Die Garnison zog mit vollen militärischen Ehren ab; Schonung der Stadt und des Privateigentums wurde zugesichert. Im Hafen lagen nur einige kleine Fahrzeuge, aber die Engländer erbeuteten etwa 10000 Dollar Staatsgelder, die Vernon sofort an seine Leute verteilte; die Befestigungen wurden geschleift. Im Dezember ging das Geschwader nach Jamaika zurück. Der Erfolg erregte großen Jubel in England, und die Regierung beschloß, möglichst bald noch einige Schiffe, zwei Regimenter Infanterie, sechs neuaufgestellte Regimenter Seesoldaten nach Westindien zu senden, sowie auch 3000 Mann von den nordamerikanischen Kolonien dorthin zu ziehen, um Vernon weitere und größere Unternehmungen zu ermöglichen. Es verging jedoch das ganze Jahr 1740, bis diese Verstärkung eintraf.Vernonblieb auf die schwachen Kräfte angewiesen, die genau seiner Forderung im Parlament entsprachen; er kam dadurch fast in eine üble Lage.
Im Sommer 1740 versuchte eine Abteilung von wenigen Soldaten, unterstützt durch kleinere Schiffe der nordamerikanischen Station, von Südcarolina aus die spanische StadtSt. Augustine in Florida zu nehmen. Es wurden zwar zwei kleine Befestigungen am St. Johnsflusse besetzt und vor der genannten Stadt auf einer Insel Fuß gefaßt, aber das Unternehmen mußte doch aus Mangel an Streitkräften aufgegeben werden.
Spanienscheint 1739 keine Seestreitkräfte von Bedeutung in Westindien gehabt zu haben; was dort war, geleitete unter AdmiralPizarrodie Silberflotte dieses Jahres wohlbehalten heim. 1740 aber traf man Vorbereitungen, die Kolonien zu schützen, und rief Frankreich, gemäß dem bestehenden Vertrage, um Unterstützung an; der KardinalFleurysah sich trotz seiner Friedensliebe durch die öffentliche Meinung gezwungen, diesem Anspruch zu willfahren. Im Juli 1740 verließ ein starkes spanisches Geschwader (wahrscheinlich 12 Linienschiffe) mit den Galeonen, die jährlich nach Amerika zum Abholen der Silberschätze segelten, unter Admiralde TorresCadiz; es lief zunächst Ferrol an, traf im September in Portoriko ein, besserte dort längere Zeit seine durch Sturm beschädigten Schiffe aus, landete dann Truppen in Cartagena, ließ hier sechs Schiffe unterDon Blas de Lesound ging endlich nach Havanna.
Frankreichsandte am 25. August von Toulon den Chef d'Escadrede la Rochalartmit 12 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Westindien ab (im Oktober in Martinique); ihm folgte am 1. September von Brest der Vizeadmiral des Atlantikd'Antinmit 14 Linienschiffen und 5 Fregatten. Von dem ersten Geschwader wurden in Gibraltar 4 Schiffe zurückgerufen, auch das zweite zweigte einige Schiffe zum Kreuzen an der spanischen Küste ab, von denen jedoch ein Teil bald wieder nachkam; die Vereinigung beider Geschwader fand im Dezember in St. Domingo statt, wo nun im Januar 1741d'Antinüber etwa 22 Linienschiffe verfügte. Die französisch-spanischenStreitkräfte in den westindischen Gewässern waren mithin außerordentlich stark, gegen 40 Linienschiffe.
Die Berichte über die Stärke und Bewegungen der französischen und spanischen Geschwader lauten unbestimmt. Einige führen ausdrücklich an, daßd'Antindie Spanier von Ferrol aus begleitet habe; dies stimmt aber nicht mit den Ankunftszeiten in Westindien, doch könnten sie durch einen Sturm, den auch die Franzosen erwähnen, getrennt sein. — Aus anderen Angaben muß man ferner schließen, daß außerde Torresnoch ein spanisches Geschwader von Cadiz direkt nach Cartagena gegangen ist (5–6 Linienschiffe), und wir finden auch später sechs Linienschiffe in diesem Hafen und 12 in Havanna.
Vernonnahm nach Instandsetzung der Schiffe in Jamaika seine Tätigkeit wieder auf. Erbeschoßim März 1740 aus MörserbootenCartagena, allerdings mit nur wenig Erfolg, aber dann auchChagres(Landenge von Panama) und diese Stadt ergab sich; eine Beute von über 70000 Pfund Sterling fiel den Engländern in die Hände, die Befestigungen wurden geschleift. Im Juni machte er von Jamaika aus vergeblich den Versuch, ein spanisches Geschwader von 5 Schiffen (das eben erwähnte zweite Geschwader von Cadiz?) abzufangen, wurde aber durch Mangel an Vorräten aller Art festgehalten. Diese trafen zwar, von 2 Linienschiffen begleitet, im September ein, zugleich mit Truppen aus Nordamerika, aber der Admiral fühlte sich jetzt zu schwach, ohne die zugesagte große Verstärkung etwas zu unternehmen, nachdem er die Ankunft des spanischen Geschwaders (de Torres) in Cartagena und die des französischen (Rochalart) in Martinique erfahren hatte.
Die große Verstärkung hatte England im August verlassen, wurde aber durch Sturm zurückgetrieben und dann zurückgehalten, weil sie den nach Westindien entsandten französischen und spanischen Geschwadern gegenüber zu schwach an Linienschiffen erschien. Erst Anfang Oktober lief sie unter KontreadmiralSir Chaloner Ogleaus. Sie bestand aus 1 Schiff zu 80 Kanonen, 20 Linienschiffen der dritten Klasse, 4 der vierten Klasse, einigen Fregatten, Brandern und Mörserbooten; auf Transportern waren 9000 Soldaten (die erwähnten 8 Regimenter Infanterie und Seesoldaten, sowie technische Truppen) eingeschifft. Der Chef der Truppen, GeneralLord Cathart, ein sehr tüchtiger Offizier, starb leider auf der Ausreise zu Dominica, im Dezember; sein Nachfolger GeneralThomas Wentworthkonnte ihn nicht ersetzen. Am 20. Januar 1741 traf die Flotte in Jamaika ein; eine derartig starke englische Macht war noch nie in Westindien aufgetreten, sie hätte sehr viel ausrichten können. Laird Clowes führt den Ausspruch eines älteren englischen Schriftstellers an: „Vernons Hände waren nicht gebunden, wie die der Admirale in den europäischen Gewässern. Wäre er sofort gegen Havanna vorgegangen, so würde er die Stadt vor der Orkanzeit genommen haben. Seine Instruktionen wiesen stark darauf hin, und seine Freunde in England rieten sehr dazu. Es wäre besser gewesen, wenn er strikte Befehle in dieser Hinsicht gehabt hätte.“ Von den Franzosen drohte ihm in der Tat keine Gefahr mehr. Der Verlust Havannas wäre ein großer Schlag für Spanien gewesen, aber die englischen Führer wählten einen anderen Platz zum Angriff.
