Fußnoten:[178]Letze, Abschiedsmahl, Abschied.[179]Kriegspossen, Kriegslist.[180]Vgl. die Einleitung.[181]Gugelfuhr, Kappenfahrt, Narrenaufzug.[182]ausgehen, zu Ende gelangen.[183]beschlagen, reichlich versehen, ausrüsten, vgl. gut beschlagen sein, befriedigen, abfinden.[184]leidenlich, leidlich, erträglich.[185]Anstalt, Veranstaltung.[186]ungeheuer, wie nicht geheuer, unheimlich.
[178]Letze, Abschiedsmahl, Abschied.
[178]Letze, Abschiedsmahl, Abschied.
[179]Kriegspossen, Kriegslist.
[179]Kriegspossen, Kriegslist.
[180]Vgl. die Einleitung.
[180]Vgl. die Einleitung.
[181]Gugelfuhr, Kappenfahrt, Narrenaufzug.
[181]Gugelfuhr, Kappenfahrt, Narrenaufzug.
[182]ausgehen, zu Ende gelangen.
[182]ausgehen, zu Ende gelangen.
[183]beschlagen, reichlich versehen, ausrüsten, vgl. gut beschlagen sein, befriedigen, abfinden.
[183]beschlagen, reichlich versehen, ausrüsten, vgl. gut beschlagen sein, befriedigen, abfinden.
[184]leidenlich, leidlich, erträglich.
[184]leidenlich, leidlich, erträglich.
[185]Anstalt, Veranstaltung.
[185]Anstalt, Veranstaltung.
[186]ungeheuer, wie nicht geheuer, unheimlich.
[186]ungeheuer, wie nicht geheuer, unheimlich.
Wie Courage abermal einen Mann verloren und sich darnach gehalten habe.
Wie Courage abermal einen Mann verloren und sich darnach gehalten habe.
Zu Passau schlug es mir bei weitem nicht so wol zu, als ich mich versehen hatte. Es war mir gar zu pfäffisch und zu andächtig; ich hätte lieber an Statt der Nonnen Soldaten oder an Statt der Mönche einige Hofbursch dort sehen mögen, und gleichwol verharrete ich daselbsten, weil damals nicht nur Böhmen, sondern auch fast alle Provinzen des Teutschlandes mit Krieg überschwemmt waren. Indem ich nun sahe, daß alles der Gottesforcht daselbst zugethan zu sein schiene, accommodirte ich mich gleichfalls aufs wenigst äußerlich nach ihrer Weis und Gewohnheit; und was mehr ist, so hatte meine böhmische Mutter oder Kostfrau das Glück, daß sie an diesem andächtigen Ort unter dem Glanz der angenommenen Gottseligkeit den Weg aller Welt gieng, welche ich dann auch ansehenlicher begraben ließe, als wann sie zu Prag bei S. Jacobs Thor gestorben wäre. Ich hielte es vor ein Omen meiner künftigen Unglückseligkeit, weil ich nunmehr niemanden auf der Welt mehr hatte, dem ich mich und das Meinige rechtschaffen hätte vertrauen mögen, und derentwegen haßte ich den unschuldigen Ort, darin ich meiner besten Freundin, Säugammen und Auferzieherin war beraubt worden. Doch patientirt ich mich daselbst, biß ich Zeitung bekam, daß der Wallensteiner Prag, die Hauptstadt meines Vatterlands, eingenommen und wiederum in des Römischen Kaisers Gewalt gebracht; dann auf solche erlangte Zeitung und weil der Schwed zu München und in ganz Baiern dominirt, zumalen in Passau seinetwegen große Forcht war, machte ich mich wieder in besagtes Prag, wo ich mein meistes Geld liegen hatte.
Ich war aber kaum dort eingenistelt, ja ich hatte mich noch nicht recht daselbst gesetzt, mein zusammengeschundenes Geld und Gut im Frieden und meinem Bedunken nach in einer so großen und dannenhero auch meinem Vermuthen nach sehr sichern Statt wollustbarlich zu genießen, sihe, da schlug der Arnheim die Kaiserlichen bei Liegnitz, und nachdem er daselbst 53 Fähnlin erobert, kam er, Prag zu ängstigen. Aber der Allerdurchlauchtigst dritte Ferdinand schickte seiner Stadt, als er selbsten Regenspurg zusetzte, den Gallas zu Hülfe, durch welchen Succurs die Feinde nicht allein Prag, sondern auch ganz Böhmen wiederum zu verlassen genöthigt wurden.
Damals sahe ich, daß weder die große und gewaltige Städte noch ihrer Wäll, Thürn, Mauren und Gräben mich und das Meinige vor der Kriegsmacht derjenigen, die nur im freien Feld, in Hütten und Zelten logieren und von einem Ort zum andern schweifen, beschützen könten. Derowegen trachtet ich dahin, wie ich mich wiederum einem solchen Kriegsheer beifügen möchte.
Ich war damal noch ziemlich glatt und annehmlich, aber gleichwol doch bei weitem nicht mehr so schön als vor etlich Jahren. Dannoch brachte mein Fleiß und Erfahrenheit mir abermal aus dem Gallassischen Succurs einen Hauptmann zuwegen, der mich ehelichte, gleichsam als wann es der Stadt Prag Schuldigkeit oder sonst ihre eigne Art gewest wäre, mich auf allen Fall mit Männern und zwar mit Hauptleuten zu versehen. Unsere Hochzeit wurde gleichsam gräflich gehalten, und solche war kaum vorüber, als wir Ordre kriegten, uns zu der kaiserlichen Armada vor Nördlingen zu begeben, die sich kurz zuvor mit dem hispanischen Ferdinand Cardinal-Infant conjungirt, Donauwerth eingenommen und Nördlingen belagert hatte. Diese nun kamen der Fürst von Weimar und Gustavus Horn zu entsetzen, worüber es zu einer blutigen Schlacht geriethe, deren Verlauf und darauf erfolgte Veränderung nicht vergessen werden wird, so lang die Welt stehet. Gleichwie sie aber auf unserer Seiten überall glücklich abliefe, also war siemir gleichsam allein schädlich und unglückhaft, indem sie mich meines Manns, der noch kaum bei mir erwarmet, im ersten Angriff beraubte. Ueberdas so hatte ich nicht das Glück, wie mir etwan hiebevor in anderen Schlachten widerfahren, vor mich selbsten und mit meiner Hand Beuten zu machen, weil ich wegen anderer, die mir vorgiengen, sodann auch wegen meines Manns allzufrühen Tods nirgends zukommen konte. Solches bedunkten mich eitel Vorbedeutungen meines künftigen Verderbens zu sein, welches dann die erste Melancholia, die ich mein Tage rechtschaffen empfunden, in meinem Gemüth verursachte.
