DAS ALEXANDERLIED.[Scherer D.92,E.83.]Von dem Pfaffen Lamprecht nach dem französischen Original des Alberich von Besançon wahrscheinlich um 1130 verfasst. Herausgegeben von Weismann, mit Übersetzung (2 Bde. Frankfurt, 1850); und in Diemers ‘Deutschen Gedichten des XI. und XII. Jahrhunderts’ (Wien, 1849); am besten von Kinzel (Halle 1884).Dô wir fûren bî dem mere,dô reit ih ûzer dem heremit drîn dûsint mannen.dô hûbe wir unsih dannenund wolden wundir besehen.dô sâhe wir verre dannen stêneinen hêrlîchen walt.daz wunder daz was manicfalt,daz wir dâ vernâmen.dô wir dâ bî quâmen,dô hôrte wir dar innemanige scône stimme,lîren unde harfen clancund den sûzesten sanc,10der von menschen ie wart gedâcht,wêrer allir zesamene brâht,der ne kunde sih dar zô niet gegaten.vil harte wunniclîch der scateunder den boumen dâr was.da entsprungen blûmen unde grasund wurze maniger kunne.ih wêne ie walt gewunnealsô manige zîrheit.er was lanc unde breit.20der selbe walt der lach,alsih û der von sagen mach,an einer scônen ouwen.dâr môste wir scowenmanigen edelen brunnen,der ûz den walde quam gerunnenlûtir unde vil kalt.ih und mîne helede baltheten dâ wundiris gemach,daz uns ze liebe dâ gescah.daz ne wil ih sô niwit verdagen,ih ne wil iz iu flîzlîche sagen.Der edele walt frônewas wunderlîchen scône.des nâme wir allis goume.hô wâren di boume,di zelgen dicke unde breit.nâh der rehten wârheit,10daz was ein michil wunne.dâ ne mohte di sunnean di erde niht geschîne.ih unde di mîne,wir liezen unse ros stânund giengen in den walt sândurh den wunniclîchen sanc.di wîle dûhte uns harte lanc,biz wir dare quâmen,dâr wir vernâmen,20waz wunderis dâ mohte sîn.vil manich scône magetînwir al dâ funden,di dâ in den stundenspilten ûf den grûnen clê.hundirt tûsint unde mêdi spileten unde sprungen;hei wî scône si sungen,daz beide cleine unde grôzdurh den sûzlîchen dôz,den wir hôrten in den walt,ih und mîne helede balt,vergâzen unse herzeleitund der grôzen arbeitund alliz daz ungemahund swaz uns leides ie gescach.uns allen dô bedûhte,alsiz wol mohte,10daz wir genûc habetendi wîle daz wir lebeten,frowede unde rîcheit.da vergaz ih angist unde leitunde mîn gesinde,unde swaz uns von kindeie leides gescachbiz an den selben tach.mir dûhte an der stunt,ih ne wurde niemer ungesunt,20ob ih dâr imer mûste wesen,sô wâre ih garwe genesenvon aller angistlîcher nôtund ne forhte niwit den tôt.Woldir nû rehte verstân,wî iz umbe di frowen quam,wannen si bequâmenoder wilich ende si nâmen,des mach û wol besundernemen michil wunder.swanne der winter abe gincund der sumer ane gincund iz begunde grûnenund di edelen blûmenin den walt begunden ûf gân,dô wâren si vil wol getân.10lieht was ir glîze,ir rôte unde ir wîzevil verre von in schein.blûmen ne wart nie nehein,di scôner wesen mohte.si wâren, alsuns bedûhte,rehte sinewel als ein balund vaste beslozzen ubir al;si wâren wunderlîchen grôz.alse sih di blûme obene entslôz,20daz merket an uheren sinne,sô wâren dar innemegede rehte vollencomen.ih sagû, alsichz hân vernomen.si giengen unde lebeten,menschen sin si habetenunde redeten unde bâtenrehte alse si hâtenaldir umbe zwelif jâr.si wâren gescaffen, daz is wâr,scône an ir lîbe.ih ne sach nie von wîbescôner antluzze mê,noh ougen alsô wol stê.ir hande unde ir armewâren blanc alseinen harmeunde fuoze unde bein.undir in ne was nehein,10si ne phlêge scôner hubischeit.si wâren mit zuhten wol gemeitunde lacheten unde wâren frôunde sungen alsô,daz ê noh sint nehein mansô sûze stimme ne vernam.Mugint irs getrûwen,sô solden dise frowenalliz an den scate wesen,sîne mohten andirs nit genesen.20swilhe di sunne beschein,der ne bleib ze lîbe nie nehein.daz wunder daz was manicfalt.dô wart irschellet der waltvon der sûzer stimme,di dâ sungen inne,di fugele unde di magetîn;wî mohtiz wunniclîcher sînfrô unde spâte.al ir lîbis gewêtewas ane si gewassenane hûte und ane vasse.in was getân di varwenâh den blûmen garwerôt unde ouh wîz sô der snê.dô wir si zuns sâgen gê,zô zin spilete uns der lîb.sus lussame wîbsint der werlt unkunt.10**owê daz wir sô schiere verlorndaz michele gemach!diz wunder ih alliz sahselbe mit mînen ougen.des mugent ir gelouben.diz werte, alsih û sage,drî mânede unde zwelif tage,daz ih und mîne helede baltwâren in dem grûnen waltund bî der scônen owen20mit den lieben frowenund wunne mit in habetenunde mit froweden lebeten.vil jâmerlîche uns dô gescach,daz ih verclagen nit ne mach.dô di zît vollenginc,unse frowede di zeginc:di blûmen gare verturbenund die scônen frowen sturben.di boume ir loub liezenund di brunnen ir fliezenunde di fugele ir singen.dô begunde dwingenunfrowede mîn herze10mit manicfalder smerze.freislîch was mîn ungemah,daz ih alle tage sahan den scônen frowen.owê wî si mih rûwen,dô ih si sah sterbenund di blûmen verterben,dô schiet ih trûrich dannenmit allen mînen mannen.Als wir hinzogen an dem Meere,Da ritt ich ausser meinem HeereMit dreien tausend Mannen.Darauf huben wir uns von dannenUnd gedachten Wunder zu sehen;Da sahn wir fern von dannen stehenEinen grossen, prächtigen Wald.Das Wunder das war mannigfalt,Das wir da vernahmen.Als hinzu wir kamen,Da höreten wir wohl in ihmManche wunderschöne Stimm,’Leier und HarfenklangUnd den süssesten Gesang,10Der je von Menschen ward erdacht,Wär er all zusammengebracht,Der könnte sich mit dem nicht gatten.Gar dicht und wonniglich der SchattenUnter diesen Bäumen was.Da entsprossen Blumen und GrasUnd würz’ge Kräuter mancherhand.Noch nie in einem Walde fandMan also viele Zier bereit;Lang war dieser und auch breit.20Dieser selbe Wald der lag,Wie ich es euch wohl sagen mag,In einer schönen Auen.Da sollten wir auch schauenManchen edlen Bronnen,Der aus dem Wald kam geronnenKühlig und erquickend klar.Ich und meine kühne ScharSahen Wundergleiches da,Das uns zu Liebe da geschah.Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,Mit Fleisse will ich es euch zeigen.Der herrliche, der edle WaldWar wunderbarlich schön gestalt’.Wir konnten’s all’ genau gewahren.Stattlich hoch die Bäume waren,Die Zweige waren breit und dicht,Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht.10Das war eine grosse Wonne.Da konnte nicht die SonneHindurch bis zu der Erde scheinen.Ich und die MeinenWir liessen unsre Rosse stehn,Um alsbald in den Wald zu gehnNach dem wonniglichen Sang.Gar lang und weit der Weg sich wand,Bis wir dorthin kamen,Wo wir nun vernahmen,20Was Wunder darin mochte sein.Gar viele schöne MägdeleinWir in dem Walde funden,Die spielten in diesen StundenAuf dem grünen Klee umher,Hunderttausend und noch mehr;Die spieleten und sprangen,Hei, wie schön sie sangen,Dass wir alle, Kleine und Grosse,Durch das liebliche Getose,Das aus dem Walde zu uns scholl,Ich und meine Helden wohl,Vergassen unser HerzeleidUnd all die Mühe in dem Streit.Wir fühlten alle Noth vergehnUnd was uns Leides je geschehn.Da schien es allen uns fürwahr,Was auch gar kein Wunder war,10Dass zur Genüge sei gegebenUns für die Weile, die wir leben,Freude und des Reichthums Glanz.Angst und Leid vergass ich ganz,Ich und all die Meinen,Und was von KindesbeinenBis an denselben Tag fürwahrUns Leides je geschehen war;Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,Ich würde nimmer ungesund;20Wär’ ich dort immerdar gewesen,Ich wäre ganz und gar genesenVon aller Angst und aller NothUnd hätte nicht gescheut den Tod.Wollt ihr nun rechte Einsicht han,Wie’s mit den Frauen war gethan,Von wannen diese kamen,Oder welches Ende sie nahmen,Von Allem mag euch das fürwahrErscheinen höchlich wunderbar.Sobald der Winter gieng von dann,Und die Sommerszeit begann,Und es grün ward überall,Und die edlen Blumen ohne ZahlIm Wald begannen aufzugehn,Da waren die gar schön zu sehn.10Von Lichte strahleten sie ganz,In rothem und in weissem GlanzSchimmerten gar ferne sie.Solche Blumen waren nie,Welche schöner mochten blühn.Sie waren, wie es uns erschien,Völlig rund als wie ein BallUnd fest verschlossen überall;Sie waren wunderbarlich gross.Und wenn die Blume sich oben erschloss,20Das merket wohl in euerem Sinne,So fanden sich darinneMägdlein ganz und gar vollkommen.Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.Sie wandelten lebendigUnd sprachen so verständigUnd fühlten Menschenlust und Sinn;Sie hatten völlig, wie es schien,Ein Alter um das zwölfte Jahr.Sie waren herrlich, das ist wahr,Geschaffen an ihrem Leibe.Ich hab’ an keinem WeibeEin schöner Antlitz je gesehnNoch Augen also herrlich stehn;Händ’ und Arme waren hellWie eines Hermelines Fell,So auch die Füsse und die Beine;Es war von ihnen keine,10Die nicht der Schönheit Reiz besass.Auch trieben sie in Züchten SpassUnd lachten viel und waren froh,Und ihr Gesang entzückte so,Dass nie vordem und seit der FristSo süsse Stimm’ erschollen ist.Doch musste diesen Frauen,—Darauf dürft ihr vertrauen—Lebenslust der Schatten geben;Sie konnten ohne den nicht leben.20Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,So blieb am Leben ihrer keine.Das Wunder das war mannigfalt.Da erscholl ringsum der WaldVon dem süssen KlingenDerer, die darinne singen,Die Vögel und die Mägdelein;Wie konnt’ es wonniglicher sein,Früh und spät zu jeder Zeit.Ihres Leibes ganzes KleidFest an sie gewachsen warAn die Haut und an das Haar.An Farbe waren sie genauSo wie die Blumen auf der AuRoth und weiss wie Schnee gethan.Da wir sie zu uns gehen sahn,Da drängte ihnen der Leib entgegen,Denn Fraun, die solche Lust erregen,Sind noch der Welt nicht worden kund.10**O weh, dass wir so schnell verlorenDas wonnige Behagen!Dies Wunder, kann ich sagen,Durft ich mit meinen Augen schaun:Ihr möget meinen Worten traun.Dies währte, wie ich euch jetzt sage,Drei Monate und noch zwölf Tage,Dass ich mit meiner HeldenscharIn dem grünen Walde warUnd bei den schönen Auen20Mit den lieben Frauen,Und wir in Lust mit ihnen lebtenUnd in Wonn’ und Freude schwebten.Doch grosses Leid geschah uns dann,Das nie genug ich klagen kann.Da die Zeit zu Ende gieng,Unsre Freude auch zergieng:Die Blumen ganz und gar verdarbenUnd die schönen Frauen starben.Ihr Laub die Bäume liessenUnd die Brunnen ihr FliessenUnd die Vögelein ihr Singen.Da begunnte auch zu zwingenUngemach und Gram mein Herze10Mit mannigfaltigem Schmerze.Schrecklich war der Jammer da,Den ich alle Tage sahAn den schönen Frauen.O weh, dass ich musste schauen,Wie sie alle starben,Und die Blumen verdarben:Da schied in Trauer ich von dannenMit allen meinen Mannen.
DAS ALEXANDERLIED.
[Scherer D.92,E.83.]
Von dem Pfaffen Lamprecht nach dem französischen Original des Alberich von Besançon wahrscheinlich um 1130 verfasst. Herausgegeben von Weismann, mit Übersetzung (2 Bde. Frankfurt, 1850); und in Diemers ‘Deutschen Gedichten des XI. und XII. Jahrhunderts’ (Wien, 1849); am besten von Kinzel (Halle 1884).
Von dem Pfaffen Lamprecht nach dem französischen Original des Alberich von Besançon wahrscheinlich um 1130 verfasst. Herausgegeben von Weismann, mit Übersetzung (2 Bde. Frankfurt, 1850); und in Diemers ‘Deutschen Gedichten des XI. und XII. Jahrhunderts’ (Wien, 1849); am besten von Kinzel (Halle 1884).
