2. Ergänzung der Eigenschaftswörter.
(Im zweiten Falle.)
Judas war schon längstdes Geizesverdächtig. Er war nieder Armeneingedenk. Sein Herz zeigte sichalles Mitleidsquitt.
Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld seines Herrn unwürdig.
Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.
Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. EinerBelohnung ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.
Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.
(Dritter Fall.)
Strenge Zucht istmanchem Kindelästig. Schon ein leiser Tadel ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.
Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.
(Im vierten Fall.)
Hinter meinem Vaterhause stand eine Linde. Sie mochte wohlhundert Jahrealt sein. Sie stand auf einem Hügel. Derselbe war etwazehn Metererhaben. Der Stamm der Linde war zwei Meter dick. Sie war im Ganzen etwafünfzig Meter hoch. Der Umfang ihrer Aeste war dreißig Meter breit.
Später wurde diese Linde gefällt. Ihr Holz war an die dreißig Thaler werth. Der Kessel, in dem sie gestanden hatte, war drei Meter tief. Zudem war das Loch wenigstens fünf Meter breit.
Der Lindenstamm sollte nun zerschnitten werden. Aber die Säge langte nicht zu. Ihr Bügel stand zwanzig Centimeter zu niedrig. Das Sägenblatt war sechzig Centimeter zu kurz. Man mußte deshalb den Stamm wenden.
Es wurde eine andere Linde gepflanzt. Diese war freilich etwa neunundneunzig Jahre jünger.
(Ergänzung der Eigenschaftswörter durch ein Verhältnißwort.)
Im Hofe, erzählte ein Vater, lag ein fetter Knochen. Links von ihm kauerte eine Katze. Rechts davon saß Ammi. Beide warenauf den Knochenförmlich versessen. Der Magen einer Katze ist überhaupt stets gierigauf Fraß. Ihre Augen sind lüstern nach jedem Stückchen Fleische. Sie ist daher fortwährend zum Naschen bereit.
Nicht weniger war Ammi auf den Knochen erpicht. Auch Hundemagen sind ja auf Fleisch zuweilen sehr begierig.
Lange saßen die beiden Gegner einander gegenüber. Die Katze schien auf einen kühnen Sprung vorbereitet zu sein. Ebenso schien auch Ammi auf einen Gewaltstreich gefaßt. War er doch auch zum Apportiren wohl abgerichtet.
Man mußte auf den Ausgang gespannt sein. Da plötzlich krümmt die Katze den Rücken. Somit sind ihre Füße zum Sprunge eingerichtet. Ihr Auge sprüht förmlich Funken. Sie ist wie von einem bösen Geiste besessen. Ein gewaltiger Satz — und derKnochen ist in ihrer Gewalt. Im Nu sitzt sie damit auf dem Baume. Sie ist stolz auf ihre Beute.
Ammi scheint einen Augenblick vom Schreck ergriffen zu sein. Bald aber kommt er wieder zur Besinnung. Er ist ergrimmt über die Frechheit der Katze. Er ist entrüstet über die eigene Dummheit. Aber Alles zu spät. Ihm bleibt blos das Nachsehen.
(Wiederholung der Ergänzungen der Eigenschaftswörter.)
Die Straßenecken sind von neugierigem Publikum umstanden. Ein breiter Anschlagbogen ist mit großer Schrift bedruckt.
Ein Löwenbändiger will heute Abend eine Vorstellung geben. Solchen grassen Schauspielen ist das Volk sehr zugethan. Die Sucht nach Schauerlichem war stets der großen Menge eigen. Freilich ist dieser Zug des Menschen nicht recht würdig.
Die angezeigte Stunde schlug. Das Volk versammelte sich.
Der Löwenkäfig war drei Meter hoch. Zudem war er sechs Meter lang und vier Meter tief. Das Eisengitter schien mehrere Zentner schwer zu sein.
So war der Käfig für einen Löwen sehr bequem. Das majestätische Thier aber schien über die gaffende Menge etwas erregt zu sein. Ihr Tumult war ihm ärgerlich. Er schien des Beschauens förmlich müde zu werden.
Endlich erschien der Löwenbändiger. Er mußte wohl aller Furcht ledig sein. Gewiß war er sich seiner Uebermacht über das Thier bewußt. Er trug ein Lamm unter dem Arme.
Das Publikum war über sein Erscheinen erfreut. Es war ja auf die Vorstellung äußerst gespannt.
Der Löwe wurde ob des Lämmchens etwas unruhig. Seine Augen wurden nach dem Braten lüstern. Aber er blieb des Gehorsamseingedenk. Er war ja auf Selbstbeherrschung abgerichtet. Und er war ihrer auch vollkommen mächtig.
Das Lämmchen wird ob des Unholds keineswegs ängstlich. Es ist an den Anblick gewöhnt. Es scheint sich seiner Unantastbarkeit bewußt zu sein.
Der Löwe gehorcht aufs Wort. Er ist zu allen Sprüngen willig. Er ist zu jeder Unterwürfigkeit bereit. Nicht einer einzigen Widersetzlichkeit macht er sich schuldig. Der Stock würde ihm sonst auch gewiß sein. So ist er schließlich einer Belohnung sicher. Und ein Stück rohes Pferdefleisch ist seinem Magen sehr erwünscht.
Die Vorstellung lief ohne Unfall ab. Der kühne Löwenbändiger schien dem Händeklatschen der erstaunten Menge nicht feind zu sein. Ihr Beifall war ihm angenehm. Dankend trat er ab.
Hauptwiederholung.
(Erw. Subj. u. Präd. Ergänz. d. Zeit- u. Eigenschaftsw.)
Der älteste Sohn des braven Zutreibers des verschiedenen Schlachtviehes in der belebten Stadt R. war des schlauen Diebstahls einer goldenen Taschenuhr verdächtig.
Deshalb wurde dieser längstbekannte Freund des leichtsinnigen Umhertreibens des freien Verkehrs mit seinen liederlichen Genossen verlustig.
Die düstere Zelle des einsamen Gefängnißthurmes inmitten der alten Stadtmauer schien freilich dem großen Verehrer eines ungebundenen Lebens nicht angenehm zu sein.
Der kluge Vorsitzende des städtischen Gerichts war auf ein freches Ableugnen der gesetzwidrigen That von seiten des durchtriebenen Burschen vorbereitet.
Das gesammte Personal des löblichen Schöppengerichts warindeß von der nichtswürdigen Veruntreuung fremden Eigenthums durch jenen schlauen Jünger der gefährlichen Taschendiebe überzeugt.
Das kecke Ableugnen des schmählichen Vergehens mußte daher dem verstockten Uebertreter des siebenten Gebotes nur nachtheilig sein.
Die gesammte Bewohnerschaft der mittelgroßen Stadt war auf das endliche Strafurtheil der gewissenhaften Richter gespannt.
Die schließliche Bestrafung mit zehn langen Monaten schwerer Arbeit auf dem strengen Zuchthause der nahen Festung N. war für jenes räudige Mitglied der menschlichen Gesellschaft nicht zu hart.