ULRICH BONER.

ULRICH BONER.[Scherer D.230,E.221.]Ein Predigermönch aus Bern. Er lebte bis nach 1349. Sein ‘Edelstein’ ist eine Sammlung von hundert Beispielen aus lateinischen und deutschen Quellen. Herausgegeben von Benecke (Berlin 1816) und von F. Pfeiffer (Leipzig 1844). Älteste Ausgabe Bamberg 1461, das erste deutsche Buch, welches im Druck erschienen.Wen[221]sprichet ‘dô der siech[222]genas,dô was er, der er ouch ê was.’wer bettet vil, und übel tuot,der ist sælig, wirt sîn ende guot.um guot geding[223]und übel lebenwirt vil swacher lôn gegeben.Eines zîtes daz beschach,daz ein wîg[224]ze sîner muoter sprachund klagte ir bitterlîche nôt:wand er was siech unz[225]ûf den tôt;10er sprach ‘vil liebiu muoter mîn,mich dunkt ez müg nicht anders sîn,ich müez leider sterben.sol ich ouch denn verderbenan der sêl, daz ist mir leit.sich an mîn grôzen erebeit,und bit die götte daz si sichwellen erbarmen über mich.’diu muoter sprach ‘mîn liebez kint,die götte vaste erzürnet sint;du hâst bereicht der götten zorn:ich vörcht du müezist sîn verlorn.vil kûm[226]die götte vergezzentdes si sich vermezzentze tuonde um dîne missetât.ûz vorchte nu dîn riuwe gât.dîn riuwe ist nu ze spâte komen:er mag dir kleine nu gevromen.nâriuwe[227]wirdet selten guot.10mich dunkt, er hab ein tumben muot,der nâch der rossen diupstâlalrêrst besliezen wil den stal.der riuw der sêle ist nicht gesunt,der von des tôdes vorchte kunt.ein wolf was siech: do er genas,er was ein wolf als er ê was.hætist du nicht erzürnet gotnoch übergangen sîn gebot,und hætist weder wîp noch man20betrüebt, und hætist ab gelândîn bœsiu werk in dîner jugent,und hætist dich gesetzt ûf tugent:sô möcht dîn bet got dankber[228]wesen,und möchtist an der sêl genesen.’Wer werden wil von gotte erhœrt,der achte daz sîn sünd zerstœrtwerden, und sîn leben guot.wâ bittent werk, wort unde muot,die bet sol got erhœren wol,gât si von herzen, als si sol.wer got bittet umb diu ding10diu der sêlen nütze sint,der wirt ân zwîvel des gewert,des er nâch nutz der sêl begert.wer bittet daz im schaden tuot,wirt der erhœrt, daz ist nicht guot.got wil erhœren dîn gebetnâch nutz, als er Sant Paulus tet,und nicht nâch dem willen dîn,mag ez der sêlen schedlich sîn.ist daz, dar umb du bittest got,mit werken hâst verdienôt,10und du ûz dînem herzen lâst,ungunst und des nîdes blâst[229]:sô wirst du vätterlîch gewertvon gotte des dîn herze gert.

ULRICH BONER.

[Scherer D.230,E.221.]

Ein Predigermönch aus Bern. Er lebte bis nach 1349. Sein ‘Edelstein’ ist eine Sammlung von hundert Beispielen aus lateinischen und deutschen Quellen. Herausgegeben von Benecke (Berlin 1816) und von F. Pfeiffer (Leipzig 1844). Älteste Ausgabe Bamberg 1461, das erste deutsche Buch, welches im Druck erschienen.

Ein Predigermönch aus Bern. Er lebte bis nach 1349. Sein ‘Edelstein’ ist eine Sammlung von hundert Beispielen aus lateinischen und deutschen Quellen. Herausgegeben von Benecke (Berlin 1816) und von F. Pfeiffer (Leipzig 1844). Älteste Ausgabe Bamberg 1461, das erste deutsche Buch, welches im Druck erschienen.

Wen[221]sprichet ‘dô der siech[222]genas,dô was er, der er ouch ê was.’wer bettet vil, und übel tuot,der ist sælig, wirt sîn ende guot.um guot geding[223]und übel lebenwirt vil swacher lôn gegeben.Eines zîtes daz beschach,daz ein wîg[224]ze sîner muoter sprachund klagte ir bitterlîche nôt:wand er was siech unz[225]ûf den tôt;10er sprach ‘vil liebiu muoter mîn,mich dunkt ez müg nicht anders sîn,ich müez leider sterben.sol ich ouch denn verderbenan der sêl, daz ist mir leit.sich an mîn grôzen erebeit,und bit die götte daz si sichwellen erbarmen über mich.’diu muoter sprach ‘mîn liebez kint,die götte vaste erzürnet sint;du hâst bereicht der götten zorn:ich vörcht du müezist sîn verlorn.vil kûm[226]die götte vergezzentdes si sich vermezzentze tuonde um dîne missetât.ûz vorchte nu dîn riuwe gât.dîn riuwe ist nu ze spâte komen:er mag dir kleine nu gevromen.nâriuwe[227]wirdet selten guot.10mich dunkt, er hab ein tumben muot,der nâch der rossen diupstâlalrêrst besliezen wil den stal.der riuw der sêle ist nicht gesunt,der von des tôdes vorchte kunt.ein wolf was siech: do er genas,er was ein wolf als er ê was.hætist du nicht erzürnet gotnoch übergangen sîn gebot,und hætist weder wîp noch man20betrüebt, und hætist ab gelândîn bœsiu werk in dîner jugent,und hætist dich gesetzt ûf tugent:sô möcht dîn bet got dankber[228]wesen,und möchtist an der sêl genesen.’Wer werden wil von gotte erhœrt,der achte daz sîn sünd zerstœrtwerden, und sîn leben guot.wâ bittent werk, wort unde muot,die bet sol got erhœren wol,gât si von herzen, als si sol.wer got bittet umb diu ding10diu der sêlen nütze sint,der wirt ân zwîvel des gewert,des er nâch nutz der sêl begert.wer bittet daz im schaden tuot,wirt der erhœrt, daz ist nicht guot.got wil erhœren dîn gebetnâch nutz, als er Sant Paulus tet,und nicht nâch dem willen dîn,mag ez der sêlen schedlich sîn.ist daz, dar umb du bittest got,mit werken hâst verdienôt,10und du ûz dînem herzen lâst,ungunst und des nîdes blâst[229]:sô wirst du vätterlîch gewertvon gotte des dîn herze gert.

Wen[221]sprichet ‘dô der siech[222]genas,dô was er, der er ouch ê was.’wer bettet vil, und übel tuot,der ist sælig, wirt sîn ende guot.um guot geding[223]und übel lebenwirt vil swacher lôn gegeben.Eines zîtes daz beschach,daz ein wîg[224]ze sîner muoter sprachund klagte ir bitterlîche nôt:wand er was siech unz[225]ûf den tôt;10er sprach ‘vil liebiu muoter mîn,mich dunkt ez müg nicht anders sîn,ich müez leider sterben.sol ich ouch denn verderbenan der sêl, daz ist mir leit.sich an mîn grôzen erebeit,und bit die götte daz si sichwellen erbarmen über mich.’diu muoter sprach ‘mîn liebez kint,die götte vaste erzürnet sint;du hâst bereicht der götten zorn:ich vörcht du müezist sîn verlorn.vil kûm[226]die götte vergezzentdes si sich vermezzentze tuonde um dîne missetât.ûz vorchte nu dîn riuwe gât.dîn riuwe ist nu ze spâte komen:er mag dir kleine nu gevromen.nâriuwe[227]wirdet selten guot.10mich dunkt, er hab ein tumben muot,der nâch der rossen diupstâlalrêrst besliezen wil den stal.der riuw der sêle ist nicht gesunt,der von des tôdes vorchte kunt.ein wolf was siech: do er genas,er was ein wolf als er ê was.hætist du nicht erzürnet gotnoch übergangen sîn gebot,und hætist weder wîp noch man20betrüebt, und hætist ab gelândîn bœsiu werk in dîner jugent,und hætist dich gesetzt ûf tugent:sô möcht dîn bet got dankber[228]wesen,und möchtist an der sêl genesen.’Wer werden wil von gotte erhœrt,der achte daz sîn sünd zerstœrtwerden, und sîn leben guot.wâ bittent werk, wort unde muot,die bet sol got erhœren wol,gât si von herzen, als si sol.wer got bittet umb diu ding10diu der sêlen nütze sint,der wirt ân zwîvel des gewert,des er nâch nutz der sêl begert.wer bittet daz im schaden tuot,wirt der erhœrt, daz ist nicht guot.got wil erhœren dîn gebetnâch nutz, als er Sant Paulus tet,und nicht nâch dem willen dîn,mag ez der sêlen schedlich sîn.ist daz, dar umb du bittest got,mit werken hâst verdienôt,10und du ûz dînem herzen lâst,ungunst und des nîdes blâst[229]:sô wirst du vätterlîch gewertvon gotte des dîn herze gert.

Wen[221]sprichet ‘dô der siech[222]genas,dô was er, der er ouch ê was.’wer bettet vil, und übel tuot,der ist sælig, wirt sîn ende guot.um guot geding[223]und übel lebenwirt vil swacher lôn gegeben.Eines zîtes daz beschach,daz ein wîg[224]ze sîner muoter sprachund klagte ir bitterlîche nôt:wand er was siech unz[225]ûf den tôt;10er sprach ‘vil liebiu muoter mîn,mich dunkt ez müg nicht anders sîn,ich müez leider sterben.sol ich ouch denn verderbenan der sêl, daz ist mir leit.sich an mîn grôzen erebeit,und bit die götte daz si sichwellen erbarmen über mich.’diu muoter sprach ‘mîn liebez kint,die götte vaste erzürnet sint;du hâst bereicht der götten zorn:ich vörcht du müezist sîn verlorn.vil kûm[226]die götte vergezzentdes si sich vermezzentze tuonde um dîne missetât.ûz vorchte nu dîn riuwe gât.dîn riuwe ist nu ze spâte komen:er mag dir kleine nu gevromen.nâriuwe[227]wirdet selten guot.10mich dunkt, er hab ein tumben muot,der nâch der rossen diupstâlalrêrst besliezen wil den stal.der riuw der sêle ist nicht gesunt,der von des tôdes vorchte kunt.ein wolf was siech: do er genas,er was ein wolf als er ê was.hætist du nicht erzürnet gotnoch übergangen sîn gebot,und hætist weder wîp noch man20betrüebt, und hætist ab gelândîn bœsiu werk in dîner jugent,und hætist dich gesetzt ûf tugent:sô möcht dîn bet got dankber[228]wesen,und möchtist an der sêl genesen.’Wer werden wil von gotte erhœrt,der achte daz sîn sünd zerstœrtwerden, und sîn leben guot.wâ bittent werk, wort unde muot,die bet sol got erhœren wol,gât si von herzen, als si sol.wer got bittet umb diu ding10diu der sêlen nütze sint,der wirt ân zwîvel des gewert,des er nâch nutz der sêl begert.wer bittet daz im schaden tuot,wirt der erhœrt, daz ist nicht guot.got wil erhœren dîn gebetnâch nutz, als er Sant Paulus tet,und nicht nâch dem willen dîn,mag ez der sêlen schedlich sîn.ist daz, dar umb du bittest got,mit werken hâst verdienôt,10und du ûz dînem herzen lâst,ungunst und des nîdes blâst[229]:sô wirst du vätterlîch gewertvon gotte des dîn herze gert.

Wen[221]sprichet ‘dô der siech[222]genas,

dô was er, der er ouch ê was.’

wer bettet vil, und übel tuot,

der ist sælig, wirt sîn ende guot.

um guot geding[223]und übel leben

wirt vil swacher lôn gegeben.

Eines zîtes daz beschach,

daz ein wîg[224]ze sîner muoter sprach

und klagte ir bitterlîche nôt:

wand er was siech unz[225]ûf den tôt;10

er sprach ‘vil liebiu muoter mîn,

mich dunkt ez müg nicht anders sîn,

ich müez leider sterben.

sol ich ouch denn verderben

an der sêl, daz ist mir leit.

sich an mîn grôzen erebeit,

und bit die götte daz si sich

wellen erbarmen über mich.’

diu muoter sprach ‘mîn liebez kint,

die götte vaste erzürnet sint;

du hâst bereicht der götten zorn:

ich vörcht du müezist sîn verlorn.

vil kûm[226]die götte vergezzent

des si sich vermezzent

ze tuonde um dîne missetât.

ûz vorchte nu dîn riuwe gât.

dîn riuwe ist nu ze spâte komen:

er mag dir kleine nu gevromen.

nâriuwe[227]wirdet selten guot.10

mich dunkt, er hab ein tumben muot,

der nâch der rossen diupstâl

alrêrst besliezen wil den stal.

der riuw der sêle ist nicht gesunt,

der von des tôdes vorchte kunt.

ein wolf was siech: do er genas,

er was ein wolf als er ê was.

hætist du nicht erzürnet got

noch übergangen sîn gebot,

und hætist weder wîp noch man20

betrüebt, und hætist ab gelân

dîn bœsiu werk in dîner jugent,

und hætist dich gesetzt ûf tugent:

sô möcht dîn bet got dankber[228]wesen,

und möchtist an der sêl genesen.’

Wer werden wil von gotte erhœrt,

der achte daz sîn sünd zerstœrt

werden, und sîn leben guot.

wâ bittent werk, wort unde muot,

die bet sol got erhœren wol,

gât si von herzen, als si sol.

wer got bittet umb diu ding10

diu der sêlen nütze sint,

der wirt ân zwîvel des gewert,

des er nâch nutz der sêl begert.

wer bittet daz im schaden tuot,

wirt der erhœrt, daz ist nicht guot.

got wil erhœren dîn gebet

nâch nutz, als er Sant Paulus tet,

und nicht nâch dem willen dîn,

mag ez der sêlen schedlich sîn.

ist daz, dar umb du bittest got,

mit werken hâst verdienôt,10

und du ûz dînem herzen lâst,

ungunst und des nîdes blâst[229]:

sô wirst du vätterlîch gewert

von gotte des dîn herze gert.


Back to IndexNext