see caption
Die von Natur sehr starke Lage der Festung war damals noch nicht ausgenutzt, der Fels noch nicht befestigt Im Mittelalter war die an der Westseite des Felsens terrassenförmig liegende Stadt nur mit Stadtmauer und Türmen umgeben, eine Mole (die alte) bildete den Galerenhafen. Später waren die Mauern durch modernere Umwallungen ersetzt, ein Fort im Süden der Stadt am Strande erbaut, durch eine neue Mole ein Hafen für Segelschiffe geschaffen und dieser durch kleine Kastelle auf dem Molenkopfe sowie am Strande geschützt; immer blieb es nur eine Befestigung zum Schutz gegen Überfälle der Barbaresken. Eine Citadelle war nicht vorhanden, weil das alte maurische Schloß in der Stadt als solche aufgegeben und ein Ersatz noch nicht geschaffen war; die bei Beginn des Krieges von französischen Genieoffizieren geplanten Verbesserungen hatte man noch gar nicht in Angriff genommen. Die Besatzung betrug kaum 100 Mann regulärer Truppen, die sonst zur Verfügung stehenden waren in den wichtigeren Häfen Andalusiens zusammengezogen; mit der Miliz gebot der Gouverneur kaum über 500 Mann und 100 Geschütze, eine Macht, für die selbst die vorhandenen Befestigungen noch zu ausgedehnt waren.
Nachdem der Angriff beschlossen war, ankerte die Flotte in der Tangerbucht. Hier wurden die Dispositionen ausgegeben und die Vorbereitungen getroffen. Ein kleines Geschwader wurde nach Osten gesandt, um auf der Höhe von Malaga als Vorposten gegen die Franzosen zu dienen, die Flotte segelte am 31. Juli zurAusführung des Angriffesnach Gibraltar hinüber.
Voran liefen 17 Linienschiffe nebst den 3 Mörserbooten unter KontreadmiralByng; sie waren zum Angriff von See aus bestimmt und ankerten am 1. August dicht unter der Stadt. Rooke mit dem Rest der Flotte, auf dem auch die Seesoldaten der[527]Schiffe Byngs eingeschifft waren, legte sich auf die Westseite der Bucht von Gibraltar. Sofort wurden 1800 Seesoldaten gelandet; sie marschierten unter Befehl desPrinzen von Hessennach der Landenge und schlossen die Stadt vom Festlande ab; der Prinz ließ diese im Namen König Karls zur Übergabe auffordern. Byng war von den Batterien mit Feuer empfangen, da er aber vor der Beantwortung der Aufforderungen die Feindseligkeiten nicht eröffnen sollte, warpte er seine Schiffe aus dem Feuerbereich. Während der Nacht traf keine Antwort ein. Byng gab am 2. August morgens den Befehl, die Beschießungsstellung einzunehmen. Während der Ausführung, die den ganzen Tag bis in die Nacht hinein in Anspruch nahm, kam die Antwort des Gouverneurs, daß er die Stadt als treuer Soldat verteidigen werde; Rooke sandte nun noch 5 Schiffe. Die Schiffe wurden folgendermaßen in eine Linie gelegt: 6 Holländer, 60–70 Kanonenschiffe unter v. d. Dussen, gegenüber der alten Mole; 10 Engländer, 70 Kanonenschiffe unter Byng, gegenüber der Stadt und dem Südfort; 6 Engländer, unter Kapitän Hickes, gegenüber der neuen Mole.
Der 2. August ging ohne ernstlichen Kampf hin. Die Spanier versuchten von Zeit zu Zeit durch ihr Feuer die Manöver zu hindern; Byng ließ während der Nacht, um den Feind zu beschäftigen, von den außer der Linie liegenden Mörserbooten einige Bomben werfen und ein französisches Schiff, das an der alten Mole lag, durch Boote verbrennen. Am 3. August mit Hellwerden war die Stellung eingenommen und zwar so nahe am Lande, daß z. B. Byng nur 1 bis 2 Fuß Wasser unter dem Kiel hatte. Die Spanier eröffneten wieder das Feuer, dieses wurde jetzt aber von allen Schiffen der Verbündeten breitseitweise beantwortet. Man sah noch die Einwohner, Frauen und Kinder, aus der Stadt nach der Kirche S. Maria von Europa, auf der Südspitze des Felsens gelegen, flüchten, dann nahm der Pulverrauch alle Aussicht, so daß Rooke durch Boote zunächst den Befehl geben mußte, das Feuer der oberen Batterien einzustellen, um überhaupt ein Zielen zu ermöglichen, später das Feuer ganz abzubrechen, um den Erfolg festzustellen. Es war gegen Mittag, der Feind hatte seit einer Stunde nicht mehr geantwortet. Das Feuer der Verbündeten scheint nicht viel Wirkung gehabt zu haben — nach de Jonge; die anderen Quellen schweigen darüber — nur auf Hickes' Division wurde bemerkt, daß das Fort auf der Südmole außer Gefecht gesetzt war und daß die Besatzung floh. Hickes sandte die Meldung an Byng, daß eine Landung hier Erfolg verspreche. Byng ließ seine sämtlichen Boote armieren und bat Rooke um die der übrigen Schiffe; schon ehe diese kamen, ging Hickes mit seinen Booten vor, die Byngs schlossen sich nach und nach an. Beim Nahen der ersten Boote begannen die Flüchtlinge aus der Kirche nach der Stadt zurückzuströmen; als das Flaggschiff dieses durch einige Schüsse hindern wollte, hielten die andern Schiffe es für das Signal zur Wiederaufnahme des Feuers, was für kurze Zeit geschah.
Die Landung fand keinen Widerstand, brachte aber doch empfindliche Verluste, da ein Pulvermagazin im Molenkastell durch Unvorsichtigkeit der ohne Ordnung Vordringenden aufflog; mehr und mehr verstärkt setzten sich die Gelandeten vor dem Südfort fest. Während des ganzen Tages hatte auch der Prinz von Hessen angegriffen; die Verteidiger waren überall hart bedrängt und die geflohenen Familien von der Stadt abgeschnitten, da schloß denn der Gouverneur auf eine erneute Aufforderung die Übergabe ab. Die Besatzung verließ am 4. August mit allen militärischen Ehren die Stadt. Diese wurde im Namen Karls III. in Besitz genommen; die Eroberung hatte den Verbündeten etwa 280 Mann gekostet, fast das Dreifache der Besatzung an regulären Truppen.
Rooke soll die nach der Übergabe geheißte Flagge Karls niedergeholt und die englische geheißt haben. Corbett sagt, nach neuern Forschungen in spanischen Quellen sei dies nicht der Fall gewesen, und die alte Behauptung sei wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, daß die Engländer auf den eroberten Werken zunächst ihre Flagge gesetzt hätten.
So war Gibraltar im Namen König Karls erobert. England besetzte es aber vorläufig und behielt es nach dem Friedensschluß; König Philipp V.mußte damit seine Anerkennung seitens Englands bezahlen. Englische Quellen sagen, die Stadt würde spanisch geblieben sein, wenn Karl III. den Thron behalten hätte. Da England schon lange einen Stützpunkt im Mittelmeer, besonders zur Beherrschung der Straße, wünschte, dürfte dies wohl nicht so ganz ausgemacht sein. Schon in diesem Kriege wurde Gibraltar ein beliebter Sammelpunkt für die Seestreitkräfte der Verbündeten, wenn es auch wegen Mangel an Einrichtungen noch nicht als Stützpunkt dienen konnte; dies blieb Lissabon bis zur Erwerbung Port Mahons.
