1)In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen (Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit schwächere.2)In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch war auch Halifax besetzt.
1)In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen (Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit schwächere.
1)In Westindien waren zwei Stationen besetzt: die Kleinen Antillen (Barbados) und Jamaika; letztere war im allgemeinen die weit schwächere.
2)In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch war auch Halifax besetzt.
2)In Nordamerika lag der Schwerpunkt der Station in New York, doch war auch Halifax besetzt.
1)Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.2)Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.
1)Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.
1)Die französische Flotte Westindiens trat auch in Nordamerika auf.
2)Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.
2)Zu diesen Zahlen sind nach oben Gesagtem sicher noch einige zuzurechnen. So gibt Campbel (Band 7, Seite 94) für Frankreich 1782 als in Dienst befindlich 89 Linienschiffe an; diese Zahl erscheint allerdings viel zu hoch, während anderseits die für dieses Jahr von uns angegebene wahrscheinlich sehr gering bemessen ist.
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika[121]schufen während des Krieges eine kleine Marine; der 22. Dezember 1775 gilt als ihr Geburtstag. Der Kongreß befahl am 5. Oktober 1775 dem GeneralWashington, zwei vor Massachusetts zum Kreuzen gegen Zufuhren der Engländer ausgerüstete Fahrzeuge in den Dienst der Allgemeinheit zu nehmen, um zwei mit Waffen und Munition erwartete Schiffe abzufangen, da dem Landheere besonders Pulver fehlte. Am 13. Oktober wurde dann eine Kommission eingesetzt, um die Ausrüstung von weiteren vier Fahrzeugen in die Wege zu leiten, und im November beschloß man, durch Aufbringen von englischen Kriegs- sowie Handelsschiffen den Krieg auch zur See zu führen.
Die Kommission ward dann zur festen Behörde für Angelegenheiten der Marine und erließ organisatorische Bestimmungen für eine solche; am 11. Dezember ordnete man den Bau von 5 Schiffen zu 32 Kanonen, 5 zu 28, 3 zu 26 an, die im März 1776 seeklar sein sollten. Sechs dieser Schiffe sind niemals in See gegangen, sie wurden schon in den Bauhäfen von den Engländern zerstört. Gleichzeitig wurden geeignete Handelsschiffe zu Kriegszwecken eingerichtet — 2 Vollschiffe zu 20 und 24 Kanonen, 2 Briggs, 1 Sloop und 2 Schoner — und am 22. Dezember 1775 die Offiziere für diese ernannt, nämlich ein Kommodore, 4 Kapitäne, 5 Leutnants I. Klasse (unter diesen der bald berühmteJohn Paul Jones), 8 II. Klasse. An einem der nächsten Tage heißte auf dem Flaggschiff „Alfred“ der erste Offizier (Jones) eigenhändig die neue Flagge: 13 Streifen, abwechselnd rot und weiß, mit dem britischen Union Jack[122]. Das kleine Geschwader konnte jedoch des Eises wegen nicht vor dem 17. Februar 1776 zum ersten Male in See gehen (zu einer Expedition gegen die Bahamainseln). Die 8 Fahrzeuge führten insgesamt 110 Kanonen, als schwerste aber nur 9-Pfdr. Zu Offizieren hatte man meist Personen ernannt, die sich schon auf den kleinen Kreuzern der Küstenstaaten ausgezeichnet hatten, unter den Mannschaften befanden sich dagegen viele Nichtseeleute, da die seemännische Bevölkerung den Dienst auf Freibeutern vorzog.
Als die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 erfolgte, zählte die Marine 24 Fahrzeuge aller Größen bis zur schweren Fregatte (32 Kanonen) mit 422 Geschützen. Während der Kriegsjahre wurde sie nach Kräften durch Neubau, Kauf und Einstellung genommener Fahrzeuge vermehrt, aber fast alle Schiffe fielen dem Feinde in die Hände, wurden vernichtet oder gingen sonst verloren; beim Friedensschluß waren nur noch 3 größere Schiffe mit insgesamt 84 Geschützen vorhanden.Der Verlust[123]betrug3 Schiffe zu 40–44 Kanonen, 13 zu 28–32, 6 zu 20–26, 11 zu 12–14 und 6 zu 4–10. Rühmend heben amerikanische Quellen hervor, daß kein Kriegsfahrzeug von englischen Freibeutern genommen sei, während amerikanische Freibeuter 16 englische Kriegsschiffe genommen hätten.
Verwendung fand die Marine nur in Verbindung mit Operationen am Lande sowie im Kleinen Kriege; die Angaben über die Größe der Schiffe machen dies selbstverständlich. Nach dem Kriege wurden die noch vorhandenen Fahrzeuge verkauft, da die öffentliche Meinung gegen jede stehende Waffe als eine monarchische Einrichtung war und auch deren Kosten scheute. Erst 1794 gaben die Schäden, die der Seehandel durch die Barbaresken erlitt, Anlaß zur Gründung einer neuen Marine.
Das Jahr 1775verlief für England ungünstig. Dies hatte in Friedenszeiten in den Kolonien stets nur wenig Truppen, schwache Garnisonen in einigen Städten sowie in den kleinen Forts, und selbst als die Lage bedenklich wurde, sandte man nur geringe Verstärkungen hinaus, obgleich die Kolonien 1775 schon gegen 2 Millionen weiße Einwohner zählten. Es war für England auch nicht leicht, sofort größere Kräfte aufzubieten.
Die englische Landarmee betrug 1774 nur 17500 Mann — die Flotte war mit 20000 Seeleuten bemannt; für 1775 waren gar nur 18000 ausgeworfen —, für 1776 bewilligte das Parlament 55000 Soldaten, für die Marine 28000 Mann, von denen die größere Zahl nach Amerika bestimmt war, aber man vermochte sie nicht aufzustellen, da die Werbungen in Großbritannien und Irland wenig Rekruten brachten. Nur unter Entblößung der Heimat konnte man die nötigsten Verstärkungen hinaussenden, und der Kriegsminister empfahl, die aufständischen Kolonien allein durch Vernichtung ihres Handels sowie Zerstörung der Küstenstädte mürbe zu machen. Hiervon wollte jedoch der König nichts wissen, sondern kaufte für 1776 etwa 18000 Soldaten von den kleinen deutschen Fürsten; in den nächsten Jahren bis zu 25000 insgesamt. Als Kurfürst von Hannover sandte er ferner 2300 Hannoveraner nach Gibraltar und Minorca zur Ablösung englischer Regimenter. Auf diese Weise wurden noch mehr Truppen aufgestellt, als das Parlament bewilligt hatte, zum Teil aus Mitteln, die Korporationen und Private zur Verfügung stellten. — WieFriedrich der Großeüber den Menschenhandel in Deutschland dachte, zeigte sein Ausspruch: „Es sei billig, wenn er für die durch sein Land ziehenden Soldaten den Viehzoll erhebe, da sie doch wie Vieh verkauft wären.“
Gefechte bei Lexington und Bunkershill.AlsGeneral Gageim Frühjahr den Gouverneursposten in Boston übernahm, hatte er nur etwa3500 Mann zur Verfügung, während in Massachusetts schon 12 000 Mann unter Waffen standen und eifrig weiter gerüstet wurde. Bei Concord, etwa 6 Stunden von Boston, war ein Magazin eingerichtet; um es aufzuheben, entsandte Gage Mitte April 800 Mann. Diese Truppe wies zwar auf dem Hinmarsche eine kleine Abteilung Milizen blutig ab, die sich ihr in den Weg stellte, und führte ihren Auftrag aus, wurde aber auf dem Rückmarsch durch große Scharen der durch das erste Blutvergießen erregten Bevölkerung beiLexington am 19. Aprilangegriffen, verlor 65 Tote, 180 Verwundete sowie 28 Gefangene und würde vernichtet worden sein, wenn ihr nicht von Boston 16 Kompagnien zu Hilfe gekommen wären.Dieses Gefecht gilt als der Anfang des Krieges; Gage erklärte das Kriegsrecht, mußte sich aber in Boston verschanzen, da die Stadt von jetzt an durch die Amerikaner eingeschlossen wurde.
Am 24. Mai trafen nun zwar die GeneraleHowe,ClintonundBurgoynemit Truppen ein, wodurch das Heer auf 10000 Mann kam, unternahmen aber noch nichts. Dagegen erlitten die Engländer eine neue Niederlage. Als sie auf der durch den Charles-River von Boston getrennten Landzunge eine die Stadt beherrschende Höhe —Bunkershill— befestigen wollten (jetzt erst!), kamen ihnen die Gegner zuvor. Die von diesen am16. Juniangelegte Befestigung wurde nun allerdings am17. Junivon den Engländern genommen, aber der Angriff kostete ihnen, trotz Unterstützung durch das Feuer ihrer Kriegsschiffe, 1054 Mann, einschließlich 89 Offiziere, an Toten und Verwundeten, während die Amerikaner nur 449 Mann einbüßten und sich — wegen Munitionsmangels — in guter Ordnung zurückzogen. Nun tratGeorge Washingtonan die Spitze des amerikanischen Heeres und brachte es auf 20000 Mann, aber die Disziplin ließ sehr viel zu wünschen übrig, und es mangelte an Kriegsmaterial jeder Art. Die Engländer, über die im OktoberSir William Howeden Oberbefehl übernahm, versuchten nicht einmal, die Linie der Belagerer zu durchbrechen, obgleich diese später kaum 9000 Mann zählten, als die Milizen heimgingen, die ihren Dienst hinter sich hatten; sie hofften, durch verschärfte Maßregeln — Beschlagnahme aller amerikanischen Schiffe und Waren, sowie Blockade aller Häfen — die Kolonien zum Nachgeben zu zwingen.
