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Fußnoten:[1]Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, „Wichtigste Quellenliteratur“, XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, Steinitz, Schomberg, Southey, Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten XXI dort.[2]Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren Inhalt bereits im ersten Bande XVIII ff. näher besprochen.[3]Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von 1873 angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten unter gleichem Titel.
Fußnoten:
[1]Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, „Wichtigste Quellenliteratur“, XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, Steinitz, Schomberg, Southey, Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten XXI dort.
[1]Außer den hier aufgeführten Werken sind im Band I, „Wichtigste Quellenliteratur“, XVIII ff., noch verschiedene, meist ältere Werke erwähnt; du Sein, v. Henk, Steinitz, Schomberg, Southey, Allen, Joinville; vgl. auch die Fußnoten XXI dort.
[2]Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren Inhalt bereits im ersten Bande XVIII ff. näher besprochen.
[2]Die auf diese Weise gekennzeichneten wichtigen Werke sind auf ihren Inhalt bereits im ersten Bande XVIII ff. näher besprochen.
[3]Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von 1873 angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten unter gleichem Titel.
[3]Im Quellenverzeichnis des I. Bandes ist irrtümlich eine Ausgabe von 1873 angegeben; es ist dies nur ein kleines Werk von 382 Seiten unter gleichem Titel.
Fußnote:[4]Vgl. Anmerkung zu Seite XIV.
Fußnote:
[4]Vgl. Anmerkung zu Seite XIV.
[4]Vgl. Anmerkung zu Seite XIV.
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Kennzeichen des Abschnittes.
Vergrößerung der Schlachtschiffe bei gleicher Kanonenzahl; größere Gleichmäßigkeit innerhalb der verschiedenen Klassen; Bevorzugung der bisherigen Linienschiffe mittlerer Größe; Verbesserung und Vermehrung der Fahrzeuge zu besonderen Zwecken, Einführung schwererer Fregatten. — Die Taktik wird schematisch gehandhabt und führt zu meist unentschiedenen Schlachten, erst gegen das Ende des Abschnittes gewinnt sie neues Leben. — Die Meere der Kolonien werden in den Seekrieg mit einbegriffen, das Bereich der Strategie wird dadurch erweitert.
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Geschichtlicher Überblick.Der dritte Abschnitt, die Zeit von 1648–1739 umfassend, zeitigte bis zum Frieden von Utrecht[6]fünf große Seekriege. Ihr letzter, der Spanische Erbfolgekrieg 1702–1713, hatte England zum Gebieter der Meere gemacht. Die Zeit von 1713–1739[7]brachte infolge der Friedenspolitik der MinisterWalpolein England undFleuryin Frankreich keine großen Seekriege, obgleich Zündstoff für Zusammenstöße der Großstaaten am Weltmeere genügend vorhanden war: Zwischen Spanien-Frankreich einerseits und England-Holland anderseits schärften sich seit Erhebung der Bourbonen auf den spanischen Thron die handelspolitischen Gegensätze bedenklich.
Die im Frieden von Utrecht zwischen Spanien und England über den Handel in Westindien und Spanisch-Amerika geschlossenen Verträge waren auf die Dauer unhaltbar. Die Zugeständnisse, die Spanien gemacht hatte (Assientovertrag), konnten England nicht genügen; sie riefen bald eine unrechtmäßige Ausnutzung seitens der Engländer — einen weitgehenden Schmuggelhandel — und dadurch ebenso ungesetzliche Gewaltmaßregeln der Spanier hervor. Diese Reibungen bildeten eine stete Bedrohung des Friedens. Anderseits hatte Spanien 1733 auch Frankreich große Vorteile im Handelsverkehr gewährt. In Frankreich wuchs die Einsicht von der Notwendigkeit maritimer Ausdehnung. Während der Friedensjahre nahm der französische Seehandel schnell zu und die Kolonien blühten auf; inWestindien erlangten sie das Übergewicht über die englischen und in Ostindien bildete sich ein französisch-indisches Reich, ähnlich dem jetzigen englischen. Das englische Volk aber war gewillt, jede Nebenbuhlerschaft auf der See und über der See zu unterdrücken. Zwischen Frankreich und England harrte ferner der Streit um die Vormacht in Nordamerika des Austrages; nicht einmal die Grenzen zwischen den beiderseitigen Kolonien waren hier endgültig festgesetzt und auch über den Besitz des nördlichen Teiles von Neu-Braunschweig war noch keine Entscheidung getroffen. Spanien sowohl wie Frankreich mußte es endlich ein Dorn im Auge sein, Gibraltar und Minorka als Stützpunkte zur Beherrschung des Mittelmeeres und seines Ausganges im Besitze Englands zu sehen.
