Chapter 21

see captionSchlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.

Schlacht vor der Chesapeakebucht, 5. September 1781.

Die Schlacht vor der Chesapeakebucht am 5. September 1781[163].Die französische Flottezählte 24 Linienschiffe und zwar: 1 Schiff zu 104 Kanonen („Ville de Paris“, das größte und schönste Schiff jener Zeit), 3 zu 80, 17 zu 74, 3 zu 64; die englische Flotte zählte 19 Schiffe: 2 zu 90, 12 zu 74, 1 zu 70, 4 zu 64, 1 zu 50 (dieses stand nicht in der Linie).

Die Mündung der Bucht vom Kap Charles bis Kap Henry ist etwa 10 Seemeilen breit; die Haupteinfahrt befindet sich zwischen letztgenanntem Kap und einer 3 Seemeilen entfernten Bank, dem Mittelgrunde. Als die englische Flotte gesichtet wurde, segelte sie von Norden mit südwestlichem Kurse auf die Einfahrt zu und bildete bei der Annäherung Kiellinie. Der Wind war NNO, viele der französischen Schiffe mußten beim Inseegehen einige Schläge machen, um das Kap Henry zu passieren; die Bildung der Linie dauerte infolgedessen längere Zeit, und sie war anfangs weder gut geschlossen noch ausgerichtet.De Grassesteuerte über Steuerbordbug beim Winde nach Osten; um 2 Uhr nachmittags stand seine Vorhut querab von der Mitte der Engländer.

Nun halsteGravesmit allen Schiffen zugleich, so daß die beiden Linien parallel etwa 3 Seemeilen voneinander entfernt über gleichen Bug lagen, wartete ab, bis das feindliche Flaggschiff querab von dem seinen war (Plan: Lage A, A′) und setzte sich dann wieder in Fahrt. Um 2½ Uhr gab er dem Spitzenschiff Befehl, auf die Spitze des Gegners zuzuhalten; da die anderen Schiffe im Kielwasser des Spitzenschiffes bleiben[339]mußten, näherte sich die englische Linie der feindlichen in einem spitzen Winkel. Um 3¾ Uhr heißte der Admiral das Signal zum Angriff, ließ aber das für „Kiellinie“ wehen. Die Engländer befanden sich also genau in der Lage (B, B′), die sich bei Betrachtung der Taktik (Seite 41) als überaus ungünstig herausgestellt hat, und die Folgen blieben nicht aus. Die vorderen Schiffe kamen früher ins Gefecht, die folgenden erst nach und nach, ja überhaupt nur bis zum zwölften; diese zwölf aber hatten längere Zeit Enfilierfeuer auszuhalten, ohne es ernstlich erwidern zu können. In diesem besonderen Falle ergab sich hieraus noch ein weiterer Übelstand. Der Admiral, sowie einige Schiffe vor ihm luvten während der Annäherung zeitweise an, um ihre Breitseiten abgeben zu können, hierdurch wurde die Ordnung gestört und die Schiffe behinderten sich gegenseitig, Umstände, die sich bei anderen Schlachten als eine Folge dieser Art des Angriffs herausstellten, wenn Schiffe durch Havarien aufgehalten wurden (vgl. Minorka, Seite 137). Nach dem Schiffsjournal des Flaggschiffes hatGravesmehrere Male das Signal „Kiellinie“ niedergeholt, es aber immer wieder geheißt. Der Führer der Nachhut,Hood, hat das Niederholen um 5½ Uhr, dicht vor Ende des Kampfes, zum ersten Male erkannt. Die letzten 7 Schiffe kamen überhaupt nicht mehr zum Gefecht, wasHoodeben diesem Umstande neben dem zu schrägen Heranführen zuschrieb. Um die genannte Zeit nämlich gabde Grasseseinen vordersten Schiffen Befehl, langsam abzuhalten, denn er glaubte sie gefährdet, weil seine hinteren Schiffe ziemlich weit in Lee standen.Gravesaber blieb dicht am Winde liegen, und so endete der Kampf gegen Sonnenuntergang.Hoodschrieb am nächsten Tage eine Kritik über die Führung, die auch veröffentlicht wurde. Sie gipfelte in den erwähnten Punkten und zog den Schluß, daß ohne diese Fehler die feindliche Vorhut hätte vernichtet werden können.

Die Verlustebetrugen auf französischer Seite nach eigener Angabe 200 Tote und Verwundete, auf englischer 336; auch waren wie gewöhnlich die vorderen englischen Schiffe, besonders fünf von ihnen, stark beschädigt.

Nach vorstehender Schilderung ist auchdiese Schlacht ein besonders gutes Beispiel für die Taktik der beiden Gegner. Strategischwar sieein Erfolg der Franzosen.Graveshatte wohl die Absicht, den Kampf zu erneuern, sah aber wegen der Beschädigung mehrerer seiner Schiffe davon ab. Er hielt sich bis zum 9. September in Sicht der Franzosen, am 10. mußte er ein 74-Kanonenschiff verbrennen, da es nicht mehr flott zu halten war, und als ihm am 13. eine Fregatte meldete, daß die französische Flotte noch verstärkt in der Bucht läge, segelte er nach New York ab, wo er am 19. eintraf.

Hoodwar auch mit dem Verfahren nach der Schlacht nicht einverstanden. Nach seiner Ansicht hätte man unmittelbar nach Abbruch des Kampfes in die Bucht einlaufen und hier eine Verteidigungsstellung einnehmen müssen; der Feind würde dann wahrscheinlich von einem Angriffe abgesehen haben. Als er dann am 13. September vonGravesum seine Ansicht befragt wurde, antwortete er, er könne wirklich keinen Rat in der traurigen Lage geben, in die man sich selber gebracht habe.

De Grassehatte sich während der Tage nach der Schlacht beobachtend und abwartend verhalten; ihm lag in erster Linie daran, das erwartete GeschwaderBarras' sicher aufzunehmen. Am 10. September segelte er nach der Chesapeakebucht, da er wegen seiner Boote in Sorge war und auch den Vormarsch des Landheeres unterstützen wollte. Als er am 11. einlief, fand er die Boote undBarrasin Lynnhavenbucht vor.

Cornwallis ergibt sich in Yorktown, Oktober 1781.Inzwischen hatten die Generale am Nordende der Chesapeakebucht alle Fahrzeuge gesammelt, deren sie habhaft werden konnten und mit ihnen 2000 Mann nach Südenbefördert; der Rest setzte den Marsch zu Lande fort und wurde dann teilweise durch französische Fregatten von Annapolis aus weitergeführt. Am 25. September war die ganze Macht der Verbündeten, 14000 Mann, bei Williamsburg vereint und rückte am 26. gegen Yorktown vor; die Stadt ward eingeschlossen und auch Gloucester berannt. Um diese Zeit erfuhrde Grasse, daßGravesVerstärkungen erhalten habe. Er wollte auslaufen, da er dessen Erscheinen erwartete, aberWashingtonersuchte ihn zu bleiben, damitCornwalliskeine Möglichkeit habe zu entschlüpfen. So hielt sich die Flotte nur zum Inseegehen bereit.

Cornwalliswar nun auch vom Meere abgeschnitten. Von seinen Truppen — 7250 Soldaten und 850 Seeleute, die in den Werken Schiffsgeschütze der Flottille bedienten — lagen ungefähr 1500 Mann krank, Lebensmittel wie Munition wurden knapp; auch ein Versuch, sich von Norfolk über den Yorkfluß nach Gloucester zu ziehen, schlug fehl, da ein Sturm die Boote der Flottille vernichtete. In der Nacht vom 14./15. Oktober nahmen die Belagerer zwei wichtige Außenforts. Am 18. tratCornwallisin Unterhandlungen undübergabam 19.Oktober Yorktown. Das englische Heer ward kriegsgefangen; 22 Fahnen, 160 Kanonen, 8 Mörser, sowie einige kleinere Kriegsschiffe fielen den Siegern in die Hände. Um die „Loyalisten“ zu retten, die unter ihm dienten und die von den Amerikanern als Verräter behandelt worden wären, bedingte sichCornwallisaus, daß ein Schiff mit ihnen an Bord undurchsucht nach New York segeln dürfte, von wo es dann zurückkehren und sich den Gegnern überliefern mußte. Noch größer war der moralische Erfolg des Sieges. Er belebte den gesunkenen Mut der Amerikaner, gab in England der Opposition und den Friedensfreunden eine neue Waffe und trug selbst zum Sturz des Ministeriums bei.Mit dem Falle von Yorktown war der Krieg in Nordamerika gewissermaßen beendet.

