Chapter 49

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:dâ von ich wil âventiure kündenden rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.Der süeze Schîonatulander genante,10als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:dô sprach er ‘Sigûne helferîche,nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen,sine wæren helfec mit ir lône,swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’10Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden,ob du gerst daz ich dir kumber wende:wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwealsô daz ez den kumber mîn bedenke.nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist geværedeheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebærewirt von mir nimer benennet minne.got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne.10Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?muoz ich si behalten bî den tocken?od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,daz si mit gedanken sêre schiuzet:sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:des betwinget si diu stæte liebe.minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’10‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke,unze ich tougenlîche an dich geblicke.des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,weiz abe iemen waz diu minne richetan liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen.10nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegenmit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten,sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’Diz was der anevanc ‖ ir gesellescheftemit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit kreftehet ouch sîne hervart gesprochen,und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen.10Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.Davon will ich euch Abenteuer künden,Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen.Der süsse Schionatu— ‖ lander entbrannte,20Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche.Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessenMit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet.20Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden,Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen;Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,So dass es meines Kummers Noth bedenke:Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährdeSo lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde,20Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne.Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?Soll ich sie verwahren bei den Docken?Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset.20Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren.Dazu treibt sie wandellose Liebe.Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken,Bis ich dich heimlich wieder angesehn.Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen:20Weiss denn Jemand, was die Minne rächenWill an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.Lass uns um ihre Hülfe beide werbenMit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommenMit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommenSich gerüstet mit gewaltigem Heere,Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere.203.WILLEHALM.Durh Gyburge al diu nôt geschach.diu stuont ûf, mit zuht si sprach,ê daz sich schiet der fürsten rât.‘swer zuht mit triwen hinne hât,der ruoche hœren mîniu wort.got weiz wol daz ich jâmers hortsô vil inz herze hân geleit,daz in der lîp unsamfte treit.’Die gein ir ûf begunden stên,die bat si sitzn und ninder gên.dô si gesâzen über al,si sprach ‘der tôtlîche valder hiest geschehen ze bêder sîtdar umbe ich der getouften nît10trag und ouch der heiden,daz bezzer got in beidenan mir, und sî ich schuldic dran.die rœmschen fürsten ich hie man,daz ir kristenlîch êre mêrt,ob iuch got sô verre gert,daz ir mit strîte ûf Alischanzrechet den jungen Vivîanzan mînen mâgn und an ir her:die vindet ir mit grôzer wer.20und ob der heiden schumpfentiur ergê,sô tuot daz sælekeit wol stê:hœrt eins tumben wîbes rât,schônt der gotes hantgetât.Ein heiden was der êrste manden got machen began.Nu geloubt daz Eljas unde Enochfür heiden sint behalten noch.Nôê ouch ein heiden was,der in der arken genas.Iop für wâr ein heiden hiez,den got dar umbe niht verstiez.nu nemt ouch drîer künege war,10der heizet einer Kaspar,Melchîor und Balthasân:die müeze wir für heiden hân,diene sint zer flüste niht benant:got selb enpfienc mit sîner hantdie êrsten gâbe an muoter brustvon in. die heiden hin zer flustsint alle niht benennet.wir hân für wâr bekennet,swaz müeter her sît Even zît20kint gebâren, âne strîtgar heidenschaft was ir geburt:etslîchz der touf het umbegurt.getouft wîp den heiden treit,swie dez kint der touf hab umbeleit.der juden touf hât sundersite:den begênt si mit eime snite.wir wârn doch alle heidnisch ê.dem sældehaften tuot vil wê,ob von dem vater sîniu kinthin zer flust benennet sint:er mac sih erbarmen über sie,10der rehte erbarmekeit truoc ie.Nu geloubt ouch daz diu mennescheitden engelen ir stat ab erstreit,daz si gesetzet wâren,die unser künne vâren,ze himele in den zehenden kôr.die erzeigeten got alsölhen bôr,daz sîn werdiu kraft vil stætecvon in wart anrætec.dieselben nôtgestallen20von gedanken muosen vallen:got enlie si niht zen werken komn,der gedanc weiz wol unvernomn.dar umbe des menschen wart erdâht.sich heten mensch und engel brâhtbeidiu in den gotes haz:wie kumt daz nu daz mennisch hazdan der engl gedinget?mîn munt daz mære bringet.daz mennisch wart durch rât verlorn:der engel hât sich selb erkornzer êwigen flüstemit sîner âküste,10und al die im gestuondendie selben riwe fuonden.die varent noch hiute dem mensche bî,als ob der kôr ir erbe sî,der den ist ze erbe lâzendie sich des kunnen mâzendaz gotes zorn erwirbet,des sælde niht verdirbet.Swaz iu die heiden hânt getân,ir sult si doch geniezen lân20daz got selbe ûf die verkôsvon den er den lîp verlôs.ob iu got sigenunft dort gît,lâts iu erbarmen ime strît.sîn werdeclîchez leben bôtfür die schuldehaften an den tôtunser vater Tetragramatôn.sus gab er sînen kinden lônir vergezzenlîchen sinne.sîn erbarmede rîchiu minneelliu wunder gar besliuzet,10des triwe niht verdriuzet,sine trage die helfeclîche hantdiu bêde wazzer unde lantvil künsteclîch alrêrst entwarf,und des al diu crêatiure bedarfdie der himel unbesweifet hât.diu selbe [hant] die plânêten lâtir poynder vollen gâhenbêdiu verre und nâhen.swie si nimmer ûf gehaldent,20si warment unde kaldent:etswenne’z îs si schaffent:dar nâch si boume saffent,sô diu erde ir gevidere rêrtunde si der meie lêrtir mûze alsus volrecken,nâch den rîfen bluomen stecken.Ich diene der künsteclîchen hantfür den heiden got Tervigant:ir kraft hât mich von Mahumetenunders toufes zil gebeten.des trag ich mîner mâge haz;und der getouften umbe daz:durch menneschlîcher minne gîtsi wænent daz ich fuogte disen strît.dêswâr ich liez ouch minne dort,10und grôzer rîcheit manegen hort,und schœniu kint, bî einem man,an dem ich niht geprüeven kandaz er kein untât ie begienc,sîd ich krôn von im enpfienc.Tybalt von Arâbîist vor aller untæte vrî:ich trag al ein die schulde,durh des hœhsten gotes hulde,ein teil ouch durh den markîs20der bejaget hât sô manegen prîs.ey Willalm, rehter punjûr,daz dir mîn minne ie wart sô sûr!waz werder diet ûz erkornin dîme dienste hânt verlornir lîp genendeclîche!der arme und der rîche,nu geloubt daz iwerr mâge flustmir sendet jâmer in die brust:für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’si weinde vil: des twanc si nôt.10Kyburg, der Quell all dieser Leiden,stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,bevor der Fürstenrath sich trennt:‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,geruh zu hören, was ich sage.Gott weiss, dass solchen Schatz der Klageich habe in mein Herz gelegt,dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’Die vor ihr begannen aufzustehn,bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.Als dann sie sassen überall,hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,der beiderseits geschehen ist,weshalb der Heide wie der Christ10mir zürnt, den wende Gottes Huldzum Bessern Beiden, so wie mir,bin ich allein auch daran schuld.Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,dass ihre Christenehr’ es mehrt,wenn Gott euch dazu nun begehrt,dass ihr im Kampf auf Alischanzrächet den jungen Vivianzan meinen Verwandten und ihrem Heer.Die findet ihr mit grosser Wehr.20Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,so sorgt, zu wahren die Seligkeit.Hört an einfält’ges Weibes Rath:Achtet, was Gott geschaffen hat!Ein Heide war der erste Mann,den zu erschaffen Gott begann.Für Heiden sind Elias und Henochgehalten auch, so glaubt ihr doch.Gleichfalls ein Heide Noah war,des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,den Gott doch deshalb nicht verstiess.Auch nehmt die drei Kön’ge wahr,10Melchior, Kaspar und Balthasar;wir müssen sie zwar Heiden nennen,doch aber auch zugleich bekennen,dass nimmer sie verdammet sind.Gott selbst empfieng, das Jesuskind,an Mutterbrust aus ihrer Handdie erste Gabe. Nicht alle Heidensehn drum wir hin zur Hölle scheiden.Es ist als wahr von uns erkannt:Alle Kinder, die seit Evas Zeit20die Mütter gebaren, sind ohne Streitim Heidenthum bei ihrer Geburt;nur einige schirmt der Taufe Gurt.Das Christenweib den Heiden trägt,bis ihm die Taufe ist angelegt.Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,die sie vollziehen mit einem Schnitte.Wie waren all’ drum heidnisch eh:doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,wenn von dem Vater seine Kindzu den Verdammten gezählet sind;und es erbarme sich über sie,10der sein Erbarmen versagt noch nie.Auch glaubet ihr, die Menschheit hatden Engeln abgestritten die Statt,wohin gesetzt sie ehbevor,in des Himmels zehnten Chor,die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.Gott zeigten sie solchen Übermuth,und suchten mit beharrlichem Werbenseine Herrlichkeit zu verderben.Dieselben Jammerbrüder alle20kamen durch Gedanken zu Falle.Gott, der die Gedanken unausgesprochendoch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.Mensch und Engel haben gebrachtsich beide um die Gotteshuld.Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuldsoll leichter als die der Engel wiegen;Das sei euch nicht von mir verschwiegen.Durch Verführung gieng der Mensch verloren;die Engel haben sich selbst erkorendurch ihren Verrath und Treuebruchder ewigen Verdammniss Fluch,10wie gleiches Elend alle fanden,die zu ihnen gleichfalls standen.Sie umstricken den Menschen wie zuvornoch heute, als sei ihr Erbe der Chor,der doch als Erbe nur denen gelassen,die vermeiden, was Gott muss hassen,dass seinen Zorn sie nicht erwerben.Ihr Heil entgehet dem Verderben.Was auch die Heiden euch gethan,so sollt ihr denken doch daran,20dass denen auch Gott selbst verzieh,die seinen Leib getödtet hie.Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,so übt Erbarmen in dem Streit.Sein würdereiches Leben botfür die Schuldigen dem Todunser Vater Tetragrammaton[22].So gab er seinen Kindern Lohn,wie wohl sie seiner schwer vergassen.Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessenalle Wunder sonder Massen.10Nie kann es seine Treu verdriessen,zu helfen mit hülfreicher Hand,die beides, Wasser so wie Landzuerst mit weiser Kunst entwarf,des alle Kreatur bedarf,die der Himmel umkreiset.Dieselbe Hand den Planeten weisetdie Bahnen an in Fernen und Nähen,den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.Wie unaufhaltsam ihren Kreis20sie vollenden, giebt ihre KraftWärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,sie giessen in den Baum den Saft,wenn die Erd’ erneuert ihr Gefiederund sie der Mai belehret, wieder,um ihre Mause zu vollenden,Blumen nach dem Reif zu spenden.Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,anstatt dem Gotte Tervigant.Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segenmich ab den Glauben Mahoms legen;deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.Doch den Getauften will es scheinen,als ob durch menschlicher Minne Begierich diesen Streit entflammet hier.Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort,10und grosses Reichthums manchen Hort,und schöne Kinder bei einem Mann,dem niemals ich nachweisen kann,dass irgend Unthat er begieng,seit ich von ihm die Kron’ empfieng.Tybald von Arabien seivon allem Frevel gesprochen frei.Ich trag allein die Schulddurch des höchsten Gottes Huldund theils durch den Marquis gezwungen,20der sich so manchen Preis errungen.Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,dass so meine Liebe verderblich dir!Wie werthe Männer auserkorenhaben ihr edles Leben verlorenin deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,o glaubt es, dass mit tiefstem Harmeeurer lieben Verwandten Verlustmir jammervoll beschwert die Brust.Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’Sie weinte sehr im Zwang der Noth.10