Die Besitzergreifung Gibraltars hat dem Namen Rookes eine bleibende Erinnerung gesichert, das richtige Urteil und der Mut der Verantwortung, die er durch diese Tat bewiesen hat, sind ihm hoch angerechnet. „Mit Recht“, sagt hierüber z. B. noch Mahan, „denn Rookes richtigem Urteil und seinem Mut der Verantwortung verdankt England den Schlüssel zum Mittelmeer.“ Neuere englische Autoren, Corbett und Clowes, urteilen aber einschränkender. So führt Corbett aus, daß die Einnahme der Stadt keineswegs eine so hervorragende militärische Leistung gewesen wäre, als die sie so lange angesehen sei. Sie sei auch von andern Admiralen der Flotte, z. B. Byng, für keine schwere Aufgabe gehalten worden, aber „Rooke had always the grand manner and he approached it with all the pomp of a great operation“. Die gegebene Beschreibung dürfte dies bestätigen: 22 Linienschiffe und 2000 Mann gegen schwache Befestigungen und kaum 100 Soldaten.
Ebenso spricht Corbett dem Admiral das Verdienst der Übernahme einer großen Verantwortung ab: Rooke wußte, daß Gibraltar von Oraniens Zeit, ja schon von Cromwells an ein Ziel der englischen Regierung war, der Platz war ja auch in seiner Order als einer der zu nehmenden bezeichnet; er wußte, daß die beiden Könige, denen er augenblicklich unterstellt war, es sehr gern sahen. Rooke führte eine Proklamation Karls an „seine Stadt Gibraltar“ mit sich, und der Prinz von Hessen war gewiß mit dem Plane einverstanden, wenn er nicht gar dessen Urheber im Kriegsrate gewesen ist. Rookes einziges Verdienst war, daß er den Widerspruch einiger seiner Unterführer, die mit Rücksicht auf die französische Flotte dagegen waren, überwand.
Corbett belegt auch (Teil II, Seite 276) mit einer Äußerung Marlboroughs, daß dieser stets damit gerechnet hat, Gibraltar für England zu behalten.
Am Tage der Einnahme Gibraltars traf von England und Lissabon die Nachricht ein, daß die französische Flotte nicht wagen würde, Toulon zu verlassen, da sie wesentlich schwächer als die der Verbündeten sei, und Rooke wurde wieder auf Unternehmungen gegen Cadiz und Barcelona hingewiesen. Sein Kriegsrat verwarf Barcelona unbedingt, da es zu spät in der Jahreszeit und die Schiffe ausrüstungsbedürftig seien; er erklärte sich aber bereit, bis Mitte September bei einer Belagerung von Cadiz mitzuwirken, falls eine genügende Armee mit Belagerungstrain erschiene und eine Besatzung nachGibraltar gelegt würde. Beides war ausgeschlossen und somit der in diesem Sinne nach Lissabon gesandte Bericht eine Weigerung, irgend etwas zu unternehmen; man wollte nur Gibraltar sichern. Wahrscheinlich waren die Admirale anderer Ansicht über die Franzosen und, obgleich sie keine Nachrichten hatten, mit Recht.
Graf Toulousewar am 22. Juli von Toulon nach Barcelona gegangen, wohin man die Flotte der Verbündeten beordert glaubte; hier erhielt er die Nachricht vom Fall Gibraltars und den Befehl König Philipps, zur Rückeroberung der Stadt mitzuwirken — es koste, was es wolle —, ein Heer sei zu diesem Zwecke schon unterwegs. Toulouse war dem Gegner auch nicht unterlegen. Er führte 51 Linienschiffe, zu denen noch französische und spanische Galeren treten konnten, und ging sofort weiter. Rooke besaß auch nur 51 Linienschiffe; er hatte van der Dussen mit 5 Holländern nach Plymouth gesandt, um einen Convoi Kauffahrer sowie einen Transport mit Kriegsmaterial für Portugal zu holen, eine andere Division war nach den Azoren abgezweigt, um den brasilianischen Convoi heimzuführen.
Die Antwort auf seinen Bericht nach Lissabon erwartend, ergriffRookezunächst Maßregeln, Gibraltar zu sichern. Dem Prinzen von Hessen wurden 1800 englische Seesoldaten als Besatzung überwiesen und die 3 Mörserboote zur Verfügung gestellt; das technische Personal dieser sollte bei der Instandsetzung der Festung helfen. Die Flotte ging (12. August) nach Tetuan und nahm hier geschwaderweise Wasser, um stets bereit zu sein, dem Gegner entgegenzutreten. Am 19. August verließ Rooke den Wasserplatz und hielt östlich von der Straße nach Europa hinüber, 12 Schiffe waren noch beim Wassernehmen. An diesem Tage meldeten die bis Malaga vorgeschobenen Vorposten, daß der Feind gesichtet sei, er käme heran und stehe, bei östlichem Winde, etwa 30 Seemeilen zu Luward. Der sofort zusammengerufene Kriegsrat konnte nicht schlüssig werden: man befürchtete das Abschneiden der Schiffe in Tetuan; man fühlte sich nicht stark genug, ohne diese zu fechten; einige Stimmen waren gar dafür, den Gegner in der Bucht von Gibraltar zu erwarten, um die Festung zu decken. Noch während der Beratung traf die Meldung ein, daß die Franzosen nach Malaga abzuhalten schienen. Toulouse beabsichtigte, nachdem er den Feind gefunden hatte, die dort liegenden Galeren heranzuziehen und Wasser zu nehmen, dessen er dringend bedurfte; hätte er die augenblickliche Schwäche Rookes gekannt, würde er sich wohl kaum die günstige Gelegenheit zum Angriff haben entgehen lassen. Die Verbündeten beschlossen jetzt, die Hälfte der Seesoldaten von Gibraltar holen zu lassen, die Schiffe von Tetuan heranzuziehen und während dieser Zeit, sowie später, solange östliche Winde wehten, gefechtsbereit in der Straße zu kreuzen, um Gibraltar zu schützen; wenn der Wind westlich ginge, wollte man dem Feinde folgen, aber der vorgerückten Jahreszeit wegen nicht weiter als bis Malaga. Dementsprechend wurde verfahren. Die Flotte lag in Gefechtslinie bis zum Morgen des 20. August nach Norden, an diesem Tage brachten die Mörserboote und Brander die Seesoldaten; dann steuerte Rookenach Süden und vereinigte sich mit den schon am 19. benachrichtigten Schiffen von Tetuan. Während der verflossenen Nacht hatte man Signalschüsse der Franzosen gehört, die jedoch immer schwächer wurden; da am Tage nichts zu sehen war, nahm Rooke an, daß der Gegner ihm ausweichen wolle. Er kreuzte nun mit Segelpressen zwei Tage lang nach Osten auf. Am 23. morgens fürchtete man, daß es Toulouse gelungen sei oder noch gelingen könne, ungesehen nach Gibraltar zu kommen. Der Kriegsrat beschloß deshalb, nach der Straße zurückzukehren, aber kaum war nach Rückkehr der Admirale auf ihre Schiffe der neue Kurs aufgenommen, als die Franzosen, nordwestlich in Lee und vor dem Winde westwärts steuernd, gesichtet wurden.
Graf Toulousehatte am 22. August vor Malaga geankert, erhielt hier die Nachricht vom Herankommen der Verbündeten. Er ging am 23. mit Tagesgrauen wieder unter Segel, begleitet von den Galeren; unter Land laufend, während die Gegner auf einem Schlage nach Süden lagen, hatte er diese passiert, ohne sie zu sichten, und so seine Luvstellung verloren. Auf beiden Seiten mangelte es an Aufklärungsschiffen. Wie leicht hätte Toulouse Gibraltar und die dort liegenden Vorratsschiffe der englisch-holländischen Flotte überraschen können, er konnte aber auch dabei, da Rooke ja rechtzeitig den Entschluß zum Umkehren gefaßt hatte, in sehr gefährliche Lage kommen. Der Zufall hat hier beide Teile gleich gut bedacht.
Die Franzosen standen beim Sichten etwa 25 Seemeilen Süd von Malaga und bildeten sofort die Schlachtlinie über Steuerbord-Bug, auch Rooke formierte sich zum Gefecht und hielt auf den Feind ab. Der leichte und unbeständige östliche Wind hinderte an diesem Tage das Zusammentreffen, aber der Morgen des 24. August fand die Flotten auf etwa 12 Seemeilen Entfernung gefechtsbereit einander gegenüber; Rooke, zu Luward, hielt zum Angriff ab, Toulouse erwartete ihn unter kleinen Segeln (die Marssegel auf die Kappe geführt).