Nach dem Treffen zertheilte sich das sieghafte Heer in unterschiedliche Troupen, die verlorne teutsche Provinzen wieder zu gewinnen, welche aber mehr ruinirt als eingenommen und behauptet worden. Ich folgte mit dem Regiment, darunter mein Mann gedienet, demjenigen Corpo, das sich des Bodensees und Wirtenberger Landes bemächtigt, und ergriffe dardurch Gelegenheit, in meines ersten Hauptmanns, den mir hiebevor Prag auch gegeben, Hoya aber wieder genommen, Vatterland zu kommen und nach seiner Verlassenschaft zu sehen, allwo mir dasselbe Patrimonium und des Orts Gelegenheit so wol gefiele, daß ich mir dieselbige Reichsstadt gleich zu einer Wohnung erwählete, vornehmlich darum, weil die Feinde des Erzhauses Oesterreich zum Theil biß über den Rhein und anderwärts, ich weiß als nit wohin, verjagt und zerstreuet waren, also daß ich mir nichts Gewissers einbildete, dann ich würde ihrentwegen mein Lebtage dort sicher wohnen. So mochte ich ohnedas nicht wieder in Krieg, weil nach dieser namhaften Nördlinger Schlacht überall alles dergestalt aufgemauset wurde, daß die Kaiserlichen wenige rechtschaffene Beuten meiner Muthmaßung nach zu hoffen.
Derowegen fienge ich an auf gut Bäurisch zu hausen; ich kaufte Viehe und liegende Güter, ich dingte Knecht und Mägd und schickte mich nit anderst, als wann der Krieg durch diese Schlacht allerdings geendigt, oder als ob sonst der Friede vollkommen beschlossen worden wäre. Und zu solchem Ende ließe ich alles mein Geld, das ich zu Prag und sonst in großen Städten liegen hatte, herzu kommen und verwendete das meiste hierzu an. Und nun sihe, Simplice, dergestalt seind wir meiner Rechnung und deiner Lebensbeschreibung nach zueinerZeit zu Narren worden, ich zwar bei den Schwaben, du aberzu Hanau; ich verthät mein Geld unnützlich, du aber deine Jugend; du kamest zu einem schlechten Krieg, ich aber bildet mir vergeblich eine Friedenszeit ein, die noch in weitem Feld stunde; dann ehe ich recht eingewurzelt war, da kamen Durchzüg und Winterquartier, die doch die beschwerliche Contributiones mit nichten aufhuben; und wann die Menge meines Gelds nicht ziemlich groß, oder ich nicht so witzig gewesen wäre, dessen Besitzung weislich zu verbergen, so wäre ich zeitlich caput worden; dann niemand in der Stadt ware mir hold, auch meines gewesenen Manns Freunde nicht, weil ich dessen hinterlassene Güter genosse, die sonst ihnen erblich zugefallen wären, wann mich, wie sie sagten, der Hagel nicht hingeschlagen hätte. Dannenhero wurde ich mit starken Geldern belegt und nichts destoweniger auch mit Einquartierungen nicht verschonet. Es gieng mir halt wie den Wittiben, die von jederman verlassen sein. Aber solches erzähle ich dir darum nicht klagender Weis, begehre auch dessentwegen weder Trost, Hülf noch Mitleiden von dir, sondern ich sage dirs darum, daß du wissen soltest, daß ich mich gleichwol nicht viel deswegen bekümmerte noch betrübte, sondern daß ich mich noch darzu freuete, wann wir einem Regiment musten Winterquartier geben; dann sobald solches geschahe, machte ich mich bei den Officiern zutäppisch; da war Tag und Nacht nichts als Fressen und Saufen, Huren und Buben in meinem Hause, ich ließe mich gegen ihnen an, wie sie wolten, und sie musten sich auch hinwiederum, wann sie nur einmal angebissen hatten, gegen mir anlassen, wie ichs haben wolte, also daß sie wenig Geld mit sich aus dem Quartier ins Feld trugen; worzu ich dann mehr als tausenderlei Vörtel zu gebrauchen wuste und trutz jederman, der damals etwas darwider gesagt hätte. Ich hielte allezeit ein paar Mägd, die kein Haar besser waren als ich, gienge aber so sicher, klüglich und behutsam damit um, daß auch der Magistrat, meine damalige liebe Obrigkeit, selbsten mehr Ursach hatte, durch die Finger zu sehen, als mich deswegen zu strafen, sintemal ihre Weiber und Töchter, so lang ich vorhanden war und mein Netz ausspannen dörfte, nur desto länger from verblieben. Dieß Leben führete ich etliche Jahr, ehe ich mich übel dabei befande, zu welcher Zeit ich jährlich gegen dem Sommer, wann Mars wieder zu Felde gieng, meinen Ueberschlag und Rechnung machte, was mich denselbigen Winter der Krieg gekostet, da ich dann gemeiniglich fande, daß meine Prosperität undEinnahm die Ausgab meiner schuldigen Kriegskosten übertroffen. Aber, Simplice, jetzt ists an dem, daß ich dir auch sage, mit was vor einer Laugen ich dir gezwaget[187]; wil derowegen jetzt nicht mehr mit dir, sondern mit dem Leser reden; du magst aber wol auch zuhören und, wann du vermeinest, daß ich lüge, mir ohngehindert in die Rede fallen.
Fußnoten:[187]zwagenc. dat., waschen.
[187]zwagenc. dat., waschen.
