Chapter 28

Zu Vers 1–4.Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,den Burgwall von Berlin umtost die Spreeund brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.V. 5. Von denzweiPaschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. —Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (HammerII. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.V. 10.Vekiltürk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.V. 15.adaletarab. Gerechtigkeit.V. 33.Kraljevo= Gyula Fehérvàr (Julia Alba), späterKarlsburggenannt, daher der slavische Name. WarGábor BethlensHauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl.Krauss, Orlović der Burggraf vonRaab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrerRatlosigkeitdie Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber imZorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, derBrückner, serb.mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führendeHolzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von VezierKöprüumgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung derVerträgebedienen; und da alleVerträgedurch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlichzu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans warchassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurdenchassgenannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729:miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca.(Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der EhrentitelGhazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.V. 150. Den NamenOtokawürde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eineInsel, eine Insel heisst aber magyarischsziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte FestungSzigetvárherausgefunden, die damals türkisch war.V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV.  80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.V. 193 ff. turajli fermane. Weil SultanMurad(gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zuschreibenverstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundigerHerzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als dasTughraoder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘— Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1S. 485):Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat.(Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.299 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.V. 320–330. Anfang Dezembers 1885 ersuchte mich mein seither verstorbene Freund, unser grosse FachgenosseIsidor Kopernickiin Krakau um Zusendung einiger schöner Guslarenlieder zur Lektüre für die Weihnachttage. Mit herzlichem Vergnügen willfahrte ich dem Wunsche und stach 40 oder 50 der schönsten Stücke aus meiner Sammlung für ihn heraus. Nach sechs Wochen bekam ich wieder meine Manuskripte mit einem Brief zurück, den ich nicht veröffentlichen mag, weil er neben den Ausdrücken des Entzückens über die Lieder meine folkloristische Sammlertätigkeit ausserordentlich herausstreicht. Auf eigenen Listen merkte Kopernicki an, was ihm an Worten und Sachen unverständlich war und was ich ihm oder bei Herausgabe der Texte allen Lesern erklären soll. Zum Überfluss versah er die Lieder noch mit Randbemerkungen, die vorzugweise seiner Bewunderungüber die Schönheit einzelner Partien Ausdruck verleihen. So z. B. bemerkte er zu dieser Stelle: Arcydzielo! nigdzie podobnego obrazu wojennego nie spotkałem (Ein Meisterwerk! nirgends stiess ich noch auf ein ähnliches kriegerisches Bild). Bei unserem Halil Marić ist dies Bild ein Klischee, und es findet sich auch sonst, wenn auch minder voll bei anderen moslimischen Guslaren. Vielleicht steckt darin ein orientalischer Einschlag. Es ist darum nicht auffällig, dass eine ähnliche Schilderung auch in einem moslimisch malayischen Volkepos vorkommt. Das Beispiel beiR. Brandstetter, Charakterisierung der Epik der Malayen, Luzern 1891. S. 35:Baginda bertitah pada segala manteriDer König sprach zu den Grossen des Hofs:hendaq-lah berlańkap kira-nja diri»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —himpunkan rajah gadjah dan kudaElefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«bintań pun belom padam tjahaja-njaDer Sterne Glanz war noch nicht erloschen,goń peńaruh pula akan dipalu-njaDa wurden wieder geschlagen die Gong;bertalu-talu kunun bunji-njaSie erklangen laut im Wechselton,bańun-lah raja deńan suka-njaDie Mannen erhoben sich frohen Mutes.meńenakan ketopoń gilań-gemilańSie setzten sich auf die schimmernden Helme;shamshir terhunus sinar tjermelańSie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;meńirińkan baginda radja didjulańSo umritten sie ihren hohen Gebieter.tuńgul pandji-pandji berdjalan dehuluDie Fahnen flatterten an der Spitze,masiń-masiń deńan peńhuluEs trug sie die Hand der tapfern Führer,tumbah dan perisei bertimbalanLanzen und Schilde wurden geschwungen,rupa-nja saperti kota berdjalanEs war wie eine wandelnde Veste;hampir-lah suram tjahaja-nja bulanSie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;gegap gempita tijada terperiEs lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!berdjalan-lah lalu ka-luwar nageriSo zogen sie aus durch die Tore der Stadt.V. 354 f. Mitteleuropäische Truppen können den Weg von Sarajevo bis Temesvar mit Eilmärschen in 8 bis in 11 Tagen zurücklegen, und dazu noch zu Fuss. Das unsterblich gewordene Heldenheer der Griechen von Larissa und Pharsalus hätte in bewährten Rückzugmärschen wahrscheinlich nur vier Tage dazu benötigt. Die abendländischen Zeitungschreiber und Politiker wundern sich nicht wenig, dass die Türken die Verfolgung der flüchtenden Griechen nicht betrieben und ihre leichten Siege nicht ausnützten. Die Erklärung hierfür bietet der türkische Arméebrauch dar. Die Märsche der Türken sind und waren im allgemeinen nicht gross, ein Umstand, den die Stärke ihrer Heere, besonders aber der unendliche Tross und das endlose Gepäck genugsam erläutern. In grösserer Entfernung vom Feinde marschierten die Türken in mehreren Staffeln nach Bequemlichkeit, in der Nähe des Feindes aber gedrängt mit einer starken Avantgarde, über die hinaus noch die Tataren und Bošnjaken — im Kriege gegen die Griechen unserer Tage, die Albanesen — vorgingen. — Darum jammert FähnrichIbrohier über die 77 Tagereisen, oder, wie man bei uns sagt, über den Weg, der eine halbe Ewigkeit dauert.V. 368. Odobaša, Hauptmann. Vrgl. Hammer III. 394, V. 469, VII. 351, VIII. 67.V. 379.ćehraist die schimpfliche »Dalke« über den Schädel, dass dem Empfänger die Kopfbedeckung herabfliegt. Eine ordentliche ‘Watschen’ über die Wange heisst dem Türkensille;šamarist die Flasche übers ganze Gesicht,latmetundtokatdie gewöhnliche Ohrfeige. Eine Ohrfeige entehrt den Mann und er muss sie durch Tötung des Beschimpfers rächen.V. 376–415. Dazu bemerktKopernickiam Rande: Śliczna pieśú wojenna! Nieznana w calej literaturze ludowej serbskiej! — (Ein wunderbar schönes Krieglied! Unerhört in der gesamten serbischen Volkliteratur!) Bis einmal meine Sammlung von 300 Epen vorliegt, wird man sich überzeugen, dass ähnliche und noch schwungvollere Episoden bei den moslimischen Guslaren nur zu deren poetischem Kleingeld gehören. — Wer nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat, kann leicht singen, selbst in schlimmer Lage: cantabit vacuus coram latrone viator. Das Lied klingt wahrhaftig wundersam anheimelnd, wie in der Stille der Nacht aus Džungeln das Gebrüll beutewitternder Panther. Die Begeisterung für fremdes Eigentum (der Chrowotismus) ist mir unter allen Umständen ein Greuel.V. 397. Kazam mata kaurskoga posta! Da liegt einer der schnurrigsten Deutungfehler vor, die mir je untergekommen. Der Magyare pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein baszsam atta anzubringen, das dem französischen je foudre und dem serbischen jebem ti wörtlich entspricht. Der slavische Moslim, der gewohnt ist, ebenso schnell zu schwören, ‘dina mi i anama’ (beim Gesetz und Glauben!) oder ‘posta mi ramazana!’ (bei meinem Fasten Ramazân) missdeutete die magyarische lästerliche Redensart und hielt sie für das grosse Fasten der Ungläubigen, bei dessen Heiligkeit sie schwören.V. 499 f. Die Bošnjaken lagerten vor dem Heere als äusserster Posten als »verlorene Schar«.V. 512 f. Džanum gehört nicht dem Generalstabe an und sitzt darum nicht im Kriegrate.V. 611. Džanun kein Druckfehler. Der Guslar gebraucht rein willkürlich die verschiedenen Formen desselben Namens.V. 651 f. ‘Sie setzten sofort das blutige Reisfleisch an, sie assen zu Nacht blutiges Reisfleisch’.Kopernickifrägt an dieser Stelle: Co to? jakieś czary wojenne? (Was ist das? Was sind dies für kriegerische Zaubereien?) In der Fassung der Frage zeigt sich schon der kundige Volkforscher. Die Leute setzten gar kein blutiges Reisfleisch zu und noch weniger verstanden sie sich dazu, Blut zu essen. Das Fleisch der geschächteten Tiere muss zuerst entblutet werden, um koscher zu sein. Angesichts des Todes liesse sich ein Moslim schon gar nichtherbei, trefo zu sich zu nehmen. Eine Stelle in einem Guslarenliede, die wegen ihrer Länge hier ausfällt, gibt Aufschluss. Die Krieger bestrichen sich die Hände und das Antlitz mit Blut, bevor sie auf Leben und Tod in den Kampf stürmten. Ihr Aussehen war dann wohl darnach, den Feind mit Furcht und Entsetzen zu erfüllen.V. 660. Vorangehen muss unbedingt der V. 661, doch der Guslar versteht nicht, wasšarka felećbedeutet. Der gleiche Vers in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885, Vers 1816). Čarch, pers. Kreis, Rad,felekHimmel, Himmelgewölbe. Ich befragte während meiner Reise wohl zehn Edelleute und türkische Schriftgelehrte, was č. f. bedeute; sie wussten es nicht. HauptmannCarl Gröber(weiland), der unter dem Titel ‘Mehmeds Brautfahrt’ (Wien 1890) eine Verdeutschung meines Werkchens veröffentlichte, übersetzte die Zeile (S. 106) kühnlich mit: ‘Mit den Händen brechen sie die Barrikaden’. Von solch einer übermenschlichen Kraftleistung kann hier gar keine Rede sein. — Die beiden Worte fehlen noch indemsüdslav. Wörterbuch. — Dass unterčarakdas Schloss an der Büchse zu verstehen ist, lehren Stellen beiVrčević(Nar. prip. i presude, S. 211 und 285):napinji ja njegovoj pušci čarak a on mojoj. Ne znam ni sam, kako mi se omače vuk z gornjega zuba te puška upali. In der Anm.erklärtVrčević:gornja strana ot čarka, gje je krem ot puške, koji stoji nat prašnikom te se napinje i spuštava. Er hat demnach einSteinschlossgewehr vor Augen, das ist aber in unserem Liede nicht gemeint. Näher bringt uns zur Auffindung der wahren Bedeutung eine Stelle in den bulgar. Liedern der Sammlung desKačanovskij(S. 502, Nr. 200, V. 210): go bie s mahmuz čarklija. K. erklärt č.: ‘kolka v šporah’. Also sind diekreisrundenSporen, mit denen der Reiter sein Ross in die Weichen sticht. Die Rundung weist auf eine Feder hin, also auf das Radschloss, das deutsche Schloss, eine Nürnberger Erfindung aus dem J. 1515 oder 1517. Gute Abbildungen sind allgemein zugänglich durchPierersundMeyersbekannte Konversationlexika (unter den Schlagworten). Die Zündung war beim Radschloss sicherer als bei den anderen Büchsen damaliger Zeit, aber das Schloss komplizierter, bei Verlust des Schlüssels war die Waffe unbrauchbar, und sie gewann daher nur Eingang bei der Kavallerie und für die 1545 erfundenen Pistolen, mit denen die Pikeniere des zweiten Gliedes in den gevierten Reihen des 16. Jahrh. bewaffnet wurden. Die türkische Reiterei war gewohnt nach Abfeuerung ihrer Büchsen die Säbel zu ergreifen und damit dem Feinde entgegenzustürmen. Im Handgemenge wären ihnen die schweren Büchsen hinderlich gewesen, darum warfen sie sie nach Abfeuerung des Schusses weg, doch nicht, ohne vorher die Feder des Radschlosses mit einem festen Handgriff zu zerbrechen und dadurch die Waffe unbrauchbar bis zur Wiederherstellung der Feder zu machen.V. 674. Unter den eintönigen Rufen Allah! Allah! rücken auch jetzt die Türken in den Kampf vor. Die übliche, stereotype Anfeuerung der Moslimen zum Sturm lautet:juriš braćo, moja družbo draga!Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!dženetu se otvoriše vrata.Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.Blago onom svakome junaku,Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,koj pogine danas na mejdanu!der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!Poljeteše nis polje hurije,Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,one lete jagmiti šehite!dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!V. 690. ‘Es blitzt, es giesst, und Blut wird vergossen’. ‘Es giesst’, was denn?! Es ist sinnlos, wenn auch die Zeile stereotyp geworden ist. Der Assonanz zu Liebe erlaubt sich der Guslar dergleichen. Korrekt muss die Zeile lauten: grmi, sjèva etc. ‘es donnert, es blitzt’, wie sie sich z. B. im Uzdarje S. 85, V. 211 erhalten hat.V. 754. Die Vila ist natürlich die Wahlschwester des grossen Helden Köprülü, die ihn sorgsam vor einem übereilten dummen Streiche warnen muss.V. 778. Zu povrvlji setzteKopernickiein Fragezeichen. Mit Unrecht. Ein einzelner Mann kann freilich nichtdahergewimmeltkommen, doch der Guslar sieht den Köprülüim Gewimmelvom Gefolge dahereilen. Er erblickt nur die Hauptperson im wimmelnden Gedränge, für ihn »wimmelt« also der eine daher.V. 849 ff. Dank- und Ersatzopfer für das glückliche Gelingen der Unternehmung und die Errettung der von den feindlichen Kugeln und Hieben verschont gebliebenen Helden. Wegen der Menge des verfügbaren Stoffes muss ich hier von einer Darlegung dermoslimischenOpfergebräuche zu Kriegzeiten Abstand nehmen.V. 868.Nuširvan; Chósroës Nuširvân (der Gerechte) der Grosse, persischer König aus dem Sassanidengeschlechte, regierte 531–579, führte Kriege gegen Byzanz seit 540 und dehnte in einem in Kolchis 549–561 geführten Kriege seine Herrschaft bis ans schwarze Meer aus. Sultan Ibrahimzeigte den Vezieren und Beglerbegen die erbeutete ungarische Krone als die Nuširvâns vor. Suleiman I. stellte sie gleichfalls so aus, übergab sie Peter Pereny und sandte sie an Zapolja ab. Nach der Meinung osmanischer Geschichtschreiber und Diplomaten vererbt sich diese Sassanidenkrone in der römischen Kaiserlinie. (Vrgl. Hammer VIII. 320). Selbst der Guslar weiss von dieser Mähr zu singen und zu sagen.V. 894. timarli berat, Verleihungdiplome für Reiter, f. Lehengüter. Die Pašen konnten Lehen weder vergeben noch einem eines entziehen. Dies behielt sich die Pforte vor. (Vrgl.Hammer, III. 476, XI. 29 undSalomonan mehreren Stellen).V. 909. inahfür inak (inako). Die moslimischen Slaven sprechen, wohl beeinflusst durch arabisch-türkische Spracheindringlinge, daskim Auslaute häufig wie ein tiefgutturaleschaus.Keine Druckfehlersind: V. 78 tachta, 85, 103, 357 preučiše, 86 suzam, 118 muchur, 132 kachriman, 231 Mitroviću, 249 isprid, 294 najboljeme, najgoreme, 312 prekuvaše, 379 okala, 380 ozgara, 404 ne žaliti, 464 si, 527, 530, 598, 630 muchlet; 590 kuhvetu, 664 meder.

