Chapter 22

see captionSamuel Hood.

Samuel Hood.

AdmiralHooderhielt am 14. Januar in Barbados die Nachricht vonShirley, daß die französische Flotte am 10. in der Nähe von St. Christopher gesehen und ein Angriff zu befürchten sei. Er ging sofort mit 22 Linienschiffen in See, erfuhr am 16. die Landung und ankerte am 21. bei Antigua, wo er nähere Auskunft erhielt und 700 Soldaten an Bord nahm. Trotz seiner Unterlegenheit beschloß er, die bedrohte Insel zu entsetzen. Es gelang ihm nicht, aber sein Versuch zeugt von hervorragendem militärischem Blicke und großer seemännischer Geschicklichkeit. Englische wie französische Autoren stellenHoodsManöver denen einesNelsonundSuffrengleich.

Die Schlacht bei St. Christopher, 25. Januar 1782[166].Hoodunterrichtete die Unterführer eingehend über seine Absichten, verließ dann am 23. Januar nachmittags Antigua und steuerte nach Nevis hinüber; er mußte diese Insel südlich passieren, da der Kanal zwischen ihr und St. Christopher für Linienschiffe zu flach war. Er hoffte die Franzosen bei Tagesanbruch auf ihrem Ankerplatze zu überraschen, auf dem sie keine Verteidigungsstellung eingenommen hatten, sondern 3–4 Reihen tief lagen; er wollte dann seine Schiffe in Linie zu Luward an der Masse der feindlichen vorüberführen und dieses wiederholen, durch Halsen und Wenden einen Kreis laufend. Der Plan scheiterte infolge des Zusammenstoßes zweier Schiffe während der Nacht; die Fahrt wurde durch die unvermeidliche Ausbesserung mehrere Stunden aufgehalten und die Flotte am 24. morgens von feindlichen Fregatten gesichtet, ehe sie die Südspitze von Nevis passiert hatte, was erst um 1 Uhr mittags geschah.

De Grasselichtete um 3 Uhr nachmittags Anker und ging ihr entgegen. Er glaubte, Hood wolle bei Sandy Hook, einer Rhede nahe Brimstonhill, ankern, um der Besatzung dort Hilfe zu senden, auch war er für 4 Schiffe besorgt, die er von Martinique erwartete.Hoodsteuerte nun gegen Sonnenuntergang südlich, zog sich scheinbar zurück, manövrierte aber während der Nacht so, daß er bei Tagesanbruch des 25. Januar dicht unter der Küste von Nevis zwischen dieser Insel und den etwa 9 Seemeilen entfernten Franzosen, die sich nicht nahe unter Land gehalten hatten, und bei ONO-Wind zu Luward von ihnen stand. Seine Absicht war jetzt, auf dem bisherigen Ankerplatz der Franzosen eine Verteidigungsstellung einzunehmen. Auch von dort aus konnte er die Engländer am Lande unterstützen und lag, fallsde Grassenach Sandy Hook ging, zwischen ihm und Martinique; so war es möglich, dem Gegner die Zufuhren abzuschneiden, auf die dieser durchaus angewiesen war, da die kleine Insel auf längere Zeit soviel Truppen nicht zu ernähren vermochte.

Hoods Plan war bei seiner Unterlegenheit immerhin gewagt. Aber der Admiral erwartete Rodney mit einer Flotte, der vielleicht rechtzeitig ankam, und England brauchte nach der Niederlage in Nordamerika einen Erfolg. So mußte man auf gut Glück etwas wagen, und Hood kannte sich, seine Offiziere — sowie auch den Gegner.

Hoodbildete die Gefechtslinie eng geschlossen über Backbordbug und nahm um 10 Uhr vorm. Kurs nach Basseterre; er wurde vom Glück begünstigt, da der Wind auf OSO ging, so daß er raum steuern konnte. Die Franzosen lagen um diese Zeit über Steuerbordbug nach Süden, wendeten und hielten in Staffel auf den Feind zu (Plan I A—A zeigt die englische Linie um 10 Uhr, A′—A′ die französische), kamen aber nicht mehr, wie sie wohl beabsichtigt hatten, mit ihrer ganzen Linie querab von der englischen zum Angriff. Um 2 Uhr nachmittags waren die vordersten Engländer so weit, daß Hood ihnen das Signal zum Ankern geben konnte; er befahl, dies mit Spring auf den Ankern auszuführen, um die Schiffe sofort mit den Breitseiten nach See legen zu können. Um 2½ Uhr war die französische Vorhut auf Kanonenschußweite an die englische Mitte heran, und das Feuer begann.De Grassewar aber nicht imstande, seinen Gegner festzuhalten; die englischen Schiffe erreichten sämtlich den Ankerplatz.