[187]zwagenc. dat., waschen.
Wie Simplicissimus und Courage Kundschaft zusammen bekommen und einander betrogen.
Wie Simplicissimus und Courage Kundschaft zusammen bekommen und einander betrogen.
Wir musten in unserer Stadt eine starke Besatzung gedulden, als die Churbairische und Französische, Weimarische in der schwäbischen Gränze einander in den Haaren lagen und sich zwackten. Unter denselbigen waren die meiste Officierer trefflich geneigt auf dasjenige, was ich ihnen gern um die Gebühr mitzutheilen pflegte. Demnach ichs aber beides aus großer Begierde des Gelds, das ich wieder damit gewonnen, als meiner eigenen unersättlichen Natur halber gar zu grob machte, und beinahe ohne Unterschied zuließe, wer nur wolte, sihe, da bekam ich dasjenige, was mir bereits vor zwölf oder funfzehen Jahren rechtmäßiger Weise gebühret hätte, nämlich die liebe Franzosen, mit wolgeneigter Gunst. Diese schlugen aus und begunten mich mit Rubinen zu zieren, als der lustige und fröhliche Frühling den ganzen Erdboden mit allerhand schönen wolgezierten Blumen besetzte. Gesund war mirs, daß ich Mittel genug hatte, mich wiederum darvon curiren zu lassen, welches dann in einer Stadt am Bodensee geschahe. Weil mir aber meines Medici Vorgeben nach das Geblüt noch nicht vollkommen gereinigt gewesen, da riethe er mir, ich solte die Saurbrunnencur brauchen und also meine vorige Gesundheit desto völliger wiederum erholen. Solchem zufolge rüstet ich mich aufs beste aus, mit einem schönen Calesch, zweien Pferden, einem Knecht und einer Magd, die mit mir vier Hosen eines Tuchs war, außer daß sie die obengemeldte lustige Krankheit noch nicht am Hals gehabt.
Ich war kaum acht Tage im Saurbrunnen gewesen, als Herr Simplicius Kundschaft zu mir machte; dann Gleich undGleich gesellt sich gern, sprach der Teufel zum Kohler. Ich trug mich ganz adelich, und weil Simplicius so toll aufzoge und viel Diener hatte, hielte ich ihn auch vor einen tapfern Edelmann und gedachte, ob ich ihm vielleicht das Seil über die Hörner werfen und ihn, wie ich schon zum öftern mehr practicirt, zu meinem Ehemann kriegen könte. Er kam meinem Wunsch nach mit völligem Wind in den gefährlichen Port meiner sattsamen Begierden angesegelt, und ich tractirte ihn wie etwan die Circe den irrenden Ulissem; und alsobald faßte ich eine gewisse Zuversicht, ich hätte ihn schon gewiß an der Schnur. Aber der lose Vogel risse solche entzwei, vermittelst eines Funds[188], dardurch er mir seine große Undankbarkeit zu meinem Spott und seinem eigenen Schaden bezeugte; sintemal er durch einen blinden Pistolenschuß und einer Wasserspritze voll Blut, das er mir durch ein Secret beibrachte, mich glauben machte, ich wäre verwundet, wessentwegen mich nicht nur der Balbierer, der mich verbinden solte, sondern auch fast alles Volk im Saurbrunnen hinten und vornen beschauete, die nachgehends alle mit Fingern auf mich zeigten, ein Lied darvon sangen und mich dergestalt aushöhneten, daß ich den Spott nicht mehr vertragen und erleiden konte, sondern eh die Cur gar vollendet, den Saurbrunnen mitsamt dem Bad quittirte.
Der Tropf Simplex nennet mich in seiner Lebenserzählung im 5. Buch am 6. Capitel leichtfertig, item sagt er, ich sei mehr mobilis als nobilis gewesen. Ich gebe beides zu. Wann er selbst aber nobel, oder sonst ein gut Haar an ihm gewesen wäre, so hätte er sich an so keine leichtfertige und unverschämte Dirne, wie er mich vor eine gehalten, nicht gehenkt, viel weniger seine eigene Unehr und meine Schand also vor der ganzen Welt ausgebreitet und aufgeschrien. Lieber Leser, was hat er jetzt vor Ehr und Ruhm darvon, daß er (damit ich seine eigene Wort gebrauche) in kurzer Zeit einen freien Zutritt und alle Vergnügung, die er begehren und wünschen mögen, von einer Weibsperson erhalten, vor deren Leichtfertigkeit er ein Abscheuen bekommen, ja von deren, die noch kaum der Holzcur[189]entronnen? Der arme Teufel hat eine gewaltige Ehre darvon, sich dessen zu rühmen, welches er mit besseren Ehren billich hätte verschweigen sollen. Aber es gehetdergleichen Hengsten nicht anderst, die wie das unvernünftige Viehe einem jedwedern geschleierten Thier wie der Jäger einem jeden Stück Wild nachsetzen. Er sagt, ich seie glatthärig gewesen; da muß er aber wissen, daß ich damals den siebenzehenden Theil meiner vorigen Schönheit bei weitem nicht mehr hatte, sonderlich behalfe mich allbereit mit allerhand Anstrich und Schminke, deren er mir nicht wenig, sondern einer großen Menge abgeleckt. Aber genug hiervon! Narren soll man mit Kolben lausen. Das war noch ein Gerings; jetzt vernehme der Leser, wormit ich ihn endlich bezahlet. Ich verließe den Sauerbrunnen mit großem Verdruß und Unwillen, also bedachte ich mich auf eine Rach, weil ich von Simplicio beides beschimpft und verachtet worden. Und meine Magd hatte sich daselbsten eben so frisch gehalten als ich, und weil die arme Tröpfin keinen Scherz verstehen konte, ein junges Söhnlein vor ein Trinkgeld aufgebündelt, welches sie auch auf meinem Meierhof außer der Stadt glücklich zur Welt gebracht. Dasselbe muste sie mit Namen Simplicium nennen lassen, wiewol sie Simplicius sein Tage niemals berührte. Sobald ich nun erfahren, daß sich Simplicius mit einer Baurentochter vermählet, muste meine Magd ihr Kind entwöhnen und dasselbige, nachdem ichs mit zarten Windeln, ja seidenen Decken und Wickelbinden ausstaffiret, um meinem Betrug eine bessere Gestalt und Zierde zu geben, in Begleitung meines Meiers Knechts zu Simplici Haus tragen, da sie es dann bei nächtlicher Weile vor seine Thür gelegt, mit einem beigelegten schriftlichen Bericht, daß er solches mit mir erzeugt hätte. Es ist nicht zu glauben, wie herzlich mich dieser Betrug erfreuete, sonderlich da ich hörete, daß er dessentwegen von seiner Obrigkeit so trefflich zur Straf gezogen worden, und daß ihm diesen Fund sein Weib alle Tag mit Merrettig und Senf auf dem Brod zu essen gab, item, daß ich dem Simpeln guten Glauben gemacht, die Unfruchtbare hätte geboren, da ich doch, wann ich der Art gewest wäre, nicht auf ihn gewartet, sondern in meiner Jugend verrichtet haben würde, was er in meinem herzunahenden Alter von mir glaubte; dann ich hatte damals allbereit schier vierzig Jahr erlebt und war eines schlimmen Kerls nicht würdig, als Simplicius einer gewesen.
