DAS LEBEN JESU.
[Scherer D.83,E.74.]
In der Vorauer Handschrift. Von einem unbekannten Verfasser, früher der Frau Ava, Verfasserin dreier geistlicher Gedichte, zugeschrieben. Herausgegeben von Diemer ‘Deutsche Gedichte des elften und zwölften Jahrhunderts’ (Wien, 1849).
In der Vorauer Handschrift. Von einem unbekannten Verfasser, früher der Frau Ava, Verfasserin dreier geistlicher Gedichte, zugeschrieben. Herausgegeben von Diemer ‘Deutsche Gedichte des elften und zwölften Jahrhunderts’ (Wien, 1849).
Dô hûb er ain stimme,dô lêrter uns die uîande minnen.er sprach: nu uergip in, herre uater got;si ne wizzen, waz si tônt.10z’einer sexte daz ergie,daz man in an den galgen hie.dâ uaht er in agonedaz chanf unze an die nône;dô wart gesceiden der strît,dô gesigte uns der lîp.er sprach: iz ist al uerendôt.dô gieng iz an den tôt,dô geschiet sîn heiligiu sêleuon den lîplîchen sêre.20durch unsich leid er die nôt.nu sehet, wî ir im sîn lônôt.Owî Marîâ Magdalênâ,wî gestônte du ie dâ,dâ du dînen herren guotensâhe hangen unde bluoten,unde du sâhe an sînem lîbedie gestochen wunden.wî mohtest du vertragendie laitlîchen chlagesîner trût mûterSancte Marîen der guoten!wie manigen zaher si gâben10ze dem selben mâledîniu chûsken ougen,mîn uil liebiu frouwe,dô du sus sâhe handelôndîn unsculdigen sun,dô man marterôte alsô sêredaz fleisk, daz er uon dir genomen hete.Owî Josep der guote,dô du mînen herren ab dem crûce huobe,hete ich dô gelebet,20ich hete dir uaste zuo gechlebetze der piuilde hêremînes uil lieben herren.Owî Nychodêmus,wane moht ich dir etewazliebes erbietenze lône unde ze mieten,daz du in abe huobeunde in sô scône begruobe!Dô got allez daz gewan,30dar umbe er her in werlt chom,dô liez er sînen lîchnamenzu der erde begraben.die ze der erde worden wâren,daz in die emphiengen,daz was alsô geordenôt;diu erde was geheiligôt,dâ er dô zwêne tagegeruowet in dem grabe;in der selben fristedô zestôrte er die helle ueste:er uuor mit lewen chreften,10die grintel muosen bresten;die gaiste ungehiuredi sprâchen in dem uiure,wer der wære,der sô gewaltichlîchen quæme:er bringet uns ein michel lieht,er ne wonet hie mit uns niht;neheine sunde habete er getâner ne mach hie niht bestân.An der stunde20dô gesigt er an dem hellehunde;sîne chîwen er im brach,uil michel leit ime dâ gescach.ich weiz, er in pantmit sîner zeswen hant,er warf in an den hellegrunt,er leit ime einen bouch in sînen munt,daz dem selben gûleallez ane offen stûnte daz mûle:swer durch sîne sunde30chome in sîne slunden,daz der freislîche huntniht gelûchen mege den munt,daz er in durch pîhte unde durch pûzesînes vndanches muezze lâzzen.Dô ne wolte er niuht uermîden,dô chêrt er sich ze den sînen,die in der uinster wâren;ein niuz lieht si sâhen;uil harte frouten si sich des,si sprâchen: aduenisti, desiderabilis!Er sprach: mîn erbarmede mich ne liez,ich tæte, alsô ich iu gehiez;10ich hân durch iuwere nôterliten einen crimmechlîchen tôt;die mich habent geminnet,di wil ich fuoren hinnen.swer hiute hie bestât,des ne wirt niemer nehein râtin desme hellesêre,des ne gewîse ih nimer mêre.Dô fuort er si allemit herige uon der helle,er gab in allen gelîche20wider sîn rîche,die si uon sculden haten uerlorn;dô was gestillet sîn zorn.
