Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig istWird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.I.Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.II.Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede:
Auf dem Himmel lauter Sternlein,Lauter Schäflein in dem Tale.Bei den Schäflein wacht kein Hirte,Nur das traute Kind Miloje,5Sanft und süss entschlief Miloje.Mara ruft ihn, seine Schwester:»Wache auf, o Milko, Bruder!«»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,Bin von Hexen ausgeweidet,10Aus dem Leibe riss das Herz mirUns’re Mutter mit den Zähnen,Uns’re Muhme leuchtete ihr.«
Auf dem Himmel lauter Sternlein,
Lauter Schäflein in dem Tale.
Bei den Schäflein wacht kein Hirte,
Nur das traute Kind Miloje,
5Sanft und süss entschlief Miloje.
Mara ruft ihn, seine Schwester:
»Wache auf, o Milko, Bruder!«
»Mara, Schwester, ich vermag’s nicht,
Bin von Hexen ausgeweidet,
10Aus dem Leibe riss das Herz mir
Uns’re Mutter mit den Zähnen,
Uns’re Muhme leuchtete ihr.«
Den Originaltext dieses Liedchens sang mir mein Freund J. K. aus Slavonien. Der Mann hatte das Gymnasium zurückgelegt, besuchte eine Hochschule und hielt aber trotzdem unerschütterlich daran fest, dass das Lied eine Tatsache berichte. Auffallend ist mir in dieser Fassung des Liedes, dass die Hexe »mit den Zähnen« das Herz ihrem Opfer herausreisst. Hier dürfte ein Zug aus dem Vampirglauben vorliegen. In der serbischen Fassung (beiKaradžić, nar. pjesme I. 237), die mit der vorangehenden übereinstimmt, spricht der erwachende Bruder (Radoje wird er hier genannt) einfach:
»majka mi srce vadila,»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,strina joj lučem svetila«die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«
»majka mi srce vadila,
»Die Mutter nahm mir das Herz heraus,
strina joj lučem svetila«
die Muhme leuchtete ihr dazu mit der Fackel.«
Dem Liede fehlt in beiden Fassungen der Schluss, er wird uns mehrfach erzählt, z. B. beiF. Kurelac(Jačke ili narodne pěsme prostoga i neprostoga puka hrvatskoga po župah šoprunskoj, mošonjskoj i želěznoj na Ugrih. Zagreb. 1871. S. 296, St. 657), der das Lied um das Jahr 1850 inSentalek(Stegersbach) aufgezeichnet hat.
— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?— Mila majko, za lugom zelenim.— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.— Sinko Janko, jesi l koga vidil?— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?— Mila majko, jes tri bîle žene.— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).5— Sinko Janko, ča su ti činile?— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?— Prva mi je srdačce vadila,— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,Druga mi je tanjirac držala,Die zweite mir das Tellerchen gehalten,Treta mi je na kraju plakala.Die dritte (stand) abseits und weinte.— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?10— Prva si ti moja majka, bila,— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,Druga mi je moja teta bila,Die zweite ist meine Muhme gewesen,Treta e bila premila sestrica.Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.— Sinko Janko, ča im ti naručaš?— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?— Mojoj majki tri prežarke ognje:— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,15Da bi va njih živa izgorila;Damit sie lebendig darin verbrenne;Mojoj teti njoj tri konjske repe:Meiner Muhme drei Pferdeschweife,Da bi me se na njih raztrzala;Damit sie auf ihnen zerrissen werde;Sestri miloj njoj tri bele grade:Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,Da bi mi se po njih sprehajala.«Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«
— »Sinko Janko: kadî s konje pasal?
— Söhnchen Janko (Johannes), wo hast Du die Pferde geweidet?
— Mila majko, za lugom zelenim.
— Lieb Mütterchen, hinter dem grünen Hain.
— Sinko Janko, jesi l koga vidil?
— Söhnchen Janko, hast Du jemand gesehen?
— Mila majko, jes tri bîle žene.
— Lieb Mütterchen, ich habe drei weisse Frauen (scl. gesehen).
— Sinko Janko, ča su ti činile?
— Söhnchen Janko, was haben sie Dir angetan?
— Prva mi je srdačce vadila,
— Die erste hat mir das Herzchen herausgenommen,
Druga mi je tanjirac držala,
Die zweite mir das Tellerchen gehalten,
Treta mi je na kraju plakala.
Die dritte (stand) abseits und weinte.
— Jesi li mi, sinko, kû poznaval?
— Hast Du mir, Söhnchen, welche (von ihnen) erkannt?
— Prva si ti moja majka, bila,
— Die erste bist Du, Mütterchen, gewesen,
Druga mi je moja teta bila,
Die zweite ist meine Muhme gewesen,
Treta e bila premila sestrica.
Die dritte ist meine über alles mir teuere Schwester gewesen.
— Sinko Janko, ča im ti naručaš?
— Söhnchen Janko, was wünschst Du ihnen?
— Mojoj majki tri prežarke ognje:
— Meinem Mütterchen drei glühend heisse Feuer,
Da bi va njih živa izgorila;
Damit sie lebendig darin verbrenne;
Mojoj teti njoj tri konjske repe:
Meiner Muhme drei Pferdeschweife,
Da bi me se na njih raztrzala;
Damit sie auf ihnen zerrissen werde;
Sestri miloj njoj tri bele grade:
Der teueren Schwester, ihr drei weisse Burgen,
Da bi mi se po njih sprehajala.«
Damit sie in ihnen lustwandeln kann.«
Ich vermute, dass dieses Lied aus Anlass eines Hexenprozesses inKrainaufgekommen ist. Dort hat man, wie in Chrowotien, bis tief ins XVIII. Jahrhundert hinein Hexen zum Scheiterhaufen geführt. Von dort aus verbreiteten sich solche Prozesse weiter nach dem slavischen Süden. Nur die Bulgaren scheinen von dieser Plage verschont geblieben zu sein.