Fußnoten:[188]Fund, Erfindung, List.[189]Holzcur, Decoct von Pockenholz,lignum Guajaci.
[188]Fund, Erfindung, List.
[188]Fund, Erfindung, List.
[189]Holzcur, Decoct von Pockenholz,lignum Guajaci.
[189]Holzcur, Decoct von Pockenholz,lignum Guajaci.
Courage wird über ihren Uebelthaten erwischt und der Stadt verwiesen.
Courage wird über ihren Uebelthaten erwischt und der Stadt verwiesen.
Jetzt solte ich zwar abbrechen und aufhören von meinem fernern Lebenslauf zu erzählen, weilen genugsam verstanden worden, was vor eine Dame Simplicius übertölpelt zu haben sich gerühmet. Gleichwie er aber von deme, was allbereit gesagt worden, ohne Zweifel fast nichts als Spott und Schand haben wird, also wirds ihm auch wenig Ehr bringen, was ich noch fürters anzeigen werde.
Ich hatte hinter meinem Hause einen Garten in der Stadt, beides von Obsgewächs, Kräuter und Blumen, der sich dorfte sehen lassen und alle andere trutzte; und neben mir wohnete ein alter Mechaberis[190]oder Susannenmann, welcher ein Weib hatte, die viel älter war als er selbsten. Dieser wurde zeitlich innen, von was vor einer Gattung ich war, und ich schlug auch nicht ab, im Nothfall mich seiner Hülf zu bedienen, wessentwegen wir dann oft in besagtem Garten zusammen kamen und gleichsam im Raub und höchster Eil Blumen brachen, darmit es sein eifersüchtige Alte nit gewahr würde, wie wir dann auch nirgends so sicher als in diesem Garten zusammen kommen konten, als da das grüne Laub und die verdeckte Gäng unserer Meinung nach vor den Menschen, aber nicht vor den Augen Gottes, unsere Schand und Laster bedeckten. Gewissenhafte Leut werden darvor halten, unser Sündenmaß seie damal entweder voll und überhäuft gewesen, oder die Güte Gottes hätte uns zur Besserung und Buße berufen wollen. Wir hatten einander im Anfang des Septembris Losung[191]gegeben, denselbigen lieblichen Abend im Garten unter einem Birnbaum zusammen zu kommen, eben als zween Musquetierer aus unserer Guarnison ein Anschlag gemacht hatten, selbigen Abend ihren Part von meinen Birn zu stehlen, wie sie auch den Baum bestiegen und zu brechen anfiengen, ehe ich und der Alte in Garten kommen. Es war ziemlichfinster, und mein Buhler stellte sich ehender ein als ich, bei dem ich mich aber auch gar bald befande und dasjenige Werk mit ihm angienge, das wir ehmalen mit einander zu treiben gewohnt waren. Potzherz! ich weiß nicht wie es gienge, der eine Soldat regte sich auf dem Baum, um unserer Gaukelfuhr besser wahrzunehmen, und war so unvorsichtig, daß er alle seine Birn, die er gebrochen hatte, verschüttelt, und als selbige auf den Boden fielen, bildeten ich und der Alte sich nichts anders ein, als es wäre etwan ein starkes Erdbiden von Gott gesendet und verhängt, uns von unsern schandlichen Sünden abzuschrecken, wie wir dann einander auch solches mit Worten zu verstehen gaben und beide in Angst und Schrecken von einander liefen. Die auf dem Baum aber konten sich des Lachens nicht enthalten, welches uns noch größere Furcht einjagte, sonderlich dem Alten, der da vermeinte, es wäre ein Gespenst, das uns plagte. Derowegen begab sich ein jedes von uns in seine Gewahrsam.
Den andern Tag kam ich kaum auf den Markt, da schrie ein Musquetierer: »Ich weiß was.« Ein anderer fragte ihn mit vollem Hals: »Was weist du dann?« Jener antwortet: »Es hat heut Birnen geerdbidmet.«
Diß Geschrei kam je länger je stärker, also daß ich gleich merkte, was die Glocke geschlagen, und mich in Angesicht anröthete, wiewol ich mich sonst zu schämen nit gewohnet war. Ich machte mir gleich die Rechnung, daß ich eine Hatz ausstehen müste, gedachte aber nicht, daß es so grob hergehen würde, wie ich hernach erfuhr; dann nachdem die Kinder auf der Gassen von unserer Geschicht zu sagen wusten, konte der Magistrat nichts anders thun, als daß er mich und den Alten beim Kopf nehmen und jedweders besonders gefangen setzen ließe. Wir leugneten aber beide wie die Hexen, ob man uns gleich mit dem Henker und der Tortur dräuete.