Auf der FahrtOglesvon Dominica nach Jamaika ereignete sich einZusammenstoß zwischen Engländern und Franzosen. Auf der Höhe von Kap Tiburon (Westende von Haiti) sichtete die englische Flotte am 18. Januar 1741 vier große Schiffe;Oglesandte sechs Linienschiffe zur Erkundung ab. Die Fremden heißten ihre Flagge, aber die Engländer argwöhnten, es seien Spanier, und gingen näher heran. Auf Anruf (um zehn Uhr abends) in englischer, dann in französischer Sprache erfolgte keine Antwort; nun griffen die sechs Engländer, weit schwerere Schiffe, die vier Franzosen an und es wurde mehrere Stunden scharf gefochten. Am andern Morgen entschuldigten die Engländer das Vorgehen mit dem Ausbleiben der Antwort auf ihren Anruf; die Franzosen behaupteten aber, Auskunft erteilt zu haben. —Ein ganz ähnlicher Falltrug sich in demselben Jahre in der Straße von Gibraltar zu. Vier Engländer stießen auf drei Schiffe, die auf Anruf antworteten, sie seien Franzosen, die aus Westindien zurückkämen. Als die Engländer ein Boot absandten, um sich davon zu überzeugen, wurde das Anbordkommen nicht erlaubt; auch hier folgte ein scharfes Gefecht von einigen Stunden[44].
Man kann über derartige Fälle kaum erstaunt sein. Bei der Haltung Frankreichs im allgemeinen waren die englischen Offiziere gewiß nicht geneigt, große Rücksicht auf die französischen Schiffe zu nehmen; die Franzosen ihrerseits waren sicherlich berechtigt, barsche Anforderungen zurückzuweisen.
Die Anwesenheit der großen französischen Flotte in Westindien hatte für Spanien nur den Nutzen, daß Vernon weder gegen die spanischen Kolonien noch gegende Torresetwas unternahm, bis die große Unterstützung eintraf. Die französischen Quellen behaupten, daßd'Antinzwar den Befehl gehabt habe, die nach Westindien segelnden Schiffe und die Besitzungen der Spanier zu decken, aber nur zu fechten, wenn er selber angegriffen würde.
Englische Schriftsteller behaupten, der französische Admiral habe sich allein durch den Zustand seiner Schiffe zur Untätigkeit gezwungen gesehen; diese seien schlecht ausgerüstet und durch stürmisches Wetter auf der Fahrt von Europa sowie später von Martinique nach Haiti sehr beschädigt gewesen. d'Antin habe außerdem Rückberufungsbefehl erhalten, als der Österreichische Erbfolgekrieg drohte;Fleuryhätte den Bruch mit England vermeiden wollen, das ja noch zwischen den Parteien schwankte. Diese Auffassung scheint richtig zu sein; auch die französischen Quellen heben den schlechten Zustand der Schiffe hervor, auf denen außerdem das gelbe Fieber herrschte, und sprechen mit Bedauern aus, Fleury habe bald nur noch dem bevorstehenden Landkriege Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich hätte ja auch der französische Admiral triftigen Grund gehabt, angriffsweise vorzugehen; hatten doch die Engländer am Kap Tiburon die Feindseligkeiten eröffnet und auch sonst französische Schiffe aufgebracht. Tatsächlich segelted'Antinam 7. Februar 1741 von Haiti nach Frankreich ab und ließ nur 6 Linienschiffe unterComte de Roquefeuilin Westindien zurück; er sah seine Aufgabe als gelöst an und war auch wohl von der bevorstehenden Ankunft der großen englischen Flotte unterrichtet.
Admiral Vernonscheint noch keine bestimmten Pläne gehabt zu haben, als Ogle zu ihm stieß; er hat wahrscheinlich solche mit demLord Cathart[beraten wollen. GegenWentworthfaßte er von vornherein ein ungerechtes Vorurteil, denn dieser war zwar nicht so fähig wie Cathart, aber doch von bestem Willen beseelt. In einem Kriegsrate wurde beschlossen, zunächst nach Haiti aufzukreuzen, um die Franzosen zu beobachten. Viele englische Kritiker sehen hierin einen großen Fehler: „In drei Tagen hätte man von Jamaika das unter dem Winde liegende Havanna erreichen können!“ Hiergegen erhebt Colomb mit Recht Einwendungen. In Cartagena befanden sich 6, in Havanna 12 spanische Linienschiffe, bei Haiti 22 französische. Vernon verfügte über 29 Linienschiffe, war also nicht imstande, die feindlichen Seestreitkräfte zu beobachten oder gar in Schach zu halten und gleichzeitig Havanna anzugreifen; von dem schlechten Zustande der französischen Schiffe sowie von der Absicht d'Antins, abzusegeln, wußte er nichts. So ging denn die englische Expedition Ende Januar von Jamaika in See. Am 8. Februar wurde dem Admiral beim Kap Tiburon durch einen Kreuzer gemeldet, die französische Flotte läge noch bei Aux Cayes — dies war ein infolge Nebels entstandener Irrtum —, aber am 12. überzeugte man sich von der Abfahrt d'Antins.
Nun ward auf Vernons Vorschlag im Kriegsrat einAngriff auf Cartagenabeschlossen. (Warum jetzt nicht auf Havanna? Sämtliche englische Quellen schweigen hierüber, obgleich sie sich bis dahin mit diesem Plane beschäftigen.) Mit Erlaubnis der französischen Behörden wurde auf Haiti Wasser und Brennholz genommen und ein Linienschiff nebst kleineren Fahrzeugen nach Cartagena gesandt, um einen Ankerplatz für die Flotte zu suchen; diese folgte am 25. Februar, ankerte am 4. März in einer Bucht westlich von der bedrohten Stadt und begann am 9. die Berennung. Das Schicksal Cartagenas mußte nach den Erfolgen gegen Puerto Belo im Vorjahre bei der großen Macht, die jetzt zur Verfügung stand, von vornherein als besiegelt angesehen werden, aber trotz eines anfänglich guten Verlaufes wurde das Unternehmen durch Mißhelligkeiten zwischen den Führern der Land- und Seestreitkräfte, sowie auch infolge von Mißgriffen beider zu einem verlustreichen Fehlschlag.
