THOMASIN VON ZIRCLARIA.

THOMASIN VON ZIRCLARIA.[Scherer D.222,E.214.]Ein Italiener, aus Friaul gebürtig, Domherr zu Aquileja. Sein Sittengedicht ‘Der wälsche Gast’ verfasst 1216; herausgegeben von H. Rückert (Quedlinburg 1852).Ich wil daz einr den andern êre,wellnt si volgen zühte lêre.ir deheiner sol zeiner türden andern allen dringen vür.10Bêde frouwen unde herrensulen vrömede liute êren:ist sîn ein vrömeder man niht wert,si habent sich selben geêrt;ist sîn aver wert der,sô habent si sîn bêde êr.man enweiz niht wer der vrömede ist:dâ von êre man in zaller vrist.swenn ze hove kumt ein vrömeder gast,diu kint suln im dienen vastsam er wær ir aller herre:daz ist der zühte wille und lêre.si sulen haben kiuschiu wort:wan daz ist der zühte hort.Ein vrouwe sol sich sehen lân,kumt zir ein vrömeder man:swelihiu sich niht sehen lât,diu sol ûz ir kemenâtsîn allenthalben unerkant;10büeze alsô, sî ungenant.ein vrouwe sol niht vrevelîchschimphen: daz stât vröuwelîch.ich wil ouch des verjehen:ein vrouwe sol niht vast an seheneinn vrümeden man: daz stât wol.ein edel juncherre solbêde rîter unde vrouwengezogenlîche gerne schouwen.Ein juncvrouwe sol senfticlîch20und niht lût sprechen sicherlîch.ein juncherre sol sîn so gereitdaz er vernem swaz man im seit,sô daz ez undurft sîdaz man im sage aver wî.zuht wert den vrouwen alln gemeinsitzen mit bein über bein.ein juncherr sol ûf ein banc,si sî kurz ode lanc,deheine wîse stên niht,ob er einn rîtr dâ sitzen siht.ein vrouwe sol ze deheiner zîttreten weder vast noch wît.wizzet daz ez ouch übel stêt,rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt.10ein vrouwe sol sich, daz geloubet,kêren gegen des pherftes houbetswenn si rîtet: man sol wizzen,si sol niht gar dwerhes sitzen.ein rîter sol niht vrevelîchzuo vrouwen rîten; sicherlîch,ein vrouwe erschraht hât dicke getânden sprunc der bezzer wær verlân.swer sînem rosse des verhenget,daz ez eine vrowen besprenget,20ich wæne wol daz sîn wîpouch âne meisterschaft belîp.zuht wert den rîtern alln gemeindaz si niht dicke schowen ir beinswenn si rîtnt: ich wæne woldaz man ûf sehen sol.ein vrowe sol recken niht ir hant,swenn si rît, vür ir gewant;si sol ir ougen unde ir houbetstille haben, daz geloubet.ein juncherr unde ein rîter solhie an sich ouch behüeten wol,daz er sîn hende habe still,swenner iht sprechen wil.er sol swingen niht sîn hendewider eins vrumen mannes zende.swer der zuht wol geloubet,10der sol setzn ûf niemens houbetsîn hant, der tiuwerr sî dan er,noch ûf sîn ahsel: daz ist êr.Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn,si sol niht âne hülle varn;si sol ir hül ze samen hân,ist si der garnatsch ân:lât si am lîbe iht sehen par,daz ist wider zuht gar.ein rîter sol niht vor vrouwen gên20parschinc, als ichz kan verstên.ein vrouwe sol niht hinder sichdicke sehen, dunket mich:si sol gên vür sich gerihtund sol vil umbe sehen niht,gedenke an ir zuht über al,ob si gehœre deheinen schal.ein juncvrouwe sol selten ihtsprechen, ob mans vrâget niht.ein vrowe sol ouch niht sprechen vil,ob si mir gelouben wil;und benamen swenn si izzet,sô sol si sprâchen niht, daz wizzet.Man sol sich zem tische vast bewarn,10der nâch rehte wil gebârn,da gehœret grôziu zuht zuo.ein iegelîch biderb wirt der tuowar ob si habent alle gnuoc.der gast der sî sô gevuocdaz er tuo diu glîche gar,sam er dâ nihtes neme war.swelich man sich rehte versinnet,swenner ezzen beginnet,so enrüer niht wan sîn ezzen an20mit der hant: deist wol getân.man sol daz brôt ezzen nihtê man bring d’ êrsten riht.ein man sol sich behüeten woldaz er niht legen solbêdenthalben in den munt.er sol sich hüeten zuo der stuntdaz er trinke und spreche nihtdi wîl er hab im munde iht.swer mit dem becher zem gesellensich kêrt sam er im geben welle,ê ern von dem munde tuo,den hât der wîn gebundn derzuoswer trinkend ûz dem becher siht,daz stât hüfschlîche niht.ein man sol niht sîn ze snelle,daz er neme von sîme gesellen,daz im dâ gevellet wol,wan man sînhalb ezzen sol.10man sol ezzen zaller vristmit der hant diu engegen ist.sitzet dîn gesell ze der rehten hant,mit der andern iz zehant.man sol ouch daz gerne wendendaz man nien ezz mit bêden henden.man sol ouch niht sîn ze snelle,daz man tuo mit sîme gesellenin die schüzzel sîne hant,wan er nimt si ûz ze hant.20der wirt sol ouch der spîse enpernder sîn geste niht engern,diu in ist ungemeine.der wolf izzet gerne eine:der olbent izzet eine niht,ob er des wilds iht bî im siht.dem volget der wirt mit êren bazdann dem wolve, wizzet daz.der wirt nâch dem ezzen soldaz wazzer geben: daz stât wol.dâ sol sich dehein kneht10denne dwahen: daz ist reht.wil sich dwahen ein juncherre,der sol gân einhalp verrevon den rîtrn und dwahe sich tougen:daz ist hüfsch und guot zen ougen.Ich will, dass Einer den Andern ehre,wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen.Keiner von ihnen soll an einer Thürden andren allen sich vordrängen.10Sowohl Frauen als Männersollen fremde Leute ehren:ist ein fremder Mann dessen nicht werth,so haben sie sich selbst geehrt;ist er aber dessen werth,so haben sie beide Ehre davon.Man weiss nicht, wer der Fremde ist,deshalb ehre man ihn zu aller Zeit.Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt,so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen,als ob er ihrer aller Herr wäre:das ist die Lehre und der Wille der Zucht;sie sollen bescheidne Worte sprechen:denn dies ist der Schatz der Zucht.Eine Frau soll sich sehen lassen,wenn ein fremder Mann zu ihr kommt:die welche sich nicht sehn lässt,die wird ausser ihrem Gemachallenthalben unbekannt sein;10sie büsse es also, und sei ungenannt.Eine (adeliche) Frau soll nicht keckscherzen: das steht ihr weiblich.Ich will auch das sagen:eine Frau soll nicht viel ansehneinen fremden Mann: das steht ihr wohl.Ein edler Junker sollsowohl Ritter als Frauenzüchtig gern anschauen.Eine Jungfrau soll sanft20und nicht laut sprechen sicherlich.Ein Junker soll so flink sein,dass er verstehe, was man ihm sagt,so dass es nicht Noth sei,dass man ihm wieder sage, wie.Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsammit dem Bein über dem Bein zu sitzen.Ein Junker soll auf eine Bank,sei sie kurz oder lang,in keiner Weise treten,wenn er einen Ritter da sitzen sieht.Eine Frau soll zu keiner Zeitweder schnell noch weit ausschreiten.Wisset, dass es auch übel steht,reitet ein Ritter, wo eine Frau geht.10Eine Frau soll sich, das glaubet,kehren gegen des Pferdes Haupt,wenn sie reitet: man soll wissen,sie soll nicht gar quer sitzen.Ein Ritter soll nicht keckauf Frauen losreiten sicherlich:eine Frau erschreckt hat oft gethaneinen Sprung der besser unterlassen worden wäre.Wer seinem Rosse das erlaubt,dass es eine Frau bespritzt,20ich wähne wohl, dass dessen Frauauch keinen guten Meister habe.Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam,dass sie nicht viel ihr Bein besehen,wenn sie reiten: ich wähne wohl,dass man in die Höhe sehn soll.Eine Frau soll nicht ihre Hand,wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken;sie soll ihre Augen und ihr Hauptstill halten, das glaubt.Ein Junker und ein Ritter sollauch das wohl in Acht haben,dass er die Hand still halte,wenn er etwas sprechen will:er soll seine Hände nicht schwingengegen die Zähne eines braven Mannes.Wer der Zucht wohl huldigt,10der soll auf Niemandes Hauptseine Hand legen, der vornehmer ist als er,noch auf seine Achsel: das ist Ehre.Will sich eine Frau mit Zucht bewahren,so soll sie nicht ohne Mantel gehn;sie soll ihren Mantel zusammenhalten,wenn sie kein langes Oberkleid hat:lässt sie am Körper etwas bloss sehn,das ist gar wider die Zucht.Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn20mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann.Eine Frau soll nicht vielhinter sich sehn, däucht mir:sie gehe vor sich hin geradeund sehe sich nicht viel um,gedenke an ihre Zucht überall,wenn sie irgend einen Lärm hört.Eine Jungfrau soll selten etwassprechen, wenn man sie nicht fragt.Eine Frau soll auch nicht viel sprechen,wenn sie mir glauben will;und besonders, wenn sie isst,so soll sie nicht sprechen, das wisst.Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen,10wenn man sich geziemend betragen will(da gehöret grosse Zucht zu).Ein jeder brave Wirth der habeAcht, ob sie alle genug haben;der Gast der sei so höflich,dass er dem gleich thue,als ob er da nichts bemerke.Wenn ein Mann sich recht darauf versteht:wenn er zu essen beginnt,so rühre er nur sein Essen an20mit der Hand: das ist wohl gethan.Man soll nicht das Brod essen,ehe man die ersten Gerichte bringt.Ein Mann soll sich wohl hüten,dass er nicht nehmen sollauf beiden Seiten in den Mund.Er soll sich zur Stund hüten,dass er nicht trinke und spreche,während er etwas im Munde hat.Wer mit dem Becher zu dem Nachbarnsich kehrt, als ob er ihm geben wollte,ehe er ihn von dem Mund thut,den hat der Wein daran gebunden.Wer trinkend aus dem Becher sieht,das ist höfischer Sitte nicht gemäss.Ein Mann soll nicht zu schnell sein,dass er von seinem Genossen nimmt,was ihm da wohl gefällt;denn man soll nur seinen Theil essen.10Man soll essen zu aller Zeitmit der Hand, die entgegen ist.Sitzt der Freund zur rechten Hand,so iss sofort mit der andern Hand.Man soll auch das gern vermeiden,dass man nie mit beiden Händen esse.Man soll auch nicht zu schnell sein,dass man mit dem Tischgenossenin die Schüssel seine Hand thue,wenn er sie eben herausnimmt.20Der Wirth soll auch der Speise entbehren,deren seine Gäste nicht begehren,und die ihnen nicht genehm ist.Der Wolf isst gern allein,das Kameel isst nicht alleinwenn es irgend ein Thier bei sich sieht.Diesem folgt der Wirth mit Ehren besserals dem Wolfe, wisset das.Der Wirth soll nach dem Essendas Wasser geben, das steht ihm wohl.Da soll sich kein Knecht10dann (die Hände) waschen, das ist recht;will sich ein Junker (die Hände) waschen,der gehe weit seitwärtsvon den Rittern und wasche sich heimlich:das ist höfisch und gesund für die Augen.