Der ungenannte Verfasser des Schriftchens »Pogled u Bosnu ili kratak put u onu krajinu« (Agram 1842) erzählt, wie er sich im Jänner 1840 in dunkler Nacht in ein türkisches Dörfchen beiZvornikverirrt habe, in ein türkisches Gehöfte eingetreten sei und von dem Eigentümer beinahe erschossen worden wäre, weil ihn dieser für eine Hexe hielt, die sein, des Türken, Kind auszufressen gekommen. Bruder und Schwägerin des Türken retteten noch rechtzeitig den gefährdeten Reisenden. Als sich der Irrtum herausgestellt, lud der Türke den Wanderer zum Nachtessen ein und erzählte ihm den Grund seiner Verbitterung: »Siehst du Brüderchen! Dies Haus gehört mir, das nächste meinem Bruder. Ich habe zwei Kinder — Gott soll mir sie leben lassen — Milica und Živan, mein Weib aber istgestorben, gerade jetzt wird’s ein Monat. Da in der Nachbarschaft lebt ein Mensch, mit dem ich mich schon seit langem verfeindet habe. Er hat eine Mutter, die ist eine alte Hexe, die hat mir gedroht, dass sie mir mein ganzes Gesinde ausfressen wird (da će svu moju čeljad izjesti).« Diesen Abend sass er bei seinem Bruder und trank Raki, um seinen Kummer zu übertäuben. Als er heimkehrte, hörte er jemand Fremden im Hause herumpoltern und die Kinder ängstlich schreien. Da war er fest überzeugt, die alte Hexe wäre gekommen, um ihre Drohung auszuführen, und wollte sie dafür bestrafen.
Ein Bannspruch gegen menschenfressende Hexen: Ein altes Weib, NamensDonaausSelačkain Serbien, pflegt auf folgende Weise Leute vom Hexenzauber zu heilen. Sie nimmt einen Federwisch und einen roten Faden in die Hand, berührt damit Kopf, Hände, die Herzgegend und die Füsse des Leidenden und spricht dazu: »Heb’ dich von dannen, o weh (?), ihr Hexen, Vile und Winde; ihr seid gekommen, damit ihr N. Herz und Kopf ausfresset; doch bei ihm weilt Dona die Beschwörerin, die euch schickt ins Gebirge, damit ihr (alles) Laub abzählt, ins Meer, damit ihr den Sand ausmisst, in die Welt, dass ihr (alle) Wege abzählt. Auch wenn ihr zurückkommt (scil. nachdem diese Aufgaben gelöst wären), könnt ihr ihm gar nichts anhaben. Dona, die Beschwörerin, hat mit ihrem Hauch (Seele) weggehaucht, mit der Hand wegbewegt und mit Gras auseinandergeschoben. Auf N. Leben und Gesundheit.« Diese Worte spricht sie dreimal nacheinander. Der Text lautet »ustaj,avaj, veštice, vile i vetrovi, došli ste da N. — u pojedete srce i glavu; ali je kod njega Dona bajalica, koja vas šilje u goru, list da prebrojite, u more, pesak da izmerite, u svet, putove da prebrojite. I kad se vratite, ne možete mu ništa učiniti. Dona bajalica je dušom oduvala, rukom odmahala i travom rasturila.40
Für die Echtheit der Bannformel spricht die verwandte ausGrbalj, dieVukim Riečnik S. 367 b. gegen dieMora(die Mar) mitteilt. Die sachliche Erklärung besonders der letzteren Formel bietet mancherlei Schwierigkeiten dar. Ich will nur die Stelle daraus anführen, in der die Aufgaben aufgezählt sind, die von der Mar und den bösen Geistern überhaupt zuvor bewältigt werden sollen, ehe sie die Schwelle des Hauses betreten mögen: »Nicht eher, als bist du abgezählt am Himmel die Sterne, im Gebirge das Laub, am Meere den Sand, an der Hündin die Haare, an der Ziege die Haarzotteln, an dem Schafe die Wollzotteln und in den Zotteln die Haare.«
Beachtenswert ist die Wendung am Schlusse der Donaischen Formel, wo derHauch, dieHandbewegung und das Gras(trava) als Abwehrmittel betont werden.
Weint nachts ein kleines Kind, so glaubt man, dass es Hexen essen, und man sucht auf den Feldern ein Kraut, das man vještički izjed41(Hexenausfrass) nennt, streut dies Kraut in die Wiege, auch wird es abgekocht und der Absud dem Kinde zu trinken verabreicht. Oder man reibt mit Knoblauch die Wiege und die Fussohlen des Kindes ein, weil dies ein bewährtes Mittel gegen die Hexen sein soll.42
In Serbien legt die Mutter in das Amulet, das sie ihrem Kinde um den Hals hängt, ein Häuptchen Knoblauch. Dieser Knoblauch wird aber auf folgende Weise gezogen. Die erste Schlange, die man im Jahre erblickt, muss man töten, ihren Kopf vom Leibe lostrennen und kleinstossen. In diese Stücke tut man das Zechel von einem Häuptchen Knoblauch und pflanzt das ganze im Garten ein. Das Häuptchen, das daraus entsteht, kommt ins Amulet.
Viele Bauern pflegen sich zu Weihnachten und im Fasching die Brust, die Fussohlen und die Achselgegend mit Knoblauch einzureiben. In Slavonien trägt der Bauer, natürlich die Bäuerin auch, immer ein Stück Knoblauch als Amulet mit sich, um gegen alle Anfechtungen von Hexen gefeit zu sein.
