Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.I.Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.II.Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.III.Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.I.Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25II.Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:I.Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.II.Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)III.Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet:
Regelmässig versammeln sich die Hexen in der St. Johannis- und der St. Georgnacht17, Weihnachten und zu Pfingsten auf Pusten (weiten Ebenen), an Kreuzwegen und brauen dort ihre Zaubertränklein.
In der vorchristlichen Zeit fielen auf die genannten Tage die Hauptfeste des Volkes. Jung und alt zog zu Georgi, zu Pfingsten und am Johannistage hinaus in Wald und Flur, brachte bei Tanz und Spiel Opfer dar und feierte das Fest der erwachenden und blühenden Natur. Wie vor tausend Jahren, so feiert noch jetzt der südslavische Landbewohner diese Feste, die nun ein christliches Gepräge erhalten haben, nebenher geht aber noch eine Unzahl altheidnischer Gebräuche mit. Warum gerade an diesen Tagen den Hexen eine grosse Rolle zufällt, erklärt sich einfach daraus, dass man vor Zeiten an diesen Tagen Opferzüge leitete und mancherlei »Zaubereien«, zum Wohle aller und einzelner veranstaltete. Bei einem einfachen Volke, wie die Südslaven, das sich vorzugweise mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigte und noch beschäftigt, brachte man selbstverständlich die meisten Opfer dar, um für das liebe Vieh und die Felder den Segen der Geisterwelt zu erwerben. Zu ihren Ehren schmückte mandie Wohnungen der Menschen und die Nutztiere mit Blumen und Kränzen. Die weisen Frauen, die die Aufsicht über die Festzüge führten, trugen besondere Zweige in der Hand, beräucherten Menschen und Tiere und sprachen dazu ihre Segen. Die neue christliche Lehre musste, um sich behaupten zu können, teilweise die alten Bräuche zu den ihrigen machen, diejenigen aber, die sich mit ihrem Geiste nicht vertrugen, als das Gaukelspiel böser Geister hinstellen. So wurden die alten Priesterinnen, die wohl mancherlei Kenntnis von heilkräftigen Kräutern besassen, böse Hexen, die dem lieben Vieh nachstellen und den Menschen nur Schaden bereiten. Infolge dieser Wandlung in der Volkanschauung fing man an, den nicht mehr verstandenen Brauch des Bekränzens und Schmückens der Nutztiere als Abwehrmittel gegen den Einfluss der Hexen auszulegen. Die Vorstellung von dieser Art von Hexen hat mit jener von den Vilen nichts gemein als den Namen, so ferne man in manchen Gegenden die Bezeichnungenvještica(coprnica) undvilanicht mehr auseinanderhält.
AmGeorgtageschmücken im ganzen slavischen Süden die Hirten mit Blumenkränzen die Hörner der Kühe, um jeden Hexenzauber fernzuhalten. In den Blumen und Zweigen heimen gütige Baumseelen. Die unbekränzten Kühe sind den Hexen preisgegeben. Die Kränze befestigt man abends an der Stalltüre, wo sie das ganze Jahr über hängen bleiben. Wenn es ein Hirte unterlässt, eine Kuh zu bekränzen, so erhält er vom Eigentümer der Kuh nicht nur nicht das übliche Trinkgeld, sondern setzt sich noch der Gefahr aus, durchgebläut zu werden. Die Zeugnisse für den angeführten Brauch sind sehr zahlreich. (Vrgl. über diesen Brauch bei a. Völkern.Mannh., Bk. S. 295.)
Am Georgtage früh, wenn der Hirte die Kühe aus dem Stalle lässt, nimmt die Schaffnerin in die eine Hand Salz, in die andere einen Scherben mit Feuerbrand. Das Salz reicht sie der Kuh, die nun über die Glut hinwegschreitet. In dem Feuer brennen allerlei Rosenarten. Dadurch bricht man die Macht der Hexen über die Kuh. (Aus Warasdin). In der Umgegend vonKarlstadtbegnügen sich die Hausfrauen, morgens beim Austreiben der Kühe bloss ein Kreuz über sie zu schlagen, um die Hexen fernzuhalten. (V. Lorković, Arkiv, 1863, VII, S. 239.) (Über die Bedeutung dieser Bräuche vrgl.Mannh.Bk. Kap. VI, Vegetationgeister, Sonnenzauber S. 497–566.)
Am Vorabend vonGeorgi, an manchen Orten am Georgtage frühmorgens, schneiden alte WeiberDistelzweigeab und bringen sie an den Türen des Gehöftes an; ferner machen sie Kreuze aus Kuhdreck sowohl an den Hof- als an den Stalltüren, damit die Hexen den Kühen keinen Schaden antun können. (Aus Warasdin.) Manche schlagen aus demselben Grunde grosse Nägel in die Stalltüre ein, doch glaubt man, dass diese kein so zuverlässiges Abwehrmittel gegen Hexenzauber wieDistelzweige bilden. InVinicaund dessen Umgebung schneidet man vor Sonnenaufgang die Distelzweige ab. Man legt sie einander auf den Kopf, ferner legt man solche Zweige auf die Umzäunung des Gehöftes, die Fenster und Türen des Hauses und ebenso in Kranzform den Kühen um den Nacken, damit die Hexen dieses Jahr über Mensch, Tier und Haus keine Macht erlangen können. Gelingt es einer Hexe trotz alledem durchs Hinterhaus über den Gartenzaun in den Stall zu dringen, so verendet das ganze Vieh in dem Hause.
Es war einmal ein Mann, der wollte keine Disteln an der Stalltüre anbringen, ja er verspottete sogar die Leute, die es taten. Dafür kamen aber das ganze Jahr allabendlich Hexen zu ihm und molken seine Kühe aus. Er dachte sich: »Ich muss doch aufpassen, wer denn das ist, der regelmässig meine Kühe ausmilkt.« Er verbarg sich im Heu, lauschte und hielt scharfe Wache. Auf einmal, es war um die elfte Stunde, erschien ein Melkkübel und die Kuh fing an ganz von selbst die Milch in diesen Kübel hineinrinnen zu lassen. Er fährt rasch aus seinem Versteck hervor, ergreift den Kübel und schlägt ihn mit aller Kraft zur Erde. Der Kübel aber verwandelt sich in eine grosse Kröte, und eben diese Kröte macht Miene, auf ihn zu springen. Er hurtig fort und ins Haus hinein. Das war sein Glück. Eine Woche darauf war Georgi. Am Vorabende befestigte er an der Stalltüre Distelzweige und die Kuh gab fortan reichlich Milch. (Aus dem DörfchenVidovecbei Warasdin.)
Am Georgtage kann man die Hexen leicht erkennen und ihr Treiben beobachten, nur muss man folgendes tun: Zeitlich morgens vor Sonnenaufgang begibt man sich auf die Weideplätze der Kühe, zieht sich vollständig aus, wendet seine Kleider ganz um und legt sie so an. Dann muss man ein Stück grünen Rasens herausschneiden und sich auf den Kopf legen. (Aus Warasdin.) Als Beleg für die Wahrheit erzählt man sich die Geschichte von den zwei Schmiedelehrjungen und ihrer Meisterfrau, die nächtlich auf einem der Burschen, nachdem sie ihn in ein Pferd verwandelt, zur Hexenversammlung reitet. Es wird dies als eine Strafe für seinen Vorwitz hingestellt. Die Hexe wird schliesslich auf dem Kapuzinerplatz in Warasdin verbrannt.
Die Hexen kann man ferner am Georgtage beobachten. Man stellt sich in der Frühe, wann die Kühe ausgetrieben werden, mit einem Rasenstück auf dem Kopfe hinter die Stalltüre, oder duckt sich daselbst nieder. Dadurch wird man für die Hexen unsichtbar, denn sie glauben, man befinde sich unter der Erde. (Aus Warasdin.)
Am Georgtage in aller Früh vor Sonnenaufgang steigen die Hexen in den Kirchturm hinauf, um Schmierfette18von den Glockenarmen undein Stück vom Glockenstrick sich zu holen; denn dieser Gegenstände bedürfen sie zum Hexen.