Anlässe zum Kriege waren also zur Genüge vorhanden, und wir wissen (vgl. Band I, Seite598), daß sich Frankreich und Spanien in einem geheimen Defensivbündnisse verständigt hatten, bei geeigneter Gelegenheit gemeinsam gegen England vorzugehen; 1735 hatten diese Staaten ja bereits das Königreich Beider Sizilien unter bourbonischen Einfluß gebracht. So zeigt uns denn der vierte Abschnitt in dem kurzen Zeitraum von 43 Jahrendrei große Seekriege. In diesen treten sich als Hauptgegner England und Frankreich gegenüber, Spanien sowie Holland spielen eine Nebenrolle: Hollands Seestreitkräfte waren sehr zurückgegangen, und auch die Spaniens, die zwar unter den Bourbonen (besonders unter Karl III. 1759–1788) wieder an Stärke gewannen, erreichten nicht die Bedeutung der französischen und englischen Seegeltung.
Die Reibungen in den westindischen Gewässern führten 1739 zu einem Kriege zwischen England und Spanien und eröffneten die großen Kämpfe zur See, die sich wie die letzten Kriege des vorigen Abschnittes angroße Landkriegeanschlossen.
Um das Jahr 1740 befand sich Europa in einem politischen Zustande, der bedeutende Umwälzungen ahnen ließ. Seit dem Spanischen Erbfolgekriege lag die Summe der politischen Weisheit in der Erhaltung des europäischen Gleichgewichtes zwischen den Großmächten Österreich, England, Frankreich, Holland, und nach dem Utrechter Frieden waren diese Staaten bestrebt, den seitdem geschaffenen Zustand zu erhalten; diese Sorge führte dann aber gerade zwei große europäische Kriege herbei. Neben den Fragen maritimer Bedeutung bedrohten auch andere, für die allgemeinen Interessen noch wichtigere das so ängstlich gehütete Gleichgewicht und damit den Frieden. Frankreichs Bestreben war weiter auf die Erwerbung der österreichischen Niederlande (Belgien) und auf die Sicherung Lothringens gerichtet, auf das es schon durch einen Erbschaftsvertrag mit KönigStanislaus LeszczynskiBeschlag gelegt hatte, und stieß so mit den Interessen Deutschlands, besonders Österreichs, durch die Absicht auf Belgien aber auch mit denen Hollands, ja sogar Englands, zusammen. In Deutschland hatte sich ferner eine immer schärfere Spannung zwischen Österreich und Preußen herausgebildet, und im Osten erhob sich drohenddie anschwellende russische Macht; das polnische Reich war im Verfall, und die Türkei wurde immer schwächer.
