HUGO VON TRIMBERG.

HUGO VON TRIMBERG.[Scherer D.228,E.220.]Ein gelehrter Dichter, wirkte als Schulmeister einer Vorstadt von Bamberg. Sein bedeutendstes Werk ist ein Lehr- und Strafgedicht, ‘der Renner’ 1300–1313 verfasst, herausgegeben vom historischen Vereine in Bamberg (Bamberg, 1833).DERRENNER.Ein wolf, ein fuhs und ouch ein nôzgein Rôme wolten: ir riuw was grôz.und dô si nâhten gein der stat,10dô sprach der wolf ‘sît got uns hâtmit sînen gnâden her brâht,eins dinges hân ich mich bedâht:alsô daz ouch süllen wirvor bîhten, daz gevellet mir,ê wir den bâbest ane sehen.’dô sprach der fuhs ‘daz sol geschehen:wan der bâbst hât vil ze schaffenbeide mit leien und mit pfaffen:des hât er selten muoze.bîhte wir, und setzen buoze,und bittenn daz er si bestetedurch got und durch unser bete.’dô sprach der wolf ‘nu sît gemein,und bîhte ie einr den andern zwein10daz grœste daz er habe getân.sô hebich ze dem êrsten an.ich tet ein sünde, ze der ich hângrôze vorhte. ez het ein manein zuhtmuoter bî dem Rîn.diu het zwelf kleiniu verchelînligen in einer stîgen.diu hôrtich vaste schrîgendes morgens nâch ir ammen,wan si mit voller wammen20gie am velde, unde ir jungenmit grôzem hunger rungen.daz jâmerte mich, wan ichz sach.an der ammen ich mich racheins tages dô sir niht enpflac:ich beiz si, daz si tôt gelac,und fulte mit ir mînen magen.nu lât iu grœzer sünde sagen.dar nâch, dô ich mich es versandaz ich vil übele hæt getân,erbarmten mich diu verchelînellende unde ir hungers pîn,und half in gar ûz aller nôt:si lâgen elliu von mir tôt;von rehter herzeleide10beslôz ichs in mîn gweide:weinende ich iu daz künde.setzet buoz umb mîne sünde.’‘alsô ich iuch vernomen hân,so enhât ir niht missetân’sprach der fuhs: ‘ir tâtz durch guot,als manec ander man noch tuot,den dicke muoz erbarmenellender und hûsarmen.ir sult knien für unser klôster20unde sprechen ein paternôster:daz ist umb die sünd ze vil.ein sünde ich ouch bîhten wil’sprach der fuhs, ‘diu mich vil sêre twingetunde mir manc siufzen bringet.bî einem dorf saz ein gebûr:der het ein hanen. der was sô sûr,daz er all die hanen beizdie zuo im giengen in den kreiz,und het dâ bî vil grôzen brahtmit zwelf hennen tac und naht,daz dick von im betoubetwart siecher liute houbet.daz tet mir wê von herzen.eins tages sach ich in scherzen10mit sînen gspunsen ime garten.ich nam in bî der swarten,und truog in durch die barrevür baz in ein ander pfarre,dâ ich den lîp im an gewan:in sîner pfarr vorhtich den ban.dar umbe schriuwen sîniu wîpal tage über mînen lîp:daz betoubte mir den sin,und rach ich mich ouch an in,20daz ich eine nâch der ander az:wie sold ich mich gerechen baz?wan si truogen nâch mir haz.herr, nu sprechet mir antlâzumb die grôze missetât.’dô sprach der wolf ‘sîn wirt guot rât,daz daz schrîen und der brahtist zeinem guoten ende brâht.du enhâst niht sêre missetân,als ich mich nu versinnen kan.iedoch faste an drîn frîtagen,ob du fleischs enmüges bejagen.ich geloube dir: als tuost du mir.wol, her esel, nu bîhtet ir.’‘ich enweiz waz ich bîhten sol:ir wizzet beide selben woldaz ich bin martelær genôz:10wan mîniu arbeit ist sô grôz,daz ich von leid mac immer sagen.ir seht mich ûf und abe tragenwazzer, holz, korn unde mist,und swaz teglîch ze tuonne istûf einer hôhen bürge,daz ich ân danc mich würgemit maneger herten arbeit.ich tet ein sünde: diust mir leit,und hât mich vil gerûwen sît.20ein kneht der mîn pflac zaller zîtgienc zeimâl für mich durch den snê.dô tet mir frost und hunger wê,und wart gewar daz im ein strôragete ûz beiden schuohen dô.des zuctich im her ûz ein teil:daz was sîn schade, und mîn unheil:an der sêle bin ichs schuldic.nu sît gein mir geduldicund setzt mir buoze gnædiclîch.’si sprâchen ‘wê dir êwiclîch!morder, waz hâstu getân!du hâst verderbet einen man,10dem sîne füeze sint erfrorn:der mort hât dir die sêle vlorn.so ensol der ouch niht genesen,der diep und morder ist gewesen.’sus nâmens beide im sîn leben.sô gtân buoze künnen noch gebenin klôstern übel platten:swem si niht sint gerâten,wirt hin und her gediusetbiz er sêle und lîp verliuset20als der esel umb kleine schulde:der fuhs behielt des wolves hulde.Ein Wolf, ein Fuchs und auch ein Eselwollten nach Rom: ihre Reue war gross.Und da sie der Stadt nahe kamen,10da sprach der Wolf: ‘Da Gott uns hatmit seiner Gnade hergebracht,hab’ ich mich eines Dings bedacht:also dass wir auch sollenvorher beichten, das gefällt mir,ehe wir den Pabst ansehn.’Da sprach der Fuchs: ‘Das soll geschehn:denn der Pabst hat viel zu schaffensowohl mit Laien als Pfaffen:deshalb hat er selten Musse.Beichten wir und bestimmen die Busse,und bitten ihn, dass er sie bestätigeum Gott und unsres Gebets willen.’Da sprach der Wolf: ‘Nun seid einigund beichte je einer den andern zwein10das Grösste, was er gethan hat.So heb’ ich zuerst an.Ich that eine Sünde, vor der ich habegrosse Furcht. Es hatte ein Mannam Rhein eine Zuchtsau.Die hatte zwölf kleine Ferkelin einem Stalle liegen.Die hört ich sehr schreiendes Morgens nach ihrer Amme,während sie mit vollem Bauche20im Felde umhergieng, und ihre Jungenmit grossem Hunger rangen.Das jammerte mich, als ichs sah.An der Amme rächte ich micheines Tags, da sie sie nicht pflegte:ich biss sie, dass sie todt dalag,und füllte meinen Magen mit ihr.Nun lasst euch grössere Sünde sagen.Danach, da ich mich besann,dass ich sehr übel gethan hätte,erbarmten mich die Ferkel,die elenden, und ihres Hungers Pein,und half ich ihnen ganz aus aller Noth:sie lagen alle von mir todt;aus rechtem Herzeleid10schloss ich sie in mein Eingeweide:weinend künd’ ich euch das.Bestimmt die Busse für meine Sünde.’‘So wie ich euch vernommen habe,so habt ihr nicht gesündigt,’sprach der Fuchs, ‘ihr thatet es aus Güte,wie mancher andre Mann noch thut,den oft erbarmen mussder Elenden und Hausarmen.Ihr sollt vor unsrem Kloster knien20und ein Paternoster sprechen:das ist für die Sünde zu viel.Ich will auch eine Sünde beichten,’sprach der Fuchs, ‘die mich recht sehr drücktund mir manch Seufzen bringt.Bei einem Dorfe wohnte ein Bauer,der hatte einen Hahn; der war so böse,dass er all’ die Hähne biss,die zu ihm in den Kreis kamen,und machte dabei sehr grosses Geschreimit zwölf Hennen Tag und Nacht,dass oft von ihm betäubt wardder Kopf kranker Leute.Das that mir von Herzen weh.Eines Tags sah ich ihn spielen10mit seinen Gemahlinnen im Garten.Ich nahm ihn bei der Schwarteund trug ihn durch den Zaunfürbass in eine andre Pfarre,wo ich ihm das Leben nahm:in seiner Pfarre fürchtete ich den Bann.Darum schrien seine Weiberalle Tage über mich:das betäubte mir den Sinn,und rächte ich mich auch an ihnen,20dass ich eine nach der andern ass:wie konnte ich mich besser rächen?Denn sie trugen mir Hass.Herr, nun sagt mir Ablassfür die grosse Missethat.’Da sprach der Wolf: ‘Dessen wird guter Rath,dass das Schreien und das Krähenzu einem guten Ende gebracht ist.Du hast nicht sehr gesündigt,wie ich mich nun besinnen kann.Jedoch faste an drei Freitagen,wenn du kein Fleisch erjagen kannst.Ich erlaube es dir, wie du mir es thust.Wohl, Herr Esel, nun beichtet ihr.’‘Ich weiss nicht, was ich beichten soll:ihr wisst beide selber wohl,dass ich ein Märtyrer-Genosse bin:10denn meine Arbeit ist so gross,dass ich immer von Leid zu sagen habe.Ihr seht mich auf und nieder tragenWasser, Holz, Korn und Mist,und was täglich zu thun istauf einer hohen Burg,dass ich ohne Dank mich plagemit mancher harten Arbeit.Ich that eine Sünde: die ist mir leid,und hat mich seither viel gereuet.20Ein Knecht, der meiner zu aller Zeit pflegte,gieng einmal vor mir durch den Schnee.Da thaten mir Frost und Hunger weh,und ich ward gewahr, dass ihm Strohaus beiden Schuhen da heraus ragte.Da riss ich ihm etwas heraus,das war sein Schade und mein Unheil:an der Seele bin ichs schuldig.Nun seid gegen mich geduldigund bestimmt mir Busse gnädiglich.’Sie sprachen: ‘Weh dir, ewiglich!Mörder, was hast du gethan?Du hast einen Mann zu Grunde gerichtet,10dem seine Füsse erfroren sind:der Mord hat deine Seele vernichtet.So soll der (Leib) auch nicht gerettet werden,der Dieb und Mörder gewesen ist.’So nahmen sie beide ihm sein Leben.Solche Busse können noch austheilenin den Klöstern die bösen Plattköpfe:wem sie nicht günstig sind,wird hin und her gezaust,bis er Seele und Leib verliert,20wie der Esel wegen einer kleinen Schuld:der Fuchs behielt des Wolfes Huld.