In derJohannisnachtschleicht die Hexe auf den geflochtenen Zaun hinauf, der das Gehöft umschliesst und spricht: »Zu mir der Käse, zu mir das Schmalz, zu mir die Butter, zu mir die Milch, euch aber (geb’ ich) die Kuhhaut.« (K meni sir, k meni maslo, k meni puter, k meni mleko a vam pak kravsku kožu.) Da wird nämlich die Kuh verenden, das Fleisch wird man vergraben, die Haut verkaufen müssen. Um solchen Zauber zu nichte zu machen, geht man zeitlich früh am Johannistage auf die Wiese, sammelt in einen Mantel Morgentau und trägt ihn heim. Zu Hause angelangt, bindet man die Melkkuh an den Stützbalken (tram) an und wäscht die Kuh mit dem eingesammelten Morgentau; sodann stellt man den Melkkübel unter ihre Euter und melkt die Kuh. Tut man so, so kann man mindestens vier volle Kübel Milch melken. (Aus St. Elisabeth [Jalžabeta].)
Zur Abwehr gegen die Entziehung der Milch durch Hexen bedient man sich auch desWacholders. Folgende zwei Angaben sind ausToplice. »Will man es verhindern, dass Hexen zu den Kühen kommen, so nimmt man in der Weihnacht einen Wacholderzweig und warte im Stalle, bis die Hexen kommen, um die Kühe zu melken. Sobald sie zu melken anfangen, tritt hin zur Kuh und versetz der Hexe drei Streiche. Das musst du schweigend tun und ebenso schweigend dich sogleich entfernen.« Das zweite Mittel lautet: »Will man die Hexen von den Kühen vertreiben, so geh’ zu Weihnachten um die Mitternachtstunde hin, gib Wacholder in einen Topf (in welchem Glutkohlen liegen) und räuchere damit dreimal deine Kühe, dann wird das ganze Jahr keine Hexe zu ihnen kommen. Dies musst du aber an jedem Weihnachtabend tun, wenn du willst, dass niemals Hexen zu dir kommen sollen und deine Kühe ausmelken.19«
Nicht geringe Schwierigkeit bietet die Erklärung des Glaubens an dieKerstniki(bei den Slovenen), die in der Johannisnacht mit den Hexen kämpfen. Die Etymologie des WortesKrstnikist unzweifelhaft. Es ist ein altes Lehnwort aus dem Griechischen. Im Bulgarischen und Slovenischen bedeutet Krstnik so viel als Täufling, derGetaufte(Kumče, wie man serbisch sagt). Wie lässt sich das Wort in dieser Bedeutung in unserem Falle rechtfertigen? Sehen wir uns vor allem die wenigen gedruckten Angaben an, aus welchen man etwas Näheres über dieKerstnikierfährt. Die älteste Nachricht datiert aus dem Jahre 1854.
»In der Johannisnacht, so glauben die Slovenen um Görz, führendie Hexen mit denKerstnikieinen heftigen Kampf. DieKerstnikisind zwölf Brüder. Wenn sich in einer Familie zwölf Söhne von einem Vater befinden, so ist der zwölfte unter ihnen einKerstnik. In der Johannisnacht schweben diese Kerstniki in grosser Gefahr, denn sie werden da von den Hexen mit Überresten von Steckpfählen und Stumpfen überfallen. Gerade deshalb gräbt man im Herbste die Steckpfähle und die Stumpfen, die in der Erde zurückbleiben, sorgfältig aus und schafft sie heim, damit die Hexen keine Waffen haben sollen, um mit den Kerstniki zu kämpfen. Diejenigen Stücke, die sich nicht leicht herausziehen lassen, rammt man noch fester in die Erde ein.«
Den Widerspruch, der darin liegt, dass zuerst alle zwölf BrüderKrstnikigenannt werden und dann trotzdem der zwölfte erstKrstniksein soll, fand der Erzähler nicht heraus. Man merkt es diesem Bericht gleich an, dass die mythische Zwölfzahl nur herangezogen wird, um etwas notdürftig zu erklären, was man nicht mehr versteht.
Nicht viel mehr als den blossen Namen bietet eine andere Erzählung. »DieKrstnicibeschützen zumeist die Welt vor Hexen.« Einen sicheren Anhaltpunkt zur Deutung der Gestalt desKrstnikgewinnt man erst durch eine Notiz: »Krstnik, človek kterega vile obljubiju.« »Krstnik ist ein Mann, den die Vile liebgewonnen.« Diese dritte Nachricht rührt aus dem Jahre 1860 her (Veglia glasn. II. 8).
Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als dieGetauften, d. h.Krstnikiκατ’ ἐξοχήνbenennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschengelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun dieVilenzucoprnicewandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen umGörz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so vielarbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.
Ausser bei den erwähnten Gelegenheiten versammeln sich die Hexen noch regelmässig in hellen Mondnächten auf Kreuzwegen, um dort zu spinnen.21Nie aber ist es ratsam, zur Nachtzeit dort vorüber zu gehen, denn die Hexen behexen einen und senken über ihn einen tiefen Schlaf. Ihre Zusammenkünfte finden auf Bäumen, besonders auf Ahorn-, Eschen-,22Nuss- und Lindenbäumen statt, deren Äste folgender Art verwachsen sind:
Aufenthaltorte der Hexen sind nebst dichten Wäldern und Schluchten noch Düngerhaufen, Lauge- und Ascheablagerungen, Gestrüpp und dichtes Gehölz. Sobald die Sonne untergegangen ist, versammeln sich die Hexen in Zwetschkengärten und alten Ruinen; in Sommernächten treiben sie ihr Unwesen in Scheunen, alten hohlen Bäumen, dunklen Hainen und unterirdischen Höhlen. (Lonja in Chrowotien.) Die Hexen werden ferner als wohnhaft gedacht in derGrotte Kleinhäusel(u velki jami pod malim gradom) beiPostojnain Krain, ferner tanzen sie auf zwei grossen Felsen in der Nähe der Grotte. Die Hexen haben Affenköpfe mit roten Mützen darauf. Der Bauer hütet sich sorgfältig, in der Dämmerung an einem Düngerhaufen vorüberzugehen, oder gar darüber zu schreiten, namentlich tät er dies nicht barhaupt; denn man ist vollkommen überzeugt, dass einen die Hexen, die auf dem Düngerhaufen hausen, auf der Stelle durchbohren würden. Mein Gewährmann erzählte eine Geschichte, um diesen Glauben zu belegen, und gesteht freimütig ein, dass er früher wohl an der Existenz von Hexen gezweifelt habe, doch angesichts der sich so oft wiederholenden Tatsache nicht umhin könne, seinen Unglauben zu bereuen. »Ich sah«, berichtet er, »einen Handwerker (der Mann lebte noch 1863), der verliess um Mitternacht das Wirtshaus, wurde von den Hexen überfallen und dreimal furchtbar im Dorngestrüpp zu Boden geschleudert. Zuletzt, nachdem sie ihn derart zugerichtet, versetzten sie ihm einen so wuchtigen Hieb in den Brustkorb, dass man noch jetzt, also mehrere Jahre nach diesem Ereignisse, ein faustgrosses Loch an der betreffenden Stelle sehen kann. Der Ärmste erzählte mir selber, dass er wohl sterben, aber niemals der alten Bara, seines Nachbars Weibe, verzeihen werde; dennsiehabe er ganz deutlich von Angesicht im Mondlicht erkannt.«
Wenn ein heftiger Wind weht, da lieben es die Hexen, zu tanzen. Vor Vergnügen drehen sie sich im Wirbel, und lagern an Orten, wo Menschen gerne verweilen und ruhen, ihren Schweiss vom Tanze ab. Wer an einen solchen Ort gerät, mit dem ist’s schlimm bestellt; er verliert die Sprache, oder wird an Hand oder Fuss gelähmt. Man glaubt auch, dass wenn einer eine Lungenentzündung bekommt, oder es rührt ihn der Schlag, dass er auf Hexenschweiss getreten sei.
