see captionZur englischen Angriffsart.
Zur englischen Angriffsart.
Vor- und Nachteile der Leestellung.Die Flotte in der Leestellung kann den Kampf nicht erzwingen und ist einem Angriff gegenüber auf die Verteidigung angewiesen, wenn sie sich nicht zurückziehen will. Ein Durchbrechen oder ein Dublieren des Gegners ist für sie schwieriger als für eine Luvflotte. Sie kann aber fast bei jedem Wetter ihre untersten Batterien gebrauchen, da die Luvseiten der Schiffe dem Feinde zugewandt sind; auch kann sie die Angreifer beim Herankommen mit den Breitseiten beschießen. Sie deckt leichter ihre beschädigten Schiffe, hält leichter ihre Ordnung aufrecht und kann jederzeit das Gefecht abbrechen, da der Feind mit stärker beschädigten Schiffen nicht imstande sein wird, sofort und in guter Ordnung zu folgen.
Die Luvstellung ist mithin geeigneter zum Angriff, die Leestellung zur Abwehr, und es ist, wie in der Kriegführung stets, auch hier die Verteidigung materiell, der Angriff moralisch stärker (nach einem Ausspruche des Generalsv. Clausewitz).
Die englische Angriffsart bringt große Übelstände mit sich.Wenn der Angreifer abhält, um an die feindliche Linie heranzugehen und sich dann dieser auf nahe Entfernung Schiff gegen Schiff nun auch unter gekürzten Segeln wieder parallel zu legen, so sind seine Schiffe längere Zeit dem Enfilierfeuer von vorn ausgesetzt, das sie nurmit wenig Geschützen erwidern können (vgl. Plan, Lage 1). Nun liegt aber der Angegriffene nicht ganz still, er hat wenigstens soviel Bewegung, daß die Schiffe steuerfähig bleiben. Die angreifenden Schiffe müssen also schräg herangehen, um auf die ihnen in der feindlichen Linie entsprechenden Gegner zu stoßen; hierdurch wird die Dauer der ungünstigen Lage verlängert (Lage 2). Ferner ist es für Segelschiffe sehr schwierig, in einer solchen Stellung zueinander (nicht mehr in Kiellinie, sondern in einer Peilungslinie zum Kurse — Lage 2a-a) eine gut ausgerichtete Linie innezuhalten, und da nun auch das eine oder das andere Schiff in der Takelage beschädigt werden wird, ist es wahrscheinlich, daß nicht alle Schiffe gleichzeitig ihren Platz zum Nahkampfe einnehmen; der Angriff erfolgt also nicht gleichmäßig.
Dies ist nun aber nur von formeller Bedeutung, in der Praxis gestaltet sich der Angriff noch ungünstiger. Die Luvflotte will dem Feinde den Weg abschneiden, ihn festhalten und zum Kampfe zwingen. Sie wird also schon von weiterer Entfernung an vor die Spitze des Feindes halten. Bei der Schwierigkeit, dies in einer Peilungslinie durchzuführen sowie um ein längeres Enfiliertwerden zu vermeiden, wird sie in Kiellinie bleiben, bis sie nahe genug zum Angriff durch Abhalten ist (Lage 3). Dieses Schrägheranführen in Kiellinie hat zwei Mißstände im Gefolge, die einen gleichzeitigen Angriff ausschließen, häufig denselben überhaupt lähmen. 1. Die ersten Schiffe werden stets früher zum Nahgefecht kommen als ihre Hinterleute, weit früher aber noch als die letzten der Linie. 2. Wenn ein Schiff der Linie, z. B. in der Mitte (Lage 4 a). vor dem Abhalten zum Angriff durch Beschädigungen lahmgelegt wird, so hält es seine Hinterleute auf und zwingt sie zum Ausweichen; die Linie wird gestaucht und die Ordnung gestört.
Die Schwierigkeit, den Angriff auf der ganzen Linie gleichzeitig durchzuführen und die ungünstige Lage des Angriffes machten die Franzosen sich zunutze. Sie ließen den bisher allgemein anerkannten Grundsatz fallen, vor der Schlacht die Luvstellung zu erstreben; sie gingen sogar zuweilen freiwillig nach Lee, um in (Kiellinie beim Winde) den Angriff aufzunehmen. Sie richteten dann, wie sie es schon früher gern getan hatten, ihr Feuer auf die Takelage, die Bewegungsfähigkeit des Feindes, ein großes, bereits auf weitere Entfernungen mit Erfolg zu beschießendes Ziel. Sie warteten dann aber nicht den Angriff auf der ganzen Linie ab, sondern wichen einem allgemeinen Kampf aus, wenn nur erst die feindliche Spitze herangekommen und genügend geschädigt war.
Meist zogen sie unter schnell vermehrten Segeln ihre ganze Linie an den vordersten feindlichen Schiffen, die dann schon durch das beim Herangehen erhaltene Feuer in ihrer Bewegungsfähigkeit beschränkt waren, vorüber und überschütteten sie mit Geschossen; dann nahmen sie in Lee aufs neue Stellung und warteten in gleich günstiger Lage wie beim ersten Angriff das Weitere ab[35]. Sie konnten infolge des zwischen den Flotten lagernden Pulverrauchsgewöhnlich ihr Manöver unbemerkt beginnen und auch in guter Ordnung durchführen, da ihre Schiffe noch unbeschädigt waren. Die Engländer aber sahen von einem zweiten Angriff ab, weil ihre Spitzenschiffe durch die Beschädigungen in der Takelage nicht mehr voll gefechtsfähig waren; häufig wurde eine englische Flotte dadurch sogar auf längere Zeit lahmgelegt. Es blieb bei dem einen Zusammenstoß, und die Flotten trennten sich.
Hier istder Einfluß der Strategie der Franzosen auf ihre Taktikzu erkennen. Diese hätte weiter dahin ausgebildet werden können, daß man nach der Schwächung des Gegners zum Angriff überging, um noch größeren Erfolg auf dem Schlachtfeld zu erreichen. Die Franzosen begnügten sich aber damit, den Angriff unter Schonung der eigenen Schiffe abgeschlagen zu haben.
Wie schon meist zur ZeitLudwigsXIV. kämpfte Frankreich auch später nie um die Seeherrschaft im großen Sinne; den Seestreitkräften wurden nur bestimmte Ziele gesetzt: eine Eroberung zu sichern; eine Landung zu decken; ähnlichen Vorhaben des Gegners entgegenzutreten, häufig mit dem ausdrücklichen Befehle, „die kostbaren und schwer zu ersetzenden Schiffe zu schonen“. Die Flottenführer wurden somit darauf hingewiesen, Zusammenstöße möglichst zu vermeiden und, wenn sie zum Kampfe gezwungen waren, jedenfalls nicht zuviel aufs Spiel zu setzen.Diese Auffassungwurde bei ihnen zum Grundsatz; ein französischer Autor sagt sogar: „Man sah es fast als ein Unglück an, wenn man mit dem Feinde zusammenstieß.“ Deshalb bevorzugten die Franzosen nun auch die taktische Defensive, bauten ihre Abwehrtaktik aus der Leestellung auf und führten diese dann schematisch durch, ohne etwaige Erfolge auszunutzen. Auch ihre Gefechtsinstruktion sah die Aufrechterhaltung der Ordnung als Hauptsache an und verbot streng, die Linie ohne Befehl zu verlassen.
Lange Zeit blieben beide Gegner bei ihrem Schema. Die Schlacht beiMalaga(1704) gilt als die erste, in der sich die englische Angriffsform zeigt; in der Schlacht beiMinorka(1756) tritt das französische Abwehrverfahren zuerst deutlich hervor; als die letzten Fälle, in denen die beiden Taktiken sich noch einmal ausgesprochen gegenüberstehen, werden die Schlachten vor derChesapeakebucht1781 (am 16. April und am 5. September) angesehen. Die dazwischenliegende Zeit nennt man wohldie Zeit der unentschiedenen oder der französischen Defensivschlachten. Dies ist zutreffend, denn in allen Kämpfen zwischen annähernd gleichen Streitkräften begnügten sich die Franzosen mit der Abwehr, und die Schlachten brachten taktisch keine Entscheidung.
Die angreifenden Engländer erreichten nie ihren Zweck, den Feind zu vernichten, aber auch die Franzosen erfochten nie einen vollen Sieg. Beider eigenartigen Verwendung des Geschützfeuers auf jeder Seite, der ihr eigentümlichen Taktik entsprechend, hatten die Franzosen meist den größeren Verlust an Menschen, während auf englischer Seite stets die Schiffe bedeutend mehr litten.
Erst gegen das Ende des hier behandelten Zeitabschnittes tritt bei beiden Gegnern wieder der Gedanke auf, sich mit der ganzen Kraft auf einen Teil des Feindes zu werfen. Der englische AdmiralRodneyversucht beiMartinique(17. April 1780) von Luward her nur die feindliche Mitte und Nachhut anzugreifen. Von seinen an die alte Kampfart gewöhnten Unterführern nicht verstanden, gelingt es ihm zwar nicht, aber sein Gegner sucht von nun ab wieder die Luvstellung; allerdings geschieht dies nicht zum Angriff, sondern weiter zum Vermeiden größerer Entscheidungen. Derselbe Führer durchbricht beiDominica(1782) von Luward her mit seiner Mitte die feindliche Flotte und dubliert den abgeschnittenen Teil mit großem Erfolge. Möglich, daß er zu diesem Manöver nur durch ein Umspringen des Windes gezwungen wurde, aber dessen Vorteile wurden jedenfalls erkannt, und dies führte dahin, daß man in England wieder Signale für „Durchbrechen“ annahm. Zu derselben Zeit weicht auch der französische AdmiralSuffrenin den indischen Gewässern von der bisherigen Defensivtaktik ab; er wählt die Luvstellung zum Angriff und sucht eine gleichstarke englische Flotte hinten zu dublieren.