Dô wir fûren bî dem mere,dô reit ih ûzer dem heremit drîn dûsint mannen.dô hûbe wir unsih dannenund wolden wundir besehen.dô sâhe wir verre dannen stêneinen hêrlîchen walt.daz wunder daz was manicfalt,daz wir dâ vernâmen.dô wir dâ bî quâmen,dô hôrte wir dar innemanige scône stimme,lîren unde harfen clancund den sûzesten sanc,10der von menschen ie wart gedâcht,wêrer allir zesamene brâht,der ne kunde sih dar zô niet gegaten.vil harte wunniclîch der scateunder den boumen dâr was.da entsprungen blûmen unde grasund wurze maniger kunne.ih wêne ie walt gewunnealsô manige zîrheit.er was lanc unde breit.20der selbe walt der lach,alsih û der von sagen mach,an einer scônen ouwen.dâr môste wir scowenmanigen edelen brunnen,der ûz den walde quam gerunnenlûtir unde vil kalt.ih und mîne helede baltheten dâ wundiris gemach,daz uns ze liebe dâ gescah.daz ne wil ih sô niwit verdagen,ih ne wil iz iu flîzlîche sagen.Der edele walt frônewas wunderlîchen scône.des nâme wir allis goume.hô wâren di boume,di zelgen dicke unde breit.nâh der rehten wârheit,10daz was ein michil wunne.dâ ne mohte di sunnean di erde niht geschîne.ih unde di mîne,wir liezen unse ros stânund giengen in den walt sândurh den wunniclîchen sanc.di wîle dûhte uns harte lanc,biz wir dare quâmen,dâr wir vernâmen,20waz wunderis dâ mohte sîn.vil manich scône magetînwir al dâ funden,di dâ in den stundenspilten ûf den grûnen clê.hundirt tûsint unde mêdi spileten unde sprungen;hei wî scône si sungen,daz beide cleine unde grôzdurh den sûzlîchen dôz,den wir hôrten in den walt,ih und mîne helede balt,vergâzen unse herzeleitund der grôzen arbeitund alliz daz ungemahund swaz uns leides ie gescach.uns allen dô bedûhte,alsiz wol mohte,10daz wir genûc habetendi wîle daz wir lebeten,frowede unde rîcheit.da vergaz ih angist unde leitunde mîn gesinde,unde swaz uns von kindeie leides gescachbiz an den selben tach.mir dûhte an der stunt,ih ne wurde niemer ungesunt,20ob ih dâr imer mûste wesen,sô wâre ih garwe genesenvon aller angistlîcher nôtund ne forhte niwit den tôt.Woldir nû rehte verstân,wî iz umbe di frowen quam,wannen si bequâmenoder wilich ende si nâmen,des mach û wol besundernemen michil wunder.swanne der winter abe gincund der sumer ane gincund iz begunde grûnenund di edelen blûmenin den walt begunden ûf gân,dô wâren si vil wol getân.10lieht was ir glîze,ir rôte unde ir wîzevil verre von in schein.blûmen ne wart nie nehein,di scôner wesen mohte.si wâren, alsuns bedûhte,rehte sinewel als ein balund vaste beslozzen ubir al;si wâren wunderlîchen grôz.alse sih di blûme obene entslôz,20daz merket an uheren sinne,sô wâren dar innemegede rehte vollencomen.ih sagû, alsichz hân vernomen.si giengen unde lebeten,menschen sin si habetenunde redeten unde bâtenrehte alse si hâtenaldir umbe zwelif jâr.si wâren gescaffen, daz is wâr,scône an ir lîbe.ih ne sach nie von wîbescôner antluzze mê,noh ougen alsô wol stê.ir hande unde ir armewâren blanc alseinen harmeunde fuoze unde bein.undir in ne was nehein,10si ne phlêge scôner hubischeit.si wâren mit zuhten wol gemeitunde lacheten unde wâren frôunde sungen alsô,daz ê noh sint nehein mansô sûze stimme ne vernam.Mugint irs getrûwen,sô solden dise frowenalliz an den scate wesen,sîne mohten andirs nit genesen.20swilhe di sunne beschein,der ne bleib ze lîbe nie nehein.daz wunder daz was manicfalt.dô wart irschellet der waltvon der sûzer stimme,di dâ sungen inne,di fugele unde di magetîn;wî mohtiz wunniclîcher sînfrô unde spâte.al ir lîbis gewêtewas ane si gewassenane hûte und ane vasse.in was getân di varwenâh den blûmen garwerôt unde ouh wîz sô der snê.dô wir si zuns sâgen gê,zô zin spilete uns der lîb.sus lussame wîbsint der werlt unkunt.10**owê daz wir sô schiere verlorndaz michele gemach!diz wunder ih alliz sahselbe mit mînen ougen.des mugent ir gelouben.diz werte, alsih û sage,drî mânede unde zwelif tage,daz ih und mîne helede baltwâren in dem grûnen waltund bî der scônen owen20mit den lieben frowenund wunne mit in habetenunde mit froweden lebeten.vil jâmerlîche uns dô gescach,daz ih verclagen nit ne mach.dô di zît vollenginc,unse frowede di zeginc:di blûmen gare verturbenund die scônen frowen sturben.di boume ir loub liezenund di brunnen ir fliezenunde di fugele ir singen.dô begunde dwingenunfrowede mîn herze10mit manicfalder smerze.freislîch was mîn ungemah,daz ih alle tage sahan den scônen frowen.owê wî si mih rûwen,dô ih si sah sterbenund di blûmen verterben,dô schiet ih trûrich dannenmit allen mînen mannen.
Dô wir fûren bî dem mere,dô reit ih ûzer dem heremit drîn dûsint mannen.dô hûbe wir unsih dannenund wolden wundir besehen.dô sâhe wir verre dannen stêneinen hêrlîchen walt.daz wunder daz was manicfalt,daz wir dâ vernâmen.dô wir dâ bî quâmen,dô hôrte wir dar innemanige scône stimme,lîren unde harfen clancund den sûzesten sanc,10der von menschen ie wart gedâcht,wêrer allir zesamene brâht,der ne kunde sih dar zô niet gegaten.vil harte wunniclîch der scateunder den boumen dâr was.da entsprungen blûmen unde grasund wurze maniger kunne.ih wêne ie walt gewunnealsô manige zîrheit.er was lanc unde breit.20der selbe walt der lach,alsih û der von sagen mach,an einer scônen ouwen.dâr môste wir scowenmanigen edelen brunnen,der ûz den walde quam gerunnenlûtir unde vil kalt.ih und mîne helede baltheten dâ wundiris gemach,daz uns ze liebe dâ gescah.daz ne wil ih sô niwit verdagen,ih ne wil iz iu flîzlîche sagen.Der edele walt frônewas wunderlîchen scône.des nâme wir allis goume.hô wâren di boume,di zelgen dicke unde breit.nâh der rehten wârheit,10daz was ein michil wunne.dâ ne mohte di sunnean di erde niht geschîne.ih unde di mîne,wir liezen unse ros stânund giengen in den walt sândurh den wunniclîchen sanc.di wîle dûhte uns harte lanc,biz wir dare quâmen,dâr wir vernâmen,20waz wunderis dâ mohte sîn.vil manich scône magetînwir al dâ funden,di dâ in den stundenspilten ûf den grûnen clê.hundirt tûsint unde mêdi spileten unde sprungen;hei wî scône si sungen,daz beide cleine unde grôzdurh den sûzlîchen dôz,den wir hôrten in den walt,ih und mîne helede balt,vergâzen unse herzeleitund der grôzen arbeitund alliz daz ungemahund swaz uns leides ie gescach.uns allen dô bedûhte,alsiz wol mohte,10daz wir genûc habetendi wîle daz wir lebeten,frowede unde rîcheit.da vergaz ih angist unde leitunde mîn gesinde,unde swaz uns von kindeie leides gescachbiz an den selben tach.mir dûhte an der stunt,ih ne wurde niemer ungesunt,20ob ih dâr imer mûste wesen,sô wâre ih garwe genesenvon aller angistlîcher nôtund ne forhte niwit den tôt.Woldir nû rehte verstân,wî iz umbe di frowen quam,wannen si bequâmenoder wilich ende si nâmen,des mach û wol besundernemen michil wunder.swanne der winter abe gincund der sumer ane gincund iz begunde grûnenund di edelen blûmenin den walt begunden ûf gân,dô wâren si vil wol getân.10lieht was ir glîze,ir rôte unde ir wîzevil verre von in schein.blûmen ne wart nie nehein,di scôner wesen mohte.si wâren, alsuns bedûhte,rehte sinewel als ein balund vaste beslozzen ubir al;si wâren wunderlîchen grôz.alse sih di blûme obene entslôz,20daz merket an uheren sinne,sô wâren dar innemegede rehte vollencomen.ih sagû, alsichz hân vernomen.si giengen unde lebeten,menschen sin si habetenunde redeten unde bâtenrehte alse si hâtenaldir umbe zwelif jâr.si wâren gescaffen, daz is wâr,scône an ir lîbe.ih ne sach nie von wîbescôner antluzze mê,noh ougen alsô wol stê.ir hande unde ir armewâren blanc alseinen harmeunde fuoze unde bein.undir in ne was nehein,10si ne phlêge scôner hubischeit.si wâren mit zuhten wol gemeitunde lacheten unde wâren frôunde sungen alsô,daz ê noh sint nehein mansô sûze stimme ne vernam.Mugint irs getrûwen,sô solden dise frowenalliz an den scate wesen,sîne mohten andirs nit genesen.20swilhe di sunne beschein,der ne bleib ze lîbe nie nehein.daz wunder daz was manicfalt.dô wart irschellet der waltvon der sûzer stimme,di dâ sungen inne,di fugele unde di magetîn;wî mohtiz wunniclîcher sînfrô unde spâte.al ir lîbis gewêtewas ane si gewassenane hûte und ane vasse.in was getân di varwenâh den blûmen garwerôt unde ouh wîz sô der snê.dô wir si zuns sâgen gê,zô zin spilete uns der lîb.sus lussame wîbsint der werlt unkunt.10**owê daz wir sô schiere verlorndaz michele gemach!diz wunder ih alliz sahselbe mit mînen ougen.des mugent ir gelouben.diz werte, alsih û sage,drî mânede unde zwelif tage,daz ih und mîne helede baltwâren in dem grûnen waltund bî der scônen owen20mit den lieben frowenund wunne mit in habetenunde mit froweden lebeten.vil jâmerlîche uns dô gescach,daz ih verclagen nit ne mach.dô di zît vollenginc,unse frowede di zeginc:di blûmen gare verturbenund die scônen frowen sturben.di boume ir loub liezenund di brunnen ir fliezenunde di fugele ir singen.dô begunde dwingenunfrowede mîn herze10mit manicfalder smerze.freislîch was mîn ungemah,daz ih alle tage sahan den scônen frowen.owê wî si mih rûwen,dô ih si sah sterbenund di blûmen verterben,dô schiet ih trûrich dannenmit allen mînen mannen.
