Westindien 1755–1757.Dieser Kriegsschauplatz bietet in den ersten Jahren des Krieges wenig Bemerkenswertes, obgleich auch hier schon bald nach dem letzten Friedensschluß Streitigkeiten eintraten, so zunächst umdie neutralen Inseln.
Wie bereits erwähnt, hatte man 1730 die Inseln Tabago, Sta. Lucia, St. Vincent und Dominica als neutral erklärt. Beim Friedensschluß 1748 erhielt Frankreich das Besitzrecht auf Sta. Lucia, wurde aber von England stets gedrängt, die Insel wieder aufzugeben; anderseits machten die Franzosen schon 1748 den Versuch, von Martinique aus Tabago zu besetzen und zu befestigen, den sie nur auf ernstliche Vorstellungen Englands unterließen. Im Frieden 1763 erhielt Frankreich aufs neue Sta. Lucia zugesprochen, während die drei anderen neutralen Inseln an England fielen; ebenso das bisher französische Grenada; Sta. Lucia kam erst 1814 endgültig an England.
Besonders eifersüchtig aber war England auf das Aufblühen der französischen Inseln in den letzten Jahren, so daßFrankreichwohl auf Angriffe gegen diese beim Ausbruch des Krieges gefaßt sein mußte. Es wurden deshalb überall die Befestigungen verstärkt und neue angelegt. 1755 stellte man auf allen Inseln Miliz- und Negertruppen auf und rüstete Kaperschiffe aus; um dem Mangel an Nahrungsmitteln vorzubeugen, wurden die Häfen neutralen Schiffen geöffnet. Anfang 1756 sandte man von Frankreich je ein Geschwader nach den beiden Stationen, St. Domingue und Martinique für die Antillen, die Truppen sowie Vorräte hinausbringen und den feindlichen Handel schädigen sollten.
Englanddachte jedoch vorläufig noch nicht an Unternehmungen gegen die feindlichen Kolonien; man hielt zunächst aus Besorgnis vor einer Invasion die Seestreitkräfte in Europa zusammen. Man verstärkte zwar die beiden westindischen Stationen (Jamaika und Barbados für die Kleinen Antillen) aber auch nur mit dem Zwecke, den Handel des Gegners lahmzulegen und seinen Inseln die Zufuhren abzuschneiden, in der Hoffnung, sie mit der Zeit auszuhungern.
Somit führte man nur den Kleinkrieg, denn keine Partei war zu größeren Unternehmungen genügend stark. Aber auch in diesem war keine ausgesprochen im Vorteile; wahrscheinlich litt England mehr, wie wir es meistens bei Beginn der Kriege gesehen haben. Wenn auch die Engländer viele Kauffahrer abfingen, so sorgten doch Holland und Spanien für die Einfuhr und Ausfuhr der französischen Inseln, und das Lahmlegen des französischen Handels wurde wenig fühlbar; anderseits fielen mehr englische Schiffe in Feindeshand, weil Englands Schiffahrt beträchtlich größer war als die der Franzosen und weil diese über mehr Freibeuter verfügten. Namentlich im Jahre 1756 scheinen die Engländer in den westlichen Gewässern schwere Verluste erlitten zu haben; die Jamaikastation war nur schwach besetzt, und die Schiffe wurden aus Furcht vor einem Angriff auf die Insel zusammengehalten. Außer Zusammenstößen einzelner Schiffe kam es in den ersten Jahren nur zu einem größeren Gefechte.
Seegefecht bei Le Cap[99]am 21. Oktober 1757.Im November 1756 war ein französisches Geschwader unter Kapitände Kersaintvon 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer Korvette aus Brest über Westafrika nach Westindien ausgelaufen und hatte nach Berühren von Martinique im Sommer 1757 Le Cap erreicht; von hier sollte es einen Konvoi Handelsschiffe nach Frankreich geleiten. Um dies zu hindern, sandten die Engländer im Herbst von Jamaika denKapitän Forrestmit drei Linienschiffen zum Kreuzen vor Le Cap, Kersaint hatte aber hier andere Schiffe vorgefunden und trat dem Gegner, wider dessen Erwarten, am 21. Oktober mit Überlegenheit entgegen. Es standen französischerseits 2 Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 64,[177]1 zu 50, 1 zu 44 und 2 zu 32 Kanonen gegen 1 Schiff zu 64 und 2 zu 60 englischerseits. Als die Franzosen in Sicht kamen, rief Forrest die beiden anderen Kommandanten zu sich an Bord und sagte ihnen: „Well, gentlemen, you see they are come out to engage us“, worauf KapitänSucklingantwortete: „It would be a pity to disappoint them“. Dann griffen die Engländer um 3½ Uhr nachmittags an, wobei Suckling führte, und nach scharfem, zweistündigem Kampfe mußte sich Kersaint mit seinem Schiffe durch eine Fregatte aus dem Gefecht schleppen lassen, worauf auch die anderen Franzosen abbrachen.
Die Engländer verloren an Toten und Verwundeten 119 Mann; ihre Schiffe waren in der Takelage so beschädigt, daß sie zum Ausbessern nach Jamaika zurückfuhren. Die Franzosen sollen gegen 500 Mann verloren haben; Kersaint konnte jedoch seinen Konvoi nach Frankreich führen und hatte somit den strategischen Erfolg auf seiner Seite. Trotzdem gilt das Gefecht bei den Engländern als eines der ruhmreichsten ihrer Geschichte, und wohl mit Recht. Suckling war der Oheim Nelsons, und auf seinem Schiff trat dieser ein. Als 48 Jahre später am gleichen Datum Trafalgar geschlagen wurde, gedachte Nelson dieses Gefechtes und sah es als eine gute Vorbedeutung an.
Im Jahre 1758brachte Pitts Einfluß auch in Westindien wie auf den übrigen Kriegsschauplätzen durch Belebung der Tatkraft einen Umschwung zugunsten Englands hervor. Zunächst erklärte dieses jegliche Zufuhr von Lebensmitteln in französische Kolonien seitens spanischer oder holländischer Schiffe für Neutralitätsbruch und handelte dementsprechend. Zwar beschränkte man sich noch auf den kleinen Krieg, wohl weil die Expedition gegen Louisbourg große Aufwendungen erforderte, aber man übertraf den Gegner doch schon an Zahl der Streitkräfte. Frankreich sandte 1758 nur insgesamt 6 Segel nach Westindien; ein größeres Geschwader unter de La Clue wurde durch die Engländer im Mittelmeer festgehalten. Gegen Ende des Jahres faßte man denn auch das Vorgehen gegen die französischen Inseln ins Auge.
England nimmt Guadeloupe und andere Inseln 1759.Im November 1758 segelten 8 Linienschiffe mit einem Transport von 8000 Soldaten nach Barbados und traten hier im Januar 1759 unter den Befehl desKommodore John Moore, der nun über 10 Linienschiffe zu 60–80 Kanonen, 2 Schiffe zu 50 und 2 zu 44 Kanonen, sowie 4 Fregatten, 4 Sloops, 4 Mörserboote verfügte. Am 13. Januar ging die Expedition in See und wandte sich zunächstgegen Martinique, doch blieb dieser Vorstoßerfolglos. Am 15. ankerte die Flotte in der Bucht von Fort de France und am 16. beschossen die kleineren Schiffe ein Fort sowie einige schwächere Batterien an der zum Landen geeignetsten Stelle in der Bucht Cas des navires, etwa 5 Seemeilen von der Stadt; es wurden auch 4500 Mann gelandet. Als man aber erfuhr, daß die Stärke des Gegners einschließlich Milizen 10000 Mann betrüge, schiffte man die Gelandeten wieder ein. Die Flotte segelte nun vor den Hafen von St. Pierre, jedoch nur ein Schiff ging am 19. näher heran, wohl nur zur Erkundung, und wechselte einige Schüsse mit den Befestigungen. Dann aber gingMoore gegen Guadeloupevor und hiermit Erfolg.
Die Eroberung von Guadeloupe Januar/April 1759.Am 22. Januar erschien die englische Flotte vor der StadtBasse-Terre, auf Basse-Terre, dem östlichen Teile[178]der Insel Guadeloupe gelegen. Schon am 23. wurden die Befestigungen durch sechs schwere Linienschiffe zum Schweigen gebracht und am 24. legten die Mörserboote die Stadt fast in Trümmer. Am gleichen Tage landeten die Truppen und besetzten sie, rückten aber so langsam vor, daß die Franzosen Zeit hatten, sich in die Berge zurückzuziehen. Es war überflüssig, die Schiffe dem Kampfe mit den Befestigungen auszusetzen, denn man hätte gleich im Norden der Stadt landen und diese einnehmen können, da sie nach Land zu nicht befestigt war; noch weniger Zweck hatte die Beschießung durch die Mörserboote. Moore ließ dann noch durch einige Schiffe am 23. FebruarSt. Louis, auf Grande-Terre, dem westlichen Teil der Insel, nehmen, aber der Kampf in den Bergen zog sich als Guerillakrieg noch lange hin; die Franzosen ergaben sich erst am 23. April auf Basse-Terre und am 1. Mai auf Grande-Terre.
Auch dieser Erfolg wäre fast noch in Frage gestellt worden oder hätte doch größere Opfer kosten können. Am 8. März war in Martinique der Chef d'Escadrede Bompartmit 8 Linienschiffen und 3 Fregatten nebst Truppen von Frankreich angekommen.Mooresah sich dadurch genötigt, mit seiner Flotte in die Prinz-Rupert-Bucht (Dominica) zu gehen, um von hier aus die Bewegungen Bomparts zu überwachen. Dieser wurde jedoch vom Gouverneur von Martinique,de Beauharnais, der wohl für seine Insel fürchtete, sechs Wochen lang festgehalten; als er am 23. April endlich segelte und bei Guadeloupe erschien, war dessen Schicksal schon entschieden. Moore versuchte vergeblich, seinen Gegner zu treffen; Bompart war sofort nach Martinique zurückgegangen, segelte später nach St. Domingue, wo er Truppen landete, und dann nach Frankreich zurück; hier traf er kurz vor der Schlacht in der Quiberonbucht im November ein.
