HARTMANN VON AUE.

HARTMANN VON AUE.[Scherer D.155,E.148.]Aus einem Dienstmannengeschlecht von Aue; geboren gegen 1170 in Schwaben. Er erhielt Unterricht im lateinischen und französischen, schloss sich einer Kreuzfahrt an 1197. Die Reihenfolge seiner Dichtungen ist abgesehen von den Liedern (herausg. in Lachmann und Haupts ‘des Minnesangs Frühling,’ Nr. 21) vermuthlich die folgende: vor 1197 sind verfasst Erec (herausg. von Haupt, Leipzig, 1839, zweite Ausg. 1871), Gregorius (herausg. von Lachmann, Berlin, 1838; Paul, Halle 1873, 1882), erstes Büchlein (herausg. von Haupt ‘Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich,’ Leipzig 1842, zweite Ausg. 1881); nach dem Kreuzzuge der arme Heinrich (herausg. ausser von Haupt von Brüder Grimm 1815, Müller 1842, Paul 1882; übers. von Simrock), zweites Büchlein (s. o.), Iwein (herausg. von Benecke und Lachmann, Berlin 1827, vierte Aufl. 1877; übers. von Graf Baudissin). Sämmtl. Werke herausg. von Bech (3 Bde. Leipzig 1867–1869 u. ö.).1.DER ARMEHEINRICH.Dô dô der arme Heinrichdriu jâr dâ getwelte10unde im got gequeltemit grôzem jâmer den lîp,nû saz der meier und sîn wîpunde ir tohter, diu magetvon der ich iu ê hân gesaget,bî im in ir unmüezekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nôt:wan sî vorhten daz sîn tôtsî sêre solte letzenund vil gar entsetzenêren unde guotesund daz herters muoteswürde ein ander herre.si gedâhten alsô verre10unz dirre selbe bûmanalsus frâgen began.Er sprach ‘lieber herre mîn,möht ez mit iuwern hulden sîn,ich frâgte vil gerne.sô vil ze Sâlernevon arzenîen meister ist,wie kumet daz ir deheines listze iuwerme ungesundeniht gerâten kunde?20herre, des wundert mich.’dô holte der arme Heinrichtiefen sûft von herzenmit bitterlîchem smerzen:mit solher riuwe er dô sprachdaz ime der sûft daz wort zerbrach.‘Ich hân disen schemelîchen spotvil wol gedienet umbe got.wan dû sæhe wol hie vordaz hôh offen stuont mîn tor30nâch werltlîcher wünneund daz niemen in sîm künnesînen willen baz hete dan ich:und was daz doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dô nam ich sîn vil kleine warder mir daz selbe wunschlebenvon sînen gnâden hete gegeben.daz herze mir dô alsô stuontals alle werlttôren tuont,10den daz saget ir muotdaz si êre unde guotâne got mügen hân.sus troug ouch mich mîn tumber wân,wan ich in lützel ane sachvon des genâden mir geschachvil êren unde guotes.dô dô des hôhen muotesden hôhen portenære verdrôz,die sælden porte er mir beslôz.20dâ kum ich leider niemer in:daz verworhte mir mîn tumber sin.got hât durch râche an mich geleitein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen.nu versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mîn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,des bœser muoz ich dannoch sîn:sîn unwert tuot er mir schîn,er wirfet d’ougen abe mir.nû schînet êrste an dirdîn triuwe die dû hâst,daz dû mich siechen bî dir lâstund von mir niht enfliuhest.swie dû mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sî danne dir,10swie vil dîns heiles stê an mir,du vertrüegest doch wol mînen tôt.nû wes unwert und wes nôtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dîn herreund bin dîn dürftige nû.mîn lieber friunt, nû koufest dûund mîn gemahel und dîn wîpan mir den êwigen lîpdaz dû mich siechen bî dir lâst.20des dû mich gefrâget hâst,daz sage ich dir vil gerne.ich kunde ze Sâlernekeinen meister vindender sich mîn underwindengetörste oder wolte.wan dâ mite ich soltemîner sühte genesen,daz müeste ein solch sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.mir wart niht anders dâ gesagetwan ich müeste haben eine maget10diu vollen êrbæreund ouch des willen wæredaz sî den tôt durch mich liteund man sî zuo dem herzen snite,und mir wære niht anders guotwan von ir herzen daz bluot.nû ist genuoc unmügelichdaz ir deheiniu durch michgerne lîde den tôt.des muoz ich schemelîche nôt20tragen unz an mîn ende.daz mirz got schiere sende!’Daz er dem vater hete gesagt,daz erhôrte ouch diu reine magt:wan ez hete diu vil süezeir lieben herren füezestânde in ir schôzen.man möhte wol genôzenir kintlîch gemüetehin ze der engel güete.30sîner rede nam sî warunde marhte sî ouch gar:si enkam von ir herzen nieunz man des nahtes slâfen gie.dô sî zir vater füezen lacund ouch ir muoter, sô sî pflac,und sî beide entsliefen,manegen sûft tiefenholte sî von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsô grôzdaz ir ougen regen begôz10der slâfenden füeze.sus erwahte sî diu süeze.Dô sî der trehene enpfunden,si erwachten und begundensî frâgen waz ir wæreund welher hande swæresî alsô stille möhte klagen.nu enwolte sî es in niht sagen.und dô ir vater aber tetevil manege drô unde bete20daz sî ez ime wolte sagen,sî sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waz möht uns mê gewerrendanne umb unsern herren,daz wir den suln verliesenund mit ime verkiesenbeide guot und êre?wir gewinnen niemer mêredeheinen herren alsô guotder uns tuo daz er uns tuot.’30Sî sprâchen ‘tohter, dû hâst wâr.nû frumet uns leider niht ein hârunser riuwe und dîn klage:liebez kint, dâ von gedage.ez ist uns alsô leit sô dir,leider nû enmuge wirime ze keinen staten komen.got der hât in uns benomen:het ez iemen anders getân,der müese unsern fluoch hân.’Alsus gesweigeten sî sî dô.10die naht bleip sî unfrôund morne allen den tac.swes iemen anders gepflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gieslâfen nâch gewonheit.dô sî sich hete geleitan ir alte bettestat,sî bereite aber ein batmit weinenden ougen:20wan sî truoc tougennâhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?des einen sî sich gar verwac,gelebetes morne den tac,daz sî benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.Als so der arme HeinrichDrei Jahre dort geblieben war,10Während Gott ihm immerdarMit Jammer schlug den siechen Leib,Da sass der Meier und sein WeibUnd ihre Tochter, die Magd,Von der euch eben ward gesagt,Bei ihm in kurzer MussezeitUnd beklagten ihres Herren Leid.Ihnen that wohl solche Klage Noth,Denn sie fürchteten, sein TodMöchte sie schwer verletzenUnd sie gar entsetzenDer Ehren und des Gutes,Wenn ungnädgern MuthesEin Andrer Gutsherr würde.Lange trugen sie die Bürde10Der Sorgen, bis der BauersmannSo zu fragen begann:Er sprach: ‘Lieber Herre mein,Möcht es mit euern Hulden sein,so fragt’ ich euch gerne:Da doch zu SalerneViel Meister sind der Arzenei,Wie kommts, dass keiner war dabei,Der eure Sucht zu heilenRath wusste zu ertheilen?20Herr, darüber wundr’ ich mich.’Da zog der arme HeinrichEinen Seufzer tief vom HerzenHerauf mit bittern Schmerzen,Worauf er so bekümmert sprach,Dass der Seufzer ihm das Wort zerbrach:‘Ich habe diesen Schimpf und SpottNur zu wohl verdient um Gott:Denn du sahest wohl hievor,Dass weit offen stand mein Thor30Weltlicher Lust und Eitelkeit,Und dass Niemand weit und breitSeinem Willen nachhieng so wie ich.Daran that ich freventlich,So ohnmächtig wie ich war.Denn wenig nahm ich dessen wahr,Dessen Gnade mir dies LebenNach allen Wünschen gegeben.So verirrt war da mein HerzWie Weltkindern allerwärts:10Immer wähnt ihr blöder Sinn,Dass sie Ehr und Glücks GewinnMöchten ohne Gott empfahn.So trog auch mich mein dummer Wahn,Denn ich achtet’ ihn gering,Von des Gnaden ich empfiengDer Ehren viel und Gutes.Als da des ÜbermuthesDen hohen Himmelsherrn verdross,Des Heiles Thor er mir verschloss:20Da geh ich leider nimmer ein:Mein Leichtsinn schuf mir diese Pein.Zur Strafe hat mir Gott gesandtEin Siechthum, aus dessen BandNiemand mich erlösen kann.Nun verschmäht mich der geringste Mann;Der Biedre selbst vor mir erschrickt.Wie gering er sei, der mich erblickt,Er glaubt, dass ich noch schlechter sei.Er legt mir seinen Unwerth beiUnd kehrt die Augen ab von mir.Nun wird erst offenbar an dirDie grosse Treue, die du hegst,Dass du mich Siechen hier erträgstUnd nicht vor meinem Anblick fliehst.Doch wie du ohne Scheu mich siehst,Wie Niemand sonst mir Liebes thut,10Wie sehr dein Wohl auf mir beruht,Du ertrügest doch wohl meinen Tod.Nun, wessen Schmach und wessen NothWar je so auserlesen?Der zuvor dein Herr gewesen,Spricht dein bedürftig bei dir zu.Nun, lieber Freund, verdienest du,Dein gutes Weib und mein Gemahl,An mir den ewgen Freudensaal,Dass ihr mich Siechen hier ertragt.20Doch was du mich vorhin gefragt,Das sag ich dir gerne.Ich konnte zu SalerneKeinen Meister finden,Der mein sich unterwindenDürfte oder wollte.Denn womit ich sollteGenesen meiner Noth und Pein,Das musste eine Sache sein,Die auf dieser Erde manUm keinen Preis erlangen kann.Mir ward nichts anders da gesagt,Als ich brauchte eine Magd,10Die bei vollen Jahren reinUnd entschlossen müsste seinDen Tod für mich zu leiden.Man würd ihr Herz zerschneiden,Denn nichts anders wär mir gutAls des Mädchens Herzeblut.Nun findet sich, das ist wohl klar,Solch ein Mädchen nimmerdar,Die für mich leiden will den Tod.Drum muss ich schmähliche Noth20Tragen bis an mein Ende,Dass Gott es bald mir sende!’Was dem Vater ward gesagt,Das hörte auch die reine Magd,Denn es hielt die SüsseIhres lieben Herren FüsseIn ihrem Schoose stehen.Da mochte man wohl sehen,Ihr kindlich GemütheGlich englischer Güte.30Seiner Rede nahm sie wahrUnd behielt sie immerdar;Nur auf ihn war sie bedacht,Bis man zu Bett gieng in der NachtUnd die Gute, wie sie pflag,Zu ihrer Eltern Füssen lag.Als sie nun beide schliefen,Holte sie manchen tiefenSeufzer aus ihrem Herzen.Um ihres Herren SchmerzenWard ihr Kummer so gross,Ihrer Augen Regen begoss10Der Schlafenden Füsse:So erweckte sie die Süsse.Als der Thränen gewahrWard das fromme Elternpaar,Fragten sie, was ihr wäre,Dass sie so manche ZähreVergösse unter Klagen?Da wollte sie’s nicht sagen.Doch als der Vater in sie drang,Erst bittend, drohend dann mit Zwang,20Da that sie ihm den Kummer kund.‘Ihr hättet selbst zu klagen Grund,Denn was möcht uns näher gehn,Als was unserm Herrn geschehn,Den wir bald sollen missen,Denn dann wird uns entrissenGut und Ehre werden:Finden wir doch auf ErdenKeinen Herrn so mild und gut,Der uns thu, was er uns thut.’30Sie sprachen: ‘Tochter, das ist wahr,Nur frommt uns leider nicht ein HaarDas Leid, und weinten wir uns blind.Darum schweig, liebes Kind,Es ist uns auch so leid wie dir;Aber leider mögen wirIhm nicht zu Statten kommen.Gott hat ihn uns benommen:Hätt es ein Andrer gethan,So müsst er unsern Fluch empfahn.’Zum Schweigen ward sie so gebracht.10Doch blieb ihr weh die ganze NachtUnd morgen den vollen Tag.Was Jemand that, was Jemand sprach,Dies kam von ihrem Herzen nie,Bis des andern Abends sieWie gewöhnlich schlafen gieng.Als sie ihr altes Bett umfieng,Wieder, wie sie gestern that,Machte sie ein ThränenbadUnd weint’ in ihren Sorgen,20Denn sie trug verborgenIm innersten GemütheDie grösste Herzensgüte,Die Gott noch einem Kind verlieh.Wann that auch je ein Kind wie sie?Sie nahm sich ernstlich in den Sinn,Brächte sie die Nacht nur hinSo wollte sie ihr LebenUm ihren Herren geben.SIMROCK.2.IWEIN.Daz smæhen daz vrou Lûnetedem herren Îweine tete,daz gæhe wider kêren,der slac sîner êren,daz sî sô von ime schietdaz si in entrôste noch enriet,daz smæhlîche ungemach,dazs im an die triuwe sprach,10diu versûmde riuweund sîn grôziu triuwesînes stæten muotes,diu verlust des guotes,der jâmer nâch dem wîbe:die benâmen sîme lîbebeide vreude unde den sin.nâch eime dinge jâmert in,daz er wære etswâdaz man noch wîp enweste wâ20und niemer gehôrte mærewar er komen wære.Er verlôs sîn selbes hulde:wan ern mohte die schuldeûf niemen anders gesagen:in het sîn selbes swert erslagen.ern ahte weder man noch wîp,niuwan ûf sîn selbes lîp.er stal sich swîgende dan(daz ersach dâ nieman)unz er kom vür diu gezeltûz ir gesihte an daz velt.dô wart sîn riuwe alsô grôzdaz im in daz hirne schôzein zorn unde ein tobesuht,10er brach sîn site und sîne zuhtund zarte abe sîn gewant,daz er wart blôz sam ein hant.sus lief er über gevildenacket nâch der wilde.Dô diu juncvrouwe gereit,dô was dem künege starke leithern Îweines swære,und vrâgte wâ er wære(er wold in getrœstet hân)20unde bat nâch ime gân.und als in nieman envant,nû was daz vil unbewantswaz man ime dâ gerief,wander gegen walde lief.er was ein degen bewæretund ein helt unerværet:swie manhaft er doch wæreund swie unwandelbærean lîbe unde an sinne,doch meistert vrou Minnedaz im ein krankez wîpverkêrte sinne unde lîp.der ie ein rehter adamasrîterlîcher tugende was,der lief nû harte baldeein tôre in dem walde.Nû gap im got der guote,10der in ûz sîner huotedannoch niht volleclîche enliez,daz im ein garzûn widerstiez,der einen guoten bogen truoc:den nam er im und strâlen gnuoc.als in der hunger bestuont,sô teter sam die tôren tuont:in ist niht mêre witze kuntniuwan diu eine umbe den munt.er schôz prîslichen wol:20ouch gienc der walt wildes vol:swâ daz gestuont an sîn zil,des schôz er ûz der mâze vil.ouch muose erz selbe vâhen,âne bracken ergâhen.sone heter kezzel noch smalz,weder pfeffer noch salz:sîn salse was diu hungernôt,diuz im briet unde sôtdaz ez ein süeziu spîse wasund wol vor hunger genas.Dô er des lange gepflac,er lief umb einen mitten tacan ein niuweriute.dane vander nie mê liutewan einen einigen man:10der selbe sach im daz wol andaz er niht rehtes sinnes was.der vlôch in, daz er genas,dâ bî in sîn hiuselîn.dane wânder doch niht sicher sînunde verrigelt im vaste de tür:dâ stuont im der tôre vür.der tôre dûht in alze grôz:er gedâhte ‘tuot er einen stôz,diu tür vert ûz dem angen,20und ist um mich ergangen.ich arme, wie genise ich?’ze jungest dô verdâhter sich‘ich wil im mînes brôtes gebn:sô lât er mich vil lîhte lebn.’Hie gienc ein venster durch die want:dâ durch rahter die hantund leit im ûf ein bret ein brôt:daz suozt im diu hungers nôt;wand er dâ vor, daz got wol weiz,sô jæmerlîches nie enbeiz.waz welt ir daz der tôre tuo?er az daz brôt und tranc dâ zuoeines wazzers daz er vantin einem einber an der want,unde rûmtez im ouch sâ.der einsidel sach im nâund vlêget got vil sêre10daz er in iemer mêreerlieze selher geste;wand er vil lützel westewie ez umbe in was gewant.nu erzeicte der tôre zehantdaz der tôre und diu kintvil lîhte ze wenenne sint.er was dâ zuo gnuoc wîsedaz er nâch der spîsedar wider kom in zwein tagen,20und brâhte ein tier ûf im getragenund warf im daz an die tür.daz machte daz er im her vürdeste willeclîcher bôtsîn wazzer unde sîn brôt:erne vorht in dô niht mêund was im bezzer danne ê,und vant ditz ie dâ gereit.ouch galt er im die arbeitmit sînem wiltpræte.daz wart mit ungerætegegerwet bî dem viure.im was der pfeffer tiure,daz salz, unde der ezzich.ze jungest wenet er sich10daz er die hiute veile truoc,unde kouft in beiden gnuocdes in zem lîbe was nôt,salz unde bezzer brôt.Sus twelte der unwîseze walde mit der spîse,unze der edele tôrewart gelîch eim môrean allem sîme lîbe.ob im von guotem wîbe20ie dehein guot geschach,ob er ie hundert sper zebrach,gesluoc er viur ûz helme ie,ob er mit manheit begiedeheinen loblîchen prîs,wart er ie hövesch unde wîs,wart er ie edel unde rîch:dem ist er nû vil ungelîch.Er lief nû nacket beider,der sinne unde der cleider,30unz in zeinen stundenslâfende vundendrie vrouwen dâ er lac,wol umb einen mitten tac,nâ ze guoter mâzebî der lantstrâzediu in ze rîten geschach.und alsô schiere do in ersachdiu eine vrouwe von den drin,dô kêrte sî über inund sach in vlîzeclîchen an.10nû jach des ein ieglich manwie er verlorn wære:daz was ein gengez mærein allem dem lande:und daz sî in erkande,daz was des schult; und doch niht gar,sî nam an im wareiner der wundendiu ze manegen stundenan im was wol erkant,20unde nande in zehant.Sî sprach her wider zuo den zwein‘vrouwe, lebt her Îwein,sô lît er âne zwîvel hie,oder ichn gesach in nie.’Ir höfscheit unde ir güetebeswârten ir gemüete,daz sî von grôzer riuweund durch ir reine triuwevil sêre weinen began,30daz eim alsô vrumen mandiu swacheit solte geschehndaz er in den schanden wart gesehn.Ez was diu eine von den drinder zweier vrouwe under in:nû sprach sî zuo ir vrouwen‘vrouwe, ir mugt wol schouwendaz er den sin hât verlorn.von bezzern zühten wart gebornnie rîter deheindanne mîn her Îwein,den ich sô swache sihe lebn.10im ist benamen vergebn,ode ez ist von minnen komendaz im der sin ist benomen.und ich weiz daz als mînen tôtdaz ir alle iuwer nôt,die iu durch sînen übermuotder grâve Âliers lange tuotund noch ze tuonne willen hât,schiere überwunden hât,ober wirdet gesunt.20mir ist sîn manheit wol kunt:wirt er des lîbes gereit,er hât in schiere hin geleit:und sult ir ouch vor ime genesn,daz muoz mit sîner helfe wesn.’Diu vrouwe was des trôstes vrô.sî sprach ‘unde ist der suht alsodaz sî von dem hirne gât,der tuon ich im vil guoten rât,wand ich noch einer salben hândie dâ Feimorgânmachte mit ir selber hant.dâ ist ez umbe sô gewantdaz niemen hirnsühte lite,wurd er bestrichen dâ mite,10erne wurde dâ zestuntwol varende unde gesunt.’sus wurden sî ze râteund riten alsô drâtenâch der salben alle drî:wand ir hûs was dâ bîvil kûme in einer mîle.nû wart der selben wîlediu juncvrouwe wider gesant,diu in noch slâfende vant.20Diu vrouwe gebôt ir an daz lebndô sî ir hâte gegebndie bühsen mit der salben,daz si in allenthalbenniht bestriche dâ mitewan dâ er die nôt lite,dâ hiez sî sî strîchen an:so entwiche diu suht dan,under wær zehant genesn.dâ mite es gnuoc möhte wesn,daz hiez sî an in strîchen;und daz si ir nämelîchenbræhte wider daz ander teil:daz wære maneges mannes heil.ouch sante sî bî ir danvrischiu kleider, seit von granund cleine lînwât, zwei,schuohe und hosen von sei.10Nû reit sî alsô balde,daz sî in in dem waldedannoch slâfende vant,und zôch ein pfert an der hant,daz vil harte sanfte truoc(ouch was der zoum rîche gnuoc,daz gereite guot von golde),daz er rîten solde,ob ir daz got beschertedaz sî in ernerte.20Dô si in ligen sach als ê,nûne tweltes niuwet mê,sî hafte zeinem astediu pfert beidiu vaste,und sleich alsô lîse dardaz er ir niene wart gewar.mit ter vil edelen salbenbestreich si in allenthalbenüber houpt und über vüeze.ir wille was sô süezedaz sî daz alsô lange treipunz in der bühsen niht beleip.des wær doch alles unnôt,dâ zuo und man irz verbôt;wan daz si im den willen truoc,esn dûhtes dannoch niht genuoc,10und wær ir sehsstunt mê gewesn:sô gerne sach sî in genesn.Und dô siz gar an in gestreich,vil drâte sî von im entweich,wand sî daz wol erkande,daz schemelîchiu schandedem vrumen manne wê tuot,und barc sich durch ir höfschen muot,daz sî in sach und er sî niht.sî gedâhte ‘ob daz geschiht20daz er kumt ze sinnen,und wirt er danne innendaz ich in nacket hân gesehn,sô ist mir übele geschehn:wan des schamt er sich sô sêredazer mich nimmer mêrewilleclichen an gesiht.’alsus enoucte sî sich nihtunz in diu salbe gar ergiencund er ze sinnen gevienc.Dô er sich ûf gerihteund sich selben ane blihteund sich sô griulîchen sach,wider sich selben er dô sprach‘bistuz Îwein, ode wer?hân ich geslâfen unze her?10wâfen, herre, wâfen,sold ich dan nimmê slâfen!wand mir mîn troum hât gegebnein vil harte rîchez lebn.Ouwî waz ich êren pflacdie wîl ich slâfende lac!mir hât getroumet michel tugent:ich hete geburt unde jugent,ich was schœne unde rîchund diseme lîbe vil unglîch;20ich was hövesch unde wîsund hân vil manegen herten prîsze rîterschefte bejagt,hât mir mîn troum niht missesagt.ich bejagte swes ich gertemit sper und mit swerte:mir ervaht mîn eines hantein schœne vrowen, ein rîchez lant;wan daz ich ir doch pflac,sô mir nû troumte, unmanegen tac,unze mich der künec Artûsvon ir vuorte ze hûs.mîn geselle was her Gâwein,als mir in mîme troume schein.10sî gap mir urloup ein jâr(dazn ist allez niht wâr):do beleip ich langer âne nôt,unz sî mir ir hulde widerbôt:die was ich ungerne âne.in allem disem wânesô bin ich erwachet.mich hete mîn troum gemachetzeime rîchen herren.nû waz möhte mir gewerren,20wær ich in disen êren tôt?er hât mich geffet âne nôt.swer sich an troume kêret,der ist wol gunêret.Troum, wie wunderlich dû bist!dû machest rîche in kurzer vristeinen alsô swachen mander nie nâch êren muot gewan:swenner danne erwachet,sô hâstû in gemachetzeime tôren als ich.zwâre doch versihe ich mich,10swie rûch ich ein gebûre sî,wær ich rîterschefte bî,wær ich gewâfent unde geriten,ich kund nâch rîterlîchen sitenalsô wol gebârenals die ie rîter wâren.’Alsus was er sîn selbes gast,daz im des sinnes gebrast:und ober ie rîter wartund alle sîn umbevart20die heter in dem mærealss im getroumet wære.er sprach ‘mich hât gelêretmîn troum: der bin ich gêret,mac ich ze harnasche komen.der troum hât mir mîn reht benomen:swie gar ich ein gebûre bin,ez turnieret al mîn sin.mîn herze ist mîme lîbe unglîch:mîn lîp ist arm, mîn herze rîch.ist mir getroumet mîn lebn?ode wer hât mich her gegebnsô rehte ungetânen?ich möhte mich wol ânenrîterlîches muotes:10lîbes unde guotesder gebrist mir beider.’als er diu vrischen cleidereinhalp bî im ligen sach,des wuudert in, unde sprach‘ditz sint cleider der ich gnuocin mîme troume dicke truoc.ichn sihe hie niemen des sî sîn:ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.nû waz ob disiu sam tuont?20sît daz mir ê sô wol stuontin mîme troume rîch gewant.’alsus cleiter sich zehant.als er bedahte de swarzen lîch,dô wart er eime rîter glîch.Nu ersach diu juncvrouwe dazdaz er unlasterlichen saz:sî saz in guoter kündekheitûf ir pferit unde reit,als sî dâ vür wære gesantund vuorte ein pfert an der hant.weder si ensach dar noch ensprach.dô er sî vür sich rîten sach,10dô wærer ûf gesprungen,wan daz er was bedwungenmit selher siecheitedaz er sô wol gereiteniht ûf mohte gestânsô er gerne hete getân,unde rief ir hin nâch.dô tete sî als ir wære gâchund niht umb sîn geverte kunt,unz er ir rief anderstunt.20dô kêrte sî sâunde antwurt ime dâ.sî sprach ‘wer ruofet mir? wer?’er sprach ‘vrouwe, kêret her.’sî sprach ‘herre, daz sî.’sî reit dar, gehabt im bî.sî sprach ‘gebietet über mich:swaz ir gebietet, daz tuon ich,’und vrâget in der mærewie er dar komen wære.Dô sprach her Îweinals ez ouch wol an im schein‘dâ hân ich mich hie vundendes lîbes ungesunden.ichn kan iu des gesagen nihtwelch wunders geschihtmich dâ her hât getragen:10wan daz kan ich iu wol gesagendaz ich hie ungerne bin.nû vüeret mich mit iu hin:sô handelt ir mich harte wol,und gedienez immer als ich sol.’‘rîter, daz sî getân.ich wil mîn reise durch iuch lân:mich het mîn vrouwe gesant.diu ist ouch vrouwe über ditz lant:zuo der vüer ich iuch mit mir.20ich râte iu wol daz irgeruot nâch iuwer arbeit.’sus saz er ûf unde reit.Nû vuorte sî in mit ir danzuo ir vrouwen. diu nie manalsô gerne gesach.man schuof im guoten gemachvon cleidern spîse unde bade,unz daz im aller sîn schadeharte lützel an schein.hie het her Îweinsîne nôt überwundenunde guoten wirt vunden.