Man muss sich hüten, den Ort zu betreten, wo sich eine Hexe aufgehalten, denn man verfiele sogleich in Wahnsinn und bliebe daselbst so lange liegen, bis man vom Hunger heimgetrieben würde. Man erkennteine solche Stelle ohne weiters an den Fussabdrücken im Staub oder Sand. Eine Hexe hat nämlich bloss vier Zehen am Fusse, die wohl nicht anders aussehen als bei jedem Menschen, nur fehlt die grosse Zehe (der Daumen). (Aus Warasdin.) Die rätselhaften vier Zehen, deren Eindrücke im Boden den Gläubigen in Schrecken versetzen, rühren wohl von Wildgänsen, Schwänen oder Wildenten her. Der Bauer kennt freilich die Spuren dieser Tiere, doch er glaubt auch, dass Hexen ihre Gestalt annehmen. Auch die ruhelosen Seelen von Kindern, die vor der Taufe gestorben, treiben nächtlicher Weile ihren Spuk in Gestalt von Gänsen auf Weideplätzen. Das sind dieMóvjeklr.moviči(vor derWz. mar).
Stösst der Mensch durch Zufall auf eine Hexenversammlung, so muss er rasch den Kopf bedecken, ein Kreuz schlagen, drei Schritte nach rückwärts treten, dann einen vierten Schritt nach vorwärts machen, denn sonst tritt er den Hexen in die Schüssel hinein. Beobachtet er dies, so können ihm die Hexen gar nichts antun. (Aus Vinica.)
Wenn einer an seinem Gartenzaun irgend etwas wahrnimmt, was ihm eine Hexe hingelegt hat, so darf er das Ding um keinen Preis in die Hand nehmen, denn er würde im selben Jahre schwer erkranken, und wenn er gar mit dem Dinge spielte, so müsste er gewiss sterben. (Aus Warasdin.)
Hexen halten sich auch in Gewässern auf. In einem solchen Wasser muss man sich hüten zu baden, denn man ertränke unfehlbar darin. Auch fänden die Leute niemals den Leichnam des Ertrunkenen. Einen solchen verdächtigen Ort erkennt man leicht daran, dass auf der Oberfläche des Wassers ein toter Kater schwimmt. Zuweilen ist an solchen Stellen das Wasser von einer sehr bedeutenden Tiefe, trotzdem aber von einer solchen Klarheit und Durchsichtigkeit, dass man bis auf den Grund hinab sieht. Häufig ist ein Wasser, das zum Aufenthalt der Hexen dient, ein sehr trübes stehendes Gewässer, dem man nicht näher als bis auf sieben Schritte kommen darf, weil der Mensch schon am blossen Dunst ersticken müsste.
Drei Sagen zur weiteren Erläuterung. Die erste ist ausBednje, die zweite ausBiškupec, die dritte ausWarasdinin Chrowotien.
I.
Es war einmal ein junger Mann, der sich in ein Mädchen verliebte, das eine Hexe war. Es fiel ihm öfters auf, dass sich das Mädchen immer zu gewisser Zeit zu entfernen pflegte, ohne jemand mitzuteilen, wohin; darum befragte er sie, wohin sie gehe, und sie gab ihm zur Antwort: »Mein Liebster, ich gehe auf einen gar schönen Ort; komm Du auch mit, Du wirst die Freude in vollen Zügen geniessen.« — Er willigte ein undsie führte ihn auf einem ihm bis dahin unbekanntem Wege, bis sie an einen Kreuzweg gelangten, wo sie zu mehreren solcher Mädchen und Frauen stiessen. Mit diesen zusammen traten sie sodann in eine wunderherrliche Burg, die sie urplötzlich herhexten, darin glänzte aber alles in lauterem Golde und eine grosse Tafel war mit köstlichen Speisen vollbedeckt. Man fing an, die mannigfaltigsten Speisen zu essen, wie ihrer der Jüngling nicht einmal im Traume je welche gesehen. Wie es überall zu sein pflegt, so geschah es auch hier; der Wein erhitzte die Gemüter der Gäste und der Jüngling ergriff lusterfüllt seinen Pokal und brachte einen Trunk zu Ehren des heiligen Geistes aus. Da schien es ihm auf einmal dunkel um die Augen zu werden, und er ergriff, als wenn er untersänke, schnell etwas über sich. Wie er die Augen öffnete, sah er sich auf einem Lindenbaume und mit der Hand hielt er sich an einem Aste fest.
II.
Es war einmal eine Hexe, die ging zum Dorfpfarrer zur Beichte; der Pfarrer aber wusste, dass er eine Hexe vor sich habe und bat sie, sie möge ihm den Ort ihrer Zusammenkünfte zeigen. Die Hexe erwiderte: »Ich will Ihren Wunsch, Herr Pfarrer, erfüllen und Ihnen den Ort zeigen. Kommen Sie mit mir auf den Düngerhaufen.« — Als sie auf den Düngerhaufen kamen, hiess die Hexe den Pfarrer ihr auf den Fuss treten. Kaum trat er ihr auf den Fuss, flogen beide hoch in die Luft und gelangten in einen wundervoll schönen Palast, wo Hexenmeister mit Hexen im vollsten Sinnentaumel herumtanzten und sich mit Speise und Trank ergötzten. Auf einmal erschien in ihrer Mitte der Teufel selber in Gestalt eines Kalbes, das Feuer aus dem Maule spie. Nun gingen die Hexen der Reihe nach dem Kalbe den Hintern küssen, und so kam die Reihe auch an den Pfarrer, der ohne weiteres das Beispiel der Hexen nachahmen wollte, doch der Teufel herrschte ihn an: »Was hast Du Stinktier vor? — Willst Du in unsere Genossenschaft aufgenommen werden, so musst Du Deinen Namen mit eigenem Blute in dieses schwarze Buch einschreiben!« — Der Pfarrer forderte ihn auf, ihm das Buch vorzulegen, er sei bereit, sich zu unterzeichnen. Der Teufel reicht ihm das Buch und der Pfarrer schreibt ein den süssen Jesunamen. Im selben Augenblicke erdröhnte der Palast und zerfiel in Trümmer, Teufel und Hexen verschwanden und der Pfarrer sah sich auf dem Gipfel der uralten Linde vor der Kirche und zitterte vor Entsetzen am ganzen Leibe. Als in der Früh der Messner läuten kam, rief ihm der Pfarrer von der Linde herab zu: »Heda, nimm mich herab!« und der Messner entgegnete kopfschüttelnd: »Der Teufel selbst muss Sie da hinauf gesetzt haben«, stieg auf den Baum, holte den Pfarrer herab und trug ihn in den Pfarrhof zurück.
III.
