see captionAdmiral Edward Lord Hawke.
Admiral Edward Lord Hawke.
AdmiralHawkehatte am 12. Torbay wieder verlassen, sobald das Wetter besser geworden, war aber nochmals zur Umkehr gezwungen; er trat dann auch am 14. die Fahrt nach Brest an und hörte vor dem Hafen,daß der Feind im Süden mit östlichem Kurse gesehen sei; er schloß richtig, daß er zur Quiberonbucht wolle, und folgte unter einem Preß von Segeln.
Die Schlacht bei Quiberon, 20. November 1759[88]. Marschallde Conflanshoffte zwar eine Schlacht zu vermeiden, mußte aber eine solche sogar suchen, wenn er auf die englische Flotte stieß und dennoch die Expedition mit den Transportern durchführen wollte; die Vereinigung allein mit diesen in der Quiberonbucht würde sonst nur eine weitere Blockade von Flotte und Konvoi zur Folge gehabt haben, nunmehr ineinemHafen, also eine leichtere Aufgabe für den Gegner. In einem ausführlichen Flottenbefehle betonte er, daß man wahrscheinlich bald mit dem Feinde zusammenstoßen würde, und er erließ ausführlichste Gefechtsvorschriften für alle möglichen Verhältnisse, unter denen dies erfolgen könnte. Stets war mit tönenden Worten auf ein schneidiges Vorgehen hingewiesen. Mit Vorstehendem aber stimmte der weitere Verlauf der Dinge durchaus nicht;Conflanstraf weder Maßregeln, um sich durch Aufklärer vor Überraschung zu sichern, noch trat er dem Feind entgegen, als dieser erschien. Südöstliche Winde hemmten die Fahrt der Flotte und versetzten sie westlich; erst am 19. November abends stand sie etwa 70 Seemeilen südwestlich von Belle-Ile.
Jetzt drehte der Wind nach Westen und Conflans nahm Kurs auf die Quiberonbucht; da der Wind schnell auffrischte, mußte er aber kleine Segel führen, um nicht während der Nacht vor der Einfahrt anzukommen. Bei Tagesanbruch am 20. wurden voraus einige Segel gesichtet. Es war die Division des KommodoreDuff, der die Quiberonbucht bewachte: 1 Linienschiff, 4 50-Kanonenschiffe, sowie 3 oder 4 Fregatten. Duff hatte hinter Belle-Ile vor Anker gelegen und war in wenigen Minuten, nach Kappen der Ankertaue, unter Segel gegangen, als er durch eine vor der Einfahrt kreuzende Fregatte das Nahen der Franzosen erfuhr.Conflans, der in Brest stets Nachrichten von der Morbihanküste erhalten hatte, schloß ganz richtig, daß er es nur mit Duff zu tun habe, und befahl allgemeine Jagd. Die englische Division teilte sich; einige Schiffe segelten über Backbordbug beim Winde nach Süden, die anderen unter Duff hielten raum wieder auf die Küste zu. Diesen folgte Conflans mit Vorhut und Mitte seiner Flotte, da sie den größeren Teil des Feindes ausmachten und auf seinem Kurse lagen; gegen den kleineren Teil sandte er die Nachhut. Bald darauf aber meldete diese zahlreiche Schiffe im NW und auch das Flaggschiff sichtete sie; es warHawkesFlotte, die unter vollen Segeln herankam. Duff ging nun an den Wind und vereinigte sich mit Hawke; Conflans rief seine Nachhut zurück und gab Befehl zum Bilden der Kiellinie, sowie für Vorbereitung zum Gefecht.
Wenn er wirklich zunächst die Absicht gehabt hatte, den Kampf auf offener See anzunehmen, so gab er sie doch bald auf, da es mit allen Anzeichenaufkommenden schweren Wetters hart aus WNW wehte und da die Flotte dicht unter einer Leeküste einem überlegenen Feinde gegenüber in Lee stand. Er entschloß sich, einzulaufen, in der sicheren Voraussetzung, daß Hawke nicht wagen würde, bei den Wetterverhältnissen ohne Lotsen und genaue Karten in das mit Bänken und Riffen besetzte Gewässer zu folgen. Er hoffte noch unbehelligt hineinzukommen und wollte dann dicht unter dem westlichen Ufer der Bucht ankern. So dachte er den Gegner, falls dieser doch folgen sollte, zu zwingen, zum Angriff nun seinerseits die Leestellung mit der Küste in Lee einzunehmen. Er setzte sich mit dem Flaggschiff an die Spitze der Flotte, um sie zu führen; auf seinen Platz für die Gefechtsformation in der Mitte beabsichtigte er erst später wieder zu gehen.
Aber keine seiner Voraussetzungen traf ein. Das Bilden der Linie dauerte lange, die Engländer kamen schnell näher, undHawkeließ sich keinen Augenblick durch die vor ihm liegenden Gefahren beirren. Als erfahrener Seemann würdigte er sie vollauf, aber er war ein ruhiger und tapferer Mann und er schätzte den Schneid sowie die Erfahrung seiner, durch die harte Schule langer Blockaden erprobten Offiziere und Mannschaften höher ein als die der Franzosen; er wußte, daß sein Land die Vernichtung der feindlichen Flotte erwartete — wurde er doch, während er hier dieses Werk vollbrachte, in England in effigie verbrannt, weil er diese aus Brest hatte entschlüpfen lassen. Zweifellos rechnete er auch damit, daß die vorausfahrenden Franzosen ihm als Lotsen dienen oder zuerst auf den Grund kommen würden. Er nahm die Verfolgung auf, erreichte die feindliche Flotte noch in der Einfahrt und setzte sie durch einen Kampf in der Melée unter den schwierigsten Umständen — Sturm, schwere See, sowie Leeküste; eine ungeheure Zahl von Schiffen auf kleinem, gefährlichem Raum — für den weiteren Verlauf des Krieges außer Gefecht.
Hinzu traten auf englischer Seite: 4 50-Kanonenschiffe (Division Duff), 6 Fregatten zu 28–36 Kanonen; auf französischer Seite: 2 oder 3 Fregatten zu 30 Kanonen, 2 Korvetten mit 6 und 16 Kanonen.
Französische Flaggoffiziere: Vorhut Chef d'Escadrede Bauffremont, Prince de Linois; Mitte Marschallde Conflans; Nachhut Chef d'EscadreSt. Andrée du Verger.
Englische Flaggoffiziere: VizeadmiralSir Charles Hardy; AdmiralHawke; KommodoreJames Young.
see captionQuiberonbucht.
Quiberonbucht.
Der Verlauf des Kampfeswird in allen Quellen nur skizzenhaft gegeben, ergänzt durch Schilderung der Schicksale einzelner Schiffe; dies ist dadurch erklärlich, daß auf beiden Seiten bald jede Ordnung aufhörte. Die englische Flotte stand beim Sichten des Feindes gegen 10 Uhr vormittags WzS von Belle-Ile, die französische in SW dieser Insel und näher bei ihr.Hawkebildete Dwarslinie, um seine hinteren Schiffe aufkommen zu lassen, gab aber bald den 7 Schiffen, die dem Feinde am nächsten waren, Befehl zur Jagd. Auf französischer Seite dauerte das Bilden der Linie sowie das Aufnehmen der abgezweigten Vorhut längere Zeit, in der die Engländer vor dem stürmischen Westwinde schnell aufkamen.Conflanssetzte dann schon frühzeitig so viel Segel als möglich, und während der nun folgenden Jagd gingen infolge der ungleichen Segelfähigkeit der Schiffe bald Fühlung und Ordnung in der französischen Linie verloren; die Nachhut war überhaupt noch nicht ganz herangekommen.
Gegen 2½ Uhr nachmittags passierte Conflans mit dem Flaggschiff die FelsenLes Cardinauxund ging näher an den Wind, um in die Quiberonbucht zu steuern; zu gleicher Zeit griff das vorderste englische Schiff südlich von Belle-Ile das letzte französische an und nach kurzer Frist waren 9 Engländer mit 4 oder 5 Franzosen der Nachhut in einem laufenden Gefecht. Bald darauf drehte der zum Sturm mit schweren Böen gewordene Wind nach NNW, wodurch die Ordnung der französischen Linie noch mehr gestört und dem Rest der Engländer das Herankommen erleichtert wurde; auch[157]die letzten Schiffe der französischen Mitte wurden nun angegriffen. Gegen 3½ Uhr wendeteConflansmit dem Flaggschiff, um sich nach der Mitte zu begeben, auch heißte er für die anderen Schiffe das Signal, im Kontremarsch zu wenden; er hoffte so eine geordnete Linie wieder herzustellen, scheint also die Absicht gehabt zu haben, den Kampf aufzunehmen, um seine Nachhut zu retten. Von diesem Augenblicke an ist es nicht mehr möglich, den Verlauf des Gefechtes zu übersehen. Bei dem Versuche, dem Befehle nachzukommen, trieben die französischen Schiffe in Haufen zusammen, und immer mehr Engländer kamen heran; dabei ging der kurze Novembertag zu Ende.
In dem Dreieck zwischen den BänkenLes CardinauxundLe Foursowie der InselDumetfochten gegen 50 Schiffe in der Melée. Manche, namentlich französische, sind wohl kaum zum Feuern gekommen, weil sie sich gegenseitig behinderten, wie denn auch verschiedene Zusammenstöße erfolgten; dazu kamen der schwere Sturm sowie die hohe See, die die Manöver erschwerten und viele Schiffe zwangen, die Pforten der untersten Batterie geschlossen zu halten. Die 7 Schiffe der französischen Nachhut, die den Kampf wacker aufnahmen, hatten schon zu Anfang schwer gelitten.St. Andréefiel und ebenso sein Flaggkapitän (sein Bruder), aber das Schiff strich erst um 4½ Uhr die Flagge, als es 200 Tote verloren hatte und fast wrack war; ein zweites war genötigt, die Flagge zu streichen und zu ankern, da es jedoch des schweren Wetters wegen vom Gegner nicht besetzt wurde, heißte es die Flagge wieder und zog sich aus der Melée; ein drittes endlich floh schwer beschädigt und sank vor der Loiremündung. Von der französischen Vorhut kenterte ein von beiden Seiten hart bedrängtes Schiff, da in einer schweren Bö das Wasser durch die Leepforten der untersten Batterie hineinströmte; ein anderes wurde durch das Feuer des englischen Flaggschiffes zum Sinken gebracht.