In einem slavonischen Reigenliedchen flucht die rechtmässige Frau der Beischläferin ihres Mannes; in ihren Augen ist sie eine menschenfressendeVila, der vor Knoblauch übel wird und die sich durch Genuss von altem Unschlitt den Tod zuziehen soll:
Oj inočo vilo,»O Du Nebenweib, Du Vila,Ne jedi mi tilo!iss mir meinen Leib nicht ab!Već ti jedi staro salo,Sondern iss altes Unschlitt,Ne bi l tebe već ne stalo,vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;5Pa ti jedi bila luka,ferner iss Knoblauch,Nek je tebi veća muka.damit Deine Qual grösser sei!«
Oj inočo vilo,
»O Du Nebenweib, Du Vila,
Ne jedi mi tilo!
iss mir meinen Leib nicht ab!
Već ti jedi staro salo,
Sondern iss altes Unschlitt,
Ne bi l tebe već ne stalo,
vielleicht verschwindest Du doch endlich einmal;
Pa ti jedi bila luka,
ferner iss Knoblauch,
Nek je tebi veća muka.
damit Deine Qual grösser sei!«
In einem anderen Liedchen sagt ein Mädchen:
Gdi bi meni nahudile vile,»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,Kad ja nosim u nedarah čine,da ich im Busen Amulete trage,Slipa miša i od guje repa,eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,Bila beza i debela veza.weisse Leinwandund dicke Stickerei.«
Gdi bi meni nahudile vile,
»Wie könnten mir dieVilenSchlimmes antun,
Kad ja nosim u nedarah čine,
da ich im Busen Amulete trage,
Slipa miša i od guje repa,
eine Fledermaus und den Schweif einer Natter,
Bila beza i debela veza.
weisse Leinwandund dicke Stickerei.«
Die Stickerei, die verschiedene Figuren und Zeichen darstellt, befremdet hier durchaus nicht.
Ein Märchen ausKrasicaim chrowotischen Küstenlande43schildert das Treiben einer menschenhinwürgenden Hexe wie folgt:
»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44
Um die Hexen herauszufinden, damit man sie die verdiente Strafe wegen der angeblichen Kinderhinmordung erleiden lassen könne, befolgte man und befolgt noch heutigen Tags in Montenegro und im Herzogtum soweit es vor den Behörden verborgen bleiben kann, folgenden Brauch: Alle waffenfähigen Männer eines Dorfes versammeln sich und der Dorfälteste hebt beiläufig so an: »Ihr seht Brüder, dass unser Stamm ausgewurzelt wird von Hexen und Zauberinnen, Gott möge sie richten. Morgen in derFrühesoll jeder von euch sein Weib und seine Mutter, so wie ich es auch selbst tun werde, zur Zisterne (oder zum Fluss oder zum See) hinbringen, damit wir sie ins Wasser werfen und so in Erfahrung bringen, welche die Hexen sind, dann wollen wir die Schuldigen steinigen, oder sie müssen uns zum mindesten hoch und teuer schwören, dass sie in Zukunft kein Unheil mehr anstiften werden. Wollt ihr so, Brüder?« Einstimmig rufen alle: »Ja, so wollen wir, wie denn nicht?« Am nächstenTage führt jeder Mann sein Weib daher, befestigt einen Strick unter den Armen um ihren Leib und wirft sie so angekleidet, wie sie vom Haus kam, ins Wasser hinein. Die Weiber, die augenblicklich untersinken, zieht man rasch mit dem Seil ans Trockene, denn ihre Unschuld ist durch das Untersinken erwiesen, hingegen ist der gegenteilige Beweis hergestellt, wenn eine auf der Oberfläche ein Weilchen herumzappelt und nicht untergehen mag.45
V. Vrčevićberichtet, er habe in seiner Kindheit erzählen gehört, dass die Krivošijaner (in der Gegend von Cattaro) auf diese Weise ihre Frauen einmal einem solche Ordale unterworfen haben. Demselben erzählte ein Mann namensLukas Pišteljaaus Trebinje im Herzogtume, dass die christlichen Einwohner dieses Ortes im Jahre 1857 von den Türken gezwungen wurden, auf freiem Felde in die an der Stadt vorbeifliessende Trebišnjica ihre eigenen Frauen hineinzuwerfen. Unter denen, die untergingen, befanden sich zufälligerweise auch die Mutter und die noch lebende (es war im Jahre 1874 als diesVrčevićschrieb) FrauPišteljas. Sieben Weiber gingen aber nicht unter, und zwar, weil sie zuviel Kleider anhatten und das Wasser unter die Kleider gedrungen war, da die Armen perpendikular ins Wasser fielen. Die Türken wollten durchaus, dass alle sieben Weiber den Steinigungtod erleiden sollten.46Nur mit schwerer Mühe und Not liessen sie sich von den hart bedrängten Christen dazu bewegen, dass sie von der augenblicklichen Strafe Absicht nahmen, indem sie sich damit zufrieden gaben, dass die Beinzichtigten im KlosterDužieinen heiligen Eid ablegen mussten, in Zukunft nimmermehr Kinder aufzufressen.47
Eines anderen Falles gedenkt Medaković. Ein Weib aus Bjelice in Montenegro wurde ins Wasser gestossen, weil sie im Verdachte stand, eine Hexe zu sein, doch sie ging nicht unter. Ob man sie deshalb gesteinigt und was überhaupt mit ihr darauf geschehen, verschweigt unser Gewährmann. Eine Witwe aus Rajčević wurde gleichfalls der Hexerei beschuldigt und man wollte sie durchaus dem Ordale unterziehen. Darüber entspann sich zwischen den Leuten ein Streit, der in einen bitteren Kampf ausartete, in dem vier Menschen auf der Stelle ihren Tod fanden.