Dô wir fûren bî dem mere,dô reit ih ûzer dem heremit drîn dûsint mannen.dô hûbe wir unsih dannenund wolden wundir besehen.dô sâhe wir verre dannen stêneinen hêrlîchen walt.daz wunder daz was manicfalt,daz wir dâ vernâmen.dô wir dâ bî quâmen,dô hôrte wir dar innemanige scône stimme,lîren unde harfen clancund den sûzesten sanc,10der von menschen ie wart gedâcht,wêrer allir zesamene brâht,der ne kunde sih dar zô niet gegaten.vil harte wunniclîch der scateunder den boumen dâr was.da entsprungen blûmen unde grasund wurze maniger kunne.ih wêne ie walt gewunnealsô manige zîrheit.er was lanc unde breit.20der selbe walt der lach,alsih û der von sagen mach,an einer scônen ouwen.dâr môste wir scowenmanigen edelen brunnen,der ûz den walde quam gerunnenlûtir unde vil kalt.ih und mîne helede baltheten dâ wundiris gemach,daz uns ze liebe dâ gescah.daz ne wil ih sô niwit verdagen,ih ne wil iz iu flîzlîche sagen.Der edele walt frônewas wunderlîchen scône.des nâme wir allis goume.hô wâren di boume,di zelgen dicke unde breit.nâh der rehten wârheit,10daz was ein michil wunne.dâ ne mohte di sunnean di erde niht geschîne.ih unde di mîne,wir liezen unse ros stânund giengen in den walt sândurh den wunniclîchen sanc.di wîle dûhte uns harte lanc,biz wir dare quâmen,dâr wir vernâmen,20waz wunderis dâ mohte sîn.vil manich scône magetînwir al dâ funden,di dâ in den stundenspilten ûf den grûnen clê.hundirt tûsint unde mêdi spileten unde sprungen;hei wî scône si sungen,daz beide cleine unde grôzdurh den sûzlîchen dôz,den wir hôrten in den walt,ih und mîne helede balt,vergâzen unse herzeleitund der grôzen arbeitund alliz daz ungemahund swaz uns leides ie gescach.uns allen dô bedûhte,alsiz wol mohte,10daz wir genûc habetendi wîle daz wir lebeten,frowede unde rîcheit.da vergaz ih angist unde leitunde mîn gesinde,unde swaz uns von kindeie leides gescachbiz an den selben tach.mir dûhte an der stunt,ih ne wurde niemer ungesunt,20ob ih dâr imer mûste wesen,sô wâre ih garwe genesenvon aller angistlîcher nôtund ne forhte niwit den tôt.Woldir nû rehte verstân,wî iz umbe di frowen quam,wannen si bequâmenoder wilich ende si nâmen,des mach û wol besundernemen michil wunder.swanne der winter abe gincund der sumer ane gincund iz begunde grûnenund di edelen blûmenin den walt begunden ûf gân,dô wâren si vil wol getân.10lieht was ir glîze,ir rôte unde ir wîzevil verre von in schein.blûmen ne wart nie nehein,di scôner wesen mohte.si wâren, alsuns bedûhte,rehte sinewel als ein balund vaste beslozzen ubir al;si wâren wunderlîchen grôz.alse sih di blûme obene entslôz,20daz merket an uheren sinne,sô wâren dar innemegede rehte vollencomen.ih sagû, alsichz hân vernomen.si giengen unde lebeten,menschen sin si habetenunde redeten unde bâtenrehte alse si hâtenaldir umbe zwelif jâr.si wâren gescaffen, daz is wâr,scône an ir lîbe.ih ne sach nie von wîbescôner antluzze mê,noh ougen alsô wol stê.ir hande unde ir armewâren blanc alseinen harmeunde fuoze unde bein.undir in ne was nehein,10si ne phlêge scôner hubischeit.si wâren mit zuhten wol gemeitunde lacheten unde wâren frôunde sungen alsô,daz ê noh sint nehein mansô sûze stimme ne vernam.Mugint irs getrûwen,sô solden dise frowenalliz an den scate wesen,sîne mohten andirs nit genesen.20swilhe di sunne beschein,der ne bleib ze lîbe nie nehein.daz wunder daz was manicfalt.dô wart irschellet der waltvon der sûzer stimme,di dâ sungen inne,di fugele unde di magetîn;wî mohtiz wunniclîcher sînfrô unde spâte.al ir lîbis gewêtewas ane si gewassenane hûte und ane vasse.in was getân di varwenâh den blûmen garwerôt unde ouh wîz sô der snê.dô wir si zuns sâgen gê,zô zin spilete uns der lîb.sus lussame wîbsint der werlt unkunt.10**owê daz wir sô schiere verlorndaz michele gemach!diz wunder ih alliz sahselbe mit mînen ougen.des mugent ir gelouben.diz werte, alsih û sage,drî mânede unde zwelif tage,daz ih und mîne helede baltwâren in dem grûnen waltund bî der scônen owen20mit den lieben frowenund wunne mit in habetenunde mit froweden lebeten.vil jâmerlîche uns dô gescach,daz ih verclagen nit ne mach.dô di zît vollenginc,unse frowede di zeginc:di blûmen gare verturbenund die scônen frowen sturben.di boume ir loub liezenund di brunnen ir fliezenunde di fugele ir singen.dô begunde dwingenunfrowede mîn herze10mit manicfalder smerze.freislîch was mîn ungemah,daz ih alle tage sahan den scônen frowen.owê wî si mih rûwen,dô ih si sah sterbenund di blûmen verterben,dô schiet ih trûrich dannenmit allen mînen mannen.
Dô wir fûren bî dem mere,
dô reit ih ûzer dem here
mit drîn dûsint mannen.
dô hûbe wir unsih dannen
und wolden wundir besehen.
dô sâhe wir verre dannen stên
einen hêrlîchen walt.
daz wunder daz was manicfalt,
daz wir dâ vernâmen.
dô wir dâ bî quâmen,
dô hôrte wir dar inne
manige scône stimme,
lîren unde harfen clanc
und den sûzesten sanc,10
der von menschen ie wart gedâcht,
wêrer allir zesamene brâht,
der ne kunde sih dar zô niet gegaten.
vil harte wunniclîch der scate
under den boumen dâr was.
da entsprungen blûmen unde gras
und wurze maniger kunne.
ih wêne ie walt gewunne
alsô manige zîrheit.
er was lanc unde breit.20
der selbe walt der lach,
alsih û der von sagen mach,
an einer scônen ouwen.
dâr môste wir scowen
manigen edelen brunnen,
der ûz den walde quam gerunnen
lûtir unde vil kalt.
ih und mîne helede balt
heten dâ wundiris gemach,
daz uns ze liebe dâ gescah.
daz ne wil ih sô niwit verdagen,
ih ne wil iz iu flîzlîche sagen.
