BURKARD WALDIS.

BURKARD WALDIS.

[Scherer D.297,E.294.]

Dieser berühmte Fabeldichter wurde in Hessen vermuthlich um 1495 geboren, lebte aber in seiner Jugend meist im Ausland, namentlich in Livland. 1523 wurde er vom Erzbischof Jasper van Linden als Abgesandter an den Kaiser und den Pabst geschickt, um Hilfe gegen den einbrechenden Protestantismus zu verlangen. Auf dem Rückwege ward er von den Protestanten in Riga gefangen genommen, trat dann selbst zum Protestantismus über und lebte als Zinngiesser in Riga. Später kehrte er nach Hessen zurück, war Pfarrer zu Abterode (1544) und starb wahrscheinlich 1557. Herausgegeben ‘Esopus’ von Kurz (2 Bde. Leipzig, 1862); Tittmann (2 Bde. Leipzig, 1882); ‘Der verlorene Sohn’ von Milchsack (Halle, 1881); ‘Streitgedichte’ von Koldewey (Halle, 1883).

Dieser berühmte Fabeldichter wurde in Hessen vermuthlich um 1495 geboren, lebte aber in seiner Jugend meist im Ausland, namentlich in Livland. 1523 wurde er vom Erzbischof Jasper van Linden als Abgesandter an den Kaiser und den Pabst geschickt, um Hilfe gegen den einbrechenden Protestantismus zu verlangen. Auf dem Rückwege ward er von den Protestanten in Riga gefangen genommen, trat dann selbst zum Protestantismus über und lebte als Zinngiesser in Riga. Später kehrte er nach Hessen zurück, war Pfarrer zu Abterode (1544) und starb wahrscheinlich 1557. Herausgegeben ‘Esopus’ von Kurz (2 Bde. Leipzig, 1862); Tittmann (2 Bde. Leipzig, 1882); ‘Der verlorene Sohn’ von Milchsack (Halle, 1881); ‘Streitgedichte’ von Koldewey (Halle, 1883).

