BRUDER BERTHOLD VON REGENSBURG.[Scherer D.234,E.226.]In Regensburg geboren, Schüler des Bruders David, des Minoriten, Franziskaner zu Regensburg. Reiste viel in Deutschland umher und hielt Predigten vor dem Volke, die überall einen ungeheuren Zulauf fanden, von 1250 bis zu seinem Tode 1272. Herausgegeben von Pfeiffer und Strobl 2 Bde. (Wien 1862, 1880).‘Sælic sint die armen, wan daz himelrîche ist ir’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrîche komen, die dâ sint, unde mit den selben aht tugenden müezent noch alle die dar komen,die iemer mêr dar komen süln. Nû wil ich die siben under wegen lân, und wil niwan von ir einer sagen; wan alse vil guoter dinge an ir ieglîcher ist (unde von ir ieglîcher wære gar vil und gar lanc sunderlîchen ze sagenne) unde wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daz würde eht von ieglîcher gar lanc ze sagenne. Wande man ez allez in einer predigen niht verenden mac noch in vieren noch in zehenen, sô wil ich iu hiute niwan sagen von den die ein rein herze habent unde von den man hiute dâ liset in dem heiligen êwangeliô: ‘sælic sint die reines herzen sint: die werdent{10}got sehende.’ Die sint wol von rehte sælic, die dâ got sehent. Ein übergülde ist ez aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mêr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt: alse süeze und alse wünneclich ist diu gesiht, die man an gote siht. Sô wart nie deheiner muoter ir kint nie sô liep, ân unser frouwen, unde solte si ez drîe tage ane sehen ân underlâz, daz sie anders niht enpflæge, wan eht sie ir liebez kint solte an sehen: si æze an dem vierden tage vil gerner ein stücke brôtes. Unde wolte ich vil gerner daz ichals ein guot mensche wære, als daz wâr ist, daz ich iezuo reden wil. Ob daz alsô wære, daz man zuo einem menschen spræche, der iezuo bî gote ist: ‘dû hâst zehen kint ûf ertrîche, unde dû solt in koufen allen samt, daz sie êre unde guot haben unz an ir tôt, dâ mite, daz dû einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einz sîne hant möhte umbe kêren, unde sich danne wider ze gote, unde dû solt dîn ougen niemer mêr von im kêren’: der mensche entæte sîn niht. Alse wâr, herre, dîn wârheit ist, alse wâr ist disiu rede, daz er disiu zehen kint unze an ir tôt ê nâch dem almuosen lieze{10}gên, ê danne er sich die kleine wîle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzig hundert jâr an gesehen, unde sehent in hiute als gerne als des êrsten tages unde sie sint ouch alle samt sam des êrsten tages: sâ dô sie got an sehende wurden, dô wart ir deheiner sît nie eltlîcher danne des êrsten tages unde sint doch sider wol sehzig hundert jâr alt. Swelher hundert jâr alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheitunde von dem gebresten, den daz alter an in hæte gemachet. Sô man mâlet die engele, dâ seht ir wol, swâ man die engele mâlet, daz man sie eht anders niht enmâlet wan als ein kint von fünf jâren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle die got sehent, die werdent niemer eltlîcher, die in in himelrîche sehent in sînen freuden und in sînen êren. Ûf ertrîche sehen wir in alle tage in sînem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch lîp möhte daz niht erlîden, daz in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sînen freuden und in sînen êren, als er ze himelrîche ist. Wir sagen iu{10}etewenne ein glîchnüsse, wie schœne got sî. Seht, allez daz wir iemer gesagen künnen oder mügen, daz ist rehte dem glîche, als obe ein kint uns solte sagen, ob ez mügelich wære, die wîle ez in sîner muoter lîbe ist beslozzen, unde daz solte sagen von aller der wirde unde von aller der gezierde die diu werlt hât, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edeler gesteine kraft unde von ir maniger slahte varwe, von der edelen wurze kraft unde von der edelen gesmaeke unde von der rîchen gezierde, die man ûzer sîden und ûzer golde machet in dirre werlte,und von maniger hande süezen stimme, die diu werlt hât, von vögelîn sange unde von seiten spil, unde von maniger hande bluomen varwe unde von aller der gezierde, die disiu werlt hât. Alse unmügelîche und alse unkuntlîchen eime kinde dâ von ze sprechen wære, daz noch beslozzen ist in sîner muoter lîbe, daz nie niht gesach weder übel noch guot noch nie deheiner freuden enpfant: als unkunt dem kinde