Die großen Flotten segeln nach Westindien zurück.Kurz nach Ankunft der englischen Flotte in New York stießen KontreadmiralDigby, der den Oberbefehl der Station übernehmen sollte, von England mit 3 Linienschiffen, sowie die beiden vonRodneynach Jamaika entsandten Schiffe zu ihr. Ein neuer Versuch zum Entsatz Yorktowns wurde beschlossen.Graves, der für das Kommando der Jamaikastation bestimmt war, behielt vorläufig den Oberbefehl und erschien am 25. Oktober mit 27 Linienschiffen, sowie 6000 Mann bei Kap Henry; auf die Nachricht vonCornwallis' Schicksal kehrte er jedoch nach New York zurück, ohne einen Angriff auf die französische Flotte gemacht zu haben. Er ging dann auf seine neue Station;Hoodsegelte am 5. November mit 18 Linienschiffen nach Westindien und traf am 5. Dezember in Barbados ein.

De Grasseging am 4. November mit seiner ganzen Flotte, einschließlich des Geschwaders Barras', in See; nur einige Fregatten blieben zurück. Er zweigte 4 Linienschiffe ab, um die von St. Domingue mitgenommenen Soldaten wieder dorthin zu führen und dann den bei seiner Abfahrt zurückgelassenen Konvoi nach Europa zu geleiten. Mit dem Gros traf er am 26. November in Fort Royal ein.

Washingtonhattede Grasseersucht, noch einen Angriff auf Charleston oder auf Wilmington zu unterstützen. Der Admiral erklärte, seinem Befehle gemäß möglichst bald nach Westindien segeln zu müssen; ein Unternehmen gegen erstgenannte Stadt würde zu langwierig werden, zu einem solchen gegen Wilmington stelle er sich zur Verfügung, wenn es vor dem 1. November begonnen werden könne. Da jedoch die Amerikaner bis dahin nicht bereit waren, segelte er mit dem Versprechen ab, im nächsten Jahre wiederzukommen.

Die Franzosen erobern St. Eustache zurück, 26. November 1781.Der Gouverneur von Martinique,Marquis de Bouillé, hatte erfahren, daß die Engländer seit der Abfahrt der Flotten nach Nordamerika in St. Eustache alle Vorsicht gegen einen Angriff außer acht ließen. Er ging am 16. November mit 2 Fregatten, einer Korvette und 1200 Mann auf einigen Handelsschiffen in See, landete in der Nacht vom 25./26. etwa 6 Seemeilen von der Stadt und rückte auf diese vor. Am 26. um 6 Uhr morgens überraschte er einen Teil der englischen Garnison auf dem Exerzierplatze und drang mit den Flüchtenden in das Fort ein; die übrigen Engländer wurden in der Stadt und in den Kasernen gefangen genommen. Außer etwa 700 Soldaten fiel ein Teil der BeuteRodneysin die Hände der Sieger, die sie den Holländern zurückgaben. Von St. Eustache aus bemächtigte sichBouillédann auch der InselnSt. MartinundSaba; nach Fort Royal zurückkehrend, fand erde Grassedort vor.

Beurteilung der Kriegführung in Westindien und Nordamerika 1781.In WestindientrafRodneyzu Anfang des Jahres auf keinen nennenswerten Widerstand, und so wurde es ihm leicht, sich der holländischen Besitzungen zu bemächtigen. Zu sehr um die Sicherung der Beute besorgt, trug er dann aber der Änderung der Lage keine Rechnung, die durch die Ankunft der großen Flotte nebst Konvoi unterde Grasseentstand. Es war falsch,Hoodin Lee der Insel Martinique zu stationieren;de Grasseerhielt dadurch Gelegenheit, den Konvoi nach Fort Royal zu führen.Rodneyselber würde wohl anders gehandelt haben.Hoodkonnte nur der erhaltenen Weisung folgen und, als es ihm nicht gelungen war, seine schwächeren Kräfte in günstiger Lage zum Kampfe zu bringen, seinen Oberbefehlshaber wieder aufsuchen. Hierdurch ging Zeit verloren, und den Franzosen glückte die Wegnahme vonTabago.

Später warRodneyals der Schwächere stets nur imstande, den Gegner in Schach zuhalten und die anderen Inseln, besonders Barbados, zu decken. Wenn er endlich nur einen Teil der Flotte nach Nordamerika sandte, auf die unsichere Annahme hin, der Gegner habe ein gleiches getan, so war auch dies ein Fehler, ist jedoch damit zu entschuldigen, daß die englischen Admirale stets der öffentlichen Meinung zuliebe großes Gewicht auf die Sicherung von Konvois legen mußten.

De Grassetrat in Westindien nicht so tatkräftig auf, wie es die Stärke seiner Flotte erlaubt hätte. Bei Martinique war erHoodgegenüber zu besorgt um den Konvoi, späterRodneygegenüber um die Sicherheit der eroberten Inseln. Es war eben wieder das vorsichtige Handeln der französischen Führer jener Zeit. Hätte er seine Überlegenheit zur Erringung der Seeherrschaft eingesetzt, würde er vielleicht sämtliche Antilleninseln eroberthaben; so blieb die feindliche Flotte unversehrt, und Tabago war der einzige Erfolg. Anders zeigte sichde Grassebeim Antritt seiner Fahrt nach Nordamerika.

In Nordamerikawaren die Engländer durch die Expedition nach Virginia in eine gefährliche Lage geraten. Anfangs befanden sie sich hier allerdings im Vorteil, und auch der erste Versuch der Verbündeten, ihre Lage zu bessern, schlug fehl, da der französische AdmiralDes Touchestrotz des im allgemeinen erfolgreichen Zusammenstoßes mitArbuthnotseine Aufgabe nicht durchführte. Das Vordringen der Engländer in Virginien erhöhte die schon vorhandene Kriegsmüdigkeit in den Kolonien. Der Zeitpunkt schien nicht fern, wo der Kongreß den Krieg hätte beenden müssen, wenn nicht Hilfe kam. Diese sollte die große französische Flotte bringen und den Umstand benutzen, daß die Engländer zur Verbindung zwischen den beiden Kriegsschauplätzen ganz auf den Seeweg angewiesen waren, um sie auf einem derselben überlegen und überraschend anzugreifen.

Ganz richtig wähltenWashingtonundRochambeauhierzu Virginien. Hier war die englische Stellung schwächer als im Norden, man konnte durch scheinbare Bedrohung von New York den Gegner über den wahren Angriffspunkt täuschen, bis die Flotte die Verbindung unterbrach. Die Chesapeakebucht lag außerdem Westindien näher und ihre Wassertiefen machten sie geeigneter für ein Mitwirken der Seestreitkräfte. Auchde Grasseerkannte die Lage richtig und führte seine Aufgabe mit Entschlossenheit und Tatkraft durch. Er erhob keine Einwände, die Verzögerungen gebracht hätten, sondern beschaffte schnell die verlangten Geldmittel und Truppen und nahm von Seestreitkräften alles mit, was zu erlangen war, obgleich dadurch ein großer Konvoi zurückbleiben mußte.

Mahan(I, Seite 379) sagt hierzu: „Dieser Vorfall beleuchtet eine Schwäche eines handeltreibenden Volkes mit parlamentarischer Regierung dem reinen Militärstaat gegenüber. So schrieb ein Offizier jener Zeit, wenn die britische Regierung eine derartige Maßnahme (d. i. Zurückhaltung des Konvois) gebilligt oder ein englischer Admiral sie angeordnet hätte, so wäre die erstere gestürzt und letzterer gehängt worden.“ Wie eben erwähnt, hatteRodneyseine Flotte durch Konvoibegleitungen geschwächt.