Der edele walt frône
was wunderlîchen scône.
des nâme wir allis goume.
hô wâren di boume,
di zelgen dicke unde breit.
nâh der rehten wârheit,10
daz was ein michil wunne.
dâ ne mohte di sunne
an di erde niht geschîne.
ih unde di mîne,
wir liezen unse ros stân
und giengen in den walt sân
durh den wunniclîchen sanc.
di wîle dûhte uns harte lanc,
biz wir dare quâmen,
dâr wir vernâmen,20
waz wunderis dâ mohte sîn.
vil manich scône magetîn
wir al dâ funden,
di dâ in den stunden
spilten ûf den grûnen clê.
hundirt tûsint unde mê
di spileten unde sprungen;
hei wî scône si sungen,
daz beide cleine unde grôz
durh den sûzlîchen dôz,
den wir hôrten in den walt,
ih und mîne helede balt,
vergâzen unse herzeleit
und der grôzen arbeit
und alliz daz ungemah
und swaz uns leides ie gescach.
uns allen dô bedûhte,
alsiz wol mohte,10
daz wir genûc habeten
di wîle daz wir lebeten,
frowede unde rîcheit.
da vergaz ih angist unde leit
unde mîn gesinde,
unde swaz uns von kinde
ie leides gescach
biz an den selben tach.
mir dûhte an der stunt,
ih ne wurde niemer ungesunt,20
ob ih dâr imer mûste wesen,
sô wâre ih garwe genesen
von aller angistlîcher nôt
und ne forhte niwit den tôt.
Woldir nû rehte verstân,
wî iz umbe di frowen quam,
wannen si bequâmen
oder wilich ende si nâmen,
des mach û wol besunder
nemen michil wunder.
swanne der winter abe ginc
und der sumer ane ginc
und iz begunde grûnen
und di edelen blûmen
in den walt begunden ûf gân,
dô wâren si vil wol getân.10
lieht was ir glîze,
ir rôte unde ir wîze
vil verre von in schein.
blûmen ne wart nie nehein,
di scôner wesen mohte.
si wâren, alsuns bedûhte,
rehte sinewel als ein bal
und vaste beslozzen ubir al;
si wâren wunderlîchen grôz.
alse sih di blûme obene entslôz,20
daz merket an uheren sinne,
sô wâren dar inne
megede rehte vollencomen.
ih sagû, alsichz hân vernomen.
si giengen unde lebeten,
menschen sin si habeten
unde redeten unde bâten
rehte alse si hâten
aldir umbe zwelif jâr.
si wâren gescaffen, daz is wâr,
scône an ir lîbe.
ih ne sach nie von wîbe
scôner antluzze mê,
noh ougen alsô wol stê.
ir hande unde ir arme
wâren blanc alseinen harme
unde fuoze unde bein.
undir in ne was nehein,10
si ne phlêge scôner hubischeit.
si wâren mit zuhten wol gemeit
unde lacheten unde wâren frô
unde sungen alsô,
daz ê noh sint nehein man
sô sûze stimme ne vernam.
Mugint irs getrûwen,
sô solden dise frowen
alliz an den scate wesen,
sîne mohten andirs nit genesen.20
swilhe di sunne beschein,
der ne bleib ze lîbe nie nehein.
daz wunder daz was manicfalt.
dô wart irschellet der walt
von der sûzer stimme,
di dâ sungen inne,
di fugele unde di magetîn;
wî mohtiz wunniclîcher sîn
frô unde spâte.
al ir lîbis gewête
was ane si gewassen
ane hûte und ane vasse.
in was getân di varwe
nâh den blûmen garwe
rôt unde ouh wîz sô der snê.
dô wir si zuns sâgen gê,
zô zin spilete uns der lîb.
sus lussame wîb
sint der werlt unkunt.10
**
owê daz wir sô schiere verlorn
daz michele gemach!
diz wunder ih alliz sah
selbe mit mînen ougen.
des mugent ir gelouben.
diz werte, alsih û sage,
drî mânede unde zwelif tage,
daz ih und mîne helede balt
wâren in dem grûnen walt
und bî der scônen owen20
mit den lieben frowen
und wunne mit in habeten
unde mit froweden lebeten.
vil jâmerlîche uns dô gescach,
daz ih verclagen nit ne mach.
dô di zît vollenginc,
unse frowede di zeginc:
di blûmen gare verturben
und die scônen frowen sturben.
di boume ir loub liezen
und di brunnen ir fliezen
unde di fugele ir singen.
dô begunde dwingen
unfrowede mîn herze10
mit manicfalder smerze.
freislîch was mîn ungemah,
daz ih alle tage sah
an den scônen frowen.
owê wî si mih rûwen,
dô ih si sah sterben
und di blûmen verterben,
dô schiet ih trûrich dannen
mit allen mînen mannen.
Als wir hinzogen an dem Meere,Da ritt ich ausser meinem HeereMit dreien tausend Mannen.Darauf huben wir uns von dannenUnd gedachten Wunder zu sehen;Da sahn wir fern von dannen stehenEinen grossen, prächtigen Wald.Das Wunder das war mannigfalt,Das wir da vernahmen.Als hinzu wir kamen,Da höreten wir wohl in ihmManche wunderschöne Stimm,’Leier und HarfenklangUnd den süssesten Gesang,10Der je von Menschen ward erdacht,Wär er all zusammengebracht,Der könnte sich mit dem nicht gatten.Gar dicht und wonniglich der SchattenUnter diesen Bäumen was.Da entsprossen Blumen und GrasUnd würz’ge Kräuter mancherhand.Noch nie in einem Walde fandMan also viele Zier bereit;Lang war dieser und auch breit.20Dieser selbe Wald der lag,Wie ich es euch wohl sagen mag,In einer schönen Auen.Da sollten wir auch schauenManchen edlen Bronnen,Der aus dem Wald kam geronnenKühlig und erquickend klar.Ich und meine kühne ScharSahen Wundergleiches da,Das uns zu Liebe da geschah.Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,Mit Fleisse will ich es euch zeigen.Der herrliche, der edle WaldWar wunderbarlich schön gestalt’.Wir konnten’s all’ genau gewahren.Stattlich hoch die Bäume waren,Die Zweige waren breit und dicht,Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht.10Das war eine grosse Wonne.Da konnte nicht die SonneHindurch bis zu der Erde scheinen.Ich und die MeinenWir liessen unsre Rosse stehn,Um alsbald in den Wald zu gehnNach dem wonniglichen Sang.Gar lang und weit der Weg sich wand,Bis wir dorthin kamen,Wo wir nun vernahmen,20Was Wunder darin mochte sein.Gar viele schöne MägdeleinWir in dem Walde funden,Die spielten in diesen StundenAuf dem grünen Klee umher,Hunderttausend und noch mehr;Die spieleten und sprangen,Hei, wie schön sie sangen,Dass wir alle, Kleine und Grosse,Durch das liebliche Getose,Das aus dem Walde zu uns scholl,Ich und meine Helden wohl,Vergassen unser HerzeleidUnd all die Mühe in dem Streit.Wir fühlten alle Noth vergehnUnd was uns Leides je geschehn.Da schien es allen uns fürwahr,Was auch gar kein Wunder war,10Dass zur Genüge sei gegebenUns für die Weile, die wir leben,Freude und des Reichthums Glanz.Angst und Leid vergass ich ganz,Ich und all die Meinen,Und was von KindesbeinenBis an denselben Tag fürwahrUns Leides je geschehen war;Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,Ich würde nimmer ungesund;20Wär’ ich dort immerdar gewesen,Ich wäre ganz und gar genesenVon aller Angst und aller NothUnd hätte nicht gescheut den Tod.Wollt ihr nun rechte Einsicht han,Wie’s mit den Frauen war gethan,Von wannen diese kamen,Oder welches Ende sie nahmen,Von Allem mag euch das fürwahrErscheinen höchlich wunderbar.Sobald der Winter gieng von dann,Und die Sommerszeit begann,Und es grün ward überall,Und die edlen Blumen ohne ZahlIm Wald begannen aufzugehn,Da waren die gar schön zu sehn.10Von Lichte strahleten sie ganz,In rothem und in weissem GlanzSchimmerten gar ferne sie.Solche Blumen waren nie,Welche schöner mochten blühn.Sie waren, wie es uns erschien,Völlig rund als wie ein BallUnd fest verschlossen überall;Sie waren wunderbarlich gross.Und wenn die Blume sich oben erschloss,20Das merket wohl in euerem Sinne,So fanden sich darinneMägdlein ganz und gar vollkommen.Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.Sie wandelten lebendigUnd sprachen so verständigUnd fühlten Menschenlust und Sinn;Sie hatten völlig, wie es schien,Ein Alter um das zwölfte Jahr.Sie waren herrlich, das ist wahr,Geschaffen an ihrem Leibe.Ich hab’ an keinem WeibeEin schöner Antlitz je gesehnNoch Augen also herrlich stehn;Händ’ und Arme waren hellWie eines Hermelines Fell,So auch die Füsse und die Beine;Es war von ihnen keine,10Die nicht der Schönheit Reiz besass.Auch trieben sie in Züchten SpassUnd lachten viel und waren froh,Und ihr Gesang entzückte so,Dass nie vordem und seit der FristSo süsse Stimm’ erschollen ist.Doch musste diesen Frauen,—Darauf dürft ihr vertrauen—Lebenslust der Schatten geben;Sie konnten ohne den nicht leben.20Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,So blieb am Leben ihrer keine.Das Wunder das war mannigfalt.Da erscholl ringsum der WaldVon dem süssen KlingenDerer, die darinne singen,Die Vögel und die Mägdelein;Wie konnt’ es wonniglicher sein,Früh und spät zu jeder Zeit.Ihres Leibes ganzes KleidFest an sie gewachsen warAn die Haut und an das Haar.An Farbe waren sie genauSo wie die Blumen auf der AuRoth und weiss wie Schnee gethan.Da wir sie zu uns gehen sahn,Da drängte ihnen der Leib entgegen,Denn Fraun, die solche Lust erregen,Sind noch der Welt nicht worden kund.10**O weh, dass wir so schnell verlorenDas wonnige Behagen!Dies Wunder, kann ich sagen,Durft ich mit meinen Augen schaun:Ihr möget meinen Worten traun.Dies währte, wie ich euch jetzt sage,Drei Monate und noch zwölf Tage,Dass ich mit meiner HeldenscharIn dem grünen Walde warUnd bei den schönen Auen20Mit den lieben Frauen,Und wir in Lust mit ihnen lebtenUnd in Wonn’ und Freude schwebten.Doch grosses Leid geschah uns dann,Das nie genug ich klagen kann.Da die Zeit zu Ende gieng,Unsre Freude auch zergieng:Die Blumen ganz und gar verdarbenUnd die schönen Frauen starben.Ihr Laub die Bäume liessenUnd die Brunnen ihr FliessenUnd die Vögelein ihr Singen.Da begunnte auch zu zwingenUngemach und Gram mein Herze10Mit mannigfaltigem Schmerze.Schrecklich war der Jammer da,Den ich alle Tage sahAn den schönen Frauen.O weh, dass ich musste schauen,Wie sie alle starben,Und die Blumen verdarben:Da schied in Trauer ich von dannenMit allen meinen Mannen.
Als wir hinzogen an dem Meere,Da ritt ich ausser meinem HeereMit dreien tausend Mannen.Darauf huben wir uns von dannenUnd gedachten Wunder zu sehen;Da sahn wir fern von dannen stehenEinen grossen, prächtigen Wald.Das Wunder das war mannigfalt,Das wir da vernahmen.Als hinzu wir kamen,Da höreten wir wohl in ihmManche wunderschöne Stimm,’Leier und HarfenklangUnd den süssesten Gesang,10Der je von Menschen ward erdacht,Wär er all zusammengebracht,Der könnte sich mit dem nicht gatten.Gar dicht und wonniglich der SchattenUnter diesen Bäumen was.Da entsprossen Blumen und GrasUnd würz’ge Kräuter mancherhand.Noch nie in einem Walde fandMan also viele Zier bereit;Lang war dieser und auch breit.20Dieser selbe Wald der lag,Wie ich es euch wohl sagen mag,In einer schönen Auen.Da sollten wir auch schauenManchen edlen Bronnen,Der aus dem Wald kam geronnenKühlig und erquickend klar.Ich und meine kühne ScharSahen Wundergleiches da,Das uns zu Liebe da geschah.Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,Mit Fleisse will ich es euch zeigen.Der herrliche, der edle WaldWar wunderbarlich schön gestalt’.Wir konnten’s all’ genau gewahren.Stattlich hoch die Bäume waren,Die Zweige waren breit und dicht,Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht.10Das war eine grosse Wonne.Da konnte nicht die SonneHindurch bis zu der Erde scheinen.Ich und die MeinenWir liessen unsre Rosse stehn,Um alsbald in den Wald zu gehnNach dem wonniglichen Sang.Gar lang und weit der Weg sich wand,Bis wir dorthin kamen,Wo wir nun vernahmen,20Was Wunder darin mochte sein.Gar viele schöne MägdeleinWir in dem Walde funden,Die spielten in diesen StundenAuf dem grünen Klee umher,Hunderttausend und noch mehr;Die spieleten und sprangen,Hei, wie schön sie sangen,Dass wir alle, Kleine und Grosse,Durch das liebliche Getose,Das aus dem Walde zu uns scholl,Ich und meine Helden wohl,Vergassen unser HerzeleidUnd all die Mühe in dem Streit.Wir fühlten alle Noth vergehnUnd was uns Leides je geschehn.Da schien es allen uns fürwahr,Was auch gar kein Wunder war,10Dass zur Genüge sei gegebenUns für die Weile, die wir leben,Freude und des Reichthums Glanz.Angst und Leid vergass ich ganz,Ich und all die Meinen,Und was von KindesbeinenBis an denselben Tag fürwahrUns Leides je geschehen war;Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,Ich würde nimmer ungesund;20Wär’ ich dort immerdar gewesen,Ich wäre ganz und gar genesenVon aller Angst und aller NothUnd hätte nicht gescheut den Tod.Wollt ihr nun rechte Einsicht han,Wie’s mit den Frauen war gethan,Von wannen diese kamen,Oder welches Ende sie nahmen,Von Allem mag euch das fürwahrErscheinen höchlich wunderbar.Sobald der Winter gieng von dann,Und die Sommerszeit begann,Und es grün ward überall,Und die edlen Blumen ohne ZahlIm Wald begannen aufzugehn,Da waren die gar schön zu sehn.10Von Lichte strahleten sie ganz,In rothem und in weissem GlanzSchimmerten gar ferne sie.Solche Blumen waren nie,Welche schöner mochten blühn.Sie waren, wie es uns erschien,Völlig rund als wie ein BallUnd fest verschlossen überall;Sie waren wunderbarlich gross.Und wenn die Blume sich oben erschloss,20Das merket wohl in euerem Sinne,So fanden sich darinneMägdlein ganz und gar vollkommen.Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.Sie wandelten lebendigUnd sprachen so verständigUnd fühlten Menschenlust und Sinn;Sie hatten völlig, wie es schien,Ein Alter um das zwölfte Jahr.Sie waren herrlich, das ist wahr,Geschaffen an ihrem Leibe.Ich hab’ an keinem WeibeEin schöner Antlitz je gesehnNoch Augen also herrlich stehn;Händ’ und Arme waren hellWie eines Hermelines Fell,So auch die Füsse und die Beine;Es war von ihnen keine,10Die nicht der Schönheit Reiz besass.Auch trieben sie in Züchten SpassUnd lachten viel und waren froh,Und ihr Gesang entzückte so,Dass nie vordem und seit der FristSo süsse Stimm’ erschollen ist.Doch musste diesen Frauen,—Darauf dürft ihr vertrauen—Lebenslust der Schatten geben;Sie konnten ohne den nicht leben.20Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,So blieb am Leben ihrer keine.Das Wunder das war mannigfalt.Da erscholl ringsum der WaldVon dem süssen KlingenDerer, die darinne singen,Die Vögel und die Mägdelein;Wie konnt’ es wonniglicher sein,Früh und spät zu jeder Zeit.Ihres Leibes ganzes KleidFest an sie gewachsen warAn die Haut und an das Haar.An Farbe waren sie genauSo wie die Blumen auf der AuRoth und weiss wie Schnee gethan.Da wir sie zu uns gehen sahn,Da drängte ihnen der Leib entgegen,Denn Fraun, die solche Lust erregen,Sind noch der Welt nicht worden kund.10**O weh, dass wir so schnell verlorenDas wonnige Behagen!Dies Wunder, kann ich sagen,Durft ich mit meinen Augen schaun:Ihr möget meinen Worten traun.Dies währte, wie ich euch jetzt sage,Drei Monate und noch zwölf Tage,Dass ich mit meiner HeldenscharIn dem grünen Walde warUnd bei den schönen Auen20Mit den lieben Frauen,Und wir in Lust mit ihnen lebtenUnd in Wonn’ und Freude schwebten.Doch grosses Leid geschah uns dann,Das nie genug ich klagen kann.Da die Zeit zu Ende gieng,Unsre Freude auch zergieng:Die Blumen ganz und gar verdarbenUnd die schönen Frauen starben.Ihr Laub die Bäume liessenUnd die Brunnen ihr FliessenUnd die Vögelein ihr Singen.Da begunnte auch zu zwingenUngemach und Gram mein Herze10Mit mannigfaltigem Schmerze.Schrecklich war der Jammer da,Den ich alle Tage sahAn den schönen Frauen.O weh, dass ich musste schauen,Wie sie alle starben,Und die Blumen verdarben:Da schied in Trauer ich von dannenMit allen meinen Mannen.