Durch den Angriff der Franzosen war also besonders die hintere Hälfte der englischen Linie bedroht, die, wie häufig bei langen Kolonnen, nicht so gut Schiff hinter Schiff aufgeschlossen fuhr.Hoodnahm jedoch hierauf keine Rücksicht, gab vielmehr der vorderen Hälfte den Befehl, Segel zu mehren, und um 3½ Uhr ankerten die ersten Schiffe, um 4 Uhr das Flaggschiff. Die vier letzten Schiffe waren zurückgeblieben, da das vorderste schlecht segelte. In die so entstandene Lücke versuchtede Grassemit seinem Flaggschiff „Ville de Paris“ von 104 Kanonen einzubrechen, um die Nachzügler abzuschneiden, aber das letzte englische Schiff vor der Lücke, „Kanada“, 74 Kanonen, unter KapitänCornwallis, dem Bruder des Generals, warf alle Segel back, und sackte quer vor dem mächtigen Gegner achteraus; seine beiden Vordermänner blieben gleichfalls zur Unterstützung zurück (Plan I, B-B, B′-B′). So wurde der Durchbruch verhindert; die letzten 7 englischen Schiffe setzten ihre Fahrt trotz arger Bedrängnis unter beständigem Gefecht fort und kamen Schiff nach Schiff zu Anker, wobei[357]nun die schon verankerten Schiffe in den Kampf eingriffen. So konnte die vordere Hälfte der englischen Linie, gewissermaßen gedeckt durch den Kampf der hintern, unbelästigt ihre Ankerplätze einnehmen, ebenso diese, ihrerseits unterstützt durch das Feuer der ersteren.De Grasselief noch an der feindlichen Linie entlang, gab sein Feuer ab und steuerte dann nach Süden.

see captionI. Schlacht bei Christopher, 25. Januar 1782.II. Ankergefecht am 26. Januar 1782.

I. Schlacht bei Christopher, 25. Januar 1782.II. Ankergefecht am 26. Januar 1782.

Das Ankergefecht am 26. Januar 1782.Der Ankerplatz Hoods war nicht genau der gleiche, wie ihn de Grasse innegehabt hatte (s. Plan II), aber er beherrschte diesen. Die Nacht vom 25./26. Januar wurde benutzt, die in Eile eingenommene Ankerordnung zu verbessern und zu verstärken; so wurden drei Schiffe der Nachhut zwischen das Spitzenschiff und die Küste gelegt,um jedes Umgehen der Linie hier auszuschließen.Hooddurfte nun seine Stellung als stark betrachten.

Sein linker Flügel lehnte sich an die Küste. Von hier zog sich die Linie in ost-westlicher Richtung bis zum 16. Schiff, dem Flaggschiff, und bog dann in scharfer Kurve um, so daß die letzten Schiffe in der Richtung Nord-Süd lagen (Plan II, A—A). Die Stellung vom Rücken her anzugreifen, war bei den Windverhältnissen kaum möglich, und beim Frontangriff hatten die Engländer den Vorteil, daß Beschädigungen der Takelage für sie ohne Bedeutung waren, für die angreifenden Schiffe aber verhängnisvoll werden konnten.

De Grassehätte wohl seinen früheren Ankerplatz wieder einnehmen können, aber dieser lag in Lee des Feindes und war auch für eine große Flotte nicht günstig. Er beschloß anzugreifen; durch Ankunft der Schiffe von Martinique standen ihm schon am nächsten Tage mindestens 27, vielleicht bereits 29 Linienschiffe zur Verfügung. Am 26. Januar steuerte er in Kiellinie auf den linken Flügel der englischen Stellung zu (Plan II B-B). Infolge plötzlich schralenden Windes traf das Spitzenschiff[167]um 8½ Uhr vorm. erst auf das dritte englische vom Flügel und erhielt die Breitseiten von vier Gegnern, so daß man die Plankenstücke seiner Bordwände herausfliegen sah, dann lief es die englische Linie entlang. Die anderen Schiffe folgten, einige nahe, andere in weiterer Entfernung; „Ville de Paris“ kam sehr dicht heran und verlangsamte auch auf kurze Zeit ihre Fahrt. Das Feuergefecht war äußerst heftig, der Pulverrauch hüllte die Schiffe oft völlig ein, aber die englische Stellung blieb unerschüttert undde Grasseführte seine Flotte wieder nach See zu. Ein zweiter Angriff am Nachmittage, nur gegen Mitte und rechten Flügel der Engländer gerichtet, blieb ebenso erfolglos.

Die Verluste am 25. und 26. Januarbetrugen englischerseits 72 Tote und 244 Verwundete, französischerseits 107 und 207.

Während der nächsten Wochen kreuzte nun die französische Flotte zu Luward, drohte fast täglich mit einem Angriff und gab auch Feuer auf weite Entfernung ab.Hoodwar somit zwar blockiert, konnte aber auf dem Lande eingreifen, was er auch mit etwa 1200 Mann versuchte.BouillésMacht war jedoch zu stark, und die Gelandeten mußten schon nach 24 Stunden wieder eingeschifft werden.Brimstonhill kapitulierte am 13. Februar.