Nach dem Fall von Guadeloupeergaben sichdie umliegenden kleineren Inseln,Marie-Galante,Les SaintesundPetite-Terre, gleichfalls den Engländern. Diese hatten nach Bomparts Abfahrt wieder die See frei, waren durch die letzte Verstärkung sehr viel mächtiger geworden und konnten mithin den kleinen Krieg mit gutem Erfolge führen. So blieb die Lage auch 1761, wo weiter keine Ereignisse von Bedeutung vorfielen.
England nimmt Dominica 1761 und Martinique, sowie den Rest der französischen Inseln 1762.Im Jahre 1761 verstärkten die Engländer ihre westindischen Stationen weiter durch Schiffe — besonders kleine Linienschiffe, sowie 50 Kanonenschiffe und Fregatten — und Truppen, die in Nordamerika freigeworden waren. Der kleine Krieg gewann noch an Kraft und von der Antillenstation aus besetzte man im April ohne jedes Hindernis die neutrale InselDominica. Im Spätherbst trafen auch noch Truppen von der Belle-Ile-Expedition ein. Am 22. November übernahm KontreadmiralRodneybei den Antillen den Oberbefehl zu einem Angriff auf Martinique. Er sandte sofort den bisherigen Stationschef, Kommodore Douglas, mit einer Division ab, um die Insel von jeder Zufuhr abzuschneiden, folgte mit der Hauptmacht am 5. Januar 1762 und vereinigte sich am 7. mit Douglas bei der genannten Insel.Am 1. März war Martinique im Besitz der Engländer.
Die Einnahme von Martinique Januar/Februar 1762.RodneysStreitmacht zählte 13 Linienschiffe zu 60–84 Kanonen, 4 50- und 3 44-Kanonenschiffe, 11 Fregatten, 5 Sloops, sowie 4 Mörserboote; auf 150 Transportern waren gegen 14000 Mann unter GeneralMonktoneingeschifft. Bei dem schwierigen Gelände der Insel wäre es richtig gewesen, zum Angriff auf die Stadt Fort de France, damals Fort Royal genannt, in deren möglichster Nähe zu landen; dieser Umstand war aber nicht genügend bekannt, und der Admiral wünschte, die Stadt ohne Kampf mit ihren Seebefestigungen zu nehmen. Er sandte daher nur eine kleine Division vor die Bucht von Fort de France, ließ einen Scheinangriff in der Bucht von La Trinité machen und ging mit der Hauptmacht in die Bucht von St. Anne. Hier wurden die schwachen Befestigungen bald niedergekämpft und die Truppen gelandet. Nun aber stellte sich heraus, daß der Marsch auf Fort de France sehr schwierig sein würde; man schiffte daher wieder ein, und die ganze Flotte ging zur Fort-de-France-Bucht. Am Vormittag des 16. Januar wurden die Befestigungen zum Schweigen gebracht, dann landeten die Soldaten in der Bucht Cas des Navires, 5 Seemeilen von der Stadt. Am Abend waren zwei Drittel des Landungskorps ausgeschifft, der Rest sowie die Seesoldaten folgten am nächsten Morgen. Gegen eine hartnäckige Verteidigung, die jeden Fels und jeden Baum, sowie auch künstliche Hindernisse benutzte, gelang es erst am 24., unterstützt durch die armierten Boote der Flotte, bis an die Stadt vorzudringen.
Am 25. begann die Beschießung der Zitadelle aus schnell aufgeworfenen Batterien, aber erst am 4. Februar ergab sie sich. Am 13. unterzeichnete der Gouverneur der Insel, der sich am 28. Februar von Fort de France nach St. Pierre begeben hatte, einen Waffenstillstand mit der Zusage, die Insel am 1. März zu übergeben, wenn er bis dahin keine Unterstützung erhielte. Und so geschah es; ein auf dem Wege befindliches französisches Geschwader kam 8 Tage zu spät.
Schon während der Belagerung von Fort de France sandteRodneykleinere Divisionen gegenGrenadaundSta. Lucia, und auch diese Inseln mußten sich ergeben. Dagegen gelang es ihm nicht, ein französisches Geschwader abzufangen. 1762, als Spanien auf seine Seite getreten war, machte Frankreich noch einen letzten Versuch, den Kolonien Hilfe zu bringen, und der Chef d'Escadrede Blenacentschlüpfte aus Brest. Dieses Geschwader, 7 Linienschiffe und 4 Fregatten mit 7 Bataillonen, erschien am 8. März an der Ostküste von Martinique. Das Blockadegeschwader vor Brest hatte zwar Rodney von der bevorstehenden Ankunft Blenacs in Kenntnis gesetzt, aber sein Versuch, diesen zu treffen, schlug fehl. Blenac war schon am 10. nach St. Domingue weiter gesegelt, als er sich vom Falle Guadeloupes überzeugt hatte.
Die KolonieSt. Dominguewar noch allein in Frankreichs Besitz, doch griffRodneydiese nicht an. Er erhielt die Nachricht vom Ausbruche des Krieges mit Spanien, vom Eintreffen eines starken spanischen Geschwaders in Havanna und mußte auf einen Angriff gegen Jamaika gefaßt sein. Er warnte daher den Chef dieser Station und beorderte ihn zu einem Zusammentreffen beim Kap St. Nicolas an der Nordwestspitze Haitis; er wollte wohl dem neuen Gegner entgegentreten und gleichzeitig dessen Vereinigung mit Blenac hindern. Ehe er aber selber seeklar war, traf am 26. März der Befehl für ihn und General Monkton ein, vorläufig nichts zu unternehmen, sondern die Ankunft des AdmiralsSir George Pocockabzuwarten; dieser sei mit Verstärkungen unterwegs und solle ein großes, vorläufig nochgeheim gehaltenes Unternehmen führen.Rodneysandte nun den Kommodore Douglas mit 10 Linienschiffen nach Jamaika, um die dortigen Schiffe zur Vereinigung mit Pocock nach Kap St. Nicolas zu geleiten; er schickte eine kleine Division für den Handelskrieg in die spanischen Gewässer Mittel- und Südamerikas und erwartete mit dem Rest seiner Flotte den neuen Oberbefehlshaber in Martinique.
England erobert Havanna. Juni/August 1762.AdmiralPococktraf am 20. April in Barbados ein und übernahm am 26. in Martinique den Befehl. Er ließ dann Rodney mit einigen Schiffen bei den Kleinen Antillen zurück und trat am 6. Mai mit der Flotte den Marsch nach Havanna an. Diese Stadt war das geheime Ziel; England beabsichtigte, gleich einen schweren Schlag gegen Spanien zu führen. Nachdem Pocock am 8. Mai bei der Monastraße einen Teil der Schiffe der Jamaikastation, die von Douglas zur Beobachtung Blenacs dorthin abgezweigt waren, und am 23. beim Kap Nicolas den Rest an sich gezogen hatte, zählteseine Streitmacht: 22 Linienschiffe zu 60–90 Kanonen, 4 Schiffe zu 50 und 3 zu 40, 12 Fregatten, 8 Sloops, 3 Mörserboote, Hospital- und Vorratsschiffe, sowie zahlreiche Transporter, auf denen 15500 Mann unter dem GeneralEarl George of Albemarleeingeschifft waren; insgesamt gegen 200 Segel.
Pocockwählte vom Kap St. Nicolas nach Havanna nicht den üblichen Weg südlich der Insel Kuba, sondern den kürzeren durch den alten Bahamakanal. Dieser ist navigatorisch für Segelschiffe schwieriger und galt damals wegen der noch wenig genauen Karten als nicht ungefährlich, aber der Admiral beabsichtigte, möglichst schnell und überraschend vor Havanna zu erscheinen, sowie auch zu verhindern, daß der Stadt auf diesem Wege Nachrichten und Unterstützung durch die Franzosen in St. Domingue zugingen. Er benützte auf dieser Fahrt eine von Anson aufgenommene Karte, auch sandte er Boote voraus, die gefährliche Stellen markierten. Am Morgen des 6. Juni stand die Flotte 15 Seemeilen östlich von Havanna; die Stadt wurde nach zehnwöchiger Belagerung genommen.
Die Einnahme von Havanna 1762.Noch am 6. Juni gabPocockdie Anordnung für die Landung, die östlich der Stadt erfolgen sollte. Zu ihrer Deckung blieb KommodoreKeppelmit 6 Linienschiffen und einigen Fregatten zurück; der Admiral segelte mit der Hauptflotte vor die Einfahrt des Hafens, in dem man 12 Linienschiffe zählte; drei waren im Eingange versenkt. Havanna wurde nach See zu hauptsächlich durch das starke, hochgelegene Fort Moro auf der Ostseite der Einfahrt und durch ein Werk auf der Westseite verteidigt; nach Land zu waren die Befestigungen nur unbedeutend. Am 7. morgens ließ Pocock durch die Seesoldaten der Schiffe eine Scheinlandung, etwa vier Seemeilen westlich der Stadt, ausführen, währendAlbemarledas ganze Heer sechs Seemeilen östlich von Havanna zwischen den Flüssen Coximar und Boca Nao landete.
Hier fand man erst beim Vormarsch gegen Fort Moro, als man den Coximar überschritt, Widerstand, der jedoch bald durch das Eingreifen der Fregatten gebrochen wurde. Man begann dann sogleich mit der regelrechten Berennung Moros. Um diese zu fördern, beschossen am 1. Juli drei schwere Linienschiffe das Fort, mußten sich aber nach sechsstündigem Kampfe, stark beschädigt mit einem Verluste von 42 Toten[181]und 130 Verwundeten, zurückziehen und das Niederkämpfen des Forts der Belagerungsartillerie überlassen; am 30. Juli war Bresche gelegt, und man nahm das Werk im Sturm. Nach weiterer Beschießung der kleinen Befestigungen der Landseite, sowie der Stadt selber ergab sich diese am 14. August. Den Engländern kostete die Belagerung 1790 Tote und Verwundete; sie verloren außerdem viele Leute an Krankheiten in der ungesunden Gegend bei ungünstigster Jahreszeit.