Man inventirt und verpetschirt das Meinige und examinirt mein Hausgesind bei dem Eid, deren Aussag aber wider einander liefe, weil sie nit alle von meinen losen Stücken wusten und mir die Mägd getreu waren. Endlich verschnappte ich den Handel selbst, als nämlich der Schultheiß, welcher mich Frau Bas nennete, oft zu mir in das Gefängniß kam und großes Mitleiden vorwandte, in Wahrheit aber mehr ein Freund der Gerechtigkeit als mein Vetter war. Dann nachdem er mich in aller falschen Verträulichkeit überredet, mein Alter hätteden begangenen und oftmals wiederholten Ehebruch gestanden, fuhre ich unversehens heraus und sagte: »So schlag ihm der Hagel ins Maul, weils der alte Scheißer nicht hat halten können!«
Bate demnach meinen vermeinten Freund, er wolte mir doch getreulich dadurch helfen. Er aber hingegen machte mir eine scharfe Predigt daher, thät die Thür auf und wiese mir einen Notarium und beisichhabende Zeugen, die alle meine und seine Reden und Gegenreden angehört und aufgemerkt hatten.
Darauf gieng es wunderlich her, die meiste Rathsherrn hielten darvor, man solte mich an die Folter werfen, so würde ich viel mehr dergleichen Stücke bekennen und alsdann nach befindenden Dingen als eine unnütze Last der Erden um eines Kopfs kürzer zu machen sein, welcher Sentenz mir auch weitläuftig notificirt wurde. Ich hingegen ließe mich vernehmen, man suche nicht so sehr der lieben Gerechtigkeit und den Gesetzen ein Genügen zu thun, als mein Geld und Gut zu confisciren. Würde man so streng mit mir procedirn, so würden noch viel, die vor ehrliche Burger gehalten werden, mit mir zur Leiche gehen oder mir das Geleit geben müssen. Ich konte schwätzen wie ein Rechtsgelehrter, und meine Wort und Protestationes fielen so scharf und schlau, daß sich Verständige darvor entsetzten. Zuletzt kam es dahin, daß ich auf eine Urfed die Stadt quittiren und, zu mehr als wohlverdienter Strafe, alle meine Mobilia und liegende Güter dahinten lassen muste, darunter sich gleichwol mehr als über 1000 Reichsthaler baar Geld befande. Meine Kleidungen und was zu meinem Leib gehörte, wurde mir gefolgt, außer etliche Kleinodien, die einer hier, der ander dort zu sich zwackte. In Summa was wolte ich thun? Ich hatte wol Größeres verdient, wann man strenger mit mir hätte procediren wollen; aber es war halt im Krieg, und dankte jedermänniglich dem gütigen Himmel (ich solte gesagt haben: jederweiberlich), daß die Stadt meiner sotaliter qualiter[192]los worden.
Fußnoten:[190]Mechaberis, scherzhaft oder misverstanden stattmoechator, Ehebrecher.[191]Losung, verabredetes Wort oder Zeichen.[192]taliter qualiter, auf diese gute Art.
[190]Mechaberis, scherzhaft oder misverstanden stattmoechator, Ehebrecher.
[190]Mechaberis, scherzhaft oder misverstanden stattmoechator, Ehebrecher.
[191]Losung, verabredetes Wort oder Zeichen.
[191]Losung, verabredetes Wort oder Zeichen.
[192]taliter qualiter, auf diese gute Art.
[192]taliter qualiter, auf diese gute Art.
Courage wird eine Musquetiererin, schachert darbei mit Tabak und Branntewein. Ihr Mann wird verschicket, welcher unterwegs einen todten Soldaten antrifft, den er ausziehet und, weil die Hosen nicht herunter wolten, ihm die Schenkel abhaut, alles zusammen packet und bei einem Bauren einkehret, die Schenkel zu Nachts hinterlässet und reißaus nimmt; darauf sich ein recht lächerlicher Poß zuträgt.
Courage wird eine Musquetiererin, schachert darbei mit Tabak und Branntewein. Ihr Mann wird verschicket, welcher unterwegs einen todten Soldaten antrifft, den er ausziehet und, weil die Hosen nicht herunter wolten, ihm die Schenkel abhaut, alles zusammen packet und bei einem Bauren einkehret, die Schenkel zu Nachts hinterlässet und reißaus nimmt; darauf sich ein recht lächerlicher Poß zuträgt.
Damals lagen weit herum keine kaiserliche Völker oder Armeen, zu welchen ich mich wieder zu begeben im Sinn hatte. Weil mirs dann nun an solchen mangelte, so gedachte ich mich zu den Weimarischen oder Hessen zu machen, welche damal im Kintzger Thal[193]und der Orten herum sich befanden, um zu sehen, ob ich etwan wieder einen Soldaten zum Mann bekommen könte. Aber ach! die erste Blüte meiner ohnvergleichlichen Schönheit war fort und wie eine Frühlingsblum verwelket, wie mich dann auch mein neulicher Unfall und daraus entstandene Bekümmernus nicht wenig verstellet. So war auch mein Reichthum hin, der oft die alte Weiber wieder an Männer bringet. Ich verkaufte von meinen Kleidern und Geschmuck, so mir noch gelassen worden, was Geld golte, und brachte etwan zweihundert Gulden zuwegen; mit denen machte ich mich samt einem Boten auf den Weg, um mein Glück zu suchen, wo ichs finden möchte. Ich trafe aber nichts als Unglück an, dann ehe ich Schiltach[194]erlangte, kriegte uns eine weimarische Partei Musquetierer, welche den Boten abprügelten, plünderten und wieder von sich jagten, mich aber mit sich in ihr Quartier