Hoodhatte am 1. Februar durchKempenfeltNachricht erhalten, daß die französische Verstärkung für Westindien von ihm zerstreut sei (s. Seite322). Dies hob seine Hoffnung auf das Gelingen seines kühnen Unternehmens, wenn nur Rodney bald einträfe. Jetzt aber nach der Waffenstreckung der Truppen am Lande mußte er befürchten, daßBouilléBatterien gegen die Flotte erbaue, und an das Verlassen seines Ankerplatzes denken. Dies konnte aber nur mit großer Vorsicht ausgeführt werden, denndie französische Flotte war auf 32 Linienschiffe angewachsen; es waren außer dem letzten der 4 Schiffe von Martinique am 2. Februar noch die beiden Linienschiffe zu ihr gestoßen, die nach der Zerstreuung des Konvois durchKempenfeltdie Fahrt fortgesetzt hatten. Doch eine Gelegenheit bot sich bald. Am 14. führtede Grasseseine Flotte unter die Küste von Nevis, um aus Transportern, die hier am 13. von Martinique eingetroffen waren, seine fast erschöpften Proviantbestände zu ergänzen. In der folgenden Nacht kappten die Engländer die Ankertaue, ließen aber auf deren Bojen Laternen brennen, um die Ausguckfregatten des Feindes zu täuschen, und segelten nördlich um St. Christopher herum nach Antigua, wo sie am 19. Februar eintrafen.De Grassehielt eine Verfolgung für aussichtslos, ankerte zunächst bei Basseterre, ging aber bald darauf nach Martinique, um nicht von diesem Stützpunkt abgeschnitten zu werden, wennRodneyeinträfe; er erreichte Fort Royal am 26. Februar.

Auf der Rückfahrt nach Martinique ließde Grasseam 22. Februar die InselMontserratbesetzen. England hatte kurz vorher weitere Verluste erlitten, da sich eine französische Division leichter Schiffe am 22. JanuarDemeraras, sowie am 5. und 8. FebruarBerbicesundEssequibosbemächtigte.

Beurteilung der Admirale Hood und de Grasse.Hoodskühnes Vorgehen, mit Geistesgegenwart und Geschick durchgeführt, war trotz des mangelnden Erfolges eine glänzende seemännische Tat. An und für sich lohnte der Entsatz der Insel wohl kaum das Wagnis, aber er war nicht unmöglich, und England brauchte um diese Zeit Erfolge.Hoodhatte vor der Chesapeakebucht (Seite 339) ähnlich handeln wollen; hätte er dort den Oberbefehl geführt, so wäreCornwallisvielleicht gerettet worden. Dem Admiralde Grassewird vorgeworfen, daß er seine gewaltige Überlegenheit — vom 1. bis 13. Februar 32 Linienschiffe gegen 22 — nicht ausgenützt habe. Er habe gewußt, daßRodneymit 12–15 Schiffen nahe, während die französische Flotte keine Verstärkungen mehr zu erwarten hatte, mithin hätte erHoodvorher vernichten müssen; der Besitz von St. Christopher habe erst in zweiter Linie gestanden. Der Vorwurf ist berechtigt. Gewiß war die englische Stellung sehr stark und wäre mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt worden. Aber sie wurde doch nicht wie die des AdmiralBarringtonbei Sta. Lucia 1778 durch Werke am Lande geschützt, und dort riet der tüchtigeSuffrendem Oberbefehlshaberd'Estaing, unbedingt anzugreifen, ehe der Gegner Verstärkung erhielte; er erachtete den Erfolg für sicher. (Vgl. Seite 283.)

Die Verhältnisse lagen bei Sta. Lucia ganz ähnlich, undSuffren äußerte sichdamals in einer für den jetzigen Fall geradezuprophetischen Weise. Er schrieb: »Trotz der geringen Ergebnisse der Beschießungen am 25. September (1781) können wir auf Erfolg rechnen. Der einzige Weg dafür ist aber ein kräftiger Angriff auf das feindliche Geschwader, das sich bei unserer Überlegenheit trotz der Batterien am Lande nicht halten kann, „wenn wir längsseit der feindlichen Schiffe gehen oder auf deren Bojen ankern«. Wenn wir zögern, können tausend Umstände den Feind retten.Er kann die Nacht benützen, um zu entwischen.“

De GrassesVerhalten entspricht wieder ganz der bekannten Auffassung in der französischen Marine jener Zeit, die, wie erwähnt, ein französischer Taktiker in dem Ausspruche kennzeichnete: „Unsere Marine hat stets den Ruhm, eine Eroberung zu sichern, dem vielleicht glänzenderen aber praktisch wertloseren vorgezogen, einige Schiffe zu nehmen.“ Die Erwägung, daß die Seestreitkräfte des Feindes der ausschlaggebende Faktor seien und deshalb sein eigentliches Angriffsobjekt bilden müßten, lag ihm bei dieser fast allgemeinen Auffassung fern. So hatten die Franzosen einige Inseln genommen, aber die feindliche Flotte blieb intakt, und infolgedessen fand die französische Überlegenheit in den westindischen Gewässern bald ein Ende.