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:dâ von ich wil âventiure kündenden rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.Der süeze Schîonatulander genante,10als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:dô sprach er ‘Sigûne helferîche,nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen,sine wæren helfec mit ir lône,swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’10Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden,ob du gerst daz ich dir kumber wende:wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwealsô daz ez den kumber mîn bedenke.nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist geværedeheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebærewirt von mir nimer benennet minne.got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne.10Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?muoz ich si behalten bî den tocken?od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,daz si mit gedanken sêre schiuzet:sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:des betwinget si diu stæte liebe.minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’10‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke,unze ich tougenlîche an dich geblicke.des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,weiz abe iemen waz diu minne richetan liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen.10nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegenmit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten,sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’Diz was der anevanc ‖ ir gesellescheftemit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit kreftehet ouch sîne hervart gesprochen,und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen.10

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:dâ von ich wil âventiure kündenden rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.Der süeze Schîonatulander genante,10als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:dô sprach er ‘Sigûne helferîche,nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen,sine wæren helfec mit ir lône,swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’10Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden,ob du gerst daz ich dir kumber wende:wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwealsô daz ez den kumber mîn bedenke.nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist geværedeheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebærewirt von mir nimer benennet minne.got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne.10Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?muoz ich si behalten bî den tocken?od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,daz si mit gedanken sêre schiuzet:sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:des betwinget si diu stæte liebe.minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’10‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke,unze ich tougenlîche an dich geblicke.des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,weiz abe iemen waz diu minne richetan liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen.10nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegenmit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten,sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’Diz was der anevanc ‖ ir gesellescheftemit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit kreftehet ouch sîne hervart gesprochen,und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen.10

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:dâ von ich wil âventiure kündenden rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.

Al die minne phlâgen ‖ und minne an sich leiten,

nu hœret magtlîch sorge ‖ unde manheit mit den arbeiten:

dâ von ich wil âventiure künden

den rehten, die ........ ‖ durch herzeliebe ie senende nôt erfünden.

Der süeze Schîonatulander genante,10als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:dô sprach er ‘Sigûne helferîche,nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.

Der süeze Schîonatulander genante,10

als sîn gesellekeit ‖ in sorgen manecvalt in kûme gemante:

dô sprach er ‘Sigûne helferîche,

nu hilf mir, süeziu maget, ‖ ûz den sorgen: sô tuostu helflîche.

Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen,sine wæren helfec mit ir lône,swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’

Ducisse ûz Katelangen, ‖ lâ mich geniezen:

ich hœre sagen, du sîst erboren ‖ von der art, die nie kunde verdriezen,

sine wæren helfec mit ir lône,

swer durch si kumberlîche nôt ‖ enphienc: dîner sælden an mir schône.’

‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’

‘Bêâs âmîs, nu sprich, ‖ schœner vriunt, waz du meinest.

lâ hœrn, ob du mit zühten ‖ dich des willen gein mir sô vereinest,

daz dîn klagendiu bet iht müge vervâhen.

dune wizzest es vil rehte ‖ die wârheit, sone soltu dich niht vergâhen.’

‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’10

‘Swâ genâde wonet, dâ ‖ sol man si suochen.

frouwe, ich ger genâden: ‖ des solt du durh dîne genâde geruochen.

werdiu gesellekeit stêt wol den kinden.

swâ reht genâde nie niht ‖ gewan ze tuonne, wer mac si dâ vinden?’10

Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden,ob du gerst daz ich dir kumber wende:wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’

Si sprach ‘du solt dîn trûren ‖ durch trœsten dâ künden,

dâ man dir baz gehelfen mac ‖ danne ich: anders du kanst dich versünden,

ob du gerst daz ich dir kumber wende:

wan ich bin reht ein weise ‖ mîner mâge, lands und liute ellende.’

‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwealsô daz ez den kumber mîn bedenke.nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’

‘Ich weiz wol, du bist landes ‖ und liute grôziu frouwe.

des enger ich alles niht, ‖ wan daz dîn herze dur dîn ouge schouwe

alsô daz ez den kumber mîn bedenke.

nu hilf mir schiere, ê daz dîn ‖ minn mîn herze und die fröude verkrenke.’

‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist geværedeheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebærewirt von mir nimer benennet minne.got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne.10

‘Swer sô minne hât, daz sîn ‖ minne ist gevære

deheime als lieben friunde ‖ als du mir bist, daz wort ungebære

wirt von mir nimer benennet minne.

got weiz wol daz ich nie ‖ bekande minnen flust noch ir gewinne.10

Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?muoz ich si behalten bî den tocken?od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’

Minne, ist daz ein er? ‖ maht du minn mir diuten?

ist daz ein sie? kumet mir ‖ minn, wie sol ich minne getriuten?

muoz ich si behalten bî den tocken?

od fliuget minne ungerne ûf hant ‖ durh die wilde? ich kan minn wol locken.’

‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,daz si mit gedanken sêre schiuzet:sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.

‘Frouwe, ich hân vernomen ‖ von wîben und von mannen,

minne kan den alten, ‖ den jungen sô schuzlîchen spannen,

daz si mit gedanken sêre schiuzet:

sie triffet âne wenken ‖ daz loufet, kriuchet, fliuget oder fliuzet.

Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:des betwinget si diu stæte liebe.minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’10

Jâ erkande ich, süeziu maget, ‖ ê wol minn von mæren.

minne ist an gedanken: ‖ daz mag ich nu mit mir selbe bewæren:

des betwinget si diu stæte liebe.

minne stilt mir fröude ‖ ûz dem herzen, ez entöhte eim diebe.’10

‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke,unze ich tougenlîche an dich geblicke.des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’

‘Schîonatulander, ‖ mich twingent gedanke,

sô du mir ûz den ougen kumest, ‖ daz ich muoz sîn an fröuden diu kranke,

unze ich tougenlîche an dich geblicke.

des trûre ich in der wochen ‖ niht zeim mâl, ez ergêt alze dicke.’

‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’

‘Sone darft du, süeziu maget, mich ‖ niht frâgen von minne:

dir wirt wol âne frâge ‖ bekant minnen flust und ir gewinne.

nu sich wie minne ûz fröude in sorge werbe:

tuo der minne ir reht, ê ‖ diu minne uns beide in [den] herzen verderbe.’

Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,weiz abe iemen waz diu minne richetan liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’

Si sprach ‘kan diu minne ‖ in diu herzen sô slîchen,

daz ir man noch wîp ‖ noch diu magt mit ir snelheit entwîchen,

weiz abe iemen waz diu minne richet

an liuten die ir schaden nie ‖ gewurben, daz si den fröude zebrichet?’

‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen.10nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegenmit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’

‘Jâ ist si gewaltec ‖ der tumben und der grîsen.

niemen als künstec lebet, ‖ daz er künne ir wunder volprîsen.10

nu sulen wir bêdiu nâch ir helfe kriegen

mit unverscharter friuntschaft ‖ minn kan mit ir wanke niemen triegen.’

‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’

‘Owê, kund diu minne ‖ ander helfe erzeigen,

danne daz ich gæbe ‖ in dîn gebot mîn frîen lîp für eigen!

mich hât dîn jugent noch niht reht erarnet.

du muost mich under schiltliem ‖ dache ê dienen: des wis vor gewarnet.’

‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten,sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’

‘Frouwe, als ich mit krefte ‖ diu wâpen mac leiten,

hie enzwischen unde ouch dan mîn lîp ‖ wirt gesehen in [den] süezen sûren arbeiten,

sô daz mîn dienst nâch dîner helfe ringe.

ich wart in dîne helfe erboren: ‖ nu hilf sô daz mir an dir gelinge.’

Diz was der anevanc ‖ ir gesellescheftemit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit kreftehet ouch sîne hervart gesprochen,und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen.10

Diz was der anevanc ‖ ir geselleschefte

mit worten, an den zîten ‖ dô Pompeius für Baldac mit krefte

het ouch sîne hervart gesprochen,

und Ipomidôn der werde: ‖ ûz ir her wart vil niwer sper zebrochen.10

Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.Davon will ich euch Abenteuer künden,Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen.Der süsse Schionatu— ‖ lander entbrannte,20Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche.Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessenMit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet.20Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden,Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen;Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,So dass es meines Kummers Noth bedenke:Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährdeSo lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde,20Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne.Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?Soll ich sie verwahren bei den Docken?Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset.20Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren.Dazu treibt sie wandellose Liebe.Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken,Bis ich dich heimlich wieder angesehn.Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen:20Weiss denn Jemand, was die Minne rächenWill an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.Lass uns um ihre Hülfe beide werbenMit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommenMit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommenSich gerüstet mit gewaltigem Heere,Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere.20

Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.Davon will ich euch Abenteuer künden,Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen.Der süsse Schionatu— ‖ lander entbrannte,20Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche.Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessenMit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet.20Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden,Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen;Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,So dass es meines Kummers Noth bedenke:Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährdeSo lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde,20Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne.Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?Soll ich sie verwahren bei den Docken?Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset.20Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren.Dazu treibt sie wandellose Liebe.Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken,Bis ich dich heimlich wieder angesehn.Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen:20Weiss denn Jemand, was die Minne rächenWill an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.Lass uns um ihre Hülfe beide werbenMit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommenMit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommenSich gerüstet mit gewaltigem Heere,Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere.20

Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.Davon will ich euch Abenteuer künden,Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen.

Die je geminnet haben ‖ und Minneleid getragen,

Von magdlichem Kummer ‖ höret nun und Jünglingsschmerzen sagen.

Davon will ich euch Abenteuer künden,

Allen, die der Sehnsucht Pein ‖ je herzliche Liebe liess ergründen.

Der süsse Schionatu— ‖ lander entbrannte,20Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche.

Der süsse Schionatu— ‖ lander entbrannte,20

Als seiner Gespielin ‖ Huld sein leidend Herz übermannte.

Da sprach er: ‘Sigune, hülfereiche,

Hilf, süsse Magd, dass deine Hand ‖ mir aus diesen Sorgen Hülfe reiche.

Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessenMit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’

Düschess von Katelangen, ‖ lass mich des geniessen,

Man sagt, du seist der Art entstammt, ‖ die es niemals mochte verdriessen

Mit Minnelohn ihm Hülfe zu gewähren,

Der Minnenoth durch sie empfieng: ‖ die Sitte solltest du an mir bewähren!’

‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’

‘Doux Ami, nun sprich, ‖ süsser Freund, was du meinest.

Lass hören, ob du solche ‖ Gesinnung gegen mich mir bescheinest,

Dass ich Gehör der Klage müss ertheilen:

Bist du des Schadens nicht gewiss, ‖ so solltest du dich nicht übereilen.’

‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet.20Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’

‘Gnade soll man suchen, ‖ da wo sie wohnet:

Herrin, ich suche Gnade: ‖ nun sieh, wie deine Güte mir lohnet.20

Freundschaft halten ziemt verständgen Kindern;

Aber wo sich Gnade ‖ nie gezeigt, da kann sie Schmerz nicht lindern.’

Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden,Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’

Sie sprach: ‘Du sollst um Linderung ‖ deinen Schmerz da künden,

Wo man dir besser helfen mag ‖ als ich, du möchtest sonst dich versünden,

Wenn du begehrst, dass ich den Schmerz dir heile.

Denn ich bin eine Waise, ‖ Land und Leuten fern, ach, manche Meile!’

‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen;Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,So dass es meines Kummers Noth bedenke:Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’

‘Ich weiss wohl, dass dir Leut ‖ und Land gehorchen, ihrer Frauen;

Das begehr ich Alles nicht: ‖ nur lass dein Herz durch deine Augen schauen,

So dass es meines Kummers Noth bedenke:

Hilf bald, eh deiner Minne Flut ‖ mir das Herz und die Freuden ertränke.’

‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährdeSo lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde,20Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne.

‘Wer solche Minne hat, dass er ‖ durch Minne gefährde

So lieben Freund, wie du mir bist, ‖ mir der liebste Freund auf der Erde,20

Solch gefährlich Ding ist mir nicht Minne.

Gott weiss wohl, ich wusste ‖ nie von der Minne Verlust noch Gewinne.

Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?Soll ich sie verwahren bei den Docken?Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’

Minne ist das ein Er? ‖ Kannst du Minne beschreiben?

Ist es ein Sie? Und kommt mir ‖ Minne, wo soll ich mit ihr bleiben?

Soll ich sie verwahren bei den Docken?

Fliegt sie uns auf die Hand ‖ oder ist sie wild? Ich kann ihr wohl locken.’

‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset.20

‘Herrin, ich hörte sagen ‖ von Frauen und von Mannen,

Minne kann auf Alt und Jung ‖ den Bogen so meisterlich spannen,

Dass sie mit Gedanken tödlich schiesset:

Sie trifft ohne Fehlen, ‖ was da läuft, kriecht, fliegt oder fliesset.20

Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren.Dazu treibt sie wandellose Liebe.Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’

Ich kannte, süsse Magd, bisher ‖ Minne nur aus Mären:

In Gedanken wohnt die Minne, ‖ das kann ich mit mir selber nun bewähren.

Dazu treibt sie wandellose Liebe.

Minne stiehlt mir Freude ‖ aus dem Herzen gleich einem Diebe.’

‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken,Bis ich dich heimlich wieder angesehn.Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’

‘Schionatulander, ‖ mich zwingen Gedanken,

Wenn du mir aus den Augen kommst, ‖ dass ich an den Freuden muss erkranken,

Bis ich dich heimlich wieder angesehn.

Drum traur ich in der Wochen ‖ nicht Einmal, zu oft ist mirs geschehen.’

‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’

‘So darfst du, süsse Magd, mich ‖ nicht fragen nach Minne:

Du erfährst wohl ohne Fragen ‖ von der Minne Verlust und Gewinne.

Sieh, wie die Minne Freude kehrt in Schmerzen;

Thu der Minn ihr Recht, dass ‖ uns die Minne nicht verderbt in den Herzen.’

Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen:20Weiss denn Jemand, was die Minne rächenWill an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’

Sie sprach: ‘Kann die Minne ‖ die Herzen so beschleichen,

Dass ihr nicht Mann, nicht Weib noch Magd ‖ mit Behendigkeit mög entweichen:20

Weiss denn Jemand, was die Minne rächen

Will an Leuten, die ihr nie ‖ geschadet, ihre Freuden so zu brechen?’

‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.Lass uns um ihre Hülfe beide werbenMit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’

‘Ja, sie ist gewaltig ‖ der Jungen wie der Greisen:

Kein Meister lebt auf Erden, ‖ der ihre Wunder alle möge preisen.

Lass uns um ihre Hülfe beide werben

Mit wandelloser Freundschaft; ‖ so kann mit Wank uns Minne nicht verderben.’

‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’

‘O weh, könnte Minne ‖ doch andre Hülf erzeigen,

Als dass ich meinen freien Leib ‖ in dein Gebot dir gäbe zu eigen!

Deine Jugend war zu Dienst mir nie beflissen:

Du musst mich unter Schildesdach ‖ erst verdienen, das sollst du wissen!’

‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’

‘Herrin, wenn ich erstarke ‖ die Waffen zu führen,

In süsser, saurer Arbeit ‖ will ich heut und immer mich rühren,

Dass mein Dienst nach deiner Hülfe ringe;

Deine Hülfe thut mir Noth: ‖ hilf denn, dass mir an dir gelinge.’

So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommenMit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommenSich gerüstet mit gewaltigem Heere,Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere.20

So hatt ihre Minne ‖ den Anfang genommen

Mit Worten in den Zeiten, ‖ da Pompejus vor Baldag zu kommen

Sich gerüstet mit gewaltigem Heere,

Und Ipomedon der werthe; ‖ da zerbrachen sie viel neue Speere.20

Durh Gyburge al diu nôt geschach.diu stuont ûf, mit zuht si sprach,ê daz sich schiet der fürsten rât.‘swer zuht mit triwen hinne hât,der ruoche hœren mîniu wort.got weiz wol daz ich jâmers hortsô vil inz herze hân geleit,daz in der lîp unsamfte treit.’Die gein ir ûf begunden stên,die bat si sitzn und ninder gên.dô si gesâzen über al,si sprach ‘der tôtlîche valder hiest geschehen ze bêder sîtdar umbe ich der getouften nît10trag und ouch der heiden,daz bezzer got in beidenan mir, und sî ich schuldic dran.die rœmschen fürsten ich hie man,daz ir kristenlîch êre mêrt,ob iuch got sô verre gert,daz ir mit strîte ûf Alischanzrechet den jungen Vivîanzan mînen mâgn und an ir her:die vindet ir mit grôzer wer.20und ob der heiden schumpfentiur ergê,sô tuot daz sælekeit wol stê:hœrt eins tumben wîbes rât,schônt der gotes hantgetât.Ein heiden was der êrste manden got machen began.Nu geloubt daz Eljas unde Enochfür heiden sint behalten noch.Nôê ouch ein heiden was,der in der arken genas.Iop für wâr ein heiden hiez,den got dar umbe niht verstiez.nu nemt ouch drîer künege war,10der heizet einer Kaspar,Melchîor und Balthasân:die müeze wir für heiden hân,diene sint zer flüste niht benant:got selb enpfienc mit sîner hantdie êrsten gâbe an muoter brustvon in. die heiden hin zer flustsint alle niht benennet.wir hân für wâr bekennet,swaz müeter her sît Even zît20kint gebâren, âne strîtgar heidenschaft was ir geburt:etslîchz der touf het umbegurt.getouft wîp den heiden treit,swie dez kint der touf hab umbeleit.der juden touf hât sundersite:den begênt si mit eime snite.wir wârn doch alle heidnisch ê.dem sældehaften tuot vil wê,ob von dem vater sîniu kinthin zer flust benennet sint:er mac sih erbarmen über sie,10der rehte erbarmekeit truoc ie.Nu geloubt ouch daz diu mennescheitden engelen ir stat ab erstreit,daz si gesetzet wâren,die unser künne vâren,ze himele in den zehenden kôr.die erzeigeten got alsölhen bôr,daz sîn werdiu kraft vil stætecvon in wart anrætec.dieselben nôtgestallen20von gedanken muosen vallen:got enlie si niht zen werken komn,der gedanc weiz wol unvernomn.dar umbe des menschen wart erdâht.sich heten mensch und engel brâhtbeidiu in den gotes haz:wie kumt daz nu daz mennisch hazdan der engl gedinget?mîn munt daz mære bringet.daz mennisch wart durch rât verlorn:der engel hât sich selb erkornzer êwigen flüstemit sîner âküste,10und al die im gestuondendie selben riwe fuonden.die varent noch hiute dem mensche bî,als ob der kôr ir erbe sî,der den ist ze erbe lâzendie sich des kunnen mâzendaz gotes zorn erwirbet,des sælde niht verdirbet.Swaz iu die heiden hânt getân,ir sult si doch geniezen lân20daz got selbe ûf die verkôsvon den er den lîp verlôs.ob iu got sigenunft dort gît,lâts iu erbarmen ime strît.sîn werdeclîchez leben bôtfür die schuldehaften an den tôtunser vater Tetragramatôn.sus gab er sînen kinden lônir vergezzenlîchen sinne.sîn erbarmede rîchiu minneelliu wunder gar besliuzet,10des triwe niht verdriuzet,sine trage die helfeclîche hantdiu bêde wazzer unde lantvil künsteclîch alrêrst entwarf,und des al diu crêatiure bedarfdie der himel unbesweifet hât.diu selbe [hant] die plânêten lâtir poynder vollen gâhenbêdiu verre und nâhen.swie si nimmer ûf gehaldent,20si warment unde kaldent:etswenne’z îs si schaffent:dar nâch si boume saffent,sô diu erde ir gevidere rêrtunde si der meie lêrtir mûze alsus volrecken,nâch den rîfen bluomen stecken.Ich diene der künsteclîchen hantfür den heiden got Tervigant:ir kraft hât mich von Mahumetenunders toufes zil gebeten.des trag ich mîner mâge haz;und der getouften umbe daz:durch menneschlîcher minne gîtsi wænent daz ich fuogte disen strît.dêswâr ich liez ouch minne dort,10und grôzer rîcheit manegen hort,und schœniu kint, bî einem man,an dem ich niht geprüeven kandaz er kein untât ie begienc,sîd ich krôn von im enpfienc.Tybalt von Arâbîist vor aller untæte vrî:ich trag al ein die schulde,durh des hœhsten gotes hulde,ein teil ouch durh den markîs20der bejaget hât sô manegen prîs.ey Willalm, rehter punjûr,daz dir mîn minne ie wart sô sûr!waz werder diet ûz erkornin dîme dienste hânt verlornir lîp genendeclîche!der arme und der rîche,nu geloubt daz iwerr mâge flustmir sendet jâmer in die brust:für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’si weinde vil: des twanc si nôt.10

Durh Gyburge al diu nôt geschach.diu stuont ûf, mit zuht si sprach,ê daz sich schiet der fürsten rât.‘swer zuht mit triwen hinne hât,der ruoche hœren mîniu wort.got weiz wol daz ich jâmers hortsô vil inz herze hân geleit,daz in der lîp unsamfte treit.’Die gein ir ûf begunden stên,die bat si sitzn und ninder gên.dô si gesâzen über al,si sprach ‘der tôtlîche valder hiest geschehen ze bêder sîtdar umbe ich der getouften nît10trag und ouch der heiden,daz bezzer got in beidenan mir, und sî ich schuldic dran.die rœmschen fürsten ich hie man,daz ir kristenlîch êre mêrt,ob iuch got sô verre gert,daz ir mit strîte ûf Alischanzrechet den jungen Vivîanzan mînen mâgn und an ir her:die vindet ir mit grôzer wer.20und ob der heiden schumpfentiur ergê,sô tuot daz sælekeit wol stê:hœrt eins tumben wîbes rât,schônt der gotes hantgetât.Ein heiden was der êrste manden got machen began.Nu geloubt daz Eljas unde Enochfür heiden sint behalten noch.Nôê ouch ein heiden was,der in der arken genas.Iop für wâr ein heiden hiez,den got dar umbe niht verstiez.nu nemt ouch drîer künege war,10der heizet einer Kaspar,Melchîor und Balthasân:die müeze wir für heiden hân,diene sint zer flüste niht benant:got selb enpfienc mit sîner hantdie êrsten gâbe an muoter brustvon in. die heiden hin zer flustsint alle niht benennet.wir hân für wâr bekennet,swaz müeter her sît Even zît20kint gebâren, âne strîtgar heidenschaft was ir geburt:etslîchz der touf het umbegurt.getouft wîp den heiden treit,swie dez kint der touf hab umbeleit.der juden touf hât sundersite:den begênt si mit eime snite.wir wârn doch alle heidnisch ê.dem sældehaften tuot vil wê,ob von dem vater sîniu kinthin zer flust benennet sint:er mac sih erbarmen über sie,10der rehte erbarmekeit truoc ie.Nu geloubt ouch daz diu mennescheitden engelen ir stat ab erstreit,daz si gesetzet wâren,die unser künne vâren,ze himele in den zehenden kôr.die erzeigeten got alsölhen bôr,daz sîn werdiu kraft vil stætecvon in wart anrætec.dieselben nôtgestallen20von gedanken muosen vallen:got enlie si niht zen werken komn,der gedanc weiz wol unvernomn.dar umbe des menschen wart erdâht.sich heten mensch und engel brâhtbeidiu in den gotes haz:wie kumt daz nu daz mennisch hazdan der engl gedinget?mîn munt daz mære bringet.daz mennisch wart durch rât verlorn:der engel hât sich selb erkornzer êwigen flüstemit sîner âküste,10und al die im gestuondendie selben riwe fuonden.die varent noch hiute dem mensche bî,als ob der kôr ir erbe sî,der den ist ze erbe lâzendie sich des kunnen mâzendaz gotes zorn erwirbet,des sælde niht verdirbet.Swaz iu die heiden hânt getân,ir sult si doch geniezen lân20daz got selbe ûf die verkôsvon den er den lîp verlôs.ob iu got sigenunft dort gît,lâts iu erbarmen ime strît.sîn werdeclîchez leben bôtfür die schuldehaften an den tôtunser vater Tetragramatôn.sus gab er sînen kinden lônir vergezzenlîchen sinne.sîn erbarmede rîchiu minneelliu wunder gar besliuzet,10des triwe niht verdriuzet,sine trage die helfeclîche hantdiu bêde wazzer unde lantvil künsteclîch alrêrst entwarf,und des al diu crêatiure bedarfdie der himel unbesweifet hât.diu selbe [hant] die plânêten lâtir poynder vollen gâhenbêdiu verre und nâhen.swie si nimmer ûf gehaldent,20si warment unde kaldent:etswenne’z îs si schaffent:dar nâch si boume saffent,sô diu erde ir gevidere rêrtunde si der meie lêrtir mûze alsus volrecken,nâch den rîfen bluomen stecken.Ich diene der künsteclîchen hantfür den heiden got Tervigant:ir kraft hât mich von Mahumetenunders toufes zil gebeten.des trag ich mîner mâge haz;und der getouften umbe daz:durch menneschlîcher minne gîtsi wænent daz ich fuogte disen strît.dêswâr ich liez ouch minne dort,10und grôzer rîcheit manegen hort,und schœniu kint, bî einem man,an dem ich niht geprüeven kandaz er kein untât ie begienc,sîd ich krôn von im enpfienc.Tybalt von Arâbîist vor aller untæte vrî:ich trag al ein die schulde,durh des hœhsten gotes hulde,ein teil ouch durh den markîs20der bejaget hât sô manegen prîs.ey Willalm, rehter punjûr,daz dir mîn minne ie wart sô sûr!waz werder diet ûz erkornin dîme dienste hânt verlornir lîp genendeclîche!der arme und der rîche,nu geloubt daz iwerr mâge flustmir sendet jâmer in die brust:für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’si weinde vil: des twanc si nôt.10