ZV Lübeck in der schönen Stadt10Ein alter Bürger sass im Rath,Der war gar reich an Gut und Hab,Da mit sich nit zu frieden gab,Er hett ein Fraw vnd keine Erben,Dennoch hört er nit auff mit werben[800],Allzeit dem Gelt vnd Gut nach tracht,Dauor er weder tag noch nachtKein ruh nit hett, so sehr jn plagtDer Geitz, wie der Poet auch sagt,Das sich gleich mit dem Geld vnd Gut,Die lieb des Gelts vermehren thut,Nun ist am selben end der brauch,Wie sonst in andern Stedten auch,Da sind viel tieffer Keller graben10Darinn vil Leut jr wonung haben,Die sich nur von dem Taglohn nehren,Nach kleinem Gut auch messig zeren,Also sass auch desselben gleichen,Ein armer vnter diesem Reichen,Pflag den Leuten die schuhe zu flicken,Mit Holtz vnd Henffen drad[801]zu sticken,Dauon er sich, sein Weib vnd KindErnehrt, wie man vil armen findt,Jedoch war er seins mutes frey,20Sang, vnd war stets frölich dabey,Des abends er daheime blieb,Vnd seine zeit also vertrieb,Des wundert sich der reich gar sehr,Er dacht, was ists doch jmmermehr,Das disen armen Mann erfrewt?Nun weyss ich doch das er offt kewtAn armetey[802], die jn besessenVnd hat offt kaum das Brodt zu essen,Vorwar ich keinen fleiss nit spar30Biss ich sein wesen recht erfahr.An einem Sontag kurtz darnachAlso zu seiner Frawen sprach,Du must dichs nit verdriessen lassenDaniden[803]vnsern haussgenossen,Zu gast bitten heut disen tagMit seiner Frawen, das ich magVon jm werden einr frag bericht,Die mich bekümmert vnd anficht.Er schickt baldt seinen Knecht hinunderBat jn zu gast, das nam gross wunderDenselben armen Mann, gedacht[804]Wer hat den jetzt so kostfrey[805]gmacht?Doch gieng er hin, versagts jm nit;Nach essens sprach der Wiert, ich bit10Vmb ein ding hab ich euch zu fragenDrauff wöllet mir die warheit sagen:Ich weyss das euch am gut zerrinnet[806],Vnd mit ewrm thun nit viel gewinnet,Mit grosser arbeit jr euch nehrtVnd dennocht kaum des hungers wehrt,Vnd trincken auch gar selten WeinVnd dennocht allzeit frölich sein,Beid[807]tag vnd nacht, abents vnd morgenAls ob jr hetten nichts zu bsorgen.20Nun hab ich gelts vnd gutes gnugAn essen, trincken, gutem fug[808],Mit gutem Wein thu mich offt kröpffen[809],Kan dennocht solchen muth nit schöpffen.Er sprach, warumb solt mich betrüben,Mein gut ist sicher vor den Dieben,Zu Wasser vnd zu Landt der halb[810]Stirbt mir kein Pferdt, noch Kuh, noch kalb,Es kan kein Kauffman mich betriegenOder in der handlung vorliegen,30Vnd wie ich hab ein kleine nerung[811],So halt ich auch ein kleine zerung,Verzer nit mehr denn ich erwerbSorg nit das ich dabey verderb,Vnd steck mein fuss nit weiter nabDenn ich wol zu bedecken hab[812],Vnd mich zu frieden geb damit:Was ich nit hab, entfellt mir nit.Ich lass mir an demselben gnügenWas mir Gott teglich thut zu fügen,Gedenck, morgen kompt auch ein tagDer vor sich selber sorgen mag.Mit solcher redt wardt er bewogenDas ern vorbass nit mehr dorfft fragen,10Vnd dacht, er ist recht willig arm,Billich das ich mich sein erbarm,Lieff hin, vnd bracht baldt hundert guldenVnd sprach, damit bezalt ewr schulden,Damit ich euch jetzt will begabenDas jr ewr not zu schützen haben.Der Mann wardt fro, gieng damit hinVnd dacht baldt das ers auff gewin,Vnd auff Kauffmannschaft mocht anlegenDamit noch hundert brecht zu wegen[813],20Vnd tracht mit fleiss drauff tag vnd nachtDamit jm selb viel sorgen macht,Das er vor mühe den Kopff stets hiengVnd auff der Gassen trawrig gieng,Des singens er dabey vergass.Den reichen sehr verwundert das,Er bat jn abermal zu gast,Der Mann die hundert gülden fasstIn einen Beutel, brachts jm wider,Vnd sprach, von der zeit an vnd sider[814],30Das jr mir habt die gülden gebenIst mir vergahn mein bestes leben.Seht hin, fahrt wol mit ewrem gut,Ich nem dafür ein guten muth.Desselben ich viel bass geniess;Das Gelt macht mir bekümmerniss. —Solch einfalt ist gar vnderkommen[815]Vnd hat der Geitz das Landt eingnommen,Ich kenn auch jetzt viel armer leut,Doch halt ich nit, das man jetzt heutVnder jn allen einen findt,Der gleich wie diser sey gesinnt.Es sind viel Wiert auff allen strassenDie Leut bei jn herbergen lassen,Doch solt man schwerlich ein bekommen,10Der dem Gast zu seim nutz vnd frommen,Ein Kopff[816], von Silber oder GoltIn sein Sack heimlich stecken sollt,Wie man sagt, das ehe sey geschehen.Ists war, weyss nit, habs nit gesehen.Vielleicht man sonst wol ein bekem,Der eim eh etwas aussher[817]nem,So gar ist jetzt die gantze WeltGericht auff das verfluchte Gelt.Dennocht so ists gewisslich war20Es zeugt die Schrifft so hell vnd klar,Das man nit zgleich dem Gelt kan dienenVnd dennocht sich mit Gott versünen,Denn wer sein Datum[818]dahin richtDas er sich nur dem Gelt verpflicht,Vnd darinn all sein wollust hat,Der macht das Gelt zu einem Gott,Vnd fellt baldt in des Teuffels strick.Derhalben sich ein jeder schick,Das er seins guts ein Herre sey,30So ist er vieler sorgen frey.

