Fußnoten:[427]Ueberlingen, Baden, Seekreis am Bodensee.[428]aufheben, tadelnd hervorheben, Aufheben von einer Sache machen.[429]sich erschnauben, verschnaufen, zu Athem kommen.[430]rumpeln, rasch einfallen, vgl. überrumpeln.[431]Bensheim, Hessen-Darmstadt, Provinz Starkenburg, Stadt.[432]Er hieß Wolff; er wurde 1644 dicht vor dem Thor der Stadt erschossen;Theat. Europ. V, 581.[433]Weinheim, Stadt in Baden, Unterrheinkreis, an der Weschnitz.[434]Schmeißen, Schlagen.[435]Jankau, oder Jankow, Dorf in Böhmen. Mit diesem Treffen endete die Kriegslaufbahn des Simplicissimus.[436]Nagolt, in Würtemberg, Schwarzwaldkreis, an der Nagold in einem tiefen Thal gelegen.
[427]Ueberlingen, Baden, Seekreis am Bodensee.
[427]Ueberlingen, Baden, Seekreis am Bodensee.
[428]aufheben, tadelnd hervorheben, Aufheben von einer Sache machen.
[428]aufheben, tadelnd hervorheben, Aufheben von einer Sache machen.
[429]sich erschnauben, verschnaufen, zu Athem kommen.
[429]sich erschnauben, verschnaufen, zu Athem kommen.
[430]rumpeln, rasch einfallen, vgl. überrumpeln.
[430]rumpeln, rasch einfallen, vgl. überrumpeln.
[431]Bensheim, Hessen-Darmstadt, Provinz Starkenburg, Stadt.
[431]Bensheim, Hessen-Darmstadt, Provinz Starkenburg, Stadt.
[432]Er hieß Wolff; er wurde 1644 dicht vor dem Thor der Stadt erschossen;Theat. Europ. V, 581.
[432]Er hieß Wolff; er wurde 1644 dicht vor dem Thor der Stadt erschossen;Theat. Europ. V, 581.
[433]Weinheim, Stadt in Baden, Unterrheinkreis, an der Weschnitz.
[433]Weinheim, Stadt in Baden, Unterrheinkreis, an der Weschnitz.
[434]Schmeißen, Schlagen.
[434]Schmeißen, Schlagen.
[435]Jankau, oder Jankow, Dorf in Böhmen. Mit diesem Treffen endete die Kriegslaufbahn des Simplicissimus.
[435]Jankau, oder Jankow, Dorf in Böhmen. Mit diesem Treffen endete die Kriegslaufbahn des Simplicissimus.
[436]Nagolt, in Würtemberg, Schwarzwaldkreis, an der Nagold in einem tiefen Thal gelegen.
[436]Nagolt, in Würtemberg, Schwarzwaldkreis, an der Nagold in einem tiefen Thal gelegen.
Springinsfelds fernere Historia biß auf das bairische Armistitium.
Springinsfelds fernere Historia biß auf das bairische Armistitium.
»Die Früchte dieser erhaltenen ansehenlichen Victori waren ohne die Beuten und die Gefangene nichts anders, als daß unsere Armee biß an die niederhessische Grenze hinunter gieng und Amöneburg[437]entsetzte, vor Kirchhain[438]sich vergeblich bemühete und dardurch in ein Wespennest stache, das ist, daß sie den Touraine sich mit den Hessen zu conjungirn verursachte; wessentwegen sie dann den Ruckweg wieder dahin nehmen muste, woher sie kommen war. Ich lag damals im Taubergrund[439]mit andern Beschädigten mehr und ließe mich an meiner empfangenen Wunden curirn. Aber als sich unsere Armee mit einem Succurs von ungefähr fünfthalb tausend Mann, den ihr der Graf von Geleen[440]zugebracht, nach Heilbrunn zohe und selbige Stadt mit Völkern unter dem Obristen Fugger, Obristen Caspar und meinem Obristen verstärkte, muste ich auch dort liegen bleiben.«
»Indessen giengen die conjungirte hessische, Tourennische und Königsmarkische Völker in die unter Pfalz, nahmen den Duc d'Anguin zu sich und marschierten den Necker hinauf, uns und die Unserige zu erfolgen.[441]Zwar ließen sie uns zu Heilbrunn wol liegen, aber Wimpfen wurde ihr erster Raub, als welches sie beschossen, mit stürmender Hand eingenommen und auf 600 Mann von uns darinnen so gefangen bekommen als niedergemacht haben. Daselbst seind sie über den Necker an die Tauber gangen und haben sich vieler ohnbesetzten Oerter, auch der Stadt Rothenburg bemächtigt. Endlich brachten sie unser Armee zum Stand, erhielten von ihnen einen blutigen Sieg bei Allerheim[442], warbei unser tapferer General-Feldmarschall von Mercy das Leben auch eingebüßt. Folgends nahmensie Nördlingen[443]mit Accord ein und zwangen den Obristwachtmeister von meinem Regiment, der mit 400 von unsern Dragonern und 200 Musquetierern in Dinkelspiel[444]lag, daß er sich ihnen nicht mit Accord, sonder auf Gnad und Ungnad ergehen muste. Und weilen sich diese Völker musten unterstellen[445], wurde unser Regiment mehr dardurch geschwächt, als wann es auch in dem Treffen gewesen wäre. Von dar giengen sie über Schwäbischen Hall[446]gegen uns los, weil es uns auch gelten