Die vorstehenden Darlegungen über die Taktik sollen die späteren Schilderungen der Schlachten, sowie ihre Besprechungen erleichtern. Sie erweisen aber auch jetzt schon die Kennzeichnung des vierten Abschnittes: „Die Taktik wird lange schematisch gehandhabt, aber gegen das Ende erwacht neues Leben in ihr“, als richtig. Jetzt erschien das epochemachende Werk des SchottenClerk(vgl. Quellenverzeichnis) und zwar 1782 in wenigen Exemplaren gedruckt, 1790 in erster großer Auflage. Wir werden uns damit im nächsten Abschnitt beschäftigen, weisen aber hier schon darauf hin, daß der Verfasser die Maßnahmen zur Konzentration der Kraft in der Schlacht behandelt, sowie daß er seine Gedanken bereits vor dem Erscheinen des Buches englischen Seeoffizieren, unter diesen auchRodney, mitgeteilt hatte.
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Fußnoten:[10]Siehe Band I, Seite166, die Abbildung des „Royal Louis“.[11]Mit der Bezeichnung „Fregatte“ verband sich vom Mittelalter her, auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die allmähliche Entwicklung des Begriffes „Fregatte“ vgl. auch Band I im Sachregister unter diesem Stichworte.[12]Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister unter den betreffenden Stichworten.[13]Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel „Civil history“ 1714–1762 und 1762 bis 1792; Troude I „Introduction“.[14]Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind noch die Angaben für 1765 entnommen.[15]Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur Aufstellung der Karronaden Clowes III, Seite 333 ff.[16]Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den Kapiteln „Civil history“.[17]Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der Seesoldaten an Bord war ihre Verwendung als besonders gut ausgebildete Gewehrschützen, als Kern der Landungsabteilungen und auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, Seite 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel als Seesoldaten annehmen können. Die Seesoldatenregimenter bildeten eine stehende Truppe, von der die Schiffe bei der Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr Matrosenkorps neu zusammengestellt wurde.[18]Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. Arnault, gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II ausführlicher, auch in Hinsicht auf die Bestimmungen für die Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und Choiseul: diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149–211.[19]Die in Frankreich vorhandenenSeetruppen, Seesoldaten-, Kanonier- und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) gewissermaßen stehende Truppen, wurden aber hier von Seeoffizieren befehligt.[20]Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über die englische Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs im Vorjahre, wurden für 1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 4½, 1780 7½, 1781 8, 1782 7½.[21]Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere Geschichte der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten benützt.[22]Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr hervorgehoben.[23]Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347.[24]Vgl. Band I, Sachregister unter „Taktik“.[25]Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen.[26]Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite.[27]Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner.[28]Beim „Wenden im Kontremarsch“ drehen von vorn beginnend die Schiffe eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen sind, wo das erste gewendet hat; so bleiben die Kiellinie und die Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim „Wenden zugleich“ drehen die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim Erhalten des Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher in „Kehrt“, die Schiffe sind auch nicht mehr in Kiellinie, sondern müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend wird auch das „Halsen“ auf beide Weisen ausgeführt.[29]Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die Engländer in den Schlachten der nächsten Kriege stets die Angreifenden waren und dadurch die Taktik der Franzosen beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser InstruktionCorbett„Fighting instructions“ (vgl. Quellenverzeichnis).[30]Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei Geschwader: Vorhut, Mitte, Nachhut, geteilt wurde.[31]Enfilierfeuerist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die ganze Länge des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach in den Batterien und in der Takelage mehr Schaden anrichten als solche, die das Schiff seitlich treffen.[32]InCorbett„England in the Mediterranean“ (vgl. Quellenverzeichnis, Band I) und in „Fighting Instructions“, eben angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., schon genauer, auch Band I, Seite532.[33]Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren nur klein und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die Offiziere in der Handhabung des Schiffes üben.[34]Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch baldweitere Werke über Taktik. KapitänBigot de Morogues, der erste Direktor der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch „Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux“, das Hostes Werk ersetzen sollte. — Ein Offizier der französisch-ostindischen Kompagnie,Bourdé de Villehuet, schrieb 1765 das Buch „Le Manoeuvrier“ usw. (beide vgl. Quellenverzeichnis).[35]Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, so nutzte dochRuyterin der Schlacht bei Stromboli 1676 die Leestellung in ähnlicher Weise aus, wie es jetzt die französische Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in richtiger Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite378).
Fußnoten:
[10]Siehe Band I, Seite166, die Abbildung des „Royal Louis“.
[10]Siehe Band I, Seite166, die Abbildung des „Royal Louis“.
[11]Mit der Bezeichnung „Fregatte“ verband sich vom Mittelalter her, auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die allmähliche Entwicklung des Begriffes „Fregatte“ vgl. auch Band I im Sachregister unter diesem Stichworte.
[11]Mit der Bezeichnung „Fregatte“ verband sich vom Mittelalter her, auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die allmähliche Entwicklung des Begriffes „Fregatte“ vgl. auch Band I im Sachregister unter diesem Stichworte.
[12]Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister unter den betreffenden Stichworten.
[12]Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister unter den betreffenden Stichworten.
[13]Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel „Civil history“ 1714–1762 und 1762 bis 1792; Troude I „Introduction“.
[13]Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel „Civil history“ 1714–1762 und 1762 bis 1792; Troude I „Introduction“.
[14]Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind noch die Angaben für 1765 entnommen.
[14]Clowes gibt diese in Band III, Seite 11 und 334; von dort sind noch die Angaben für 1765 entnommen.
[15]Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur Aufstellung der Karronaden Clowes III, Seite 333 ff.
[15]Vgl. hierüber sowie auch über Veränderung der Schiffe zur Aufstellung der Karronaden Clowes III, Seite 333 ff.
[16]Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den Kapiteln „Civil history“.
[16]Die innere Geschichte der englischen Marine nach Clowes III in den Kapiteln „Civil history“.
[17]Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der Seesoldaten an Bord war ihre Verwendung als besonders gut ausgebildete Gewehrschützen, als Kern der Landungsabteilungen und auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, Seite 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel als Seesoldaten annehmen können. Die Seesoldatenregimenter bildeten eine stehende Truppe, von der die Schiffe bei der Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr Matrosenkorps neu zusammengestellt wurde.
[17]Seesoldatenregimenter waren 1702 gegründet. Der Zweck der Seesoldaten an Bord war ihre Verwendung als besonders gut ausgebildete Gewehrschützen, als Kern der Landungsabteilungen und auch als Stützen der Disziplin. Vgl. hierüber auch Band I, Seite 182, 506. Von der Besatzung der Schiffe wird man etwa ein Fünftel als Seesoldaten annehmen können. Die Seesoldatenregimenter bildeten eine stehende Truppe, von der die Schiffe bei der Indienststellung ihren Bedarf entnahmen, während ihr Matrosenkorps neu zusammengestellt wurde.
[18]Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. Arnault, gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II ausführlicher, auch in Hinsicht auf die Bestimmungen für die Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und Choiseul: diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149–211.
[18]Quellen für die innere Geschichte in diesem Zeitabschnitt: Chab. Arnault, gedrängt, aber sehr übersichtlich; Lacour I und II ausführlicher, auch in Hinsicht auf die Bestimmungen für die Organisation besonders unter den Ministern Maurepas und Choiseul: diese Bestimmungen auch in Bonfils Band II, Seite 149–211.
[19]Die in Frankreich vorhandenenSeetruppen, Seesoldaten-, Kanonier- und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) gewissermaßen stehende Truppen, wurden aber hier von Seeoffizieren befehligt.
[19]Die in Frankreich vorhandenenSeetruppen, Seesoldaten-, Kanonier- und Bombardier-Kompagnien, waren (wie in England) gewissermaßen stehende Truppen, wurden aber hier von Seeoffizieren befehligt.
[20]Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über die englische Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs im Vorjahre, wurden für 1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 4½, 1780 7½, 1781 8, 1782 7½.
[20]Nach Lacour II. Zum Vergleich einige Angaben (nach Campbell) über die englische Marine: Bewilligt, einschließlich des Mehrverbrauchs im Vorjahre, wurden für 1778 4 Millionen Pfund Sterling, 1779 4½, 1780 7½, 1781 8, 1782 7½.
[21]Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere Geschichte der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten benützt.
[21]Zu dieser Betrachtung ist neben den Hauptquellen für die innere Geschichte der Marinen auch Mahan I an verschiedenen Orten benützt.
[22]Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr hervorgehoben.
[22]Dieser Vorteil wird von den Franzosen vielleicht über Gebühr hervorgehoben.
[23]Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347.
[23]Beschreibungen der Uniformen vgl. Clowes III, Seite 21 und 347.
[24]Vgl. Band I, Sachregister unter „Taktik“.
[24]Vgl. Band I, Sachregister unter „Taktik“.
[25]Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen.
[25]Dublieren, d. i.: den Feind zwischen zwei Feuer nehmen.
[26]Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite.
[26]Feuerlee ist die dem Gegner abgewandte Seite.
[27]Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner.
[27]Luvstellung bedeutet windwärts (über dem Winde) vom Gegner.
[28]Beim „Wenden im Kontremarsch“ drehen von vorn beginnend die Schiffe eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen sind, wo das erste gewendet hat; so bleiben die Kiellinie und die Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim „Wenden zugleich“ drehen die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim Erhalten des Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher in „Kehrt“, die Schiffe sind auch nicht mehr in Kiellinie, sondern müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend wird auch das „Halsen“ auf beide Weisen ausgeführt.
[28]Beim „Wenden im Kontremarsch“ drehen von vorn beginnend die Schiffe eines nach dem andern, wenn sie auf der Stelle angekommen sind, wo das erste gewendet hat; so bleiben die Kiellinie und die Reihenfolge der Schiffe bestehen. Beim „Wenden zugleich“ drehen die Schiffe gleichzeitig auf den Stellen, wo sie sich beim Erhalten des Befehles befinden; die Flotte steht dann gegen vorher in „Kehrt“, die Schiffe sind auch nicht mehr in Kiellinie, sondern müssen sich für eine solche erst wieder ausrichten. Entsprechend wird auch das „Halsen“ auf beide Weisen ausgeführt.