schleppeten. Ich gab mich vor ein kaiserliches Soldatenweib aus, deren Mann vor Freiburg im Breisgau todt blieben wäre, und überredet die Kerl, daß ich in meines Mannes Heimath gewesen, nunmehr aber Willens sei, mich ins Elsaß nach Haus zu begeben. Ich war, wie obgedacht, bei weitem nicht mehr so schön als vor diesem, gleichwol aber doch noch von solcher Beschaffenheit, die einen Musquetierer aus der Partei so verliebt machte, daß er meiner zum Weibbegehrte. Was wolte oder solte ich thun? Ich wolte lieber diesem Einzigen mit gutem Willen gönnen, als von der ganzen Partei mit Gewalt zu demjenigen gezwungen werden, was dieser aus Lieb suchte. In Summa, ich wurde eine Frau Musquetiererin, ehe mich der Caplan copulirte. Ich hatte im Sinn, wieder wie zu Springinsfeld's Zeiten eine Marquetenterin abzugeben, aber mein Beutel befand sich viel zu leicht, solches ins Werk zu setzen. So mangelte mir auch meine böhmische Mutter, und überdas bedunkte mich, mein Mann wäre viel zu schlecht und liederlich zu solchen Handel. Doch fienge ich an, mit Tabak und Branntewein zu schachern, gleichsam als ob ich wieder halbbatzenweis hätte gewinnen wollen, was ich kürzlich bei Tausenden verloren. Es kam mich blutsauer an, so zu Fuß daher zu marschieren und noch darzu einen schweren Pack zu tragen, neben dem, daß es auch zu Zeiten schmal Essen und Trinken setzte, welches unangenehmlichen Dings ich mein Lebtag nicht versucht, viel weniger gewohnet hatte. Zuletzt brachte ich einen trefflichen Maulesel zuwegen, der nicht allein schwer tragen, sondern auch schneller laufen konte als manch gutes Pferd. Gleich wie ich nun dergestalt zween Esel zusammen brachte, also verpflegte ich sie auch besten Fleißes, damit ein jeder seine Dienste desto besser versehen könte. Solcher Gestalt nun, weil ich und meine Bagage getragen wurde, konte ich mich auch um etwas besser patientirn, und verzögerte[195]also mein Leben, biß uns der von Mercy, in Anfang des Maien, bei Herbsthausen[196]treffliche Stöße gab. Ehe ich aber fortfahre, solchen meinen Lebenslauf weiters hinaus zu erzählen, so will ich dem Leser zuvor ein artliches Stückel eröffnen, das mein damaliger Mann wider seinen Willen ins Werk setzte, als wir noch im Kintzger Thal lagen.
Er gieng ein[197], auf seiner Officier Zumuthen und mein Gutbefindung, sich in alte Lumpen zu verkleiden und mit einer Axt auf der Achsel, in Gestalt eines armen exulirenden Zimmermanns, einige Brief an Ort und Ende zu tragen, dahin sonst niemand zu schicken wegen der kaiserlichen Parteien, welcher wegen es unsicher war. Solche Briefe betrafen die Conjunction etlicher Völker und andere Kriegsanschläg. Es ware damals von grimmiger Kälte gleichsam Stein und Bein zusammengefroren, so daß mich das arme Schaf auf seiner Reise schier gedauret hätte. Doch muste es sein, weil ein ziemlich Stück Geld zu verdienen war, und er verrichtet auch alles sehr glücklich. Unterwegs aber fande er einen todten Körper in seinen Abwegen, die er der Enden wol wuste, welcher ohne Zweifel eines Officiers gewesen sein muß, weil er ein Paar rother scharlachener Hosen mit silbern Galaunen[198]verbrämt anhatte, welcherlei Gattung damal die Officier zu tragen pflegten; so war sein Köller samt Stiefeln und Sporen auch den Hosen gemäß. Er besahe den Fund und konte nicht ersinnen, ob der Kerl erfroren oder von den Schwarzwäldern todtgeschlagen worden wäre. Doch galte es ihm gleich, welches Tods er gestorben; das Koller gefiele ihm so wol, daß ers ihm auszog, und da er dasselbige hatte, gelüstet ihn auch nach den Hosen, welche zu bekommen er zuvor die Stiefel abziehen muste. Solches glückte ihm auch; als er aber die Hosen herab streifte, wolten solche nicht hotten[199], weil die Feuchtigkeit des allbereit verwesenden Körpers sich unter den Knien herum, allwo man dazumal die Hosenbändel zu binden pflegte, sich beides in das Futter und den Ueberzug gesetzt hatte und dannenhero Schenkel und Hosen wie ein Stein zusammen gefroren waren. Er hingegen wolte diese Hosen nicht dahinten lassen, und weil der Tropf sonst kein ander Mittel in der Eil sahe, eins vom andern zu ledigen, hiebe er dem Corpo mit seiner Axt die Füße ab, packte solche samt Hosen und Koller zusammen, und fande mit seinem Bündel bei einem Bauern ein solche Gnad, daß er bei ihme hintern warmen Stubenofen übernachten dorfte.
Dieselbe Nacht kälbert dem Bauern zu allem Unglück eine Kuhe, welches Kalb seine Magd wegen der großen Kälte in die Stuben trug und zunächst bei meinem Mann auf eine halbe Well Stroh zum Stubenofen setzte. Indessen war es gegen Tag, und meines Manns eroberte Hosen allbereit von den Schenkeln aufgethauet; derowegen zog er seine Lumpen zum Theil aus und hingegen das Köller und die Hosen, die er umkehrte oder letz[200]machte, an, ließe sein altes Gelümp samt den Schenkeln beim Kalb liegen, stiege zum Fenster hinaus und kam wieder glücklich in unser Quartier.