Nach Eintritt der Dunkelheit löste sich das Gewühl.Conflanswollte seine Flotte wieder ins offene Meer hinausführen, konnte sich jedoch zuerst nicht aus dem Knäuel lösen, fürchtete dann, unklar von Le Four zu kommen und ankerte in der Nähe dieser Bank. 7 Schiffe, unter ihnen der Führer der Vorhut,Bauffremont, entwichen nach Süden und fanden sich später vor Rochefort zusammen; 7 andere sowie die Fregatten ankerten vor der Mündung der Vilaine. AdmiralHawke, der in der Dunkelheit an keine Verfolgung denken konnte, ging ungefähr in der Mitte des Kampfplatzes vor Anker, seinem Beispiele folgten aber nur die Schiffe in seiner Nähe, die dies bemerkten. Das Nachtsignal zum Ankern, zwei Kanonenschüsse, wurde nicht verstanden, da auch sonst noch gefeuert wurde; so suchten die anderen Schiffe sich Ankerplätze nach Belieben, einige gingen auch in See hinaus.
Am 21. November bei Tagesanbruch hatteHawkenicht viele Schiffe beisammen und englische Quellen sagen, hier sei für die Franzosen Gelegenheit gewesen, mit Übermacht aufzutreten. Dabei wird angenommen, daß die sieben nach Süden entwichenen französischen Schiffe während der Nacht in der Nähe, vielleicht südlich Le Four, vor Anker gelegen hätten; nach Andeutung einer französischen Quelle (Lacour) scheint dies der Fall gewesen zu sein, doch schweigen die anderen hierüber.Conflanssah sich am Morgen fast allein nicht weit von Hawke liegen, nur das Schiff der Nachhut, das die Flagge wieder geheißt hatte, war in seiner Nähe; er glaubte nicht mehr entkommen zu können und setzte sein Schiff in der Bucht von Croizic auf den Strand, wie es kurz vor ihm das eben genannte Schiff getan.Hawkehatte tatsächlich ein Schiff gegen diese beiden beordert, doch strandete dies auf Le Four, wo schon ein anderes englisches seit dem Tage vorher festsaß. Weitere Versuche, den Sieg auszunutzen, konnte Hawke des Wetters wegen am 21. noch nicht machen und infolgedessen gelang es den französischen Schiffen vor der Vilaine an diesem und dem folgenden Tage, nachdem sie sich durch Überbordwerfen von Geschützen sowie Material möglichst erleichtert hatten, die Barre vor dem Flusse zu überschreiten, diesen eine Strecke hinaufzulaufen und sich so vor Angriffen von See her zu sichern. Als am 22. das Wetter besser geworden war, wollteHawkedie Schiffe bei Croizic verbrennen, die Franzosen zündeten[158]sie aber selber an; es wurde ihnen dadurch unmöglich, die wertvolle Artillerie des Flaggschiffes zu bergen.
Beurteilung der Franzosen.Der 20. November 1759 war kein Ruhmestag für diese, weder für den Admiral noch für die meisten Kommandanten. Daß die französischen Seeoffiziere im allgemeinen tapfere Männer waren, wie es bei dem Charakter ihres Volkes und bei ihrer Abstammung von dem alten kriegerischen Adel von vornherein anzunehmen ist, beweist die ehrenvolle Verteidigung der Nachhutschiffe, die noch unter einigermaßen normalen Verhältnissen in den Kampf eintraten; aber fast allgemein fehlte es ihnen an Umsicht und an Selbstvertrauen. In Frankreich wurden dann auch Klagen erhoben, die von französischen Schriftstellern zum Teil noch jetzt als begründet angesehen werden[89].
Dem AdmiralConflanswirft man zunächst vor, daß er sich auf seinem Marsche nicht gesichert habe; überrascht, habe er dann den Kopf verloren. Er hätte — wie es auchde La Cluebei Lagos hätte tun müssen — beim Ansteuern der Quiberonbucht die Geschwindigkeit der Flotte nach der des langsamsten Schiffes regeln und vor allem die Nachhut herankommen lassen müssen. Als diese angegriffen wurde, hätte er sofort wenden sollen; vielleicht war dann noch Zeit, sie zu retten, ehe die Gesamtmacht des Feindes in Gefechtsordnung auftreten konnte. Oder er hätte sie opfern und seinen Plan, eine Verteidigungsstellung in der Bucht einzunehmen, mit Mitte und Vorhut zur Ausführung bringen müssen; durch den zu späten Versuch, dem Gegner entgegenzutreten, habe er die völlige Unordnung der Flotte und damit deren Ohnmacht hervorgerufen. Es wird dem Marschall endlich vorgeworfen, sein Schiff, das gar nicht sehr gelitten hatte und ein vorzüglicher Segler war, vorzeitig ohne Fluchtversuch auf den Strand gesetzt und später ohne jeden Kampf verlassen zu haben. — Den Chef der Vorhut,Bauffremont, traf der Vorwurf der Indisziplin, sogar auch, wie zu allen Zeiten in Frankreich bei Katastrophen üblich, der des „Verrates“, weil er „mit seiner Division“ den Marschall im Stich gelassen habe. Wörtlich trifft dies aber nicht zu; die nach Rochefort geflüchteten Schiffe kamen einzeln und teilweise vor Bauffremont dort an und zwar nicht nur Schiffe der Vorhut, sondern auch solche der Mitte und der Nachhut, ebenso wie sich die nach der Vilaine gesegelten aus allen drei Divisionen zusammensetzten. Aus diesem Umstande geht hervor, daß jeder französische Kommandant selbständig seine Rettung aus dem Gewirr gesucht hat. Wohl aber hätte Bauffremont als Zweiter im Kommando am 21. versuchen müssen, möglichst viel Schiffe zu sammeln und seinen Chef zu unterstützen. — Der gleiche Vorwurf der Indisziplin und des Mangels an Tatkraft wurde allenKommandantengemacht.
Diese Beschuldigungen sind gewiß nicht ganz unberechtigt, aber man muß sich auch die Lage der französischen Offiziere vergegenwärtigen. Der größere Teil der Schiffe ging zum ersten Male seit Jahren in See, die Besatzungen waren ungeübt, die Flotte hatte noch niemals im Verbande gesegelt, und nun sollten schwierige Manöver unter den ungünstigsten Umständen ausgeführt werden. Welch ein Zustand mag dabei auf den Schiffen geherrscht haben. Das niederdrückende Gefühl der Flucht vor einem überlegenen Feinde trat hinzu; da kann es nicht wundernehmen, wenn den Verantwortlichen die Nerven versagten und sie alles verloren glaubten. Hinterher entschuldigten sie sich mit der Pflicht, in solcher Lage wenigstens ihr Schiff dem Könige zu erhalten. Eine wirkliche Untersuchung fand nicht statt, wohl weil die beiden Admirale dem Kreise der Pompadour nahestanden; die öffentliche Meinung aber verhöhnte den Oberbefehlshaber dadurch, daß sie die Schlacht „den Tag des Marschalls de Conflans“ nannte. Es war ein eigenartiger Zufall, daß das Flaggschiff „Le Soleil Royal“ hieß, wie das des Admirals Tourville, das bei La Hogue verbrannt wurde, dessen Vernichtung jedoch der zwar unglückliche, aber höchst ehrenvolle Kampf bei Cap Barfleur[159]vorhergegangen war.De Conflanszog sich vom Dienste zurück;Bauffremontmußte, wohl unter dem Druck der öffentlichen Meinung, bis 1764 auf seine Beförderung zum Lieutenant-General warten.
Der Erfolg der Engländer— mit einem Verluste von nur zwei gestrandeten Schiffen, 50 Toten und etwa 250 Verwundeten erkauft —war entscheidend. Drei französische Schiffe waren gesunken, eins genommen und zwei verbrannt, acht Schiffe nach Rochefort und sieben nebst den Fregatten in die Vilaine geflüchtet. Diese konnten ebenfalls als verloren gelten, da es erst nach langer Zeit gelang, sie paarweise wieder aus dem Flusse zu bringen. Zwei Linienschiffe und zwei Fregatten passierten die Barre im Januar 1761, zwei weitere am 28. November und die letzten erst im April 1762. Alle erreichten Brest, obgleich die Engländer die Mündung der Vilaine bewachten, doch waren sie kaum mehr kriegsbrauchbar[90]. Die Schlacht bei Quiberon legte die französische Marine im Atlantik lahm, wie es die bei Lagos für das Mittelmeer getan hatte; infolgedessen sah Frankreich von der Expedition gegen England ab und löste das Heer bei Morbihan auf. England war diese Sorge los und konnte sich mit größerer Kraft dem Kriege in den Kolonien zuwenden.Mahannennt Quiberon „das Trafalgar des Siebenjährigen Krieges“, der französische AutorGuérin„das La Hogue, aber ohne wie dort Ruhm und Ehre Frankreichs gewahrt zu haben“.
Die englische Flotte wurde wenige Tage nach der Schlacht noch durch 6 Linienschiffe verstärkt, die auf die Nachricht vom Inseegehen des Marschalls de Conflans von England abgesandt waren.Hawkezweigte Ende November eine Division nach der Quiberonbucht ab, um die Vilaine zu blockieren, eine zweite nach Rochefort, um die Schiffe dort zu vernichten. Diese hatten sich jedoch so weit in die Charente zurückgezogen, daß man ihnen ebensowenig wie denen in der Vilaine beikommen konnte. Die Blockierung der atlantischen Küste wurde aber den Winter über aufrechterhalten, an Hawkes Stelle bald durch AdmiralBoscawen.