[29]Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die Engländer in den Schlachten der nächsten Kriege stets die Angreifenden waren und dadurch die Taktik der Franzosen beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser InstruktionCorbett„Fighting instructions“ (vgl. Quellenverzeichnis).
[29]Wir führen die englische Gefechtsinstruktion hier an, da die Engländer in den Schlachten der nächsten Kriege stets die Angreifenden waren und dadurch die Taktik der Franzosen beeinflußten. Eingehend bespricht die Entwicklung dieser InstruktionCorbett„Fighting instructions“ (vgl. Quellenverzeichnis).
[30]Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei Geschwader: Vorhut, Mitte, Nachhut, geteilt wurde.
[30]Es sei daran erinnert, daß eine Flotte meistens in drei Geschwader: Vorhut, Mitte, Nachhut, geteilt wurde.
[31]Enfilierfeuerist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die ganze Länge des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach in den Batterien und in der Takelage mehr Schaden anrichten als solche, die das Schiff seitlich treffen.
[31]Enfilierfeuerist ein Feuer von vorn (oder hinten), das die ganze Länge des Schiffes bestreicht und dessen Geschosse demnach in den Batterien und in der Takelage mehr Schaden anrichten als solche, die das Schiff seitlich treffen.
[32]InCorbett„England in the Mediterranean“ (vgl. Quellenverzeichnis, Band I) und in „Fighting Instructions“, eben angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., schon genauer, auch Band I, Seite532.
[32]InCorbett„England in the Mediterranean“ (vgl. Quellenverzeichnis, Band I) und in „Fighting Instructions“, eben angezogen. Über Corbetts Auslassungen vgl., schon genauer, auch Band I, Seite532.
[33]Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren nur klein und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die Offiziere in der Handhabung des Schiffes üben.
[33]Die auf Seite 35 erwähnten französischen Übungsgeschwader waren nur klein und sollten nicht taktische Fragen lösen, sondern die Offiziere in der Handhabung des Schiffes üben.
[34]Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch baldweitere Werke über Taktik. KapitänBigot de Morogues, der erste Direktor der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch „Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux“, das Hostes Werk ersetzen sollte. — Ein Offizier der französisch-ostindischen Kompagnie,Bourdé de Villehuet, schrieb 1765 das Buch „Le Manoeuvrier“ usw. (beide vgl. Quellenverzeichnis).
[34]Wir finden in Frankreich nach dem Werke von Hoste auch baldweitere Werke über Taktik. KapitänBigot de Morogues, der erste Direktor der Marineakademie, veröffentlichte 1763 ein Buch „Tactique navale ou traité des évolutions et des signaux“, das Hostes Werk ersetzen sollte. — Ein Offizier der französisch-ostindischen Kompagnie,Bourdé de Villehuet, schrieb 1765 das Buch „Le Manoeuvrier“ usw. (beide vgl. Quellenverzeichnis).
[35]Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, so nutzte dochRuyterin der Schlacht bei Stromboli 1676 die Leestellung in ähnlicher Weise aus, wie es jetzt die französische Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in richtiger Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite378).
[35]Wenn die Vorteile der Leestellung bisher noch nicht erkannt waren, so nutzte dochRuyterin der Schlacht bei Stromboli 1676 die Leestellung in ähnlicher Weise aus, wie es jetzt die französische Taktik tat; es ist freilich nicht sicher, ob es schon in richtiger Erkenntnis geschah (vgl. Band I. Seite378).
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Die Anlässe zum Kriege. Die Gruppierung der Staaten.
Der Englisch-Spanische Kriegwurde, wie schon angedeutet, durch Gegensätze in den Handelsinteressen beider Völker in Beziehung zu Amerika hervorgerufen. Im Frieden vonUtrechtwar den Engländern die Einfuhr von Negern in Spanisch-Amerika (der Assientovertrag)[A] sowie die Entsendung eines Schiffes bestimmter Ladefähigkeit zu dem Markte vonPuerto-Belo[A] gestattet. Diese Zugeständnisse genügten weder ihren Wünschen noch dem Verkehrsbedürfnis der spanischen Kolonien. Infolgedessen entwickelte sich bald ein beträchtlicher englischer Schmuggelhandel[36], der die spanische Regierung in ihren Einkünften schwer schädigte und in ihrem Stolz tief kränkte. Sie begann deshalb die Zügel straffer anzuziehen, alte und strengere Bestimmungen wieder hervorzuholen und sie in schroffster Weise durchzuführen[37].
Der englische Schmuggelhandelwar schon 1728 ebenso bedeutend wie der regelmäßige Handel Spaniens mit seinen Kolonien. Deshalb lockerte die bourbonische Regierung wenigstens ihren eigenen Untertanen gegenüber das alte Absperrungssystem etwas und gestattete 1728 inGuipuzcoa(einer der baskischen Provinzen) die Gründung einer Handelsgesellschaft für die Kolonien. Auch den Franzosen gewährte man 1733 bedeutende Vorteile dort, wodurch der schon erwähnte Aufschwung des Seehandels und der Kolonien wesentlich gefördert wurde. Anderseits verloren durch diese Maßnahmen die berühmtenSilberflotten, die so lange ein Hauptangriffsobjekt der Feinde Spaniens gewesen waren, an Bedeutung; 1748 wurden ihre regelmäßigen Fahrten eingestellt, 1778 fuhr die letzte. England und Holland gegenüber hielt man jedoch die Absperrung aufrecht und führte sie sogar wieder schärfer durch. Das Puerto-Belo-Schiff, die Fahrzeuge im Negerhandelsdienst und besonders auch die Schiffe, die unter dem Vorwande einer Ausbesserung oder Ausrüstung die spanischen Niederlassungen anliefen, wurden peinlich überwacht und untersucht.
Nunwar es aber unmöglich, die lange Küste mit ihren vielen Einläufen genügend abzusperren; die englischen Seeleute und Händler schreckten in ihrem Streben nach Gewinn weder vor Strafen zurück noch nahmen sie Rücksicht auf die spanische Empfindlichkeit, und Spaniens Macht war nicht stark genug, um die englische Regierung zu einer Unterstützung zu nötigen. So wurde der schwächere Staat zur Anwendung gesetzwidriger Mittel getrieben; man ermächtigte Kriegs- und Zollschiffe, oder erlaubte es ihnen wenigstens, englische Schiffe auch auf hoher See anzuhalten und zu untersuchen. Bei den gesetzlichen und bei den ungesetzlichen Durchsuchungen ließen sich aber die Ausführenden infolge des spanischen Charakters und des alten Hasses gegen die Eindringlinge zu Beleidigungen und unberechtigten Gewalttaten hinreißen. Das Unrecht lag auf beiden Seiten; es war die Fortsetzung des alten Zustandes: „no peace beyond the line“. (Drakes Grundsatz, vgl. Band I, Seite80und95.)
Dieses Vorgehen Spaniens rief im englischen Volke lebhafte Erregung hervor, und als die Vorstellungen, die der MinisterWalpolebeständig und besonders im Jahre 1737 in Madrid gemacht hatte, keinen Erfolg erzielten, reichten die westindischen Kaufleute 1738 dem Unterhause eine Denkschrift ein, in der sie sich eindringlich über die Verluste beklagten, die ihnen durch die Beschlagnahme von Schiffen sowie durch die Belästigung des Handels überhaupt erwachsen seien; für die Zeit von 1729–1738 wurde die Wegnahme von 52 Schiffen im Werte von 140000 Pfund Sterling angeführt. Auch auf die unmenschliche Behandlung englischer Schiffsbesatzungen wies man hin.
Das größte Aufsehen erregteder Vorfall mit Captain Jenkins Ohr, der 1731 in der Presse zur Sprache kam: »Das Schiff „Rebekka“ wurde im April 1731 auf der Reise von Jamaika nach England in der Nähe Havannas von einem spanischen Zollkutter angehalten, in roher Weise durchsucht, der Kapitän mißhandelt und mit dem Tode bedroht. Heldenmütig erduldete er alles und bestand auf seinem Rechte. Als die Spanier keine Schmuggelartikel gefunden hatten, rissen sie ihm ein Ohr ab und warfen es ihm mit den Worten ins Gesicht: „Bringe dies deinem König und erzähle ihm alles«. Endlich nahmen sie die astronomischen Instrumente fort, so daß er sein Schiff kaum heimführen konnte. Die Schiffsbesatzung könne den Vorfall beeidigen.“
Diese Angelegenheit kam 1738 im Parlament wieder zur Sprache.Jenkinsselber wurde vorgeführt und legte das Ohr auf den Tisch des Hauses nieder; auf die Frage, wie ihm bei der Sache zumute gewesen sei, antwortete er: „Ich empfahl mein Leben Gott, meine Sache dem englischen Volke.“ jedenfalls ein hochgemuter Ausspruch in dem Munde eines damaligen Schiffsführers. Gegner des Krieges behaupteten denn auch, die ganze Rolle sei ihm einstudiert und er werde sein Ohr wohl näher zu Hause und nicht ohne Grund (nämlich am Pranger) verloren haben; jedenfalls diente aber der Vorfall zur Erregung des Parlaments sowie der öffentlichen Meinung und hat geschichtliche Bedeutung erlangt.
