ALBRECHT VON EYB.

ALBRECHT VON EYB.[Scherer D.251,E.245.]Aus Franken, wurde geboren 1420, studierte zu Pavia, erwarb dort den Doctorgrad, wurde Domherr zu Bamberg, Eichstädt und Würzburg, starb 1475. Er schrieb eine Art Anleitung zur Beredsamkeit ‘Margarita poetica’ (Nürnberg 1472); ein Ehebuch ‘Ob einem mann sey zu nemen ein eelich weib oder nit’ (Nürnberg 1472); die moralische Chrestomathie ‘Spiegel der Sitten’ erschien erst nach seinem Tode (Augsburg 1511) und enthält u. a. die Übersetzung von zwei Comödien des Plautus.PLAUTUSBACCHIDES.(Nach der Probe bei Cholevius, ‘Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen’ I, 286).Götz.Lentz, ich bin dir lang, heimlich nachgangen und hab gewartet, wo du hin willst, und als ich sehe, so möcht ein Karthäuser (Lycurgus) an den Enden verführt werden. Sag bald, wo willst du hin mit solchem Muth, mit diesem Kleid, mit solcher Hochfahrt{20}und mit solchem Umgeug (? pompa).Lentz.Dahin.Götz.Wie dahin? wer wohnet da?Lentz.Es wohnt da Liebe, Wollust, Venus, Freud, Schimpfscherzen, Spiel, süsse Red, Halsen und Kussen (Amor, Voluptas, Venus etc.)Götz.Was Heiligen sind das, was Gemeinschaft hast du mit solchen verfluchten Heiligen? (cum diis damnosissimis)Lentz.Das sein böse Menschen, die frommen Leuten übel reden, und du redest auch übel den Heiligen; wahrlich du thust nit recht.Götz.Ist auch ein Heilig, der da heisset Halsen und Kussen?Lentz.{10}Hast du das nie gewisst? O Götz, du bist fürwahr ein grob Mensch; ich wollt wähnen, du wärst weiser denn Salomon (Thales), so bist du der grösst Narr, der da lebt, und bist so alt und weisst noch nit, wie die Heiligen heissen.Götz.Wie dem Allem, mir gefällt nit das Kleid, das du anhast.Lentz.Man hat es nit gemacht, dass es dir gefallen soll, sondern es soll mir gefallen.Götz.Du spottest mein; ja und hättest du zehen Zungen, so sollt du doch stillschweigen deinem Schulmeister.Lentz.Sicher Götz, es ist nicht ein jegliches Alter gut zum Schimpf;{20}ich gedenk jetzund mehr, wie ich hab ein guten Koch, der das Mal zubereite.Götz.O Lentz, ich sehe wol, es ist alle Mühe und Arbeit an dir verloren, was ich dich je Gutes hab gelehrt.Lentz.Da hab ich (auch) mein Müh verloren, dir zuzuhören, so du dein Müh hast verloren, mich zu lehren; dein Lehrung ist weder dir noch mir zu nutz kommen.Götz.O du verfluchtes Mensch!Lentz.Schilt mich nit, Götz; schweig still und geh mit mir zu den Frauen.Götz.{10}Sieh ein Mann zu, du heisst mich Götz und nit Schulmeister?Lentz.Es ist nit ziemlich, so ich bei den Frauen bin und hals und kuss sie, dass du gegenwärtig seiest als ein Schulmeister, sonder als ein Götz und gut Gesell.Götz.Wird das dein Mahl sein, Halsen und Kussen?Lentz.Ich hoff es, aber es steht zu Gott.Götz.{20}Und wirst du bei dir haben deinen Buhlen?Lentz.Ja, so du es sehn wirst, wirst du es glauben.Götz.Wahrlich, es geschicht nit; ich lass es nit zugehn; ich will es deinem Vater offenbaren.Lentz.Thu das nit, Götz, willst du dich hüten vor Übel.Götz.Wie sagst du, hüten vor Übel?{20}Lentz.Ja, ich bin deiner Ruthen entwachsen (iam excessit mihi ætas ex magisterio tuo).Götz.O Höll (barathrum), wo bist du, das du mich nit verschlingest! ich hab länger gelebt, dann mir lieb ist....

ALBRECHT VON EYB.

[Scherer D.251,E.245.]

Aus Franken, wurde geboren 1420, studierte zu Pavia, erwarb dort den Doctorgrad, wurde Domherr zu Bamberg, Eichstädt und Würzburg, starb 1475. Er schrieb eine Art Anleitung zur Beredsamkeit ‘Margarita poetica’ (Nürnberg 1472); ein Ehebuch ‘Ob einem mann sey zu nemen ein eelich weib oder nit’ (Nürnberg 1472); die moralische Chrestomathie ‘Spiegel der Sitten’ erschien erst nach seinem Tode (Augsburg 1511) und enthält u. a. die Übersetzung von zwei Comödien des Plautus.