Admiral Rodneyhatte am 15. Januar England mit 12 Linienschiffen verlassen, war am 19. Februar in Barbados eingetroffen und vereinigte sich am 25. bei Antigua mit Hood, der im Begriff war, nach Barbados zu segeln. Die Gesamtflotte folgte nun den Franzosen, kam jedoch zu spät, um ihnen den Weg nach Martinique zu verlegen, und ging nach Sta. Lucia. Hier stießen noch 3 Linienschiffe von England zu ihr, so daßRodneyjetzt über 37 Linienschiffe und 11 Fregatten verfügte. Als er dann erfuhr, daß de Grasse einen großen Konvoi erwarte, ließ er eine Hälfte seiner Flotte östlich vor der Durchfahrt zwischen Dominica und Martinique, die andere vor der zwischen Martinique und Sta. Lucia kreuzen. Der erwartete Konvoi hatte mitde Guichenim Februar Frankreich verlassen. Sein Führer navigierte mit Umsicht, er passierte die Desiraden nördlich, steuerte dann zwischen Guadeloupe und Dominica durch und erreichte so unbelästigt Fort Royal am 20. März.De Grassesah durch die Begleitschiffe seine Flotte auf 35 Linienschiffe, einschließlich 2 50-Kanonenschiffe, und 5 Fregatten verstärkt.Rodneynahm Stellung bei Sta. Lucia in der Gros-Islet-Bucht an der Nordspitze der Insel.

Der Plan der Verbündeten, Jamaika zu erobern, hatte schon lange bestanden; in diesem Jahre sollte er ausgeführt werden. Man wollte bei Cap Français (Haiti) 50 Linienschiffe und 20000 Mann vereinigen. Aus Spanien war bereits im Januar eine Division Linienschiffe nebst Transportern mit 4000 Soldaten dahin abgegangen, zu ihr sollte die Flotte in Havanna unter Admiral Solano stoßen.De Grassewar beauftragt, seine Gesamtflotte nebst allen auf den Kleinen Antillen entbehrlichen Truppen dorthin zu führen und den Oberbefehl zu übernehmen; er mußte aber erst den erwähnten Konvoi erwarten, da seine Schiffe von Vorräten entblößt und die Magazine in Martinique leer waren. Die Aufgabe war schwierig, denn der von ihm zu deckende Transport von Truppen und Kriegsmaterial, dem sich noch nach Europa bestimmte Handelsschiffe anschlossen, zählte 150 Segel. De Grasse beabsichtigte nicht direkten Kurs nach Haiti zu nehmen, sondern wollte nahe den Kleinen Antillen entlang steuern, um die eigenen und die neutralen Inseln stets als Zufluchtsort für den Konvoi benutzen zu können.

Rodneymußte also jetzt die Vereinigung der feindlichen Kräfte bei Haiti hindern; er zog deshalb zwischen den nur 30 Seemeilen voneinander entfernten Ankerplätzen der beiden Flotten eine Kette von Fregatten, umsofort Nachricht vom Inseegehen des Gegners zu erhalten. Jetzt zeigte sich die strategische Bedeutung Sta. Lucias für die Engländer. Bei ihrem eigentlichen Stützpunkte, Barbados, wären sie zu weit ab gewesen, um mit Aussicht auf Nutzen die Verfolgung aufzunehmen, und bei einem Kreuzen vor Fort Royal würde es nicht möglich gewesen sein, stets die Wasser- und Proviantbestände aufgefüllt zu halten; in der Gros-Islet-Bucht dagegen konnte die Flotte in unmittelbarer Nähe des Feindes immer seeklar liegen.De Grassemußte die Fehler seiner Vorgänger büßen;Rodneyzog den Nutzen vonBarringtonsScharfblick und Schneid.

Die erste Schlacht bei Dominica, 9. April 1782[168].Am 5. April erhieltRodneydie Nachricht, daß die französischen Soldaten eingeschifft würden, und am 8., bald nach Tagesanbruch, erfuhr er, daß der Feind den Hafen verlasse. Da dies bei der großen Zahl der Schiffe Zeit in Anspruch nahm und Rodney auch schon mittags frei vom Hafen die Verfolgung aufnehmen konnte, sichteten die Engländer bereits bei Sonnenuntergang von den Toppen aus die Franzosen und kamen dann während der Nacht beträchtlich auf. Am 9. bei Tagesanbruch lag der größere Teil der französischen Flotte nebst dem Konvoi bekalmt unter der Nordwestspitze von Dominica; nur etwa 15 Linienschiffe waren frei von der Insel und kreuzten gegen frischen Passat vor dem Eingange des Kanals zwischen Les Saintes und Dominica. Auch die englische Flotte lag in Stille etwa 12 Seemeilen westlich der feindlichen, bald aber erhielten etwa 8 Schiffe ihrer Vorhut, AdmiralHood, einen leichten Windhauch aus SO, der sie von der Hauptflotte fort und auf 2 französische Schiffe zu führte, die während der Nacht stark nach Lee geraten waren und jetzt in Stille nördlich der englischen Flotte lagen. Hood hätte sie abgeschnitten, wenn sie nicht auch einen Windstoß aus NW erhalten hätten, mit dessen Hilfe sie östlich segelten; sie erreichten später ihre Hauptflotte. Zur selben Zeit wie Hood bekamen auch die französischen Schiffe unter der Insel eins nach dem andern leichten Luftzug vom Lande her und setzten sich in Bewegung (s. Plan I a); die englische Hauptflotte blieb vorläufig noch in Stille liegen (I b).