Wegen dieses starken Verlustes wurden den Führern Vorwürfe gemacht:Pocockhabe die Schiffe unnötig dem Kampfe mit dem Fort ausgesetzt,Albemarleebenso unnötig das starke Werk als Angriffsobjekt gewählt, auch ohnedies wäre die Stadt leicht zu nehmen gewesen und Moro dann von selbst gefallen. Hervorgehoben wird das gute Einvernehmen zwischen den Führern beider Waffen während des ganzen Unternehmens.
Der Fall Havannas war ein Erfolg von großem, moralischem Werte Spanien gegenüber und fügte diesem schweren Schaden zu; er brachte England aber auch bedeutenden materiellen Gewinn. Die erbeuteten Gelder und Güter hatten einen Wert von drei Millionen Lstrl; 9 Linienschiffe — 5 zu 70, 4 zu 60 Kanonen — waren genommen, zwei noch auf Stapel liegende verbrannt; drei nebst einer großen Galere hatten die Spanier versenkt.
Pocockging im November mit 4 Linienschiffen und einem Teil der Prisen nach England, 5 weitere folgten etwas später mit dem Rest der genommenen Schiffe.Der große Krieg in Westindien war zu Ende; zu einem wahrscheinlich ins Auge gefaßten Angriff auf St. Domingue kam es infolge des Präliminarfriedens vom 12. November 1762 nicht mehr. Frankreich erhielt durch den Frieden von Paris seine Inseln bis auf Grenada zurück. Sta. Lucia wurde ihm aufs neue zugesichert, aber die neutralen Inseln Tabago, St. Vincent und Dominica fielen an England. Spanien bekam gleichfalls Havanna wieder, trat aber Florida an England ab, wofür ihm Frankreich Louisiana überließ.
Westafrika.Über dieses als Kriegsschauplatz ist nur wenig zu sagen. Englands Hauptniederlassungen lagen am Golf von Guinea, nur wenige (zwei Forts) an der Sierra-Leone-Küste, und in Senegambien besaß es fast gar keinen Einfluß (ein Fort an der Mündung des Gambia). Hier war Frankreich die vorherrschende Macht mit vielen Forts vom Kap Branco bis etwas südlich vom Gambia; Hauptstützpunkte waren St. Louis am Senegal und Gorée beim Kap Vert[100]. Stärkere Seestreitkräfte wurden von keinem der beiden Länder hier gehalten; England scheint meist einige Kriegsschiffe an der Guineaküste gehalten zu haben.
Im Februar 1757 erschien der französische Kapitände Kersaintauf seinem Wege nach Westindien mit 3 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer Korvette in den westafrikanischen Gewässern; er brachte einige englische Sklavenschiffe auf und beunruhigte die Niederlassungen an der Guineaküste, ein ernstlicher Angriff auf Cap Coast Castle wurde jedoch abgeschlagen.Englanddagegen sandte 1758 kleinere Expeditionen hinaus, um die französischenNiederlassungen wegzunehmen, undbemächtigte sich Senegambiens.
Einnahme von Port Louis und Gorée 1758.Am 9. März 1758 verließKapitän Marshmit einem Linienschiff (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiff, sowie drei kleineren zu 8, 16 und 20 Kanonen England, erschien am 23. April vor der Mündung des Senegal, drang bei nur geringem Widerstande durch Küsten- und Flußfahrzeuge über die Barre nachPort Louisvor und zwang mit Hilfe vorher gewonnener eingeborener Fürsten das Fort am 1. Mai zur Übergabe; mit ihm fielen auch die anderen, weiter stromauf gelegenen Plätze. Es mutet seltsam an, daß die Anregung zu diesem Kriegszuge von einem Quäker ausging, der in Afrika ansässig gewesen war; dieser hatte auch die einheimischen Fürsten gewonnen. Marsh versuchte dann im Mai vergeblich, das besser befestigte Gorée zu nehmen. Aber schon am 28. Dezember trafen unter Führung des KommodoreAugustus Keppel3 Linienschiffe, je ein 50- und ein 44-Kanonenschiff, verschiedene kleinere Fahrzeuge, zwei Mörserboote, sowie Transporter mit Soldaten vorGoréeein, und die Niederlassung fiel bereits am nächsten Tage. (Näheres über diese Vorgänge siehe Laird Clowes, Band III, Seite 186 ff.)
Frankreich trat beim Friedensschluß Senegambien an England ab, erhielt aber Gorée zurück.
Ostindien[101].Ereignisse vor Ausbruch des Krieges.Sicher bestand nach dem Frieden von Aachen bei den Leitern der ostindischen Kompagnien in London wie in Paris der Wunsch, neue Zerwürfnisse zu vermeiden, denn der letzte Krieg hatte große Kosten verursacht und dem Handel sehr geschadet. Aber die erfolgreiche Einmischung des französischen GouverneursDupleixin die Streitigkeiten der indischen Fürsten hatte das frühere System der Kompagnien, von befestigten Niederlassungen aus nur Handel zu treiben, unmöglich gemacht. Die Europäer hatten die Überlegenheit ihrer Waffen zu gut kennen gelernt, um den indischen Fürsten weiter nur als Bittende entgegenzutreten, und diese strebten dahin, sich der unbesiegbaren Europäer gegen ihre einheimischen Feinde zu bedienen. Wollten die Kompagnien also weiter Geschäfte machen, so mußten sie Partei nehmen und ihren Freunden Waffen und Soldaten stellen. Wenn nun die Kompagnien selbst noch in den ersten Jahren nicht miteinander im Streit lagen, so unterstützte doch eine jede einheimische Fürsten, die vielleicht mit den Schützlingen der anderen Krieg führten; so mußten bald auch die Truppen der beiden Kompagnien in diese Kämpfe verwickelt werden.
Bis zum Jahre 1751zogFrankreichaus der Einmischung in indische Angelegenheiten bei weitemden größeren Vorteil.Englandgewann zwar 1749 bei einer Thronfolgefrage im Staate Tanjore die StadtDevicotta, an der Mündung des Coleroon, etwa 30 Seemeilen südlich von Cuddalore, aber dem Gouverneur von Pondicherry,Dupleix, gelang fast die Verwirklichung seiner langgehegten Absicht, die Gründung eines Vasallenstaats von großer Ausdehnung für Frankreich. Um dasDekan— ein Vizekönigreich des Großmogulstaats, das fast ganz Vorderindien umfaßte und in viele kleine Gebiete, jedes unter einem Nabob, zerfiel — erhob sich 1749 gleichfalls ein Thronfolgestreit. Hier nahm Dupleix Partei und wandte Politik wie Waffengewalt so geschickt an, daß sein Schützling Sieger blieb.
Dieser machte als Vizekönig des Dekan 1750 Dupleix zum Nabob der Küstenstaaten von Masulipatam bis zum Kap Komorin, erweiterte das Gebiet der französischen Kompagnie bei Pondicherry sowie bei Karikal und trat ihr neues Land bei Masulipatam ab; auch erhielt der Gouverneur selber reichen Landbesitz als Eigentum. Der Vizekönig huldigte ihm sogar am 26. Dezember 1750 in Pondicherry, und sein Nachfolger dehnte 1751 durch ein weiteres Zugeständnis die französische Macht an der Orissaküste aus. Dupleix beherrschte tatsächlich den ganzen Süden Vorderindiens, da er als mächtiger Nabob beratende Stimme in allen wichtigen Angelegenheiten besaß, und da der Vizekönig wie die meisten anderen Nabobs seiner Hilfe ihre Stellungen verdankten. Mit nur 800 Mann Europäer und 3000 Sepoys hatte Dupleix seinen Einfluß über 35 Millionen Inder zur Herrschaft gebracht; die Engländer waren an der Ostküste Vorderindiens lahmgelegt, ihre völlige Austreibung schien nur noch eine Frage der Zeit.
Bis zum Jahre 1755gingen dieseErrungenschaften Frankreichsjedochwieder verloren. Die Stellung Dupleix' und seines Verbündeten war nicht fest genug, als sich 1751 England unmittelbar einmischte und inRobert Clive[102]ein ebenbürtiger Gegner für Dupleix erwuchs. Der Vizekönig besaß noch nicht die volle Herrschaft im ganzen Dekan; er hatte im Norden mit widerspenstigen Fürsten zu schaffen und auch im Süden behauptete sich der von ihm abgesetzte Nabob des Carnatic in einigen festen Städten. Dieser gewann die Engländer für sich. Als der Vizekönig versuchte, ihn mit Hilfe der Franzosen niederzuwerfen, unterstützten ihn die Engländer von Madras, sowie von St. Davids aus mit Truppen. Hiermit war von Mitte Juli 1751der Krieg zwischen den Kompagnienentbrannt. Es folgten zunächst vier Jahre des Kampfes im Carnatic, in denen mit wechselndem Kriegsglück bald die eine, bald die andere Parteiim Vorteil war, je nachdem sich die unzuverlässigen indischen Fürsten gruppierten — auch die Mahratten an der Westküste Vorderindiens, die alten Feinde des Mogulreiches, traten in den Kampf ein; zuerst auf englischer, später auf französischer Seite.
Wohl war die französische Kompagnie anfangs an Europäern wie an Sepoys stärker, aber die Engländer zogen Truppen aus Bengalen heran, und ihre FührerLawrence, sowieClivewaren den Franzosend'AuteuilundLaw(Sohn des berüchtigten Finanzmannes, s. Band I, Seite 595) weit überlegen. Dupleix erhielt von der Heimat keine wesentlichen Unterstützungen, auch mußte er seinen fähigsten Offizier,de Bussy, mit einem Teil der Truppen abgeben, um den Vizekönig im Norden zu verstärken und an dessen Hofe Frankreichs Vorteil gegen eine von England gewonnene Partei wahrzunehmen. Zu Ende des Jahres 1752 stand es für die Franzosen sehr schlecht; ein Unternehmen gegen St. Davids — der erste unmittelbar gegen die Engländer selber gerichtete Stoß — wurde schon auf dem Anmarsch mit großem Verluste zurückgewiesen.
