HOFMANNSWALDAU UND LOHENSTEIN.
[Scherer D.362,E.366.]
Hauptvertreter der ‘italienischen Schreibart’ oder des ‘Schwulsts’. Christian Hofmann v. Hofmannswaldau war 1618 zu Breslau geboren und erhielt eine sorgsame Erziehung. Er studierte in Leiden, reiste dann in den Niederlanden, England, Frankreich und Italien und war noch sehr jung Rathsherr in Breslau. Er starb 1679.—Daniel Casper v. Lohenstein, ebenfalls ein Schlesier, war 1635 geboren, erhielt eine gute Erziehung, bildetesich auf Reisen und lebte als Regierungsrath in Breslau, wo er 1683 starb. Hofmannswaldau zeichnete sich in Gedichten, Lohenstein hauptsächlich in Tragödien und im Romane aus.
Hauptvertreter der ‘italienischen Schreibart’ oder des ‘Schwulsts’. Christian Hofmann v. Hofmannswaldau war 1618 zu Breslau geboren und erhielt eine sorgsame Erziehung. Er studierte in Leiden, reiste dann in den Niederlanden, England, Frankreich und Italien und war noch sehr jung Rathsherr in Breslau. Er starb 1679.—Daniel Casper v. Lohenstein, ebenfalls ein Schlesier, war 1635 geboren, erhielt eine gute Erziehung, bildetesich auf Reisen und lebte als Regierungsrath in Breslau, wo er 1683 starb. Hofmannswaldau zeichnete sich in Gedichten, Lohenstein hauptsächlich in Tragödien und im Romane aus.
ANFLAVIEN.
Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?Stürmt süd, ost, nord und west?Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden,Den Venus fallen läst?Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?Umhüllt mich nichts als nacht?Will das verhängniss mich an einer kette führen,So mich verzweiffelnd macht?Orontes weiss fast nicht, was ferner sey zu dencken:Zürnt Venus oder du?10Ach, gläub es, Flavia! mein leiden und dein kränckenKommt mir und dir nicht zu.Was hab ich dir gethan, dass du mich nicht willst kennen?Wie heist du meine schuld?Soll mein verbrechen sich mit rechtem nahmen nennen,So rufft es: Lieb und huld,Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen,Mein auge sonder licht,Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen,Und kennst mich ferner nicht.20Das basilisken-gifft, der rauch von allen drachen,Der fledermäuse blut,Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen,Als des Orontes glut.Doch hab ich dich erzürnt, so will ich treulich büssen,Es schweret hand und geist.Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen.Wenn du es springen heist!Solt ich, o Flavia! zu deinen füssen sterben,So stürb ich ohne spott;30Denn liebe, so nicht kan die gegenlieb erwerben,Ist ärger als der tod.
Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?Stürmt süd, ost, nord und west?Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden,Den Venus fallen läst?Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?Umhüllt mich nichts als nacht?Will das verhängniss mich an einer kette führen,So mich verzweiffelnd macht?Orontes weiss fast nicht, was ferner sey zu dencken:Zürnt Venus oder du?10Ach, gläub es, Flavia! mein leiden und dein kränckenKommt mir und dir nicht zu.Was hab ich dir gethan, dass du mich nicht willst kennen?Wie heist du meine schuld?Soll mein verbrechen sich mit rechtem nahmen nennen,So rufft es: Lieb und huld,Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen,Mein auge sonder licht,Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen,Und kennst mich ferner nicht.20Das basilisken-gifft, der rauch von allen drachen,Der fledermäuse blut,Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen,Als des Orontes glut.Doch hab ich dich erzürnt, so will ich treulich büssen,Es schweret hand und geist.Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen.Wenn du es springen heist!Solt ich, o Flavia! zu deinen füssen sterben,So stürb ich ohne spott;30Denn liebe, so nicht kan die gegenlieb erwerben,Ist ärger als der tod.
Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?Stürmt süd, ost, nord und west?Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden,Den Venus fallen läst?Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?Umhüllt mich nichts als nacht?Will das verhängniss mich an einer kette führen,So mich verzweiffelnd macht?Orontes weiss fast nicht, was ferner sey zu dencken:Zürnt Venus oder du?10Ach, gläub es, Flavia! mein leiden und dein kränckenKommt mir und dir nicht zu.Was hab ich dir gethan, dass du mich nicht willst kennen?Wie heist du meine schuld?Soll mein verbrechen sich mit rechtem nahmen nennen,So rufft es: Lieb und huld,Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen,Mein auge sonder licht,Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen,Und kennst mich ferner nicht.20Das basilisken-gifft, der rauch von allen drachen,Der fledermäuse blut,Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen,Als des Orontes glut.Doch hab ich dich erzürnt, so will ich treulich büssen,Es schweret hand und geist.Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen.Wenn du es springen heist!Solt ich, o Flavia! zu deinen füssen sterben,So stürb ich ohne spott;30Denn liebe, so nicht kan die gegenlieb erwerben,Ist ärger als der tod.
Will das gelücke denn gantz meine feindin werden?
Stürmt süd, ost, nord und west?
Bin ich ein gauckel-spiel und leichter ball der erden,
Den Venus fallen läst?
Will keine sonne mehr mein schwartzes haupt berühren?
Umhüllt mich nichts als nacht?
Will das verhängniss mich an einer kette führen,
So mich verzweiffelnd macht?
Orontes weiss fast nicht, was ferner sey zu dencken:
Zürnt Venus oder du?10
Ach, gläub es, Flavia! mein leiden und dein kräncken
Kommt mir und dir nicht zu.
Was hab ich dir gethan, dass du mich nicht willst kennen?
Wie heist du meine schuld?
Soll mein verbrechen sich mit rechtem nahmen nennen,
So rufft es: Lieb und huld,
Du läst mein auge nicht zu deinen gräntzen dringen,
Mein auge sonder licht,
Du deckst den schönen mund mit deines schatten schwingen,
Und kennst mich ferner nicht.20
Das basilisken-gifft, der rauch von allen drachen,
Der fledermäuse blut,
Kan meiner Flavie nicht solchen eckel machen,
Als des Orontes glut.
Doch hab ich dich erzürnt, so will ich treulich büssen,
Es schweret hand und geist.
Wie solte nicht mein blut mit reichen strömen fliessen.
Wenn du es springen heist!
Solt ich, o Flavia! zu deinen füssen sterben,
So stürb ich ohne spott;30
Denn liebe, so nicht kan die gegenlieb erwerben,
Ist ärger als der tod.
AUSIBRAHIMBASSA.
Asien wird in Gestalt einer Frauen von den Lastern abgefesselt auf den Schau-Platz gestellet.
Asien wird in Gestalt einer Frauen von den Lastern abgefesselt auf den Schau-Platz gestellet.