Durch den Tod des KaisersKarlVI. (Oktober 1740) kamen die Ereignisse ins Rollen. Zwar hatten fast alle Staaten die „Pragmatische Sanktion“ (vgl. Band I, Seite594ff.) anerkannt, durch die dem Hause Habsburg — der KaisertochterMaria Theresia— der Bestand seiner sämtlichen Lande gesichert war, aber nach dem Tode des Kaisers traten dennoch verschiedene Mächte mit Erbansprüchen hervor. So entbrannteder Österreichische Erbfolgekrieg(1740–1748), in dem Österreich mit England, Holland und Spanien gegen Bayern, Preußen (Erster und Zweiter Schlesischer Krieg) und Frankreich focht; auch die anderen Staaten schlossen sich einer der Parteien an, und der schon begonnene Seekrieg zwischen Spanien und England lief weiter. Der Kampf um das Gleichgewicht fand dann seine Fortsetzung und seinen Höhepunkt imSiebenjährigen Kriege1756–1763, in dem jedoch die Gruppierung der Staaten eine ganz andere war. Die Eifersucht auf das zu Bedeutung gelangte Preußen führte jetzt Rußland sowie auch Frankreich (hier hatten allerdings noch andere Umstände ebenso großen Einfluß) auf die Seite Österreichs, um dem Werden eines kraftvollen Staates im wiederaufstrebenden Deutschland rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben, während England durch den jetzt zur endgültigen Entscheidung drängenden Kampf seiner Kolonien in Nordamerika mit den französischen, sowie durch des Königs Interesse an Hannover auf die Seite Preußens getrieben wurde; wiederum beteiligten sich auch andere Staaten am Kriege[8]. In diesen beiden Kriegen war England bestrebt, die Kräfte Frankreichs an den Festlandskrieg zu fesseln, indem es dessen Gegnern die Mittel zum Kampfe lieferte, und diesen Umstand sowie die Schwäche der französischen Marine zu benutzen, die eigene Seeherrschaft zu festigen und seinen Kolonialbesitz zu erweitern.
Im Österreichischen Erbfolgekriege fügte England den feindlichen Seestreitkräften empfindliche Verluste zu und errang auch Vorteile in Nordamerika, während Frankreich in Ostindien glücklicher war; die englische Seemacht wurde aber in diesem Kriege durch verschiedene Umstände an der Entfaltung ihrer ganzen Kraft behindert. Im Siebenjährigen Kriege hatte England dagegen vollen Erfolg mit seinen Plänen. Dieser Krieg brachte ihm die Herrschaft über Kanada unter Verdrängung Frankreichs aus Nordamerika, sowie Erweiterung seines Besitzes in Westindien; den großen Unternehmungen Frankreichs in Ostindien wurde ein Ende gemacht; die französischen Seestreitkräfte waren vernichtend geschlagen. Spanien, das verspätet Frankreich Hilfe zu bringen versuchte, wurde in dessen Sturz hineingezogen. Gleichzeitig hatte im LandkriegeFriedrich der GroßePreußens Stellung als Großmacht gefestigt; die beiden germanisch-protestantischen Mächte behaupteten den Sieg.
Der dritte große Seekrieg unseres vierten Abschnittes schließt sich an denNordamerikanischen Freiheitskrieg1775–1783 an, in dem Frankreich sowie Spanien auf die Seite der aufständischen Kolonien traten und in dem Holland durch England selbst zu den Gegnern gedrängt wurde. Der Krieg wurde so ein Seekrieg in allen Meeren, es handelte sich für England nicht nur um die Herrschaft über seine Kolonien, sondern auch um die Erhaltung seiner Obmacht zur See.
Frankreichs Kraft war jetzt nicht durch einen Landkrieg in Europa abgelenkt, England selber mußte einen solchen in Amerika führen, und dabei waren die Marinen Frankreichs sowie Spaniens wesentlich erstarkt. Dieser Krieg war denn auch für England sehr gefahrdrohend und brachte ihm keine Erfolge. Zwar hielten seine Seestreitkräfte den vereinten feindlichen das Gegengewicht, blieben eigentlich die überlegenen, und ein letzter Versuch der Franzosen, in Ostindien wieder die Übermacht zu gewinnen, wurde vereitelt, aber die nordamerikanischen Kolonien erlangten ihre Unabhängigkeit (hauptsächlich durch die Unterstützung der französischen Flotte) und Minorka ging verloren. Die Tatsache endlich, daß die französische Flotte in diesem Kriege die See gehalten hatte, war von großer Bedeutung. Das französische Volk wandte sich mit lebhafterem Interesse dem Seewesen zu; Aufschwung des Seehandels, der Kolonien, sowie Pflege der Marine waren die Folge. In der Marine herrschten Selbstvertrauen und Streben; sie würde in einem neuen Seekriege eine wuchtige Waffe geworden sein, wenn nicht die Revolution gerade für sie die verhängnisvollsten Folgen gehabt hätte.