Vordringen der Amerikaner gegen Kanada.In dem eben begonnenen Kriege war für beide Parteien dieHudsonliniewichtig, die fast ununterbrochene Wasserstraße, die durch den Hudson, den George-, den Champlainsee und endlich den Richelieu-River von New York bis zum St. Lawrencestrom unterhalb Montreals gebildet wird. In der größtenteils noch unwegsamen Gegend bot sie den Weg für amerikanische Angriffe auf Kanada sowie für englische von dort; von den Engländern völlig beherrscht, setzte sie diese in den Stand, die gefährlichsten Kolonien — die Neuenglandstaaten — von den weniger feindseligen mittleren abzuschneiden. Deshalb und auch wohl in der Hoffnung, die widerstrebenden Kanadier doch noch herüberzuziehen,bemächtigten sichim Mai die OberstenArnoldundAllenvonMassachusetts aus mit nur 270 Mann desForts Ticonderoga, an der Südspitze, und desForts Crownpointam Westrande des Champlainsees.
Von hier aus segelteArnoldin einem Schoner zur Nordspitze des Champlainsees bis zu dessen Ausfluß, dem Richelieu-River, und nahm hier dasFort St. Johns. Halten konnte er sich hier allerdings nicht, da eine starke englische Truppe im Anmarsch war, die der Gouverneur von Kanada,General Carleton, zur Verstärkung der Grenzforts abgesandt hatte, aber er verbrannte vor seinem Rückzuge alle Fahrzeuge im Norden des Sees und sicherte sich so Crownpoint und Ticonderoga. Der Kongreß, der im Mai wieder zusammengetreten war und mit England verhandelte, war zwar anfangs mit diesem Vorgehen nicht einverstanden, gab aber später Washington Befehl, Truppen für einen Einfall in Kanada bereitzustellen. Am 4. September schiffte GeneralMontgomeryin Crownpoint 2–3000 Mann ein, nahm Fort Chambly am Richelieu-River und zwang St. John am 3. November zur Übergabe. Er zog dann weiter, besetzte am 13. NovemberMontrealohne Kampf und ging den St. Lawrencestrom hinab gegenQuebecvor; hier traf er aufArnold. Dieser war während des Oktober durch die Wälder vorgedrungen, wobei er infolge von Strapazen 500 Mann von 1200 verlor, hatte am 13. November oberhalb Quebec den Strom überschritten und dieselbe Höhe besetzt, dieWolfe16 Jahre früher erklommen; Carleton zählte nur 1500 Mann und war zu schwach, ihn zu vertreiben. Nach Montgomerys Eintreffen, Anfang Dezember, ward die Stadt eingeschlossen. Zu einer regelrechten Belagerung waren aber keine Mittel vorhanden, und ein Sturm am 31. Dezember, bei dem Montgomery fiel, wurde abgeschlagen.Arnoldmußte sich nun begnügen, dem Feinde die Zufuhren vom Lande her abzuschneiden; von See her tat dies das Eis. Die Kanadier zeigten keine Neigung, von England abzufallen.
Das Jahr 1776brachte gleichfalls einigebemerkenswerte Ereignisse zur See. Auf die Nachricht von dem ersten Blutvergießen bei Lexington bemächtigten sich die Einwohner von Machias (Maine) mittels einer Sloop eines bewaffneten Regierungsschoners, der mit Mastenhölzern beladene Fahrzeuge nach Boston bringen sollte. Sie armierten mit seinen Kanonen die besser segelnde Sloop und nahmen dann zwei Kriegsschoner, die von Halifax zur Verhaftung des Rädelsführers der ersten Gewalttat geschickt waren. Diese drei Fahrzeuge ließen sie gegen Schiffe kreuzen, die den Engländers in Boston Proviant und Material brachten. In ähnlicher Weise wurde bei Rhode-Island ein Kriegsschoner genommen, dessen Kommandant wegen seiner Schroffheit beim Durchsuchen von Handelsschiffen verhaßt war. Wie Maine sandten auch Massachusetts und Rhode-Island kleine Kreuzer gegen die englischen Zufuhren aus; bald nahm der Kongreß diesen Kaperkrieg in die Hand (vgl. Seite225). Besonders erwünscht war das Abfangen von Transportern mit Munition, da die eigenen Milizen hieran Mangel litten.
Diese Kreuzfahrten hatten mehr Erfolg[125]als man glauben sollte. Allerdings kamen die englischen Zufuhrschiffe ohne Deckung, und es ist kaum verständlich, weshalb die Engländer sich nicht besser vorsahen, da sie doch in Boston ganz auf Zufuhren von See her angewiesen waren. Wie stark ihre Seestreitkräfte an der Küste waren, ist leider nirgend zu ersehen, nur Laird Clowes sagt, sie seien weder stark genug noch geeignet gewesen, ihre Aufgabe zu erfüllen, und erst im Oktober habe der Chef der Station, AdmiralGraves, den Befehl erhalten, seinerseits amerikanische Handelsschiffe aufzubringen. Um diese Zeit wurden schroffe Maßregeln ergriffen und zu diesen gehörtenExpeditionen gegen Küstenstädte, die Feindseligkeiten begangen hatten. So bombardierte Kapitän Mouatt mit 4 Kriegsschiffen am 16. Oktober Falmouth (jetzt Portland; Maine) und legte es in Trümmer; später wurden noch andere Städte beschossen, z. B. Norfolk in Virginia, das den Gouverneur vertrieben hatte.
Die Kunde von der barbarischen Beschießung der offenen Stadt Falmouth traf am 31. Oktober gleichzeitig mit der Nachricht in Philadelphia ein, daß England deutsche Truppen angeworben habe. Beides erhöhte die Erbitterung in den Kolonien, so daß der Kongreß beschloß, eine Marine zu schaffen und den Krieg auch zur See zu führen.
Das Jahr 1776brachte zunächstdie Räumung Bostons. Die bisherige Untätigkeit der Engländer hatte den Amerikanern Zeit zur Durchführung ihrer Rüstungen gegeben; durch die von den Freibeutern gemachten Prisen hatten sie Waffen und Munition erhalten. Im März fühlte sichWashingtonstark genug, gegen Boston vorzugehen;Howemußte, da Freibeuter und Winterstürme die Zufuhr an Lebensmitteln abschnitten, am 17. März die Stadt aufgeben. Er segelte auf 150 Fahrzeugen mit 7–8000 Mann nach Halifax ab, und etwa 1500 englisch gesinnte Einwohner schlossen sich ihm aus Furcht vor der Rache ihrer Landsleute an. Er überließ dabei dem Gegner ansehnliche Kriegsvorräte und später fielen diesem auch noch viele mit solchen beladene Schiffe in die Hände, die ohne Kenntnis von dem Abzuge der Engländer einliefen.Howewollte in Halifax die Ankunft einer großen Verstärkung abwarten, die von England in Aussicht gestellt war.
Der Kriegsplan für1776 war, mit der Hauptarmee von New York aus den Hudson hinauf nach Albany vorzugehen, bis wohin der Fluß schiffbar war, und dort einem von Kanada aus über die Seen geführten Angriff die Hand zu bieten. Außerdem war ein kleinerer Vorstoß gegen die Carolinastaaten geplant, da man hoffte, diese beiden südlichen Kolonien mit Unterstützung der zahlreichen Englandfreunde dort leicht wieder gewinnen zu können; wie aus Virginia hatten auch aus Nord- und Südcarolina die Gouverneure flüchten müssen. Im Laufe des Sommers trafen gegen 30000 Mann, darunter die deutschen Truppen, ein, so daß England einschließlich der kanadischen Milizen und der Loyalisten über etwa 40000 Mann verfügte. Gleichzeitig wurden die Seestreitkräfte vermehrt und unter den Befehl des VizeadmiralsSir Richard Howe, eines Bruders des GeneralsSir William Howe, gestellt; an schwereren Schiffen sandte man den Küstenverhältnissen entsprechend nur kleinere Linienschiffe zu 64 Kanonen und 50-Kanonenschiffe hinaus. Zahlreich scheint die Verstärkung nicht gewesen zu sein, denn noch 1777/78 verfügte Howe nur über 7 oder 8 der ersteren und 6 oder 7 der letzteren an der ganzen nordamerikanischen Küste einschließlich Kanadas. Vor Darstellung der Begebnisse auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, auf denen überall Seestreitkräfte mitwirkten, sei das Nötigste über denFortgang der politischen Verhältnissegesagt.