So warde Grasserechtzeitig in genügender Stärke zur Stelle, beschäftigte dannGravesmit Kaltblütigkeit, bis Barras zu ihm stieß, und unterstützte schließlich die Operationen des Heeres. Die französische Flotte trug in erster Linie zum Falle von Yorktown und damit zur Beendigung des Krieges in Nordamerika bei.

De Grassefand volle Anerkennung in Amerika. Der Kongreß sprach ihm seinen Dank aus und schenkte ihm vier der eroberten Kanonen, die der Admiral später vor seinem Schlosse de Tilly im Departement Seine et Oise aufstellte. Noch mehr mußte ihn die AnerkennungWashingtonsbefriedigen, dieses tüchtigen Kriegs- und Staatsmannes, der wie niemand sonst die Hilfsquellen seines Landes, sowie die Schwierigkeit des Kampfes kannte. Dieser schrieb ihm nach der Übergabe von Yorktown: „Die Übergabe...., wofür die Ehre Eurer Exzellenz gebührt, ist unserer hoffnungsvollsten Erwartung vorausgeeilt.“ Er bittet dann um weitere Unterstützung und fährt fort: „Die Überlegenheit der Engländer zur See vor Ihrer Ankunft gab ihnen entscheidende Vorteile durch den schnellen Transport von Truppen und Vorräten,[343]während die Märsche, die unsere Verstärkungen machen mußten, sie der Gefahr aussetzten, einzeln geschlagen zu werden. Es hängt von Ew. Exzellenz ab, den Krieg zu beenden.“ Alsde Grassediese Aufforderung ablehnte, aber auf das nächste Jahr verwies, nahmWashingtondies an und fügte hinzu: „Ich brauche Ew. Exzellenz gegenüber nicht auf die unabweisbare Notwendigkeit einer so starken Seestreitkraft zurückzukommen, die Ihnen die unbedingte Überlegenheit sichert.... Sie werden bemerkt haben, daß bei allen Anstrengungen des Landheeres der Marine stets das entscheidende Wort in dem gegenwärtigen Kampfe zufällt.“ —MahanI, Seite 383–386, bringt weitere Auszüge aus BriefenWashingtons, auch an andere Personen, die bezeugen, welch hohen Wert er der Kriegführung zur See beimaß.

Der ungünstige Verlauf der englischen Unternehmungen ist zunächst der Teilung der Kräfte für Westindien und Nordamerika zuzuschreiben, eine Folge der Strategie Englands, auf allen Kriegsschauplätzen stets einem Angriffe gewachsen zu sein. Wir wollen hierauf in der Schlußbesprechung des Krieges eingehen. Schlechte Leitung und wirkliches Mißgeschick traten hinzu.

Graves' Geschwader hätte um einige Schiffe der Jamaikastation stärker sein können, wennRodneysBefehle genau befolgt wären. Es waren unglückliche Zufälle, daßGravesdie Nachrichten aus Westindien nicht erhielt, sonst wäre er wohl rechtzeitig vor der Chesapeakebucht gewesen. Vielleicht war es ein Fehler, daß er selbst mit der ganzen Flotte New York zu einer Jahreszeit verließ, zu der er auch ohne weiteres die Flotten aus Westindien erwarten konnte, aber ihm war von England aus das Abfangen eines französischen Konvois dringend empfohlen.

Als er dann nach der Chesapeakebucht ging, wußte er vonBarras' Auslaufen und hätte außer Sicht von Land kreuzen müssen, um zunächst diesen abzufangen. Wäre dies, wie wahrscheinlich, geglückt, so würde das feindliche Heer vor Yorktown kein Belagerungsmaterial gehabt haben und die französische Flotte späterhin nicht so überlegen gewesen sein. Daßde Grasseüberhaupt schon und in solcher Stärke angelangt war, wußte er allerdings nicht. Die vor der Bucht stationierten Kreuzer hatten geankert, statt unter Segel zu bleiben; sie wurden durch die Franzosen überrascht, einer genommen, der andere in die Bucht gejagt. Sicher hätteGraves, sobald er Nachricht erhalten, sich zuerst gegenBarrasgewendet. So wäre vielleicht der schnelle Fall Yorktowns verhindert und bei dem schon hervortretenden Mißtrauen der Amerikaner gegen Frankreich, sowie der Kriegsmüdigkeit dieser manches anders gekommen.

Der Wechsel des Ministeriums in England im März1782 brachte den Krieg in Nordamerika zum Stillstand. Wenn auch der König stets fest entschlossen blieb, die Unabhängigkeit der Kolonien nicht anzuerkennen und die Einmischung Frankreichs, sowie Spaniens nicht zu dulden, zeigte sich doch die öffentliche Meinung durch die ungeheuren Kriegskosten, durch das zweimalige Erscheinen überlegener feindlicher Flotten an Englands Küsten und durch mancherlei andere Vorfälle umgestimmt. Die Staatsschuld war auf 198 Millionen Lstrl. angewachsen, manmußte 300000 Soldaten und Seeleute besolden, sowie große Flotten im Dienst halten; die Zivilliste war, obgleich stark erhöht, überschritten und es war bekannt, daß große Summen aus ihr zur Gewinnung von Parlamentsmitgliedern für die Regierung verwendet wurden. Dabei sah man weder in Nordamerika noch zur See durchschlagende Erfolge. All dies erweckte im Volk den Wunsch nach Frieden mit den Kolonien; diese Stimmung wurde von Agenten sowie Freunden der Amerikaner genährt und ergriff immer weitere Kreise. Zudem traf dicht vor Eröffnung des Parlaments im Herbst 1781 die Nachricht von der Kapitulation des Heeres bei Yorktown ein.

Nach allem, was man bisher von dem jämmerlichen Zustande der amerikanischen Truppen, dem Geldmangel und der geringen Neigung der Kolonisten gehört hatte, für den Krieg Opfer zu bringen, kam die Kunde doppelt unerwartet; selbst der Premierminister,Lord North, war völlig niedergeschlagen. Der König verharrte allerdings auf seinem Standpunkte, und in der Thronrede vom 27. November verlautete nichts über den Frieden, aber im Volke schwand jede Neigung zum Kriege, wenigstens für den mit den Kolonien. Als dann noch der Verlust Minorkas und der westindischen Inseln bekannt wurde, hatte die Opposition im Parlamente freies Spiel. Die Politik der Regierung, die Verwaltungen des Heeres und der Marine, sowie die ganze Kriegführung wurden schonungslos angegriffen und die Einstellung des Kampfes in Nordamerika verlangt. Im März 1782 mußte das Ministerium einem solchen der Whigs weichen. Dieses stand unter der Leitung desMarquis of Rockingham, und der AdmiralAugustus Keppelwurde Erster Lord der Admiralität an Stelle desEarl of Sandwich, der besonders hart, und zwar auch von höheren Seeoffizieren, angegriffen war. Als am 1. Juli, nach dem Tode Rockinghams, derGraf von Shelburne(Lansdown) an die Spitze trat, kam SirWilliam Pitt(der Jüngere) ins Kabinett und gewann sofort großen Einfluß, bis er im Dezember 1783 tatsächlich die Leitung übernahm.

Die Opposition erreichte zunächst, daß der Oberbefehlshaber in Amerika Befehl erhielt, sich auf das Halten der noch besetzten Plätze — New York, Charleston, Savannah — zu beschränken. Da nun auch die Amerikaner ohne die französische Flotte keinen Angriff wagten, tratim Landkriegeeine ArtWaffenstillstandein.Der Seekrieggegen die drei europäischen Mächte, der in England weit populärer war, ward dagegen mit aller Kraft fortgesetzt; er spielte sich besonders in West- und Ostindien ab. Schon im Januar segelteRodneymit 12 Linienschiffen nach Westindien.