Ein Bauer ging mit einem Sacke Frucht in die Mühle und der Weg führte ihn an einem grossen Baume vorüber, wo er schon früher zu hundert Malen vorübergegangen war. In der Mühle sah er sich genötigt bis zur Dämmerung zu warten, ehe an ihn die Reihe kam, und als die Frucht gemahlen war, trat er den Heimweg an. Wie erstaunte er aber, als er an der Stelle, wo der Baum stand, einen grossartig schönen, drei Stockwerke hohen Palast erblickte, aus dem ihm ein Jubel entgegenscholl, als wenn hundert Paare daselbst Hochzeit feierten. Verwundert legte er den Sack ab, setzte sich darauf und sann nach, wo er sich befände und wieso er hieher gelangt sei. Auf einmal traten aus diesem Palaste über goldene Stufen zwei schöne Frauen heraus, fassten ihn jede an einer Hand und führten ihn in den Palast hinauf. Oben traf er Leute aller Art, unter denen eine unaussprechlich grosse Lustbarkeit herrschte. Man bot ihm sogleich Speise und Trank an und schliesslich tanzte er in bester Stimmung mit ihnen mit. Als er sich endlich verabschiedete, um zu den Seinen zurückzukehren, reichte ihm die eine ein grosses Stück Braten und die andere ein herrliches Kopftuch mit den Worten: »Dein Weib wird es mit grossem Vergnügen tragen.« — Er sprach ihnen seinen Dank dafür aus, worauf sie ihn wieder an der Hand hinabgeleiteten. Unten angelangt, lud er wiederum seinen Sack auf den Rücken auf und schlug den Heimweg ein. Zu Hause rief er vor Freude seinem Weibe zu: »Errat’ mal Weib, was ich Dir Neues und Schönes mitbringe?« — Noch etwas benebelt und in vergnügtester Laune griff er in seine Ledertasche nach dem Fleische und zog heraus — einen Pferdehuf. »Ich habe noch etwas, für Dich, Du«, sagte er, griff in die Tasche nach dem Kopftuch und brachte einen — schmierigen Abwaschfetzen zum Vorschein. Beide gerieten darüber in Verwunderung, und der Bauer suchte schnurstracks den Pfarrer auf und teilte ihm das sonderbare Abenteuer mit, aber der Pfarrer lachte ihn nur aus. Nun kam bald wiederum der Zeitpunkt, wo die Hexen ihre Versammlung abzuhalten und der Freude sich hinzugeben pflegten, und da schickten sie zum Pfarrer, der eben an diesem Tage zwei Paare traute, eine vergoldete Kutsche mit vier Rossen, einem Kutscher und zwei Herren mit der ergebenen Einladung, er möge sie beim Festmahl mit seiner Gegenwart beehren. Der Pfarrer nahm wirklich die Einladung an, stieg in die Kutsche und schnell wie der Donner ging es zu jenem Palaste hin. Die ganze lustige Gesellschaft kam ihm unter Musikbegleitung entgegen und führte ihn über die goldenen Stufen hinauf in den Saal. Sogleich räumte man ihm den Ehrenplatz oben an der Tafel ein. Doch die Freude war von kurzer Dauer, wenngleich sie sehr gross war; alles trank der Reihe nach und zuletzt kam der Pfarrer dran, der in Gottes Namen den Pokal ansetzte; kaum war aber dieses Wort über seine Lippen gekommen, verschwandalle Herrlichkeit um ihn herum und er sah sich auf einem schwachen Aste auf dem Gipfel jenes Baumes sitzen, von dem ich zuvor gesprochen. Die ganze Nacht bis zum hellichten Tag sass er da oben auf der schwachen Rute und getraute sich nicht, sich zu mucksen, vor Furcht, hinabzufallen und sich das Genick zu brechen, bis ihn endlich vorüberziehende Leute aus seiner peinlichen Lage befreiten. Diesen Streich spielten ihm die Hexen nur deshalb, weil er an sie nicht glaubte.
Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23bei dem DorfeMolovinabezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissendiavuli di nuci. »Die neapolitanischenstregheversammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm.D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer DichterI. Gundulić(1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der VezirDilaverden jungen türkischen KaiserOsmanzu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):
»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,»Man sagt sich, dass sie eine Salbe aus zartem (wörtlich: milchigem) Kinderfleisch koche und vom Teufel besessen auf einem Bocke durch die schwarze Nacht dahinfliege.«5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«»Auf welchem (nämlich Bocke) sie ohne Scheu allezeit zum vilenartigen Drachen der Hochalpe reitet, wo sich Hexen unterhalb einesNussbaumeszu grausigen Mahlzeiten ein Stelldichein geben.«
»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,
»Glas je, da ona od djetinjeMlječne puti pomas kuha,I na ovnu prjeko sinjeNoći leti vragoduha,
»Glas je, da ona od djetinje
Mlječne puti pomas kuha,
I na ovnu prjeko sinje
Noći leti vragoduha,
5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«
5Na kom leti svegj bez strahaK planinskomu vilozmaju,Gdje vještice podnoorahaNa gozbe se strašne staju.«
5Na kom leti svegj bez straha
K planinskomu vilozmaju,
Gdje vještice podnooraha
Na gozbe se strašne staju.«
Weitere Belege aus Dalmatien im Arkiv za pov. jugosl. V. S. 332. Der Zauberspruch der Hexen, die im Begriff fortzufliegen sind, lautet: »Nach Neapel unter die Nussbäume« (u Pulju pod oraje).
In einer Sage (Arkiv, VII, S. 218) zerreissen Hexen ein Mädchen unter einem Nussbaume und sieden es in Öl ab.
Dagegen finden sich die Hexen von Chrowotien auf dem BergeKlekbei Ogulin zusammen. (Vuk, a. a. O.)M. Kombola, Pfarrer inSelacim Küstenlande, berichtet über diesen Volkglauben im Arkiv desKukuljevićVII, 328. Zweifelohne war auf demKlekeine vorchristliche Kultstätte.Kombolaergänzt seine Nachricht mit der Bemerkung: »Wüsste der hl.Elias, wann sein Tag sei, er würde sie (die Hexen) alle vernichten und umbringen.« Unser Gewährmann nimmt auf eine allgemein verbreitete Sage Bezug, die an den Heiligen anknüpft. Wie wir in der Anmerkung hervorheben, ist der hl. Elias an Stelle des Donnergottes der vorchristlichen Zeit getreten, der sich in einem gewissen Sinne mit der neuen Ordnung abfand, doch immer noch hofft, dass er wieder einmal die Herrschaft erlangen werde. Dieser Zeitpunkt ist herangenaht, sobald sein alter Kult wieder vollkommen hergestellt sein wird, oder, wie es in der Sage heisst, sobald er erfährt, wann man sein Fest feiert. Es wird aber alljährlich begangen, nur weiss er den Tag nie bestimmt. Fragt er Gott, so erhält er immer zur Antwort, der Tag sei schon vorüber, oder er werde erst kommen. Der hl. Elias verschläft nämlich immer sein Fest. Wenn er aber einmal wachbleiben wird, dann geht die ganze Welt zu Grunde. (Das erzählte mir ein Bauer ausKamenskobeiPožegain Slavonien. Die Vorfahren des Erzählers sind Einwanderer aus dem Herzogtum. Eine Variante dazu in einer der ersten Nummern des RagusäerSlovinac.)
Die Hexen reiten auf Menschen, die sie mittels einer Zauberhalfter in Pferde verwandeln. Auf ihrem Versammlungorte wird herumgetanzt. Die heiteren Festtänze beim alten Opferkult, die frohe Sitte, die sich noch bis in die Gegenwart erhalten hat, dass sich das Volk an Festtagen vor der Kirche versammelt und Tänze aufführt, wurden mit der Zeit durch den Einfluss der Geistlichkeit zu greulichen Hexentänzen gestempelt, die unter Aufsicht des Teufels ausgeführt werden. Der Teufel wird übrigens höchst selten in unmittelbarer Verbindung mit Hexen gedacht. Seine Gestalt ist dem südslavischen Volkglauben ursprünglich ganz fremd. Weist doch auch schon der Umstand darauf hin, dass die Sprache keine besondere Bezeichnung für Teufel aufweist (gjavol[diabolus],sotona[Satan] sind Fremdworte,vragbedeutet den Verderber überhaupt). An ihren Versammlungorten vergnügen sich die Hexen nicht bloss mit Tanz, sondern auch mit Mahlzeiten. Ihre Gefässe sind Pferdehufe und Eierschalen. Pferde brachte man beim alten Kult gewöhnlich als Opfer dar. Nochheutigen Tags befestigt so mancher südslavische Bauer am First seines Hauses einen Pferdekopf zur Abwehr von Zauber. Eier als Sinnbilder des Werdens in der Natur opferte man gleichfalls den Geistern. Wie es bei Hexenmahlen zugeht, darüber geben uns die Sagen vielfachen Aufschluss. Hier mögen vor allem zwei angeführt werden. Die erstere ist ausKreuzin Chrowotien, die letztere, eine Variante zur ersteren, ausSlovenisch-Feistritz.
I.