Die Unabhängigkeitserklärung der Kolonienwar schon im Mai 1775 auf dem Kongresse angeregt, und im Februar 1776 wurden sämtliche Provinzialversammlungen aufgefordert, ihren Deputierten beim Kongreß Vollmacht zur Zustimmung zu geben, alsFranklinim Mai von England heimkam, Nachrichten über die schroffe Haltung des Parlaments sowie der maßgebenden Kreise dort mitbrachte und Mitglied des Kongresses ward, wurde es ihm leicht, diese Angelegenheit zu fördern. Die Zerstörung der Küstenstädte, die Anwerbung deutscher Truppen, maßlose Ausfälle der englischen Presse hatten die Erbitterung weiter geschürt, während anderseits die leicht erlangte Räumung Bostons sowie die Aussicht auf Frankreichs Unterstützung die Zuversicht hoben. Eine Kolonie nach der anderen entschied sich für die Lossagung vom Mutterlande. Ende Juni waren zwar die Deputierten von New York, Delaware, Pennsylvanien und Südcarolina, in welchen Provinzen besonders viele Loyalisten wohnten, noch nicht gewonnen, aber der Kongreßausschuß, der die Angelegenheit bearbeitete — Jefferson, Adams, Franklin, Sherman und Livingston —, wußte geschickt den Widerstand zu besiegen: Carolina fügte sich; Delaware sandte noch einen Deputierten, der für den Abfall stimmte; zwei Abgeordnete Pennsylvaniens blieben der Abstimmung fern.
So erhielten die Befürworter der Unabhängigkeit Stimmenmehrheit, und die vonJeffersonentworfeneDeclaration of Independanceward in Abwesenheit der Abgeordneten New Yorksam 4. Juli 1776einstimmig angenommen; aber auch die New Yorker unterzeichneten nachträglich. Man schickte nun die Gesandtschaft nach Frankreich, um sich dessen Beistand zu sichern, denn ein gewagter Schritt blieb der Abfall immerhin. Zwar rechnete man auf die Stimmung bei einem Teil des englischen Volkes und mit der Schwierigkeit der Kriegführung für England in dem schwer zugänglichen Innern der Kolonien, aber die eigenen Verhältnisse lagen auch nicht günstig. England hatte noch viele Anhänger und die übrigen Einwohner waren größerenteils zu Opfern an Gut und Blut wenig geneigt; für regelrechten Kriegsdienst waren sie weder begeistert noch geeignet, und als Milizen gingen sie heim, wenn sie ihrer zwölfmonatlichen Verpflichtung genügt hatten. Es fehlte an Mitteln; bares Geld war an und für sich wenig im Lande, etwa nur 12 Millionen Dollars, und dem Kongreß fehlte vorläufig jede gesetzliche Grundlage. Man suchte sich mit Beschlagnahme des Vermögens von Verrätern und Verdächtigen zu helfen und gab Papiergeld aus, aber die erste Quelle versiegteschnell und das Papiergeld fiel bald im Werte[126]. Die Preise aller Waren stiegen; es fehlte an Kleidung, Waffen und Unterhaltungsmitteln für das Heer.Washingtonund seine Freunde kamen mehr und mehr zur Erkenntnis, daß nur die Ausnutzung der weiten, wenig bevölkerten Gebiete und die Aushungerung der Engländer den Freiheitskampf so lange hinhalten konnten, bis irgendwelche Hilfe kam. Die meisten dieser ungünstigen Zustände erhielten sich bis zum Ende des Krieges, und man kann wohl mit Recht sagen, daß die Freiheit Amerikas nicht durch den Heldenmut des Volkes, sondern durch die Einsicht, Tatkraft und Aufopferung einer kleinen Zahl hervorragender Männer sowie durch die Hilfe Frankreichs errungen ist.
Der Angriff auf Charleston (Südcarolina) 28. Juni 1776. Zuerst setzten die Engländer die Expedition gegen Carolina ins Werk. Im Januar 1776 segelten 2 50-Kanonenschiffe, 4 Fregatten zu 28 Kanonen, 4 kleinere Fahrzeuge und ein Mörserboot unter KommodoreSir Peter Parkernebst 1000 Soldaten unterLord Cornwallisvon England und trafen nach stürmischer Überfahrt im Mai bei Kap Fear (Nordcarolina) ein. Hier befand sich bereits GeneralSir Henry Clinton, der vonHoweim Januar mit 2000 Mann dorthin gesandt war. Bei seiner Ankunft hatten sich die Loyalisten zu erheben versucht, wurden aber von den Aufständischen niedergehalten, und Clinton fühlte sich nicht stark genug, in das Land einzudringen. Bei Ankunft der Verstärkung aus England übernahm er den Oberbefehl und beschloß, Charleston anzugreifen. Die Expedition segelte am 1. Juni weiter, ankerte am 4. außerhalb der Barre vor der Einfahrt zur genannten Stadt, passierte die Barre vom 7. bis 10. Juni, griff am 28. das Fort Moultrie an, das die Einfahrt deckte, vermochte es jedoch weder von See her niederzukämpfen noch von Land aus zu erstürmen.
Der Verlauf des Angriffeswar kurz folgender. (Nach Colomb, Seite 417, mit Plan, und Clowes III, Seite 372, dort sehr eingehend.) Die Haupteinfahrt, der Mainshipchannel, führt zunächst zwischen einer langgestreckten nur an ihrem Südende passierbaren Barre, und Morris-Island etwa fünf Seemeilen nördlich und wendet sich dann zwischen der Nordspitze genannter Insel und Sullivan-Island, nahe unter dieser, nach Westen der Stadt zu. Diese engste Stelle der Einfahrt ist noch etwa 4 Seemeilen von der Stadt entfernt und wurde damals nur durch ein Werk auf Sullivan-Island beherrscht — später nach seinem jetzigen VerteidigerFort Moultriegenannt. Das Fort besaß Bastionen auf den vier Ecken, die Wälle bestanden aus Sand und waren mit zusammengefügten Palmstämmen bedeckt. Nur die Hauptfront, die nach Süden die Einfahrt bestrich, und die Westfront waren fertig, die beiden anderen erst notdürftig gegen Ersteigen gesichert. 28 Geschütze (18- und 9-Pfünder) waren aufgestellt und zwar 21 in der Hauptfront; eine von Osten nach Westen laufende Traverse deckte diese gegen Rückenfeuer, doch ein Schutz gegen Enfilieren war nicht vorhanden und die Munition war sehr knapp. Letzterer Umstand war jedoch den Angreifern nicht bekannt.Parkerließ die tiefste Stelle der Barre ausloten und ausbojen; dann erfolgte die Durchfahrt, die Fregatten und die Transporter ankerten am 7. Juni innerhalb der Barre, ein 50-Kanonenschiff folgte erst am 10., da es zur Erleichterung Geschütze hatte abgeben müssen, das zweite 50-Kanonenschiff war noch nicht eingetroffen.
Vom 9.–15. landeteClintonseine Truppen auf Long Island, einer Insel, unmittelbar nördlich von Sullivan-Island. Man beabsichtigte, das Fort aus den Schiffen zu beschießen und vom Lande her zu erstürmen. Die Wasserrinne zwischen den Inseln war aber selbst bei niedrigstem Wasserstande noch 7 Fuß tief, und da man keine Mittel zum Überschreiten hatte, genügte ein kleiner, in niedrigem Gestrüpp liegender Trupp Amerikaner, jede Mitwirkung der Gelandeten beim Angriff zu verhindern. Die Verteidiger fanden noch Zeit, ihre Befestigungen zu verstärken, denn der Angriff erfolgte erst am 28., da das zweite schwere Schiff nicht vor dem 26. zur Stelle war und am 27. ungünstiger Nordwind wehte.
Am genannten Tage legten sich die 50-Kanonenschiffe sowie 2 Fregatten um 11 Uhr vorm. auf etwa 330 Meter Entfernung in Linie parallel der Hauptfront und eröffneten ein schnelles, gutgerichtetes Feuer; sie wurden durch das Mörserboot unterstützt. Die Entfernung war jedoch zu groß, um Kartätschen verwenden zu können; die Vollkugeln drangen nicht durch den Wall, wenn auch zuweilen 3 bis 4 gleichzeitige Breitseiten diesen so erschütterten, daß die Verteidiger fürchteten, er würde nach innen fallen; die Bomben des Mörserbootes richteten keinen Schaden an, da sie entweder tief in den Sand eindrangen oder in einen Morast im Innern des Werkes fielen. Das Mörserboot wurde überhaupt bald durch Zusammenbrechen seiner Geschützbettung gefechtsunfähig. Die Amerikaner unterhielten ein ruhiges, mit Rücksicht auf den geringen Munitionsbestand sehr langsames Feuer nur auf die 50-Kanonenschiffe, welche sehr in der Takelage beschädigt wurden und starke Mannschaftsverluste erlitten. Die beiden anderen Fregatten sowie eine Sloop hatten das Fort passieren und im Westen desselben ankern sollen, um die kämpfenden Schiffe gegen Branderangriffe von der Stadt her zu decken und um die Hauptfront zu enfilieren. Sie liefen jedoch sämtlich auf einer Bank in der Mitte des Fahrwassers auf; zwei von ihnen kamen nach einigen Stunden bei steigendem Wasser frei, aber eine Fregatte mußte verbrannt werden, als der Kampf aufgegeben wurde. Nach Aussage der Verteidiger würden ihre Leute von den Geschützen vertrieben sein, wenn diese Schiffe die richtige Stellung eingenommen oder wenn die anderen Kartätschen hätten verwenden können. So verloren sie nur durch einige Schartentreffer 37 Tote und Verwundete, während der englische Verlust 94 Mann betrug; Parker wurde leicht, sein Flaggkapitän tödlich verwundet. Nach Eintritt völliger Dunkelheit, 9 Uhr abends, brach der Kommodore den Kampf ab und ging auf seinen Ankerplatz an der Barre zurück.