Indienststellungen 1782.(Vgl. die Listen Seite 224.)In Englandwaren für 1782 der Marine 100000 Mann, einschließlich 21000 Seesoldaten, sowie etwa 7¼ Millionen Lstrl. bewilligt. Im Sommer befanden sich 129 Linienschiffe im Dienst, von denen 35 in den heimischen Gewässern und 59 in den westindischen stationiert waren.Frankreich und Spanienverfügten in Europa über wenigstens 50 Linienschiffe und würden auch in Westindien mit 58 dem Feinde gewachsen gewesen sein, wenn ihre Flotten zusammengewirkt hätten. In Ostindien standen 22 englische gegen 13 französische Schiffe.Hollandhatte im Oktober 16 Linienschiffe in Dienst.

Der Krieg in den europäischen Gewässerndrehte sich 1782 wie im Vorjahre um die Seeherrschaft am Eingange des Kanals und um Gibraltar. Port Mahon fiel schon am 5. Februar den Spaniern in die Hände (vgl. Seite319), und die hier verwendeten Truppen wurden nun zur Belagerung von Gibraltar mit herangezogen. Neben der engen Einschließung dieser Festung von See her planten Frankreich und Spanien auch in diesem Jahre mit ihrer Hauptseemacht in den nördlichen Gewässern aufzutreten; zu dieser sollten holländische Schiffe stoßen. Ein Unternehmen gegen die englische Küste scheint nicht beabsichtigt gewesen zu sein, sondern nur das Abfangen von Konvois sowie Militärtransporten und das Festhalten der englischen Flotte zugunsten der Belagerung von Gibraltar.

Schon am 11. Februar verließ Admiralde Guichen, sobald die Schiffe ihre im Dezember erlittenen Beschädigungen ausgebessert hatten, mit 16 Linienschiffen, von denen 2 nur als Flüten armiert waren, und 11 Fregatten Brest. Drei Linienschiffe waren nebst einem großen Konvoi mit Vorräten für das dortige Geschwader nach Westindien, zwei nach Ostindien bestimmt; sie trennten sich an der spanischen Küste von der Flotte. Hier ward auch am 15. FebruarLa Motte-Picquetmit 4 Linienschiffen abgezweigt, um in der Biskaya und vor dem Kanal zu kreuzen; er machte einige Prisen, erlitt aber schon am 23. in einem schweren Sturme arge Schäden und lief am 26. wieder in Brest ein. Am Wiederauslaufen wurde er bald durch überlegene englische Kräfte gehindert.Guichenerreichte am 11. Februar mit 5 Schiffen Cadiz und trat unter den Oberbefehl des spanischen AdmiralsCordoba, der hier mit 27 Linienschiffen lag; 11 spanische, sowie 2 französische befanden sich außerdem unter AdmiralMorenobei Algeciras.

Die englische Kanalflotte, die insgesamt nur 35 Linienschiffe zählte, während sie mit einer feindlichen Macht von gegen 60, einschließlich der holländischen, rechnen mußte, eröffnete den Feldzug mit vorsichtigen kleinen Operationen, je nachdem die Schiffe bereit wurden. Den Oberbefehl führteLord Howe, der durch den Wechsel im Ministerium aus seiner langen Untätigkeit erlöst war; unter ihm befehligten die tüchtigen AdmiraleBarringtonundKempenfelt. Der erstere kreuzte in der zweiten Hälfte des April mit 12 Linienschiffen vor dem Kanal, um die Franzosen in Brest festzuhalten, feindliche Konvois abzufangen und den eigenen Handel zu schützen. Er hatte einen nicht unbedeutenden Erfolg.

Barrington vernichtet einen Transport für Ostindien.Am 20. April 1782 mittags sichtete der Admiral südwestlich von Ouessant 18 französische Transporter mit Truppen und Kriegsmaterial für Ostindien, die durch 3 Linienschiffe (eins als Flüte armiert) nebst einer Fregatte geleitet wurden, und jagte sie. Die Franzosen flohen zur Küste zurück, aber das Linienschiff „Pegasus“ von 74 Kanonen wurde am Abend vom KapitänJervis, dem später berühmten Admiral, mit dem „Foudroyant“ von 80 Kanonen, der den anderen Engländern weit voraus war, eingeholt und nach einem dreistündigen Nachtgefecht genommen.Jervisfing dann noch 13 Transporter und ein anderes englisches Schiff bemächtigte sich des als Flüte armierten Linienschiffes. Wie der Verlust des Konvois überhaupt, so war die Wegnahme dieses Schiffes im besonderen[346]ein harter Schlag für den in Ostindien schwer ringenden AdmiralSuffren, denn es führte Rundhölzer für vier Linienschiffe an Bord.Jerviserhielt für seinen Erfolg den Bathorden, der Kommandant des „Pegasus“ ward aus dem Dienste entlassen. Man war in Frankreich über seine Niederlage empört, da man sich bisher schmeichelte, in Einzelgefechten von annähernd gleichstarken Schiffen meist den Sieg davongetragen zu haben. Der Verurteilte fand aber in der Marine Verteidiger, die auf die ungünstigen Verhältnisse hinwiesen, unter denen er gefochten habe: „Das Schiff sei erst am 11. April auf die Rhede gegangen, kaum ausgerüstet und so mangelhaft bemannt, daß ein junger Unterleutnant die unterste schwerste, Batterie befehligt habe; der Kapitän habe erst am 13. das Kommando übernommen und schon am 19. in See gehen müssen.“ Es sind dies wohl zu beachtende Umstände für die Beurteilung der französischen Marine jener Zeit.

AlsBarringtonEnde April nach Portsmouth zurückgekehrt war, gingKempenfeltmit 8 Linienschiffen zum Kreuzen in See.

Anfang Mai erfuhr man in England, Holland beabsichtige, in Texel ein größeres Geschwader zu sammeln, das nach auswärts bestimmte Handelsschiffe geleiten und sich dann mit der französisch-spanischen Flotte vereinigen solle. Die holländischen Handelsschiffe für die Ostsee, die durch die Schlacht auf der Doggerbank im August 1781 zurückgetrieben waren, hatten bislang nicht segeln können, da man ihnen keine genügende Begleitung zu geben vermochte, und heimgekehrte West- sowie Ostindienfahrer warteten in den norwegischen Häfen auf Abholen; der holländische Handel lag brach, nur den nach Westindien bestimmten Schiffen war es Anfang April gelungen, durch die Nordsee abzusegeln. Ehe nun aber das holländische Geschwader — durch verspätete Fertigstellung der Schiffe und weiter durch widrige Windverhältnisse aufgehalten — völlig versammelt war, erschienLord Howemit 12 Linienschiffen an der Küste und verhinderte dessen Auslaufen während mehrerer Wochen, bis eine an Bord der Schiffe ausbrechende Epidemie ihn zwang, nach Portsmouth zurückzugehen. Hier stießKempenfeltzu ihm, der seine Kreuztour aufgegeben hatte, wahrscheinlich weil die große Flotte der Verbündeten nahte. England hielt aber weiter die Nordsee unter Beobachtung, so daß die Holländer nicht wagten, ihr Geschwader auslaufen zu lassen, während die englischen Handelsschiffe unbelästigt die Nordsee passierten; die holländischen Ostseefahrer segelten später teilweise unter schwedischer Flagge und durch schwedische Kriegsschiffe geleitet.

Die französisch-spanische Flotte vor dem Kanal, Sommer 1782.Admiral Cordobahatte während des Monats April mit seiner Flotte — 27 spanischen und 5 französischen Linienschiffen — vor der Straße von Gibraltar gekreuzt, am 4. Juni trat er die Fahrt nach dem Norden an; die bislang in Brest blockierten französischen Schiffe sollten sich anschließen und man rechnete auch auf die Holländer. Am 25. traf die Flotte auf einen englischen Konvoi von 27 Fahrzeugen, der nach Neufundland sowie Kanada bestimmt und von 4 Kriegsschiffen geleitet war; es gelang ihr aber nur, 17 Handelsschiffe zu nehmen. Am 8. Juli stießLa Motte-Picquetbei Ouessant mit 8 Linienschiffen zu ihr; sie war nun 40 Schlachtschiffe stark. In England erwartete man den großen Westindienkonvoi unter Deckung des bisherigenChefs der Jamaikastation,Sir Peter Parker, mit nur 3 Linienschiffen und entsandte am 2. JuliLord Howemit 22, um ihn aufzunehmen.