Am Ende unseres Abschnittes war gegen die Zeit des Westfälischen Friedenseine völlige Umgestaltung Europasabgeschlossen. Das kolonienreiche Spanien, die Militärmacht Schweden und das seemächtige Holland waren aus der Reihe der maßgebenden Staaten gestrichen; zwei neue Mächte, Preußen und Rußland, waren schnell aufgestiegen und bildeten jetzt mit den alten, England, Frankreich und Österreich, die Vorherrschaft der fünf Großmächte, von denen die Politik des Weltteils abhing. — England begann sich zu einem außereuropäischen Weltreich auszudehnen und die Vereinigten Staaten von Nordamerika waren als eine anglo-germanische und protestantische Macht entstanden.
Nebenkriege, wie wir weiter die Seekriege nennen wollen, die nicht von ausschlaggebender Bedeutung für die allgemeine Weltgeschichte und für die Entwicklung des Seekriegswesens waren, sind im vierten Abschnitt folgende:
Der Russisch-Schwedische Krieg 1741–1743, der im Zusammenhange mit dem Österreichischen Erbfolgekriege steht; die Beteiligung der schwedischen sowie der russischen Seestreitkräfte am Siebenjährigen Kriege; die Russisch-Türkischen Kriege von 1768–1774 und von 1787–1792; der Russisch-Schwedische Krieg 1788–1790.
Diese Nebenkriege werden im Kapitel VI besprochen.
Bedeutung des Abschnittes für die Seekriegsgeschichte und für die Entwicklung des Seekriegswesens.Die großen Seekriege dieses Abschnitteshaben eine bezeichnende Eigenschaft, die sie von den früheren unterscheidet. Bisher[9]hatten die Kämpfe in den Gewässern der Kolonien nur den Charakter des Kleinen Krieges. Sie bestanden in Angriffen auf die Niederlassungen und den Handel dort behufs Schädigung des Feindes sowie eigener Bereicherung; die dazu verwendeten Seestreitkräfte waren nur gering. Von nun an aber, und in den Kriegen dieses Abschnittes ganz besonders, bleiben die Ereignisse in den fernen Meeren nicht mehr nur Ausläufer des in Europa und seinen Gewässern ausgefochtenen Entscheidungskampfes; die Weltgeschichte ist nicht mehr die Geschichte Europas, sondern die der atlantischen Welt.
Die Kolonien hatten eine höhere und stetig wachsende Bedeutung für die europäischen Staaten gewonnen, sie bildeten einen Teil der Gesamtstaaten, von dem die Vermehrung des Nationalwohlstandes abhing. Sie erzeugten in regelmäßigem Anbau Produkte, die der europäische Markt nicht mehr missen konnte und waren als Abnehmer heimischer Erzeugnisse unentbehrlich geworden; es wurde aus diesem Grunde notwendig, den Verkehr zwischen ihnen und dem Mutterlande auch im Kriege zu behaupten. Deshalb schließen sich an den Hauptkriegsschauplatz in den europäischen Gewässern überseeische Schauplätze an, ja diese werden zuweilen die wichtigeren, und zwischen beiden muß die Verbindung aufrechterhalten werden, da von der Kraftquelle in der Heimat die Leistungen draußen abhängen. Alle diese Gründe rufen den Kampf um die Seeherrschaft im weitesten Sinne hervor und derStrategie zur See wird damit ein größerer Spielraum angewiesen.