De Grassesah ein, daß er in Verbindung mit dem Konvoi eine Schlacht nicht vermeiden könne. Er gab deshalb diesem den Befehl, unter dem Schutze der beiden 50-Kanonenschiffe nach Basseterre hinüberzulaufen.

Mit der Flotte wollte er dann zwischen Guadeloupe und Dominica aufkreuzen. Er hoffte so den Feind hinter sich her vom Konvoi abzuziehen und glaubte, mit seinen besser gebauten Schiffen auch die Verfolgung abwerfen zu können; so würden sowohl Flotte wie Konvoi unbelästigt ihr Ziel erreichen.

Die Rettung des Konvois gelang.Während sich das Gefecht entspann, segelten die Fahrzeuge unbelästigt nach Norden und waren schon um 2 Uhr nachmittags aus Sicht. Von Guadeloupe erreichten sie später glücklich Haiti.

Je weiterHoodvorrückte, um so frischer ward der Wind, bis er den Kanal von Les Saintes gut offen sah und den Passat erhielt (I e). Da nun einerseits die beiden abgekommenen Schiffe noch nicht aus ihrer gefährlichenLage heraus waren (I d), anderseits die 8 Schiffe Hoods weit von ihrer Flotte entfernt standen, gabde Grasseseinen schon im Passat kreuzenden 15 Schiffen — es waren die französische Vorhut unter Chef d'Escadrede Vaudreuil, sowie 3 Schiffe der Mitte — den Befehl, diesen Teil der Engländer anzugreifen. Es entspann sich ein Gefecht auf halbe Kanonenschußweite, das von 9¾–10½ Uhr vorm. dauerte und in das nach und nach auf beiden Seiten noch einige Schiffe eingriffen, die den Passat erreicht hatten.

Hoodmußte bald beidrehen, um sich nicht zu weit von der Hauptflotte zu entfernen. Die französischen Schiffe steuerten in Linie auf das Schlußschiff der Engländer zu, liefen dann an der englischen Linie entlang, wendeten nacheinander und wiederholten das Manöver; sie segelten also eine Ellipse zu Luward des Feindes ab (I e).Vaudreuilwählte diese Entfernung, da er fürchtete, daß auf einer näheren die Takelagen seiner Schiffe zu sehr durch das Feuer der Karronaden leiden würden, mit denen die englischen Schiffe ausgerüstet waren. (Vgl. Kapitel II, Seite21ff.)

see captionErste Schlacht bei Dominica 9. April 1782.

Erste Schlacht bei Dominica 9. April 1782.

Während dieses Gefechtes hatte sichRodneymit etwa 8 Schiffen der englischen Mitte unter sorgfältiger Benutzung der schwachen Windstöße näher an Land herangearbeitet, die dort frischere Brise abgefangen und steuerte dann gegen 10½ Uhr nach Norden (Plan II a); der Rest seiner Flotte lag immer noch nahezu fest (II b). AlsVaudreuildies sah, brach er das Gefecht ab und segelte nach Süden, damit Rodney sich nicht zwischen ihn undde Grasseschieben könne. Um 11½ Uhr aber griff erHoodaufs neue und in gleicher Weise an, da auch die französische Mitte und Nachhut den Kampf aufnahmen. Diese eröffneten nämlich jetzt das Feuer aufRodney, aber auf so weite Entfernung, daß die Engländer es nur schwach erwiderten (II c). Als dannde Grasseum 1¼ Uhr nachm. auch die englische Nachhut herankommen sah, ließ er das Gefecht überall abbrechen und begann mit der ganzen Flotte in den Kanal aufzukreuzen; ein Schiff wurde wegenBeschädigungen in der Takelage nach Basseterre gesandt, um die Bewegungen der Flotte nicht zu behindern. AuchRodneysammelte seine Schiffe und drehte für die Nacht zum Ausbessern bei. Er bildete aber zu diesem Zwecke seine Formation in „Kehrt“, so daß die Vorhut zur Nachhut wurde, denn nur die Vorhutschiffe hatten gelitten, zwei von ihnen sogar beträchtlich, sie blieben aber trotzdem bei der Flotte.

Kritik der Schlacht vom 9. April.Wieder muß man fragen: warum hatde Grassenicht die Gelegenheit benutzt, einen Teil der englischen Flotte zu vernichten?Vaudreuilstand anfangs mit 15 Schiffen gegen 8, und auch später war das Verhältnis ähnlich. Warum griff er nicht von hinten auf beiden Seiten an, der Wind war ihm günstig undHoodhatte keine Aussicht auf baldige Unterstützung. Im zweiten Teile des Kampfes standen gar insgesamt 33 Franzosen gegen höchstens 20 Engländer, denn 16 englische Schiffe — die ganze Nachhut und 4 der Mitte — vermochten nicht, einzugreifen. Wären Hoods Schiffe vernichtet worden, so warRodneylahmgelegt, undde Grassekonnte seine Aufgabe durchführen.