Die Gegner sichteten sich am 12. Juli westlich der Scillyinseln.Cordobasuchte den Kampf, aberHowewich aus. Während der nun folgenden Jagd kam nurLa Motte, dem ein selbständiges Geschwader von 4 Franzosen und 4 Spaniern unterstellt war, näher an den Feind heran; während der Nacht verlor man diesen aber aus Sicht und fand ihn nicht wieder. Die Verbündeten schrieben dies der größeren Schnelligkeit der englischen, sämtlich gekupferten Schiffe zu, tatsächlich aber hatHoweseine Flotte zwischen den Scillys und Kap Landsend hindurch nach Westen geführt. Er setzte sich so zwischen den Feind und den erwarteten Konvoi und lief Ende Juli, als Cordoba durch stürmisches Wetter nach Süden vertrieben war, mit den Handelsfahrzeugen unbelästigt in den Kanal ein; auf der Rückfahrt stießen noch 9 Linienschiffe zu ihm, die wahrscheinlich bei Howes Abfahrt in der Nordsee waren.Cordobakreuzte noch einige Wochen, hauptsächlich in der Biskaya, und traf dann am 6. September in Cadiz ein. So war auch in diesem Jahre das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten im Norden ohne jede Bedeutung geblieben. Die französischen Offiziere klagten mit Recht darüber, daß man die Verfolgung nicht bis zu den Häfen des Gegners durchgeführt habe; wie die Sache lag, hätte man ihn sogar von diesen abgeschnitten, und eine Vereinigung mit den Holländern wäre wahrscheinlich auch möglich gewesen.

Die Tätigkeit der holländischen Marine 1782sei kurz berührt. (Genaueres vgl. de Jonge, Band IV, Seite 561 ff.) Als man in Holland Gewißheit hatte, daß die Flotte der Verbündeten vor dem Kanal erscheinen würde, lief am 7. Juli ein Geschwader von einem Linienschiff zu 74 Kanonen, 6 zu 60–68, 9 zu 54, sowie 9 schweren Fregatten unterVizeadmiral Hartsinckvon Texel aus. Es geleitete Westindienfahrer durch die Nordsee, bis sie ihre Reise um Schottland unter dem Schutze einiger Fregatten voraussichtlich ungefährdet fortsetzen konnten. Es kreuzte und übte dann in diesem Meere. Prisen fielen ihm nicht in die Hände, weil England seine Handelsschiffe zurückhielt. Ein abgezweigter Teil holte die in Norwegen angesammelten Kauffahrer ab, ein anderer führte solche nach der Ostsee. Mitte August kehrteHartsinckzum Auffüllen von Proviant nach Texel zurück und ward dann wieder durch die Engländer blockiert. Als England im September alle verfügbaren Schiffe nach Gibraltar gesandt hatte, beabsichtigte man, auf Ersuchen Frankreichs ein Geschwader nach Brest zu schicken, das im nächsten Jahre mit den Verbündeten zusammenwirken sollte. Der schlechte Zustand der Schiffe, sowie Uneinigkeit zwischen den beiden großen Parteien im Lande gerade in betreff dieser Sache verzögerte die Abfahrt, und schließlich wagte man sie nicht mehr, weil man ein Zusammentreffen mit der von Gibraltar zurückkommenden englischen Flotte fürchtete.

Lord Howe segelt mit Zufuhren nach Gibraltar.Nach Rückkehr von seiner Kanalfahrt erhielt der Admiral den Auftrag, eine Expedition vorzubereiten, um Gibraltar Truppen und Vorräte zuzuführen; die Festung war seit der FahrtDarbysim April 1781 ohne jede Unterstützung geblieben. Für diese wichtige und gefährliche Aufgabe wurden die gesamte Kanalflotte — 34 Linienschiffe, ein Dutzend Kreuzer, einige Brander —, sowie 31 Transporter in Portsmouth zusammengezogen. Schon am 11. September ging die Flotte in See; etwa 100 Kauffahrer, Konvois für alle fernen Meere, schlossen sich ihr an.

Der Untergang des „Royal George“.Die Ausrüstung dieser Flotte brachte der englischen Marine einen empfindlichen Verlust. Die Schiffe waren viel in See gewesen und vielfach ausbesserungsbedürftig, es gebrach aber an Zeit, sie in Trockendocks aufzunehmen. So wurde unter anderen der „Royal George“, ein Schiff mit 100 Kanonen, Flaggschiff des AdmiralsKempenfelt, am 29. August auf der Rhede von Spithead auf die Seite gelegt, um einige Arbeiten an Unterwasserteilen vorzunehmen; ein Manöver, das nur bei stillem Wetter und ruhigem Wasser ausgeführt werden darf. Die Lage der schadhaften Stelle verlangte ein ungewöhnlich weites Überlegen und der Zufall führte eine Katastrophe herbei. Es war Löhnungszahltag dicht vor der Abreise und infolgedessen befanden sich außer der 8–900 Köpfe starken Besatzung zahlreiche Frauen und Kinder der Leute, sowie Händler an Bord, so daß durch das Gewicht und die Bewegungen der vielen Menschen die Gefahr des Kenterns vergrößert wurde. Ungefähr um 10 Uhr vormittags, während der Admiral in der Kajüte mit Schreiben beschäftigt war und der größere Teil der Anwesenden sich unter Deck befand, warf eine plötzliche starke Bö das Schiff auf die Seite; das Wasser drang in die offenen Pforten ein, und es sank schnell. Der Admiral, mehrere Offiziere, sowie die meisten der unter Deck befindlichen Personen, insgesamt 900–1000 Menschen, ertranken; ein längsseit liegendes Proviantfahrzeug ward mit in die Tiefe gezogen. Dieser Unglücksfall, der mehrfach als Beweis für die mangelhafte Seefähigkeit der großen Dreidecker angeführt wird, findet sich anschaulich dargestellt in KapitänMarryatsRomane „the Kings Own“.

Der große, erfolglose Angriff auf Gibraltar, September 1782[164].Zwei Tage nachdemHoweEngland verlassen hatte, spielte sich die berühmte Schlußszene der Belagerung von Gibraltar ab. Seit Juli 1779 hielten die Spanier diese Feste zu Lande und von Algeciras aus auch zu Wasser eingeschlossen, aber trotzdem war es zweimal englischen Flotten gelungen, sie mit Vorräten und Truppen zu unterstützen. Auch der Angriff vom Lande her machte keine Fortschritte, obgleich Spanien nach und nach gegen 30000 Mann dazu heranzog und auf der Landzunge, die den Felsen mit dem Festlande verbindet, mächtige Belagerungswerke erbaute. Der englische Kommandant,George Augustus Elliot, leitete den Widerstand mit Geschick und Tapferkeit. Zu der Zeit, als AdmiralDarby1781 Verstärkungen brachte, wurde die Stadt drei Wochen lang täglich mit 4–5000 Geschossen überschüttet und, nachdem so 75000 Vollkugeln und 25000 Bomben verfeuert waren, gab man noch wochenlang täglich 600 Schuß ab.