Anfang 1752 lagen im Carnatic nur noch 360 Franzosen gegen 700 Engländer im Felde; die erste, jetzt erwartete, bedeutendere Verstärkung von der Heimat, 700 Mann, blieb aus, da das Schiff unterwegs verbrannte. Dennoch behauptete sich Dupleix das Jahr über und errang sogar einige Vorteile, als Clive aus Gesundheitsrücksichten nach England gegangen war. Wegen Mangels an Truppen sowie an Geld — er hatte schon bedeutende Summen aus eigenem Vermögen vorgeschossen —, sowie auf Drängen der Kompagnie, die des kostspieligen Krieges müde war, trat Dupleix im Januar 1754 mit dem Gouverneur von Madras,Saunders, in Unterhandlungen. Diese zerschlugen sich aber schon nach wenigen Tagen, da dieser unter keinen Umständen Dupleix als Nabob des Carnatic anerkennen wollte und auch erfahren hatte, daß dessen Stellung in Paris schwer erschüttert sei. Dennoch verlor der tapfere Mann nicht den Mut. Der Nabob von Tanjore, ein mächtiger Fürst, schien geneigt, sich auf seine Seite zu schlagen, im Februar wurde ein Sieg über die besten englischen Truppen erfochten und de Bussy hatte mit dem neuen Vizekönig, dem zweiten Nachfolger des ersten Freundes der Franzosen, ein vorzügliches Verhältnis hergestellt. Wiederum erhielt die Kompagnie große Gebiete an der Orissaküste,die vier Circars, die durch ein Einkommen von 400 000 Lstrl. genügende Geldmittel sicherten. So schöpfteDupleixneue Hoffnung, da wurde er am 1. August 1754abberufen.
Die Abberufung Dupleix'war die Folge von Verhandlungen, die schon seit 1752 zwischen den Kompagnien unter Teilnahme der Regierungen geführt wurden. Die englische Regierung machte Dupleix für alle Wirren in Indien verantwortlich und forderte unter Androhung schärfster Maßregeln seine Entfernung; auch Clive vertrat diesen Standpunkt energisch, als er sich 1753/54 in England aufhielt. So lange draußen alles gut ging, war die französische Regierung mit Dupleix ganz zufrieden gewesen und die Kompagnie hatte über die schlechten Geschäftsergebnisse hinweggesehen; als aber von 1752 an eine Hiobspost nach der anderen eintraf und die Mittel zusammenschrumpften,[185]ließ man den tüchtigen Mann fallen. Bei seiner Abberufung erhielt er weder ihm noch zustehende Gelder, noch die von ihm vorgeschossenen 6–7 Millionen Francs, selbst die Einkünfte aus seinem Privatbesitz enthielt man ihm vor, so daß er beinahe mittellos die Heimreise antreten mußte. Ohne daß seine gerechten Ansprüche befriedigt waren, starb er 1764 verlassen und vergessen, während man in England annahm und noch annimmt, daß die Engländer in den nun noch folgenden Kämpfen wahrscheinlich aus Indien verdrängt worden wären, wenn man Dupleix nicht abberufen hätte.
In Europa waren die Regierungen sowie die Kompagnien übereingekommen, beide Gouverneure abzuberufen und die Streitigkeiten durch besondere Kommissäre zu schlichten. England ernannte aber den bisherigen Gouverneur zu seinem Vertreter, während Frankreich einen früher in Bengalen tätig gewesenen Beamten,Godeheu, der stets gegen Dupleix intrigiert hatte, zum Kommissar bestellte. Dieser traf am 1. August 1754 mit 2000 Soldaten in Pondicherry ein und übernahm schon am 2. die Geschäfte. Er wies sofort die im Felde stehenden Befehlshaber an, die Feindseligkeiten einzustellen,schloßam 26. Oktober einen Waffenstillstand undim Januar 1755einen für die französische Kompagniehöchst ungünstigen Frieden.
Godeheufolgte bei den Verhandlungen in keiner Hinsicht einer ihm von Dupleix hinterlassenen Denkschrift, in der die politische wie die militärische Lage dargestellt und die erforderlichen Maßnahmen entwickelt waren; auch sah er darüber hinweg, daß England gegen die Abmachung seinen früheren Gouverneur als Kommissar bestellt hatte. Er lieferte die Gefangenen aus, begann die an Frankreich abgetretenen Gebiete zu räumen und benachrichtigte den Vizekönig, daß er sich nicht mehr in dessen Angelegenheiten mischen dürfe; er ließ de Bussy zwar noch im Lager bei diesem, sandte ihm aber weder Truppen noch Geld.
Das Ergebnis der Verhandlungenwar, daß sich beide Kompagnien verpflichteten, sich nicht mehr in die Streitigkeiten der indischen Fürsten zu mischen, auch keine Würden oder Ämter vom Großmogul anzunehmen.Englandsollte St. George (Madras), St. Davids (Cuddalore) und Devicotta,FrankreichPondicherry, Carical und Nizampatam behalten; das Gebiet von Masulipatam, das ansehnliche Einkünfte lieferte, wurde geteilt. England behauptete somit alles, was es besessen und hinzugewonnen, Frankreich gab an Besitz und an Einfluß auf, was ihm Dupleix erworben hatte. In den Augen der indischen Fürsten mußte dieser Friedensschluß als ein völliger Sieg Englands erscheinen.
Schon im Februar 1755 sahGodeheuseine Aufgabe als erledigt an, gab die Geschäfte an den neuen Gouverneur,de Leyrit, einen alten Beamten der Kompagnie, ab und kehrte nach Frankreich zurück. De Leyrit hatte zwar den Auftrag und die Absicht, Godeheus Politik fortzuführen, aber die Ereignisse zwangen ihn bald in andere Bahnen, und die Verwicklungen begannen abermals.
Die Jahre 1756/57.Schon im Februar 1755 brachen die Engländer den Vertrag, indem sie dem Nabob von Carnatic, der nun von den Franzosen nicht mehr bekämpft wurde, wiederum Soldaten stellten, um seine Macht zu befestigen;de Leyritnahm darauf auch seinerseits Partei, verstärkte de Bussy und stellte die Räumung des Orissagebietes ein. Das alte Spiel begann von neuem. Zwar trafClive, zum Kommandanten von St. Davids ernannt,1755 mit einem Geschwader von 3 Linienschiffen, einem 50-Kanonenschiffe, einer Fregatte und einer Sloop unter KontreadmiralCharles Watsonnebst Truppen in Indien ein, um im Einverständnis mit dem Gouverneur von Madras von Bombay aus den Vizekönig des Dekan anzugreifen, wozu auch die Unterstützung der Mahratten gewonnen war, aber die Behörden in Bombay wollten mit Rücksicht auf den eben geschlossenen Frieden nichts davon wissen. Sie benützten die Streitkräfte Clives lieber zur Befestigung ihrer Macht an der Westküste durch Niederwerfung eines Seeräuberstaates.
Der Seeräuber Angriawar das Haupt einer Mahrattenfamilie, die seit etwa 100 Jahren an der Westküste Vorderindiens Seeraub trieb und zu großem Landbesitz gekommen war. Sie belästigte sowohl den europäischen Handel wie den der Inder und griff selbst größere Kriegsschiffe an. Jetzt verband sich die englische Kompagnie mit den übrigen Mahratten zur Vernichtung Angrias. Schon im März 1755 nahmen ihre Schiffe den nördlichsten Hafen des Seeräuberstaates,Bencote(später Fort Victoria auf 18° Nordbreite), ein und im Januar 1756 gingen Clive und Watson mit ihrer Kriegsflotte, einigen Schiffen der Kompagnie sowie Fahrzeugen der Mahratten und einem Landungskorps gegen die HauptstadtGeriah(auf 16½° Nordbreite) vor. Diese nebst ihren Befestigungen mußte zwei Tage regelrecht beschossen werden, ehe sie sich am 14. Februar ergab. Man erbeutete 100000 Lstrl. an barem Gelde, sowie 30000 an Gütern, und verbrannte die Seeräuberflotte, die aus einigen größeren Segelschiffen und zahlreichen Rudergaleren bestand. Die Engländer behielten die ganze Beute und auch den festen Platz, da die Mahratten sich unzuverlässig gezeigt hatten.
Im Mai 1756 trafen Clive und Watson dann vor St. Davids ein, und der Gouverneur von Madras wollte nun angriffsweise gegen die Franzosen vorgehen, insbesondere gegen de Bussy, der durch englische Einwirkung zur Zeit mit dem Vizekönig entzweit war. Dies wurde zwar durch die Ereignisse in Bengalen verhindert, aberder offene Krieg zwischen den Kompagnienbrach gleichwohlin Bengalenwieim Carnaticaus.
England wirft Frankreich in Bengalen nieder 1756/57.Bengalen war lange Zeit von einem Vizekönig — wie der im Dekan ein ziemlich unabhängiger Vasall des Großmogul — regiert, der beide Kompagnien gleich begünstigte, um seinen Vorteil daraus zu ziehen; während des vorigen Krieges hatte er alle Feindseligkeiten zwischen ihnen verhindert. Im Jahre 1756 kam sein Enkel auf den Thron, dem der wachsende Einfluß der Europäer ein Dorn im Auge war. Dieser fiel schon im ersten Jahre über die Engländer her, nahm die Faktorei Cosimbazar ein und griff am 18. JuniKalkuttaan, wo nur 260 englische Soldaten und 250 Milizen standen. Sie riefen die Holländer in Chinsura, sowie die Franzosen in Chandernagore um Hilfe an, aber jene lehnten rundweg ab, diese rieten Aufgabe der Stadt und Rückzug nach Chandernagore. Die Engländer beschlossen nun allgemeine Flucht auf den vorhandenen Schiffen. Zuerst sollten die Familien mit der wertvollsten Habe an Bord gehen, aber man verlor den Kopf, und nur der Gouverneur sowie die höheren Offiziere retteten sich. Bei dem Sturm der Inder auf Kalkutta fielen 95 Engländer, die Soldaten flohen, und nach Einnahme der Stadt kamen von den übriggebliebenen 146 Männern 123 in dem berüchtigten Black Hole um; einem 18 Fuß langen und 14 Fuß breiten Raume, in dem sie für eine Nachteingesperrt waren. Der Vizekönig besetzte die Zitadelle Fort William und zwang die Franzosen wie die Holländer zur Zahlung hoher Summen.