solte, und fiengen an gegen uns zu agirn und sich zu verschanzen. So bald sie aber der Unseren Ankunft vermerkten, als welche der Erzherzog Leopold Wilhelm mit 16 kaiserischen Regimentern verstärkt hatte, sihe, da verschwanden sie wie Quecksilber oder zerstoben doch aufs wenigst von einander, als wann sie die Schlacht vor Allerheim nicht erhalten hätten. Und ich kan auch nicht sehen, was sie diese theure Victori anders genutzt, als daß sie die Unserige ein wenig geschwächt und den berühmten Mercy aus dem Weg geraumet; dann sie wurden bis nach Philipsburg[447]verfolget und verloren alle Oerter wiederum, die sie zuvor erobert hatten. Wir bekamen auch zu Wimpfen acht schöne halbe Carthaunen, ein Feldstück, ein Feurmörsel und hin und wieder viel Mannschaft von ihnen, darvon sich die Teutsche alle unterstellen und also unsere Armee wieder verstärken musten. Folgends giengen wir wieder in unserem gewöhnlichen Gäu, das ist in Franken, im anspachischen und würtenbergischen Lande in die Winterquartier, die Kaiserlichen aber in Böhmen.«
»Ehe das Jahr gar zu End liefe, marschierte der Kern unserer Armee in Böhmen zu den Kaiserlichen, der Hoffnung, denen daselbst befindlichen Schweden einen guten Streich zu versetzen. Weil es aber außer der Zeit und hierzu gar unbequem Wetter war, zumalen die Schweden auch von sich selbsten dasselbe Königreich quittirten, wurde nichts anders draus, als daß wiederum etliche Oerter von den Schweden in der Kaiserlichen Hände kommen.«
»Den folgenden Sommer aber, als das Gegentheil zwischen den Fürstenthumen des niedern und obern Hessen anfieng umsich zu greifen, seind wir auch gegen demselben mit Ernst zu Feld gangen und durch die Wetterau biß zwischen Kirchhain und Amöneburg ihme entgegen gezogen, da es zwar zu keiner Hauptaction kommen, aber gleichwol durch commandirte Völker an der Ohm ein lustig Soldaten-Exercitium gesetzt, worin ich einen Leutenant von den Hessen gefangen und ein schönes Pferd samt 60 Reichsthalern an Geld von ihm kriegte. Weil dann der Feind nicht schlagen wolte, sonder ohnweit Kirchhain in seinem verschanzten und wol proviantirten Läger verbliebe, wir aber an Fourage Mangel litten, zogen wir uns zuruck in die Wetterau. Uns folgten die Schwedische und Hessen, als die sich mit dem Tourenne conjungirt hatten. Da stunde ein Seit diß-, das ander Theil jenseit der Nidda[448]in Battalia, spielte mit Stücken zusammen[449]und sahen einander an wie zween zähnbleckende Hund, die einander ohne Vortheil nicht anfallen wollen. Endlich ließen sie uns gegen dem Camberger Grund[450]marschiern, sie aber giengen in vollen Sprüngen über den Main und der Donau zu und ließen uns das Nachsehen.«
»Unser Obrister wurde geschickt samt denen jungen Kolbischen, den vereinigten Feindsarmeen vorzukommen, um ein und anders der Unserigen Oerter zu besetzen. Und ob uns gleich Königsmark bei Schwabenhausen[451]zwackte, so seind wir jedoch noch in 800 Pferd stark in Augspurg angelangt, eben als sich die Schweden vergebliche Hoffnung gemacht, selbe Stadt in Güte einzubekommen. Gleich darauf kam der Obriste Rouyer noch mit vierthalbhundert Dragonern zu uns; worauf die Schweden uns in aller Eil belägerten und in kurzer Zeit mit Approchiren unter die Stücke auf den Graben kamen. Und ich glaube auch, sie würden uns gewaltig heiß gemacht und endlich auch die Stadt gar überkommen haben, wann sich die Unserige nicht bald darvor präsentirt hätten; als welche sich nunmehr wieder mit neuem Succurs verstärkt hatten und die Feindsvölker desto kühner von der Belägerung hinweg schröckten.«
»In dieser Stadt muste ich neben andern commandirtenDragonern liegen, biß Bairn und Cöln mit den Franzosen, Schweden und Hessen einen halben Frieden oder wenigst (ich weiß selbst nit, was es war) ein Stillstand der Waffen machte. Als solcher geschlossen, wurde ich und andere mehr durch Fußvölker abgelöst und kam wieder zu meinem Regiment, als es um Denkendorf[452]herum auf der faulen Bärenhaut müßig lag.«
