 8. die Stärke des Feindes genau erkannt, sei ein Rückzug zu gefährlich gewesen. Beides erscheint nicht unbedingt zutreffend: Ruyter mußte am 7. damit rechnen, daß der Wind sich bis zum nächsten Tage zu seinen Ungunsten ändern könne; sein „gedrücktes“ Wesen läßt darauf schließen, daß er auch an diesem Tage schon die Stärke des Gegners erkannt hatte und deshalb vom Angriff absah. Ich möchte andere Beweggründe für wahrscheinlicher halten. Ruyter brauchte nicht durchaus anzugreifen, um seinen strategischen Zweck zu erreichen. Du Quesne mußte es, wenn er seine Reise fortsetzen wollte; zögerte dieser mit dem Angriff, so konnte jeden Augenblick die spanische Flotte zur Verstärkung der holländischen eintreffen. Hierin ein Grund für Ruyters Verhalten am 7. Januar.

Hierzu kommt nun, daß ein so erfahrener Seemann wie Ruyter vielleicht schon die Vorteile der Defensive — auch in der Leestellung —, die in der bisher üblichen Taktik noch nicht gewürdigt wurden, erkannt hatte; Vorteile, die besonders ins Gewicht fielen, wo es sich darum handelte, mit schwächeren Kräften einem Gegner von feurigem Mut, aber mangelnder Seemannschaft entgegenzutreten. Dies kann den Admiral des weiteren bestimmt haben, dem Feinde am 7. den Angriff zu überlassen und am 8. den Kampf in einer scheinbar ungünstigen Stellung — der Leestellung — anzunehmen.

see captionDie Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.

Die Schlacht bei Stromboli, 8. Januar 1676.

DieSchilderung der Schlachtwird zeigen, daß die Holländer tatsächlich infolge der Vorteile einer Defensive in der Leestellung imstande waren, dem starken Angriffe zu widerstehen; die Schlacht bei Stromboli gibt teilweise ein Bild der Defensivtaktik, die die Franzosen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. den Engländern gegenüber oft mit großem Erfolge durchführten.

Die beiden Flotten lagen über Backbord-Bug in Kiellinie beim Winde. Gegen 9 Uhr vorm. hieltdu Quesneab und lief mit der ganzen Linie schräg auf die Holländer zu; ein Manöver, das schwer mit Genauigkeit auszuführen ist und den Angreifer in ungünstiger Lage dem Breitseitfeuer aussetzt, weil dieser selbst wenig Geschütze verwendbar hat und den Bug dem Enfilierfeuer darbietet; die bisher vorzügliche Ordnung ging denn auch verloren. Das französische Spitzenschiff stürzte sich (gegen 10 Uhr) tollkühn auf die Mitte der feindlichen Vorhut, erlitt sofort schwere Beschädigungen in der Takelage und war genötigt, aus der Linie zu holen; nicht besser erging es dem zweiten Schiffe, beide waren wohl etwas voraus. Der dann folgende Admiral Preuilly hatte beim Abhalten zu wenig Raum gelassen, seine nachfolgenden Schiffe waren infolgedessen zu nahe aufgeschlossen, als sie querab vom Feinde wieder an den Wind gingen; sie schoben sich zum Teil nebeneinander und hinderten sich gegenseitig im Feuer (Lage 1). Außerdem[379]kamen die französischen Schiffe nacheinander ins Gefecht; es ist dies eine fast unvermeidliche Folge der gewählten Angriffsart. Der Angriff du Quesne's auf die holländische Mitte verlief deshalb ähnlich, auch hier wurden die beiden ersten Schiffe durch überlegenes Feuer sehr zusammengeschossen. Sonst scheint die französische Mitte mit mehr Ordnung wieder an den Wind gegangen zu sein; auch bei der Vorhut wurde die Ordnung bald wiederhergestellt. Die Holländer leisteten überall kräftigen Widerstand und „keines ihrer Schiffe sah man, das nicht einen Gegner dicht an der Seite hatte“.

Ruytersoll nun aber doch mit seinen beiden vorderen Geschwadern fortwährend Raum gegeben haben. Es ist nicht ersichtlich, ob dies ein Geständnis der Schwäche oder ein taktisches Manöver war, um den Gegner aufs neue zum Herangehen in ungünstiger Lage zu verleiten.

(In späteren Zeiten verfuhren nämlich die Franzosen so, allerdings mit mehr Methode: Eine Gruppe von 2–3 Schiffen hielt ab, gedeckt durch Pulverrauch und das Feuer der übrigen. Nach und nach bildete sich so eine neue Linie, die dann die letzten Schiffe der ursprünglichen Linie bei ihrem Abhalten durch Feuer deckte und aufnahm.)

Das Gefecht währte hier bis gegen 4½ Uhr nachm.; drei französische Brander, zwei davon auf Ruyters Schiff angesetzt, wurden zwischen den kämpfenden Linien entmastet und verbrannten nutzlos. Das Ende des Kampfes ist nicht genau aus den Überlieferungen zu erkennen; Ruyter brach ab, die Franzosen verfolgten nicht. Wahrscheinlich waren sie zu sehr beschädigt, wenigstens bedauerten sie den Mangel an Galeren zur Verfolgung. Die nachgekommenen spanischen Galeren schleppten stark beschädigte Holländer aus dem feindlichen Feuer, sonst hatten sie sich nur durch Abgabe einiger Schüsse aus den Buggeschützen auf weite Entfernung am Gefecht beteiligt.

Auch über den Kampf der Nachhuten sind die Angaben ungenügend; er trennte sich frühzeitig von dem der anderen Geschwader. Infolge der Angriffsart mußte er natürlich zuletzt beginnen, die Trennung scheint aber auch noch andere Gründe gehabt zu haben. Du Quesne warf Gabaret vor, den Anschluß an die Mitte verloren und nicht mit derselben Energie angegriffen zu haben; Gabaret entschuldigte sich mit der Lauheit einiger seiner Schiffe und deren ungeschickten Manövern.

Es gab dies und ein anderer Vorfall — einige Tage später auf dem Marsche beschädigten zwei Schiffe der Nachhut einander so, daß sie fast entmastet wurden — du Quesne Anlaß, dem Könige zu berichten, daß manche Kommandanten aus Mangel an Übung, aber auch infolge nicht genügender Beachtung der Instruktionen durch nachlässige Führung ihrer Schiffe die Aufrechterhaltung der Schlachtlinie gefährdeten. Mit ziemlich deutlichen Worten bittet er, Maßregeln zur Abstellung dieses Übelstandes zu ergreifen.[211]

Auf holländischer Seite scheint aber der Führer der Nachhut auch an der Trennung schuld gewesen zu sein. Anstatt auf seine Mitte aufgeschlossen zu bleiben und das Manöver des Abhaltens dann mitzumachen, scheint er seinen Gegner erwartet zu haben; ein Fehler, dem wir schon öfters als Grund der Trennung eines Geschwaders von der Flotte begegnet sind. Er hätte dadurch in eine gefährliche Lage kommen können, denn du Quesne sandte gegen Ende des Kampfes den Kapitän Tourville (Kommandant von Nr. 5 der Mitte) mit 3 oder 4 Schiffen ab, um ihn von Lee aus anzugreifen und ganz von seiner Flotte zu trennen. Zu den Haens Glück gelangte infolge abflauenden Windes nur ein französisches Schiff (Nr. 7 der Mitte) zum Angriff; dieses kam nun selbst in schwierige Lage, entzog sich ihr jedoch durch geschickte Manöver und vereinigte sich mit der Nachhut (Lage 2). Hier brach das Gefecht mit Eintritt der Dunkelheit ab; beide Nachhuten stießen wieder zu ihren Flotten.