Auf die Nachricht von diesen Ereignissen, die im August 1756 in Madras eintraf, beschloß man hier, vor allem in Bengalen Rache zu nehmen. Schiffe, Mannschaft sowie tüchtige Offiziere, Clive und Lawrence, waren vorhanden, aber zwei Monate dauerte der Streit der maßgebenden Personen über die Stellung von Flotte und Heer zueinander, über den Oberbefehl, ja sogar über die Verteilung der Beute. Hervorzuheben ist, daß Admiral Watson die soeben erhaltene Anweisung, mit dem Geschwader nach England zurückzukehren, in richtiger Würdigung der Verhältnisse in Indien nicht befolgte. Erst am 16. Oktober segelte die Expedition ab.Clive, der die Truppen führte, erhielt den Befehl, im April 1757 wieder in Madras zu sein, weil in Europa der Krieg ausgebrochen war, und Frankreich beabsichtigte, große Verstärkungen nach Pondicherry zu senden.WatsonsGeschwader zählte die obengenannten Kriegsschiffe (mit Ausnahme der Sloop) und ein Mörserboot; Clive befehligte 906 englische und 1500 indische Soldaten.
An der Koromandelküste blieben nur die schwachen Besatzungen der festen Plätze sowie einige Schiffe der Kompagnie zurück. Die Expedition war am 27. Dezember an der Mündung des Ganges versammelt, wo man die Flüchtlinge von Kalkutta fand; dann drang man zu Wasser und zu Lande ohne erheblichen Widerstand stromaufwärts vor, nahm am 2. Januar 1757 nach zweistündiger Beschießung Kalkutta nebst Zitadelle und wenige Tage darauf die Stadt Hugly, 30 Seemeilen weiter stromauf. Der Vizekönig war mit seinem eigentlichen Heere noch nicht herangekommen, sondern versuchte, die Franzosen vorher auf seine Seite zu ziehen. Diese zeigten sich unschlüssig, da sie hofften, die Bedrängnis der Engländer wie im vorigen Kriege zum Abschluß einer Neutralität ausbeuten zu können. Geschickt hielt nun Clive die Franzosen mit Verhandlungen hin, bis er einen bedeutenden Sieg über die Truppen des Vizekönigs errungen und diesen am 9. Februar zu einem Friedensschluß bewogen hatte, in dem England alle früheren Vorrechte zurückerhielt.
Clivehatte seine Aufgabe erfüllt und konnte nun nach Madras zurückgehen. Er erachtete aber die Gelegenheit für günstig, die Franzosen anzugreifen und schloß am 14. März 1757 im Verein mitWatsondie StadtChandernagoreein, die gut befestigt, aber nur von 446 Europäern und 300 Sepoys verteidigt war. Am 19. zerstörten die Boote der Flotte einige diese bedrohende Brander; am 23. wurde die Stadt vom Lande wie vom Flusse her beschossen, worauf die Franzosen sie übergaben. Damit wardie französische Macht in Bengalen vernichtetund der Kampf der Kompagnien hier beendet.
Weitere Ereignisse in Bengalen bis 1763.Clivewollte jedoch noch seine Stellung den indischen Fürsten gegenüber befestigen und blieb deshalb in Bengalen, trotz mehrfacher, dringender Mahnungen aus Madras. Er hatte einen Angriff des Vizekönigs zu erwarten, der über die Einnahme von Chandernagore empört war und mit dem Rest[188]der von dort nach Bhagulpore, etwas weiter stromauf geflohenen Franzosen sowie mit de Bussy im Dekan in Verbindung trat. Durch Verhandlungen und Intrigen gelang es Clive, eine Verschwörung gegen den Vizekönig in dessen Lager anzuzetteln und ihn mit nur 1000 Europäern nebst 2000 Sepoys gegen eine zwanzigfache Übermacht bei Plassey vernichtend zu schlagen. Dann setzte er einen England ergebenen Mann an dessen Stelle.
Die Schlacht bei Plassey am 23. Juni 1757 gilt als der Anfang der englischen Herrschaft in Indien.Noch fast das ganze Jahr 1758 über hielt Clive seine Landstreitmacht in Bengalen zusammen, um die Herrschaft des neuen Vizekönigs zu befestigen; erst im Oktober sandte er 500 Europäer und 2000 Sepoys nach Vizagapatam an der Orissaküste. Er selber ward jetzt zum Gouverneur von Bengalen ernannt, und damit weiter unabkömmlich; bald wurde auch der Vizekönig ihm feindlich gesinnt. Als im August 1759 sieben holländische Ostindienfahrer mit 1500 Soldaten für die Niederlassung Chinsura vor dem Ganges eintrafen, mußte er befürchten, daß der Vizekönig diese für seine Zwecke benützen würde. Er verlangte deshalb, daß ihnen die Einfahrt in den Strom verboten wurde, und als dies nicht geschah, ließ er sie auf ihrer Fahrt stromauf durch englische Ostindienfahrer und durch seine Truppen wegnehmen; auch zwang er die holländische Niederlassung zur Verpflichtung, keine Befestigungen anzulegen sowie keine Truppen zu halten, und gab die Schiffe nur gegen Zahlung einer Entschädigung zurück, die seine Kriegskosten deckte. Alles dies geschah, obgleich England mit Holland im Frieden war.
Anfang 1760 kamClivenach England, wo er alsBaron v. Plasseyzum Peer von Irland ernannt und ins Parlament berufen wurde; sein Vermögen zählte mehrere Millionen. Erst 1764 kehrte er infolge auftretender Unruhen alsGeneralgouverneurund Chef aller Truppen nach Kalkutta zurück, wo sich bis dahin seine Nachfolger, wenn auch unter schwierigen Verhältnissen und mancherlei Kämpfen, behauptet hatten. 1767 ging Clive aus Gesundheitsrücksichten abermals nach England; er wurde 1772 wegen Mißbrauch seiner Gewalt in Indien zur Untersuchung gezogen, verteidigte sich aber so glänzend, daß die Verhandlung niedergeschlagen und seine großen Verdienste förmlich anerkannt wurden. Krank am Körper und verbittert im Gemüt, ergab er sich dem Opiumgenuß und endete durch Selbstmord am 22. November 1774.
In Vorderindiendagegen stand1757die Sache der Engländer schlecht.De Leyrithatte Ende 1756 gleichfalls die Nachricht erhalten, daß man daheim eine große Expedition ausrüste, um die Engländer aus Indien zu vertreiben; er beschloß, schon vor Eintreffen derselben die Entsendung der englischen Truppen nach Bengalen zum Vorgehen zu benutzen. Vom April 1757 an bemächtigte er sich verschiedener fester Plätze im Carnatic, und auchde Bussy, der seine Stellung am Hofe des Vizekönigs trotz aller englischer Umtriebe behauptet hatte, nahm englische Niederlassungen im Norden genannter Provinz sowie an der Orissaküste fort, hier z. B. Vizagapatam. De Bussy war dadurch verhindert, dem Rufe des Vizekönigs von Bengalen Folge zu leisten; als ihm dies 1758 möglich gewesen wäre, wurde er beordert, seine Truppen zu einem großen Schlage im Carnatic heranzuführen, da die erwartete Expedition aus Frankreich eingetroffen war.
Im Jahre 1758gewinnt die Kriegführung zur See an Bedeutung. Schon am 6. März 1757 waren 3 Schiffe der französisch-indischen Kompagnie mit 2 Bataillonen von Lorient nach Isle de France gesegelt, hier vereinigte sich der GouverneurBouvet de Loziersnebst drei weiteren Kompagnieschiffen mit ihnen und landete die Truppen imAugust bei Pondicherry, ohne Behinderung durch das englische Geschwader in Bengalen oder eine eben für dieses in Bombay eingetroffene Verstärkung von 3 Linienschiffen unter KommodoreCharles Stevens. Er kehrte dann nach Isle de France zurück, um das Gros der Expedition zu erwarten. Dieses verließ, durch Änderungen in seiner Zusammensetzung aufgehalten, erst am 2. Mai Lorient. Die Seestreitkräfte bestanden aus einem Linienschiffe und 6 (oder 10?) größeren Schiffen, sowie 2 Fregatten der Kompagnie unter dem Chef d'EscadreComte d'Aché; eingeschifft waren 1200 Soldaten unter GeneralleutnantComte de Lally, der zum Oberbefehlshaber in Indien ernannt war.
Infolge ungünstiger Windverhältnisse — man spricht auch von Ungeschicklichkeit der Kommandanten —, sowie einer Epidemie an Bord, die zu einem sechswöchentlichen Aufenthalt in Rio de Janeiro zwang, erreichte die Expedition erst am 16. Dezember Isle de France. Der Admiral stellte hier aus den besten aller versammelten Schiffe ein Geschwader von 11 Segeln zusammen, übte es in den dortigen Gewässern, ging dann nach Indien und ankerte am 28. April 1758 vor der Stadt Cuddalore; er überraschte hier zwei englische Fregatten, die genötigt waren, sich auf den Strand zu setzen und zu verbrennen. Graf de Lally segelte auf 2 Schiffen (einem zu 74 Kanonen und einer Fregatte) mit seinem Stabe nach Pondicherry weiter, um von hier aus Cuddalore zu Lande anzugreifen.
