HEINRICH FRAUENLOB.[Scherer D.217,E.210.]Meister Heinrich von Meissen, Frauenlob genannt, ein fahrender Sänger; geboren zu Meissen 1250, gestorben 1318 zu Mainz. Gedichte herausgegeben von Ettmüller (Quedlinburg 1843). Frauenlob soll zu Mainz die erste Meistersängerschule gegründet haben.1.Ich saz ûf einer grüene[191]unt dâhte an maneger hande dinc,wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192]Gote iht wurde linc[193];dô kunde ich nie erdenken daz,daz mir iht töhte[194]ûf solher hande ger[195].Mîn blœdekeit wart küene10gedanke der ich vil verschriet[196];al nâch der werlte tücke[197]mîn kintheit[198]mir die wizze[199]riet,daz nieman ûf der êren saz[200]kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201].Ich strâfte vrouwen Êren,ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’si sûfte, unt sprach ‘du tumber,schaz hât mich leider überwegen[202].man mac mîn wol mit schazze pflegen:schaz âne tugent dêst[203]gegen mir ein kumber.’202.Swer Gotes brôt wil niezen[204]unt sîn bluot darzuo,sîn bîhte er tuoûz volles herzen gierde[205],sînes geistes wierde[206]habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierdekein bruch[207]in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des geloubenEr sol die Gotes vorhte in wârer minne haben,umb sie begrabender werlde lop, ir prîsen;er sol sich bewîsen10den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen,der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben.Er sol ouch lûterlich vergebenschult, missetât unt widerstreben,sô mac er webenein heilec leben;sîn herze ist Gotes tempel eben;Krist kan in solhen himeln sweben:die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]3.Wie tœtet man die sorgen?20wie wirt verwunnen[210]allez leit?wie wirt gekrenket[211]swære, wie senftet man grôz arebeit?wie leschet man des zornes vluot?wie wirt verschart[212]daz triwe muoz jâmer klagen?Wie tar[213]trôst vorhte bringen?wie wirt verjagt haz unde nît?wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214]herzen gît,nâch liebe sende[215]heilen tuot?swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen.Seht, als diu sunne erliuhtetden luft und alle vinsterheit, baz dürren[216]muot erviuhtet[217]ein reinez angesihte.daz touwet[218], regenet süezen lustin mannes herze, in mannes brust:jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].
HEINRICH FRAUENLOB.
[Scherer D.217,E.210.]
Meister Heinrich von Meissen, Frauenlob genannt, ein fahrender Sänger; geboren zu Meissen 1250, gestorben 1318 zu Mainz. Gedichte herausgegeben von Ettmüller (Quedlinburg 1843). Frauenlob soll zu Mainz die erste Meistersängerschule gegründet haben.
Meister Heinrich von Meissen, Frauenlob genannt, ein fahrender Sänger; geboren zu Meissen 1250, gestorben 1318 zu Mainz. Gedichte herausgegeben von Ettmüller (Quedlinburg 1843). Frauenlob soll zu Mainz die erste Meistersängerschule gegründet haben.
1.Ich saz ûf einer grüene[191]unt dâhte an maneger hande dinc,wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192]Gote iht wurde linc[193];dô kunde ich nie erdenken daz,daz mir iht töhte[194]ûf solher hande ger[195].Mîn blœdekeit wart küene10gedanke der ich vil verschriet[196];al nâch der werlte tücke[197]mîn kintheit[198]mir die wizze[199]riet,daz nieman ûf der êren saz[200]kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201].Ich strâfte vrouwen Êren,ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’si sûfte, unt sprach ‘du tumber,schaz hât mich leider überwegen[202].man mac mîn wol mit schazze pflegen:schaz âne tugent dêst[203]gegen mir ein kumber.’20
1.Ich saz ûf einer grüene[191]unt dâhte an maneger hande dinc,wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192]Gote iht wurde linc[193];dô kunde ich nie erdenken daz,daz mir iht töhte[194]ûf solher hande ger[195].Mîn blœdekeit wart küene10gedanke der ich vil verschriet[196];al nâch der werlte tücke[197]mîn kintheit[198]mir die wizze[199]riet,daz nieman ûf der êren saz[200]kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201].Ich strâfte vrouwen Êren,ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’si sûfte, unt sprach ‘du tumber,schaz hât mich leider überwegen[202].man mac mîn wol mit schazze pflegen:schaz âne tugent dêst[203]gegen mir ein kumber.’20
1.
1.
Ich saz ûf einer grüene[191]unt dâhte an maneger hande dinc,wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192]Gote iht wurde linc[193];dô kunde ich nie erdenken daz,daz mir iht töhte[194]ûf solher hande ger[195].Mîn blœdekeit wart küene10gedanke der ich vil verschriet[196];al nâch der werlte tücke[197]mîn kintheit[198]mir die wizze[199]riet,daz nieman ûf der êren saz[200]kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201].Ich strâfte vrouwen Êren,ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’si sûfte, unt sprach ‘du tumber,schaz hât mich leider überwegen[202].man mac mîn wol mit schazze pflegen:schaz âne tugent dêst[203]gegen mir ein kumber.’20
Ich saz ûf einer grüene[191]
unt dâhte an maneger hande dinc,
wie ich die werlt behielte, und ouch gên[192]Gote iht wurde linc[193];
dô kunde ich nie erdenken daz,
daz mir iht töhte[194]ûf solher hande ger[195].
Mîn blœdekeit wart küene10
gedanke der ich vil verschriet[196];
al nâch der werlte tücke[197]mîn kintheit[198]mir die wizze[199]riet,
daz nieman ûf der êren saz[200]
kum âne schaz: daz wart mîns herzen swer[201].