Zu Vers 1–4.Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,den Burgwall von Berlin umtost die Spreeund brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.V. 5. Von denzweiPaschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. —Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (HammerII. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.V. 10.Vekiltürk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.V. 15.adaletarab. Gerechtigkeit.V. 33.Kraljevo= Gyula Fehérvàr (Julia Alba), späterKarlsburggenannt, daher der slavische Name. WarGábor BethlensHauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl.Krauss, Orlović der Burggraf vonRaab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrerRatlosigkeitdie Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber imZorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, derBrückner, serb.mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führendeHolzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von VezierKöprüumgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung derVerträgebedienen; und da alleVerträgedurch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlichzu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans warchassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurdenchassgenannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729:miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca.(Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der EhrentitelGhazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.V. 150. Den NamenOtokawürde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eineInsel, eine Insel heisst aber magyarischsziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte FestungSzigetvárherausgefunden, die damals türkisch war.V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV.  80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.V. 193 ff. turajli fermane. Weil SultanMurad(gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zuschreibenverstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundigerHerzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als dasTughraoder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘— Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1S. 485):Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat.(Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.299 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.V. 320–330. Anfang Dezembers 1885 ersuchte mich mein seither verstorbene Freund, unser grosse FachgenosseIsidor Kopernickiin Krakau um Zusendung einiger schöner Guslarenlieder zur Lektüre für die Weihnachttage. Mit herzlichem Vergnügen willfahrte ich dem Wunsche und stach 40 oder 50 der schönsten Stücke aus meiner Sammlung für ihn heraus. Nach sechs Wochen bekam ich wieder meine Manuskripte mit einem Brief zurück, den ich nicht veröffentlichen mag, weil er neben den Ausdrücken des Entzückens über die Lieder meine folkloristische Sammlertätigkeit ausserordentlich herausstreicht. Auf eigenen Listen merkte Kopernicki an, was ihm an Worten und Sachen unverständlich war und was ich ihm oder bei Herausgabe der Texte allen Lesern erklären soll. Zum Überfluss versah er die Lieder noch mit Randbemerkungen, die vorzugweise seiner Bewunderungüber die Schönheit einzelner Partien Ausdruck verleihen. So z. B. bemerkte er zu dieser Stelle: Arcydzielo! nigdzie podobnego obrazu wojennego nie spotkałem (Ein Meisterwerk! nirgends stiess ich noch auf ein ähnliches kriegerisches Bild). Bei unserem Halil Marić ist dies Bild ein Klischee, und es findet sich auch sonst, wenn auch minder voll bei anderen moslimischen Guslaren. Vielleicht steckt darin ein orientalischer Einschlag. Es ist darum nicht auffällig, dass eine ähnliche Schilderung auch in einem moslimisch malayischen Volkepos vorkommt. Das Beispiel beiR. Brandstetter, Charakterisierung der Epik der Malayen, Luzern 1891. S. 35:Baginda bertitah pada segala manteriDer König sprach zu den Grossen des Hofs:hendaq-lah berlańkap kira-nja diri»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —himpunkan rajah gadjah dan kudaElefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«bintań pun belom padam tjahaja-njaDer Sterne Glanz war noch nicht erloschen,goń peńaruh pula akan dipalu-njaDa wurden wieder geschlagen die Gong;bertalu-talu kunun bunji-njaSie erklangen laut im Wechselton,bańun-lah raja deńan suka-njaDie Mannen erhoben sich frohen Mutes.meńenakan ketopoń gilań-gemilańSie setzten sich auf die schimmernden Helme;shamshir terhunus sinar tjermelańSie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;meńirińkan baginda radja didjulańSo umritten sie ihren hohen Gebieter.tuńgul pandji-pandji berdjalan dehuluDie Fahnen flatterten an der Spitze,masiń-masiń deńan peńhuluEs trug sie die Hand der tapfern Führer,tumbah dan perisei bertimbalanLanzen und Schilde wurden geschwungen,rupa-nja saperti kota berdjalanEs war wie eine wandelnde Veste;hampir-lah suram tjahaja-nja bulanSie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;gegap gempita tijada terperiEs lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!berdjalan-lah lalu ka-luwar nageriSo zogen sie aus durch die Tore der Stadt.V. 354 f. Mitteleuropäische Truppen können den Weg von Sarajevo bis Temesvar mit Eilmärschen in 8 bis in 11 Tagen zurücklegen, und dazu noch zu Fuss. Das unsterblich gewordene Heldenheer der Griechen von Larissa und Pharsalus hätte in bewährten Rückzugmärschen wahrscheinlich nur vier Tage dazu benötigt. Die abendländischen Zeitungschreiber und Politiker wundern sich nicht wenig, dass die Türken die Verfolgung der flüchtenden Griechen nicht betrieben und ihre leichten Siege nicht ausnützten. Die Erklärung hierfür bietet der türkische Arméebrauch dar. Die Märsche der Türken sind und waren im allgemeinen nicht gross, ein Umstand, den die Stärke ihrer Heere, besonders aber der unendliche Tross und das endlose Gepäck genugsam erläutern. In grösserer Entfernung vom Feinde marschierten die Türken in mehreren Staffeln nach Bequemlichkeit, in der Nähe des Feindes aber gedrängt mit einer starken Avantgarde, über die hinaus noch die Tataren und Bošnjaken — im Kriege gegen die Griechen unserer Tage, die Albanesen — vorgingen. — Darum jammert FähnrichIbrohier über die 77 Tagereisen, oder, wie man bei uns sagt, über den Weg, der eine halbe Ewigkeit dauert.V. 368. Odobaša, Hauptmann. Vrgl. Hammer III. 394, V. 469, VII. 351, VIII. 67.V. 379.ćehraist die schimpfliche »Dalke« über den Schädel, dass dem Empfänger die Kopfbedeckung herabfliegt. Eine ordentliche ‘Watschen’ über die Wange heisst dem Türkensille;šamarist die Flasche übers ganze Gesicht,latmetundtokatdie gewöhnliche Ohrfeige. Eine Ohrfeige entehrt den Mann und er muss sie durch Tötung des Beschimpfers rächen.V. 376–415. Dazu bemerktKopernickiam Rande: Śliczna pieśú wojenna! Nieznana w calej literaturze ludowej serbskiej! — (Ein wunderbar schönes Krieglied! Unerhört in der gesamten serbischen Volkliteratur!) Bis einmal meine Sammlung von 300 Epen vorliegt, wird man sich überzeugen, dass ähnliche und noch schwungvollere Episoden bei den moslimischen Guslaren nur zu deren poetischem Kleingeld gehören. — Wer nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat, kann leicht singen, selbst in schlimmer Lage: cantabit vacuus coram latrone viator. Das Lied klingt wahrhaftig wundersam anheimelnd, wie in der Stille der Nacht aus Džungeln das Gebrüll beutewitternder Panther. Die Begeisterung für fremdes Eigentum (der Chrowotismus) ist mir unter allen Umständen ein Greuel.V. 397. Kazam mata kaurskoga posta! Da liegt einer der schnurrigsten Deutungfehler vor, die mir je untergekommen. Der Magyare pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein baszsam atta anzubringen, das dem französischen je foudre und dem serbischen jebem ti wörtlich entspricht. Der slavische Moslim, der gewohnt ist, ebenso schnell zu schwören, ‘dina mi i anama’ (beim Gesetz und Glauben!) oder ‘posta mi ramazana!’ (bei meinem Fasten Ramazân) missdeutete die magyarische lästerliche Redensart und hielt sie für das grosse Fasten der Ungläubigen, bei dessen Heiligkeit sie schwören.V. 499 f. Die Bošnjaken lagerten vor dem Heere als äusserster Posten als »verlorene Schar«.V. 512 f. Džanum gehört nicht dem Generalstabe an und sitzt darum nicht im Kriegrate.V. 611. Džanun kein Druckfehler. Der Guslar gebraucht rein willkürlich die verschiedenen Formen desselben Namens.V. 651 f. ‘Sie setzten sofort das blutige Reisfleisch an, sie assen zu Nacht blutiges Reisfleisch’.Kopernickifrägt an dieser Stelle: Co to? jakieś czary wojenne? (Was ist das? Was sind dies für kriegerische Zaubereien?) In der Fassung der Frage zeigt sich schon der kundige Volkforscher. Die Leute setzten gar kein blutiges Reisfleisch zu und noch weniger verstanden sie sich dazu, Blut zu essen. Das Fleisch der geschächteten Tiere muss zuerst entblutet werden, um koscher zu sein. Angesichts des Todes liesse sich ein Moslim schon gar nichtherbei, trefo zu sich zu nehmen. Eine Stelle in einem Guslarenliede, die wegen ihrer Länge hier ausfällt, gibt Aufschluss. Die Krieger bestrichen sich die Hände und das Antlitz mit Blut, bevor sie auf Leben und Tod in den Kampf stürmten. Ihr Aussehen war dann wohl darnach, den Feind mit Furcht und Entsetzen zu erfüllen.V. 660. Vorangehen muss unbedingt der V. 661, doch der Guslar versteht nicht, wasšarka felećbedeutet. Der gleiche Vers in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885, Vers 1816). Čarch, pers. Kreis, Rad,felekHimmel, Himmelgewölbe. Ich befragte während meiner Reise wohl zehn Edelleute und türkische Schriftgelehrte, was č. f. bedeute; sie wussten es nicht. HauptmannCarl Gröber(weiland), der unter dem Titel ‘Mehmeds Brautfahrt’ (Wien 1890) eine Verdeutschung meines Werkchens veröffentlichte, übersetzte die Zeile (S. 106) kühnlich mit: ‘Mit den Händen brechen sie die Barrikaden’. Von solch einer übermenschlichen Kraftleistung kann hier gar keine Rede sein. — Die beiden Worte fehlen noch indemsüdslav. Wörterbuch. — Dass unterčarakdas Schloss an der Büchse zu verstehen ist, lehren Stellen beiVrčević(Nar. prip. i presude, S. 211 und 285):napinji ja njegovoj pušci čarak a on mojoj. Ne znam ni sam, kako mi se omače vuk z gornjega zuba te puška upali. In der Anm.erklärtVrčević:gornja strana ot čarka, gje je krem ot puške, koji stoji nat prašnikom te se napinje i spuštava. Er hat demnach einSteinschlossgewehr vor Augen, das ist aber in unserem Liede nicht gemeint. Näher bringt uns zur Auffindung der wahren Bedeutung eine Stelle in den bulgar. Liedern der Sammlung desKačanovskij(S. 502, Nr. 200, V. 210): go bie s mahmuz čarklija. K. erklärt č.: ‘kolka v šporah’. Also sind diekreisrundenSporen, mit denen der Reiter sein Ross in die Weichen sticht. Die Rundung weist auf eine Feder hin, also auf das Radschloss, das deutsche Schloss, eine Nürnberger Erfindung aus dem J. 1515 oder 1517. Gute Abbildungen sind allgemein zugänglich durchPierersundMeyersbekannte Konversationlexika (unter den Schlagworten). Die Zündung war beim Radschloss sicherer als bei den anderen Büchsen damaliger Zeit, aber das Schloss komplizierter, bei Verlust des Schlüssels war die Waffe unbrauchbar, und sie gewann daher nur Eingang bei der Kavallerie und für die 1545 erfundenen Pistolen, mit denen die Pikeniere des zweiten Gliedes in den gevierten Reihen des 16. Jahrh. bewaffnet wurden. Die türkische Reiterei war gewohnt nach Abfeuerung ihrer Büchsen die Säbel zu ergreifen und damit dem Feinde entgegenzustürmen. Im Handgemenge wären ihnen die schweren Büchsen hinderlich gewesen, darum warfen sie sie nach Abfeuerung des Schusses weg, doch nicht, ohne vorher die Feder des Radschlosses mit einem festen Handgriff zu zerbrechen und dadurch die Waffe unbrauchbar bis zur Wiederherstellung der Feder zu machen.V. 674. Unter den eintönigen Rufen Allah! Allah! rücken auch jetzt die Türken in den Kampf vor. Die übliche, stereotype Anfeuerung der Moslimen zum Sturm lautet:juriš braćo, moja družbo draga!Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!dženetu se otvoriše vrata.Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.Blago onom svakome junaku,Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,koj pogine danas na mejdanu!der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!Poljeteše nis polje hurije,Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,one lete jagmiti šehite!dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!V. 690. ‘Es blitzt, es giesst, und Blut wird vergossen’. ‘Es giesst’, was denn?! Es ist sinnlos, wenn auch die Zeile stereotyp geworden ist. Der Assonanz zu Liebe erlaubt sich der Guslar dergleichen. Korrekt muss die Zeile lauten: grmi, sjèva etc. ‘es donnert, es blitzt’, wie sie sich z. B. im Uzdarje S. 85, V. 211 erhalten hat.V. 754. Die Vila ist natürlich die Wahlschwester des grossen Helden Köprülü, die ihn sorgsam vor einem übereilten dummen Streiche warnen muss.V. 778. Zu povrvlji setzteKopernickiein Fragezeichen. Mit Unrecht. Ein einzelner Mann kann freilich nichtdahergewimmeltkommen, doch der Guslar sieht den Köprülüim Gewimmelvom Gefolge dahereilen. Er erblickt nur die Hauptperson im wimmelnden Gedränge, für ihn »wimmelt« also der eine daher.V. 849 ff. Dank- und Ersatzopfer für das glückliche Gelingen der Unternehmung und die Errettung der von den feindlichen Kugeln und Hieben verschont gebliebenen Helden. Wegen der Menge des verfügbaren Stoffes muss ich hier von einer Darlegung dermoslimischenOpfergebräuche zu Kriegzeiten Abstand nehmen.V. 868.Nuširvan; Chósroës Nuširvân (der Gerechte) der Grosse, persischer König aus dem Sassanidengeschlechte, regierte 531–579, führte Kriege gegen Byzanz seit 540 und dehnte in einem in Kolchis 549–561 geführten Kriege seine Herrschaft bis ans schwarze Meer aus. Sultan Ibrahimzeigte den Vezieren und Beglerbegen die erbeutete ungarische Krone als die Nuširvâns vor. Suleiman I. stellte sie gleichfalls so aus, übergab sie Peter Pereny und sandte sie an Zapolja ab. Nach der Meinung osmanischer Geschichtschreiber und Diplomaten vererbt sich diese Sassanidenkrone in der römischen Kaiserlinie. (Vrgl. Hammer VIII. 320). Selbst der Guslar weiss von dieser Mähr zu singen und zu sagen.V. 894. timarli berat, Verleihungdiplome für Reiter, f. Lehengüter. Die Pašen konnten Lehen weder vergeben noch einem eines entziehen. Dies behielt sich die Pforte vor. (Vrgl.Hammer, III. 476, XI. 29 undSalomonan mehreren Stellen).V. 909. inahfür inak (inako). Die moslimischen Slaven sprechen, wohl beeinflusst durch arabisch-türkische Spracheindringlinge, daskim Auslaute häufig wie ein tiefgutturaleschaus.Keine Druckfehlersind: V. 78 tachta, 85, 103, 357 preučiše, 86 suzam, 118 muchur, 132 kachriman, 231 Mitroviću, 249 isprid, 294 najboljeme, najgoreme, 312 prekuvaše, 379 okala, 380 ozgara, 404 ne žaliti, 464 si, 527, 530, 598, 630 muchlet; 590 kuhvetu, 664 meder.

