FREIDANK.

FREIDANK.[Scherer D.223,E.215.]Ein Fahrender, wahrscheinlich aus Schwaben. W. Grimm hat in ihm mit Unrecht den Walther von der Vogelweide vermuthet. Er diente im Kreuzheer Friedrichs II und schrieb einen Theil seines Gedichts in Syrien. Er nannte dasselbe ‘Bescheidenheit’ d. i. ‘Lebensweisheit.’ Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen 1834, 1860); Bezzenberger (Halle 1872).Ich bin genant Bescheidenheit,diu aller tugende krône treit;mich hât berihtet Frîdancein teil von sinnen die sint kranc.Gote dienen âne wancdeist aller wîsheit anevanc.Swer umbe dise kurze zîtdie êwigen fröude gît,der hât sich selben gar betrogenund zimbert ûf den regenbogen.[swenne der regenboge zergât,sone weiz er, wâ sîn hûs stât.][220]Swer die sêle wil bewarn,der muoz sich selben lâzen varn.Swer Got minnet, als er sol,des herze ist aller tugende vol.Swer âne Got sich wil begân,der mac niht stæter êren hân.Swer Got niht fürhtet alle tage,daz wizzet, deist ein rehter zage.Swelch mensche lebt in Gotes gebote,in dem ist Got und er in Gote.Got hœhet alle güete,20und nidert hôchgemüete.Gote ist niht verborgen vor,er siht durch aller herzen tor.Ez sî übel oder guot,swaz ieman in der vinster tuot,od in dem herzen wirt erdâht,daz wirt doch gar ze liehte brâht.Al diu werlt lôn enpfâtvon Gote, als si gedienet hât.Vil selten ieman missegât,swer sîniu dinc an Got verlât.Wir suln mit allen sinnenGot fürhten unde minnen.Der werlde drô unde ir zornist hin ze Gote gar verlorn,man muoz im flêhen unde biten;er fürhtet niemens unsiten.10Diu aller kleinste Gotes geschaftvertriffet aller werlde kraft.Got geschuof nie halm sô swachenden ieman müge gemachen;der engel, tiuvel noch der man,ir keinz ein flôch gemachen kan.Got hât allen dingen gegebendie mâze wie si sulen leben.Got bezzer mâze widert gît,dan wir im mezzen zaller zît;20die liute snîdent unde mæntvon rehte als si den acker sænt:Got kan uns gerihte geben,dâ nâch als wir hie leben.Got rihtet nâch dem muoteze übele unde ze guote.[Ein iegelîcher lôn enpfâtdar nâch, als im sîn herze stât.der wille ie vor den werken gâtze guote und ouch ze missetât.]Got der durch alliu herzen siht,den möhte al diu werlt nihterbiten eins unrehtes:er enwil niht tuon wan slehtes;ein kleine kint erbæte in woldes man in ze rehte biten sol.Got zweier slahte willen hât,die er uns beide wizzen lât:10er tuot wol allez daz er wil;er verhenget ouch unbildes vil.und ræche en halbez daz er mac,sô stüend diu werlt niht einen tac.Wolte uns Got in pînen lân,als lange wir gesündet hân[(daz sîn genâde wende!),sô würdes niemer ende.]hete wir den himel zebrochen,ez würde eins tages gerochen.20diu buoch sagent uns vür wâr,ein tac sî dâ tûsent jâr.Got alliu dinc geschaffen hât:nieman er gar wizzen lâtwaz krefte in sînen dingen sî:da ist meisteil allez wænen bî.Si jehent, got habe der werlde gegebenmichel êre unt senftez leben:doch ist ir senfte nie sô grôz,unsenfte sî dâ hûsgenôz.selten mir ie liep geschach,da enwæren drîzec ungemach.Diu zît sælde nie gewandâ man gotes vergizzet an.10Man vergizzet gotes dickevon süezem aneblicke.Got manegen dienst enphâhet,daz tôren gar versmâhet.die brosmen sint vor Gote wert,der nieman obe tische gert.Wir geheizen alle Gote mê,dan iemer mit den werken ergê.Durch sünde nieman lâzen sol,ern tuo doch eteswenne wol.20niemens guottât wirt verlorn,wan der zer helle wirt geborn.Swer niht rehte mac geleben,der sol doch nâch rehte streben.Got niht unvergolten lâtswaz ieman guotes begât:dekeiner slahte missetâter ouch ungerochen lât.Gotes gebot niht übergâtwan der mensche den er geschaffen hât:vische, vogele, würme und tierhânt ir reht baz danne wir.Got hôrte Môyses gebet,daz er den munt nie ûf getet:swes noch ein reinez herze gert,des wirt ez âne wort gewert.10des mundes bete ist leider krancâne des herzen fürgedanc.Mennegelîches gewizzenheitvor gote sîne schulde seit.Wist Got allez daz geschihtê er iht geschüefe, od wiste ers niht?die wîsen jehent, er wiste ez woldaz ie was unde geschehen sol.Got himel und erden umberincgeschuof und dar in alliu dinc.20Got geschuof ein engel, der sît wartein tiuvel durch sîn hôchvart;dar nâch geschuof er einen man:die zwên nieman versüenen kan.Got wiste ir strît wol und ir hazê ers geschüefe, und über dazgeschuof si Got. wer schuldic sî,daz scheide ouch got: der was dâ bî.Wer mac den strît gescheidenunder kristen, juden, heidenwan Got der si geschaffen hâtund alliu dinc ân iemens rât?der wiste wol ir aller strît,10ê ers geschüefe, und ouch ir nît.War umbe ein mensche sî verlorn,daz ander sî ze genâden erkorn,swer des vrâget, dêst ze vil:Got mac und sol tuon swaz er wil.swaz Got mit sînre geschepfede tuot,daz sol uns allez dunken guot.waz mac der haven sprechen,wil in sîn meister brechen?als lützel muge wir wider Got20sprechen, kumt uns sîn gebot.swie der haven vellet,er wirt vil lîhte erschellet;er valle her oder hin,der schade gât ie über in.Ich bin genannt Bescheidenheit,die aller Tugenden Krone trägt;Mich hat Freidanc gedichtetzum Theil aus schwachen Sinnen.Gott zu dienen ohne Wank,das ist aller Weisheit Anfang.Wer für diese kurze Zeitdie ewige Freude hingiebt,der hat sich selbst gar betrogenund baut auf dem Regenbogen.Wenn der Regenbogen zergeht,So weiss er nicht, wo sein Haus steht.Wer die Seele bewahren will,der muss sich selbst fahren lassen.Wer Gott liebt, wie er soll,dessen Herz ist aller Tugenden voll.Wer ohne Gott leben will,der wird nicht stäter Ehren geniessen.Wer Gott nicht fürchtet alle Tage,das wisst, der ist ein wahrer Feigling.Welcher Mensch nach Gottes Gebot lebt,in dem ist Gott, und er in Gott.Gott erhöhet alle Güte20und erniedrigt Hochmuth.Vor Gott ist nichts verborgen:er sieht durch aller Herzen Thor.Es sei übel oder gut,was Jemand im Finstern thut,oder was im Herzen erdacht wird,das wird doch ganz ans Licht gebracht.Alle Welt empfängt Lohnvon Gott, wie sie verdient hat.Sehr selten geht Jemand fehl,wer sich in seinen Sachen auf Gott verlässt.Wir sollen mit allen SinnenGott fürchten und lieben.Der Welt Drohen und ihr Zornist bei Gott ganz verloren:man muss ihn flehen und bitten,er fürchtet Niemandes Unsitte.10Das kleinste Geschöpf Gottesübertrifft aller Menschen Kraft.Gott schuf nie einen Halm so schwach,dass ihn Jemand machen könnte;weder Engel, Teufel noch Mensch,ihrer keiner kann einen Floh machen.Gott hat allen Dingen gegebendas Mass, wie sie leben sollen.Gott giebt besseres Mass wieder,als wir ihm messen in aller Zeit.20Die Leute schneiden und mähenmit Recht, wie sie den Acker säen:Gott kann uns Gericht geben,je nachdem wir hier leben.Gott richtet nach dem Herzenim Bösen und im Guten.Ein Jeglicher empfängt Lohndanach, wie ihm sein Herz steht.Der Wille geht stäts den Werken vorherzum Guten und zur Missethat.Gott, der durch alle Herzen sieht,den könnte die ganze Welt nichtzu einem Unrecht bewegen:er will nichts thun, als was recht und schlecht ist;ein kleines Kind könnte von ihm wohl erbitten,worum man ihn erbittet rechtmässig.Gott hat zweierlei Willen,die er uns beide wissen lässt:10er thut wohl Alles, was er will;er lässt auch viel Unrecht zu.Und rächte er nur die Hälfte von dem, was er mag,so stünde die Welt nicht einen Tag.Wollte uns Gott in der Strafe lassen,so lange als wir gesündigt haben(möge seine Gnade das abwenden!),so würde dessen nimmer ein Ende.Und hätten wir den Himmel zerbrochen,es würde eines Tags gerächt.20Die Bibel sagt uns fürwahr,ein Tag sei da tausend Jahr.Gott hat alle Dinge geschaffen:er lässt Niemand recht wissen,was für Kraft in seinen Dingen sei:da ist meistens nur Wahn dabei.Sie sagen, Gott habe der Welt gegebengrosse Ehre und frohes Leben:doch ist ihre Freude nie so gross,Leid sei denn der Hausgenoss.Selten geschah mir je etwas Liebes,ohne dass dreissigfaches Ungemach dabei gewesen wäre.Die Zeit gewann nie Heil,darin man Gottes vergisst.10Man vergisst Gottes oftwegen eines süssen Anblicks.Gott nimmt manchen Dienst an,der den Thoren verächtlich erscheint.Die Brosamen sind vor Gott werth,der Niemand an dem Tisch begehrt.Wir verheissen alle Gott mehr,Als je mit der That geschieht.Wegen Sünde soll Niemand unterlassen,doch manchmal Gutes zu thun.20Niemandes gute Thaten werden verloren,ausser wer zur Hölle geboren.Wer nicht recht leben kann,der soll doch nach dem Rechten streben.Gott lässt nicht unvergolten,was Jemand Gutes thut:keine Art Missethatbleibt auch ungestraft.Gottes Gebot übertritt Niemandausser der Mensch, den Er geschaffen hat:Fische, Vögel, Würmer und Thierehalten ihr Gesetz besser als wir.Gott hörte Moses’ Gebet,obgleich er den Mund nie aufthat:wonach ein reines Herz begehrt,das wird ihm ohne Wort gewährt.10Des Mundes Gebet ist leider schwachohne des Herzens Vorgedenken.Jedes Menschen Gewissensagt vor Gott seine Schuld.Wusste Gott Alles was geschieht,ehe Er etwas schuf, oder wusst’ er’s nicht?Die Weisen sagen, er wusste es wohl,was je war und noch geschehen soll.Gott schuf Himmel und den Erdkreisund darin alle Dinge.20Gott schuf einen Engel, der nachherein Teufel durch seine Hoffahrt wurde;danach schuf er einen Menschen:die beiden kann Niemand versöhnen.Gott wusste wohl ihren Streit und ihren Hass,ehe er sie schuf, und trotzdemschuf sie Gott: wer schuldig sei,das entscheide auch Gott: der war dabei.Wer mag den Streit scheidenunter Christen, Juden, Heidenausser Gott, der sie geschaffen hatund alle Dinge ohne Jemandes Rath?Der wusste wohl ihrer aller Streit,10ehe er sie schuf, und auch ihren Hass.Warum der eine Mensch verloren seiund der andere zu Gnaden erkoren,wer danach fragt, das ist zu viel:Gott kann und soll thun, was er will.Was auch Gott mit seinen Geschöpfen thut,das soll uns Alles dünken gut.Was kann der Topf sagen,will ihn sein Meister zerschlagen?Ebenso wenig mögen wir wider Gott20sprechen, kommt sein Gebot zu uns.Wie auch der Topf fällt,gar leicht wird er zerschellet;er falle her oder hin,der Schade kommt immer über ihn.