Durh Gyburge al diu nôt geschach.diu stuont ûf, mit zuht si sprach,ê daz sich schiet der fürsten rât.‘swer zuht mit triwen hinne hât,der ruoche hœren mîniu wort.got weiz wol daz ich jâmers hortsô vil inz herze hân geleit,daz in der lîp unsamfte treit.’Die gein ir ûf begunden stên,die bat si sitzn und ninder gên.dô si gesâzen über al,si sprach ‘der tôtlîche valder hiest geschehen ze bêder sîtdar umbe ich der getouften nît10trag und ouch der heiden,daz bezzer got in beidenan mir, und sî ich schuldic dran.die rœmschen fürsten ich hie man,daz ir kristenlîch êre mêrt,ob iuch got sô verre gert,daz ir mit strîte ûf Alischanzrechet den jungen Vivîanzan mînen mâgn und an ir her:die vindet ir mit grôzer wer.20und ob der heiden schumpfentiur ergê,sô tuot daz sælekeit wol stê:hœrt eins tumben wîbes rât,schônt der gotes hantgetât.Ein heiden was der êrste manden got machen began.Nu geloubt daz Eljas unde Enochfür heiden sint behalten noch.Nôê ouch ein heiden was,der in der arken genas.Iop für wâr ein heiden hiez,den got dar umbe niht verstiez.nu nemt ouch drîer künege war,10der heizet einer Kaspar,Melchîor und Balthasân:die müeze wir für heiden hân,diene sint zer flüste niht benant:got selb enpfienc mit sîner hantdie êrsten gâbe an muoter brustvon in. die heiden hin zer flustsint alle niht benennet.wir hân für wâr bekennet,swaz müeter her sît Even zît20kint gebâren, âne strîtgar heidenschaft was ir geburt:etslîchz der touf het umbegurt.getouft wîp den heiden treit,swie dez kint der touf hab umbeleit.der juden touf hât sundersite:den begênt si mit eime snite.wir wârn doch alle heidnisch ê.dem sældehaften tuot vil wê,ob von dem vater sîniu kinthin zer flust benennet sint:er mac sih erbarmen über sie,10der rehte erbarmekeit truoc ie.Nu geloubt ouch daz diu mennescheitden engelen ir stat ab erstreit,daz si gesetzet wâren,die unser künne vâren,ze himele in den zehenden kôr.die erzeigeten got alsölhen bôr,daz sîn werdiu kraft vil stætecvon in wart anrætec.dieselben nôtgestallen20von gedanken muosen vallen:got enlie si niht zen werken komn,der gedanc weiz wol unvernomn.dar umbe des menschen wart erdâht.sich heten mensch und engel brâhtbeidiu in den gotes haz:wie kumt daz nu daz mennisch hazdan der engl gedinget?mîn munt daz mære bringet.daz mennisch wart durch rât verlorn:der engel hât sich selb erkornzer êwigen flüstemit sîner âküste,10und al die im gestuondendie selben riwe fuonden.die varent noch hiute dem mensche bî,als ob der kôr ir erbe sî,der den ist ze erbe lâzendie sich des kunnen mâzendaz gotes zorn erwirbet,des sælde niht verdirbet.Swaz iu die heiden hânt getân,ir sult si doch geniezen lân20daz got selbe ûf die verkôsvon den er den lîp verlôs.ob iu got sigenunft dort gît,lâts iu erbarmen ime strît.sîn werdeclîchez leben bôtfür die schuldehaften an den tôtunser vater Tetragramatôn.sus gab er sînen kinden lônir vergezzenlîchen sinne.sîn erbarmede rîchiu minneelliu wunder gar besliuzet,10des triwe niht verdriuzet,sine trage die helfeclîche hantdiu bêde wazzer unde lantvil künsteclîch alrêrst entwarf,und des al diu crêatiure bedarfdie der himel unbesweifet hât.diu selbe [hant] die plânêten lâtir poynder vollen gâhenbêdiu verre und nâhen.swie si nimmer ûf gehaldent,20si warment unde kaldent:etswenne’z îs si schaffent:dar nâch si boume saffent,sô diu erde ir gevidere rêrtunde si der meie lêrtir mûze alsus volrecken,nâch den rîfen bluomen stecken.Ich diene der künsteclîchen hantfür den heiden got Tervigant:ir kraft hât mich von Mahumetenunders toufes zil gebeten.des trag ich mîner mâge haz;und der getouften umbe daz:durch menneschlîcher minne gîtsi wænent daz ich fuogte disen strît.dêswâr ich liez ouch minne dort,10und grôzer rîcheit manegen hort,und schœniu kint, bî einem man,an dem ich niht geprüeven kandaz er kein untât ie begienc,sîd ich krôn von im enpfienc.Tybalt von Arâbîist vor aller untæte vrî:ich trag al ein die schulde,durh des hœhsten gotes hulde,ein teil ouch durh den markîs20der bejaget hât sô manegen prîs.ey Willalm, rehter punjûr,daz dir mîn minne ie wart sô sûr!waz werder diet ûz erkornin dîme dienste hânt verlornir lîp genendeclîche!der arme und der rîche,nu geloubt daz iwerr mâge flustmir sendet jâmer in die brust:für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’si weinde vil: des twanc si nôt.10

Durh Gyburge al diu nôt geschach.

diu stuont ûf, mit zuht si sprach,

ê daz sich schiet der fürsten rât.

‘swer zuht mit triwen hinne hât,

der ruoche hœren mîniu wort.

got weiz wol daz ich jâmers hort

sô vil inz herze hân geleit,

daz in der lîp unsamfte treit.’

Die gein ir ûf begunden stên,

die bat si sitzn und ninder gên.

dô si gesâzen über al,

si sprach ‘der tôtlîche val

der hiest geschehen ze bêder sît

dar umbe ich der getouften nît10

trag und ouch der heiden,

daz bezzer got in beiden

an mir, und sî ich schuldic dran.

die rœmschen fürsten ich hie man,

daz ir kristenlîch êre mêrt,

ob iuch got sô verre gert,

daz ir mit strîte ûf Alischanz

rechet den jungen Vivîanz

an mînen mâgn und an ir her:

die vindet ir mit grôzer wer.20

und ob der heiden schumpfentiur ergê,

sô tuot daz sælekeit wol stê:

hœrt eins tumben wîbes rât,

schônt der gotes hantgetât.

Ein heiden was der êrste man

den got machen began.