Die Verlustesind nicht ganz sicher bekannt. Die geringsten Angaben sprechen von 400 Toten und Verwundeten bei den Franzosen und von 250 bei den Holländern;[380]hier fiel Verschoor, dort waren du Quesne verwundet und zwei Kommandanten getötet. Ein holländisches Linienschiff sank, während es schwer beschädigt nach Palermo geschleppt wurde; die Franzosen behaupten, nur ihre drei Brander eingebüßt zu haben. Gerüchte von einem größeren Verluste sollen durch den vorhin erwähnten Zusammenstoß auf der Weiterreise entstanden sein. Beide Parteien rühmen den Mut und die Geschicklichkeit des Gegners in der Schlacht; auf französischer Seite zeichnete sich besondersTourvilleaus, und du Quesne schlug ihn zur baldigen Beförderung (Chef d'Escadre) vor; wie wir sehen werden, lohnte Tourville seinem Chef diese Anerkennung später schlecht.

Für dieGeschichte der Seetaktikist die Schlacht bemerkenswert. Sie zeigt dieVorteile der Leestellungbei einem Angriff, wie die Franzosen ihn ansetzten, mit ihren Folgen für den Angreifer: Unordnung in der Linie; die Vorhut zuerst der ganzen Heftigkeit des feindlichen Feuers ausgesetzt, die Schiffe nacheinander ins Gefecht eintretend; lahmgeschossene Schiffe vorn, die die folgenden in Verwirrung bringen. Hier fielen sofort zwei französische Schiffe aus, zwei wurden schwer beschädigt, wodurch die Überlegenheit der Zahl nahezu aufgehoben war.

Ruyterhatte durch die Schlacht den Feind wohl aufgehalten, die Fortsetzung seiner Reise konnte er jedoch nicht hindern. Am 9. besserten beide Flotten aus, vormittags noch in Sicht voneinander. Gegen Abend stießen 9 Spanier zu den Holländern, allerdings fast nur Fregatten; man beschloß, dem Feinde weiter den Weg zu verlegen. Schon am Abend des 10. sichtete man die Lichter der Franzosen, aber am anderen Morgen sah man, daß auch diese Verstärkung erhalten hatten; es war der in Messina bei du Quesne's Abgang im September zurückgebliebene Teil der Flotte: 10 Linienschiffe, 1 Fregatte, 3 Brander unter Generalleutnant d'Alméras, die am 10. abends herangekommen waren. Ruyter fühlte sich nun nicht stark genug, anzugreifen; er ging nach Melazzo zurück, um weitere Spanier heranzuziehen.Du Quesneerreichte wohlbehalten Messina aber erst am 22. Januar. Er hatte es doch vorgezogen, den Weg westlich um Sicilien zu nehmen: „günstigerer Windverhältnisse wegen“? Es ist dies ebenso auffallend, wie, daß er „nach dem Siege am 8.“ trotz der erhaltenen Verstärkung den Feind nicht aufsuchte. Er hat den weiteren Weg doch wohl gewählt, weil er nicht wagte, mit dem Feinde in der Flanke durch die Straße zu gehen. Nun ließen ihn allerdings „günstige Windverhältnisse“ in verhältnismäßig kurzer Zeit die wieder in großer Bedrängnis befindliche Stadt erreichen; andernfalls wäre vielleicht Messina gefallen. Es war also ein Zufall, daß die Schlacht nicht ein strategischer Erfolg Ruyters wurde.

Nach der Schlacht von Stromboli trat im Seekrieg eine längere Pause ein. Wie schon erwähnt, wurde der Landkrieg lau geführt. Die Franzosen hatten nur in Messina und in Agosta festen Fuß gefaßt; Messina wurde weiter belagert und bedurfte stets der Zufuhren, die die französische Flotte ermöglichen mußte. Sonst aber unternahm diese nichts von Bedeutung, und auch Ruyter war längere Zeit untätig an der italienischen Küste.

Da die vertragsmäßige Zeit für die Gestellung der holländischen Flotte abgelaufen war, rüstete Ruyter zur Rückreise, um nicht wie Tromp 1674 die Frist der Indiensthaltung zu überschreiten. Aus verschiedenen Gründen — behufs besserer Ausrüstung; um gegebenenfalls einen Convoi mit Schiffen zu verstärken, den sein Sohn in Livorno[381]sammelte; um schneller Nachrichten aus Holland zu erhalten — ging er zur italienischen Küste; hier erhielt er Befehl, noch länger bei den Spaniern zu bleiben. Aufs neue hatte er sich bitter über diese beklagt: Über ihre schwache Beteiligung und darüber, daß sie weder für die Ausrüstung der eigenen Schiffe, noch für die der holländischen genügend sorgten.

Holland drängte Spanien, mehr zu tun; es erbot sich auch, neue Schiffe gegen Erstattung eines Teiles der Kosten hinaus zu senden, stieß aber auf passiven Widerstand.

Am 23. Februar 1676 kehrteRuyternach Palermo zurück und trieb zuneuen Operationenan. Man wußte einerseits, daß Frankreich den Abgang großer, für Messina sehr notwendiger Unterstützungen in Toulon vorbereite, anderseits, daß jetzt viele Einwohner Messinas mit der Herrschaft Frankreichs unzufrieden waren. Der Zeitpunkt erschien günstig, einen kräftigen Angriff zuLande und zu Wassergegen die Stadt zu unternehmen. In Melazzo, wo sich der spanische Vizekönig mit dem Hauptquartier der Landarmee befand, wurde am 24. März der Entschluß hierzu gefaßt. Die Flotte der Verbündeten ging am nächsten Tage in See, passierte am 26. ungehindert die Straße und legte sich der Stadt gegenüber an die Küste Kalabriens, aus seemännischen Gründen einige Tage später an die Siciliens südlich von Messina, um den Landangriff abzuwarten. Die Operationen zu Lande hatten jedoch keinen Erfolg, und Ruyter sah ein, daß von See her überhaupt nichts zu machen sei, weil die starke feindliche Flotte in und vor dem Hafen lag; er ging deshalb in See, um die von Süden her erwarteten Convois abzufangen.