Aus Franken, wurde geboren 1420, studierte zu Pavia, erwarb dort den Doctorgrad, wurde Domherr zu Bamberg, Eichstädt und Würzburg, starb 1475. Er schrieb eine Art Anleitung zur Beredsamkeit ‘Margarita poetica’ (Nürnberg 1472); ein Ehebuch ‘Ob einem mann sey zu nemen ein eelich weib oder nit’ (Nürnberg 1472); die moralische Chrestomathie ‘Spiegel der Sitten’ erschien erst nach seinem Tode (Augsburg 1511) und enthält u. a. die Übersetzung von zwei Comödien des Plautus.

PLAUTUSBACCHIDES.

(Nach der Probe bei Cholevius, ‘Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen’ I, 286).

(Nach der Probe bei Cholevius, ‘Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen’ I, 286).

Götz.

Lentz, ich bin dir lang, heimlich nachgangen und hab gewartet, wo du hin willst, und als ich sehe, so möcht ein Karthäuser (Lycurgus) an den Enden verführt werden. Sag bald, wo willst du hin mit solchem Muth, mit diesem Kleid, mit solcher Hochfahrt{20}und mit solchem Umgeug (? pompa).

Lentz.

Dahin.

Götz.

Wie dahin? wer wohnet da?

Lentz.

Es wohnt da Liebe, Wollust, Venus, Freud, Schimpfscherzen, Spiel, süsse Red, Halsen und Kussen (Amor, Voluptas, Venus etc.)

Götz.

Was Heiligen sind das, was Gemeinschaft hast du mit solchen verfluchten Heiligen? (cum diis damnosissimis)

Lentz.

Das sein böse Menschen, die frommen Leuten übel reden, und du redest auch übel den Heiligen; wahrlich du thust nit recht.

Götz.

Ist auch ein Heilig, der da heisset Halsen und Kussen?

Lentz.

{10}Hast du das nie gewisst? O Götz, du bist fürwahr ein grob Mensch; ich wollt wähnen, du wärst weiser denn Salomon (Thales), so bist du der grösst Narr, der da lebt, und bist so alt und weisst noch nit, wie die Heiligen heissen.

Götz.

Wie dem Allem, mir gefällt nit das Kleid, das du anhast.

Lentz.

Man hat es nit gemacht, dass es dir gefallen soll, sondern es soll mir gefallen.

Götz.

Du spottest mein; ja und hättest du zehen Zungen, so sollt du doch stillschweigen deinem Schulmeister.

Lentz.

Sicher Götz, es ist nicht ein jegliches Alter gut zum Schimpf;{20}ich gedenk jetzund mehr, wie ich hab ein guten Koch, der das Mal zubereite.

Götz.

O Lentz, ich sehe wol, es ist alle Mühe und Arbeit an dir verloren, was ich dich je Gutes hab gelehrt.

Lentz.

Da hab ich (auch) mein Müh verloren, dir zuzuhören, so du dein Müh hast verloren, mich zu lehren; dein Lehrung ist weder dir noch mir zu nutz kommen.

Götz.

O du verfluchtes Mensch!

Lentz.

Schilt mich nit, Götz; schweig still und geh mit mir zu den Frauen.

Götz.

{10}Sieh ein Mann zu, du heisst mich Götz und nit Schulmeister?

Lentz.

Es ist nit ziemlich, so ich bei den Frauen bin und hals und kuss sie, dass du gegenwärtig seiest als ein Schulmeister, sonder als ein Götz und gut Gesell.

Götz.

Wird das dein Mahl sein, Halsen und Kussen?

Lentz.

Ich hoff es, aber es steht zu Gott.

Götz.

{20}Und wirst du bei dir haben deinen Buhlen?

Lentz.

Ja, so du es sehn wirst, wirst du es glauben.

Götz.

Wahrlich, es geschicht nit; ich lass es nit zugehn; ich will es deinem Vater offenbaren.

Lentz.

Thu das nit, Götz, willst du dich hüten vor Übel.

Götz.

Wie sagst du, hüten vor Übel?

{20}Lentz.

Ja, ich bin deiner Ruthen entwachsen (iam excessit mihi ætas ex magisterio tuo).

Götz.

O Höll (barathrum), wo bist du, das du mich nit verschlingest! ich hab länger gelebt, dann mir lieb ist....


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