Zu Vers 1–4.Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,den Burgwall von Berlin umtost die Spreeund brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.V. 5. Von denzweiPaschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. —Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (HammerII. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.V. 10.Vekiltürk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.V. 15.adaletarab. Gerechtigkeit.V. 33.Kraljevo= Gyula Fehérvàr (Julia Alba), späterKarlsburggenannt, daher der slavische Name. WarGábor BethlensHauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl.Krauss, Orlović der Burggraf vonRaab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrerRatlosigkeitdie Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber imZorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, derBrückner, serb.mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führendeHolzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von VezierKöprüumgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung derVerträgebedienen; und da alleVerträgedurch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlichzu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans warchassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurdenchassgenannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729:miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca.(Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der EhrentitelGhazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.V. 150. Den NamenOtokawürde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eineInsel, eine Insel heisst aber magyarischsziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte FestungSzigetvárherausgefunden, die damals türkisch war.V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV.  80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.V. 193 ff. turajli fermane. Weil SultanMurad(gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zuschreibenverstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundigerHerzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als dasTughraoder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘— Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1S. 485):Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat.(Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.299 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.V. 320–330. Anfang Dezembers 1885 ersuchte mich mein seither verstorbene Freund, unser grosse FachgenosseIsidor Kopernickiin Krakau um Zusendung einiger schöner Guslarenlieder zur Lektüre für die Weihnachttage. Mit herzlichem Vergnügen willfahrte ich dem Wunsche und stach 40 oder 50 der schönsten Stücke aus meiner Sammlung für ihn heraus. Nach sechs Wochen bekam ich wieder meine Manuskripte mit einem Brief zurück, den ich nicht veröffentlichen mag, weil er neben den Ausdrücken des Entzückens über die Lieder meine folkloristische Sammlertätigkeit ausserordentlich herausstreicht. Auf eigenen Listen merkte Kopernicki an, was ihm an Worten und Sachen unverständlich war und was ich ihm oder bei Herausgabe der Texte allen Lesern erklären soll. Zum Überfluss versah er die Lieder noch mit Randbemerkungen, die vorzugweise seiner Bewunderungüber die Schönheit einzelner Partien Ausdruck verleihen. So z. B. bemerkte er zu dieser Stelle: Arcydzielo! nigdzie podobnego obrazu wojennego nie spotkałem (Ein Meisterwerk! nirgends stiess ich noch auf ein ähnliches kriegerisches Bild). Bei unserem Halil Marić ist dies Bild ein Klischee, und es findet sich auch sonst, wenn auch minder voll bei anderen moslimischen Guslaren. Vielleicht steckt darin ein orientalischer Einschlag. Es ist darum nicht auffällig, dass eine ähnliche Schilderung auch in einem moslimisch malayischen Volkepos vorkommt. Das Beispiel beiR. Brandstetter, Charakterisierung der Epik der Malayen, Luzern 1891. S. 35:Baginda bertitah pada segala manteriDer König sprach zu den Grossen des Hofs:hendaq-lah berlańkap kira-nja diri»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —himpunkan rajah gadjah dan kudaElefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«bintań pun belom padam tjahaja-njaDer Sterne Glanz war noch nicht erloschen,goń peńaruh pula akan dipalu-njaDa wurden wieder geschlagen die Gong;bertalu-talu kunun bunji-njaSie erklangen laut im Wechselton,bańun-lah raja deńan suka-njaDie Mannen erhoben sich frohen Mutes.meńenakan ketopoń gilań-gemilańSie setzten sich auf die schimmernden Helme;shamshir terhunus sinar tjermelańSie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;meńirińkan baginda radja didjulańSo umritten sie ihren hohen Gebieter.tuńgul pandji-pandji berdjalan dehuluDie Fahnen flatterten an der Spitze,masiń-masiń deńan peńhuluEs trug sie die Hand der tapfern Führer,tumbah dan perisei bertimbalanLanzen und Schilde wurden geschwungen,rupa-nja saperti kota berdjalanEs war wie eine wandelnde Veste;hampir-lah suram tjahaja-nja bulanSie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;gegap gempita tijada terperiEs lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!berdjalan-lah lalu ka-luwar nageriSo zogen sie aus durch die Tore der Stadt.V. 354 f. Mitteleuropäische Truppen können den Weg von Sarajevo bis Temesvar mit Eilmärschen in 8 bis in 11 Tagen zurücklegen, und dazu noch zu Fuss. Das unsterblich gewordene Heldenheer der Griechen von Larissa und Pharsalus hätte in bewährten Rückzugmärschen wahrscheinlich nur vier Tage dazu benötigt. Die abendländischen Zeitungschreiber und Politiker wundern sich nicht wenig, dass die Türken die Verfolgung der flüchtenden Griechen nicht betrieben und ihre leichten Siege nicht ausnützten. Die Erklärung hierfür bietet der türkische Arméebrauch dar. Die Märsche der Türken sind und waren im allgemeinen nicht gross, ein Umstand, den die Stärke ihrer Heere, besonders aber der unendliche Tross und das endlose Gepäck genugsam erläutern. In grösserer Entfernung vom Feinde marschierten die Türken in mehreren Staffeln nach Bequemlichkeit, in der Nähe des Feindes aber gedrängt mit einer starken Avantgarde, über die hinaus noch die Tataren und Bošnjaken — im Kriege gegen die Griechen unserer Tage, die Albanesen — vorgingen. — Darum jammert FähnrichIbrohier über die 77 Tagereisen, oder, wie man bei uns sagt, über den Weg, der eine halbe Ewigkeit dauert.V. 368. Odobaša, Hauptmann. Vrgl. Hammer III. 394, V. 469, VII. 351, VIII. 67.V. 379.ćehraist die schimpfliche »Dalke« über den Schädel, dass dem Empfänger die Kopfbedeckung herabfliegt. Eine ordentliche ‘Watschen’ über die Wange heisst dem Türkensille;šamarist die Flasche übers ganze Gesicht,latmetundtokatdie gewöhnliche Ohrfeige. Eine Ohrfeige entehrt den Mann und er muss sie durch Tötung des Beschimpfers rächen.V. 376–415. Dazu bemerktKopernickiam Rande: Śliczna pieśú wojenna! Nieznana w calej literaturze ludowej serbskiej! — (Ein wunderbar schönes Krieglied! Unerhört in der gesamten serbischen Volkliteratur!) Bis einmal meine Sammlung von 300 Epen vorliegt, wird man sich überzeugen, dass ähnliche und noch schwungvollere Episoden bei den moslimischen Guslaren nur zu deren poetischem Kleingeld gehören. — Wer nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat, kann leicht singen, selbst in schlimmer Lage: cantabit vacuus coram latrone viator. Das Lied klingt wahrhaftig wundersam anheimelnd, wie in der Stille der Nacht aus Džungeln das Gebrüll beutewitternder Panther. Die Begeisterung für fremdes Eigentum (der Chrowotismus) ist mir unter allen Umständen ein Greuel.V. 397. Kazam mata kaurskoga posta! Da liegt einer der schnurrigsten Deutungfehler vor, die mir je untergekommen. Der Magyare pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein baszsam atta anzubringen, das dem französischen je foudre und dem serbischen jebem ti wörtlich entspricht. Der slavische Moslim, der gewohnt ist, ebenso schnell zu schwören, ‘dina mi i anama’ (beim Gesetz und Glauben!) oder ‘posta mi ramazana!’ (bei meinem Fasten Ramazân) missdeutete die magyarische lästerliche Redensart und hielt sie für das grosse Fasten der Ungläubigen, bei dessen Heiligkeit sie schwören.V. 499 f. Die Bošnjaken lagerten vor dem Heere als äusserster Posten als »verlorene Schar«.V. 512 f. Džanum gehört nicht dem Generalstabe an und sitzt darum nicht im Kriegrate.V. 611. Džanun kein Druckfehler. Der Guslar gebraucht rein willkürlich die verschiedenen Formen desselben Namens.V. 651 f. ‘Sie setzten sofort das blutige Reisfleisch an, sie assen zu Nacht blutiges Reisfleisch’.Kopernickifrägt an dieser Stelle: Co to? jakieś czary wojenne? (Was ist das? Was sind dies für kriegerische Zaubereien?) In der Fassung der Frage zeigt sich schon der kundige Volkforscher. Die Leute setzten gar kein blutiges Reisfleisch zu und noch weniger verstanden sie sich dazu, Blut zu essen. Das Fleisch der geschächteten Tiere muss zuerst entblutet werden, um koscher zu sein. Angesichts des Todes liesse sich ein Moslim schon gar nichtherbei, trefo zu sich zu nehmen. Eine Stelle in einem Guslarenliede, die wegen ihrer Länge hier ausfällt, gibt Aufschluss. Die Krieger bestrichen sich die Hände und das Antlitz mit Blut, bevor sie auf Leben und Tod in den Kampf stürmten. Ihr Aussehen war dann wohl darnach, den Feind mit Furcht und Entsetzen zu erfüllen.V. 660. Vorangehen muss unbedingt der V. 661, doch der Guslar versteht nicht, wasšarka felećbedeutet. Der gleiche Vers in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885, Vers 1816). Čarch, pers. Kreis, Rad,felekHimmel, Himmelgewölbe. Ich befragte während meiner Reise wohl zehn Edelleute und türkische Schriftgelehrte, was č. f. bedeute; sie wussten es nicht. HauptmannCarl Gröber(weiland), der unter dem Titel ‘Mehmeds Brautfahrt’ (Wien 1890) eine Verdeutschung meines Werkchens veröffentlichte, übersetzte die Zeile (S. 106) kühnlich mit: ‘Mit den Händen brechen sie die Barrikaden’. Von solch einer übermenschlichen Kraftleistung kann hier gar keine Rede sein. — Die beiden Worte fehlen noch indemsüdslav. Wörterbuch. — Dass unterčarakdas Schloss an der Büchse zu verstehen ist, lehren Stellen beiVrčević(Nar. prip. i presude, S. 211 und 285):napinji ja njegovoj pušci čarak a on mojoj. Ne znam ni sam, kako mi se omače vuk z gornjega zuba te puška upali. In der Anm.erklärtVrčević:gornja strana ot čarka, gje je krem ot puške, koji stoji nat prašnikom te se napinje i spuštava. Er hat demnach einSteinschlossgewehr vor Augen, das ist aber in unserem Liede nicht gemeint. Näher bringt uns zur Auffindung der wahren Bedeutung eine Stelle in den bulgar. Liedern der Sammlung desKačanovskij(S. 502, Nr. 200, V. 210): go bie s mahmuz čarklija. K. erklärt č.: ‘kolka v šporah’. Also sind diekreisrundenSporen, mit denen der Reiter sein Ross in die Weichen sticht. Die Rundung weist auf eine Feder hin, also auf das Radschloss, das deutsche Schloss, eine Nürnberger Erfindung aus dem J. 1515 oder 1517. Gute Abbildungen sind allgemein zugänglich durchPierersundMeyersbekannte Konversationlexika (unter den Schlagworten). Die Zündung war beim Radschloss sicherer als bei den anderen Büchsen damaliger Zeit, aber das Schloss komplizierter, bei Verlust des Schlüssels war die Waffe unbrauchbar, und sie gewann daher nur Eingang bei der Kavallerie und für die 1545 erfundenen Pistolen, mit denen die Pikeniere des zweiten Gliedes in den gevierten Reihen des 16. Jahrh. bewaffnet wurden. Die türkische Reiterei war gewohnt nach Abfeuerung ihrer Büchsen die Säbel zu ergreifen und damit dem Feinde entgegenzustürmen. Im Handgemenge wären ihnen die schweren Büchsen hinderlich gewesen, darum warfen sie sie nach Abfeuerung des Schusses weg, doch nicht, ohne vorher die Feder des Radschlosses mit einem festen Handgriff zu zerbrechen und dadurch die Waffe unbrauchbar bis zur Wiederherstellung der Feder zu machen.V. 674. Unter den eintönigen Rufen Allah! Allah! rücken auch jetzt die Türken in den Kampf vor. Die übliche, stereotype Anfeuerung der Moslimen zum Sturm lautet:juriš braćo, moja družbo draga!Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!dženetu se otvoriše vrata.Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.Blago onom svakome junaku,Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,koj pogine danas na mejdanu!der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!Poljeteše nis polje hurije,Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,one lete jagmiti šehite!dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!V. 690. ‘Es blitzt, es giesst, und Blut wird vergossen’. ‘Es giesst’, was denn?! Es ist sinnlos, wenn auch die Zeile stereotyp geworden ist. Der Assonanz zu Liebe erlaubt sich der Guslar dergleichen. Korrekt muss die Zeile lauten: grmi, sjèva etc. ‘es donnert, es blitzt’, wie sie sich z. B. im Uzdarje S. 85, V. 211 erhalten hat.V. 754. Die Vila ist natürlich die Wahlschwester des grossen Helden Köprülü, die ihn sorgsam vor einem übereilten dummen Streiche warnen muss.V. 778. Zu povrvlji setzteKopernickiein Fragezeichen. Mit Unrecht. Ein einzelner Mann kann freilich nichtdahergewimmeltkommen, doch der Guslar sieht den Köprülüim Gewimmelvom Gefolge dahereilen. Er erblickt nur die Hauptperson im wimmelnden Gedränge, für ihn »wimmelt« also der eine daher.V. 849 ff. Dank- und Ersatzopfer für das glückliche Gelingen der Unternehmung und die Errettung der von den feindlichen Kugeln und Hieben verschont gebliebenen Helden. Wegen der Menge des verfügbaren Stoffes muss ich hier von einer Darlegung dermoslimischenOpfergebräuche zu Kriegzeiten Abstand nehmen.V. 868.Nuširvan; Chósroës Nuširvân (der Gerechte) der Grosse, persischer König aus dem Sassanidengeschlechte, regierte 531–579, führte Kriege gegen Byzanz seit 540 und dehnte in einem in Kolchis 549–561 geführten Kriege seine Herrschaft bis ans schwarze Meer aus. Sultan Ibrahimzeigte den Vezieren und Beglerbegen die erbeutete ungarische Krone als die Nuširvâns vor. Suleiman I. stellte sie gleichfalls so aus, übergab sie Peter Pereny und sandte sie an Zapolja ab. Nach der Meinung osmanischer Geschichtschreiber und Diplomaten vererbt sich diese Sassanidenkrone in der römischen Kaiserlinie. (Vrgl. Hammer VIII. 320). Selbst der Guslar weiss von dieser Mähr zu singen und zu sagen.V. 894. timarli berat, Verleihungdiplome für Reiter, f. Lehengüter. Die Pašen konnten Lehen weder vergeben noch einem eines entziehen. Dies behielt sich die Pforte vor. (Vrgl.Hammer, III. 476, XI. 29 undSalomonan mehreren Stellen).V. 909. inahfür inak (inako). Die moslimischen Slaven sprechen, wohl beeinflusst durch arabisch-türkische Spracheindringlinge, daskim Auslaute häufig wie ein tiefgutturaleschaus.Keine Druckfehlersind: V. 78 tachta, 85, 103, 357 preučiše, 86 suzam, 118 muchur, 132 kachriman, 231 Mitroviću, 249 isprid, 294 najboljeme, najgoreme, 312 prekuvaše, 379 okala, 380 ozgara, 404 ne žaliti, 464 si, 527, 530, 598, 630 muchlet; 590 kuhvetu, 664 meder.