Dô hûb er ain stimme,dô lêrter uns die uîande minnen.er sprach: nu uergip in, herre uater got;si ne wizzen, waz si tônt.10z’einer sexte daz ergie,daz man in an den galgen hie.dâ uaht er in agonedaz chanf unze an die nône;dô wart gesceiden der strît,dô gesigte uns der lîp.er sprach: iz ist al uerendôt.dô gieng iz an den tôt,dô geschiet sîn heiligiu sêleuon den lîplîchen sêre.20durch unsich leid er die nôt.nu sehet, wî ir im sîn lônôt.Owî Marîâ Magdalênâ,wî gestônte du ie dâ,dâ du dînen herren guotensâhe hangen unde bluoten,unde du sâhe an sînem lîbedie gestochen wunden.wî mohtest du vertragendie laitlîchen chlagesîner trût mûterSancte Marîen der guoten!wie manigen zaher si gâben10ze dem selben mâledîniu chûsken ougen,mîn uil liebiu frouwe,dô du sus sâhe handelôndîn unsculdigen sun,dô man marterôte alsô sêredaz fleisk, daz er uon dir genomen hete.Owî Josep der guote,dô du mînen herren ab dem crûce huobe,hete ich dô gelebet,20ich hete dir uaste zuo gechlebetze der piuilde hêremînes uil lieben herren.Owî Nychodêmus,wane moht ich dir etewazliebes erbietenze lône unde ze mieten,daz du in abe huobeunde in sô scône begruobe!Dô got allez daz gewan,30dar umbe er her in werlt chom,dô liez er sînen lîchnamenzu der erde begraben.die ze der erde worden wâren,daz in die emphiengen,daz was alsô geordenôt;diu erde was geheiligôt,dâ er dô zwêne tagegeruowet in dem grabe;in der selben fristedô zestôrte er die helle ueste:er uuor mit lewen chreften,10die grintel muosen bresten;die gaiste ungehiuredi sprâchen in dem uiure,wer der wære,der sô gewaltichlîchen quæme:er bringet uns ein michel lieht,er ne wonet hie mit uns niht;neheine sunde habete er getâner ne mach hie niht bestân.An der stunde20dô gesigt er an dem hellehunde;sîne chîwen er im brach,uil michel leit ime dâ gescach.ich weiz, er in pantmit sîner zeswen hant,er warf in an den hellegrunt,er leit ime einen bouch in sînen munt,daz dem selben gûleallez ane offen stûnte daz mûle:swer durch sîne sunde30chome in sîne slunden,daz der freislîche huntniht gelûchen mege den munt,daz er in durch pîhte unde durch pûzesînes vndanches muezze lâzzen.Dô ne wolte er niuht uermîden,dô chêrt er sich ze den sînen,die in der uinster wâren;ein niuz lieht si sâhen;uil harte frouten si sich des,si sprâchen: aduenisti, desiderabilis!Er sprach: mîn erbarmede mich ne liez,ich tæte, alsô ich iu gehiez;10ich hân durch iuwere nôterliten einen crimmechlîchen tôt;die mich habent geminnet,di wil ich fuoren hinnen.swer hiute hie bestât,des ne wirt niemer nehein râtin desme hellesêre,des ne gewîse ih nimer mêre.Dô fuort er si allemit herige uon der helle,er gab in allen gelîche20wider sîn rîche,die si uon sculden haten uerlorn;dô was gestillet sîn zorn.