Viel harmloser ist eine andere, im ganzen Süden bekannte Art undWeise, nach der man die Hexen eines Ortes kennen zu lernen sucht. Man kann sie alle bei der Mitternachtmesse in der Christnacht sehen. Zu diesem Behufe arbeitet man vom Tage der hl. Lucia oder hl. Barbara an bis zur Fastenzeit vor Weihnachten48an einem Schemel, und zwar so, dass man jeden Tag einmal mit dem Beil in das Holz schlägt, aus welchem der Schemel verfertigt wird. Mit diesem Schemel begibt man sich in der Christnacht49in die Kirche und stellt sich darauf in dem Augenblicke, wann der Priester den letzten Segen spricht. Da kehren die in der Kirche anwesenden Hexen dem Altar den Hintern zu und schauen zur Türe hin. Der Mann auf dem Schemel muss nun sofort, wie der Priester das Kreuz schlägt, nach Hause eilen und sich ins Bett legen. Die Hexen verfolgen ihn bis ins Haus hinein und er vermag sich nur dadurch vor ihrer Rache zu schützen, dass er den Schemel unter das Bett stellt. Die Hexen sind wohl jetzt machtlos, doch schärfen sie dem Manne ein, reinen Mund zu halten über das, was er gesehen, sonst werden sie an ihm Rache nehmen. (Über den deutschen Glauben vrgl.GrimmD. M. 1033.)
Ein Kürschnergeselle verfertigte auf die angegebene Weise einen Schemel und beobachtete in der Kirche das Treiben der Hexen. Zu des Burschen Unglück las der Priester hastig die Schlussgebete ab und der Bursche konnte nur mit schwerer Müh’ und Not den Hexen entrinnen. Sie holten ihn auf der Hausschwelle ein. Er flüchtete in die Küche und warf sich schnell in den Brotofen hinein. Von dort zogen ihn die Hausleute heraus und schafften ihn, der schon ganz leichenblass aussah, in die Stube hinein. Er aber eilte zur Türe, warf sich auf die Erde und rang die ganze Nacht hindurch mit einem unsichtbaren Jemand. Da kam ein altes Weib aus der Nachbarschaft, beräucherte den Burschen, und man sagt, es sei ihm darauf leichter geworden. Auf die Dauer half dies aber doch nichts, bis sich endlich ein Weib seiner erbarmte und ihm den Rat erteilte, er soll einer lebendigen Henne den Leib aufschneiden und das Herz, solange es noch warm ist, roh aufessen. Dies tat er und genas vollständig. Bis dahin hatte er das Reden fast verlernt gehabt und, es kam häufig vor, dass er nachts bei geschlossenen Türen und Fenstern plötzlich verschwand. Wahrscheinlich ritten da auf ihm Hexen herum.
Das Herzessen, wie es sich hier im Volkglauben erhalten hat, verrät eine Auffassung der Dinge, wie sie nur einer alten Heidenzeit zugeschrieben werden kann. Mit der steigenden Gesittung, als man sich daran gewöhnt hatte, zubereitetes Fleisch zu essen, erhielt sich der alte Brauch, nun ungewöhnlich geworden, nur noch bei Opfern. Als man sie durch das Christentum auszumerzen begann, bezog der Volkglaube denalten Brauch auf andere Dinge und leitete aus dem Genuss roher Herzen eine besondere Kraft ab, die dem Betreffenden einmal zum Segen, wie z. B. in dieser Sage, oder zum Unheil, wie den Hexen, die Kinder ausweiden, ausschlagen kann.
Will man Hexenbesuch haben, so muss man jeden Morgen mit dem linken Fusse beim Erwachen aus dem Bett steigen und den linken Fuss vor dem rechten ankleiden.
Legt man einen Besen über die Schwelle, so kann keine Hexe darüberschreiten. Ebenso kann man ihr auf offener Strasse den Weg versperren, wenn man zwei Besen kreuzweis auf den Weg legt.
Wer sonst einer Hexe aufpassen will, muss am Charsamstag abends seiner Kuh zwischen den Hörnern ein wenig Haare ausschneiden und am Palmsonntag mit den Haaren in der Tasche in die Kirche gehen. Während nun der Priester den letzten Segen spricht, nehme man ein wenig von den Haaren zwischen die Finger, bekreuzige sich so und vergrabe die Haare, sobald man wieder nach Hause kommt, unter die Schwelle der Stalltüre, durch welche die Kuh durchgehen muss. Die Hexe bleibt aber an einer solchen Schwelle wie festgewurzelt stehen. Man kann sie nun leicht erwischen und mit ihr tun, was man will. In der Folge wird sich sowohl die betretene als überhaupt jede Hexe wohlweislich hüten, diesen Grund und Boden je wieder heimzusuchen.
Wann eine Hexe gestorben ist und zu Grabe getragen wird, pflegt es jedesmal zu donnern und zu hageln, wie man glaubt deshalb, weil sie bei Lebzeiten Donner und Hagel heraufzubeschwören vermocht hat.
Eine Hexe darf man weder an einem geweihten Orte, noch in einem Garten, oder auf der Strasse, oder am Wegrain, oder in einem Graben am Wege vergraben, denn andere Hexen würden sie wieder herausscharren und beleben. Darum muss man eine Hexe im Walde unter irgend einem sehr alten, schattigen Baume vergraben, und Gott behüte, ja nicht unter einem jungen; denn ein junger Baum breitet nicht hinreichenden Schatten über die Hexe aus, der Schatten aber, den die Erde wirft, mit der das Grab zugedeckt wird, reicht allein nicht aus. Dieser Schatten ist der Hexe auch nicht im geringsten zuträglich.