Die Schlacht bei Malaga, die einzige dieses Krieges und die letzte von Bedeutung in unserem Zeitabschnitt, entbrannte.
Die Zusammensetzung der Flotten.
1)3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.;Franzosen sehr überlegen.2)1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.; 1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.;3)sämtlich zu 80 K.;Franzosen überlegen.4)sämtlich zu 84–88 K.Die Verbündeten hatten 7–9 Dreidecker, die Franzosen 16.5)Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.; die Holländer zu 72 K.;Verbündeten an Zahl sehr überlegen.6)zu 70 oder 74 K.;7)Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.; Holländer zu 64 K.;Franzosen an Anzahl und Stärke überlegen.8)6 zu 60 K.; 6 zu 62–68 K.;9)Die englischen zu 50 K.; Holländer zu 52–54 K.;10)9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K.
1)
2)
3)
4)
5)
6)
7)
8)
9)
10)
Bemerkenswert zu unseren früheren Betrachtungen über die Schiffsklassen ist die geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbündeten, die große Zahl der 70 Kanonenschiffe und die Stärke der Franzosen an Dreideckern; doch schätzte Admiral Leake die englischen Zweidecker zu 80 den französischen Dreideckern zu 84–88 Kanonen an Gefechtskraft gleich.
Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausführlichen Liste in Clowes, Teil II, Seite 399, nahezu übereinstimmend mit holländischen und französischen Quellen. Die meisten Autoren geben für die Verbündeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied kommt daher, daß Rooke 2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, sondern zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben die Namen der Schiffe und der Kommandanten.
Hierzu traten bei den Verbündeten 12 leichtere Schiffe (24–50 Kanonen), 7 Brander, 2 Mörserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6–30 Kanonen) und 9 Brander, auch verfügte Toulouse über 22 (24?) französische und spanische Galeren, die mit ihren 500–700 Mann und 4–6 schweren Kanonen im Bug, dabei unabhängig vom Winde und geeignet zum Rammen, wohl eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und standen in zweiter Linie.
Die Flaggoffizierewaren auf seiten der Verbündeten: Vorhut — Admiral Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte —Rooke, Kontreadmirale Dilkes und Byng; Nachhut (Holländer) — Leutnantadmiral Callenburgh, Vizeadmiral von Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut — Generalleutnant de Villette, Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; Mitte —Graf Toulouse(als Vorder- und als Hintermann je ein Chef d'Escadre), Generalleutnant de Coêtlogon, Chef d'Escadre de Pointis; Nachhut — Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville und de la Harteloire.
Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert für die Geschichte der Seetaktik.Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, in dem die Engländer immer mehr ausgesprochen eine Taktik nur schematisch durchführen, nämlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranführen der Flotte genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff gegen Schiff, beides unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von jedem Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an einer Stelle mit Übermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des Heranführens der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt worden, daß die Franzosen im nächsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart eine Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die reine Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus, und mankann mit Recht sagen, daß die Seetaktik gegen die Zeiten der geschickten Manöver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rückschritt gemacht hatte und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer niedrigeren Stufe stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies wirklich allein, wie lange angenommen ist, dem Mangel an Verständnis oder Interesse für Taktik seitens der Seeoffiziere, vornehmlich der englischen, zuzuschreiben ist oder nicht teilweise eine natürliche Folge der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war.
Corbettsagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: „Es muß daran erinnert werden, daß es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen zuerst wohl bei Texel 1665, eingeführt hatte. 1697 veröffentlichte Hoste[267]sein Werk über Seetaktik; seitdem war keine Schlacht geschlagen, seine Ansichten können also wohl als die zu jener Zeit allgemein anerkannten betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das Hauptziel, einen Teil des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man hatte es in der ersten Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der feindlichen Linie mittels plötzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein Schiff der Kiellinie nach dem andern, so daß die Kiellinie erhalten bleibt, im Gegensatz zum „Wenden zugleich“ vgl. Seite260, Fußnote) versucht, dieses Verfahren war aber wegen der damit verbundenen Gefahren in Mißachtung gekommen. Hoste lehrte nämlich, beim Angriff dürfe ein Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umständen angewendet werden, z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder wenn der Feind durch ungeschickte Manöver eine Lücke darböte; wenn der Feind gute Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren solle man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge größerer Schiffszahl die feindliche überrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen während der Schlacht solle nur ausgeführt werden, wenn man sich durch Niederkämpfen von 2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lücke geschaffen habe. — Auf eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders hervorragenden Persönlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast naturgemäß als Rückschlag ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der Feind sich eine Blöße gäbe oder an einer Stelle niedergekämpft werden würde. Daraus mußte die Ansicht entstehen, daß diejenige Flotte die größte Aussicht habe, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, die am längsten Formation hielte. Das Bestreben, dies zu tun, mußte also für wichtiger gehalten werden als der Versuch, schon durch Ansetzen des Angriffes einen taktischen Erfolgzu erringen.“ Diese Auslassungen Corbetts sind gewiß beachtungswert, aber doch wohl etwas zugunsten der Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; die größere militärische Einsicht der französischen Offiziere wird jedenfalls durch den Umstand gekennzeichnet, daß sie zu ihrem Vorteil mit der Taktik der Engländer rechnen lernten, während diese zu ihrem Nachteil bis 1782 daran festhielten.
Die Schilderung der Schlacht bei Malaga[268](24. August 1704) wird zeigen, daß die Engländer dort in vollem Maße diese unvollkommene Taktik verwenden, daß aber auch die Franzosen nur einen schwachen Versuch machen, durch Manöver einen Vorteil zu erringen.
Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder Bewegung des Feindes leichter folgen zu können, steuerte Toulouse mit halbem Winde; nach Hostes Ansicht die gefährlichste aller Lagen, da sie selbst einem schwächeren Gegner die Gelegenheit gäbe, die Nachhut ungestraft zu dublieren. Die französische Mitte war etwas nach Lee eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter Tourville bei Beachy Head der Fall gewesen war, muß man fast eine Absicht annehmen; die englischen Offiziere sollen darin ein vorläufiges Zurückhalten dieses Geschwaders und damit die Vorbereitung eines verstärkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umständen, gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut, er führte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie gewöhnlich entstanden durch das lange Steuern in Dwarslinie und das schräge Herangehen Lücken zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der Führer der Vorhut, Shovel, drehte deshalb auf halbe Kanonenschußweite querab vom Admiral der französischen Vorhut (Villette) bei, um Rooke herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader lagen sich schweigend und abwartend gegenüber. Nun stand Shovels Flaggschiff um eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische Linie überragte also die französische um ein Schiff. Das französische Spitzenschiff meldete dies durch Zuruf von Schiff zu Schiff seinem Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel folgte diesem Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die Gefahr lag um so näher, als die französische Vorhut zwei Schiffe mehr als die englische zählte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel und Rooke noch größer. Toulouse beabsichtigte jetzt, in diese Lücke einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von Luward aus zu dublieren und seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, die englische Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht eintreten könnte, und ließ Mitte und Nachhut Segel mehren.
Rooke, der unter Segelpreß herankam, erkannte zwar nicht die wahre Absicht Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der ganzen feindlichen Flotte, um die englische vorn zu dublieren. Obgleich er noch nicht so nahe am Feinde war, wie er beabsichtigt hatte, gab er doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen und Eröffnen des Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah von seinem Manöver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter Dilkes, wandten sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so die Minderzahl der englischen Vorhut aus; Rooke befand sich querab von Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider Flotten genau Schiff gegen Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbündeten scheint erst nach längerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Führer,[534]Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres Geschwaders lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12 Holländer 17 (16?) Franzosen gegenüberstanden, müssen die Franzosen vorn um 2 oder 3 Schiffe überragt haben, doch griffen hier wohl die hinten überschießenden Nummern Rookes ein.