Die Ereignisse der Jahre 1760–1762in den europäischen Gewässern können wir kurz zusammenfassen.Im Mittelmeerging AdmiralBoscawen, nachdem er in Gibraltar ausgebessert hatte, mit 8 Linienschiffen nebst den bei Lagos gemachten Prisen nach England zurück; er äußerte sich über seinen Sieg: „Es war gut, aber es hätte besser sein können“. VizeadmiralBroderickblockierte mit dem Rest der Mittelmeerflotte die nach Cadiz geflüchteten Franzosen; als er jedoch zu Ende des Jahres durch einen Sturm gezwungen war, von der Küste abzustehen, brachen diese am 2. Januar 1760 aus und erreichten unbelästigt am 17. Toulon. Bald darauf übernahm VizeadmiralCharles Saundersdie Mittelmeerflotte, beschränktesich aber auf die Sicherung des eigenen und die Störung des feindlichen Handels. Wie schon angedeutet, scheint England nicht einmal Wert darauf gelegt zu haben, die Verbindung Frankreichs mit Minorka zu verhindern.
Im Jahre 1762, alsSpanienin den Krieg eintrat, verstärkte England die Mittelmeerflotte noch einmal erheblich. Sie kam aber auch jetzt kaum zur Geltung, da sich weder die spanische noch die französische Flotte zeigte, und brachte nur viele Kauffahrer auf. In diesem Jahre faßte Frankreich unter Choiseuls Einfluß noch einmal den Plan zu größeren Kreuzfahrten von Toulon aus, ja sogar zu einem Angriff auf Gibraltar. Vielleicht glaubte man wirklich, einen solchen mit Spaniens Unterstützung unternehmen zu können, vielleicht hoffte man auch nur, durch derartige Gerüchte einen schnelleren und günstigeren Friedensschluß herbeizuführen; ähnliches war auch in den nördlichen Gewässern im Gange. Nach dem Friedensschluß ging der größere Teil der englischen Flotte heim; KontreadmiralSir Piercy Brettnahm mit dem RestMinorkawieder in Besitz.
In den atlantischen Gewässernwaren1760die englischen Streitkräfte zur Blockade sowie zum Handelsschutz ähnlich verteilt wie im Vorjahre: KommodoreBrettbefehligte in den Downs und in der Nordsee;Rodneykreuzte im Kanal;HawkeundBoscawen[91]bewachten wechselweise die Quiberonbucht, die jetzt an Stelle Brests als Mittelpunkt des Blockadebereichs Rochefort, Lorient und Brest angesehen wurde. Außerdem verstärkte man die ostindische sowie die nordamerikanische Station und nahm auf der westindischen die nötigen Ablösungen vor. Die Franzosen hatten alle größeren Unternehmungen aufgegeben, nicht einmal Verstärkungen nach den Kolonien gingen ab; nur vereinzelt liefen Kriegsschiffe aus, um gegen den Handel des Gegners zu kreuzen. Die englische Blockade zeitigte keine großen unmittelbaren Erfolge; sie hinderte zwar Frankreichs Verbindung mit den Kolonien, brachte aber wenig Beute, da der französische Handel schon völlig daniederlag; den kleinen Freibeutern konnte sie das Handwerk nicht völlig legen. Aufzeichnungen über Zusammenstöße zwischen den Kreuzern beider Parteien bringen die Spezialwerke (z. B. Troude I und Laird Clowes III, Kap. „Minor Actions“).
Der Einfall der Franzosen in Irland 1760ist das einzige bemerkenswerte Ereignis dieses Jahres; er war als Diversion geplant, die gleichzeitig mit der großen Expedition gegen Schottland ins Werk gesetzt werden sollte. Man hatte dazu inDünkirchen1300 Soldaten unter GeneralFlobertgesammelt und eine Flottille von 4 Fregatten (zu 24–44 Kanonen), sowie 2 Korvetten (18 Kanonen) unter KapitänThurotausgerüstet. Dieser war ein Freibeuter von Ruf, 1726 als Sohn eines kleinen Gastwirtes geboren, im Jesuitenseminar erzogen, dann als Apotheker tätig und 1744 als Arzt auf einem Freibeuter in englische Gefangenschaft geraten. Aus dieser entfloh er, widmete sich ganz der Freibeuterei und erhielt wegen seiner Verdienste im Österreichischen Erbfolgekriege ein Offizierspatent (als Transporterkapitän) in der königlichen Marine. Beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges rüstete er 2 Fregatten und 2 Korvetten[161]aus, mit denen er vom 16. Juli 1756 bis Februar 1759 ununterbrochen in der Nordsee sowie dem Kanal kreuzte, mehrere Gefechte bestand und zahlreiche Prisen machte. Ihm war schon eine Rolle bei dem geplanten Angriff auf die Kanalinseln (s. Seite142) zugedacht gewesen, jetzt wurde er mit der seemännischen Führung der Expedition gegen Irland betraut, wo man mit einer Erhebung der Bevölkerung rechnete. Er erhielt seine Instruktion am 17. Juni 1759, es gelang ihm, am 15. Oktober auszulaufen, während das englische Blockadegeschwader durch Sturm vertrieben war; also gerade zu der Zeit, als man mit dem Inseegehen der großen Expedition rechnete. Um den Feind zu täuschen, lief Thurot zuerst Gothenburg, dann Bergen an; auf der stürmischen Reise wurde eine Korvette versprengt und eine Fregatte genötigt, wegen Beschädigungen nach Frankreich zurückzukehren.
Am 1. Januar 1760 ankerte er bei den Färöerinseln und erschien dann am 25. bei Londonderry an der irischen Küste. Die Wetterverhältnisse machten eine Landung unmöglich und auch die zweite Korvette wurde von der Flottille getrennt, so daß die anderen Kapitäne Thurot beschworen, das Unternehmen aufzugeben. Aber dieser blieb fest und ankerte nach einer kurzen Erholung auf der Insel Islay am 19. Februar inBelfast-Lough. Am 21. zwang General Flobert mit 600 Mann die nur schwach besetzte Stadt Carrickfergus zur Übergabe. Thurot konnte ihn aber nicht bewegen, gegen Belfast vorzugehen; dies wäre auch wohl ein hoffnungsloses Wagnis gewesen, man hatte schon 30 Tote und 60 Verwundete eingebüßt. Nachdem man Proviant beigetrieben und einige kleine Fahrzeuge verbrannt hatte, wurde am 27. die Rückfahrt nach Frankreich angetreten. Natürlich waren alle benachbarten irischen sowie schottischen Häfen alarmiert und von Kingsale liefen 3 englische Fregatten (zu 36 Kanonen) unter KapitänJohn Elliotaus. Diese stießen am 28. Februar in der Nähe derInsel Manauf die Franzosen; zwei dieser strichen fast sogleich die Flagge, nurThurotkämpfte mit seinem Flaggschiff (44 Kanonen) tapfer, bis er fiel und seine Fregatte dem Sinken nahe war. Er hat selbst bei den Engländern als ein Freibeuter von ehrenhaftem Charakter gegolten, der stets Edelmut und Menschlichkeit zeigte.
Die Blockade wurde den Winter über aufrechterhalten, doch scheint man1761die Geschwader nach und nach verkleinert zu haben, so wurde z. B. Admiral Rodney nach Westindien befehligt und durch einen Kommodore ersetzt. AuchHawkeverließ im März mit dem größeren Teile seiner Flotte die Biskaya, doch traf dafür eine neue Flotte mit einer besonderen Aufgabe ein.
Die Einnahme von Belle-Ile, April/Mai 1761.Schon im Herbst 1760 befand sich eine Flotte mit Landungstruppen in Ausrüstung, die man anfangs gegen die Inseln Isle de France und Bourbon, später aber gegen die französische Küste verwenden wollte. Durch den Tod König Georgs II. (27. Oktober) traten jedoch Verzögerungen ein und Pitt verlor an Einfluß, so daß man die Sache für dieses Jahr aufgab. Im Frühjahre 1761 wurde sie mit Erfolg, allerdings auch mit großem Kraftaufwand, ins Werk gesetzt. Ein Geschwader von 13 Linienschiffen nebst drei Fregatten wurde vor Brest stationiert, um jede Störung von dort aus zu hindern, und eine Flotte von 15 Linienschiffen, 8 Fregatten, 3 Sloops, 2 Brandern, 3 oder 4 Mörserbooten und zahlreichen Transportern mit 10000 Mann segelte am 29. März (einige der Schiffe etwas später) von St. Helens, Insel Wight, ab, um Belle-Ile zu erobern. Die Flotte führte KommodoreAugustus Keppel, die Truppen GeneralHodgson. Am 6. April sichtete man die Insel und Keppel zweigte 6 Fregattenab, um sie von der Verbindung mit dem Festlande abzuschneiden. Am 7. ankerte die Flotte vor dem Haupthafen Le Palais auf der Nordostseite der Insel. Diese Stadt wurde durch eine Zitadelle nebst einigen Außenwerken verteidigt, an anderen Landeplätzen lagen schwache Forts oder Batterien; Erkundungen ergaben, daß die beste Landungsstelle in einer kleinen Bucht an der Südostspitze der Insel sei.