ZV Lübeck in der schönen Stadt10Ein alter Bürger sass im Rath,Der war gar reich an Gut und Hab,Da mit sich nit zu frieden gab,Er hett ein Fraw vnd keine Erben,Dennoch hört er nit auff mit werben[800],Allzeit dem Gelt vnd Gut nach tracht,Dauor er weder tag noch nachtKein ruh nit hett, so sehr jn plagtDer Geitz, wie der Poet auch sagt,Das sich gleich mit dem Geld vnd Gut,Die lieb des Gelts vermehren thut,Nun ist am selben end der brauch,Wie sonst in andern Stedten auch,Da sind viel tieffer Keller graben10Darinn vil Leut jr wonung haben,Die sich nur von dem Taglohn nehren,Nach kleinem Gut auch messig zeren,Also sass auch desselben gleichen,Ein armer vnter diesem Reichen,Pflag den Leuten die schuhe zu flicken,Mit Holtz vnd Henffen drad[801]zu sticken,Dauon er sich, sein Weib vnd KindErnehrt, wie man vil armen findt,Jedoch war er seins mutes frey,20Sang, vnd war stets frölich dabey,Des abends er daheime blieb,Vnd seine zeit also vertrieb,Des wundert sich der reich gar sehr,Er dacht, was ists doch jmmermehr,Das disen armen Mann erfrewt?Nun weyss ich doch das er offt kewtAn armetey[802], die jn besessenVnd hat offt kaum das Brodt zu essen,Vorwar ich keinen fleiss nit spar30Biss ich sein wesen recht erfahr.An einem Sontag kurtz darnachAlso zu seiner Frawen sprach,Du must dichs nit verdriessen lassenDaniden[803]vnsern haussgenossen,Zu gast bitten heut disen tagMit seiner Frawen, das ich magVon jm werden einr frag bericht,Die mich bekümmert vnd anficht.Er schickt baldt seinen Knecht hinunderBat jn zu gast, das nam gross wunderDenselben armen Mann, gedacht[804]Wer hat den jetzt so kostfrey[805]gmacht?Doch gieng er hin, versagts jm nit;Nach essens sprach der Wiert, ich bit10Vmb ein ding hab ich euch zu fragenDrauff wöllet mir die warheit sagen:Ich weyss das euch am gut zerrinnet[806],Vnd mit ewrm thun nit viel gewinnet,Mit grosser arbeit jr euch nehrtVnd dennocht kaum des hungers wehrt,Vnd trincken auch gar selten WeinVnd dennocht allzeit frölich sein,Beid[807]tag vnd nacht, abents vnd morgenAls ob jr hetten nichts zu bsorgen.20Nun hab ich gelts vnd gutes gnugAn essen, trincken, gutem fug[808],Mit gutem Wein thu mich offt kröpffen[809],Kan dennocht solchen muth nit schöpffen.Er sprach, warumb solt mich betrüben,Mein gut ist sicher vor den Dieben,Zu Wasser vnd zu Landt der halb[810]Stirbt mir kein Pferdt, noch Kuh, noch kalb,Es kan kein Kauffman mich betriegenOder in der handlung vorliegen,30Vnd wie ich hab ein kleine nerung[811],So halt ich auch ein kleine zerung,Verzer nit mehr denn ich erwerbSorg nit das ich dabey verderb,Vnd steck mein fuss nit weiter nabDenn ich wol zu bedecken hab[812],Vnd mich zu frieden geb damit:Was ich nit hab, entfellt mir nit.Ich lass mir an demselben gnügenWas mir Gott teglich thut zu fügen,Gedenck, morgen kompt auch ein tagDer vor sich selber sorgen mag.Mit solcher redt wardt er bewogenDas ern vorbass nit mehr dorfft fragen,10Vnd dacht, er ist recht willig arm,Billich das ich mich sein erbarm,Lieff hin, vnd bracht baldt hundert guldenVnd sprach, damit bezalt ewr schulden,Damit ich euch jetzt will begabenDas jr ewr not zu schützen haben.Der Mann wardt fro, gieng damit hinVnd dacht baldt das ers auff gewin,Vnd auff Kauffmannschaft mocht anlegenDamit noch hundert brecht zu wegen[813],20Vnd tracht mit fleiss drauff tag vnd nachtDamit jm selb viel sorgen macht,Das er vor mühe den Kopff stets hiengVnd auff der Gassen trawrig gieng,Des singens er dabey vergass.Den reichen sehr verwundert das,Er bat jn abermal zu gast,Der Mann die hundert gülden fasstIn einen Beutel, brachts jm wider,Vnd sprach, von der zeit an vnd sider[814],30Das jr mir habt die gülden gebenIst mir vergahn mein bestes leben.Seht hin, fahrt wol mit ewrem gut,Ich nem dafür ein guten muth.Desselben ich viel bass geniess;Das Gelt macht mir bekümmerniss. —Solch einfalt ist gar vnderkommen[815]Vnd hat der Geitz das Landt eingnommen,Ich kenn auch jetzt viel armer leut,Doch halt ich nit, das man jetzt heutVnder jn allen einen findt,Der gleich wie diser sey gesinnt.Es sind viel Wiert auff allen strassenDie Leut bei jn herbergen lassen,Doch solt man schwerlich ein bekommen,10Der dem Gast zu seim nutz vnd frommen,Ein Kopff[816], von Silber oder GoltIn sein Sack heimlich stecken sollt,Wie man sagt, das ehe sey geschehen.Ists war, weyss nit, habs nit gesehen.Vielleicht man sonst wol ein bekem,Der eim eh etwas aussher[817]nem,So gar ist jetzt die gantze WeltGericht auff das verfluchte Gelt.Dennocht so ists gewisslich war20Es zeugt die Schrifft so hell vnd klar,Das man nit zgleich dem Gelt kan dienenVnd dennocht sich mit Gott versünen,Denn wer sein Datum[818]dahin richtDas er sich nur dem Gelt verpflicht,Vnd darinn all sein wollust hat,Der macht das Gelt zu einem Gott,Vnd fellt baldt in des Teuffels strick.Derhalben sich ein jeder schick,Das er seins guts ein Herre sey,30So ist er vieler sorgen frey.

ZV Lübeck in der schönen Stadt10Ein alter Bürger sass im Rath,Der war gar reich an Gut und Hab,Da mit sich nit zu frieden gab,Er hett ein Fraw vnd keine Erben,Dennoch hört er nit auff mit werben[800],Allzeit dem Gelt vnd Gut nach tracht,Dauor er weder tag noch nachtKein ruh nit hett, so sehr jn plagtDer Geitz, wie der Poet auch sagt,Das sich gleich mit dem Geld vnd Gut,Die lieb des Gelts vermehren thut,Nun ist am selben end der brauch,Wie sonst in andern Stedten auch,Da sind viel tieffer Keller graben10Darinn vil Leut jr wonung haben,Die sich nur von dem Taglohn nehren,Nach kleinem Gut auch messig zeren,Also sass auch desselben gleichen,Ein armer vnter diesem Reichen,Pflag den Leuten die schuhe zu flicken,Mit Holtz vnd Henffen drad[801]zu sticken,Dauon er sich, sein Weib vnd KindErnehrt, wie man vil armen findt,Jedoch war er seins mutes frey,20Sang, vnd war stets frölich dabey,Des abends er daheime blieb,Vnd seine zeit also vertrieb,Des wundert sich der reich gar sehr,Er dacht, was ists doch jmmermehr,Das disen armen Mann erfrewt?Nun weyss ich doch das er offt kewtAn armetey[802], die jn besessenVnd hat offt kaum das Brodt zu essen,Vorwar ich keinen fleiss nit spar30Biss ich sein wesen recht erfahr.An einem Sontag kurtz darnachAlso zu seiner Frawen sprach,Du must dichs nit verdriessen lassenDaniden[803]vnsern haussgenossen,Zu gast bitten heut disen tagMit seiner Frawen, das ich magVon jm werden einr frag bericht,Die mich bekümmert vnd anficht.Er schickt baldt seinen Knecht hinunderBat jn zu gast, das nam gross wunderDenselben armen Mann, gedacht[804]Wer hat den jetzt so kostfrey[805]gmacht?Doch gieng er hin, versagts jm nit;Nach essens sprach der Wiert, ich bit10Vmb ein ding hab ich euch zu fragenDrauff wöllet mir die warheit sagen:Ich weyss das euch am gut zerrinnet[806],Vnd mit ewrm thun nit viel gewinnet,Mit grosser arbeit jr euch nehrtVnd dennocht kaum des hungers wehrt,Vnd trincken auch gar selten WeinVnd dennocht allzeit frölich sein,Beid[807]tag vnd nacht, abents vnd morgenAls ob jr hetten nichts zu bsorgen.20Nun hab ich gelts vnd gutes gnugAn essen, trincken, gutem fug[808],Mit gutem Wein thu mich offt kröpffen[809],Kan dennocht solchen muth nit schöpffen.Er sprach, warumb solt mich betrüben,Mein gut ist sicher vor den Dieben,Zu Wasser vnd zu Landt der halb[810]Stirbt mir kein Pferdt, noch Kuh, noch kalb,Es kan kein Kauffman mich betriegenOder in der handlung vorliegen,30Vnd