ImGefecht der Vorhutenerrangen die Engländer Erfolg, sie waren ja auch etwas überlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff Villettes am Heck infolge einer Explosion in Brand und war genötigt, die Linie zu verlassen; ein Teil der andern Schiffe folgte, da sie das Abhalten für ein taktisches Manöver hielten. Admiral Leake war dafür, den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz über den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen, um nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wäre wohl richtig gewesen, denn imGefecht der Mittenstanden die Engländer nicht gut. Rooke und seine nächsten Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenüber und im Zentrum der Verbündeten befanden sich außerdem mehrere Schiffe, die bei der Beschießung Gibraltars viel Munition verbraucht hatten; etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, die Linie zu verlassen. Die übrigen Schiffe der Mitte waren hart bedrängt und litten schwer, so insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lücke einzudringen, sah Shovel vom Ausnutzen seines Sieges ab und führte die Linie seines Geschwaders über den Hintersteven in diese Lücke. (Durch „backing astern“; das Manöver wurde seinerzeit aufs höchste bewundert.) Er rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe fanden jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb erhalten, die überschießenden Schiffe wurden weder zur Verfolgung der weichenden Franzosen noch zum Dublieren der feindlichen Linie vorn benutzt.
DasGefecht der Nachhutenscheint erst kurz vor diesem Ereignis begonnen zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden nach Lee aus, und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den Kampf ab; die Verbündeten drängten nirgends nach.
Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hört man fast nichts. Nach de Jonge versuchten einige, das Schlußschiff der Holländer von achtern anzugreifen; sie wurden aber bald abgewiesen, der holländische Kommandant hatte Geschütze achteraus bringen lassen. Auch Branderangriffe werden nicht erwähnt, dagegen sprechen de Jonge und französische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch sämtlich schon vor dem Zusammenstoß durch Geschützfeuer abgewiesen seien. Nach französischen Angaben sollen die schweren Verluste und Beschädigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge von Bombenfeuer der Mörserboote und auch aus Geschützen anderer Schiffe gewesen sein. Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschützen auf ihren Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die holländischen Mörserboote, daß sie, auch wenn sie noch bei der Flotte gewesen wären, kein wirksames Feuer hätten abgeben können: die See sei so bewegt gewesen, daß die Franzosen damit das Nichteingreifen der Galeren entschuldigt hätten. Engländer und Holländer schreiben den großen Verlust der französischen Schiffe deren stärkeren Besatzungen und der besseren Artillerie der Verbündeten zu; wir wissen, daß die Engländer von jeher besonders ihr Feuer gegen die feindlichen Besatzungen, weniger gegen die Takelage richteten.
Der Kampf war sehr hartnäckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke berichtete, alle Schiffe der Verbündeten hätten ihre Pflicht getan, auf seiten der Franzosen habe die Mitte mit großer Tapferkeit gefochten, Vorhut und Nachhut weniger gut. Die Verbündeten verloren nach Clowes, der die Verluste für jedes englische Schiff angibt, in der Vorhut: 215 Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: 95 und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500 Tote und weit mehr Verwundete, französische Quellen führen nur 1500 Tote und Verwundete an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen scheinen Schiffe im Gefecht nicht vernichtet zu sein. Clowes sagt, die Franzosen „sollen“ im Gefecht eins und späternoch vier verloren haben. Das holländische Flaggschiff flog zwei Tage später auf; der Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschädigte Fahrzeug vorher verlassen. Im übrigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer beschädigt, besonders die der englischen Mitte.
Man muß wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer anderen Art des Angriffs wäre der Ausgang vielleicht anders gewesen. Corbett sagt hierzu: „Rooke machte keinen Versuch, den Angriff anders anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen Charakter die neue defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht, daß bei gleicher Stärke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei (vgl. Seite511). Er suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars erblickte. Wurde er infolge eines mit Gefahr verknüpften Manövers — als solches sah man jede Abweichung von der gewählten Angriffsart an — geschlagen, so war Gibraltar sowie die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg gefährdet, denn von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie durch den Feind getrennt. Fechten mußte er, aber politisch wie seemännisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, als einen großen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren konnte, als er getan hat.“ Es ist bemerkenswert, daß Corbett so urteilt, da er sonst kaum je zu Rookes Gunsten spricht.
Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert. Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene genannt werden kann — keiner der Gegner hat zunächst das Feld geräumt, die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen —, so war sie doch strategisch ein Erfolg der Verbündeten.
Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf seiner Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei der Beschießung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen ihm und dem gefährdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Stützpunkte Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate überstimmt. Während der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde westlich, so daß die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbündeten bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschädigten Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, daß der Gegner weiter ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren bedürftigen Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschloß, unter allen Umständen nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem entgegenstelle, sich durchzuschlagen; beschädigte oder munitionslose Schiffe sollten ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im äußersten Falle verbrennen.
Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, später kam leichter östlicher Wind auf.Rookesteuerte auf den Gegner zu, der in Schlachtlinie mit nördlichem Kurse auf dem Wege der Verbündeten etwa 12 Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, daß ein Zusammentreffen vor der Nacht unmöglich war, drehte Rooke gegen Abend bei, um seine beschädigten Nachzügler zu erwarten und den Durchbruch am nächsten Tage zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht. Der Admiral nahmnun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei ebendorthin oder zur Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hörte aber schon am 28. in der Straße, daß der Feind diese nicht passiert habe; noch zwei Tage wartete Rooke unter Segel und ankerte dann am 31. vor Gibraltar.
Toulousewar mit dem größten Teile seiner Flotte über Malaga und Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars, ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkräften aufgegeben. So konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als einen Sieg ansehen. In Frankreich rühmte man sich allerdings, durch die Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben, trotzdem aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der letzte ernstliche Versuch in diesem Kriege, den Verbündeten die Seeherrschaft streitig zu machen. Ähnlich wie im vorigen Kriege hatte man nach dem Mißerfolge Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und ließ ihr immer weniger Pflege zuteil werden.
Bonfils sagt: „Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen die Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht mehr an ihren Wert; die Armee, die mehr in unmittelbarer Berührung mit der Nation stand, hatte deren ganze Gunst.“ Bonfils führt aber auch an, der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht die Tätigkeit Toulouses gelähmt.
Das Jahr1704bringt zwar nochweitere Operationen um den Besitz von Gibraltar, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V. entsandten Belagerungstruppen waren schon in größter Nähe. Da der Zustand der Flotte ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen von Hessen sämtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von Zimmerleuten und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen, Munition und endlich Proviant für 6 Monate gelandet, sowie zwei Mörserboote zurückgelassen. Es wurde ferner beschlossen, die noch diensttauglichsten englischen Schiffe unter VizeadmiralSir John Leakeals Wintergeschwader in den südlichen Gewässern sowie einige sehr schwer beschädigte in Lissabon zur Ausbesserung zu belassen. Darauf ging die Hauptflotte am 5. September heim, traf am 4. Oktober im Kanal ein und wurde dann abgerüstet. Leakes Geschwader, 10 Linienschiffe (11?) und 2 Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt und war nach Lissabon zum Überholen gegangen; hier wurde es am 30. Oktober durch die holländische Division v. d. Dussen, die mit den von Plymouth abgeholten Transportern eintraf, verstärkt; zu dieser trat bald noch ein Schiff der ebenfalls vorhin erwähnten Azorendivision. Da die portugiesischen Werften in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader auch erst Ende Oktober wieder seeklar, und es war die höchste Zeit, dem bedrängten Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den erneuten Befehl König Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu unterstützen; er ließ zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter dem Chef d'Escadrede Pointiszurück. Dieser traf im Oktober mit 3000Mann und großem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen Festung ein. Der förmliche Angriff wurde eröffnet, und man rechnete auf den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnäckig verteidigte sichHessen, aber eines seiner Mörserboote war in Brand geschossen und die Belagerungsarbeiten schritten vorwärts.