Die Franzosen verloren am 12. April nur 5 Schiffe und doch war die Schlacht für sie eine entscheidende Niederlage. Zu erklären ist dies nur dadurch, daß der französische Admiral es für seine wichtigste Aufgabe hielt, die Flotte unversehrt zu erhalten. Der Angriff auf den gefährdeten Teil des Feindes sollte dann wohl nur diese Schiffe in ihrer Bewegungsfähigkeit so weit schädigen, daß sie an der Verfolgung nicht teilnehmen konnten oder sie doch aufhielten. Es ist nirgend zu ersehen, obVaudreuilnach eigener Überlegung oder auf Anordnung den Kampf so vorsichtig geführt hat. Das erste ist möglich, wenn er die fast allgemeine französische Auffassung teilte, doch das zweite ist wohl wahrscheinlicher. Wenn er aber wußte, daßde Grassenicht entscheidend schlagen, sondern sogar sich der Verfolgung entziehen wollte, war sein Bestreben richtig, außerhalb der Wirkung der Karronaden zu bleiben.

Die zweite Schlacht bei Dominica(häufigLes Saintesgenannt[169])am 12. April 1782. Dreimal hatte das Glückde Grassezu einem großen Erfolge vergeblich die Hand geboten — am 29. April 1781 stand er bei Martinique mit 24 Schiffen gegen 18, im Januar 1782 bei St. Christopher mit 30 gegen 22 und am 9. April mit 33 gegen 20 —, jetzt aber verließ es ihn.Rodneysetzte am 10. die Verfolgung beharrlich fort, auf günstige Zwischenfälle hoffend, und diese traten ein. Am 10. April morgens konnten die Engländer die französische Flotte noch von Deck aus sehen, bei Tagesanbruch am 11. nur noch von den Toppen der Masten;de Grasseschien sich wirklich seinem Verfolger zu entziehen.

Wenn in diesem Falle die französische Flotte der englischen an Schnelligkeit überlegen war und nicht durch ungekupferte Schiffe aufgehalten wurde, so liegt dies[364]daran, daß sie gerade beim Aufkreuzen, zumal gegen flauen Wind, die größere Segelfähigkeit zu entfalten vermochte, die sie infolge besserer Bauart ihrer Schiffe besaß.

Aber es kam anders. In der Nacht vom 10. auf 11. stießen zwei Schiffe zusammen, „Jason“ und „Zélée“; so daß das erste nach Guadeloupe geschickt werden mußte. Im Laufe des 11. sah sich dannde Grassegezwungen, einen Teil seines Vorsprunges aufzugeben, um zwei Schiffe, „Magnanime“ und „Zélée“, wieder an sich zu ziehen, die zu weit nach Lee geraten waren. „Zélée“ schien ein Unglücksschiff zu sein. Es war schon unter Dominica am 9. April von der Flotte abgekommen, in der Nacht vom 11./12. stieß es wiederum zusammen und dieses Mal sogar mit dem Flaggschiff „Ville de Paris“; die Wache hatte ein junger Unterleutnant gehabt — ein die Verhältnisse in der französischen Marine kennzeichnender Umstand. Die Takelage des Flaggschiffes ward etwas beschädigt, „Zélée“ aber verlor Bugspriet und Fockmast, so daß eine Fregatte sie nach Guadeloupe schleppen mußte. Der französischen Flotte fehlten nun außer den beiden 50-Kanonenschiffen, die den Konvoi begleiteten, bereits 3 Linienschiffe. Der Zusammenstoß hatte außerdem die Flotte in Unordnung gebracht und aufgehalten.

Am nächsten Tage kam es durch die Wiederherstellung der Ordnung sowie Manöver zur Deckung der „Zélée“, deren Verbindung mit dem Schlepper fast bis Tagesanbruch gedauert hatte, zum Zusammenstoß mit dem Verfolger. Er wurde die größte rangierte Schlacht des Krieges, ja des Jahrhunderts bis zu dieser Zeit. Sie wurde am gleichen Tage geschlagen wie die heißeste dieses Krieges in Ostindien; die Sonne hatte sich noch nicht über den erschöpften Geschwadern der AdmiraleSuffrenundHughesbei Providien, an der Küste Ceylons südlich von Trincomali, gesenkt, als ihre ersten Strahlen die Flotten bei Les Saintes beschienen. (Der Zeitunterschied zwischen den beiden Orten beträgt 9½ Stunden.)

Die Schlachtordnungen der Flotten.

Beide sind in „Kehrt“ angegeben, da die Flotten so ins Gefecht traten.

1)Flaggschiff des KontreadmiralsFrancis Samuel Drake.2)Flaggschiff des AdmiralsSir George Bridges Rodney.3)Flaggschiff des KontreadmiralsSir Samuel Hood.