dâ von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dâ von ze redenne, von der unsägelîchen wünne, diu dâ ze himel ist unde von dem wünneclîchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu{10}diu freude diu dâ ze himel ist, der ist niht wan von dem schîne, der von unsers herren antlitze gêt. Unde rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsô habent alle heiligen ir gezierde und ir schônheit von gote, und engele und allez himelische her: reht als alle die sternen des himels, der mâne und die planêten, grôz unde kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dâ liuhtet. Und alsô hât allez himelischez her, engele unde heiligen, die hœhsten unde die minnesten, die habent alle samt ir freudeund ir wünne und ir gezierde unde die êre unde die wirde und ouch die schœnde, daz habent sie alle samt von der angesihte gotes, daz sie got an sehent. Die engele die dâ unser hüetent, die sehent in ze aller zît an, als ob sie bî im wæren; wan alliu diu freude diu in himelrîche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Unde dâ von: ‘sælic sint die reines herzen sint, wan sie werdent got sehende.’ Nu seht, ir liebe kristenheit, wie sælic die sint, die dâ reinez herze tragent! Ir junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltet iuwer herze vor allen tœtlîchen{10}sünden: sô werdet ir got sehende in solichen freuden und in sô grôzen êren, die ouge nie gesach oder ôre nie gehôrte, alse sant Paulus dâ sprichet unde alse sant Johannes sprichet: ‘wær ez mügelich, daz man ez allez samt geschrîben möhte, sô möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dâ ez an gestüende daz ich gesach, und allez daz ich gesach, daz was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrîche komen unde drumbe arbeiten. Ob uns niht diu liebe unde diu minne dar twünge der wirgote schuldic sîn, seht, sô möhten wir dar umbe dar komen durch daz wunder daz dâ ist. Ez ist maniger vor mir, der im von sô getâner freude seite, daz si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclîchen dar von hinnen über mer, niwan daz erz gesæhe. Sô möhtet ir hundertstunt gerner dar umbe arbeiten, daz irz iemer mêre êwiclîchen niezen soltet. Die vil wünneclîchen angesiht des almehtigen gotes unde der himelischen küniginne ze der zeswen sîner sîten in guldîner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sô wære iu alliu diu freude unde diu êre und aller{10}der wollust, den diu werlt ie gewan, daz wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dâ sprach. Nû hœret wie er sprach. Er sprach: ‘alliu diu êre unde diu freude unde daz gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern unde von künigen, wider der freude diu in himelrîche ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wile dâ mit wære, daz er einen erhangenen man triuten solte, wider aller der freude die diu werlt hât: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte widerder êwigen freude.’ Ei, wol iuch wart, daz iuch iuwer muoter ie getruoc, die sô getâne freude süln besitzen! Der ist, ob got wil, vil maniger vor mînen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ûf ertrîche, unde daz den guoten sante Paulen gar versmâhte, des wirt im der tûsentste teil niht. Unde die habent übele koufet, die sô übergrôze freude gebent umb ein sô kurzez freudelîn in dirre werlte: die habent übele gevarn, wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glîcher wîse, reht alse alle sternen des himels ir lieht von der sunnen habent, alsô hât{10}allez himelische her ir lieht von dem wâren sunnen, sît danne unser herre der wâre sunne unde daz wâre lieht ist, alse der guote sant Johannes dâ sprichet. Der heizet in daz wâre lieht; als ouch daz vil wâr ist, wan er ist daz wâre lieht, daz niemer mêr verlischet. Und alle die von sîme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mêre von der schônheit, die sie von dem wâren sunnen hânt. Und als vil diu sunne liehter unde gelpfer ist danne wir dâ sehen, rehte als vil diu liehtes unde glastes über allesternen hât die an dem himel stênt: als vil hât der wâre sunne in himelrîche schînes unde glastes mêr über alle engele, und ist geschœnet unde gewirdet an allen êren, alse billich ist. Unde dâ von sint sie sælic, die ein reinez herze habent, wan sie werdent got sehende.