Der Angriff auf Cartagena, März–April 1741[45].Die Stadt war stark befestigtund nur zu nehmen, ja nur wirksam zu beschießen, wenn die Befestigungen niedergekämpft waren (siehe Plan). Flaches Wasser bis auf etwa drei Seemeilen, sowie der Mangel an jeglichem Schutz gegen nördliche und westliche Winde hinderten eine genügende Annäherung unmittelbar von See aus; da die Boca grande für größere Schiffe zu flach ist, mußte man durch die Boca chica einlaufen, die aber nur je einem Schiffe den Durchgang gestattete. Diese Einfahrt wurde beherrscht durch das Fort Luis (82 Kanonen und drei Mörser) nebst den Außenwerken Felipe (acht Kanonen), Jago (15 Kanonen) und de Chamba (vier Kanonen), ferner durch die Faschinenbatterie La Baradera (15 Kanonen) mit einer kleineren (4 Kanonen) und durch das Fort José (21 Kanonen) auf einer kleinen Insel. Von Luis nach José war eine Balkensperre gelegt und hinter dieser vier Linienschiffe (Geschwader Don Blas de Leso) mit den[65]Breitseiten nach See zu verankert. — Bei dem Eingang in den inneren Hafen lagen die starke Befestigung Castillo Grande (vier Bastionen mit 59 Kanonen) und die Batterie Mancinilla (12 Kanonen); in dieser Einfahrt befindet sich eine flache Stelle, an deren beiden Seiten große Schiffe versenkt waren. — Die Stadt selber, auf zwei Inseln gelegen und mit Wällen (300 Kanonen) umgeben, wurde gedeckt durch das etwa 20 m hoch gelegene Fort Lazare, das allerdings von einem unbefestigten Hügel eingesehen werden konnte. — Die Garnison zählte 4000 spanische Soldaten nebst einer größeren Zahl von Negern und Indianern.
see captionA. Fort Luis nebst Aussenforts. B. Baradera.C. José. D. Castillo Grande. E. Mancinilla.F. Lazare.Cartagena.
A. Fort Luis nebst Aussenforts. B. Baradera.C. José. D. Castillo Grande. E. Mancinilla.F. Lazare.Cartagena.
Die englische Streitmachtbestand aus 29 Linienschiffen — 8 zu 80, 5 zu 70, 14 zu 60, 2 zu 50 Kanonen —, 11 Schiffen zu 20 Kanonen und kleineren Fahrzeugen, 9 Brandern und Mörserbooten sowie vielen Transportern; insgesamt 124 Segel mit einer Besatzung von 15000 Mann und 12000 Soldaten. Auf dem Ankerplatz in der benachbarten Bucht angelangt, ordneteVernonfür die leichteren Fahrzeuge Bewegungen an, die auf eine Landung schließen ließen, so daß die Spanier Truppen aus der Stadt dorthin zogen und Schanzen aufwarfen. Bis zum 9. März unternahmen die Engländer nichts; die Gegner konnten ungestört ihre Verteidigungsmaßregeln ausführen: die Sperre ziehen, die Linienschiffe postieren, Schiffe versenken, die Batterien fertig armieren u. dgl. Frühmorgens am genannten Tage setzte sich die englische Flotte in Bewegung. Eine Division — zehn Linienschiffe und sechs kleinere Fahrzeuge unterSir Chaloner Ogle— war für den Angriff auf die Außenforts von Luis bestimmt; durch Erkundungen war festgestellt, daß man vor diesen auf Pistolenschußweite ankern konnte, ohne dem Feuer des Hauptforts und der Befestigungen der Boca chica ausgesetzt zu sein. Dieser Division folgte die zweite —Vernonmit zehn Linienschiffen, zehn kleineren Fahrzeugen und den Transportern voll Soldaten. Der Rest der Flotte blieb unter KommodoreLestockvorläufig vor Anker, um den Anschein einer beabsichtigten Landung hier aufrecht zu erhalten.
Vier der schwersten Schiffe Ogles ankerten vor den Werken und brachten diese bald zum Schweigen; Landungsabteilungen besetzten sie. Der Verlust der Engländer war sehr gering; nur ein Schiff, dem das Ankertau durchschossen war und das nicht schnell genug einen zweiten Anker fallen ließ, trieb vor die Einfahrt und litt beträchtlich durch das Feuer der dortigen Befestigungen. Im Laufe des 9. und 10. März landete GeneralWentworthmit dem größten Teil der Soldaten, Geschützen und Belagerungsmaterial auf der Insel Tierra Bomba, dann wurde ein Lager aufgeschlagen und zwei Batterien — eine Mörser- und eine Batterie 24-Pfünder Schiffsgeschütze — gegen Luis gebaut. Schon am 9. abends begannen die Mörserboote das Fort zu beschießen, am 13. griff auch die Mörserbatterie ein. Jetzt aber traten die ersten Mißhelligkeiten zwischen den beiden Führern auf; Vernon beklagte sich über zu langsames Fortschreiten der Unternehmung am Lande, der General über mangelhafte Unterstützung durch die Flotte. Am Lande brachen bald nach der Ausschiffung infolge ungünstiger Bodenverhältnisse und schlechter Verpflegung Krankheiten aus, wodurch die Tätigkeit der Gelandeten gelähmt wurde. Die Flotte war reichlich mit Wasser und frischem Fleisch versehen, auch versorgte sie sich mit Schildkröten, vernachlässigte aber die Truppen.Vernonließ am 19. durch eine Landungsabteilung die Batterie Baradera im Rücken angreifen und erstürmen, weil sie das Lager unter Feuer nehmen konnte, die Kanonenbatterie gegen Luis wurde aber trotzdem und obgleich der Admiral 500 Seeleute zur Mitarbeit stellte, erst am 21. fertig. Vernons Ungeduld war[66]berechtigt, denn die stürmische Jahreszeit rückte heran, der Ankerplatz war völlig ungeschützt, der Grund felsig, so daß die Ankertaue häufig durchgescheuert wurden; auch war die Nachricht eingelaufen,de Torresbeabsichtige mit dem Havannageschwader, verstärkt durch das französische (Comte de Roquefeuil), zum Entsatz heranzukommen. Er ließ daher, nachdem die Landbatterien am 21. und 22. einen heftigen Kampf mit Luis geführt hatten, am 23. sechs Linienschiffe — mehr konnten nicht zur Verwendung kommen — das Feuer gegen Luis, José und gegen die Schiffe hinter der Sperre aufnehmen. Drei von diesen litten schwer und auch die übrigen wurden am 24. zurückgezogen.