Die Denkschrift forderte, daß ernstlich, nötigenfalls feindlich, gegen Spanien vorgegangen würde.Walpolewünschte jedoch keinen Krieg und erklärte, daß durch einen solchen nichts gewonnen werde. Spanien würde ein Auftreten, wie es im Parlament zur Sprache gekommen, nicht gewagt haben, wenn es nicht von stärkeren Mächten ermutigt sei, und England wäre dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen; auch übertrieben die englischen Kaufleute und Rheder in blinder Leidenschaft die gerügten Mißstände. Er gab dem Parlamente hinhaltende Versprechungen und knüpfte nochmals (1738) Verhandlungen mit Spanien an. Dieses Verfahren genügteaber der öffentlichen Meinung nicht und die Presse verbreitete weiter die übertriebensten Gerüchte. In Spanien ging man auch nur widerwillig auf die Verhandlungen ein und wurde um so eigensinniger, je heftiger England auftrat, veranlaßt durch Personen der Kriegspartei gegen Walpoles Absicht.
Endlich zwang die Opposition im Parlament, geführt vonWilliam Pitt, 1739 den Minister, Spanien einUltimatumzu stellen. Es bestand in dem Verlangen einer völligen Verzichtleistung auf das Durchsuchungsrecht und der Anerkennung verschiedener Ansprüche Englands in Nordamerika (eine günstigere Grenzregulierung zwischen der neugegründeten Kolonie Georgia und dem spanischen Florida, dem Recht für England, Holz von der Campechebai auszuführen u. dgl.). Als diese Forderungen abgelehnt wurden, erfolgte dieKriegserklärungim Oktober 1739. Die Feindseligkeiten wurden sofort von seiten Englands eröffnet. Schon im Jahre darauf entbrannte der Österreichische Erbfolgekrieg, der gemeinsam mit dem Englisch-Spanischen zu betrachten sein wird.
Der Österreichische Erbfolgekrieg, einschließlich derbeiden ersten Schlesischen Kriegewurde durch den Tod KaiserKarlsVI. (1740) hervorgerufen. Die Politik dieses Herrschers lief seit Jahren darauf hinaus, die gesamten Länder des Hauses Habsburg seiner TochterMaria Theresiazu sichern („Pragmatische Sanktion“, vgl. Band I, Seite594ff.), und er hatte hierfür auch die Zustimmung der meisten europäischen Staaten erreicht. Als aberMaria Theresiazur Regierung kam, zeigte sich, daß diePragmatische Sanktionnichts als ein Stück Papier war. Die offenbare Schwäche Österreichs, dessen Geld- und Wehrverhältnisse sehr im argen lagen, reizte die Begehrlichkeit verschiedener Staaten; überall meldeten sich Erbansprüche. Preußen machte sein Recht auf Teile von Schlesien geltend; Bayern, das stets gegen die Sanktion protestiert hatte, verlangte ganz Österreich; Spanien forderte die ehemalig spanischen Provinzen in Norditalien. Auch Sachsen hielt sich für erbberechtigt und Sardinien dachte die Lombardei zu gewinnen. Der Kurfürst von Bayern,Karl Albrecht, strebte außerdem nach der Kaiserwürde.
König Friedrich II. von Preußen, der soeben den Thron bestiegen hatte, war stark genug, allein vorzugehen, und nahm sofort von Schlesien Besitz (1740). Bayern, selbst nicht kräftig genug zum Kampfe gegen Österreich, gewann nach längeren Unterhandlungen (1741) die Unterstützung Frankreichs; dieses hoffte Österreich zu schwächen und die eigene Macht nach Osten auszudehnen. Spanien schloß sich sofort an; später traten auch Preußen, Kurpfalz und Kurköln, sowie Sachsen für die ersten Jahre des Krieges, auf seiten Bayerns. Frankreich veranlaßte endlich Schweden zu einem Krieg mit Rußland, um diesen Staat an einer Betätigung zugunsten Österreichs zu hindern[38].
Jedoch auch Österreich gewann Bundesgenossen. Die Stimmung in England neigte zugunsten Österreichs, und dies war natürlich, denn England stand bereits im Kampfe mit Spanien, einem der Gegner Österreichs, und ein Wachsen der Macht Frankreichs, etwa durch die Erwerbung Belgiens, lag keineswegs in Englands Wünschen. Das Aufblühen des französischen Seehandels und der Kolonien Frankreichs in Ost- und Westindien verfolgte man mit Besorgnis; in Nordamerika lag der Kampf um die Grenzen der beiderseitigen Besitzungen gewissermaßen in der Luft. KönigGeorgII. war zunächst zur Unterstützung Österreichs bereit, da er als Kurfürst von Hannover eifersüchtig auf Preußens Wachsen sah. Bald aber glaubte er sein Kurfürstentum durch Preußens Bündnis mit Frankreich bedroht, wollte sich deshalb neutral halten und erklärte sich für die Kaiserwahl Karl Alberts. Infolge des nicht gerade günstigen Verlaufes des Seekrieges mit Spanien, und da die englische Flotte die Überführung eines spanischen Heeres nach Oberitalien (1741) nicht gehindert hatte, wuchs jedoch die Opposition gegenWalpole; er mußte sein Amt niederlegen (Februar 1742), und nun trat England durch Geldhilfe und die Stellung eines Heeres in Belgien offen für Österreich ein. Unter Englands Einfluß tat Holland das gleiche; hier fürchtete man die alte Gefahr, Frankreich als Nachbar und dadurch die belgischen Seestädte als Nebenbuhler im Handel zu bekommen[39]. Auch Sardinien, später (1743) Sachsen und endlich selbst Rußland (1744) wurden durch England für Österreich gewonnen.
So war nach und nach ein allgemeiner europäischer Krieg entstanden, der neben dem Englisch-Spanischen Seekriege einen Englisch-Französischen See- und Kolonialkrieg mit sich brachte.
Als sehr bemerkenswert muß hiereine eigentümliche Auffassung internationaler Beziehungenjener Zeit erwähnt werden. Während der ersten Jahre führte Frankreich den Krieg gegen Österreich nur zur Unterstützung Bayerns, und England sowie Spanien traten auch nur als Helfer Maria Theresias auf. Eine Kriegserklärung Frankreichs an Österreich und England erfolgte erst 1744, an Holland gar erst 1747; obgleich ihre Heere schon vorher gegeneinander fochten, betrachteten sich doch diese Staaten nicht als im Kriegszustand, sondern, mit Ausnahme der im Felde stehenden Truppen, als noch im Frieden befindlich. Ebenso galt es auf See. Zwischen Frankreich und Spanien bestand ein Defensivbündnis, nach dem Frankreich in bestimmten Fällen (siehe auch Band I, Seite598) Spanien eine Hilfsflotte zu stellen hatte.
Diese Hilfe sollte allerdings keine Feindseligkeit gegen England in sich schließen, die den Frieden zwischen England und Frankreich verletzte. Französische Kriegsschiffe waren danach, so lange sie mit der spanischen Flotte den Abmachungen des Vertrages gemäß zusammenwirkten, Feinde Englands, nicht aber der französische Staat und seine sonstigen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Auf Grund dieses Vertrages sandte nun Frankreich schon 1740 ein Geschwader nach Westindien, mit dem Befehl, die spanischen Schiffe und Kolonien zu schützen; 1741 deckten französische Kriegsschiffe[49]im Verein mit der spanischen Flotte einen Truppentransport von Spanien nach Italien und Frankreich gewährte dann der spanischen Flotte Unterschlupf in Toulon; 1744 wurde, sogar noch ehe der Krieg erklärt war, die erste Seeschlacht vor Toulon mit den Engländern geschlagen, als eine französische Flotte die spanische nach Spanien begleitete. Da mutet es denn seltsam an, wenn sich französische Geschichtsschreiber mit großem Ernst über einzelne Angriffe englischer Schiffe auf französische vor 1744 unter dem Einwurfe beklagen, daß kein offener Krieg bestanden hätte; anderseits hatte ja allerdings England diese eigentümliche Auffassung in dem französisch-spanischen Vertrage gewissermaßen dadurch als berechtigt anerkannt, daß es aus dem beschriebenen Auftreten der französischen Seestreitkräfte keinen casus belli machte.
Da der Seekrieg nur in loser Verbindung mit dem großen europäischen Landkriege stand, so genügt es, über diesen einen Überblick zu geben. Ein solcher ist jedoch wünschenswert, um zu zeigen, inwieweit die Gegner im Seekriege durch den Landkrieg in Anspruch genommen waren und inwieweit der erste auf den zweiten einwirkte; auch werden dabei die Gründe für die Gruppierung der Staaten etwas klarer werden. Der Verlauf des Seekrieges wird hierbei zunächst nur angedeutet werden.
Der Englisch-Spanische Seekrieg 1739–1744wurde nur von den Engländern angriffsweise geführt, die in erster Linie gegen die spanischen Besitzungen in Westindien vorgingen; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden. Schon im Juli 1739, noch vor der Kriegserklärung, lief die erste Expedition aus, und die Jahre 1739–1744 brachten dann eine Reihe von Angriffen auf die wichtigsten spanisch-westindischen Küstenstädte. Mit ungenügenden Mitteln unternommen und nicht tatkräftig durchgeführt, blieben sie jedoch sämtlich ohne entscheidenden Erfolg. In den europäischen Gewässern beschränkte sich die Tätigkeit der englischen Marine auf die Überwachung der spanischen Küsten — um die feindlichen Kriegsschiffe und Freibeuter festzuhalten, sowie den Handel zu unterbinden — und auf die Aufgaben, die der Landkrieg in Italien für die Seestreitkräfte im Mittelmeer brachte; aber auch hierin war man nicht überall und nicht andauernd glücklich. Selbst im kleinen Kriege errang England keine Vorteile; die Spanier fügten in den westindischen und in den europäischen Gewässern dem viel bedeutenderen englischen Seehandel mehr Schaden zu als sie von England überhaupt erleiden konnten. Der Schutz, den die französische Marine der spanischen zuteil werden ließ, lähmte allerdings wohl etwas die Tätigkeit der englischen, aber noch mehr trugen verschiedene andere selbstverschuldete Übelstände dazu bei, daß England bis zum Jahre 1744, als der förmliche Krieg mit Frankreich ausbrach, Spanien gegenüber noch nichts erreicht hatte.