Hier warf man am 8. Truppen an Land, nachdem die Batterie niedergekämpft war, sie fanden aber derartigen Widerstand, daß sie sich wieder zurückziehen mußten; das Wetter hinderte dann 14 Tage lang einen neuen Versuch. Dem Kommandanten von Belle-Ile,Chevalier de Saint-Croix, standen nur zwei Regimenter nebst einigen Bataillonen Miliz zur Verfügung, trotzdem benutzte man die Frist nicht, Verstärkungen vom Festlande (Lorient) heranzuziehen; auch französische Quellen können nicht angeben, ob man es nicht wagte oder nicht konnte. Am 22. landeten die Engländer aufs neue an drei Stellen der Bucht, zwei Landungen waren nur Scheinangriffe; die Franzosen wurden durch das Feuer der Flotte vertrieben und mußten sich auf Le Palais zurückziehen. Die Angreifer schritten nun zur regelrechten Belagerung der Stadt, am 13. Mai wurden die Außenwerke genommen und vom 16. an die Zitadelle auf das heftigste beschossen. Als am 7. Juni Bresche gelegt war und zum Sturm geschritten werden sollte, kapitulierte St. Croix mit allen militärischen Ehren. Die Angreifer verloren in den Kämpfen 310 Tote und 500 Verwundete, aber außerdem viele Leute durch Krankheiten.
Die englischen Quellen heben besonders hervor, daß bei diesem Unternehmen stets völliges Einverständnis zwischen dem Admiral und dem General geherrscht habe, ein bisher selten vorgekommener Fall. — Die Insel blieb bis zum Friedensschluß in den Händen der Engländer, diese hatten damit einen Stützpunkt für die Blockade der atlantischen Häfen Frankreichs gewonnen; französische Schriftsteller weisen darauf hin, daß Belle-Ile im Verein mit den Kanalinseln ihren Gegnern einen Einfall in die Bretagne möglich gemacht haben würde.
Bald nach der Landung hier hatte Keppel den KapitänSir Thomas Stanhopemit 7 Linienschiffen nach der Rhede vonIle d'Aixgesandt. Dieses Geschwader fand dort zwar keine feindlichen Schiffe vor, zerstörte aber am 21. und 22. Juni die Befestigungen der Insel. Der Versuch der Franzosen, dies von der Charente aus mit Kanonenschaluppen zu hindern, schlug fehl, ebenso ein Unternehmen im Dezember, die blockierenden Engländer mit Brandern zu vertreiben.
Fürdas Jahr 1762sind keine Ereignisse von Bedeutungin den europäischen Gewässernzu verzeichnen, obgleich Spanien im Januar auf seiten Frankreichs in den Krieg eintrat. England beschloß, ohne Zaudern auf das schärfste gegen den neuen Gegner vorzugehen und ihn an seiner verwundbarsten Stelle, seinen Kolonien, anzufassen. Es sandte sofort eine bedeutende Verstärkung nach Westindien, zog dort unterAdmiralPocockeine Expedition gegen Havanna zusammen und schickte auch nach Ostindien Streitkräfte, um die Philippinen anzugreifen. In Europa beschränkten sich die Maßnahmen außer auf die Verstärkung der Mittelmeerflotte darauf, daß man den größeren Teil der bisher für die Blockade der französischen Küsten verwendeten Kräfte unterHawke, später unter AdmiralHardy, in den spanischen Gewässern stationierte. 8000 Mann wurden nach Lissabon gesandt, mit deren Hilfe Portugal den Angriff der Franzosen und Spanier zurückwies.
Wie im Mittelmeer, so zeigte sich die spanische Marine auch nicht im Atlantik. Wohl weil die Blockadegeschwader in der Biskaya schwächer als bisher gehalten wurden, gelang es in diesem letzten Jahre des Krieges nochmals zwei französischen Geschwadern, bei Sturm durchzuschlüpfen. Früh im Jahre verließ der Chef d'Escadrede Blenacmit 7 Linienschiffen, 4 Fregatten nebst 7 Bataillonen Infanterie Brest und segelte nach Westindien; das englische Blockadegeschwader versuchte zwar, ihn einzuholen, mußte jedoch die Verfolgung aufgeben, da die Proviantbestände zu Ende gingen, und sich damit begnügen, den Admiral in Westindien von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis zu setzen. Im Mai lief dann der Kapitände Ternaymit 3 Linienschiffen, deren eins als Transporter (Flüte) diente, 1 Fregatte und 600 Soldaten von Brest nach Nordamerika aus und erreichte sein Ziel. Diese beiden letzten Anstrengungen Frankreichs, den Kolonien Hilfe zu bringen, hatten aber auf den Krieg in den fernen Gewässern keinen Einfluß mehr; dort war schon alles verloren.
Pläne für einen Einfall in Englandentwarf man auch noch in den Jahren 1761 und 1762. Es befinden sich Arbeiten darüber in den Archiven des französischen Marineministeriums und ebenso in einem Briefwechsel zwischenChoiseul, der im Oktober 1761 dieses Ministerium übernahm, und dem Gouverneur der Bretagne, Herzogd'Aiguillon, der schon 1759 zum Chef des Einfallheeres bestimmt gewesen war.
Näheres über einige dieser Arbeiten findet man in Lacour I, Seite 354. Ein Plan ist bemerkenswert, da er dem gleicht, der den Bestimmungen und Bewegungen der französisch-spanischen Seestreitkräfte vor der Schlacht von Trafalgar 1805 zugrunde lag. Aus den verschiedenen französischen und spanischen Häfen sollten Geschwader zu Vorstößen in den kolonialen Gewässern auslaufen, um England zur Teilung seiner Kräfte zu verleiten. Sie sollten sich aber an einem bestimmten Termin in Ferrol vereinigen, die in Europa verbliebenen Schiffe aufnehmen und dann dem Übergang eines Heeres über den Kanal den Weg freimachen.
Nordamerika. 1748–1755.Hier blieben die englischen und die französischen Kolonien nach dem Frieden von Aachen 1748 eigentlich im Kriegszustande, während von ihren Mutterländern Verhandlungen über die unerledigtgelassenen Grenz- sowie Machtbereichsfragen geführt wurden, wie es beim Friedensschluß bestimmt war.Die englischen Kolonienmußten Wert darauf legen, daß Neuschottland stärker von Engländern besiedelt und die nicht zuverlässige alte französische Bevölkerung dort verdrängt würde. Die englische Regierung sträubte sich anfangs dagegen, sowohl der Kosten wegen als auch in der Besorgnis, Neuengland könne zu mächtig werden; sie mußte aber doch nachgeben, bot nun Auswanderern nach Neuschottland große Vorteile und baute 1749 die FestungHalifax.
Deren erster Gouverneur begann dann sofort, die Indianer auszurotten und die französischen Ansiedler zum Anschluß an England oder zur Auswanderung unter Verlust ihres Eigentums zu zwingen. Noch wichtiger war es, dem Vordringen der Franzosen im Ohiotale Einhalt zu tun, das die Ausdehnung der Neuenglandstaaten über das Alleghanygebirge nach Westen hin unmöglich zu machen drohte, während den Nebenbuhlern die Aussicht erwuchs, durch den Mississippi mit der Kolonie Louisiana in Verbindung zu treten und so die englischen Kolonien ganz ein- und abzuschließen. Schon 1748 wurde deshalb in Virginia die Ohiokompagnie gegründet, deren Agenten und Kolonisten sich im Ohiogebiet zwischen den Flüssen Monongahela und Kenewka festsetzten.
Die französischen Gouverneure in Kanada, de la Gallissonnière (1747), de la Jonquière (1749), de Menneville (1752), bemühten sich eifrig, die französischen Interessen zu behaupten.
Ihre Agenten waren im ganzen Hinterlande Neuenglands tätig und bemühten sich, in Akadien die französischen Sympathien zu nähren; man baute sogar Befestigungen auf der Landzunge zwischen Neuschottland und Neubraunschweig, um das Vordringen der Engländer zu hindern, obgleich die Friedensbedingungen das Gebiet bis auf einen nördlichen noch strittigen Strich England zugesprochen hatten. Endlich wurde die Kette von Forts, die sich von Quebec zum Mississippi — am Ontario- und Eriesee, sowie am Ohio und seinen Nebenflüssen entlang — ziehen sollte, in den Jahren 1749 bis 1754 weitergeführt und ausgebaut. Es würde zu weit führen, näher auf die beiderseitigen Maßnahmen sowie auf die dabei vorgekommenen kleineren Zusammenstöße einzugehen; von ihnen soll aber derjenige erwähnt werden, der Frankreich für den Augenblick zum Herrn im Ohiotale machte und zum Ausbruch des offenen Krieges führte. Bei ihm tritt auch zum ersten MaleWashingtonin der Geschichte auf.
Der erste Zusammenstoß im Ohiotale 1754.Im Jahre 1753 hatten sich die Verhältnisse bereits soweit zugespitzt, daß die englische Regierung gestattete, dem Eindringen der Franzosen in das Ohiogebiet mit Gewalt entgegenzutreten. 1754 führte derMilizmajor Washingtonetwa 500 Mann mit einigen Kanonen vor, um den Bau eines Forts der Ohiokompagnie am Zusammenfluß des Alleghany und des Monongahela zu schützen, wo jetztPittsburgliegt. Ehe er aber eintraf, hatten die Franzosen den Platz überfallen und sich dort festgesetzt (Fort Duquesne). Sie sandten dann Washington eine Abteilung mit der Forderung entgegen, das von Frankreich beanspruchte Gebiet zu räumen; es kam zu einem Gefechte, in dem der französische[165]Führer fiel und 21 seiner Leute gefangen wurden. Washington verschanzte sich nun in der Hoffnung auf Verstärkung, wurde aber vom Fort Duquesne aus durch 600 Kanadier nebst 100 Indianern angegriffen und am 3. Juli zur Übergabe gezwungen.
Nach diesem Ereignis, das in ganz Europa Aufsehen erregte, war an einen friedlichen Austrag der Streitigkeiten nicht mehr zu denken.Englandbrach zwar die Verhandlungen noch nicht ab, rüstete aber stark zur See, und auf sein Betreiben faßten die nordamerikanischen Kolonien zum ersten Male den Plan einer Bundesverfassung sowie ein gemeinsames Vorgehen in ihrem Hinterlande ins Auge. Ende 1754 sandte die Regierung denGeneral Braddockmit zwei Regimentern nach Virginia.Frankreichtat zunächst noch nichts, da die Kassen leer waren; man empfand aber wohl, daß Kanada den vereinten englischen Kolonien nicht gewachsen[93]war und suchte durch Fortführung der Verhandlungen Zeit zum Rüsten zu gewinnen.