Am Abhange des Klek lebte ein reicher Wirt mit seiner Frau, der Wirtin. Der Wirt war hager und mager, die Wirtin aber gut genährt, wie ein Mastschwein. Kam eine Zigeunerin zum Wirt, um ihm wahrzusagen. »Hör’ mal, Du gutmütiger Tropf« (more), sprach die Zigeunerin, »weisst Du, weshalb Dein Weib so dick und Du so abgezehrt bist?« — »Weiss es nicht!« — »Mein guter Freund, Dein Weib ist eine Hexe. An jedem Freitag im Neumond (mladi petak) reitet sie auf Dir auf den Klek hinauf zum Teufelreigen« (Vražje kolo). — »Wie denn das?!« — »Ganz einfach. Sobald Du einschläfst, schleicht sie zu Dir hin, wirft Dir eine Zauberhalfter über den Kopf, Du verwandelst Dich augenblicklich in ein Pferd und sie reitet dann auf Dir fort. Geh, gib mal ein bisschen acht am nächsten Neumondfreitag.«
Am nächsten Freitag abend tat der Wirt, als schliefe er. Näherte sich ihm die Wirtin mit den Halftern in der Hand. Sprang der Wirt vom Lager auf und warf ihr die Halfter über den Kopf. Sie stand im selben Augenblicke vor ihm als Stute, er bestieg sie und im Nu befanden sie sich oben auf dem Klek. Dort band er (der Wirt) die Stute an einen Baum und schaute dem Teufelreigen zu. Zuerst tanzten die Hexen alle zusammen im Reigen, dann jede allein um ihren Topf herum. Diese Töpfe aber waren nichts anderes als Eierschalen. Kam zum Wirt herangeflogen eine alte Hexe, diese war seine alte Godin. »Was suchst Du da?« — »Ich habe diese meine Stute bestiegen und sie trug mich hieher auf den Klek.« — »Weh, flieh von hier, so schnell Du kannst. Wenn Deiner die Hexen gewahr werden, dann ist’s um Dich geschehen. Wisse, dass wir noch auf eine warten (auf sein Weib nämlich), ohne die wir eigentlich gar nichts anfangen können.« Da hat sich freilich der Wirt aus dem Staub gemacht, kam nach Haus, stellte die Stute im Stalle ein und legte sich schlafen. Fragten ihn die Diener in der Frühe: »Was ist das für eine Stute?« »Mir gehört sie«, antwortete der Wirt, liess dann einen Schmied kommen und die Stute an allen vier Hufen beschlagen. Hierauf ging er fort, um eine gerichtliche Kommission zu holen. Diese kam, er erzählte den Herren ganz genau, was er gesehen, nahm dann von der Stute die Zügel ab und sie verwandelte sich wieder in das Weib vonehedem zurück; doch war sie an Händen und Füssen beschlagen. Fing sie an zu jammern. Die Richter verstanden aber keinen Spass. Sie liessen sie in eine Grube voll ungelöschten Kalks werfen und dort musste sie elendiglich verbrennen. (Aus Chrowotien.)
Seit dieser Zeit zerbröckelt das Volk immer die Eierschalen, damit die Hexen daraus keine Töpfe verfertigen können.
In Slavonien begnügt man sich mit dem Zerbröckeln der Eierschalen allein nicht, sondern man wirft sie, ebenso wie Nägelabschnitzel und ausgekämmtes Haar, sogleich ins Feuer, um jede Hexerei mit diesen Dingen unmöglich zu machen. Wenn die Hexen übers Meer fahren, benützen sie Eierschalen als Fahrzeuge. Derselbe Volkglaube findet sich noch gegenwärtig in Deutschland.A. Wuttkeberichtet darüber: »Wenn man gekochte Eier gegessen hat, muss man die Schalen zerdrücken oder verbrennen, sonst legen die Hühner nicht mehr, oder sonst kommen die Hexen über sie«.24Genau stimmt mit dem Zuge in der mitgeteilten Sage die Nachricht überein, die sich beiJ. W. Wolfin den »Niederländischen Sagen« (Leipz. 1843) St. 248, 515 und 572 findet: »Wenn man Eier gegessen, muss man die Schalen zerbrechen, damit sie von den Hexen nicht als Böte gebraucht werden.« NachChoice(Notes from Notes and Queries. London 1859,S. 7) herrscht in Holland der Glaube, dass die Hexen in Eierschalen nach England zu fahren pflegen. Der berührte Volkglaube ist auch auf der Pyrenäischen Halbinsel heimisch. Darüber findet sich nebst den angeführten eine weitere Nachricht beiFelix Liebrecht(Zur Volkskunde. Heilbronn 1879, S. 375), der ausLeitão Garret’sSchrift »Donna Branca ou a Conquista do Algarve (Paris, 1826) folgendes entnimmt: »Auf dem Lande ist es ein gewöhnlicher Aberglaube, die Schalen der genossenen Eier zu zerdrücken, aus Furcht, dass die Hexen sich ihrer bedienen möchten, um darin durch die Luft nach Indien oder andern fernen Ländern zu schiffen, woselbst sie das Blut ungetaufter Kinder auszusaugen oder einen andern ihrer gewöhnlichen Streiche auszuführen pflegen. Jedoch ist es unerlässlich, dass sie rasch und vor dem Krähen des schwarzen Hahnes (d. h. vor Mitternacht) nach Hause zurückkehren; zu dieser Stunde nämlich geht ihre Zauberkraft zu Ende und daher sind schon viele in jenen Meeren ertrunken.«
Sagen über Hexenfahrten übers Meer können sich selbstverständlich bei Völkern, die an Meerküsten wohnen und besonders Handel und Schiffahrt betreiben, reich entwickeln. »Wenn die Hexen übers Meer fahren wollen«, sagtP. Kadčić Peke(Arkiv B. V. S. 333), »so lösen sie das erstbeste Schiff vom Anker und schiffen sich ein. Mit jedem Stoss legensie ihre hundert Meilen zurück.« Es ist die Windbraut, die in rasender Wut dahinstürmende Bora, wenn sie das Meer von unterst zu oberst aufwühlt, Schiffe vom Anker federleicht losreisst und sie mit Blitzschnelle in die weite See, weiter als das Auge reicht, hinausschleudert, die der verzagende Mensch als die Hexe auf der Meerfahrt betrachtet.25
II.