Ich strâfte vrouwen Êren,
ich sprach ‘ir sît ein kranke meit, lât ir iuch schaz verkêren.’
si sûfte, unt sprach ‘du tumber,
schaz hât mich leider überwegen[202].
man mac mîn wol mit schazze pflegen:
schaz âne tugent dêst[203]gegen mir ein kumber.’20
2.Swer Gotes brôt wil niezen[204]unt sîn bluot darzuo,sîn bîhte er tuoûz volles herzen gierde[205],sînes geistes wierde[206]habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierdekein bruch[207]in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des geloubenEr sol die Gotes vorhte in wârer minne haben,umb sie begrabender werlde lop, ir prîsen;er sol sich bewîsen10den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen,der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben.Er sol ouch lûterlich vergebenschult, missetât unt widerstreben,sô mac er webenein heilec leben;sîn herze ist Gotes tempel eben;Krist kan in solhen himeln sweben:die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]
2.Swer Gotes brôt wil niezen[204]unt sîn bluot darzuo,sîn bîhte er tuoûz volles herzen gierde[205],sînes geistes wierde[206]habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierdekein bruch[207]in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des geloubenEr sol die Gotes vorhte in wârer minne haben,umb sie begrabender werlde lop, ir prîsen;er sol sich bewîsen10den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen,der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben.Er sol ouch lûterlich vergebenschult, missetât unt widerstreben,sô mac er webenein heilec leben;sîn herze ist Gotes tempel eben;Krist kan in solhen himeln sweben:die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]
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Swer Gotes brôt wil niezen[204]unt sîn bluot darzuo,sîn bîhte er tuoûz volles herzen gierde[205],sînes geistes wierde[206]habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierdekein bruch[207]in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des geloubenEr sol die Gotes vorhte in wârer minne haben,umb sie begrabender werlde lop, ir prîsen;er sol sich bewîsen10den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen,der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben.Er sol ouch lûterlich vergebenschult, missetât unt widerstreben,sô mac er webenein heilec leben;sîn herze ist Gotes tempel eben;Krist kan in solhen himeln sweben:die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]
Swer Gotes brôt wil niezen[204]unt sîn bluot darzuo,
sîn bîhte er tuo
ûz volles herzen gierde[205],
sînes geistes wierde[206]
habe kiuschen muot unt reinez leben; in sô hôher zierde
kein bruch[207]in jage von Kristes ê[208]; mit kreften des gelouben
Er sol die Gotes vorhte in wârer minne haben,
umb sie begraben
der werlde lop, ir prîsen;
er sol sich bewîsen10
den vîenden sîn ein voller vriunt, wil er sich wol spîsen,
der ûzer lust sol sînen muot niht innekeit berouben.
Er sol ouch lûterlich vergeben
schult, missetât unt widerstreben,
sô mac er weben
ein heilec leben;
sîn herze ist Gotes tempel eben;
Krist kan in solhen himeln sweben:
die sô niht nemen daz lebende brôt, wê in, wê in, den touben![209]
3.Wie tœtet man die sorgen?20wie wirt verwunnen[210]allez leit?wie wirt gekrenket[211]swære, wie senftet man grôz arebeit?wie leschet man des zornes vluot?wie wirt verschart[212]daz triwe muoz jâmer klagen?Wie tar[213]trôst vorhte bringen?wie wirt verjagt haz unde nît?wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214]herzen gît,nâch liebe sende[215]heilen tuot?swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen.Seht, als diu sunne erliuhtetden luft und alle vinsterheit, baz dürren[216]muot erviuhtet[217]ein reinez angesihte.daz touwet[218], regenet süezen lustin mannes herze, in mannes brust:jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].
3.Wie tœtet man die sorgen?20wie wirt verwunnen[210]allez leit?wie wirt gekrenket[211]swære, wie senftet man grôz arebeit?wie leschet man des zornes vluot?wie wirt verschart[212]daz triwe muoz jâmer klagen?Wie tar[213]trôst vorhte bringen?wie wirt verjagt haz unde nît?wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214]herzen gît,nâch liebe sende[215]heilen tuot?swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen.Seht, als diu sunne erliuhtetden luft und alle vinsterheit, baz dürren[216]muot erviuhtet[217]ein reinez angesihte.daz touwet[218], regenet süezen lustin mannes herze, in mannes brust:jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].
3.
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Wie tœtet man die sorgen?20wie wirt verwunnen[210]allez leit?wie wirt gekrenket[211]swære, wie senftet man grôz arebeit?wie leschet man des zornes vluot?wie wirt verschart[212]daz triwe muoz jâmer klagen?Wie tar[213]trôst vorhte bringen?wie wirt verjagt haz unde nît?wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214]herzen gît,nâch liebe sende[215]heilen tuot?swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen.Seht, als diu sunne erliuhtetden luft und alle vinsterheit, baz dürren[216]muot erviuhtet[217]ein reinez angesihte.daz touwet[218], regenet süezen lustin mannes herze, in mannes brust:jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].
Wie tœtet man die sorgen?20
wie wirt verwunnen[210]allez leit?
wie wirt gekrenket[211]swære, wie senftet man grôz arebeit?
wie leschet man des zornes vluot?
wie wirt verschart[212]daz triwe muoz jâmer klagen?
Wie tar[213]trôst vorhte bringen?
wie wirt verjagt haz unde nît?
wie salbet man den smerzen, der senfteberndiu[214]herzen gît,
nâch liebe sende[215]heilen tuot?
swer vlêhet mich, dem wil ichz allez sagen.
Seht, als diu sunne erliuhtet
den luft und alle vinsterheit, baz dürren[216]muot erviuhtet[217]
ein reinez angesihte.
daz touwet[218], regenet süezen lust
in mannes herze, in mannes brust:
jâ, wîbes name, der wunsch ist dir gerihte[219].