Frankreicherbot sich im Januar 1755, die Verhältnisse dem Aachener Frieden (1748) gemäß herzustellen,Englandverlangte den Utrechter Frieden (1713) als Grundlage. Ersteres erklärte sich im Februar bereit, auch das Ohiogebiet preiszugeben; ernst war es ihm jedoch kaum damit, denn gleichzeitig wies es seinen Gouverneur an, die englischen Forts am Kennebec zu nehmen. Die englische Regierung, die dies wußte und zum Bruche entschlossen war, forderte jetzt, im März, daß Frankreich das Ohiogebiet räume, die Forts am Niagara schleife, die Neutralisierung des Ontario-, Erie- sowie des Champlainsees und auch des Südufers des St. Lawrencegolfes bewillige, endlich den noch strittigen nördlichen Teil von Neubraunschweig abtrete. Darauf konnte Frankreich nicht eingehen, setzte aber die Verhandlungen noch fort.
Der offene Krieg brach in Amerika bald aus.Braddock, der im Februar 1755 gelandet war, stellte im April im Verein mit den Gouverneuren der wichtigsten Kolonien einen Kriegsplan auf, nach dem der Gouverneur von Neuschottland die Gebiete bis zum Lawrencegolf besetzen, die Milizen von New York und New Jersey, Crown Point (Fort St. Frederic, am Südende des Champlainsees) nehmen, und der schon aus dem vorigen Kriege bekannte Gouverneur von Boston,Shirley, Fort Niagara (an der Mündung des Niagara in den Ontariosee) angreifen sollte, während Braddock mit der Hauptmacht sich die Unterwerfung des Ohiogebietes vorbehielt. InAkadienglückte der Plan. Im Juni wurden die französischen Forts auf der Landzunge genommen und 7000 Einwohner, die den vollen Untertaneneid verweigerten, unter Beschlagnahme ihres Eigentums, sowie ohne jede weitere Fürsorge gewaltsam nach südlicheren Kolonien geschafft.Braddocks Zuggegen das Fort Duquesne schlug jedoch völlig fehl; er fiel am 9. Juli in einen Hinterhalt und kam mit einigen hundert Mann ums Leben; ohne Washingtons Geschick wären alle verloren gewesen.
Inzwischen hatten auch die Franzosen Unterstützung erhalten. Im Mai 1755 hatte ein Geschwader unterDubois de la MotteTruppenunter dem deutschen GeneralBaron Dieskau(mit ihm kam als neuer Gouverneurde Vaudreuilnach Kanada) nach Louisbourg und Quebec gebracht, ohne daß das englische Geschwader unter Boscawen es hatte hindern können. Diese Verstärkung vereitelte auch die beiden anderen Vorstöße.Der Zug gegen Crown Pointwar zwar vorgedrungen und hatte am oberen Hudson sowie am Lake George Befestigungen angelegt, dann aber trat ihm Dieskau entgegen. Zwar erlitt dieser eine Niederlage, in der er selber fiel, aber auch die Engländer wurden so geschwächt, daß sie stehen blieben und nur ihr Lager, Fort William Henry am Lake George, ausbauten. Infolgedessen kam auchder Zug gegen Fort Niagarazum Stillstand. Hier hatte man den Ontariosee erreicht, begnügte sich aber nun damit, die dort befindlichen englischen Stationen, Oswego und Ontario, zu verstärken.
Frankreichhatte sich also 1755 außer in Akadien überall behauptet, obgleich es nur 2800 Reguläre und 5000 Milizen gegen 15000 Mann, worunter etwa 7000 Reguläre, ins Feld führen konnte.
Trotz alledem ward der Krieg noch nicht erklärt. InEnglanderwog man wiederum, ob nicht in den Kolonien bei weiterem Wachsen ihrer Macht Selbständigkeitsgelüste auftreten würden.Gouverneur Shirleyerklärte aber, eine Vereinigung der Kolonien sei bei der Verschiedenheit der Verfassung, der Interessen sowie der Stimmung in den einzelnen unwahrscheinlich, auch könnten derartige Bestrebungen leicht durch die Besatzungstruppen niedergehalten werden; es gelang ihm, die Regierung zur Vertreibung der Franzosen aus Kanada zu bestimmen.Shirleyerhielt nun die oberste Leitung sämtlicher Milizen und faßte denPlan, 1756 Quebec von zwei Seiten anzugreifen, sowie gleichzeitig alle vorgeschobenen Forts der Franzosen im Westen zu nehmen. Die Mittel der Kolonien würden jedoch hierzu trotz ihrer Wohlhabenheit und starken Bevölkerung nicht hingereicht haben; den Milizen mangelten Übung und gute Offiziere. In England zweifelte man auch an der Befähigung Shirleys als Führer; man rief ihn deshalb unter dem Vorwande ab, seinen Rat nötig zu haben, und ersetzte ihn 1756 durch denEarl of Loudoun. Dieser sollte, unabhängig von den Gouverneuren, den Befehl über sämtliche Streitkräfte übernehmen, aber auch die Eigenwilligkeit der Kolonien brechen. Zu diesem Zweck erließ man Verfügungen, die in bestehende Vorrechte eingriffen. Anderseits brachte Loudoun eine Million Lstrl. mit, um den Kolonien die Kosten des Krieges 1755 zu ersetzen, sowie Mittel und Offiziere zur Errichtung zweier königlicher Regimenter.
Frankreichhatte zwar nach dem Auftreten des Admirals Boscawen im Juli 1755 die Verhandlungen abgebrochen, verhielt sich aber sonst doch friedlich und ergriff nicht einmal Gegenmaßregeln, als England überall französische Schiffe aufbrachte. Aber nach Nordamerika sandte man doch Verstärkungen; im April 1756 traf GeneralMarquis de Montcalmmit drei Fregatten und drei Flüten dort ein, die 1500 Mann nebst Kriegsmaterial und Geldmitteln erhielten. Der neue Oberbefehlshaber fand ungünstige Verhältnisse vor. Der Feldzug hatte die Kolonie erschöpft, da die Milizen der Bestellung der Felder entzogen gewesen waren; zwischen diesen tüchtigen, aber wenig disziplinierten Kriegern und den Regulären herrschte schlechtes Einvernehmen; die Beamten der Kolonie wirtschafteten unredlich.
Das Jahr 1756brachte für England nur weitere Rückschläge.Loudounzeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Statt schleunigst zu handeln, lag er mit 10000 Soldaten und 7000 Milizen untätig in Albany. Die englischenSeestreitkräfte waren nur schwach; die von Boscawen zurückgelassenen Schiffe unterKommodore Sprykreuzten zwar in den Gewässern bei Louisbourg, es gelang ihnen aber nicht, die französischen Schiffe mit Verstärkungen zu fassen. Der französische Oberbefehlshaber,Montcalm, war dagegen sehr tätig. Von den Forts Crown Point, Frontenac (am Niagara) und Niagara aus beunruhigte er die vorgeschobenen englischen Posten und deren Rückverbindungen; er nahm sogar Oswego sowie Ontario, wobei 1640 weiße Soldaten nebst 113 Kanonen und große Vorräte in seine Hände fielen. So faßte er festen Fuß am Ontariosee und bereitete weitere Angriffe vor, während verbündete Indianer die englischen Grenzgebiete verwüsteten.
Jetzt wäre es für Frankreich an der Zeit gewesen, Kanada mit aller Kraft zu unterstützen, aber man hatte in Paris mehr Vorliebe für Pläne gegen England in Europa und für den Krieg in Deutschland. Ganz ohne Erfolg blieben Montcalms Bitten um Hilfe indessen nicht. Bekanntlich gelang es im Frühjahr 1757 drei französischen Geschwadern mit Truppen und Material, die Blockade zu brechen.Bauffremonttraf am 23. Mai mit 4 Linienschiffen,Durevestam 25. mit 4, undDubois de la Motteam 19. Juni mit 9 in Louisbourg ein; von nun an waren die französischen Seestreitkräfte den englischen stets gewachsen, zuzeiten überlegen. Dubois verfügte im Juni über 18 Linienschiffe und 5 Fregatten, während die Engländer erst im Juli, nach Eintreffen einer Verstärkung, 15 Linienschiffe zählten.
Der Hauptplan Loudouns für 1757ging denn auch durch die Überlegenheit der Franzosen zur See in die Brüche. Zu einem kräftigen Vorgehen gegen die Forts an den Seen war der General auch in diesem Jahre nicht geneigt, aber er hatte einenAngriff auf Louisbourgvorgeschlagen und dafür die Billigung der Regierung erhalten; diese bestimmte den Gouverneur von New York, KontreadmiralSir Charles Hardy, zum seemännischen Führer des Unternehmens. In New York wurden im Mai 3500 Mann zusammengezogen, aber erst im Juni nach Halifax übergeführt, weil sich bis dahin französische Schiffe dort gezeigt hatten; mit den Truppen in Halifax zählte das Angriffskorps nunmehr 11000 Mann. Es wurden aber Wochen mit Exerzitien und Paraden verloren, vielleicht wollte man auch die eben erwähnte Verstärkung erwarten, die längst in Aussicht gestellt war; hatte man Anfang Juni die französische Flotte für zu stark erachtet, um in See zu gehen, so war dies nach Dubois' Eintreffen noch mehr der Fall.