Es ist nicht zu ersehen, warum die französische Flotte untätig blieb; französische Quellen sagen, sie sei durch Windverhältnisse bis zum 29. festgehalten. An diesem Tage ging Vivonne an Bord, um selbst den Feind aufzusuchen; er ließ sich aber — scheinbar sehr gern — durch die Vertreter der französischen Partei in der Stadt zurückhalten und übergab wiederum das Kommando der Flotte an du Quesne. Dann herrschte längere Zeit sehr stürmisches Wetter, das auch für Ruyter sehr beschwerlich war und ihn hinderte, einen inzwischen ins Auge gefaßten Angriff aufAgostaauszuführen. Als er endlich am 20. April vor dieser Stadt erschien, erfuhr er, daß sie jetzt zu gut vorbereitet sei, daß die spanischen Landtruppen auch hier zu schwach zur Unterstützung seien und daß die französische Flotte herankomme. Diese war am 19. und 20. endlich ausgelaufen; Ruyter ging ihr am 21. abends entgegen, obgleich sie ihm wesentlich überlegen war.

Zusammensetzung der Flotten[212]in derSchlacht von Agosta[213]22. April 1676:

1)Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen sagen; sie kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes nach Messina.2)Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens 50-Kanonen-Schiffe.3)Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie sehr schwache Kaliber — nur sechs 32-Pfünder in Summa —, waren sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition etc. versehen. den Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt, daß die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials verkauft hätten.

1)Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen sagen; sie kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes nach Messina.

1)Französische Galeren sind nicht dabei gewesen, wie einige Quellen sagen; sie kamen erst später als Bedeckung des großen Transportes nach Messina.

2)Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens 50-Kanonen-Schiffe.

2)Die Holländer sind dieselben wie bei Stromboli, also meistens 50-Kanonen-Schiffe.

3)Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie sehr schwache Kaliber — nur sechs 32-Pfünder in Summa —, waren sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition etc. versehen. den Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt, daß die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials verkauft hätten.

3)Nach französischen Angaben waren die Spanier noch schwächer armiert, als hier in den Klassen einrangiert; jedenfalls führten sie sehr schwache Kaliber — nur sechs 32-Pfünder in Summa —, waren sehr schwach bemannt und ungenügend mit Munition etc. versehen. den Haen berichtete z. B., daß sie keine Reservesegel an Bord gehabt, daß die Offiziere Teile der Munition, des Proviants und Materials verkauft hätten.

Auf seiten der Verbündeten bildeten die Holländer Vor- und Nachhut unterRuyterund den Haen, die Spanier die Mitte (von den Holländern ihnen „aus Ehrerbietung für den König“ überlassen) unterde la Cerda; die Galeren standen unter de Bayona. Bei den Franzosen befanden sich als Flaggoffiziere: Vorhut Generalleutnant d'Alméras; Mittedu Quesne; Nachhut de Gabaret; hinzutraten als Divisionsführer die Chefs d'Escadre de Valbelle, de Tourville, de Preuilly.

Am 22. April morgens sichteten sich die Gegner; die Franzosen standen etwa 18 Seemeilen nördlich von Agosta bei flauem Nordwestwinde zu Luward; du Quesne bildete die Gefechtslinie und steuerte heran, Ruyter hielt zunächst von der Küste ab. Gegen Mittag wurde es still, dann kam leichter Südwind auf; jetzt stand Ruyter zu Luward und näherte sich seinerseits zum Gefecht. Bei der Flaute gebrauchte er längere Zeit, um Mitte und Nachhut zur Bildung der Gefechtslinie heran kommen zu lassen; um 3 Uhr Nachmittags hielt er dann zum Angriff ab.

Der Verlauf der Schlacht.Ruyterführte sein Geschwader auf die Vorhut des Feindes. Sein Stoß (4 Uhr) war sehr erfolgreich. Bald fällt d'Alméras, 2 Kommandanten werden schwer verwundet und einige Schiffe zeitweise außer Gefecht gesetzt; das französische Geschwader gerät infolgedessen in Unordnung. Ruyter soll beabsichtigt haben, die feindliche Vorhut zu durchbrechen und von ihrer Mitte abzuschneiden; dies gelang nicht und hätte auch nicht dazu geführt, die feindliche Mitte mit Übermacht anzugreifen. Die Spanier nämlich folgten nicht eng aufgeschlossen der Vorhut, hielten nicht zum Nahkampf ab, sondern führten ein Feuergefecht auf weite Entfernung. So kam auchden Haen, der seinerseits auf die Spanier aufgeschlossen fuhr, zunächst nicht ins Gefecht. Aufgebracht hierüber und ungeduldig setzte er sich an die Spitze seines Geschwaders (gegen 5 Uhr) und suchte den Nahkampf, gleichzeitig mit dem Bestreben, sich an Ruyter anzuschließen; um dieses Manöver zu unterstützen, braßte Ruyter back.[214]Auch auf französischer Seite strebtedu Quesne, von den Spaniern nicht angegriffen, nach vorn seiner bedrängten Vorhut zu; so hatte Ruyter das Feuer der an ihm vorüberziehenden feindlichen Mitte auszuhalten. Der zweite und Hauptmoment der Schlacht scheint dann ein Kampf zwischen den beiden holländischen Geschwadern und der französischen Mitte und Nachhut gewesen zu sein; längere Zeit lagen sich Ruyter, unterstützt von einem Schiff unter Graf Styrum, und du Quesne, unterstützt von Tourville und Preuilly, gegenüber.

„Eine halbe Stunde etwa, nachdem der Kampf heftig geworden war,“ also dicht vor oder dicht nach dem Backbrassen,fiel Ruyter; ihm war der linke Fuß und der rechte Unterschenkel zerschmettert, die erste Verwundung in seinem Leben. Sein Flaggkapitän,Callenburgh, führte das Geschwader mit Umsicht weiter, aber auch der Admiral gab noch Anordnungen, wie er auch später noch den Bericht über die Schlacht aufsetzte.

Die Dunkelheit trennte die Gegner; wie gewöhnlich behaupten beide, der Feind habe abgebrochen. Die spanischen Galeren schleppten während des Gefechts beschädigte Schiffe der Vorhut mit Mut und Tapferkeit aus dem Feuer; von den Hochseeschiffen der Mitte haben sich einige flämisch-spanische bei dem Kampfe Ruyters mit der feindlichen Mitte wacker beteiligt, nachdem Callenburgh den spanischen Admiral dringend um Herankommen ersucht hatte. Das laue Verhalten der Spanier im allgemeinen wurde von den Holländern hart verurteilt, jedoch später etwas mit der Schwäche und dem schlechten Zustande ihrer Schiffe entschuldigt; aber selbst der Vizekönig berichtete dem Könige, daß seine Flotte nicht ihre Schuldigkeit getan habe — im damaligen Spanien eine seltene und gewagte Aufrichtigkeit.