Aber am Lande war Bresche gelegt und Luis wurde am 25. leicht gestürmt. Vernon hatte zur Ablenkung des Feindes eine Abteilung bei Baradera landen lassen; als ihr Führer sah, daß die Spanier nach dem Fall des Forts den Eindruck von Ratlosigkeit machten und sich anschickten, die Schiffe hinter der Sperre zu versenken oder zu verbrennen, ging er auf eigene Faust mit den Booten weiter, stürmte ohne Schwierigkeit José, sprengte die Sperre und nahm eins der Schiffe; den Spaniern gelang es, die andern zu vernichten. Vom 26. bis 30. März lief dann die ganze englische Flotte in den sichern äußern Hafen ein. Der Feind versenkte seine beiden letzten Linienschiffe im Eingang zum inneren Hafen, sprengte Fort Mancinilla auf und räumte auch Castillo Grande, das am 31. von den Engländern besetzt wurde.
So lagen zwischen dem Angreifer und der Stadt nur noch die versenkten Schiffe und das Fort Lazare; völliger Erfolg schien gesichert, wenn man sofort kräftig weiter nachstieß. Aber es kam anders. Die gelandeten Truppen hatten durch Krankheit sehr gelitten; schon am 25. März zählte man 500 Tote und 1500 Kranke.Wentworthstand von jetzt an, gereizt durch die Vernachlässigung und durch das abstoßende und herrische Wesen Vernons, dem Admiral mürrisch und ablehnend gegenüber; dieser aber ließ im weiteren Verlauf der Unternehmung gleichfalls seinen bisherigen, oft wagehalsigen Schneid vermissen.
So mangelte überall die Tatkraft und die Zeit ging verloren. Am 1. und 2. April eröffneten zwar die Mörserboote vom inneren Hafen aus sowie die Geschütze des Castillo Grande das Feuer auf die Stadt, und am 3. gingen auch größere Schiffe durch die Enge, um eine Landung decken zu können, aber erst am 5. und 6. wurde diese durch 5000 Mann der von Tierra Bomba wieder eingeschifften Truppen ausgeführt, wahrscheinlich innerhalb des Forts Mancinilla. Die Gelandeten lagerten auf einer Ebene etwa eine Seemeile von Lazare entfernt. Die Landoffiziere hielten den Bau einer Batterie für notwendig, und der General bat, die Beschießung auch mit den Mörserbooten und einem Linienschiffe aufzunehmen. Der Admiral erklärte, bei der geringen Wassertiefe sei es nicht möglich, Schiffe nahe genug zur wirksamen Beschießung heranzubringen (was nach den jetzigen Karten nicht zutrifft), man könne das schwache Werk überhaupt mit Sturm nehmen.
Es scheint, als ob Vernon der Ansicht war, die Truppen müßten jetzt alles tun, während die Landoffiziere wohl mit Recht auf einen raschen Erfolg nur bei Unterstützung durch die Flotte rechneten. Man verlor drei Tage, in denen die Krankheiten unter den Soldaten, die ohne Zelte und Gepäck sowie wiederum auf ungesundem Boden und fast ohne Wasser lagerten, reißend zunahmen, während die Spanier Zeit gewannen, sich von ihrer Bestürzung zu erholen und ihre Verteidigungsmittel zu verstärken; an die Ausnutzung des Hügels, der das Fort überhöhte, scheint man englischerseits nicht gedacht zu haben. Gereizt durch höhnische Vorwürfe des Admirals, ließWentworthendlich, gegen die Ansicht der meisten seiner Offiziere, am 9. April vor Tagesanbruch stürmen. Der Angriff wurde trotz großer Tapferkeit mit einem Verluste von 179 Toten, 459 Verwundeten und 16 Gefangenen zurückgeschlagen; es war ein ungeeigneter Punkt zum Angriff gewählt, die Offiziere waren ungenügend instruiert, die Sturmleitern erwiesen sich als zu kurz.
Nach diesem Mißerfolg ging alle Tatkraft verloren. Erneuten Bitten der Landoffiziere um Unterstützung durch die Schiffe gegenüber verhielt sichVernontaub[67]und stumm. In einem stürmisch verlaufenden Kriegsrat beider Waffen am 14. April wurde dann die sofortige Einschiffung der Truppen beschlossen, von denen nur noch 3500 Mann dienstfähig waren; sie erfolgte am 15. und 16. Am 16. ließ Vernon noch durch das spanische Schiff, das in der Boca chica genommen und zu einer schwimmenden Batterie hergerichtet war, die Stadt beschießen; es wurde jedoch derartig beschädigt, daß es beim Zurückgehen sank. Vielleicht sah sich der Admiral hierzu veranlaßt, um dem General die Unmöglichkeit eines wirksamen Eingreifens mit den Schiffen zu beweisen. Nach der Desarmierung und Zerstörung der genommenen Werke wurden die Truppen eingeschifft und die Flotte segelte ab.
Nur sechs spanische Linienschiffe und einige Werke hatte man zerstört, während bei richtiger Verwendung der vereinten starken Streitkräfte Cartagena hätte genommen werden müssen — nach dem übereinstimmenden Urteil der besten englischen Quellen; diese heben ferner hervor, es sei nicht zu verstehen — und auch scheinbar jetzt nicht mehr aufzuklären —, weshalb man zunächst die Landung nur gegen einen Teil der Befestigung gerichtet habe und dann nach den Erfolgen nicht tatkräftiger vorgegangen sei, und weshalb die Flotte nicht größere Anstrengungen gemacht habe. Vielleicht ist Vernon durch die Anwesenheit des spanischen und französischen Geschwaders in Westindien bestimmt worden, seine Schiffe nicht zu sehr einzusetzen.
Am 19. Mai 1741 traf die Flotte wieder in Jamaika ein. Hier wurden 11 Linienschiffe, darunter 7 zu 80 Kanonen, mit einem großen Konvoi von Kauffahrern nach England zurückgesandt.Vernonbehielt mithin 18 Linienschiffe, undWentworthhatte an Truppen nur noch 3000 Mann nebst 1000 in Jamaika ausgehobenen Negern. Trotzdem wurde der Beschluß zu einemAngriff auf Santiago de Cubagefaßt. Der Gouverneur von Jamaika hatte eine Expedition über den Isthmus von Panama vorgeschlagen, die englische Regierung hätte den Angriff auf Havanna am liebsten gesehen, jedoch sowohl die Seeoffiziere wie auch Wentworth hielten Santiago für den geeignetsten Angriffspunkt, wohl weil dessen Landbefestigungen nur schwach waren.