Zu Vers 1–4.Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,den Burgwall von Berlin umtost die Spreeund brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.V. 5. Von denzweiPaschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. —Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (HammerII. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.V. 10.Vekiltürk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.V. 15.adaletarab. Gerechtigkeit.V. 33.Kraljevo= Gyula Fehérvàr (Julia Alba), späterKarlsburggenannt, daher der slavische Name. WarGábor BethlensHauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl.Krauss, Orlović der Burggraf vonRaab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrerRatlosigkeitdie Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber imZorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, derBrückner, serb.mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führendeHolzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von VezierKöprüumgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung derVerträgebedienen; und da alleVerträgedurch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlichzu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans warchassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurdenchassgenannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729:miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca.(Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der EhrentitelGhazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.V. 150. Den NamenOtokawürde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eineInsel, eine Insel heisst aber magyarischsziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte FestungSzigetvárherausgefunden, die damals türkisch war.V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV.  80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.V. 193 ff. turajli fermane. Weil SultanMurad(gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zuschreibenverstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundigerHerzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als dasTughraoder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘— Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1S. 485):Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat.(Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.299 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.V. 320–330. Anfang Dezembers 1885 ersuchte mich mein seither verstorbene Freund, unser grosse FachgenosseIsidor Kopernickiin Krakau um Zusendung einiger schöner Guslarenlieder zur Lektüre für die Weihnachttage. Mit herzlichem Vergnügen willfahrte ich dem Wunsche und stach 40 oder 50 der schönsten Stücke aus meiner Sammlung für ihn heraus. Nach sechs Wochen bekam ich wieder meine Manuskripte mit einem Brief zurück, den ich nicht veröffentlichen mag, weil er neben den Ausdrücken des Entzückens über die Lieder meine folkloristische Sammlertätigkeit ausserordentlich herausstreicht. Auf eigenen Listen merkte Kopernicki an, was ihm an Worten und Sachen unverständlich war und was ich ihm oder bei Herausgabe der Texte allen Lesern erklären soll. Zum Überfluss versah er die Lieder noch mit Randbemerkungen, die vorzugweise seiner Bewunderungüber die Schönheit einzelner Partien Ausdruck verleihen. So z. B. bemerkte er zu dieser Stelle: Arcydzielo! nigdzie podobnego obrazu wojennego nie spotkałem (Ein Meisterwerk! nirgends stiess ich noch auf ein ähnliches kriegerisches Bild). Bei unserem Halil Marić ist dies Bild ein Klischee, und es findet sich auch sonst, wenn auch minder voll bei anderen moslimischen Guslaren. Vielleicht steckt darin ein orientalischer Einschlag. Es ist darum nicht auffällig, dass eine ähnliche Schilderung auch in einem moslimisch malayischen Volkepos vorkommt. Das Beispiel beiR. Brandstetter, Charakterisierung der Epik der Malayen, Luzern 1891. S. 35:Baginda bertitah pada segala manteriDer König sprach zu den Grossen des Hofs:hendaq-lah berlańkap kira-nja diri»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —himpunkan rajah gadjah dan kudaElefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«bintań pun belom padam tjahaja-njaDer Sterne Glanz war noch nicht erloschen,goń peńaruh pula akan dipalu-njaDa wurden wieder geschlagen die Gong;bertalu-talu kunun bunji-njaSie erklangen laut im Wechselton,bańun-lah raja deńan suka-njaDie Mannen erhoben sich frohen Mutes.meńenakan ketopoń gilań-gemilańSie setzten sich auf die schimmernden Helme;shamshir terhunus sinar tjermelańSie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;meńirińkan baginda radja didjulańSo umritten sie ihren hohen Gebieter.tuńgul pandji-pandji berdjalan dehuluDie Fahnen flatterten an der Spitze,masiń-masiń deńan peńhuluEs trug sie die Hand der tapfern Führer,tumbah dan perisei bertimbalanLanzen und Schilde wurden geschwungen,rupa-nja saperti kota berdjalanEs war wie eine wandelnde Veste;hampir-lah suram tjahaja-nja bulanSie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;gegap gempita tijada terperiEs lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!berdjalan-lah lalu ka-luwar nageriSo zogen sie aus durch die Tore der Stadt.V. 354 f. Mitteleuropäische Truppen können den Weg von Sarajevo bis Temesvar mit Eilmärschen in 8 bis in 11 Tagen zurücklegen, und dazu noch zu Fuss. Das unsterblich gewordene Heldenheer der Griechen von Larissa und Pharsalus hätte in bewährten Rückzugmärschen wahrscheinlich nur vier Tage dazu benötigt. Die abendländischen Zeitungschreiber und Politiker wundern sich nicht wenig, dass die Türken die Verfolgung der flüchtenden Griechen nicht betrieben und ihre leichten Siege nicht ausnützten. Die Erklärung hierfür bietet der türkische Arméebrauch dar. Die Märsche der Türken sind und waren im allgemeinen nicht gross, ein Umstand, den die Stärke ihrer Heere, besonders aber der unendliche Tross und das endlose Gepäck genugsam erläutern. In grösserer Entfernung vom Feinde marschierten die Türken in mehreren Staffeln nach Bequemlichkeit, in der Nähe des Feindes aber gedrängt mit einer starken Avantgarde, über die hinaus noch die Tataren und Bošnjaken — im Kriege gegen die Griechen unserer Tage, die Albanesen — vorgingen. — Darum jammert FähnrichIbrohier über die 77 Tagereisen, oder, wie man bei uns sagt, über den Weg, der eine halbe Ewigkeit dauert.V. 368. Odobaša, Hauptmann. Vrgl. Hammer III. 394, V. 469, VII. 351, VIII. 67.V. 379.ćehraist die schimpfliche »Dalke« über den Schädel, dass dem Empfänger die Kopfbedeckung herabfliegt. Eine ordentliche ‘Watschen’ über die Wange heisst dem Türkensille;šamarist die Flasche übers ganze Gesicht,latmetundtokatdie gewöhnliche Ohrfeige. Eine Ohrfeige entehrt den Mann und er muss sie durch Tötung des Beschimpfers rächen.V. 376–415. Dazu bemerktKopernickiam Rande: Śliczna pieśú wojenna! Nieznana w calej literaturze ludowej serbskiej! — (Ein wunderbar schönes Krieglied! Unerhört in der gesamten serbischen Volkliteratur!) Bis einmal meine Sammlung von 300 Epen vorliegt, wird man sich überzeugen, dass ähnliche und noch schwungvollere Episoden bei den moslimischen Guslaren nur zu deren poetischem Kleingeld gehören. — Wer nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat, kann leicht singen, selbst in schlimmer Lage: cantabit vacuus coram latrone viator. Das Lied klingt wahrhaftig wundersam anheimelnd, wie in der Stille der Nacht aus Džungeln das Gebrüll beutewitternder Panther. Die Begeisterung für fremdes Eigentum (der Chrowotismus) ist mir unter allen Umständen ein Greuel.V. 397. Kazam mata kaurskoga posta! Da liegt einer der schnurrigsten Deutungfehler vor, die mir je untergekommen. Der Magyare pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein baszsam atta anzubringen, das dem französischen je foudre und dem serbischen jebem ti wörtlich entspricht. Der slavische Moslim, der gewohnt ist, ebenso schnell zu schwören, ‘dina mi i anama’ (beim Gesetz und Glauben!) oder ‘posta mi ramazana!’ (bei meinem Fasten Ramazân) missdeutete die magyarische lästerliche Redensart und hielt sie für das grosse Fasten der Ungläubigen, bei dessen Heiligkeit sie schwören.V. 499 f. Die Bošnjaken lagerten vor dem Heere als äusserster Posten als »verlorene Schar«.V. 512 f. Džanum gehört nicht dem Generalstabe an und sitzt darum nicht im Kriegrate.V. 611. Džanun kein Druckfehler. Der Guslar gebraucht rein willkürlich die verschiedenen Formen desselben Namens.V. 651 f. ‘Sie setzten sofort das blutige Reisfleisch an, sie assen zu Nacht blutiges Reisfleisch’.Kopernickifrägt an dieser Stelle: Co to? jakieś czary wojenne? (Was ist das? Was sind dies für kriegerische Zaubereien?) In der Fassung der Frage zeigt sich schon der kundige Volkforscher. Die Leute setzten gar kein blutiges Reisfleisch zu und noch weniger verstanden sie sich dazu, Blut zu essen. Das Fleisch der geschächteten Tiere muss zuerst entblutet werden, um koscher zu sein. Angesichts des Todes liesse sich ein Moslim schon gar nichtherbei, trefo zu sich zu nehmen. Eine Stelle in einem Guslarenliede, die wegen ihrer Länge hier ausfällt, gibt Aufschluss. Die Krieger bestrichen sich die Hände und das Antlitz mit Blut, bevor sie auf Leben und Tod in den Kampf stürmten. Ihr Aussehen war dann wohl darnach, den Feind mit Furcht und Entsetzen zu erfüllen.V. 660. Vorangehen muss unbedingt der V. 661, doch der Guslar versteht nicht, wasšarka felećbedeutet. Der gleiche Vers in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885, Vers 1816). Čarch, pers. Kreis, Rad,felekHimmel, Himmelgewölbe. Ich befragte während meiner Reise wohl zehn Edelleute und türkische Schriftgelehrte, was č. f. bedeute; sie wussten es nicht. HauptmannCarl Gröber(weiland), der unter dem Titel ‘Mehmeds Brautfahrt’ (Wien 1890) eine Verdeutschung meines Werkchens veröffentlichte, übersetzte die Zeile (S. 106) kühnlich mit: ‘Mit den Händen brechen sie die Barrikaden’. Von solch einer übermenschlichen Kraftleistung kann hier gar keine Rede sein. — Die beiden Worte fehlen noch indemsüdslav. Wörterbuch. — Dass unterčarakdas Schloss an der Büchse zu verstehen ist, lehren Stellen beiVrčević(Nar. prip. i presude, S. 211 und 285):napinji ja njegovoj pušci čarak a on mojoj. Ne znam ni sam, kako mi se omače vuk z gornjega zuba te puška upali. In der Anm.erklärtVrčević:gornja strana ot čarka, gje je krem ot puške, koji stoji nat prašnikom te se napinje i spuštava. Er hat demnach einSteinschlossgewehr vor Augen, das ist aber in unserem Liede nicht gemeint. Näher bringt uns zur Auffindung der wahren Bedeutung eine Stelle in den bulgar. Liedern der Sammlung desKačanovskij(S. 502, Nr. 200, V. 210): go bie s mahmuz čarklija. K. erklärt č.: ‘kolka v šporah’. Also sind diekreisrundenSporen, mit denen der Reiter sein Ross in die Weichen sticht. Die Rundung weist auf eine Feder hin, also auf das Radschloss, das deutsche Schloss, eine Nürnberger Erfindung aus dem J. 1515 oder 1517. Gute Abbildungen sind allgemein zugänglich durchPierersundMeyersbekannte Konversationlexika (unter den Schlagworten). Die Zündung war beim Radschloss sicherer als bei den anderen Büchsen damaliger Zeit, aber das Schloss komplizierter, bei Verlust des Schlüssels war die Waffe unbrauchbar, und sie gewann daher nur Eingang bei der Kavallerie und für die 1545 erfundenen Pistolen, mit denen die Pikeniere des zweiten Gliedes in den gevierten Reihen des 16. Jahrh. bewaffnet wurden. Die türkische Reiterei war gewohnt nach Abfeuerung ihrer Büchsen die Säbel zu ergreifen und damit dem Feinde entgegenzustürmen. Im Handgemenge wären ihnen die schweren Büchsen hinderlich gewesen, darum warfen sie sie nach Abfeuerung des Schusses weg, doch nicht, ohne vorher die Feder des Radschlosses mit einem festen Handgriff zu zerbrechen und dadurch die Waffe unbrauchbar bis zur Wiederherstellung der Feder zu machen.V. 674. Unter den eintönigen Rufen Allah! Allah! rücken auch jetzt die Türken in den Kampf vor. Die übliche, stereotype Anfeuerung der Moslimen zum Sturm lautet:juriš braćo, moja družbo draga!Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!dženetu se otvoriše vrata.Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.Blago onom svakome junaku,Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,koj pogine danas na mejdanu!der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!Poljeteše nis polje hurije,Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,one lete jagmiti šehite!dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!V. 690. ‘Es blitzt, es giesst, und Blut wird vergossen’. ‘Es giesst’, was denn?! Es ist sinnlos, wenn auch die Zeile stereotyp geworden ist. Der Assonanz zu Liebe erlaubt sich der Guslar dergleichen. Korrekt muss die Zeile lauten: grmi, sjèva etc. ‘es donnert, es blitzt’, wie sie sich z. B. im Uzdarje S. 85, V. 211 erhalten hat.V. 754. Die Vila ist natürlich die Wahlschwester des grossen Helden Köprülü, die ihn sorgsam vor einem übereilten dummen Streiche warnen muss.V. 778. Zu povrvlji setzteKopernickiein Fragezeichen. Mit Unrecht. Ein einzelner Mann kann freilich nichtdahergewimmeltkommen, doch der Guslar sieht den Köprülüim Gewimmelvom Gefolge dahereilen. Er erblickt nur die Hauptperson im wimmelnden Gedränge, für ihn »wimmelt« also der eine daher.V. 849 ff. Dank- und Ersatzopfer für das glückliche Gelingen der Unternehmung und die Errettung der von den feindlichen Kugeln und Hieben verschont gebliebenen Helden. Wegen der Menge des verfügbaren Stoffes muss ich hier von einer Darlegung dermoslimischenOpfergebräuche zu Kriegzeiten Abstand nehmen.V. 868.Nuširvan; Chósroës Nuširvân (der Gerechte) der Grosse, persischer König aus dem Sassanidengeschlechte, regierte 531–579, führte Kriege gegen Byzanz seit 540 und dehnte in einem in Kolchis 549–561 geführten Kriege seine Herrschaft bis ans schwarze Meer aus. Sultan Ibrahimzeigte den Vezieren und Beglerbegen die erbeutete ungarische Krone als die Nuširvâns vor. Suleiman I. stellte sie gleichfalls so aus, übergab sie Peter Pereny und sandte sie an Zapolja ab. Nach der Meinung osmanischer Geschichtschreiber und Diplomaten vererbt sich diese Sassanidenkrone in der römischen Kaiserlinie. (Vrgl. Hammer VIII. 320). Selbst der Guslar weiss von dieser Mähr zu singen und zu sagen.V. 894. timarli berat, Verleihungdiplome für Reiter, f. Lehengüter. Die Pašen konnten Lehen weder vergeben noch einem eines entziehen. Dies behielt sich die Pforte vor. (Vrgl.Hammer, III. 476, XI. 29 undSalomonan mehreren Stellen).V. 909. inahfür inak (inako). Die moslimischen Slaven sprechen, wohl beeinflusst durch arabisch-türkische Spracheindringlinge, daskim Auslaute häufig wie ein tiefgutturaleschaus.Keine Druckfehlersind: V. 78 tachta, 85, 103, 357 preučiše, 86 suzam, 118 muchur, 132 kachriman, 231 Mitroviću, 249 isprid, 294 najboljeme, najgoreme, 312 prekuvaše, 379 okala, 380 ozgara, 404 ne žaliti, 464 si, 527, 530, 598, 630 muchlet; 590 kuhvetu, 664 meder.