THOMASIN VON ZIRCLARIA.

[Scherer D.222,E.214.]

Ein Italiener, aus Friaul gebürtig, Domherr zu Aquileja. Sein Sittengedicht ‘Der wälsche Gast’ verfasst 1216; herausgegeben von H. Rückert (Quedlinburg 1852).

Ein Italiener, aus Friaul gebürtig, Domherr zu Aquileja. Sein Sittengedicht ‘Der wälsche Gast’ verfasst 1216; herausgegeben von H. Rückert (Quedlinburg 1852).

Ich wil daz einr den andern êre,wellnt si volgen zühte lêre.ir deheiner sol zeiner türden andern allen dringen vür.10Bêde frouwen unde herrensulen vrömede liute êren:ist sîn ein vrömeder man niht wert,si habent sich selben geêrt;ist sîn aver wert der,sô habent si sîn bêde êr.man enweiz niht wer der vrömede ist:dâ von êre man in zaller vrist.swenn ze hove kumt ein vrömeder gast,diu kint suln im dienen vastsam er wær ir aller herre:daz ist der zühte wille und lêre.si sulen haben kiuschiu wort:wan daz ist der zühte hort.Ein vrouwe sol sich sehen lân,kumt zir ein vrömeder man:swelihiu sich niht sehen lât,diu sol ûz ir kemenâtsîn allenthalben unerkant;10büeze alsô, sî ungenant.ein vrouwe sol niht vrevelîchschimphen: daz stât vröuwelîch.ich wil ouch des verjehen:ein vrouwe sol niht vast an seheneinn vrümeden man: daz stât wol.ein edel juncherre solbêde rîter unde vrouwengezogenlîche gerne schouwen.Ein juncvrouwe sol senfticlîch20und niht lût sprechen sicherlîch.ein juncherre sol sîn so gereitdaz er vernem swaz man im seit,sô daz ez undurft sîdaz man im sage aver wî.zuht wert den vrouwen alln gemeinsitzen mit bein über bein.ein juncherr sol ûf ein banc,si sî kurz ode lanc,deheine wîse stên niht,ob er einn rîtr dâ sitzen siht.ein vrouwe sol ze deheiner zîttreten weder vast noch wît.wizzet daz ez ouch übel stêt,rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt.10ein vrouwe sol sich, daz geloubet,kêren gegen des pherftes houbetswenn si rîtet: man sol wizzen,si sol niht gar dwerhes sitzen.ein rîter sol niht vrevelîchzuo vrouwen rîten; sicherlîch,ein vrouwe erschraht hât dicke getânden sprunc der bezzer wær verlân.swer sînem rosse des verhenget,daz ez eine vrowen besprenget,20ich wæne wol daz sîn wîpouch âne meisterschaft belîp.zuht wert den rîtern alln gemeindaz si niht dicke schowen ir beinswenn si rîtnt: ich wæne woldaz man ûf sehen sol.ein vrowe sol recken niht ir hant,swenn si rît, vür ir gewant;si sol ir ougen unde ir houbetstille haben, daz geloubet.ein juncherr unde ein rîter solhie an sich ouch behüeten wol,daz er sîn hende habe still,swenner iht sprechen wil.er sol swingen niht sîn hendewider eins vrumen mannes zende.swer der zuht wol geloubet,10der sol setzn ûf niemens houbetsîn hant, der tiuwerr sî dan er,noch ûf sîn ahsel: daz ist êr.Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn,si sol niht âne hülle varn;si sol ir hül ze samen hân,ist si der garnatsch ân:lât si am lîbe iht sehen par,daz ist wider zuht gar.ein rîter sol niht vor vrouwen gên20parschinc, als ichz kan verstên.ein vrouwe sol niht hinder sichdicke sehen, dunket mich:si sol gên vür sich gerihtund sol vil umbe sehen niht,gedenke an ir zuht über al,ob si gehœre deheinen schal.ein juncvrouwe sol selten ihtsprechen, ob mans vrâget niht.ein vrowe sol ouch niht sprechen vil,ob si mir gelouben wil;und benamen swenn si izzet,sô sol si sprâchen niht, daz wizzet.Man sol sich zem tische vast bewarn,10der nâch rehte wil gebârn,da gehœret grôziu zuht zuo.ein iegelîch biderb wirt der tuowar ob si habent alle gnuoc.der gast der sî sô gevuocdaz er tuo diu glîche gar,sam er dâ nihtes neme war.swelich man sich rehte versinnet,swenner ezzen beginnet,so enrüer niht wan sîn ezzen an20mit der hant: deist wol getân.man sol daz brôt ezzen nihtê man bring d’ êrsten riht.ein man sol sich behüeten woldaz er niht legen solbêdenthalben in den munt.er sol sich hüeten zuo der stuntdaz er trinke und spreche nihtdi wîl er hab im munde iht.swer mit dem becher zem gesellensich kêrt sam er im geben welle,ê ern von dem munde tuo,den hât der wîn gebundn derzuoswer trinkend ûz dem becher siht,daz stât hüfschlîche niht.ein man sol niht sîn ze snelle,daz er neme von sîme gesellen,daz im dâ gevellet wol,wan man sînhalb ezzen sol.10man sol ezzen zaller vristmit der hant diu engegen ist.sitzet dîn gesell ze der rehten hant,mit der andern iz zehant.man sol ouch daz gerne wendendaz man nien ezz mit bêden henden.man sol ouch niht sîn ze snelle,daz man tuo mit sîme gesellenin die schüzzel sîne hant,wan er nimt si ûz ze hant.20der wirt sol ouch der spîse enpernder sîn geste niht engern,diu in ist ungemeine.der wolf izzet gerne eine:der olbent izzet eine niht,ob er des wilds iht bî im siht.dem volget der wirt mit êren bazdann dem wolve, wizzet daz.der wirt nâch dem ezzen soldaz wazzer geben: daz stât wol.dâ sol sich dehein kneht10denne dwahen: daz ist reht.wil sich dwahen ein juncherre,der sol gân einhalp verrevon den rîtrn und dwahe sich tougen:daz ist hüfsch und guot zen ougen.

Ich wil daz einr den andern êre,wellnt si volgen zühte lêre.ir deheiner sol zeiner türden andern allen dringen vür.10Bêde frouwen unde herrensulen vrömede liute êren:ist sîn ein vrömeder man niht wert,si habent sich selben geêrt;ist sîn aver wert der,sô habent si sîn bêde êr.man enweiz niht wer der vrömede ist:dâ von êre man in zaller vrist.swenn ze hove kumt ein vrömeder gast,diu kint suln im dienen vastsam er wær ir aller herre:daz ist der zühte wille und lêre.si sulen haben kiuschiu wort:wan daz ist der zühte hort.Ein vrouwe sol sich sehen lân,kumt zir ein vrömeder man:swelihiu sich niht sehen lât,diu sol ûz ir kemenâtsîn allenthalben unerkant;10büeze alsô, sî ungenant.ein vrouwe sol niht vrevelîchschimphen: daz stât vröuwelîch.ich wil ouch des verjehen:ein vrouwe sol niht vast an seheneinn vrümeden man: daz stât wol.ein edel juncherre solbêde rîter unde vrouwengezogenlîche gerne schouwen.Ein juncvrouwe sol senfticlîch20und niht lût sprechen sicherlîch.ein juncherre sol sîn so gereitdaz er vernem swaz man im seit,sô daz ez undurft sîdaz man im sage aver wî.zuht wert den vrouwen alln gemeinsitzen mit bein über bein.ein juncherr sol ûf ein banc,si sî kurz ode lanc,deheine wîse stên niht,ob er einn rîtr dâ sitzen siht.ein vrouwe sol ze deheiner zîttreten weder vast noch wît.wizzet daz ez ouch übel stêt,rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt.10ein vrouwe sol sich, daz geloubet,kêren gegen des pherftes houbetswenn si rîtet: man sol wizzen,si sol niht gar dwerhes sitzen.ein rîter sol niht vrevelîchzuo vrouwen rîten; sicherlîch,ein vrouwe erschraht hât dicke getânden sprunc der bezzer wær verlân.swer sînem rosse des verhenget,daz ez eine vrowen besprenget,20ich wæne wol daz sîn wîpouch âne meisterschaft belîp.zuht wert den rîtern alln gemeindaz si niht dicke schowen ir beinswenn si rîtnt: ich wæne woldaz man ûf sehen sol.ein vrowe sol recken niht ir hant,swenn si rît, vür ir gewant;si sol ir ougen unde ir houbetstille haben, daz geloubet.ein juncherr unde ein rîter solhie an sich ouch behüeten wol,daz er sîn hende habe still,swenner iht sprechen wil.er sol swingen niht sîn hendewider eins vrumen mannes zende.swer der zuht wol geloubet,10der sol setzn ûf niemens houbetsîn hant, der tiuwerr sî dan er,noch ûf sîn ahsel: daz ist êr.Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn,si sol niht âne hülle varn;si sol ir hül ze samen hân,ist si der garnatsch ân:lât si am lîbe iht sehen par,daz ist wider zuht gar.ein rîter sol niht vor vrouwen gên20parschinc, als ichz kan verstên.ein vrouwe sol niht hinder sichdicke sehen, dunket mich:si sol gên vür sich gerihtund sol vil umbe sehen niht,gedenke an ir zuht über al,ob si gehœre deheinen schal.ein juncvrouwe sol selten ihtsprechen, ob mans vrâget niht.ein vrowe sol ouch niht sprechen vil,ob si mir gelouben wil;und benamen swenn si izzet,sô sol si sprâchen niht, daz wizzet.Man sol sich zem tische vast bewarn,10der nâch rehte wil gebârn,da gehœret grôziu zuht zuo.ein iegelîch biderb wirt der tuowar ob si habent alle gnuoc.der gast der sî sô gevuocdaz er tuo diu glîche gar,sam er dâ nihtes neme war.swelich man sich rehte versinnet,swenner ezzen beginnet,so enrüer niht wan sîn ezzen an20mit der hant: deist wol getân.man sol daz brôt ezzen nihtê man bring d’ êrsten riht.ein man sol sich behüeten woldaz er niht legen solbêdenthalben in den munt.er sol sich hüeten zuo der stuntdaz er trinke und spreche nihtdi wîl er hab im munde iht.swer mit dem becher zem gesellensich kêrt sam er im geben welle,ê ern von dem munde tuo,den hât der wîn gebundn derzuoswer trinkend ûz dem becher siht,daz stât hüfschlîche niht.ein man sol niht sîn ze snelle,daz er neme von sîme gesellen,daz im dâ gevellet wol,wan man sînhalb ezzen sol.10man sol ezzen zaller vristmit der hant diu engegen ist.sitzet dîn gesell ze der rehten hant,mit der andern iz zehant.man sol ouch daz gerne wendendaz man nien ezz mit bêden henden.man sol ouch niht sîn ze snelle,daz man tuo mit sîme gesellenin die schüzzel sîne hant,wan er nimt si ûz ze hant.20der wirt sol ouch der spîse enpernder sîn geste niht engern,diu in ist ungemeine.der wolf izzet gerne eine:der olbent izzet eine niht,ob er des wilds iht bî im siht.dem volget der wirt mit êren bazdann dem wolve, wizzet daz.der wirt nâch dem ezzen soldaz wazzer geben: daz stât wol.dâ sol sich dehein kneht10denne dwahen: daz ist reht.wil sich dwahen ein juncherre,der sol gân einhalp verrevon den rîtrn und dwahe sich tougen:daz ist hüfsch und guot zen ougen.