Es erscheint nun auffällig, daß erst in dem letzten der drei Seekriege große Flotten auftreten; dies war hauptsächlich eine Folge der Schwäche der französischen Marine. In Frankreich war zwar der Aufschwung des Seehandels und der Kolonien während der Friedensjahre seit 1713 volkstümlich, aber die Regierung stand ihm kalt und mißtrauisch gegenüber. Sie ließ die Marine mehr und mehr verfallen, ja noch während der beiden ersten Kriege wurde wenig für sie getan; der Landkrieg sog die Hilfsquellen auf. Die vorhandenen Seestreitkräfte wurden außerdem zersplittert, Frankreich führte diese Seekriege lau und ohne strategisches Verständnis für ihre Wichtigkeit. Erst nach den maritimen Niederlagen und Verlusten im Siebenjährigen Kriege hob man auf Drängen des Volkes die Marine und sie trat nun im letzten großen Kriege, im Verein mit der gleichfalls erstarkten spanischen, mächtiger und tatkräftiger auf als je zuvor. Dieser Krieg wurde zwischen den europäischen Gegnern zu einem reinen Seekriege mit großen Flotten in allen Meeren.
Die Bedeutung der Kolonien.Im ersten Bande (Kapitel XII) ist eine kurze Geschichte der Kolonien gegeben, um deren Umfang, ihren Wert für die Besitzer und ihre innere Kraft um 1740 zu veranschaulichen; die Weiterentwicklung ihrer Verhältnisse[8]wird bei jedem der nun folgenden Kriege berührt werden. Bei der Wichtigkeit, die die Kolonien für sie haben, soll hier nochmals die Stellung der Gegner außerhalb Europas vor Augen geführt werden; der Einfluß der Kolonien auf die Strategie ergibt sich daraus.
In Nord-AmerikabesaßEngland13 Kolonien, die späteren „Vereinigten Staaten“: Die vier nördlichen oder Neuengland-Staaten: Newhampshire, Massachusetts mit Maine, Connecticut, Rhode-Island; die fünf mittleren: New York, New Jersey, Delaware, Pennsylvanien, Maryland; die vier südlichen: Virginien, Nord- und Südcarolina, Georgia. Diese Kolonien hatten 1740 schon eine Bevölkerung von etwa 1200000 Weißen und 200000 Negern, die schnell weiter zunahm (1760: 1385000 Weiße, 310000 Neger; 1770 insgesamt 2312000 und 1780 2943000 Seelen). Die Einwohner waren Ackerbauer, Kaufleute, sowie Seeleute und hingen noch mit Begeisterung am Mutterlande, wenn sie auch im wesentlichen auf sich angewiesen waren und sich selbst regierten. An einer solchen Bevölkerung, die außerdem auf die Franzosen sowie die Kanadier sehr eifersüchtig war, und an einem in jeder Beziehung ertragsfähigen Lande mit langer Seeküste und guten Häfen, in dem schon viel für die Entwicklung des Seewesens getan war (für Kriegsflotten voll leistungsfähige Werften gab es allerdings noch nicht), hatte England in den beiden ersten Kriegen eine sichere Basis auf der westlichen Halbkugel.
Frankreichbesaß Kanada undLouisiana, worin das ganze Ohio- und Mississippi-Tal als notwendiges Glied zwischen dem St. Lorenz-Strom und dem Golf von Mexiko einbegriffen war. Dieses Zwischengebiet war jedoch nur schwach besetzt, und England erkannte Frankreichs Anspruch darauf nicht an. Die Stärke der französischen Stellung lag in Kanada, das 1740 etwa 50000 Weiße zählte (1760 etwa 80000). Die Ansiedler beschäftigten sich hier nur soweit mit Handel und Landwirtschaft, wie es für ihre unmittelbaren Bedürfnisse nötig war, in erster Linie lebten sie von der Jagd und dem Waffendienst. Eine militärische und mönchische Regierung hemmte Unternehmungslust sowie freie Verbindung zu gemeinsamen Zielen; selbst die für die Schiffahrt im Innern nötigen Fahrzeuge mußte man größerenteils in den englischen Kolonien kaufen. Kanada bot so und auch infolge der weiteren Entfernung von Westindien sowie seines rauhen Winterklimas vom militärisch-seemännischen Standpunkte aus für Frankreich weit weniger Nutzen als die englischen Kolonien für England; ein Vorteil Kanadas war wohl, daß es unter einheitlicher Verwaltung stand, während die englischen Provinzen nur lose zusammenhingen und nicht immer einig waren.