Zu Vers 1–4.

Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,den Burgwall von Berlin umtost die Spreeund brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!

Die Stadt Paris der Isarstrom umrauscht,

den Burgwall von Berlin umtost die Spree

und brandend bricht an Strassburg sich die Elbe.

Hier war entbrannt der siebenjährige Krieg!

Mit solcher umständlichen Genauigkeit und Zuverlässigkeit bestimmt auch unser Guslar die geographische Lage des Schauplatzes der kriegerischen Handlungen, denen sein Lied gewidmet ist. Dass seine Angaben (V. 1 u. 3) vollständig unrichtig und die Skizze ganz wertlos ist, merkt weder er, noch fällt es seinen Zuhörern auf. Zwei Jahrhunderte lang hatten herzögische Moslimen bei Wardein und Temesvar nichts mehr zu suchen und zu holen, so dass die Erinnerung an die wirkliche Lage der Orte verblasste und sich bloss noch leere Namen im Gedächtnis der Sänger durch die Überlieferung behaupteten. Der erste Dichter und Guslar des Liedes dürfte wohl eine richtigere topographische Beschreibung geliefert haben.

V. 5. Von denzweiPaschen schweigt die türkischungarische Geschichte. Vielleicht hat man in diesen zwei Herren die Statthalter Sidi Ahmet von Bosnien und Fazlipascha von Albanien oder auch Ali Čengizade vom Herzogtum zu erkennen, die i. J. 1657, während Köprülü an den Dardanellen für den Seekrieg rüstete, unter den Mauern von Zara, Spalato und Cattaro Waffentaten verrichteten. In der Überlieferung verflüchtigen sich Personen zu Schattenbildern, die in Gruppen wirken. Man hatte sich gewöhnt, zwei Pašen gemeinsam operieren zu sehen und übertrug dann ein solches Verhältnis auch auf eine andere Situation, wo es unbegreiflich wäre. —Seid, ein Verwandter oder Abkömmling des Propheten, eine Würde des Gesetzes (HammerII. 423, IV. 179), hier bloss ein Name, wie jeder andere.

V. 10.Vekiltürk. Verwalter, Vorsteher, Stellvertreter.

V. 15.adaletarab. Gerechtigkeit.

V. 33.Kraljevo= Gyula Fehérvàr (Julia Alba), späterKarlsburggenannt, daher der slavische Name. WarGábor BethlensHauptstadt, die er mit grossartigen, fürstlichen Palästen schmückte. — Der Brief droht die Vernichtung des gesamten östlichen Teiles Ungarns an, worunter man nicht nur das eigentliche Siebenbürgen, den Teil jenseits des Königsteiges (eines Gebirgzuges zwischen Ungarn und Siebenbürgen) zu verstehen hat. Schon im XVI. Jahrh. gehörte das diesseits des Königsteiges liegende Grosswardein samt dem Biharer Komitat dazu.

V. 35. Die sieben Könige (muluki tavaif, Könige der Völker) spuken auch sonst in der türkischen Geschichtschreibung herum und sind auch in die südslavische Überlieferung eingedrungen. Vrgl.Krauss, Orlović der Burggraf vonRaab, Freiburg i. Br. 1889, S. 92 f. — Der Kaimakam von Konstantinopel schreibt i. J. 1667 mit Hinblick auf das zwischen Russland und Polen geschlossene Bündnis: »Wisst, dass an euerer Einigkeit nichts gelegen ist. Die sieben und die neun Könige, die wider die Pforte zu Felde gezogen, haben ihr mit Gottes und des Propheten Gnade kein Haar entreissen können« etc.

V. 38. do majdana zlatna. Welche Goldgrube gemeint ist, kann man nicht bestimmen. Wohl meint der Guslar: ‘bis an den äussersten Rand der Karpathen, wo Gold geschürft wird.’ Ein Abbau findet noch heutigentags statt, nur lohnt er wenig.

V. 51. Mišvar f. Temesvar, eine Volketymologie, als ob die Stadt ‘Mäusestadt’ hiesse.

V. 54. Katal učiniti ‘Mord machen’ (Katl türk. Mord), erklärte mir Halil mit posjeći = niedersäbeln.

V. 50–72. Solche Drohungen waren tatsächlich in diplomatischen Aktenstücken jener Zeit hüben und drüben üblich.

V. 59. Deribeg, Pfortenobrist. Das Tor war bei den Türken nicht nur das Bild der Regierung im allgemeinen (als hohe Pforte), sondern auch im besonderen für die Kriegmacht, deren einzelne Waffengattungen man Tore nannte. Aus zweimal sieben solchen Toren bestand die Heermacht. — Der Harem heisst das Haus oder das Tor der Glückseligkeit (dari oder deri zeadet), während die Pforte der Regierung die hohe Pforte des Reiches oder des Glückes (babi devlet) genannt wird.

V. 71. Šam, Damaskus. Im J. 633 eroberte Kalif Omer die Stadt, durch welche seit damals bis auf die Gegenwart alle Pilgerkarawanen europäischer Moslimen nach Mekka ziehen. Medina ist des Sultans als Prophetensprösslings Urheimat. Der Guslar unterstellt unbewusst Rákóczy die Aspirationen »römischer Kaiser deutscher Nation« auf die Rechtnachfolge byzantinischer Kaiser, indem er ihn behaupten lässt, dass Konstantin »unser Kaiser« gewesen sei.

V. 85. Sie stemmen zum Zeichen ihrerRatlosigkeitdie Arme oder besser die Hände in die Hüften, wie bei uns Naschmarktweiber imZorne, wenn sie einander »die Wahrheit« sagen.

V. 99. Ćuprilić, türk. Köprülü, derBrückner, serb.mostar. Gemeint ist Mohammed K. — Er war Enkel eines nach Kleinasien ausgewanderten Albanesen, und hatte seinen Zunamen von seinem Geburtorte der Stadt Köprü (Brücke), die sechs Stunden von Mersifun, zwölf von Amasia, an dem Gebirge Tašan zwischen zwei Flüsschen liegt, die sich in den Halys ergiessen. Die über eines der Flüsschen führendeHolzbrücke (Steinbrücken, besonders gewölbte, sind Londžen) hat den alten Namen der Stadt Karakede (Schwarzgaden) erst in den der ‘Brücke’ und seit der Blüte der Veziere Köprülü, in den von VezierKöprüumgewandelt, zum Unterschiede von einem auf derselben Strasse gelegenen Flecken Tašköprü (Steinbrücke), Vrgl. Hammer, V. 465.

V. 108–121. Die Schilderung entspricht so ziemlich der wirklich bestandenen Machtstellung des Sigelbewahrers im osmanischen Reiche. Der Kanun des Sigels (nach der Kanun-name Sultan Mohammed II. gest. 2. V. 1481) überträgt dem Grossvezier dessen Obhut, als das Symbol der höchsten Vollmacht. In der Überreichung des Sigels liegt auch die Verleihung der höchsten Würde des Reiches. Der Grossvezier darf sich (abgesehen von der Versiglung der Schatzkammer, die nur in Gegenwart der Defterdare geöffnet werden kann) dieses Sigels nur zur Besiglung derVerträgebedienen; und da alleVerträgedurch die Hand des Grossveziers gehen müssen und niemand als er das Recht hat, an den Sultan schriftlichzu berichten, so sieht der Sultan kein anderes Sigel als sein eigenes oder etwa das der fremden Monarchen, wenn deren Gesandte ihre Beglaubigungschreiben in feierlicher Audienz überreichen.

V. 129. türk. kahr etmek, Gewalttätigkeit verüben, vergewaltigen.

V. 140. Der Name der Schatzkammer des Sultans warchassineh, und solche Besitzungen, deren Einkünfte in diese flossen, wurdenchassgenannt. Ausführlich über die Staatseinkünfte speziell in Ungarn, vrgl. Salomon, S. 211 ff. Im V. 213 begründet der Vezier die Notwendigkeit der Geldsendungen. So war es jedesmal üblich bei Aushebungen angesichts eines Krieges. So z. B. bemerkt der Franziskaner Nikolaus von der Lašva in seiner Chronik zum J. 1729:miseca veljače dojde u Travnik tri konja zlatnih jasprih, da se pišu sejmeni. I otvoriše se bajraci na početku lačka i svakome sejmenu dadoše plaće po dvadeset i dva groša i to brez zahire za tri miseca.(Im Monate Februar langten in Travnik drei Pferdelasten mit goldenen Jaspren an, damit man Söldner [segban, t. Wächter] anwerbe. Und man pflanzte [Werbe-]Fahnen am Eingang des Lašvagefildes auf und sie gaben jedem Söldner zu 22 Groschen Bezahlung, und zwar ohne Proviant für drei Monate [im voraus sclc.]).