Parkerhat wohl auf einen leichteren Erfolg und auch bis zuletzt auf Mitwirkung der Gelandeten gerechnet. Es wäre gar nicht nötig gewesen, das Werk zu nehmen, um nach Charleston zu gelangen. Bei dem Angriff 1780 liefen die Schiffe ohne Schwierigkeit an dem Fort vorbei und auch bei dieser Gelegenheit hatten die Verteidiger ein Gleiches erwartet.
Der Angriff wurde nicht erneuert, da die Schiffe sehr beschädigt und die Munitionsvorräte fast erschöpft waren. Es wurde auch sonst kein Versuch gemacht, sich ohne Rücksicht auf das Fort der Stadt zu bemächtigen; die Führer erachteten doch wohl das Landungskorps für zu schwach, um sich in der Kolonie halten zu können, da in dieser zahlreiche Milizen unter GeneralLeezusammengezogen waren. Die Expedition segelte nach der nötigsten Ausbesserung der Schiffe wieder ab und traf gerade rechtzeitig am 4. August vor New York ein, um an der Einnahme dieser Stadt teilzunehmen.
Der Angriff der Engländer von Kanada aus, 1776[127], hatte mehr Erfolg. Im April wardGeneral Carletonaus seiner gezwungenen Untätigkeit inQuebec erlöst. Am 12. traf ein kleines Geschwader unter KapitänCharles Douglasmit einigen Transportern an der Mündung des St. Lawrencestromes ein. Er preßte seine Schiffe durch das mürbe gewordene Eis den Fluß hinauf und erschien am 6. Mai vor der Stadt. Die Amerikaner hatten während des Winters unter Entbehrungen und Krankheiten schwer gelitten undArnoldverfügte nur über 1500 Mann. Carleton drang nun vor und Arnold wich langsam zurück; er traf am 3. Juli in Crownpoint ein, die Engländer folgten bis St. Johns. Sie wollten auf der Hudsonlinie bis Albany vorgehen, um hier dem Vorstoß von New York aus die Hand zu reichen; dies erschien durchführbar, da das Heer in Kanada mit dem Eintreffen der großen Verstärkungen aus Europa Ende Oktober fast 13000 Mann betrug, während die Amerikaner nur schwache Kräfte bei Crownpoint stehen hatten. Aber der Marsch an den Ufern des Champlainsees war wegen der völligen Unwegsamkeit des Geländes unmöglich, man mußte den Wasserweg wählen. Dies führte zu einem Kampfe um den See, und hierfür schufen sich beide Parteien eine Flottille. Bei ihrem Rückzuge hatten die Amerikaner sämtliche Fahrzeuge vom Norden mit sich genommen, so auch einen englischen Schoner aus St. Johns; vorläufig beherrschten sie den See.
Die Flottillen auf dem Champlainsee.Arnoldhatte durch Briefe schon während seines Rückzuges den Bau von Fahrzeugen vorbereitet. Er ließ Schiffszimmerleute, Segelmacher sowie Material von der Küste nach Crownpoint kommen. Zwei Schoner zu 12 Kanonen waren bereits vorhanden; nun wurden noch ein Schoner, eine Sloop zu 10 und 3 Galeonen zu 6–8 und 8 Gondolas zu 3–5 Kanonen gebaut. Die 15 Fahrzeuge führten insgesamt 88 Geschütze und waren mit 700 Mann, allerdings meist Nichtseeleuten, bemannt. Die Galeren und Gondolas waren Ruderfahrzeuge, erstere auch zum Segeln eingerichtet, und führten ein oder 2 schwerere Geschütze im Bug. Die anderen Fahrzeuge hatten nur wenig schwere Geschütze (12- und 18-Pfünder), meist nur 4-Pfünder oder 9-Pfünder; die Munition war knapp. Die Schoner, die Sloop und 5 Gondolas waren Mitte August bereit.
War es für die Amerikaner schwierig, Material und Personal zu beschaffen, so konnten sie doch in genügend tiefem Wasser bauen. Den Engländern hingegen standen zwar die genannten Bedürfnisse durch das Geschwader in Quebec reichlich zur Verfügung, aber die Aufstellung im See machte Schwierigkeiten. Der Wasserweg von Quebec war für größere Fahrzeuge nur bis Fort Chambly am Richelieu-River, etwa zehn Seemeilen unterhalb St. Johns, schiffbar.CarletonundDouglasließen nun in Quebec die Hölzer für zwei Schoner vorbereiten, sowie ein schon fertiges Vollschiff von 180 tons wieder auseinandernehmen; dieses Material wurde dann zu Wasser nach Chambly, von dort über Land nach St. Johns gebracht, um hier die Fahrzeuge zusammenzusetzen. Anfang Oktober waren bereit: 1 Schiff zu 18 Kanonen (12-Pfünder); zwei Schoner mit 14 oder 12 (6-Pfünder); 1 floßartiges Blockschiff mit 6 (24-Pfünder), 12 (6-Pfünder), 2 Haubitzen, allerdings ein sehr unhandliches Fahrzeug; 1 Gondola und 12 Boote mit je einem Geschütz, 24-Pfünder bis zum kleinsten Feldgeschütz hinab. Munition war reichlich vorhanden, und unter der 1000 Mann starken Besatzung der Flottille befanden sich 8 Offiziere nebst 700 ausgesuchten Matrosen der Kriegsschiffe in Quebec.
Schon Anfang September erschienArnoldmit 8 Fahrzeugen vor St. Johns, um den Gegner zu beobachten und das Fahrwasser zu sperren, er konnte sich aber hier nicht halten, als die Engländer an den Ufern Batterien errichteten. Er ging deshalb bis etwa 14 Seemeilen südlich des Forts zurückund nahm hinter der InselValcour— zwischen Grand-Island und dem Weststrande des Sees, wo jetzt Platsburg liegt — Stellung; hier sammelten sich nach und nach die 15 Fahrzeuge seiner Flottille. Als am 10. Oktober Meldung vom Nahen des Feindes eintraf, riet der nächstälteste Offizier, unter Segel zu gehen und ein Rückzugsgefecht zu führen, um nicht von beiden Seiten angegriffen zu werden; Arnold glaubte jedoch, daß er dann sicher vernichtet werden würde, da der Gegner durch Größe und Schnelligkeit der Schiffe überlegen war. In der engen Straße, in der er sich befand, war er gegen Norden durch eine Untiefe gedeckt, und glaubte bei einem Angriffe von Süden günstige Aussichten für den Kampf zu haben, da fast stets nördlicher Wind wehte, der Gegner also aufkreuzen mußte und seine Fahrzeuge voraussichtlich ohne Ordnung und nur einzeln heranführen konnte. In der Hauptsache kam es auch so.
Gefechte auf dem Champlainsee am 11. und 13. Oktober 1776.Am 11. Oktober in der Frühe passierteCarleton, als seemännischer Führer unter ihm KommanderPringlemit der englischen Flottille die Straße zwischen Grand- und Valcour-Island bei frischem Nordostwinde. Als er die Amerikaner entdeckte, ging er gegen den Wind zum Angriff vor, aber das Vollschiff vermochte in der Enge kaum zu manövrieren, und das Blockschiff sowie die Gondolas kamen überhaupt nicht zum Kampf.Arnoldging ihm mit einem Schoner und den Galeren entgegen, während die anderen Fahrzeuge in Halbmondformation vor Anker blieben; es entspann sich ein blutiges Gefecht, das von 10 Uhr vormittags bis zum Eintritt der Dunkelheit dauerte. Der vorderste englische Schoner mußte schwer beschädigt zurückgehen, 3 Kanonenboote sanken, und die Engländer verloren gegen 40 Mann. Die Amerikaner büßten den vorgeschickten Schoner, der auf Valcour strandete, eine Gondola und 60 Mann ein, doch waren auch die anderen Fahrzeuge beschädigt und die Munition erschöpft.
Bei Einbruch der Nacht ankerteCarletonin einer die Straße im Süden absperrenden Linie, um am nächsten Tage das Vernichtungswerk zu vollenden oder die feindlichen Schiffe zur Übergabe zu zwingen. Über Land konnten ihre Besatzungen nicht entweichen, da die englische Flottille von Indianertrupps begleitet war, die schon vom Lande her mit Gewehrfeuer in den Kampf eingegriffen und auf Valcour die Leute des gestrandeten Schoners unter den üblichen Martern getötet und skalpiert hatten.Arnoldaber führte während der dunkeln Nacht und in nebeligen Morgenstunden seine Schiffe, eins dicht hinter dem anderen, unbemerkt durch die feindliche Linie und erreichte Schuylers Island, einige Meilen südlicher, wo er durch Gegenwind zum Ankern gezwungen wurde. Zwar setzte er noch am selben Tage die Flucht fort, ward aber am 13. Oktober von den Engländern eingeholt und mußte nach hartnäckiger Gegenwehr eine Galere und vier Gondolas verbrennen. Er deckte die Ausführung selbst mit einer Galere und verließ diese erst, als auch sie gut in Brand war; mit den Besatzungen erreichte er trotz der Indianer glücklich Crownpoint. So war zwar die amerikanische Flottillenahezu vernichtet, aber das Vorgehen der Engländer kam doch für dieses Jahr zum Stehen. Die Amerikaner zogen sich nach Ticonderoga zurück;Carletonführte seine Truppen zunächst nach Crownpoint, ging aber dann wieder nach St. John und bezog hier Winterquartiere. Er hielt die Jahreszeit nicht mehr für geeignet, die starke Stellung bei Ticonderoga anzugreifen. Der rechtzeitige Bau der amerikanischen Flottille, die Schwierigkeit, selber eine solche aufzustellen, aber auch wohl der hartnäckige Widerstand Arnolds hatten den Plan der Engländer vereitelt.
see captionNew York und Umgebung.