Es war einmal ein Schmied, dessen Weib eine Hexe war. Er hatte auch zwei Lehrjungen, von denen der eine sehr dick, der andere aber zaundürr war. Einmal fragte der Dicke den Mageren: »Wie kommt’s denn, dass Du so mager bist? — Beide verrichten wir dieselbe Arbeit und einer bekommt so viel zu essen, als der andere.« — Darauf entgegnete ihm der Magere: »Leg Du Dich ’mal auf mein Bett eine Nacht schlafen und Du wirst es schon selber erfahren, warum ich so mager bin.« — Wirklich schlief der Dicke eine Nacht in des Anderen Bett, und in der Früh fragte ihn der Magere: »Na, wie ist’s Dir ergangen?« — »’S ist gar nichts vorgefallen.« — »Ich bitt’ dich, schlaf’ noch eine Nacht auf meinem Bette.« — »Warum nicht?« — In dieser Nacht aber trat die Hexe ans Bett heran, gab mit dem Zaume dem Jungen einen Streich, und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Sie ritt es bis zum Morgengrauen die ganze Nacht hindurch, und als sie nach Haus geritten kam, nahm sie den Zaum ab und sofort stand er wieder in menschlicher Gestalt da. In der Früh fragte ihn der andere, wie es ihm ergangen und erhielt zur Antwort: »Schlimm genug. Ist die Hexe ans Bett getreten, hat mich in ein Pferd verwandelt und ist die ganze liebe Nacht auf mir herumgeritten.« — »Nun weisst Du, warum ich so ausgemergelt ausschau.« — »Weisst Du was«, versetzte der Dicke, »lass mich noch einmal in Deinem Bette schlafen, ich glaube, ich werde ihr das Handwerk legen, denn ich weiss, sie hat nichts anderes getan, als mir bloss mit dem Zaume einen Streich versetzt, worauf ich mich im selben Augenblicke in ein Pferd verwandelte. Ich will schauen, irgendwie den Zaum abzustreifen und ihr einen Schlag zu versetzen, damit sie sich in eine Stute verwandle.«
Gesagt, getan. Er schlief also die dritte Nacht in des Kameraden Bett; die Hexe stellte sich wiederum ein, versetzte ihm mit dem Zaume einen Schlag und im selben Augenblicke verwandelte er sich in ein Pferd. Eine Weile ritt sie auf ihm herum, dann band sie ihn an einen Baum an und entfernte sich irgendwohin. Diesen Augenblick benützte er, um den Zaum von sich abzustreifen, dann liess er ihn lose an einem Ohr hängen und wartete auf ihre Rückkehr. Kaum war sie zur Stelle, so streifte ervollends den Zaum ab, verwandelte sich wieder in einen Menschen und gab ihr einen Streich mit dem Zaume, worauf sie sogleich die Gestalt einer weissen Stute annahm. Er bestieg sie und ritt nach Hause. Zu Hause angelangt, band er sie an einen Pflock und weckte seinen Kameraden auf, er solle hurtig aufstehen, eine Stute müsse beschlagen werden. Der Magere liess sich dies nicht zweimal sagen, sprang vom Lager auf und im Handumdrehen war die Stute beschlagen. Hierauf nahmen sie ihr den Zaum ab, sie verwandelte sich in ihre vorige Gestalt und wankte in ihr Zimmer hinein, wo sie sich aufs Bett legte. In der Früh kam der Schmied, ihr Mann, sie zu wecken, damit sie das Frühmahl zubereite. Sie entschuldigte sich, sie könne nicht aufstehen, weil sie sich durch und durch krank fühle. — »Was fehlt Dir denn?« fragte er, und sie antwortete: »Ich bin beschlagen worden.« — »Was? Wer hat Dich beschlagen?« — »Wer anderes als deine zwei Lehrjungen." — Sogleich ging er zu den zwei Burschen und fragte sie, wie sie sich unterstanden, die Frau zu beschlagen. Sie stellten sich darüber ganz erstaunt und meinten, sie hätten niemand anderen als nur einer weissen Stute Hufeisen angenagelt. Da erkannte der Meister sofort, sein Weib sei eine Hexe, drum liess er Dornen auf einen Haufen zusammentragen, legte sein Weib darauf und sie musste elendiglich verbrennen.26
Hexen zu sehen, wann sie zu ihrem Reigen ausziehen, gilt als sehr schwer. Fährt eine Hexe zum Hexenreigen, so erhebt sich ein Sturm und ein arger Wirbelwind.27Besonders wirbeln dann Federn im Wirbel und man muss sich wohl in Obacht nehmen, dass man nicht in einen solchen Wirbel hineingerät. Will man sich wirklich überzeugen, dass Hexen im Wirbel dahinfahren, so braucht man nur ein langes und scharfes Messer in den Wirbel hineinzuwerfen.28Die Hexen können dies nichtleiden, sie geraten in Streit um den Besitz des Messers, und schneiden sich. So wird das Messer ganz und gar blutig.
Überrascht man die Hexen bei ihrem Reigen, so schonen sie niemand, auch nicht ihren nächsten Anverwandten. Auf irgend eine Art muss es der Lauscher immer büssen. Davon erzählen drei chrowotische Sagen beiValjavecin den »Narodne prip.« S. 246:
I.
Es war einmal eine Mutter, die eine Hexe war. Sie hatte einen erwachsenen Sohn, den sie zu einem Herrn in Dienst gab. Einmal ging der Bursche auf Fuhrlohn und geriet, als er nachts heimkehrte, in die Hexenversammlung, in der sich auch seine Mutter und Tante befanden. Kaum ward die Mutter seiner gewahr, rief sie aus: »Wir müssen ihm die Zunge herausschneiden, sonst erzählt er der ganzen Welt, wir seien Hexen.« — Schon traf die Mutter Anstalten, um ihm die Zunge herauszuschneiden, als sie von der Tante, d. h. ihrer Schwester, daran verhindert wurde. »Was fällt Dir nicht ein«, rief diese aus, »Du wirst doch Deinem eigenen Sohne nicht die Zunge herausreissen wollen!« — Da stand sie ab von ihrem Vorhaben, dafür schlugen die Hexen insgesamt auf den Burschen los, bis ihn die Kräfte verliessen. Er hielt sich an den Strängen fest, so dass ihn die Pferde nach Hause schleiften. Nach Haus gekommen, war er vom überstandenen Schreck so gelähmt, dass er kein Wörtchen sprechen konnte. Indessen kam sein Herr sogleich auf den Gedanken, der Bursche müsse unter die Hexen geraten sein, nahm einen Besen zur Hand und schlug um ihn herum. Endlich, mit grosser Müh’ und Not gewann der Arme wieder die Sprache und erzählte dem Herrn, wie er unter die Hexen gekommen und wie arg sie ihm mitgespielt. Am nächsten Tag in der Früh verfügten sich beide zu den Nachbarn und erzählten ihnen die ganze Geschichte. Hierauf versammelten sich alle Männer, gingen zu seiner Mutter und Tante ins Haus, banden sie fest und verbrannten sie auf einem Scheiterhaufen.
II.
Es waren einmal zwei Freunde, die reisten als Kaufleute durch die Welt. Sie reisten lange, lange Zeit mitsammen, bis sie sich einmal trennten und einer von dem andern nichts mehr erfuhr. Der eine ging und ging und kam in einen Wald. Dort stand ein verdorrter Baum, wo der Teufel jeden Samstag die Hexen in Beichte zu nehmen pflegte (de je vrag copernicesvakesubote spovedaval). Der Mann wusste nichts davon, sondern stieg auf den Baum hinauf, um auf ihm zu übernachten, denn die Nacht war herangebrochen. Als sich der Kaufmann oben bequem gemacht, kam der Teufel unter den Baum und wartete auf die Hexen. Die Hexen kamenund der Teufel forschte sie über ihr Tun und Lassen aus. Die eine erzählte, dass sie vornehmlich Kühen die Milch entzogen, eine zweite gestand, dass sie Menschen das Herz herausgerissen, die eine erzählte dies, die andere jenes, jede etwas, nur eine, das war die jüngste, hielt sich für die verschlagenste und schwieg. Fragte sie der Teufel: »Na, was hast denn Du inzwischen getrieben?« Antwortete sie: »Ich habe es der Prinzessin angetan, dass sie zehn Jahre keinen Schritt wird machen können.« Fragte der Teufel, was es für Gegenmittel für diese Verzauberung gebe. Sie sprach: »Es müsste ein braver Jüngling zu Pferde kommen, der Jüngling müsste so lange auf dem Pferde reiten, bis es ganz von Gischt bedeckt wäre, dann solle er das Pferd mit einem weissen Mantel bedecken, so dass der Mantel von dem Gischt ganz nass würde und zuletzt die Prinzessin in diesen Mantel einhüllen.«
Der Mann auf dem Baume hatte dies alles belauscht, und als es tagte, stieg er vom Baume herab.29Er reiste mit seiner Ware weiter durch die Welt, und es traf sich, dass er gerade in jenen Ort gelangte, wo die Prinzessin krank lag. Er fragte die Diener, ob sie etwas kaufen wollen. Sie darauf: »Was und wozu sollten wir was kaufen? Unsere Prinzessin ist ja krank.« Er: »Könnte ich nicht da helfen?« Sie ihm: »Ei, was könnten Sie helfen? Das ganze Haus wimmelt von Ärzten und die vermögen nicht zu helfen, da sollten Sie helfen?« Antwortete er: »Ich kann helfen.« Sie erwiderten: »Na, also helft, wir geben Ihnen, was Sie immer verlangen mögen!« Er bat, dass man ihm einen braven Jüngling zu Rosse zur Verfügung stelle. Diesen Wunsch erfüllten ihm die Leute. Er kurierte die Prinzessin und bekam sie zur Frau, denn sie wollte niemand anderen haben, als nur ihn. Und so wurde er glücklich und Herr des ganzen Königreiches.