Dô hûb er ain stimme,dô lêrter uns die uîande minnen.er sprach: nu uergip in, herre uater got;si ne wizzen, waz si tônt.10z’einer sexte daz ergie,daz man in an den galgen hie.dâ uaht er in agonedaz chanf unze an die nône;dô wart gesceiden der strît,dô gesigte uns der lîp.er sprach: iz ist al uerendôt.dô gieng iz an den tôt,dô geschiet sîn heiligiu sêleuon den lîplîchen sêre.20durch unsich leid er die nôt.nu sehet, wî ir im sîn lônôt.Owî Marîâ Magdalênâ,wî gestônte du ie dâ,dâ du dînen herren guotensâhe hangen unde bluoten,unde du sâhe an sînem lîbedie gestochen wunden.wî mohtest du vertragendie laitlîchen chlagesîner trût mûterSancte Marîen der guoten!wie manigen zaher si gâben10ze dem selben mâledîniu chûsken ougen,mîn uil liebiu frouwe,dô du sus sâhe handelôndîn unsculdigen sun,dô man marterôte alsô sêredaz fleisk, daz er uon dir genomen hete.Owî Josep der guote,dô du mînen herren ab dem crûce huobe,hete ich dô gelebet,20ich hete dir uaste zuo gechlebetze der piuilde hêremînes uil lieben herren.Owî Nychodêmus,wane moht ich dir etewazliebes erbietenze lône unde ze mieten,daz du in abe huobeunde in sô scône begruobe!Dô got allez daz gewan,30dar umbe er her in werlt chom,dô liez er sînen lîchnamenzu der erde begraben.die ze der erde worden wâren,daz in die emphiengen,daz was alsô geordenôt;diu erde was geheiligôt,dâ er dô zwêne tagegeruowet in dem grabe;in der selben fristedô zestôrte er die helle ueste:er uuor mit lewen chreften,10die grintel muosen bresten;die gaiste ungehiuredi sprâchen in dem uiure,wer der wære,der sô gewaltichlîchen quæme:er bringet uns ein michel lieht,er ne wonet hie mit uns niht;neheine sunde habete er getâner ne mach hie niht bestân.An der stunde20dô gesigt er an dem hellehunde;sîne chîwen er im brach,uil michel leit ime dâ gescach.ich weiz, er in pantmit sîner zeswen hant,er warf in an den hellegrunt,er leit ime einen bouch in sînen munt,daz dem selben gûleallez ane offen stûnte daz mûle:swer durch sîne sunde30chome in sîne slunden,daz der freislîche huntniht gelûchen mege den munt,daz er in durch pîhte unde durch pûzesînes vndanches muezze lâzzen.Dô ne wolte er niuht uermîden,dô chêrt er sich ze den sînen,die in der uinster wâren;ein niuz lieht si sâhen;uil harte frouten si sich des,si sprâchen: aduenisti, desiderabilis!Er sprach: mîn erbarmede mich ne liez,ich tæte, alsô ich iu gehiez;10ich hân durch iuwere nôterliten einen crimmechlîchen tôt;die mich habent geminnet,di wil ich fuoren hinnen.swer hiute hie bestât,des ne wirt niemer nehein râtin desme hellesêre,des ne gewîse ih nimer mêre.Dô fuort er si allemit herige uon der helle,er gab in allen gelîche20wider sîn rîche,die si uon sculden haten uerlorn;dô was gestillet sîn zorn.
Dô hûb er ain stimme,
dô lêrter uns die uîande minnen.
er sprach: nu uergip in, herre uater got;
si ne wizzen, waz si tônt.10
z’einer sexte daz ergie,
daz man in an den galgen hie.
dâ uaht er in agone
daz chanf unze an die nône;
dô wart gesceiden der strît,
dô gesigte uns der lîp.
er sprach: iz ist al uerendôt.
dô gieng iz an den tôt,
dô geschiet sîn heiligiu sêle
uon den lîplîchen sêre.20
durch unsich leid er die nôt.
nu sehet, wî ir im sîn lônôt.
Owî Marîâ Magdalênâ,
wî gestônte du ie dâ,
dâ du dînen herren guoten
sâhe hangen unde bluoten,
unde du sâhe an sînem lîbe
die gestochen wunden.
wî mohtest du vertragen
die laitlîchen chlage
sîner trût mûter
Sancte Marîen der guoten!
wie manigen zaher si gâben10
ze dem selben mâle
dîniu chûsken ougen,
mîn uil liebiu frouwe,
dô du sus sâhe handelôn
dîn unsculdigen sun,
dô man marterôte alsô sêre
daz fleisk, daz er uon dir genomen hete.
Owî Josep der guote,
dô du mînen herren ab dem crûce huobe,
hete ich dô gelebet,20
ich hete dir uaste zuo gechlebet
ze der piuilde hêre
mînes uil lieben herren.
Owî Nychodêmus,
wane moht ich dir etewaz
liebes erbieten
ze lône unde ze mieten,
daz du in abe huobe
unde in sô scône begruobe!