Der Österreichische Erbfolgekrieg von 1740–1748(einschließlich desersten Schlesischen Krieges). Im November 1740 rückteFriedrichII. in Schlesien ein, bot aber gleichzeitigMaria Theresiagegen Abtretung dieser Provinz die Hilfe seiner Waffen und Geldunterstützung zur Erhaltung ihres übrigen Erbes sowie auch seine Stimme für die Kaiserwahl ihres GemahlsFranz Stephanan. Die hochherzige Frau wies das Anerbieten schroff zurück. Da in Schlesien nur wenige Truppen standen und die Festungen verwahrlost waren, bekam Friedrich die Provinz in kurzer Zeit bis aufNeißein seine Hand und schlug auch den FeldmarschallNeipperg, der von Böhmen heranrückte, wieder aus dem Lande (Schlacht bei Mollwitz, 17. April 1741).
Den ersten Angriff auf Österreich hätte man wohl vonKarl Albert von Bayern, dem Haupterbprätendenten, erwarten müssen, doch fand dieser nicht sofort die erwünschte Unterstützung durch Frankreich. Der KardinalFleuryhätte zwar gern in Deutschland drei bis vier größere Staaten gesehen, unter sich uneinig und keine der französischen Macht gewachsen, dennoch zögerte er lange, einzugreifen. Nach den Erfolgen Preußens kam jedoch derVertrag von Nymphenburg(Mai 1741) zwischen Frankreich, Spanien und Bayern zustande, in dem Frankreich versprach, für Bayern ein Heer zu stellen, Hilfsgelder zu zahlen und die Wahl des Kurfürsten zum Kaiser zu unterstützen; diesem Vertrage schlossen sich im August Preußen und Sachsen an.FriedrichII. sicherte sich dadurch französische Hilfe gegen Hannover.GeorgII.von Englandhatte hier Truppen zusammengezogen, sah aber jetzt von einem Eingreifen ab und versuchte zwischen Österreich und Preußen zu vermitteln.FriedrichII. war den Sommer 1741 in Schlesien stehen geblieben, mit Vermehrung und Verbesserung seiner Reiterei beschäftigt, und hielt so die vorläufig einzige österreichische Feldarmee in Schach. Erst alsNeippergaufs neue vorrückte, brach auch er wieder auf (September); es kam aber nicht zum Schlagen, sondern man schloß eine geheime Konvention (Klein-Schellendorf, 9. Oktober) ab, nach der Preußen die eroberte Provinz bis zur Neiße behielt.Maria Theresiagab nach, um Neippergs Heer gegen ihre anderen Gegner frei zu bekommen.
Bayern und Franzosen waren nämlich im Sommer 1741 in Österreich bis nahe vor Wien eingedrungen. Dann zog der größere Teil ihres Heeres nach Böhmen und auch die Sachsen rückten dort ein; gemeinsam wurde Prag erobert undKarl Alberthier zum König gekrönt (Dezember 1741). Bald darauf wurde Karl Albert zum Deutschen Kaiser erwählt und in Frankfurt gekrönt (12. Februar 1742).Maria Theresiahatte aber Zeit zum Rüsten gewonnen und vor allem Ungarn durch Zusicherung größerer Selbstständigkeit zu außerordentlichen Leistungen bewogen. Der ungarische Heerbann, durch reguläre Truppen unterstützt, eroberte unterKhevenhüllerOberösterreich zurück und drang in Bayern ein (12. Februar 1742 in München). Ein zweites Heer unterKarl von Lothringenhatte weniger Erfolg. Zur Deckung Prags war es zu spät gekommen undFriedrichII. hatte wieder die Waffen ergriffen, weil Österreich die Konvention nicht geheim gehalten hatte.
Der König drang im Frühjahr 1742 durch Mähren bis nahe vor Wien vor. Zwar mußte er, von den Sachsen schlecht unterstützt, wieder nach Böhmen zurückgehen, alsKarl von Lothringen, durch Truppen Khevenhüllers verstärkt, heranrückte, aber dann schlug er seinen Gegner, der sich zwischen ihn und Prag schieben wollte, beiCzaslau und Chotusitz(17. Mai 1742). Diesen Erfolg benützteFriedrichII. unter nachdrücklicherVermittlung Englands sofort, um sich durch raschenFriedensschluß(Breslau, 11. Juni 1742) Schlesien zu sichern. Von Preußen nicht mehr bedroht, erzwangen die Österreicher den Abzug ihrer Gegner aus Böhmen, die Prag im Dezember 1742 räumten. Sie eroberten dann auch Bayern zurück (Frühjahr 1743), wo die Verbündeten wieder vorgedrungen waren; die Franzosen zogen ab, die bayerischen Truppen wurden in neutrale Quartiere verwiesen.
Um diese Zeit gingen nachWalpolesRücktritt auch England und Holland tatkräftig für Österreich vor.GeorgII. zog (April 1743) in Belgien englische, holländische, österreichische und hessische Truppen zusammen, die sogenannte „Pragmatische Armee“, führte sie rheinaufwärts, trieb durch den Sieg beiDettingen(27. Juni 1743) ein neu eingedrungenes französisches Heer (Herzog von Noailles) über den Rhein zurück und nahm Worms ein; später ging die pragmatische Armee nach den Niederlanden. Der „Wanderkaiser“KarlVII. saß verlassen in Frankfurt.
In Italienbehauptete die österreichische Sache das Gleichgewicht. Im Anfang des Jahres 1742 waren die Spanier inGenuaundToskanagelandet, unbehindert durch englische Seestreitkräfte, da eine französische Flotte die spanische begleitete. Zu ihrer Unterstützung kamen Truppen des Königreichs Beider Sizilien heran, aber England erzwang deren Rückberufung durch eine Flottendemonstration vorNeapel(August 1742). Schon im Februar 1742 hatte sich Sardinien für Österreich erklärt; KönigKarl Emanuel, der anfangs zu Frankreich-Spanien neigte, ließ sich von England durch Hilfsgelder und das Versprechen, im Mittelmeer eine starke Flotte zu halten, sowie von Österreich durch Zusicherung von Gebietsteilen im Mailändischen gewinnen. Nun besetzten zwar überlegene französisch-spanische Streitkräfte im Winter 1742/43 Savoyen, vermochten aber weder in Norditalien, noch in Toskana weiter vorzudringen.
Die englische Flottehinderte ferner Landungen der Spanier in Genua und blockierte die spanische Flotte vom Mai 1742 bis zum Mai 1744 in Toulon. KardinalFleurykonnte hieraus, sowie aus dem Verhalten Sardiniens und Neapels den Lohn für seine Vernachlässigung der Marine entnehmen.
Neue Bündnisse.Die Erfolge des Jahres 1743 führten Österreich, England und Sardinien zu engerem Zusammenschluß. ImTraktat zu Worms(13. September 1743 im Hauptquartier Georgs II.) erkannte Sardinien die pragmatische Sanktion an und erhielt dafür einen Teil der Lombardei; England verpflichtete sich zur Stellung einer starken Flotte und zur Zahlung von 200000 Pfund Sterling; gegenseitig garantierten sich die Staaten ihren Besitz von 1739, also „vordem Frieden von Breslau“. Ferner schlossen Österreich und Sachsen (Dezember 1743), sowie Sachsen und Rußland (Februar 1744) ein Defensivbündnis. Auch die Gegner blieben nicht untätig. Frankreich erneuerte nach Fleurys Tode seinen Vertrag mit Spanien: Mailand und Parma sollten als eine weitere Sekundogenitur, wie es Neapel schon war, an Spanien fallen; Gibraltar und Port Mahon wollte man zurückerobern und sonstigenenglischen Übergriffen (in Westindien und Florida) steuern.Frankreichbegünstigte außerdem die Vorbereitungen des letzten Stuart Karl Eduard für eine Erhebung in Schottland underklärte jetzt den Kriegan England (März 1744, nach der Seeschlacht vor Toulon) und an Österreich (April). AuchFriedrichII. rüstete zu neuem Waffengange; durch den Wormser Traktat sah er sich im Besitze Schlesiens bedroht, der Vertrag Österreichs mit Sachsen richtete seine Spitze offenbar gegen ihn und eine Spannung mit Georg II. über den Besitz Ostfrieslands trat hinzu. Sein Versuch, die deutschen Fürsten unter preußisch-bayerischer Führung zu einigen, um die fremden Mächte von Deutschland auszuschließen, war fehlgeschlagen, nun schloß er (Paris5. Juni 1744) ein neues Bündnis mit Frankreich „zum Schutze Kaiser Karls VII.“; ein ähnlicher Vertrag mit Bayern und Kurpfalz war vorhergegangen (Frankfurter Union, 22. Mai).
Der Krieg von 1744–1746(einschließlich des Zweiten Schlesischen Krieges). Frankreich führte im Jahre 1744 den Krieg nur lau. In Belgien wurden unter Ludwigs XV. persönlicher Führung einige Städte genommen; ein zweites Heer am Oberrhein wagte jedoch nicht, diesen Fluß zu überschreiten, sondern zog die Bayern zu sich herüber. Dagegen gingen die Österreicher (Karl von Lothringen) über den Rhein und drangen im Elsaß vor. Ludwig kam zwar mit der Hälfte des flandernschen Heeres heran, aber seine Erkrankung lähmte die Unternehmungen. Jetzt eröffneteFriedrichII. den Feldzug. Er rückte durch Sachsen und aus Schlesien in Böhmen ein. Die Österreicher wurden dadurch gezwungen, über den Rhein zurückzugehen und auch Bayern zu räumen, aber nur langsam folgten die Franzosen und die Bayern nach. Unbehindert konnte Karl von Lothringen sein Heer nach Böhmen führen und Friedrich wurde unter großen Verlusten nach Schlesien zurückgedrängt (Dezember 1744). In Süddeutschland kam es im Winter 1744/45 noch zu einigen Kämpfen. Als aber Kaiser Karl gestorben war (Januar 1745), stimmte sein Sohn der pragmatischen Sanktion sowie der Kaiserwahl Franz Stephans zu und schloß Frieden mit Österreich (April); auch die Franzosen räumten Deutschland (Juli) und verlegten den Hauptkriegsschauplatz nach Belgien.