FREIDANK.

[Scherer D.223,E.215.]

Ein Fahrender, wahrscheinlich aus Schwaben. W. Grimm hat in ihm mit Unrecht den Walther von der Vogelweide vermuthet. Er diente im Kreuzheer Friedrichs II und schrieb einen Theil seines Gedichts in Syrien. Er nannte dasselbe ‘Bescheidenheit’ d. i. ‘Lebensweisheit.’ Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen 1834, 1860); Bezzenberger (Halle 1872).

Ein Fahrender, wahrscheinlich aus Schwaben. W. Grimm hat in ihm mit Unrecht den Walther von der Vogelweide vermuthet. Er diente im Kreuzheer Friedrichs II und schrieb einen Theil seines Gedichts in Syrien. Er nannte dasselbe ‘Bescheidenheit’ d. i. ‘Lebensweisheit.’ Herausgegeben von W. Grimm (Göttingen 1834, 1860); Bezzenberger (Halle 1872).

Ich bin genant Bescheidenheit,diu aller tugende krône treit;mich hât berihtet Frîdancein teil von sinnen die sint kranc.Gote dienen âne wancdeist aller wîsheit anevanc.Swer umbe dise kurze zîtdie êwigen fröude gît,der hât sich selben gar betrogenund zimbert ûf den regenbogen.[swenne der regenboge zergât,sone weiz er, wâ sîn hûs stât.][220]Swer die sêle wil bewarn,der muoz sich selben lâzen varn.Swer Got minnet, als er sol,des herze ist aller tugende vol.Swer âne Got sich wil begân,der mac niht stæter êren hân.Swer Got niht fürhtet alle tage,daz wizzet, deist ein rehter zage.Swelch mensche lebt in Gotes gebote,in dem ist Got und er in Gote.Got hœhet alle güete,20und nidert hôchgemüete.Gote ist niht verborgen vor,er siht durch aller herzen tor.Ez sî übel oder guot,swaz ieman in der vinster tuot,od in dem herzen wirt erdâht,daz wirt doch gar ze liehte brâht.Al diu werlt lôn enpfâtvon Gote, als si gedienet hât.Vil selten ieman missegât,swer sîniu dinc an Got verlât.Wir suln mit allen sinnenGot fürhten unde minnen.Der werlde drô unde ir zornist hin ze Gote gar verlorn,man muoz im flêhen unde biten;er fürhtet niemens unsiten.10Diu aller kleinste Gotes geschaftvertriffet aller werlde kraft.Got geschuof nie halm sô swachenden ieman müge gemachen;der engel, tiuvel noch der man,ir keinz ein flôch gemachen kan.Got hât allen dingen gegebendie mâze wie si sulen leben.Got bezzer mâze widert gît,dan wir im mezzen zaller zît;20die liute snîdent unde mæntvon rehte als si den acker sænt:Got kan uns gerihte geben,dâ nâch als wir hie leben.Got rihtet nâch dem muoteze übele unde ze guote.[Ein iegelîcher lôn enpfâtdar nâch, als im sîn herze stât.der wille ie vor den werken gâtze guote und ouch ze missetât.]Got der durch alliu herzen siht,den möhte al diu werlt nihterbiten eins unrehtes:er enwil niht tuon wan slehtes;ein kleine kint erbæte in woldes man in ze rehte biten sol.Got zweier slahte willen hât,die er uns beide wizzen lât:10er tuot wol allez daz er wil;er verhenget ouch unbildes vil.und ræche en halbez daz er mac,sô stüend diu werlt niht einen tac.Wolte uns Got in pînen lân,als lange wir gesündet hân[(daz sîn genâde wende!),sô würdes niemer ende.]hete wir den himel zebrochen,ez würde eins tages gerochen.20diu buoch sagent uns vür wâr,ein tac sî dâ tûsent jâr.Got alliu dinc geschaffen hât:nieman er gar wizzen lâtwaz krefte in sînen dingen sî:da ist meisteil allez wænen bî.Si jehent, got habe der werlde gegebenmichel êre unt senftez leben:doch ist ir senfte nie sô grôz,unsenfte sî dâ hûsgenôz.selten mir ie liep geschach,da enwæren drîzec ungemach.Diu zît sælde nie gewandâ man gotes vergizzet an.10Man vergizzet gotes dickevon süezem aneblicke.Got manegen dienst enphâhet,daz tôren gar versmâhet.die brosmen sint vor Gote wert,der nieman obe tische gert.Wir geheizen alle Gote mê,dan iemer mit den werken ergê.Durch sünde nieman lâzen sol,ern tuo doch eteswenne wol.20niemens guottât wirt verlorn,wan der zer helle wirt geborn.Swer niht rehte mac geleben,der sol doch nâch rehte streben.Got niht unvergolten lâtswaz ieman guotes begât:dekeiner slahte missetâter ouch ungerochen lât.Gotes gebot niht übergâtwan der mensche den er geschaffen hât:vische, vogele, würme und tierhânt ir reht baz danne wir.Got hôrte Môyses gebet,daz er den munt nie ûf getet:swes noch ein reinez herze gert,des wirt ez âne wort gewert.10des mundes bete ist leider krancâne des herzen fürgedanc.Mennegelîches gewizzenheitvor gote sîne schulde seit.Wist Got allez daz geschihtê er iht geschüefe, od wiste ers niht?die wîsen jehent, er wiste ez woldaz ie was unde geschehen sol.Got himel und erden umberincgeschuof und dar in alliu dinc.20Got geschuof ein engel, der sît wartein tiuvel durch sîn hôchvart;dar nâch geschuof er einen man:die zwên nieman versüenen kan.Got wiste ir strît wol und ir hazê ers geschüefe, und über dazgeschuof si Got. wer schuldic sî,daz scheide ouch got: der was dâ bî.Wer mac den strît gescheidenunder kristen, juden, heidenwan Got der si geschaffen hâtund alliu dinc ân iemens rât?der wiste wol ir aller strît,10ê ers geschüefe, und ouch ir nît.War umbe ein mensche sî verlorn,daz ander sî ze genâden erkorn,swer des vrâget, dêst ze vil:Got mac und sol tuon swaz er wil.swaz Got mit sînre geschepfede tuot,daz sol uns allez dunken guot.waz mac der haven sprechen,wil in sîn meister brechen?als lützel muge wir wider Got20sprechen, kumt uns sîn gebot.swie der haven vellet,er wirt vil lîhte erschellet;er valle her oder hin,der schade gât ie über in.

Ich bin genant Bescheidenheit,diu aller tugende krône treit;mich hât berihtet Frîdancein teil von sinnen die sint kranc.Gote dienen âne wancdeist aller wîsheit anevanc.Swer umbe dise kurze zîtdie êwigen fröude gît,der hât sich selben gar betrogenund zimbert ûf den regenbogen.[swenne der regenboge zergât,sone weiz er, wâ sîn hûs stât.][220]Swer die sêle wil bewarn,der muoz sich selben lâzen varn.Swer Got minnet, als er sol,des herze ist aller tugende vol.Swer âne Got sich wil begân,der mac niht stæter êren hân.Swer Got niht fürhtet alle tage,daz wizzet, deist ein rehter zage.Swelch mensche lebt in Gotes gebote,in dem ist Got und er in Gote.Got hœhet alle güete,20und nidert hôchgemüete.Gote ist niht verborgen vor,er siht durch aller herzen tor.Ez sî übel oder guot,swaz ieman in der vinster tuot,od in dem herzen wirt erdâht,daz wirt doch gar ze liehte brâht.Al diu werlt lôn enpfâtvon Gote, als si gedienet hât.Vil selten ieman missegât,swer sîniu dinc an Got verlât.Wir suln mit allen sinnenGot fürhten unde minnen.Der werlde drô unde ir zornist hin ze Gote gar verlorn,man muoz im flêhen unde biten;er fürhtet niemens unsiten.10Diu aller kleinste Gotes geschaftvertriffet aller werlde kraft.Got geschuof nie halm sô swachenden ieman müge gemachen;der engel, tiuvel noch der man,ir keinz ein flôch gemachen kan.Got hât allen dingen gegebendie mâze wie si sulen leben.Got bezzer mâze widert gît,dan wir im mezzen zaller zît;20die liute snîdent unde mæntvon rehte als si den acker sænt:Got kan uns gerihte geben,dâ nâch als wir hie leben.Got rihtet nâch dem muoteze übele unde ze guote.[Ein iegelîcher lôn enpfâtdar nâch, als im sîn herze stât.der wille ie vor den werken gâtze guote und ouch ze missetât.]Got der durch alliu herzen siht,den möhte al diu werlt nihterbiten eins unrehtes:er enwil niht tuon wan slehtes;ein kleine kint erbæte in woldes man in ze rehte biten sol.Got zweier slahte willen hât,die er uns beide wizzen lât:10er tuot wol allez daz er wil;er verhenget ouch unbildes vil.und ræche en halbez daz er mac,sô stüend diu werlt niht einen tac.Wolte uns Got in pînen lân,als lange wir gesündet hân[(daz sîn genâde wende!),sô würdes niemer ende.]hete wir den himel zebrochen,ez würde eins tages gerochen.20diu buoch sagent uns vür wâr,ein tac sî dâ tûsent jâr.Got alliu dinc geschaffen hât:nieman er gar wizzen lâtwaz krefte in sînen dingen sî:da ist meisteil allez wænen bî.Si jehent, got habe der werlde gegebenmichel êre unt senftez leben:doch ist ir senfte nie sô grôz,unsenfte sî dâ hûsgenôz.selten mir ie liep geschach,da enwæren drîzec ungemach.Diu zît sælde nie gewandâ man gotes vergizzet an.10Man vergizzet gotes dickevon süezem aneblicke.Got manegen dienst enphâhet,daz tôren gar versmâhet.die brosmen sint vor Gote wert,der nieman obe tische gert.Wir geheizen alle Gote mê,dan iemer mit den werken ergê.Durch sünde nieman lâzen sol,ern tuo doch eteswenne wol.20niemens guottât wirt verlorn,wan der zer helle wirt geborn.Swer niht rehte mac geleben,der sol doch nâch rehte streben.Got niht unvergolten lâtswaz ieman guotes begât:dekeiner slahte missetâter ouch ungerochen lât.Gotes gebot niht übergâtwan der mensche den er geschaffen hât:vische, vogele, würme und tierhânt ir reht baz danne wir.Got hôrte Môyses gebet,daz er den munt nie ûf getet:swes noch ein reinez herze gert,des wirt ez âne wort gewert.10des mundes bete ist leider krancâne des herzen fürgedanc.Mennegelîches gewizzenheitvor gote sîne schulde seit.Wist Got allez daz geschihtê er iht geschüefe, od wiste ers niht?die wîsen jehent, er wiste ez woldaz ie was unde geschehen sol.Got himel und erden umberincgeschuof und dar in alliu dinc.20Got geschuof ein engel, der sît wartein tiuvel durch sîn hôchvart;dar nâch geschuof er einen man:die zwên nieman versüenen kan.Got wiste ir strît wol und ir hazê ers geschüefe, und über dazgeschuof si Got. wer schuldic sî,daz scheide ouch got: der was dâ bî.Wer mac den strît gescheidenunder kristen, juden, heidenwan Got der si geschaffen hâtund alliu dinc ân iemens rât?der wiste wol ir aller strît,10ê ers geschüefe, und ouch ir nît.War umbe ein mensche sî verlorn,daz ander sî ze genâden erkorn,swer des vrâget, dêst ze vil:Got mac und sol tuon swaz er wil.swaz Got mit sînre geschepfede tuot,daz sol uns allez dunken guot.waz mac der haven sprechen,wil in sîn meister brechen?als lützel muge wir wider Got20sprechen, kumt uns sîn gebot.swie der haven vellet,er wirt vil lîhte erschellet;er valle her oder hin,der schade gât ie über in.

Ich bin genant Bescheidenheit,diu aller tugende krône treit;mich hât berihtet Frîdancein teil von sinnen die sint kranc.Gote dienen âne wancdeist aller wîsheit anevanc.Swer umbe dise kurze zîtdie êwigen fröude gît,der hât sich selben gar betrogenund zimbert ûf den regenbogen.[swenne der regenboge zergât,sone weiz er, wâ sîn hûs stât.][220]Swer die sêle wil bewarn,der muoz sich selben lâzen varn.Swer Got minnet, als er sol,des herze ist aller tugende vol.Swer âne Got sich wil begân,der mac niht stæter êren hân.Swer Got niht fürhtet alle tage,daz wizzet, deist ein rehter zage.Swelch mensche lebt in Gotes gebote,in dem ist Got und er in Gote.Got hœhet alle güete,20und nidert hôchgemüete.Gote ist niht verborgen vor,er siht durch aller herzen tor.Ez sî übel oder guot,swaz ieman in der vinster tuot,od in dem herzen wirt erdâht,daz wirt doch gar ze liehte brâht.Al diu werlt lôn enpfâtvon Gote, als si gedienet hât.Vil selten ieman missegât,swer sîniu dinc an Got verlât.Wir suln mit allen sinnenGot fürhten unde minnen.Der werlde drô unde ir zornist hin ze Gote gar verlorn,man muoz im flêhen unde biten;er fürhtet niemens unsiten.10Diu aller kleinste Gotes geschaftvertriffet aller werlde kraft.Got geschuof nie halm sô swachenden ieman müge gemachen;der engel, tiuvel noch der man,ir keinz ein flôch gemachen kan.Got hât allen dingen gegebendie mâze wie si sulen leben.Got bezzer mâze widert gît,dan wir im mezzen zaller zît;20die liute snîdent unde mæntvon rehte als si den acker sænt:Got kan uns gerihte geben,dâ nâch als wir hie leben.Got rihtet nâch dem muoteze übele unde ze guote.[Ein iegelîcher lôn enpfâtdar nâch, als im sîn herze stât.der wille ie vor den werken gâtze guote und ouch ze missetât.]Got der durch alliu herzen siht,den möhte al diu werlt nihterbiten eins unrehtes:er enwil niht tuon wan slehtes;ein kleine kint erbæte in woldes man in ze rehte biten sol.Got zweier slahte willen hât,die er uns beide wizzen lât:10er tuot wol allez daz er wil;er verhenget ouch unbildes vil.und ræche en halbez daz er mac,sô stüend diu werlt niht einen tac.Wolte uns Got in pînen lân,als lange wir gesündet hân[(daz sîn genâde wende!),sô würdes niemer ende.]hete wir den himel zebrochen,ez würde eins tages gerochen.20diu buoch sagent uns vür wâr,ein tac sî dâ tûsent jâr.Got alliu dinc geschaffen hât:nieman er gar wizzen lâtwaz krefte in sînen dingen sî:da ist meisteil allez wænen bî.Si jehent, got habe der werlde gegebenmichel êre unt senftez leben:doch ist ir senfte nie sô grôz,unsenfte sî dâ hûsgenôz.selten mir ie liep geschach,da enwæren drîzec ungemach.Diu zît sælde nie gewandâ man gotes vergizzet an.10Man vergizzet gotes dickevon süezem aneblicke.Got manegen dienst enphâhet,daz tôren gar versmâhet.die brosmen sint vor Gote wert,der nieman obe tische gert.Wir geheizen alle Gote mê,dan iemer mit den werken ergê.Durch sünde nieman lâzen sol,ern tuo doch eteswenne wol.20niemens guottât wirt verlorn,wan der zer helle wirt geborn.Swer niht rehte mac geleben,der sol doch nâch rehte streben.Got niht unvergolten lâtswaz ieman guotes begât:dekeiner slahte missetâter ouch ungerochen lât.Gotes gebot niht übergâtwan der mensche den er geschaffen hât:vische, vogele, würme und tierhânt ir reht baz danne wir.Got hôrte Môyses gebet,daz er den munt nie ûf getet:swes noch ein reinez herze gert,des wirt ez âne wort gewert.10des mundes bete ist leider krancâne des herzen fürgedanc.Mennegelîches gewizzenheitvor gote sîne schulde seit.Wist Got allez daz geschihtê er iht geschüefe, od wiste ers niht?die wîsen jehent, er wiste ez woldaz ie was unde geschehen sol.Got himel und erden umberincgeschuof und dar in alliu dinc.20Got geschuof ein engel, der sît wartein tiuvel durch sîn hôchvart;dar nâch geschuof er einen man:die zwên nieman versüenen kan.Got wiste ir strît wol und ir hazê ers geschüefe, und über dazgeschuof si Got. wer schuldic sî,daz scheide ouch got: der was dâ bî.Wer mac den strît gescheidenunder kristen, juden, heidenwan Got der si geschaffen hâtund alliu dinc ân iemens rât?der wiste wol ir aller strît,10ê ers geschüefe, und ouch ir nît.War umbe ein mensche sî verlorn,daz ander sî ze genâden erkorn,swer des vrâget, dêst ze vil:Got mac und sol tuon swaz er wil.swaz Got mit sînre geschepfede tuot,daz sol uns allez dunken guot.waz mac der haven sprechen,wil in sîn meister brechen?als lützel muge wir wider Got20sprechen, kumt uns sîn gebot.swie der haven vellet,er wirt vil lîhte erschellet;er valle her oder hin,der schade gât ie über in.

Ich bin genant Bescheidenheit,

diu aller tugende krône treit;

mich hât berihtet Frîdanc

ein teil von sinnen die sint kranc.

Gote dienen âne wanc

deist aller wîsheit anevanc.

Swer umbe dise kurze zît

die êwigen fröude gît,

der hât sich selben gar betrogen

und zimbert ûf den regenbogen.

[swenne der regenboge zergât,

sone weiz er, wâ sîn hûs stât.][220]

Swer die sêle wil bewarn,

der muoz sich selben lâzen varn.

Swer Got minnet, als er sol,

des herze ist aller tugende vol.

Swer âne Got sich wil begân,

der mac niht stæter êren hân.

Swer Got niht fürhtet alle tage,

daz wizzet, deist ein rehter zage.

Swelch mensche lebt in Gotes gebote,

in dem ist Got und er in Gote.

Got hœhet alle güete,20

und nidert hôchgemüete.

Gote ist niht verborgen vor,

er siht durch aller herzen tor.

Ez sî übel oder guot,

swaz ieman in der vinster tuot,

od in dem herzen wirt erdâht,

daz wirt doch gar ze liehte brâht.

Al diu werlt lôn enpfât

von Gote, als si gedienet hât.

Vil selten ieman missegât,

swer sîniu dinc an Got verlât.

Wir suln mit allen sinnen

Got fürhten unde minnen.

Der werlde drô unde ir zorn

ist hin ze Gote gar verlorn,

man muoz im flêhen unde biten;

er fürhtet niemens unsiten.10

Diu aller kleinste Gotes geschaft

vertriffet aller werlde kraft.

Got geschuof nie halm sô swachen

den ieman müge gemachen;

der engel, tiuvel noch der man,

ir keinz ein flôch gemachen kan.

Got hât allen dingen gegeben

die mâze wie si sulen leben.

Got bezzer mâze widert gît,

dan wir im mezzen zaller zît;20

die liute snîdent unde mænt

von rehte als si den acker sænt:

Got kan uns gerihte geben,

dâ nâch als wir hie leben.

Got rihtet nâch dem muote

ze übele unde ze guote.

[Ein iegelîcher lôn enpfât

dar nâch, als im sîn herze stât.

der wille ie vor den werken gât

ze guote und ouch ze missetât.]

Got der durch alliu herzen siht,

den möhte al diu werlt niht

erbiten eins unrehtes:

er enwil niht tuon wan slehtes;

ein kleine kint erbæte in wol

des man in ze rehte biten sol.

Got zweier slahte willen hât,

die er uns beide wizzen lât:10

er tuot wol allez daz er wil;

er verhenget ouch unbildes vil.

und ræche en halbez daz er mac,

sô stüend diu werlt niht einen tac.

Wolte uns Got in pînen lân,

als lange wir gesündet hân

[(daz sîn genâde wende!),

sô würdes niemer ende.]

hete wir den himel zebrochen,

ez würde eins tages gerochen.20

diu buoch sagent uns vür wâr,

ein tac sî dâ tûsent jâr.

Got alliu dinc geschaffen hât:

nieman er gar wizzen lât

waz krefte in sînen dingen sî:

da ist meisteil allez wænen bî.

Si jehent, got habe der werlde gegeben

michel êre unt senftez leben:

doch ist ir senfte nie sô grôz,

unsenfte sî dâ hûsgenôz.

selten mir ie liep geschach,

da enwæren drîzec ungemach.

Diu zît sælde nie gewan

dâ man gotes vergizzet an.10

Man vergizzet gotes dicke

von süezem aneblicke.

Got manegen dienst enphâhet,

daz tôren gar versmâhet.

die brosmen sint vor Gote wert,

der nieman obe tische gert.

Wir geheizen alle Gote mê,

dan iemer mit den werken ergê.

Durch sünde nieman lâzen sol,

ern tuo doch eteswenne wol.20

niemens guottât wirt verlorn,

wan der zer helle wirt geborn.

Swer niht rehte mac geleben,

der sol doch nâch rehte streben.

Got niht unvergolten lât

swaz ieman guotes begât:

dekeiner slahte missetât

er ouch ungerochen lât.

Gotes gebot niht übergât

wan der mensche den er geschaffen hât:

vische, vogele, würme und tier

hânt ir reht baz danne wir.

Got hôrte Môyses gebet,

daz er den munt nie ûf getet:

swes noch ein reinez herze gert,

des wirt ez âne wort gewert.10

des mundes bete ist leider kranc

âne des herzen fürgedanc.

Mennegelîches gewizzenheit

vor gote sîne schulde seit.

Wist Got allez daz geschiht

ê er iht geschüefe, od wiste ers niht?

die wîsen jehent, er wiste ez wol

daz ie was unde geschehen sol.

Got himel und erden umberinc

geschuof und dar in alliu dinc.20

Got geschuof ein engel, der sît wart

ein tiuvel durch sîn hôchvart;

dar nâch geschuof er einen man:

die zwên nieman versüenen kan.

Got wiste ir strît wol und ir haz

ê ers geschüefe, und über daz

geschuof si Got. wer schuldic sî,

daz scheide ouch got: der was dâ bî.

Wer mac den strît gescheiden

under kristen, juden, heiden

wan Got der si geschaffen hât

und alliu dinc ân iemens rât?

der wiste wol ir aller strît,10

ê ers geschüefe, und ouch ir nît.

War umbe ein mensche sî verlorn,

daz ander sî ze genâden erkorn,

swer des vrâget, dêst ze vil:

Got mac und sol tuon swaz er wil.

swaz Got mit sînre geschepfede tuot,

daz sol uns allez dunken guot.

waz mac der haven sprechen,

wil in sîn meister brechen?

als lützel muge wir wider Got20

sprechen, kumt uns sîn gebot.

swie der haven vellet,

er wirt vil lîhte erschellet;

er valle her oder hin,

der schade gât ie über in.