Bei der Schwäche der Bevölkerung und den geringen Hilfsmitteln des Landes lag das Geschick Kanadas in einem Kriege ganz in der Unterstützung durch die Seemacht Frankreichs, die sich entweder in unmittelbarer Beherrschung der benachbarten Gewässer oder in der Ablenkung des Gegners durch Bedrohung anderer Punkte äußern mußte. Von großer Bedeutung war hierbei der St. Lorenz-Strom, der den Zutritt bis zum Herzen des Landes gewährte; Neufundland und Neuschottland hatte Frankreich zwar schon verloren, aber es besaß in der Insel Breton mit der starken Feste Louisbourg noch den Schlüssel zum St. Lorenz-Golf. Im dritten, dem amerikanischen Befreiungskriege, gehörte Kanada England. Es bot ihm in Halifax einen Stützpunkt für die Seestreitkräfte und bildete für die anderen aufständischen Kolonien, da diese es weder zum Anschluß bringen noch erobern konnten, eine Grenze, die stets bewacht werden mußte.
Spanienbesaß 1740 in Nordamerika außer Mexiko nur Florida, ungenau begrenzte weite Gebiete um die Halbinsel gleichen Namens; diese Kolonie blieb (auch als sie später in englischem Besitz war) während der Kriege von geringer Bedeutung.
In Westindien, Mittel- und SüdamerikahatteSpaniendie unter dem Namen „Spanisch-Amerika“ bekannten Länder im Besitz, sowie die Inseln Kuba, Portoriko und vier Fünftel von Haïti; Kuba mit etwa 140000, Haïti mit 400000 Einwohnern aller Farben.Frankreichbesaß Guadeloupe (10000 Weiße, 50000 Neger), Martinique (24000 bzw. 60000), ein Fünftel von Haïti (40000, 230000) sowie[9]die kleineren Inseln Grenada, Marie Galante, St. Martin, Les Saintes, St. Croix und auf dem Festlande Cayenne. ZuEnglandgehörten Jamaika (etwa 10000 Weiße), Barbados (20000 Weiße, 69000 Neger) sowie die kleineren Inseln Nevis, Antigua, Montserrat, Barbados, Anguilla, die Virgin-Inseln, die Bermudas und die Bahamas (alle zusammen vielleicht 15000 Weiße). Man ersieht, daß die Einwohnerzahl der französischen Inseln die der englischen beträchtlich übertraf. Auf dem Festlande besaß England an der Küste von Honduras Niederlassungen (z. B. Belize, die Insel Roatan, am Kap Honduras, 1739 erworben), die besonders als Stationen für Holzausfuhr dienten.
Die Inseln Dominica, St. Lucia, St. Vincent und Tabago, auf die sowohl England wie Frankreich Anspruch gemacht hatten, waren vorläufig (1730) als „neutrale Inseln“, den Indianern gehörig, erklärt.