Vielleicht wäre es für Frankreich richtiger gewesen, Österreich in seinem entfernt liegenden und schwer zu verteidigenden Besitze, Belgien, hauptsächlich anzugreifen. Mit dem Vordringen über den Rhein und durch Deutschland hin reichte man aber Preußen die Hand, dessen militärische Macht sich zum ersten Male zeigte. In Belgien dagegen hätte der französische Angriff auch die Seemächte empfindlich getroffen, die stets auf das Eindringen der Franzosen eifersüchtig waren. So ist es wohl unterlassen, um den förmlichen Krieg mit diesen noch zu vermeiden. Als es aber später geschah, hat es sicher dazu beigetragen, die Tätigkeit der englischen Marine, in den fernen Gewässern besonders, zu lähmen; man wandte in England nun dem Landkriege mehr Aufmerksamkeit zu, als richtig war.
Friedrich II.stand 1745 allein da; Österreich und Sachsen schlossen im März einen neuen Vertrag zu einem Einfall in Schlesien. Jetzt bewies der König seine Größe und vereitelte durch die Siege über Erzherzog Karl beiHohenfriedberg(4. Juni 1745) undSoor(30. September) den Einfall. Als dann die Gegner wieder in Schlesien einbrechen und gleichzeitig mit der sächsischen Hauptmacht, verstärkt durch die am Rhein freigewordenen österreichischen Truppen, von Dresden her die Mark angreifen wollten, schlug er Karl von Lothringen aufs neue beiKatholisch-Hennersdorf, 23./24. November, und marschierte auf Dresden; Lothringen folgte.Leopold von Dessau, der das andere feindliche Heer zu beobachten hatte, griff dieses inzwischen auf ausdrücklichen Befehl des Königs trotz seiner schwächeren Kräfte an und schlug es vernichtend beiKesselsdorf(15. Dezember), als der König bei Meißen und Karl bei Dresden angekommen waren. Dieser ging dann mit den Trümmern des geschlagenen Heeres nach Böhmen zurück; Friedrich zog in Dresden ein. Er zwang hierdurch Sachsen zum Nachgeben und auch Österreich war nicht geneigt, den Krieg allein fortzuführen. Am 25. Dezember 1745 wurdeder Friede von Dresdengeschlossen; der König behielt Schlesien und erkannte dafür Franz Stephan an, der schon am 13. September alsFranzI. zum Kaiser gewählt und am 4. Oktober gekrönt war.Der Krieg in Deutschland war zu Ende.
Auch anderwärts stand die österreichische Sache ungünstig. Im Frühjahr 1745 waren die Franzosen mit starker Macht inBelgienaufgetreten. Sie nahmen wichtige Städte ein und der MarschallMoritz von Sachsensiegte bei Fontenay (11. April) über den Herzog von Cumberland; am 21. Februar besetzten die Franzosen Brüssel und bedrohten Holland selbst.
Im Mittelmeer fand am 22. Februar 1744 dieSeeschlacht vor Toulonstatt, als die französische Flotte die spanische von genanntem Hafen nach der italienischen oder spanischen Küste geleiten wollte. Sie blieb unentschieden.
In Norditalieneroberte ein französisch-spanisch-neapolitanisches Heer 1745 Piemont und fast die ganze Lombardei. Erst als nach dem Frieden von Dresden Österreichs Truppen in Deutschland frei wurden, konnte es in Italien das Gleichgewicht wieder herstellen. Das österreichisch-sardinische Heer vertrieb 1746 die Franzosen, die Spanier gingen von Genua aus in die Heimat zurück; die Sieger besetzten diese Stadt und drangen sogar in die Provence ein, in beidem von der englischen Flotte unterstützt. Ein von Frankreich begünstigter Aufstand in Genua rief sie dann aber zurück, und eine neue Belagerung dieser Stadt mußte aufgegeben werden, als die Franzosen wieder über Nizza (1747) vordrangen.
Die Erhebung Schottlands.Der Niedergang der österreichischen Sache in Belgien hing mit der Gefahr zusammen, die dem Hause Hannover in England durch eine Erhebung der Schotten zugunsten der Stuarts drohte.JakobIII. lebte nach seinem letzten Ringen um die Krone Großbritanniens (1708; vgl. Band I, Seite522) in Rom. Von hier ging 1743 sein SohnKarl Eduard(gewöhnlich „der junge Prätendent“ genannt) nach Paris, um mit Frankreichs Hilfe einen neuen Versuch zu wagen; der Kampf Englands mit den Bourbons, die geringe Beliebtheit des Hauses Hannover in England,die Anhänglichkeit der Schotten an die Stuarts, sowie ihre Abneigung gegen eine Verbindung mit England ließen die Gelegenheit günstig erscheinen. Frankreich war dem Unternehmen geneigt, das England vom Festlandskriege abziehen mußte und wollte 1744 14 000 Mann nach Schottland übersetzen, aber diese Expedition — das einzige Angriffsunternehmen Frankreichs zur See in diesem Kriege — scheiterte infolge verzögerter Ausrüstung, ungünstiger Wetterverhältnisse und der Übermacht der englischen Seestreitkräfte.
Erst im Juli 1745 kam Karl Eduard mit nur wenigen Begleitern nach Schottland. Verschiedene Clans standen für ihn auf. England war völlig überrascht und hatte nur wenige Truppen zur Verfügung; seine schwachen Garnisonen räumten Schottland. Der Prinz bemächtigte sich Edinburghs (im September), rückte in England ein, schlug ein englisches Korps und drang bis auf acht Tagemärsche an London heran. Das englische Volk zeigte sich meist gleichgültig, teilweise sogar feindlich gegen die eigene Dynastie, deren Lage bei dem Mangel an Truppen gefährdet erschien, um so mehr da eine französische Landung vorbereitet wurde. In London begann der Kredit zu wanken, die Bank wurde fast gestürmt. Aber jetzt weigerten sich die Schotten weiterzumarschieren. Karl Eduard mußte nach Schottland zurück und wurde beiCulloden(16. April 1746) vomHerzog von Cumberlandvernichtend geschlagen. Dieser war mit Truppen von Belgien herübergerufen; meist Hessen im Solde Hollands, das nach altem Vertrag verpflichtet war, England bei drohendem Einfall Truppen zu stellen. Der letzte Versuch der Stuarts war gescheitert,Karl Eduardirrte fünf Monate umher und floh dann nach Frankreich; aber sein Aufstand war doch von lähmendem Einfluß auf Englands Kriegführung zur See gewesen.
Das Ende des Erbfolgekrieges.Die Franzosen machten 1746 immer raschere Fortschritte inBelgien; alle wichtigen Städte, auch Antwerpen und Namur, fielen in ihre Hände;Moritz von Sachsenerfocht beiRocourt(11. Oktober 1746) einen zweiten glänzenden Sieg über Cumberland und Karl von Lothringen. 1747 siegten die Franzosen nochmals beiMaastricht(2. Juli) und nahmen Bergen op Zoom (16. September); am 11. Mai 1748 fiel auch Maastricht. Schon vor Einnahme dieser wichtigsten Festung waren Friedensunterhandlungen im Gange, und als jetzt die Franzosen mit dem Einbruch in Holland drohten, kam es zum Frieden, zunächst zwischen Frankreich und England-Holland.
In demSee- und Kolonialkriege Englands gegen Frankreich und Spanien 1744–1748behauptete England schließlich das Übergewicht. Wie Spanien schon bisher, so war auchFrankreichinfolge der Schwäche seiner Marine genötigt, sich in der Verteidigung zu halten. Wie schon erwähnt, hatte es nur einmal, noch vor der Kriegserklärung, einen Offensivstoß versucht (einen Einfall in England zugunsten Karl Eduards), der aber nur bei völliger Überraschung des Gegners hätte gelingen können. Später beschränkte sich Frankreich auf den Schutz seiner Kolonien und auf den kleinen Krieg gegen den feindlichen Handel.Englandführte den Seekrieg zunächst nicht energischer als bisher gegen Spanien allein. Die Tätigkeit seiner Seemacht wurde durch verschiedene Umstände gelähmt — Vernachlässigung der Marine während der langen[55]Friedenszeit, Mangel an frischem Geiste in ihr, vor allem aber durch unrichtige und schwächliche Verwendung der überlegenen Flotte —, und so blieb natürlich der Erfolg aus. Es gelang nicht, die feindlichen Häfen zu sperren und so die Gegner von ihren Kolonien abzuschneiden.
In Westindien, worauf die Franzosen den Hauptwert legten, und wo auch die Spanier den größeren Teil ihrer Seestreitkräfte hielten, vermochten die Engländer nichts auszurichten; in Nordamerika eroberten zwar die englischen Kolonisten, von der Flotte unterstützt, die wichtige FestungLouisbourgund hielten sie bis zum Friedensschluß, mehr errangen sie jedoch nicht, da sie keine Unterstützung erhielten; in Ostindien gelang es sogar den Franzosen,Madras(1746) zu nehmen und den englischen Angriff auf Pondicherry (1748) abzuschlagen und so bei den indischen Fürsten das Ansehen Frankreichs über das Englands zu heben. Selbst im kleinen Kriege war England nicht imstande, seine Handelsschiffahrt vor großen Verlusten durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe der Gegner zu bewahren, wenn es auch deren Handel gleichfalls großen Schaden zufügte.