In dieser höchsten Not kam, vom Zufall begünstigt, die Hilfe. De Pointis war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen usw. nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fünf Fregatten (20 bis 40 Kanonen) zurücklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen beständig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter seine Ausrüstung beenden können; er ging am 5. November von Lissabon in See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade für den 10. hatten die Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der Nacht heimlich im Süden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von Tauen und Leitern den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie sollten vorbrechen, wenn eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande aus, zu der Hunderte von Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade als die zur Landung bestimmten Mannschaften eingeschifft wurden, lief Leake in die Bucht ein. Eine der französischen Fregatten, die auf Vorposten war, hatte man schon auf See genommen, die andern sowie ein Brander und ein Mörserboot mit Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf Strand und in Brand. Die Landung mußte natürlich aufgegeben werden, die 500 Freiwilligen wurden aufgerieben. Gibraltar war zum zweiten Male gerettet.
Zu verstehen ist nicht, weshalb Pointis so lange in Cadiz geblieben war. Colomb sagt: „Gedrängt, wieder auszulaufen, habe er geantwortet, bei der Anwesenheit von 30 (!) feindlichen Schiffen in Lissabon müsse er in Cadiz bleiben, bis er Verstärkung erhalte; von hier aus könne er wenigstens Zufuhren nach Gibraltar hindern.“ Ein Fehler war es allerdings wohl gewesen, sein Geschwader nicht so stark zu bemessen, daß er ein Wintergeschwader der Verbündeten unter allen Umständen von der belagerten Stadt abhalten konnte.
Leake unterstützte einige Zeit die Belagerten durch Beschießen der Parallelen und durch Bootsangriffe auf das feindliche Lager bei Algeciras. Seine Lage war nicht ungefährlich, weil die Winterstürme einsetzten, in denen seine Schiffe viel Ankergeschirr verloren; auch trafen ständig Nachrichten ein, daß sich Pointis zum Inseegehen vorbereite, daß einige seiner Schiffe schon auf der Rhede von Cadiz lägen. Leake ging erst Anfang Dezember auf die Nachricht hin in See, daß ein neuer Transport für Gibraltar in Lissabon angekommen sei und beabsichtige, weiterzusegeln. Obgleich schwach bemannt, ließ er einige hundert Matrosen zurück, da der Prinz von Hessen infolge Krankheit und Verlusten nur noch über etwa 1000 Mann verfügte. Er beabsichtigte, vor Cadiz zu gehen und Pointis dort festzuhalten, während der Transport vorbeisegelte. Sturm und Gegenwinde hielten ihn in der Straße fest, und in dieser Zeit griff Pointis tatsächlich den Convoi an, aber ohne Erfolg.
Pointis lag unter englischen und holländischen Flaggen bei Kap Spartel; der Convoi, 20 Transporter und 4 Kriegsschiffe, näherte sich ahnungslos. Als aber die Franzosen zu früh eine umfassende Formation einnahmen, schöpfte der Convoiführer Verdacht und benutzte die zufällig eintretende Windstille, seine Schiffe durch Boote aus der Gefahr schleppen zu lassen; nur zwei Fahrzeuge fielen dem Feinde in die Hände, zwei andere retteten sich nach Lissabon.
Der größere Teil des Convois erreichte Gibraltar und warf 2000 Mann und reichliche Vorräte hinein, so daß die Festung vorläufig wieder gesichert erschien. De Pointis kehrte nach Cadiz zurück, und auch Leake ging auf die Nachricht, daß die Franzosen hier in den inneren Hafen eingelaufen seien, Anfang Januar 1705 zum Ausrüsten und Bodenreinigen nach Lissabon.
Die Jahre 1705 und 1706. Entsatz von Gibraltar und Einnahme von Barcelona.1705 begannen die Operationen zur See um den Besitz von Gibraltar, ehe die großen Flotten in Dienst gestellt waren. Französisch-spanischerseits hatte man wegen der Belagerung dieser Stadt den Krieg an der portugiesischen Grenze vernachlässigt, und doch war kein Erfolg errungen worden. Die Festung stand eher günstiger da; denn auch im Januar und Februar trafen, unbelästigt von Pointis, noch mehrere nur schwach bedeckte Transporte mit Kriegsmaterial und Verstärkungen von Lissabon dort ein. Ludwig XIV. rief jetzt denMarschall Tessévon der portugiesischen Grenze ab, um die Belagerung zu leiten. Dieser faßte die Aufgabe schärfer an und verlangte vor allem die Unterstützung durch die Flotte, insbesondere durchPointis. So schrieb er z. B. an Condé: „Die Engländer zeigen uns, daß man zu jeder Zeit die See halten kann; sie fahren darauf wie die Schwäne auf Euerem Flusse bei Chantilly.“ Pointis erhielt nun den schärfsten Befehl, einzugreifen, trotz seiner weiteren Vorstellungen in Paris und Madrid, daß er besser erst Verstärkungen erwarte. Am 16. März traf er dann mit 13 Linienschiffen vor Gibraltar ein und wurde hier vom Marschall zu einem gemeinsamen Angriff festgehalten, obgleich er bat, auf See gegen Zufuhren für die Stadt kreuzen zu dürfen. Als Seemann fürchtete er, vor Anker sowohl durch die Frühjahrsstürme als auch durch einen plötzlichen Angriff zu sehr gefährdet zu sein; beides sollte ihn gleichzeitig treffen, ehe der gemeinsame Angriff reif war.
In Lissabon war man in großer Sorge. Ein frühzeitiges Erscheinen der großen Flotte war für dieses Jahr in Aussicht gestellt, sie wurde aber nicht rechtzeitig fertig.Leakehatte Schwierigkeiten, seine Schiffe in Lissabon instandzusetzen. Anfang März war er noch nicht völlig seeklar. Da traf von England ein Transport mit Kriegsmaterial, sowie eine Division Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes ein, so daß er um die Mitte des Monats in See gehen konnte. Er war 19 englische (23?), 4 holländische Linienschiffe, sowie 9 portugiesische Kriegsschiffe stark und führte 3 Regimenter (3000? Mann) an Bord; am Abend des 20. März erschien er vor der Bucht von Gibraltar.
Am 18. waren 8 französische Schiffe durch einen schweren Sturm vom Ankerplatz vertrieben und durch die Straße nach Osten gesegelt, Pointis selber wurde mit dem Rest seines Geschwaders am Morgen des 21. durch dasErscheinen des Feindes völlig überrascht; die Signalstationen, die sofort nach seinem Eintreffen längs der Küste bis nach Cadiz errichtet waren, hatten nichts gemeldet; kaum blieb ihm Zeit, Anker zu kappen und unter Segel zu gehen. Leake befahl sogleich allgemeine Jagd ohne Aufrechterhaltung einer Formation. Drei Franzosen wurden nach tapferer Gegenwehr genommen; dem Flaggschiff und dem fünften Schiff gelang es zwar, Enterangriffe abzuschlagen, sie wurden aber auf den Strand getrieben und setzten sich dort in Brand. Die durch den Sturm vertriebenen 8 Schiffe waren bis Malaga gelaufen; als sie das Geschützfeuer hörten, segelten sie von dort ohne Unterbrechung nach Toulon. Gibraltar war zum dritten Male und nunmehr in diesem Kriege endgültig gerettet. Leake landete Mitte April die Truppen; er war bis Malaga gegangen und auf der Rückfahrt durch stürmische Westwinde aufgehalten worden. Tessé hob Ende des Monats die Belagerung auf und ging zu der Armee an der portugiesischen Grenze zurück.
Die Befreiung Gibraltars ist gewissermaßen noch ein Nachspiel des Kriegsjahres 1704. Wenden wir uns jetzt zu dem eigentlichenKriegsjahre1705. Aus der allgemeinen Schilderung des Krieges wissen wir, daß die Seemächte und Portugal in diesem Jahre beabsichtigten, Spanien von Portugal und von Katalonien aus für Karl III. zu erobern; die Hauptseestreitkräfte wurden zur Unterstützung des Angriffs von Katalonien aus bestimmt.