Comte de Lally, Baron de Tollendale, ein Irländer von Geburt, der England glühend haßte, galt im französischen Kriegsministerium als ein hervorragender Offizier. Er hatte schon 1755 als einziges Mittel, Englands Herr zu werden, eine Landung dort oder unbedingte Sicherung Kanadas oder die Vertreibung des Gegners aus Indien empfohlen — mit anderen Worten, die Hauptkraft aufeinZiel zu richten. Lange zögerte man mit einem Entschlusse, als man endlich überzeugt war, daß England unbedingt Kanada zu erobern strebte, wurden 3 Linienschiffe, mehrere Schiffe der Kompagnie nebst 3000 Mann für Indien bestimmt. De Lally erhielt den Oberbefehl, obgleich er den indischen Verhältnissen ganz fremd war, auch wurden die an sich schon genügenden dafür bestimmten Kräfte zugunsten des Krieges in Nordamerika auf die oben angegebene Stärke von Schiffen und Truppen herabgesetzt. Es trat hinzu, daß zwischen Lally und Aché das denkbar schlechteste Einvernehmen herrschte und daß ihr dienstliches Verhältnis zueinander keineswegs genügend geregelt war.
Was Lallys Stellung in Indien anbetraf, so erteilte man ihm die weitgehendste Vollmacht und stellte ihm als Hauptaufgabe die Vertreibung der Engländer und die Hebung des Handels hin; er sollte nicht etwa die Politik Dupleix' verfolgen, die doch de Leyrit sowie de Bussy notgedrungen hatten wieder aufnehmen müssen. Da Lally außerdem von schroffem, wenn auch ehrenwertem Charakter war, kann es nicht wundernehmen, daß er dem Gouverneur von Pondicherry, sowie den Beamten und Offizieren sehr ungelegen kam. In der Stadt angelangt, traf er sofort seine Anordnungen, ohne jemand um Rat zu fragen.
Die Seeschlacht vor Cuddalore, 29. April 1758.Das englische Geschwader in Indien führte jetzt VizeadmiralGeorge Pocock, da Watson im August 1757 gestorben war; er lag am 24. März in Madras, als die Verstärkung unter Stevens zu ihm stieß. Am 17. April ging er in See, um Cuddalore vor dem erwarteten französischen Geschwader zu schützen, traf aber erst am29. vor der Stadt ein.D'Achélichtete, als die Engländer zu Luward in Sicht kamen, Anker, bildete die Kiellinie beim Winde — der Wind war SO — über Backbordbug und erwartete den Angriff. Dieser erfolgte genau nach der englischen Gefechtsinstruktion (vgl. Seite39) unddie Schlachtblieb infolgedessen, wie gewöhnlich,unentschieden, wurdeaber ein strategischer Erfolg der Franzosen.
Der Verlauf der Schlacht vor Cuddalore[103].Um 2¼ Uhr nachmittags hatte auchPococketwa drei Seemeilen querab vom Feinde die Kiellinie beim Winde über Backbordbug gebildet und steuerte nun mit seinem Flaggschiff schräg auf das feindliche zu, um so sein Geschwader Spitze auf Spitze und Flaggschiff gegen Flaggschiff auf nahe Entfernung neben das feindliche zu legen. In den Gefechtslinien traten sich 9 französische Schiffe mit 476 Kanonen und 7 englische mit 404 Kanonen in folgender Reihenfolge, nach Zahl der Geschütze bezeichnet, entgegen:
Bei der scheinbaren Überlegenheit der Franzosen durch größere Zahl der Schiffe und Kanonen muß man aber berücksichtigen, daß nur ihr Flaggschiff der Königlichen Marine angehörte und daß die Kompagnieschiffe aus verschiedenen Gründen (vgl. Seite57) Kriegsschiffen gleicher Größe an Gefechtskraft nicht ebenbürtig waren.
Die Angriffsart brachte für die Engländer die ihr anhaftenden Nachteile mit sich. Die vordersten vier Schiffe einschließlich des Flaggschiffes kamen zwar gut an die feindliche Linie heran, hatten aber auf dem Wege dahin fast deren ganzes Feuer auszuhalten, ohne es erwidern zu können, bis sich etwa um 3¾ Uhr Pocock querab von Aché wieder an den Wind legte und das Signal zum Nahgefecht gab. Die drei Schiffe hinter Pocock traten nicht sogleich in dieses ein; sie waren beim Heransegeln etwas zurückgeblieben, sei es durch Ungeschick, sei es dadurch, daß der unmittelbare Hintermann des Admirals ein schlechter Segler war. Dies konnte für die vorderen Schiffe bedenklich werden, doch auch in der französischen Linie traten Mißstände hervor: das dritte Schiff von vorn verlor sogleich sein Ruder und verließ die Linie; das kleine Schiff von 36 Kanonen wurde durch eine Breitseite aus ihr vertrieben; das Schlußschiff zu 60 Kanonen hatte sich von Anfang an nicht auf seinem Posten, sondern weiter in Lee gehalten. Auf erneutes Signal Pococks kamen die hinteren Schiffe zögernd näher, besonders das sechste zeigte sich so langsam, daß das siebente endlich an ihm vorbeisegelte. Beim Herankommen dieses großen Fahrzeuges scheint das schwache französische Schiff zu 44 Kanonen etwas aus der Linie gewichen zu sein. Hinter Pocock war so in der englischen Linie eine Lücke entstanden und sein Schiff wurde auch vom Hintermann d'Achés beschossen, während es wie seine Vorderleute unter langsamer Fahrt in scharfem Gefecht weitersegelte. Gegen 6 Uhr kamen die beiden französischen Schiffe in Sicht, die Lally nach Pondicherry gebracht hatten.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind die verschiedenen Angaben über den Verlauf des Gefechtes wohl in Übereinstimmung zu bringen, über das nun folgende Manöver des französischen Admirals weichen die Meinungen ab.D'Achéerteilte nämlich jetzt den Befehl zum Halsen, wartete jedoch nicht ab, bis das Signal beantwortet war, sondern führte das Manöver mit dem Flaggschiff sofort aus. Die Schiffe hinter ihm folgten seinem Beispiele, wobei sein dichtaufgeschlossener Hintermann Gelegenheit hatte, dem englischen Flaggschiffe beim Vorbeisegeln nochmals eine Breitseite zu geben; die Schiffe vor ihm brache365 n das Gefecht erst etwas später ab, so daß die Ordnung der französischen Linie gestört war.
Einige Quellen erzählen nun, d'Aché habe durch „gleichzeitiges Halsen“ aller Schiffe schnell die Linie über Steuerbordbug bilden, dann in der Lücke der englischen[191]Linie durchbrechen und so deren letzte Schiffe abschneiden wollen; diese Absicht sei durch seine Ungeduld vereitelt. Andere nehmen an, er habe das Gefecht abgebrochen, um die ausgefallenen sowie die von Pondicherry kommenden Schiffe an sich zu ziehen und weiter in Lee aufs neue den Angriff abzuwarten; er habe dazu den Befehl „im Kontremarsch Halsen“ gegeben. Diese Ansicht hat für sich, daß ein derartiges Manöver fast ganz der späteren Taktik der Franzosen (vgl. Seite42) entsprechen würde, auch ist es bei dieser Annahme leichter zu erklären, daß der Hintermann des Admirals „beim Vorbeisegeln“ nochmals eine Lage auf den englischen Admiral abgeben konnte. Tatsächlich wurde das Gefecht durch das Manöver abgebrochen und nicht wieder aufgenommen, denn die Nacht kam herauf. Aber auch sonst wärePocockzu einem zweiten Angriffe nicht in der Lage gewesen, da seine vordersten Schiffe zu sehr beschädigt waren — eine weitere gewöhnliche Folge der englischen Angriffsart; der schon gegebene Befehl zur Verfolgung des Feindes mußte aus diesem Grunde widerrufen werden.
Der Verlustder Engländer betrug nur 29 Tote, sowie 89 Verwundete; der der Franzosen 162 und 360. Dieser große Unterschied war einerseits die Folge der verschiedenen Taktik — bekanntlich schossen die Franzosen auf die Takelage, die Engländer auf den Rumpf —, anderseits aber auch des Umstandes, daß die französischen Schiffe mit Soldaten Lallys überfüllt waren.
Erwähnt sei, daßd'Achéden Kommandanten seines letzten Schiffes wegen Lauheit im Gefecht des Kommandos entsetzte, und daß auch von den drei Kommandanten der letzten englischen Schiffe durch kriegsgerichtlichen Spruch einer entlassen, ein zweiter vom Kommando enthoben und der dritte auf ein Jahr im Dienstalter zurückgestellt wurde.
Die Franzosen nehmen St. David 1758.Nach der Schlacht segeltePococknach Sadras, um seine Schiffe auszubessern, gab also den Schutz von Cuddalore auf.D'Achéankerte zunächst bei Lampraavy, 20 Seemeilen südlich von Pondicherry; — hier ging ein Kompagnieschiff zu 74 Kanonen verloren, das infolge beschädigten Ankergeschirrs strandete — und segelte dann nach Pondicherry; er stand also noch immer zwischen Cuddalore und dem Feinde.De Lallyhatte aber schon am 29. April Truppen gegen diese Stadt in Bewegung gesetzt, nahm sie am 3. Mai und schritt zur Belagerung des Forts St. David. Die Engländer verfügten hier nur über 619 weiße und 1600 indische Soldaten, die Franzosen fast genau über dieselbe Gesamtzahl, aber im umgekehrten Verhältnis. Am 16. begann die Beschießung, bald fielen die Außenwerke, und am 2. Juni ergab sich das Fort; die Besatzung wurde kriegsgefangen.