Einmal stand er am Fenster und erblickte seinen ehemaligen Genossen mit einer Warenkrücke des Weges kommen. Er liess ihn rufen und warf ihm einige Dukaten aus dem Fenster zu. Auch erzählte er ihm, auf welche Weise er in diese Stellung gelangt sei. Das liess sich der nicht umsonst gesagt sein, sondern begab sich gleichfalls auf jenen Baum, wo der andere gelauscht hatte. Als dem Teufel alle gebeichtet hatten, kam auch an die jüngste die Reihe und er machte ihr den Vorwurf: »Aha, das bist Du, die Du Dich berühmt hast, dass niemand der Prinzessinwird Heilung bringen können.« Sie kam gleich auf den Gedanken, dass sie von jemand belauscht worden sein mochte, schaute auf den Baum hinauf, gewahrte den Mann oben und machte ihn im Verein mit ihren Genossinnen zu Staub und Asche. (Arkiv za povj. jugosl. VII, S. 253 f. vonValjavec.)
III.
Es war einmal eine Hausfrau, die eine Hexe war und einen Diener bei sich in Diensten hatte. Die Hexe bestrich sich einmal mit ihrem Zauberfette und murmelte dabei: »Weder an Bäume, noch an Sträuche«. Der Diener belauschte sie, vernahm die Worte: »Weder an Bäume, noch an Sträuche« und begab sich nach ihrem Fortgehen in ihre Stube. Während er sich mit dem Fette einrieb, sprach er irrigerweise die Formel unrichtig: »An Bäume und an Sträuche«. Als er sich eingerieben, flog er hinaus, rannte an jeden Baum und jeden Stein an, so dass er ganz zerschlagen und zerschunden in der Hexenversammlung anlangte. Dort durfte das Wort »Gott« beileibe nicht ausgesprochen werden, er aber vergass daran beim Anblick des herrlichen Saales und rief entzückt aus: »O Gott, wie schön ist’s hier!« — Im Nu stoben die Hexen auseinander und liessen ihn allein zurück. Drei Tage lang blieb er dort, bis ihn irgend jemand aus seiner unfreiwilligen Haft befreite, und drei Jahre lang dauerte es, bis er wieder in seine Heimat zurückkam.30
V. Hexenzauber. Verwandlungen. Wie erfährt man, ob ein Weib eine Hexe sei. Wodurch macht man Hexenzauber zu nichte.
Im allgemeinen hält man die Hexen für schwarze, kraus- und weisshaarige, alte, arg zerlumpte Weiber. Ein schmuckes und stattliches Frauenzimmer sieht man selten für eine Hexe an, doch kommt auch dergleichen vor. Man stellt sich die Hexen als bösartige alte Weiber vor, die aus dieser Welt nicht scheiden können, sie hätten denn eher ihren Nebenmenschen recht viel Leids zugefügt. (Arkiv VII. 1863. S. 241.) Gewöhnlich glaubt man, dass ein Frauenzimmer, ehe sie zur Hexe wird, jahrelang als »Mora« (Trut oder Mar) junge Leute beschläft und ihnen das Blut abzapft.
In jeder Hexe haust ein teuflischer Geist, der sie zur Nachtzeit verlässt, sich in eine Fliege, einen Schmetterling, eine Henne, einen Truthahn oder eine Krähe, am liebsten aber in eine Kröte verwandelt.31Will die Hexe jemand einen besonders schweren Schaden antun, so verwandelt sie sich in ein reissendes Tier, gewöhnlich in einen Wolf. (Pogled u Bosnu.Zgr. 1842. S. 44.)
Ist der böse Geist aus der Hexe draussen, so liegt ihr Körper völlig wie leblos da und wenn einer die Lage der Hexe derart veränderte, dass der Kopf dort zu liegen käme, wo die Füsse liegen, und umgekehrt, so gelangte die Hexe nimmer zum Bewusstsein, sondern bliebe für ewig tot. Wenn man abends im Hause einen Schmetterling umherfliegen sieht, so hält man ihn für eine Hexe, sucht ihn wo möglich zu fangen, brennt ihn dann ein wenig an der Kerzenflamme oder am Lichte an und lässt ihn wieder frei mit den Worten: »Komm morgen zu mir, damit ich Dir Salz gebe!« Fügt es nun der Zufall, dass am nächsten Tage ein Weib aus der Nachbarschaft in dies Haus kommt und Salz oder sonst irgend etwas ausborgen will, und wenn sie noch zum Überfluss zufälligerweise am Körper irgendwo ein Brandmal hat, so ist man vollends der Überzeugung, dass sie die Hexe von gestern sei.
Hexen können nach Belieben einem Menschen die Besinnung rauben und ihn auf einen beliebigen Ort schaffen.32
Hexen können sich in eine Kröte verwandeln:
Eine Mutter geriet in Streit mit zwei alten Weibern, die als Hexen berüchtigt waren. Sie schwuren dem Weibe Rache. Es starben ihr in der Tat alle Kinder, die bei ihr daheim waren, nur ein Mädchen von acht Jahren blieb am Leben. Aber auch dieses wäre nicht am Lebengeblieben, hätte es sich nicht bei seinem Grossvater in einem anderen Dorfe aufgehalten. Einmal führte eine Hausgenossin der Mutter das Mädchen heim. Als sie über eine grosse Wiese hinschritten, sprangen vor sie zwei grosse Kröten. Jede dieser Kröten hatte bloss zwei Füsse. Die Kröten überschlugen sich dreimal kopfüber und verwandelten sich in Weiber, die der Hausgenossin und dem Mädchen wohl bekannt waren. Sie nahmen ihre Kopftücher ab und steckten sie zwischen die Füsse, als wären es Pferde. Wirklich verwandeln sich die Tüchel in Pferde, die Hexen ergreifen das Mädchen, fliegen mit ihm spurlos über Wiese und Wald fort und machen erst an einem Kreuzwege Halt, wo sie das Mädchen in Öl kochen liessen. Hier stand ein Nussbaum; unter diesem fand man des Mädchens Tüchel und eine Schussweite davon entfernt ihr kahles Gerippe.
Ursprünglich war die Vorstellung, dass in der Kröte ein den Menschen wohlwollender Geist stecke, die vorherrschende. In den Sagen der indogermanischen Völker erscheinen häufig Prinzen, Prinzessinnen und selbst Gottheiten in der Gestalt einer Kröte oder eines Frosches. In Tirol wird es vom Volke als ein grosses Vergehen betrachtet, eine Kröte zu töten.33In Norwegen schreibt man einer Kröte die Macht zu, sich an dem zu rächen, der ihr Böses tut, indem sie sich ihm z. B. nachts auf die Brust legt (vrgl.Fel. Liebrecht. Zur Volkkunde. S. 333). Dass ehedem auch die Südslaven die Kröte als ein höheres und zugleich gutes Wesen betrachteten, dafür zeugt folgender Brauch. Wenn ein Weib in den Wehen liegt, so streicht sie ein Bekannter mit einem Stocke sachte über den Rücken. Mit diesem Stocke muss er aber einmal eine Kröte vor den Angriffen einer Viper gerettet haben. Man glaubt nämlich, dass ein solcher Stock sowohl bei einer Frau als bei einem weiblichen Tiere die Geburtwehen bedeutend erleichtere.34Zu vergleichen ist damit der schwedische Volkglaube in Wärend, über denG. O. Hyltén-Cavallius(»Wärend och Wirdarne« Stockh. 1868. I, S. 332) berichtet: »Scheidet jemand eine Schlange und einen Frosch, so dass beide leben bleiben, dann gewinnt er die Kraft, dass, wenn er eine in Kindnöten befindliche Frau umspannt, die rasch entbinden wird.« Der Glaube, dass der Gegenstand, mit demman eine Kröte von der Schlange befreit, eine höhere Zauberkraft erlangt, steht nicht vereinzelt da. In einer Handschrift aus dem Ende des 16. oder dem Anfang des 17. Jahrhunderts, dieBartschin d. Ztschrft. f. d. Myth. III, S. 318 ff. mitteilt, heisst es auf S. 322: »Wan du dartzu kömbst das eyne krötte vnd eyne schlange oder natter mytteynander streitten, so zyhe dein schwerdt aus vnd thue der krötte eynen beystand, vnd erschlage die natter, vnd dis schwertt behaltt alsdan. so du dan siehst das ein vnfride ist vnd sich mit bloszen schwerdtten eynander schlagen wöllen, so gehe hinzu vnd zeuch dein schwerdt auch aus, vnd gebeutt ihnen den friede, so balden werden vnd müssen sie friede halten.« (Weitere Nachweise beiLiebrechta. a. O.)