Die Seele der Hexe ist ein Baumgeist, der seinen alterschwachen Wohnort verliess, um als Hexe weiterzuleben. Stirbt die Hexe, so begräbt man sie unter einem alte Baume, damit der böse Geist an seinem Ursprungort verbleiben soll.
Wenn ich den Volkglauben richtig erfasse, so ist der ursprüngliche Grund, weshalb man eine Hexe unter einen jungen Baum nicht vergraben will, nicht der unzulängliche Schatten, sondern weil man glauben mochte, dass der in dem jungen Stamme hausende Geist durch die Hexe vertrieben würde, weshalb der Baum dann absterben müsse, oder dass dieHexe als ein Krankheitgeist in den jungen Baum fahren und ihn so zum Verdorren bringen würde. Im übrigen spricht man den Hexen ein ungewöhnlich langes Leben zu. Irgendwo auf einem steilen Felsen im Hochgebirge quillt ein »lebendiges Wasser« hervor, erzählte mir jener Bauer aus Kamensko, an welchem sich die Hexen immer verjüngen. Das Wasser des Lebens spielt in den Sagen aller Völker eine grosse Rolle.
Um die Hexen zu bannen, pflegen die Bäuerinnen am letzten Faschingsonntag die Kesselketten verkehrt aufzuhängen, andere legen ein Kuhhorn in die Kohlenglut, weil Hexen diesen Geruch nicht vertragen.
Man kann eine Hexe auch dadurch vertreiben, dass man sie verflucht. Die Hexe verliert nämlich im selben Augenblicke all’ ihre Macht, denn der Mensch trägt das Kreuz der katholischen Kirche, die Hexen aber das Kreuz des Teufels. Es genügt, dass der Mensch ihr zuruft: »Gemeines Weib, warum trägst du das Kreuz des Teufels? Du bist ja doch von aller Welt gemieden (verlassen) und kein Mensch mag dich leiden!« (hmana žena, zakaj nosiš križ vraži, ipak si od sega sveta ostavlena ter te ne mre nijeden človek trpeti!) (Aus Warasdin.)
Man ersieht aus diesem Glauben deutlich, wie die alten Anschauungen die von der neuen Lehre nicht ausgerottet werden konnten, als eine Nachäfferei des wahrhaft Göttlichen hingestellt sind. Den Hexen und dem Teufel schreibt man die Gebräuche und Abzeichen der Gotteskirche zu, doch in karikierter Gestalt; was sie tun, tun sie verkehrt, zum Spott und Hohn der lichten Gottheit. So wird z. B. in dem berüchtigten malleus maleficarum mehrmals des Eidschwurs Erwähnung getan, den die Hexen bei ihrer Aufnahme in den Bund dem Teufel zu leisten haben.50
Wenn man die Unterhosen umwendet und sie so anzieht, ist man gegen jeden Hexenzauber gefeit. Das südslavische Bauernhaus hat keinen Anstandort und die Leute sind genötigt, auf dem Düngerhaufen oder sonst wo auf einem Platze, wohin man den Kehricht wirft, ihre Notdurft zu verrichten. Solche Orte sind aber nach dem Volkglauben Tummelplätze der Hexen; darum hält man ein Stück Brot in dem Mund, während man auf einem solchen Orte weilt; dadurch wird die Macht der Hexen gebrochen.51
Der Mensch kann sich vor einer Hexe nur dann mit Erfolg verteidigen, wenn er sich mit einem geweihten Stock wehrt. Etwas anhaben kann er ihr aber auch nur in dem Falle, wenn er sie auf den Kopf oder den Hintern mit dem Stocke trifft; denn im Kopfe der Hexe sitzt ihr Hass gegen alles, was geweiht ist, mit dem Hintern dagegen verhöhnt sie alles, was heilig ist
Wird eine Hexe so ertappt, dass sie nicht mehr entfliehen kann, so verwandelt sie sich flugs in ein Stück Holz oder einen Stein, je nachdem an dem Orte mehr Holz oder Steine liegen, so dass der Gegner irregeführt wird. Gelänge es aber einem, den Gegenstand ausfindig zu machen, in den sich die Hexe verwandelt hat, so kann er ihr leicht den Garaus machen, wenn er nur herausbekommt, auf welcher Seite ihr Kopf liegt. Trifft man die Hexe nicht gerade auf den Kopf, so mag man drei Tage lang auf den Gegenstand losschlagen und man wird der Hexe dennoch nicht das Geringste anhaben. Versetzt man ihr aber einen rechten Schlag auf den Kopf, so bleibt sie für immer tot liegen, und zwar in der Gestalt, die sie angenommen hat.52
Bäuerinnen, die an Hexen glauben, pflegen Schweinedreck in einen Leinwandlappen einzuwickeln, den Lappen fest zuzubinden und als Amulet an einer Schnur um den Hals zu tragen. Diese Schnur muss aber eben so lang sein als das Weib gross ist, das die Schnur braucht, dann kann kein Teufel und keine Hexe dem Weibe etwas anhaben. (Aus Krapina Toplice in Chrowotien.)
Um sich vor Hexen zu schützen, trägt manSchlehdornenim Kleid eingenäht. Mit Schlehdornen bannt man Hexen und Teufel. In Häusern, wo es kleine Kinder gibt, befestigt man an Türen und Fenstern Schlehdornen.53(Slavonien.)