Nu geloubt daz Eljas unde Enoch

für heiden sint behalten noch.

Nôê ouch ein heiden was,

der in der arken genas.

Iop für wâr ein heiden hiez,

den got dar umbe niht verstiez.

nu nemt ouch drîer künege war,10

der heizet einer Kaspar,

Melchîor und Balthasân:

die müeze wir für heiden hân,

diene sint zer flüste niht benant:

got selb enpfienc mit sîner hant

die êrsten gâbe an muoter brust

von in. die heiden hin zer flust

sint alle niht benennet.

wir hân für wâr bekennet,

swaz müeter her sît Even zît20

kint gebâren, âne strît

gar heidenschaft was ir geburt:

etslîchz der touf het umbegurt.

getouft wîp den heiden treit,

swie dez kint der touf hab umbeleit.

der juden touf hât sundersite:

den begênt si mit eime snite.

wir wârn doch alle heidnisch ê.

dem sældehaften tuot vil wê,

ob von dem vater sîniu kint

hin zer flust benennet sint:

er mac sih erbarmen über sie,10

der rehte erbarmekeit truoc ie.

Nu geloubt ouch daz diu mennescheit

den engelen ir stat ab erstreit,

daz si gesetzet wâren,

die unser künne vâren,

ze himele in den zehenden kôr.

die erzeigeten got alsölhen bôr,

daz sîn werdiu kraft vil stætec

von in wart anrætec.

dieselben nôtgestallen20

von gedanken muosen vallen:

got enlie si niht zen werken komn,

der gedanc weiz wol unvernomn.

dar umbe des menschen wart erdâht.

sich heten mensch und engel brâht

beidiu in den gotes haz:

wie kumt daz nu daz mennisch haz

dan der engl gedinget?

mîn munt daz mære bringet.

daz mennisch wart durch rât verlorn:

der engel hât sich selb erkorn

zer êwigen flüste

mit sîner âküste,10

und al die im gestuonden

die selben riwe fuonden.

die varent noch hiute dem mensche bî,

als ob der kôr ir erbe sî,

der den ist ze erbe lâzen

die sich des kunnen mâzen

daz gotes zorn erwirbet,

des sælde niht verdirbet.

Swaz iu die heiden hânt getân,

ir sult si doch geniezen lân20

daz got selbe ûf die verkôs

von den er den lîp verlôs.

ob iu got sigenunft dort gît,

lâts iu erbarmen ime strît.

sîn werdeclîchez leben bôt

für die schuldehaften an den tôt

unser vater Tetragramatôn.

sus gab er sînen kinden lôn

ir vergezzenlîchen sinne.

sîn erbarmede rîchiu minne

elliu wunder gar besliuzet,10

des triwe niht verdriuzet,

sine trage die helfeclîche hant

diu bêde wazzer unde lant

vil künsteclîch alrêrst entwarf,

und des al diu crêatiure bedarf

die der himel unbesweifet hât.

diu selbe [hant] die plânêten lât

ir poynder vollen gâhen

bêdiu verre und nâhen.

swie si nimmer ûf gehaldent,20

si warment unde kaldent:

etswenne’z îs si schaffent:

dar nâch si boume saffent,

sô diu erde ir gevidere rêrt

unde si der meie lêrt

ir mûze alsus volrecken,

nâch den rîfen bluomen stecken.

Ich diene der künsteclîchen hant

für den heiden got Tervigant:

ir kraft hât mich von Mahumeten

unders toufes zil gebeten.

des trag ich mîner mâge haz;

und der getouften umbe daz:

durch menneschlîcher minne gît

si wænent daz ich fuogte disen strît.

dêswâr ich liez ouch minne dort,10

und grôzer rîcheit manegen hort,

und schœniu kint, bî einem man,

an dem ich niht geprüeven kan

daz er kein untât ie begienc,

sîd ich krôn von im enpfienc.

Tybalt von Arâbî

ist vor aller untæte vrî:

ich trag al ein die schulde,

durh des hœhsten gotes hulde,

ein teil ouch durh den markîs20

der bejaget hât sô manegen prîs.

ey Willalm, rehter punjûr,

daz dir mîn minne ie wart sô sûr!

waz werder diet ûz erkorn

in dîme dienste hânt verlorn

ir lîp genendeclîche!

der arme und der rîche,

nu geloubt daz iwerr mâge flust

mir sendet jâmer in die brust:

für wâr mîn vreude ist mit in tôt.’

si weinde vil: des twanc si nôt.10

Kyburg, der Quell all dieser Leiden,stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,bevor der Fürstenrath sich trennt:‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,geruh zu hören, was ich sage.Gott weiss, dass solchen Schatz der Klageich habe in mein Herz gelegt,dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’Die vor ihr begannen aufzustehn,bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.Als dann sie sassen überall,hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,der beiderseits geschehen ist,weshalb der Heide wie der Christ10mir zürnt, den wende Gottes Huldzum Bessern Beiden, so wie mir,bin ich allein auch daran schuld.Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,dass ihre Christenehr’ es mehrt,wenn Gott euch dazu nun begehrt,dass ihr im Kampf auf Alischanzrächet den jungen Vivianzan meinen Verwandten und ihrem Heer.Die findet ihr mit grosser Wehr.20Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,so sorgt, zu wahren die Seligkeit.Hört an einfält’ges Weibes Rath:Achtet, was Gott geschaffen hat!Ein Heide war der erste Mann,den zu erschaffen Gott begann.Für Heiden sind Elias und Henochgehalten auch, so glaubt ihr doch.Gleichfalls ein Heide Noah war,des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,den Gott doch deshalb nicht verstiess.Auch nehmt die drei Kön’ge wahr,10Melchior, Kaspar und Balthasar;wir müssen sie zwar Heiden nennen,doch aber auch zugleich bekennen,dass nimmer sie verdammet sind.Gott selbst empfieng, das Jesuskind,an Mutterbrust aus ihrer Handdie erste Gabe. Nicht alle Heidensehn drum wir hin zur Hölle scheiden.Es ist als wahr von uns erkannt:Alle Kinder, die seit Evas Zeit20die Mütter gebaren, sind ohne Streitim Heidenthum bei ihrer Geburt;nur einige schirmt der Taufe Gurt.Das Christenweib den Heiden trägt,bis ihm die Taufe ist angelegt.Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,die sie vollziehen mit einem Schnitte.Wie waren all’ drum heidnisch eh:doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,wenn von dem Vater seine Kindzu den Verdammten gezählet sind;und es erbarme sich über sie,10der sein Erbarmen versagt noch nie.Auch glaubet ihr, die Menschheit hatden Engeln abgestritten die Statt,wohin gesetzt sie ehbevor,in des Himmels zehnten Chor,die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.Gott zeigten sie solchen Übermuth,und suchten mit beharrlichem Werbenseine Herrlichkeit zu verderben.Dieselben Jammerbrüder alle20kamen durch Gedanken zu Falle.Gott, der die Gedanken unausgesprochendoch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.Mensch und Engel haben gebrachtsich beide um die Gotteshuld.Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuldsoll leichter als die der Engel wiegen;Das sei euch nicht von mir verschwiegen.Durch Verführung gieng der Mensch verloren;die Engel haben sich selbst erkorendurch ihren Verrath und Treuebruchder ewigen Verdammniss Fluch,10wie gleiches Elend alle fanden,die zu ihnen gleichfalls standen.Sie umstricken den Menschen wie zuvornoch heute, als sei ihr Erbe der Chor,der doch als Erbe nur denen gelassen,die vermeiden, was Gott muss hassen,dass seinen Zorn sie nicht erwerben.Ihr Heil entgehet dem Verderben.Was auch die Heiden euch gethan,so sollt ihr denken doch daran,20dass denen auch Gott selbst verzieh,die seinen Leib getödtet hie.Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,so übt Erbarmen in dem Streit.Sein würdereiches Leben botfür die Schuldigen dem Todunser Vater Tetragrammaton[22].So gab er seinen Kindern Lohn,wie wohl sie seiner schwer vergassen.Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessenalle Wunder sonder Massen.10Nie kann es seine Treu verdriessen,zu helfen mit hülfreicher Hand,die beides, Wasser so wie Landzuerst mit weiser Kunst entwarf,des alle Kreatur bedarf,die der Himmel umkreiset.Dieselbe Hand den Planeten weisetdie Bahnen an in Fernen und Nähen,den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.Wie unaufhaltsam ihren Kreis20sie vollenden, giebt ihre KraftWärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,sie giessen in den Baum den Saft,wenn die Erd’ erneuert ihr Gefiederund sie der Mai belehret, wieder,um ihre Mause zu vollenden,Blumen nach dem Reif zu spenden.Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,anstatt dem Gotte Tervigant.Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segenmich ab den Glauben Mahoms legen;deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.Doch den Getauften will es scheinen,als ob durch menschlicher Minne Begierich diesen Streit entflammet hier.Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort,10und grosses Reichthums manchen Hort,und schöne Kinder bei einem Mann,dem niemals ich nachweisen kann,dass irgend Unthat er begieng,seit ich von ihm die Kron’ empfieng.Tybald von Arabien seivon allem Frevel gesprochen frei.Ich trag allein die Schulddurch des höchsten Gottes Huldund theils durch den Marquis gezwungen,20der sich so manchen Preis errungen.Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,dass so meine Liebe verderblich dir!Wie werthe Männer auserkorenhaben ihr edles Leben verlorenin deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,o glaubt es, dass mit tiefstem Harmeeurer lieben Verwandten Verlustmir jammervoll beschwert die Brust.Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’Sie weinte sehr im Zwang der Noth.10