»Es konten aber etliche unserer Generalspersonen und Obriste eine solche Ruhe schwerlich ertragen, also daß sie sich unterstunden, mit ihren unterhabenden Völkern zu den Kaiserlichen überzugehen[453], zuvor aber ihres eignen Feldherrn Länder, vor welche sie bißhero so ritterlich gefochten, zu plündern, unter welchen vornehmlich mein Obrister auch gewesen, der doch ein Soldat von Fortun und zu seinem Stand durch seines großen Kurfürsten Mildigkeit und Gnad befördert worden war. Er erlangte aber anderster nichts darmit, als daß ihm ein schandlicher Ehrentitul concipirt und hin und wieder in Baiern an einem aufgerichten Holz mit einem Arm angeschlagen wurde, maßen ich ein Exemplar solcher Ehrensäulen zu S. Nicolao bei Passau gesehen. Andern wurde solches Unterfangen wegen ihrer hohen Verdienste und großer Aestimation nachgesehen, als welche um ihrer Treu und Tapferkeit willen auch ein Bessers meritirten. Nachdem solcher Lärme wieder gestillt, weiß ich nichts Denkwürdigs von mir zu erzählen, ich wolte dann sagen, wie ich leffeln gangen und den bairischen Dientlen[454]aufgewartet, biß wir die Degen wieder in die Händ genommen.«
Fußnoten:[437]Amöneburg, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain an der Ohm, Städtchen von 1600 Einwohnern.[438]Kirchhain, Städtchen ebendaselbst.[439]Taubergrund, Tauberthal.[440]Graf von Geleenoder Gleen, vgl. die Einleitung.[441]erfolgen, nachrücken, um jemand einzuholen.[442]Allerheim, Dorf in Baiern, Landger. Nördlingen.[443]Nördlingen, ebendaselbst, ehemals freie Reichsstadt, an der Eger.[444]Dinkelsbühl, Stadt in Baiern, an der Wörnitz.[445]sich unterstellen müssen, untergesteckt werden, um dem Feinde zu dienen.[446]Schwäbisch Hall, Oberamtsstadt in Baiern, am Kocher.[447]Philippsburg, ehemals Reichsfestung in Baden, an der Salzbach.[448]Nidda, Nebenfluß des Mains, in Hessen-Darmstadt, mündet bei Höchst.[449]spielten zusammen, d. h. miteinander.[450]Camberger Grund, Thal bei Camberg am Emsbach.[451]Schwabenhausen, es ist wol Schwabhausen im bairischen Bezirksamt Dachau; ein anderes liegt im Bezirksamt Landsberg: kleine Dörfer.[452]Denkendorf, Dorf in Baiern, Landgericht Kipfenberg.[453]Vgl. die Einleitung.[454]Dientlen, Dirnen.
[437]Amöneburg, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain an der Ohm, Städtchen von 1600 Einwohnern.
[437]Amöneburg, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain an der Ohm, Städtchen von 1600 Einwohnern.
[438]Kirchhain, Städtchen ebendaselbst.
[438]Kirchhain, Städtchen ebendaselbst.
[439]Taubergrund, Tauberthal.
[439]Taubergrund, Tauberthal.
[440]Graf von Geleenoder Gleen, vgl. die Einleitung.
[440]Graf von Geleenoder Gleen, vgl. die Einleitung.
[441]erfolgen, nachrücken, um jemand einzuholen.
[441]erfolgen, nachrücken, um jemand einzuholen.
[442]Allerheim, Dorf in Baiern, Landger. Nördlingen.
[442]Allerheim, Dorf in Baiern, Landger. Nördlingen.
[443]Nördlingen, ebendaselbst, ehemals freie Reichsstadt, an der Eger.
[443]Nördlingen, ebendaselbst, ehemals freie Reichsstadt, an der Eger.
[444]Dinkelsbühl, Stadt in Baiern, an der Wörnitz.
[444]Dinkelsbühl, Stadt in Baiern, an der Wörnitz.
[445]sich unterstellen müssen, untergesteckt werden, um dem Feinde zu dienen.
[445]sich unterstellen müssen, untergesteckt werden, um dem Feinde zu dienen.
[446]Schwäbisch Hall, Oberamtsstadt in Baiern, am Kocher.
[446]Schwäbisch Hall, Oberamtsstadt in Baiern, am Kocher.
[447]Philippsburg, ehemals Reichsfestung in Baden, an der Salzbach.
[447]Philippsburg, ehemals Reichsfestung in Baden, an der Salzbach.
[448]Nidda, Nebenfluß des Mains, in Hessen-Darmstadt, mündet bei Höchst.
[448]Nidda, Nebenfluß des Mains, in Hessen-Darmstadt, mündet bei Höchst.
[449]spielten zusammen, d. h. miteinander.
[449]spielten zusammen, d. h. miteinander.
[450]Camberger Grund, Thal bei Camberg am Emsbach.
[450]Camberger Grund, Thal bei Camberg am Emsbach.
[451]Schwabenhausen, es ist wol Schwabhausen im bairischen Bezirksamt Dachau; ein anderes liegt im Bezirksamt Landsberg: kleine Dörfer.
[451]Schwabenhausen, es ist wol Schwabhausen im bairischen Bezirksamt Dachau; ein anderes liegt im Bezirksamt Landsberg: kleine Dörfer.
[452]Denkendorf, Dorf in Baiern, Landgericht Kipfenberg.
[452]Denkendorf, Dorf in Baiern, Landgericht Kipfenberg.
[453]Vgl. die Einleitung.
[453]Vgl. die Einleitung.
[454]Dientlen, Dirnen.
[454]Dientlen, Dirnen.
Continuation solcher Histori biß zum Friedensschluß und endlicher Abdankung.
Continuation solcher Histori biß zum Friedensschluß und endlicher Abdankung.