Absicht der Regierung war es sicher, Kuba zu erobern und festzuhalten. Man hatte schon Kolonisten Nordamerikas zur Übersiedlung dorthin aufgefordert, und auch der Umstand spricht dafür, daß Vernon der Bucht, in der er landete, ihren alten Namen „Cumberland harbour“ wiedergab. Um so auffallender ist es, daß die Führer ihren Stoß nicht auf Havanna richteten; diese Stadt war damals noch mehr als jetzt das Herz der Insel, Santiagos kommerzielle und strategische Bedeutung dagegen noch gering. Bei dem nur verfügbaren schwachen Landungskorps scheint man Havanna, wo auch 12 spanische Schiffe lagen, für zu stark gehalten zu haben; man wollte wohl zunächst nur auf Kuba festen Fuß fassen und Truppenverstärkungen abwarten, deren Ankunft in Aussicht stand.
Admiral Vernonließ 6 Linienschiffe zum Schutz Jamaikas zurück; mit 11 sowie 12 kleineren Fahrzeugen und 40 Transportern, die 3400 Soldaten führten, segelte er am 30. Juni nach Kuba; 3 noch mit Ausbesserungen beschäftigte Linienschiffe sollten nachkommen. Am 13. Juli ankerte die Flotte in der geräumigen und sicheren Bucht von Guantanamo, etwa 40 Seemeilen östlich von Santiago; von hier aus sollte zu Lande gegen diese Stadt vorgegangen werden, da ein Angriff von See aussichtslos erschien.
Die Einfahrt von Santiago de Cubawar eng, befestigt und durch eine Floßsperre geschlossen. Vor allem aber traten an einzelnen Stellen häufig Wirbelwinde auf, so daß man wahrscheinlich genötigt gewesen wäre, ein Schiff nach dem andern unter dem Feuer der (allerdings nicht sehr starken) Befestigungen durch die Einfahrt hindurchzuwarpen.
Dann wurden 6 Linienschiffe in eine Verteidigungsstellung am Eingang der Bucht zum Schutz der Transporter gelegt, 5 abgezweigt, um Santiago zu blockieren, und einige kleine Fahrzeuge zur Beobachtung des spanischen Havanna-Geschwaders entsandt. Man hat diesen 12 spanischen Schiffen gegenüber das ganze Unternehmen, insbesondere die Teilung der englischen Streitkräfte, als gewagt bezeichnet, jedoch war die Gefahr, der sichVernonaussetzte, nicht bedeutend. Beabsichtigtede Torreswährend der Abwesenheit Vernons Jamaika anzugreifen, so konnte dieser leicht dorthin zurückkehren, weil Santiago über dem Winde von Jamaika liegt. Kam die spanische Flotte heran, um der Kubaexpedition entgegenzutreten, so waren bei gleicher numerischer Stärke die Engländer wohl sicher den Spaniern überlegen; überrascht konnten sie nicht werden, weil die Gegner gegen den Wind aufkreuzen mußten und die englischen Schiffe hier auch nicht, wie z. B. im Hafen vor Cartagena, unbedingt an die Belagerung gefesselt waren. Eine Vereinigung der Spanier mit den Franzosen von Haiti her konnte gleichfalls verhindert werden.
Der Angriff auf Santiago hatte aber noch weniger Erfolg als der auf Cartagena. Die Landung ging zwar ohne jede Störung vor sich, auch zeigten sich keine nennenswerten spanischen Truppen zwischen dem Landungsplatze und der Stadt, aber dennoch drang man kaum halbwegs bis zu dieser vor. Obgleich der Admiral Unterstützung durch die Flotte zusagte, erklärte es der General in Übereinstimmung mit seinen Offizieren für unmöglich, weiter vorzugehen: das Gelände sei zu dicht bewaldet; die Wege seien für den Transport der Geschütze zu schlecht; die Leute litten zu sehr unter Krankheiten.Vernonerkundete nochmals persönlich Santiago; er sah aber die Unmöglichkeit ein, allein von See her etwas zu erreichen, und fand auch keine geeignete Landungsstelle in der Nähe der Stadt. So mußte er auch seinerseits das Unternehmen aufgeben. Ende November wurden die Truppen wieder eingeschifft und die Flotte segelte nach Jamaika zurück; an Krankheiten hatte die Expedition mehr Leute verloren, als wahrscheinlich ein rasches, tatkräftiges und darum erfolgreiches Vorgehen gekostet haben würde.
Inwieweit bei diesem Mißerfolge das schlechte Verhältnis zwischen den beiden Führern von Einfluß gewesen ist, läßt sich nicht ersehen.Vernonhatte schon nach Cartagena um seine Ablösung gebeten und wiederholte die Bitte jetzt unter lebhafter BeschuldigungWentworths, der „wechselnder als der Mond sei“. Trotzdem ließ man beide im Kommando, tadelte sie nur in milder Weise und ermahnte sie zu besserem Einvernehmen.
Angriffe der Engländer 1742 und 1743.Auch in den beiden nächsten Jahren wurden noch einige ebenso erfolglose Angriffe auf Küstenstädte angesetzt; wir können uns darüber kurz fassen, weil sie kaum erwähnenswertsind[46]. Im Januar 1742 gebotWentworthdurch Nachschub aus England wieder über etwa 3000 Mann; man plante jetzt eine Landung beiPuerto Belo, um von dort nachPanamavorzudringen. Die Uneinigkeit zwischen dem General undVernonverzögerte die Ausführung, erst am 28. März traf die Expedition in Puerto Belo ein; die Stadt wurde zwar leicht besetzt, dann aber gab man das Unternehmen auf, weil die Landoffiziere es für unausführbar erklärten. Auch ein ehemaliger Filibustierführer, der als gut unterrichtet in den Verhältnissen mitgenommen war und der einige Hundert Mosquito-Indianer (vom jetzigen Britisch-Honduras, den Engländern wohlgesinnt) anwerben sollte, riet nach näherer Erkundung ab.
Nach diesem Fehlschlage wurden endlichVernonundWentworth abberufen, Vernon mit einem Teil der Truppen. Den Befehl auf der Station übernahmAdmiral Ogle, dem auch die zurückgebliebenen Soldaten unterstellt wurden. Die einzigen Erfolge dieses Jahres waren die Inbesitznahme und Besiedlung der InselRoatanin der Honduras-Bucht und die Abwehr eines Landungsversuchs der Spanier von Florida aus inGeorgia. Im Februar 1743 sandte Ogle den KapitänKnowles, der sich unter Vernon ausgezeichnet hatte und von diesem öfters mit wichtigen Aufträgen betraut war, mit 5 größeren Schiffen (50–70 Kanonen) und 5 kleineren gegenLa Guayra. Die Vorbereitungen hatten jedoch lange gedauert, so daß die Spanier Zeit gewannen, ihre vernachlässigten Befestigungen zu verstärken. Der hohe Seegang unter der Küste hinderte sowohl ein nahes Herangehen der Schiffe wie auch eine Landung. Eine Beschießung am 18. Februar mußte abgebrochen werden; die Stadt und ihre Verteidiger hatten zwar sehr gelitten, aber auch die angreifenden Schiffe waren schwer beschädigt und büßten gegen 400 Tote und Verwundete ein.