‘Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr’ u. s. w. Mit diesen (hier erwähnten) acht Tugenden sind alle die in das{20}Himmelreich gekommen, die darinnen sind. Und mit denselben acht Tugenden müssen noch alle dahin kommen, die jemals hineinkommen sollen. Nun will ich die sieben unterwegs lassen, und{20}will nur von ihrer einer reden, da an einer jeglichen von ihnen so viel des Guten ist (und von einer jeglichen von ihnen wäre gar viel und gar lang besonders zu reden), und wie manche Untugend uns in diesen acht Tugenden irre macht, das würde besonders von jeder gar lang zu sagen sein. Da man dies Alles in einer Predigt nicht zu Ende bringen kann, noch in vieren, noch in zehn, so will ich heute nur von denen reden, die ein reines Herz haben, und von denen man heute in dem heiligen Evangelio da liest: ‘Selig sind die reines Herzens sind, sie werden Gott sehen.’ Die sind wohl wahrhaft selig, die Gott sehen. Es überbietet alle Seligkeit, die je{30}ward oder jemals werden kann, wer Gottes ansichtig wird: so süss und so wonniglich ist der Anblick, den man an Gott hat. Keiner Mutter ward je ihr Kind so lieb (ich spreche nicht von Unserer Frauen), sollte sie es drei Tage ohne Unterlass ansehn, so dass sie nichts andres pflöge, denn dass sie nur ihr liebes Kind ansähe: doch ässe sie lieber am vierten Tage ein Stück Brot. Und nun möchte ich gern, dass ich ein so guter Mensch wäre, wie wahr das ist, was ich jetzt sagen will. Wenn das so sein möchte, dass man zu einem Menschen, der jetzt bei Gott ist, spräche: ‘Du hast{20}zehn Kinder auf Erden, und du sollst für sie alle das erwerben, dass sie damit Ehre und Gut bis an ihren Tod haben, so du einen einzigen Augenblick von Gott hinweg siehst, nur so lange als Jemand seine Hand umkehren möchte, und blicke dann wieder auf Gott, und sollst deine Augen nie wieder von ihm kehren’: der Mensch thäte es nicht. So wahr, o Herr, als deine Wahrheit ist, so wahr ist diese Rede, dass er diese zehn Kinder bis an ihren Tod lieber nach Almosen gehn liesse, als dass er sich die kurze Weile von Gott wenden wollte. Die Engel haben ihn wohl sechstausend Jahre angesehn, und sehen ihn heute so gern als am ersten Tag.{30}Und sie sind auch allesammt wie am ersten Tage, da sie Gottes ansichtig wurden. Keiner von ihnen ward seither älter als am ersten Tage, und sind doch seither wohl sechstausend Jahr alt. Wer von uns hundert Jahr alt würde, der wäre den Leuten so schmählich anzusehn, wegen seiner Hässlichkeit und wegen der Gebrechen, die das Alter an ihm gemacht hätte. Wenn man malet die Engel,{20}da seht ihr wohl, wo man sie auch malet, dass man sie nie anders malt als ein Kind von fünf Jahren, so jung, oder von sechs Jahren. Denn alle die Gott sehn, die werden nie älter, die ihn im Himmelreich sehen in seinen Freuden und seinen Ehren. Auf Erden sehen wir ihn alle Tage in seiner Macht. Kein irdischer Sinn und kein irdischer Leib könnte das ertragen, dass ein menschlich Auge ihn jemals ansähe in seinen Freuden und seinen Ehren, wie er im Himmelreich ist. Wir sagen euch manchmal ein Gleichniss, wie schön Gott sei. Seht, Alles was wir je sagen können oder mögen, das ist so recht dem gleich, als ob ein Kind uns sagen sollte, wenn{30}es möglich wäre, während es in seiner Mutter Leib beschlossen ist, und dies Kind sollte erzählen von all der Würde und all der Zierde, die die Welt hat, von der lichten Sonne, von den lichten Sternen, von edler Steine Kraft und ihrer mannigfachen Farbe, von der edlen Gewürze Kraft und von ihrem edlem Geruch, und von dem reichen Schmucke, den man aus Seide und aus Gold macht in dieser Welt, und von dem mannigfachen süssen Getön, welches die Welt hat, von Vogelsang und Saitenspiel, und von mancherlei{20}Blumen Farbe, und von all dem Schmuck, den diese Welt hat. So unmöglich und so unbekannt es einem Kinde wäre davon zu sprechen, das noch in seiner Mutter Leib beschlossen, das nie weder Böses noch Gutes sah, noch irgend welche Freude empfand; so unbekannt dem Kinde davon zu reden ist, so unbekannt ist auch uns davon zu reden, von der unsäglichen Wonne, die da im Himmel ist, und von dem wonniglichen Antlitz des lebendigen Gottes. Denn alle die Freude, die da im Himmel ist, die kommt alle nur von dem Glanze, der von unsres Herrn Antlitz ausgeht. Und gerade wie alle Sterne ihr Licht von der Sonne empfangen, so{30}haben