New York und Umgebung.
Der Kampf der Hauptheere um New York, New Jersey und die Narragansett-Bucht (Rhode-Island) 1776brachte den Engländern bedeutende Erfolge.General Howetraf mit den Truppen aus Halifax am 29. Juni bei Sandy Hook ein und landete am 3. Juli auf Staten Island; am 12. kamVizeadmiral Howevon England an und bald darauf auch die erwartete große Verstärkung, die das englische Heer auf diesem Kriegsschauplatze auf 24000 Mann brachte; etwa ein Drittel davon bestand aus Hessen. Am 3. August stießClintonmit den 3000 Mann der Charlestonexpedition zu ihm.Washingtonwar von Boston mit 18000 Mann herangeeilt und hatte in der Stadt New York sowie auf Long Island eine Verteidigungsstellung eingenommen. Ehe jedochGeneral Howedie Feindseligkeiten eröffnete, versuchte er nochmals durch ein Manifest an die Bevölkerung sowie durch Verhandlungen mit dem Kongreß die Amerikaner zum Nachgeben zu bewegen; vier Wochen gingen darüber hin, erst gegen Ende August schritt man zum Angriff.Admiral Howehatte gleich nach seiner Ankunft vier Kriegsschiffe unter KapitänHyde-Parker25 Seemeilen den Hudson hinaufgeschickt, wohl zur gewaltsamen Erkundung; die Schiffe erhielten schweres Feuer von Befestigungen auf beiden Seiten, ließen sich aber dadurch nicht aufhalten.
Die Einnahme von Long Island, 22.–29. August 1776.Die Stadt New York nahm damals nur die Spitze der Insel Manhattan ein, die vom Hudson, hier Northriver genannt, im Westen, dem Eastriver, der Fortsetzung des Long Island-Sound, im Osten, dem Harlemriver, der Verbindung zwischen North- und Eastriver, und von der oberen Bucht von New York im Süden umgrenzt wird; von der letzteren führen die Narrows, die Wasserstraße zwischen Staten- und Long Island, zur unteren Bucht von New York zwischen Staten Island und Sandy Hook. Diese Bucht war in den Händen der englischen Seestreitkräfte, und Staten Island hatte leicht besetzt werden können, da Washington die Insel wegen Mangel an Kräften nicht mehr in den Bereich seiner Stellung gezogen hatte. Am Strande von Manhattan, am North- und am Eastriver waren kleine Forts erbaut und[236]ebenso kleine Redouten im Norden der Stadt zwischen beiden Flüssen. Etwa 18 Kilometer nördlich lagen zwei stärkere Werke am Hudson zur Sperrung des Stromes — Fort Washington am Ost- und Fort Lee am Westufer —, die jedoch bei der Verteidigung der Stadt noch nicht in Betracht kamen. Der Schlüssel der amerikanischen Stellung lag auf Long Island New York gegenüber, wo der Strand den von Manhattan überhöhte.Washingtonhatte deshalb hier eine Linie von Schanzen angelegt, die sich mit ihren Flügeln an die Narrows und an den Eastriver lehnte; in dieser lag die Hälfte seines Heeres (9000 Mann). Auch Governors Island, eine kleine Insel in der oberen Bucht zwei Kilometer südlich der Stadt, war besetzt, sie flankierte diese Linie.
Am 22. August brachteHoweunter dem Schutze der Kriegsschiffe 15000 Mann nebst 40 Feldgeschützen von Staten Island nach Long Island hinüber. Er ging nach seiner Art sehr behutsam vor, so daß die Truppen, nach und nach auf 25000 Mann verstärkt, erst am 27. der ganzen feindlichen Linie gegenüber in Stellung waren. Die Amerikaner verloren während dieser Tage in Scharmützeln gegen 1500 Mann;Washingtonließ sie durch 2000 ersetzen, da er einen Sturm erwartete und erhoffte; Howe leitete aber den förmlichen Angriff ein.
Am 27. versuchte KommodoreSir Peter Parkermit drei schweren Schiffen und zwei Fregatten in die obere Bucht aufzukreuzen, um die feindliche Linie flankieren oder gar in den Rücken fassen zu können, aber es gelang ihm weder an diesem noch an den beiden nächsten Tagen; am 28. begannen am Lande die Belagerungsarbeiten. Da Washington sich nicht imstande fühlte, hiergegen die Stellung zu halten, führte er in der Nacht des 29. August seine Truppen über den breiten und schnellfließenden Eastriver nach Manhattan und räumte auch Governors Island; die Soldaten eines aus Fischern gebildeten Regimentes leisteten dabei treffliche Dienste. Es war heller Mondschein, und wenn auch ein nebeliger Morgen folgte, so ist es doch kaum verständlich, daß die Engländer weder am Lande noch auf dem Wasser den Abzug bemerkten. Dieser Tadel trifft besonders die Schiffe, denn leicht hätten sie durch Boote mit umwickelten Riemen auch bei Nacht die Wasserstraße beobachten können. Als der Nebel sich hob, sah man gerade die letzten Boote hinüberfahren und feuerte noch einige wirkungslose Kanonenschüsse hinterher.
Nach dem Rückzuge von Long IslandnahmWashingtoneine Stellung am Harlemriver ein, die sich mit ihrem rechten Flügel an Fort Washington am Ostufer des Hudson anlehnte; 4000 Mann blieben in New York. Wieder unterhandelteHoweund traf erst am 13. September Maßnahmen zur Eroberung der Stadt. Er sandte Schiffe gegen die Werke am North- und Eastriver, teils als Diversionen, teils um das Übersetzen der Truppen vorzubereiten; diese litten zwar wie bei der Erkundung im Juli nicht unbedeutend, aber man konnte doch am 15. auf der Ostseite von Manhattan landen, undWashingtongewann die Überzeugung, daß die Befestigungen Schiffe bei günstigem Winde nicht an der Durchfahrt aufhalten könnten, und daß daher die Stadt nicht zu halten sei. Wiederum gelang es ihm, die Garnison während der Nacht am Westrande der Insel unbemerkt zur Hauptmacht heranzuziehen[128].
Howe besetzte nun New York ohne Kampf, befestigte sich hier und nahm am 12. Oktober die Offensive wieder auf. Da er die feindliche Stellung für einen Frontangriff zu stark erachtete, bedrohte er sie durch Vorgehen vom Long Island-Sound aus im Rücken. Diese Bewegungen nötigtenWashingtonzunächst zu einem Frontwechsel und schließlich, Anfang November, zum Rückzuge über den Fluß nach New Jersey hinein; zwischen dem Hudson und dem Sound konnte er sich nicht halten, da beide Wasserstraßen von den englischen Schiffen beherrscht wurden. Aufs neue waren schwere Fregatten an den Forts Washington und Lee vorübergelaufen, die Zufuhren über den Hudson waren aber für sein Heer die wichtigsten. Bei diesem Rückzuge trafen ihn zwei schwere Mißgeschicke. Sein Befehl, Fort Washington rechtzeitig zu räumen, war nicht befolgt; das Werk ward am 16. November vom GeneralKnyphausenerstürmt, wobei 2700 Mann in Gefangenschaft gerieten. Ferner kam auch der Führer einer Heeresabteilung von 7000 Mann seinem Befehl, über den Fluß zu gehen, nicht rechtzeitig nach, sondern blieb im Staate New York.
So warWashington, mit nur 6000 Mann, nicht mehr imstande, eine gute Stellung im Hudsontale bei Westpoint einzunehmen, sondern mußte eilig durch New Jersey bis hinter den Delaware zurückgehen. Um diese Zeit verließ ihn ein Teil der Milizen, deren Dienstzeit abgelaufen war; ebenso ging es dem in New York zurückgebliebenen Korps. Als dieses ihn endlich erreichte und auch noch einige Bataillone von Ticonderoga zu ihm gestoßen waren, zählte sein Heer wieder nur 6000 Mann.Howe besetzte New Jerseybis an den Delaware.
Die Engländer bemächtigten sich ferner noch derNarragansett-Bucht, mit ihren Inseln Rhode-Island, Conanicut und Prudence, sowie der Stadt Newport. Am 1. Dezember 1776 ging ein Geschwader von fünf 50-Kanonenschiffen nebst acht kleineren Fahrzeugen unterSir Peter Parkermit 7000 Mann unter GeneralClintonnach dort ab und besetzte Newport am 8. ohne Widerstand. Hierdurch ward den Amerikanern ein wichtiger Ausgangspunkt für ihre Kreuzer gegen die englischen Zufuhren genommen, die Engländer aber gewannen einen vorzüglichen Stützpunkt für ihre Seestreitkräfte. Die Narragansett-Bucht war der geräumigste und sicherste Ankerplatz an der ganzen Küste, zu jeder Zeit ohne Rücksicht auf Ebbe und Flut zugängig; von ihr aus waren die wichtigsten Städte der Kolonien — Boston, New York, Philadelphia — in wenigen Tagen zu erreichen.