NachdemKnowlesseine Schiffe in Curaçao ausgebessert hatte, wandte er sich gegenPuerto Cabello, das jedoch noch besser auf seinen Empfang vorbereitet war. Die Hafeneinfahrt war gesperrt und wurde durch ein starkes Fort beherrscht, zu dessen Unterstützung man noch zwei Behelfsbatterien erbaut hatte. Die Besatzung zählte 300 Soldaten, 1200 Seeleute von den im Hafen liegenden Schiffen sowie zahlreiche Neger und Indianer, insgesamt gegen 5500 Mann. Knowles erachtete die Behelfsbatterien für ungünstig angelegt und leicht zu nehmen, aber für geeignet zur Verwendung gegen das Fort; er beschloß, sie zunächst zu erobern. Sie wurden am 16. April beschossen, nachts landeten dann 400 Matrosen, 400 Seesoldaten und 400 Landsoldaten. Die eine Batterie wurde leicht gestürmt, als sie aber von den anderen Befestigungen Feuer erhielten, trat Verwirrung unter den Gelandeten ein. Die Abteilungen beschossen sich gegenseitig und gingen dann in wilder Flucht zu ihren Booten zurück. Bei einer Beschießung am 24. verbrauchte man fast die gesamte Munition, ohne die Befestigungen niederzukämpfen.Ende des Monats segelte die Expedition nach Jamaika zurück. — Dies war das letzte derartige Unternehmen.
Von 1744 an, als Frankreich offen in den Krieg eintrat, verlor Westindien seine Bedeutung als größerer Kriegsschauplatz. Die Seestreitkräfte der Gegner hielten sich hier bis 1747 ungefähr die Wage und erst 1748 gewannen die Engländer das Übergewicht. (Vgl. „Der Krieg in den Kolonien. Westindien“.)
see captionGeorge Lord Anson.
George Lord Anson.
Der Kleine Krieg in Westindien.Infolge des Zusammenhaltens der englischen Seestreitkräfte zu den fruchtlosen Angriffen auf spanische Städte litt der englische Handel in den westindischen Gewässern sehr. Zwar brachten auch englische Kreuzer und Kaper manche spanischen Kauffahrer auf, aber bei dem umfangreicheren englischen Handel und der weit größeren Zahl der spanischen Freibeuter fiel die Bilanz im Kleinen Kriege doch zum Nachteil Englands aus.
Ansons[47]Zug 1740–1743, berühmt wegen der Ausdauer seines Führers unter den schwierigsten Verhältnissen. 1739 wurde beschlossen, die spanischen Kolonien auch vom Stillen Ozean her anzugreifen.Kapitän Ansonsollte diese Expedition führen, doch lief sie, wohl infolge der rückständigen Verwaltung der Marine, erst am 18. September 1740 aus. Sie bestand aus dem Flaggschiff zu 60 („Centurion“), 2 Schiffen zu 50, 1 zu 40, 1 zu 28 Kanonen und einer Sloop; die Schiffe zu bemannen war so schwierig gewesen, daß auf 500 ältere Halbinvaliden zurückgegriffen werden mußte, die aber sämtlich auf der Reise starben. Das Geschwader hatte eine Reihe der schwersten Stürme abzuwettern, als es Kap Hoorn in der schlechtesten Jahreszeit umsegelte; es wurde zerstreut, das eine 50-Kanonenschiff und das 40-Kanonenschiff gingen nach[71]England zurück. Das Flaggschiff erreichte am 11. Juni 1741 die Insel Fernandez (Küste von Chile); es hatte 130 Kranke an Bord und schon 200 Mann begraben. Hier stieß der Rest der Schiffe in ähnlichem Zustande zu ihm, das 28-Kanonenschiff war jedoch an der chilenischen Küste gestrandet. Nachdem die Besatzungen sich erholt hatten, begann Anson vor den spanischen Kolonien zu kreuzen. Er machte verschiedene wertvolle Prisen und plünderte die Stadt Payta. Im Dezember erreichte er die Insel Coiba vor dem Golf von Panama. Seine Absicht war, den von Westindien ausgehenden Unternehmungen die Hand zu reichen, als er aber von deren Fehlschlagen die Nachricht erhielt, beschloß er, durch den Stillen Ozean zu segeln, um der Galeone, die jährlich zwischen Manila und Acapulco in Mexiko fuhr (daher oft „Acapulcoschiffe“ genannt), den Weg zu verlegen. Zunächst kreuzte er zu diesem Zwecke mit seinen zwei Kriegsschiffen — die Sloop war als seeuntüchtig aufgegeben — und drei seiner Prisen, die armiert worden waren, vor Acapulco.
Am 5. Mai 1742 setzte er den Kurs auf China, nachdem den Gefangenen die Prisen überlassen waren. Bald mußte er auch das letzte Schiff wegen Seeuntüchtigkeit verbrennen, und auf dem Flaggschiff brach der Skorbut aus, der viele Opfer forderte. Nach einer Erholungszeit auf den Ladronen erreichteAnsonMacao, wo er überwinterte. Im Frühjahr 1743 nahm er dann das Kreuzen gegen die Galeone bei den Philippinen wieder auf, und es gelang ihm wirklich, diese am 20. Juli zu fangen. Nach anderthalbstündigem, hartnäckigem Kampfe wurde sie genommen und in ihr fast 1½ Millionen Dollar Wert an Münze sowie Silberbarren gefunden. Über China heimsegelnd, traf Anson am 15. Juni 1744 in Spithead ein. Der Zug hatte zwar keine militärischen Erfolge, rief aber Schrecken und Bestürzung in den spanischen Kolonien hervor; die Kenntnis der ostasiatischen Gewässer wurde durch ihn erweitert, weshalb man ihn mehr zu den Entdeckungsreisen rechnet. Hervorzuheben ist endlich, daß eine große Zahl der an ihm beteiligten Seeoffiziere sich später im Siebenjährigen Kriege hervorragend auszeichnete, wie es ihr Führer im Österreichischen Erbfolgekriege getan.
Den Krieg mit Spanien führteEnglandzunächst sehr lau. Wenn auch nach der langen Friedenszeit in der Marine nicht alles so stand, wie es hätte sein sollen, so besaß es doch eine derartige Übermacht, daß es wohl weit tatkräftiger hätte vorgehen können.