Die Schlacht muß man als „unentschieden“ bezeichnen; beide Gegner wollen das Schlachtfeld behauptet haben, was zutrifft. Die verbündete Flotte blieb die Nacht in der Nähe, beigedreht und ausbessernd, und ging am andern Morgen nach Syrakus, teilweise im Schlepp der Galeren. Die Franzosen sah man von den Toppen aus unter kleinen Segeln ebenfalls ausbessernd; beide Parteien waren eben nicht imstande, etwas zu unternehmen. Du Quesne zeigte sich zwar einige Tage später vor Syrakus, ging dann aber nach Messina (Ankunft 1. Mai).

Man muß wohl fragen, was Ruyter bewogen hat, bei der eigenen Schwäche und der Stärke des Gegners diese Operation gegen Messina zu unternehmen. Hoffte er auf einen erfolgreichen Landangriff, wollte er dabei die französische Flotte nur beschäftigen und rechnete er hierbei dann wieder auf einen großen Nutzen der Galeren? Vertraute er später bei einem Kampfe in offener See auf seine und der Seinigen größere Seemannschaft; dieses vielleicht gerade nach den Erfahrungen bei Stromboli? Man sagt, er habe gewünscht, bei einer Seeschlacht die spanischen Schiffe zwischen die holländischen zu verteilen; jedenfalls befahl er später noch, die holländischen Geschwader nie wieder zu trennen.

Ruyters Tod.Die Verwundung gab anfangs noch Hoffnung auf Heilung. Bald aber verschlimmerte sich der Zustand, er konnte den Bericht über die Schlacht nicht mehr unterschreiben und starb am 29. April abends. Er war 69 Jahre alt, hatte 58 Jahre zur See gedient, über 40 Gefechte mitgemacht — darunter 15 große — und in 7 Schlachten kommandiert. Zunächst in Syrakus begraben, wurde die Leiche Ende 1676 von der heimkehrenden Flotte nach der Heimat übergeführt und am 16. März 1677 in Amsterdam mit großer Feierlichkeit beigesetzt (Denkmal in der „Neuen Kirche“). Auch außerhalb Hollands wurden Ruyters Verdienste anerkannt; alle Verbündeten sandten Beileidschreiben an die Regierung und an die Witwe.[215]Der König von Spanien hatte ihn nach der Schlacht von Stromboli zum Herzog ernannt und ihm eine jährliche Pension ausgesetzt; beides ging auf den Sohn über, der Titel wurde auf dessen Wunsch in Baron[384]geändert. Selbst Ludwig XIV. gab den Befestigungen Befehl, das Schiff mit der Leiche zu salutieren, falls es nahe genug passiere und angekündigt sei.

Das Interesse, das wohl jeder Leser für den großen und sympathischen Seehelden gewonnen hat, läßt es angebracht erscheinen, hier am Schluß seiner Laufbahn noch einige Urteile über ihn hinzuzufügen. (Personalien vgl. Seite205.)Mahansagt (Seemacht, Teil I, Seite 142): „In der Schlacht bei Solebay bewies Ruyter einen Grad der Geschicklichkeit und Tatkraft, wie man sie nach ihm bis zu den Zeiten Nelsons und Suffrens zur See nicht wieder zu sehen bekam. Seine Schlachten 1672–1674 waren keine „behutsame Unternehmungen“, wenn sie auch behutsam ins Werk gesetzt wurden; sein Ziel war stets die vollste Niederwerfung des Feindes, indem er taktische Geschicklichkeit mit ungestümem Draufgehn vereinigte. Bei Solebay war er etwas schwächer als sein Feind, später war er es immer in viel höherem Grade.“ Derselbe Verfasser nach der Schlacht bei Texel (Seite152abgekürzt): „Texel schließt die lange Reihe der Kriege ab, in denen England und Holland um die Seeherrschaft kämpften; die holländische Marine stand auf ihrem höchsten Punkt und ihre größte Zierde, Ruyter, auf dem Gipfel seines Ruhmes, das Alter von 66 Jahren hatte ihm nichts von seinem kriegerischen Feuer geraubt; sein Angriff war noch ebenso ungestüm wie vor acht Jahren, aber Erfahrung hatte sein Urteil gereift, wie die größere Klarheit seiner Pläne und sein scharfer militärischer Blick erkennen lassen. Er unternahm, um das Vaterland zu retten, den Kampf gegen einen überlegenen Gegner mit einer Marine, die ihm ihre Tüchtigkeit verdankte; er vollbrachte die Aufgabe nicht durch Mut allein, sondern durch Mut, Voraussicht und Geschicklichkeit. Der Angriff bei Texel war in den allgemeinen Zügen derselbe wie bei Trafalgar: Vernachlässigung der Vorhut des Feindes, Angriff mit ganzer Macht auf Mitte und Nachhut; sein Erfolg war geringer als der Nelsons, da sein Gegner ihm in größerem Maße überlegen war als diesem.“ Ebendort: „Noch einmal wird uns dieser einfache und heldenhafte Mann begegnen und, wenn auch unter traurig veränderten Verhältnissen (Mittelmeer 1676), in seinem Wesen immer derselbe.“ — Dieser hohen Anerkennung seiner Fähigkeiten aus maßgebender Feder mögen einige Angaben folgen, dieRuyters Charakterkennzeichnen. Der schon früher angezogene Graf vonGuiche, Kriegsfreiwilliger im zweiten Kriege, schreibt nach der Viertageschlacht: „Ich sah ihn niemals anders als ruhig und gleichmäßig; wenn der Sieg gesichert war, so sagte er stets, der liebe Gott hätte ihn uns geschenkt. Als die Flotte in Unordnung war und beim Anblick der Verluste schien ihn nur der Gedanke an das Unglück seines Landes zu bewegen; aber stets unterwarf er sich dem Willen Gottes. Es möge noch erwähnt sein, daß er etwas von der Einfachheit unserer Patriarchen hatte. Einen Tag nach dem Siege traf ich ihn, wie er sein Zimmer ausfegte und seine Küken fütterte.“

Brand(„Leben Ruyters“, Teil II, Seite 165) führt — als er davon gesprochen, daß sonst unverzagte Kriegsleute sich auch einmal weniger tapfer zeigen könnten — eine Erzählung Ruyters an, die er „aus des Admirals eigenem Munde“ habe. Kurz gefaßt ist sie folgende: Vor einem größeren Treffen fühlte sich Ruyter gegen alle Gewohnheit kleinmütig und zögerte, die letzten Befehle zu geben. Er begab sich deshalb allein in seine Kajüte, fiel auf die Knie und bat Gott in kurzem, aber andächtigem Gebet, ihn in dieser Stunde nicht zu verlassen, sondern ihm zum Besten seines Vaterlandes beizustehen. Nach diesem Gebet verließ ihn „alle Bangigkeit, und die gewöhnliche Ruhe und Freudigkeit seines Geistes bekam wieder die Oberhand“. Er gab seine Befehle mit standhaftem Mut und führte die Aktion glücklich durch, den Erfolg nachher Gottes Beistand zuschreibend.

Ergreifend ist endlich die Schilderung seiner letzten Tage: wie er noch während der Schlacht für seine Flotte betet, später die Schmerzen mit Geduld erträgt und mit Ergebung dem Tode entgegensieht.