alle Heiligen ihre Zierde und ihre Schönheit von Gott, und ebenso die Engel und das ganze himmlische Heer. Gerade wie alle Sterne des Himmels, der Mond und die Planeten, grosse und kleine, die haben allesammt ihr Licht von der Sonne, die uns da leuchtet: ebenso hat das ganze himmlische Heer, Engel und Heilige, die höchsten und die geringsten, die haben allesammt ihre Freude und ihre Wonne und ihre Zierde und die Ehre und die Würde und auch die Schönheit, das haben sie allesammt von dem Anblick Gottes,{20}davon dass sie Gott ansehn. Die Engel, die da unser hüten, die sehen ihn zu aller Zeit, als ob sie bei ihm wären. Denn all die Freude, die im Himmelreich ist, die däuchte ihnen nichts, sollten sie Gott nicht ansehn. Und deshalb: ‘Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott sehn.’ Nun seht, ihr liebe Christenheit, wie selig die sind, die da ein reines Herz tragen. Ihr junge Welt, die ihr noch unbefleckt von Sünden seid, hütet euer Herz vor allen tödlichen Sünden: dann werdet ihr Gott sehn in solchen Freuden und so grossen Ehren, die kein Auge je sah und kein Ohr gehört hat, wie St. Paulus spricht. Und wie St. Johannes spricht:{30}‘Wäre es möglich, dass man es alles insgesammt schreiben könnte, die Welt würde die Bücher nicht in sich fassen, wo es geschrieben stände, was ich sah. Und alles was ich sah, das war nichts als Gott allein.’ Und darum möchten wir doch gern in das Himmelreich kommen und dafür arbeiten. Wenn uns auch nicht die Liebe und die Minne, die wir Gott schuldig sind, dazu drängten, seht, so möchten wir doch darum schon dahin kommen, nämlich um des Wunders willen, das dort ist. Es steht so Mancher vor mir:{20}wer dem von solcher Freude sagte, dass sie jenseit des Meeres wäre, er führe gar schnell dorthin von hier übers Meer, nur damit er es sähe. So solltet ihr also hundertmal lieber dafür arbeiten, dass ihr es auf immer und ewig geniessen solltet. Das wonnigliche Angesicht des allmächtigen Gottes und der himmlischen Königin zu seiner rechten Seite in goldenem Gewand, die möchtet ihr gern ansehn. Würde euch ein einziger Blick zu Theil, so wäre euch all die Freude und die Ehre und all die Wollust, welche die Welt je gewann, das wäre euch hinfür so widerwärtig und auch so gleichgültig, gerade wie St. Paulus da sprach. Nun höret, wie der{30}sprach. Er sprach: ‘Alle die Ehre und die Freude und das Gemach, das diese Welt je gewann von Kaisern und von Königen, gegen die Freude, die im Himmelreich ist; so widerwärtig einem, ein Dieb an einem Galgen wäre, so kurz einem die Zeit damit wäre, dass man einen gehängten Mann lieb haben sollte, gegen alle die Freude, die die Welt hat: so widerwärtig ist mir die Freude der ganzen Welt gegen die ewige Freude.’ Ei wohl euch, dass euch eure Mutter je trug, euch, die solche Freude besitzen sollen.{20}Von denen ist, so Gott will, Mancher hier vor meinen Augen. Auch ist Mancher, der dafür gar kleine Freude hier auf Erden empfängt, und was dem guten St. Paulus so verächtlich erschien, davon wird ihm nicht der tausendste Theil. Und die haben übel gekauft, die so übergrosse Freude für ein so kurzes Freudelein auf dieser Welt hingeben. Die sind übel gefahren: denn sie haben nichts, weder hier noch dort. Wie ich eben sagte, ganz in gleicher Weise, gerade wie alle Sterne des Himmels ihr Licht von der Sonne haben, also hat das ganze himmlische Heer sein Licht von dem wahren Sonnen, sintemal unser Herr der wahre Sonne und{30}das wahre Licht ist, wie der gute St. Johannes da spricht. Der nennet ihn das wahre Licht, wie das auch ganz wahr ist: denn er ist das wahre Licht, das nie verlischt. Und alle die von seinem gottfarbigen Lichte entzündet werden, die erlöschen auch nimmer zufolge des Glanzes, den sie von dem wahren Sonnen haben. Und wie viel die Sonne lichter und glänzender ist, als (Alles) was wir da sehn, wie viel sie Licht und Glanz über alle Sterne hat, die am Himmel stehn, so viel hat der wahre Sonne im Himmelreich mehr Schein und Glanz über alle Engel, und ist geziert und geehrt mit allen Ehren, wie es billig ist. Und deshalb sind sie selig, die{10}ein reines Herz haben: denn sie werden Gott sehn.
BRUDER BERTHOLD VON REGENSBURG.
[Scherer D.234,E.226.]
In Regensburg geboren, Schüler des Bruders David, des Minoriten, Franziskaner zu Regensburg. Reiste viel in Deutschland umher und hielt Predigten vor dem Volke, die überall einen ungeheuren Zulauf fanden, von 1250 bis zu seinem Tode 1272. Herausgegeben von Pfeiffer und Strobl 2 Bde. (Wien 1862, 1880).
In Regensburg geboren, Schüler des Bruders David, des Minoriten, Franziskaner zu Regensburg. Reiste viel in Deutschland umher und hielt Predigten vor dem Volke, die überall einen ungeheuren Zulauf fanden, von 1250 bis zu seinem Tode 1272. Herausgegeben von Pfeiffer und Strobl 2 Bde. (Wien 1862, 1880).
‘Sælic sint die armen, wan daz himelrîche ist ir’ etc. Mit disen aht tugenden sint alle die ze himelrîche komen, die dâ sint, unde mit den selben aht tugenden müezent noch alle die dar komen,die iemer mêr dar komen süln. Nû wil ich die siben under wegen lân, und wil niwan von ir einer sagen; wan alse vil guoter dinge an ir ieglîcher ist (unde von ir ieglîcher wære gar vil und gar lanc sunderlîchen ze sagenne) unde wie manigiu untugent uns an disen ahte tugenden irret, daz würde eht von ieglîcher gar lanc ze sagenne. Wande man ez allez in einer predigen niht verenden mac noch in vieren noch in zehenen, sô wil ich iu hiute niwan sagen von den die ein rein herze habent unde von den man hiute dâ liset in dem heiligen êwangeliô: ‘sælic sint die reines herzen sint: die werdent{10}got sehende.’ Die sint wol von rehte sælic, die dâ got sehent. Ein übergülde ist ez aller der sælikeit, diu ie wart oder iemer mêr eht werden mac, swer got ansehende eht wirt: alse süeze und alse wünneclich ist diu gesiht, die man an gote siht. Sô wart nie deheiner muoter ir kint nie sô liep, ân unser frouwen, unde solte si ez drîe tage ane sehen ân underlâz, daz sie anders niht enpflæge, wan eht sie ir liebez kint solte an sehen: si æze an dem vierden tage vil gerner ein stücke brôtes. Unde wolte ich vil gerner daz ichals ein guot mensche wære, als daz wâr ist, daz ich iezuo reden wil. Ob daz alsô wære, daz man zuo einem menschen spræche, der iezuo bî gote ist: ‘dû hâst zehen kint ûf ertrîche, unde dû solt in koufen allen samt, daz sie êre unde guot haben unz an ir tôt, dâ mite, daz dû einigen ougenblic von gotes angesiht tuost, niuwen als lange als einz sîne hant möhte umbe kêren, unde sich danne wider ze gote, unde dû solt dîn ougen niemer mêr von im kêren’: der mensche entæte sîn niht. Alse wâr, herre, dîn wârheit ist, alse wâr ist disiu rede, daz er disiu zehen kint unze an ir tôt ê nâch dem almuosen lieze{10}gên, ê danne er sich die kleine wîle von gote wolte wenden. In habent die engel wol sehzig hundert jâr an gesehen, unde sehent in hiute als gerne als des êrsten tages unde sie sint ouch alle samt sam des êrsten tages: sâ dô sie got an sehende wurden, dô wart ir deheiner sît nie eltlîcher danne des êrsten tages unde sint doch sider wol sehzig hundert jâr alt. Swelher hundert jâr alt würde under uns, der wære den liuten alse smæhe an ze sehenne von ungestaltheitunde von dem gebresten, den daz alter an in hæte gemachet. Sô man mâlet die engele, dâ seht ir wol, swâ man die engele mâlet, daz man sie eht anders niht enmâlet wan als ein kint von fünf jâren, als junclich, oder von sehsen. Wan alle die got sehent, die werdent niemer eltlîcher, die in in himelrîche sehent in sînen freuden und in sînen êren. Ûf ertrîche sehen wir in alle tage in sînem gewalte. Dehein irdenischer muot noch irdenisch lîp möhte daz niht erlîden, daz in dehein irdenisch ouge iemer an gesehen möhte in sînen freuden und in sînen êren, als er ze himelrîche ist. Wir sagen iu{10}etewenne ein glîchnüsse, wie schœne got sî. Seht, allez daz wir iemer gesagen künnen oder mügen, daz ist rehte dem glîche, als obe ein kint uns solte sagen, ob ez mügelich wære, die wîle ez in sîner muoter lîbe ist beslozzen, unde daz solte sagen von aller der wirde unde von aller der gezierde die diu werlt hât, von der liehten sunnen, von den liehten sternen, von edeler gesteine kraft unde von ir maniger slahte varwe, von der edelen wurze kraft unde von der edelen gesmaeke unde von der rîchen gezierde, die man ûzer sîden und ûzer golde machet in dirre werlte,und von maniger hande süezen stimme, die diu werlt hât, von vögelîn sange unde von seiten spil, unde von maniger hande bluomen varwe unde von aller der gezierde, die disiu werlt hât. Alse unmügelîche und alse unkuntlîchen eime kinde dâ von ze sprechen wære, daz noch beslozzen ist in sîner muoter lîbe, daz nie niht gesach weder übel noch guot noch nie deheiner freuden enpfant: als unkunt dem kinde dâ von ze redenne ist, als unkunt ist ouch uns dâ von ze redenne, von der unsägelîchen wünne, diu dâ ze himel ist unde von dem wünneclîchen antlütze des lebendigen gotes. Wan alliu{10}diu freude diu dâ ze himel ist, der ist niht wan von dem schîne, der von unsers herren antlitze gêt. Unde rehte als alle sternen ir lieht von der sunnen nement, alsô habent alle heiligen ir gezierde und ir schônheit von gote, und engele und allez himelische her: reht als alle die sternen des himels, der mâne und die planêten, grôz unde kleine, die habent alle samt ir lieht von der sunnen, diu uns dâ liuhtet. Und alsô hât allez himelischez her, engele unde heiligen, die hœhsten unde die minnesten, die habent alle samt ir freudeund ir wünne und ir gezierde unde die êre unde die wirde und ouch die schœnde, daz habent sie alle samt von der angesihte gotes, daz sie got an sehent. Die engele die dâ unser hüetent, die sehent in ze aller zît an, als ob sie bî im wæren; wan alliu diu freude diu in himelrîche ist, diu diuhte sie ze nihte, solten sie got niht an sehen. Unde dâ von: ‘sælic sint die reines herzen sint, wan sie werdent got sehende.’ Nu seht, ir liebe kristenheit, wie sælic die sint, die dâ reinez herze tragent! Ir junge werlt, die noch unbewollen sint mit sünden, behaltet iuwer herze vor allen tœtlîchen{10}sünden: sô werdet ir got sehende in solichen freuden und in sô grôzen êren, die ouge nie gesach oder ôre nie gehôrte, alse sant Paulus dâ sprichet unde alse sant Johannes sprichet: ‘wær ez mügelich, daz man ez allez samt geschrîben möhte, sô möhte diu werlt diu buoch in ir niht behalten, dâ ez an gestüende daz ich gesach, und allez daz ich gesach, daz was niht wan got alleine.’ Und dar umbe möhten wir doch gerne ze dem himelrîche komen unde drumbe arbeiten. Ob uns niht diu liebe unde diu minne dar twünge der wirgote schuldic sîn, seht, sô möhten wir dar umbe dar komen durch daz wunder daz dâ ist. Ez ist maniger vor mir, der im von sô getâner freude seite, daz si jenhalp meres wære, er füere gar gerinclîchen dar von hinnen über mer, niwan daz erz gesæhe. Sô möhtet ir hundertstunt gerner dar umbe arbeiten, daz irz iemer mêre êwiclîchen niezen soltet. Die vil wünneclîchen angesiht des almehtigen gotes unde der himelischen küniginne ze der zeswen sîner sîten in guldîner wæte, die möhtet ir gerne an sehen. Wan würde iu einiger anblic, sô wære iu alliu diu freude unde diu êre und aller{10}der wollust, den diu werlt ie gewan, daz wær iu hinne für als widerzæme und ouch alse unmære, reht als sant Paulus dâ sprach. Nû hœret wie er sprach. Er sprach: ‘alliu diu êre unde diu freude unde daz gemach, diu disiu werlt ie gewan von keisern unde von künigen, wider der freude diu in himelrîche ist; als widerzæme einem wære ein diep an einem galgen, als kurz einem diu wile dâ mit wære, daz er einen erhangenen man triuten solte, wider aller der freude die diu werlt hât: alse widerzæme ist mir diu freude aller der werlte widerder êwigen freude.’ Ei, wol iuch wart, daz iuch iuwer muoter ie getruoc, die sô getâne freude süln besitzen! Der ist, ob got wil, vil maniger vor mînen ougen. Ouch ist maniger, der vil kleine freude dar für nimt hie ûf ertrîche, unde daz den guoten sante Paulen gar versmâhte, des wirt im der tûsentste teil niht. Unde die habent übele koufet, die sô übergrôze freude gebent umb ein sô kurzez freudelîn in dirre werlte: die habent übele gevarn, wan sie habent weder hie noch dort niht. Als ich iezuo sprach, rehte in glîcher wîse, reht alse alle sternen des himels ir lieht von der sunnen habent, alsô hât{10}allez himelische her ir lieht von dem wâren sunnen, sît danne unser herre der wâre sunne unde daz wâre lieht ist, alse der guote sant Johannes dâ sprichet. Der heizet in daz wâre lieht; als ouch daz vil wâr ist, wan er ist daz wâre lieht, daz niemer mêr verlischet. Und alle die von sîme gotvarwen liehte enzündet werdent, die erleschent ouch niemer mêre von der schônheit, die sie von dem wâren sunnen hânt. Und als vil diu sunne liehter unde gelpfer ist danne wir dâ sehen, rehte als vil diu liehtes unde glastes über allesternen hât die an dem himel stênt: als vil hât der wâre sunne in himelrîche schînes unde glastes mêr über alle engele, und ist geschœnet unde gewirdet an allen êren, alse billich ist. Unde dâ von sint sie sælic, die ein reinez herze habent, wan sie werdent got sehende.
‘Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr’ u. s. w. Mit diesen (hier erwähnten) acht Tugenden sind alle die in das{20}Himmelreich gekommen, die darinnen sind. Und mit denselben acht Tugenden müssen noch alle dahin kommen, die jemals hineinkommen sollen. Nun will ich die sieben unterwegs lassen, und{20}will nur von ihrer einer reden, da an einer jeglichen von ihnen so viel des Guten ist (und von einer jeglichen von ihnen wäre gar viel und gar lang besonders zu reden), und wie manche Untugend uns in diesen acht Tugenden irre macht, das würde besonders von jeder gar lang zu sagen sein. Da man dies Alles in einer Predigt nicht zu Ende bringen kann, noch in vieren, noch in zehn, so will ich heute nur von denen reden, die ein reines Herz haben, und von denen man heute in dem heiligen Evangelio da liest: ‘Selig sind die reines Herzens sind, sie werden Gott sehen.’ Die sind wohl wahrhaft selig, die Gott sehen. Es überbietet alle Seligkeit, die je{30}ward oder jemals werden kann, wer Gottes ansichtig wird: so süss und so wonniglich ist der Anblick, den man an Gott hat. Keiner Mutter ward je ihr Kind so lieb (ich spreche nicht von Unserer Frauen), sollte sie es drei Tage ohne Unterlass ansehn, so dass sie nichts andres pflöge, denn dass sie nur ihr liebes Kind ansähe: doch ässe sie lieber am vierten Tage ein Stück Brot. Und nun möchte ich gern, dass ich ein so guter Mensch wäre, wie wahr das ist, was ich jetzt sagen will. Wenn das so sein möchte, dass man zu einem Menschen, der jetzt bei Gott ist, spräche: ‘Du hast{20}zehn Kinder auf Erden, und du sollst für sie alle das erwerben, dass sie damit Ehre und Gut bis an ihren Tod haben, so du einen einzigen Augenblick von Gott hinweg siehst, nur so lange als Jemand seine Hand umkehren möchte, und blicke dann wieder auf Gott, und sollst deine Augen nie wieder von ihm kehren’: der Mensch thäte es nicht. So wahr, o Herr, als deine Wahrheit ist, so wahr ist diese Rede, dass er diese zehn Kinder bis an ihren Tod lieber nach Almosen gehn liesse, als dass er sich die kurze Weile von Gott wenden wollte. Die Engel haben ihn wohl sechstausend Jahre angesehn, und sehen ihn heute so gern als am ersten Tag.{30}Und sie sind auch allesammt wie am ersten Tage, da sie Gottes ansichtig wurden. Keiner von ihnen ward seither älter als am ersten Tage, und sind doch seither wohl sechstausend Jahr alt. Wer von uns hundert Jahr alt würde, der wäre den Leuten so schmählich anzusehn, wegen seiner Hässlichkeit und wegen der Gebrechen, die das Alter an ihm gemacht hätte. Wenn man malet die Engel,{20}da seht ihr wohl, wo man sie auch malet, dass man sie nie anders malt als ein Kind von fünf Jahren, so jung, oder von sechs Jahren. Denn alle die Gott sehn, die werden nie älter, die ihn im Himmelreich sehen in seinen Freuden und seinen Ehren. Auf Erden sehen wir ihn alle Tage in seiner Macht. Kein irdischer Sinn und kein irdischer Leib könnte das ertragen, dass ein menschlich Auge ihn jemals ansähe in seinen Freuden und seinen Ehren, wie er im Himmelreich ist. Wir sagen euch manchmal ein Gleichniss, wie schön Gott sei. Seht, Alles was wir je sagen können oder mögen, das ist so recht dem gleich, als ob ein Kind uns sagen sollte, wenn{30}es möglich wäre, während es in seiner Mutter Leib beschlossen ist, und dies Kind sollte erzählen von all der Würde und all der Zierde, die die Welt hat, von der lichten Sonne, von den lichten Sternen, von edler Steine Kraft und ihrer mannigfachen Farbe, von der edlen Gewürze Kraft und von ihrem edlem Geruch, und von dem reichen Schmucke, den man aus Seide und aus Gold macht in dieser Welt, und von dem mannigfachen süssen Getön, welches die Welt hat, von Vogelsang und Saitenspiel, und von mancherlei{20}Blumen Farbe, und von all dem Schmuck, den diese Welt hat. So unmöglich und so unbekannt es einem Kinde wäre davon zu sprechen, das noch in seiner Mutter Leib beschlossen, das nie weder Böses noch Gutes sah, noch irgend welche Freude empfand; so unbekannt dem Kinde davon zu reden ist, so unbekannt ist auch uns davon zu reden, von der unsäglichen Wonne, die da im Himmel ist, und von dem wonniglichen Antlitz des lebendigen Gottes. Denn alle