In der Gegenwart glaubt hie und da das Volk im slavischen Süden in der Kröte nur noch eine Hexe zu erblicken, die man, wo es nur angeht, töten müsse. Folgende Sage, die aus Slavonien stammt, mag diesen Volkglauben erläutern. So war einmal ein Weib, das Weib fuhr täglich über die Drau, um ihre Kuh, die auf dem anderen Ufer weidete, zu melken. Als sie einmal hinüberkam, sah sie eine grosse Kröte an dem Euter der Kuh saugen. Das Weib hielt gerade eine Ruderstange in der Hand, durchstach damit den vorderen Fuss der Kröte und warf sie hinaus. Auf der Rückfahrt, wo sie noch mit anderen Weibern fuhr und ruderte, sah sie, dass die Hand der Lenkerin am Steuerruder durchstochen ist; es war dies nämlich eine Hexe.
Eine verwandte Sage aus Schweden teiltHyltén-Cavalliusa. a. O. I. 272 mit.
Eine andere Sage ausVidovecin Chrowotien hat gleichfalls die Verwandlung einer Hexe in eine Kröte zum Vorwurf:
Es waren einmal zwei Brüder, der eine war arm, der andere reich. Der Reiche hatte eine Hexe zur Frau, die Frau des Armen war aber keine Hexe und eben deshalb blieb er arm. Einmal kam der arme Bruder zum reichen und sprach zu ihm: »Hör ’mal, lieber Bruder, komm, hilf mir mein Feld beackern.« Der Reiche willigte von Herzen gern ein, doch seiner Frau war es nicht recht und sie sagte zu ihm: »Du wirst schon sehen, wenn Du ackern wirst, so komm ich hintendrein und esse die ganze Aussaat auf, so dass der Lump gar nichts haben wird.« — Am nächsten Tage, nachdem die Brüder aufgeackert und die Saat ausgesäet, kam eine grosse, abscheuliche Kröte und fing an die Körner aufzuessen. Der Mann wusste schon von früher, sein Weib sei eine Hexe und war darüber sehr böse, jetzt aber war er ihrer satt, zog einen Zaunpfahl heraus, spitzte ihn zu und rannte ihn der Kröte durch den Leib. Inzwischen machte der andere Bruder ein grosses Feuer an, in das sie nun die Kröte hineinsteckten und so lange schmoren liessen, bis sie ganz durchgebraten war. Als der reiche Bruder nach Haus kam, fand er sein Weib in derMitte des Zimmers liegen und schrecklich wehklagen, denn sie war ganz gebraten. Da warf er sie ins Feuer, und so verbrannte die elende Hexe vollends.
Will eine Hexe irgend jemand einen Schaden zufügen, so fliegt sie in Gestalt einer schwarzen Krähe auf das Dach jenes Hauses, wo der wohnt, den sie hasst, und krächzt unaufhörlich. Erschiessen kann man sie nicht, ausser man lädt das Gewehr mit geweihtem Pulver und solchen Nägeln, die wegfallen, wann der Schmied einem Füllen zum erstenmal Hufeisen aufnagelt. — Es traf sich einmal, dass ein Schmied im Hofe Pferde beschlug und sich eine Krähe aufs Dach niederliess und abscheulich zu krächzen anfing. Der Schmied suchte sie zu verscheuchen, doch sie wollte nicht fortfliegen, vielmehr machte sie Miene, ihn anzugreifen. Da nimmt er sein Gewehr, lädt es und schiesst auf sie, doch konnte er ihr nichts anhaben. Nun ward es ihm klar, das sei ein Vöglein ganz anderer Art. Rasch entschlossen, lud er das Gewehr mit geweihtem Pulver und mit den besagten Nägeln, legte los und die Krähe fiel auf der Stelle vom Dache herab. Er hatte sie nicht vollständig getötet, denn sie marterte sich noch zwei Tage lang, eh’ sie verreckte. Im selben Augenblicke, als sie hin wurde, starb im Dorfe eine alte Hexe, der sich der Schmied dadurch verfeindet, weil er ihr einmal auf ihr Bitten keine saure Milch geben wollte. Nun war ihm die ganze Geschichte klar und er wusste, dass er ihr in ihrer Krähengestalt den Garaus gemacht.
Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37
Wenn es dem Ausgeweideten glückt, seines Herzens wieder habhaft zu werden, so braucht er es nur aufzuessen und das Herz kehrt ihm wieder an die alte Stelle zurück.Grimm(D. M. S. 1034 ff.) glaubt darin einen alten Überrest des Brauches, Menschenfleisch zu essen, erblicken zu sollen. Er stützt seine Ansicht durch eine ganze Reihe von Belegen aus alter und neuer Zeit über diesen Brauch und den Glauben, dass man durch den Genuss von Menschenfleisch eine höhere Macht erlange. Der Vergleich, denGrimmzwischen der deutschenBertha(vor allem ist es noch zweifelhaft, ob dies eine deutsche Gottheit gewesen) und der Hexe, die Menschen ihr Herz ausreisst, aufstellt, scheint mir auf einer blossen Zufälligkeit zu beruhen. AbbateFortiserzählt in seinem Reisewerke über das dalmatische Küstenland (Kap. 8) eine einschlägige Sage.Grimmteilt sie im Auszuge (D. M. S. 1034) gleichfalls mit. Die Sage beiFortisberichtet dasselbe, was wir aus der weiter unten folgenden Istrischen erfahren. BeiFortisist es ein Priester, der dem Ausgeweideten sein Herz rettet, indem er ihn das halbgebratene Herz verschlucken lässt. Die Hexen entkommen der verdienten Strafe, während sie in der istrischen Fassung angeklagt und zum Strang verurteilt werden. Letztere Überlieferung lautet:
Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmendem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint:»Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.
Denselben Glauben, dass Hexenspeise — wobei man wohl an Menschenherzen zu denken hat — einem Ausgeweideten, wenn er davon etwas zu sich nimmt, sein Herz wieder zurückgibt, erkennt man aus folgender chrowotischen Sage:
Einem Pferdehirten hatten Hexen das Herz ausgetrunken (ispile), worauf er von Sinnen kam. Er riss sich das Gewand vom Leibe und die Haare aus dem Kopfe. Zu seinem Glücke war er der Eidam eines zauberkundigen Weibes (zet babe vračare). Sie schickte ihmHexenspeichel(coprnjske zbljuvke), den man am Sonntag im Neumond im Morgengrauenirgendwo im Walde oder an Zäunen finden kann, wo eben in dieser Nacht ein Hexenmahl stattgefunden. Die Alte hatte nun zuvor dies Mittel mit Weihwasser besprengt und ihre Gebete darüber gesprochen. Er trank dies in Wasser und genas vollends. Seit dieser Zeit musste er stets Rautekraut mit sich tragen, damit ihm die Hexen nichts anhaben können. Die Raute tritt hier an Stelle des Knoblauchs ein. Auch sie, besonders die Bergraute,39hat einen scharfen, durchdringenden Geruch, der sie wohl als geeignetes Abwehrmittel gegen Hexenzauber erscheinen lässt.
Merkwürdigerweise macht die Sage die nächsten Anverwandten eines Menschen zu seinen gefährlichsten Feinden, zu Hexen, die ihm das Herz aus dem Leib reissen. Die Untat wird dargestellt, als wäre sie unter dem unwiderstehlichen Zwang einer höheren Macht verübt worden. Bei Tag fühlt die Hexe, zufolge einer Überlieferung gewissermassen Reue über das Geschehene, ja sie kann sich ihres Verbrechens gar nicht entsinnen, sondern fragt, was vorgefallen, und ist bereit, dagegen Heilmittel in Anwendung zu bringen. Ich nehme Bezug auf das Volklied, das von einer Mutter erzählt, die ihren eigenen Sohn ausgeweidet. Die kürzeste und unvollständigste Fassung lautet: