DAS VOLKSEPOS.

DAS VOLKSEPOS.DAS NIBELUNGENLIED.[Scherer D.110,E.101.]Die Handschriften, welche das Nibelungenlied überliefern, zerfallen in drei Hauptklassen, vertreten durch die Hohenems-Münchener Hs. (A), die allein steht, die St. Galler Hs. (B) und die Hohenems-Lassbergische Hs. (C). Lachmann erklärte die kürzeste Fassung A für einen Repräsentanten des ursprünglichsten Textes, B für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse A, C für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse B. Er legte A seinen Ausgaben zu Grunde; ‘Der Nibelunge Noth und die Klage’ (Berlin, 1826, 1841, 1851). Dagegen erklärte Holtzmann und Zarncke die Klasse C für die ursprünglichste und legten die Hs. C ihren Ausgaben zu Grunde; Holtzmann (Stuttgart, 1857), Zarncke (Leipzig 1856, fünfte Aufl. 1875). Pfeiffer erklärte den Ritter von Kürenberg für den Verfasser des Nibelungenliedes. Bartsch stimmte ihm bei, indem er eine verlorene Urgestalt des Gedichts zu erweisen suchte, und legte seinen Ausgaben B zu Grunde (3 Bde. Leipzig, 1870–1880).VIII. LIED.Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swînberen unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen waltgêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestândie warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den waltwîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mînwer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var.10der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hâtdaz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stuntdâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stuntdes gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân.10dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.dô wânden sie füegen ‖ daz man solde gebenin den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in darvil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborndaz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn10zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekantdaz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot,10ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bantvon fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehantvil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân10allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât,10war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranchaben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseitdaz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit10ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legenfür iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan,10den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entrancê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc10daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuocdes edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal.10het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestênsînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truocsît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac.10die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suondem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon10daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begânin der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sînûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt),10und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergândaz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann.10Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehnBären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grünVor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund.Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestelltDie Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne HeldSiegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den TannNach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’20‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n.Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang.Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat,30Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann.Da nahm ein alter Jäger ‖ einen SpürhundUnd brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art.20Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem LaufDerselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn.Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund.Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross,30Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan.Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheiltDer Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn.20Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich darHäute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgebornDass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins HornEinmal gestossen: ‖ also ward bekannt,Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand.‘Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald.30Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’20Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei.Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band.Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann;30Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen MuthZu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut.Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das BandVom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur HandBegannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann.20Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie anDer Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag.Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär;30Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl.Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug.20Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank30Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn.20Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hinMit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen30Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band.20Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh.Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast.Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss;30Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trankBis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank.Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan.20Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das SchwertTrug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fandUnd sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand.Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprangDas Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat.Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang.30Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt.Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan.20Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genugDes edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast.Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth.Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn,30Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug.Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod.20Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt.Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth,30Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’20‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib.Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt30An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen seinAuf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein.Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’20Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr.Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn.Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn:30Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt,10Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib.AUS DEM XIV.LIED.Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant.20Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc.10dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot:10swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baznâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît10daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen.10welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôzvon des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt),10daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lantder übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit),10daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehantvil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot10von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich wasder aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot,10wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den santvil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.des wurden snelle ‖ helde missevare,10dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôtan dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.

DAS VOLKSEPOS.

[Scherer D.110,E.101.]

Die Handschriften, welche das Nibelungenlied überliefern, zerfallen in drei Hauptklassen, vertreten durch die Hohenems-Münchener Hs. (A), die allein steht, die St. Galler Hs. (B) und die Hohenems-Lassbergische Hs. (C). Lachmann erklärte die kürzeste Fassung A für einen Repräsentanten des ursprünglichsten Textes, B für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse A, C für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse B. Er legte A seinen Ausgaben zu Grunde; ‘Der Nibelunge Noth und die Klage’ (Berlin, 1826, 1841, 1851). Dagegen erklärte Holtzmann und Zarncke die Klasse C für die ursprünglichste und legten die Hs. C ihren Ausgaben zu Grunde; Holtzmann (Stuttgart, 1857), Zarncke (Leipzig 1856, fünfte Aufl. 1875). Pfeiffer erklärte den Ritter von Kürenberg für den Verfasser des Nibelungenliedes. Bartsch stimmte ihm bei, indem er eine verlorene Urgestalt des Gedichts zu erweisen suchte, und legte seinen Ausgaben B zu Grunde (3 Bde. Leipzig, 1870–1880).

Die Handschriften, welche das Nibelungenlied überliefern, zerfallen in drei Hauptklassen, vertreten durch die Hohenems-Münchener Hs. (A), die allein steht, die St. Galler Hs. (B) und die Hohenems-Lassbergische Hs. (C). Lachmann erklärte die kürzeste Fassung A für einen Repräsentanten des ursprünglichsten Textes, B für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse A, C für Überarbeitung einer Handschrift der Klasse B. Er legte A seinen Ausgaben zu Grunde; ‘Der Nibelunge Noth und die Klage’ (Berlin, 1826, 1841, 1851). Dagegen erklärte Holtzmann und Zarncke die Klasse C für die ursprünglichste und legten die Hs. C ihren Ausgaben zu Grunde; Holtzmann (Stuttgart, 1857), Zarncke (Leipzig 1856, fünfte Aufl. 1875). Pfeiffer erklärte den Ritter von Kürenberg für den Verfasser des Nibelungenliedes. Bartsch stimmte ihm bei, indem er eine verlorene Urgestalt des Gedichts zu erweisen suchte, und legte seinen Ausgaben B zu Grunde (3 Bde. Leipzig, 1870–1880).

Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swînberen unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen waltgêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestândie warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den waltwîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mînwer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var.10der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hâtdaz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stuntdâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stuntdes gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân.10dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.dô wânden sie füegen ‖ daz man solde gebenin den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in darvil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborndaz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn10zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekantdaz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot,10ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bantvon fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehantvil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân10allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât,10war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranchaben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseitdaz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit10ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legenfür iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan,10den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entrancê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc10daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuocdes edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal.10het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestênsînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truocsît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac.10die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suondem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon10daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begânin der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sînûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt),10und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergândaz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.

Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swînberen unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen waltgêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestândie warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den waltwîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mînwer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var.10der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hâtdaz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stuntdâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stuntdes gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân.10dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.dô wânden sie füegen ‖ daz man solde gebenin den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in darvil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborndaz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn10zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekantdaz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot,10ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bantvon fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehantvil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân10allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât,10war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranchaben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseitdaz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit10ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legenfür iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan,10den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entrancê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc10daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuocdes edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal.10het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestênsînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truocsît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac.10die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suondem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon10daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begânin der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sînûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt),10und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergândaz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.

Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swînberen unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?

Gunthêr und Hagne, ‖ die reken vil balt,

lobeten mit untriuwen ‖ ein pirsen in den walt.

mit ir scharpfen gêren ‖ si wolden jagen swîn

beren unde wisende: ‖ waz kunde küeners gesîn?

Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen waltgêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.

Si hiezen herbergen ‖ für den grüenen walt

gêns wildes abeloufe ‖ die stolzen jägere balt,

dâ si dâ jagen solden, ‖ ûf einen wert vil breit.

dô was ouch komen Sîfrit: ‖ daz wart dem künege geseit.

Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestândie warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den waltwîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’

Von den jeitgesellen ‖ wurden dô bestân

die warte an allen enden. ‖ dô sprach der küene man,

Sîfrit der vil starke, ‖ ‘wer sol uns in den walt

wîsen nâch dem wilde, ‖ ir degne küene unde balt?’

‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mînwer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.

‘Wellen wir uns scheiden,’ ‖ sprach dô Hagene,

‘ê daz wir beginnen ‖ hie ze jagene?

dâ bî mugen bekennen ‖ ich und die hêrren mîn

wer die besten jägere ‖ an diser waltreise sîn.

Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var.10der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.

Liute unde hunde ‖ sulen wir teilen gar:

sô kêre islîcher ‖ dâ er gerne var.10

der danne jage beste, ‖ der sol des haben danc.’

der jäger bîten ‖ wart bî ein ander niht lanc.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hâtdaz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘ich hân der hunde rât,

wan einen bracken, ‖ der sô genozzen hât

daz er die verte erkenne ‖ der tiere durch den tan.

wir komen wol ze jeide,’ ‖ sprach der Kriemhilde man.

Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stuntdâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.

Dô nam ein alter jägere ‖ einen spürhunt:

er brâhte den hêrren ‖ in einer kurzer stunt

dâ si vil tiere funden. ‖ swaz der von leger stuont,

diu erjeiten die gesellen, ‖ sô noch guote jeger tuont.

Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stuntdes gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.

Einen eber grôzen ‖ vant der spürhunt.

als er begunde vliehen, ‖ dô kom an der stunt

des gejeides meister ‖ bestuont in ûf der slâ.

daz swîn zorneclîchen ‖ lief an den küenen degen sâ.

Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân.10dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.

Dô sluoc in mit dem swerte ‖ Kriemhilde man:

ez hete ein ander jegere ‖ sô sanfte niht getân.10

dô ern hete ervellet, ‖ man vie den spürhunt.

dô wart sîn rîch gejeide ‖ allen Burgonden kunt.

Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.

Sie hôrten allenthalben ‖ ludem unde dôz.

von liuten und von hunden ‖ der schal was sô grôz,

daz in dâ von antwurte ‖ der berc und ouch der tan.

vier unde zweinzec ruore ‖ die jeger hêten verlân.

Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.dô wânden sie füegen ‖ daz man solde gebenin den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.

Dô muosen vil der tiere ‖ verliesen dâ daz leben.

dô wânden sie füegen ‖ daz man solde geben

in den prîs des jeides: ‖ des kunde niht geschehen,

dô der starke Sîfrit ‖ wart zer viwerstat gesehen.

Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in darvil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!

Daz jeit was ergangen, ‖ unde doch niht gar.

die zer viwerstat wolden, ‖ die brâhten mit in dar

vil maneger tiere hiute ‖ und wildes genuoc.

hei waz man ze kuchen ‖ für daz ingesinde truoc!

Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborndaz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn10zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekantdaz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.

Dô hiez der künic künden ‖ den jägern wol geborn

daz er enbîzen wolde. ‖ dô wart lûte ein horn10

zeiner stunt geblâsen: ‖ dâ mite wart bekant

daz man den fürsten edele ‖ dâ zen herbergen vant.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘nu rûmen wir den tan!’

sîn ros truoc in ebene: ‖ si îlten mit im dan.

si ersprancten mit ir schalle ‖ ein tier gremelich,

einen beren wilden. ‖ dô sprach der degen hinder sich:

‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’

‘Ich wil uns hergesellen ‖ kurzwîle wern.

ir sult den braken lâzen. ‖ ich sihe einen bern:

der sol mit uns hinnen ‖ zen herbergen varn.

ern fliehe danne sêre, ‖ ern kan sichs nimmer bewarn.’

Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.

Der brake wart verlâzen, ‖ der bere spranc von dan.

dô wolde in errîten ‖ Kriemhilde man.

er kom in ein gevelle: ‖ done kund ez niht wesen.

daz starke tier dô wânde ‖ vor den jägeren genesen.

Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot,10ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.

Dô spranc von sîme rosse ‖ der stolze rîter guot,

er begunde nâch loufen. ‖ daz tier was unbehuot,10

ez enkund im niht entrinnen: ‖ dô vie erz sâ zehant,

ân alle wunden ‖ der helt ez schiere gebant.

Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.

Krazen noch gebîzen ‖ kund ez niht den man.

er band ez zuo dem satele: ‖ ûf saz der snelle sân,

er brâht ez an die viwerstat ‖ durch sînen hôhen muot,

zeiner kurzwîle, ‖ der degen küene unde guot.

Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bantvon fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehantvil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.

Als er gestuont von rosse, ‖ dô lôste er im diu bant

von fuoze und ouch von munde. ‖ do erlûte sâ zehant

vil lûte daz gehünde, ‖ swaz es den bern sach.

daz tier ze walde wolde: ‖ des heten die liute ungemach.

Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!

Der bere von dem schalle ‖ durch die kuche geriet:

hey waz er kuchenknehte ‖ von dem viwer schiet!

vil kezzele wart gerüeret, ‖ zerfüeret manic brant:

hei waz man guoter spîse ‖ in dem aschen ligen vant!

Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân10allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.

Dô sprungen von dem sedele ‖ die hêrren und ir man.

der bere begunde zürnen: ‖ der künic hiez dô lân10

allez daz gehünde ‖ daz an seilen lac.

und wær ez wol verendet, ‖ si heten vrœlîchen tac.

Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.

Mit bogen und mit spiezen ‖ (niht langer man daz lie)

dar liefen dô die snellen, ‖ dâ der bere gie.

dô was sô vil der hunde, ‖ daz dâ nieman schôz.

von des liutes schalle ‖ daz birge allez erdôz.

Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.

Der ber begunde vliehen ‖ vor den hunden dan:

im kunde niht gevolgen ‖ wan Kriemhilde man.

er erlief in mit dem swerte, ‖ ze tôde er in dô sluoc.

hin wider zuo dem viwre ‖ man den beren dô truoc.

Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!

Dô sprâchen die daz sâhen, ‖ er wær ein kreftic man.

die stolzen jeitgesellen ‖ hiez man ze tische gân.