V. 148. Der Sultan erhielt, nachdem Edhem Paša den Melunapass genommen, den Titel Ghazi, der Sieger, Kämpfer im heiligen Glauben. Um diese Ehrennamen bemühte sich noch jeder Sultan und Feldherr. Als i. J. 1758 der Araberscheich Hesa beschworen, in Zukunft die Karawanen nach Empfang der gewöhnlichen Geschenke ungehindert und ungeplündert ziehen zu lassen, war darüber die Freude zu Mekka so gross, dass die vier Muftis der vier rechtgläubigen Kirchendienste vier Fetvas erliessen, vermög deren künftig im Kanzelgebete des Freitags dem Namen des Sultans der EhrentitelGhazi, Sieger im heiligen Kampfe, beigefügt werden soll. Die Guslaren in Bosnien und dem Herzogtum waren mit der Verleihung dieses Titels an ihre Helden noch freigebiger. Jeder ergraute, langbärtige Massenmörder erhielt ihn.

V. 150. Den NamenOtokawürde man vergeblich auf der ungarischen Landkarte des Banates und der Bačka suchen. Ein Ort war es gewiss und dazu ein wohlbefestigter, denke ich, und eine Erdichtung ist gar nicht anzunehmen. Das slav. Wort bedeutet eineInsel, eine Insel heisst aber magyarischsziget. Somit hätten wir die durch Zriny weltbekannte FestungSzigetvárherausgefunden, die damals türkisch war.

V. 164. Misir, hebr. Mizraim, Egypter. Stojni (lat. capitalis) zur Hauptstadt gehörig, ist ein Beinamen, der auf die geographische Unwissenheit des Guslaren zurückgeht. Er hält nämlich Mizraim für eine Hauptstadt. Vgl. V. 167. Um eine lächerliche Wirkung zu vermeiden, ging ich in der Verdeutschung auf den Fehler des Guslaren nicht ein.

V. 171. Buluk, Rotte der Janičaren, Hammer II. 428. Bulukbaši Rottenmeister. Hammer VII. 351. Oberst. IV.  80. Rottenmeister VII. 274, VIII. 67. — Wie bei uns für den Gefreiten der Korporal oder gar der Wachtmeister und vollends der Leutnant, so ist für den Guslaren schon der Rottenhauptmann, wie man zu sagen pflegt, ein grosses Tier. Die Ordre des Grossveziers ging jedenfalls an den Vali (Gouverneur) von Bosnien ab.

V. 193 ff. turajli fermane. Weil SultanMurad(gest. 1389) des Schreibens unkundig war und seinen Namen nicht zuschreibenverstand, tauchte er die Hand in die Tinte und drückte sie in der Höhe der Urkunde statt Unterschrift und Sigel ab (Hammer I.2S. 152). Ich meine, er wird es bei dem Daumenabdruck haben bewenden lassen, wie dies noch heutigen Tages bei Rechtverträgen schreibunkundigerHerzogländer und Montenegrer und überhaupt auch noch in Asien gebräuchlich ist. Hammer sagt aber weiter: ‘Dieser Abdruck des Handballens und der fünf Finger, deren mittlere drei gerade nebeneinander lagen, der kleine Finger aber und der Daumen weit auseinander gesperrt waren, wurde für kommende Zeiten und bis auf heutigen Tag als dasTughraoder des Sultans Unterschrift geheiligt, in welche Schreiber erst die Bedeutung verschlungener Buchstaben und des verzogenen Namens legten. Den rohen Abdruck der Hand, den der Umriss des Tughra noch heute nachahmt, bildeten sie in den Namen des Sultan-Chans und seines Vaters mit dem Beisatze: ‘Immer siegreich!’ aus, und der Schreiber, der diesen verschlungenen Zug den Fermanen und Diplomen im Namen des Sultans vorsetzte, bekleidete in der Folge als Nišandžibaši, d. i. als Staatsekretär für den Namenzug des Sultans, eine der ersten Würden des Staates.‘— Unser Guslar hält jedoch an dem Survival fest, dass der Sultan sein eigenes Handzeichen auf jeden Militärbefehl aufdrücke.

V. 195. evlećet, türk. evlek die Erdfurche; Das Reichgebiet. — V. 214 und 479. züdžürt, t., arm.

V. 204 f. und 277 ff. Der Vezier ordnet eine allgemeine Aushebung, selbstverständlich nur unter Moslimen an. Die Warnung betreffs des einzigen war nicht überflüssig. Sie kehrt immer wieder in gleichen Fällen. Ein bulgar. Lied erzählt von den üblichen Grausamkeiten und Härten der Aushebung (Miladinov, Blgrk. nar. p. Nr. 572, I.1S. 485):Nasilili sje turci janičari | oni si šetat jeničarstvo pišat | kôde dvaica edinot go pišat | kôde je jeden sam negô pišat | kôde sè troica dvaicata gi pišat | edinot ostavat kôšta da si gledat.(Die türkischen Janičaren heben Janičarenmannschaft aus: von zwei Brüdern, nehmen sie einen, wo einer da ist, nehmen sie den einen; wo ihrer drei sind, schreiben sie davon zwei auf, den dritten aber lassen sie, damit er das Haus betreue).

V. 223. lala t. Erzieher, Hofmeister, Hofdiener, Minister (bei Hofe).

V. 287 f. Hiseta, Hissa t. Lehenanteil (vrgl. Hammer III. 477. V. 687). Unter dem Herniedersteigen zu den Hiseta hat man demnach zu verstehen, dass sich die Truppen nach den Lehenanteilen gegliedert und gelagert hatten; »nebst der besoldeten Reiterei der Spahis und der Janičaren gab es im osmanischen Heere eine belehnte Truppe zu Pferd, die der belehnten zu Fuss entsprach. Man nannte sie Mosselliman, d. i. die (von Auflagen) befreiten und sie waren von Offizieren befehligt, die Subaši (wenn über 100), Binbaši (wenn über 1000 gesetzt) und Sandžakbegen, d. i. Fahnenfürsten hiessen. Dieselbe Stufenordnung des Kriegdienstes blieb bei der in der Folge weit mehr ausgebildeten Reiterei der Besitzer der kleinen und grossen Lehen timare und ziamet« (Hammer I.299 f.). Darnach ergab sich die Anordnung des Heeres, das natürlich auf der Ebene lagerte vor der Schlucht, in die Sarajevo hineingebaut ist.

V. 320–330. Anfang Dezembers 1885 ersuchte mich mein seither verstorbene Freund, unser grosse FachgenosseIsidor Kopernickiin Krakau um Zusendung einiger schöner Guslarenlieder zur Lektüre für die Weihnachttage. Mit herzlichem Vergnügen willfahrte ich dem Wunsche und stach 40 oder 50 der schönsten Stücke aus meiner Sammlung für ihn heraus. Nach sechs Wochen bekam ich wieder meine Manuskripte mit einem Brief zurück, den ich nicht veröffentlichen mag, weil er neben den Ausdrücken des Entzückens über die Lieder meine folkloristische Sammlertätigkeit ausserordentlich herausstreicht. Auf eigenen Listen merkte Kopernicki an, was ihm an Worten und Sachen unverständlich war und was ich ihm oder bei Herausgabe der Texte allen Lesern erklären soll. Zum Überfluss versah er die Lieder noch mit Randbemerkungen, die vorzugweise seiner Bewunderungüber die Schönheit einzelner Partien Ausdruck verleihen. So z. B. bemerkte er zu dieser Stelle: Arcydzielo! nigdzie podobnego obrazu wojennego nie spotkałem (Ein Meisterwerk! nirgends stiess ich noch auf ein ähnliches kriegerisches Bild). Bei unserem Halil Marić ist dies Bild ein Klischee, und es findet sich auch sonst, wenn auch minder voll bei anderen moslimischen Guslaren. Vielleicht steckt darin ein orientalischer Einschlag. Es ist darum nicht auffällig, dass eine ähnliche Schilderung auch in einem moslimisch malayischen Volkepos vorkommt. Das Beispiel beiR. Brandstetter, Charakterisierung der Epik der Malayen, Luzern 1891. S. 35:

Baginda bertitah pada segala manteriDer König sprach zu den Grossen des Hofs:hendaq-lah berlańkap kira-nja diri»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —himpunkan rajah gadjah dan kudaElefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«bintań pun belom padam tjahaja-njaDer Sterne Glanz war noch nicht erloschen,goń peńaruh pula akan dipalu-njaDa wurden wieder geschlagen die Gong;bertalu-talu kunun bunji-njaSie erklangen laut im Wechselton,bańun-lah raja deńan suka-njaDie Mannen erhoben sich frohen Mutes.meńenakan ketopoń gilań-gemilańSie setzten sich auf die schimmernden Helme;shamshir terhunus sinar tjermelańSie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;meńirińkan baginda radja didjulańSo umritten sie ihren hohen Gebieter.tuńgul pandji-pandji berdjalan dehuluDie Fahnen flatterten an der Spitze,masiń-masiń deńan peńhuluEs trug sie die Hand der tapfern Führer,tumbah dan perisei bertimbalanLanzen und Schilde wurden geschwungen,rupa-nja saperti kota berdjalanEs war wie eine wandelnde Veste;hampir-lah suram tjahaja-nja bulanSie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;gegap gempita tijada terperiEs lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!berdjalan-lah lalu ka-luwar nageriSo zogen sie aus durch die Tore der Stadt.

Baginda bertitah pada segala manteri

Der König sprach zu den Grossen des Hofs:

hendaq-lah berlańkap kira-nja diri

»Es sei alles bereit, vergesst mir nichts —

himpunkan rajah gadjah dan kuda

Elefanten und Rosse, die tapfern Mannen!«

bintań pun belom padam tjahaja-nja

Der Sterne Glanz war noch nicht erloschen,

goń peńaruh pula akan dipalu-nja

Da wurden wieder geschlagen die Gong;

bertalu-talu kunun bunji-nja

Sie erklangen laut im Wechselton,

bańun-lah raja deńan suka-nja

Die Mannen erhoben sich frohen Mutes.

meńenakan ketopoń gilań-gemilań

Sie setzten sich auf die schimmernden Helme;

shamshir terhunus sinar tjermelań

Sie hielten entblösst die blinkenden Schwerter;

meńirińkan baginda radja didjulań

So umritten sie ihren hohen Gebieter.

tuńgul pandji-pandji berdjalan dehulu

Die Fahnen flatterten an der Spitze,

masiń-masiń deńan peńhulu

Es trug sie die Hand der tapfern Führer,

tumbah dan perisei bertimbalan

Lanzen und Schilde wurden geschwungen,

rupa-nja saperti kota berdjalan

Es war wie eine wandelnde Veste;

hampir-lah suram tjahaja-nja bulan

Sie verdunkelten fast den Glanz des Mondes;

gegap gempita tijada terperi

Es lärmte, es toste, wer will’s beschreiben!

berdjalan-lah lalu ka-luwar nageri

So zogen sie aus durch die Tore der Stadt.