Kyburg, der Quell all dieser Leiden,stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,bevor der Fürstenrath sich trennt:‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,geruh zu hören, was ich sage.Gott weiss, dass solchen Schatz der Klageich habe in mein Herz gelegt,dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’Die vor ihr begannen aufzustehn,bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.Als dann sie sassen überall,hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,der beiderseits geschehen ist,weshalb der Heide wie der Christ10mir zürnt, den wende Gottes Huldzum Bessern Beiden, so wie mir,bin ich allein auch daran schuld.Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,dass ihre Christenehr’ es mehrt,wenn Gott euch dazu nun begehrt,dass ihr im Kampf auf Alischanzrächet den jungen Vivianzan meinen Verwandten und ihrem Heer.Die findet ihr mit grosser Wehr.20Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,so sorgt, zu wahren die Seligkeit.Hört an einfält’ges Weibes Rath:Achtet, was Gott geschaffen hat!Ein Heide war der erste Mann,den zu erschaffen Gott begann.Für Heiden sind Elias und Henochgehalten auch, so glaubt ihr doch.Gleichfalls ein Heide Noah war,des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,den Gott doch deshalb nicht verstiess.Auch nehmt die drei Kön’ge wahr,10Melchior, Kaspar und Balthasar;wir müssen sie zwar Heiden nennen,doch aber auch zugleich bekennen,dass nimmer sie verdammet sind.Gott selbst empfieng, das Jesuskind,an Mutterbrust aus ihrer Handdie erste Gabe. Nicht alle Heidensehn drum wir hin zur Hölle scheiden.Es ist als wahr von uns erkannt:Alle Kinder, die seit Evas Zeit20die Mütter gebaren, sind ohne Streitim Heidenthum bei ihrer Geburt;nur einige schirmt der Taufe Gurt.Das Christenweib den Heiden trägt,bis ihm die Taufe ist angelegt.Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,die sie vollziehen mit einem Schnitte.Wie waren all’ drum heidnisch eh:doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,wenn von dem Vater seine Kindzu den Verdammten gezählet sind;und es erbarme sich über sie,10der sein Erbarmen versagt noch nie.Auch glaubet ihr, die Menschheit hatden Engeln abgestritten die Statt,wohin gesetzt sie ehbevor,in des Himmels zehnten Chor,die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.Gott zeigten sie solchen Übermuth,und suchten mit beharrlichem Werbenseine Herrlichkeit zu verderben.Dieselben Jammerbrüder alle20kamen durch Gedanken zu Falle.Gott, der die Gedanken unausgesprochendoch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.Mensch und Engel haben gebrachtsich beide um die Gotteshuld.Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuldsoll leichter als die der Engel wiegen;Das sei euch nicht von mir verschwiegen.Durch Verführung gieng der Mensch verloren;die Engel haben sich selbst erkorendurch ihren Verrath und Treuebruchder ewigen Verdammniss Fluch,10wie gleiches Elend alle fanden,die zu ihnen gleichfalls standen.Sie umstricken den Menschen wie zuvornoch heute, als sei ihr Erbe der Chor,der doch als Erbe nur denen gelassen,die vermeiden, was Gott muss hassen,dass seinen Zorn sie nicht erwerben.Ihr Heil entgehet dem Verderben.Was auch die Heiden euch gethan,so sollt ihr denken doch daran,20dass denen auch Gott selbst verzieh,die seinen Leib getödtet hie.Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,so übt Erbarmen in dem Streit.Sein würdereiches Leben botfür die Schuldigen dem Todunser Vater Tetragrammaton[22].So gab er seinen Kindern Lohn,wie wohl sie seiner schwer vergassen.Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessenalle Wunder sonder Massen.10Nie kann es seine Treu verdriessen,zu helfen mit hülfreicher Hand,die beides, Wasser so wie Landzuerst mit weiser Kunst entwarf,des alle Kreatur bedarf,die der Himmel umkreiset.Dieselbe Hand den Planeten weisetdie Bahnen an in Fernen und Nähen,den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.Wie unaufhaltsam ihren Kreis20sie vollenden, giebt ihre KraftWärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,sie giessen in den Baum den Saft,wenn die Erd’ erneuert ihr Gefiederund sie der Mai belehret, wieder,um ihre Mause zu vollenden,Blumen nach dem Reif zu spenden.Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,anstatt dem Gotte Tervigant.Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segenmich ab den Glauben Mahoms legen;deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.Doch den Getauften will es scheinen,als ob durch menschlicher Minne Begierich diesen Streit entflammet hier.Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort,10und grosses Reichthums manchen Hort,und schöne Kinder bei einem Mann,dem niemals ich nachweisen kann,dass irgend Unthat er begieng,seit ich von ihm die Kron’ empfieng.Tybald von Arabien seivon allem Frevel gesprochen frei.Ich trag allein die Schulddurch des höchsten Gottes Huldund theils durch den Marquis gezwungen,20der sich so manchen Preis errungen.Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,dass so meine Liebe verderblich dir!Wie werthe Männer auserkorenhaben ihr edles Leben verlorenin deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,o glaubt es, dass mit tiefstem Harmeeurer lieben Verwandten Verlustmir jammervoll beschwert die Brust.Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’Sie weinte sehr im Zwang der Noth.10

Kyburg, der Quell all dieser Leiden,stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,bevor der Fürstenrath sich trennt:‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,geruh zu hören, was ich sage.Gott weiss, dass solchen Schatz der Klageich habe in mein Herz gelegt,dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’Die vor ihr begannen aufzustehn,bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.Als dann sie sassen überall,hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,der beiderseits geschehen ist,weshalb der Heide wie der Christ10mir zürnt, den wende Gottes Huldzum Bessern Beiden, so wie mir,bin ich allein auch daran schuld.Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,dass ihre Christenehr’ es mehrt,wenn Gott euch dazu nun begehrt,dass ihr im Kampf auf Alischanzrächet den jungen Vivianzan meinen Verwandten und ihrem Heer.Die findet ihr mit grosser Wehr.20Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,so sorgt, zu wahren die Seligkeit.Hört an einfält’ges Weibes Rath:Achtet, was Gott geschaffen hat!Ein Heide war der erste Mann,den zu erschaffen Gott begann.Für Heiden sind Elias und Henochgehalten auch, so glaubt ihr doch.Gleichfalls ein Heide Noah war,des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,den Gott doch deshalb nicht verstiess.Auch nehmt die drei Kön’ge wahr,10Melchior, Kaspar und Balthasar;wir müssen sie zwar Heiden nennen,doch aber auch zugleich bekennen,dass nimmer sie verdammet sind.Gott selbst empfieng, das Jesuskind,an Mutterbrust aus ihrer Handdie erste Gabe. Nicht alle Heidensehn drum wir hin zur Hölle scheiden.Es ist als wahr von uns erkannt:Alle Kinder, die seit Evas Zeit20die Mütter gebaren, sind ohne Streitim Heidenthum bei ihrer Geburt;nur einige schirmt der Taufe Gurt.Das Christenweib den Heiden trägt,bis ihm die Taufe ist angelegt.Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,die sie vollziehen mit einem Schnitte.Wie waren all’ drum heidnisch eh:doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,wenn von dem Vater seine Kindzu den Verdammten gezählet sind;und es erbarme sich über sie,10der sein Erbarmen versagt noch nie.Auch glaubet ihr, die Menschheit hatden Engeln abgestritten die Statt,wohin gesetzt sie ehbevor,in des Himmels zehnten Chor,die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.Gott zeigten sie solchen Übermuth,und suchten mit beharrlichem Werbenseine Herrlichkeit zu verderben.Dieselben Jammerbrüder alle20kamen durch Gedanken zu Falle.Gott, der die Gedanken unausgesprochendoch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.Mensch und Engel haben gebrachtsich beide um die Gotteshuld.Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuldsoll leichter als die der Engel wiegen;Das sei euch nicht von mir verschwiegen.Durch Verführung gieng der Mensch verloren;die Engel haben sich selbst erkorendurch ihren Verrath und Treuebruchder ewigen Verdammniss Fluch,10wie gleiches Elend alle fanden,die zu ihnen gleichfalls standen.Sie umstricken den Menschen wie zuvornoch heute, als sei ihr Erbe der Chor,der doch als Erbe nur denen gelassen,die vermeiden, was Gott muss hassen,dass seinen Zorn sie nicht erwerben.Ihr Heil entgehet dem Verderben.Was auch die Heiden euch gethan,so sollt ihr denken doch daran,20dass denen auch Gott selbst verzieh,die seinen Leib getödtet hie.Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,so übt Erbarmen in dem Streit.Sein würdereiches Leben botfür die Schuldigen dem Todunser Vater Tetragrammaton[22].So gab er seinen Kindern Lohn,wie wohl sie seiner schwer vergassen.Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessenalle Wunder sonder Massen.10Nie kann es seine Treu verdriessen,zu helfen mit hülfreicher Hand,die beides, Wasser so wie Landzuerst mit weiser Kunst entwarf,des alle Kreatur bedarf,die der Himmel umkreiset.Dieselbe Hand den Planeten weisetdie Bahnen an in Fernen und Nähen,den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.Wie unaufhaltsam ihren Kreis20sie vollenden, giebt ihre KraftWärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,sie giessen in den Baum den Saft,wenn die Erd’ erneuert ihr Gefiederund sie der Mai belehret, wieder,um ihre Mause zu vollenden,Blumen nach dem Reif zu spenden.Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,anstatt dem Gotte Tervigant.Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segenmich ab den Glauben Mahoms legen;deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.Doch den Getauften will es scheinen,als ob durch menschlicher Minne Begierich diesen Streit entflammet hier.Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort,10und grosses Reichthums manchen Hort,und schöne Kinder bei einem Mann,dem niemals ich nachweisen kann,dass irgend Unthat er begieng,seit ich von ihm die Kron’ empfieng.Tybald von Arabien seivon allem Frevel gesprochen frei.Ich trag allein die Schulddurch des höchsten Gottes Huldund theils durch den Marquis gezwungen,20der sich so manchen Preis errungen.Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,dass so meine Liebe verderblich dir!Wie werthe Männer auserkorenhaben ihr edles Leben verlorenin deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,o glaubt es, dass mit tiefstem Harmeeurer lieben Verwandten Verlustmir jammervoll beschwert die Brust.Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’Sie weinte sehr im Zwang der Noth.10