Die Engländer räumten kurz darauf auchDevicotta; von wichtigeren Plätzen behielten sie nur noch Madras und Trichinopoly.Pocockhatte versucht, St. David zu entsetzen; er war am 10. Mai von Sadras in See gegangen, infolge ungünstigen Windes aber erst am 30. bis auf die Höhe von Pondicherry gekommen. D'Aché erhielt von de Lally den Auftrag, den Gegner zu schlagen; er ging zwar in See, hielt sich aber zu Luward vom Feinde und kehrte bald auf Verlangen der Behörden in Pondicherry — de Lally war nach St. David abgegangen — zum Schutz dieser Stadt zurück. Pocock hatte seinerseits nicht an den Feind herankommen können; als er am 6. Juni die Nachricht von dem bevorstehenden Falle St. Davids erhielt, segelte er nach Madras, um wenigstens diesen Platz zu schützen.
Die Schlacht vor Negapatam am 3. August 1758.Nach der Einnahme von St. David wäre es de Lally bei seiner großen Überlegenheit an Soldaten wahrscheinlich leicht geworden, Madras zu erobern, und er forderte auch d'Aché zur Mitwirkung hierbei auf; dieser lehnte jedoch mit der Begründung ab, daß er in Ceylon Vorräte auffüllen müsse und dabei gegen den englischen Handel kreuzen wolle.De Lallyzog nun am 18. Juni gegen Tanjore zu Felde, um hier eine alte Schuldforderung einzutreiben. Er erreichte die Stadt erst am 18. Juli, wurde dann durch Verhandlungen sowie kleine Teilzahlungen hingehalten, und als er endlich zum Sturme schreiten wollte, erhielt er die Nachricht, daß das französische Geschwader vor Negapatam geschlagen und Karikal, von wo aus sein Heer allein verpflegt werden konnte, sowie Pondicherry in Gefahr seien. Er ging deshalb am 10. August auf diese Stadt zurück. Am 17. Juli warPocockdort erschienen, undd'Aché, der so lange untätig gelegen hatte, ging nun in See, anscheinend, um sich einem Kampfe zu entziehen, und steuerte, von Pocock gefolgt, südwärts. Die nächsten Tage brachten nur Manöver der beiden Geschwader, teils in Sicht, teils außer Sicht voneinander, aber am 3. August erfolgte der Zusammenstoß. Die Streitkräfte waren dieselben wie bei Cuddalore; französischerseits traten die damals nach Pondicherry gesandten Schiffe jetzt an die Stelle des gestrandeten und des kleinsten zu 36 Kanonen; wieder standen 9 Franzosen gegen 7 Engländer.
Der Verlauf des Kampfes vor Negapatam.Am 3. August um 5 Uhr vormittags sichtete Pocock den Gegner, der tags zuvor aus Sicht gewesen war, zu Luward in Gefechtslinie vor Negapatam. Während er sein Geschwader ordnete, wären infolge flauen Windes und zeitweiser Stille fast seine beiden letzten Schiffe abgeschnitten. Um Mittag sprang Seebrise auf, wodurch die Engländer die Luvstellung erhielten, und um 12½ Uhr griff Pocock in der üblichen Weise an. Es kam zu einem zweieinhalbstündigen Kampfe, der zwar ganz nach Vorschrift begonnen, aber nicht lange so durchgeführt zu sein scheint. Gleich nach dem Zusammenstoß fing das vorderste französische Schiff am Kreuzmast Feuer, mußte diesen kappen und wäre verloren gewesen, wenn sein Hintermann es nicht gedeckt hätte. Dem französischen Admiralschiff wurde das Ruderrad zerschossen, es trieb auf ein anderes, und auch hier legte sich ein drittes zwischen diese beiden und den Gegner; die zwei 44-Kanonenschiffe wurden bald aus der Linie vertrieben. So war die französische Ordnung schnell gelöst und d'Aché, dessen Schiff gleich nach Ausbesserung des Ruders in Brand geriet, gab gegen 2 Uhr nachmittags den Befehl, das Gefecht abzubrechen. Die Schiffe hielten in Unordnung ab. Pocock gab zwar den Befehl zur allgemeinen Jagd und führte bis 3 Uhr noch ein laufendes Gefecht, aber die Franzosen entkamen; einige englische Schiffe waren wieder so in der Takelage zerschossen, daß man das Überbordgehen der Masten befürchten mußte.Der Verlustder Engländer betrug 31 Tote und 166 Verwundete gegen 250 bzw. 600 der Franzosen; beide Geschwaderchefs waren verwundet.
Die Schlacht vor Negapatammuß als taktisch unentschieden bezeichnet werden und schließt für die nächste Zeit den Seekrieg in Indien, der französischerseits aufgegeben wurde.D'Achéging nämlich nach Pondicherry, fand hier auch noch Material zur Ausbesserung seiner Schiffe, hielt es aber noch für nötig, diese zu kalfatern, was hier bei Anwesenheit des Feindes nicht angängig war. Obgleich er Befehl hatte, biszum 15. Oktober in den indischen Gewässern zu bleiben, lehnte er die erneute Aufforderung zu einem Angriff auf Madras ab und erklärte, er dürfe die Schiffe in ihrem jetzigen Zustande weder einem neuen Kampfe noch den Unbilden der schlechten Jahreszeit aussetzen, er müsse sie, die so wichtig für Indien seien, erhalten. Trotz de Lallys Einsprache und den Bitten der Behörden ging er am 3. September nach Isle de France in See. Wahrscheinlich haben sein schlechtes Einvernehmen mit de Lally sowie die Überzeugung von der Überlegenheit der englischen Seestreitkräfte zu diesem Entschluß beigetragen.Pocockhatte nach der Schlacht vor Karikal gelegen und dadurch wohl zum Abbruch der Belagerung von Tanjore mitgewirkt, blieb aber sonst untätig; schon am 20. August ging er zum Überwintern nach Bombay. Dies muß befremden, da er nichts von d'Achés Absicht wußte, Indien zu verlassen, und da doch die englische Sache am Lande recht ungünstig stand. Alle englischen Quellen übergehen diesen Punkt! Während er in Trincomali auf Ceylon Wasser nahm, wurde ihm durch eine Ausguckfregatte das Passieren der Franzosen auf ihrem Wege nach Isle de France gemeldet; er ging sofort in See, konnte den Gegner aber nicht mehr erreichen.
Niederlagen der Franzosen 1759.Obgleich von d'Aché im Stich gelassen und durch Geldmangel gelähmt, gabde Lallyseinen Plan nicht auf. Nach Heranziehen de Bussys aus dem Dekan eroberte er im Oktober 1758 Arcot, die Hauptstadt des Carnatic, um sich Geld zu verschaffen, und wenn er auch hier fast nichts fand — seine ganzen Mittel bestanden in 94000 Rupien und das Heer allein kostete im Monat 40000 —, zog er doch Anfang November mit 2700 Europäern sowie 5000 Sepoysgegen Madras, das durch MajorLawrencemit 1760 Engländern nebst 2400 Indern besetzt war. Da sich die Engländer in die Zitadelle, Fort George, zurückzogen, fiel die Stadt sogleich, am 12. Dezember, in die Hände der Franzosen, die hier eine Beute von 15 Millionen Francs gemacht haben sollen, von denen aber nur 92000 in die amtliche Kasse geflossen sind. Infolge mangelnder Mannszucht, ja des stillen Widerstandes vieler Offiziere, auch de Bussys, der über die Abberufung von seiner so wichtigen Mission im Dekan empört war, sowie der Tapferkeit der Engländer zog sich die Belagerung des Forts lange hin. Im französischen Lager herrschte bald Mangel, während die Belagerten trotz der Winterstürme über See aus Bengalen Zufuhren erhielten.
Am 16. Februar 1759 wollte de Lally einen Sturm wagen, da trafen in der Stadt zwei englische Fregatten nebst 6 Fahrzeugen mit Soldaten, Munition und Proviant von Bombay ein, so daß er die Belagerung abbrechen und das schwere Geschütz im Stich lassen mußte. An derOrissaküsteerrangen die Engländer gleichfalls Erfolge. Die im Oktober 1758 von Clive aus Bengalen dort hingesandten Truppen schlugen die Franzosen im Dezember vernichtend und zwangen im Januar 1759 in Masulipatam ihre Trümmer zur Übergabe. Der Vizekönig vom Dekan trat jetzt auf seiten Englands, wies die Franzosen aus seinem Reiche aus und teilte das ihnen früher überlassene Land, diese wichtige Errungenschaft Dupleix', den Engländern zu.
De Lallysah sich auf wenige feste Plätze außer Pondichery beschränkt und für den Sommer 1759 zur Untätigkeit verdammt; seine letzte Hoffnung war das Geschwader d'Achés, dessen Rückkehr längst fällig war. Glücklicherweise vermochte auch der Gegner nichts zu unternehmen, denn die Kompagnie sandte kein Geld, in der Meinung, daß die bengalische Beute alles bezahlt mache.
Die Schlacht vor Porto Novo, 10. September 1759.Pocockhatte mit seinem Geschwader am 7. April Bombay verlassen und kreuzte in Erwartung des Gegners an der Koromandelküste; zu ihm stieß im Juni, von der Heimat kommend, KontreadmiralCharles Stevensmit 2 Linienschiffen.D'Achéerschien erst im September wieder in Indien. Wenn er somit gerade ein Jahr vom Felde seiner Tätigkeit entfernt blieb, so ist dies keineswegs ihm allein zur Last zu legen. Bei seiner Ankunft in Isle de France im Oktober 1758 fand er zwar 3 Linienschiffe vor, die von Frankreich mit einigen wenigen Soldaten (90 oder 180 Mann), etwas Munition sowie 800000 Francs für Indien angekommen waren, aber die Zustände auf Isle de France und Bourbon waren derart, daß er sein Geschwader nur mit Mühe und in langer Zeit wieder schlagfertig machen konnte.