HARTMANN VON AUE.

[Scherer D.155,E.148.]

Aus einem Dienstmannengeschlecht von Aue; geboren gegen 1170 in Schwaben. Er erhielt Unterricht im lateinischen und französischen, schloss sich einer Kreuzfahrt an 1197. Die Reihenfolge seiner Dichtungen ist abgesehen von den Liedern (herausg. in Lachmann und Haupts ‘des Minnesangs Frühling,’ Nr. 21) vermuthlich die folgende: vor 1197 sind verfasst Erec (herausg. von Haupt, Leipzig, 1839, zweite Ausg. 1871), Gregorius (herausg. von Lachmann, Berlin, 1838; Paul, Halle 1873, 1882), erstes Büchlein (herausg. von Haupt ‘Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich,’ Leipzig 1842, zweite Ausg. 1881); nach dem Kreuzzuge der arme Heinrich (herausg. ausser von Haupt von Brüder Grimm 1815, Müller 1842, Paul 1882; übers. von Simrock), zweites Büchlein (s. o.), Iwein (herausg. von Benecke und Lachmann, Berlin 1827, vierte Aufl. 1877; übers. von Graf Baudissin). Sämmtl. Werke herausg. von Bech (3 Bde. Leipzig 1867–1869 u. ö.).

Aus einem Dienstmannengeschlecht von Aue; geboren gegen 1170 in Schwaben. Er erhielt Unterricht im lateinischen und französischen, schloss sich einer Kreuzfahrt an 1197. Die Reihenfolge seiner Dichtungen ist abgesehen von den Liedern (herausg. in Lachmann und Haupts ‘des Minnesangs Frühling,’ Nr. 21) vermuthlich die folgende: vor 1197 sind verfasst Erec (herausg. von Haupt, Leipzig, 1839, zweite Ausg. 1871), Gregorius (herausg. von Lachmann, Berlin, 1838; Paul, Halle 1873, 1882), erstes Büchlein (herausg. von Haupt ‘Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich,’ Leipzig 1842, zweite Ausg. 1881); nach dem Kreuzzuge der arme Heinrich (herausg. ausser von Haupt von Brüder Grimm 1815, Müller 1842, Paul 1882; übers. von Simrock), zweites Büchlein (s. o.), Iwein (herausg. von Benecke und Lachmann, Berlin 1827, vierte Aufl. 1877; übers. von Graf Baudissin). Sämmtl. Werke herausg. von Bech (3 Bde. Leipzig 1867–1869 u. ö.).

Dô dô der arme Heinrichdriu jâr dâ getwelte10unde im got gequeltemit grôzem jâmer den lîp,nû saz der meier und sîn wîpunde ir tohter, diu magetvon der ich iu ê hân gesaget,bî im in ir unmüezekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nôt:wan sî vorhten daz sîn tôtsî sêre solte letzenund vil gar entsetzenêren unde guotesund daz herters muoteswürde ein ander herre.si gedâhten alsô verre10unz dirre selbe bûmanalsus frâgen began.Er sprach ‘lieber herre mîn,möht ez mit iuwern hulden sîn,ich frâgte vil gerne.sô vil ze Sâlernevon arzenîen meister ist,wie kumet daz ir deheines listze iuwerme ungesundeniht gerâten kunde?20herre, des wundert mich.’dô holte der arme Heinrichtiefen sûft von herzenmit bitterlîchem smerzen:mit solher riuwe er dô sprachdaz ime der sûft daz wort zerbrach.‘Ich hân disen schemelîchen spotvil wol gedienet umbe got.wan dû sæhe wol hie vordaz hôh offen stuont mîn tor30nâch werltlîcher wünneund daz niemen in sîm künnesînen willen baz hete dan ich:und was daz doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dô nam ich sîn vil kleine warder mir daz selbe wunschlebenvon sînen gnâden hete gegeben.daz herze mir dô alsô stuontals alle werlttôren tuont,10den daz saget ir muotdaz si êre unde guotâne got mügen hân.sus troug ouch mich mîn tumber wân,wan ich in lützel ane sachvon des genâden mir geschachvil êren unde guotes.dô dô des hôhen muotesden hôhen portenære verdrôz,die sælden porte er mir beslôz.20dâ kum ich leider niemer in:daz verworhte mir mîn tumber sin.got hât durch râche an mich geleitein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen.nu versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mîn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,des bœser muoz ich dannoch sîn:sîn unwert tuot er mir schîn,er wirfet d’ougen abe mir.nû schînet êrste an dirdîn triuwe die dû hâst,daz dû mich siechen bî dir lâstund von mir niht enfliuhest.swie dû mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sî danne dir,10swie vil dîns heiles stê an mir,du vertrüegest doch wol mînen tôt.nû wes unwert und wes nôtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dîn herreund bin dîn dürftige nû.mîn lieber friunt, nû koufest dûund mîn gemahel und dîn wîpan mir den êwigen lîpdaz dû mich siechen bî dir lâst.20des dû mich gefrâget hâst,daz sage ich dir vil gerne.ich kunde ze Sâlernekeinen meister vindender sich mîn underwindengetörste oder wolte.wan dâ mite ich soltemîner sühte genesen,daz müeste ein solch sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.mir wart niht anders dâ gesagetwan ich müeste haben eine maget10diu vollen êrbæreund ouch des willen wæredaz sî den tôt durch mich liteund man sî zuo dem herzen snite,und mir wære niht anders guotwan von ir herzen daz bluot.nû ist genuoc unmügelichdaz ir deheiniu durch michgerne lîde den tôt.des muoz ich schemelîche nôt20tragen unz an mîn ende.daz mirz got schiere sende!’Daz er dem vater hete gesagt,daz erhôrte ouch diu reine magt:wan ez hete diu vil süezeir lieben herren füezestânde in ir schôzen.man möhte wol genôzenir kintlîch gemüetehin ze der engel güete.30sîner rede nam sî warunde marhte sî ouch gar:si enkam von ir herzen nieunz man des nahtes slâfen gie.dô sî zir vater füezen lacund ouch ir muoter, sô sî pflac,und sî beide entsliefen,manegen sûft tiefenholte sî von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsô grôzdaz ir ougen regen begôz10der slâfenden füeze.sus erwahte sî diu süeze.Dô sî der trehene enpfunden,si erwachten und begundensî frâgen waz ir wæreund welher hande swæresî alsô stille möhte klagen.nu enwolte sî es in niht sagen.und dô ir vater aber tetevil manege drô unde bete20daz sî ez ime wolte sagen,sî sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waz möht uns mê gewerrendanne umb unsern herren,daz wir den suln verliesenund mit ime verkiesenbeide guot und êre?wir gewinnen niemer mêredeheinen herren alsô guotder uns tuo daz er uns tuot.’30Sî sprâchen ‘tohter, dû hâst wâr.nû frumet uns leider niht ein hârunser riuwe und dîn klage:liebez kint, dâ von gedage.ez ist uns alsô leit sô dir,leider nû enmuge wirime ze keinen staten komen.got der hât in uns benomen:het ez iemen anders getân,der müese unsern fluoch hân.’Alsus gesweigeten sî sî dô.10die naht bleip sî unfrôund morne allen den tac.swes iemen anders gepflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gieslâfen nâch gewonheit.dô sî sich hete geleitan ir alte bettestat,sî bereite aber ein batmit weinenden ougen:20wan sî truoc tougennâhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?des einen sî sich gar verwac,gelebetes morne den tac,daz sî benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.