Aber die Besatzung hatte vom 12. April bis Ende Juni nur 53 Tote und 260 Verwundete eingebüßt. Die Stadt lag zwar in Trümmern, doch war dies ohne Bedeutung, denn die Verteidiger fanden an verschiedenen Stellen des Felsens in Lagern sichere Unterkunft. Am 27. November 1781 gelang es ihnen, durch einen Ausfall der ganzen Garnison unterElliotspersönlicher Führung den Gegner zu überraschen, der jetzt seine Parallelen weit genug vorgeschoben glaubte; in kurzer Zeit waren die Geschütze vernagelt, die Werke aufgesprengt und verbrannt, die Angriffsarbeiten von mehreren Monaten vernichtet. Spanien verdoppelte seine Anstrengungen. Man war zu der Überzeugung gelangt, daß die Festung durch Angriff vom Lande her allein nicht bezwungenwerden könnte. Zu einem gleichzeitigen Vorgehen von See aus wollte man aber die Hochseeflotte nicht einsetzen; die feindliche Stellung war weit stärker befestigt, armiert und bemannt, als zu jener Zeit, woRookemit der englischen Flotte sich Gibraltars bemächtigte. Man baute deshalb nach Entwürfen des französischen IngenieuroberstenChevalier d'Arçon10 mächtige schwimmende Batterien, die 152 schwere Geschütze führten; sie waren Anfang September fertiggestellt.

Die schwimmenden Batterienwaren 6 bis 1400 tons große Seeschiffe, die außen mit einer vierfachen Polsterung von Holz, Sand, Kork sowie ungegerbten Häuten und mit einer schrägen Holzbedachung versehen wurden, auf der eine Decke von altem Tauwerk und Fellen lag. Um eine Wirkung glühender Kugeln zu hindern, war durch die mit der Panzerung 5 Fuß dicken Bordwände ein vielverzweigtes Kanal- und Röhrensystem gezogen, durch das von einem Reservoir aus beständig Wasser spülte. Die Polsterung sollte so stets ganz mit Wasser durchtränkt gehalten werden und einschlagende Kugeln selber ihr Ablöschen hervorrufen, indem sie die Röhren verletzten; auch die Dächer konnten berieselt werden. Die Schiffe waren mit schweren, neugegossenen Bronzekanonen armiert; fünf von ihnen führten 18–24 Geschütze in zwei, fünf 6–11 in einer Batterie, und es war etwa die Hälfte der Zahl als Reserve zum Auswechseln an Bord gegeben. Die Kanonen wurden nur auf einer Seite der Schiffe aufgestellt; Ballast auf der anderen hielt diese auf ebenem Kiel, so boten die 10 Batterien dem Gegner eine Breitseite von 152 Geschützen dar.

Der Bau in der Bucht von Algeciras war im Februar beschlossen, schritt aber nach spanischer Art nur langsam vorwärts. Erst Anfang September war er mit einem Kostenaufwande von 2 Millionen Piastern beendet. Bei der Probe zeigte sich, daß die Bewässerungsanlagen nicht richtig arbeiteten, das Wasser drang in die Schiffe und die Kanäle mußten teilweise verstopft werden. Der Erfinder bat um Zeit für Verbesserungen, aber derHerzog von Crillonverweigerte sie ihm. (Vorstehendes sehr eingehend in Chevalier II, Seite 337.)

Auch sonst wurden Vorbereitungen zu einem überwältigenden Angriffe getroffen. 30 (40?) Kanonenboote und 30 (40?) Mörserboote, sowie 300 große Ruderboote waren gesammelt, um den schwimmenden Batterien während des Kampfes Ersatzmannschaften und Munition zuzuführen. In den Werken auf der Landzunge standen 186 Geschütze; die von Minorka zurückkehrenden spanischen Truppen, sowie 10000 Franzosen hatten das Belagerungsheer, das jetzt vomHerzog von Crillon, dem Eroberer Minorkas, befehligt wurde, auf über 40000 Mann gebracht. Endlich sollte die FlotteCordobasden Angriff gegen jede Störung von See her decken, wenn erforderlich, auch unterstützen.

Gibraltar war im Norden und Westen wie schon früher durch eine Umwallung mit zahlreichen Batterien gedeckt (vgl. Skizze im Bande I, Seite526). Diese erste Verteidigungslinie war aber jetzt weit stärker und wurde durch eine zweite, höher gelegene und zum Teil in den Fels gehauene unterstützt; die Werke, die den Gibraltarfelsen selber zu einer uneinnehmbaren Feste machen, sind während dieser Belagerung begonnen. Die Wasserfront ward durch starke Forts auf den beiden Molen flankiert, und etwa in ihrer Mitte, etwas nördlicher, befand sich ein größeres Werk, die Kings-Bastion. In den Befestigungen standen 280 Geschütze. Die Besatzung betrug 7000 Mannauserlesener Truppen[165], im besonderen vorzüglicher Artilleristen; 12 Kanonenboote, mit je einem schweren Geschütze, besetzt mit Mannschaften einiger bei Gibraltar stationierter Fregatten und kleinerer Kriegsschiffe, standen zur Verfügung.

Das ganze militärische Europa erwartete mit Spannung den Ausgang des so lange vorbereiteten Angriffes. Neutrale Mächte sandten höhere Offiziere dorthin; zwei französische Prinzen erschienen, um die erwartete Katastrophe zu verherrlichen, denn die Verbündeten zweifelten nicht am Erfolge.

Nach Eintreffen der großen Flotte in Cadiz am 6. September wurde die Ausführung des Angriffes beschlossen.Cordobaging schon am 9. in See und ankerte am 12. bei Algeciras, wo nun 48 Linienschiffe der Verbündeten vereinigt waren. Am 13. erfolgte der Angriff, aber schon am 8. hatte der Kampf begonnen, und es ist kennzeichnend fürGeneral Elliot, daß dies von seiner Seite ausging.

Schilderung des Angriffes auf Gibraltar.AlsEllioterkannt hatte, daß ein Angriff starker Kräfte bevorstand, überschüttete er während des 8. September die feindlichen Werke derartig mit Geschossen, daß sie außer Gefecht gesetzt wurden. Die Spanier eröffneten jedoch schon am 9. aus einer neuen Batterie von 64 Kanonen ein heftiges Feuer auf die Stadt, und das eigentliche Blockadegeschwader unterMorenobeteiligte sich, indem es in Linie an der Wasserfront vorübersegelte. Das Bombardement aus den Landwerken ward bis zum 12. fortgeführt. Gegen 8 Uhr vormittags am 13. September setzten sich die schwimmenden Batterien in Bewegung und die Landwerke nahmen das Feuer wieder auf. AdmiralMorenoankerte mit dem stärksten der Batterieschiffe „La Pastora“ auf etwa 1200 m Entfernung vor der Kings-Bastion, vier andere gingen südlich und fünf nördlich von ihm vor Anker.

So lagen die 10 Fahrzeuge in einer Linie von der Nordmole bis fast zur Südmole; sie begannen den Kampf um 10 Uhr. Entschieden war diese Aufstellung fehlerhaft. Nach dem Planed'Arçonssollten sie massiert von der Höhe der Nordmole aus angreifen, um ihr Feuer möglichst zusammenzuhalten und mit dem der Landwerke zu vereinigen, selber aber nur wenigen feindlichen Geschützen ausgesetzt zu sein. Jetzt jedoch boten sie Ziele für die ganze Wasserfront, deren südlicher Teil vom Feuer der Landwerke nicht erreicht werden konnte. Ein zweiter verhängnisvoller Fehler wurde dadurch gemacht, daß die bei Algeciras liegenden Mörser- und Kanonenboote nicht eingriffen, und gerade diese hätten die Wasserfront beschäftigen, womöglich flankieren sollen; nur einige Kanonenboote erschienen für kurze Zeit. Endlich nahmen auch keine Schiffe der großen Flotte teil, die gleichfalls den Gegner hätten ablenken sollen.