Auf Isle de France herrschte eine Hungersnot, die durch die Ankunft des Geschwaders noch fühlbarer wurde. Der Admiral mußte im November 9 Schiffe nach Kapstadt senden, um Nahrungsmittel zu holen; die dort erlangten Vorräte genügten aber nicht im geringsten, so daß der Gouverneur den Admiral des öftern bat, mit den Schiffen die Insel zu verlassen. Es fehlte ferner an Ersatzmannschaften, an Munition sowie an jeglichem Material; man war genötigt, aus Ankertauen Tauwerk für die Takelage anzufertigen. Schließlich schleppte man einige Schiffe auf, um mit deren Personal und Material den anderen auszuhelfen. — Diese Mißstände beweisen die Unfähigkeit und Kurzsichtigkeit, mit denen Frankreich den Seekrieg führte; man wollte in Indien stark auftreten und hatte nichts zur Erhaltung der Schlagfertigkeit seiner Streitmittel vorgesehen.D'Achéschrieb nach seiner Ankunft in Port Louis: „Ich verließ Indien, da es dort an allem mangelte, ich kam hier an und geriet in noch größere Not.“ Vor seiner Rückfahrt nach Indien berichtete er: „Ich bin im Begriff, abzusegeln, um meine Besatzungen vor dem Hungertode zu retten, aber man kann von dem Geschwader nichts erwarten, wenn keine Hilfsmittel gesandt werden.“
Am 17. Juli 1759 gingd'Achéendlich von Port Louis in See, lief Bourbon sowie Madagaskar an, um sich noch nach Möglichkeit mit Vorräten zu versehen, erreichte am 30. August Batticaloa auf Ceylon und stieß am 2. September an der Nordostspitze dieser Insel auf das englische Geschwader. Wieder vergingen einige Tage mit Manövrieren; erst der 10. September brachtedie dritte Schlacht zwischen Pocock und d'Achéauf der Höhe von Porto Novo.
VomVerlauf der Schlacht vor Porto Novobringen die Quellen beider Völker nur Angaben über die Zusammenstöße einzelner Schiffe, jedoch nichts über die Taktik[104]. DieStreitmittelbestanden auf englischer Seite in 9 Schiffen zu 50–68 Kanonen nebst einer Fregatte, auf französischer Seite in 4 Linienschiffen zu 64–74 Kanonen,[195]5 Kompagnieschiffen zu 54–68 Kanonen, nebst 2 Fregatten. Wieder also waren die Franzosen an Zahl der Schiffe wie der Geschütze überlegen, und das Verhältnis der Königlichen Schiffe zu denen der Kompagnie hatte sich günstiger gestaltet als in den beiden früheren Gefechten. Beide Geschwader lagen in Kiellinie über Backbordbug, und die Engländer griffen um 11 Uhr vormittags von Luward her an. Der Angriff scheint gut gelungen zu sein, so daß der Kampf bald auf der ganzen Linie im Gange war. Etwa um 4 Uhr hielt das französische Flaggschiff auf Befehl des zweitältesten Offiziers ab — der Kommandant war gefallen, der Admiral zum Verbinden einer Wunde unter Deck gegangen — und die übrigen Schiffe folgten dem Beispiel in der Annahme, das Gefecht solle abgebrochen werden. Die Engländer waren aber nicht imstande zu folgen, da ihre vordersten Schiffe wie gewöhnlich stark beschädigt waren. Die Nacht über lag das englische Geschwader in Gefechtslinie bei, die beschädigten Schiffe besserten hinter ihr aus. Am nächsten Tage sahen sich die Gegner nur auf weitere Entfernung und verloren sich gegen Abend aus Sicht, da die Franzosen nach Norden aufkreuzten, während die Engländer nach Süden segelten; letztere hatten dabei drei Schiffe im Schlepp, waren also wohl nicht imstande, am Feinde zu bleiben.Der Verlustbetrug auf englischer Seite 569 Tote und Verwundete, auf französischer gegen 1500.
Auch dieseSchlachtbliebtaktisch unentschieden, beendete aberdurch ihre Folgenden Kriegzugunsten der Engländer.Pocockbesserte seine Schiffe vor Negapatam notdürftig aus und segelte dann nach Madras. Auf dem Wege hielt er sich den 27. September über vor Pondichery auf, dem Gegner vergeblich den Kampf anbietend. Hierher ward'Achégesegelt und hatte seine Truppen gelandet; er erschien auch vor dem Hafen, aber wohl nur, um nicht vor Anker angegriffen zu werden. So hattede Lallyzwar eine kleine Verstärkung erhalten, Unterstützung durch die heißersehnte Flotte sollte ihm jedoch nicht zuteil werden.D'Achéerklärte wiederum, der Zustand seiner Schiffe erlaube ihm nicht, dem Feinde nochmals entgegenzutreten, um so weniger, da dieser in nächster Zeit aufs neue eine Verstärkung erwarte. Er gab zwar 900 Mann von den Schiffsbesatzungen ab, ging aber am 30. September nach Isle de France unter Segel, und nach seiner Abfahrt kamenkeine französischen Seestreitkräfte mehr nach Indien[105].
Die Absicht, d'Achés Geschwader im Jahre 1760 dort wieder auftreten zu lassen, hat wohl bestanden, aber man hielt es zurück, da es hieß, England rüste eine Expedition gegen Isle de France aus (vgl. Seite161). Außerdem waren durch einen Orkan im Januar 1760 mehrere Schiffe kriegsunbrauchbar geworden.D'Achésegelte dann im Dezember dieses Jahres mit dem größeren Teile des Geschwaders nach Frankreich; die zurückbleibenden Schiffe mußten wegen Mangels an Ankergeschirr auf den Strand geschleppt werden.
Beurteilung d'Achés.Dieser Admiral — geboren 1702, 1717 in die Marine eingetreten, 1743 Kapitän, 1756 Chef d'Escadre — wird von den meisten französischen Schriftstellern zwar als ein tüchtiger Seemann, aber als ungeeignet für höhere Stellungen bezeichnet; auch werden ihm Kleinlichkeit und Halsstarrigkeit vorgeworfen. Diese soll er schon 1748 dadurch gezeigt haben, daß er das Kommando eines Schiffes ablehnte,[196]das er „ohne Grund“ als seeuntüchtig erklärt hatte, und auch beim Antritt seines Kommandos nach Indien machte er Schwierigkeiten, da ihm die Seestreitkräfte dort zu gering erschienen. Er hat nun wohl, wenigstens im zweiten Falle, recht gehabt, aber sein Verhalten de Lally gegenüber zum Schaden der allgemeinen Sache spricht allerdings nicht für ihn. Sein Auftreten als Admiral darf dagegen nicht zu schroff beurteilt werden. Der französische Grundsatz, das Geschwader nicht zu gefährden, war ja falsch; denn was nützte dieErhaltungder Flotte, wenn sie nichtverwendetwurde. Aber diese Ansicht entsprach dem allgemeinen Bestreben in der französischen Marine jener Zeit (auch in der Taktik) und war durch häufige dahin zielende Befehle und Instruktionen hervorgerufen, die den Wagemut der höheren Führer herabstimmen mußten. Sogar jetzt noch nennen einzelne französische Autoren d'Achés Verfahren in dieser Hinsicht richtig, da er seine Schiffe in Indien nicht hätte ausbessern können. Man muß ferner in Betracht ziehen, daß sein Geschwader durch das Überwiegen von Kompagnieschiffen dem englischen entschieden unterlegen war, und daß er mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, um es schlagfertig zu erhalten.
Ein bedeutenderer Mann hätte sich wohl von all diesem freigemacht —Suffrenüberwand im nächsten Kriege die gleichen Schwierigkeiten — und mehr geleistet; gelang es doch selbst d'Aché, wenn er auftrat, dem Gegner die Seeherrschaft streitig zu machen, und im letzten Jahre erschien sein Geschwader durchaus nicht mehr als minderwertig. Zu dieser Zeit war er aber wohl tatsächlich seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen. 1758 erklärte er in Port Louis, der mit der Verstärkung herausgekommene Chef d'Escadre de L'Eguille wäre geeigneter zum Oberbefehlshaber, er selber sei durch die vielen Widerwärtigkeiten ermüdet. D'Aché wurde übrigens noch 1761 zum Lieutenant-Général und 1770 zum Vizeadmiral des Atlantik befördert; er starb 1780.
Pocockging am 16. Oktober zum Überwintern nach Bombay, traf unterwegs die herausgesandte Verstärkung von 4 Linienschiffen unter Kontreadmiral Samuel Cornish und führte dann einen wertvollen Konvoi nach England. Auf der Station verblieben jedoch unterCornishundStevensgenügend Schiffe, die in den nächsten Jahren erfolgreich in den Landkrieg eingreifen konnten.
Der Zusammenbruch der französischen Macht in Indien 1760/61.Nach d'Achés Abfahrt gingen die Engländer am Lande mit fast ununterbrochenem Erfolge angriffsweise vor; sie erhielten ständig Verstärkungen aus der Heimat, die Franzosen nie. Ihre Führer waren denen der Gegner überlegen; de Lally war längere Zeit krank und de Bussy wurde im Januar 1760 gefangen genommen, auch sank die Mannszucht bei den Franzosen.Die Engländer erobertenim November 1759 Wandewash, im Februar 1760 Arcot, im April Karikal und Cuddalore; wo es anging, wirkte das Geschwader unmittelbar oder durch Landung von Mannschaften mit. Am 1. Mai schritten sie zur Belagerung vonPondichery, das gleichzeitig vom AdmiralStevensblockiert wurde; die Stadt verteidigte sich aber hartnäckig, immer noch in der Hoffnung auf Entsatz durch d'Aché. Das englische Geschwader hielt die Blockade auch im Winter aufrecht, verlor dabei jedoch in einem Orkan am 1. Januar 1761 4 Linienschiffe, 2 Fregatten sowie 2 kleinere Fahrzeuge mit insgesamt 1100 Mann Besatzung. Am 15. Januar mußte die Stadt kapitulieren; sie wurde zerstört und 1100 Europäer gerieten in Kriegsgefangenschaft. Bald nach Pondichery fielen die letzten festen Plätze imCarnatic. Im Februar hatte AdmiralCornishmit 4 Linienschiffen die französische StadtMahéan der Malabarküste genommen.