Es fällt auf, daßDuboisdiese Gelegenheit nicht benutzte, seinerseits anzugreifen. Er hatte jedoch nach dem französischen Brauche zu jener Zeit wieder den gemessenen Befehl, „Louisbourg nur zu verteidigen; die feindlichen Seestreitkräfte nur anzugreifen, wenn er derartig überlegen sei, daß der Erfolg unbedingt sicher stände“; er hatte außerdem viele Kranke auf seinen Schiffen und war 65 Jahre alt. Am 7. Juli traf endlich die Verstärkung unter VizeadmiralFrancis Holburneein, der den Oberbefehl zur See übernahm. Dieser ließ durch Fregatten die Kräfte der Gegner erkundenund daraufhin wurden die Truppen am 1. und 2. August eingeschifft, um sie in der Gabarusbucht, 6 Seemeilen westlich von Louisbourg, zu landen. Als man aber auf einer Prise Papiere fand, die höhere und richtigere Angaben über die Stärke der Franzosen enthielten, sah man doch von dem Unternehmen ab; die Truppen wurden wieder ausgeschifft und teilweise nach New York zurückgeführt.
Auf den anderen Kriegsschauplätzenbrachte das Jahr 1757 den Engländern nur Verluste.Montcalmhatte schon im Winter versucht, sich des Forts William Henry am Georgesee zu bemächtigen, und im August gelang es ihm, dieses zu zerstören; dann stellte er allerdings die Operationen ein, da er die Milizen zum Einbringen der Ernte entlassen mußte, und da unter den Indianern die Blattern ausbrachen. Immerhin blieben die Franzosen Herren des Hinterlandes von New York und Loudoun tat auch nach Aufgabe des Angriffs auf Louisbourg hiergegen nichts. Er glaubte genügendes zu leisten, wenn er die über die mangelhafte Kriegführung entrüsteten Kolonisten zum Befolgen seiner Verordnungen anhielt und über etwaige Selbständigkeitsgelüste wachte. Die Entrüstung wuchs aber noch, als die englische Flotte bald heimsegelte.
Admiral Holburne hatte schwer durch Sturm gelitten.Er war am 26. August vor Louisbourg erschienen, um in Person die Verhältnisse zu erkunden, ging aber nach Halifax zurück, als Dubois Miene machte, herauszukommen. Hier fand er eine neue Verstärkung von 4 Linienschiffen vor, die seine Flotte auf 19 Linienschiffe und 2 50-Kanonenschiffe brachte. Jetzt dem Gegner überlegen, ging er abermals in See, um Dubois durch Abschneiden aller Zufuhren zum Kampfe zu zwingen. Aber als die Flotte am 24. September etwa 60 Seemeilen südlich von Louisbourg stand, kam ein schwerer Oststurm auf, der am 25. zum Orkan anschwoll; die Flotte wäre wahrscheinlich verloren gewesen, wenn der Wind nicht nach Norden gedreht hätte. So schon scheiterte ein Linienschiff, eine Sloop kenterte und die anderen Schiffe litten schwer, 12 wurden entmastet. Der Admiral sah sich genötigt, einen Teil der Flotte sofort nach England zu senden; er folgte bald darauf mit dem Rest und ließ nur eine kleine Division in Halifax, die Louisbourg die Zufuhren abschneiden sollte. Nun verließ im Oktober auchAdmiral Duboisdie Station, er entging dem Blockadegeschwader Hawkes und lief am 22. November in Brest ein. Den Gesundheitszustand auf seinen Schiffen kennzeichnet die Tatsache, daß er nach seiner Ankunft 4000 Kranke ausschiffte, wodurch in Brest eine Epidemie ausbrach, die täglich 50–80 Opfer forderte.
England erobert Louisbourg 1758.In diesem Jahre wandten sich die Verhältnisse zugunsten Englands: alsPittans Ruder gelangt war, der gerade auf den Kolonialkrieg Wert legte, kam ein anderer Geist in die englische Kriegführung.
Pittänderte vor allem die innere Politik in Nordamerika: Loudoun wurde abberufen; alle gegen die Freiheiten der Kolonien gerichteten Maßregeln wurden aufgegeben;[169]den Milizoffizieren bewilligte man gleiche Rechte wie denen des Heeres; anstatt Kriegssteuern zu fordern, ersuchte man die Neuenglandstaaten, gegen Rückerstattung der Kosten so viel Leute als möglich ins Feld zu stellen. — Pitt wandte sich mit Erfolg an die Vaterlandsliebe der Kolonisten.
Pittentwarf mitBenjamin Franklin, der sich gerade in England aufhielt, einenKriegsplan: Mit einer Hauptmacht, einer starken Flotte unter AdmiralBoscawennebst 12000 (14000?) Mann Landungstruppen, sollten Louisbourg und dann Quebec genommen werden, eine weitere Expedition unter GeneralAbercrombygleichzeitig gegen Crown Point und eine dritte unterJohn Forbesgegen Fort Duquesne vorgehen. Die Kräfte der beiden letztgenannten Unternehmen waren auf 50000 Mann, Reguläre und Milizen, veranschlagt. Aber auchFrankreichhatte in den Wintermonaten Verstärkungen hinausgesandt; in drei Abteilungen segelten 4 voll armierte Linienschiffe, 2 Fregatten, 5 als Flüten ausgerüstete Linienschiffe, sowie ein schweres Schiff der indischen Kompagnie mit Truppen und Vorräten nach Louisbourg und Kanada.
Was wollte dies jedoch gegen die Übermacht sagen, mit der England auftrat. Als der Angriff erfolgte, standen in Louisbourg nur 3000 Soldaten, mit den Schiffsbesatzungen und einigen Milizen wahrscheinlich 7000 Verteidiger insgesamt;Montcalmverfügte in Kanada über 6000 Reguläre und 15000 Milizen, die auf viele weitentlegene Stationen verteilt waren, sowie über Indianerhorden. Er konnte daher nicht mehr angriffsweise vorgehen und hielt auch die Kolonie ohne schleunige Hilfe oder Friedensschluß für verloren. Wohl wollte Frankreich noch weitere Verstärkungen senden, aber Hawke machte dies durch sein Auftreten auf der Rhede von Ile d'Aix am 3. April 1758 (Seite 145) unmöglich. Dennoch verlor Montcalm den Mut nicht; am 16. Juni schrieb er nach Paris: „Wir werden fechten und uns unter den Trümmern der Kolonie begraben lassen.“ — Trotz der üblen Lage der Gegner gelang den Engländern nur der Angriff auf Louisbourg vollständig; im Landkriege ward nur ein Teilerfolg erzielt.
Die Einnahme von Louisbourg[94]1758.Lage sowie Befestigungen der Stadt sind bereits Seite 93 beschrieben. Die Befestigungen waren jetzt besser im Stande als damals, besonders auf der Seefront, aber der Gouverneur, Kapitän zur SeeChevalier Drucourt, verfügte nur über 3000 Soldaten und einige Milizen. Im Hafen lagen 5 Linienschiffe, davon 3 als Flüten armiert, 2 Fregatten und 2 Korvetten. Diese vier kleineren Schiffe wurden in der Hafeneinfahrt versenkt und die Linienschiffe hinter der so hergestellten Sperre mit der Breitseite nach See zu verankert. Die letzte Abteilung der obenerwähnten Verstärkung, KapitänDu Chaffault, war angelangt, als der Hafen schon gesperrt war; er gab die für die Festung bestimmten Truppen sowie Vorräte ab und ging nach Quebec weiter.
Die englische Expedition unterAdmiral Boscawenhatte im Februar Portsmouth verlassen; sie zählte 20 Linienschiffe, 18 Fregatten, einige leichtere Schiffe sowie über 100 Transporter; insgesamt 167 Segel mit 12000 Mann Landungstruppen. Diese befehligte GeneralmajorJeffrey Amherst, unter ihm stand als BrigadegeneralJames Wolfe, der spätere Held von Quebec. Auf der Überfahrt durch[170]Sturm teilweise versprengt, fand sich die Expedition erst am 2. Juni in der Gabarusbucht wieder zusammen. Mehrere Tage lang verhinderte starke Brandung das Landen, erst am 8. gelang es. Fregatten und Sloops hielten den Strand unter heftigem Feuer; an zwei Stellen wurde eine Scheinlandung vorgetäuscht, an einer dritten setzte Wolfe Truppen an Land. Obgleich mehrere Boote kenterten und ihre Besatzungen teilweise ertranken und obwohl fast alle Munition naß geworden war, trieben die Gelandeten den Feind mit dem Bajonett zurück und faßten festen Fuß. Abends waren alle Truppen ausgeschifft; — zum Glück, denn bald frischte der Wind auf und die Verbindung mit den Schiffen wurde auf mehrere Tage unterbrochen.
Am 13. Juni begann die regelrechte Belagerung der Festung, wozu man auch die Seesoldaten der Flotte heranzog. Das Feuer der Linienschiffe hinter der Sperre belästigte die Angreifer sehr, aber am 21. Juli wurde das stärkste von ihnen in Brand geschossen, flog auf und entzündete noch zwei andere. In der Nacht zum 25. ließ Boscawen die beiden letzteren durch 600 Mann in Booten angreifen; trotz heftigen Feuers der Schiffe sowie der Befestigungen gelang es, das eine zu verbrennen, das andere zu nehmen und von der Sperre wegzuschleppen. Dies führte zur Entscheidung. Als Boscawen Vorbereitungen traf, mit Linienschiffen in den Hafen einzudringen, tratDrucourtin Verhandlungen ein und übergab am 27. Juli die fast in Trümmern liegenden Befestigungen[95]; gegen 800 Mann waren gefallen oder schwer verwundet, 1200 lagen krank. Die Garnison und die Schiffsbesatzungen, gegen 4000 Mann, wurden kriegsgefangen, 216 Kanonen sowie einige Mörser erbeutet; die Einwohner der Stadt (wahrscheinlich auch die Milizen) sandte man nach Frankreich. Die Engländer sollen nur 400 Mann verloren haben. Erwähnenswert ist, daß es einem französischen Freibeuter gelungen war, während der Belagerung in den Hafen einzulaufen und ihn auch wieder zu verlassen.