Es folgte nun ein heftiger Geschützkampf. Anfangs widerstanden die schwimmenden Batterien den Geschossen, auch den glühenden Kugeln, die von den Engländern mit Vorliebe verwendet wurden. Aber am Nachmittage gerieten doch „La Pastora“, sowie ihr Nebenschiff „La Talla Piedra“, von einem Prinzen von Nassau befehligt, in Brand. Man konnte das langsame Umsichgreifen des Brandes nicht hindern, so daß „Talla Piedra“ sich genötigt sah, um 3 Uhr ihr Feuer zu vermindern und um 5 Uhr ganz einzustellen. Der Prinz von Nassau bat, sein Schiff wegzuschleppen, machte auch[351]den Versuch, es aus dem Gefecht zu warpen, es fehlte ihm jedoch an Matrosen. Um 5 Uhr brachen auch die spanischen Landwerke den Kampf ab;d'Arçonbehauptete später, es habe ihnen an Munition gefehlt, ihre Geschütze seien überhaupt schlecht bedient und schlecht gerichtet worden. Die übrigen schwimmenden Batterien hatten noch wenig gelitten, aber ihr Rückzug ward doch befohlen, um sie zu retten. Für diesen waren jedoch gar keine Vorkehrungen getroffen, und man sah sich schließlich gezwungen, ihr Verlassen und Verbrennen anzuordnen; auf Notsignale sandte die Flotte Boote zum Abholen der Besatzungen. In die nun entstehende Verwirrung brachen gegen 2 Uhr morgens die englischen Kanonenboote unter Führung des KapitänsCurtis, des ältesten Seeoffiziers in Gibraltar, ein. Sie flankierten mit ihrem Feuer die spanische Linie, vermehrten die Unordnung auf den fast nur mit Soldaten besetzten Fahrzeugen und trieben die rettenden Boote zurück. Bei Sonnenaufgang flog eins der Batterieschiffe in die Luft, drei weitere traf bald das gleiche Schicksal, die anderen standen in Flammen. Die Engländer stellten jetzt das Feuer ein und taten ihr Bestes zur Rettung der Gegner; sie bargen unter eigener Gefahr gegen 400 Mann. Der Rest der Batterien flog im Laufe des 14. September auch noch auf.

Der Verlustder Spanier soll allein auf den schwimmenden Batterien 1500 Tote, Verwundete und Gefangene betragen haben. Die Engländer büßten nur 65 Tote und 188 Verwundete ein; ihre Werke hatten im Verhältniß zu dem auf sie gerichteten Feuer nur wenig gelitten.

Beurteilung des Angriffes.Die schwimmenden Batterien sind nach der Katastrophe vielfach als verfehlt bezeichnet. Besonders höhere spanische Offiziere, so auchCrillon, erklärten, niemals Vertrauen zu ihnen gehabt zu haben. Weshalb wartete er aber nicht ab, bis sie leistungsfähiger geworden waren? Er konnte während der Monate September und Oktober noch immer auf günstige Witterung für den Angriff rechnen, und die große Flotte war zur Stelle, um einer etwa erscheinenden englischen entgegenzutreten. Das Mißlingen des Unternehmens, wenigstens sein trostloser Ausgang, ist anderen Umständen zuzuschreiben.Crillonhat (nach Chevalier) zu kurzer Hand den Tag des Angriffes festgesetzt und ungenügende Bestimmungen getroffen. Infolgedessen lagen die Batterien falsch und die Mörser- sowie die Kanonenboote fehlten; die Spanier behaupteten zwar, die See sei zu rauh für diese gewesen, aber einzelne waren doch erschienen und hatten sich auch am Kampf beteiligt. Es war ferner nichts vorgesehen, um die Batterien aus dem Gefechte ziehen zu können. Endlich waren die Führer der Flotte nicht zu Rate gezogen und gar nicht oder doch zu spät vom Angriff in Kenntnis gesetzt.Chevalierstützt sich bei diesen Behauptungen allerdings besonders auf Berichted'Arçons, also eines beteiligten Zeugen, aber seine Aussagen werden auch durch das Journal eines französischen Schiffes der Flotte bestätigt. (Chevalier II, Seite 348.)

Der Angriff wurde nach vorstehendem nicht nur ein Fehlschlag, sondern sogar eine empfindliche Niederlage der Spanier; man mußte sich vorläufig wieder auf den Versuch beschränken, Gibraltar auszuhungern. Dies hätte gelingen müssen, da man über 48 Linienschiffe verfügte, aber die Seegewandtheit der Engländer machte auch diese Hoffnung zuschanden.

Lord Howe versorgt Gibraltar, Oktober 1782.Die Fahrt des Admirals war bis zur spanischen Küste sehr langsam, teils weil er Gegenwind traf, teils weil er sorgsam auf das Zusammenbleiben des wichtigen Transportes hielt; bei Kap Finisterre waren aber auch sämtliche 183 Segel noch vereint. Hier entließ er die Konvois und erreichte mit der Flotte sowie den 31 Transportern am 8. Oktober Kap St. Vincent. Dort erhielt er am 10. die Nachricht von den Ereignissen bei Gibraltar, sowie von der Anwesenheit der feindlichen Flotte bei Algeciras. Er gab nun den Unterführern seine Absichten bekannt und ließden Kapitänen der Transportschiffe genaue Angaben über die Wind- und Stromverhältnisse bei Gibraltar zukommen, damit sie ihre Ankerplätze leicht und sicher erreichen könnten. Am 11. mittags lief er bei westlichem Winde in die Straße ein. Die Transporter segelten voran, die Flotte folgte in drei Geschwadern; sie war also zu Luward jener und somit imstande, sie zu verteidigen. Um 6 Uhr nachmittags standen die Proviantschiffe vor dem Eingang der Bucht von Gibraltar, aber nur 4 Fahrzeugen nebst einem Linienschiffe gelang das Einlaufen, die übrigen hatten die Vorschriften nicht befolgt und wurden durch den Strom ins Mittelmeer versetzt. Die Flotte mußte ihnen folgen.

Cordobalag seit Anfang Oktober zum sofortigen Auslaufen bereit. Am 10. fielen schwere Böen ein. Mehrere Schiffe trieben vor ihren Ankern und stießen zusammen; das Flaggschiff des AdmiralsMorenostrandete bei Gibraltar und wurde von den Engländern genommen; ein anderes Linienschiff, sowie eine Fregatte trieben ins Mittelmeer. Sei es, weil einzelne Schiffe beschädigt waren, sei es — wie französisch-spanische Berichte sagen — weil in der Bucht von Algeciras völlige Windstille herrschte, tatsächlich unternahmCordobanichts gegen das Einlaufen der vier Transporter und ging auch erst am 13. Oktober mit 46 Linienschiffen, darunter 14 oder 15 Franzosen, in See. Besorgt um das Schicksal der vertriebenen Schiffe steuerte er östlich, anstatt den Engländern die Rückkehr in die Straße zu verlegen;Howestand um diese Zeit etwa 30 Seemeilen im Osten von Gibraltar. Zwei Tage manövrierten nun die Flotten bei leichtem westlichen Winde und zeitweisem Nebel, oft aus Sicht voneinander. Am 15. kam Ostwind auf undHowesteuerte unbemerkt vom Feinde westlich, die Transporter wieder voraussendend. Am 16. abends waren 18 von diesen, am 18. alle in Gibraltar angelangt; außerdem wurden Soldaten gelandet, die auf einzelnen Linienschiffen untergebracht waren, und dem Gouverneur auf dessen Bitte noch ein Brander mit 1500 Barrel Pulver überlassen.Gibraltar war aufs neue reichlich versorgt.

Der spanische Admiral hatte erst am 16. Oktober den Kurs nach Westen aufgenommen, als er am 19. vor Gibraltar erschien, trat die englische Flotte gerade ihre Heimreise an. Er folgte ihr in einer Schlachtlinie, in der die Schiffe nach ihrer Geschwindigkeit rangiert waren, die schnelleren voran.