Dô got allez daz gewan,30
dar umbe er her in werlt chom,
dô liez er sînen lîchnamen
zu der erde begraben.
die ze der erde worden wâren,
daz in die emphiengen,
daz was alsô geordenôt;
diu erde was geheiligôt,
dâ er dô zwêne tage
geruowet in dem grabe;
in der selben friste
dô zestôrte er die helle ueste:
er uuor mit lewen chreften,10
die grintel muosen bresten;
die gaiste ungehiure
di sprâchen in dem uiure,
wer der wære,
der sô gewaltichlîchen quæme:
er bringet uns ein michel lieht,
er ne wonet hie mit uns niht;
neheine sunde habete er getân
er ne mach hie niht bestân.
An der stunde20
dô gesigt er an dem hellehunde;
sîne chîwen er im brach,
uil michel leit ime dâ gescach.
ich weiz, er in pant
mit sîner zeswen hant,
er warf in an den hellegrunt,
er leit ime einen bouch in sînen munt,
daz dem selben gûle
allez ane offen stûnte daz mûle:
swer durch sîne sunde30
chome in sîne slunden,
daz der freislîche hunt
niht gelûchen mege den munt,
daz er in durch pîhte unde durch pûze
sînes vndanches muezze lâzzen.
Dô ne wolte er niuht uermîden,
dô chêrt er sich ze den sînen,
die in der uinster wâren;
ein niuz lieht si sâhen;
uil harte frouten si sich des,
si sprâchen: aduenisti, desiderabilis!
Er sprach: mîn erbarmede mich ne liez,
ich tæte, alsô ich iu gehiez;10
ich hân durch iuwere nôt
erliten einen crimmechlîchen tôt;
die mich habent geminnet,
di wil ich fuoren hinnen.
swer hiute hie bestât,
des ne wirt niemer nehein rât
in desme hellesêre,
des ne gewîse ih nimer mêre.
Dô fuort er si alle
mit herige uon der helle,
er gab in allen gelîche20
wider sîn rîche,
die si uon sculden haten uerlorn;
dô was gestillet sîn zorn.
Da erhob er eine Stimme,da lehrte er uns die Feinde lieben.Er sprach: Nun vergieb ihnen, Herr Vater Gott;sie wissen nicht, was sie thun.10Es geschah zu Mittag,dass man ihn an den Baum hieng.Da kämpfte er in Todesschmerzenden Kampf bis drei Uhr Nachmittags.Da ward der Streit geschieden,der Leib besiegte uns.Er sprach: es ist ganz vollbracht.Da gieng es an den Tod,da schied seine heilige Seelevon den leiblichen Leiden.20Unsertwegen litt er die Noth,nun sehet, wie ihr ihm dafür lohnet.Wehe, Maria Magdalena,Wie standest du je da,da du deinen guten Herrenhängen und bluten sahestund sahest an seinem Leibedie gestochenen Wunden.Wie konntest du ertragendie traurige Klageseiner lieben Mutter,der guten Sancta Maria!wie manche Zähre sie gaben10zu demselben Male,deine keuschen Augen,meine viel liebe Frau,da du deinen unschuldigen Sohnso behandeln sahest,da man so sehr martertedas Fleisch, das er von dir genommen hatte.Ach, Joseph du guter,da du meinen Herrn vom Kreuze hubest,hätte ich damals gelebt,20ich hätte dir fest angehangenbei dem hehren Begräbnissmeines viel lieben Herren.Ach, Nikodemus,warum konnte ich dir nicht etwasLiebes erzeigenzum Lohne und zum Preise dafür,dass du ihn abhubestund ihn so schön begrubest!Als Gott alles das gewonnen hatte,30weshalb er herab in die Welt kam,da liess er seinen Körperzur Erde begraben.Dass ihn die empfiengen,die zu Erde geworden waren,das war so verordnet.Die Erde war geheiligt,wo er da zwei Tagein dem Grabe geruht.In derselben Fristzerstörte er die Höllenburg;er fuhr hin mit Löwenkraft,10die Riegel mussten bersten,die Geister, ungeheuer,die sprachen in dem Feuer,wer der wäre,der so gewaltiglich käme?Er bringt uns ein grosses Licht,er wohnet hier nicht mit uns;er hat keine Sünde gethan,er wird hier nicht bleiben.Zu der Stunde20siegte er ob dem Höllenhunde;er brach ihm seine Kiefer;viel Leid geschah ihm da.Ich weiss, er band ihnmit seiner rechten Hand,er warf ihn in den Höllengrund,er legte ihm einen Ring in seinen Mund,dass demselben Scheusalimmerdar das Maul offen