Als wir hinzogen an dem Meere,Da ritt ich ausser meinem HeereMit dreien tausend Mannen.Darauf huben wir uns von dannenUnd gedachten Wunder zu sehen;Da sahn wir fern von dannen stehenEinen grossen, prächtigen Wald.Das Wunder das war mannigfalt,Das wir da vernahmen.Als hinzu wir kamen,Da höreten wir wohl in ihmManche wunderschöne Stimm,’Leier und HarfenklangUnd den süssesten Gesang,10Der je von Menschen ward erdacht,Wär er all zusammengebracht,Der könnte sich mit dem nicht gatten.Gar dicht und wonniglich der SchattenUnter diesen Bäumen was.Da entsprossen Blumen und GrasUnd würz’ge Kräuter mancherhand.Noch nie in einem Walde fandMan also viele Zier bereit;Lang war dieser und auch breit.20Dieser selbe Wald der lag,Wie ich es euch wohl sagen mag,In einer schönen Auen.Da sollten wir auch schauenManchen edlen Bronnen,Der aus dem Wald kam geronnenKühlig und erquickend klar.Ich und meine kühne ScharSahen Wundergleiches da,Das uns zu Liebe da geschah.Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,Mit Fleisse will ich es euch zeigen.Der herrliche, der edle WaldWar wunderbarlich schön gestalt’.Wir konnten’s all’ genau gewahren.Stattlich hoch die Bäume waren,Die Zweige waren breit und dicht,Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht.10Das war eine grosse Wonne.Da konnte nicht die SonneHindurch bis zu der Erde scheinen.Ich und die MeinenWir liessen unsre Rosse stehn,Um alsbald in den Wald zu gehnNach dem wonniglichen Sang.Gar lang und weit der Weg sich wand,Bis wir dorthin kamen,Wo wir nun vernahmen,20Was Wunder darin mochte sein.Gar viele schöne MägdeleinWir in dem Walde funden,Die spielten in diesen StundenAuf dem grünen Klee umher,Hunderttausend und noch mehr;Die spieleten und sprangen,Hei, wie schön sie sangen,Dass wir alle, Kleine und Grosse,Durch das liebliche Getose,Das aus dem Walde zu uns scholl,Ich und meine Helden wohl,Vergassen unser HerzeleidUnd all die Mühe in dem Streit.Wir fühlten alle Noth vergehnUnd was uns Leides je geschehn.Da schien es allen uns fürwahr,Was auch gar kein Wunder war,10Dass zur Genüge sei gegebenUns für die Weile, die wir leben,Freude und des Reichthums Glanz.Angst und Leid vergass ich ganz,Ich und all die Meinen,Und was von KindesbeinenBis an denselben Tag fürwahrUns Leides je geschehen war;Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,Ich würde nimmer ungesund;20Wär’ ich dort immerdar gewesen,Ich wäre ganz und gar genesenVon aller Angst und aller NothUnd hätte nicht gescheut den Tod.Wollt ihr nun rechte Einsicht han,Wie’s mit den Frauen war gethan,Von wannen diese kamen,Oder welches Ende sie nahmen,Von Allem mag euch das fürwahrErscheinen höchlich wunderbar.Sobald der Winter gieng von dann,Und die Sommerszeit begann,Und es grün ward überall,Und die edlen Blumen ohne ZahlIm Wald begannen aufzugehn,Da waren die gar schön zu sehn.10Von Lichte strahleten sie ganz,In rothem und in weissem GlanzSchimmerten gar ferne sie.Solche Blumen waren nie,Welche schöner mochten blühn.Sie waren, wie es uns erschien,Völlig rund als wie ein BallUnd fest verschlossen überall;Sie waren wunderbarlich gross.Und wenn die Blume sich oben erschloss,20Das merket wohl in euerem Sinne,So fanden sich darinneMägdlein ganz und gar vollkommen.Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.Sie wandelten lebendigUnd sprachen so verständigUnd fühlten Menschenlust und Sinn;Sie hatten völlig, wie es schien,Ein Alter um das zwölfte Jahr.Sie waren herrlich, das ist wahr,Geschaffen an ihrem Leibe.Ich hab’ an keinem WeibeEin schöner Antlitz je gesehnNoch Augen also herrlich stehn;Händ’ und Arme waren hellWie eines Hermelines Fell,So auch die Füsse und die Beine;Es war von ihnen keine,10Die nicht der Schönheit Reiz besass.Auch trieben sie in Züchten SpassUnd lachten viel und waren froh,Und ihr Gesang entzückte so,Dass nie vordem und seit der FristSo süsse Stimm’ erschollen ist.Doch musste diesen Frauen,—Darauf dürft ihr vertrauen—Lebenslust der Schatten geben;Sie konnten ohne den nicht leben.20Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,So blieb am Leben ihrer keine.Das Wunder das war mannigfalt.Da erscholl ringsum der WaldVon dem süssen KlingenDerer, die darinne singen,Die Vögel und die Mägdelein;Wie konnt’ es wonniglicher sein,Früh und spät zu jeder Zeit.Ihres Leibes ganzes KleidFest an sie gewachsen warAn die Haut und an das Haar.An Farbe waren sie genauSo wie die Blumen auf der AuRoth und weiss wie Schnee gethan.Da wir sie zu uns gehen sahn,Da drängte ihnen der Leib entgegen,Denn Fraun, die solche Lust erregen,Sind noch der Welt nicht worden kund.10**O weh, dass wir so schnell verlorenDas wonnige Behagen!Dies Wunder, kann ich sagen,Durft ich mit meinen Augen schaun:Ihr möget meinen Worten traun.Dies währte, wie ich euch jetzt sage,Drei Monate und noch zwölf Tage,Dass ich mit meiner HeldenscharIn dem grünen Walde warUnd bei den schönen Auen20Mit den lieben Frauen,Und wir in Lust mit ihnen lebtenUnd in Wonn’ und Freude schwebten.Doch grosses Leid geschah uns dann,Das nie genug ich klagen kann.Da die Zeit zu Ende gieng,Unsre Freude auch zergieng:Die Blumen ganz und gar verdarbenUnd die schönen Frauen starben.Ihr Laub die Bäume liessenUnd die Brunnen ihr FliessenUnd die Vögelein ihr Singen.Da begunnte auch zu zwingenUngemach und Gram mein Herze10Mit mannigfaltigem Schmerze.Schrecklich war der Jammer da,Den ich alle Tage sahAn den schönen Frauen.O weh, dass ich musste schauen,Wie sie alle starben,Und die Blumen verdarben:Da schied in Trauer ich von dannenMit allen meinen Mannen.