»Der alte Stern wolte uns aber zur Erneuerung unsers alten Kriegs, wie etwan hiebevor, zum alten Glück nicht mehr leuchten: Mercy war todt, Joan de Werth nicht mehr unser, und der Holzapfel, sonst Melander, den Schweden und Franzosen nicht so herb und handig[455]wie etwan zuvor den Kaiserischen,da er noch den Hessen dienete, wiewol der rechtschaffne Soldat das Seinig thät, ja sein Leben dargab, als uns der Feind über den Lech und über die Iser jagte. Damals schrien uns etliche vom Gegentheil über das Wasser zu (als wir nämlich wie eine Maur stunden und uns durch des Feinds Geschütz so viel als nichts bewegen ließen), wir solten nur eilen mit der Flucht, so wolten sie uns an Oerter jagen, alwo eine Kuh einen halben Batzen gelten solte. Diese haben errathen, was sie wahrsagten, und als wir ihrem Rath zu folgen durch ihre Meng gezwungen wurden, hab ich endlich erlebt, daß unter den Unserigen eine Kuh nicht nur um einen halben Batzen, sonder auch sogar um eine verächtliche Pfeif Tabak hingegeben worden. Damals stund unser Sach liederlich; der von Gronsfeld konte so wenig als Melander zuwegen bringen, daß jemand aus den Unserigen füglich mit Lorberkränzen bekrönt werden möchte, sonder wir musten, was nicht in den wehrlichen[456]Oertern liegen bliebe, auch so gar über den Innstrom hinüber passieren, welchen zu überschreiten auch das Gegentheil erkühnete.«
»Aber an diesem strengen Fluß hat sich der strenge Siegslauf und das Glück der Schweden und Franzosen gestoßen. Ich lag unter sieben doch schwachen Regimenten in Wasserburg[457], als beide Feindsarmeen suchten denselbigen Ort zu bezwingen und über besagten Fluß in das gegenüberliegende volle Land zu gehen, in welchem etliche steinalte Leute die Tag ihres Lebens noch niemalen keine Soldaten gesehen hatten. Weil aber wegen unserer tapferer Gegenwehr unmüglich war, etwas daselbst auszurichten, unangesehen sie uns mit glühenden Kugeln zusprachen, giengen sie auf Mühldorf[458]und wolten dort ins Werk setzen, was sie zu Wasserburg nicht zu thun vermocht. Aber ihnen widerstund daselbst einer von Hunoltstein, ein kaiserliche Generalsperson, biß sie der vergeblichen Arbeit müd wurden und ihr Hauptquartier zu Pfarrkirchen[459]nahmen, alwo sie erstlich der Hunger und endlich die Pest zu besuchen anfieng, die sie auch endlich zwischen dem Tirolischen Gebürg und der Donau, zwischen dem Inn und der Iser hinaus getrieben, wannsie das Generalarmistitium, so dem volligen Frieden vorgieng, nicht veranlaßt hätte, bessere Quartier zu beziehen.«
»Unter währendem Stillstand wurde unser Regiment nach Hilperstein[460], Heideck[461]und selbiger Orten herum gelegt, da sich ein artliches Spiel unter uns zugetragen; dann es fande sich ein Corporal, der wolte Obrister sein, nicht weiß ich, was ihn vor eine Narrheit darzu angetrieben. Ein Musterschreiber[462], so allererst aus der Schul entloffen, war sein Secretarius, und also hatten auch andere von seinen Creaturen andere Officia und Aemter. Viel neigten sich zu ihm, sonderlich junge ohnerfarne Leut, und jagten die höchste Offizier zum theil von sich, oder nahmen ihnen sonst ihr Commando und billichen Gewalt. Meines gleichen aber von Unterofficieren ließen sie gleichwol gleichsam wie neutrale Leut in ihren Quartieren noch passiren. Und sie hätten auch ein Großes ausgerichtet, wann ihr Vorhaben zu einer andern Zeit, nämlich in Kriegsnöthen, wann der Feind in der Nähe und man unserer beiseits[463]nöthig gewesen, ins Werk gesetzt worden wäre; dann unser Regiment war damals eins von den stärksten und vermochte eitel geübte wol montirte Soldaten, die entweder alt und erfahren oder junge Wagehäls waren, welche alle gleichsam im Krieg auferzogen worden. Als dieser von seiner Thorheit auf gütlichs Ermahnen nicht abstehen wolte, kam Lapier und der Obriste Elter mit commandirten Völkern, welche zu Hilperstein ohne alle Mühe und Blutvergießung Meister wurden und den neuen Obristen viertheilen, oder besser zu sagen, fünftheilen (dann der Kopf kam auch sonder) und an vier Straßen auf Räder legen, 18 ansehenliche Kerl aber von seinen Principalanhängern zum Theil köpfen und zum Theil an ihre allerbeste Hälse aufhenken, dem Regiment aber die Musqueten abnehmen und uns alle auf ein neues dem Feldherrn wieder schwören ließen. Also wurde ich noch vor meinem Ende oder vor dem völligen Frieden aus einem Fourier zu einem Quartiermeister und das Regiment aus Dragonern zu Reutern gemacht, und dieses ist das Letzte, was ich dir, mein Simplice, von meiner teutschen Kriegshistori zu erzählen weiß, ohne daß wir bald hernach abgedankt worden, zu welcher Zeit ich drei schöne Pferd, einen Knecht und einenJungen, auch ohngefähr bei 300 Ducaten in baarem Geld ohne die drei Monatsold vermöchte, die ich bei der Abdankung empfieng, dann ich hatte nun ein geraume Zeit hero kein Unglück gehabt, sonder Geld gesamlet. Und also muste ich aufhören zu kriegen, da ich vermeinte, ich könte es zum besten. Den Knecht und Jungen fertigte ich ab, so gut als ich konte, versilberte zwei Pferd und sonst alles, was Geld golte, und begab mich mit dem Ueberrest nach Regenspurg, um zu sehen, wie ich meinen Handel ferner anstellen, oder was mir sonst vor ein Glück zustehen möchte.«
Fußnoten:[455]handig, hurtig, behende.[456]wehrlich, gut befestigt und vertheidigt.[457]Wasserburg, Bezirkshauptstadt am Inn, Baiern.[458]Mühldorf, Stadt im Amtsbezirk gleichen Namens, Baiern.[459]Pfarrkirchen, Flecken, Sitz des gleichnamigen Landgerichts in Niederbaiern.[460]Hilperstein, Hilpoltstein, Flecken und Sitz eines Bezirksamts, Baiern.[461]Heideck, bei Hilpoltstein.[462]Musterschreiber, der die Musterrollen führt, in welche die Namen der Soldaten eingetragen werden.[463]beiseits, besonders.