ûf einen schœnen anger ‖ saz ir dâ genuoc.

hei waz man rîterspîse ‖ den stolzen jegern dô truoc!

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât,10war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.

Dô sprach der hêrre Sîfrit ‖ ‘wunder mich des hât,

sîd man uns von kuchen ‖ gît sô manegen rât,10

war umbe uns die schenken ‖ dar zuo niht bringen wîn.

man pflege baz der jegere, ‖ ich wil niht jeitgeselle sîn.

Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranchaben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’

Dô sprach der Niderlende ‖ ‘ir lîp der habe undanc.

man sold mir siben soume ‖ met und lûtertranc

haben her gefüeret. ‖ dô des niht mohte sîn,

dô sold man uns gesidelet ‖ haben nâher an den Rîn.’

Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.

Dô sprach von Tronje Hagne ‖ ‘ir edelen rîter balt,

ich weiz hie vil nâhen ‖ einen brunnen kalt

(daz ir niht enzürnet): ‖ dâ sul wir hine gân.’

der rât wart manegem degne ‖ ze grôzen sorgen getân.

Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseitdaz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’

Dô si wolden dannen ‖ zuo der linden breit,

dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘mir ist des vil geseit

daz niht gevolgen kunde ‖ dem Kriemhilde man,

swenner welle gâhen: ‖ wold er uns daz sehen lân!’

Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit10ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’

Dô sprach von Niderlande ‖ der küene Sîfrit

‘daz muget ir wol versuochen, ‖ welt ir mir volgen mit10

ze wette zuo dem brunnen. ‖ sô daz ist getân,

man jehe dem gewinnes ‖ den man siht gewunnen hân.’

‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legenfür iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!

‘Nu welle ouch wirz versuochen,’ ‖ sprach Hagne der degen.

dô sprach der starke Sîfrit ‖ ‘sô wil ich mich legen

für iuwer füeze ‖ nider an daz gras.’

dô er daz gehôrte, ‖ wie liep daz Gunthêre was!

Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.

Dô sprach der degen küene ‖ ‘ich wil iu mêre sagen,

allez mîn gewæte ‖ wil ich mit mir tragen,

den gêr zuo dem schilde, ‖ und mîn pirsgewant.’

den kocher zuo dem swerte ‖ schier er umbe gebant.

Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.

Dô zugen si diu kleider ‖ von dem lîbe dan:

in zwein wîzen hemden ‖ sach man si beide stân.

sam zwei wildiu pantel ‖ si liefen durch den klê:

doch sach man bî dem brunnen ‖ den küenen Sîfriden ê.

Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan,10den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.

Den brîs von allen dingen ‖ truoc er vor manegem man.

daz swert lôst er schiere, ‖ den kocher leit er dan,10

den starken gêr er leinde ‖ an der linden ast:

bî des brunnen fluzze ‖ stuont der hêrlîche gast.

Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entrancê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.

Die Sîfrides tugende ‖ wâren harte grôz.

den schilt er leite nidere ‖ dâ der brunne flôz:

swie harte sô in durste, ‖ der helt doch niht entranc

ê der künec getrunke. ‖ des seit er im vil bœsen danc.

Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.

Der brunne was küele ‖ lûter unde guot.

Gunthêr sich dô neigte ‖ nider zuo der vluot:

als er hete getrunken, ‖ dô rihte er sich von dan.

alsam het ouch gerne ‖ der küene Sîfrit getân.

Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.

Do engalt er sîner zühte. ‖ den bogen und daz swert,

daz truoc allez Hagne ‖ von im danwert,

und spranc dâ hin widere ‖ da er den gêre vant.

er sach nâch einem bilde ‖ an des küenen gewant.

Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc10daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.

Dô der hêrre Sîfrit ‖ ob dem brunnen tranc,

er schôz in durch daz criuze, ‖ daz von der wunden spranc10

daz bluot von dem herzen ‖ vaste an Hagnen wât.

solher missewende ‖ ein helt nu nimmer begât.

Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.

Der hêrre tobelîchen ‖ von dem brunnen spranc:

im ragete von den herten ‖ ein gêrstange lanc.

der fürste wânde vinden ‖ bogen oder swert:

sô müeste wesen Hagne ‖ nâch sîme dienste gewert.

Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.

Dô der sêre wunde ‖ des swertes niht envant,

done het et er niht mêre ‖ wan des schildes rant:

er zuct in von dem brunnen, ‖ dô lief er Hagnen an:

done kund im niht entrinnen ‖ des künic Gunthêres man.

Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuocdes edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.

Swie wunt er was zem tôde, ‖ sô krefteclîch er sluoc,

daz ûzer dem schilde ‖ dræte genuoc

des edelen gesteines: ‖ der schilt vil gar zerbrast.

sich hete gerne errochen ‖ der vil hêrlîche gast.

Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal.10het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.

Dô was gestrûchet Hagne ‖ vor sîner hant zetal.

von des slages krefte ‖ der wert vil lûte erhal.10

het er sîn swert enhende, ‖ sô wær ez Hagnen tôt.

sêre zurnde der wunde: ‖ des twanc in êhaftiu nôt.

Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestênsînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truocsît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.

Erblichen was sîn varwe: ‖ ern mohte niht gestên

sînes lîbes sterke ‖ muoste gar zergên,

wand er des tôdes zeichen ‖ in liehter varwe truoc

sît wart er beweinet ‖ von schœnen vrouwen genuoc.

Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.

Dô viel in die bluomen ‖ der Kriemhilde man:

daz bluot von sîner wunden ‖ sach man vaste gân.

dô begunder schelden ‖ (des twanc in grôziu nôt)

die ûf in gerâten ‖ heten ungetriwe den tôt.

Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.

Dô sprach der verchwunde ‖ ‘jâ ir bœsen zagen,

waz helfent mîniu dienest, ‖ sîd ir mich habet erslagen?

ich was iu ie getriuwe; ‖ des ich enkolten hân.

ir habet an iwren friunden ‖ leider übele getân.

Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac.10die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.

Die rîter alle liefen ‖ dâ er erslagen lac.

ez was ir genuogen ‖ ein vröudelôser tac.10

die iht triwe hêten, ‖ von den wart er gekleit:

daz hete ouch wol verdienet ‖ umbe alle liute der helt gemeit.

Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’

Der künec von Burgonden ‖ klagte ouch sînen tôt.

dô sprach der verchwunde ‖ ‘daz ist âne nôt,

daz der nâch scaden weinet, ‖ der in dâ hât getân.

der dienet michel schelden: ‖ ez wære bezzer verlân.’

Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’

Dô sprach der grimme Hagne ‖ ‘jan weiz ich waz ir kleit.

ez hât nu allez ende an uns, ‖ sorge unde leit:

wir vinden ir nu wênic ‖ die getürren uns bestân.

wol mich daz ich des heldes ‖ hân ze râte getân.’

‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.

‘Ir muget iuch lîhte rüemen,’ ‖ sprach hêr Sîfrit.

‘het ich an iu erkunnet ‖ den mortlîchen sit,

ich hete wol behalten ‖ vor iu mînen lîp.

mich riwet niht sô sêre ‖ sô vrou Kriemhilt mîn wîp.

Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suondem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon10daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’

Nu müeze got erbarmen ‖ daz ich ie gewan den suon

dem man itewîzen ‖ sol daz her nâch tuon10

daz sîne mâge ieman ‖ mortlîch hânt erslagen.

möhte ichz verenden, ‖ daz sold ich billîchen klagen.’

Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begânin der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sînûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.

Dô sprach jæmerlîche ‖ der verchwunde man

‘welt ir, künic edele, ‖ triwen iht begân

in der werlde an iemen, ‖ lât iu bevolhen sîn

ûf iuwer genâde ‖ die lieben triutinne mîn.

Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’

Lât si des geniezen ‖ daz si iwer swester sî:

durch aller fürsten tugende ‖ wont ir mit triwen bî.

wan mir wartent lange ‖ mîn vater und mîne man.

ez enwart nie leider ‖ an liebem vriunde getân.’

Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.

Die bluomen allenthalben ‖ von bluote wâren naz.

dô rang er mit dem tôde: ‖ unlange tet er daz,

wan des tôdes zeichen ‖ ie ze sêre sneit.

ouch muoste sân ersterben ‖ der recke küene unde gemeit.

Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt),10und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergândaz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.

Dô die hêrren sâhen ‖ daz der helt was tôt,

si leiten in ûf einen schilt ‖ (der was von golde rôt),10

und wurden des ze râte, ‖ wie daz solde ergân

daz man ez verhæle ‖ daz ez Hagne hete getân.

Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’

Dô sprâchen ir genuoge ‖ ‘uns ist übel geschehen.

ir sult ez heln alle, ‖ und sult gelîche jehen,

da er jagen rite aleine, ‖ Kriemhilde man,

in slüegen schâchære, ‖ dâ er füere durch den tan.’

Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’

Dô sprach von Troneje Hagne ‖ ‘ich bring in in daz lant.

mir ist vil unmære, ‖ wirt ez ir bekant,

diu sô hât betrüebet ‖ den Brünhilde muot.

ez ahtet mich vil ringe, ‖ swaz si nu weinens getuot.’

Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.

Dô biten si der nahte ‖ und fuoren über Rîn.

von helden kunde nimmer ‖ wirs gejaget sîn.

ein tier daz si dâ sluogen, ‖ daz weinden edeliu kint.

jâ muosten sîn enkelten ‖ vil guoter wîgande sint.

Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann.10Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehnBären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grünVor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund.Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestelltDie Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne HeldSiegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den TannNach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’20‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n.Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang.Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat,30Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann.Da nahm ein alter Jäger ‖ einen SpürhundUnd brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art.20Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem LaufDerselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn.Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund.Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross,30Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan.Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheiltDer Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn.20Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich darHäute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgebornDass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins HornEinmal gestossen: ‖ also ward bekannt,Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand.‘Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald.30Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’20Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei.Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band.Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann;30Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen MuthZu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut.Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das BandVom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur HandBegannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann.20Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie anDer Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag.Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär;30Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl.Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug.20Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank30Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn.20Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hinMit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen30Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band.20Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh.Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast.Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss;30Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trankBis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank.Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan.20Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das SchwertTrug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fandUnd sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand.Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprangDas Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat.Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang.30Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt.Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan.20Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genugDes edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast.Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth.Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn,30Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug.Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod.20Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt.Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth,30Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’20‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib.Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt30An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen seinAuf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein.Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’20Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr.Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn.Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn:30Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt,10Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib.

Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann.10Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehnBären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grünVor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund.Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestelltDie Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne HeldSiegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den TannNach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’20‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n.Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang.Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat,30Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann.Da nahm ein alter Jäger ‖ einen SpürhundUnd brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art.20Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem LaufDerselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn.Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund.Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross,30Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan.Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheiltDer Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn.20Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich darHäute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgebornDass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins HornEinmal gestossen: ‖ also ward bekannt,Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand.‘Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald.30Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’20Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei.Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band.Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann;30Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen MuthZu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut.Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das BandVom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur HandBegannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann.20Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie anDer Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag.Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär;30Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl.Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug.20Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank30Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn.20Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hinMit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen30Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band.20Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh.Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast.Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss;30Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trankBis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank.Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan.20Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das SchwertTrug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fandUnd sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand.Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprangDas Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat.Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang.30Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt.Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan.20Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genugDes edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast.Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth.Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn,30Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug.Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod.20Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt.Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth,30Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’20‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib.Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt30An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen seinAuf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein.Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’20Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr.Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn.Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn:30Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt,10Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib.

Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann.10Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehnBären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?

Gunther und Hagen, ‖ die Recken wohlgethan,

Beriethen mit Untreuen ‖ ein Birschen in den Tann.10

Mit ihren scharfen Spiessen ‖ wollten sie jagen gehn

Bären und Wisende: ‖ was könnte Kühn’res geschehn?

Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grünVor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund.

Da liess man herbergen ‖ bei dem Walde grün

Vor des Wildes Wechsel ‖ die stolzen Jäger kühn,

Wo sie da jagen wollten, ‖ auf breitem Angergrund.

Gekommen war auch Siegfried: ‖ das ward dem Könige kund.

Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestelltDie Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne HeldSiegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den TannNach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’20

Von den Jagdgesellen ‖ ward umhergestellt

Die Wart an allen Enden: ‖ da sprach der kühne Held

Siegfried der starke: ‖ ‘Wer soll uns in den Tann

Nach dem Wilde weisen, ‖ ihr Degen kühn und wohlgethan?’20

‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n.

‘Wollen wir uns scheiden,’ ‖ hub da Hagen an,

‘Ehe wir beginnen ‖ zu jagen hier im Tann?

So mögen wir erkennen, ‖ ich und die Herren mein,

Wer die besten Jäger ‖ bei dieser Waldreise sei’n.

Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang.

Die Leute und die Hunde, ‖ wir theilen uns darein:

Wohin ihn lüstet, fahre ‖ dann jeglicher allein,

Und wer das Beste jagte, ‖ dem sage man den Dank.’

Da weilten die Jäger ‖ bei einander nicht mehr lang.

Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat,30Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann.

Da sprach der Herre Siegfried: ‖ ‘der Hunde hab ich Rath:

Ich will nur einen Bracken, ‖ der so genossen hat,30

Dass er des Wildes Fährte ‖ spüre durch den Tann:

Wir kommen wohl zum Jagen!’ ‖ so sprach der Kriemhilde Mann.

Da nahm ein alter Jäger ‖ einen SpürhundUnd brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art.20

Da nahm ein alter Jäger ‖ einen Spürhund

Und brachte den Herren ‖ in einer kurzen Stund,

Wo sie viel Wildes fanden: ‖ was des vertrieben ward,

Das erjagten die Gesellen, ‖ wie heut nach guter Jäger Art.20

Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem LaufDerselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn.

Einen grossen Eber ‖ trieb der Spürhund auf.

Als der flüchtig wurde, ‖ da kam in schnellem Lauf

Derselbe Jagdmeister ‖ und nahm ihn wohl aufs Korn:

Anlief den kühnen Degen ‖ das Schwein in grimmigem Zorn.

Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund.

Da schlug es mit dem Schwerte ‖ der Kriemhilde Mann:

Das hätt ein andrer Jäger ‖ nicht so leicht gethan.

Als er es gefället, ‖ fieng man den Spürhund.

Da ward sein reiches Jagen ‖ den Burgonden allen kund.

Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross,30Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan.

Da vernahm man allenthalben ‖ Lärmen und Getos.

Von Leuten und von Hunden ‖ ward der Schall so gross,30

Man hörte widerhallen ‖ den Berg und auch den Tann.

Vierundzwanzig Hunde ‖ hatten die Jäger losgethan.

Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheiltDer Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn.20

Da wurde viel des Wildes ‖ vom grimmen Tod ereilt.

Sie wähnten es zu fügen, ‖ dass ihnen zugetheilt

Der Preis des Jagens würde: ‖ das konnte nicht geschehn,

Als bei der Feuerstätte ‖ der starke Siegfried ward gesehn.20

Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich darHäute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!

Die Jagd war zu Ende, ‖ und doch nicht ganz und gar.

Die zu der Herberg wollten ‖ brachten mit sich dar

Häute mancher Thiere, ‖ dazu des Wilds genug.

Hei! was man zur Küche ‖ vor das Ingesinde trug!

Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgebornDass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins HornEinmal gestossen: ‖ also ward bekannt,Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand.

Da liess der König künden ‖ den Jägern wohlgeborn

Dass er zum Imbiss wolle; da wurde laut ins Horn

Einmal gestossen: ‖ also ward bekannt,

Dass man den edeln Fürsten ‖ bei den Herbergen fand.

‘Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald.30Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:

‘Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Nun räumen wir den Wald.’

Sein Ross trug ihn eben, ‖ die Andern folgten bald.30

Sie verscheuchten mit dem Schalle ‖ ein Waldthier fürchterlich,

Einen wilden Bären; ‖ da sprach der Degen hinter sich:

‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’20

‘Ich schaff uns Jagdgesellen ‖ eine Kurzweil.

Da seh ich einen Bären: ‖ den Bracken löst vom Seil.

Zu den Herbergen ‖ soll mit uns der Bär:

Er kann uns nicht entrinnen ‖ und flöh er auch noch so sehr.’20

Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei.

Da lösten sie den Bracken, ‖ der Bär sprang hindann.

Da wollt ihn erreiten ‖ der Kriemhilde Mann;

Er fiel in ein Geklüfte: ‖ da konnt er ihm nicht bei;

Das starke Thier wähnte ‖ von den Jägern schon sich frei.

Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band.

Da sprang von seinem Rosse ‖ der stolze Ritter gut,

Und begann ihm nachzulaufen. ‖ Das Thier war ohne Hut,

Es konnt ihm nicht entrinnen, ‖ er fieng es allzuhand;

Ohn es zu verwunden ‖ der Degen eilig es band.

Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann;30Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen MuthZu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut.

Kratzen oder beissen ‖ konnt es nicht den Mann.

Er band es auf den Sattel: ‖ aufsass der Schnelle dann;30

Er bracht es zu dem Herde ‖ in seinem hohen Muth

Zu einer Kurzweile, ‖ der Degen edel und gut.

Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das BandVom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur HandBegannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann.20

Als er von Ross gestiegen, ‖ löst er ihm das Band

Vom Mund und von den Füssen: ‖ die Hunde gleich zur Hand

Begannen laut zu heulen, ‖ als sie den Bären sahn.

Das Thier zu Walde wollte: ‖ das erschreckte manchen Mann.20

Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!

Der Bär in die Küche ‖ von dem Lärm gerieth;

Hei! was er Küchenknechte ‖ von dem Feuer schied!

Gerückt ward mancher Kessel, ‖ zerzerret mancher Brand;

Hei! was man guter Speisen ‖ in der Asche liegen fand!

Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie anDer Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag.

Da sprangen von den Sitzen ‖ die Herren und ihr Bann.

Der Bär begann zu zürnen; ‖ der König wies sie an

Der Hunde Schar zu lösen, ‖ die an den Seilen lag;

Und wär es wohl geendet, ‖ sie hätten fröhlichen Tag.

Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär;30Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl.

Mit Bogen und mit Spiessen, ‖ man versäumte sich nicht mehr,

Liefen hin die Schnellen, ‖ wo da gieng der Bär;30

Doch wollte Niemand schiessen, ‖ von Hunden wars zu voll.

So laut war das Getöse, ‖ dass rings der Bergwald erscholl.

Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug.20

Der Bär begann zu fliehen ‖ vor der Hunde Zahl;

Ihm konnte Niemand folgen ‖ als Kriemhilds Gemahl.

Er erlief ihn mit dem Schwerte, ‖ zu Tod er ihn da schlug.

Wieder zu dem Feuer ‖ das Gesind den Bären trug.20

Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!

Da sprachen Die es sahen, ‖ er wär ein starker Mann.

Die stolzen Jagdgesellen ‖ rief man zu Tisch heran:

Auf einem schönen Anger ‖ sassen ihrer genug.

Hei! was man Ritterspeise ‖ vor die stolzen Jäger trug!

Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’

Da sprach der edle Siegfried: ‖ ‘Mich verwundert sehr,

Man bringt uns aus der Küche ‖ doch so viel daher,

Was bringen uns die Schenken ‖ nicht dazu den Wein?

Pflegt man so der Jäger, ‖ will ich nicht Jagdgeselle sein.’

Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank30Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’

Da sprach der Niederländer: ‖ ‘Ich sag euch wenig Dank.

Man sollte sieben Säumer ‖ mit Meth und Lautertrank30

Mir hergesendet haben; ‖ konnte das nicht sein,

So hätte man uns besser ‖ gesiedelt näher dem Rhein.’

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn.20

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ihr edeln Ritter schnell,

Ich weiss hier in der Nähe ‖ einen kühlen Quell:

Dass ihr mir nicht zürnet, ‖ da rath ich hinzugehn.’

Der Rath war manchem Degen ‖ zu grosser Sorge geschehn.20

Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’

Als sie von dannen wollten ‖ zu der Linde breit,

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich hörte jederzeit,

Es könne Niemand folgen ‖ Kriemhilds Gemahl,

Wenn er rennen wollte; ‖ hei! schauten wir doch das einmal!’

Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hinMit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’

Da sprach von Niederlanden ‖ Siegfried der Degen kühn:

‘Das mögt ihr wohl versuchen: ‖ wollt ihr zur Wette hin

Mit mir an den Brunnen? ‖ Wenn der Lauf geschieht,

Soll der gewonnen haben, ‖ welchen man den Vordersten sieht.’

‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen30Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!

‘Wohl, lasst es uns versuchen,’ ‖ sprach Hagen der Degen.

Da sprach der starke Siegfried: ‖ ‘So will ich mich legen30

Hier zu euern Füssen ‖ nieder in das Gras.’

Als er das erhörte, ‖ wie lieb war König Gunthern das!

Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band.20

Da sprach der kühne Degen: ‖ ‘Ich will euch mehr noch sagen:

All meine Geräthe ‖ will ich mit mir tragen,

Den Speer sammt dem Schilde, ‖ dazu mein Birschgewand.’

Das Schwert und den Köcher ‖ er um die Glieder schnell sich band.20

Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh.

Abzogen sie die Kleider ‖ von dem Leibe da;

In zwei weissen Hemden ‖ man Beide stehen sah.

Wie zwei wilde Panther ‖ liefen sie durch den Klee;

Man sah bei dem Brunnen ‖ den kühnen Siegfried doch eh.

Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast.

Den Preis in allen Dingen ‖ vor Manchem man ihm gab.

Da löst’ er schnell die Waffe, ‖ den Köcher legt’ er ab.

Den starken Wurfspiess lehnt’ er ‖ an den Lindenast:

Bei des Brunnens Flusse ‖ stand der herrliche Gast.

Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss;30Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trankBis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank.

Siegfriedens Tugenden ‖ waren gut und gross.

Den Schild legt’ er nieder ‖ wo der Brunnen floss;30

Wie sehr ihn auch dürstete, ‖ der Held nicht eher trank

Bis der Wirth getrunken: ‖ dafür gewann er übeln Dank.

Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan.20

Der Brunnen war lauter, ‖ kühl und auch gut;

Da neigte sich Gunther ‖ hernieder zu der Fluth.

Als er getrunken hatte, ‖ erhob er sich hindann;

Also hätt auch gerne ‖ der kühne Siegfried gethan.20

Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das SchwertTrug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fandUnd sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand.

Da entgalt er seiner Tugend; ‖ den Bogen und das Schwert

Trug Hagen beiseite ‖ von dem Degen werth.

Dann sprang er schnell zurücke, ‖ wo er den Wurfspiess fand

Und sah nach einem Zeichen ‖ an des Kühnen Gewand.

Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprangDas Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat.

Als der edle Siegfried ‖ aus dem Brunnen trank,

Schoss er ihm durch das Kreuze, ‖ dass aus der Wunde sprang

Das Blut ihm von dem Herzen ‖ hoch an Hagens Staat.

Kein Held begeht wieder ‖ also grosse Missethat.

Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang.30Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt.

Der Held in wildem Toben ‖ von dem Brunnen sprang;

Ihm ragte von den Schultern ‖ eine Speerstange lang.30

Nun wähnt’ er da zu finden ‖ Bogen oder Schwert:

So hätt er Lohn Herrn Hagen ‖ wohl nach Verdienste gewährt.

Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan.20

Als der Todwunde ‖ sein Schwert nicht wiederfand,

Da blieb ihm nichts weiter ‖ als der Schildesrand.

Den rafft’ er von dem Brunnen ‖ und rannte Hagnen an:

Da konnt ihm nicht entrinnen ‖ König Gunthers Unterthan.20

Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genugDes edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast.

Wie wund er war zum Tode, ‖ so kräftig doch er schlug,

Dass von dem Schilde nieder ‖ rieselte genug

Des edeln Gesteines; ‖ der Schild zerbrach auch fast:

So gern gerochen hätte ‖ sich der herrliche Gast.

Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth.

Gestrauchelt war da Hagen ‖ von seiner Hand zu Thal;

Der Anger von den Schlägen ‖ erscholl im Wiederhall.

Hätt er sein Schwert in Händen, ‖ so wär es Hagens Tod.

Sehr zürnte der Wunde; ‖ es zwang ihn wahrhafte Noth.

Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn,30Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug.

Seine Farbe war erblichen, ‖ er konnte nicht mehr stehn.

Seines Leibes Stärke ‖ musste ganz zergehn,30

Da er des Todes Zeichen ‖ in lichter Farbe trug.

Er ward hernach beweinet ‖ von schönen Frauen genug.

Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod.20

Da fiel in die Blumen ‖ der Kriemhilde Mann:

Das Blut von seiner Wunde ‖ stromweis nieder rann.

Da begann er die zu schelten, ‖ ihn zwang die grosse Noth,

Die da gerathen hatten ‖ mit Untreue seinen Tod.20

Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’

Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Weh, ihr bösen Zagen,

Was helfen meine Dienste, ‖ da ihr mich habt erschlagen?

Ich war euch stets gewogen ‖ und sterbe nun daran.

Ihr habt an euern Freunden ‖ leider übel gethan.’

Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt.

Hinliefen all die Ritter, ‖ wo er erschlagen lag.

Es war ihrer Vielen ‖ ein freudeloser Tag.

Wer irgend Treue kannte, ‖ von dem ward er beklagt:

Das hatt auch wohl um Alle ‖ verdient der Degen unverzagt.

Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth,30Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’

Der König von Burgonden ‖ beklagt’ auch seinen Tod.

Da sprach der Todwunde: ‖ ‘Das thut nimmer Noth,30

Dass der um Schaden weinet, ‖ durch den man ihn gewann:

Er verdient gross Schelten, ‖ er hätt es besser nicht gethan.’

Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’20

Da sprach der grimme Hagen: ‖ ‘Ich weiss nicht, was euch reut;

Nun hat zumal ein Ende ‖ unser sorglich Leid.

Nun mags nicht Manchen geben, ‖ der uns darf bestehn;

Wohl mir, dass seiner Herrschaft ‖ durch mich ein End ist geschehn.’20

‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib.

‘Ihr mögt euch leichtlich rühmen,’ ‖ sprach Der von Niederland;

‘Hätt ich die mörderische ‖ Weis an euch erkannt,

Vor euch hätt ich behalten ‖ Leben wohl und Leib.

Mich dauert nichts auf Erden ‖ als Frau Kriemhilde mein Weib.

Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’

Auch mag es Gott erbarmen, ‖ dass ich gewann den Sohn,

Der nun auf alle Zeiten ‖ bescholten ist davon,

Dass seine Freunde Jemand ‖ meuchlerisch erschlagen:

Hätt ich Zeit und Weile, ‖ das müsst ich billig beklagen.’

Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt30An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen seinAuf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein.

Da sprach im Jammer weiter, ‖ der todwunde Held:

‘Wollt ihr, edler König, ‖ je auf dieser Welt30

An Jemand Treue üben, ‖ so lasst befohlen sein

Auf Treue und auf Gnaden ‖ euch die liebe Traute mein.

Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’20

Lasst sie es geniessen, ‖ dass sie eure Schwester sei:

Bei aller Fürsten Tugend, ‖ steht ihr mit Treue bei!

Mein mögen lange harren ‖ mein Vater und mein Bann:

Es ward am lieben Freunde ‖ nimmer übler gethan.’20

Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr.

Die Blumen allenthalben ‖ waren vom Blute nass.

Da rang er mit dem Tode, ‖ nicht lange that er das,

Denn des Todes Waffe ‖ schnitt immer allzusehr.

Auch musste bald ersterben ‖ dieser Degen kühn und hehr.

Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn.

Als die Herren sahen, ‖ der Degen sei todt,

Sie legten ihn auf einen Schild, ‖ der war von Golde roth:

Da giengen sie zu Rathe, ‖ wie es sollt ergehn,

Dass es verhohlen bliebe, ‖ es sei von Hagen geschehn.

Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn:30Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’

Da sprachen ihrer Viele: ‖ ‘Ein Unfall ist geschehn;

Ihr sollt es Alle hehlen ‖ und Einer Rede stehn:30

Als er allein ritt jagen, ‖ der Kriemhilde Mann,

Da schlugen ihn die Schächer, ‖ als er fuhr durch den Tann.’

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt,10Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’

Da sprach von Tronje Hagen: ‖ ‘Ich bring ihn in das Land.

Mich soll es nicht kümmern, ‖ wird es ihr auch bekannt,10

Die so betrüben konnte ‖ Brunhildens hohen Muth;

Ich werde wenig fragen ‖ wie sie nun weinet und thut.’

Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib.

Da harrten sie des Abends ‖ und fuhren überrhein;

Es mochte nie von Helden ‖ so schlimm gejaget sein.

Ihr Beutewild beweinte ‖ noch manches edle Weib,

Sein musste bald entgelten ‖ viel guter Weigande Leib.

Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant.20Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc.10dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot:10swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baznâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît10daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen.10welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôzvon des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt),10daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lantder übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit),10daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehantvil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot10von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich wasder aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot,10wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den santvil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.des wurden snelle ‖ helde missevare,10dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôtan dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.

Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant.20Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc.10dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot:10swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baznâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît10daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen.10welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôzvon des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt),10daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lantder übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit),10daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehantvil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot10von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich wasder aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot,10wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den santvil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.des wurden snelle ‖ helde missevare,10dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôtan dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.

Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant.20

Dô reit von Tronje Hagne ‖ zaller vorderôst:

er was den Niblungen ‖ ein helflîcher trôst.

do erbeizte der degen küene ‖ nider ûf den sant,

sîn ros er harte balde ‖ zuo eime boume gebant.20

Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.

Daz wazzer was engozzen, ‖ diu schif verborgen:

ez ergie den Niblungen ‖ zen grôzen sorgen,

wie si kœmen übere: ‖ der wâc was in ze breit.

do erbeizte zuo der erden ‖ vil manic rîter gemeit.

‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.

‘Belîbet bî dem wazzer, ‖ ir stolzen rîter guot.

ich wil die vergen suochen ‖ selbe bî der fluot,

die uns bringen übere ‖ in Gelpfrâtes lant.’

dô nam der starke Hagne ‖ sînen guoten schildes rant.

Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc.10dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.

Er was wol gewâfent. ‖ den schilt er dannen truoc,

sînen helm ûf gebunden: ‖ lieht was er genuoc.10

dô truoc er ob der brünne ‖ ein wâfen alsô breit,

daz ze beiden ecken ‖ vil harte vreislîchen sneit.

Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.

Dô suohte er nâh den vergen ‖ wider unde dan.

er hôrte wazzer giezen: ‖ losen er began.

in einem schœnen brunnen ‖ tâten daz wîsiu wîp:

die wolten sich dâ küelen ‖ unde badeten iren lîp.

Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.

Hagne wart ir innen, ‖ er sleich in tougen nâch.

dô si daz versunnen, ‖ dô was in dannen gâch.

daz si im entrunnen, ‖ des wâren si vil hêr.

er nam in ir gewæte: ‖ der helt enschadete in niht mêr.

Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’

Dô sprach daz eine merwîp ‖ (Hadburc was si genant)

‘edel rîter Hagne, ‖ wir tuon iu hie bekant,

swenne ir uns gebet widere ‖ unser gewant,

wie iu sî ze den Hiunen ‖ iwer hovereise gewant.’

Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot:10swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.

Si swebten sam die vogele ‖ vor im ûf der fluot:

des dûhten in ir sinne ‖ starc unde guot:10

swaz si im sagen wolden, ‖ er geloubte in dester baz.

des er dô hinze in gerte, ‖ wol beschieden si im daz.

‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baznâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’

‘Ir muget wol rîten ‖ in Etzelen lant.

des setze ich iu ze bürgen ‖ mîn triwe hie zehant,

daz helde nie gefuoren ‖ in deheiniu rîche baz

nâch alsô grôzen êren: ‖ nu geloubet wærlîchen daz.’

Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.

Der rede was dô Hagne ‖ in sîme herzen hêr:

dô gab er in ir kleider ‖ und sûmte sich niht mêr.

dô si an geleiten ‖ ir wunderlich gewant,

dô sageten sim rehte ‖ die reise in Etzelen lant.

Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.

Dô sprach daz ander merwîp ‖ (diu hiez Siglint)

‘ich wil dich warnen, Hagne, ‖ Aldrîânes kint.

durch der wæte liebe ‖ hât mîn muome dir gelogen:

kumstu zen Hiunen, ‖ sô bistu sêre betrogen.

Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît10daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’

Jâ soltu wider kêren: ‖ daz ist an der zît;

wan ir helde küene ‖ alsô geladen sît10

daz ir sterben müezet ‖ in Etzelen lant.

swelhe dar gerîtent, ‖ die habent den tôt an der hant.’

Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’

Dô sprach in grimmem muote ‖ der küene Hagene

‘daz wære mînen hêrren ‖ müelich ze sagene,

daz wir zen Hiunen solden ‖ verliesen alle en lîp.

nu zeig uns überz wazzer, ‖ aller wîseste wîp.’

Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.

Si sprach ‘sît du der verte ‖ niht wellest haben rât,

swâ oben bî dem wazzer ‖ ein herberge stât,

dar inne ist ein verge, ‖ und nindert anderswâ.’

der mære der er vrâgte, ‖ der geloubet er sich dâ.

Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.

Dem ungemuoten recken ‖ sprach diu eine nâch

‘nu bîtet noch, er Hagene: ‖ jâ ist iu gar ze gâch.

vernemet noch baz diu mære, ‖ ir sult iuch wol bewarn,

und sult ouch mit dem vergen ‖ vil bescheidenlîchen varn.

Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen.10welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.

Der ist sô grimmes muotes, ‖ der lât iuch niht genesen,

irn welt mit guoten sinnen ‖ bî dem helde wesen.10

welt ir daz er iuch füere, ‖ sô gebet ir im den solt.

her hüetet disses landes ‖ unt ist Gelfrâte holt.

Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’

Und komet er niht bezîte, ‖ sô rüefet über fluot,

unt jehet ir heizet Amelrîch. ‖ der was ein helt guot,

der durch vîntschefte ‖ rûmte dize lant.

sô kumet iu der verge, ‖ swenne im der name wirt erkant.’

Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.

Der übermüete Hagne ‖ den vrouwen dô neic:

er en reite niht mêre, ‖ wan daz er stille sweic.

dô gie er bî dem wazzer ‖ hôher an den sant,

dâ er anderthalben ‖ eine herberge vant.

Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôzvon des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’

Dô ruoft er mit der krefte ‖ daz al der wâc erdôz

von des heldes sterke: ‖ diu was michel unde grôz:

‘nu hol mich Amelrîchen: ‖ ich bin der Elsen man,

der durch starke vîntschaft ‖ von disem lande entran.’

Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt),10daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lantder übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.

Vil hôhe anme swerte ‖ ein bouc er im dô bôt

(lieht unde schœne ‖ was er und goldes rôt),10

daz man in über fuorte ‖ in Gelphrâtes lant

der übermüete verge ‖ nam selbe dez ruoder an die hant.

Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.

Ouch was der selbe schifman ‖ niulîch gehît.

diu gir nâch grôzem guote ‖ vil bœsez ende gît.

dô wolt er verdienen ‖ daz Hagnen golt vil rôt:

des leit er von dem degne ‖ den swertgrimmegen tôt.

‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’

‘Ir muget wol sîn geheizen ‖ bî namen Amelrîch:

des ich mich hie verwæne, ‖ dem sît ir ungelîch.

von vater und von muoter ‖ was er der bruoder mîn.

nu ir mich betrogen hât, ‖ ir müezet dishalben sîn.’

‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’

‘Nein durch got den rîchen,’ ‖ sprach dô Hagene.

‘ich bin ein vremder recke ‖ unt sorge ûf degene.

nu nemt vriuntlîche ‖ hin mînen solt,

daz ir mich über füeret: ‖ ich bin iu wærlîchen holt.’

Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit),10daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.

Er huop ein starkez ruoder ‖ michel unde breit,

er sluoc ûf Hagenen ‖ (des wart er ungemeit),10

daz er in dem schiffe ‖ strûhte an sîniu knie.

sô rehte grimmer verge ‖ kom zuo dem Tronjære nie.

Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehantvil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.

Mit grimmegen muote ‖ greif Hagene zehant

vil balde ze einer scheide, ‖ dâ er ein wâfen vant:

er sluoc im ab daz houbet ‖ und warf ez an den grunt.

diu mære wurden schiere ‖ dô den Burgonden kunt.

In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.

In den selben stunden, ‖ dô er den schifman sluoc,

daz schif flôz enouwe: ‖ daz was im leit genuoc.

ê erz gerihte widere, ‖ müeden er began:

doch zôch vil krefteclîche ‖ des künic Guntheres man.

Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!

Mit zügen harte swinden ‖ kêrte ez der gast,

unz im daz starke ruoder ‖ an sîner hant zebrast.

er wolde zuo den recken ‖ ûz an einen sant:

dô was dâ heinz mêre: ‖ hei wie schiere erz gebant!

Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot10von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.

Mit gruoze in wol enphiengen ‖ die edelen rîter guot.

dô sâhens in dem schiffe ‖ riechen daz bluot10

von einer starken wunden ‖ die er dem vergen sluoc.

dô wart von degnen ‖ Hagne gevrâget genuoc.

Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’

Dô sprach er lougenlîche ‖ ‘dâ ich daz schif vant,

bî einer wilden wîden, ‖ dâ lôstez mîn hant.

ich hân deheinen vergen ‖ hiute hie gesehen:

ez ist ouch niemen leide ‖ von mînen schulden geschehen.’

Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’

Dô sprach von Burgonden ‖ der hêrre Gêrnôt

‘hiute muoz ich sorgen ‖ ûf lieber vriunde tôt,

sît wir der schifliute ‖ niht bereit hân,

wie wir komen übere. ‖ des muoz ich trûric gestân.’

Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich wasder aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’

Lûte rief dô Hagne ‖ ‘leget nider ûf daz gras,

ir knehte, daz gereite. ‖ ich gedenke daz ich was

der aller beste verge ‖ den man bî Rîne vant:

jâ trouwe ich iuch wol bringen ‖ über in Gelfrâtes lant.’

Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot,10wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.

Daz si deste balder ‖ kœmen über fluot,

diu ros si an sluogen: ‖ der swimmen daz wart guot,10

wan der starken ünden ‖ deheinz in dâ benam.

etlîchez ouwet, ‖ als im diu müede gezam.

Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den santvil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.

Dô truogen si ze sciffe ‖ ir golt und ouch ir wât,

sît si der verte ‖ niht mohten haben rât.

Hagne der was meister: ‖ des fuorter ûf den sant

vil manegen zieren recken ‖ in daz unkunde lant.

Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.

Zem êrsten brâht er übere ‖ tûsent rîter hêr,

dar zuo sîne recken. ‖ dannoch was ir mêr:

niun tûsent knehte ‖ fuort er an daz lant.

des tages was unmüezic ‖ des küenen Tronjæres hant.

‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’

‘Nu enthalt iuch,’ sprach Hagne, ‖ ‘ritter unde kneht.

man sol vriunden volgen: ‖ jâ dunket ez mich reht.

vil ungefüegiu mære ‖ diu tuon ich iu bekant:

wiren komen nimmer mêre ‖ wider in Burgonden lant.’

Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.des wurden snelle ‖ helde missevare,10dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôtan dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.

Dô flugen disiu mære ‖ von schare baz ze schare.

des wurden snelle ‖ helde missevare,10

dô si begunden sorgen ‖ ûf den herten tôt

an dirre hovereise: ‖ des gie in wærlîchen nôt.


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