wie ich hab ein kleine nerung[811],So halt ich auch ein kleine zerung,Verzer nit mehr denn ich erwerbSorg nit das ich dabey verderb,Vnd steck mein fuss nit weiter nabDenn ich wol zu bedecken hab[812],Vnd mich zu frieden geb damit:Was ich nit hab, entfellt mir nit.Ich lass mir an demselben gnügenWas mir Gott teglich thut zu fügen,Gedenck, morgen kompt auch ein tagDer vor sich selber sorgen mag.Mit solcher redt wardt er bewogenDas ern vorbass nit mehr dorfft fragen,10Vnd dacht, er ist recht willig arm,Billich das ich mich sein erbarm,Lieff hin, vnd bracht baldt hundert guldenVnd sprach, damit bezalt ewr schulden,Damit ich euch jetzt will begabenDas jr ewr not zu schützen haben.Der Mann wardt fro, gieng damit hinVnd dacht baldt das ers auff gewin,Vnd auff Kauffmannschaft mocht anlegenDamit noch hundert brecht zu wegen[813],20Vnd tracht mit fleiss drauff tag vnd nachtDamit jm selb viel sorgen macht,Das er vor mühe den Kopff stets hiengVnd auff der Gassen trawrig gieng,Des singens er dabey vergass.Den reichen sehr verwundert das,Er bat jn abermal zu gast,Der Mann die hundert gülden fasstIn einen Beutel, brachts jm wider,Vnd sprach, von der zeit an vnd sider[814],30Das jr mir habt die gülden gebenIst mir vergahn mein bestes leben.Seht hin, fahrt wol mit ewrem gut,Ich nem dafür ein guten muth.Desselben ich viel bass geniess;Das Gelt macht mir bekümmerniss. —Solch einfalt ist gar vnderkommen[815]Vnd hat der Geitz das Landt eingnommen,Ich kenn auch jetzt viel armer leut,Doch halt ich nit, das man jetzt heutVnder jn allen einen findt,Der gleich wie diser sey gesinnt.Es sind viel Wiert auff allen strassenDie Leut bei jn herbergen lassen,Doch solt man schwerlich ein bekommen,10Der dem Gast zu seim nutz vnd frommen,Ein Kopff[816], von Silber oder GoltIn sein Sack heimlich stecken sollt,Wie man sagt, das ehe sey geschehen.Ists war, weyss nit, habs nit gesehen.Vielleicht man sonst wol ein bekem,Der eim eh etwas aussher[817]nem,So gar ist jetzt die gantze WeltGericht auff das verfluchte Gelt.Dennocht so ists gewisslich war20Es zeugt die Schrifft so hell vnd klar,Das man nit zgleich dem Gelt kan dienenVnd dennocht sich mit Gott versünen,Denn wer sein Datum[818]dahin richtDas er sich nur dem Gelt verpflicht,Vnd darinn all sein wollust hat,Der macht das Gelt zu einem Gott,Vnd fellt baldt in des Teuffels strick.Derhalben sich ein jeder schick,Das er seins guts ein Herre sey,30So ist er vieler sorgen frey.