Ich wil daz einr den andern êre,wellnt si volgen zühte lêre.ir deheiner sol zeiner türden andern allen dringen vür.10Bêde frouwen unde herrensulen vrömede liute êren:ist sîn ein vrömeder man niht wert,si habent sich selben geêrt;ist sîn aver wert der,sô habent si sîn bêde êr.man enweiz niht wer der vrömede ist:dâ von êre man in zaller vrist.swenn ze hove kumt ein vrömeder gast,diu kint suln im dienen vastsam er wær ir aller herre:daz ist der zühte wille und lêre.si sulen haben kiuschiu wort:wan daz ist der zühte hort.Ein vrouwe sol sich sehen lân,kumt zir ein vrömeder man:swelihiu sich niht sehen lât,diu sol ûz ir kemenâtsîn allenthalben unerkant;10büeze alsô, sî ungenant.ein vrouwe sol niht vrevelîchschimphen: daz stât vröuwelîch.ich wil ouch des verjehen:ein vrouwe sol niht vast an seheneinn vrümeden man: daz stât wol.ein edel juncherre solbêde rîter unde vrouwengezogenlîche gerne schouwen.Ein juncvrouwe sol senfticlîch20und niht lût sprechen sicherlîch.ein juncherre sol sîn so gereitdaz er vernem swaz man im seit,sô daz ez undurft sîdaz man im sage aver wî.zuht wert den vrouwen alln gemeinsitzen mit bein über bein.ein juncherr sol ûf ein banc,si sî kurz ode lanc,deheine wîse stên niht,ob er einn rîtr dâ sitzen siht.ein vrouwe sol ze deheiner zîttreten weder vast noch wît.wizzet daz ez ouch übel stêt,rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt.10ein vrouwe sol sich, daz geloubet,kêren gegen des pherftes houbetswenn si rîtet: man sol wizzen,si sol niht gar dwerhes sitzen.ein rîter sol niht vrevelîchzuo vrouwen rîten; sicherlîch,ein vrouwe erschraht hât dicke getânden sprunc der bezzer wær verlân.swer sînem rosse des verhenget,daz ez eine vrowen besprenget,20ich wæne wol daz sîn wîpouch âne meisterschaft belîp.zuht wert den rîtern alln gemeindaz si niht dicke schowen ir beinswenn si rîtnt: ich wæne woldaz man ûf sehen sol.ein vrowe sol recken niht ir hant,swenn si rît, vür ir gewant;si sol ir ougen unde ir houbetstille haben, daz geloubet.ein juncherr unde ein rîter solhie an sich ouch behüeten wol,daz er sîn hende habe still,swenner iht sprechen wil.er sol swingen niht sîn hendewider eins vrumen mannes zende.swer der zuht wol geloubet,10der sol setzn ûf niemens houbetsîn hant, der tiuwerr sî dan er,noch ûf sîn ahsel: daz ist êr.Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn,si sol niht âne hülle varn;si sol ir hül ze samen hân,ist si der garnatsch ân:lât si am lîbe iht sehen par,daz ist wider zuht gar.ein rîter sol niht vor vrouwen gên20parschinc, als ichz kan verstên.ein vrouwe sol niht hinder sichdicke sehen, dunket mich:si sol gên vür sich gerihtund sol vil umbe sehen niht,gedenke an ir zuht über al,ob si gehœre deheinen schal.ein juncvrouwe sol selten ihtsprechen, ob mans vrâget niht.ein vrowe sol ouch niht sprechen vil,ob si mir gelouben wil;und benamen swenn si izzet,sô sol si sprâchen niht, daz wizzet.Man sol sich zem tische vast bewarn,10der nâch rehte wil gebârn,da gehœret grôziu zuht zuo.ein iegelîch biderb wirt der tuowar ob si habent alle gnuoc.der gast der sî sô gevuocdaz er tuo diu glîche gar,sam er dâ nihtes neme war.swelich man sich rehte versinnet,swenner ezzen beginnet,so enrüer niht wan sîn ezzen an20mit der hant: deist wol getân.man sol daz brôt ezzen nihtê man bring d’ êrsten riht.ein man sol sich behüeten woldaz er niht legen solbêdenthalben in den munt.er sol sich hüeten zuo der stuntdaz er trinke und spreche nihtdi wîl er hab im munde iht.swer mit dem becher zem gesellensich kêrt sam er im geben welle,ê ern von dem munde tuo,den hât der wîn gebundn derzuoswer trinkend ûz dem becher siht,daz stât hüfschlîche niht.ein man sol niht sîn ze snelle,daz er neme von sîme gesellen,daz im dâ gevellet wol,wan man sînhalb ezzen sol.10man sol ezzen zaller vristmit der hant diu engegen ist.sitzet dîn gesell ze der rehten hant,mit der andern iz zehant.man sol ouch daz gerne wendendaz man nien ezz mit bêden henden.man sol ouch niht sîn ze snelle,daz man tuo mit sîme gesellenin die schüzzel sîne hant,wan er nimt si ûz ze hant.20der wirt sol ouch der spîse enpernder sîn geste niht engern,diu in ist ungemeine.der wolf izzet gerne eine:der olbent izzet eine niht,ob er des wilds iht bî im siht.dem volget der wirt mit êren bazdann dem wolve, wizzet daz.der wirt nâch dem ezzen soldaz wazzer geben: daz stât wol.dâ sol sich dehein kneht10denne dwahen: daz ist reht.wil sich dwahen ein juncherre,der sol gân einhalp verrevon den rîtrn und dwahe sich tougen:daz ist hüfsch und guot zen ougen.

Ich wil daz einr den andern êre,

wellnt si volgen zühte lêre.

ir deheiner sol zeiner tür

den andern allen dringen vür.10

Bêde frouwen unde herren

sulen vrömede liute êren:

ist sîn ein vrömeder man niht wert,

si habent sich selben geêrt;

ist sîn aver wert der,

sô habent si sîn bêde êr.

man enweiz niht wer der vrömede ist:

dâ von êre man in zaller vrist.

swenn ze hove kumt ein vrömeder gast,

diu kint suln im dienen vast

sam er wær ir aller herre:

daz ist der zühte wille und lêre.

si sulen haben kiuschiu wort:

wan daz ist der zühte hort.