Dô dô der arme Heinrichdriu jâr dâ getwelte10unde im got gequeltemit grôzem jâmer den lîp,nû saz der meier und sîn wîpunde ir tohter, diu magetvon der ich iu ê hân gesaget,bî im in ir unmüezekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nôt:wan sî vorhten daz sîn tôtsî sêre solte letzenund vil gar entsetzenêren unde guotesund daz herters muoteswürde ein ander herre.si gedâhten alsô verre10unz dirre selbe bûmanalsus frâgen began.Er sprach ‘lieber herre mîn,möht ez mit iuwern hulden sîn,ich frâgte vil gerne.sô vil ze Sâlernevon arzenîen meister ist,wie kumet daz ir deheines listze iuwerme ungesundeniht gerâten kunde?20herre, des wundert mich.’dô holte der arme Heinrichtiefen sûft von herzenmit bitterlîchem smerzen:mit solher riuwe er dô sprachdaz ime der sûft daz wort zerbrach.‘Ich hân disen schemelîchen spotvil wol gedienet umbe got.wan dû sæhe wol hie vordaz hôh offen stuont mîn tor30nâch werltlîcher wünneund daz niemen in sîm künnesînen willen baz hete dan ich:und was daz doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dô nam ich sîn vil kleine warder mir daz selbe wunschlebenvon sînen gnâden hete gegeben.daz herze mir dô alsô stuontals alle werlttôren tuont,10den daz saget ir muotdaz si êre unde guotâne got mügen hân.sus troug ouch mich mîn tumber wân,wan ich in lützel ane sachvon des genâden mir geschachvil êren unde guotes.dô dô des hôhen muotesden hôhen portenære verdrôz,die sælden porte er mir beslôz.20dâ kum ich leider niemer in:daz verworhte mir mîn tumber sin.got hât durch râche an mich geleitein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen.nu versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mîn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,des bœser muoz ich dannoch sîn:sîn unwert tuot er mir schîn,er wirfet d’ougen abe mir.nû schînet êrste an dirdîn triuwe die dû hâst,daz dû mich siechen bî dir lâstund von mir niht enfliuhest.swie dû mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sî danne dir,10swie vil dîns heiles stê an mir,du vertrüegest doch wol mînen tôt.nû wes unwert und wes nôtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dîn herreund bin dîn dürftige nû.mîn lieber friunt, nû koufest dûund mîn gemahel und dîn wîpan mir den êwigen lîpdaz dû mich siechen bî dir lâst.20des dû mich gefrâget hâst,daz sage ich dir vil gerne.ich kunde ze Sâlernekeinen meister vindender sich mîn underwindengetörste oder wolte.wan dâ mite ich soltemîner sühte genesen,daz müeste ein solch sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.mir wart niht anders dâ gesagetwan ich müeste haben eine maget10diu vollen êrbæreund ouch des willen wæredaz sî den tôt durch mich liteund man sî zuo dem herzen snite,und mir wære niht anders guotwan von ir herzen daz bluot.nû ist genuoc unmügelichdaz ir deheiniu durch michgerne lîde den tôt.des muoz ich schemelîche nôt20tragen unz an mîn ende.daz mirz got schiere sende!’Daz er dem vater hete gesagt,daz erhôrte ouch diu reine magt:wan ez hete diu vil süezeir lieben herren füezestânde in ir schôzen.man möhte wol genôzenir kintlîch gemüetehin ze der engel güete.30sîner rede nam sî warunde marhte sî ouch gar:si enkam von ir herzen nieunz man des nahtes slâfen gie.dô sî zir vater füezen lacund ouch ir muoter, sô sî pflac,und sî beide entsliefen,manegen sûft tiefenholte sî von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsô grôzdaz ir ougen regen begôz10der slâfenden füeze.sus erwahte sî diu süeze.Dô sî der trehene enpfunden,si erwachten und begundensî frâgen waz ir wæreund welher hande swæresî alsô stille möhte klagen.nu enwolte sî es in niht sagen.und dô ir vater aber tetevil manege drô unde bete20daz sî ez ime wolte sagen,sî sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waz möht uns mê gewerrendanne umb unsern herren,daz wir den suln verliesenund mit ime verkiesenbeide guot und êre?wir gewinnen niemer mêredeheinen herren alsô guotder uns tuo daz er uns tuot.’30Sî sprâchen ‘tohter, dû hâst wâr.nû frumet uns leider niht ein hârunser riuwe und dîn klage:liebez kint, dâ von gedage.ez ist uns alsô leit sô dir,leider nû enmuge wirime ze keinen staten komen.got der hât in uns benomen:het ez iemen anders getân,der müese unsern fluoch hân.’Alsus gesweigeten sî sî dô.10die naht bleip sî unfrôund morne allen den tac.swes iemen anders gepflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gieslâfen nâch gewonheit.dô sî sich hete geleitan ir alte bettestat,sî bereite aber ein batmit weinenden ougen:20wan sî truoc tougennâhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?des einen sî sich gar verwac,gelebetes morne den tac,daz sî benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.

Dô dô der arme Heinrichdriu jâr dâ getwelte10unde im got gequeltemit grôzem jâmer den lîp,nû saz der meier und sîn wîpunde ir tohter, diu magetvon der ich iu ê hân gesaget,bî im in ir unmüezekeitund begunden klagen ir herren leit.diu klage tet in michel nôt:wan sî vorhten daz sîn tôtsî sêre solte letzenund vil gar entsetzenêren unde guotesund daz herters muoteswürde ein ander herre.si gedâhten alsô verre10unz dirre selbe bûmanalsus frâgen began.Er sprach ‘lieber herre mîn,möht ez mit iuwern hulden sîn,ich frâgte vil gerne.sô vil ze Sâlernevon arzenîen meister ist,wie kumet daz ir deheines listze iuwerme ungesundeniht gerâten kunde?20herre, des wundert mich.’dô holte der arme Heinrichtiefen sûft von herzenmit bitterlîchem smerzen:mit solher riuwe er dô sprachdaz ime der sûft daz wort zerbrach.‘Ich hân disen schemelîchen spotvil wol gedienet umbe got.wan dû sæhe wol hie vordaz hôh offen stuont mîn tor30nâch werltlîcher wünneund daz niemen in sîm künnesînen willen baz hete dan ich:und was daz doch unmügelich,wan ich enhete niht gar.dô nam ich sîn vil kleine warder mir daz selbe wunschlebenvon sînen gnâden hete gegeben.daz herze mir dô alsô stuontals alle werlttôren tuont,10den daz saget ir muotdaz si êre unde guotâne got mügen hân.sus troug ouch mich mîn tumber wân,wan ich in lützel ane sachvon des genâden mir geschachvil êren unde guotes.dô dô des hôhen muotesden hôhen portenære verdrôz,die sælden porte er mir beslôz.20dâ kum ich leider niemer in:daz verworhte mir mîn tumber sin.got hât durch râche an mich geleitein sus gewante siecheitdie niemen mag erlœsen.nu versmæhent mich die bœsen,die biderben ruochent mîn niht.swie bœse er ist der mich gesiht,des bœser muoz ich dannoch sîn:sîn unwert tuot er mir schîn,er wirfet d’ougen abe mir.nû schînet êrste an dirdîn triuwe die dû hâst,daz dû mich siechen bî dir lâstund von mir niht enfliuhest.swie dû mich niht enschiuhest,swie ich niemen liep sî danne dir,10swie vil dîns heiles stê an mir,du vertrüegest doch wol mînen tôt.nû wes unwert und wes nôtwart ie zer werlte merre?hie vor was ich dîn herreund bin dîn dürftige nû.mîn lieber friunt, nû koufest dûund mîn gemahel und dîn wîpan mir den êwigen lîpdaz dû mich siechen bî dir lâst.20des dû mich gefrâget hâst,daz sage ich dir vil gerne.ich kunde ze Sâlernekeinen meister vindender sich mîn underwindengetörste oder wolte.wan dâ mite ich soltemîner sühte genesen,daz müeste ein solch sache wesendie in der werlte niemanmit nihte gewinnen kan.mir wart niht anders dâ gesagetwan ich müeste haben eine maget10diu vollen êrbæreund ouch des willen wæredaz sî den tôt durch mich liteund man sî zuo dem herzen snite,und mir wære niht anders guotwan von ir herzen daz bluot.nû ist genuoc unmügelichdaz ir deheiniu durch michgerne lîde den tôt.des muoz ich schemelîche nôt20tragen unz an mîn ende.daz mirz got schiere sende!’Daz er dem vater hete gesagt,daz erhôrte ouch diu reine magt:wan ez hete diu vil süezeir lieben herren füezestânde in ir schôzen.man möhte wol genôzenir kintlîch gemüetehin ze der engel güete.30sîner rede nam sî warunde marhte sî ouch gar:si enkam von ir herzen nieunz man des nahtes slâfen gie.dô sî zir vater füezen lacund ouch ir muoter, sô sî pflac,und sî beide entsliefen,manegen sûft tiefenholte sî von herzen.umbe ir herren smerzenwart ir riuwe alsô grôzdaz ir ougen regen begôz10der slâfenden füeze.sus erwahte sî diu süeze.Dô sî der trehene enpfunden,si erwachten und begundensî frâgen waz ir wæreund welher hande swæresî alsô stille möhte klagen.nu enwolte sî es in niht sagen.und dô ir vater aber tetevil manege drô unde bete20daz sî ez ime wolte sagen,sî sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.waz möht uns mê gewerrendanne umb unsern herren,daz wir den suln verliesenund mit ime verkiesenbeide guot und êre?wir gewinnen niemer mêredeheinen herren alsô guotder uns tuo daz er uns tuot.’30Sî sprâchen ‘tohter, dû hâst wâr.nû frumet uns leider niht ein hârunser riuwe und dîn klage:liebez kint, dâ von gedage.ez ist uns alsô leit sô dir,leider nû enmuge wirime ze keinen staten komen.got der hât in uns benomen:het ez iemen anders getân,der müese unsern fluoch hân.’Alsus gesweigeten sî sî dô.10die naht bleip sî unfrôund morne allen den tac.swes iemen anders gepflac,diz enkam von ir herzen nieunz man des andern nahtes gieslâfen nâch gewonheit.dô sî sich hete geleitan ir alte bettestat,sî bereite aber ein batmit weinenden ougen:20wan sî truoc tougennâhe in ir gemüetedie aller meisten güetedie ich von kinde ie vernam.welch kint getete ouch ie alsam?des einen sî sich gar verwac,gelebetes morne den tac,daz sî benamen ir lebenumbe ir herren wolte geben.

Dô dô der arme Heinrich

driu jâr dâ getwelte10

unde im got gequelte

mit grôzem jâmer den lîp,

nû saz der meier und sîn wîp

unde ir tohter, diu maget

von der ich iu ê hân gesaget,

bî im in ir unmüezekeit

und begunden klagen ir herren leit.

diu klage tet in michel nôt:

wan sî vorhten daz sîn tôt

sî sêre solte letzen

und vil gar entsetzen

êren unde guotes

und daz herters muotes

würde ein ander herre.

si gedâhten alsô verre10

unz dirre selbe bûman

alsus frâgen began.

Er sprach ‘lieber herre mîn,

möht ez mit iuwern hulden sîn,

ich frâgte vil gerne.

sô vil ze Sâlerne

von arzenîen meister ist,

wie kumet daz ir deheines list

ze iuwerme ungesunde

niht gerâten kunde?20

herre, des wundert mich.’

dô holte der arme Heinrich

tiefen sûft von herzen

mit bitterlîchem smerzen:

mit solher riuwe er dô sprach

daz ime der sûft daz wort zerbrach.

‘Ich hân disen schemelîchen spot

vil wol gedienet umbe got.

wan dû sæhe wol hie vor

daz hôh offen stuont mîn tor30

nâch werltlîcher wünne

und daz niemen in sîm künne

sînen willen baz hete dan ich:

und was daz doch unmügelich,

wan ich enhete niht gar.

dô nam ich sîn vil kleine war

der mir daz selbe wunschleben

von sînen gnâden hete gegeben.

daz herze mir dô alsô stuont

als alle werlttôren tuont,10

den daz saget ir muot

daz si êre unde guot

âne got mügen hân.

sus troug ouch mich mîn tumber wân,

wan ich in lützel ane sach

von des genâden mir geschach

vil êren unde guotes.

dô dô des hôhen muotes

den hôhen portenære verdrôz,

die sælden porte er mir beslôz.20

dâ kum ich leider niemer in:

daz verworhte mir mîn tumber sin.

got hât durch râche an mich geleit

ein sus gewante siecheit

die niemen mag erlœsen.

nu versmæhent mich die bœsen,

die biderben ruochent mîn niht.

swie bœse er ist der mich gesiht,

des bœser muoz ich dannoch sîn:

sîn unwert tuot er mir schîn,

er wirfet d’ougen abe mir.

nû schînet êrste an dir

dîn triuwe die dû hâst,

daz dû mich siechen bî dir lâst

und von mir niht enfliuhest.

swie dû mich niht enschiuhest,

swie ich niemen liep sî danne dir,10

swie vil dîns heiles stê an mir,

du vertrüegest doch wol mînen tôt.

nû wes unwert und wes nôt

wart ie zer werlte merre?

hie vor was ich dîn herre

und bin dîn dürftige nû.

mîn lieber friunt, nû koufest dû

und mîn gemahel und dîn wîp

an mir den êwigen lîp

daz dû mich siechen bî dir lâst.20

des dû mich gefrâget hâst,

daz sage ich dir vil gerne.

ich kunde ze Sâlerne

keinen meister vinden

der sich mîn underwinden

getörste oder wolte.

wan dâ mite ich solte

mîner sühte genesen,

daz müeste ein solch sache wesen

die in der werlte nieman

mit nihte gewinnen kan.

mir wart niht anders dâ gesaget

wan ich müeste haben eine maget10

diu vollen êrbære

und ouch des willen wære

daz sî den tôt durch mich lite

und man sî zuo dem herzen snite,

und mir wære niht anders guot

wan von ir herzen daz bluot.

nû ist genuoc unmügelich

daz ir deheiniu durch mich

gerne lîde den tôt.

des muoz ich schemelîche nôt20

tragen unz an mîn ende.

daz mirz got schiere sende!’

Daz er dem vater hete gesagt,

daz erhôrte ouch diu reine magt:

wan ez hete diu vil süeze

ir lieben herren füeze

stânde in ir schôzen.

man möhte wol genôzen

ir kintlîch gemüete

hin ze der engel güete.30

sîner rede nam sî war

unde marhte sî ouch gar:

si enkam von ir herzen nie

unz man des nahtes slâfen gie.

dô sî zir vater füezen lac

und ouch ir muoter, sô sî pflac,

und sî beide entsliefen,

manegen sûft tiefen

holte sî von herzen.

umbe ir herren smerzen

wart ir riuwe alsô grôz

daz ir ougen regen begôz10

der slâfenden füeze.

sus erwahte sî diu süeze.

Dô sî der trehene enpfunden,

si erwachten und begunden

sî frâgen waz ir wære

und welher hande swære

sî alsô stille möhte klagen.

nu enwolte sî es in niht sagen.

und dô ir vater aber tete

vil manege drô unde bete20

daz sî ez ime wolte sagen,

sî sprach ‘ir möhtent mit mir klagen.

waz möht uns mê gewerren

danne umb unsern herren,

daz wir den suln verliesen

und mit ime verkiesen

beide guot und êre?

wir gewinnen niemer mêre

deheinen herren alsô guot

der uns tuo daz er uns tuot.’30

Sî sprâchen ‘tohter, dû hâst wâr.

nû frumet uns leider niht ein hâr

unser riuwe und dîn klage:

liebez kint, dâ von gedage.

ez ist uns alsô leit sô dir,

leider nû enmuge wir

ime ze keinen staten komen.

got der hât in uns benomen:

het ez iemen anders getân,

der müese unsern fluoch hân.’

Alsus gesweigeten sî sî dô.10

die naht bleip sî unfrô

und morne allen den tac.

swes iemen anders gepflac,

diz enkam von ir herzen nie

unz man des andern nahtes gie

slâfen nâch gewonheit.

dô sî sich hete geleit

an ir alte bettestat,

sî bereite aber ein bat

mit weinenden ougen:20

wan sî truoc tougen

nâhe in ir gemüete

die aller meisten güete

die ich von kinde ie vernam.

welch kint getete ouch ie alsam?

des einen sî sich gar verwac,

gelebetes morne den tac,

daz sî benamen ir leben

umbe ir herren wolte geben.

Als so der arme HeinrichDrei Jahre dort geblieben war,10Während Gott ihm immerdarMit Jammer schlug den siechen Leib,Da sass der Meier und sein WeibUnd ihre Tochter, die Magd,Von der euch eben ward gesagt,Bei ihm in kurzer MussezeitUnd beklagten ihres Herren Leid.Ihnen that wohl solche Klage Noth,Denn sie fürchteten, sein TodMöchte sie schwer verletzenUnd sie gar entsetzenDer Ehren und des Gutes,Wenn ungnädgern MuthesEin Andrer Gutsherr würde.Lange trugen sie die Bürde10Der Sorgen, bis der BauersmannSo zu fragen begann:Er sprach: ‘Lieber Herre mein,Möcht es mit euern Hulden sein,so fragt’ ich euch gerne:Da doch zu SalerneViel Meister sind der Arzenei,Wie kommts, dass keiner war dabei,Der eure Sucht zu heilenRath wusste zu ertheilen?20Herr, darüber wundr’ ich mich.’Da zog der arme HeinrichEinen Seufzer tief vom HerzenHerauf mit bittern Schmerzen,Worauf er so bekümmert sprach,Dass der Seufzer ihm das Wort zerbrach:‘Ich habe diesen Schimpf und SpottNur zu wohl verdient um Gott:Denn du sahest wohl hievor,Dass weit offen stand mein Thor30Weltlicher Lust und Eitelkeit,Und dass Niemand weit und breitSeinem Willen nachhieng so wie ich.Daran that ich freventlich,So ohnmächtig wie ich war.Denn wenig nahm ich dessen wahr,Dessen Gnade mir dies LebenNach allen Wünschen gegeben.So verirrt war da mein HerzWie Weltkindern allerwärts:10Immer wähnt ihr blöder Sinn,Dass sie Ehr und Glücks GewinnMöchten ohne Gott empfahn.So trog auch mich mein dummer Wahn,Denn ich achtet’ ihn gering,Von des Gnaden ich empfiengDer Ehren viel und Gutes.Als da des ÜbermuthesDen hohen Himmelsherrn verdross,Des Heiles Thor er mir verschloss:20Da geh ich leider nimmer ein:Mein Leichtsinn schuf mir diese Pein.Zur Strafe hat mir Gott gesandtEin Siechthum, aus dessen BandNiemand mich erlösen kann.Nun verschmäht mich der geringste Mann;Der Biedre selbst vor mir erschrickt.Wie gering er sei, der mich erblickt,Er glaubt, dass ich noch schlechter sei.Er legt mir seinen Unwerth beiUnd kehrt die Augen ab von mir.Nun wird erst offenbar an dirDie grosse Treue, die du hegst,Dass du mich Siechen hier erträgstUnd nicht vor meinem Anblick fliehst.Doch wie du ohne Scheu mich siehst,Wie Niemand sonst mir Liebes thut,10Wie sehr dein Wohl auf mir beruht,Du ertrügest doch wohl meinen Tod.Nun, wessen Schmach und wessen NothWar je so auserlesen?Der zuvor dein Herr gewesen,Spricht dein bedürftig bei dir zu.Nun, lieber Freund, verdienest du,Dein gutes Weib und mein Gemahl,An mir den ewgen Freudensaal,Dass ihr mich Siechen hier ertragt.20Doch was du mich vorhin gefragt,Das sag ich dir gerne.Ich konnte zu SalerneKeinen Meister finden,Der mein sich unterwindenDürfte oder wollte.Denn womit ich sollteGenesen meiner Noth und Pein,Das musste eine Sache sein,Die auf dieser Erde manUm keinen Preis erlangen kann.Mir ward nichts anders da gesagt,Als ich brauchte eine Magd,10Die bei vollen Jahren reinUnd entschlossen müsste seinDen Tod für mich zu leiden.Man würd ihr Herz zerschneiden,Denn nichts anders wär mir gutAls des Mädchens Herzeblut.Nun findet sich, das ist wohl klar,Solch ein Mädchen nimmerdar,Die für mich leiden will den Tod.Drum muss ich schmähliche Noth20Tragen bis an mein Ende,Dass Gott es bald mir sende!’Was dem Vater ward gesagt,Das hörte auch die reine Magd,Denn es hielt die SüsseIhres lieben Herren FüsseIn ihrem Schoose stehen.Da mochte man wohl sehen,Ihr kindlich GemütheGlich englischer Güte.30Seiner Rede nahm sie wahrUnd behielt sie immerdar;Nur auf ihn war sie bedacht,Bis man zu Bett gieng in der NachtUnd die Gute, wie sie pflag,Zu ihrer Eltern Füssen lag.Als sie nun beide schliefen,Holte sie manchen tiefenSeufzer aus ihrem Herzen.Um ihres Herren SchmerzenWard ihr Kummer so gross,Ihrer Augen Regen begoss10Der Schlafenden Füsse:So erweckte sie die Süsse.Als der Thränen gewahrWard das fromme Elternpaar,Fragten sie, was ihr wäre,Dass sie so manche ZähreVergösse unter Klagen?Da wollte sie’s nicht sagen.Doch als der Vater in sie drang,Erst bittend, drohend dann mit Zwang,20Da that sie ihm den Kummer kund.‘Ihr hättet selbst zu klagen Grund,Denn was möcht uns näher gehn,Als was unserm Herrn geschehn,Den wir bald sollen missen,Denn dann wird uns entrissenGut und Ehre werden:Finden wir doch auf ErdenKeinen Herrn so mild und gut,Der uns thu, was er uns thut.’30Sie sprachen: ‘Tochter, das ist wahr,Nur frommt uns leider nicht ein HaarDas Leid, und weinten wir uns blind.Darum schweig, liebes Kind,Es ist uns auch so leid wie dir;Aber leider mögen wirIhm nicht zu Statten kommen.Gott hat ihn uns benommen:Hätt es ein Andrer gethan,So müsst er unsern Fluch empfahn.’Zum Schweigen ward sie so gebracht.10Doch blieb ihr weh die ganze NachtUnd morgen den vollen Tag.Was Jemand that, was Jemand sprach,Dies kam von ihrem Herzen nie,Bis des andern Abends sieWie gewöhnlich schlafen gieng.Als sie ihr altes Bett umfieng,Wieder, wie sie gestern that,Machte sie ein ThränenbadUnd weint’ in ihren Sorgen,20Denn sie trug verborgenIm innersten GemütheDie grösste Herzensgüte,Die Gott noch einem Kind verlieh.Wann that auch je ein Kind wie sie?Sie nahm sich ernstlich in den Sinn,Brächte sie die Nacht nur hinSo wollte sie ihr LebenUm ihren Herren geben.

Als so der arme HeinrichDrei Jahre dort geblieben war,10Während Gott ihm immerdarMit Jammer schlug den siechen Leib,Da sass der Meier und sein WeibUnd ihre Tochter, die Magd,Von der euch eben ward gesagt,Bei ihm in kurzer MussezeitUnd beklagten ihres Herren Leid.Ihnen that wohl solche Klage Noth,Denn sie fürchteten, sein TodMöchte sie schwer verletzenUnd sie gar entsetzenDer Ehren und des Gutes,Wenn ungnädgern MuthesEin Andrer Gutsherr würde.Lange trugen sie die Bürde10Der Sorgen, bis der BauersmannSo zu fragen begann:Er sprach: ‘Lieber Herre mein,Möcht es mit euern Hulden sein,so fragt’ ich euch gerne:Da doch zu SalerneViel Meister sind der Arzenei,Wie kommts, dass keiner war dabei,Der eure Sucht zu heilenRath wusste zu ertheilen?20Herr, darüber wundr’ ich mich.’Da zog der arme HeinrichEinen Seufzer tief vom HerzenHerauf mit bittern Schmerzen,Worauf er so bekümmert sprach,Dass der Seufzer ihm das Wort zerbrach:‘Ich habe diesen Schimpf und SpottNur zu wohl verdient um Gott:Denn du sahest wohl hievor,Dass weit offen stand mein Thor30Weltlicher Lust und Eitelkeit,Und dass Niemand weit und breitSeinem Willen nachhieng so wie ich.Daran that ich freventlich,So ohnmächtig wie ich war.Denn wenig nahm ich dessen wahr,Dessen Gnade mir dies LebenNach allen Wünschen gegeben.So verirrt war da mein HerzWie Weltkindern allerwärts:10Immer wähnt ihr blöder Sinn,Dass sie Ehr und Glücks GewinnMöchten ohne Gott empfahn.So trog auch mich mein dummer Wahn,Denn ich achtet’ ihn gering,Von des Gnaden ich empfiengDer Ehren viel und Gutes.Als da des ÜbermuthesDen hohen Himmelsherrn verdross,Des Heiles Thor er mir verschloss:20Da geh ich leider nimmer ein:Mein Leichtsinn schuf mir diese Pein.Zur Strafe hat mir Gott gesandtEin Siechthum, aus dessen BandNiemand mich erlösen kann.Nun verschmäht mich der geringste Mann;Der Biedre selbst vor mir erschrickt.Wie gering er sei, der mich erblickt,Er glaubt, dass ich noch schlechter sei.Er legt mir seinen Unwerth beiUnd kehrt die Augen ab von mir.Nun wird erst offenbar an dirDie grosse Treue, die du hegst,Dass du mich Siechen hier erträgstUnd nicht vor meinem Anblick fliehst.Doch wie du ohne Scheu mich siehst,Wie Niemand sonst mir Liebes thut,10Wie sehr dein Wohl auf mir beruht,Du ertrügest doch wohl meinen Tod.Nun, wessen Schmach und wessen NothWar je so auserlesen?Der zuvor dein Herr gewesen,Spricht dein bedürftig bei dir zu.Nun, lieber Freund, verdienest du,Dein gutes Weib und mein Gemahl,An mir den ewgen Freudensaal,Dass ihr mich Siechen hier ertragt.20Doch was du mich vorhin gefragt,Das sag ich dir gerne.Ich konnte zu SalerneKeinen Meister finden,Der mein sich unterwindenDürfte oder wollte.Denn womit ich sollteGenesen meiner Noth und Pein,Das musste eine Sache sein,Die auf dieser Erde manUm keinen Preis erlangen kann.Mir ward nichts anders da gesagt,Als ich brauchte eine Magd,10Die bei vollen Jahren reinUnd entschlossen müsste seinDen Tod für mich zu leiden.Man würd ihr Herz zerschneiden,Denn nichts anders wär mir gutAls des Mädchens Herzeblut.Nun findet sich, das ist wohl klar,Solch ein Mädchen nimmerdar,Die für mich leiden will den Tod.Drum muss ich schmähliche Noth20Tragen bis an mein Ende,Dass Gott es bald mir sende!’Was dem Vater ward gesagt,Das hörte auch die reine Magd,Denn es hielt die SüsseIhres lieben Herren FüsseIn ihrem Schoose stehen.Da mochte man wohl sehen,Ihr kindlich GemütheGlich englischer Güte.30Seiner Rede nahm sie wahrUnd behielt sie immerdar;Nur auf ihn war sie bedacht,Bis man zu Bett gieng in der NachtUnd die Gute, wie sie pflag,Zu ihrer Eltern Füssen lag.Als sie nun beide schliefen,Holte sie manchen tiefenSeufzer aus ihrem Herzen.Um ihres Herren SchmerzenWard ihr Kummer so gross,Ihrer Augen Regen begoss10Der Schlafenden Füsse:So erweckte sie die Süsse.Als der Thränen gewahrWard das fromme Elternpaar,Fragten sie, was ihr wäre,Dass sie so manche ZähreVergösse unter Klagen?Da wollte sie’s nicht sagen.Doch als der Vater in sie drang,Erst bittend, drohend dann mit Zwang,20Da that sie ihm den Kummer kund.‘Ihr hättet selbst zu klagen Grund,Denn was möcht uns näher gehn,Als was unserm Herrn geschehn,Den wir bald sollen missen,Denn dann wird uns entrissenGut und Ehre werden:Finden wir doch auf ErdenKeinen Herrn so mild und gut,Der uns thu, was er uns thut.’30Sie sprachen: ‘Tochter, das ist wahr,Nur frommt uns leider nicht ein HaarDas Leid, und weinten wir uns blind.Darum schweig, liebes Kind,Es ist uns auch so leid wie dir;Aber leider mögen wirIhm nicht zu Statten kommen.Gott hat ihn uns benommen:Hätt es ein Andrer gethan,So müsst er unsern Fluch empfahn.’Zum Schweigen ward sie so gebracht.10Doch blieb ihr weh die ganze NachtUnd morgen den vollen Tag.Was Jemand that, was Jemand sprach,Dies kam von ihrem Herzen nie,Bis des andern Abends sieWie gewöhnlich schlafen gieng.Als sie ihr altes Bett umfieng,Wieder, wie sie gestern that,Machte sie ein ThränenbadUnd weint’ in ihren Sorgen,20Denn sie trug verborgenIm innersten GemütheDie grösste Herzensgüte,Die Gott noch einem Kind verlieh.Wann that auch je ein Kind wie sie?Sie nahm sich ernstlich in den Sinn,Brächte sie die Nacht nur hinSo wollte sie ihr LebenUm ihren Herren geben.

Als so der arme HeinrichDrei Jahre dort geblieben war,10Während Gott ihm immerdarMit Jammer schlug den siechen Leib,Da sass der Meier und sein WeibUnd ihre Tochter, die Magd,Von der euch eben ward gesagt,Bei ihm in kurzer MussezeitUnd beklagten ihres Herren Leid.Ihnen that wohl solche Klage Noth,Denn sie fürchteten, sein TodMöchte sie schwer verletzenUnd sie gar entsetzenDer Ehren und des Gutes,Wenn ungnädgern MuthesEin Andrer Gutsherr würde.Lange trugen sie die Bürde10Der Sorgen, bis der BauersmannSo zu fragen begann:Er sprach: ‘Lieber Herre mein,Möcht es mit euern Hulden sein,so fragt’ ich euch gerne:Da doch zu SalerneViel Meister sind der Arzenei,Wie kommts, dass keiner war dabei,Der eure Sucht zu heilenRath wusste zu ertheilen?20Herr, darüber wundr’ ich mich.’Da zog der arme HeinrichEinen Seufzer tief vom HerzenHerauf mit bittern Schmerzen,Worauf er so bekümmert sprach,Dass der Seufzer ihm das Wort zerbrach:‘Ich habe diesen Schimpf und SpottNur zu wohl verdient um Gott:Denn du sahest wohl hievor,Dass weit offen stand mein Thor30Weltlicher Lust und Eitelkeit,Und dass Niemand weit und breitSeinem Willen nachhieng so wie ich.Daran that ich freventlich,So ohnmächtig wie ich war.Denn wenig nahm ich dessen wahr,Dessen Gnade mir dies LebenNach allen Wünschen gegeben.So verirrt war da mein HerzWie Weltkindern allerwärts:10Immer wähnt ihr blöder Sinn,Dass sie Ehr und Glücks GewinnMöchten ohne Gott empfahn.So trog auch mich mein dummer Wahn,Denn ich achtet’ ihn gering,Von des Gnaden ich empfiengDer Ehren viel und Gutes.Als da des ÜbermuthesDen hohen Himmelsherrn verdross,Des Heiles Thor er mir verschloss:20Da geh ich leider nimmer ein:Mein Leichtsinn schuf mir diese Pein.Zur Strafe hat mir Gott gesandtEin Siechthum, aus dessen BandNiemand mich erlösen kann.Nun verschmäht mich der geringste Mann;Der Biedre selbst vor mir erschrickt.Wie gering er sei, der mich erblickt,Er glaubt, dass ich noch schlechter sei.Er legt mir seinen Unwerth beiUnd kehrt die Augen ab von mir.Nun wird erst offenbar an dirDie grosse Treue, die du hegst,Dass du mich Siechen hier erträgstUnd nicht vor meinem Anblick fliehst.Doch wie du ohne Scheu mich siehst,Wie Niemand sonst mir Liebes thut,10Wie sehr dein Wohl auf mir beruht,Du ertrügest doch wohl meinen Tod.Nun, wessen Schmach und wessen NothWar je so auserlesen?Der zuvor dein Herr gewesen,Spricht dein bedürftig bei dir zu.Nun, lieber Freund, verdienest du,Dein gutes Weib und mein Gemahl,An mir den ewgen Freudensaal,Dass ihr mich Siechen hier ertragt.20Doch was du mich vorhin gefragt,Das sag ich dir gerne.Ich konnte zu SalerneKeinen Meister finden,Der mein sich unterwindenDürfte oder wollte.Denn womit ich sollteGenesen meiner Noth und Pein,Das musste eine Sache sein,Die auf dieser Erde manUm keinen Preis erlangen kann.Mir ward nichts anders da gesagt,Als ich brauchte eine Magd,10Die bei vollen Jahren reinUnd entschlossen müsste seinDen Tod für mich zu leiden.Man würd ihr Herz zerschneiden,Denn nichts anders wär mir gutAls des Mädchens Herzeblut.Nun findet sich, das ist wohl klar,Solch ein Mädchen nimmerdar,Die für mich leiden will den Tod.Drum muss ich schmähliche Noth20Tragen bis an mein Ende,Dass Gott es bald mir sende!’Was dem Vater ward gesagt,Das hörte auch die reine Magd,Denn es hielt die SüsseIhres lieben Herren FüsseIn ihrem Schoose stehen.Da mochte man wohl sehen,Ihr kindlich GemütheGlich englischer Güte.30Seiner Rede nahm sie wahrUnd behielt sie immerdar;Nur auf ihn war sie bedacht,Bis man zu Bett gieng in der NachtUnd die Gute, wie sie pflag,Zu ihrer Eltern Füssen lag.Als sie nun beide schliefen,Holte sie manchen tiefenSeufzer aus ihrem Herzen.Um ihres Herren SchmerzenWard ihr Kummer so gross,Ihrer Augen Regen begoss10Der Schlafenden Füsse:So erweckte sie die Süsse.Als der Thränen gewahrWard das fromme Elternpaar,Fragten sie, was ihr wäre,Dass sie so manche ZähreVergösse unter Klagen?Da wollte sie’s nicht sagen.Doch als der Vater in sie drang,Erst bittend, drohend dann mit Zwang,20Da that sie ihm den Kummer kund.‘Ihr hättet selbst zu klagen Grund,Denn was möcht uns näher gehn,Als was unserm Herrn geschehn,Den wir bald sollen missen,Denn dann wird uns entrissenGut und Ehre werden:Finden wir doch auf ErdenKeinen Herrn so mild und gut,Der uns thu, was er uns thut.’30Sie sprachen: ‘Tochter, das ist wahr,Nur frommt uns leider nicht ein HaarDas Leid, und weinten wir uns blind.Darum schweig, liebes Kind,Es ist uns auch so leid wie dir;Aber leider mögen wirIhm nicht zu Statten kommen.Gott hat ihn uns benommen:Hätt es ein Andrer gethan,So müsst er unsern Fluch empfahn.’Zum Schweigen ward sie so gebracht.10Doch blieb ihr weh die ganze NachtUnd morgen den vollen Tag.Was Jemand that, was Jemand sprach,Dies kam von ihrem Herzen nie,Bis des andern Abends sieWie gewöhnlich schlafen gieng.Als sie ihr altes Bett umfieng,Wieder, wie sie gestern that,Machte sie ein ThränenbadUnd weint’ in ihren Sorgen,20Denn sie trug verborgenIm innersten GemütheDie grösste Herzensgüte,Die Gott noch einem Kind verlieh.Wann that auch je ein Kind wie sie?Sie nahm sich ernstlich in den Sinn,Brächte sie die Nacht nur hinSo wollte sie ihr LebenUm ihren Herren geben.