Erst nach und nach, besonders vom Jahre 1747 an, wurde es besser. Die englische Marine erstarkte dauernd an Zahl der Schiffe und innerem Wert, die der Gegner gingen abwärts infolge von Verlusten und von Vernachlässigung, die französische Seemacht wurde schließlich durch die Vernichtung von zwei stattlichen Geschwadern in denSeeschlachten bei Kap Finisterre(im Mai und Oktober 1747) völlig lahmgelegt; auch die Freibeuter ihrer Gegner hatten die Engländer nach und nach größtenteils weggefangen. Jetzt war England imstande, Frankreich und Spanien von ihren Kolonien gänzlich abzuschließen, ihren Handel fast völlig zu vernichten, dagegen den eigenen Seehandel wirksam zu schützen, der übrigens in seiner Gesamtheit trotz der Verluste mit dem Schwinden des feindlichen stets zugenommen hatte.
Diese Umstände trugen wesentlich dazu bei, Frankreich dem Frieden geneigt zu machen.
Der Frieden zu Aachen 1748beschloß den für alle Beteiligten ergebnis- und aussichtslosen Krieg.
Frankreich hatte zwar Ruhm und Eroberungen in den Niederlanden geerntet, aber mit jedem Jahre wuchs die Geldverlegenheit der Regierung und die Not des Volkes, die überwiegend die erwerbenden Klassen traf; das Land war erschöpft. Frankreich trug die Last des Krieges auch für seine Verbündeten, die häufige Anwesenheit des Königs bei den Heeren vermehrte die Kosten noch, während von den gewaltigen Brandschatzungen in Feindesland nichts in die öffentlichen Kassen floß. Der französische Seehandel litt schwer und sah sich nach den Unfällen der Marine im letzten Jahre ebenso wie die Kolonien immer mehr der englischen Seemacht preisgegeben. Selbst die Behauptung der Eroberungen in den Niederlanden schien unsicher, da die Seemächte noch während der Friedensverhandlungen im Verein mit Österreich und Sardinien beträchtliche Streitkräfte in den Niederlanden und in Italien aufstellten, um unter allen Umständen die Erhaltung Hollands durchzusetzen. Sogar Rußland ließ, von England und Österreich gewonnen, ein Heer in englischem Solde nach dem Rhein marschieren.
Aber auch die Seemächte waren zum Frieden geneigt. Holland sah sich durch einen französischen Einfall bedroht, England mußte zugunsten seiner Handelsübermacht unbedingt Holland halten und durfte aus demselben Grunde auch die österreichischen Niederlande nicht in französischen Händenlassen, mußte also Frieden schließen, so lange dies dadurch noch zu verhindern war. Die Seemächte trugen, wie früher, die Gesamtkosten; in erster Linie England, dessen Staatsschuld trotz großer Erhöhung der Steuern schon von 50 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1739 auf 78 Millionen angewachsen war. Österreich und die kleineren Staaten vermochten nicht ohne das Geld der Seemächte weiter zu kämpfen, und so einigten sich zunächst England und Holland im geheimen mit Frankreich über die Grundlagen des Friedens (30. April 1748); die Bundesgenossen wollte man, wenn erforderlich, zur Beistimmung zwingen.
Nach denFriedensbedingungenbeurteilt, ist wohl nie ein Krieg mit so vielen Kämpfen und so bedeutenden Verlusten an Geld und Blut so ergebnislos verlaufen wie dieser. Im wesentlichen wurde der Besitzstand vor dem Kriege wiederhergestellt und die Eroberungen zurückgegeben. Für Österreich wurde die pragmatische Sanktion, für das Haus Hannover die britische Thronfolge und für Preußen der Besitz von Schlesien gewährleistet. Österreich mußte Parma und Piacenza als eine zweite Sekundogenitur an Spanien, mailändisches Gebiet an Sardinien abtreten; seine Niederlande, in denen wie früher die Barrierefestungen von Holland mitbesetzt werden sollten, erhielt es zurück. Frankreich und England tauschten Madras und Louisbourg wieder aus und die Abmachungen über die neutralen Inseln in Westindien (vgl. Seite9) wurden erneuert. Frankreich verpflichtete sich aufs neue, Dünkirchen nach der Seeseite nicht zu befestigen und Glieder der Familie Stuart weder zu unterstützen, noch auch in seinem Lande zu dulden.
Dagegen blieb die Grenzfrage zwischen den englischen und französischen Kolonien in Nordamerika, besonders in Neubraunschweig, sowie über das Besiedlungsrecht im Ohiotal ungeregelt. Ebenso wurden die Hauptstreitpunkte zwischen England und Spanien nicht aus der Welt geschafft: das Recht zur Untersuchung englischer Schiffe durch die Spanier wurde nicht aufgehoben; die geforderte Entschädigung englischer Rheder sowie die Abgrenzung zwischen Florida und Georgia sollten auf diplomatischem Wege geregelt werden und man wußte doch, wie wenig dabei herauskommen würde. Nur der Assientovertrag wurde auf vier Jahre erneuert.
Alswichtige politische Folgedes Krieges, hervorgerufen durch das fortgesetzte Mißgeschick im Felde, erscheint die Wahl des PrinzenWilhelm von Nassau, Statthalters von Friesland und Geldern, zumStatthalteraller sieben Provinzen, zum Generalkapitän undAdmiralgeneralseitens der alten Volkspartei, womit die sogenannte zweite statthalterlose Zeit ihr Ende fand.
Der Frieden wurde von Frankreich und den Seemächten am 18. Oktober 1748 unterzeichnet; Österreich trat am 23. Oktober bei und Preußen, Spanien, Sardinien schlossen sich an. Da Maria Theresia nur gezwungen auf Schlesien verzichtete und da die wichtigsten Fragen zwischen England und Frankreich-Spanien unberührt gelassen waren,trug der Friede den Keim zu neuem Kriege in sich.
Frankreich.Die Quellenangaben über denSchiffsbestandum 1740 schwanken. Man kann ihn zu 45–50 Linienschiffen (von 50 Kanonen und darüber) und zu 15–20 großen Fregatten (hierunter wohl auch Schiffe mit 40–50 Kanonen verstanden), sowie etwa 50 kleineren Schiffen und Fahrzeugen annehmen. Hinzu traten im Mittelmeer 60 Galeeren, auf die man aber kaum noch Wert legte. Unter den Linienschiffen scheinen sich keine mit über 80 Kanonen (Dreidecker) befunden zu haben; jedenfalls sind solche im Kriege nicht zur Verwendung gekommen. Die Schiffe waren großenteils in schlechtem Zustande, die Werften nicht leistungsfähig, die Arsenale und Magazine leer.
Die Zahl derOffiziere, Deck- und Unteroffizierewar zwar in den letzten Jahrzehnten sehr verringert, reichte jedoch für die Schiffe aus, die in Dienst gestellt wurden. Ebenso machte sich kein Mangel anMannschaftenfühlbar, da die Inskription wieder geregelt war. Infolge der seltenen Indienststellungen im Frieden und später im Kriege fehlte jedoch dem Gesamtpersonal die Übung.
Eine Unterstützung, besonders auf dem ostindischen Kriegsschauplatze, fand die Marine in den großenSchiffen der Compagnie des Indes, die mehr Kanonen (bis zu 60) an Bord nehmen konnten, als sie gewöhnlich führten (20–30). Man darf sie aber nicht als vollwertige Kriegsschiffe betrachten; darauf gebaut, viel Ladung und wenig Geschütze an Bord zu nehmen, vermochten sie im umgekehrten Falle nur wenig Segel zu führen. Auf größeren Seereisen konnten sie nur 30–38 Kanonen führen und auch nur Kanonen der Mittelartillerie (8-Pfünder, 12-Pfünder, vereinzelt 18-Pfünder). Die Offiziere der Kompagnie waren gute Seeleute, aber keine Seeoffiziere; die Mannschaft war noch weniger militärisch geübt; die Disziplin ließ bei beiden zu wünschen übrig.
Der Verlust an Schiffenwährend des Krieges betrug: 22 Linienschiffe, 4 Schiffe zu 40–46 Kanonen, 13 zu 24–32, 7 zu 20 Kanonen, 9 kleinere Fahrzeuge; insgesamt 55 Segel. Einige Neubauten traten hinzu, und so warder Schiffsbestand um1748: 31 Linienschiffe und 8 im Bau.
Spanienbesaß um 1739 kaum 40Linienschiffe. Unter diesen befanden sich einige sehr gute Neubauten, aber auch manche, die nicht als vollwertig gelten konnten, da sie für die Überführung der Schätze Amerikas eigentlich nur gegen Freibeuter armiert waren. Chabaud-Arnault (sieheQuellenverzeichnis) gibt 50 Linienschiffe an, von denen jedoch nur etwa dieHälfte brauchbar gewesen sei. Beiden Angaben entspricht der Umstand, daß nach der Schilderung der kriegerischen Ereignisse 20 bis höchstens 30 Linienschiffe gleichzeitig tätig waren. Die spanischenSeeoffizierebewiesen sich tapfer, aber als Seeleute vielfach unfähig; dieMannschaftenwurden aus allen Berufsarten gepreßt, schlecht gekleidet, verpflegt und bezahlt. Die Werften waren wenig leistungsfähig.
DieSchiffsverlustebetrugen: 17 Linienschiffe und 5 Fregatten; die spanische Marine stand mithin beim Schluß des Krieges noch weit schwächer da als die französische.
England.Die völlige Vernachlässigung der französischen Marine von 1714 an wirkte dahin, daß man auch in England den Werften, der Erhaltung und dem Neubau der Schiffe nicht die bisherige Sorge zuwandte. Aber immerhin betrug 1739der Bestandin Dienst gestellter oder zu Indienststellung bereiter Schiffe: 2 zu 100 Kanonen, 3 zu 90, 11 zu 80, 16 zu 70, 44 zu 50–60 Kanonen; also 81 Linienschiffe. Dazu traten 35 Fregatten zu 30–44 Kanonen und eine Menge kleinerer Fahrzeuge. Im ganzen waren 140Schiffe mit mehr als je20Kanonenvorhanden. Die Hilfsmittel des Landes machten es leicht, die Flotte zu verstärken; schon 1744, beim Ausbruch des Krieges mit Frankreich, waren 90 Linienschiffe und 84 Fregatten mit mehr als 20 Kanonen bereit.