Das Jahr 1776 hatte den Engländern also wesentliche Erfolge gebracht. Bei ihrer Überlegenheit kann man diese aber kaum hoch einschätzen, und selbst englische Quellen sagen, daß der Bathorden, denHoweerhielt, nie leichter verdient war. Und noch im Dezember tratenRückschlägeein. Anstatt die Erfolge auszunutzen und gegen Philadelphia vorzugehen, ließ Howe Winterquartiere beziehen und erfreute sich selber der Annehmlichkeiten New Yorks. Der Feind gewann Zeit zur Erholung und Rüstung.
Der Kongreß hatte eingesehen, daß die Schaffung eines stehenden Heeres nötig sei, und ordnete als Kern eines solchen die Aufstellung einer Anzahl Bataillone an, deren Mannschaften sich auf drei Jahre verpflichteten. Die Offiziere wurden nicht mehr von den Soldaten gewählt, sondern durch die einzelnen Staaten ernannt. Für Offiziere und Soldaten wurden Prämien an Geld sowie Grundeigentum ausgesetzt, aber man verschärfte auch die Dienstvorschriften, und Washington erhielt mit dem Titel Brigadier-General größere Vollmachten. Doch alle diese Beschlüsse trugen nur allmählich ihre Früchte, und es fehlte nach wie vor an Geld.
Washingtonzog bald aus der Sorglosigkeit der Engländer in ihren Winterquartieren Nutzen. Am 25. Dezember ging er nachts über den eistreibenden Delaware, überfielbei Trentondrei hessische Regimenter, machte gegen 1000 Gefangene und zog sich wieder zurück. Acht Tage später erschien er nochmals am selben Orte; diesmal aber stieß er auf den tüchtigen General Cornwallis, wich ihm indessen durch einen geschickten Nachtmarsch aus und überraschtebei Princetownvier englische Regimenter, denen er schwere Verluste beibrachte. Die Folge dieser Siege sowie weiterer klug berechneter Bewegungen war, daßHoweseine Truppen mehr auf die Stadt New York, bis nach New Brunswick, zurückzog undWashingtonim mittleren, hügeligen Teile von New Jersey eine gute Stellung einnehmen konnte, die den Weg von New York nach Philadelphia flankierte.
Für1777hielt die englische Regierung an dem Kriegsplane des Vorjahres fest und beauftragteGeneral Burgoyne, der an Carletons Stelle getreten war, wiederum mit einemAngriff von Kanada aus. Burgoyne brach Ende Juni von St. Johns mit 10000 Mann — 8000 Reguläre, darunter viele Braunschweiger, der Rest kanadische Milizen und Loyalisten der Neuenglandstaaten — nebst einer starken Artillerie sowie Indianerhorden auf und erschien am 2. Juli vorTiconderoga. Die Amerikaner wurden bald zum Rückzuge gezwungen, den sie unter großen Verlusten auf dem Wasserwege antraten und bei dem die englische Seenflottille am 6. Juli den Rest der amerikanischen vernichtete. Die erstere fand ferner nur noch Verwendung zur Schaffung und Deckung eines Nachfuhrdepots auf dem Georgesee; Burgoyne setzte seinen Marsch nicht auf dem Wasserwege fort, sondern drang durch die Wildnis vor. Dies war fehlerhaft, denn er mußte angesichts des allerdings nur schwachen Feindes — anfangs unterSchuyler, später unterGates— Wege bahnen, Bäume fällen und Brücken über Flüsse, Moräste, Schluchten bauen. Er gelangte erst am 30. Juli nach Fort Edward am Hudson, noch etwa 40 englische Meilen vonAlbanyentfernt. Hier mußte er längere Zeit verweilen, um die Verpflegung sicherzustellen, wobei kleine abgezweigte Abteilungen empfindliche Verluste erlitten; erst Mitte September drang er weiter vor.
Am 19. stieß er beiStillwater(20 Meilen von Albany) auf GeneralGatesmit 5000 Mann. Das Gefecht blieb zwar unentschieden, aberBurgoynewurde doch festgehalten und war mit Rücksicht auf die nach und nach erlittenen Verluste, auf viele Kranke sowie Mangel an Proviant genötigt,am 9. Oktober den Rückmarsch nach Fort Edward anzutreten. Man beziffert seine Verluste auf 4000 Mann, worin aber wohl die kanadischen Milizen eingerechnet sind, die ihn nach Stillwater größtenteils verlassen hatten; auch die Indianer waren abgezogen. Am 10. Oktober wurde er beiSaratogamit nur noch 6–7000 Mann, darunter viele Kranke, vom Feinde eingeschlossen;Gateshatte von Washington bedeutende Verstärkungen erhalten und alle Übergänge über den Hudson vor und hinter den Engländern besetzt.Burgoynekonnte auf Unterstützung von New York her nicht hoffen; seit drei Wochen waren seine Leute auf halbe Rationen gesetzt und dadurch erschöpft, der Proviant reichte nur noch auf 5–6 Tage. Er mußte die Waffen strecken. Besonders wertvoll für den Gegner war die erbeutete Artillerie.
Die Kapitulation bei Saratoga am 17. Oktober 1777wurde dadurch bedeutungsvoll, daß sie Frankreich auf die Seite der Amerikaner führte. Sie wog reichlich die Erfolge auf, die Howe auf dem anderen Kriegsschauplatze erzielte, und sie würde vermieden sein, wenn dieser General dem Kriegsplane der Regierung entsprechend gehandelt hätte.
Der Angriff auf Philadelphia 1777.Der ausdrückliche Befehl fürHowe, den Hudson hinauf vorzudringen und Burgoyne die Hand zu reichen, war zwar in London ausgefertigt, aber nicht rechtzeitig abgesandt worden[129]. Howe hielt es nun aus politischen Gründen für richtiger, den Angriff auf Philadelphia als Sitz des Kongresses und wegen der günstigen Volksstimmung in Pennsylvanien zu erneuern. Aber auch diesen betrieb er lässig, obgleichWashingtonanfangs nur schwach war.
Der Zuzug zu Washingtons Heer blieb zunächst gering und es litt unter mangelhafter Verpflegung sowie schlechten Quartieren; im März zählte es nur 4500 Mann. Nun trafen allerdings aus Frankreich Geld, Material und Menschen ein, so langte im MaiLafayettemit seinen Begleitern an und wurde sogleich zum amerikanischen General ernannt. Dies schuf aber auch neue Schwierigkeiten. Die Milizen wollten nicht unter fremden Führern dienen und viele amerikanische Offiziere traten aus. Es bedurfte großen Taktes sowie unerschöpflicher Geduld auf seiten Washingtons, hier zu vermitteln und die verschiedenen Elemente dem Gemeinwohle dienstbar zu machen.
Bis zum Juni bliebHowein New York; als er dann den Vormarsch beginnen wollte, warWashingtongegen 10000 Mann stark geworden und ließ sich nicht aus seiner festen Stellung zur offenen Schlacht hervorlocken. Trotz seiner Übermacht von insgesamt 30000 Mann wagte der englische General ihn nicht anzugreifen, scheute sich aber auch, mit dem Feinde in der Flanke durch New Jersey auf Philadelphia vorzudringen; er beschloß, über See den Delaware hinaufzugehen und segelte mit 14000 Mann in etwa 250 Transportern am 23. Juli von Sandy Hook ab.Admiral Howedeckte den Transport mit 5 Linienschiffen (64 Kanonen), einem 50-Kanonenschiffe und 10 kleineren Fahrzeugen; der Rest des Heeres blieb unterClintonin New York und auf Rhode-Island.Washington, der nicht annehmen konnte, daß Howe von dem Plane der englischen Regierung abgehen würde, hielt die Bewegung nur für eine scheinbare, um ihn aus der Stellung zu locken, und rührte sich nicht.
Am 31. Juli stand die englische Expedition vor der Delaware-Bucht; da der Fluß unterhalb Philadelphias gesperrt war, beschloß man, am Nordende der Chesapeake-Bucht zu landen. Infolge Gegenwindes und Stillen gelang dies erst am 25. August und erst Anfang September begann der Vormarsch auf genannte Stadt.Washington, der schließlich doch zu ihrer Deckung herbeigeeilt war, hatte amBrandywine, einem bei Wilmington in den Delaware fallenden Fluß, mit 14000 Mann Aufstellung genommen, ward aber hier am 11. September umgangen und völlig geschlagen; das englische Heer hatte nach seinem Abzuge aus New Jersey Verstärkung erhalten. Abermals verfolgte Howe seinen Sieg nicht und die Amerikaner konnten sich wieder sammeln.Er besetzteam 26.Philadelphia, wobei eine amerikanische Fregatte vernichtet wurde;Washingtonzog sich in die nahen Wälder zurück, machte am 3. Oktober noch einen erfolglosen Vorstoß und nahm dann eine feste Stellung bei Valley-Forge, unweit Philadelphia ein. AuchHowebezog Winterquartiere.