Ein vrouwe sol sich sehen lân,

kumt zir ein vrömeder man:

swelihiu sich niht sehen lât,

diu sol ûz ir kemenât

sîn allenthalben unerkant;10

büeze alsô, sî ungenant.

ein vrouwe sol niht vrevelîch

schimphen: daz stât vröuwelîch.

ich wil ouch des verjehen:

ein vrouwe sol niht vast an sehen

einn vrümeden man: daz stât wol.

ein edel juncherre sol

bêde rîter unde vrouwen

gezogenlîche gerne schouwen.

Ein juncvrouwe sol senfticlîch20

und niht lût sprechen sicherlîch.

ein juncherre sol sîn so gereit

daz er vernem swaz man im seit,

sô daz ez undurft sî

daz man im sage aver wî.

zuht wert den vrouwen alln gemein

sitzen mit bein über bein.

ein juncherr sol ûf ein banc,

si sî kurz ode lanc,

deheine wîse stên niht,

ob er einn rîtr dâ sitzen siht.

ein vrouwe sol ze deheiner zît

treten weder vast noch wît.

wizzet daz ez ouch übel stêt,

rît ein rîtr dâ ein vrouwe gêt.10

ein vrouwe sol sich, daz geloubet,

kêren gegen des pherftes houbet

swenn si rîtet: man sol wizzen,

si sol niht gar dwerhes sitzen.

ein rîter sol niht vrevelîch

zuo vrouwen rîten; sicherlîch,

ein vrouwe erschraht hât dicke getân

den sprunc der bezzer wær verlân.

swer sînem rosse des verhenget,

daz ez eine vrowen besprenget,20

ich wæne wol daz sîn wîp

ouch âne meisterschaft belîp.

zuht wert den rîtern alln gemein

daz si niht dicke schowen ir bein

swenn si rîtnt: ich wæne wol

daz man ûf sehen sol.

ein vrowe sol recken niht ir hant,

swenn si rît, vür ir gewant;

si sol ir ougen unde ir houbet

stille haben, daz geloubet.

ein juncherr unde ein rîter sol

hie an sich ouch behüeten wol,

daz er sîn hende habe still,

swenner iht sprechen wil.

er sol swingen niht sîn hende

wider eins vrumen mannes zende.

swer der zuht wol geloubet,10

der sol setzn ûf niemens houbet

sîn hant, der tiuwerr sî dan er,

noch ûf sîn ahsel: daz ist êr.

Wil sich ein vrowe mit zuht bewarn,

si sol niht âne hülle varn;

si sol ir hül ze samen hân,

ist si der garnatsch ân:

lât si am lîbe iht sehen par,

daz ist wider zuht gar.

ein rîter sol niht vor vrouwen gên20

parschinc, als ichz kan verstên.

ein vrouwe sol niht hinder sich

dicke sehen, dunket mich:

si sol gên vür sich geriht

und sol vil umbe sehen niht,

gedenke an ir zuht über al,

ob si gehœre deheinen schal.

ein juncvrouwe sol selten iht

sprechen, ob mans vrâget niht.

ein vrowe sol ouch niht sprechen vil,

ob si mir gelouben wil;

und benamen swenn si izzet,

sô sol si sprâchen niht, daz wizzet.

Man sol sich zem tische vast bewarn,10

der nâch rehte wil gebârn,

da gehœret grôziu zuht zuo.

ein iegelîch biderb wirt der tuo

war ob si habent alle gnuoc.

der gast der sî sô gevuoc

daz er tuo diu glîche gar,

sam er dâ nihtes neme war.

swelich man sich rehte versinnet,

swenner ezzen beginnet,

so enrüer niht wan sîn ezzen an20

mit der hant: deist wol getân.

man sol daz brôt ezzen niht

ê man bring d’ êrsten riht.

ein man sol sich behüeten wol

daz er niht legen sol

bêdenthalben in den munt.

er sol sich hüeten zuo der stunt

daz er trinke und spreche niht

di wîl er hab im munde iht.

swer mit dem becher zem gesellen

sich kêrt sam er im geben welle,

ê ern von dem munde tuo,

den hât der wîn gebundn derzuo

swer trinkend ûz dem becher siht,

daz stât hüfschlîche niht.

ein man sol niht sîn ze snelle,

daz er neme von sîme gesellen,

daz im dâ gevellet wol,

wan man sînhalb ezzen sol.10

man sol ezzen zaller vrist

mit der hant diu engegen ist.

sitzet dîn gesell ze der rehten hant,

mit der andern iz zehant.

man sol ouch daz gerne wenden

daz man nien ezz mit bêden henden.

man sol ouch niht sîn ze snelle,

daz man tuo mit sîme gesellen

in die schüzzel sîne hant,

wan er nimt si ûz ze hant.20

der wirt sol ouch der spîse enpern

der sîn geste niht engern,

diu in ist ungemeine.

der wolf izzet gerne eine:

der olbent izzet eine niht,

ob er des wilds iht bî im siht.

dem volget der wirt mit êren baz

dann dem wolve, wizzet daz.

der wirt nâch dem ezzen sol

daz wazzer geben: daz stât wol.

dâ sol sich dehein kneht10

denne dwahen: daz ist reht.

wil sich dwahen ein juncherre,

der sol gân einhalp verre

von den rîtrn und dwahe sich tougen:

daz ist hüfsch und guot zen ougen.

Ich will, dass Einer den Andern ehre,wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen.Keiner von ihnen soll an einer Thürden andren allen sich vordrängen.10Sowohl Frauen als Männersollen fremde Leute ehren:ist ein fremder Mann dessen nicht werth,so haben sie sich selbst geehrt;ist er aber dessen werth,so haben sie beide Ehre davon.Man weiss nicht, wer der Fremde ist,deshalb ehre man ihn zu aller Zeit.Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt,so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen,als ob er ihrer aller Herr wäre:das ist die Lehre und der Wille der Zucht;sie sollen bescheidne Worte sprechen:denn dies ist der Schatz der Zucht.Eine Frau soll sich sehen lassen,wenn ein fremder Mann zu ihr kommt:die welche sich nicht sehn lässt,die wird ausser ihrem Gemachallenthalben unbekannt sein;10sie büsse es also, und sei ungenannt.Eine (adeliche) Frau soll nicht keckscherzen: das steht ihr weiblich.Ich will auch das sagen:eine Frau soll nicht viel ansehneinen fremden Mann: das steht ihr wohl.Ein edler Junker sollsowohl Ritter als Frauenzüchtig gern anschauen.Eine Jungfrau soll sanft20und nicht laut sprechen sicherlich.Ein Junker soll so flink sein,dass er verstehe, was man ihm sagt,so dass es nicht Noth sei,dass man ihm wieder sage, wie.Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsammit dem Bein über dem Bein zu sitzen.Ein Junker soll auf eine Bank,sei sie kurz oder lang,in keiner Weise treten,wenn er einen Ritter da sitzen sieht.Eine Frau soll zu keiner Zeitweder schnell noch weit ausschreiten.Wisset, dass es auch übel steht,reitet ein Ritter, wo eine Frau geht.10Eine Frau soll sich, das glaubet,kehren gegen des Pferdes Haupt,wenn sie reitet: man soll wissen,sie soll nicht gar quer sitzen.Ein Ritter soll nicht keckauf Frauen losreiten sicherlich:eine Frau erschreckt hat oft gethaneinen Sprung der besser unterlassen worden wäre.Wer seinem Rosse das erlaubt,dass es eine Frau bespritzt,20ich wähne wohl, dass dessen Frauauch keinen guten Meister habe.Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam,dass sie nicht viel ihr Bein besehen,wenn sie reiten: ich wähne wohl,dass man in die Höhe sehn soll.Eine Frau soll nicht ihre Hand,wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken;sie soll ihre Augen und ihr Hauptstill halten, das glaubt.Ein Junker und ein Ritter sollauch das wohl in Acht haben,dass er die Hand still halte,wenn er etwas sprechen will:er soll seine Hände nicht schwingengegen die Zähne eines braven Mannes.Wer der Zucht wohl huldigt,10der soll auf Niemandes Hauptseine Hand legen, der vornehmer ist als er,noch auf seine Achsel: das ist Ehre.Will sich eine Frau mit Zucht bewahren,so soll sie nicht ohne Mantel gehn;sie soll ihren Mantel zusammenhalten,wenn sie kein langes Oberkleid hat:lässt sie am Körper etwas bloss sehn,das ist gar wider die Zucht.Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn20mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann.Eine Frau soll nicht vielhinter sich sehn, däucht mir:sie gehe vor sich hin geradeund sehe sich nicht viel um,gedenke an ihre Zucht überall,wenn sie irgend einen Lärm hört.Eine Jungfrau soll selten etwassprechen, wenn man sie nicht fragt.Eine Frau soll auch nicht viel sprechen,wenn sie mir glauben will;und besonders, wenn sie isst,so soll sie nicht sprechen, das wisst.Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen,10wenn man sich geziemend betragen will(da gehöret grosse Zucht zu).Ein jeder brave Wirth der habeAcht, ob sie alle genug haben;der Gast der sei so höflich,dass er dem gleich thue,als ob er da nichts bemerke.Wenn ein Mann sich recht darauf versteht:wenn er zu essen beginnt,so rühre er nur sein Essen an20mit der Hand: das ist wohl gethan.Man soll nicht das Brod essen,ehe man die ersten Gerichte bringt.Ein Mann soll sich wohl hüten,dass er nicht nehmen sollauf beiden Seiten in den Mund.Er soll sich zur Stund hüten,dass er nicht trinke und spreche,während er etwas im Munde hat.Wer mit dem Becher zu dem Nachbarnsich kehrt, als ob er ihm geben wollte,ehe er ihn von dem Mund thut,den hat der Wein daran gebunden.Wer trinkend aus dem Becher sieht,das ist höfischer Sitte nicht gemäss.Ein Mann soll nicht zu schnell sein,dass er von seinem Genossen nimmt,was ihm da wohl gefällt;denn man soll nur seinen Theil essen.10Man soll essen zu aller Zeitmit der Hand, die entgegen ist.Sitzt der Freund zur rechten Hand,so iss sofort mit der andern Hand.Man soll auch das gern vermeiden,dass man nie mit beiden Händen esse.Man soll auch nicht zu schnell sein,dass man mit dem Tischgenossenin die Schüssel seine Hand thue,wenn er sie eben herausnimmt.20Der Wirth soll auch der Speise entbehren,deren seine Gäste nicht begehren,und die ihnen nicht genehm ist.Der Wolf isst gern allein,das Kameel isst nicht alleinwenn es irgend ein Thier bei sich sieht.Diesem folgt der Wirth mit Ehren besserals dem Wolfe, wisset das.Der Wirth soll nach dem Essendas Wasser geben, das steht ihm wohl.Da soll sich kein Knecht10dann (die Hände) waschen, das ist recht;will sich ein Junker (die Hände) waschen,der gehe weit seitwärtsvon den Rittern und wasche sich heimlich:das ist höfisch und gesund für die Augen.

Ich will, dass Einer den Andern ehre,wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen.Keiner von ihnen soll an einer Thürden andren allen sich vordrängen.10Sowohl Frauen als Männersollen fremde Leute ehren:ist ein fremder Mann dessen nicht werth,so haben sie sich selbst geehrt;ist er aber dessen werth,so haben sie beide Ehre davon.Man weiss nicht, wer der Fremde ist,deshalb ehre man ihn zu aller Zeit.Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt,so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen,als ob er ihrer aller Herr wäre:das ist die Lehre und der Wille der Zucht;sie sollen bescheidne Worte sprechen:denn dies ist der Schatz der Zucht.Eine Frau soll sich sehen lassen,wenn ein fremder Mann zu ihr kommt:die welche sich nicht sehn lässt,die wird ausser ihrem Gemachallenthalben unbekannt sein;10sie büsse es also, und sei ungenannt.Eine (adeliche) Frau soll nicht keckscherzen: das steht ihr weiblich.Ich will auch das sagen:eine Frau soll nicht viel ansehneinen fremden Mann: das steht ihr wohl.Ein edler Junker sollsowohl Ritter als Frauenzüchtig gern anschauen.Eine Jungfrau soll sanft20und nicht laut sprechen sicherlich.Ein Junker soll so flink sein,dass er verstehe, was man ihm sagt,so dass es nicht Noth sei,dass man ihm wieder sage, wie.Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsammit dem Bein über dem Bein zu sitzen.Ein Junker soll auf eine Bank,sei sie kurz oder lang,in keiner Weise treten,wenn er einen Ritter da sitzen sieht.Eine Frau soll zu keiner Zeitweder schnell noch weit ausschreiten.Wisset, dass es auch übel steht,reitet ein Ritter, wo eine Frau geht.10Eine Frau soll sich, das glaubet,kehren gegen des Pferdes Haupt,wenn sie reitet: man soll wissen,sie soll nicht gar quer sitzen.Ein Ritter soll nicht keckauf Frauen losreiten sicherlich:eine Frau erschreckt hat oft gethaneinen Sprung der besser unterlassen worden wäre.Wer seinem Rosse das erlaubt,dass es eine Frau bespritzt,20ich wähne wohl, dass dessen Frauauch keinen guten Meister habe.Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam,dass sie nicht viel ihr Bein besehen,wenn sie reiten: ich wähne wohl,dass man in die Höhe sehn soll.Eine Frau soll nicht ihre Hand,wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken;sie soll ihre Augen und ihr Hauptstill halten, das glaubt.Ein Junker und ein Ritter sollauch das wohl in Acht haben,dass er die Hand still halte,wenn er etwas sprechen will:er soll seine Hände nicht schwingengegen die Zähne eines braven Mannes.Wer der Zucht wohl huldigt,10der soll auf Niemandes Hauptseine Hand legen, der vornehmer ist als er,noch auf seine Achsel: das ist Ehre.Will sich eine Frau mit Zucht bewahren,so soll sie nicht ohne Mantel gehn;sie soll ihren Mantel zusammenhalten,wenn sie kein langes Oberkleid hat:lässt sie am Körper etwas bloss sehn,das ist gar wider die Zucht.Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn20mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann.Eine Frau soll nicht vielhinter sich sehn, däucht mir:sie gehe vor sich hin geradeund sehe sich nicht viel um,gedenke an ihre Zucht überall,wenn sie irgend einen Lärm hört.Eine Jungfrau soll selten etwassprechen, wenn man sie nicht fragt.Eine Frau soll auch nicht viel sprechen,wenn sie mir glauben will;und besonders, wenn sie isst,so soll sie nicht sprechen, das wisst.Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen,10wenn man sich geziemend betragen will(da gehöret grosse Zucht zu).Ein jeder brave Wirth der habeAcht, ob sie alle genug haben;der Gast der sei so höflich,dass er dem gleich thue,als ob er da nichts bemerke.Wenn ein Mann sich recht darauf versteht:wenn er zu essen beginnt,so rühre er nur sein Essen an20mit der Hand: das ist wohl gethan.Man soll nicht das Brod essen,ehe man die ersten Gerichte bringt.Ein Mann soll sich wohl hüten,dass er nicht nehmen sollauf beiden Seiten in den Mund.Er soll sich zur Stund hüten,dass er nicht trinke und spreche,während er etwas im Munde hat.Wer mit dem Becher zu dem Nachbarnsich kehrt, als ob er ihm geben wollte,ehe er ihn von dem Mund thut,den hat der Wein daran gebunden.Wer trinkend aus dem Becher sieht,das ist höfischer Sitte nicht gemäss.Ein Mann soll nicht zu schnell sein,dass er von seinem Genossen nimmt,was ihm da wohl gefällt;denn man soll nur seinen Theil essen.10Man soll essen zu aller Zeitmit der Hand, die entgegen ist.Sitzt der Freund zur rechten Hand,so iss sofort mit der andern Hand.Man soll auch das gern vermeiden,dass man nie mit beiden Händen esse.Man soll auch nicht zu schnell sein,dass man mit dem Tischgenossenin die Schüssel seine Hand thue,wenn er sie eben herausnimmt.20Der Wirth soll auch der Speise entbehren,deren seine Gäste nicht begehren,und die ihnen nicht genehm ist.Der Wolf isst gern allein,das Kameel isst nicht alleinwenn es irgend ein Thier bei sich sieht.Diesem folgt der Wirth mit Ehren besserals dem Wolfe, wisset das.Der Wirth soll nach dem Essendas Wasser geben, das steht ihm wohl.Da soll sich kein Knecht10dann (die Hände) waschen, das ist recht;will sich ein Junker (die Hände) waschen,der gehe weit seitwärtsvon den Rittern und wasche sich heimlich:das ist höfisch und gesund für die Augen.

Ich will, dass Einer den Andern ehre,wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen.Keiner von ihnen soll an einer Thürden andren allen sich vordrängen.10Sowohl Frauen als Männersollen fremde Leute ehren:ist ein fremder Mann dessen nicht werth,so haben sie sich selbst geehrt;ist er aber dessen werth,so haben sie beide Ehre davon.Man weiss nicht, wer der Fremde ist,deshalb ehre man ihn zu aller Zeit.Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt,so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen,als ob er ihrer aller Herr wäre:das ist die Lehre und der Wille der Zucht;sie sollen bescheidne Worte sprechen:denn dies ist der Schatz der Zucht.Eine Frau soll sich sehen lassen,wenn ein fremder Mann zu ihr kommt:die welche sich nicht sehn lässt,die wird ausser ihrem Gemachallenthalben unbekannt sein;10sie büsse es also, und sei ungenannt.Eine (adeliche) Frau soll nicht keckscherzen: das steht ihr weiblich.Ich will auch das sagen:eine Frau soll nicht viel ansehneinen fremden Mann: das steht ihr wohl.Ein edler Junker sollsowohl Ritter als Frauenzüchtig gern anschauen.Eine Jungfrau soll sanft20und nicht laut sprechen sicherlich.Ein Junker soll so flink sein,dass er verstehe, was man ihm sagt,so dass es nicht Noth sei,dass man ihm wieder sage, wie.Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsammit dem Bein über dem Bein zu sitzen.Ein Junker soll auf eine Bank,sei sie kurz oder lang,in keiner Weise treten,wenn er einen Ritter da sitzen sieht.Eine Frau soll zu keiner Zeitweder schnell noch weit ausschreiten.Wisset, dass es auch übel steht,reitet ein Ritter, wo eine Frau geht.10Eine Frau soll sich, das glaubet,kehren gegen des Pferdes Haupt,wenn sie reitet: man soll wissen,sie soll nicht gar quer sitzen.Ein Ritter soll nicht keckauf Frauen losreiten sicherlich:eine Frau erschreckt hat oft gethaneinen Sprung der besser unterlassen worden wäre.Wer seinem Rosse das erlaubt,dass es eine Frau bespritzt,20ich wähne wohl, dass dessen Frauauch keinen guten Meister habe.Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam,dass sie nicht viel ihr Bein besehen,wenn sie reiten: ich wähne wohl,dass man in die Höhe sehn soll.Eine Frau soll nicht ihre Hand,wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken;sie soll ihre Augen und ihr Hauptstill halten, das glaubt.Ein Junker und ein Ritter sollauch das wohl in Acht haben,dass er die Hand still halte,wenn er etwas sprechen will:er soll seine Hände nicht schwingengegen die Zähne eines braven Mannes.Wer der Zucht wohl huldigt,10der soll auf Niemandes Hauptseine Hand legen, der vornehmer ist als er,noch auf seine Achsel: das ist Ehre.Will sich eine Frau mit Zucht bewahren,so soll sie nicht ohne Mantel gehn;sie soll ihren Mantel zusammenhalten,wenn sie kein langes Oberkleid hat:lässt sie am Körper etwas bloss sehn,das ist gar wider die Zucht.Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn20mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann.Eine Frau soll nicht vielhinter sich sehn, däucht mir:sie gehe vor sich hin geradeund sehe sich nicht viel um,gedenke an ihre Zucht überall,wenn sie irgend einen Lärm hört.Eine Jungfrau soll selten etwassprechen, wenn man sie nicht fragt.Eine Frau soll auch nicht viel sprechen,wenn sie mir glauben will;und besonders, wenn sie isst,so soll sie nicht sprechen, das wisst.Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen,10wenn man sich geziemend betragen will(da gehöret grosse Zucht zu).Ein jeder brave Wirth der habeAcht, ob sie alle genug haben;der Gast der sei so höflich,dass er dem gleich thue,als ob er da nichts bemerke.Wenn ein Mann sich recht darauf versteht:wenn er zu essen beginnt,so rühre er nur sein Essen an20mit der Hand: das ist wohl gethan.Man soll nicht das Brod essen,ehe man die ersten Gerichte bringt.Ein Mann soll sich wohl hüten,dass er nicht nehmen sollauf beiden Seiten in den Mund.Er soll sich zur Stund hüten,dass er nicht trinke und spreche,während er etwas im Munde hat.Wer mit dem Becher zu dem Nachbarnsich kehrt, als ob er ihm geben wollte,ehe er ihn von dem Mund thut,den hat der Wein daran gebunden.Wer trinkend aus dem Becher sieht,das ist höfischer Sitte nicht gemäss.Ein Mann soll nicht zu schnell sein,dass er von seinem Genossen nimmt,was ihm da wohl gefällt;denn man soll nur seinen Theil essen.10Man soll essen zu aller Zeitmit der Hand, die entgegen ist.Sitzt der Freund zur rechten Hand,so iss sofort mit der andern Hand.Man soll auch das gern vermeiden,dass man nie mit beiden Händen esse.Man soll auch nicht zu schnell sein,dass man mit dem Tischgenossenin die Schüssel seine Hand thue,wenn er sie eben herausnimmt.20Der Wirth soll auch der Speise entbehren,deren seine Gäste nicht begehren,und die ihnen nicht genehm ist.Der Wolf isst gern allein,das Kameel isst nicht alleinwenn es irgend ein Thier bei sich sieht.Diesem folgt der Wirth mit Ehren besserals dem Wolfe, wisset das.Der Wirth soll nach dem Essendas Wasser geben, das steht ihm wohl.Da soll sich kein Knecht10dann (die Hände) waschen, das ist recht;will sich ein Junker (die Hände) waschen,der gehe weit seitwärtsvon den Rittern und wasche sich heimlich:das ist höfisch und gesund für die Augen.

Ich will, dass Einer den Andern ehre,

wenn sie der Zucht Lehre folgen wollen.

Keiner von ihnen soll an einer Thür

den andren allen sich vordrängen.10

Sowohl Frauen als Männer

sollen fremde Leute ehren:

ist ein fremder Mann dessen nicht werth,

so haben sie sich selbst geehrt;

ist er aber dessen werth,

so haben sie beide Ehre davon.

Man weiss nicht, wer der Fremde ist,

deshalb ehre man ihn zu aller Zeit.

Wenn ein fremder Gast zu Hof kommt,

so sollen die (adelichen) Jünglinge ihm eifrig dienen,

als ob er ihrer aller Herr wäre:

das ist die Lehre und der Wille der Zucht;

sie sollen bescheidne Worte sprechen:

denn dies ist der Schatz der Zucht.

Eine Frau soll sich sehen lassen,

wenn ein fremder Mann zu ihr kommt:

die welche sich nicht sehn lässt,

die wird ausser ihrem Gemach

allenthalben unbekannt sein;10

sie büsse es also, und sei ungenannt.

Eine (adeliche) Frau soll nicht keck

scherzen: das steht ihr weiblich.

Ich will auch das sagen:

eine Frau soll nicht viel ansehn

einen fremden Mann: das steht ihr wohl.

Ein edler Junker soll

sowohl Ritter als Frauen

züchtig gern anschauen.

Eine Jungfrau soll sanft20

und nicht laut sprechen sicherlich.

Ein Junker soll so flink sein,

dass er verstehe, was man ihm sagt,

so dass es nicht Noth sei,

dass man ihm wieder sage, wie.

Zucht wehrt den Frauen allen gemeinsam

mit dem Bein über dem Bein zu sitzen.

Ein Junker soll auf eine Bank,

sei sie kurz oder lang,

in keiner Weise treten,

wenn er einen Ritter da sitzen sieht.

Eine Frau soll zu keiner Zeit

weder schnell noch weit ausschreiten.

Wisset, dass es auch übel steht,

reitet ein Ritter, wo eine Frau geht.10

Eine Frau soll sich, das glaubet,

kehren gegen des Pferdes Haupt,

wenn sie reitet: man soll wissen,

sie soll nicht gar quer sitzen.

Ein Ritter soll nicht keck

auf Frauen losreiten sicherlich:

eine Frau erschreckt hat oft gethan

einen Sprung der besser unterlassen worden wäre.

Wer seinem Rosse das erlaubt,

dass es eine Frau bespritzt,20

ich wähne wohl, dass dessen Frau

auch keinen guten Meister habe.

Zucht wehrt den Rittern allen gemeinsam,

dass sie nicht viel ihr Bein besehen,

wenn sie reiten: ich wähne wohl,

dass man in die Höhe sehn soll.

Eine Frau soll nicht ihre Hand,

wenn sie reitet, aus ihrem Gewand hervorstrecken;

sie soll ihre Augen und ihr Haupt

still halten, das glaubt.

Ein Junker und ein Ritter soll

auch das wohl in Acht haben,

dass er die Hand still halte,

wenn er etwas sprechen will:

er soll seine Hände nicht schwingen

gegen die Zähne eines braven Mannes.

Wer der Zucht wohl huldigt,10

der soll auf Niemandes Haupt

seine Hand legen, der vornehmer ist als er,

noch auf seine Achsel: das ist Ehre.

Will sich eine Frau mit Zucht bewahren,

so soll sie nicht ohne Mantel gehn;

sie soll ihren Mantel zusammenhalten,

wenn sie kein langes Oberkleid hat:

lässt sie am Körper etwas bloss sehn,

das ist gar wider die Zucht.

Ein Ritter soll nicht vor Frauen gehn20

mit nackten Schenkeln, wie ich es verstehn kann.

Eine Frau soll nicht viel

hinter sich sehn, däucht mir:

sie gehe vor sich hin gerade

und sehe sich nicht viel um,

gedenke an ihre Zucht überall,

wenn sie irgend einen Lärm hört.

Eine Jungfrau soll selten etwas

sprechen, wenn man sie nicht fragt.

Eine Frau soll auch nicht viel sprechen,

wenn sie mir glauben will;

und besonders, wenn sie isst,

so soll sie nicht sprechen, das wisst.

Man soll sich bei Tische sehr in Acht nehmen,10

wenn man sich geziemend betragen will

(da gehöret grosse Zucht zu).

Ein jeder brave Wirth der habe

Acht, ob sie alle genug haben;

der Gast der sei so höflich,

dass er dem gleich thue,

als ob er da nichts bemerke.

Wenn ein Mann sich recht darauf versteht:

wenn er zu essen beginnt,

so rühre er nur sein Essen an20

mit der Hand: das ist wohl gethan.

Man soll nicht das Brod essen,

ehe man die ersten Gerichte bringt.

Ein Mann soll sich wohl hüten,

dass er nicht nehmen soll

auf beiden Seiten in den Mund.

Er soll sich zur Stund hüten,

dass er nicht trinke und spreche,

während er etwas im Munde hat.

Wer mit dem Becher zu dem Nachbarn

sich kehrt, als ob er ihm geben wollte,

ehe er ihn von dem Mund thut,

den hat der Wein daran gebunden.

Wer trinkend aus dem Becher sieht,

das ist höfischer Sitte nicht gemäss.

Ein Mann soll nicht zu schnell sein,

dass er von seinem Genossen nimmt,

was ihm da wohl gefällt;

denn man soll nur seinen Theil essen.10

Man soll essen zu aller Zeit

mit der Hand, die entgegen ist.

Sitzt der Freund zur rechten Hand,

so iss sofort mit der andern Hand.

Man soll auch das gern vermeiden,

dass man nie mit beiden Händen esse.

Man soll auch nicht zu schnell sein,

dass man mit dem Tischgenossen

in die Schüssel seine Hand thue,

wenn er sie eben herausnimmt.20

Der Wirth soll auch der Speise entbehren,

deren seine Gäste nicht begehren,

und die ihnen nicht genehm ist.

Der Wolf isst gern allein,

das Kameel isst nicht allein

wenn es irgend ein Thier bei sich sieht.

Diesem folgt der Wirth mit Ehren besser

als dem Wolfe, wisset das.

Der Wirth soll nach dem Essen

das Wasser geben, das steht ihm wohl.

Da soll sich kein Knecht10

dann (die Hände) waschen, das ist recht;

will sich ein Junker (die Hände) waschen,

der gehe weit seitwärts

von den Rittern und wasche sich heimlich:

das ist höfisch und gesund für die Augen.


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