stünde:wer durch seine Sünde30in seinen Schlund komme,dass der schreckliche Hundnicht das Maul schliessen könne,dass er ihn durch Beichte und Bussewider Willen los lassen müsse.Da wollte er nicht unterlassen,er kehrte sich zu den Seinen,die in der Dunkelheit waren.Sie sahen ein neues Licht,sie freuten sich des sehr.Sie sprachen: Advenisti, desiderabilis!Er sprach: meine Barmherzigkeit liess mich nicht,ich thäte denn, wie ich euch verhiess;10ich habe wegen eurer Notheinen grimmigen Tod erlitten;die mich geliebt haben,die will ich von hinnen führen.Wer heute hier bleibt,für den giebt es nimmer Hülfein diesem Höllenschmerz,nach dem sehe ich nie mehr.Da führte er sie allein Schaaren aus der Hölle,er gab ihnen allen gleich20sein Reich wieder,das sie durch ihre Schuld verloren hatten;da war sein Zorn gestillt.
Da erhob er eine Stimme,da lehrte er uns die Feinde lieben.Er sprach: Nun vergieb ihnen, Herr Vater Gott;sie wissen nicht, was sie thun.10Es geschah zu Mittag,dass man ihn an den Baum hieng.Da kämpfte er in Todesschmerzenden Kampf bis drei Uhr Nachmittags.Da ward der Streit geschieden,der Leib besiegte uns.Er sprach: es ist ganz vollbracht.Da gieng es an den Tod,da schied seine heilige Seelevon den leiblichen Leiden.20Unsertwegen litt er die Noth,nun sehet, wie ihr ihm dafür lohnet.Wehe, Maria Magdalena,Wie standest du je da,da du deinen guten Herrenhängen und bluten sahestund sahest an seinem Leibedie gestochenen Wunden.Wie konntest du ertragendie traurige Klageseiner lieben Mutter,der guten Sancta Maria!wie manche Zähre sie gaben10zu demselben Male,deine keuschen Augen,meine viel liebe Frau,da du deinen unschuldigen Sohnso behandeln sahest,da man so sehr martertedas Fleisch, das er von dir genommen hatte.Ach, Joseph du guter,da du meinen Herrn vom Kreuze hubest,hätte ich damals gelebt,20ich hätte dir fest angehangenbei dem hehren Begräbnissmeines viel lieben Herren.Ach, Nikodemus,warum konnte ich dir nicht etwasLiebes erzeigenzum Lohne und zum Preise dafür,dass du ihn abhubestund ihn so schön begrubest!Als Gott alles das gewonnen hatte,30weshalb er herab in die Welt kam,da liess er seinen Körperzur Erde begraben.Dass ihn die empfiengen,die zu Erde geworden waren,das war so verordnet.Die Erde war geheiligt,wo er da zwei Tagein dem Grabe geruht.In derselben Fristzerstörte er die Höllenburg;er fuhr hin mit Löwenkraft,10die Riegel mussten bersten,die Geister, ungeheuer,die sprachen in dem Feuer,wer der wäre,der so gewaltiglich käme?Er bringt uns ein grosses Licht,er wohnet hier nicht mit uns;er hat keine Sünde gethan,er wird hier nicht bleiben.Zu der Stunde20siegte er ob dem Höllenhunde;er brach ihm seine Kiefer;viel Leid geschah ihm da.Ich weiss, er band ihnmit seiner rechten Hand,er warf ihn in den Höllengrund,er legte ihm einen Ring in seinen Mund,dass demselben Scheusalimmerdar das Maul offen stünde:wer durch seine Sünde30in seinen Schlund komme,dass der schreckliche Hundnicht das Maul schliessen könne,dass er ihn durch Beichte und Bussewider Willen los lassen müsse.Da wollte er nicht unterlassen,er kehrte sich zu den Seinen,die in der Dunkelheit waren.Sie sahen ein neues Licht,sie freuten sich des sehr.Sie sprachen: Advenisti, desiderabilis!Er sprach: meine Barmherzigkeit liess mich nicht,ich thäte denn, wie ich euch verhiess;10ich habe wegen eurer Notheinen grimmigen Tod erlitten;die mich geliebt haben,die will ich von hinnen führen.Wer heute hier bleibt,für den giebt es nimmer Hülfein diesem Höllenschmerz,nach dem sehe ich nie mehr.Da führte er sie allein Schaaren aus der Hölle,er gab ihnen allen gleich20sein Reich wieder,das sie durch ihre Schuld verloren hatten;da war sein Zorn gestillt.