Kyburg, der Quell all dieser Leiden,

stand auf, und nimmt das Wort bescheiden,

bevor der Fürstenrath sich trennt:

‘Wer Zucht und Treue hier bekennt,

geruh zu hören, was ich sage.

Gott weiss, dass solchen Schatz der Klage

ich habe in mein Herz gelegt,

dass ihn mit Müh der Leib nur trägt.’

Die vor ihr begannen aufzustehn,

bat sie zu sitzen und nicht zu gehn.

Als dann sie sassen überall,

hub an die Königin: ‘Den tödlichen Fall,

der beiderseits geschehen ist,

weshalb der Heide wie der Christ10

mir zürnt, den wende Gottes Huld

zum Bessern Beiden, so wie mir,

bin ich allein auch daran schuld.

Die römischen Fürsten mahn’ ich hier,

dass ihre Christenehr’ es mehrt,

wenn Gott euch dazu nun begehrt,

dass ihr im Kampf auf Alischanz

rächet den jungen Vivianz

an meinen Verwandten und ihrem Heer.

Die findet ihr mit grosser Wehr.20

Doch werft ihr die Heiden nieder im Streit,

so sorgt, zu wahren die Seligkeit.

Hört an einfält’ges Weibes Rath:

Achtet, was Gott geschaffen hat!

Ein Heide war der erste Mann,

den zu erschaffen Gott begann.

Für Heiden sind Elias und Henoch

gehalten auch, so glaubt ihr doch.

Gleichfalls ein Heide Noah war,

des Arch’ ihn trug aus der Gefahr.

Fürwahr ein Heid’ auch Hiob hiess,

den Gott doch deshalb nicht verstiess.

Auch nehmt die drei Kön’ge wahr,10

Melchior, Kaspar und Balthasar;

wir müssen sie zwar Heiden nennen,

doch aber auch zugleich bekennen,

dass nimmer sie verdammet sind.

Gott selbst empfieng, das Jesuskind,

an Mutterbrust aus ihrer Hand

die erste Gabe. Nicht alle Heiden

sehn drum wir hin zur Hölle scheiden.

Es ist als wahr von uns erkannt:

Alle Kinder, die seit Evas Zeit20

die Mütter gebaren, sind ohne Streit

im Heidenthum bei ihrer Geburt;

nur einige schirmt der Taufe Gurt.

Das Christenweib den Heiden trägt,

bis ihm die Taufe ist angelegt.

Der Juden Tauf’ ist eigner Sitte,

die sie vollziehen mit einem Schnitte.

Wie waren all’ drum heidnisch eh:

doch thut’s dem heiltheilhaft’gen weh,

wenn von dem Vater seine Kind

zu den Verdammten gezählet sind;

und es erbarme sich über sie,10

der sein Erbarmen versagt noch nie.

Auch glaubet ihr, die Menschheit hat

den Engeln abgestritten die Statt,

wohin gesetzt sie ehbevor,

in des Himmels zehnten Chor,

die unser Geschlecht bedrohn mit Wuth.

Gott zeigten sie solchen Übermuth,

und suchten mit beharrlichem Werben

seine Herrlichkeit zu verderben.

Dieselben Jammerbrüder alle20

kamen durch Gedanken zu Falle.

Gott, der die Gedanken unausgesprochen

doch weiss, hat ihr Sündenwerk gebrochen.

Drauf ward der Mensch von ihm erdacht.

Mensch und Engel haben gebracht

sich beide um die Gotteshuld.

Wie kommt’s nun, dass des Menschen Schuld

soll leichter als die der Engel wiegen;

Das sei euch nicht von mir verschwiegen.

Durch Verführung gieng der Mensch verloren;

die Engel haben sich selbst erkoren

durch ihren Verrath und Treuebruch

der ewigen Verdammniss Fluch,10

wie gleiches Elend alle fanden,

die zu ihnen gleichfalls standen.

Sie umstricken den Menschen wie zuvor

noch heute, als sei ihr Erbe der Chor,

der doch als Erbe nur denen gelassen,

die vermeiden, was Gott muss hassen,

dass seinen Zorn sie nicht erwerben.

Ihr Heil entgehet dem Verderben.

Was auch die Heiden euch gethan,

so sollt ihr denken doch daran,20

dass denen auch Gott selbst verzieh,

die seinen Leib getödtet hie.

Wenn Gott euch dort den Sieg verleiht,

so übt Erbarmen in dem Streit.

Sein würdereiches Leben bot

für die Schuldigen dem Tod

unser Vater Tetragrammaton[22].

So gab er seinen Kindern Lohn,

wie wohl sie seiner schwer vergassen.

Seiner reichen erbarmenden Lieb’ entfliessen

alle Wunder sonder Massen.10

Nie kann es seine Treu verdriessen,

zu helfen mit hülfreicher Hand,

die beides, Wasser so wie Land

zuerst mit weiser Kunst entwarf,

des alle Kreatur bedarf,

die der Himmel umkreiset.

Dieselbe Hand den Planeten weiset

die Bahnen an in Fernen und Nähen,

den vorgeschriebnen Lauf zu gehen.

Wie unaufhaltsam ihren Kreis20

sie vollenden, giebt ihre Kraft

Wärm’ und Kälte; sie schaffen das Eis,

sie giessen in den Baum den Saft,

wenn die Erd’ erneuert ihr Gefieder

und sie der Mai belehret, wieder,

um ihre Mause zu vollenden,

Blumen nach dem Reif zu spenden.

Ich diene der Einen, der kunstreichen Hand,

anstatt dem Gotte Tervigant.

Ihre Kraft hiess durch der Taufe Segen

mich ab den Glauben Mahoms legen;

deshalb trag’ ich den Hass der Meinen.

Doch den Getauften will es scheinen,

als ob durch menschlicher Minne Begier

ich diesen Streit entflammet hier.

Wahr ist’s, ich liess auch Minne dort,10

und grosses Reichthums manchen Hort,

und schöne Kinder bei einem Mann,

dem niemals ich nachweisen kann,

dass irgend Unthat er begieng,

seit ich von ihm die Kron’ empfieng.

Tybald von Arabien sei

von allem Frevel gesprochen frei.

Ich trag allein die Schuld

durch des höchsten Gottes Huld

und theils durch den Marquis gezwungen,20

der sich so manchen Preis errungen.

Weh, Wilhelm, rechter Pongneor, weh mir,

dass so meine Liebe verderblich dir!

Wie werthe Männer auserkoren

haben ihr edles Leben verloren

in deinem Dienst! Ihr Reich’ und Arme,

o glaubt es, dass mit tiefstem Harme

eurer lieben Verwandten Verlust

mir jammervoll beschwert die Brust.

Meine Freud’ ist wahrlich mit ihnen todt.’

Sie weinte sehr im Zwang der Noth.10


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