1740. Vom Mittelmeer ausnahm der KontreadmiralHaddocknach der Kriegserklärung die Blockade von Cadiz auf, als er aber durch den Zustand seiner Schiffe gezwungen war, im Frühjahr nach Port Mahon zu gehen, das man außerdem von den spanischen Häfen am Mittelmeer bedroht glaubte, fanden die in Cadiz liegenden spanischen Schiffe Gelegenheit zu entschlüpfen; wie erwähnt, langten sie in Westindien teils direkt, teils über Ferrol unter Admiralde Torresan. Im Juli, als man die Schwäche der Spanier genauer erkannt hatte, wurde ein Teil der englischen Mittelmeerflotte nach der Heimat zurückgezogen.
Von England auswurde im April ein Geschwader entsandt, um die heimkehrende Silberflotte abzufangen. Diese (AdmiralPizarro, vgl. Seite 61) war jedoch durch ein ihr entgegengesandtes Schiff gewarnt, setzte ihren Kurs auf Kap Ouessant und lief wohlbehalten in Santander ein, während das englische Geschwader auf dem sonst üblichen Wege Madeira-Cadiz kreuzte. Spanien entsandte gegen dieses eine stärkere Macht, doch kehrten die Engländerunbelästigt nach dem Kanal zurück. In Spithead war nach und nach eine starke Flotte unter dem Admiral of the FleetSir John Norris[48]zusammengezogen — 21 Linienschiffe zu 60–100 Kanonen —, deren „geheime Order“ aber auch jetzt noch unbekannt ist. Einige Quellen glauben, Ferrol hätte angegriffen werden sollen, da man die Anwesenheit der zahlreichen spanischen Schiffe dort mit einem Gerücht in Verbindung gebracht habe, nach dem Spanien einen Einfall in Irland zugunsten des KronprätendentenJakobsIII. ins Werk setzen wollte. Wahrscheinlicher ist es, daß die Flotte nur die Schiffahrt vor und in dem Kanal sichern und für alle Fälle (auch gegen Angriffe von Frankreich?) bereit gehalten werden sollte. Tatsächlich hat sie 1740 den Kanal nicht verlassen.
1741liefNorris mit der Kanalflotteim Juli sowie im Oktober aus und kreuzte an der Nordküste Spaniens, wobei jedoch nur einige kleinere Prisen gemacht wurden. ImMittelmeerschlugen sogarzwei wichtige Unternehmungenfehl. Frankreich hatte im Juli in Toulon 12 Linienschiffe (50–74 Kanonen) unter Lieutenant-Généralde Courtin Dienst gestellt, um sich mit 16 spanischen Schiffen unter AdmiralDon José de Navarrozu vereinigen und dann 15000 Mann von Barcelona nach Norditalien zu führen (vgl. Seite51); die englische Flotte sollte dies hindern. AberHaddocksKreuzer ließen die Spanier aus Cadiz entschlüpfen und sichteten sie erst beim Cap de Gata. Als dann die Engländer herankamen (am 19. Dezember neuen Stils), war die Vereinigung mit den Franzosen vor Barcelona schon erfolgt. Der Kriegsrat auf der nur etwas über halb so starken englischen Flotte glaubte sowohl von einem Angriff wie selbst von weiterem Folgen absehen zu müssen, da man der Neutralität der Franzosen nicht sicher war. Die französisch-spanische Flotte führte den Truppentransport von Barcelona die französische und italienische Küste entlang nach Genua und Toskana; sie ging dann nach Toulon, wo sie am 22. Februar 1742 eintraf.
Das französische Geschwader war, was Schiffe und Besatzungen anbetrifft, in mangelhaftem Zustande. Die Verfassung des spanischen muß aber, nach französischen Angaben, ganz trostlos gewesen sein: „Die Schiffe verfallen; die Mannschaft halb nackt und halb verhungert; viele Kranke; Monate waren nötig, um das Geschwader in einigermaßen brauchbaren Zustand zu setzen.«
Die englische Flotte war auch kaum imstande, den Handel wirksam zu schützen. Da ist es nicht zu verwundern, daß die Fehlschläge im Mittelmeer im Verein mit den Mißerfolgen der kostspieligen Unternehmungen in Westindien, sowie der Verlust des Handels dort das englische Volk gegen die laue KriegführungWalpolesaufbrachten und dadurch dessen Rücktritt herbeiführten. England trat jetzt offen für Österreich auf.
1742 und 1743gewann die Kriegführung im Mittelmeer etwas mehr Leben. Im Februar 1742 traf eine bedeutende Verstärkung unter KontreadmiralLestockein, der das Kommando für den erkrankten Haddock übernahm, und Spanien mußte die geplante Absendung eines neuen Truppentransportes vorläufig aufgeben. Bald darauf, im Mai, wurde der VizeadmiralMathewsOberbefehlshaber im Mittelmeer. Dieser führte nun während 22 Monaten eine strengeBlockade von Toulondurch, hinderte weiter die Verstärkung der spanischen Armee in Italien und übte auch einen Druck auf das Königreich beider Sizilien aus. Der Admiral lag mit der Flotte stets segelfertig in Villafranca, eine Division unterLestockblockierte von den Hyèrischen Inseln aus Toulon; man erklärte, es gälte nur dem spanischen Geschwader dort, aber man nahm auch dahin bestimmte französische Handelsschiffe weg. Die Franzosen brachten die Befestigungen in Kriegszustand, zogen die Schiffe in den innern Hafen zurück und sperrten die Einfahrt.
Im Juli 1742 jagte ein englisches Linienschiff 5 spanische Galeren, die Kriegsvorräte längs der Küste nach Italien bringen wollten, in den französischen Hafen vonSt. Tropezund vernichtete sie durch einen Brander, als sie auf ihren Verfolger feuerten; wenige Monate später wurde diese Stadt mit Beschießung bedroht, falls sie zwei dort eingelaufene spanische Transporter beherbergen würde. „Die Vernachlässigung der Marine“, so klagen französische Schriftsteller „hatte es dahin gebracht, daß Frankreich dieses alles dulden mußte.“
Wie erwähnt, hatte der König beider Sizilien Hilfstruppen für Spanien nach Norditalien gesandt. Im Juli 1742 schickte Mathews den KommodoreWilliam Martinmit einem kleinen Geschwader, 4 Kriegsschiffe und 3 Mörserboote, nachNeapel. Martin erschien dort am 19. August mit der Forderung, diese Truppen zurückzurufen und verlangte unter Androhung einer Beschießung der Stadt Antwort binnen einer halben Stunde. Der König konnte nun zwar in der kurzen Frist nicht erreicht werden, da er auf einem Landgute weilte, erfüllte aber schon am 20. das Verlangen. 1759 bestieg er alsKarlIII. den spanischen Thron; die Erinnerung an die Vergewaltigung in Neapel zog ihn nun in den beiden nächsten Kriegen auf die Seite Frankreichs. —Martinzerstörte bald darauf im genuesischenAlassioMagazine für das spanische Heer. Ferner wurden durch englische Schiffe spanische Transporter in den Häfen der katalonischen Küste vernichtet; 1743 mußte ein Linienschiff im Hafen von Ajaccio in die Luft gesprengt werden, um den Engländern nicht in die Hände zu fallen, undGenuaward gezwungen, die Ladung von 15 spanischen Transportern, die von Majorka aus in seinen Hafen eingelaufen waren, nach Corsica zu schaffen, wo die Vorräte bis zum Friedensschluß lagerten.