Da erhob er eine Stimme,da lehrte er uns die Feinde lieben.Er sprach: Nun vergieb ihnen, Herr Vater Gott;sie wissen nicht, was sie thun.10Es geschah zu Mittag,dass man ihn an den Baum hieng.Da kämpfte er in Todesschmerzenden Kampf bis drei Uhr Nachmittags.Da ward der Streit geschieden,der Leib besiegte uns.Er sprach: es ist ganz vollbracht.Da gieng es an den Tod,da schied seine heilige Seelevon den leiblichen Leiden.20Unsertwegen litt er die Noth,nun sehet, wie ihr ihm dafür lohnet.Wehe, Maria Magdalena,Wie standest du je da,da du deinen guten Herrenhängen und bluten sahestund sahest an seinem Leibedie gestochenen Wunden.Wie konntest du ertragendie traurige Klageseiner lieben Mutter,der guten Sancta Maria!wie manche Zähre sie gaben10zu demselben Male,deine keuschen Augen,meine viel liebe Frau,da du deinen unschuldigen Sohnso behandeln sahest,da man so sehr martertedas Fleisch, das er von dir genommen hatte.Ach, Joseph du guter,da du meinen Herrn vom Kreuze hubest,hätte ich damals gelebt,20ich hätte dir fest angehangenbei dem hehren Begräbnissmeines viel lieben Herren.Ach, Nikodemus,warum konnte ich dir nicht etwasLiebes erzeigenzum Lohne und zum Preise dafür,dass du ihn abhubestund ihn so schön begrubest!Als Gott alles das gewonnen hatte,30weshalb er herab in die Welt kam,da liess er seinen Körperzur Erde begraben.Dass ihn die empfiengen,die zu Erde geworden waren,das war so verordnet.Die Erde war geheiligt,wo er da zwei Tagein dem Grabe geruht.In derselben Fristzerstörte er die Höllenburg;er fuhr hin mit Löwenkraft,10die Riegel mussten bersten,die Geister, ungeheuer,die sprachen in dem Feuer,wer der wäre,der so gewaltiglich käme?Er bringt uns ein grosses Licht,er wohnet hier nicht mit uns;er hat keine Sünde gethan,er wird hier nicht bleiben.Zu der Stunde20siegte er ob dem Höllenhunde;er brach ihm seine Kiefer;viel Leid geschah ihm da.Ich weiss, er band ihnmit seiner rechten Hand,er warf ihn in den Höllengrund,er legte ihm einen Ring in seinen Mund,dass demselben Scheusalimmerdar das Maul offen stünde:wer durch seine Sünde30in seinen Schlund komme,dass der schreckliche Hundnicht das Maul schliessen könne,dass er ihn durch Beichte und Bussewider Willen los lassen müsse.Da wollte er nicht unterlassen,er kehrte sich zu den Seinen,die in der Dunkelheit waren.Sie sahen ein neues Licht,sie freuten sich des sehr.Sie sprachen: Advenisti, desiderabilis!Er sprach: meine Barmherzigkeit liess mich nicht,ich thäte denn, wie ich euch verhiess;10ich habe wegen eurer Notheinen grimmigen Tod erlitten;die mich geliebt haben,die will ich von hinnen führen.Wer heute hier bleibt,für den giebt es nimmer Hülfein diesem Höllenschmerz,nach dem sehe ich nie mehr.Da führte er sie allein Schaaren aus der Hölle,er gab ihnen allen gleich20sein Reich wieder,das sie durch ihre Schuld verloren hatten;da war sein Zorn gestillt.