HUGO VON TRIMBERG.

[Scherer D.228,E.220.]

Ein gelehrter Dichter, wirkte als Schulmeister einer Vorstadt von Bamberg. Sein bedeutendstes Werk ist ein Lehr- und Strafgedicht, ‘der Renner’ 1300–1313 verfasst, herausgegeben vom historischen Vereine in Bamberg (Bamberg, 1833).

Ein gelehrter Dichter, wirkte als Schulmeister einer Vorstadt von Bamberg. Sein bedeutendstes Werk ist ein Lehr- und Strafgedicht, ‘der Renner’ 1300–1313 verfasst, herausgegeben vom historischen Vereine in Bamberg (Bamberg, 1833).

DERRENNER.

Ein wolf, ein fuhs und ouch ein nôzgein Rôme wolten: ir riuw was grôz.und dô si nâhten gein der stat,10dô sprach der wolf ‘sît got uns hâtmit sînen gnâden her brâht,eins dinges hân ich mich bedâht:alsô daz ouch süllen wirvor bîhten, daz gevellet mir,ê wir den bâbest ane sehen.’dô sprach der fuhs ‘daz sol geschehen:wan der bâbst hât vil ze schaffenbeide mit leien und mit pfaffen:des hât er selten muoze.bîhte wir, und setzen buoze,und bittenn daz er si bestetedurch got und durch unser bete.’dô sprach der wolf ‘nu sît gemein,und bîhte ie einr den andern zwein10daz grœste daz er habe getân.sô hebich ze dem êrsten an.ich tet ein sünde, ze der ich hângrôze vorhte. ez het ein manein zuhtmuoter bî dem Rîn.diu het zwelf kleiniu verchelînligen in einer stîgen.diu hôrtich vaste schrîgendes morgens nâch ir ammen,wan si mit voller wammen20gie am velde, unde ir jungenmit grôzem hunger rungen.daz jâmerte mich, wan ichz sach.an der ammen ich mich racheins tages dô sir niht enpflac:ich beiz si, daz si tôt gelac,und fulte mit ir mînen magen.nu lât iu grœzer sünde sagen.dar nâch, dô ich mich es versandaz ich vil übele hæt getân,erbarmten mich diu verchelînellende unde ir hungers pîn,und half in gar ûz aller nôt:si lâgen elliu von mir tôt;von rehter herzeleide10beslôz ichs in mîn gweide:weinende ich iu daz künde.setzet buoz umb mîne sünde.’‘alsô ich iuch vernomen hân,so enhât ir niht missetân’sprach der fuhs: ‘ir tâtz durch guot,als manec ander man noch tuot,den dicke muoz erbarmenellender und hûsarmen.ir sult knien für unser klôster20unde sprechen ein paternôster:daz ist umb die sünd ze vil.ein sünde ich ouch bîhten wil’sprach der fuhs, ‘diu mich vil sêre twingetunde mir manc siufzen bringet.bî einem dorf saz ein gebûr:der het ein hanen. der was sô sûr,daz er all die hanen beizdie zuo im giengen in den kreiz,und het dâ bî vil grôzen brahtmit zwelf hennen tac und naht,daz dick von im betoubetwart siecher liute houbet.daz tet mir wê von herzen.eins tages sach ich in scherzen10mit sînen gspunsen ime garten.ich nam in bî der swarten,und truog in durch die barrevür baz in ein ander pfarre,dâ ich den lîp im an gewan:in sîner pfarr vorhtich den ban.dar umbe schriuwen sîniu wîpal tage über mînen lîp:daz betoubte mir den sin,und rach ich mich ouch an in,20daz ich eine nâch der ander az:wie sold ich mich gerechen baz?wan si truogen nâch mir haz.herr, nu sprechet mir antlâzumb die grôze missetât.’dô sprach der wolf ‘sîn wirt guot rât,daz daz schrîen und der brahtist zeinem guoten ende brâht.du enhâst niht sêre missetân,als ich mich nu versinnen kan.iedoch faste an drîn frîtagen,ob du fleischs enmüges bejagen.ich geloube dir: als tuost du mir.wol, her esel, nu bîhtet ir.’‘ich enweiz waz ich bîhten sol:ir wizzet beide selben woldaz ich bin martelær genôz:10wan mîniu arbeit ist sô grôz,daz ich von leid mac immer sagen.ir seht mich ûf und abe tragenwazzer, holz, korn unde mist,und swaz teglîch ze tuonne istûf einer hôhen bürge,daz ich ân danc mich würgemit maneger herten arbeit.ich tet ein sünde: diust mir leit,und hât mich vil gerûwen sît.20ein kneht der mîn pflac zaller zîtgienc zeimâl für mich durch den snê.dô tet mir frost und hunger wê,und wart gewar daz im ein strôragete ûz beiden schuohen dô.des zuctich im her ûz ein teil:daz was sîn schade, und mîn unheil:an der sêle bin ichs schuldic.nu sît gein mir geduldicund setzt mir buoze gnædiclîch.’si sprâchen ‘wê dir êwiclîch!morder, waz hâstu getân!du hâst verderbet einen man,10dem sîne füeze sint erfrorn:der mort hât dir die sêle vlorn.so ensol der ouch niht genesen,der diep und morder ist gewesen.’sus nâmens beide im sîn leben.sô gtân buoze künnen noch gebenin klôstern übel platten:swem si niht sint gerâten,wirt hin und her gediusetbiz er sêle und lîp verliuset20als der esel umb kleine schulde:der fuhs behielt des wolves hulde.

Ein wolf, ein fuhs und ouch ein nôzgein Rôme wolten: ir riuw was grôz.und dô si nâhten gein der stat,10dô sprach der wolf ‘sît got uns hâtmit sînen gnâden her brâht,eins dinges hân ich mich bedâht:alsô daz ouch süllen wirvor bîhten, daz gevellet mir,ê wir den bâbest ane sehen.’dô sprach der fuhs ‘daz sol geschehen:wan der bâbst hât vil ze schaffenbeide mit leien und mit pfaffen:des hât er selten muoze.bîhte wir, und setzen buoze,und bittenn daz er si bestetedurch got und durch unser bete.’dô sprach der wolf ‘nu sît gemein,und bîhte ie einr den andern zwein10daz grœste daz er habe getân.sô hebich ze dem êrsten an.ich tet ein sünde, ze der ich hângrôze vorhte. ez het ein manein zuhtmuoter bî dem Rîn.diu het zwelf kleiniu verchelînligen in einer stîgen.diu hôrtich vaste schrîgendes morgens nâch ir ammen,wan si mit voller wammen20gie am velde, unde ir jungenmit grôzem hunger rungen.daz jâmerte mich, wan ichz sach.an der ammen ich mich racheins tages dô sir niht enpflac:ich beiz si, daz si tôt gelac,und fulte mit ir mînen magen.nu lât iu grœzer sünde sagen.dar nâch, dô ich mich es versandaz ich vil übele hæt getân,erbarmten mich diu verchelînellende unde ir hungers pîn,und half in gar ûz aller nôt:si lâgen elliu von mir tôt;von rehter herzeleide10beslôz ichs in mîn gweide:weinende ich iu daz künde.setzet buoz umb mîne sünde.’‘alsô ich iuch vernomen hân,so enhât ir niht missetân’sprach der fuhs: ‘ir tâtz durch guot,als manec ander man noch tuot,den dicke muoz erbarmenellender und hûsarmen.ir sult knien für unser klôster20unde sprechen ein paternôster:daz ist umb die sünd ze vil.ein sünde ich ouch bîhten wil’sprach der fuhs, ‘diu mich vil sêre twingetunde mir manc siufzen bringet.bî einem dorf saz ein gebûr:der het ein hanen. der was sô sûr,daz er all die hanen beizdie zuo im giengen in den kreiz,und het dâ bî vil grôzen brahtmit zwelf hennen tac und naht,daz dick von im betoubetwart siecher liute houbet.daz tet mir wê von herzen.eins tages sach ich in scherzen10mit sînen gspunsen ime garten.ich nam in bî der swarten,und truog in durch die barrevür baz in ein ander pfarre,dâ ich den lîp im an gewan:in sîner pfarr vorhtich den ban.dar umbe schriuwen sîniu wîpal tage über mînen lîp:daz betoubte mir den sin,und rach ich mich ouch an in,20daz ich eine nâch der ander az:wie sold ich mich gerechen baz?wan si truogen nâch mir haz.herr, nu sprechet mir antlâzumb die grôze missetât.’dô sprach der wolf ‘sîn wirt guot rât,daz daz schrîen und der brahtist zeinem guoten ende brâht.du enhâst niht sêre missetân,als ich mich nu versinnen kan.iedoch faste an drîn frîtagen,ob du fleischs enmüges bejagen.ich geloube dir: als tuost du mir.wol, her esel, nu bîhtet ir.’‘ich enweiz waz ich bîhten sol:ir wizzet beide selben woldaz ich bin martelær genôz:10wan mîniu arbeit ist sô grôz,daz ich von leid mac immer sagen.ir seht mich ûf und abe tragenwazzer, holz, korn unde mist,und swaz teglîch ze tuonne istûf einer hôhen bürge,daz ich ân danc mich würgemit maneger herten arbeit.ich tet ein sünde: diust mir leit,und hât mich vil gerûwen sît.20ein kneht der mîn pflac zaller zîtgienc zeimâl für mich durch den snê.dô tet mir frost und hunger wê,und wart gewar daz im ein strôragete ûz beiden schuohen dô.des zuctich im her ûz ein teil:daz was sîn schade, und mîn unheil:an der sêle bin ichs schuldic.nu sît gein mir geduldicund setzt mir buoze gnædiclîch.’si sprâchen ‘wê dir êwiclîch!morder, waz hâstu getân!du hâst verderbet einen man,10dem sîne füeze sint erfrorn:der mort hât dir die sêle vlorn.so ensol der ouch niht genesen,der diep und morder ist gewesen.’sus nâmens beide im sîn leben.sô gtân buoze künnen noch gebenin klôstern übel platten:swem si niht sint gerâten,wirt hin und her gediusetbiz er sêle und lîp verliuset20als der esel umb kleine schulde:der fuhs behielt des wolves hulde.