Als so der arme Heinrich

Drei Jahre dort geblieben war,10

Während Gott ihm immerdar

Mit Jammer schlug den siechen Leib,

Da sass der Meier und sein Weib

Und ihre Tochter, die Magd,

Von der euch eben ward gesagt,

Bei ihm in kurzer Mussezeit

Und beklagten ihres Herren Leid.

Ihnen that wohl solche Klage Noth,

Denn sie fürchteten, sein Tod

Möchte sie schwer verletzen

Und sie gar entsetzen

Der Ehren und des Gutes,

Wenn ungnädgern Muthes

Ein Andrer Gutsherr würde.

Lange trugen sie die Bürde10

Der Sorgen, bis der Bauersmann

So zu fragen begann:

Er sprach: ‘Lieber Herre mein,

Möcht es mit euern Hulden sein,

so fragt’ ich euch gerne:

Da doch zu Salerne

Viel Meister sind der Arzenei,

Wie kommts, dass keiner war dabei,

Der eure Sucht zu heilen

Rath wusste zu ertheilen?20

Herr, darüber wundr’ ich mich.’

Da zog der arme Heinrich

Einen Seufzer tief vom Herzen

Herauf mit bittern Schmerzen,

Worauf er so bekümmert sprach,

Dass der Seufzer ihm das Wort zerbrach:

‘Ich habe diesen Schimpf und Spott

Nur zu wohl verdient um Gott:

Denn du sahest wohl hievor,

Dass weit offen stand mein Thor30

Weltlicher Lust und Eitelkeit,

Und dass Niemand weit und breit

Seinem Willen nachhieng so wie ich.

Daran that ich freventlich,

So ohnmächtig wie ich war.

Denn wenig nahm ich dessen wahr,

Dessen Gnade mir dies Leben

Nach allen Wünschen gegeben.

So verirrt war da mein Herz

Wie Weltkindern allerwärts:10

Immer wähnt ihr blöder Sinn,

Dass sie Ehr und Glücks Gewinn

Möchten ohne Gott empfahn.

So trog auch mich mein dummer Wahn,

Denn ich achtet’ ihn gering,

Von des Gnaden ich empfieng

Der Ehren viel und Gutes.

Als da des Übermuthes

Den hohen Himmelsherrn verdross,

Des Heiles Thor er mir verschloss:20

Da geh ich leider nimmer ein:

Mein Leichtsinn schuf mir diese Pein.

Zur Strafe hat mir Gott gesandt

Ein Siechthum, aus dessen Band

Niemand mich erlösen kann.

Nun verschmäht mich der geringste Mann;

Der Biedre selbst vor mir erschrickt.

Wie gering er sei, der mich erblickt,

Er glaubt, dass ich noch schlechter sei.

Er legt mir seinen Unwerth bei

Und kehrt die Augen ab von mir.

Nun wird erst offenbar an dir

Die grosse Treue, die du hegst,

Dass du mich Siechen hier erträgst

Und nicht vor meinem Anblick fliehst.

Doch wie du ohne Scheu mich siehst,

Wie Niemand sonst mir Liebes thut,10

Wie sehr dein Wohl auf mir beruht,

Du ertrügest doch wohl meinen Tod.

Nun, wessen Schmach und wessen Noth

War je so auserlesen?

Der zuvor dein Herr gewesen,

Spricht dein bedürftig bei dir zu.

Nun, lieber Freund, verdienest du,

Dein gutes Weib und mein Gemahl,

An mir den ewgen Freudensaal,

Dass ihr mich Siechen hier ertragt.20

Doch was du mich vorhin gefragt,

Das sag ich dir gerne.

Ich konnte zu Salerne

Keinen Meister finden,

Der mein sich unterwinden

Dürfte oder wollte.

Denn womit ich sollte

Genesen meiner Noth und Pein,

Das musste eine Sache sein,

Die auf dieser Erde man

Um keinen Preis erlangen kann.

Mir ward nichts anders da gesagt,

Als ich brauchte eine Magd,10

Die bei vollen Jahren rein

Und entschlossen müsste sein

Den Tod für mich zu leiden.

Man würd ihr Herz zerschneiden,

Denn nichts anders wär mir gut

Als des Mädchens Herzeblut.

Nun findet sich, das ist wohl klar,

Solch ein Mädchen nimmerdar,

Die für mich leiden will den Tod.

Drum muss ich schmähliche Noth20

Tragen bis an mein Ende,

Dass Gott es bald mir sende!’

Was dem Vater ward gesagt,

Das hörte auch die reine Magd,

Denn es hielt die Süsse

Ihres lieben Herren Füsse

In ihrem Schoose stehen.

Da mochte man wohl sehen,

Ihr kindlich Gemüthe

Glich englischer Güte.30

Seiner Rede nahm sie wahr

Und behielt sie immerdar;

Nur auf ihn war sie bedacht,

Bis man zu Bett gieng in der Nacht

Und die Gute, wie sie pflag,

Zu ihrer Eltern Füssen lag.

Als sie nun beide schliefen,

Holte sie manchen tiefen

Seufzer aus ihrem Herzen.

Um ihres Herren Schmerzen

Ward ihr Kummer so gross,

Ihrer Augen Regen begoss10

Der Schlafenden Füsse:

So erweckte sie die Süsse.

Als der Thränen gewahr

Ward das fromme Elternpaar,

Fragten sie, was ihr wäre,

Dass sie so manche Zähre

Vergösse unter Klagen?

Da wollte sie’s nicht sagen.

Doch als der Vater in sie drang,

Erst bittend, drohend dann mit Zwang,20

Da that sie ihm den Kummer kund.

‘Ihr hättet selbst zu klagen Grund,

Denn was möcht uns näher gehn,

Als was unserm Herrn geschehn,

Den wir bald sollen missen,

Denn dann wird uns entrissen

Gut und Ehre werden:

Finden wir doch auf Erden

Keinen Herrn so mild und gut,

Der uns thu, was er uns thut.’30

Sie sprachen: ‘Tochter, das ist wahr,

Nur frommt uns leider nicht ein Haar

Das Leid, und weinten wir uns blind.

Darum schweig, liebes Kind,

Es ist uns auch so leid wie dir;

Aber leider mögen wir

Ihm nicht zu Statten kommen.

Gott hat ihn uns benommen:

Hätt es ein Andrer gethan,

So müsst er unsern Fluch empfahn.’

Zum Schweigen ward sie so gebracht.10

Doch blieb ihr weh die ganze Nacht

Und morgen den vollen Tag.

Was Jemand that, was Jemand sprach,

Dies kam von ihrem Herzen nie,

Bis des andern Abends sie

Wie gewöhnlich schlafen gieng.

Als sie ihr altes Bett umfieng,

Wieder, wie sie gestern that,

Machte sie ein Thränenbad

Und weint’ in ihren Sorgen,20

Denn sie trug verborgen

Im innersten Gemüthe

Die grösste Herzensgüte,

Die Gott noch einem Kind verlieh.

Wann that auch je ein Kind wie sie?

Sie nahm sich ernstlich in den Sinn,

Brächte sie die Nacht nur hin

So wollte sie ihr Leben

Um ihren Herren geben.

SIMROCK.

Daz smæhen daz vrou Lûnetedem herren Îweine tete,daz gæhe wider kêren,der slac sîner êren,daz sî sô von ime schietdaz si in entrôste noch enriet,daz smæhlîche ungemach,dazs im an die triuwe sprach,10diu versûmde riuweund sîn grôziu triuwesînes stæten muotes,diu verlust des guotes,der jâmer nâch dem wîbe:die benâmen sîme lîbebeide vreude unde den sin.nâch eime dinge jâmert in,daz er wære etswâdaz man noch wîp enweste wâ20und niemer gehôrte mærewar er komen wære.Er verlôs sîn selbes hulde:wan ern mohte die schuldeûf niemen anders gesagen:in het sîn selbes swert erslagen.ern ahte weder man noch wîp,niuwan ûf sîn selbes lîp.er stal sich swîgende dan(daz ersach dâ nieman)unz er kom vür diu gezeltûz ir gesihte an daz velt.dô wart sîn riuwe alsô grôzdaz im in daz hirne schôzein zorn unde ein tobesuht,10er brach sîn site und sîne zuhtund zarte abe sîn gewant,daz er wart blôz sam ein hant.sus lief er über gevildenacket nâch der wilde.Dô diu juncvrouwe gereit,dô was dem künege starke leithern Îweines swære,und vrâgte wâ er wære(er wold in getrœstet hân)20unde bat nâch ime gân.und als in nieman envant,nû was daz vil unbewantswaz man ime dâ gerief,wander gegen walde lief.er was ein degen bewæretund ein helt unerværet:swie manhaft er doch wæreund swie unwandelbærean lîbe unde an sinne,doch meistert vrou Minnedaz im ein krankez wîpverkêrte sinne unde lîp.der ie ein rehter adamasrîterlîcher tugende was,der lief nû harte baldeein tôre in dem walde.Nû gap im got der guote,10der in ûz sîner huotedannoch niht volleclîche enliez,daz im ein garzûn widerstiez,der einen guoten bogen truoc:den nam er im und strâlen gnuoc.als in der hunger bestuont,sô teter sam die tôren tuont:in ist niht mêre witze kuntniuwan diu eine umbe den munt.er schôz prîslichen wol:20ouch gienc der walt wildes vol:swâ daz gestuont an sîn zil,des schôz er ûz der mâze vil.ouch muose erz selbe vâhen,âne bracken ergâhen.sone heter kezzel noch smalz,weder pfeffer noch salz:sîn salse was diu hungernôt,diuz im briet unde sôtdaz ez ein süeziu spîse wasund wol vor hunger genas.Dô er des lange gepflac,er lief umb einen mitten tacan ein niuweriute.dane vander nie mê liutewan einen einigen man:10der selbe sach im daz wol andaz er niht rehtes sinnes was.der vlôch in, daz er genas,dâ bî in sîn hiuselîn.dane wânder doch niht sicher sînunde verrigelt im vaste de tür:dâ stuont im der tôre vür.der tôre dûht in alze grôz:er gedâhte ‘tuot er einen stôz,diu tür vert ûz dem angen,20und ist um mich ergangen.ich arme, wie genise ich?’ze jungest dô verdâhter sich‘ich wil im mînes brôtes gebn:sô lât er mich vil lîhte lebn.’Hie gienc ein venster durch die want:dâ durch rahter die hantund leit im ûf ein bret ein brôt:daz suozt im diu hungers nôt;wand er dâ vor, daz got wol weiz,sô jæmerlîches nie enbeiz.waz welt ir daz der tôre tuo?er az daz brôt und tranc dâ zuoeines wazzers daz er vantin einem einber an der want,unde rûmtez im ouch sâ.der einsidel sach im nâund vlêget got vil sêre10daz er in iemer mêreerlieze selher geste;wand er vil lützel westewie ez umbe in was gewant.nu erzeicte der tôre zehantdaz der tôre und diu kintvil lîhte ze wenenne sint.er was dâ zuo gnuoc wîsedaz er nâch der spîsedar wider kom in zwein tagen,20und brâhte ein tier ûf im getragenund warf im daz an die tür.daz machte daz er im her vürdeste willeclîcher bôtsîn wazzer unde sîn brôt:erne vorht in dô niht mêund was im bezzer danne ê,und vant ditz ie dâ gereit.ouch galt er im die arbeitmit sînem wiltpræte.daz wart mit ungerætegegerwet bî dem viure.im was der pfeffer tiure,daz salz, unde der ezzich.ze jungest wenet er sich10daz er die hiute veile truoc,unde kouft in beiden gnuocdes in zem lîbe was nôt,salz unde bezzer brôt.Sus twelte der unwîseze walde mit der spîse,unze der edele tôrewart gelîch eim môrean allem sîme lîbe.ob im von guotem wîbe20ie dehein guot geschach,ob er ie hundert sper zebrach,gesluoc er viur ûz helme ie,ob er mit manheit begiedeheinen loblîchen prîs,wart er ie hövesch unde wîs,wart er ie edel unde rîch:dem ist er nû vil ungelîch.Er lief nû nacket beider,der sinne unde der cleider,30unz in zeinen stundenslâfende vundendrie vrouwen dâ er lac,wol umb einen mitten tac,nâ ze guoter mâzebî der lantstrâzediu in ze rîten geschach.und alsô schiere do in ersachdiu eine vrouwe von den drin,dô kêrte sî über inund sach in vlîzeclîchen an.10nû jach des ein ieglich manwie er verlorn wære:daz was ein gengez mærein allem dem lande:und daz sî in erkande,daz was des schult; und doch niht gar,sî nam an im wareiner der wundendiu ze manegen stundenan im was wol erkant,20unde nande in zehant.Sî sprach her wider zuo den zwein‘vrouwe, lebt her Îwein,sô lît er âne zwîvel hie,oder ichn gesach in nie.’Ir höfscheit unde ir güetebeswârten ir gemüete,daz sî von grôzer riuweund durch ir reine triuwevil sêre weinen began,30daz eim alsô vrumen mandiu swacheit solte geschehndaz er in den schanden wart gesehn.Ez was diu eine von den drinder zweier vrouwe under in:nû sprach sî zuo ir vrouwen‘vrouwe, ir mugt wol schouwendaz er den sin hât verlorn.von bezzern zühten wart gebornnie rîter deheindanne mîn her Îwein,den ich sô swache sihe lebn.10im ist benamen vergebn,ode ez ist von minnen komendaz im der sin ist benomen.und ich weiz daz als mînen tôtdaz ir alle iuwer nôt,die iu durch sînen übermuotder grâve Âliers lange tuotund noch ze tuonne willen hât,schiere überwunden hât,ober wirdet gesunt.20mir ist sîn manheit wol kunt:wirt er des lîbes gereit,er hât in schiere hin geleit:und sult ir ouch vor ime genesn,daz muoz mit sîner helfe wesn.’Diu vrouwe was des trôstes vrô.sî sprach ‘unde ist der suht alsodaz sî von dem hirne gât,der tuon ich im vil guoten rât,wand ich noch einer salben hândie dâ Feimorgânmachte mit ir selber hant.dâ ist ez umbe sô gewantdaz niemen hirnsühte lite,wurd er bestrichen dâ mite,10erne wurde dâ zestuntwol varende unde gesunt.’sus wurden sî ze râteund riten alsô drâtenâch der salben alle drî:wand ir hûs was dâ bîvil kûme in einer mîle.nû wart der selben wîlediu juncvrouwe wider gesant,diu in noch slâfende vant.20Diu vrouwe gebôt ir an daz lebndô sî ir hâte gegebndie bühsen mit der salben,daz si in allenthalbenniht bestriche dâ mitewan dâ er die nôt lite,dâ hiez sî sî strîchen an:so entwiche diu suht dan,under wær zehant genesn.dâ mite es gnuoc möhte wesn,daz hiez sî an in strîchen;und daz si ir nämelîchenbræhte wider daz ander teil:daz wære maneges mannes heil.ouch sante sî bî ir danvrischiu kleider, seit von granund cleine lînwât, zwei,schuohe und hosen von sei.10Nû reit sî alsô balde,daz sî in in dem waldedannoch slâfende vant,und zôch ein pfert an der hant,daz vil harte sanfte truoc(ouch was der zoum rîche gnuoc,daz gereite guot von golde),daz er rîten solde,ob ir daz got beschertedaz sî in ernerte.20Dô si in ligen sach als ê,nûne tweltes niuwet mê,sî hafte zeinem astediu pfert beidiu vaste,und sleich alsô lîse dardaz er ir niene wart gewar.mit ter vil edelen salbenbestreich si in allenthalbenüber houpt und über vüeze.ir wille was sô süezedaz sî daz alsô lange treipunz in der bühsen niht beleip.des wær doch alles unnôt,dâ zuo und man irz verbôt;wan daz si im den willen truoc,esn dûhtes dannoch niht genuoc,10und wær ir sehsstunt mê gewesn:sô gerne sach sî in genesn.Und dô siz gar an in gestreich,vil drâte sî von im entweich,wand sî daz wol erkande,daz schemelîchiu schandedem vrumen manne wê tuot,und barc sich durch ir höfschen muot,daz sî in sach und er sî niht.sî gedâhte ‘ob daz geschiht20daz er kumt ze sinnen,und wirt er danne innendaz ich in nacket hân gesehn,sô ist mir übele geschehn:wan des schamt er sich sô sêredazer mich nimmer mêrewilleclichen an gesiht.’alsus enoucte sî sich nihtunz in diu salbe gar ergiencund er ze sinnen gevienc.Dô er sich ûf gerihteund sich selben ane blihteund sich sô griulîchen sach,wider sich selben er dô sprach‘bistuz Îwein, ode wer?hân ich geslâfen unze her?10wâfen, herre, wâfen,sold ich dan nimmê slâfen!wand mir mîn troum hât gegebnein vil harte rîchez lebn.Ouwî waz ich êren pflacdie wîl ich slâfende lac!mir hât getroumet michel tugent:ich hete geburt unde jugent,ich was schœne unde rîchund diseme lîbe vil unglîch;20ich was hövesch unde wîsund hân vil manegen herten prîsze rîterschefte bejagt,hât mir mîn troum niht missesagt.ich bejagte swes ich gertemit sper und mit swerte:mir ervaht mîn eines hantein schœne vrowen, ein rîchez lant;wan daz ich ir doch pflac,sô mir nû troumte, unmanegen tac,unze mich der künec Artûsvon ir vuorte ze hûs.mîn geselle was her Gâwein,als mir in mîme troume schein.10sî gap mir urloup ein jâr(dazn ist allez niht wâr):do beleip ich langer âne nôt,unz sî mir ir hulde widerbôt:die was ich ungerne âne.in allem disem wânesô bin ich erwachet.mich hete mîn troum gemachetzeime rîchen herren.nû waz möhte mir gewerren,20wær ich in disen êren tôt?er hât mich geffet âne nôt.swer sich an troume kêret,der ist wol gunêret.Troum, wie wunderlich dû bist!dû machest rîche in kurzer vristeinen alsô swachen mander nie nâch êren muot gewan:swenner danne erwachet,sô hâstû in gemachetzeime tôren als ich.zwâre doch versihe ich mich,10swie rûch ich ein gebûre sî,wær ich rîterschefte bî,wær ich gewâfent unde geriten,ich kund nâch rîterlîchen sitenalsô wol gebârenals die ie rîter wâren.’Alsus was er sîn selbes gast,daz im des sinnes gebrast:und ober ie rîter wartund alle sîn umbevart20die heter in dem mærealss im getroumet wære.er sprach ‘mich hât gelêretmîn troum: der bin ich gêret,mac ich ze harnasche komen.der troum hât mir mîn reht benomen:swie gar ich ein gebûre bin,ez turnieret al mîn sin.mîn herze ist mîme lîbe unglîch:mîn lîp ist arm, mîn herze rîch.ist mir getroumet mîn lebn?ode wer hât mich her gegebnsô rehte ungetânen?ich möhte mich wol ânenrîterlîches muotes:10lîbes unde guotesder gebrist mir beider.’als er diu vrischen cleidereinhalp bî im ligen sach,des wuudert in, unde sprach‘ditz sint cleider der ich gnuocin mîme troume dicke truoc.ichn sihe hie niemen des sî sîn:ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.nû waz ob disiu sam tuont?20sît daz mir ê sô wol stuontin mîme troume rîch gewant.’alsus cleiter sich zehant.als er bedahte de swarzen lîch,dô wart er eime rîter glîch.Nu ersach diu juncvrouwe dazdaz er unlasterlichen saz:sî saz in guoter kündekheitûf ir pferit unde reit,als sî dâ vür wære gesantund vuorte ein pfert an der hant.weder si ensach dar noch ensprach.dô er sî vür sich rîten sach,10dô wærer ûf gesprungen,wan daz er was bedwungenmit selher siecheitedaz er sô wol gereiteniht ûf mohte gestânsô er gerne hete getân,unde rief ir hin nâch.dô tete sî als ir wære gâchund niht umb sîn geverte kunt,unz er ir rief anderstunt.20dô kêrte sî sâunde antwurt ime dâ.sî sprach ‘wer ruofet mir? wer?’er sprach ‘vrouwe, kêret her.’sî sprach ‘herre, daz sî.’sî reit dar, gehabt im bî.sî sprach ‘gebietet über mich:swaz ir gebietet, daz tuon ich,’und vrâget in der mærewie er dar komen wære.Dô sprach her Îweinals ez ouch wol an im schein‘dâ hân ich mich hie vundendes lîbes ungesunden.ichn kan iu des gesagen nihtwelch wunders geschihtmich dâ her hât getragen:10wan daz kan ich iu wol gesagendaz ich hie ungerne bin.nû vüeret mich mit iu hin:sô handelt ir mich harte wol,und gedienez immer als ich sol.’‘rîter, daz sî getân.ich wil mîn reise durch iuch lân:mich het mîn vrouwe gesant.diu ist ouch vrouwe über ditz lant:zuo der vüer ich iuch mit mir.20ich râte iu wol daz irgeruot nâch iuwer arbeit.’sus saz er ûf unde reit.Nû vuorte sî in mit ir danzuo ir vrouwen. diu nie manalsô gerne gesach.man schuof im guoten gemachvon cleidern spîse unde bade,unz daz im aller sîn schadeharte lützel an schein.hie het her Îweinsîne nôt überwundenunde guoten wirt vunden.