die Freude, die da im Himmel ist, die kommt alle nur von dem Glanze, der von unsres Herrn Antlitz ausgeht. Und gerade wie alle Sterne ihr Licht von der Sonne empfangen, so{30}haben alle Heiligen ihre Zierde und ihre Schönheit von Gott, und ebenso die Engel und das ganze himmlische Heer. Gerade wie alle Sterne des Himmels, der Mond und die Planeten, grosse und kleine, die haben allesammt ihr Licht von der Sonne, die uns da leuchtet: ebenso hat das ganze himmlische Heer, Engel und Heilige, die höchsten und die geringsten, die haben allesammt ihre Freude und ihre Wonne und ihre Zierde und die Ehre und die Würde und auch die Schönheit, das haben sie allesammt von dem Anblick Gottes,{20}davon dass sie Gott ansehn. Die Engel, die da unser hüten, die sehen ihn zu aller Zeit, als ob sie bei ihm wären. Denn all die Freude, die im Himmelreich ist, die däuchte ihnen nichts, sollten sie Gott nicht ansehn. Und deshalb: ‘Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott sehn.’ Nun seht, ihr liebe Christenheit, wie selig die sind, die da ein reines Herz tragen. Ihr junge Welt, die ihr noch unbefleckt von Sünden seid, hütet euer Herz vor allen tödlichen Sünden: dann werdet ihr Gott sehn in solchen Freuden und so grossen Ehren, die kein Auge je sah und kein Ohr gehört hat, wie St. Paulus spricht. Und wie St. Johannes spricht:{30}‘Wäre es möglich, dass man es alles insgesammt schreiben könnte, die Welt würde die Bücher nicht in sich fassen, wo es geschrieben stände, was ich sah. Und alles was ich sah, das war nichts als Gott allein.’ Und darum möchten wir doch gern in das Himmelreich kommen und dafür arbeiten. Wenn uns auch nicht die Liebe und die Minne, die wir Gott schuldig sind, dazu drängten, seht, so möchten wir doch darum schon dahin kommen, nämlich um des Wunders willen, das dort ist. Es steht so Mancher vor mir:{20}wer dem von solcher Freude sagte, dass sie jenseit des Meeres wäre, er führe gar schnell dorthin von hier übers Meer, nur damit er es sähe. So solltet ihr also hundertmal lieber dafür arbeiten, dass ihr es auf immer und ewig geniessen solltet. Das wonnigliche Angesicht des allmächtigen Gottes und der himmlischen Königin zu seiner rechten Seite in goldenem Gewand, die möchtet ihr gern ansehn. Würde euch ein einziger Blick zu Theil, so wäre euch all die Freude und die Ehre und all die Wollust, welche die Welt je gewann, das wäre euch hinfür so widerwärtig und auch so gleichgültig, gerade wie St. Paulus da sprach. Nun höret, wie der{30}sprach. Er sprach: ‘Alle die Ehre und die Freude und das Gemach, das diese Welt je gewann von Kaisern und von Königen, gegen die Freude, die im Himmelreich ist; so widerwärtig einem, ein Dieb an einem Galgen wäre, so kurz einem die Zeit damit wäre, dass man einen gehängten Mann lieb haben sollte, gegen alle die Freude, die die Welt hat: so widerwärtig ist mir die Freude der ganzen Welt gegen die ewige Freude.’ Ei wohl euch, dass euch eure Mutter je trug, euch, die solche Freude besitzen sollen.{20}Von denen ist, so Gott will, Mancher hier vor meinen Augen. Auch ist Mancher, der dafür gar kleine Freude hier auf Erden empfängt, und was dem guten St. Paulus so verächtlich erschien, davon wird ihm nicht der tausendste Theil. Und die haben übel gekauft, die so übergrosse Freude für ein so kurzes Freudelein auf dieser Welt hingeben. Die sind übel gefahren: denn sie haben nichts, weder hier noch dort. Wie ich eben sagte, ganz in gleicher Weise, gerade wie alle Sterne des Himmels ihr Licht von der Sonne haben, also hat das ganze himmlische Heer sein Licht von dem wahren Sonnen, sintemal unser Herr der wahre Sonne und{30}das wahre Licht ist, wie der gute St. Johannes da spricht. Der nennet ihn das wahre Licht, wie das auch ganz wahr ist: denn er ist das wahre Licht, das nie verlischt. Und alle die von seinem gottfarbigen Lichte entzündet werden, die erlöschen auch nimmer zufolge des Glanzes, den sie von dem wahren Sonnen haben. Und wie viel die Sonne lichter und glänzender ist, als (Alles) was wir da sehn, wie viel sie Licht und Glanz über alle Sterne hat, die am Himmel stehn, so viel hat der wahre Sonne im Himmelreich mehr Schein und Glanz über alle Engel, und ist geziert und geehrt mit allen Ehren, wie es billig ist. Und deshalb sind sie selig, die{10}ein reines Herz haben: denn sie werden Gott sehn.