Das Seetreffen bei Kap Spartel am 20. Oktober 1782. Ende des Seekrieges in den europäischen Gewässern.Howewollte der Strömungen wegen nicht in der Straße von Gibraltar fechten und erwartete den Gegner außerhalb.Cordobastand bei nördlichem Winde zu Luward und hielt am 20. Oktober gegen Sonnenuntergang zum Angriff ab. Er hatte Befehl gegeben, den Kampf zu beginnen, sobald man auf zwei Kabellängen an den Gegner heran wäre.La Motte-Picqueteröffnete in der hellen Mondnacht mit der Vorhut das Feuer auf die englische Vorhut in der befohlenen Entfernung; die Mitte war noch nicht so nahe heran und die Nachhut, 12 Schiffe unterde Guichen, stand weit achteraus. Ehe diese herankam, mehrteHoweSegel undbrach das Gefecht ab. Er hatte mit seiner Mitte der großen Entfernung halber das Feuer der feindlichen Schiffe gar nicht erwidert, seine Nachhut kam jedoch beim Absegeln noch zum Geschützkampf. Der großen Übermacht wollte sich der englische Admiral nicht aussetzen; er hat den Gegner wohl nur herankommen lassen, weil er mit der Möglichkeit rechnete, infolge günstiger Umstände ihn teilweise zu schlagen.La Mottewagte mit seinen wenigen Schiffen nicht am Feinde zu bleiben,Cordobasammelte um Mitternacht die Flotte und folgte weiter.

Die Verlustebezifferten sich bei den Engländern auf 68 Tote und 268 Verwundete, bei den Verbündeten auf 60 und 320.

Am nächsten Tage waren die Gegner etwa 12 Seemeilen voneinander entfernt.Cordobagab sich jedoch keine Mühe, näher heranzukommen, sondern segelte am 22. nach Cadiz.Howezweigte 8 Linienschiffe für Westindien ab und erreichte dann am 14. November Portsmouth.

Die größeren Flottenunternehmungen in den europäischen Gewässern waren damit nicht nur für das Jahr 1782, sondern für den Krieg überhaupt zu Ende.

Über die Kriegführung in Europa 1782ist wenig zu sagen. Das Auftreten der großen Flotte der Verbündeten in den nördlichen Gewässern war ebenso schwächlich wie im Vorjahre. Sie brachte einen Teil eines englischen Konvois auf und beherrschte zum Schutze des eigenen Handels während der Monate Juni bis August den Eingang des Kanals, sowie die Biskaya, machte aber keine ernstlichen Versuche zur Vernichtung der schwächeren feindlichen Seemacht. Wieder trifft die Hauptschuld die Spanier, die den größeren Teil der Flotte gestellt hatten und in deren Hand der Oberbefehl lag. Mit Recht sagt ein französischer Autor (Lacour II, Seite 382) über Cordoba, es sei zu beklagen, daß Männer wieGuichenundLa Motte-Picquetstets an einen Führer gebunden gewesen wären, der keinen Plan durchgeführt habe — falls er überhaupt einen gehabt hätte.

Die weit schwächere englische Flotte hatte schon vorher den äußerst wichtigen Transport für Ostindien aufgebracht, die Streitmacht Hollands festgehalten und dessen Handel unterbunden. Als die Verbündeten dann auf der See erschienen, gelang esLord Howedoch, den Jamaikakonvoi sicher einzuholen. Der Schaden für Handel und für Militärtransporte war auf beiden Seiten etwa gleich; der Ruhm der erfolgreicheren Verwendung ihrer Seestreitkräfte gebührt also England als der schwächeren Partei. Hierbei ist allerdings darauf hinzuweisen, daß Howes Aufgabe ein Wagnis war, denn die größere Hälfte der Kanalflotte wurde einem übermächtigen Feinde gegenüber aufs Spiel gesetzt.

Die Expedition nach Gibraltar war ein noch gefahrvolleres Unternehmen. Bei ihr entwickelteLord Howedieselben Fähigkeiten, die er 1778/79 in Nordamerika gezeigt hatte, seemännische Tüchtigkeit vereint mit klarem Blick und schnellem Entschluß. Er hielt seine Kräfte zusammen und behielt sie in der Hand, durch geschicktes Manövrieren löste er seine Aufgabe, vermiedaber den Kampf mit dem überlegenen Feinde.Cordobadagegen versagte auch bei dieser Gelegenheit.

EinigeAussprüche neuerer französischer Autorenzu diesen Vorgängen sind bemerkenswert.Chevalierschreibt (II, Seite 358, hier gekürzt): „Die Eigenschaften, dieLord Howebei dieser kurzen Kampagne entfaltete, entsprachen voll der Aufgabe, die er zu lösen hatte. Seine Operation, eine der schönsten dieses Krieges, verdient das gleiche Lob wie ein Sieg. Wenn auch die englische Flotte durch die Verhältnisse begünstigt wurde — und es ist selten, daß derartige Unternehmungen ohne Glück gelingen —, so haben doch vor allem der richtige Blick des Führers, die Sicherheit seines Urteils und seine schnelle Entschlußfähigkeit den Erfolg herbeigeführt.“

Lacourschreibt (II, Seite 447): „Daß die Flotte der Verbündeten mehrere Tage hindurch in der Straße von Gibraltar manövriert hat, ohne die englische zu erreichen, daß es dieser gelungen ist, stets auszuweichen und ihre Vorräte zu landen, daßHowedie Straße unbelästigt wieder verlassen konnte, alles dies erscheint bei der Beschränktheit des Schauplatzes, auf dem sich die Ereignisse einer Woche abspielten, kaum glaubhaft.“

Chevalierweist gerade bei dieser Gelegenheit auf den höheren Stand der englischen Marine im allgemeinen hin und erklärt damit manche Erfolge der Engländer, sowie manche Fehlschläge der Franzosen in diesem Kriege. Er sagt: „Unter den 34 Schiffen der englischen Flotte befand sich keins jener Fahrzeuge, die den Oberbefehlshaber in der Durchführung seiner Absichten hindern. Alle waren gekupfert und von nahezu gleicher Geschwindigkeit.Howehatte dadurch, wenn auch nicht die Gewißheit, so doch die größte Aussicht, einen Kampf nach Belieben aufnehmen oder vermeiden zu können. Der gleiche Vorteil zeigte sich auch bei anderen Gelegenheiten in diesem Kriege. Er konnte sich ferner auf seine Kommandanten verlassen. Es kamen keine Trennungen, keine Zusammenstöße und Havarien, kurz keine jener Vorfälle vor, die den Oberbefehlshaber so oft zwingen, anders zu handeln, als er beabsichtigt hatte. Man kann nicht umhin, sich dabei der Ereignisse zu erinnern, die der französischen Flotte des Admiralsde Grassevom 9. bis 12. April 1782 so schwere Ungelegenheiten bereiteten.“ Der Autor führt diese dann kurz an; wir werden sie bald bei der Schilderung des Krieges in Westindien (Schlachten bei Dominica) kennen lernen.

Im November 1781 warende Grassevon Nordamerika mit 32 Linienschiffen in Martinique und im DezemberHoodin Barbados mit 18 eingetroffen; am 26. November hatte der Gouverneur von Martinique die Insel St. Eustache wiedergenommen.

Die Franzosen planten nun weitere Eroberungen. Der Gouverneurde Bouilléschiffte sich mit 6000 Mann auf der Flotte ein, undde Grasselief mit dieser, 26 Linienschiffe stark, am 26. Dezember aus, um Barbados anzugreifen; der Rest der Flotte blieb zu Ausbesserungen vorläufig zurück. Er kreuzte mehrere Tage gegen starken böigen Passat vergeblich an und ging am 3. Januar wieder nach Fort Royal. Am 5. Januar 1782 brach die Expedition abermals auf, jetzt abergegen St. Christopher(englisch St. Kitts). Sie landete hier am 11. ohne Widerstand auf Basseterre, dem Südteile der Insel. Die einschließlich einiger Milizen kaum 1000 Mann starke englische Garnison unter dem Gouverneur GeneralShirleyzog sich nach Brimstonhill, einem befestigten Hügel im Nordwesten der Insel, zurück, denBouillénicht stürmen konnte, sondern regelrecht belagern mußte.Die Einwohner der Insel erklärten sich neutral und unter gleichen Bedingungen ergab sich das naheliegende Nevis. Die französische Flotte blieb auf der Rhede von Basseterre.


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