Die verbündete Flotteging am 6. Mai südlich um Siciliennach Palermo; es spricht nicht für die französische Leitung, daß diesnicht verhindert wurde, obgleich am 21. April sogar noch 25 Galeren in Messina eingetroffen waren. Erst Ende Mai beschloßVivonnein Person, den Feind in Palermo anzugreifen — nach französischen Quellen endlich angetrieben durch Eifersucht auf du Quesnes Erfolge und auf die Nachricht, daß man in Paris damit umginge, ihn durch einen schneidigeren Mann ablösen zu lassen; er schiffte sich auf dem Flaggschiffe Tourvilles ein, um dessen Rat zur Hand zu haben. Die ganze Flotte der Hochseeschiffe — 29 Kriegsschiffe, 9 Brander — sowie 25 Galeren liefen am 28. Mai aus; die Nachricht hiervon traf am 30. in Palermo ein. Auf Antreibenden Haens, auf den der Befehl über die Holländer übergegangen war, nahmen die Verbündeten eine Verteidigungsstellung ein, die Holländer sofort, die Spanier nach und nach bis zum 1. Juni: Die Schiffe — 27 aller Größen — wurden in der Bucht im Halbmond verankert, durch Warpanker mit den Breitseiten nach See zu gehalten; den rechten Flügel bildeten nur spanische Schiffe, die Mitte und den linken Flügel hauptsächlich holländische, aber einige Spanier darunter; die Flügel lehnten sich an Batterien auf der Mole und an kleinere Befestigungen, die Mitte wurde durch das Hauptfort des Hafens verstärkt; die Galeren waren auf die Flügel und zwischen den Schiffen verteilt, um Brander abzuwehren.

DieSchlacht vor Palermo[216]am 2. Juni 1676sollte eine der größten Erfolge dieser Waffe werden, die allerdings unter sehr günstigen Umständen verwendet wurde.

Die Verbündeten hatten beschlossen, vor Anker zu fechten, weil verschiedene Schiffe infolge von Mangel an Material noch nicht wieder seeklar waren; das holländische und das spanische Flaggschiff (jetzt Admiral d'Ybarra) wechselten Masten. Ruyter würde wahrscheinlich mit den segelfertigen Schiffen in See gegangen sein; noch vor Agosta hatte er erklärt, unter keinen Umständen ein Gefecht vor Anker zu liefern, selbst nicht den Feind in einer Bucht zu erwarten; die Folgen bestätigten die Richtigkeit seiner Ansicht. Die Holländer hatten aber wohl zu wenig Vertrauen auf die Spanier, waren selbst niedergedrückt durch Ruyters Tod und rechneten mit einem kräftigen Rückhalt an den Befestigungen.

Vivonne ließ am 1. Juni durch Tourville und Gabaret auf einem kleinen Fahrzeuge, gedeckt durch die Galeren, die feindliche Stellung erkunden und griff am Morgen des 2. an. Ein Geschwader von 9 Schiffen nebst 6 Brandern ging unter Preuilly gegen den rechten Flügel vor und legte sich ebenfalls auf Spring[217]den Schiffen auf Kabellänge querab; die Brander griffen durch Pulverrauch gedeckt an. So bedroht kappt der spanische Vizeadmiral zuerst sein Kabel und treibt auf den Strand; die meisten seiner Schiffe folgen dem Beispiel; 3 Schiffe verbrennen, 2 Galeren werden vernichtet. Das Gros der Franzosen ist inzwischen gegen Mitte und linken Flügel ebenso vorgegangen. Es findet zwar kräftigeren Widerstand, doch das Schicksal des rechten Flügels wirkt entmutigend, um so mehr, da auch hier die Brander Erfolg haben: ein holländisches Flaggschiff fängt Feuer, treibt und entzündet 2 andere Schiffe, alle 3 fliegen auf; das spanische Flaggschiff (bei der Mitte) schlägt zwar 2 Brander ab, 2 andere aber kommen heran, die ganze Besatzung springt über Bord, d'Ybarra (und auch de la Cerda, als Freiwilliger weiter an Bord verblieben) ertrinken dabei, das Schiff fliegt auf. So entsteht auch hier[386]Panik; 4 Holländer kappen und treiben an Land, die meisten Spanier und alle Galeren flüchten in den inneren Hafen; auch Teile der Stadt werden in Brand geschossen und eine Batterie wird aufgesprengt. Nur wenige Schiffe unter den Haen (Mitte) und Callenburgh (linker Flügel) kämpften tapfer weiter; den Haen fiel.

Vivonne brach das Gefecht ab, als seine Brander sämtlich verbraucht waren. Der Verlust der Verbündeten wäre wohl noch bedeutender gewesen, wenn dem Feinde mehr Brander zu Gebote gestanden hätten; der Angriff auf das spanische Flaggschiff war schlecht ausgeführt, er kostete allein 4 Brander. Die Holländer schreiben die Hauptschuld an der Katastrophe der mangelhaften Unterstützung seitens der Befestigungen und der Galeren zu; diese hätten die Brander unschädlich machen können. Die Franzosen haben das Manöver des Längsseitgehens und Ankerns trotz heftigen Feuers unter Preuilly, Tourville mit dem Flaggschiff der Flotte und du Quesne mit dem Spitzenschiff des Gros vorzüglich ausgeführt.

Die Verluste der Verbündeten waren ungeheuer.Die Holländer verloren 2 Flaggoffiziere, 260 Tote und viele Verwundete, mindestens 3 Linienschiffe; die Spanier 4 Flaggoffiziere, 8 Kommandanten, 1700 Mann, mindestens 4 Linienschiffe, 2 Galeren und verschiedene kleinere Fahrzeuge. Der Verlust der Franzosen war unbedeutend, an Fahrzeugen nur 1 Schiff und die Brander.

Wiederum ist es auffallend, daß die Franzosen den Kampf nicht bis aufs äußerste durchführten. Vivonne konnte mit seiner Artillerie auch nach Verbrauch der Brander den Erfolg noch erhöhen; er konnte — wie ihm vorgeschlagen wurde — an einem der nächsten Tage mit neuhergestellten Brandern die Zerstörung fortsetzen. Statt dessen ging er nach Messina zurück, und wiederum schreiben dies französische Angaben seiner Lässigkeit (insouciance) zu; nach seiner Äußerung „hatte er genug getan“, es zog ihn nach seiner Residenz zurück. Immerhin war mit dieser Niederlage der Verbündeten die Kriegführung zur See um Sicilien zu Ende. Die Franzosen beherrschten die See, eine ebenbürtige Flotte stand ihnen nicht mehr gegenüber. Holland wollte, nach all den Opfern und von Spanien nicht unterstützt, seine Schiffe nicht mehr einsetzen, die Spanier waren weder imstande, ihre Seestreitkräfte zu verstärken, noch mit den vorhandenen ohne die Holländer etwas zu unternehmen; sie verblieben in dem möglichst verstärkten Palermo.

Auch für denLandkrieg auf Sicilienhätte diese Schlacht entscheidend werden müssen. Die französische Flotte hatte ihre Hauptaufgabe erfüllt, sie beherrschte die See und hinderte jede Unterstützung der spanischen Armee auf der Insel, falls man überhaupt zu einer solchen imstande gewesen. Frankreich brauchte nur genügend Truppen und einen tüchtigeren General hinüberzusenden. Vivonne aber führte den Krieg in der bisherigen Weise fort: vereinzelte Vorstöße, um die Lage Messinas zu verbessern; Angriffe auf andere Küstenstädte, um dort Fuß zu fassen; alles jedoch ohne Nachhalt, auch wenn vereinzelte Erfolge errungen waren. Man darf ihm aber die Schuld nicht allein zuschieben. Er verfügte zwar zunächst noch über eine starke Flotte, seine Landmacht dagegen war gering und litt sehr unter Krankheiten. Allerdings erhielt er von Zeit zu Zeit Nachschub, dieser war jedoch stets nur schwach und minderwertig; seine Klagen hierüber — selbst bei Frau von Montespan, seiner Schwester — blieben erfolglos. Der König und Louvois — dieser eifersüchtig auf Colbert — betrachteten die Operationen in Sicilien immer mehr nur als eine Diversion für ihren Krieg mit Spanien an den Landesgrenzen; sie hatten ungeheure Kosten verursacht und als Erfolg eigentlich nur einigen Ruhm für die junge Marine gebracht.

Als sich England 1678 Frankreichs Feinden zuneigte und mit Holland in Verhandlungen über eine gemeinsam ins Mittelmeer zu entsendende Flotte eintrat, zog man die Truppen aus Messina zurück und überließ die Stadt den Spaniern.

Die weiteren Ereignisse zur See[218]seien nur kurz erwähnt. Nach dem Kampfe bei Palermo befahl die holländische Regierung ihrer Flotte, nach Neapel zu gehen, um hier auszurüsten und um einen neuen Admiral (Kontreadmiral van Almonde, über Land kommend) zu erwarten. Der interimistische Chef, KapitänCallenburgh, führte den Befehl Anfang August aus; er stieß dabei auf die mächtige französische Flotte unter du Quesne, entzog sich aber ihr sehr geschickt.

Am 13. August sichtete Callenburgh nicht weit von Neapel den Feind, 24 Kriegsschiffe mit einem Convoi. Tagsüber manövrierte er, als ob er die günstige Windstellung für ein Gefecht gewinnen und halten wolle. Nachts aber änderte er nach und nach den Kurs nach Westen, kam so dem Feinde aus Sicht, hielt sich noch einige Tage fern von der Küste und erreichte dann wohlbehalten Neapel am 20. August.

Inzwischen begann Holland wieder Unterhandlungen mit Spanien über Entsendung einer neuen Flotte. Da diese aber nicht vorwärts kamen und auch die Gelder für die erste Expedition nicht gezahlt wurden, rief manAlmondezurück. Dieser verließ am 4. Oktober Neapel, blieb einige Zeit in Cadiz — falls Spanien sich noch besinnen sollte —, mußte wegen Sturm und Eis England anlaufen und kam endlich, Ende Januar 1677, in Holland an.

Auf französischer Seite wurdedu Quesnewenige Tage nach der Schlacht von Palermo mit der ganzen Hochseeflotte nach Toulon gesandt, um Zufuhr an Truppen, Kriegsmaterial und Proviant zu holen. Ende Juli kehrte er mit 24 Kriegsschiffen und einigen Transportern (6 Schiffe mit weiteren Truppen folgten bald) zurück und traf, wie erwähnt, auf Callenburgh, ohne daß es zum Zusammenstoß kam.

Wohl hatte er die Absicht, die Holländer anzugreifen. Als diese sich ihm aber entzogen, sah er von weiterem Suchen ab; er mußte zunächst die sehnlichst erwarteten Zufuhren abliefern, außerdem drohte der Flotte durch den schlechten Gesundheitszustand der eingeschifften Truppen Gefahr.

Von jetzt ab treten in dem Kriege keine größeren französischen Flotten mehr auf; auffallenderweise werden keine Versuche gemacht, die Reste der spanischen und holländischen Seestreitkräfte zu vernichten. Nur kleinere Geschwader beteiligen sich an Unternehmungen gegen sicilianische Städte — z. B. 1676 Scaletta und Taormina genommen; 1676 und 1677 vergebliche Versuche gegen Syrakus —, die Hauptaufgabe bleibt, die Zufuhren von Frankreich nach Messina zu decken. In den Jahren 1677 und 1678 werden auch wieder kleinere Geschwader zur Unterstützung des Landkrieges an der spanischen Grenze verwendet. Größere Aktionen zur See kamen auch hier nicht vor, selbst nicht als 1678 nochmals die Holländer hier erschienen, wie wir gleich hören werden. Es hat den Anschein, als ob die französische Flotte infolge von Reibungen zwischen den militärischen und den administrativen Behörden in Toulon weniger leistungsfähig geworden war.

Im Februar 1678 ging ein größeres Geschwader nach Messina unter dem Marschall de la Feuillade, der Vivonne ablösen sollte; man wollte diesem dieDemütigung ersparen, Sicilien zu räumen. Um Unruhen in der Stadt vorzubeugen, ordnete der neue Vizekönig zunächst Maßregeln an, die auf eine energischere Kriegführung hinzudeuten schienen. Als aber unter diesem Vorwande alles zur Einschiffung bereit war, erklärte er auf einem Gastmahle mit den Behörden plötzlich, daß sein König die Truppen zurückzöge. Der Abzug aus den verschiedenen besetzten Plätzen begann Mitte März, am 1. April verließen die letzten Franzosen die Insel.

Die Räumung Sicilienswar, wie wir wissen, beschlossen, da man das Erscheinen einer englisch-holländischen Flotte im Mittelmeer befürchten mußte; sie wurde beschleunigt, als man erfuhr, daß einholländisches Geschwaderschon ausgerüstet werde. Dieses Geschwader hatte nur noch wenig Gelegenheit zu nützen, doch führte seine Reise zu einemletzten Zusammenstoß mit den Franzosen.

Don Juan d'Austria hatte in Spanien an Stelle der Königin-Mutter die Regierung für den unmündigen König übernommen; er bat im Jahre 1677 Holland wieder um Unterstützung unter den früheren Bedingungen und zahlte auch einen Teil der rückständigen Gelder ab. Holland war aber vorsichtig geworden, die Unterhandlungen zogen sich hin und die Rüstungen wurden nur fortgesetzt, wenn die Geldraten eintrafen. So war die Flotte — 18 Kriegsschiffe, 6 Schnauven, 6 Brander — erst im Februar 1678 fertig und wurde dann noch teilweise durch Eis festgehalten. Dennoch erhielt der Führer, VizeadmiralCornelis Evertsen(genannt „der Jüngste“ als der dritte dieses Namens, Sohn des Leutnantadmiral Jan E.) Mitte Februar den Befehl, mit 9 Schiffen und 5 Brandern auszulaufen; der Rest sollte baldmöglichst folgen. Es geschah wohl, um Frankreich zu zeigen, daß man Ernst mache, und um England anzufeuern. Mit der Entsendung einer so kleinen Macht verscherzte man die Gelegenheit, den Franzosen eine Schlappe zuzufügen, und setzte sie selbst einer Gefahr aus. Evertsen, einige Zeit in England aufgehalten, traf am 17. März, etwa 30 sm. westlich von Kap Ouessant auf den Chef d'EscadreChateau-Renaultmit 6 schweren Linienschiffen. Auch dieses Geschwader war von Brest nach Sicilien bestimmt, um bei der Räumung mitzuwirken, und gleichfalls durch verzögerte Ausrüstung verspätet. Die Franzosen griffen an. Infolge schweren Seeganges, der das Öffnen der untersten Pforten verbot, blieb das etwa sechsstündige Gefecht ohne große Folgen und ohne Entscheidung; die Nacht trennte die Gegner und Evertsen erreichte Cadiz, wo er die in Holland zurückgelassenen Schiffe schon antraf.

Die holländische Flotte traf erst am 26. März 1678 in Cadiz ein. Sie war also für Sicilien nicht mehr nötig und kam auch zu spät, um gegen den Abzug der Franzosen verwendet zu werden, wenn sie nicht sofort weiterging. Aber wie zu Ruyters Zeit wurde sie durch mangelnde Unterstützung, durch Befehle und Gegenbefehle von Madrid festgehalten. Erst Ende Mai führte sie Truppen nach Barcelona, blieb dort etwa drei Wochen an der Küste, ohne mit dem Feinde zusammenzustoßen, und wurde dann nach Holland zurückgerufen, weil Spanien wiederum seinen Verpflichtungen nicht nachkam.

So endeten die holländischen Unternehmungen im Mittelmeer.Sie hatten große Summen gekostet, große Verluste — besonders den Ruyters — gebracht und fast keine Erfolge gehabt, wenn auch die verhältnismäßig schwachen, zu schwachen Kräfte ihre Pflicht getan und die Ehre ihrer Flagge hoch gehalten hatten. Die größere Schuld an demMißerfolge trifft wohl die Spanier, und die Folgen des Zusammengehens mit ihnen fühlte Holland noch lange nach: Spanien zahlte nur dürftig ab. Noch 1684 bestand eine Forderung an diesen Staat von 6 Millionen Gulden, 1713 von 4 Millionen und die Zinsen von 30 Jahren; die Schulden der holländischen Admiralitäten waren aufs neue vermehrt worden, was von größtem Nachteil für das Seewesen der Republik wurde.

Ehe wir die Schilderung dieses französisch-holländischen Krieges schließen, müssen über denkleinen Krieg[219]gegen den Handelwenige Worte gesagt werden. Holland gab bekanntlich in den Jahren 1672 und 1673 die Freibeuterei stets frei, sobald im Herbst die Operationen der Flotten aufhörten. Die Freibeuterei richtete sich von 1674 [** an?] natürlich gegen die Franzosen und wurde wie immer hauptsächlich von den Seeländern betrieben; vom Mittelmeer bis zum Kanal schwärmten ihre Fahrzeuge, oft in kleinen Geschwadern. Sie haben auch dem Gegner großen Schaden getan; so wurden z. B. allein im Jahre 1676 in spanischen Städten 71 von seeländischen Freibeutern aufgebrachte französische Handelsschiffe verkauft. Aber auch die Niederlande erlitten im kleinen Kriege schwere Verluste, weil ihr Handel unverhältnismäßig größer war. Wenn man auch stets Geschwader am Eingange des Mittelmeeres hielt, um die Levantefahrer zu sichern — die schon der Barbaresken wegen stets unter Bedeckung segeln mußten — und ferner die Handelsschiffe durch den Kanal begleiten ließ, so wurden doch viele von ihnen durch Freibeuter der französischen Küste oder durch kleine Kriegschiffsgeschwader von St. Malo und Brest abgefangen.

Der größte Feind des niederländischen Handels wurde seit 1674 wiederDünkirchen, wie die Stadt es zu Anfang des Jahrhunderts gewesen war. Sie hatte, wie wir wissen, seit jener Zeit mehrfach ihren Herren gewechselt und war dadurch sehr heruntergekommen. England soll absichtlich ihren Hafen haben verfallen lassen, so daß ihn nur kleine Fahrzeuge benutzen konnten; Ludwig XIV. stellte wohlweislich, im Hinblick auf die wichtige Lage, diesen Übelstand wieder ab. Solange der Krieg zwischen England und Holland währte, konnten die Dünkirchener ihr Lieblingsgewerbe noch nicht aufnehmen, die Holländer hatten meistens ihre Schiffahrt eingestellt und auch zu starke Kriegsflotten in See; sobald aber der holländische Handel nach dem Frieden von Westminster wieder kräftig betrieben wurde, erschienen auch die Freibeuter der Stadt in großer und immer größer werdender Zahl von schnellsegelnden Jachten und Fregatten mit 2–24 Kanonen, oft in Geschwadern. Jetzt schon tat sich der später berühmteJean Barthervor. Holland sah sich bald genötigt, wie in den älteren Zeiten einen förmlichen Krieg gegen dieses Gemeinwesen zu führen. Anfangs sandte man einige leichte Schiffe gegen die Freibeuter aus, später war man gezwungen, ständige Geschwaderaufzustellen, deren Kern kleinere Linienschiffe bildeten. Der Krieg wurde wie vor 30 Jahren geführt: Mit vorzüglichem Personal aller Nationen bemannt, holten die Dünkirchener selbst Fahrzeuge aus den niederländischen Seegatten heraus, griffen große Convois an, ja planten 1676 sogar, sich Briels oder Hellevoetsluis' zu bemächtigen; die holländischen Geschwader mußten immer stärker gemacht werden, um Dünkirchen zu blockieren, die eigenen Küsten reinzuhalten, ihre Ostseefahrer durch die ganze Nordsee zu geleiten und die Fischereigründe zu überwachen. Trotz alledem fügten die verwegenen Gegner dem Handel schweren Schaden zu; trotz der Blockade liefen sie nachts und im Sturm ein und aus.

Rückblick auf die Kriegführung zur See von 1674–1678.In seiner Geschichte des niederländischen Seewesens erhebt de Jonge Einwand gegen den Vorwurf in den meisten Geschichtswerken, daß nach dem Frieden von Westminster in dem holländischen Seewesen kein rechtes Leben mehr gewesen und von seinen Seestreitkräften nicht viel mehr geleistet sei. Er erinnert an alle die hier besprochenen Unternehmungen, zu denen noch die Beteiligung am schwedisch-dänischen Kriege tritt. Er weist dann darauf hin, welche Anstrengungen besonders von der Admiralität Amsterdam gemacht seien, indem von dieser die ganze Flotte Ruyters im Mittelmeer und der größte Teil der Schiffe gegen Schweden, gegen Dünkirchen, zum Schutz der Convois sowie für die Expeditionen nach Westindien gestellt wäre; dieser Admiralität seien solche Leistungen möglich gewesen, da man hier die nötigen Mittel habe aufbringen können. Als Gründe hierfür führt de Jonge an, daß die Provinzen von Holland stets die für das Seewesen bestimmten Gelder zahlten. Dies kam nun den Admiralitäten von Amsterdam, Maas und Norderquartier zu gute; so waren auch die beiden letzten imstande, sich an den Rüstungen zu beteiligen, Amsterdam aber am meisten, weil sein Handel bei weitem der einträglichste war. Der Zuschuß der Landprovinzen fehlte allen Admiralitäten, und da die beiden anderen Seeprovinzen auch schon seit Jahren unregelmäßig und ungenügend zahlten, so waren ihre Admiralitäten, Seeland und Friesland, derart in Schulden geraten, daß ihre Kontingente nach und nach ganz ausfielen; ihre immer schwächer werdende Beteiligung haben wir schon im 2. und 3. englisch-holländischen Kriege gesehen. Soweit de Jonge.

Alles dieses bestätigt doch aber nur, daß die Rüstungen zur See im allgemeinen zurückgegangen sind, auch die Angaben über die Indienststellungen beweisen dies: Schon 1674 zählten die Flotten Ruyters und Tromps zusammen nur 45 Linienschiffe und Fregatten; für 1676 gibt die Zusammenzählung der Kräfte im Mittelmeer, Ostsee, Westindien und gegen Dünkirchen kaum eine größere Zahl. Im Kriege 1672–1674 aber waren Flotten von 64–75 Schiffen aufgestellt.

Der Hauptgrund für diese Herabsetzung war wohl die Erschöpfung des Landes, sahen wir doch selbst Ruyter nach dem Frieden mit England für eine Verminderung der Flotte sprechen. Es mögen aber doch auch die Verhältnisse eingewirkt haben, die schon in den früheren Kriegen oft dahin führten,daß die äußersten Anstrengungen nur gemacht wurden, wenn das Feuer auf den Nägeln brannte. Sonst aber wurde es der Regierung — den Generalstaaten und dem Prinzen von Oranien —, in einer Republik von Kaufleuten, in der stets eine große friedliebende Partei vorhanden sein wird, schwer, Beschlüsse durchzubringen, die die Entfaltung einer großen Macht und damit die Durchführung größerer strategischer Pläne ermöglichten; der Mangel an Zentralisation in der Marineverwaltung erschwerte dies noch mehr, es hatten eben in allen Dingen zu viele mitzusprechen.

Wenn sich Amsterdam am meisten an den Rüstungen beteiligte, so ist dies nicht allein seinen reichlicheren Mitteln zuzuschreiben, sondern auch dem Umstande, daß hier das größere Verständnis für die Wichtigkeit der Kriegführung zur See vorhanden war. Es zeigte sich dies schon in den früheren Kriegen, und auch jetzt in den Jahren 1674–1678 gehen die Forderungen, zur See etwas zu unternehmen, stets von den Provinzen von Holland aus; de Jonge sagt: „Hier war der Geist de Witts noch nicht ganz verschwunden.“

Daß im übrigen die Republik erschöpft war, kann nicht wundernehmen. Die Hälfte ihrer Provinzen war lange Zeit in Feindeshand gewesen, und doch hatte sie den größten Teil der Kosten eines fast europäischen Krieges getragen. Sie mußte mit ihrem Gelde auch die Armeen der Verbündeten wesentlich unterstützen und viele stets geldbedürftige deutsche Fürsten dem Bunde gegen Frankreich treu erhalten; daß dies überhaupt möglich war, ist das Verdienst der Marine, die dem Lande immer wieder das Meer freigemacht hat.

Kommen wir nun zu denLeistungen der holländischen Marine, so drängt sich die Frage auf, ob diese nicht trotz der notgedrungen schwächer gewordenen Kräfte hätten größer sein können. Bei allen Operationen wird, auch von holländischer Seite, der Vorwurf erhoben, sie seien mit zu schwachen Kräften unternommen; gleichzeitig wird geklagt, daß der Handel so sehr durch französische Freibeuter geschädigt wäre. Würde es nicht richtiger gewesen sein, die Kräfte nicht zu zersplittern?

Ruyters Zug nach Westindien konnte nicht bedeutend auf den Verlauf des Krieges einwirken — noch weniger die späteren kleinen Expeditionen —, mit den hierfür verwendeten Kräften wäre wohl besser das Unternehmen Tromps verstärkt und dem sich wieder regenden Dünkirchen, sowie der feindlichen Freibeuterei überhaupt, rechtzeitig fest entgegengetreten. Wenn sich auch dann herausgestellt hätte, daß Tromp nichts von Bedeutung gegen die Küsten ausrichten konnte, hätte man der französischen Flotte im Mittelmeer ernstlich zu Leibe gehen müssen. Dasselbe ist von den späteren Jahren zu sagen, Ostsee und Mittelmeer zu gleicher Zeit war zu viel für die vorhandenen Kräfte. Stets fehlte ein Plan zu einheitlicher Verwendung der Seestreitkräfte, um ein wichtiges Ziel unbedingt zu erreichen; immer folgte man mehr augenblicklichen Antrieben, die oft wohl von interessierten Kreisen ausgingen. Die Zersplitterung führte nur zu Teilerfolgen (Ostsee), die auch nicht einmal immer dem Einsatz entsprachen (Tromp 1674), oder gar zu Verlusten(Mittelmeer, Westindien) und daneben konnte man den Handel nicht genügend schützen, was doch wichtig für die Fortsetzung des Krieges war.

Überdie Kriegführung der Franzosenist folgendes zu bemerken. Wohl war es richtig, daß sie sich im Atlantik auf die Defensive beschränkten — ausgenommen die Expeditionen nach Westindien, die mehr den Charakter der Privatzüge älterer Zeiten hatten. Wenn sie gezeigt hätten, daß sie hier den Seekrieg ernstlich zu führen beabsichtigten, so würde Holland ihnen seine ganze Macht entgegengestellt haben, und dieser waren sie nicht gewachsen. Im inneren Wert stand ihre Marine noch nicht auf der Höhe der holländischen und auch an Schiffen konnten sie noch nicht dieselbe Zahl aufstellen, weil das Personal fehlte; wir zählen in den Kriegsjahren 1674/78 kaum mehr als 40 Linienschiffe und Fregatten gleichzeitig im Mittelmeer und Atlantik: nur sind mehr schwerere Schiffe darunter als in den Jahren 1672/73. Im Mittelmeer aber war die französische Flotte mächtig und stets ihren Gegnern an Stärke und Zahl der Schiffe überlegen, so besonders bei dem Kampfe um Sicilien. Deshalb ist es befremdend, daß man von dieser Übermacht keinen tatkräftigeren Gebrauch gemacht hat.


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