1)Flaggschiff des KontreadmiralsFrancis Samuel Drake.

1)Flaggschiff des KontreadmiralsFrancis Samuel Drake.

2)Flaggschiff des AdmiralsSir George Bridges Rodney.

2)Flaggschiff des AdmiralsSir George Bridges Rodney.

3)Flaggschiff des KontreadmiralsSir Samuel Hood.

3)Flaggschiff des KontreadmiralsSir Samuel Hood.

1)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Bougainville.2)Flaggschiff des Lieutenant-GénéralComte de Grasse.3)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Vaudreuil.decoHinter „Glorieux“ durchbrachRodneyund hinter „César“Hooddie französische Linie.

1)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Bougainville.

1)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Bougainville.

2)Flaggschiff des Lieutenant-GénéralComte de Grasse.

2)Flaggschiff des Lieutenant-GénéralComte de Grasse.

3)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Vaudreuil.

3)Flaggschiff des Chef d'EscadreDe Vaudreuil.

decoHinter „Glorieux“ durchbrachRodneyund hinter „César“Hooddie französische Linie.

decoHinter „Glorieux“ durchbrachRodneyund hinter „César“Hooddie französische Linie.

Am 12. April mit Tagesanbruch, gegen 5½ Uhr, steuerte die englische Flotte bei SO-Wind südlich; sie lag über Steuerbordbug mit „Kiellinie in Kehrt“, so daß also die eigentliche Vorhut (Geschwader Hood) zur Nachhut wurde. Man sah die französische Flotte in NO, gleichfalls über Steuerbordbug bei OSO-Wind, aber in einer breiten Masse liegend (Plan I a); sie war durch ungünstige Zufälle sehr auseinandergekommen. Ihre östlichsten Schiffe befanden sich 8–10 Seemeilen von den westlichsten entfernt; unter diesen befand sich das Flaggschiff „Ville de Paris“, das etwa 10 Seemeilen von Rodneys Flaggschiff stand. Noch westlicher sah man „Zélée“ im Schlepp der Fregatte (b).Rodneyließ sofort seine 4 letzten Schiffe auf diese abhalten (c), wohl um de Grasse zu ihrer Deckung nach Lee zu locken. Mit seiner Flotte wendete er, alle Schiffe zugleich, und bildete dann wieder die Kiellinie beim Winde über Backbordbug, also mit Kurs ONO (d). Sein Plan gelang.

De Grassegab gegen 6 Uhr Befehl, abzuhalten, Segel zu mehren und gleichzeitig die Schlachtlinie über Steuerbordbug „in Kehrt“ herzustellen (e). Gegen 7 Uhr riefRodneydie jagenden Schiffe zurück und ließ seine Linie auf eine Kabellänge Entfernung zwischen den Schiffen schließen. Gleichzeitig hattede Grasseerkannt, daß er die Luvstellung verlieren würde, wenn er wie bisher weiter raum steuerte; er ging wieder an den Wind, der um diese Zeit nach Ost drehte. So begann ein Rennen zwischen den beiden Flotten um die Luvstellung; die französische lag über Steuerbordbug etwa SSO (f), die englische über Backbordbug etwa NNO (f'′), aber die erste war noch nicht gut ausgerichtet, als der unvermeidliche Zusammenstoß erfolgte.

Rodney hatte auch während des Aufkreuzens an den letzten Tagen von Zeit zu Zeit nach Möglichkeit ausrichten lassen, jetzt wurde die Gefechtslinie bald in guter[366]Ordnung hergestellt.De Grassedagegen wurde es schwer, die Formation einzunehmen, da die Schiffe so weit verstreut waren; als der Zusammenstoß erfolgte, hatten noch nicht sämtliche Schiffe der Vorhut und Nachhut ihre Posten eingenommen (Plan II, V. und N.).Vaudreuil, der die Nachhut befehligte, also zuletzt ins Gefecht kam und alles gut übersehen konnte, schrieb später: „Wir bildeten unsere Linie unter Gewehrfeuer.“

see captionSchlacht bei Dominica 12. April 1782.

Schlacht bei Dominica 12. April 1782.

Aus Besorgnis um „Zélée“ hattede Grasseentgegen seiner sonstigen Vorsicht die Bewegungen hastig und unüberlegt ausgeführt. Es lag in seiner Hand, den Zusammenstoß zu verzögern, bis er besser geordnet war, wenn er länger unter kleinen Segeln blieb und nicht so weit abhielt. Dies soll nach Augenzeugen überhaupt nicht nötig gewesen sein; „Zélée“ lief im Schlepp 5–6 Knoten Fahrt, undRodneywürde sich gehütet haben, seine Schiffe länger hinter ihr herlaufen zu lassen, sobald die französische Flotte nur Anstalt zum Kampf machte. Ferner war es falsch, daß die Flotte über Steuerbordbug nach Süden ging, da man erfahrungsmäßig unter Dominica flaue umspringende Winde antraf, während in der Mitte des Kanals frischer Passat wehte. All diese Umstände sind dem Admiral später zum Vorwurf gemacht.