Daz smæhen daz vrou Lûnetedem herren Îweine tete,daz gæhe wider kêren,der slac sîner êren,daz sî sô von ime schietdaz si in entrôste noch enriet,daz smæhlîche ungemach,dazs im an die triuwe sprach,10diu versûmde riuweund sîn grôziu triuwesînes stæten muotes,diu verlust des guotes,der jâmer nâch dem wîbe:die benâmen sîme lîbebeide vreude unde den sin.nâch eime dinge jâmert in,daz er wære etswâdaz man noch wîp enweste wâ20und niemer gehôrte mærewar er komen wære.Er verlôs sîn selbes hulde:wan ern mohte die schuldeûf niemen anders gesagen:in het sîn selbes swert erslagen.ern ahte weder man noch wîp,niuwan ûf sîn selbes lîp.er stal sich swîgende dan(daz ersach dâ nieman)unz er kom vür diu gezeltûz ir gesihte an daz velt.dô wart sîn riuwe alsô grôzdaz im in daz hirne schôzein zorn unde ein tobesuht,10er brach sîn site und sîne zuhtund zarte abe sîn gewant,daz er wart blôz sam ein hant.sus lief er über gevildenacket nâch der wilde.Dô diu juncvrouwe gereit,dô was dem künege starke leithern Îweines swære,und vrâgte wâ er wære(er wold in getrœstet hân)20unde bat nâch ime gân.und als in nieman envant,nû was daz vil unbewantswaz man ime dâ gerief,wander gegen walde lief.er was ein degen bewæretund ein helt unerværet:swie manhaft er doch wæreund swie unwandelbærean lîbe unde an sinne,doch meistert vrou Minnedaz im ein krankez wîpverkêrte sinne unde lîp.der ie ein rehter adamasrîterlîcher tugende was,der lief nû harte baldeein tôre in dem walde.Nû gap im got der guote,10der in ûz sîner huotedannoch niht volleclîche enliez,daz im ein garzûn widerstiez,der einen guoten bogen truoc:den nam er im und strâlen gnuoc.als in der hunger bestuont,sô teter sam die tôren tuont:in ist niht mêre witze kuntniuwan diu eine umbe den munt.er schôz prîslichen wol:20ouch gienc der walt wildes vol:swâ daz gestuont an sîn zil,des schôz er ûz der mâze vil.ouch muose erz selbe vâhen,âne bracken ergâhen.sone heter kezzel noch smalz,weder pfeffer noch salz:sîn salse was diu hungernôt,diuz im briet unde sôtdaz ez ein süeziu spîse wasund wol vor hunger genas.Dô er des lange gepflac,er lief umb einen mitten tacan ein niuweriute.dane vander nie mê liutewan einen einigen man:10der selbe sach im daz wol andaz er niht rehtes sinnes was.der vlôch in, daz er genas,dâ bî in sîn hiuselîn.dane wânder doch niht sicher sînunde verrigelt im vaste de tür:dâ stuont im der tôre vür.der tôre dûht in alze grôz:er gedâhte ‘tuot er einen stôz,diu tür vert ûz dem angen,20und ist um mich ergangen.ich arme, wie genise ich?’ze jungest dô verdâhter sich‘ich wil im mînes brôtes gebn:sô lât er mich vil lîhte lebn.’Hie gienc ein venster durch die want:dâ durch rahter die hantund leit im ûf ein bret ein brôt:daz suozt im diu hungers nôt;wand er dâ vor, daz got wol weiz,sô jæmerlîches nie enbeiz.waz welt ir daz der tôre tuo?er az daz brôt und tranc dâ zuoeines wazzers daz er vantin einem einber an der want,unde rûmtez im ouch sâ.der einsidel sach im nâund vlêget got vil sêre10daz er in iemer mêreerlieze selher geste;wand er vil lützel westewie ez umbe in was gewant.nu erzeicte der tôre zehantdaz der tôre und diu kintvil lîhte ze wenenne sint.er was dâ zuo gnuoc wîsedaz er nâch der spîsedar wider kom in zwein tagen,20und brâhte ein tier ûf im getragenund warf im daz an die tür.daz machte daz er im her vürdeste willeclîcher bôtsîn wazzer unde sîn brôt:erne vorht in dô niht mêund was im bezzer danne ê,und vant ditz ie dâ gereit.ouch galt er im die arbeitmit sînem wiltpræte.daz wart mit ungerætegegerwet bî dem viure.im was der pfeffer tiure,daz salz, unde der ezzich.ze jungest wenet er sich10daz er die hiute veile truoc,unde kouft in beiden gnuocdes in zem lîbe was nôt,salz unde bezzer brôt.Sus twelte der unwîseze walde mit der spîse,unze der edele tôrewart gelîch eim môrean allem sîme lîbe.ob im von guotem wîbe20ie dehein guot geschach,ob er ie hundert sper zebrach,gesluoc er viur ûz helme ie,ob er mit manheit begiedeheinen loblîchen prîs,wart er ie hövesch unde wîs,wart er ie edel unde rîch:dem ist er nû vil ungelîch.Er lief nû nacket beider,der sinne unde der cleider,30unz in zeinen stundenslâfende vundendrie vrouwen dâ er lac,wol umb einen mitten tac,nâ ze guoter mâzebî der lantstrâzediu in ze rîten geschach.und alsô schiere do in ersachdiu eine vrouwe von den drin,dô kêrte sî über inund sach in vlîzeclîchen an.10nû jach des ein ieglich manwie er verlorn wære:daz was ein gengez mærein allem dem lande:und daz sî in erkande,daz was des schult; und doch niht gar,sî nam an im wareiner der wundendiu ze manegen stundenan im was wol erkant,20unde nande in zehant.Sî sprach her wider zuo den zwein‘vrouwe, lebt her Îwein,sô lît er âne zwîvel hie,oder ichn gesach in nie.’Ir höfscheit unde ir güetebeswârten ir gemüete,daz sî von grôzer riuweund durch ir reine triuwevil sêre weinen began,30daz eim alsô vrumen mandiu swacheit solte geschehndaz er in den schanden wart gesehn.Ez was diu eine von den drinder zweier vrouwe under in:nû sprach sî zuo ir vrouwen‘vrouwe, ir mugt wol schouwendaz er den sin hât verlorn.von bezzern zühten wart gebornnie rîter deheindanne mîn her Îwein,den ich sô swache sihe lebn.10im ist benamen vergebn,ode ez ist von minnen komendaz im der sin ist benomen.und ich weiz daz als mînen tôtdaz ir alle iuwer nôt,die iu durch sînen übermuotder grâve Âliers lange tuotund noch ze tuonne willen hât,schiere überwunden hât,ober wirdet gesunt.20mir ist sîn manheit wol kunt:wirt er des lîbes gereit,er hât in schiere hin geleit:und sult ir ouch vor ime genesn,daz muoz mit sîner helfe wesn.’Diu vrouwe was des trôstes vrô.sî sprach ‘unde ist der suht alsodaz sî von dem hirne gât,der tuon ich im vil guoten rât,wand ich noch einer salben hândie dâ Feimorgânmachte mit ir selber hant.dâ ist ez umbe sô gewantdaz niemen hirnsühte lite,wurd er bestrichen dâ mite,10erne wurde dâ zestuntwol varende unde gesunt.’sus wurden sî ze râteund riten alsô drâtenâch der salben alle drî:wand ir hûs was dâ bîvil kûme in einer mîle.nû wart der selben wîlediu juncvrouwe wider gesant,diu in noch slâfende vant.20Diu vrouwe gebôt ir an daz lebndô sî ir hâte gegebndie bühsen mit der salben,daz si in allenthalbenniht bestriche dâ mitewan dâ er die nôt lite,dâ hiez sî sî strîchen an:so entwiche diu suht dan,under wær zehant genesn.dâ mite es gnuoc möhte wesn,daz hiez sî an in strîchen;und daz si ir nämelîchenbræhte wider daz ander teil:daz wære maneges mannes heil.ouch sante sî bî ir danvrischiu kleider, seit von granund cleine lînwât, zwei,schuohe und hosen von sei.10Nû reit sî alsô balde,daz sî in in dem waldedannoch slâfende vant,und zôch ein pfert an der hant,daz vil harte sanfte truoc(ouch was der zoum rîche gnuoc,daz gereite guot von golde),daz er rîten solde,ob ir daz got beschertedaz sî in ernerte.20Dô si in ligen sach als ê,nûne tweltes niuwet mê,sî hafte zeinem astediu pfert beidiu vaste,und sleich alsô lîse dardaz er ir niene wart gewar.mit ter vil edelen salbenbestreich si in allenthalbenüber houpt und über vüeze.ir wille was sô süezedaz sî daz alsô lange treipunz in der bühsen niht beleip.des wær doch alles unnôt,dâ zuo und man irz verbôt;wan daz si im den willen truoc,esn dûhtes dannoch niht genuoc,10und wær ir sehsstunt mê gewesn:sô gerne sach sî in genesn.Und dô siz gar an in gestreich,vil drâte sî von im entweich,wand sî daz wol erkande,daz schemelîchiu schandedem vrumen manne wê tuot,und barc sich durch ir höfschen muot,daz sî in sach und er sî niht.sî gedâhte ‘ob daz geschiht20daz er kumt ze sinnen,und wirt er danne innendaz ich in nacket hân gesehn,sô ist mir übele geschehn:wan des schamt er sich sô sêredazer mich nimmer mêrewilleclichen an gesiht.’alsus enoucte sî sich nihtunz in diu salbe gar ergiencund er ze sinnen gevienc.Dô er sich ûf gerihteund sich selben ane blihteund sich sô griulîchen sach,wider sich selben er dô sprach‘bistuz Îwein, ode wer?hân ich geslâfen unze her?10wâfen, herre, wâfen,sold ich dan nimmê slâfen!wand mir mîn troum hât gegebnein vil harte rîchez lebn.Ouwî waz ich êren pflacdie wîl ich slâfende lac!mir hât getroumet michel tugent:ich hete geburt unde jugent,ich was schœne unde rîchund diseme lîbe vil unglîch;20ich was hövesch unde wîsund hân vil manegen herten prîsze rîterschefte bejagt,hât mir mîn troum niht missesagt.ich bejagte swes ich gertemit sper und mit swerte:mir ervaht mîn eines hantein schœne vrowen, ein rîchez lant;wan daz ich ir doch pflac,sô mir nû troumte, unmanegen tac,unze mich der künec Artûsvon ir vuorte ze hûs.mîn geselle was her Gâwein,als mir in mîme troume schein.10sî gap mir urloup ein jâr(dazn ist allez niht wâr):do beleip ich langer âne nôt,unz sî mir ir hulde widerbôt:die was ich ungerne âne.in allem disem wânesô bin ich erwachet.mich hete mîn troum gemachetzeime rîchen herren.nû waz möhte mir gewerren,20wær ich in disen êren tôt?er hât mich geffet âne nôt.swer sich an troume kêret,der ist wol gunêret.Troum, wie wunderlich dû bist!dû machest rîche in kurzer vristeinen alsô swachen mander nie nâch êren muot gewan:swenner danne erwachet,sô hâstû in gemachetzeime tôren als ich.zwâre doch versihe ich mich,10swie rûch ich ein gebûre sî,wær ich rîterschefte bî,wær ich gewâfent unde geriten,ich kund nâch rîterlîchen sitenalsô wol gebârenals die ie rîter wâren.’Alsus was er sîn selbes gast,daz im des sinnes gebrast:und ober ie rîter wartund alle sîn umbevart20die heter in dem mærealss im getroumet wære.er sprach ‘mich hât gelêretmîn troum: der bin ich gêret,mac ich ze harnasche komen.der troum hât mir mîn reht benomen:swie gar ich ein gebûre bin,ez turnieret al mîn sin.mîn herze ist mîme lîbe unglîch:mîn lîp ist arm, mîn herze rîch.ist mir getroumet mîn lebn?ode wer hât mich her gegebnsô rehte ungetânen?ich möhte mich wol ânenrîterlîches muotes:10lîbes unde guotesder gebrist mir beider.’als er diu vrischen cleidereinhalp bî im ligen sach,des wuudert in, unde sprach‘ditz sint cleider der ich gnuocin mîme troume dicke truoc.ichn sihe hie niemen des sî sîn:ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.nû waz ob disiu sam tuont?20sît daz mir ê sô wol stuontin mîme troume rîch gewant.’alsus cleiter sich zehant.als er bedahte de swarzen lîch,dô wart er eime rîter glîch.Nu ersach diu juncvrouwe dazdaz er unlasterlichen saz:sî saz in guoter kündekheitûf ir pferit unde reit,als sî dâ vür wære gesantund vuorte ein pfert an der hant.weder si ensach dar noch ensprach.dô er sî vür sich rîten sach,10dô wærer ûf gesprungen,wan daz er was bedwungenmit selher siecheitedaz er sô wol gereiteniht ûf mohte gestânsô er gerne hete getân,unde rief ir hin nâch.dô tete sî als ir wære gâchund niht umb sîn geverte kunt,unz er ir rief anderstunt.20dô kêrte sî sâunde antwurt ime dâ.sî sprach ‘wer ruofet mir? wer?’er sprach ‘vrouwe, kêret her.’sî sprach ‘herre, daz sî.’sî reit dar, gehabt im bî.sî sprach ‘gebietet über mich:swaz ir gebietet, daz tuon ich,’und vrâget in der mærewie er dar komen wære.Dô sprach her Îweinals ez ouch wol an im schein‘dâ hân ich mich hie vundendes lîbes ungesunden.ichn kan iu des gesagen nihtwelch wunders geschihtmich dâ her hât getragen:10wan daz kan ich iu wol gesagendaz ich hie ungerne bin.nû vüeret mich mit iu hin:sô handelt ir mich harte wol,und gedienez immer als ich sol.’‘rîter, daz sî getân.ich wil mîn reise durch iuch lân:mich het mîn vrouwe gesant.diu ist ouch vrouwe über ditz lant:zuo der vüer ich iuch mit mir.20ich râte iu wol daz irgeruot nâch iuwer arbeit.’sus saz er ûf unde reit.Nû vuorte sî in mit ir danzuo ir vrouwen. diu nie manalsô gerne gesach.man schuof im guoten gemachvon cleidern spîse unde bade,unz daz im aller sîn schadeharte lützel an schein.hie het her Îweinsîne nôt überwundenunde guoten wirt vunden.