Ich bin genannt Bescheidenheit,die aller Tugenden Krone trägt;Mich hat Freidanc gedichtetzum Theil aus schwachen Sinnen.Gott zu dienen ohne Wank,das ist aller Weisheit Anfang.Wer für diese kurze Zeitdie ewige Freude hingiebt,der hat sich selbst gar betrogenund baut auf dem Regenbogen.Wenn der Regenbogen zergeht,So weiss er nicht, wo sein Haus steht.Wer die Seele bewahren will,der muss sich selbst fahren lassen.Wer Gott liebt, wie er soll,dessen Herz ist aller Tugenden voll.Wer ohne Gott leben will,der wird nicht stäter Ehren geniessen.Wer Gott nicht fürchtet alle Tage,das wisst, der ist ein wahrer Feigling.Welcher Mensch nach Gottes Gebot lebt,in dem ist Gott, und er in Gott.Gott erhöhet alle Güte20und erniedrigt Hochmuth.Vor Gott ist nichts verborgen:er sieht durch aller Herzen Thor.Es sei übel oder gut,was Jemand im Finstern thut,oder was im Herzen erdacht wird,das wird doch ganz ans Licht gebracht.Alle Welt empfängt Lohnvon Gott, wie sie verdient hat.Sehr selten geht Jemand fehl,wer sich in seinen Sachen auf Gott verlässt.Wir sollen mit allen SinnenGott fürchten und lieben.Der Welt Drohen und ihr Zornist bei Gott ganz verloren:man muss ihn flehen und bitten,er fürchtet Niemandes Unsitte.10Das kleinste Geschöpf Gottesübertrifft aller Menschen Kraft.Gott schuf nie einen Halm so schwach,dass ihn Jemand machen könnte;weder Engel, Teufel noch Mensch,ihrer keiner kann einen Floh machen.Gott hat allen Dingen gegebendas Mass, wie sie leben sollen.Gott giebt besseres Mass wieder,als wir ihm messen in aller Zeit.20Die Leute schneiden und mähenmit Recht, wie sie den Acker säen:Gott kann uns Gericht geben,je nachdem wir hier leben.Gott richtet nach dem Herzenim Bösen und im Guten.Ein Jeglicher empfängt Lohndanach, wie ihm sein Herz steht.Der Wille geht stäts den Werken vorherzum Guten und zur Missethat.Gott, der durch alle Herzen sieht,den könnte die ganze Welt nichtzu einem Unrecht bewegen:er will nichts thun, als was recht und schlecht ist;ein kleines Kind könnte von ihm wohl erbitten,worum man ihn erbittet rechtmässig.Gott hat zweierlei Willen,die er uns beide wissen lässt:10er thut wohl Alles, was er will;er lässt auch viel Unrecht zu.Und rächte er nur die Hälfte von dem, was er mag,so stünde die Welt nicht einen Tag.Wollte uns Gott in der Strafe lassen,so lange als wir gesündigt haben(möge seine Gnade das abwenden!),so würde dessen nimmer ein Ende.Und hätten wir den Himmel zerbrochen,es würde eines Tags gerächt.20Die Bibel sagt uns fürwahr,ein Tag sei da tausend Jahr.Gott hat alle Dinge geschaffen:er lässt Niemand recht wissen,was für Kraft in seinen Dingen sei:da ist meistens nur Wahn dabei.Sie sagen, Gott habe der Welt gegebengrosse Ehre und frohes Leben:doch ist ihre Freude nie so gross,Leid sei denn der Hausgenoss.Selten geschah mir je etwas Liebes,ohne dass dreissigfaches Ungemach dabei gewesen wäre.Die Zeit gewann nie Heil,darin man Gottes vergisst.10Man vergisst Gottes oftwegen eines süssen Anblicks.Gott nimmt manchen Dienst an,der den Thoren verächtlich erscheint.Die Brosamen sind vor Gott werth,der Niemand an dem Tisch begehrt.Wir verheissen alle Gott mehr,Als je mit der That geschieht.Wegen Sünde soll Niemand unterlassen,doch manchmal Gutes zu thun.20Niemandes gute Thaten werden verloren,ausser wer zur Hölle geboren.Wer nicht recht leben kann,der soll doch nach dem Rechten streben.Gott lässt nicht unvergolten,was Jemand Gutes thut:keine Art Missethatbleibt auch ungestraft.Gottes Gebot übertritt Niemandausser der Mensch, den Er geschaffen hat:Fische, Vögel, Würmer und Thierehalten ihr Gesetz besser als wir.Gott hörte Moses’ Gebet,obgleich er den Mund nie aufthat:wonach ein reines Herz begehrt,das wird ihm ohne Wort gewährt.10Des Mundes Gebet ist leider schwachohne des Herzens Vorgedenken.Jedes Menschen Gewissensagt vor Gott seine Schuld.Wusste Gott Alles was geschieht,ehe Er etwas schuf, oder wusst’ er’s nicht?Die Weisen sagen, er wusste es wohl,was je war und noch geschehen soll.Gott schuf Himmel und den Erdkreisund darin alle Dinge.20Gott schuf einen Engel, der nachherein Teufel durch seine Hoffahrt wurde;danach schuf er einen Menschen:die beiden kann Niemand versöhnen.Gott wusste wohl ihren Streit und ihren Hass,ehe er sie schuf, und trotzdemschuf sie Gott: wer schuldig sei,das entscheide auch Gott: der war dabei.Wer mag den Streit scheidenunter Christen, Juden, Heidenausser Gott, der sie geschaffen hatund alle Dinge ohne Jemandes Rath?Der wusste wohl ihrer aller Streit,10ehe er sie schuf, und auch ihren Hass.Warum der eine Mensch verloren seiund der andere zu Gnaden erkoren,wer danach fragt, das ist zu viel:Gott kann und soll thun, was er will.Was auch Gott mit seinen Geschöpfen thut,das soll uns Alles dünken gut.Was kann der Topf sagen,will ihn sein Meister zerschlagen?Ebenso wenig mögen wir wider Gott20sprechen, kommt sein Gebot zu uns.Wie auch der Topf fällt,gar leicht wird er zerschellet;er falle her oder hin,der Schade kommt immer über ihn.

Ich bin genannt Bescheidenheit,die aller Tugenden Krone trägt;Mich hat Freidanc gedichtetzum Theil aus schwachen Sinnen.Gott zu dienen ohne Wank,das ist aller Weisheit Anfang.Wer für diese kurze Zeitdie ewige Freude hingiebt,der hat sich selbst gar betrogenund baut auf dem Regenbogen.Wenn der Regenbogen zergeht,So weiss er nicht, wo sein Haus steht.Wer die Seele bewahren will,der muss sich selbst fahren lassen.Wer Gott liebt, wie er soll,dessen Herz ist aller Tugenden voll.Wer ohne Gott leben will,der wird nicht stäter Ehren geniessen.Wer Gott nicht fürchtet alle Tage,das wisst, der ist ein wahrer Feigling.Welcher Mensch nach Gottes Gebot lebt,in dem ist Gott, und er in Gott.Gott erhöhet alle Güte20und erniedrigt Hochmuth.Vor Gott ist nichts verborgen:er sieht durch aller Herzen Thor.Es sei übel oder gut,was Jemand im Finstern thut,oder was im Herzen erdacht wird,das wird doch ganz ans Licht gebracht.Alle Welt empfängt Lohnvon Gott, wie sie verdient hat.Sehr selten geht Jemand fehl,wer sich in seinen Sachen auf Gott verlässt.Wir sollen mit allen SinnenGott fürchten und lieben.Der Welt Drohen und ihr Zornist bei Gott ganz verloren:man muss ihn flehen und bitten,er fürchtet Niemandes Unsitte.10Das kleinste Geschöpf Gottesübertrifft aller Menschen Kraft.Gott schuf nie einen Halm so schwach,dass ihn Jemand machen könnte;weder Engel, Teufel noch Mensch,ihrer keiner kann einen Floh machen.Gott hat allen Dingen gegebendas Mass, wie sie leben sollen.Gott giebt besseres Mass wieder,als wir ihm messen in aller Zeit.20Die Leute schneiden und mähenmit Recht, wie sie den Acker säen:Gott kann uns Gericht geben,je nachdem wir hier leben.Gott richtet nach dem Herzenim Bösen und im Guten.Ein Jeglicher empfängt Lohndanach, wie ihm sein Herz steht.Der Wille geht stäts den Werken vorherzum Guten und zur Missethat.Gott, der durch alle Herzen sieht,den könnte die ganze Welt nichtzu einem Unrecht bewegen:er will nichts thun, als was recht und schlecht ist;ein kleines Kind könnte von ihm wohl erbitten,worum man ihn erbittet rechtmässig.Gott hat zweierlei Willen,die er uns beide wissen lässt:10er thut wohl Alles, was er will;er lässt auch viel Unrecht zu.Und rächte er nur die Hälfte von dem, was er mag,so stünde die Welt nicht einen Tag.Wollte uns Gott in der Strafe lassen,so lange als wir gesündigt haben(möge seine Gnade das abwenden!),so würde dessen nimmer ein Ende.Und hätten wir den Himmel zerbrochen,es würde eines Tags gerächt.20Die Bibel sagt uns fürwahr,ein Tag sei da tausend Jahr.Gott hat alle Dinge geschaffen:er lässt Niemand recht wissen,was für Kraft in seinen Dingen sei:da ist meistens nur Wahn dabei.Sie sagen, Gott habe der Welt gegebengrosse Ehre und frohes Leben:doch ist ihre Freude nie so gross,Leid sei denn der Hausgenoss.Selten geschah mir je etwas Liebes,ohne dass dreissigfaches Ungemach dabei gewesen wäre.Die Zeit gewann nie Heil,darin man Gottes vergisst.10Man vergisst Gottes oftwegen eines süssen Anblicks.Gott nimmt manchen Dienst an,der den Thoren verächtlich erscheint.Die Brosamen sind vor Gott werth,der Niemand an dem Tisch begehrt.Wir verheissen alle Gott mehr,Als je mit der That geschieht.Wegen Sünde soll Niemand unterlassen,doch manchmal Gutes zu thun.20Niemandes gute Thaten werden verloren,ausser wer zur Hölle geboren.Wer nicht recht leben kann,der soll doch nach dem Rechten streben.Gott lässt nicht unvergolten,was Jemand Gutes thut:keine Art Missethatbleibt auch ungestraft.Gottes Gebot übertritt Niemandausser der Mensch, den Er geschaffen hat:Fische, Vögel, Würmer und Thierehalten ihr Gesetz besser als wir.Gott hörte Moses’ Gebet,obgleich er den Mund nie aufthat:wonach ein reines Herz begehrt,das wird ihm ohne Wort gewährt.10Des Mundes Gebet ist leider schwachohne des Herzens Vorgedenken.Jedes Menschen Gewissensagt vor Gott seine Schuld.Wusste Gott Alles was geschieht,ehe Er etwas schuf, oder wusst’ er’s nicht?Die Weisen sagen, er wusste es wohl,was je war und noch geschehen soll.Gott schuf Himmel und den Erdkreisund darin alle Dinge.20Gott schuf einen Engel, der nachherein Teufel durch seine Hoffahrt wurde;danach schuf er einen Menschen:die beiden kann Niemand versöhnen.Gott wusste wohl ihren Streit und ihren Hass,ehe er sie schuf, und trotzdemschuf sie Gott: wer schuldig sei,das entscheide auch Gott: der war dabei.Wer mag den Streit scheidenunter Christen, Juden, Heidenausser Gott, der sie geschaffen hatund alle Dinge ohne Jemandes Rath?Der wusste wohl ihrer aller Streit,10ehe er sie schuf, und auch ihren Hass.Warum der eine Mensch verloren seiund der andere zu Gnaden erkoren,wer danach fragt, das ist zu viel:Gott kann und soll thun, was er will.Was auch Gott mit seinen Geschöpfen thut,das soll uns Alles dünken gut.Was kann der Topf sagen,will ihn sein Meister zerschlagen?Ebenso wenig mögen wir wider Gott20sprechen, kommt sein Gebot zu uns.Wie auch der Topf fällt,gar leicht wird er zerschellet;er falle her oder hin,der Schade kommt immer über ihn.