ZV Lübeck in der schönen Stadt10

Ein alter Bürger sass im Rath,

Der war gar reich an Gut und Hab,

Da mit sich nit zu frieden gab,

Er hett ein Fraw vnd keine Erben,

Dennoch hört er nit auff mit werben[800],

Allzeit dem Gelt vnd Gut nach tracht,

Dauor er weder tag noch nacht

Kein ruh nit hett, so sehr jn plagt

Der Geitz, wie der Poet auch sagt,

Das sich gleich mit dem Geld vnd Gut,

Die lieb des Gelts vermehren thut,

Nun ist am selben end der brauch,

Wie sonst in andern Stedten auch,

Da sind viel tieffer Keller graben10

Darinn vil Leut jr wonung haben,

Die sich nur von dem Taglohn nehren,

Nach kleinem Gut auch messig zeren,

Also sass auch desselben gleichen,

Ein armer vnter diesem Reichen,

Pflag den Leuten die schuhe zu flicken,

Mit Holtz vnd Henffen drad[801]zu sticken,

Dauon er sich, sein Weib vnd Kind

Ernehrt, wie man vil armen findt,

Jedoch war er seins mutes frey,20

Sang, vnd war stets frölich dabey,

Des abends er daheime blieb,

Vnd seine zeit also vertrieb,

Des wundert sich der reich gar sehr,

Er dacht, was ists doch jmmermehr,

Das disen armen Mann erfrewt?

Nun weyss ich doch das er offt kewt

An armetey[802], die jn besessen

Vnd hat offt kaum das Brodt zu essen,

Vorwar ich keinen fleiss nit spar30

Biss ich sein wesen recht erfahr.

An einem Sontag kurtz darnach

Also zu seiner Frawen sprach,

Du must dichs nit verdriessen lassen

Daniden[803]vnsern haussgenossen,

Zu gast bitten heut disen tag

Mit seiner Frawen, das ich mag

Von jm werden einr frag bericht,

Die mich bekümmert vnd anficht.

Er schickt baldt seinen Knecht hinunder

Bat jn zu gast, das nam gross wunder

Denselben armen Mann, gedacht[804]

Wer hat den jetzt so kostfrey[805]gmacht?

Doch gieng er hin, versagts jm nit;

Nach essens sprach der Wiert, ich bit10

Vmb ein ding hab ich euch zu fragen

Drauff wöllet mir die warheit sagen:

Ich weyss das euch am gut zerrinnet[806],

Vnd mit ewrm thun nit viel gewinnet,

Mit grosser arbeit jr euch nehrt

Vnd dennocht kaum des hungers wehrt,

Vnd trincken auch gar selten Wein

Vnd dennocht allzeit frölich sein,

Beid[807]tag vnd nacht, abents vnd morgen

Als ob jr hetten nichts zu bsorgen.20

Nun hab ich gelts vnd gutes gnug

An essen, trincken, gutem fug[808],

Mit gutem Wein thu mich offt kröpffen[809],

Kan dennocht solchen muth nit schöpffen.