Mit Louisbourg fiel die ganze InselKap Bretonund auch die benachbarte,St. Jean(englischerseits späterPrince Edwards Inselbenannt), und den Engländern stand die Mündung des St. Lawrencegolfes offen; den Franzosen war damit einer ihrer besten Fischgründe sowie ein Ausgangspunkt der Freibeuterei genommen, die bisher den Handel der Kolonien schwer geschädigt hatte. Der Angriff auf Quebec wurde aber noch vertagt, weil die Jahreszeit zu weit vorgeschritten erschien und weil derGeneral Amherstdurch ungünstige Nachrichten vom General Abercromby zu dessen Unterstützung abgerufen wurde.Admiral Boscawenließ nach dem Fall von Louisbourg zunächst französische Niederlassungen auf den Magdaleneninseln sowie auf dem Festlande von Neubraunschweig zerstören, die Insel St. Jean besetzen und den General Amherst nebst einigen Bataillonen nach Boston bringen. Später segelte er mit dem größeren Teile der Flotte nach England, nur wenige Schiffe blieben unter KontreadmiralDurellin Nordamerika. Daß Boscawen vor dem Kanal zufällig mit der aus Kanada heimkehrenden DivisionDu Chaffaultzusammenstieß, ist bereits erzählt (Seite 146).
Auf dem Landkriegsschauplatze 1758hatteGeneral Abercromby15000 Mann, darunter 6000 Reguläre, am Lake George zusammengezogen, um Fort Carillon (später Ticonderoga genannt) am Nordendedieses Sees, sowie dann Crown Point zu nehmen und sich so den Weg nach Montreal zu bahnen.Montcalm, der sich persönlich in Carillon befand, war zwar nur ein Viertel so stark, aber infolge falscher Maßnahmen der Engländer auf dem Marsche und besserer Geländekenntnis gelang es ihm, diesen im Juli eine Niederlage beizubringen und dann einen Sturm so kräftig abzuschlagen, daß sie sich mit großem Verluste zurückzogen und nichts weiter wagten. Nur einen kleinen Erfolg errangen sie. Einer Truppe von New York, 3000 Mann, war es geglückt, im August das fast ganz von Verteidigern entblößte Fort Frontenac zu nehmen. Sie konnte sich dort zwar nicht halten und mußte sich mit der Zerstörung des Werkes begnügen, aber dieser Erfolg zog den Fall des Forts Duquesne nach sich, das mit seiner Versorgung ganz auf Frontenac angewiesen war. BrigadierForbes, der Duquesne angreifen sollte, hatte längere Zeit mit dem Bau einer Straße zum Ohio verloren und war bereits entschlossen, den Angriff für dieses Jahr aufzugeben; von Waldläufern über die traurige Lage des Forts unterrichtet, sandte erWashingtonmit Milizen hin. Dieser fand das Werk schon verlassen und aufgesprengt vor; der Ort ward mit Garnison belegt und nunmehr Pittsburg benannt. Abercromby wurde im Herbst abberufen und General Amherst übernahm den Oberbefehl an seiner Statt.
England erobert Quebec, 17. September 1759.Der teilweise Mißerfolg des Vorjahres hinderte Pitt nicht an der Verfolgung seines Planes. Das Parlament bewilligte ihm 12 Millionen Lstrl. und früh im Jahre 1759 wurde eine neue starke Flotte unterVizeadmiral Sir Charles Saundersmit Truppenverstärkungen abgesandt; begeistert für Pitt und unter dem Eindruck der englischen Erfolge in Westindien boten auch die Kolonien alle ihre Kräfte auf. GeneralStanwixwurde mit der Unterwerfung des Gebietes westlich von Pittsburg bis zum Eriesee beauftragt; BrigadierPrideauxerhielt Befehl, das Fort Niagara zu nehmen;Amherstwies man an, über den Champlainsee nach Montreal vorzudringen;Wolfesollte, unterstützt durch die große Flotte, Quebec erobern. —Montcalmsah jetzt das Ende voraus; er soll schon beabsichtigt haben, sich nach Louisiana zurückzuziehen, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Aber er tat, was in seinen Kräften stand; er verstärkte die Stellung am Champlainsee mit 2000, die am Ontariosee mit 900 Mann und hielt sich bereit, mit 14000 Mann Quebec zu verteidigen.
MontcalmsBitten um Unterstützung hatten keinen Erfolg, man war in Frankreich nur mit dem Einfall in England und mit dem Festlandskriege beschäftigt. 1759 lief kein Kriegsschiff nach Kanada aus, nur einigen Freibeutern gelang es, 600 Rekruten sowie wenige Vorräte hinüberzuschaffen. Der Kriegsminister schrieb an Montcalm, der König sei außerstande, genügend Truppen zu senden, um den Engländern gewachsen zu sein, Verstärkungen würden diesen ja doch nur in die Hände fallen oder, falls sie glücklich ankämen, nur die Hungersnot in Kanada steigern.
Die englischen Vorstöße hatten trotz tapferster Gegenwehr überall Erfolg. Stanwix und Prideaux erfüllten ihre Aufgaben. Auch Amherstnötigte seinen Gegner,Bourlamagne, Carillon sowie Crown Point zu räumen; dann allerdings verschanzte sich dieser beim Fort Isle aux Noix am Flusse Richelieu und hielt hier Amherst stand. Dieser aber ging zur Winterruhe nach Crown Point zurück; er war ohne Kenntnis von dem Stande des Angriffes auf Quebec, dem er über Montreal hatte die Hand reichen sollen.
Die Einnahme von Quebec 1759.Das Gros der Flotte unter AdmiralSaundershatte England am 17. Februar verlassen, nachdem einige Schiffe unterKontreadmiral Holmesbereits im Januar gesegelt waren, um in Halifax Vorbereitungen für die Expedition zu treffen; diese sammelte sich dann in Louisbourg. Mit Einschluß der Schiffe Durells, die vom Vorjahre her auf der Station waren, zählte die Flotte 20 Linienschiffe, 2 50-Kanonenschiffe, 17 Fregatten und Sloops, 8 Brander und Mörserboote sowie zahlreiche Transporter. An Truppen verfügte GeneralWolfeüber 10 Bataillone Infanterie und einige Kompagnien Artillerie; insgesamt 9200 Mann. Am 1. Juni ging die Expedition nach dem Lorenzstrome in See und erreichte am 23. die Insel Bic, etwa 120 Seemeilen von Quebec. Hier lag seit dem 23. Mai die DivisionDurell, die bereits im Frühjahr, sobald die Witterung es erlaubte, in den Fluß eingedrungen war. Die Gesamtflotte ging nun weiter stromauf. Bei der Insel Condres, etwa 60 Seemeilen von Quebec, wurde Durell zurückgelassen, noch durch einige Linienschiffe (wahrscheinlich die schwersten weil tiefgehendsten) verstärkt, um hier den Fluß abzusperren. Saunders setzte seine Flagge auf einem kleinen Linienschiff (64 Kanonen) und führte die Flotte bis zur Insel d'Orleans, die wenige Seemeilen vor der Stadt den Fluß in zwei Arme teilt; auf dieser Insel wurde das Lager für die Truppen aufgeschlagen.
Montcalmhatte zwar die Bojen und Marken des Fahrwassers entfernen lassen, sonst aber nichts getan, um dem Gegner an geeigneten Stellen entgegenzutreten, obgleich Brander und Kanonenboote vorbereitet waren. Die Stadt, am linken Ufer gelegen, wurde nur durch die Zitadelle und vor allem durch ein verschanztes Lager auf ihrer Nordostseite verteidigt; das rechte Ufer war unbesetzt gelassen. Das Lager, in dem fast das ganze französische Heer, 14000 Mann, stand, konnte der steilen Ufer wegen vom Flusse her nicht angegriffen werden, auf der anderen Seite war es durch die Täler der Flüsse Montmorency sowie St. Charles gesichert; in dem letzteren lagen zwei armierte Hulks zur Verbindung mit der Stadt. Zwischen Montcalm und dem GouverneurVaudreuil, einem Seeoffizier, bestanden andauernd Zwistigkeiten. Montcalm wünschte Maßregeln für einen etwaigen Rückzug zu treffen, Vaudreuil hielt dies mit der Begründung für unnötig, daß der Gegner höchstens einige Häuser der Stadt zerstören könne, wenn die ganze französische Macht vereinigt sei. So waren außer dem Lager nur die Zitadelle und mehrere Punkte stromaufwärts der Stadt besetzt, die zu einer Landung geeignet schienen.
Nach der Landung legteSaunderseinige Linienschiffe und Fregatten weiter stromauf der Stadt gegenüber an das rechte Ufer undWolfelandete dort (bei Point Levis) Soldaten. In der Nacht zum 29. Juni schickten die Franzosen 7 Brander und Brandflöße gegen die Flotte, doch diese hatte Vorbereitungen getroffen, und die gefahrdrohenden Fahrzeuge wurden durch Boote unschädlich gemacht; ebenso mißlang den Franzosen am 1. Juli der Versuch, mit schwimmenden Batterien die bei Point Levis Gelandeten zu vertreiben. Der Angriff wurde durch das Feuer der dort liegenden Schiffe abgewiesen. Wolfe baute hier eine Batterie, und in wenigen Tagen lag der größte Teil der Stadt in Trümmern. Die hochgelegene Zitadelle war aber nicht unter wirksames Feuer zu nehmen und ein Sturm auf die Stadt der steilen Ufer wegen ausgeschlossen; Montcalm ließ sich nicht herauslocken und wartete, daß sich der Feind eine Blöße gäbe. Wolfe legte nun Batterien am Montmorency an und beschoß von dort das Lager, doch auch dies blieb ohne Erfolg und zum Sturm fand sich keine geeignete Stelle. Man sandte einige kleine Schiffe an der Stadt vorbei, aber ein Landungsversuch dieser ward abgeschlagen,[173]ebenso ein endlich am 31. Juli doch unternommener Sturm am Montmorency. Die Angreifer kamen nicht vorwärts, und die Zuversicht der Verteidiger wuchs so, daß man 3000 von ihnen unter dem fähigsten Offizier,de Levis, nach Montreal sandte, um Bourlamagne zu verstärken. Montcalm hoffte jetzt, seine Stellung halten zu können, bis die Herbststürme den Feind zum Abbruch der Belagerung nötigten; er wurde in seiner Hoffnung durch die Nachricht bestärkt, daß Wolfe fieberkrank daniederläge.