[455]handig, hurtig, behende.
[455]handig, hurtig, behende.
[456]wehrlich, gut befestigt und vertheidigt.
[456]wehrlich, gut befestigt und vertheidigt.
[457]Wasserburg, Bezirkshauptstadt am Inn, Baiern.
[457]Wasserburg, Bezirkshauptstadt am Inn, Baiern.
[458]Mühldorf, Stadt im Amtsbezirk gleichen Namens, Baiern.
[458]Mühldorf, Stadt im Amtsbezirk gleichen Namens, Baiern.
[459]Pfarrkirchen, Flecken, Sitz des gleichnamigen Landgerichts in Niederbaiern.
[459]Pfarrkirchen, Flecken, Sitz des gleichnamigen Landgerichts in Niederbaiern.
[460]Hilperstein, Hilpoltstein, Flecken und Sitz eines Bezirksamts, Baiern.
[460]Hilperstein, Hilpoltstein, Flecken und Sitz eines Bezirksamts, Baiern.
[461]Heideck, bei Hilpoltstein.
[461]Heideck, bei Hilpoltstein.
[462]Musterschreiber, der die Musterrollen führt, in welche die Namen der Soldaten eingetragen werden.
[462]Musterschreiber, der die Musterrollen führt, in welche die Namen der Soldaten eingetragen werden.
[463]beiseits, besonders.
[463]beiseits, besonders.
Springinsfeld verheurath sich, gibt einen Wirth ab, welches Handwerk er misbraucht, wird wieder ein Witwer und nimt sein ehrlichen Abschied hinter der Thür[464].
Springinsfeld verheurath sich, gibt einen Wirth ab, welches Handwerk er misbraucht, wird wieder ein Witwer und nimt sein ehrlichen Abschied hinter der Thür[464].
»Ich war damals ein Mann von ungefähr 50 Jahren und traf zu bemeldtem Regenspurg eine verwittibte Leutenantin an, die war nit viel jünger, hatte auch nicht viel weniger Geld als ich. Und weil wir einander öfters bei der Armee gesehen, machten wir desto ehender Kundschaft mit einander. Sie merkte Geld hinter mir und ich hinter ihr auch, und dannenhero fieng gleich eins das ander an zu vexiren, ob es nicht mit uns beiden ein Paar geben könte, sagten auch beidenseits, wers nicht glauben wolte, der möchte es zählen. Sie war in dem Land zu Haus, darin man allerhand Religionen passiren läßt[465], und solches war vor mich, weil ich noch keiner zugethan, sintemal ich alsdann die Wahl haben konte, unter so vielen eine anzunehmen, die mir am besten gefiele. Sie konte von ihren Reichthumen zu Haus nicht genug aufschneiden, viel weniger genug beklagen, daß sie in ihrer Jugend gleich im Anfang des Kriegs von ihrem Mann seligen von denselbigen[466]hinweg geraubt und bei Einnehmung ihres Heimats zu seinem Weib wider ihren Willen gemacht worden wäre, worbei man unschwer abnehmenkan, daß sie nicht mehr jung gewesen, weil ihr so wol als mir die erste Einnehmung der Festung Frankenthal[467]gedachte. Was darfs aber vieler Umstände? Wir machtens gar kurz mit einander und traten nicht allein mit der Heurathsabred, sonder auch mit der Copulation geschwind zusammen. Beiderseits Zubringens halber ward unter andern auch diß abgehandelt und verschrieben, daß ich, wann sie vor mir absterben solte ohne Leibserben, darzu bei ihr dann ohnedas keine Hoffnung mehr war, alsdann die Tage meines Lebens den Sitz und Genuß auf ihrem Gut haben, ihren Sohn aber, den sie von ihrem ersten Mann hatte, ehrlich aussteuren solte. 100 Gulden behielte ich mir vor, dieselbe hin zu vermachen und zu verschenken, wohin ich wolte. Als nun diese Glock dergestalt gegossen, eileten wir in ihr Vatterland, alwo ich zwar ein wolgelegen steinern Wirthshaus fande wie ein Schloß, aber darum weder Oefen, Thüren, Läden noch Fenster, also daß ich beinahe so viel zu bauen hatte, als wann ichs von neuem hätte angefangen. Das überstunde ich mit feiner Geduld und wendet mein Geldchen, und was mein Weibchen hatt, getreulich an, so daß ich vor einen braven Wirth in einem braven Wirthshause gehalten werden konte; und mein Weib konte auch den Judenspieß so wol führen, als ein sechzigjähriger Burger von Jerusalem hätte thun mögen, also daß unser Seckel, ohnangesehen der schweren Ausgaben (dann ich muste auch Friedengeld[468]geben, da ich doch viel lieber noch länger Krieg haben mögen), nicht leichter, sonder viel schwerer wurde, vornehmlich darum, weil es damals viel reisende Leut gab, beides von Handelsleuten, Exulanten und abgedankten Soldaten, die ihr Vatterland wieder suchten, welchen allen mein Weib gar ordenlich zu schrepfen wuste, weil ihr Haus hierzu sehr gelegen war.«
»Hierbeneben schachert ich auch mit Pferden, welcher Handel mir trefflich wol zuschlug, und gleich wie mein Weib ein lebendigs Erzmuster eines Geizwansts war, also gewöhnte sie mich auch nach und nach, daß ich ihr nachöhmte und alle meine Sinne und Gedanken anlegte, wie ich Geld und Gut zusammen scharren möchte. Ich wäre auch zeitlich zu einem reichenMann worden, wann mich das Unglück nicht anderwärtlicher Weise geritten.«