Weh! Weh! mir Asien! ach! weh!Weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen;Wo ich bey dieser Schwermuths-See,Bey so viel Ach selbst mein bethränt Gesicht verspeyen;Wo ich mich selbst mit Heul’n und Zetter-Ruffen,Durch strengen Urtheils-Spruch verdammen kan!So nihm dis lechzend’ Ach, bestürtzter Abgrund an!Bestürtzter Abgrund! O die Glieder trieffenVoll Angst-Schweiss! Ach des Ach’s! der laue Brunn der dürren Adern schwelltDen Jäscht der Purper-Fluth! Mein Blut-Schaum schreibt mein Elend in den Sand!10Entthrönte Königin! entzepterte Beherrscherin der Welt!Gestürztes Asien! aus Ichts in Nichts und Staub verstobnes Land!Ja wohl aus Ichts, als mein gekröntes Haupt,Ein Haupt so viel gekrönter Häupter war;Als ich noch mit Siegs-Palmen war belaubt,Und aller Welt Gesetze reichte dar:Als noch gesenckt zu diesen FüssenEuropens Haupt und Africa mein Zepter musten küssen:Als mein Gebot wie Stahl und Gluth durchdrang,Und Länder zwang.20Ach! aber ach! so hoch als ich beym Tugend-GipffelIn Gold-gestückten Kleidern stand;So tieff hat sich das Spiel verwandt.So starb mein Ruhm! so schlägt die Zeit die grünen WipffelVon den bejahrten Zedern ab.Man schmückt mich ja noch wohl mit diesem Purpur-RockeMit Inseln, Kron und Königs-StabHals, Achseln, Händ und Haupt; wo man mit solchem SchminckeMich nicht nur spöttlich schminck, und äffet und geheih’t.Doch auch gesetzt: dass dis Beschönungs-KleidMich nicht beschimpfft:So trag’ ichs doch nur zu Vermummung meiner Flecke,Zur Brand- und Schandmahls-Schminck’, und meiner Schalckheits-DeckeWiewol ich weiss: dass man die Nase rimpfftUnd Mäuler auf mich flennet,Ich weiss nicht, wie? wohl nennet.Und prächt’gen Schmuck, der aussen gleisst und schimmert,10Dass der Sere von den Wipffeln seidne Wolle drüselt ab;Dass der Tyrer Schnecken-Farbe, Gangens Schaum-Schwolst Perlen hab’;Der Inde Gold; des bin ich nicht bekümmert.Wird wer den Aussen-Glantz beym innern Glieder-Koth besehen,Der wird mich viel verächtlicher noch schmähen.Mich schmertz’s, und ich beschmertz es auch mit diesem langen Seuffzer-Galme,Wenn ich mich wie aus einem Traum und QuallmeAuf mich, als ich noch in der Blüthe war, besinn’.War ich nicht Asien, die gröst’ und ältst’ und schönste meiner Schwestern?Hat Neid und Geifersucht mich für der Themis Richt-Stuhl können lästern?20Der Menschen Anherr hielt mich erblich inn’.Hat alles All, den Ost und West, und Sud und Nord nicht schlüssen,Mich selbst nicht oft mit seinem Glantz erfüllt,Und sich selbst-ständig in mich ein verhüllt?Lufft, Himmel, Erde, Meer, Gluth, Felder, Wälder, Klippen wissenMit stummer Zunge nachzusprechen:Dass sie gesehn die Sonne stehn,Gewölckte Feuer-Säulen gehn,Die Felsen bersten, Klippen brechen,Den Regen Brodt, die Wellen Mauern werden.30Weh! weh! mir Asien! ach weh!Stund iemand auf dem Schau-Saal dieser ErdenSo hoch gepflantzt zur Ehren-Höh?Mein Mund hat Kirch und Volck den Gottes-Dienst gelehrt.Die Welt hat unsern Arm als Kronen Herrn verehrt.Das zwölff-bekrönte Haupt, des Halses Alabaster,Pflügt unter Gog und Magogs Joch.Der freie Nacken ist verkoppelt an die Laster,Für denen ich kaum athme noch.Der Zepter und die Hand, die vor nichts mördrisch’s misshandelt,Hat sich mir in Metall und blut-durstig Ertzt verwandelt.10Das dürre Hertze schwimmt in Flamm und Gluth;Der Glieder Ketten schwirrn, die stählernen Gelenck’ erschüttern,Der steinern-schwere Fuss tritt und zerknickt durch sein Erbittern,Die treuge Zunge leckt gelieffert Blut;Die welcke Seuge-Brust,An die die Schöpffers Sohn der Schöpffer angehangen,Giebt Hunger, Krieg und Pest, als Egeln, Molch und SchlangenVergiffte Lebens-Kost.Geitz, Mord-Lust, Geld-Durst, Hass und was der Abgrund zeiget,Wird all’s an mir gesäuget.20Fragt Sterbliche, nach Kind- und Elter-Mördern,Und die durch Dolch und Gifft, und Strang und Schwerdt,Der Freunde Rey’, und Brüder-Schaar begehrt,Ins Bein-Hauss für bestimmter Zeit zu fördern.Fragt, Fürsten, fraget nach, nach denen die die Klauen,Umb Lust zu herrschen durch des Herrschers Brust gehauen.Ach! tausend Würme wohl, die sich also beflecket,Hat meine Schooss gehecket.Ha! Bluthund! ha! unmenschlichs Mensch! verzweiffelter Tyrann!Durch-teuffeltes Gemüth! Ertz-Mörder, Solymann!30Ertz-Mörder! Ach! hab ichDich Tieger-Thier, dich Wurm, mit meiner Milch gesogen?Hab! ich dich, Drache, mich zu fressen auferzogen?Dich, Kinder-Mörder, dich?Was stifftes du? du Greuel dieser Zeit!Auf Ibrahims gerechten Kopff für Leid?Blitzet ach! blitzet ach! Wolcken, und machet von den umfesselnden Lastern mich loss!Donner ach! donner! zerschlag und zersplitter iedes in einen zerdrümmerten Kloss.