1744.Endlich, im Jahre 1743, raffteFrankreichsich auf, als es nachFleurysTode das Bündnis mit Spanien erneuert hatte; man faßte sogar nungroße Pläne für einen Seekrieg: Vertreibung Englands aus dem Mittelmeer, Wiedereroberung Minorkas und Gibraltars für Spanien; die Vereinigung sämtlicher Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern, um hier die Seeherrschaft zu erringen und durch einen Einfall in Großbritanniendie Familie Stuart wiedereinzusetzen, jedenfalls England zum Zurückziehen seines Heeres vom Festlande zu zwingen.
Versuch einer Landung in England 1744.Im November 1743 begannen die Rüstungen hierfür. PrinzKarl Eduard(vgl. Seite53) sollte mit 16 Bataillonen Infanterie und vier Schwadronen Dragoner — insgesamt gegen 15 000 Mann — unter dem Marschall Moritz von Sachsen in 32 Transportern von Dünkirchen nach der Themsemündung, wenn möglich nach London, übergeführt werden, der Lieutenant-GénéralComte de Roquefeuilmit der Brestflotte — 19 Linienschiffe und 5 Fregatten — die englischen Seestreitkräfte festhalten, sowie Einschiffung und Überfahrt des Heeres decken. Am 6. Februar 1744 verließ diese Flotte Brest, wurde aber etwa 10 Tage durch Gegenwind beim Kap Lizard festgehalten. Ein englischer Kreuzer, der vor Brest lag, hatte schon das Auslaufen des Feindes gemeldet, ein Begleitschiff eines Konvois nach Westindien brachte wenige Tage später die Nachricht von seinem Erscheinen vor dem Kanal nach London. In England scheint man zwar vorher über den französischen Plan nicht genauer unterrichtet gewesen zu sein, da man sich aber auf den Krieg mit Frankreich vorbereitet hatte, so vermochte man rechtzeitig eine überlegene Flotte an den Downs zusammenzuziehen; nämlich 49 Segel, darunter 21 Linienschiffe von 60 Kanonen aufwärts.Sir John Norris, der sie kommandierte, ging jedoch dem Feinde nicht entgegen, da er fürchtete, dieser könne ihm bei Nacht oder unsichtigem Wetter vorbeilaufen.
see captionAdmiral Thomas Mathews.
Admiral Thomas Mathews.
Am 27. Februar warRoquefeuilbei der Insel Wight; hier zweigte er, seiner Order entsprechend, 4 Linienschiffe und eine Fregatte nach Dünkirchen ab, denen insbesondere die Deckung der Einschiffung und Überführung zugedacht war, er selber sollte die englischen Schiffe festhalten. Am 4. (oder 5.) März ankerte er, durch mehrtägigen Sturm aufgehalten, bei Dungeness. Hier trat ihm am nächsten Tage die englische Flotte entgegen; zum Glück für die Franzosen war sie jedoch genötigt, wegen schwachen Windes zu ankern, als sie schon auf sechs Seemeilen heran war, weil die Flut einsetzte. Der sofort berufene Kriegsrat des französischen Geschwaders beschloß, das Unternehmen aufzugeben. Bei Eintritt der Ebbe und gleichzeitig der Dunkelheit ging man schleunigst unter Segel und hatte das Glück, daß mit der Ebbe starker nordwestlicher Wind aufkam, der bald zum Sturm wurde. AlsNorrisam andern Morgen die Flucht des Gegners bemerkte, war keine Aussicht mehr, ihn einzuholen. Die Franzosen erreichten, wenn auch mehr oder weniger vom Sturm beschädigt, Brest; nur die Wetterverhältnisse hatten sie aus einer argen Klemme befreit. Die nach Dünkirchen abgezweigten Schiffe waren am 29. Februar dort angekommen und man hatte sogleich mit der Einschiffung der Truppen begonnen. Die Leute mußten mit Fischerbooten und Küstenfahrzeugen an Bord der auf der Rhede liegenden Transporter gebracht werden, was schon bei mäßig starkem Wind und Seegang sehr gefährlich war. So richtete der Sturm am 6. und 7. März natürlich viel Unheil an; mehrere Boote sowie auch Transporter sanken oder wurden auf denStrand geworfen. Als die Nachricht vom Rückzug der Flotte eintraf, schiffte man die Truppen wieder aus und die Kriegsschiffe gingen nach Brest.
So war der Plan eines Einfalls in England gescheitert; ähnlich wie die früheren war er aussichtslos gewesen. Wenn auch England beträchtliche Seestreitkräfte im Mittelmeer und in Westindien hatte, so verblieben ihm doch genug, um Roquefeuil mit Erfolg entgegenzutreten.
Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.Im Mittelmeer war inzwischen die erste Seeschlacht geschlagen. Lieutenant-Généralde Courterhielt im November 1743 Befehl, das spanische Geschwader nach Genua (oder nach spanischen Häfen?) zu geleiten; AdmiralNavarrowar jedoch nicht geneigt, in See zu gehen und auch die französische Flotte scheint noch nicht bereit gewesen zu sein. Erst im Januar 1744 unternahmde Courteine kurze Erkundungs- oder Übungsfahrt vor dem Hafen, bei der er vonMathewshöflich salutiert wurde. Dieser hatte kurz vorher in Turin, wo er über gemeinsames Handeln mit dem Landheer beriet, die falsche Nachricht erhalten, die Brestflotte sei in See gegangen und die französisch-spanische Flotte wolle auslaufen, um sich mit ihr zu vereinigen. Er zog deshalb alle Schiffe im Mittelmeer bei den Hyèrischen Inseln zusammen, übernahm selber die Leitung der Blockade von Toulon und trat der feindlichen Seemacht entgegen, die am 19. Februar auf die äußere Rhede gegangen war und am 21. in See erschien. Der französische Oberbefehlshaber hatte, wie der Admiral d'Antin 1740 in Westindien, Anweisung, nur zu fechten, wenn er angegriffen würde; die Instruktionen des englischen Admirals werden diesem dagegen auch den Angriff gestattet haben.
Die englische FlotteunterThomas Mathews[49]zählte 28 Linienschiffe zu 60 Kanonen und darüber; die Vorhut führte KontreadmiralRowley,