Die führenden französischen Schiffe erreichten und passierten zuerst den Punkt, in dem sich die schnell zusammenführenden Kurse der Flotten schnitten. Das englische Spitzenschiff „Marlborough“ traf auf das achte Schiff der feindlichen Linie „Scipion“, dessen Hintermann „Brave“ um 7¾ Uhrvormittags das Feuer eröffnete. Da ein Durchbrechen nicht beabsichtigt war, hielt „Marlborough“ auf Signal Rodneys ab und lief in Lee der feindlichen Linie entlang; ihm folgten die übrigen Schiffe im Kielwasser (Plan II). Die Schlacht wurde damit zu einem Passiergefecht, das gewöhnlich keine Entscheidung bringt, und dies entsprach auch wohl der Absicht des französischen Admirals. Da aber die Schiffe bei flauem Winde nur 3–4 Knoten liefen, wurde der Kampf heftiger als sonst bei dieser Gefechtsart[171], ferner gabde Grasseseiner Spitze Befehl, bis SSW abzuhalten und brachte so seine bisher ganz unbeschäftigte Vorhut ins Gefecht. Er wurde sich aber doch jetzt bewußt, daß dieser Kurs die Flotte in die Region des flauen, umspringenden Windes führen und ihr voraussichtlich die Luvstellung kosten würde; diese war jedoch unbedingt nötig, wenn er sich ohne entscheidende Schlacht der Verfolgung entziehen wollte.De Grassegab deshalb um 8½ Uhr Befehl, gleichzeitig zu halsen, und bald darauf, als dies nicht ausgeführt wurde, im Kontremarsch zu halsen, jedoch auch dieses Kommando wurde nicht befolgt.

Ein gleichzeitiges Halsen hätte die französischen Schiffe in eine geradezu verhängnisvolle Lage gebracht; da die Flotten so nahe beieinander lagen, würden sie bei dem flauen Winde alle zugleich lange Zeit einem vernichtenden Enfilierfeuer von hinten ausgesetzt gewesen sein. Der Kommandant des Schlußschiffes „Pluton“, Kapitän d'Albert de Rions, der das Manöver hätte beginnen müssen, sah das Signal, hielt es aber aus genanntem Grunde für einen Irrtum und befolgte es nicht; auch sein GeschwaderchefVaudreuil, der nun auf Ausführung hätte dringen müssen, sowie noch andere Kommandanten scheinen gleicher Ansicht gewesen zu sein. Das zweite Signal ward für einen Augenblick vom Spitzenschiff gesehen, das hier beginnen mußte, aber bald durch Pulverdampf verhüllt. Der Kommandant dieses Schiffes wollte die Verantwortung nicht übernehmen, da er seiner Sache nicht ganz sicher war; auch bei diesem Manöver wären die französischen Schiffe, eins nach dem anderen, dem Enfilierfeuer aus nächster Nähe ausgesetzt gewesen.

Einige Minuten nach 9 Uhr trat nun das Gefürchtete ein. Der Wind sprang plötzlich auf SSO und kam allen französischen Schiffen, die noch nicht abgehalten hatten, fast von vorn, so daß sie etwa SW steuern mußten, um volle Segel zu behalten. Sie lagen nun nicht mehr in Kiellinie, sondern mit dem Bug auf die feindliche Linie zu (Plan III), während den Engländern frei stand, ihren Kurs beizubehalten oder anzuluven; auch ging die Fühlung zwischen den französischen Schiffen verloren und es entstanden Lücken.Rodneywar um diese Zeit querab vom vierten Schiff hinter de Grasse, und hier war eine besonders große Lücke, da das fünfte Schiff hinter dem französischen Flaggschiffe, „Diadème“, alle Segel back bekommen hatte. In diesen Zwischenraum, also hinter „Glorieux“, brach Rodney mit dem „Formidable“ ein, gefolgt von den nächsten fünf Schiffen, und kurze Zeit darauf drang das letzte Schiff der englischen Mitte, „Bedford“, hinter dem „César“ durch eine Lücke, hinter ihm die ganze Nachhut unterHood.Der Vordermann Rodneys, der „Duke“, ging nach dem Beispiel seines Admirals hinter dem „Réfléchi“ durch.Rodneyhatte beim Durchbruch das Signal „Schlachtlinie“ niedergeholt.

Die französischen Schiffe an den Durchbruchsstellen litten natürlich sehr. Infolge von Rodneys Manöver stauten sich die vier Schiffe „Diadème“, „Destin“, „Magnanime“, „Réfléchi“ zu einem Haufen, in den die durchbrechende Kolonne das Feuer ihrer Backbordbatterien und „Duke“ das seiner Steuerbordbatterie schmetterten; also 7 Schiffe, worunter 3 Dreidecker. Die Steuerbordbatterien der Kolonne entluden sich auf „Glorieux“, der alle Masten verlor. Unter dem Feuer der Kolonne Hoods hatten besonders „César“ sowie dessen Vordermann „Hector“ zu leiden.[172]


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