Man sollte nun annehmen, daß die Eroberung der fruchtbaren Inseln vom Gegner ein Hauptziel geworden wäre, aber mit Ausnahme des spanischen Wunsches, Jamaika dauernd wiederzugewinnen, scheinen solche Pläne nie ernstlich gehegt zu sein. Das zur See mächtigere England wurde wohl durch die größere Masse des Volkes mehr auf Nordamerika hingewiesen und die kleineren westindischen Inseln, aus denen der englische Besitz hauptsächlich bestand, sind einzeln zu klein, um sie ohne unbedingte Seeherrschaft erfolgreich behaupten zu können; hiermit aber konnten die Gegner Englands nicht rechnen. So wurde gegen die Inseln von beiden Seiten mehr der kleine Krieg geführt; man sah sie gewissermaßen wie Schiffe oder Konvois mit feindlichem Gute an. Sie gehen häufig von einer Hand in die andere über; sie werden angegriffen, um sie zu brandschatzen; die Garnisonen werden gefangen genommen und die Befestigungen zerstört, um den feindlichen Seestreitkräften ihre Stützpunkte zu rauben. Die beim Friedensschluß etwa noch besetzten werden aber meist wieder zurückgegeben; nur das Schicksal der sogenannten neutralen Inseln entscheidet sich in den Kriegen unseres Zeitabschnittes; sie wurden zwischen England und Frankreich verteilt. Die Tatsache aber, daß jede der großen Mächte in Westindien, diesem Brennpunkte des Handels, Besitzungen hatte, zog kleine Geschwader, wie auch besonders im dritten Kriege große Flotten dorthin; eine große Zahl der Seekämpfe spielt sich hier ab.
In OstindienbesaßEnglandals Hauptniederlassungen Bombay, Madras und Kalkutta;FrankreichMahé, Pondichery und Chandernagore (am Ganges). Dieser Staat hatte großen Vorteil durch Besitz der Inseln Isle de France und Bourbon, die als Zwischenstationen auf dem Wege nach Indien, sowie als Stützpunkte in der Nähe dieses Landes dienten. Beide Staaten wurden in Indien nur durch ihre Kompagnien vertreten. Diese waren zwar um 1740 noch nicht sehr stark, strebten aber gerade in dem hier behandelten Zeitabschnitt wetteifernd dahin, ihre Macht auszudehnen, und hinter ihnen standen die Regierungen ihrer Mutterländer; die Kriege wurden deshalb auch hier von Bedeutung und berührten gleichfalls die Philippinen, die einzige BesitzungSpaniensim fernen Osten.
Die holländischen Kolonien— in Westindien nur unbedeutend, in Ostindien, mit Ausnahme eines Kontors in Negapatam, auf die Inselwelt beschränkt — wurden erst im dritten großen Kriege in den Streit verwickelt, als Holland gegen England stand; sie spielten aber auch dann nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig wurde alleindas Kapland, das nun den Franzosen als eine weitere Station auf dem Wege nach Indien zur Verfügung stand.
Die sonstigen Besitzungen der Staatenin Afrikawaren lediglich Handelsstationen ohne militärischen Wert.
Die Kriege des vierten Abschnittes sind ferner beachtenswert für die Fortentwicklung der Taktik.Die Engländer treten in sie ein mit rein schematischer Durchführung gewisser kühner, aber unvorteilhafter Angriffsregeln, die außerdem sowohl den Oberbefehlshaberwie die Unterführer binden und lähmen. Die Franzosen bauen gegen diese Angriffe eine Verteidigungstaktik auf, mit Verwertung der jetzt auch erkannten Vorteile der Leestellung, führen diese aber gleichfalls nur schematisch durch, anstatt errungene Vorteile durch angriffsweises Vorgehen auszunutzen. Die Folge war, daß fast alle Schlachten unentschieden blieben. Erst gegen das Ende des Zeitabschnittes brechen bedeutende Führer beider Völker (RodneyundSuffren) mit dem Schematismus, und es kommt neues Leben in die Taktik; wie im dritten Abschnitt erscheint dann auch wieder ein aufsehenerregendes Werk (das des Schotten Clerk) über seetaktische Fragen.
In derEntwicklung der Streitmittel, der Schiffe und der Artillerie, zeitigt der Abschnitt nur wenige hervorragende Änderungen. Die Klassen der Schlachtschiffe werden in sich gleichmäßiger und man verwendet als solche in erster Linie Schiffe der bisherigen mittleren Größe (zu 74 Kanonen); die Fahrzeuge zu besonderen Zwecken werden bedeutend vermehrt, schwerere Fregatten erbaut. An Geschützen führen die Engländer die Karronaden als eine für den Nahkampf besonders wirksame Waffe ein.