Ich bin genannt Bescheidenheit,die aller Tugenden Krone trägt;Mich hat Freidanc gedichtetzum Theil aus schwachen Sinnen.Gott zu dienen ohne Wank,das ist aller Weisheit Anfang.Wer für diese kurze Zeitdie ewige Freude hingiebt,der hat sich selbst gar betrogenund baut auf dem Regenbogen.Wenn der Regenbogen zergeht,So weiss er nicht, wo sein Haus steht.Wer die Seele bewahren will,der muss sich selbst fahren lassen.Wer Gott liebt, wie er soll,dessen Herz ist aller Tugenden voll.Wer ohne Gott leben will,der wird nicht stäter Ehren geniessen.Wer Gott nicht fürchtet alle Tage,das wisst, der ist ein wahrer Feigling.Welcher Mensch nach Gottes Gebot lebt,in dem ist Gott, und er in Gott.Gott erhöhet alle Güte20und erniedrigt Hochmuth.Vor Gott ist nichts verborgen:er sieht durch aller Herzen Thor.Es sei übel oder gut,was Jemand im Finstern thut,oder was im Herzen erdacht wird,das wird doch ganz ans Licht gebracht.Alle Welt empfängt Lohnvon Gott, wie sie verdient hat.Sehr selten geht Jemand fehl,wer sich in seinen Sachen auf Gott verlässt.Wir sollen mit allen SinnenGott fürchten und lieben.Der Welt Drohen und ihr Zornist bei Gott ganz verloren:man muss ihn flehen und bitten,er fürchtet Niemandes Unsitte.10Das kleinste Geschöpf Gottesübertrifft aller Menschen Kraft.Gott schuf nie einen Halm so schwach,dass ihn Jemand machen könnte;weder Engel, Teufel noch Mensch,ihrer keiner kann einen Floh machen.Gott hat allen Dingen gegebendas Mass, wie sie leben sollen.Gott giebt besseres Mass wieder,als wir ihm messen in aller Zeit.20Die Leute schneiden und mähenmit Recht, wie sie den Acker säen:Gott kann uns Gericht geben,je nachdem wir hier leben.Gott richtet nach dem Herzenim Bösen und im Guten.Ein Jeglicher empfängt Lohndanach, wie ihm sein Herz steht.Der Wille geht stäts den Werken vorherzum Guten und zur Missethat.Gott, der durch alle Herzen sieht,den könnte die ganze Welt nichtzu einem Unrecht bewegen:er will nichts thun, als was recht und schlecht ist;ein kleines Kind könnte von ihm wohl erbitten,worum man ihn erbittet rechtmässig.Gott hat zweierlei Willen,die er uns beide wissen lässt:10er thut wohl Alles, was er will;er lässt auch viel Unrecht zu.Und rächte er nur die Hälfte von dem, was er mag,so stünde die Welt nicht einen Tag.Wollte uns Gott in der Strafe lassen,so lange als wir gesündigt haben(möge seine Gnade das abwenden!),so würde dessen nimmer ein Ende.Und hätten wir den Himmel zerbrochen,es würde eines Tags gerächt.20Die Bibel sagt uns fürwahr,ein Tag sei da tausend Jahr.Gott hat alle Dinge geschaffen:er lässt Niemand recht wissen,was für Kraft in seinen Dingen sei:da ist meistens nur Wahn dabei.Sie sagen, Gott habe der Welt gegebengrosse Ehre und frohes Leben:doch ist ihre Freude nie so gross,Leid sei denn der Hausgenoss.Selten geschah mir je etwas Liebes,ohne dass dreissigfaches Ungemach dabei gewesen wäre.Die Zeit gewann nie Heil,darin man Gottes vergisst.10Man vergisst Gottes oftwegen eines süssen Anblicks.Gott nimmt manchen Dienst an,der den Thoren verächtlich erscheint.Die Brosamen sind vor Gott werth,der Niemand an dem Tisch begehrt.Wir verheissen alle Gott mehr,Als je mit der That geschieht.Wegen Sünde soll Niemand unterlassen,doch manchmal Gutes zu thun.20Niemandes gute Thaten werden verloren,ausser wer zur Hölle geboren.Wer nicht recht leben kann,der soll doch nach dem Rechten streben.Gott lässt nicht unvergolten,was Jemand Gutes thut:keine Art Missethatbleibt auch ungestraft.Gottes Gebot übertritt Niemandausser der Mensch, den Er geschaffen hat:Fische, Vögel, Würmer und Thierehalten ihr Gesetz besser als wir.Gott hörte Moses’ Gebet,obgleich er den Mund nie aufthat:wonach ein reines Herz begehrt,das wird ihm ohne Wort gewährt.10Des Mundes Gebet ist leider schwachohne des Herzens Vorgedenken.Jedes Menschen Gewissensagt vor Gott seine Schuld.Wusste Gott Alles was geschieht,ehe Er etwas schuf, oder wusst’ er’s nicht?Die Weisen sagen, er wusste es wohl,was je war und noch geschehen soll.Gott schuf Himmel und den Erdkreisund darin alle Dinge.20Gott schuf einen Engel, der nachherein Teufel durch seine Hoffahrt wurde;danach schuf er einen Menschen:die beiden kann Niemand versöhnen.Gott wusste wohl ihren Streit und ihren Hass,ehe er sie schuf, und trotzdemschuf sie Gott: wer schuldig sei,das entscheide auch Gott: der war dabei.Wer mag den Streit scheidenunter Christen, Juden, Heidenausser Gott, der sie geschaffen hatund alle Dinge ohne Jemandes Rath?Der wusste wohl ihrer aller Streit,10ehe er sie schuf, und auch ihren Hass.Warum der eine Mensch verloren seiund der andere zu Gnaden erkoren,wer danach fragt, das ist zu viel:Gott kann und soll thun, was er will.Was auch Gott mit seinen Geschöpfen thut,das soll uns Alles dünken gut.Was kann der Topf sagen,will ihn sein Meister zerschlagen?Ebenso wenig mögen wir wider Gott20sprechen, kommt sein Gebot zu uns.Wie auch der Topf fällt,gar leicht wird er zerschellet;er falle her oder hin,der Schade kommt immer über ihn.