Die englischen Seestreitkräftehatten inzwischen auch noch den Delaware als kürzesten Zufuhrweg für das Heer bei Philadelphia freigemacht.Admiral Howewar nämlich am 14. Dezember mit dem Geschwader und den Transportern von der Chesapeake-Bucht nach der Mündung des genannten Flusses gegangen. In diesem hatte der Feind zwei Linien von Sperren gelegt und durch Batterien am Ufer gedeckt; Howe sandte ein Linienschiff, 2 Fregatten und 2 Sloops den Fluß hinauf. Die unterste Sperre ward leicht aufgeräumt und die Batterien genommen. Schwieriger war die Überwältigung der oberen Stellung etwa 10 englische Meilen unterhalb Philadelphias. Hier befanden sich auf dem Ostufer das Fort Redbank und am Westufer ein Werk auf einer kleinen Insel, Mud-Island; zwei schwimmende Batterien sowie eine Anzahl von Galeren und Branderflößen verstärkten die Linie.
Ein Angriff der Engländer am 22. Oktober wurde sowohl zu Lande wie auf dem Wasser abgeschlagen; das Linienschiff und eine Sloop kamen auf Grund und wurden verbrannt. Man baute nun Batterien am Lande und armierte sie mit Schiffsgeschützen. Mud-Island fiel jedoch am 15. November hauptsächlich dadurch, daß die andere Sloop und eine schwimmende Batterie mit schweren Geschützen am Westufer entlang segelten und die Kehle des Werkes bedrohten; in der Nacht räumten die Amerikaner das Werk und gaben auch Redbank am 21. auf. Die englischen Schiffe drangen nun nach Philadelphia vor und vernichteten hier eine zweite Fregatte sowie fünf kleinere Fahrzeuge der eben geschaffenen amerikanischen Marine.
Unter Beihilfe der Kriegsschiffe hatte endlich noch GeneralClintonam 3. Oktober mit einigen Fregatten und 3000 Mann von New Yorkeinen Vorstoß den Hudsonhinauf unternommen. Er zerstörte leicht alleUferbefestigungen, Depots und Fahrzeuge, auch zwei Kriegsschiffe und kam in einer Woche nach Westpoint; von hier gelangte ein Teil der Truppen auf kleinen Fahrzeugen bis auf 40 englische Meilen an Albany heran, gerade alsBurgoynevon Stillwater den Rückzug antrat. Dieser hatte mehrere Boten mit der Nachricht über seine Lage an Clinton abgesandt, von denen allerdings nur einer sein Ziel erreichte.Clintonhielt sich aber für weiteres Vorgehen zu schwach und kehrte nach New York zurück. Verschiedene Autoren behaupten, er habe die Kapitulation von Saratoga doch wohl hindern können. Jedenfalls zeigt sein leichtes Vordringen, daßHowemit seiner ganzen Macht die Vereinigung bei Albany erreicht haben würde; er hätte es dann zwar auch mit Washingtons Heere zu tun gehabt, im Besitze des Flusses aber seine Übermacht gut zur Geltung bringen können.
Der Nutzen der englischen Seestreitkräfte 1777war bei sämtlichen Unternehmungen groß gewesen; sie hatten die Landtruppen an den Ort ihrer Verwendung gebracht, deren rückwärtige Verbindungen gesichert und auch in die Kämpfe eingegriffen. Daneben kreuzten einzelne Kriegsschiffe gegen feindliche Handelsfahrzeuge und Kreuzer, nicht nur an den Küsten Nordamerikas, sondern auch in den westindischen und europäischen Gewässern; seit 1776 gab England auch Kaperbriefe aus.
Die amerikanischen Seestreitkräfte[130]dehnten den Kleinen Krieg, der 1775 durch Freibeuter der einzelnen Staaten begonnen war, schon 1776 keck weiter aus. Am 17. Februar 1776 verließ das erste amerikanische Geschwader von 6 Fahrzeugen (vgl. Seite225; 2 Schoner blieben zurück) unterKommodore Hopkinsden Delaware und segeltenach den Bahama-Inseln, um dort aufgespeicherte englische Kriegsvorräte wegzunehmen. Auf der Insel Abaco bemächtigte sich Hopkins der Küstenfahrzeuge und führte auf ihnen 300 Mann nach New Providence hinüber, in der Hoffnung, diese Insel zu überraschen. Die Garnison war jedoch auf ihrer Hut, so daß die Landung unter Deckung durch die größeren Kriegsschiffe erzwungen werden mußte. Dann wurden die Forts erstürmt, gegen hundert Kanonen sowie viel Material erbeutet und bei der Rückfahrt, Mitte März, der Gouverneur nebst angesehenen Einwohnern als Geiseln mitgenommen, da England alle auf amerikanischen Kaperschiffen gemachten Gefangenen für Piraten erklärte und sie, wenn auch nicht gerade hängte, doch sehr schlecht behandelte.
Die Kriegsschiffe, zu denen bald Neubauten oder Neuerwerbungen traten, wurden einzeln oder in Gruppen zum Kleinen Kriege verwendet, auch die Zahl der Freibeuter wuchs ungemein. Beide machten den Engländern an der Küste Nordamerikas und in Westindien viel zu schaffen, 1777 erschienen sie sogar in der Biskaya und bei England. In Westindien fanden sie Zuflucht auf den französischen und holländischen Inseln, in Europa stützten sie sich auf französische Häfen. In diesen verkauften sie ihre Prisen; um die Neutralität Frankreichs wenigstens scheinbar zu wahren, ward der Kauf auf offener Seeabgeschlossen und das Geld dem amerikanischen Gesandten in Paris ausgezahlt. Dieser Krieg führte zu vielen Gefechten, in denen auch kleinere englische Kriegsschiffe genommen wurden, doch büßte die schwache amerikanische Marine im Laufe der späteren Jahre so viel Schiffe dabei ein, daß sie trotz aller Neubauten nie größere Macht erlangen konnte. Der englische Handel erlitt jedoch bedeutenden Schaden. In den Jahren 1776/77 wurden 560 englische Kauffahrer aufgebracht, während die Engländer nur 60 Handelsschiffe und 24 Freibeuter wegnahmen. Auf den westindischen Inseln trat schließlich Mangel an Sklaven und an Nahrungsmitteln ein; die Einfuhrartikel stiegen sehr im Preise, die der Ausfuhr fielen entsprechend; die Versicherung der Schiffe ging auf 23%. Der Gesamtschaden des Handels durch unmittelbaren Verlust oder Behinderung betrug in diesen Jahren über 1½ Millionen Lstrl.
Das Jahr 1778 brachte bis zur Teilnahme Frankreichs am Kriege nichts von Bedeutung.General Howeblieb auch noch im Frühjahr, bis auf kleinere Vorstöße zur Verproviantierung, untätig in den Winterquartieren, obgleichWashingtonsStreitkräfte in traurigster Verfassung waren. Wo die Engländer standen und wohin sie kamen, wandte sich nämlich die Mehrheit der Bevölkerung von ihm ab; er erhielt von ihr weder Nachrichten noch Lieferungen. Sein Heer verlor während des Winters so viel Leute durch Krankheit und Fahnenflucht, daß es im Februar nur noch 5000 Waffenfähige neben 4000 Kranken zählte, die kaum die nötigste Kleidung hatten. So mußte auch er sich darauf beschränken, seine Truppen zu verstärken und zu verbessern[131].
Anfang Mai bekam er Nachrichten aus England, daß wegen des Erscheinens einer französischen Flotte die plötzliche Räumung Philadelphias nötig werden würde. Er zog daraufhin einen Teil seiner Kriegsschiffe in der Delaware-Bucht zusammen und verlud sämtliche Vorräte der Truppen bei Philadelphia bis auf den Bedarf für 14 Tage auf Transporter.
Der Rückzug der Engländer vom Delaware — General Howeleitete ihn nicht mehr; er war am 24. Mai vom GeneralClintonim Oberbefehl abgelöst und nach England gegangen — trat tatsächlich schon im Juni als eine Folge der veränderten politischen Verhältnisse ein.Frankreichtrat nach Saratoga offen auf die Seite der Amerikaner und sandte am 13. April eine längst vorbereitete Flotte ab, die ihnen zunächst am Delaware Luft schaffte.Englandmachte zwar noch einen letzten Versuch zur Versöhnung mit den Kolonien, jedoch gingen diese nicht mehr darauf ein, sondern nahmen nach Eintreffen der französischen Hilfe den Krieg mit erneuter Zuversicht wieder auf.
Der letzte Versuch Englands zur Versöhnung.In England hatte man bislang sicher gehofft, den Aufstand bald niederzuschlagen. Die öffentliche Meinung, empört über die erfolgreiche Freibeuterei der Amerikaner, hieß alle harten Maßregeln der Regierung gut; nur die strengsten Whigs, damals in heftigem Streit mit der Regierung, traten für die Kolonien ein, erbitterten aber dadurch die große Menge nur noch mehr. Die Niederlage von Saratoga führte jedoch einen völligen Umschwung der öffentlichen Meinung herbei; man fand plötzlich die Wünsche der Kolonien billig und forderte schleunigen Frieden. Auch der König und die Regierung wurden nachgiebig, da Schwierigkeiten finanzieller Art sowie für die Beschaffung weiterer Soldtruppen aus Deutschland und endlich der Krieg mit Frankreich drohten.