Da erhob er eine Stimme,
da lehrte er uns die Feinde lieben.
Er sprach: Nun vergieb ihnen, Herr Vater Gott;
sie wissen nicht, was sie thun.10
Es geschah zu Mittag,
dass man ihn an den Baum hieng.
Da kämpfte er in Todesschmerzen
den Kampf bis drei Uhr Nachmittags.
Da ward der Streit geschieden,
der Leib besiegte uns.
Er sprach: es ist ganz vollbracht.
Da gieng es an den Tod,
da schied seine heilige Seele
von den leiblichen Leiden.20
Unsertwegen litt er die Noth,
nun sehet, wie ihr ihm dafür lohnet.
Wehe, Maria Magdalena,
Wie standest du je da,
da du deinen guten Herren
hängen und bluten sahest
und sahest an seinem Leibe
die gestochenen Wunden.
Wie konntest du ertragen
die traurige Klage
seiner lieben Mutter,
der guten Sancta Maria!
wie manche Zähre sie gaben10
zu demselben Male,
deine keuschen Augen,
meine viel liebe Frau,
da du deinen unschuldigen Sohn
so behandeln sahest,
da man so sehr marterte
das Fleisch, das er von dir genommen hatte.
Ach, Joseph du guter,
da du meinen Herrn vom Kreuze hubest,
hätte ich damals gelebt,20
ich hätte dir fest angehangen
bei dem hehren Begräbniss
meines viel lieben Herren.
Ach, Nikodemus,
warum konnte ich dir nicht etwas
Liebes erzeigen
zum Lohne und zum Preise dafür,
dass du ihn abhubest
und ihn so schön begrubest!
Als Gott alles das gewonnen hatte,30
weshalb er herab in die Welt kam,
da liess er seinen Körper
zur Erde begraben.
Dass ihn die empfiengen,
die zu Erde geworden waren,
das war so verordnet.
Die Erde war geheiligt,
wo er da zwei Tage
in dem Grabe geruht.
In derselben Frist
zerstörte er die Höllenburg;
er fuhr hin mit Löwenkraft,10
die Riegel mussten bersten,
die Geister, ungeheuer,
die sprachen in dem Feuer,
wer der wäre,
der so gewaltiglich käme?
Er bringt uns ein grosses Licht,
er wohnet hier nicht mit uns;
er hat keine Sünde gethan,
er wird hier nicht bleiben.
Zu der Stunde20
siegte er ob dem Höllenhunde;
er brach ihm seine Kiefer;
viel Leid geschah ihm da.
Ich weiss, er band ihn
mit seiner rechten Hand,
er warf ihn in den Höllengrund,
er legte ihm einen Ring in seinen Mund,
dass demselben Scheusal
immerdar das Maul offen stünde:
wer durch seine Sünde30
in seinen Schlund komme,
dass der schreckliche Hund
nicht das Maul schliessen könne,
dass er ihn durch Beichte und Busse
wider Willen los lassen müsse.
Da wollte er nicht unterlassen,
er kehrte sich zu den Seinen,
die in der Dunkelheit waren.
Sie sahen ein neues Licht,
sie freuten sich des sehr.
Sie sprachen: Advenisti, desiderabilis!
Er sprach: meine Barmherzigkeit liess mich nicht,
ich thäte denn, wie ich euch verhiess;10
ich habe wegen eurer Noth
einen grimmigen Tod erlitten;
die mich geliebt haben,
die will ich von hinnen führen.
Wer heute hier bleibt,
für den giebt es nimmer Hülfe
in diesem Höllenschmerz,
nach dem sehe ich nie mehr.
Da führte er sie alle
in Schaaren aus der Hölle,
er gab ihnen allen gleich20
sein Reich wieder,
das sie durch ihre Schuld verloren hatten;
da war sein Zorn gestillt.
M.