V. 354 f. Mitteleuropäische Truppen können den Weg von Sarajevo bis Temesvar mit Eilmärschen in 8 bis in 11 Tagen zurücklegen, und dazu noch zu Fuss. Das unsterblich gewordene Heldenheer der Griechen von Larissa und Pharsalus hätte in bewährten Rückzugmärschen wahrscheinlich nur vier Tage dazu benötigt. Die abendländischen Zeitungschreiber und Politiker wundern sich nicht wenig, dass die Türken die Verfolgung der flüchtenden Griechen nicht betrieben und ihre leichten Siege nicht ausnützten. Die Erklärung hierfür bietet der türkische Arméebrauch dar. Die Märsche der Türken sind und waren im allgemeinen nicht gross, ein Umstand, den die Stärke ihrer Heere, besonders aber der unendliche Tross und das endlose Gepäck genugsam erläutern. In grösserer Entfernung vom Feinde marschierten die Türken in mehreren Staffeln nach Bequemlichkeit, in der Nähe des Feindes aber gedrängt mit einer starken Avantgarde, über die hinaus noch die Tataren und Bošnjaken — im Kriege gegen die Griechen unserer Tage, die Albanesen — vorgingen. — Darum jammert FähnrichIbrohier über die 77 Tagereisen, oder, wie man bei uns sagt, über den Weg, der eine halbe Ewigkeit dauert.

V. 368. Odobaša, Hauptmann. Vrgl. Hammer III. 394, V. 469, VII. 351, VIII. 67.

V. 379.ćehraist die schimpfliche »Dalke« über den Schädel, dass dem Empfänger die Kopfbedeckung herabfliegt. Eine ordentliche ‘Watschen’ über die Wange heisst dem Türkensille;šamarist die Flasche übers ganze Gesicht,latmetundtokatdie gewöhnliche Ohrfeige. Eine Ohrfeige entehrt den Mann und er muss sie durch Tötung des Beschimpfers rächen.

V. 376–415. Dazu bemerktKopernickiam Rande: Śliczna pieśú wojenna! Nieznana w calej literaturze ludowej serbskiej! — (Ein wunderbar schönes Krieglied! Unerhört in der gesamten serbischen Volkliteratur!) Bis einmal meine Sammlung von 300 Epen vorliegt, wird man sich überzeugen, dass ähnliche und noch schwungvollere Episoden bei den moslimischen Guslaren nur zu deren poetischem Kleingeld gehören. — Wer nichts zu verlieren und alles zu gewinnen hat, kann leicht singen, selbst in schlimmer Lage: cantabit vacuus coram latrone viator. Das Lied klingt wahrhaftig wundersam anheimelnd, wie in der Stille der Nacht aus Džungeln das Gebrüll beutewitternder Panther. Die Begeisterung für fremdes Eigentum (der Chrowotismus) ist mir unter allen Umständen ein Greuel.

V. 397. Kazam mata kaurskoga posta! Da liegt einer der schnurrigsten Deutungfehler vor, die mir je untergekommen. Der Magyare pflegt bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein baszsam atta anzubringen, das dem französischen je foudre und dem serbischen jebem ti wörtlich entspricht. Der slavische Moslim, der gewohnt ist, ebenso schnell zu schwören, ‘dina mi i anama’ (beim Gesetz und Glauben!) oder ‘posta mi ramazana!’ (bei meinem Fasten Ramazân) missdeutete die magyarische lästerliche Redensart und hielt sie für das grosse Fasten der Ungläubigen, bei dessen Heiligkeit sie schwören.

V. 499 f. Die Bošnjaken lagerten vor dem Heere als äusserster Posten als »verlorene Schar«.

V. 512 f. Džanum gehört nicht dem Generalstabe an und sitzt darum nicht im Kriegrate.

V. 611. Džanun kein Druckfehler. Der Guslar gebraucht rein willkürlich die verschiedenen Formen desselben Namens.

V. 651 f. ‘Sie setzten sofort das blutige Reisfleisch an, sie assen zu Nacht blutiges Reisfleisch’.Kopernickifrägt an dieser Stelle: Co to? jakieś czary wojenne? (Was ist das? Was sind dies für kriegerische Zaubereien?) In der Fassung der Frage zeigt sich schon der kundige Volkforscher. Die Leute setzten gar kein blutiges Reisfleisch zu und noch weniger verstanden sie sich dazu, Blut zu essen. Das Fleisch der geschächteten Tiere muss zuerst entblutet werden, um koscher zu sein. Angesichts des Todes liesse sich ein Moslim schon gar nichtherbei, trefo zu sich zu nehmen. Eine Stelle in einem Guslarenliede, die wegen ihrer Länge hier ausfällt, gibt Aufschluss. Die Krieger bestrichen sich die Hände und das Antlitz mit Blut, bevor sie auf Leben und Tod in den Kampf stürmten. Ihr Aussehen war dann wohl darnach, den Feind mit Furcht und Entsetzen zu erfüllen.

V. 660. Vorangehen muss unbedingt der V. 661, doch der Guslar versteht nicht, wasšarka felećbedeutet. Der gleiche Vers in meinem Smailagić Meho (Ragusa 1885, Vers 1816). Čarch, pers. Kreis, Rad,felekHimmel, Himmelgewölbe. Ich befragte während meiner Reise wohl zehn Edelleute und türkische Schriftgelehrte, was č. f. bedeute; sie wussten es nicht. HauptmannCarl Gröber(weiland), der unter dem Titel ‘Mehmeds Brautfahrt’ (Wien 1890) eine Verdeutschung meines Werkchens veröffentlichte, übersetzte die Zeile (S. 106) kühnlich mit: ‘Mit den Händen brechen sie die Barrikaden’. Von solch einer übermenschlichen Kraftleistung kann hier gar keine Rede sein. — Die beiden Worte fehlen noch indemsüdslav. Wörterbuch. — Dass unterčarakdas Schloss an der Büchse zu verstehen ist, lehren Stellen beiVrčević(Nar. prip. i presude, S. 211 und 285):napinji ja njegovoj pušci čarak a on mojoj. Ne znam ni sam, kako mi se omače vuk z gornjega zuba te puška upali. In der Anm.erklärtVrčević:gornja strana ot čarka, gje je krem ot puške, koji stoji nat prašnikom te se napinje i spuštava. Er hat demnach einSteinschlossgewehr vor Augen, das ist aber in unserem Liede nicht gemeint. Näher bringt uns zur Auffindung der wahren Bedeutung eine Stelle in den bulgar. Liedern der Sammlung desKačanovskij(S. 502, Nr. 200, V. 210): go bie s mahmuz čarklija. K. erklärt č.: ‘kolka v šporah’. Also sind diekreisrundenSporen, mit denen der Reiter sein Ross in die Weichen sticht. Die Rundung weist auf eine Feder hin, also auf das Radschloss, das deutsche Schloss, eine Nürnberger Erfindung aus dem J. 1515 oder 1517. Gute Abbildungen sind allgemein zugänglich durchPierersundMeyersbekannte Konversationlexika (unter den Schlagworten). Die Zündung war beim Radschloss sicherer als bei den anderen Büchsen damaliger Zeit, aber das Schloss komplizierter, bei Verlust des Schlüssels war die Waffe unbrauchbar, und sie gewann daher nur Eingang bei der Kavallerie und für die 1545 erfundenen Pistolen, mit denen die Pikeniere des zweiten Gliedes in den gevierten Reihen des 16. Jahrh. bewaffnet wurden. Die türkische Reiterei war gewohnt nach Abfeuerung ihrer Büchsen die Säbel zu ergreifen und damit dem Feinde entgegenzustürmen. Im Handgemenge wären ihnen die schweren Büchsen hinderlich gewesen, darum warfen sie sie nach Abfeuerung des Schusses weg, doch nicht, ohne vorher die Feder des Radschlosses mit einem festen Handgriff zu zerbrechen und dadurch die Waffe unbrauchbar bis zur Wiederherstellung der Feder zu machen.

V. 674. Unter den eintönigen Rufen Allah! Allah! rücken auch jetzt die Türken in den Kampf vor. Die übliche, stereotype Anfeuerung der Moslimen zum Sturm lautet:

juriš braćo, moja družbo draga!Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!dženetu se otvoriše vrata.Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.Blago onom svakome junaku,Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,koj pogine danas na mejdanu!der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!Poljeteše nis polje hurije,Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,one lete jagmiti šehite!dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!

juriš braćo, moja družbo draga!

Auf! Brüder, stürmt, o meine teuere Rottschaft!

dženetu se otvoriše vrata.

Aufschliessen sich des Paradieses Pforten.

Blago onom svakome junaku,

Jewedem Helden Heil und Preis zu Teil,

koj pogine danas na mejdanu!

der heut sein Leben auf der Wahlstatt lässt!

Poljeteše nis polje hurije,

Dahin die Huris übers Schlachtfeld fliegen,

one lete jagmiti šehite!

dahin sie fliegen, Leichen aufzufangen!

V. 690. ‘Es blitzt, es giesst, und Blut wird vergossen’. ‘Es giesst’, was denn?! Es ist sinnlos, wenn auch die Zeile stereotyp geworden ist. Der Assonanz zu Liebe erlaubt sich der Guslar dergleichen. Korrekt muss die Zeile lauten: grmi, sjèva etc. ‘es donnert, es blitzt’, wie sie sich z. B. im Uzdarje S. 85, V. 211 erhalten hat.

V. 754. Die Vila ist natürlich die Wahlschwester des grossen Helden Köprülü, die ihn sorgsam vor einem übereilten dummen Streiche warnen muss.

V. 778. Zu povrvlji setzteKopernickiein Fragezeichen. Mit Unrecht. Ein einzelner Mann kann freilich nichtdahergewimmeltkommen, doch der Guslar sieht den Köprülüim Gewimmelvom Gefolge dahereilen. Er erblickt nur die Hauptperson im wimmelnden Gedränge, für ihn »wimmelt« also der eine daher.

V. 849 ff. Dank- und Ersatzopfer für das glückliche Gelingen der Unternehmung und die Errettung der von den feindlichen Kugeln und Hieben verschont gebliebenen Helden. Wegen der Menge des verfügbaren Stoffes muss ich hier von einer Darlegung dermoslimischenOpfergebräuche zu Kriegzeiten Abstand nehmen.

V. 868.Nuširvan; Chósroës Nuširvân (der Gerechte) der Grosse, persischer König aus dem Sassanidengeschlechte, regierte 531–579, führte Kriege gegen Byzanz seit 540 und dehnte in einem in Kolchis 549–561 geführten Kriege seine Herrschaft bis ans schwarze Meer aus. Sultan Ibrahimzeigte den Vezieren und Beglerbegen die erbeutete ungarische Krone als die Nuširvâns vor. Suleiman I. stellte sie gleichfalls so aus, übergab sie Peter Pereny und sandte sie an Zapolja ab. Nach der Meinung osmanischer Geschichtschreiber und Diplomaten vererbt sich diese Sassanidenkrone in der römischen Kaiserlinie. (Vrgl. Hammer VIII. 320). Selbst der Guslar weiss von dieser Mähr zu singen und zu sagen.

V. 894. timarli berat, Verleihungdiplome für Reiter, f. Lehengüter. Die Pašen konnten Lehen weder vergeben noch einem eines entziehen. Dies behielt sich die Pforte vor. (Vrgl.Hammer, III. 476, XI. 29 undSalomonan mehreren Stellen).

V. 909. inahfür inak (inako). Die moslimischen Slaven sprechen, wohl beeinflusst durch arabisch-türkische Spracheindringlinge, daskim Auslaute häufig wie ein tiefgutturaleschaus.

Keine Druckfehlersind: V. 78 tachta, 85, 103, 357 preučiše, 86 suzam, 118 muchur, 132 kachriman, 231 Mitroviću, 249 isprid, 294 najboljeme, najgoreme, 312 prekuvaše, 379 okala, 380 ozgara, 404 ne žaliti, 464 si, 527, 530, 598, 630 muchlet; 590 kuhvetu, 664 meder.


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