»Es werden gemeiniglich diejenige, so prosperirn, von andern Leuten beneidet und angefeindet, und das um so viel desto mehr, je mehr bei denen, so reich werden, der Geiz verspürt wird; dahingegen die Freigebigkeit bei männiglich Gunst erwirbt, vornehmlich wann sie mit Demuth begleitet wird. Solchen Neid verspüret ich nicht ehender, als biß seine Würkung ausbrach; dann gleichwie meine Nachbarn sahen, daß meine Reichthum zusehens grüneten und aufwuchsen, also fienge ein jeder an, nachzusinnen, durch welchen Weg mir doch solche so häufig zufallen möchten, so gar daß auch etliche entblödeten zu gedenken, ich und mein Weib könte hexen. Und also gab ein jeder ohn Wissen auf mein Thun und Lassen heimlich genaue Achtung. Unter andern war ein Erzfunk[469]an demselbigen Ort, dem ich ehemalen ein schön groß Stück wolgelegener und fast lustiger Wiesen abpracticirt, das er mir nit gönnet, wiewol ichs ihm ehrlich bezahlt hatte. Derselbe beriethe sich mit einem Holländer und einem Schweizer, dann es wohneten allerlei Nationen an selbigem Ort, wie sie mir doch hinter die Quelle meiner Reichthum kommen und mir eins anmachen[470]möchten, und hierauf waren sie desto geflissener, weil bereits etliche deren Landsleute aufgewannet[471]hatten und verdorben waren, als welche sich nicht in dieselbe Landsart schicken können. Einmals kamen mir zween Wägen voll Wein, der durch die Umgelter[472]gleich angeschnitten und in Keller gelegt wurde, eben als ich den folgenden Tag eine ansehenliche Hochzeit tractiren solte. Weil nun gedachte meine drei Neider mir zugetrauten, ich könte aus Wasser Wein machen, schütteten sie mir noch denselben Abend etwas von geschnittenen Stroh, das man den Pferden unter dem Habern zu füttern pflegt, in meinen Brunnen, und als sich dasselbige den andern Tag auch in dem Wein fande, sihe, da war mir die Hand im Sack erwischt. Man visitirt alle Faß und fande mehr Wein, als ich eingelegt hatte, und in jedwederen Faß etwas von dem Häckerling; und ob ich gleich schwören konte, daß ich von dieserMixtur nichts gewust, dann mein Weib und ihr Sohn waren ohne mich vor dißmal so endlich[473]gewest, so half es doch nichts, sonder der Wein ward mir genommen und ich noch darzu um 1000 fl. gestraft, welches meinem Weibchen dermaßen zu Herzen gieng, daß sie vor Scham und Bekümmernus darüber erkrankte und den Weg aller Welt gieng. Es wäre mir auch die Wirthschaft ferners zu treiben gar niedergelegt worden, wann desselbigen Orts ein andere solche ansehenliche Gelegenheit vorhanden gewesen wäre, die sich zu einer Wirthschaft geschickt hätte.«
»Nach dieser Geschichte wurde ich allererst gewahr, was vor Freunde und was Feinde ich bißher gehabt. Ich wurde so veracht, daß kein ehrlicher Mann etwas mehr mit mir zu schaffen wolte haben. Niemand grüßte mich mehr, und wann ich jemand einen guten Tag wünschte, so wurde mir nicht gedankt. Ich kriegte schier keine Gäste mehr, ausgenommen wann etwan irgends ein Fremdling verirret, oder ein solcher noch nichts von meiner Kunst gehöret hatte. Solches alles war mir schwer zu ertragen, und weil ich ohnedas auch eine Kurzweil mit zweien Mägden angestellt hatte, welches in Bälde seinen Ausbruch mit Händen und Füßen nehmen würde, so packte ich von Geld und Geldswerth zusammen, was sich packen ließe, setzte mich auf mein bestes Pferd, und als ich vorgeben, ich hätte meiner Gewohnheit nach Geschäfte zu Frankfort zu verrichten, nahm ich meinen Weg auf die rechte Hand der Donau zu, dem Grafen von Serin[474], der damal fast die ganze Welt mit dem Ruf seiner Tapferkeit erfüllet, wider den Türken zu dienen.«
Fußnoten:[464]den Abschied hinter der Thür nehmen, heimlich davon gehen.[465]die bairische Pfalz.[466]von denselbigen, nämlich von ihren Reichthümern.[467]Frankenthal, die Einnahme oder vielmehr die Belagerung geschah im Jahre 1621; vgl. oben S. 182.[468]Friedengeld, Abgaben, Steuern zu den Kosten der Friedensverhandlungen, wie aus dem Nachsatz hervorgeht. Vgl. Grimmelshausen's »Traumgesicht« (Ausgabe 1684), S. 739.[469]Funke,Fünkchen, Schelm, verwegener Mensch.[470]eins anmachen, etwas anthun, zu Leide thun.[471]aufgewannet.Die übrigen Drucke haben »darauf gewohnet«.Aufwannen, mit dem Vermögen aufräumen, es durchbringen oder verlieren.[472]Umgelter, Zolleinnehmer.[473]endlich, mhd.endelich, anstellig, hurtig, fleißig, geschäftig.[474]Graf von Serin, vgl. die Einleitung.