Des Morgens frühe kam die Magd wiederum, dem Kalb Rath zu schaffen. Als sie aber die beide Schenkel samt meines Mannes alten Lumpen und Schurzfell darbei liegen sahe und meinen Mann nicht fande, fienge sie an zu schreien, als wann sie mitten unter die Mörder gefallen wäre. Sie liefe zur Stuben hinaus und schlug die Thür hinter ihr zu, als wann sie der Teufel gejagt hätte, von welchem Lärmen dann nicht allein der Bauer, sondern auch die ganze Nachbarschaft erwachte und sich einbildete, es wären Krieger vorhanden, wessenwegen ein Theil ausrisse, das ander aber sich in die Wehr schickte. Der Bauer selbst vernahm von der Magd, welche vor Forcht und Schrecken zitterte, die Ursach ihres Geschreis, daß nämlich das Kalb den armen Zimmermann, den sie über Nacht geherbergt, biß auf die Füße gefressen und ein solches gräßliches Gesicht gegen ihr gemacht hätte, daß sie glaube, wann sie sich nicht aus dem Staub gemacht, daß es auch an sie gesprungen wäre. Der Bauer wolte das Kalb mit seinem Knebelspieß[201]niedermachen, aber sein Weib wolte ihn in solche Gefahr nicht wagen noch in die Stub lassen, sondern vermittelte, daß er den Schultheißen um Hülf ansuchte. Der ließe alsobald der Gemein zusammen läuten, um das Haus gesamter Hand zu stürmen und diesen gemeinen Feind des menschlichen Geschlechts, ehe er gar zu einer Kuhe aufwüchse, bei Zeiten auszureuten[202]. Da sahe man nun ein artliches Spectakel, wie die Bäurin ihre Kinder und den Hausrath zum Kammerladen nacheinander heraus langte, hingegen die Bauren zu den Stubenfenstern hinein guckten und den schröcklichen Wurm samt bei sich liegenden Schenkeln anschaueten, welches ihnen genugsame Zeugnüs einer großen Grausamkeit einbildete. Der Schultheiß gebote, das Haus zu stürmen und dieses greuliche Wunderthier niederzumachen; aber es schonete ein jeder seine Haut. Jeder sagte: was hat mein Weib und Kind darvon, wann ich umkäme?
Endlich wurde auf eines alten Bauren Rath beschlossen, daß man das Haus mitsamt dem Kalb, dessen Mutter vielleicht von einem Lindwurm oder Drachen besprungen worden, hinweg brennen und dem Bauern selbst aus gemeinem Seckel eine Ergötzung und Hülfe thun solte, ein anders zu bauen. Solches wurde fröhlich ins Werk gesetzet, dann sie sich damittrösteten, sie müsten gedenken, es hätten solches die Diebskrieger hinweg gebrant.
Diese Geschichte machte mich glauben, mein Mann würde trefflich Glück zu dergleichen Stücken haben, weil ihm dieses ungefähr begegnet. Ich gedachte: was würde er erst ins Werk setzen, wann ich ihn wie hiebevor den Springinsfeld abrichte!
Aber der Tropf war viel zu eselhaftig und hundsklinkerisch[203]darzu; überdas ist er mir auch bald hernach in dem Treffen vor Herbsthausen todt geblieben, weil er keinen solchen Scherz verstehen konte.
Fußnoten:[193]Kintzger Thal, an der Kinzig im Schwarzwald.[194]Schiltach, Baden, Mittelrheinkreis.[195]verzögern, hinhalten, kümmerlich durchbringen.[196]Herbsthausen, Jaxtkreis, Würtemberg.[197]eingehen, einwilligen, übernehmen.[198]Galaunen, Galonen, Tressen.[199]hotten, vorwärts gehen.[200]letz, verkehrt, dem Rechten entgegengesetzt, links.[201]Knebelspieß, Spieß mit einer Querstange unter der Spitze, für die Saujagd bestimmt.[202]ausreuten, ausrotten.[203]hundsklinkerisch, niederträchtig, verkommen.
[193]Kintzger Thal, an der Kinzig im Schwarzwald.
[193]Kintzger Thal, an der Kinzig im Schwarzwald.
[194]Schiltach, Baden, Mittelrheinkreis.
[194]Schiltach, Baden, Mittelrheinkreis.
[195]verzögern, hinhalten, kümmerlich durchbringen.
[195]verzögern, hinhalten, kümmerlich durchbringen.
[196]Herbsthausen, Jaxtkreis, Würtemberg.
[196]Herbsthausen, Jaxtkreis, Würtemberg.
[197]eingehen, einwilligen, übernehmen.
[197]eingehen, einwilligen, übernehmen.
[198]Galaunen, Galonen, Tressen.
[198]Galaunen, Galonen, Tressen.
[199]hotten, vorwärts gehen.
[199]hotten, vorwärts gehen.
[200]letz, verkehrt, dem Rechten entgegengesetzt, links.
[200]letz, verkehrt, dem Rechten entgegengesetzt, links.
[201]Knebelspieß, Spieß mit einer Querstange unter der Spitze, für die Saujagd bestimmt.
[201]Knebelspieß, Spieß mit einer Querstange unter der Spitze, für die Saujagd bestimmt.
[202]ausreuten, ausrotten.
[202]ausreuten, ausrotten.
[203]hundsklinkerisch, niederträchtig, verkommen.
[203]hundsklinkerisch, niederträchtig, verkommen.
Nachdem der Courage Mann in einem Treffen geblieben, und Courage selbst auf ihrem Maulesel entrunnen, trifft sie eine Zigeunerschar an, unter welchen der Leutenant sie zum Weib nimmt. Sie sagt einem verliebten Fräulein wahr, entwendet ihr darüber alle Kleinodien, behält sie aber nicht lang, sondern muß solche wol abgeprügelt wieder zustellen.
Nachdem der Courage Mann in einem Treffen geblieben, und Courage selbst auf ihrem Maulesel entrunnen, trifft sie eine Zigeunerschar an, unter welchen der Leutenant sie zum Weib nimmt. Sie sagt einem verliebten Fräulein wahr, entwendet ihr darüber alle Kleinodien, behält sie aber nicht lang, sondern muß solche wol abgeprügelt wieder zustellen.