Im Februar 1778 brachteLord Northeine Anzahl Bills vor das Parlament zur Bewilligung früherer Forderungen der Kolonien: Aufhebung der Verfassungsänderungen sowie des Teezolles; Befreiung von Steuern und Verwendung der Zolleinkünfte nach den Beschlüssen der Kolonien; Bevollmächtigte sollten darüber mit dem Kongreß verhandeln. Diese Beschlüsse verblüfften zwar sogar die Anhänger der Regierung, fanden aber keinen ernstlichen Widerspruch und wurden am 11. März vom Könige vollzogen. Doch die Demütigung war umsonst. Zwei Tage später übergab Frankreich die bekannte Erklärung (vgl. Seite217) in London und die Gesandten wurden beiderseits abberufen. Der schwerkrankePittsprach bei seinem letzten Auftreten im Oberhause am 7. April kurz vor seinem Tode in einer gewaltigen Rede gegen die Unabhängigkeit der Kolonien und entschied den Entschluß, auch mit Frankreich den Krieg aufzunehmen.
Die trotzdem nach Amerika abgehenden Bevollmächtigten trafen im Mai in Philadelphia ein. Obgleich sie ihre Vollmacht überschritten und Vertretung der Kolonien im Parlament wie die Verpflichtung anboten, nie wieder europäische Truppen herüberzusenden, fanden sie kein Gehör. Der Kongreß hatte den Vertrag mit Frankreich unterzeichnet und bestand auf der Unabhängigkeitserklärung. Während die Bevollmächtigten noch unterhandelten, traf der Befehl zur Räumung Philadelphias ein, der ihre Aufgabe wahrlich nicht förderte, da er den Amerikanern als ein Zeichen der Schwäche Englands erscheinen mußte und ihnen den Rücken steifte. Einige Quellen sagen,Northhabe die ganz aussichtslosen Unterhandlungen nur wieder aufgenommen, um bei den Franzosen Mißtrauen gegen die Amerikaner zu erwecken.
Mit dem Auslaufen der französischen Flotte nach Amerika sind wir beimBeginn des großen Seekriegesangelangt und wenden uns diesem zu. Den weiteren Verlauf des Landkrieges flechten wir in die Schilderung des Seekrieges ein, soweit es zum Verständnis der unmittelbaren Mitwirkung von Seestreitkräften oder zur Beurteilung der durch ihn hervorgerufenen Bewegungen großer Flotten nötig ist.
Über Anordnung der Schilderung nach den Kriegsschauplätzen.Der Seekrieg spielte sich wie die letztvorhergegangenen auf vier Schauplätzen ab: deneuropäischen, den nordamerikanischen, den west- und den ostindischen Gewässern. In den früheren Kriegen war der erstgenannte der wichtigste; der Verlauf hier war für den Krieg auf den anderen ausschlaggebend. Wir konnten deshalb, ohne die Übersicht zu verlieren, zunächst die Ereignisse auf diesem zusammengefaßt geben und dann in gleicher Weise die auf den übrigen folgen lassen. Bei dem jetzt zu besprechenden Kriege müssen wir einen anderen Weg wählen, da das Ringen auf den verschiedenen Meeren gleich folgenschwer ist und eng ineinander greift. Bei einer streng chronologisch durchgeführten Schilderung der Ereignisse auf allen Kriegsschauplätzen zugleich würde nun aber infolge des reichen Materials der strategische Faden verloren gehen, und so bleibt nur eine Verbindung beider Wege übrig. Für eine solche gebendie militärische Lage, sowie die Ziele der Gegner in den verschiedenen Weltteileneinen guten Anhalt.
In Europabeschränkte sich England im Gegensatz zu den früheren Kriegen ganz auf die Verteidigung, da es bei dem Bestreben, auch in allen fernen Meeren die Herrschaft zu wahren und Angriffen entgegenzutreten, hier den Gegnern nicht gewachsen war. Diese hatten es auf Einfälle in England sowie auf die Eroberung von Port Mahon und Gibraltar abgesehen; zum Glück für England lag die erste Aufgabe Frankreich, die zweite Spanien mehr am Herzen, und dieses Auseinandergehen der Ziele schwächte das Zusammenwirken der Verbündeten.
In Nordamerikahandelte es sich für die Engländer um die Unterwerfung der Kolonien. Sie waren 1778 im Besitze New Yorks, der Narragansettbucht, Philadelphias und Kanadas. New York war politisch wertvoll als die größte Stadt neben Boston und militärisch durch seine Lage am Ausgangspunkte der Hudsonlinie. Die Narragansettbucht gab den besten Hafen der Küste, vorzüglich gelegen zu ihrer Beherrschung. Der Besitz von Philadelphia bildete jedoch eine Schwäche in der englischen Stellung, da das Heer hier von dem in New York über Land getrennt und auch in Hinsicht auf Zufuhren ganz auf die See angewiesen war; von dieser abgeschnitten, schwebte es in der Luft. Hierher richtete denn auch Frankreich den ersten Stoß seiner Flotte, und England mußte die mühsam errungene Stellung am Delaware aufgeben, sobald es seine Seeherrschaft bedroht sah. Bei den späteren Unternehmungen Englands gegen die südlichen Kolonien spielte der Besitz der Chesapeakebucht eine ähnliche Rolle. Da an dieser keine Befestigungen lagen, fiel sie der seebeherrschenden Partei zu und wurde deshalb Streitobjekt für die beiderseitigen Flotten. Kanada zu erobern oder für ihre Sache zu gewinnen, war den Amerikanern nicht gelungen, sie versuchten dies auch nach 1777 nicht mehr — vielleicht trauten sich die neuen Verbündeten, Frankreich und Amerika, in dieser Beziehung nicht recht — und so blieb die Kolonie eine feste Basis für England.
In Westindienwar der Besitz der Engländer und der Franzosen auf den Kleinen Antillen ungefähr gleich. Der Kampf entspann sich zunächst um strategisch besonders wichtige Inseln (Dominica, Sta. Lucia); später erstrebteFrankreich die Eroberung englischen Gebietes überhaupt, wohl in der Hoffnung, sich hier ein großes Kolonialreich schaffen zu können. Dieser Versuch ging auf Kosten des Kampfes in den europäischen Gewässern. Auf den großen Inseln würde Spanien das Übergewicht gehabt haben, da es Kuba, Portoriko und mit Frankreich gemeinschaftlich Haiti besaß, während England nur Jamaika gehörte. Es trat jedoch nicht kräftig auf. Verschiedene Pläne Frankreichs und Spaniens, zusammen gegen diese Insel vorzugehen, kamen nicht zur Durchführung, und England hatte anderwärts zu viel zu tun, um gegen spanische Besitzungen wirksam zu werden. Jamaika lag außerdem so weit in Lee des Hauptkriegsschauplatzes, daß die Gegner ungern eine größere Streitmacht dorthin führten. Spaniens Waffen machten sich nur in dem Gebiete östlich von Mississippi, das damals Florida hieß und in englischem Besitze war, sowie gegen die Bahamainseln fühlbar. Sein Auftreten war hier, wie in den europäischen Gewässern das Vorgehen gegen Gibraltar ein Ausfluß von Sonderinteressen, wodurch der gemeinsamen Sache nur Kräfte entzogen wurden.
Die Kriegsschauplätze Nordamerika und Westindienberührten sich, die Ereignisse auf beiden griffen ineinander. Nicht nur ihre Nachbarschaft bedingte dies, sondern auch die Wetterverhältnisse trugen dazu bei. Die Winterstürme setzten in den nördlichen Breiten den Unternehmungen der Seestreitkräfte eine Grenze, und in Westindien ließ man sie ungern während der Orkanzeit; so fanden sie je nach der Jahreszeit an der Küste der nördlichen Staaten, an der der südlichen oder in Westindien Verwendung. Deshalb fallen bei Schilderung der Kämpfe diese beiden Schauplätze zusammen.
In Ostindienhatte England seit dem letzten Kriege seine Macht wesentlich ausgebreitet und gestärkt. Es war aber ständig mit mächtigen eingeborenen Feinden beschäftigt, und Frankreich hätte bei Ausbruch des Krieges hieraus Nutzen ziehen können. Es tat dies nicht, während England sofort mit Erfolg über die französischen Besitzungen herfiel. Die Seestreitkräfte beider Parteien waren hier anfangs unbedeutend; von 1779 an erhielten die englischen das Übergewicht, und mit ihrer Hilfe wurden auch die holländischen Besitzungen genommen. Erst 1782 trat Frankreich überlegen auf (AdmiralSuffren) und es folgte ein Kampf um die Seeherrschaft. Da die Ereignisse dieses Schauplatzes ganz für sich dastehen, können sie und mit ihnen die auf dem Wege nach Indien (Kapland) am Schlusse für alle Jahre zusammengefaßt betrachtet werden.
Die Einteilung für den Verlauf des Seekriegeswird nach vorstehendem diese sein:
Die europäischen Gewässer1778. Die Franzosen vor dem Kanal.
Nordamerika und Westindien1778/79. Der Feldzug der ersten französischen Flotte (d'Estaing).
Die europäischen Gewässer1779/80. Bedrohung der englischen Küste durch die Verbündeten; Beginn der Belagerung von Gibraltar; die Festung versorgt (Rodney).