[464]den Abschied hinter der Thür nehmen, heimlich davon gehen.
[464]den Abschied hinter der Thür nehmen, heimlich davon gehen.
[465]die bairische Pfalz.
[465]die bairische Pfalz.
[466]von denselbigen, nämlich von ihren Reichthümern.
[466]von denselbigen, nämlich von ihren Reichthümern.
[467]Frankenthal, die Einnahme oder vielmehr die Belagerung geschah im Jahre 1621; vgl. oben S. 182.
[467]Frankenthal, die Einnahme oder vielmehr die Belagerung geschah im Jahre 1621; vgl. oben S. 182.
[468]Friedengeld, Abgaben, Steuern zu den Kosten der Friedensverhandlungen, wie aus dem Nachsatz hervorgeht. Vgl. Grimmelshausen's »Traumgesicht« (Ausgabe 1684), S. 739.
[468]Friedengeld, Abgaben, Steuern zu den Kosten der Friedensverhandlungen, wie aus dem Nachsatz hervorgeht. Vgl. Grimmelshausen's »Traumgesicht« (Ausgabe 1684), S. 739.
[469]Funke,Fünkchen, Schelm, verwegener Mensch.
[469]Funke,Fünkchen, Schelm, verwegener Mensch.
[470]eins anmachen, etwas anthun, zu Leide thun.
[470]eins anmachen, etwas anthun, zu Leide thun.
[471]aufgewannet.Die übrigen Drucke haben »darauf gewohnet«.Aufwannen, mit dem Vermögen aufräumen, es durchbringen oder verlieren.
[471]aufgewannet.Die übrigen Drucke haben »darauf gewohnet«.Aufwannen, mit dem Vermögen aufräumen, es durchbringen oder verlieren.
[472]Umgelter, Zolleinnehmer.
[472]Umgelter, Zolleinnehmer.
[473]endlich, mhd.endelich, anstellig, hurtig, fleißig, geschäftig.
[473]endlich, mhd.endelich, anstellig, hurtig, fleißig, geschäftig.
[474]Graf von Serin, vgl. die Einleitung.
[474]Graf von Serin, vgl. die Einleitung.
Türkenkrieg des Springinsfelds in Ungarn und dessen Verehlichung mit einer Leirerin.
Türkenkrieg des Springinsfelds in Ungarn und dessen Verehlichung mit einer Leirerin.
»Was ich mir gewünscht, das hab ich auch gefunden und erhalten, ohne daß ich nicht dem Serin, sonder dem Römischen Kaiser selbst gedienet. Ich kam eben, als etliche freiwillige Franzosen sich eingefunden, ihrem König zu Gefallen wider dietürkische Säbel Ehr einzulegen. Derselbe Krieg gefiele mir nicht halber, und ich hatte auch weder ganzes noch halbes Glück darinnen, weil ich mich anfänglich nicht darein richten oder den Brief recht finden konte, zu lernen, wie mans machen müste, daß man sich auch reich und groß kriegte. Doch schlendert ich so mit und suchte jederzeit in den allerschärfsten Occasionen entweder meinen Tod oder Ehr und Beuten zu erlangen, verblieb aber allzeit in dem Pfad der Mittelmaß, und wann ich gleich zu Zeiten irgends eine Beut machte, so hatte ich doch niemals weder das Glück noch die Witz[475]noch die Gelegenheit, solche zu meinem Nutz aufzuheben und zu verwahren. Und solcher Gestalt brachte ich mich durch[476]biß in die allerletzte Hauptaction, in deren die Unserige zwar oben lagen, ich aber mein vortrefflich Pferd durch einen Schuß verlor und unter demselben liegen verbleiben muste mit gesundem Leibe, biß beides Freund und Feind das Feld getheilt und sich etlichmal über mich hinüber geschwenkt hatten; da ich dann von den Pferden so ellend zertreten worden, daß ich alle Kräfte meiner Sinnen verloren, von den Siegern selbst vor todt gehalten und auch als ein Todter gleich andern Todten meiner Kleider beraubt worden, in denen ich etliche schöne Ducaten versteckt hatte.«
»Da ich nun wieder zu mir selber kam, war mir nicht anders, als wann ich geradbrecht oder mir sonst Arm und Bein entzwei geschlagen worden wäre. Ich hatte nichts mehr an als das Hemd und konte weder gehen, sitzen noch stehen, und weil jeder verpicht war, die Todte zu plündern und Beuten zu machen, als ließe mich auch ein jeder liegen, wie ich lag, biß mich endlich einer von meinem Regiment fande, durch dessen Anstalt ich zu unserer Bagage gebracht und da von diesem, dort von jenem mit Kleidern und einem Feldscherer versehen wurde, der mich hin und wieder mit seinemOleum Bapolium[477]schmirbte[478].«
»Da war ich nun zum allerellendesten Tropfen von der Welt worden. Der Marquetender, so mich führen, und der Feldscherer, so mich curiren solte, waren beide unwillig, und überdasmuste ich Hunger leiden um einen geringen Pfenning, dann mit dem Commißbrod wurde meiner mehrmals vergessen, und bettlen zu gehen hatte ich die Kräften nicht. Indem ich mich nun allerdings darein ergeben hatte, ich müste auf dem Marquentenderwagen endlich crepirn, blickte mich wieder ein geringes Glück an, daß ich nämlich mit andern Kranken und Beschädigten mehr in die Steirmark muste, alwo wir verlegt wurden, unsere Gesundheit wieder zu erholen. Das währete, biß wir nach dem unversehenen Friedensschluß zum theil unseren Abschied kriegten, unter welchen Abgedankten ich mich auch befande, und nachdem ich meine Schulden bezahlt, weder Heller noch Pfenning und noch darzu kein gut Kleid auf dem Leib behielte.«