Daz smæhen daz vrou Lûnetedem herren Îweine tete,daz gæhe wider kêren,der slac sîner êren,daz sî sô von ime schietdaz si in entrôste noch enriet,daz smæhlîche ungemach,dazs im an die triuwe sprach,10diu versûmde riuweund sîn grôziu triuwesînes stæten muotes,diu verlust des guotes,der jâmer nâch dem wîbe:die benâmen sîme lîbebeide vreude unde den sin.nâch eime dinge jâmert in,daz er wære etswâdaz man noch wîp enweste wâ20und niemer gehôrte mærewar er komen wære.Er verlôs sîn selbes hulde:wan ern mohte die schuldeûf niemen anders gesagen:in het sîn selbes swert erslagen.ern ahte weder man noch wîp,niuwan ûf sîn selbes lîp.er stal sich swîgende dan(daz ersach dâ nieman)unz er kom vür diu gezeltûz ir gesihte an daz velt.dô wart sîn riuwe alsô grôzdaz im in daz hirne schôzein zorn unde ein tobesuht,10er brach sîn site und sîne zuhtund zarte abe sîn gewant,daz er wart blôz sam ein hant.sus lief er über gevildenacket nâch der wilde.Dô diu juncvrouwe gereit,dô was dem künege starke leithern Îweines swære,und vrâgte wâ er wære(er wold in getrœstet hân)20unde bat nâch ime gân.und als in nieman envant,nû was daz vil unbewantswaz man ime dâ gerief,wander gegen walde lief.er was ein degen bewæretund ein helt unerværet:swie manhaft er doch wæreund swie unwandelbærean lîbe unde an sinne,doch meistert vrou Minnedaz im ein krankez wîpverkêrte sinne unde lîp.der ie ein rehter adamasrîterlîcher tugende was,der lief nû harte baldeein tôre in dem walde.Nû gap im got der guote,10der in ûz sîner huotedannoch niht volleclîche enliez,daz im ein garzûn widerstiez,der einen guoten bogen truoc:den nam er im und strâlen gnuoc.als in der hunger bestuont,sô teter sam die tôren tuont:in ist niht mêre witze kuntniuwan diu eine umbe den munt.er schôz prîslichen wol:20ouch gienc der walt wildes vol:swâ daz gestuont an sîn zil,des schôz er ûz der mâze vil.ouch muose erz selbe vâhen,âne bracken ergâhen.sone heter kezzel noch smalz,weder pfeffer noch salz:sîn salse was diu hungernôt,diuz im briet unde sôtdaz ez ein süeziu spîse wasund wol vor hunger genas.Dô er des lange gepflac,er lief umb einen mitten tacan ein niuweriute.dane vander nie mê liutewan einen einigen man:10der selbe sach im daz wol andaz er niht rehtes sinnes was.der vlôch in, daz er genas,dâ bî in sîn hiuselîn.dane wânder doch niht sicher sînunde verrigelt im vaste de tür:dâ stuont im der tôre vür.der tôre dûht in alze grôz:er gedâhte ‘tuot er einen stôz,diu tür vert ûz dem angen,20und ist um mich ergangen.ich arme, wie genise ich?’ze jungest dô verdâhter sich‘ich wil im mînes brôtes gebn:sô lât er mich vil lîhte lebn.’Hie gienc ein venster durch die want:dâ durch rahter die hantund leit im ûf ein bret ein brôt:daz suozt im diu hungers nôt;wand er dâ vor, daz got wol weiz,sô jæmerlîches nie enbeiz.waz welt ir daz der tôre tuo?er az daz brôt und tranc dâ zuoeines wazzers daz er vantin einem einber an der want,unde rûmtez im ouch sâ.der einsidel sach im nâund vlêget got vil sêre10daz er in iemer mêreerlieze selher geste;wand er vil lützel westewie ez umbe in was gewant.nu erzeicte der tôre zehantdaz der tôre und diu kintvil lîhte ze wenenne sint.er was dâ zuo gnuoc wîsedaz er nâch der spîsedar wider kom in zwein tagen,20und brâhte ein tier ûf im getragenund warf im daz an die tür.daz machte daz er im her vürdeste willeclîcher bôtsîn wazzer unde sîn brôt:erne vorht in dô niht mêund was im bezzer danne ê,und vant ditz ie dâ gereit.ouch galt er im die arbeitmit sînem wiltpræte.daz wart mit ungerætegegerwet bî dem viure.im was der pfeffer tiure,daz salz, unde der ezzich.ze jungest wenet er sich10daz er die hiute veile truoc,unde kouft in beiden gnuocdes in zem lîbe was nôt,salz unde bezzer brôt.Sus twelte der unwîseze walde mit der spîse,unze der edele tôrewart gelîch eim môrean allem sîme lîbe.ob im von guotem wîbe20ie dehein guot geschach,ob er ie hundert sper zebrach,gesluoc er viur ûz helme ie,ob er mit manheit begiedeheinen loblîchen prîs,wart er ie hövesch unde wîs,wart er ie edel unde rîch:dem ist er nû vil ungelîch.Er lief nû nacket beider,der sinne unde der cleider,30unz in zeinen stundenslâfende vundendrie vrouwen dâ er lac,wol umb einen mitten tac,nâ ze guoter mâzebî der lantstrâzediu in ze rîten geschach.und alsô schiere do in ersachdiu eine vrouwe von den drin,dô kêrte sî über inund sach in vlîzeclîchen an.10nû jach des ein ieglich manwie er verlorn wære:daz was ein gengez mærein allem dem lande:und daz sî in erkande,daz was des schult; und doch niht gar,sî nam an im wareiner der wundendiu ze manegen stundenan im was wol erkant,20unde nande in zehant.Sî sprach her wider zuo den zwein‘vrouwe, lebt her Îwein,sô lît er âne zwîvel hie,oder ichn gesach in nie.’Ir höfscheit unde ir güetebeswârten ir gemüete,daz sî von grôzer riuweund durch ir reine triuwevil sêre weinen began,30daz eim alsô vrumen mandiu swacheit solte geschehndaz er in den schanden wart gesehn.Ez was diu eine von den drinder zweier vrouwe under in:nû sprach sî zuo ir vrouwen‘vrouwe, ir mugt wol schouwendaz er den sin hât verlorn.von bezzern zühten wart gebornnie rîter deheindanne mîn her Îwein,den ich sô swache sihe lebn.10im ist benamen vergebn,ode ez ist von minnen komendaz im der sin ist benomen.und ich weiz daz als mînen tôtdaz ir alle iuwer nôt,die iu durch sînen übermuotder grâve Âliers lange tuotund noch ze tuonne willen hât,schiere überwunden hât,ober wirdet gesunt.20mir ist sîn manheit wol kunt:wirt er des lîbes gereit,er hât in schiere hin geleit:und sult ir ouch vor ime genesn,daz muoz mit sîner helfe wesn.’Diu vrouwe was des trôstes vrô.sî sprach ‘unde ist der suht alsodaz sî von dem hirne gât,der tuon ich im vil guoten rât,wand ich noch einer salben hândie dâ Feimorgânmachte mit ir selber hant.dâ ist ez umbe sô gewantdaz niemen hirnsühte lite,wurd er bestrichen dâ mite,10erne wurde dâ zestuntwol varende unde gesunt.’sus wurden sî ze râteund riten alsô drâtenâch der salben alle drî:wand ir hûs was dâ bîvil kûme in einer mîle.nû wart der selben wîlediu juncvrouwe wider gesant,diu in noch slâfende vant.20Diu vrouwe gebôt ir an daz lebndô sî ir hâte gegebndie bühsen mit der salben,daz si in allenthalbenniht bestriche dâ mitewan dâ er die nôt lite,dâ hiez sî sî strîchen an:so entwiche diu suht dan,under wær zehant genesn.dâ mite es gnuoc möhte wesn,daz hiez sî an in strîchen;und daz si ir nämelîchenbræhte wider daz ander teil:daz wære maneges mannes heil.ouch sante sî bî ir danvrischiu kleider, seit von granund cleine lînwât, zwei,schuohe und hosen von sei.10Nû reit sî alsô balde,daz sî in in dem waldedannoch slâfende vant,und zôch ein pfert an der hant,daz vil harte sanfte truoc(ouch was der zoum rîche gnuoc,daz gereite guot von golde),daz er rîten solde,ob ir daz got beschertedaz sî in ernerte.20Dô si in ligen sach als ê,nûne tweltes niuwet mê,sî hafte zeinem astediu pfert beidiu vaste,und sleich alsô lîse dardaz er ir niene wart gewar.mit ter vil edelen salbenbestreich si in allenthalbenüber houpt und über vüeze.ir wille was sô süezedaz sî daz alsô lange treipunz in der bühsen niht beleip.des wær doch alles unnôt,dâ zuo und man irz verbôt;wan daz si im den willen truoc,esn dûhtes dannoch niht genuoc,10und wær ir sehsstunt mê gewesn:sô gerne sach sî in genesn.Und dô siz gar an in gestreich,vil drâte sî von im entweich,wand sî daz wol erkande,daz schemelîchiu schandedem vrumen manne wê tuot,und barc sich durch ir höfschen muot,daz sî in sach und er sî niht.sî gedâhte ‘ob daz geschiht20daz er kumt ze sinnen,und wirt er danne innendaz ich in nacket hân gesehn,sô ist mir übele geschehn:wan des schamt er sich sô sêredazer mich nimmer mêrewilleclichen an gesiht.’alsus enoucte sî sich nihtunz in diu salbe gar ergiencund er ze sinnen gevienc.Dô er sich ûf gerihteund sich selben ane blihteund sich sô griulîchen sach,wider sich selben er dô sprach‘bistuz Îwein, ode wer?hân ich geslâfen unze her?10wâfen, herre, wâfen,sold ich dan nimmê slâfen!wand mir mîn troum hât gegebnein vil harte rîchez lebn.Ouwî waz ich êren pflacdie wîl ich slâfende lac!mir hât getroumet michel tugent:ich hete geburt unde jugent,ich was schœne unde rîchund diseme lîbe vil unglîch;20ich was hövesch unde wîsund hân vil manegen herten prîsze rîterschefte bejagt,hât mir mîn troum niht missesagt.ich bejagte swes ich gertemit sper und mit swerte:mir ervaht mîn eines hantein schœne vrowen, ein rîchez lant;wan daz ich ir doch pflac,sô mir nû troumte, unmanegen tac,unze mich der künec Artûsvon ir vuorte ze hûs.mîn geselle was her Gâwein,als mir in mîme troume schein.10sî gap mir urloup ein jâr(dazn ist allez niht wâr):do beleip ich langer âne nôt,unz sî mir ir hulde widerbôt:die was ich ungerne âne.in allem disem wânesô bin ich erwachet.mich hete mîn troum gemachetzeime rîchen herren.nû waz möhte mir gewerren,20wær ich in disen êren tôt?er hât mich geffet âne nôt.swer sich an troume kêret,der ist wol gunêret.Troum, wie wunderlich dû bist!dû machest rîche in kurzer vristeinen alsô swachen mander nie nâch êren muot gewan:swenner danne erwachet,sô hâstû in gemachetzeime tôren als ich.zwâre doch versihe ich mich,10swie rûch ich ein gebûre sî,wær ich rîterschefte bî,wær ich gewâfent unde geriten,ich kund nâch rîterlîchen sitenalsô wol gebârenals die ie rîter wâren.’Alsus was er sîn selbes gast,daz im des sinnes gebrast:und ober ie rîter wartund alle sîn umbevart20die heter in dem mærealss im getroumet wære.er sprach ‘mich hât gelêretmîn troum: der bin ich gêret,mac ich ze harnasche komen.der troum hât mir mîn reht benomen:swie gar ich ein gebûre bin,ez turnieret al mîn sin.mîn herze ist mîme lîbe unglîch:mîn lîp ist arm, mîn herze rîch.ist mir getroumet mîn lebn?ode wer hât mich her gegebnsô rehte ungetânen?ich möhte mich wol ânenrîterlîches muotes:10lîbes unde guotesder gebrist mir beider.’als er diu vrischen cleidereinhalp bî im ligen sach,des wuudert in, unde sprach‘ditz sint cleider der ich gnuocin mîme troume dicke truoc.ichn sihe hie niemen des sî sîn:ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.nû waz ob disiu sam tuont?20sît daz mir ê sô wol stuontin mîme troume rîch gewant.’alsus cleiter sich zehant.als er bedahte de swarzen lîch,dô wart er eime rîter glîch.Nu ersach diu juncvrouwe dazdaz er unlasterlichen saz:sî saz in guoter kündekheitûf ir pferit unde reit,als sî dâ vür wære gesantund vuorte ein pfert an der hant.weder si ensach dar noch ensprach.dô er sî vür sich rîten sach,10dô wærer ûf gesprungen,wan daz er was bedwungenmit selher siecheitedaz er sô wol gereiteniht ûf mohte gestânsô er gerne hete getân,unde rief ir hin nâch.dô tete sî als ir wære gâchund niht umb sîn geverte kunt,unz er ir rief anderstunt.20dô kêrte sî sâunde antwurt ime dâ.sî sprach ‘wer ruofet mir? wer?’er sprach ‘vrouwe, kêret her.’sî sprach ‘herre, daz sî.’sî reit dar, gehabt im bî.sî sprach ‘gebietet über mich:swaz ir gebietet, daz tuon ich,’und vrâget in der mærewie er dar komen wære.Dô sprach her Îweinals ez ouch wol an im schein‘dâ hân ich mich hie vundendes lîbes ungesunden.ichn kan iu des gesagen nihtwelch wunders geschihtmich dâ her hât getragen:10wan daz kan ich iu wol gesagendaz ich hie ungerne bin.nû vüeret mich mit iu hin:sô handelt ir mich harte wol,und gedienez immer als ich sol.’‘rîter, daz sî getân.ich wil mîn reise durch iuch lân:mich het mîn vrouwe gesant.diu ist ouch vrouwe über ditz lant:zuo der vüer ich iuch mit mir.20ich râte iu wol daz irgeruot nâch iuwer arbeit.’sus saz er ûf unde reit.Nû vuorte sî in mit ir danzuo ir vrouwen. diu nie manalsô gerne gesach.man schuof im guoten gemachvon cleidern spîse unde bade,unz daz im aller sîn schadeharte lützel an schein.hie het her Îweinsîne nôt überwundenunde guoten wirt vunden.

Daz smæhen daz vrou Lûnete

dem herren Îweine tete,

daz gæhe wider kêren,

der slac sîner êren,

daz sî sô von ime schiet

daz si in entrôste noch enriet,

daz smæhlîche ungemach,

dazs im an die triuwe sprach,10

diu versûmde riuwe

und sîn grôziu triuwe

sînes stæten muotes,

diu verlust des guotes,

der jâmer nâch dem wîbe:

die benâmen sîme lîbe

beide vreude unde den sin.

nâch eime dinge jâmert in,

daz er wære etswâ

daz man noch wîp enweste wâ20

und niemer gehôrte mære

war er komen wære.

Er verlôs sîn selbes hulde:

wan ern mohte die schulde

ûf niemen anders gesagen:

in het sîn selbes swert erslagen.

ern ahte weder man noch wîp,

niuwan ûf sîn selbes lîp.

er stal sich swîgende dan

(daz ersach dâ nieman)

unz er kom vür diu gezelt

ûz ir gesihte an daz velt.

dô wart sîn riuwe alsô grôz

daz im in daz hirne schôz

ein zorn unde ein tobesuht,10

er brach sîn site und sîne zuht

und zarte abe sîn gewant,

daz er wart blôz sam ein hant.

sus lief er über gevilde

nacket nâch der wilde.

Dô diu juncvrouwe gereit,

dô was dem künege starke leit

hern Îweines swære,

und vrâgte wâ er wære

(er wold in getrœstet hân)20

unde bat nâch ime gân.

und als in nieman envant,

nû was daz vil unbewant

swaz man ime dâ gerief,

wander gegen walde lief.

er was ein degen bewæret

und ein helt unerværet:

swie manhaft er doch wære

und swie unwandelbære

an lîbe unde an sinne,

doch meistert vrou Minne

daz im ein krankez wîp

verkêrte sinne unde lîp.

der ie ein rehter adamas

rîterlîcher tugende was,

der lief nû harte balde

ein tôre in dem walde.

Nû gap im got der guote,10

der in ûz sîner huote

dannoch niht volleclîche enliez,

daz im ein garzûn widerstiez,

der einen guoten bogen truoc:

den nam er im und strâlen gnuoc.

als in der hunger bestuont,

sô teter sam die tôren tuont:

in ist niht mêre witze kunt

niuwan diu eine umbe den munt.

er schôz prîslichen wol:20

ouch gienc der walt wildes vol:

swâ daz gestuont an sîn zil,

des schôz er ûz der mâze vil.

ouch muose erz selbe vâhen,

âne bracken ergâhen.

sone heter kezzel noch smalz,

weder pfeffer noch salz:

sîn salse was diu hungernôt,

diuz im briet unde sôt

daz ez ein süeziu spîse was

und wol vor hunger genas.

Dô er des lange gepflac,

er lief umb einen mitten tac

an ein niuweriute.

dane vander nie mê liute

wan einen einigen man:10

der selbe sach im daz wol an

daz er niht rehtes sinnes was.

der vlôch in, daz er genas,

dâ bî in sîn hiuselîn.

dane wânder doch niht sicher sîn

unde verrigelt im vaste de tür:

dâ stuont im der tôre vür.

der tôre dûht in alze grôz:

er gedâhte ‘tuot er einen stôz,

diu tür vert ûz dem angen,20

und ist um mich ergangen.

ich arme, wie genise ich?’

ze jungest dô verdâhter sich

‘ich wil im mînes brôtes gebn:

sô lât er mich vil lîhte lebn.’

Hie gienc ein venster durch die want:

dâ durch rahter die hant

und leit im ûf ein bret ein brôt:

daz suozt im diu hungers nôt;

wand er dâ vor, daz got wol weiz,

sô jæmerlîches nie enbeiz.

waz welt ir daz der tôre tuo?

er az daz brôt und tranc dâ zuo

eines wazzers daz er vant

in einem einber an der want,

unde rûmtez im ouch sâ.

der einsidel sach im nâ

und vlêget got vil sêre10

daz er in iemer mêre

erlieze selher geste;

wand er vil lützel weste

wie ez umbe in was gewant.

nu erzeicte der tôre zehant

daz der tôre und diu kint

vil lîhte ze wenenne sint.

er was dâ zuo gnuoc wîse

daz er nâch der spîse

dar wider kom in zwein tagen,20

und brâhte ein tier ûf im getragen

und warf im daz an die tür.

daz machte daz er im her vür

deste willeclîcher bôt

sîn wazzer unde sîn brôt:

erne vorht in dô niht mê

und was im bezzer danne ê,

und vant ditz ie dâ gereit.

ouch galt er im die arbeit

mit sînem wiltpræte.

daz wart mit ungeræte

gegerwet bî dem viure.

im was der pfeffer tiure,

daz salz, unde der ezzich.

ze jungest wenet er sich10

daz er die hiute veile truoc,

unde kouft in beiden gnuoc

des in zem lîbe was nôt,

salz unde bezzer brôt.

Sus twelte der unwîse

ze walde mit der spîse,

unze der edele tôre

wart gelîch eim môre

an allem sîme lîbe.

ob im von guotem wîbe20

ie dehein guot geschach,

ob er ie hundert sper zebrach,

gesluoc er viur ûz helme ie,

ob er mit manheit begie

deheinen loblîchen prîs,

wart er ie hövesch unde wîs,

wart er ie edel unde rîch:

dem ist er nû vil ungelîch.

Er lief nû nacket beider,

der sinne unde der cleider,30

unz in zeinen stunden

slâfende vunden

drie vrouwen dâ er lac,

wol umb einen mitten tac,

nâ ze guoter mâze

bî der lantstrâze

diu in ze rîten geschach.

und alsô schiere do in ersach

diu eine vrouwe von den drin,

dô kêrte sî über in

und sach in vlîzeclîchen an.10

nû jach des ein ieglich man

wie er verlorn wære:

daz was ein gengez mære

in allem dem lande:

und daz sî in erkande,

daz was des schult; und doch niht gar,

sî nam an im war

einer der wunden

diu ze manegen stunden

an im was wol erkant,20

unde nande in zehant.

Sî sprach her wider zuo den zwein

‘vrouwe, lebt her Îwein,

sô lît er âne zwîvel hie,

oder ichn gesach in nie.’

Ir höfscheit unde ir güete

beswârten ir gemüete,

daz sî von grôzer riuwe

und durch ir reine triuwe

vil sêre weinen began,30

daz eim alsô vrumen man

diu swacheit solte geschehn

daz er in den schanden wart gesehn.

Ez was diu eine von den drin

der zweier vrouwe under in:

nû sprach sî zuo ir vrouwen

‘vrouwe, ir mugt wol schouwen

daz er den sin hât verlorn.

von bezzern zühten wart geborn

nie rîter dehein

danne mîn her Îwein,

den ich sô swache sihe lebn.10

im ist benamen vergebn,

ode ez ist von minnen komen

daz im der sin ist benomen.

und ich weiz daz als mînen tôt

daz ir alle iuwer nôt,

die iu durch sînen übermuot

der grâve Âliers lange tuot

und noch ze tuonne willen hât,

schiere überwunden hât,

ober wirdet gesunt.20

mir ist sîn manheit wol kunt:

wirt er des lîbes gereit,

er hât in schiere hin geleit:

und sult ir ouch vor ime genesn,

daz muoz mit sîner helfe wesn.’

Diu vrouwe was des trôstes vrô.

sî sprach ‘unde ist der suht also

daz sî von dem hirne gât,

der tuon ich im vil guoten rât,

wand ich noch einer salben hân

die dâ Feimorgân

machte mit ir selber hant.

dâ ist ez umbe sô gewant

daz niemen hirnsühte lite,

wurd er bestrichen dâ mite,10

erne wurde dâ zestunt

wol varende unde gesunt.’

sus wurden sî ze râte

und riten alsô drâte

nâch der salben alle drî:

wand ir hûs was dâ bî

vil kûme in einer mîle.

nû wart der selben wîle

diu juncvrouwe wider gesant,

diu in noch slâfende vant.20

Diu vrouwe gebôt ir an daz lebn

dô sî ir hâte gegebn

die bühsen mit der salben,

daz si in allenthalben

niht bestriche dâ mite

wan dâ er die nôt lite,

dâ hiez sî sî strîchen an:

so entwiche diu suht dan,

under wær zehant genesn.

dâ mite es gnuoc möhte wesn,

daz hiez sî an in strîchen;

und daz si ir nämelîchen

bræhte wider daz ander teil:

daz wære maneges mannes heil.

ouch sante sî bî ir dan

vrischiu kleider, seit von gran

und cleine lînwât, zwei,

schuohe und hosen von sei.10

Nû reit sî alsô balde,

daz sî in in dem walde

dannoch slâfende vant,

und zôch ein pfert an der hant,

daz vil harte sanfte truoc

(ouch was der zoum rîche gnuoc,

daz gereite guot von golde),

daz er rîten solde,

ob ir daz got bescherte

daz sî in ernerte.20

Dô si in ligen sach als ê,

nûne tweltes niuwet mê,

sî hafte zeinem aste

diu pfert beidiu vaste,

und sleich alsô lîse dar

daz er ir niene wart gewar.

mit ter vil edelen salben

bestreich si in allenthalben

über houpt und über vüeze.

ir wille was sô süeze

daz sî daz alsô lange treip

unz in der bühsen niht beleip.

des wær doch alles unnôt,

dâ zuo und man irz verbôt;

wan daz si im den willen truoc,

esn dûhtes dannoch niht genuoc,10

und wær ir sehsstunt mê gewesn:

sô gerne sach sî in genesn.

Und dô siz gar an in gestreich,

vil drâte sî von im entweich,

wand sî daz wol erkande,

daz schemelîchiu schande

dem vrumen manne wê tuot,

und barc sich durch ir höfschen muot,

daz sî in sach und er sî niht.

sî gedâhte ‘ob daz geschiht20

daz er kumt ze sinnen,

und wirt er danne innen

daz ich in nacket hân gesehn,

sô ist mir übele geschehn:

wan des schamt er sich sô sêre

dazer mich nimmer mêre

willeclichen an gesiht.’

alsus enoucte sî sich niht

unz in diu salbe gar ergienc

und er ze sinnen gevienc.

Dô er sich ûf gerihte

und sich selben ane blihte

und sich sô griulîchen sach,

wider sich selben er dô sprach

‘bistuz Îwein, ode wer?

hân ich geslâfen unze her?10

wâfen, herre, wâfen,

sold ich dan nimmê slâfen!

wand mir mîn troum hât gegebn

ein vil harte rîchez lebn.

Ouwî waz ich êren pflac

die wîl ich slâfende lac!

mir hât getroumet michel tugent:

ich hete geburt unde jugent,

ich was schœne unde rîch

und diseme lîbe vil unglîch;20

ich was hövesch unde wîs

und hân vil manegen herten prîs

ze rîterschefte bejagt,

hât mir mîn troum niht missesagt.

ich bejagte swes ich gerte

mit sper und mit swerte:

mir ervaht mîn eines hant

ein schœne vrowen, ein rîchez lant;

wan daz ich ir doch pflac,

sô mir nû troumte, unmanegen tac,

unze mich der künec Artûs

von ir vuorte ze hûs.

mîn geselle was her Gâwein,

als mir in mîme troume schein.10

sî gap mir urloup ein jâr

(dazn ist allez niht wâr):

do beleip ich langer âne nôt,

unz sî mir ir hulde widerbôt:

die was ich ungerne âne.

in allem disem wâne

sô bin ich erwachet.

mich hete mîn troum gemachet

zeime rîchen herren.

nû waz möhte mir gewerren,20

wær ich in disen êren tôt?

er hât mich geffet âne nôt.

swer sich an troume kêret,

der ist wol gunêret.

Troum, wie wunderlich dû bist!

dû machest rîche in kurzer vrist

einen alsô swachen man

der nie nâch êren muot gewan:

swenner danne erwachet,

sô hâstû in gemachet

zeime tôren als ich.

zwâre doch versihe ich mich,10

swie rûch ich ein gebûre sî,

wær ich rîterschefte bî,

wær ich gewâfent unde geriten,

ich kund nâch rîterlîchen siten

alsô wol gebâren

als die ie rîter wâren.’

Alsus was er sîn selbes gast,

daz im des sinnes gebrast:

und ober ie rîter wart

und alle sîn umbevart20

die heter in dem mære

alss im getroumet wære.

er sprach ‘mich hât gelêret

mîn troum: der bin ich gêret,

mac ich ze harnasche komen.

der troum hât mir mîn reht benomen:

swie gar ich ein gebûre bin,

ez turnieret al mîn sin.

mîn herze ist mîme lîbe unglîch:

mîn lîp ist arm, mîn herze rîch.

ist mir getroumet mîn lebn?

ode wer hât mich her gegebn

sô rehte ungetânen?

ich möhte mich wol ânen

rîterlîches muotes:10

lîbes unde guotes

der gebrist mir beider.’

als er diu vrischen cleider

einhalp bî im ligen sach,

des wuudert in, unde sprach

‘ditz sint cleider der ich gnuoc

in mîme troume dicke truoc.

ichn sihe hie niemen des sî sîn:

ich bedarf ir wol: nû sints ouch mîn.

nû waz ob disiu sam tuont?20

sît daz mir ê sô wol stuont

in mîme troume rîch gewant.’

alsus cleiter sich zehant.

als er bedahte de swarzen lîch,

dô wart er eime rîter glîch.

Nu ersach diu juncvrouwe daz

daz er unlasterlichen saz:

sî saz in guoter kündekheit

ûf ir pferit unde reit,

als sî dâ vür wære gesant

und vuorte ein pfert an der hant.

weder si ensach dar noch ensprach.

dô er sî vür sich rîten sach,10

dô wærer ûf gesprungen,

wan daz er was bedwungen

mit selher siecheite

daz er sô wol gereite

niht ûf mohte gestân

sô er gerne hete getân,

unde rief ir hin nâch.

dô tete sî als ir wære gâch

und niht umb sîn geverte kunt,

unz er ir rief anderstunt.20

dô kêrte sî sâ

unde antwurt ime dâ.

sî sprach ‘wer ruofet mir? wer?’

er sprach ‘vrouwe, kêret her.’

sî sprach ‘herre, daz sî.’

sî reit dar, gehabt im bî.

sî sprach ‘gebietet über mich:

swaz ir gebietet, daz tuon ich,’

und vrâget in der mære

wie er dar komen wære.

Dô sprach her Îwein

als ez ouch wol an im schein

‘dâ hân ich mich hie vunden

des lîbes ungesunden.

ichn kan iu des gesagen niht

welch wunders geschiht

mich dâ her hât getragen:10

wan daz kan ich iu wol gesagen

daz ich hie ungerne bin.

nû vüeret mich mit iu hin:

sô handelt ir mich harte wol,

und gedienez immer als ich sol.’

‘rîter, daz sî getân.

ich wil mîn reise durch iuch lân:

mich het mîn vrouwe gesant.

diu ist ouch vrouwe über ditz lant:

zuo der vüer ich iuch mit mir.20

ich râte iu wol daz ir

geruot nâch iuwer arbeit.’

sus saz er ûf unde reit.

Nû vuorte sî in mit ir dan

zuo ir vrouwen. diu nie man

alsô gerne gesach.

man schuof im guoten gemach

von cleidern spîse unde bade,

unz daz im aller sîn schade

harte lützel an schein.

hie het her Îwein

sîne nôt überwunden

unde guoten wirt vunden.


Back to IndexNext