Er sprach, warumb solt mich betrüben,

Mein gut ist sicher vor den Dieben,

Zu Wasser vnd zu Landt der halb[810]

Stirbt mir kein Pferdt, noch Kuh, noch kalb,

Es kan kein Kauffman mich betriegen

Oder in der handlung vorliegen,30

Vnd wie ich hab ein kleine nerung[811],

So halt ich auch ein kleine zerung,

Verzer nit mehr denn ich erwerb

Sorg nit das ich dabey verderb,

Vnd steck mein fuss nit weiter nab

Denn ich wol zu bedecken hab[812],

Vnd mich zu frieden geb damit:

Was ich nit hab, entfellt mir nit.

Ich lass mir an demselben gnügen

Was mir Gott teglich thut zu fügen,

Gedenck, morgen kompt auch ein tag

Der vor sich selber sorgen mag.

Mit solcher redt wardt er bewogen

Das ern vorbass nit mehr dorfft fragen,10

Vnd dacht, er ist recht willig arm,

Billich das ich mich sein erbarm,

Lieff hin, vnd bracht baldt hundert gulden

Vnd sprach, damit bezalt ewr schulden,

Damit ich euch jetzt will begaben

Das jr ewr not zu schützen haben.

Der Mann wardt fro, gieng damit hin

Vnd dacht baldt das ers auff gewin,

Vnd auff Kauffmannschaft mocht anlegen

Damit noch hundert brecht zu wegen[813],20

Vnd tracht mit fleiss drauff tag vnd nacht

Damit jm selb viel sorgen macht,

Das er vor mühe den Kopff stets hieng

Vnd auff der Gassen trawrig gieng,

Des singens er dabey vergass.

Den reichen sehr verwundert das,

Er bat jn abermal zu gast,

Der Mann die hundert gülden fasst

In einen Beutel, brachts jm wider,

Vnd sprach, von der zeit an vnd sider[814],30

Das jr mir habt die gülden geben

Ist mir vergahn mein bestes leben.

Seht hin, fahrt wol mit ewrem gut,

Ich nem dafür ein guten muth.

Desselben ich viel bass geniess;

Das Gelt macht mir bekümmerniss. —

Solch einfalt ist gar vnderkommen[815]

Vnd hat der Geitz das Landt eingnommen,

Ich kenn auch jetzt viel armer leut,

Doch halt ich nit, das man jetzt heut

Vnder jn allen einen findt,

Der gleich wie diser sey gesinnt.

Es sind viel Wiert auff allen strassen

Die Leut bei jn herbergen lassen,

Doch solt man schwerlich ein bekommen,10

Der dem Gast zu seim nutz vnd frommen,

Ein Kopff[816], von Silber oder Golt

In sein Sack heimlich stecken sollt,

Wie man sagt, das ehe sey geschehen.

Ists war, weyss nit, habs nit gesehen.

Vielleicht man sonst wol ein bekem,

Der eim eh etwas aussher[817]nem,

So gar ist jetzt die gantze Welt

Gericht auff das verfluchte Gelt.

Dennocht so ists gewisslich war20

Es zeugt die Schrifft so hell vnd klar,

Das man nit zgleich dem Gelt kan dienen

Vnd dennocht sich mit Gott versünen,

Denn wer sein Datum[818]dahin richt

Das er sich nur dem Gelt verpflicht,

Vnd darinn all sein wollust hat,

Der macht das Gelt zu einem Gott,

Vnd fellt baldt in des Teuffels strick.

Derhalben sich ein jeder schick,

Das er seins guts ein Herre sey,30

So ist er vieler sorgen frey.


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