»Ueberdas war es mit meiner Gesundheit auch noch nicht gar richtig, in Summa da war guter Rath theuer und bei mir Bettlen das beste Handwerk, das ich zu treiben getraute. Dasselbe schlug mir auch besser zu als der ungrische Krieg, dann ich fande ein faules Leben und süßes Brod, bei welchem ich bald wieder meine vorige Kräfte eroberte, weil diejenige gern gaben, die bedachten, daß ich um Erhaltung der Christenheit Vormaur willen in Armuth und Krankheit gerathen war.«
»Als ich nun meine Gesundheit wieder völlig erhalten, kam mir drum nit in Sinn, mein angenommenes Leben wieder zu verlassen und mich ehrlich zu ernähren, sonder ich machte vielmehr mit allerhand Bettlern und Landstörzern gute Bekant- und Cameradschaft, vornehmlich mit einem Blinden, der viel bresthafte Kinder und gleichwol unter denselbigen eine einzige gerade[479]Tochter hatte, die auf der Leier spielte und nicht allein sich selbst damit ernährte, sonder noch Geld zuruck legte und ihrem Vatter davon mittheilte. In diese verliebte ich mich alter Geck, dann ich gedachte: diese wird in deiner angenommenen Profession ein Stab deines vorhandenen und nunmehr verwiesenen[480]Alters sein.«
»Und damit ich auch ihre Gegenlieb und also sie selbsten zu einem Weib bekommen möchte, überkam ich eine Discantgeige ihr zu Gefallen und half ihr beides vor den Thüren und auf den Jahrmärkten, Baurentänzen und Kirchweihen in ihre[481]Leir spielen, welches uns trefflich eintrug, und was wirso mit einander eroberten, theilte ich mit ihr ohne allen Vorthel. Die allerweißeste Stücklein Brod ließe ich ihr zukommen, und was wir an Speck, Eier, Fleisch, Butter und dergleichen bekamen, ließe ich allein ihren Eltern, dahingegen ich bißweilen bei ihnen etwas Warms schmarotzte, insonderheit wann ich etwan da oder dort einem Bauren eine Henn abgefangen, die uns ihre Altmutter auf gut bettlerisch (das ist beim allerbesten) zu säubern, zu füllen, zu spicken und entweder gesotten oder gebraten zuzurichten wuste. Und damit bekam ich sowol der Alten als der Jungen ihre Gunst, ja sie wurden so verträulich mit mir, daß ich mein Vorhaben nicht länger verbergen oder aufschieben konte, sonder um die Tochter anhielte, darauf ich dann auch das Jawort stracks bekam, doch mit dem ausdrücklichen Geding und Vorbehalt, daß ich mich, so lang ich sein Tochter hätte, nirgendshin häuslich niederlassen noch den freien Bettlerstand verlassen und mich unter dem Namen eines ehrlichen Burgersmann irgends einem Herrn unterthänig zu machen nit verführen lassen solte; zweitens solte ich auch fürderhin des Kriegs müßig stehen, und drittens mich jeweils auf des Blinden Ordre mit seiner Familia aus einem friedsamen guten Land in das ander begeben. Dahingegen versprach er mir, mich auf solchen Gehorsam also zu leiten und zu führen, daß ich und seine Tochter keinen Mangel leiden solten, ob wir gleich bißweilen in einer kalten Scheuer vorlieb nehmen müsten.«
»Unsere Hochzeit wurde auf einem Jahrmarkt begangen, da sich allerhand Landstörzer von guten Bekanten beifanden, als Puppaper[482], Seiltänzer, Taschenspieler, Zeitungssinger, Haftenmacher[483], Scheerenschleifer, Spengler[484], Leirerinnen, Meisterbettler, Spitzbuben, und was des ehrbaren Gesindels mehr ist. Ein einzige alte Scheuer war genug, beides Tafel und das Beilager darin zu halten, in deren wir auf türkisch auf der Erden herum saßen und gleichwol auf alt teutsch herum soffen. Der Hochzeiter und seine Braut muste selbst in Stroh verlieb nehmen, weil ehrlichere Gäste die Wirthshäuser eingenommen hatten, und als er murren wolte, um daß sie ihre Jungfrauschaft nit zu ihm bracht, sagte sie: ›Bistu so ein ellender Narr, daß du bei einer Leirerin zu finden vermeint hast, das noch wolandere Kerl, als du einer bist, bei ihren ehrlich geachten Bräuten nicht finden? Wann du in solchen Gedanken gewesen bist, so müste ich mich deiner Einfalt und Thorheit zu krank lachen, sonderlich weil dessentwegen keine Morgengab mit dir bedingt worden.›«
»Was solte ich thun? Es war halt geschehen. Ich wolte zwar das Maul um etwas henken, aber sie sagte mir ausdrücklich, wann ich sie diß Narrenwerks halber, das doch nur in einem eitelen Wahn bestünde, verachten wolte, so wüste sie noch Kerl, die sie nicht verschmähen würden.«