Ich bin genannt Bescheidenheit,

die aller Tugenden Krone trägt;

Mich hat Freidanc gedichtet

zum Theil aus schwachen Sinnen.

Gott zu dienen ohne Wank,

das ist aller Weisheit Anfang.

Wer für diese kurze Zeit

die ewige Freude hingiebt,

der hat sich selbst gar betrogen

und baut auf dem Regenbogen.

Wenn der Regenbogen zergeht,

So weiss er nicht, wo sein Haus steht.

Wer die Seele bewahren will,

der muss sich selbst fahren lassen.

Wer Gott liebt, wie er soll,

dessen Herz ist aller Tugenden voll.

Wer ohne Gott leben will,

der wird nicht stäter Ehren geniessen.

Wer Gott nicht fürchtet alle Tage,

das wisst, der ist ein wahrer Feigling.

Welcher Mensch nach Gottes Gebot lebt,

in dem ist Gott, und er in Gott.

Gott erhöhet alle Güte20

und erniedrigt Hochmuth.

Vor Gott ist nichts verborgen:

er sieht durch aller Herzen Thor.

Es sei übel oder gut,

was Jemand im Finstern thut,

oder was im Herzen erdacht wird,

das wird doch ganz ans Licht gebracht.

Alle Welt empfängt Lohn

von Gott, wie sie verdient hat.

Sehr selten geht Jemand fehl,

wer sich in seinen Sachen auf Gott verlässt.

Wir sollen mit allen Sinnen

Gott fürchten und lieben.

Der Welt Drohen und ihr Zorn

ist bei Gott ganz verloren:

man muss ihn flehen und bitten,

er fürchtet Niemandes Unsitte.10

Das kleinste Geschöpf Gottes

übertrifft aller Menschen Kraft.

Gott schuf nie einen Halm so schwach,

dass ihn Jemand machen könnte;

weder Engel, Teufel noch Mensch,

ihrer keiner kann einen Floh machen.

Gott hat allen Dingen gegeben

das Mass, wie sie leben sollen.

Gott giebt besseres Mass wieder,

als wir ihm messen in aller Zeit.20

Die Leute schneiden und mähen

mit Recht, wie sie den Acker säen:

Gott kann uns Gericht geben,

je nachdem wir hier leben.

Gott richtet nach dem Herzen

im Bösen und im Guten.

Ein Jeglicher empfängt Lohn

danach, wie ihm sein Herz steht.

Der Wille geht stäts den Werken vorher

zum Guten und zur Missethat.

Gott, der durch alle Herzen sieht,

den könnte die ganze Welt nicht

zu einem Unrecht bewegen:

er will nichts thun, als was recht und schlecht ist;

ein kleines Kind könnte von ihm wohl erbitten,

worum man ihn erbittet rechtmässig.

Gott hat zweierlei Willen,

die er uns beide wissen lässt:10

er thut wohl Alles, was er will;

er lässt auch viel Unrecht zu.

Und rächte er nur die Hälfte von dem, was er mag,

so stünde die Welt nicht einen Tag.

Wollte uns Gott in der Strafe lassen,

so lange als wir gesündigt haben

(möge seine Gnade das abwenden!),

so würde dessen nimmer ein Ende.

Und hätten wir den Himmel zerbrochen,

es würde eines Tags gerächt.20

Die Bibel sagt uns fürwahr,

ein Tag sei da tausend Jahr.

Gott hat alle Dinge geschaffen:

er lässt Niemand recht wissen,

was für Kraft in seinen Dingen sei:

da ist meistens nur Wahn dabei.

Sie sagen, Gott habe der Welt gegeben

grosse Ehre und frohes Leben:

doch ist ihre Freude nie so gross,

Leid sei denn der Hausgenoss.

Selten geschah mir je etwas Liebes,

ohne dass dreissigfaches Ungemach dabei gewesen wäre.

Die Zeit gewann nie Heil,

darin man Gottes vergisst.10

Man vergisst Gottes oft

wegen eines süssen Anblicks.

Gott nimmt manchen Dienst an,

der den Thoren verächtlich erscheint.

Die Brosamen sind vor Gott werth,

der Niemand an dem Tisch begehrt.

Wir verheissen alle Gott mehr,

Als je mit der That geschieht.

Wegen Sünde soll Niemand unterlassen,

doch manchmal Gutes zu thun.20

Niemandes gute Thaten werden verloren,

ausser wer zur Hölle geboren.

Wer nicht recht leben kann,

der soll doch nach dem Rechten streben.

Gott lässt nicht unvergolten,

was Jemand Gutes thut:

keine Art Missethat

bleibt auch ungestraft.

Gottes Gebot übertritt Niemand

ausser der Mensch, den Er geschaffen hat:

Fische, Vögel, Würmer und Thiere

halten ihr Gesetz besser als wir.

Gott hörte Moses’ Gebet,

obgleich er den Mund nie aufthat:

wonach ein reines Herz begehrt,

das wird ihm ohne Wort gewährt.10

Des Mundes Gebet ist leider schwach

ohne des Herzens Vorgedenken.

Jedes Menschen Gewissen

sagt vor Gott seine Schuld.

Wusste Gott Alles was geschieht,

ehe Er etwas schuf, oder wusst’ er’s nicht?

Die Weisen sagen, er wusste es wohl,

was je war und noch geschehen soll.

Gott schuf Himmel und den Erdkreis

und darin alle Dinge.20

Gott schuf einen Engel, der nachher

ein Teufel durch seine Hoffahrt wurde;

danach schuf er einen Menschen:

die beiden kann Niemand versöhnen.

Gott wusste wohl ihren Streit und ihren Hass,

ehe er sie schuf, und trotzdem

schuf sie Gott: wer schuldig sei,

das entscheide auch Gott: der war dabei.

Wer mag den Streit scheiden

unter Christen, Juden, Heiden

ausser Gott, der sie geschaffen hat

und alle Dinge ohne Jemandes Rath?

Der wusste wohl ihrer aller Streit,10

ehe er sie schuf, und auch ihren Hass.

Warum der eine Mensch verloren sei

und der andere zu Gnaden erkoren,

wer danach fragt, das ist zu viel:

Gott kann und soll thun, was er will.

Was auch Gott mit seinen Geschöpfen thut,

das soll uns Alles dünken gut.

Was kann der Topf sagen,

will ihn sein Meister zerschlagen?

Ebenso wenig mögen wir wider Gott20

sprechen, kommt sein Gebot zu uns.

Wie auch der Topf fällt,

gar leicht wird er zerschellet;

er falle her oder hin,

der Schade kommt immer über ihn.


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