Wie erwähnt benötigen die Hexen eines Zauberfettes. Wer davon isst, versteht die Tiersprache. Wie dieses Fett gewonnen wird, erzählt folgende Sage aus Kreutz in Chrowotien.
Es war einmal eine Hexe, bei der es niemand im Dienste aushalten konnte. Nun ging einmal ein Junge des Weges, erblickte die Hexe und bot ihr einen »guten Tag« zum Gruss. Sie winkte ihm freundlich zu, fragte ihn, wohin er wandere, und er antwortete, er gehe einen Dienst suchen. Sie sagte ihm gleich, bei ihr wär eben eine Stelle frei und er dürfe nur eintreten, und so trat der Junge bei ihr in Dienst ein. Sieschärfte ihm sogleich ein, er müsse sich brav aufführen, bei ihr habe schon eine Menge Leute gedient, weil sich die aber nicht brav aufgeführt, deshalb habe sie ihnen allen der Reihe nach den Garaus gemacht. Der Junge gab ihr das feste Versprechen, sich stets brav aufzuführen. Abends setzte sie ihm ein gutes Nachtmahl vor und befahl ihm, er müsse morgen in der Frühe zeitlich aufstehen, um aufs Feld ackern zu gehen. Der Junge erwachte zeitlich in der Früh und ging ackern. Um die Mittagstunde setzte er sich zum Essen und liess die Ochsen lange Rast halten. Alserabends heimkehrte, fragte ihn die Vettel, wieviel er aufgeackert; und er antwortete »so und soviel«. — Der Alten schien das wenig zu sein und sie schalt ihn einen trägen Arbeiter. Hierauf begab er sich zur Ruhe, um am folgenden Tage wieder seine Arbeit aufzunehmen. In der Früh trug ihm die Alte auf, er müsse das, was er zuerst aufackere, es mag was immer sein, auf der Stelle nach Hause bringen. Er begab sich aufs Feld, stemmte die Pflugschar ein und ackerte eine Kröte heraus. Die nahm er sogleich und trug sie der Alten heim. Die Alte sprach: »Gut mein Kind, gut«, und der Junge kehrte wieder aufs Feld zurück. Nun klagte ihm einer der Ochsen, er sei ganz müde, denn die Alte sei die ganze Nacht auf ihm herumgeritten; deshalb gönnte der Junge den Ochsen wiederum eine lange Rast. Er kommt nach Haus und seine Herrin fragt ihn: »Wie viel hast du aufgeackert?« — »So und so viel.« Hierauf begab sich die Alte in die Stube, der Junge aber huschte schnell in die Küche, um nachzusehen, was die Alte koche und sah die Kröte in einer Rein braten. Schnell ergriff er einen Löffel, schöpfte ihn voll Sahne, in der die Kröte briet, und schlürfte den Saft hinunter. Sodann schaffte er die Ochsen in den Stall und ging nachtmahlen, doch bekam er nicht die Kröte zu essen. Nachdem er sich sattgegessen, begab er sich zur Ruhe. Am dritten Tage gönnte er wiederum den Ochsen eine lange Rast. Als er abends heimkehrte, stand er eine Weile mit der Alten im Hofe. Die Alte besass eine Gluck, die ein hinkendes Küchlein hatte. Da machte die Gluck dem hinkenden Küchlein Vorwürfe, warum es sich nicht tummle, es sehe ja, ein Geier schwirre durch die Lüfte. Der Junge verstand das ganze Gespräch und erzählte es der Alten. Die Alte hiess ihn näher treten und sagte: »Geh’, komm’, zeig mir mal deine Zunge!« — Er streckte die Zunge aus, die Alte aber nahm einen Löffel und schabte das wenige von der Sahne ab, das noch auf seiner Zunge klebte. Seit diesem Augenblicke verstand er nicht mehr die Sprache der Tiere.
Das Fett, mit dem sich die Hexen einreiben, um fliegen zu können, besteht nach einem andern Volkglauben aus Stutenbutter.54Ein BauerausToplice(dem Kurort bei Warasdin) erzählte folgendes Erlebnis: »Ich habe an diesen Weihnachttagen ein Weib gesehen, das hat drei Tage hindurch nach Stutenbutter gesucht (iskala konjsku putru, wörtl. sie verlangte Pferdebutter.) Dann hab’ ich sie gesehn, dass sie welche gefunden hat, wo die Pferde weiden. Ich bin ihr nun entgegengetreten, sie hat aber die Butter unter die Schürze versteckt. Ich hab’ gesehen, wie ein bisschen davon hervorschaut und hab’ sie gefragt: »Was fangen Sie damit an, Gevatterin?« (Kaj bute kuma s tem?) Da verschwand sie augenblicklich spurlos, ich aber war in Furcht, weil ich mich ganz allein befand. Ja, wenn ich sie nicht gefragt hätte, sie hätten gesehen, sogleich hätt’ sie mich zu Staub und Asche zermalmt. Wenn sie mit dieser Butter zaubern will, da muss sie sie in der Mitternachtmette mit haben, und beim Segen muss sie auf ihr knieen. Sobald die Mette aus ist, da muss die Hexe hurtig heim eilen, damit sie von gar niemand wahrgenommen wird. Diese Zauberei (Hexerei,coprija) ist zu folgendem gut: Wenn die Hexe alles, wie es sein muss, mit dieser Butter vollbringt, so kann sie auf ihr (na njoj) wie ein Pfeil dahinreiten und wird von niemand erblickt. Man sagt auch, dass es zuweilen nur darum saust (fućka, vom Pfeifen des Wirbelwindes), weil eine Hexe durch die Luft reitet, andere sagen wohl auch, der Teufel führe Geld.« InBiškupecin Chrowotien glaubt das Volk, dass die Hexen zu Pfingsten (na duhovo) um halb zwölf nachts das Fett bereiten, das sie zum Fliegen befähigt.