Ein wolf, ein fuhs und ouch ein nôzgein Rôme wolten: ir riuw was grôz.und dô si nâhten gein der stat,10dô sprach der wolf ‘sît got uns hâtmit sînen gnâden her brâht,eins dinges hân ich mich bedâht:alsô daz ouch süllen wirvor bîhten, daz gevellet mir,ê wir den bâbest ane sehen.’dô sprach der fuhs ‘daz sol geschehen:wan der bâbst hât vil ze schaffenbeide mit leien und mit pfaffen:des hât er selten muoze.bîhte wir, und setzen buoze,und bittenn daz er si bestetedurch got und durch unser bete.’dô sprach der wolf ‘nu sît gemein,und bîhte ie einr den andern zwein10daz grœste daz er habe getân.sô hebich ze dem êrsten an.ich tet ein sünde, ze der ich hângrôze vorhte. ez het ein manein zuhtmuoter bî dem Rîn.diu het zwelf kleiniu verchelînligen in einer stîgen.diu hôrtich vaste schrîgendes morgens nâch ir ammen,wan si mit voller wammen20gie am velde, unde ir jungenmit grôzem hunger rungen.daz jâmerte mich, wan ichz sach.an der ammen ich mich racheins tages dô sir niht enpflac:ich beiz si, daz si tôt gelac,und fulte mit ir mînen magen.nu lât iu grœzer sünde sagen.dar nâch, dô ich mich es versandaz ich vil übele hæt getân,erbarmten mich diu verchelînellende unde ir hungers pîn,und half in gar ûz aller nôt:si lâgen elliu von mir tôt;von rehter herzeleide10beslôz ichs in mîn gweide:weinende ich iu daz künde.setzet buoz umb mîne sünde.’‘alsô ich iuch vernomen hân,so enhât ir niht missetân’sprach der fuhs: ‘ir tâtz durch guot,als manec ander man noch tuot,den dicke muoz erbarmenellender und hûsarmen.ir sult knien für unser klôster20unde sprechen ein paternôster:daz ist umb die sünd ze vil.ein sünde ich ouch bîhten wil’sprach der fuhs, ‘diu mich vil sêre twingetunde mir manc siufzen bringet.bî einem dorf saz ein gebûr:der het ein hanen. der was sô sûr,daz er all die hanen beizdie zuo im giengen in den kreiz,und het dâ bî vil grôzen brahtmit zwelf hennen tac und naht,daz dick von im betoubetwart siecher liute houbet.daz tet mir wê von herzen.eins tages sach ich in scherzen10mit sînen gspunsen ime garten.ich nam in bî der swarten,und truog in durch die barrevür baz in ein ander pfarre,dâ ich den lîp im an gewan:in sîner pfarr vorhtich den ban.dar umbe schriuwen sîniu wîpal tage über mînen lîp:daz betoubte mir den sin,und rach ich mich ouch an in,20daz ich eine nâch der ander az:wie sold ich mich gerechen baz?wan si truogen nâch mir haz.herr, nu sprechet mir antlâzumb die grôze missetât.’dô sprach der wolf ‘sîn wirt guot rât,daz daz schrîen und der brahtist zeinem guoten ende brâht.du enhâst niht sêre missetân,als ich mich nu versinnen kan.iedoch faste an drîn frîtagen,ob du fleischs enmüges bejagen.ich geloube dir: als tuost du mir.wol, her esel, nu bîhtet ir.’‘ich enweiz waz ich bîhten sol:ir wizzet beide selben woldaz ich bin martelær genôz:10wan mîniu arbeit ist sô grôz,daz ich von leid mac immer sagen.ir seht mich ûf und abe tragenwazzer, holz, korn unde mist,und swaz teglîch ze tuonne istûf einer hôhen bürge,daz ich ân danc mich würgemit maneger herten arbeit.ich tet ein sünde: diust mir leit,und hât mich vil gerûwen sît.20ein kneht der mîn pflac zaller zîtgienc zeimâl für mich durch den snê.dô tet mir frost und hunger wê,und wart gewar daz im ein strôragete ûz beiden schuohen dô.des zuctich im her ûz ein teil:daz was sîn schade, und mîn unheil:an der sêle bin ichs schuldic.nu sît gein mir geduldicund setzt mir buoze gnædiclîch.’si sprâchen ‘wê dir êwiclîch!morder, waz hâstu getân!du hâst verderbet einen man,10dem sîne füeze sint erfrorn:der mort hât dir die sêle vlorn.so ensol der ouch niht genesen,der diep und morder ist gewesen.’sus nâmens beide im sîn leben.sô gtân buoze künnen noch gebenin klôstern übel platten:swem si niht sint gerâten,wirt hin und her gediusetbiz er sêle und lîp verliuset20als der esel umb kleine schulde:der fuhs behielt des wolves hulde.