Als wir hinzogen an dem Meere,
Da ritt ich ausser meinem Heere
Mit dreien tausend Mannen.
Darauf huben wir uns von dannen
Und gedachten Wunder zu sehen;
Da sahn wir fern von dannen stehen
Einen grossen, prächtigen Wald.
Das Wunder das war mannigfalt,
Das wir da vernahmen.
Als hinzu wir kamen,
Da höreten wir wohl in ihm
Manche wunderschöne Stimm,’
Leier und Harfenklang
Und den süssesten Gesang,10
Der je von Menschen ward erdacht,
Wär er all zusammengebracht,
Der könnte sich mit dem nicht gatten.
Gar dicht und wonniglich der Schatten
Unter diesen Bäumen was.
Da entsprossen Blumen und Gras
Und würz’ge Kräuter mancherhand.
Noch nie in einem Walde fand
Man also viele Zier bereit;
Lang war dieser und auch breit.20
Dieser selbe Wald der lag,
Wie ich es euch wohl sagen mag,
In einer schönen Auen.
Da sollten wir auch schauen
Manchen edlen Bronnen,
Der aus dem Wald kam geronnen
Kühlig und erquickend klar.
Ich und meine kühne Schar
Sahen Wundergleiches da,
Das uns zu Liebe da geschah.
Das will ich jetzt auch nicht verschweigen,
Mit Fleisse will ich es euch zeigen.
Der herrliche, der edle Wald
War wunderbarlich schön gestalt’.
Wir konnten’s all’ genau gewahren.
Stattlich hoch die Bäume waren,
Die Zweige waren breit und dicht,
Nur Wahrheit gibt euch mein Bericht.10
Das war eine grosse Wonne.
Da konnte nicht die Sonne
Hindurch bis zu der Erde scheinen.
Ich und die Meinen
Wir liessen unsre Rosse stehn,
Um alsbald in den Wald zu gehn
Nach dem wonniglichen Sang.
Gar lang und weit der Weg sich wand,
Bis wir dorthin kamen,
Wo wir nun vernahmen,20
Was Wunder darin mochte sein.
Gar viele schöne Mägdelein
Wir in dem Walde funden,
Die spielten in diesen Stunden
Auf dem grünen Klee umher,
Hunderttausend und noch mehr;
Die spieleten und sprangen,
Hei, wie schön sie sangen,
Dass wir alle, Kleine und Grosse,
Durch das liebliche Getose,
Das aus dem Walde zu uns scholl,
Ich und meine Helden wohl,
Vergassen unser Herzeleid
Und all die Mühe in dem Streit.
Wir fühlten alle Noth vergehn
Und was uns Leides je geschehn.
Da schien es allen uns fürwahr,
Was auch gar kein Wunder war,10
Dass zur Genüge sei gegeben
Uns für die Weile, die wir leben,
Freude und des Reichthums Glanz.
Angst und Leid vergass ich ganz,
Ich und all die Meinen,
Und was von Kindesbeinen
Bis an denselben Tag fürwahr
Uns Leides je geschehen war;
Mir deuchte wohl zu dieser Stund’,
Ich würde nimmer ungesund;20
Wär’ ich dort immerdar gewesen,
Ich wäre ganz und gar genesen
Von aller Angst und aller Noth
Und hätte nicht gescheut den Tod.
Wollt ihr nun rechte Einsicht han,
Wie’s mit den Frauen war gethan,
Von wannen diese kamen,
Oder welches Ende sie nahmen,
Von Allem mag euch das fürwahr
Erscheinen höchlich wunderbar.
Sobald der Winter gieng von dann,
Und die Sommerszeit begann,
Und es grün ward überall,
Und die edlen Blumen ohne Zahl
Im Wald begannen aufzugehn,
Da waren die gar schön zu sehn.10
Von Lichte strahleten sie ganz,
In rothem und in weissem Glanz
Schimmerten gar ferne sie.
Solche Blumen waren nie,
Welche schöner mochten blühn.
Sie waren, wie es uns erschien,
Völlig rund als wie ein Ball
Und fest verschlossen überall;
Sie waren wunderbarlich gross.
Und wenn die Blume sich oben erschloss,20
Das merket wohl in euerem Sinne,
So fanden sich darinne
Mägdlein ganz und gar vollkommen.
Ich sag’s euch, wie ich’s hab’ vernommen.
Sie wandelten lebendig
Und sprachen so verständig
Und fühlten Menschenlust und Sinn;
Sie hatten völlig, wie es schien,
Ein Alter um das zwölfte Jahr.
Sie waren herrlich, das ist wahr,
Geschaffen an ihrem Leibe.
Ich hab’ an keinem Weibe
Ein schöner Antlitz je gesehn
Noch Augen also herrlich stehn;
Händ’ und Arme waren hell
Wie eines Hermelines Fell,
So auch die Füsse und die Beine;
Es war von ihnen keine,10
Die nicht der Schönheit Reiz besass.
Auch trieben sie in Züchten Spass
Und lachten viel und waren froh,
Und ihr Gesang entzückte so,
Dass nie vordem und seit der Frist
So süsse Stimm’ erschollen ist.
Doch musste diesen Frauen,—
Darauf dürft ihr vertrauen—
Lebenslust der Schatten geben;
Sie konnten ohne den nicht leben.20
Traf sie die Sonne mit ihrem Scheine,
So blieb am Leben ihrer keine.
Das Wunder das war mannigfalt.
Da erscholl ringsum der Wald
Von dem süssen Klingen
Derer, die darinne singen,
Die Vögel und die Mägdelein;
Wie konnt’ es wonniglicher sein,
Früh und spät zu jeder Zeit.
Ihres Leibes ganzes Kleid
Fest an sie gewachsen war
An die Haut und an das Haar.
An Farbe waren sie genau
So wie die Blumen auf der Au
Roth und weiss wie Schnee gethan.
Da wir sie zu uns gehen sahn,
Da drängte ihnen der Leib entgegen,
Denn Fraun, die solche Lust erregen,
Sind noch der Welt nicht worden kund.10
**
O weh, dass wir so schnell verloren
Das wonnige Behagen!
Dies Wunder, kann ich sagen,
Durft ich mit meinen Augen schaun:
Ihr möget meinen Worten traun.
Dies währte, wie ich euch jetzt sage,
Drei Monate und noch zwölf Tage,
Dass ich mit meiner Heldenschar
In dem grünen Walde war
Und bei den schönen Auen20
Mit den lieben Frauen,
Und wir in Lust mit ihnen lebten
Und in Wonn’ und Freude schwebten.
Doch grosses Leid geschah uns dann,
Das nie genug ich klagen kann.
Da die Zeit zu Ende gieng,
Unsre Freude auch zergieng:
Die Blumen ganz und gar verdarben
Und die schönen Frauen starben.
Ihr Laub die Bäume liessen
Und die Brunnen ihr Fliessen
Und die Vögelein ihr Singen.
Da begunnte auch zu zwingen
Ungemach und Gram mein Herze10
Mit mannigfaltigem Schmerze.
Schrecklich war der Jammer da,
Den ich alle Tage sah
An den schönen Frauen.
O weh, dass ich musste schauen,
Wie sie alle starben,
Und die Blumen verdarben:
Da schied in Trauer ich von dannen
Mit allen meinen Mannen.