Dieses Fett wirkt so kräftig, dass alles und jedes in Bewegung gerät, was damit bestrichen wird.
Es war einmal eine Hexe, die befahl ihrem Sohne, aus dem Kasten Fett zu nehmen und den Wagen zu schmieren. Der Junge ging in die Stube und nahm das Fett heraus, vergriff sich aber und nahm ein Fett, das seine Mutter brauchte. Er bestreicht das eine Rad und es fängt an sich zu drehen, er bestreicht das zweite, auch dieses dreht sich, sodasdritte und das vierte, da flog der Wagen auf den grossen Nussbaum, der vor dem Hause stand. Der Junge lief nun schnell zu seiner Mutter und erhob ein Geschrei: »Mütterchen, Mütterchen, der Wagen ist mir auf den Nussbaum hinaufgefahren.« — Sie: »Ja, was hast du angerichtet? — Hab’ ich dir denn befohlen, mit diesem Fett den Wagen zu bestreichen?« Hierauf ging sie hinaus und beschwor den Wagen vom Baume herab, was niemand anderem als nur ihr gelingen konnte.
Besonders gefürchtet sind die Hexen, die Kühe behexen. Wenn einer Kuh die Milch versiegt, oder wenn, wie man im Volke sagt, eine Kuh eintrocknet, so schnitzt man einen Keil aus Birkenholz und keilt ihn im Stalle unter dem Lager der Kuh, gerade unter ihrem Nabel in den Boden ein. Damit ist der Hexenzauber gebrochen. Wird eine Hexe auf frischer Tat ertappt, so soll man sie mit einem Birkenrutenbesenschlagen und sie wird nimmer zaubern können.55Will man sein liebes Vieh gesund erhalten, so schlage man es nur mit Birkenreisern. (Slavonien.) Ein anderes Rezept aus Čehovci im Murlande lautet:
Um zu verhüten, dass Hexen den Kühen die Milch entziehen, nehme man die Mistel,56die auf Bäumen wuchert und Holz vom Kornellkirschbaum, füge Schiesspulver hinzu, lasse die Dinge einsegnen und wickle siein einen kleinen Leinenlappen, den man der Kuh, bevor sie noch einmal abkalbt, in ein Horn hineingibt, nachdem man vorher das Horn oben abgeschnitten. Infolgedessen wird keine Hexe dieser Kuh etwas anhaben können.
In der Weihnachtnacht muss man den Kühen Heu vorlegen, und zwar muss man damit rauschen, damit die Kühe nicht hören, wie sie der Reihe nach von den Hexen angerufen werden und sich ihnen nicht melden. Der Kuh, die sich auf den Ruf der Hexen meldet, entziehen die Hexen die Milch.
Am Samstag vor Pfingsten (na soboto predbinkošti. Binkošti ist das deutsche Wort Pfingsten, das wieder ein Lehnwort aus dem Griechischen ist:πεντεκοστή, das slavische Wort istduhovi) werden inOrmužin Steiermark von alten Weibern die Kühe angeräuchert, damit ihnen die Hexen nichts anhaben können.
Will man verhüten, dass eine Hexe das Vieh behext, so pflegen die chrowotischen Bauern einen Faden um das ganze Gehöfte herum zu ziehen, den Faden muss man aber eigenhändig am Quatemberfasten gesponnen haben.57
Hexen vermögen eine fremde Kuh auszumelken, wenn sie auch nicht im Stalle bei der Kuh sind, wie es aus folgender Sage erhellt. Es waren einmal zwei Nachbarinnen, von denen die eine eine Hexe war. Diese Hexe pflegte das eine Ende eines langen Seiles über den Zaun in den Stall ihrer Nachbarin zu werfen, steckte dann das andere Ende des Seiles in ihren Milchkübel und melkte so die fremde Kuh aus. Sie wusste nur nicht, dass sie bei diesem bösen Treiben von ihrer beschädigten Nachbarin beobachtet wurde, und so selbst verriet, dass sie eine Hexe sei.58Von der Strafe, die eine Hexe wegen unbefugten Ausmelkens fremder Kühe erleiden musste, erzählt folgende Sage aus Chrowotien:
Es war einmal ein reiches und ein armes Weib. Die reiche Frau hatte nur ein einziges Kind, die arme ihrer sieben. Die Reiche besass sieben Kühe, die Arme nur eine und die gab keine Milch; denn sie wurdevon der Hexe ausgesaugt. Einmal ging die Arme in den Stall und erblickte eine Kröte, die an dem Euter der Kuh säugte. Rasch ergriff sie eine Axt und schlug auf die Kröte los. Diese Kröte war niemand anderer als die reiche Nachbarin, die gleich am nächsten Tage gegen das arme Weib beim Pfarrer Beschwerde führte. Der Pfarrer liess auf der Stelle das arme Weib vor sich laden und fragte sie, wie sie es gewagt, ihre Nachbarin so schmählich zuzurichten. Das Weib erklärte, sie habe bei Leibe niemand anderen als nur eine Kröte geschlagen, die an dem Euter ihrer Kuh gesaugt. Auf diese Weise erfuhr man, dass die reiche Frau eine Hexe ist und liess sie auf Pferdeschweifen in Stücke reissen.
Die Hexe erlangt über die fremde Kuh durch ein sogenanntes sympathetisches Mittel Gewalt. Darin liegt aber auch zugleich die innere Kraft der Hexe. Gelingt es dem Beschädigten, die Stücke in die Hand zu bekommen, so ist er zugleich Herr der Hexe. Er kann sie dann nach Belieben vernichten. Darüber belehrt uns ein Märchen aus Chrowotien.