Corbett sagt hierzu: „Es war dies gegen Marlboroughs Ansicht. Dieser hatte stets weiter im Auge, Frankreich vom Mittelmeer abzuschließen, Toulon anzugreifen, die Seeherrschaft im Mittelmeer völlig sicherzustellen und dazu einen Stützpunkt neben Gibraltar in diesem Meere zu gewinnen. Die Seeoffiziere waren ohne einen solchen Stützpunkt gegen ein Vorgehen auf Toulon, und Marlborough ordnete wie stets seine Ansicht der der Fachleute unter; außerdem waren Savoyen und Österreich nicht in Bewegung zu bringen, letzteres legte mehr Wert auf die Eroberung Spaniens.“ Wir wissen, daß Prinz Eugen 1705 zu schwach war, um viel ausrichten zu können.
Zu diesem Zwecke wurde während des Winters von England und Holland die Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen — 18 holländische und 30 englische, einschließlich der schon in den südlichen Gewässern befindlichen — sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann — 2500 Holländer und 5000 Engländer — vereinbart;[269]es traten später noch 8 englische und 2 holländische Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen vermehrt zu sein, denn verschiedene Quellen sprechen bei dem Auftreten an der Ostküste Spaniens von 12000 Mann.
England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa 12 Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes, ursprünglich gegen Dünkirchen bestimmt, wurde später der Mittelmeerflotte zugeteilt. Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrängt war; wir sahen Dilkes schon im März bei Leake eintreffen. Holland hatte im Norden, wie 1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von zusammen 15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und holländische Convoijers traten wie üblich zur Begleitung der Kauffahrer hinzu.
Frankreich rüstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in den nördlichen Gewässern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin) gegen den Handel der Verbündeten auf, besonders wieder von Dünkirchen aus, sowie zahlreiche einzelne Freibeuter.
Die Hauptflotte der Verbündeten kam erst spät in Tätigkeit, da sich wie gewöhnlich und aus den bekannten Gründen in beiden Ländern die Indienststellungen verzögert hatten. Am 10. Mai ging das holländische Kontingent unterde Almondenach Wight hinüber und, da die Engländer noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13. Juni eintraf; acht Tage später kam der größte Teil der englischen Flotte an. Den Oberbefehl führten derEarl of Peterboroughund der nunmehrige Admiral of the fleetSir Clowdesley Shovel.
Hier erscheinen zum letzten Male „Joint-Admirals“, doch war Peterborough nicht eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der holländischen Marine gedient, aber nie ein englisches Schiff befehligt. Während dieses Krieges in Spanien führte er auch mehr das Kommando über die Landtruppen.
Im Kriegsrate wurde beschlossen, daß die Flotte, soweit sie versammelt war, nämlich 48 Linienschiffe, in der Straße von Gibraltar gegen ein Vereinigen der französischen Seestreitkräfte kreuzen solle. Shovel lief am 4. Juli aus, Peterborough blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu erwarten und um mit Portugal über dessen Beteiligung am Kriege sowie über die Kriegführung überhaupt zu verhandeln. Am 31. Juli stieß er mit den Transportern und dem Rest der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen König Karl und der Prinz von Hessen, die sich von dem Angriff in Katalonien mit Recht mehr Erfolg versprachen als von dem nur lau vorgehenden Portugal. Nachdem der König in Gibraltar die Huldigung der Stadt entgegengenommen hatte, trat die Flotte am 5. August — jetzt 58 Linienschiffe, 11 Fregatten, 9 Mörserboote und einige Brander stark — die Reise nach Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt in Altea (11.–16.) am 22. August vor dieser Stadt ein. Schon am nächsten Tage wurden die Truppen ausgeschifft, die Belagerung begann und am3. Oktober kapitulierte Barcelona.
Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4 holländischen und 1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern englischen Dragonern, zusammen 12000 Mann (nach Colomb), in einiger Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede Störung vor sich und war am 25. beendet. Da die Führer bald nach der Landung der Ansicht geworden waren, daß ihre Kräfte gegenüber der Größe der Stadt und der Besatzung nicht genügten, wurde der Angriff zunächst nicht ernstlich betrieben. Zahlreiche Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlüssen zu führen, scheinbar herrschte Uneinigkeit zwischen den Land- und Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere der Beschluß durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern noch bei der Flotte die erwartete Unterstützung fände. Die Schiffe hatten etwa 1000 Mann ihrer Besatzung für die Erdarbeiten und zur Bedienung gleichfalls gestellter Geschütze gelandet. Auf Drängen König Karls beschloß der Kriegsrat endlich, ernstlich vorzugehen, wenn die Flotte weitere Geschütze und noch 1500 Mann lande; die Admirale bewilligten dies unter der Bedingung, daß die Gelandeten stets zur Wiedereinschiffung[541]bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten über die französische Flotte eintreffen. Als diese Abmachung eben erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. Der Prinz von Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr früherer Gouverneur genau kannte, führte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der übrigen Befehlshaber in der Nacht vom 14.–15. September einige auserlesene Truppen gegen das Fort Montjuich und nahm dessen Außenwerke. Das Fort, der stärkste Punkt der Befestigung, lag auf dem steilen Berge südwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die Verbindung Montjuichs mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete die Flotte die Verstärkungen und begann (16. September) aus den Mörserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschießung der Stadt; diese wurde schonend durchgeführt, da die Einwohner dem König Karl wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen die Stadt selber, und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte, kapitulierte der Gouverneur auf Drängen der Einwohner.
Daß sich die Admirale mit Rücksicht auf die französische Flotte anfangs nicht zu sehr und auch später nur bedingt engagieren wollten, ist wahrscheinlich und war berechtigt; selbst Peterborough, der am Lande befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates für zu weitgehend und für bedenklich erachtet haben. Es ist möglich, daß Shovel später die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder fürchteten einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den Befehl, die Befestigungen dieses Hafens zu verstärken und die Flotte dort zurückzuhalten.
Nach dem Falle Barcelonas erklärten sich alle Städte Kataloniens für Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald war der König Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten Truppen unter Peterborough zurückblieben. Die große Flotte wurde aufgelöst, der größere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein Wintergeschwader — 15 Engländer und 10 Holländer, zu denen später noch 10 und 5 treten sollten — unter den AdmiralenLeakeundWassenaersegelte nach Lissabon.
Gleich nach Übergabe der Stadt gingen die fünf holländischen Schiffe der Division v. d. Dussen, die jetzt fast zwei Jahre im Dienst waren, heim und nahmen von Lissabon einen Convoi mit. Almonde hatte die Erlaubnis, mit den übrigen Schiffen im Mittelmeer zu überwintern, um weiter die Seeherrschaft zu behaupten, falls die Hauptmacht der Engländer ein Gleiches täte. Diese jedoch erklärten, es sei wegen Mangels an Vorräten und an Material zum Instandsetzen nicht möglich. So wurde nur ein Wintergeschwader gebildet, aber auch dieses war genötigt, zur Wiederinstandsetzung nach Lissabon zu gehen. Leake machte infolge ungünstiger Winde eine unglaubliche Reise: Er war von Ende Oktober bis zum 4. Februar unterwegs, so daß beinahe Hunger- und Wassernot an Bord entstand; das Flaggschiff „Prince George“ begrub auf dieser Reise 50 Mann. Es kennzeichnet die Verhältnisse jener Zeit, daß dieses Schiff, das mit Shovel von England gekommen war und stets Krankheit an Bord gehabt hatte, vom 1. April 1705 bis zum 4. Februar 1706 gegen 300 Mann verlor.
Wie die Erfolge in Spanien 1705 nur infolge des Ausbleibens der französischen Flotte möglich geworden waren, so wurden sieim Jahre 1706dadurch wieder in Frage gestellt, daß die Seestreitkräfte der Verbündeten nicht rechtzeitig genügend stark auftreten konnten. Die Franzosen gingen früh im Jahre gegen Karl III. vor. Marschall Tessé griff Katalonien von Spanien aus an, indem er die Pässe an der portugiesischen Grenze nur besetzt hielt; der Herzog von Noailles rückte von Roussillon aus vor. Tessé warf den König bis nach Barcelona zurück und belagerte mit 40000 Mann die Stadt, Toulouse unterstützteTessé dabei mit 30 Linienschiffen, die Belagerungsmaterial sowie sonstige Vorräte brachten und auch an der Beschießung der Stadt teilnahmen. Peterborough stand in Valencia, zu schwach, um einzugreifen; man hatte französischerseits alles getan, Erfolge zu erringen, ehe die Verbündeten Verstärkungen senden konnten und die See wieder beherrschten.
Als die französischen Vorbereitungen in England bekannt wurden, erhieltLeakeden Befehl, sein möglichstes zu tun, um die Pläne des Gegners zu vereiteln. Zu ihm war eine Verstärkung von 4 holländischen Linienschiffen, nebst einem Convoi mit Ausrüstungsmaterial, gestoßen, aber ein großer Teil seiner alten Schiffe war noch nicht seeklar. Trotzdem ging er am 9. März mit 18 Schiffen in See.
Es lag in seiner Absicht, schon am 8. zu segeln, weil er erfahren hatte, daß das Auslaufen der westindischen Galeonen aus Cadiz bevorstehe. Als aber das Geschwader am genannten Tage den Tajo abwärts segelte, wurde es durch scharfes Feuer der Außenforts zum Wiederankern gezwungen. Auf die Beschwerden antwortete die portugiesische Behörde, es sei aus Versehen geschossen; die Forts hätten Befehl gehabt, das Auslaufen sämtlicher Kauffahrer zu hindern, damit die Abfahrt des Geschwaders geheim gehalten würde. Nach Annahme der englischen Offiziere aber sind die Kriegsschiffe tatsächlich absichtlich zurückgehalten, um sie zum Schutz des erwarteten Brasilienconvois zur Verfügung zu haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen, das die besten Aussichten hatte, durch die Verzögerung von einem Tage vereitelt. Am 11. abends erfuhr Leake von einem holländischen Freibeuter, daß die Galeonen am 10. Cadiz verlassen hätten, auch fing er am 12. zwei Schiffe, die 24 Stunden später gesegelt waren; er hätte also ohne die Verzögerung wohl sicher seinen Zweck erreicht. Jetzt erschien ihm eine Verfolgung aussichtslos, weil der Wind den Galeonen günstig war.
Infolge ungünstigen Windes traf Leake erst am 10. April in Gibraltar ein. Hier stieß am 14. der Rest seiner Flotte, 12 Linienschiffe nebst Transportern mit zwei englischen Regimentern, zu ihm, so daß er nun 30 Linienschiffe stark war. Auf die Nachricht vom König Karl, daß Barcelona von Tessé und Toulouse belagert und schon sehr bedrängt sei, beschloß der Kriegsrat, nach Altea zu segeln, um dort genaue Nachricht über die französische Flotte einzuziehen und diese, wenn sie nicht stärker als 30 Schiffe sei, anzugreifen; die englischen Regimenter wurden zur Verstärkung der nur schwachen Besatzungen auf die Schiffe verteilt. Am 29. in Altea angekommen hörte der Admiral von einem holländischen Kauffahrer, daß ihm ein Transport mit Truppen aus Holland unter Bedeckung von 6 Linienschiffen auf dem Fuße folge; dieser traf am nächsten Tage ein und gleichzeitig die Nachricht, daß ein englisches Geschwader von 14 Schiffen unterSir George Byngnahe. Leake wartete auch diesen ab und ging dann, 50 Schiffe (36 englische, 14 holländische), 6 Fregatten, 2 Brander, 2 Mörserboote stark, nach Barcelona weiter. Auf der Höhe von Tortosa (6. Mai) kam eine neue Nachricht vom König Karl: Die Stadt könne sich nur noch wenige Tage halten, Montjuich sei genommen, der Sturm stünde bevor; nur sofortiges Erscheinen der Flotte könne retten, Toulouse sei 28 Schiffe, 6 Fregatten, 10 Galeren und 5 Mörserboote stark. Leake gab seinen Schiffen sofort den Befehl, ohne Aufrechterhaltungeiner Formation Segel zu pressen. Am Morgen des 7. Mai trafen die ersten Schiffe vor Barcelona ein, sie fanden die Rhede leer; Toulouse war, wie im vorigen Kriege Tourville, auf die Kunde vom Nahen des Gegners nach Toulon aufgebrochen; nach französischen Angaben hatte er Befehl, seine Flotte keiner ernsten Gefahr auszusetzen.
Englische Quellen sagen, Byngs Schiffe (wohl die bodenreinsten) seien die ersten Schiffe auf der Rhede gewesen. Nach de Jonge waren es die besten Segler Wassenaers, der die Vorhut führte. Nach Corbett sahen die ersten Schiffe die Nachhut Toulouses gerade noch am Horizont verschwinden.
Noch an demselben Tage ankerte die ganze Flotte und die Soldaten wurden in die Stadt geworfen.Barcelona, und damit Katalonien,war gerettet. Ja, die Belagerer, insbesondere die spanischen Truppen, scheinen durch das so plötzliche und gerade noch rechtzeitige Erscheinen Leakes völlig entmutigt worden zu sein.Marschall Tessésah sich am 10. Mai genötigt, die Belagerung abzubrechen; er ließ über 100 Geschütze und sogar die Verwundeten zurück. Das französische Heer litt auf seinem Rückzuge nach Roussillon sehr unter Angriffen der katalonischen Bergbewohner: „eine verlorene Schlacht hätte nicht schlimmer sein können“ (nach Bonfils).
Colomb sagt (gekürzt): „Barcelona ist die Wiederholung der Geschichte Gibraltars. Beide Plätze werden durch gemeinsame Angriffe von Land und See genommen, bei denen die Admirale infolge der günstigen Aussicht auf Erfolg die deckende Flotte vielleicht stärker eingesetzt haben — bei Gibraltar durch das Abzweigen so vieler Schiffe für die Beschießung, bei Barcelona durch das Ausschiffen so zahlreicher Leute — als richtig scheint, denn nur bei vollständiger Beherrschung der See waren die Unternehmungen möglich. Der Feind versucht dann, die Festungen während der Abwesenheit der verbündeten Flotte durch Land- und Seestreitkräfte wiederzunehmen, doch wurden ihre Seestreitkräfte im letzten Augenblick vertrieben.“ Man kann hier wohl sagen „ihre nicht genügend starken Seestreitkräfte“ und hinzusetzen „teilweise infolge glücklicher Zufälle für den Gegner“.
Die Entsetzung Barcelonas war wie die Gibraltars 1705 gewissermaßen wieder ein Nachspiel des Vorjahres, ein Unternehmen, das den Verbündeten durch das frühzeitige Vorgehen des Gegners im neuen Kriegsjahre aufgezwungen und nur vom Wintergeschwader ausgeführt wurde; dieses war allerdings durch die Verstärkungen, insbesondere durch die beschleunigte Entsendung Byngs mit 14 Schiffen der Hauptflotte, schon zur Größe der bisherigen Sommerflotten im Mittelmeer angewachsen. Eine andere Operation von Bedeutung, die für dieses Jahr geplant war, eineLandung bei Rochefortunter dem Admiral of the fleet Shovel, kam wohl infolgedessen nicht zur Ausführung. Erst im Juli konnte Shovel seine Flagge heißen; er wartete dann vergeblich auf ein holländisches Kontingent und wurde endlich durch Gegenwinde bis in den September bei Torbay festgehalten; dann war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten. Dieses englische Kanalgeschwader beteiligte sich nur im Juni an der Belagerung und Einnahme der StadtOstendedurch das Heer in Flandern.