Weh! Weh! mir Asien! ach! weh!Weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen;Wo ich bey dieser Schwermuths-See,Bey so viel Ach selbst mein bethränt Gesicht verspeyen;Wo ich mich selbst mit Heul’n und Zetter-Ruffen,Durch strengen Urtheils-Spruch verdammen kan!So nihm dis lechzend’ Ach, bestürtzter Abgrund an!Bestürtzter Abgrund! O die Glieder trieffenVoll Angst-Schweiss! Ach des Ach’s! der laue Brunn der dürren Adern schwelltDen Jäscht der Purper-Fluth! Mein Blut-Schaum schreibt mein Elend in den Sand!10Entthrönte Königin! entzepterte Beherrscherin der Welt!Gestürztes Asien! aus Ichts in Nichts und Staub verstobnes Land!Ja wohl aus Ichts, als mein gekröntes Haupt,Ein Haupt so viel gekrönter Häupter war;Als ich noch mit Siegs-Palmen war belaubt,Und aller Welt Gesetze reichte dar:Als noch gesenckt zu diesen FüssenEuropens Haupt und Africa mein Zepter musten küssen:Als mein Gebot wie Stahl und Gluth durchdrang,Und Länder zwang.20Ach! aber ach! so hoch als ich beym Tugend-GipffelIn Gold-gestückten Kleidern stand;So tieff hat sich das Spiel verwandt.So starb mein Ruhm! so schlägt die Zeit die grünen WipffelVon den bejahrten Zedern ab.Man schmückt mich ja noch wohl mit diesem Purpur-RockeMit Inseln, Kron und Königs-StabHals, Achseln, Händ und Haupt; wo man mit solchem SchminckeMich nicht nur spöttlich schminck, und äffet und geheih’t.Doch auch gesetzt: dass dis Beschönungs-KleidMich nicht beschimpfft:So trag’ ichs doch nur zu Vermummung meiner Flecke,Zur Brand- und Schandmahls-Schminck’, und meiner Schalckheits-DeckeWiewol ich weiss: dass man die Nase rimpfftUnd Mäuler auf mich flennet,Ich weiss nicht, wie? wohl nennet.Und prächt’gen Schmuck, der aussen gleisst und schimmert,10Dass der Sere von den Wipffeln seidne Wolle drüselt ab;Dass der Tyrer Schnecken-Farbe, Gangens Schaum-Schwolst Perlen hab’;Der Inde Gold; des bin ich nicht bekümmert.Wird wer den Aussen-Glantz beym innern Glieder-Koth besehen,Der wird mich viel verächtlicher noch schmähen.Mich schmertz’s, und ich beschmertz es auch mit diesem langen Seuffzer-Galme,Wenn ich mich wie aus einem Traum und QuallmeAuf mich, als ich noch in der Blüthe war, besinn’.War ich nicht Asien, die gröst’ und ältst’ und schönste meiner Schwestern?Hat Neid und Geifersucht mich für der Themis Richt-Stuhl können lästern?20Der Menschen Anherr hielt mich erblich inn’.Hat alles All, den Ost und West, und Sud und Nord nicht schlüssen,Mich selbst nicht oft mit seinem Glantz erfüllt,Und sich selbst-ständig in mich ein verhüllt?Lufft, Himmel, Erde, Meer, Gluth, Felder, Wälder, Klippen wissenMit stummer Zunge nachzusprechen:Dass sie gesehn die Sonne stehn,Gewölckte Feuer-Säulen gehn,Die Felsen bersten, Klippen brechen,Den Regen Brodt, die Wellen Mauern werden.30Weh! weh! mir Asien! ach weh!Stund iemand auf dem Schau-Saal dieser ErdenSo hoch gepflantzt zur Ehren-Höh?Mein Mund hat Kirch und Volck den Gottes-Dienst gelehrt.Die Welt hat unsern Arm als Kronen Herrn verehrt.Das zwölff-bekrönte Haupt, des Halses Alabaster,Pflügt unter Gog und Magogs Joch.Der freie Nacken ist verkoppelt an die Laster,Für denen ich kaum athme noch.Der Zepter und die Hand, die vor nichts mördrisch’s misshandelt,Hat sich mir in Metall und blut-durstig Ertzt verwandelt.10Das dürre Hertze schwimmt in Flamm und Gluth;Der Glieder Ketten schwirrn, die stählernen Gelenck’ erschüttern,Der steinern-schwere Fuss tritt und zerknickt durch sein Erbittern,Die treuge Zunge leckt gelieffert Blut;Die welcke Seuge-Brust,An die die Schöpffers Sohn der Schöpffer angehangen,Giebt Hunger, Krieg und Pest, als Egeln, Molch und SchlangenVergiffte Lebens-Kost.Geitz, Mord-Lust, Geld-Durst, Hass und was der Abgrund zeiget,Wird all’s an mir gesäuget.20Fragt Sterbliche, nach Kind- und Elter-Mördern,Und die durch Dolch und Gifft, und Strang und Schwerdt,Der Freunde Rey’, und Brüder-Schaar begehrt,Ins Bein-Hauss für bestimmter Zeit zu fördern.Fragt, Fürsten, fraget nach, nach denen die die Klauen,Umb Lust zu herrschen durch des Herrschers Brust gehauen.Ach! tausend Würme wohl, die sich also beflecket,Hat meine Schooss gehecket.Ha! Bluthund! ha! unmenschlichs Mensch! verzweiffelter Tyrann!Durch-teuffeltes Gemüth! Ertz-Mörder, Solymann!30Ertz-Mörder! Ach! hab ichDich Tieger-Thier, dich Wurm, mit meiner Milch gesogen?Hab! ich dich, Drache, mich zu fressen auferzogen?Dich, Kinder-Mörder, dich?Was stifftes du? du Greuel dieser Zeit!Auf Ibrahims gerechten Kopff für Leid?Blitzet ach! blitzet ach! Wolcken, und machet von den umfesselnden Lastern mich loss!Donner ach! donner! zerschlag und zersplitter iedes in einen zerdrümmerten Kloss.
Weh! Weh! mir Asien! ach! weh!Weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen;Wo ich bey dieser Schwermuths-See,Bey so viel Ach selbst mein bethränt Gesicht verspeyen;Wo ich mich selbst mit Heul’n und Zetter-Ruffen,Durch strengen Urtheils-Spruch verdammen kan!So nihm dis lechzend’ Ach, bestürtzter Abgrund an!Bestürtzter Abgrund! O die Glieder trieffenVoll Angst-Schweiss! Ach des Ach’s! der laue Brunn der dürren Adern schwelltDen Jäscht der Purper-Fluth! Mein Blut-Schaum schreibt mein Elend in den Sand!10Entthrönte Königin! entzepterte Beherrscherin der Welt!Gestürztes Asien! aus Ichts in Nichts und Staub verstobnes Land!Ja wohl aus Ichts, als mein gekröntes Haupt,Ein Haupt so viel gekrönter Häupter war;Als ich noch mit Siegs-Palmen war belaubt,Und aller Welt Gesetze reichte dar:Als noch gesenckt zu diesen FüssenEuropens Haupt und Africa mein Zepter musten küssen:Als mein Gebot wie Stahl und Gluth durchdrang,Und Länder zwang.20Ach! aber ach! so hoch als ich beym Tugend-GipffelIn Gold-gestückten Kleidern stand;So tieff hat sich das Spiel verwandt.So starb mein Ruhm! so schlägt die Zeit die grünen WipffelVon den bejahrten Zedern ab.Man schmückt mich ja noch wohl mit diesem Purpur-RockeMit Inseln, Kron und Königs-StabHals, Achseln, Händ und Haupt; wo man mit solchem SchminckeMich nicht nur spöttlich schminck, und äffet und geheih’t.Doch auch gesetzt: dass dis Beschönungs-KleidMich nicht beschimpfft:So trag’ ichs doch nur zu Vermummung meiner Flecke,Zur Brand- und Schandmahls-Schminck’, und meiner Schalckheits-DeckeWiewol ich weiss: dass man die Nase rimpfftUnd Mäuler auf mich flennet,Ich weiss nicht, wie? wohl nennet.Und prächt’gen Schmuck, der aussen gleisst und schimmert,10Dass der Sere von den Wipffeln seidne Wolle drüselt ab;Dass der Tyrer Schnecken-Farbe, Gangens Schaum-Schwolst Perlen hab’;Der Inde Gold; des bin ich nicht bekümmert.Wird wer den Aussen-Glantz beym innern Glieder-Koth besehen,Der wird mich viel verächtlicher noch schmähen.Mich schmertz’s, und ich beschmertz es auch mit diesem langen Seuffzer-Galme,Wenn ich mich wie aus einem Traum und QuallmeAuf mich, als ich noch in der Blüthe war, besinn’.War ich nicht Asien, die gröst’ und ältst’ und schönste meiner Schwestern?Hat Neid und Geifersucht mich für der Themis Richt-Stuhl können lästern?20Der Menschen Anherr hielt mich erblich inn’.Hat alles All, den Ost und West, und Sud und Nord nicht schlüssen,Mich selbst nicht oft mit seinem Glantz erfüllt,Und sich selbst-ständig in mich ein verhüllt?Lufft, Himmel, Erde, Meer, Gluth, Felder, Wälder, Klippen wissenMit stummer Zunge nachzusprechen:Dass sie gesehn die Sonne stehn,Gewölckte Feuer-Säulen gehn,Die Felsen bersten, Klippen brechen,Den Regen Brodt, die Wellen Mauern werden.30Weh! weh! mir Asien! ach weh!Stund iemand auf dem Schau-Saal dieser ErdenSo hoch gepflantzt zur Ehren-Höh?Mein Mund hat Kirch und Volck den Gottes-Dienst gelehrt.Die Welt hat unsern Arm als Kronen Herrn verehrt.Das zwölff-bekrönte Haupt, des Halses Alabaster,Pflügt unter Gog und Magogs Joch.Der freie Nacken ist verkoppelt an die Laster,Für denen ich kaum athme noch.Der Zepter und die Hand, die vor nichts mördrisch’s misshandelt,Hat sich mir in Metall und blut-durstig Ertzt verwandelt.10Das dürre Hertze schwimmt in Flamm und Gluth;Der Glieder Ketten schwirrn, die stählernen Gelenck’ erschüttern,Der steinern-schwere Fuss tritt und zerknickt durch sein Erbittern,Die treuge Zunge leckt gelieffert Blut;Die welcke Seuge-Brust,An die die Schöpffers Sohn der Schöpffer angehangen,Giebt Hunger, Krieg und Pest, als Egeln, Molch und SchlangenVergiffte Lebens-Kost.Geitz, Mord-Lust, Geld-Durst, Hass und was der Abgrund zeiget,Wird all’s an mir gesäuget.20Fragt Sterbliche, nach Kind- und Elter-Mördern,Und die durch Dolch und Gifft, und Strang und Schwerdt,Der Freunde Rey’, und Brüder-Schaar begehrt,Ins Bein-Hauss für bestimmter Zeit zu fördern.Fragt, Fürsten, fraget nach, nach denen die die Klauen,Umb Lust zu herrschen durch des Herrschers Brust gehauen.Ach! tausend Würme wohl, die sich also beflecket,Hat meine Schooss gehecket.Ha! Bluthund! ha! unmenschlichs Mensch! verzweiffelter Tyrann!Durch-teuffeltes Gemüth! Ertz-Mörder, Solymann!30Ertz-Mörder! Ach! hab ichDich Tieger-Thier, dich Wurm, mit meiner Milch gesogen?Hab! ich dich, Drache, mich zu fressen auferzogen?Dich, Kinder-Mörder, dich?Was stifftes du? du Greuel dieser Zeit!Auf Ibrahims gerechten Kopff für Leid?Blitzet ach! blitzet ach! Wolcken, und machet von den umfesselnden Lastern mich loss!Donner ach! donner! zerschlag und zersplitter iedes in einen zerdrümmerten Kloss.
Weh! Weh! mir Asien! ach! weh!
Weh mir! ach! wo ich mich vermaledeyen;
Wo ich bey dieser Schwermuths-See,
Bey so viel Ach selbst mein bethränt Gesicht verspeyen;
Wo ich mich selbst mit Heul’n und Zetter-Ruffen,
Durch strengen Urtheils-Spruch verdammen kan!
So nihm dis lechzend’ Ach, bestürtzter Abgrund an!
Bestürtzter Abgrund! O die Glieder trieffen
Voll Angst-Schweiss! Ach des Ach’s! der laue Brunn der dürren Adern schwellt
Den Jäscht der Purper-Fluth! Mein Blut-Schaum schreibt mein Elend in den Sand!10
Entthrönte Königin! entzepterte Beherrscherin der Welt!
Gestürztes Asien! aus Ichts in Nichts und Staub verstobnes Land!
Ja wohl aus Ichts, als mein gekröntes Haupt,
Ein Haupt so viel gekrönter Häupter war;
Als ich noch mit Siegs-Palmen war belaubt,
Und aller Welt Gesetze reichte dar:
Als noch gesenckt zu diesen Füssen
Europens Haupt und Africa mein Zepter musten küssen:
Als mein Gebot wie Stahl und Gluth durchdrang,
Und Länder zwang.20
Ach! aber ach! so hoch als ich beym Tugend-Gipffel
In Gold-gestückten Kleidern stand;
So tieff hat sich das Spiel verwandt.
So starb mein Ruhm! so schlägt die Zeit die grünen Wipffel
Von den bejahrten Zedern ab.
Man schmückt mich ja noch wohl mit diesem Purpur-Rocke
Mit Inseln, Kron und Königs-Stab
Hals, Achseln, Händ und Haupt; wo man mit solchem Schmincke
Mich nicht nur spöttlich schminck, und äffet und geheih’t.
Doch auch gesetzt: dass dis Beschönungs-Kleid
Mich nicht beschimpfft:
So trag’ ichs doch nur zu Vermummung meiner Flecke,
Zur Brand- und Schandmahls-Schminck’, und meiner Schalckheits-Decke
Wiewol ich weiss: dass man die Nase rimpfft
Und Mäuler auf mich flennet,
Ich weiss nicht, wie? wohl nennet.
Und prächt’gen Schmuck, der aussen gleisst und schimmert,10
Dass der Sere von den Wipffeln seidne Wolle drüselt ab;
Dass der Tyrer Schnecken-Farbe, Gangens Schaum-Schwolst Perlen hab’;
Der Inde Gold; des bin ich nicht bekümmert.
Wird wer den Aussen-Glantz beym innern Glieder-Koth besehen,
Der wird mich viel verächtlicher noch schmähen.
Mich schmertz’s, und ich beschmertz es auch mit diesem langen Seuffzer-Galme,
Wenn ich mich wie aus einem Traum und Quallme
Auf mich, als ich noch in der Blüthe war, besinn’.
War ich nicht Asien, die gröst’ und ältst’ und schönste meiner Schwestern?
Hat Neid und Geifersucht mich für der Themis Richt-Stuhl können lästern?20
Der Menschen Anherr hielt mich erblich inn’.
Hat alles All, den Ost und West, und Sud und Nord nicht schlüssen,
Mich selbst nicht oft mit seinem Glantz erfüllt,
Und sich selbst-ständig in mich ein verhüllt?
Lufft, Himmel, Erde, Meer, Gluth, Felder, Wälder, Klippen wissen
Mit stummer Zunge nachzusprechen:
Dass sie gesehn die Sonne stehn,
Gewölckte Feuer-Säulen gehn,
Die Felsen bersten, Klippen brechen,
Den Regen Brodt, die Wellen Mauern werden.30
Weh! weh! mir Asien! ach weh!
Stund iemand auf dem Schau-Saal dieser Erden
So hoch gepflantzt zur Ehren-Höh?
Mein Mund hat Kirch und Volck den Gottes-Dienst gelehrt.
Die Welt hat unsern Arm als Kronen Herrn verehrt.
Das zwölff-bekrönte Haupt, des Halses Alabaster,
Pflügt unter Gog und Magogs Joch.
Der freie Nacken ist verkoppelt an die Laster,
Für denen ich kaum athme noch.
Der Zepter und die Hand, die vor nichts mördrisch’s misshandelt,
Hat sich mir in Metall und blut-durstig Ertzt verwandelt.10
Das dürre Hertze schwimmt in Flamm und Gluth;
Der Glieder Ketten schwirrn, die stählernen Gelenck’ erschüttern,
Der steinern-schwere Fuss tritt und zerknickt durch sein Erbittern,
Die treuge Zunge leckt gelieffert Blut;
Die welcke Seuge-Brust,
An die die Schöpffers Sohn der Schöpffer angehangen,
Giebt Hunger, Krieg und Pest, als Egeln, Molch und Schlangen
Vergiffte Lebens-Kost.
Geitz, Mord-Lust, Geld-Durst, Hass und was der Abgrund zeiget,
Wird all’s an mir gesäuget.20
Fragt Sterbliche, nach Kind- und Elter-Mördern,
Und die durch Dolch und Gifft, und Strang und Schwerdt,
Der Freunde Rey’, und Brüder-Schaar begehrt,
Ins Bein-Hauss für bestimmter Zeit zu fördern.
Fragt, Fürsten, fraget nach, nach denen die die Klauen,
Umb Lust zu herrschen durch des Herrschers Brust gehauen.
Ach! tausend Würme wohl, die sich also beflecket,
Hat meine Schooss gehecket.
Ha! Bluthund! ha! unmenschlichs Mensch! verzweiffelter Tyrann!
Durch-teuffeltes Gemüth! Ertz-Mörder, Solymann!30
Ertz-Mörder! Ach! hab ich
Dich Tieger-Thier, dich Wurm, mit meiner Milch gesogen?
Hab! ich dich, Drache, mich zu fressen auferzogen?
Dich, Kinder-Mörder, dich?
Was stifftes du? du Greuel dieser Zeit!
Auf Ibrahims gerechten Kopff für Leid?
Blitzet ach! blitzet ach! Wolcken, und machet von den umfesselnden Lastern mich loss!
Donner ach! donner! zerschlag und zersplitter iedes in einen zerdrümmerten Kloss.