Der Verlust im Kriegebetrug: 13 Linienschiffe (nur zwei vom Feinde genommen), 10 Schiffe zu 20–44 Kanonen (2 davon genommen), 24 kleinere (4 genommen). Aber obgleich auch noch während des Krieges eine große Zahl von Schiffen als abgenutzt ausgemerzt wurde, war infolge von Neubau und Einstellung genommener Schiffeder Schiffsbestand um1748 gewachsen auf: 4 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 18 zu 80, 24 zu 70, 6 zu 64, 33 zu 60, 36 zu 50 Kanonen; also 131 Linienschiffe. Weiter waren vorhanden: 42 Fregatten zu 44 und 84 zu 20–36 Kanonen und eine Menge kleiner Fahrzeuge; insgesamt zählte die Marine 313 Segel.
Die Fregatten mit 30–36 Kanonen waren sämtlich dem Feinde abgenommen worden; England selber hatte also noch keine „eigentliche Fregatte“ gebaut.Bemerkenswertist ferner das Anwachsen der Zahl der Schiffe zwischen 20 und 44 Kanonen. Es war dies die Folge einer Denkschrift des alten AdmiralsSir John Norris(siehe Band I), die auf den Mangel an Schiffen zum Schutz des Seehandels hinwies, als dieser große Verluste durch Freibeuter und Kreuzer erlitt, obgleich Englands „Flotten“ die See beherrschten.
Hieraus ergibt sich die großeÜbermacht EnglandsFrankreich und Spanien gegenüber schon um 1744; Spaniens Marine allein war in dem Kriege 1739–1744 der englischen gegenüber kaum zu rechnen und hatte bis 1777 schon mehrere Linienschiffe verloren (bei Cartagena, 1771, 6 sowie einige in Einzelgefechten beim kleinen Kriege in den europäischen Gewässern). Die französischen Schiffe und auch die neueren spanischen waren zwar teilweise den englischen der gleichen Klasse an Stärke der Armierung (Kaliber) überlegen, aber dafür war das englische Personal, wie erwähnt (Kapitel II),tüchtiger. Augenfällig aber ist das Überwiegen Englands gegen Ende des Krieges. Die Verbündeten hatten zusammen 38 Linienschiffe verloren und konnten trotz einiger Neubauten den 131 Schlachtschiffen der Engländer kaum über 50 entgegenstellen.
Troude(Teil I, Seite 323) beziffert den französischen Verlust auf nur 18 Linienschiffe; er hat vielleicht die Schiffe der indischen Kompagnie nicht mitgerechnet, denn Lacour-Gayet, eine neuere Quelle, gibt wie Charnock 22 an. — Chabaud-Arnault schreibt, 1747 seien 50 Linienschiffe vorhanden gewesen, davon neun im Bau. Wenn Frankreich auch wirklich zehn mehr gehabt hat, als Charnock angibt, so bleibt doch immer die große Übermacht Englands zu Ende des Krieges bestehen; übrigens führt auch hier Lacour nur 40 an, einschließlich zehn im Bau.
Holland[41]. Der völlige Verfall der Marine von 1713–1740 ist bereits erwähnt (Band I, Seite500). DerSchiffsbestandum 1741 betrug 1 Schiff zu 90 Kanonen (42 Jahre alt), 5 zu 72 (3 davon zwischen 1715 und 1719 erbaut), 8 zu 64 (davon 2 unbrauchbar, 2 im Bau), 15 zu 52–58, 13 zu 44, 1 zu 36, 6 zu 22, 2 zu 12–16 Kanonen. Weit über die Hälfte gehörten zur Admiralität Amsterdam. Es hielt schwer, Mannschaften, besonders Unteroffiziere, zu erhalten; die Schiffe waren schlecht im Stande, die Offiziere ungeübt und überaltert. Während des Krieges wurden 12 Linienschiffe und 5 leichte Fregatten gebaut, aber eine wesentliche Unterstützung konnte die holländische Marine der englischen zu keiner Zeit bieten. 1744 verlangte England auf Grund des seit langen Jahren bestehenden Vertrages die Gestellung von 15 Linienschiffen und 5 schweren Fregatten; doch war dies nur mühsam zu bewirken und auch nicht während des ganzen Krieges durchzuführen. Der jüngste und tüchtigste Admiral jener Zeit urteilt, daß die Schiffe von ihrer ungeübten Besatzung schlecht bedient, daß die Kommandanten und Offiziere, ja selbst der Flottenchef, ohne jede Erfahrung in Flottenmanövern seien.
Ende Oktober 1739 erklärte England den Krieg an Spanien. Schon im Sommer hatte man mit der Mobilmachung begonnen, Mannschaften eingezogen, Schiffe in Dienst gestellt, die auswärtigen Stationen verstärkt und Kaperbriefe ausgegeben. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die spanisch-amerikanischen Kolonien; hier war Spanien am leichtesten zu verwunden, hierhoffte man auf reiche Beute. Man sendete eine Expedition nach Westindien und eine nach dem Stillen Ozean; die letzte unter KapitänGeorge Ansonging jedoch erst im Herbst 1740 ab, dagegen segelte der VizeadmiralEdward Vernonschon am 24. Juli 1739nach Westindien.
Vernon, geboren 1684 und seit 1706 Kapitän, stand in dem Rufe, die Verhältnisse in Westindien, besonders die Schwächen der Spanier, genau zu kennen, da er mehrere Jahre ein Schiff dort geführt hatte. Im Parlament erklärte er wiederholt, er würde imstande sein, Puerto Belo mit sechs Schiffen zu nehmen. Da er nun sehr populär, anderseits aber durch Ausfälle gegen die Regierung dieser unbequem war, gab man ihm jetzt das Kommando, um ihn für einige Zeit loszuwerden. Mit Überspringung des Kontreadmiralgrades wurde er Vizeadmiral und führte mehrere Jahre das Oberkommando in Westindien; nach England zurückgekehrt, wurde er 1745 Admiral und Chef eines Geschwaders im Kanal. In dieser Stellung protestierte er in schroffer Weise gegen Verfügungen der Admiralität und veröffentlichte auch gehässige Artikel über die Leitung der Marine. Obgleich er sonst ein tüchtiger und eifriger Offizier war, wurde er 1746 von der Liste der Flaggoffiziere gestrichen. Er starb 1757.
Ihm unterstanden neun Schiffe, von denen jedoch vier an der spanischen Küste abgezweigt wurden, um zurückerwarteten spanischen Silberschiffen aufzulauern. Am 23. Oktober erreichte Vernon Jamaika und übernahm das Kommando der Station. Auf die Nachricht hin, daß inPuerto Belo— dem Ausgangshafen der Silberflotte, auf der Landenge von Panama gelegen — die Bergwerksausbeute des letzten Jahres bereits von Panama zur Einschiffung eingetroffen sei, segelte er am 5. November mit sechs Schiffen — 2 zu 70 Kanonen; 3 zu 60; 1 zu 50 — und 200 Soldaten dahin ab. In der Nacht vom 20. auf 21. November ankerte das Geschwader vor der Bucht von Puerto Belo und nahm die Stadt am 22.
Die Einnahme von Puerto Belo Im November 1739.Die Stadt liegt an der Südostecke einer kleinen Bucht, die westöstlich läuft, gleichmäßig etwa zwei Seemeilen lang und eine Seemeile breit ist. Die Einfahrt wurde beherrscht durch ein Fort auf der Nordostecke, die Stadt selber schützten zwei Forts; die Befestigungen waren ziemlich stark.Vernonbeabsichtigte, sein Geschwader in Kiellinie in die Bucht segeln zu lassen; die ersten drei Schiffe sollten das äußere Fort unter Abgabe ihrer Breitseiten passieren und sich vor die Befestigungen der Stadt legen, die anderen drei Schiffe, auf deren erstem sich der Admiral befand, vor dem äußeren Fort ankern, alle ihre großen Boote, im Schlepp und mit Soldaten bemannt, zu einer Landung bereit halten. Am 21. morgens wehte jedoch östlicher Wind und der Plan konnte nicht genau durchgeführt werden, da die Schiffe in die Bucht aufkreuzen mußten. Um zwei Uhr nachmittags eröffneten die ersten drei Schiffe das Feuer auf das Fort an der Einfahrt, das anfangs lebhaft, aber bald schwächer antwortete. Der Admiral, der noch nicht ganz heran war, rief die Boote zu sich und gab den Befehl zum Landen. Dann trat das Flaggschiff in den Kampf ein, die Schützen in den Marsen vertrieben die Gegner aus den unteren Batterien des Forts, die Gelandeten drangen ein und waren bald Herren der ganzen Befestigung. Mittlerweile war es dunkel geworden, ohne daß die drei ersten Schiffe bis zur Stadt hatten gelangen können; sie waren nach Westen (aus der Bucht hinaus) getrieben und mußten vor Anker gehen. Auch die Schiffe des Admirals ankerten jetzt; das Flaggschiff und sein Hintermann wechselten während der Nacht mit den Stadtforts Schüsse, die jedoch nicht viel Schaden taten. Am 22. morgens gabVernonBefehl an alle Schiffe, sich in der kommenden Nacht an Puerto Belo heranzuwarpen[43]. Dieser[61]neue Plan kam jedoch nicht zur Ausführung, weil sich die Stadt nach längeren Unterhandlungen noch an diesem Tage ergab. Der englische Verlust betrug nur sieben Tote und einige Verwundete. (Genaueres über diese Unternehmung vgl. Clowes Seite 55 und Colomb Seite 322.)