Zu diesem Landungsplane schreibt Corbett: „Marlborough behielt stets als Hauptziel im Auge, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen; ihm war auch die beschleunigte[544]Entsendung Byngs zu verdanken. Er wollte sogar in Person mit 20000 Mann in englischem und holländischem Solde nach Italien gehen, um hier mit Prinz Eugen, mit dem er sich besser verstand als mit den holländischen und deutschen Führern, vereint aufzutreten. Vom Ratspensionär Heinsius unterstützt, hatte er die Generalstaaten fast für diesen Plan gewonnen, als die Franzosen am Rhein über Ludwig von Baden Vorteile errangen. Jetzt sahen die Generalstaaten die linke Flanke der Stellung in den Niederlanden bedroht, wollten nur noch 10000 Mann bewilligen und verlangten, daß Marlborough selber in den Niederlanden bliebe. Er fügte sich wiederum, betrieb aber dafür ein Unternehmen, dem er wenigstens den Wert einer für den Krieg in Italien und Katalonien nutzbaren Diversion beilegte. (Er selbst ging zu gleichem Zweck energisch vor, schlug die Schlacht von Ramiliers und bedrohte die Franzosen weiter in Flandern.) Im Frühjahr 1706 hatte ein französischer Réfugié, Comte de Guiscard, eine Landung an der Mündung der Charente vorgeschlagen, um von dort aus den Aufstand in den Cevennen wieder zu beleben. Die Landungskräfte sollten vorzugsweise aus Réfugiés gebildet werden, doch wollte auch Marlborough einige Regimenter stellen.«
Über die Stärke der Flotte Shovels sind keine Angaben vorhanden, sie kann nicht bedeutend gewesen sein. Die auswärtigen Stationen und der Handelsschutz erforderten zahlreiche Schiffe; 36 Schiffe waren im Mittelmeer, und wie im Vorjahre hatte man ein Geschwader zur Beobachtung der französischen Küsten in Dienst gestellt; vielleicht war dieses für die Expedition in Aussicht genommen. Von dem erwarteten holländischen Kontingent erwähnt der sonst sehr genau berichtende de Jonge nichts. Nach de Jonge hatte Holland 1706 im Mittelmeer 18 Schiffe — gemäß der Abmachung, eine Vermehrung hier war erst für das Ende des Jahres vorgesehen — und 12 Schiffe, in zwei Geschwader wie früher geteilt, in den nördlichen Gewässern. Es hatte also seine Verpflichtungen erfüllt; zwar waren 5 Linienschiffe weniger im Dienst als im Vorjahre, doch fehlten diese im Norden: das Geschwader gegen die Galeren in Ostende, das nach der Eroberung der Stadt nicht mehr nötig war“.
Wenden wir uns nun wieder zumMittelmeer. Nach dem Abzuge des französischen Heeres von Barcelona wurden auf 4 Kriegsschiffen 600 Mann nachGeronageführt, um die Stadt gegen den nach Norden abziehenden Feind zu verstärken. In längeren Beratungen mit den Ministern und Generalen König Karls beschloß man dann, daß die Flotte alle in Katalonien entbehrlichen Truppen zu Peterborough bringen und mit diesen gemeinsam gegen Alicante, das bourbonisch gesinnt und stark besetzt war, vorgehen solle. Die Soldaten wurden in Valencia gelandet und von dort in Marsch gesetzt. In der Zwischenzeit segelte die Flotte nachCartagena, wo die Partei Karls das Übergewicht hatte. Die Stadt war zwar nicht gleich zur Übergabe bereit, erkannte aber doch Karl III. an, als man Vorbereitungen traf, mit einigen Schiffen in den Hafen einzulaufen und gleichzeitig die Landungsabteilungen der Flotte an Land zu werfen (10. Juni). Nachdem dann in Altea Wasser genommen war, traf die Flotte am 7. Juli vorAlicanteein, und auch Landtruppen erschienen am 20. vor der Stadt; da diese aber nur 1300 Mann reguläre Soldaten, sonst bewaffnete Landbewohner, zählten, wurden von den Schiffen 800 Seesoldaten und 800 Matrosen nebst Geschützen gelandet. Die Belagerung wurde eröffnet, 12 Linienschiffe begannen mit Erfolg die Beschießung, indem sie nach und nach die Befestigungen niederkämpften und dann immer näher ankerten. Am 8. August wurden aus nächster Nähe zwei Breschen gelegt, die Stadt durch die Truppen am Lande sowiedie Landungsabteilungen gestürmt und geplündert; die Citadelle ergab sich erst am 6. September wegen Wassermangels.
Vor Alicante stießen 4 dem holländischen Kontingent bisher noch fehlende Linienschiffe zur Flotte. An diese knüpfen sich Umstände, die das Verhältnis der englischen und holländischen Seestreitkräfte zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral de Almonde hatte sie hinausgeführt, er sollte dann den Oberbefehl über die Holländer übernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurück, da er nicht unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor und während seiner Ausreise England ersucht, Shovel hinauszuschicken. England aber antwortete, dieser sei zu einem anderen Unternehmen (Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurückgerufen und Holland hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer; sämtliche höhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine Verwendung mehr. Die letzten tüchtigen Schüler Ruyters verbrachten ihre späteren Dienstjahre untätig am Lande: de Almonde, der seit 1691 die Holländer in allen größeren Unternehmungen und Schlachten geführt; Callenburgh, uns gleichfalls rühmlichst bekannt; zwei Evertsen, Söhne und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben Sparsamkeitsrücksichten mitgesprochen.
Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nachIbizaund dann nachMallorca; die erste Insel erkannte den König Karl sofort an und auf der zweiten zwang die Bevölkerung den Gouverneur dazu, als eine Beschießung der Stadt Palma drohte. Gern hätten Karl und Peterborough auch die EinnahmeMinorcasmit seinem vorzüglichen Hafen Port Mahon, von den Engländern schon lange als Stützpunkt ins Auge gefaßt, gesehen, aber Leake hielt die französische Besatzung dort für zu stark, um mit seinen Landungsabteilungen allein anzugreifen. Peterborough war geneigt, mit den nötigen Truppen „unter eigener Führung“ mitzuwirken, er wurde jedoch nach Italien gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen über den Feldzug des nächsten Jahres zu verhandeln; als er zurückkam, war es nach Leakes Ansicht für die Flotte zu spät in der Jahreszeit. Seiner Instruktion gemäß trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der Heimat an, mit ihm das ganze holländische Kontingent (Mitte November dort); nur ein Wintergeschwader von 17 englischen Linienschiffen zweigte sich unterAdmiral Byngin Gibraltar ab und ging nach Lissabon.
Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien von Portugal aus für Karl III. eine günstige Wendung; Madrid wurde genommen, Philipp V. war mit dem französischen Heere nach Frankreich geflohen. Karl war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege des Prinzen Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite493).
Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port Mahon.Für 1707 war von den Seemächten wiederum die Aufstellung einer starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen, die schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekuniäre Lage der Admiralitäten war jedoch so schwierig, daß erst um die Wende des Jahres 10 Schiffe unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707 folgen konnten; diese letztgenannten stießen erst vor Toulon zur Flotte. Danebenstellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern für die nördlichen Gewässer auf. England dagegen sandte wirklich noch im Spätherbst 1706 den Admiral Shovel nach den spanischen Gewässern ab; die Zahl seiner Schiffe mag etwa 16 betragen haben.
Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach französischen Quellen erschienen im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Holländer. Byngs Wintergeschwader zählte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16 neuhinzugekommene Engländer.
Shoveltraf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbündeten geändert. König Karl machte die Erfahrung, daß mit dem Schlagen der spanischen Truppen nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in Kastilien und in den Südprovinzen erwachte der alte Haß gegen die Portugiesen und die Ketzer, die beide ihn unterstützten. Das Volk stand in Guerrillabanden auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter dem Herzog von Berwigk. Die Verbündeten konnten sich in Madrid nicht halten, sie zogen nach Osten ab, um sich Karl in Katalonien anzuschließen. Shovel warf nun zunächst eine aus England mitgebrachte Verstärkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, kehrte dann aber nach Lissabon zurück, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen instandzusetzen und auszurüsten.
Corbett bezeichnet diese „weiteren Operationen“ ausdrücklich als die gegen Toulon geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels beschleunigt, da ihm nach den Erfolgen Eugens in Italien sein großer Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch dessen Durchführung er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite494). Wenn er um diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen Eugen und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt ausdrücklich, daß das holländische Geschwader erst vor Barcelona von dem beabsichtigten Angriff auf Toulon Kenntnis erhalten habe.