In erstgemeldtem Treffen kame ich vermittelst meines guten Maulesels darvon, nachdem ich zuvor meine Zelt und schlechteste Bagage hinweg geworfen, retterirte mich auch mit dem Rest der übrig gebliebenen Armee, so wol als der Touraine[204]selbsten, biß nach Cassel; und demnach mein Mann todtgeblieben und ich niemand mehr hatte, zu dem ich mich hätte gesellen mögen oder der sich meiner angenommen, nahme ich endlich meine Zuflucht zu den Zigeunern, die sich von der schwedischen Hauptarmada bei den Königsmarkischen Völkern befanden, welche sich mit uns bei Wartburg[205]conjungirt. Und indem ich bei ihnen einen Leutenant antrafe, der gleich meiner guten Qualitäten und trefflichen Hand zum Stehlen, wie auch etwas Geldes hinter mir wahrnahm samt andern mehr Tugenden, deren sich diese Art Leut gebrauchen, sihe, so wurde ich gleich sein Weib und hatte diesen Vortheil, daß ich wederOleum Talci[206]noch ander Schmiersel mehr bedorfte, mich weiß und schön zu machen, weil sowol mein Stand selbsten als mein Mann diejenige Couleur von mir erforderte, die man des Teufels Leibfarb nennet. Derowegen fienge ich an mich mit Gänsschmalz, Läussalbe und andern haarfärbenden Unguenten also fleißig zu beschmieren, daß ich in kurzer Zeit so höllrieglerisch[207]aussahe, als wann ich mitten in Aegypten geboren worden wäre. Ich muste oft selbst meiner lachen und mich über meine vielfältige Veränderung verwundern. Nichts desto weniger schickte sich das Zigeunerleben so wol zu meinem Humor, daß ich es auch mit keiner Obristin vertauscht haben wolte. Ich lernete in kurzer Zeit von einer alten ägyptischen Großmutter wahrsagen; lügen und stehlen aber kunte ich zuvor, außer daß ich der Zigeuner gewöhnliche Handgriff noch nicht wuste. Aber was darfs viel Wesens? Ich wurde in Kürze so perfect, daß ich auch vor eine Generalin aller Zigeunerinnen hätte passiren mögen.
Gleichwol aber war ich so schlau nicht, daß es mir überall ohne Gefahr, ja ohne Stöße abgangen wäre, wiewol ich mehr einheimste und meinem Mann zu verschlemmen zubrachte, als sonst meiner zehne. Höret, wie mirs einsmals so übel gelungen! Wir lagen über Nacht und ein Tag ohnweit von einer Freundsstadt im Vorbeimarschiren, da jedermann hinein dorfte, um seinen Pfenning einzukaufen, was er wolte. Ich machte mich auch hin, mehr einzunehmen und zu stehlen, als Geld auszugeben oder etwas zu kaufen, weil ich sonst nichts zu erkaufen gedachte, als was ich mit fünf Fingern oder sonst einem künstlichen Griff zu erhandeln verhoffte. Ich war nicht weit die Stadt hinein passirt, als mir eine Madamoiselle eine Magd zuschickte und mir sagen ließe, ich solte kommen, ihrer Fräulin wahrzusagen; und von diesem Boten selbsten vernahm ich gar von weitem und gleichsam über hundert Meilen her, daß ihrer Fräulin Liebhaber rebellisch worden und sich an ein andere gehenkt. Solches machte ich mir nun trefflich zu Nutz, dann da ich zu der Damen kame, trafe ich mit meiner Wahrsagung so nett zu, daß sie auch alle Calendermacherei, ja der elenden[208]Madamoisellen Meinung nach alle Propheten samtihren Prophezeiungen übertrafe. Sie klagte mir endlich ihre Noth und begehrte zu vernehmen, ob ich kein Mittel wisse, den variablen Liebhaber zu bannen und wieder in das gerechte Gleis zu bringen.
»Freilich, tapfere Dame«, sagte ich, »er muß wieder umkehren und sich zu euerm Gehorsam einstellen, und solte er gleich einen Harnisch anhaben wie der große Goliath.«
Nichts Angenehmers hätte diese verliebte Tröpfin hören mögen als eben diß und begehrte auch nichts anders, als daß meine Künst alsobald ins Werk gesetzt würden. Ich sagte, wir müssen allein sein, und es müste alles unbeschrieen zugehen.
Darauf wurden ihr Mägd abgeschafft und ihnen das Stillschweigen auferlegt; ich aber gieng mit der Madamoisellen in ihr Schlafkammer. Ich begehrte von ihr einen Trauerschleier, den sie gebraucht, als sie um ihren Vatter Leid getragen, item zwei Ohrgehäng, ein köstlich Halsgehäng, das sie eben anhatte, ihren Gürtel und liebsten Ring. Als ich diese Kleinodien hatte, wickelt ich sie zusammen in den Schleier, machte etliche Knöpf[209]daran, murmelte unterschiedliche närrische Wörter darzu und legte alles zusammen in der Verliebten Bette. Hernach sagte ich: »Wir müssen mit einander in Keller.«
Da wir hinkamen, überredet ich sie, daß sie sich auszöge biß aufs Hemd, und unterdessen als solches geschahe, machte ich etliche wunderbare Characteres an den Boden eines großen Fasses voll Wein, zoge endlich den Zapfen heraus und befahl der Damen, ihren Finger vorzuhalten, biß ich die Kunst mit dem Zapfen droben im Hause auch der Gebühr nach verrichtet hätte. Da ich nun das einfältige Ding dergestalten gleichsam angebunden, gieng ich hin und holete die Kleinodien aus ihrem Bette, mit welchen ich mich ohnverweilt aus der Stadt machte.
Aber entweder wurde diese fromme leichtglaubige Verliebte samt dem Ihrigen[210]vom gütigen Himmel beschützt, oder ihre Kleinodia waren mir sonst nicht bescheret, dann ehe ich unser Lager mit meiner Beute gar erreichte, ertappte mich ein vornehmer Officier aus der Guarnison, der solche wieder von mir fordert. Ich leugnete zwar, er wiese mir aber was anders; doch kan ich nicht sagen, daß er mich geprügelt, hingegen aberschweren, daß er mich rechtschaffen gedegelt[211]habe; dann nachdem er seinen Diener absteigen lassen, um mich zu besuchen, ich aber demselbigen mit meinem schröcklichen Zigeunermesser begegnet, mich dessen zu erwehren, sihe, da zog er von Leder und machte mir nicht allein den Kopf voller Beulen, sondern färbte mir auch Arm, Lenden und Achseln so blau, daß ich wol 4 Wochen daran zu salben und zu verblauen hatte. Ich glaube auch, der Teufel hätte biß auf diese Stund noch nicht aufgehöret zuzuschlagen, wann ich ihm meine Beut nicht wieder hingeworfen. Und dieses war vor dißmal der Lohn beides meiner artlichen Erfindung und des künstlichen Betrugs selbsten.