Ein wolf, ein fuhs und ouch ein nôz

gein Rôme wolten: ir riuw was grôz.

und dô si nâhten gein der stat,10

dô sprach der wolf ‘sît got uns hât

mit sînen gnâden her brâht,

eins dinges hân ich mich bedâht:

alsô daz ouch süllen wir

vor bîhten, daz gevellet mir,

ê wir den bâbest ane sehen.’

dô sprach der fuhs ‘daz sol geschehen:

wan der bâbst hât vil ze schaffen

beide mit leien und mit pfaffen:

des hât er selten muoze.

bîhte wir, und setzen buoze,

und bittenn daz er si bestete

durch got und durch unser bete.’

dô sprach der wolf ‘nu sît gemein,

und bîhte ie einr den andern zwein10

daz grœste daz er habe getân.

sô hebich ze dem êrsten an.

ich tet ein sünde, ze der ich hân

grôze vorhte. ez het ein man

ein zuhtmuoter bî dem Rîn.

diu het zwelf kleiniu verchelîn

ligen in einer stîgen.

diu hôrtich vaste schrîgen

des morgens nâch ir ammen,

wan si mit voller wammen20

gie am velde, unde ir jungen

mit grôzem hunger rungen.

daz jâmerte mich, wan ichz sach.

an der ammen ich mich rach

eins tages dô sir niht enpflac:

ich beiz si, daz si tôt gelac,

und fulte mit ir mînen magen.

nu lât iu grœzer sünde sagen.

dar nâch, dô ich mich es versan

daz ich vil übele hæt getân,

erbarmten mich diu verchelîn

ellende unde ir hungers pîn,

und half in gar ûz aller nôt:

si lâgen elliu von mir tôt;

von rehter herzeleide10

beslôz ichs in mîn gweide:

weinende ich iu daz künde.

setzet buoz umb mîne sünde.’

‘alsô ich iuch vernomen hân,

so enhât ir niht missetân’

sprach der fuhs: ‘ir tâtz durch guot,

als manec ander man noch tuot,

den dicke muoz erbarmen

ellender und hûsarmen.

ir sult knien für unser klôster20

unde sprechen ein paternôster:

daz ist umb die sünd ze vil.

ein sünde ich ouch bîhten wil’

sprach der fuhs, ‘diu mich vil sêre twinget

unde mir manc siufzen bringet.

bî einem dorf saz ein gebûr:

der het ein hanen. der was sô sûr,

daz er all die hanen beiz

die zuo im giengen in den kreiz,

und het dâ bî vil grôzen braht

mit zwelf hennen tac und naht,

daz dick von im betoubet

wart siecher liute houbet.

daz tet mir wê von herzen.

eins tages sach ich in scherzen10

mit sînen gspunsen ime garten.

ich nam in bî der swarten,

und truog in durch die barre

vür baz in ein ander pfarre,

dâ ich den lîp im an gewan:

in sîner pfarr vorhtich den ban.

dar umbe schriuwen sîniu wîp

al tage über mînen lîp:

daz betoubte mir den sin,

und rach ich mich ouch an in,20

daz ich eine nâch der ander az:

wie sold ich mich gerechen baz?

wan si truogen nâch mir haz.

herr, nu sprechet mir antlâz

umb die grôze missetât.’

dô sprach der wolf ‘sîn wirt guot rât,

daz daz schrîen und der braht

ist zeinem guoten ende brâht.

du enhâst niht sêre missetân,

als ich mich nu versinnen kan.

iedoch faste an drîn frîtagen,

ob du fleischs enmüges bejagen.

ich geloube dir: als tuost du mir.

wol, her esel, nu bîhtet ir.’

‘ich enweiz waz ich bîhten sol:

ir wizzet beide selben wol

daz ich bin martelær genôz:10

wan mîniu arbeit ist sô grôz,

daz ich von leid mac immer sagen.

ir seht mich ûf und abe tragen

wazzer, holz, korn unde mist,

und swaz teglîch ze tuonne ist

ûf einer hôhen bürge,

daz ich ân danc mich würge

mit maneger herten arbeit.

ich tet ein sünde: diust mir leit,

und hât mich vil gerûwen sît.20

ein kneht der mîn pflac zaller zît

gienc zeimâl für mich durch den snê.

dô tet mir frost und hunger wê,

und wart gewar daz im ein strô

ragete ûz beiden schuohen dô.

des zuctich im her ûz ein teil:

daz was sîn schade, und mîn unheil:

an der sêle bin ichs schuldic.

nu sît gein mir geduldic

und setzt mir buoze gnædiclîch.’

si sprâchen ‘wê dir êwiclîch!

morder, waz hâstu getân!

du hâst verderbet einen man,10

dem sîne füeze sint erfrorn:

der mort hât dir die sêle vlorn.

so ensol der ouch niht genesen,

der diep und morder ist gewesen.’

sus nâmens beide im sîn leben.

sô gtân buoze künnen noch geben

in klôstern übel platten:

swem si niht sint gerâten,

wirt hin und her gediuset

biz er sêle und lîp verliuset20

als der esel umb kleine schulde:

der fuhs behielt des wolves hulde.

Ein Wolf, ein Fuchs und auch ein Eselwollten nach Rom: ihre Reue war gross.Und da sie der Stadt nahe kamen,10da sprach der Wolf: ‘Da Gott uns hatmit seiner Gnade hergebracht,hab’ ich mich eines Dings bedacht:also dass wir auch sollenvorher beichten, das gefällt mir,ehe wir den Pabst ansehn.’Da sprach der Fuchs: ‘Das soll geschehn:denn der Pabst hat viel zu schaffensowohl mit Laien als Pfaffen:deshalb hat er selten Musse.Beichten wir und bestimmen die Busse,und bitten ihn, dass er sie bestätigeum Gott und unsres Gebets willen.’Da sprach der Wolf: ‘Nun seid einigund beichte je einer den andern zwein10das Grösste, was er gethan hat.So heb’ ich zuerst an.Ich that eine Sünde, vor der ich habegrosse Furcht. Es hatte ein Mannam Rhein eine Zuchtsau.Die hatte zwölf kleine Ferkelin einem Stalle liegen.Die hört ich sehr schreiendes Morgens nach ihrer Amme,während sie mit vollem Bauche20im Felde umhergieng, und ihre Jungenmit grossem Hunger rangen.Das jammerte mich, als ichs sah.An der Amme rächte ich micheines Tags, da sie sie nicht pflegte:ich biss sie, dass sie todt dalag,und füllte meinen Magen mit ihr.Nun lasst euch grössere Sünde sagen.Danach, da ich mich besann,dass ich sehr übel gethan hätte,erbarmten mich die Ferkel,die elenden, und ihres Hungers Pein,und half ich ihnen ganz aus aller Noth:sie lagen alle von mir todt;aus rechtem Herzeleid10schloss ich sie in mein Eingeweide:weinend künd’ ich euch das.Bestimmt die Busse für meine Sünde.’‘So wie ich euch vernommen habe,so habt ihr nicht gesündigt,’sprach der Fuchs, ‘ihr thatet es aus Güte,wie mancher andre Mann noch thut,den oft erbarmen mussder Elenden und Hausarmen.Ihr sollt vor unsrem Kloster knien20und ein Paternoster sprechen:das ist für die Sünde zu viel.Ich will auch eine Sünde beichten,’sprach der Fuchs, ‘die mich recht sehr drücktund mir manch Seufzen bringt.Bei einem Dorfe wohnte ein Bauer,der hatte einen Hahn; der war so böse,dass er all’ die Hähne biss,die zu ihm in den Kreis kamen,und machte dabei sehr grosses Geschreimit zwölf Hennen Tag und Nacht,dass oft von ihm betäubt wardder Kopf kranker Leute.Das that mir von Herzen weh.Eines Tags sah ich ihn spielen10mit seinen Gemahlinnen im Garten.Ich nahm ihn bei der Schwarteund trug ihn durch den Zaunfürbass in eine andre Pfarre,wo ich ihm das Leben nahm:in seiner Pfarre fürchtete ich den Bann.Darum schrien seine Weiberalle Tage über mich:das betäubte mir den Sinn,und rächte ich mich auch an ihnen,20dass ich eine nach der andern ass:wie konnte ich mich besser rächen?Denn sie trugen mir Hass.Herr, nun sagt mir Ablassfür die grosse Missethat.’Da sprach der Wolf: ‘Dessen wird guter Rath,dass das Schreien und das Krähenzu einem guten Ende gebracht ist.Du hast nicht sehr gesündigt,wie ich mich nun besinnen kann.Jedoch faste an drei Freitagen,wenn du kein Fleisch erjagen kannst.Ich erlaube es dir, wie du mir es thust.Wohl, Herr Esel, nun beichtet ihr.’‘Ich weiss nicht, was ich beichten soll:ihr wisst beide selber wohl,dass ich ein Märtyrer-Genosse bin:10denn meine Arbeit ist so gross,dass ich immer von Leid zu sagen habe.Ihr seht mich auf und nieder tragenWasser, Holz, Korn und Mist,und was täglich zu thun istauf einer hohen Burg,dass ich ohne Dank mich plagemit mancher harten Arbeit.Ich that eine Sünde: die ist mir leid,und hat mich seither viel gereuet.20Ein Knecht, der meiner zu aller Zeit pflegte,gieng einmal vor mir durch den Schnee.Da thaten mir Frost und Hunger weh,und ich ward gewahr, dass ihm Strohaus beiden Schuhen da heraus ragte.Da riss ich ihm etwas heraus,das war sein Schade und mein Unheil:an der Seele bin ichs schuldig.Nun seid gegen mich geduldigund bestimmt mir Busse gnädiglich.’Sie sprachen: ‘Weh dir, ewiglich!Mörder, was hast du gethan?Du hast einen Mann zu Grunde gerichtet,10dem seine Füsse erfroren sind:der Mord hat deine Seele vernichtet.So soll der (Leib) auch nicht gerettet werden,der Dieb und Mörder gewesen ist.’So nahmen sie beide ihm sein Leben.Solche Busse können noch austheilenin den Klöstern die bösen Plattköpfe:wem sie nicht günstig sind,wird hin und her gezaust,bis er Seele und Leib verliert,20wie der Esel wegen einer kleinen Schuld:der Fuchs behielt des Wolfes Huld.

Ein Wolf, ein Fuchs und auch ein Eselwollten nach Rom: ihre Reue war gross.Und da sie der Stadt nahe kamen,10da sprach der Wolf: ‘Da Gott uns hatmit seiner Gnade hergebracht,hab’ ich mich eines Dings bedacht:also dass wir auch sollenvorher beichten, das gefällt mir,ehe wir den Pabst ansehn.’Da sprach der Fuchs: ‘Das soll geschehn:denn der Pabst hat viel zu schaffensowohl mit Laien als Pfaffen:deshalb hat er selten Musse.Beichten wir und bestimmen die Busse,und bitten ihn, dass er sie bestätigeum Gott und unsres Gebets willen.’Da sprach der Wolf: ‘Nun seid einigund beichte je einer den andern zwein10das Grösste, was er gethan hat.So heb’ ich zuerst an.Ich that eine Sünde, vor der ich habegrosse Furcht. Es hatte ein Mannam Rhein eine Zuchtsau.Die hatte zwölf kleine Ferkelin einem Stalle liegen.Die hört ich sehr schreiendes Morgens nach ihrer Amme,während sie mit vollem Bauche20im Felde umhergieng, und ihre Jungenmit grossem Hunger rangen.Das jammerte mich, als ichs sah.An der Amme rächte ich micheines Tags, da sie sie nicht pflegte:ich biss sie, dass sie todt dalag,und füllte meinen Magen mit ihr.Nun lasst euch grössere Sünde sagen.Danach, da ich mich besann,dass ich sehr übel gethan hätte,erbarmten mich die Ferkel,die elenden, und ihres Hungers Pein,und half ich ihnen ganz aus aller Noth:sie lagen alle von mir todt;aus rechtem Herzeleid10schloss ich sie in mein Eingeweide:weinend künd’ ich euch das.Bestimmt die Busse für meine Sünde.’‘So wie ich euch vernommen habe,so habt ihr nicht gesündigt,’sprach der Fuchs, ‘ihr thatet es aus Güte,wie mancher andre Mann noch thut,den oft erbarmen mussder Elenden und Hausarmen.Ihr sollt vor unsrem Kloster knien20und ein Paternoster sprechen:das ist für die Sünde zu viel.Ich will auch eine Sünde beichten,’sprach der Fuchs, ‘die mich recht sehr drücktund mir manch Seufzen bringt.Bei einem Dorfe wohnte ein Bauer,der hatte einen Hahn; der war so böse,dass er all’ die Hähne biss,die zu ihm in den Kreis kamen,und machte dabei sehr grosses Geschreimit zwölf Hennen Tag und Nacht,dass oft von ihm betäubt wardder Kopf kranker Leute.Das that mir von Herzen weh.Eines Tags sah ich ihn spielen10mit seinen Gemahlinnen im Garten.Ich nahm ihn bei der Schwarteund trug ihn durch den Zaunfürbass in eine andre Pfarre,wo ich ihm das Leben nahm:in seiner Pfarre fürchtete ich den Bann.Darum schrien seine Weiberalle Tage über mich:das betäubte mir den Sinn,und rächte ich mich auch an ihnen,20dass ich eine nach der andern ass:wie konnte ich mich besser rächen?Denn sie trugen mir Hass.Herr, nun sagt mir Ablassfür die grosse Missethat.’Da sprach der Wolf: ‘Dessen wird guter Rath,dass das Schreien und das Krähenzu einem guten Ende gebracht ist.Du hast nicht sehr gesündigt,wie ich mich nun besinnen kann.Jedoch faste an drei Freitagen,wenn du kein Fleisch erjagen kannst.Ich erlaube es dir, wie du mir es thust.Wohl, Herr Esel, nun beichtet ihr.’‘Ich weiss nicht, was ich beichten soll:ihr wisst beide selber wohl,dass ich ein Märtyrer-Genosse bin:10denn meine Arbeit ist so gross,dass ich immer von Leid zu sagen habe.Ihr seht mich auf und nieder tragenWasser, Holz, Korn und Mist,und was täglich zu thun istauf einer hohen Burg,dass ich ohne Dank mich plagemit mancher harten Arbeit.Ich that eine Sünde: die ist mir leid,und hat mich seither viel gereuet.20Ein Knecht, der meiner zu aller Zeit pflegte,gieng einmal vor mir durch den Schnee.Da thaten mir Frost und Hunger weh,und ich ward gewahr, dass ihm Strohaus beiden Schuhen da heraus ragte.Da riss ich ihm etwas heraus,das war sein Schade und mein Unheil:an der Seele bin ichs schuldig.Nun seid gegen mich geduldigund bestimmt mir Busse gnädiglich.’Sie sprachen: ‘Weh dir, ewiglich!Mörder, was hast du gethan?Du hast einen Mann zu Grunde gerichtet,10dem seine Füsse erfroren sind:der Mord hat deine Seele vernichtet.So soll der (Leib) auch nicht gerettet werden,der Dieb und Mörder gewesen ist.’So nahmen sie beide ihm sein Leben.Solche Busse können noch austheilenin den Klöstern die bösen Plattköpfe:wem sie nicht günstig sind,wird hin und her gezaust,bis er Seele und Leib verliert,20wie der Esel wegen einer kleinen Schuld:der Fuchs behielt des Wolfes Huld.

Ein Wolf, ein Fuchs und auch ein Eselwollten nach Rom: ihre Reue war gross.Und da sie der Stadt nahe kamen,10da sprach der Wolf: ‘Da Gott uns hatmit seiner Gnade hergebracht,hab’ ich mich eines Dings bedacht:also dass wir auch sollenvorher beichten, das gefällt mir,ehe wir den Pabst ansehn.’Da sprach der Fuchs: ‘Das soll geschehn:denn der Pabst hat viel zu schaffensowohl mit Laien als Pfaffen:deshalb hat er selten Musse.Beichten wir und bestimmen die Busse,und bitten ihn, dass er sie bestätigeum Gott und unsres Gebets willen.’Da sprach der Wolf: ‘Nun seid einigund beichte je einer den andern zwein10das Grösste, was er gethan hat.So heb’ ich zuerst an.Ich that eine Sünde, vor der ich habegrosse Furcht. Es hatte ein Mannam Rhein eine Zuchtsau.Die hatte zwölf kleine Ferkelin einem Stalle liegen.Die hört ich sehr schreiendes Morgens nach ihrer Amme,während sie mit vollem Bauche20im Felde umhergieng, und ihre Jungenmit grossem Hunger rangen.Das jammerte mich, als ichs sah.An der Amme rächte ich micheines Tags, da sie sie nicht pflegte:ich biss sie, dass sie todt dalag,und füllte meinen Magen mit ihr.Nun lasst euch grössere Sünde sagen.Danach, da ich mich besann,dass ich sehr übel gethan hätte,erbarmten mich die Ferkel,die elenden, und ihres Hungers Pein,und half ich ihnen ganz aus aller Noth:sie lagen alle von mir todt;aus rechtem Herzeleid10schloss ich sie in mein Eingeweide:weinend künd’ ich euch das.Bestimmt die Busse für meine Sünde.’‘So wie ich euch vernommen habe,so habt ihr nicht gesündigt,’sprach der Fuchs, ‘ihr thatet es aus Güte,wie mancher andre Mann noch thut,den oft erbarmen mussder Elenden und Hausarmen.Ihr sollt vor unsrem Kloster knien20und ein Paternoster sprechen:das ist für die Sünde zu viel.Ich will auch eine Sünde beichten,’sprach der Fuchs, ‘die mich recht sehr drücktund mir manch Seufzen bringt.Bei einem Dorfe wohnte ein Bauer,der hatte einen Hahn; der war so böse,dass er all’ die Hähne biss,die zu ihm in den Kreis kamen,und machte dabei sehr grosses Geschreimit zwölf Hennen Tag und Nacht,dass oft von ihm betäubt wardder Kopf kranker Leute.Das that mir von Herzen weh.Eines Tags sah ich ihn spielen10mit seinen Gemahlinnen im Garten.Ich nahm ihn bei der Schwarteund trug ihn durch den Zaunfürbass in eine andre Pfarre,wo ich ihm das Leben nahm:in seiner Pfarre fürchtete ich den Bann.Darum schrien seine Weiberalle Tage über mich:das betäubte mir den Sinn,und rächte ich mich auch an ihnen,20dass ich eine nach der andern ass:wie konnte ich mich besser rächen?Denn sie trugen mir Hass.Herr, nun sagt mir Ablassfür die grosse Missethat.’Da sprach der Wolf: ‘Dessen wird guter Rath,dass das Schreien und das Krähenzu einem guten Ende gebracht ist.Du hast nicht sehr gesündigt,wie ich mich nun besinnen kann.Jedoch faste an drei Freitagen,wenn du kein Fleisch erjagen kannst.Ich erlaube es dir, wie du mir es thust.Wohl, Herr Esel, nun beichtet ihr.’‘Ich weiss nicht, was ich beichten soll:ihr wisst beide selber wohl,dass ich ein Märtyrer-Genosse bin:10denn meine Arbeit ist so gross,dass ich immer von Leid zu sagen habe.Ihr seht mich auf und nieder tragenWasser, Holz, Korn und Mist,und was täglich zu thun istauf einer hohen Burg,dass ich ohne Dank mich plagemit mancher harten Arbeit.Ich that eine Sünde: die ist mir leid,und hat mich seither viel gereuet.20Ein Knecht, der meiner zu aller Zeit pflegte,gieng einmal vor mir durch den Schnee.Da thaten mir Frost und Hunger weh,und ich ward gewahr, dass ihm Strohaus beiden Schuhen da heraus ragte.Da riss ich ihm etwas heraus,das war sein Schade und mein Unheil:an der Seele bin ichs schuldig.Nun seid gegen mich geduldigund bestimmt mir Busse gnädiglich.’Sie sprachen: ‘Weh dir, ewiglich!Mörder, was hast du gethan?Du hast einen Mann zu Grunde gerichtet,10dem seine Füsse erfroren sind:der Mord hat deine Seele vernichtet.So soll der (Leib) auch nicht gerettet werden,der Dieb und Mörder gewesen ist.’So nahmen sie beide ihm sein Leben.Solche Busse können noch austheilenin den Klöstern die bösen Plattköpfe:wem sie nicht günstig sind,wird hin und her gezaust,bis er Seele und Leib verliert,20wie der Esel wegen einer kleinen Schuld:der Fuchs behielt des Wolfes Huld.

Ein Wolf, ein Fuchs und auch ein Esel

wollten nach Rom: ihre Reue war gross.

Und da sie der Stadt nahe kamen,10

da sprach der Wolf: ‘Da Gott uns hat

mit seiner Gnade hergebracht,

hab’ ich mich eines Dings bedacht:

also dass wir auch sollen

vorher beichten, das gefällt mir,

ehe wir den Pabst ansehn.’

Da sprach der Fuchs: ‘Das soll geschehn:

denn der Pabst hat viel zu schaffen

sowohl mit Laien als Pfaffen:

deshalb hat er selten Musse.

Beichten wir und bestimmen die Busse,

und bitten ihn, dass er sie bestätige

um Gott und unsres Gebets willen.’

Da sprach der Wolf: ‘Nun seid einig

und beichte je einer den andern zwein10

das Grösste, was er gethan hat.

So heb’ ich zuerst an.

Ich that eine Sünde, vor der ich habe

grosse Furcht. Es hatte ein Mann

am Rhein eine Zuchtsau.

Die hatte zwölf kleine Ferkel

in einem Stalle liegen.

Die hört ich sehr schreien

des Morgens nach ihrer Amme,

während sie mit vollem Bauche20

im Felde umhergieng, und ihre Jungen

mit grossem Hunger rangen.

Das jammerte mich, als ichs sah.

An der Amme rächte ich mich

eines Tags, da sie sie nicht pflegte:

ich biss sie, dass sie todt dalag,

und füllte meinen Magen mit ihr.

Nun lasst euch grössere Sünde sagen.

Danach, da ich mich besann,

dass ich sehr übel gethan hätte,

erbarmten mich die Ferkel,

die elenden, und ihres Hungers Pein,

und half ich ihnen ganz aus aller Noth:

sie lagen alle von mir todt;

aus rechtem Herzeleid10

schloss ich sie in mein Eingeweide:

weinend künd’ ich euch das.

Bestimmt die Busse für meine Sünde.’

‘So wie ich euch vernommen habe,

so habt ihr nicht gesündigt,’

sprach der Fuchs, ‘ihr thatet es aus Güte,

wie mancher andre Mann noch thut,

den oft erbarmen muss

der Elenden und Hausarmen.

Ihr sollt vor unsrem Kloster knien20

und ein Paternoster sprechen:

das ist für die Sünde zu viel.

Ich will auch eine Sünde beichten,’

sprach der Fuchs, ‘die mich recht sehr drückt

und mir manch Seufzen bringt.

Bei einem Dorfe wohnte ein Bauer,

der hatte einen Hahn; der war so böse,

dass er all’ die Hähne biss,

die zu ihm in den Kreis kamen,

und machte dabei sehr grosses Geschrei

mit zwölf Hennen Tag und Nacht,

dass oft von ihm betäubt ward

der Kopf kranker Leute.

Das that mir von Herzen weh.

Eines Tags sah ich ihn spielen10

mit seinen Gemahlinnen im Garten.

Ich nahm ihn bei der Schwarte

und trug ihn durch den Zaun

fürbass in eine andre Pfarre,

wo ich ihm das Leben nahm:

in seiner Pfarre fürchtete ich den Bann.

Darum schrien seine Weiber

alle Tage über mich:

das betäubte mir den Sinn,

und rächte ich mich auch an ihnen,20

dass ich eine nach der andern ass:

wie konnte ich mich besser rächen?

Denn sie trugen mir Hass.

Herr, nun sagt mir Ablass

für die grosse Missethat.’

Da sprach der Wolf: ‘Dessen wird guter Rath,

dass das Schreien und das Krähen

zu einem guten Ende gebracht ist.

Du hast nicht sehr gesündigt,

wie ich mich nun besinnen kann.

Jedoch faste an drei Freitagen,

wenn du kein Fleisch erjagen kannst.

Ich erlaube es dir, wie du mir es thust.

Wohl, Herr Esel, nun beichtet ihr.’

‘Ich weiss nicht, was ich beichten soll:

ihr wisst beide selber wohl,

dass ich ein Märtyrer-Genosse bin:10

denn meine Arbeit ist so gross,

dass ich immer von Leid zu sagen habe.

Ihr seht mich auf und nieder tragen

Wasser, Holz, Korn und Mist,

und was täglich zu thun ist

auf einer hohen Burg,

dass ich ohne Dank mich plage

mit mancher harten Arbeit.

Ich that eine Sünde: die ist mir leid,

und hat mich seither viel gereuet.20

Ein Knecht, der meiner zu aller Zeit pflegte,

gieng einmal vor mir durch den Schnee.

Da thaten mir Frost und Hunger weh,

und ich ward gewahr, dass ihm Stroh

aus beiden Schuhen da heraus ragte.

Da riss ich ihm etwas heraus,

das war sein Schade und mein Unheil:

an der Seele bin ichs schuldig.

Nun seid gegen mich geduldig

und bestimmt mir Busse gnädiglich.’

Sie sprachen: ‘Weh dir, ewiglich!

Mörder, was hast du gethan?

Du hast einen Mann zu Grunde gerichtet,10

dem seine Füsse erfroren sind:

der Mord hat deine Seele vernichtet.

So soll der (Leib) auch nicht gerettet werden,

der Dieb und Mörder gewesen ist.’

So nahmen sie beide ihm sein Leben.

Solche Busse können noch austheilen

in den Klöstern die bösen Plattköpfe:

wem sie nicht günstig sind,

wird hin und her gezaust,

bis er Seele und Leib verliert,20

wie der Esel wegen einer kleinen Schuld:

der Fuchs behielt des Wolfes Huld.


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