Aber dieser dachte nicht an Rückzug. Weitere Erkundungen oberhalb der Stadt wurden vorgenommen und eine derselben, von ihm in Person geleitet, ließ einen zum Landen geeigneten Punkt im Westen der Stadt finden. Die Flottille stromaufwärts wurde nun verstärkt und in der Nacht des 4. September sandte man soviel Soldaten dorthin, als die vorhandenen flachen Fahrzeuge sowie alle entbehrlichen Schiffsboote der Flotte fassen konnten; um den Feind zu täuschen, setzte man in den nächsten Tagen die Erkundungsfahrten fort. In der Nacht vom 12./13. drangen dann die Boote weiter den Fluß hinauf vor und lockten dadurch die zur Verteidigung des Ufers bestimmten Franzosen unterBougainville[96]mit sich. Eine Stunde vor Tagesanbruch aber wendeten sie plötzlich und ruderten mit aller Kraft, jetzt unterstützt durch die Strömung und die Ebbe, so schnell stromab zu dem beabsichtigten Landungspunkte, daß die Franzosen am Ufer nicht folgen konnten. Mit Tagesanbruch wurde unter Wolfes Führung gelandet, die Wache überrumpelt, das steile Ufer erstiegen und oben eine kleine Batterie genommen; bald standen die Engländer auf der Höhe vor den Toren der Stadt. Jetzt erst erfuhr Montcalm, was geschehen war. Er eilte mit einigen Truppen über den Charlesfluß herbei und sandte Befehl an Bougainville, den Gegner im Rücken anzugreifen. Aber dieser konnte seine Leute nicht schnell genug sammeln und Vaudreuil hielt den größeren Teil des Heeres im Lager zurück, da die englische Flotte mit den Seesoldaten in den noch vorhandenen Schiffsbooten eine Scheinlandung am Montmorency unternahm.
So hatte Montcalm um 10 Uhr vormittags nur 4500 Mann zur Verfügung; er griff dennoch Wolfe an, um ihm keine Zeit zur Verschanzung sowie zur Verstärkung zu lassen. Aber trotz der Tapferkeit des Generals und seiner Offiziere schlugen die Engländer den Angriff ab;Montcalmselber ward tödlich verwundet, der nächstälteste Offizier fiel und die an den Kampf im offenen Gelände nicht gewöhnten Kanadier wichen in Stadt und Lager zurück. Bei der herrschenden Verwirrung hätten die Engländer mit kräftigem Nachdringen wohl das Lager nehmen können, aber jetzt erschien Bougainville, und auch bei ihnen ging die Oberleitung verloren, daWolfesowie dessen Nachfolger gefallen waren. Bougainville war aber allein zu schwach zum Angriff, so daß sich die Engländer in ihrer Stellung verschanzen und die Verbindung zwischen Lager und Stadt durch den Bau einer Batterie unterbrechen konnten.
Vaudreuilgab nach einem Kriegsrate Lager und Stadt auf und zog sich auf Montreal hin zurück. In Quebec blieben nur 1700 Mann mit dem Befehl, sich nach Erschöpfung ihrer Vorräte zu ergeben. Dies geschah schon am 17. September, als die Engländer Miene machten, die Beschießung vom Lande und von der Flotte aufzunehmen. Den Einwohnern der Stadt sowie den Milizen war Erhaltung ihres Besitzes und Religionsfreiheit zugesichert; nur die Soldaten wurden kriegsgefangen. Vaudreuil traf auf seinem Marsche baldde Levis, der nach der Kunde von dem Geschehenen stehen geblieben war. Dieser übernahm nun den Oberbefehl und führte das Heer zum[174]Entsatze Quebecs heran, ging aber nach Montreal zurück, als er die Übergabe der Stadt erfuhr.
Nach dem Falle Quebecs gingSaundersmit der Flotte nach England heim; nur 5 Linienschiffe nebst einigen Fregatten und Sloops verblieben unter KommodoreLord Colvillein den amerikanischen Gewässern. Als die Flotte den Lorenzstrom verlassen hatte, entschlüpften einige französische Freibeuter, die sich vor der Belagerung stromaufwärts der Stadt verborgen hatten. Diese brachten die Nachricht von den Ereignissen mit neuen Bitten um schleunigste Hilfe nach Frankreich.
Letzter Kampf um Kanada. Montreal fällt 1760.Generalde Levis, der nach Montcalms Tode den Oberbefehl übernahm, gab trotz der verzweifelten Lage den Kampf nicht auf. Er zog alle verfügbaren Truppen bei Montreal zusammen und beunruhigte von dort aus während des Winters die englischen Posten. Im Frühjahr 1760 machte er sogar den Versuch, Quebec wieder zu nehmen, da hier nur 3000 Engländer unterGeneral Murraylagen. Er führte 5000 Mann[97]auf Fahrzeugen verschiedener Art den Fluß hinunter, landete etwas oberhalb der Stadt, schlug die Gegner zurück und schloß sie ein. Dieser Erfolg wurde nur durch die Unentschlossenheit des Feindes ermöglicht. Englischerseits hatte man geplant, die Franzosen in Montreal zu erdrücken: Amherst sollte mit 11000 Mann vom Champlainsee vorrücken, ihm zur Seite Oberst Havyland mit 5000 Mann und Murray von Quebec aus; Colvilles Geschwader sollte wieder nach Quebec gehen, sobald die Jahreszeit es erlaubte. De Levis war ihnen zuvorgekommen; die Stadt stand schon vor dem Fall, als endlich am 15. Mai die ersten Schiffe eintrafen und sofort den Kampf gegen die französischen Belagerungsbatterien aufnahmen.
Jetzt mußte de Levis nach Montreal zurück, er verstand es aber, noch monatelang die Wege dorthin zu verteidigen.Amhersthatte nicht die gerade, kaum noch streitig gemachte Straße nach Montreal eingeschlagen, sondern war zum Ontariosee marschiert, auf dem man im Winter eine Flottille von Segelkuttern und Ruderfahrzeugen gebildet hatte. Er nahm hier und bei dem Vordringen flußabwärts nach und nach die letzten kleinen französischen Posten und langte erst am 7. September vor Montreal an. Am selben Tage erschienen auchHavyland, der Bougainville hatte zurückdrängen müssen, und Murray, der nur langsam, von kleinen Kriegsschiffen unterstützt, flußaufwärts hatte herankommen können. Jetzt war allerdings das Schicksal der Franzosen entschieden.De Leviswollte es zwar noch auf einen Kampf ankommen lassen, mußte sich aber auf Vaudreuils Befehl am 8. September ergeben. Bald darauf fielen auch die letzten Posten Frankreichs am Eriesee und Colvilles Schiffe säuberten den St. Lawrencegolf von französischen Freibeutern, die noch zahlreich in den verschiedenen Buchten gelegen hatten. Die Beamten und Offiziere Kanadas mit ihren Angehörigen,sowie die Soldaten wurden nach Frankreich geschafft; gegen 500 der angesehensten Ansiedler folgten ihnen, und England begünstigte deren Abzug.Kanada war für die Franzosen verloren[98].
In Frankreich erregte der Verlust Kanadas die größte Empörung. Das Volk wußte nicht, daß die Regierung schon lange damit gerechnet hatte; es fühlte nur die Schmach und den Schmerz über die nutzlosen Opfer. Der Hof beschloß deshalb, was schon früher hätte geschehen müssen, die pflichtvergessenen Beamten zur Rechenschaft zu ziehen. Vaudreuil sowie der Intendant und zahlreiche Beamte kamen in die Bastille; sie wurden später verbannt oder sonst bestraft, auch mußten sie 11½ Millionen veruntreuter Gelder ersetzen. Frankreich hatte von 1749–1760 für Kanada 123 Millionen aufgewendet; von 40 Millionen, die man der Kolonie schuldig war, wurden nur 12 zurückgezahlt. Die Tapferkeit der Offiziere dagegen fand Anerkennung; viele von ihnen fanden später noch eine ehrenvolle Laufbahn.
England hatte ein Hauptziel des Krieges erreicht; der sehnliche Wunsch der Kolonien war erfüllt, ihrer Ausdehnung stand nichts mehr im Wege. Allerdings erklärte die Regierung das Hinterland der Neuenglandstaaten vom Alleghanygebirge bis zum Mississippi für Kronland, während es zu diesen Kolonien hätte geschlagen werden müssen, da nach den alten Chartres bei Gründung der Niederlassungen stets ein Landstreifen vom Atlantik bis zum Stillen Ozean verliehen war. Aber die Staaten brauchten doch ihre Männer sowie ihr Geld nicht mehr für Kriege gegen die Kanadier zu verwenden und ein großer wirtschaftlicher Aufschwung mußte die Folge sein. Ebenso zweifellos aber war eine außerordentliche Steigerung des Selbstgefühls dieser schon so eifersüchtig über ihre Rechte wachenden Kolonien. Es wurden deshalb auch in England beim Friedensschlusse Stimmen laut, die rieten, Kanada an Frankreich zurückzugeben und lieber Guadeloupe zu behalten. Frankreich erhielt aber nur die beiden kleinen InselnSaint PierreundMiquelonan der Südküste Neufundlands als Stützpunkte seiner Kabeljaufischerei zurück; sie gehören ihm noch heute. Ihre KolonieLouisianatraten die Franzosen an Spanien ab;von Nordamerika war Frankreich damit ausgeschlossen.