In Cepirlak lebte ein Weib, das hatte drei Kühe. Die eine Kuh war weiss, die andere schwarz, die dritte rot. Diese Kühe gaben recht viel Milch. Das Mütterchen wurde reich und schenkte viel den Armen. Auf einmal trockneten die Kühe ein, doch nicht plötzlich, sondern so, dass sie immer weniger und weniger Milch gaben. Das Weib fütterte und hielt wohl immer besser ihre Kühe, doch alles umsonst, zusehends wurden die Kühe immer magerer, und darüber weinte das Mütterchen. Sie wusste sich schon nimmer zu helfen, sondern suchte ein altes Mütterchen auf und befragte sie um ihren Rat wegen der Kühe. »He«, sagte das alte Mütterchen zu ihr, »da weiss ich dir wirklich keinen Rat und keine Hilfe. Ein Weib hat dir die Kühe verhext (edna ti je žena scoprala krave). Geh nach Haus, vielleicht findest du irgend etwas.« — Geht das Weib heim, sucht in allen Winkeln herum, kann aber nirgends etwas finden. Schaut sie da nicht zufällig in den Rauchfang hinauf und erblickt im Rauchfang einen schwarzen Gegenstand. Nimmt sie ihn herab, um doch zu sehen, was das sein soll. War das ein Pack Lumpen. In den Lumpen aber waren drei Nägel und um jeden Nagel ein Haar gewunden: ein rotes, ein schwarzes und ein weisses, gerade solches Haar, wie es die Kühe eben hatten. Ging sie nun wieder zu dem alten Mütterchen mit den Sachen, die sie da gefunden. Schaut das Mütterchen die Sachen an und spricht zu ihr: »Nimm diese drei Nägel und schmiede sie zu einem einzigen zusammen, dann nimm um 12 Uhr nachts diese drei Kuhhaare und leg jedes mit einem Ende ans Feuer, und zwar so, dass sie nur ein klein winzig anbrennen. So musst du nach und nach jeden Tag tun, so lange, bis deine Kühe gesund werden.« Schmiedet sie wirklich die drei Nägel in einen zusammen und fängt an, die drei Haare zu versengen. Gott soll mich strafen, wenn nicht wirklich von dem Augenblicke ab die Küheimmer gesunder wurden. Schlimm aber erging es dem Weibe, das die Kühe verhext hatte. Noch den Tag vorher war das Weib frisch und gesund. Von dem Augenblick ab, wo das Weib die Haare zu versengen anfing, wurde die Hexe immer hinfälliger, und je mehr die Kühe an Gesundheit und Kraft zunahmen, desto mehr nahm die Hexe ab. Wenn das Weib schlief, kam die Hexe immer unter ihr Fenster und fing zu jammern und zu winseln an: »Gib mir die Nägel, gib mir die Haare zurück!« und so kreischte sie fort und fort, bis der Hahn in der Früh »Kukuriku« krähte. So ging es Nacht für Nacht, und die Hexe winselte immer mehr und mehr. Einmal winselte sie so stark, dass ihr das Weib beinahe die Nägel und Haare schon zurückgeben wollte. Wie sie sich aber erhob, um sie der Hexe zurückzugeben, fingen die Kühe so jämmerlich zu brüllen und muhuen an, dass sie sich darüber ganz entsetzte, und so gab sie der Hexe weder die Nägel noch die Haare zurück. Ging sie wieder zu jenem alten Mütterchen und erzählte ihr die Sache. »O Weh«, sagte das alte Mütterchen, »gib es nicht her, um Gotteswillen, nicht! Sie möchte gesund werden und das ganze Dorf verhexen. Verbrenn du nur noch den Überrest der Haare, sonst ist’s in Zukunft um dich und um uns schlimm bestellt.«
Das Weib ging jetzt nach Haus, nahm die Nägel, die in eins geschmiedet waren, sowie den Rest der Haare und legte sie ins Feuer. Sobald die Haare verbrannt waren, da züngelte flugs ein mächtiges Feuer durch den Rauchfang im Hause der Hexe, eine schwarze Gestalt bemächtigte sich der Hexe und flog mit ihr fort bis zu jenen Bergen. Dies aber war der leibhaftige Teufel, der die Seele der Hexe mit sich forttrug in die Hölle, auf dass sie dort ewige Qualen erdulde.
Mehr Märchen als Sagen sind folgende zwei Hexengeschichten, beide aus der Umgegend vonWarasdin.
I.
Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und siebat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrtesie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.
II.
Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber triebsie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.
Bisher lernten wir die Wandlungen derVilaalsDryadeundNymphein die Gestalt der Hexe kennen. Den NamenVilaübertrug man schon frühzeitig auch auf die Kategorie jener weiblichen Luftgeister, die Regenwolken sammeln und zerstreuen, milden Tau und ergiebigen Regen den Fluren spenden, und wenn sie den Menschen grollen, verheerende Wirbelwinde erregen und die Gefilde mit Hagelwetter verwüsten. Die Vilen sind demnach auch Wettermacherinnen. Sagen erzählen, wie dieVilenauf Wolken dahinfahren. Schon durch ihren Blick allein vermag die Vila Wolken auf dem Himmel zu sammeln. Das Volk drückt treffend die Feuerglut, die aus den Augen eines schönen Mädchens sprüht, durch den Vergleich aus, des Mädchens Auge vermöge am Himmel die Wolken zu trüben. Das tertium comparationis wird als so selbstverständlich vorausgesetzt, dass man im Vergleiche die Vila gar nicht nennt. So z. B. in folgendem Liede: