JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED.
[Scherer D.371,E.374.]
Geboren 1700 zu Judithenkirch bei Königsberg, und daselbst erzogen, flüchtete er später nach Leipzig, wo er seit 1730 Professor extraordinarius, seit 1734 Ordinarius war. Starb 1766. Er stiftete die deutsche Gesellschaft, gab die Zeitschrift ‘Die vernünftigen Tadlerinnen’ heraus (1725), die er seit 1727 unter dem Titel ‘Der Biedermann’ fortsetzte. Er bekämpfte den Lohensteinischen Geschmack und vertrat den ‘französischen Classicismus’. Sein bedeutendstes theoretisches Werk ist der ‘Versuch einer kritischen Dichtkunst’ 1730. Er setzte sich mit der Schauspielertruppe der Frau Neuber in Verbindung, liess durch sie 1737 den Harlekin von der Bühne vertreiben, sorgte durch zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen für ein neues Bühnenrepertoire: seine ‘Deutsche Schaubühne’ erschien 1740–1745. Von seinen eigenen Dichtungen ist hauptsächlich das Trauerspiel ‘Der sterbende Cato’ (1732) zu nennen. Ferner schrieb er eine ‘Redekunst’ (1728); eine ‘Deutsche Sprachkunst’ (1748), ein ‘Handlexicon der schönen Wissenschaften und freien Künste’ (1760). Gottsched übte hauptsächlich in den Jahren 1730–1740 eine Art literarischer Dictatur aus. 1739 überwarf er sich mit seiner ‘Deutschen Gesellschaft,’ 1740 begann der Streit mit den Zürichern, namentlich Bodmer und Breitinger. 1741 wurde er von der Neuberin unter dem Namen ‘Tadler’ auf die Bühne gebracht. Seitdem verfiel er immer mehr dem Spott des Publicums und wurde eine lächerliche Persönlichkeit.
Geboren 1700 zu Judithenkirch bei Königsberg, und daselbst erzogen, flüchtete er später nach Leipzig, wo er seit 1730 Professor extraordinarius, seit 1734 Ordinarius war. Starb 1766. Er stiftete die deutsche Gesellschaft, gab die Zeitschrift ‘Die vernünftigen Tadlerinnen’ heraus (1725), die er seit 1727 unter dem Titel ‘Der Biedermann’ fortsetzte. Er bekämpfte den Lohensteinischen Geschmack und vertrat den ‘französischen Classicismus’. Sein bedeutendstes theoretisches Werk ist der ‘Versuch einer kritischen Dichtkunst’ 1730. Er setzte sich mit der Schauspielertruppe der Frau Neuber in Verbindung, liess durch sie 1737 den Harlekin von der Bühne vertreiben, sorgte durch zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen für ein neues Bühnenrepertoire: seine ‘Deutsche Schaubühne’ erschien 1740–1745. Von seinen eigenen Dichtungen ist hauptsächlich das Trauerspiel ‘Der sterbende Cato’ (1732) zu nennen. Ferner schrieb er eine ‘Redekunst’ (1728); eine ‘Deutsche Sprachkunst’ (1748), ein ‘Handlexicon der schönen Wissenschaften und freien Künste’ (1760). Gottsched übte hauptsächlich in den Jahren 1730–1740 eine Art literarischer Dictatur aus. 1739 überwarf er sich mit seiner ‘Deutschen Gesellschaft,’ 1740 begann der Streit mit den Zürichern, namentlich Bodmer und Breitinger. 1741 wurde er von der Neuberin unter dem Namen ‘Tadler’ auf die Bühne gebracht. Seitdem verfiel er immer mehr dem Spott des Publicums und wurde eine lächerliche Persönlichkeit.
Der dritte Auftritt.
Cato. Cæsar.
Cäsar.
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen,Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann.10Ich biethe Welschland[1179]itzt in dir den Frieden an.Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende!Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände;Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag,Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag.Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache;Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen,Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann.10Ich biethe Welschland[1179]itzt in dir den Frieden an.Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende!Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände;Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag,Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag.Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache;Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen,Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann.10Ich biethe Welschland[1179]itzt in dir den Frieden an.Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende!Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände;Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag,Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag.Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache;Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
Nun Cato, endlich ist der Wunsch mir eingetroffen,
Dass ich einmal mit dir vertraulich sprechen kann.10
Ich biethe Welschland[1179]itzt in dir den Frieden an.
Komm, schleuss ihn selbst mit mir, und mach der Noth ein Ende!
Das hartbedrängte Rom sieht bloss auf unsre Hände;
Versammle deinen Rath, und schaff auf diesen Tag,
Dass jedermann die Frucht der Eintracht erndten mag.
Die ganze Bürgerschaft verbanne Hass und Rache;
Indem ich dich, nebst mir, zum Bürgermeister mache.
Cato.
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an,Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann?Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden?10Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden!Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein,So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn.Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten!Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten;Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein.Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn:Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen.Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen!Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin,20Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin:Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beydenNoch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an,Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann?Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden?10Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden!Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein,So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn.Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten!Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten;Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein.Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn:Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen.Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen!Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin,20Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin:Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beydenNoch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an,Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann?Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden?10Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden!Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein,So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn.Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten!Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten;Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein.Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn:Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen.Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen!Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin,20Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin:Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beydenNoch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
Wie frech und unverschämt trägst du mir solches an,
Da mir nur Volk und Rath die Würde geben kann?
Denkst du die Tugend denn mit Lastern zu ermüden?10
Wir suchen bloss nach Recht und Billigkeit den Frieden!
Regiert ein einzig Haupt das grosse Rom allein,
So wollen wir mit Ernst daraus verbannet seyn.
Ja, Cæsar, weg von hier mit Königen und Ketten!
Der Römer Überrest will noch die Freyheit retten;
Und lässt sich das nicht thun, so sind wir doch nicht dein.
Der Africanersand soll unsre Freystadt seyn:
Hier hab ich selber schon ein Grab für mich erlesen.
Drum, Cäsar, lass uns Rom, wie es vorhin gewesen!
Komm ohne Kriegesvolk, komm ohne Waffen hin,20
Komm so, wie ich mich da zu zeigen Willens bin:
Alsdann so wird man sehn, wer endlich von uns beyden
Noch den Triumph erlangt, und welcher Rom muss meiden.
Cäsar.
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres BlutVerehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth.Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen,Ich bin den Ocean der Britten überstiegen;Und doch versaget mir der ungerechte Rath,Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat?30Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen,Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen,Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt,Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt!Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden,Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden;Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an,Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres BlutVerehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth.Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen,Ich bin den Ocean der Britten überstiegen;Und doch versaget mir der ungerechte Rath,Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat?30Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen,Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen,Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt,Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt!Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden,Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden;Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an,Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres BlutVerehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth.Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen,Ich bin den Ocean der Britten überstiegen;Und doch versaget mir der ungerechte Rath,Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat?30Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen,Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen,Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt,Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt!Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden,Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden;Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an,Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
Was hab ich denn gethan? Der Deutschen tapfres Blut
Verehrt durch meinen Dienst der Römer Heldenmuth.
Die Meere waren mir kein Hinderniss im Siegen,
Ich bin den Ocean der Britten überstiegen;
Und doch versaget mir der ungerechte Rath,
Weil mich Pompejus hasst, ein schlechtes Consulat?30
Man will mein tapfres Schwerdt im Frieden kraftlos machen,
Man giebt mir Aufruhr schuld; und was mein Schweiss, mein Wachen,
Mein eignes Blut verdient, das Bürgermeisteramt,
Fällt meinen Feinden zu? Das, das hat mich entflammt!
Halb rasend fieng ich an der Römer Feind zu werden,
Vergebens waffnet sich der ganze Kreis der Erden;
Ich schlug ihn doch, und nahm den Rest zu Gnaden an,
Nachdem ich ihn besiegt: was hab ich nun gethan?
Cato.
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket,Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket:Warum behältst du noch die oberste Gewalt?Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt.Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken:10Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken.Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat;Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat.Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden?Du hattest als ein Held viel Länder überwunden;Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht.Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht.Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens.Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens;Du hast noch mehr verwirkt!
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket,Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket:Warum behältst du noch die oberste Gewalt?Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt.Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken:10Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken.Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat;Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat.Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden?Du hattest als ein Held viel Länder überwunden;Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht.Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht.Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens.Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens;Du hast noch mehr verwirkt!
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket,Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket:Warum behältst du noch die oberste Gewalt?Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt.Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken:10Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken.Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat;Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat.Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden?Du hattest als ein Held viel Länder überwunden;Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht.Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht.Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens.Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens;Du hast noch mehr verwirkt!
Aus Rachgier, Cäsar, ward das Schwerdt von dir gezücket,
Da nun Pompejens Fall den Zorn bereits ersticket:
Warum behältst du noch die oberste Gewalt?
Daraus erhällt ja klar, dass man dich billig schalt.
Tyrannen schmücken stets ihr Thun mit List und Ränken:10
Die Worte sind oft gut; die That lehrt was sie denken.
Man gab dir mit Bedacht kein römisch Consulat;
Du warest viel zu gross und mächtig für den Staat.
Und wozu war dir wohl das Vaterland verbunden?
Du hattest als ein Held viel Länder überwunden;
Rom hatte triumphirt: Doch das war deine Pflicht.
Ein Bürger dient dem Staat, der Staat dem Bürger nicht.
Die Schuld ist offenbar; der Vorwand ist vergebens.
Den Grachus, wie du weist, beraubte man des Lebens;
Du hast noch mehr verwirkt!
Cäsar.
Wo will der Eifer hin?20Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin,Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
Wo will der Eifer hin?20Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin,Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
Wo will der Eifer hin?20Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin,Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
Wo will der Eifer hin?20
Vergesst ihr denn, dass ich ein Überwinder bin,
Und dass die Römer mich um Gnade bitten müssen?
Cato.
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen.Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit.Und wünsche dir vielmehr, dass die VergessenheitDen unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe.Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe,Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt,Und fand auch in der That der Römer Gnade bald.30Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein VerbrechenVielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen!Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland!Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt?Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke.Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke;Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn,Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn,Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen,Die Helden, welche sonst Gesetzund Rechte schützen,Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot:Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod,10Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen,Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen,Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt.Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen.Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit.Und wünsche dir vielmehr, dass die VergessenheitDen unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe.Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe,Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt,Und fand auch in der That der Römer Gnade bald.30Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein VerbrechenVielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen!Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland!Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt?Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke.Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke;Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn,Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn,Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen,Die Helden, welche sonst Gesetzund Rechte schützen,Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot:Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod,10Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen,Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen,Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt.Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen.Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit.Und wünsche dir vielmehr, dass die VergessenheitDen unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe.Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe,Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt,Und fand auch in der That der Römer Gnade bald.30Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein VerbrechenVielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen!Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland!Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt?Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke.Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke;Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn,Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn,Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen,Die Helden, welche sonst Gesetzund Rechte schützen,Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot:Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod,10Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen,Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen,Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt.Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
Wer voller Unschuld ist, will nichts von Gnade wissen.
Denk, Cäsar, denk einmal an deine Grausamkeit.
Und wünsche dir vielmehr, dass die Vergessenheit
Den unerhörten Stolz, der dich bethört, begrabe.
Auch Sylla, den ich oft darum gepriesen habe,
Entsagte von sich selbst der Herrschaft und Gewalt,
Und fand auch in der That der Römer Gnade bald.30
Dem Beyspiel folge nach. So wird dir dein Verbrechen
Vielleicht auch noch geschenkt. Ich selbst will für dich sprechen!
Wie nun? Du schweigest hier? O Rom! O Vaterland!
Hast du dem Barbar nicht viel gutes zugewandt?
Und er bestimmt dir stets ein grösser Ungelücke.
Die Götter zeigen uns viel Zorn erfüllte Blicke;
Rom streitet mit sich selbst: die Mutter hasst den Sohn,
Der Legionen Zahl spricht ihren Brüdern Hohn,
Man sieht der Römer Blut auf Römer Hände spritzen,
Die Helden, welche sonst Gesetzund Rechte schützen,
Ersticken die Natur, und schänden ihr Gebot:
Die Väter streben nur nach ihrer Kinder Tod,10
Die Kinder suchen nichts als ihrer Väter Leichen,
Die Mütter sind bemüht dem Jammer zu entweichen,
Und stürzen sich zuvor in beyder blosses Schwerdt.
Die Herrschaft, Cäsar, ists, was deine Brust begehrt!
Kleine Geister, die keine Einsicht in die Moral besitzen und das ungereimte Wesen in den menschlichen Handlungen weder wahrnehmen noch satyrisch vorstellen können, haben, anstatt das Lächerliche in den Sachen zu suchen, dasselbe in närrischen Kleidungen,{20}Worten und Gebärden zu finden gemeinet. Daher haben Harlekin und Skaramutz die Hauptpersonen ihrer Lustspiele werden müssen. Diese müssen durch bunte Wämser, wunderliche Posituren und garstige Fratzen den Pöbel zum Gelächter reizen. Von diesem allem haben die Alten nichts gewusst; und es gehört mit unter die phantastischen Erfindungen der Italiener, die jemand in der Vorrede zu einer französischen Komödie: ‘Harlequin aux Champs Elisées’ verspottet hat. Terenz hat seine Komödienohneeine lustige Person lächerlich genug zu machen gewusst: das neue französische Theater hat gleichfalls bisherkeinenHarlekin nöthig{30}gehabt, die Zuschauer zu belustigen; obgleich Molière darin ein böses Exempel gegeben hatte. Destouches und einige andere nämlich haben sich gar wohlohnediese phantastische Person behelfen können; und ein Poet setzt sich wirklich in Verdacht, als verstände er sein Handwerk, d. i. die Satire, nicht, wenn er ohne dieBeihilfe eines unflätigen Possenreissers nichts Lustiges auf die Schaubühne bringen kann. Boileau hat diese schmutzigen Zoten seinen Schülern ernstlich untersagt und den Molière selbst nicht geschont, der sich auch oft dem Pöbel in diesem Stücke bequemt hatte.
Hieraus ist nun leicht zu schliessen, was von demThéatre italienundThéatre de la Foire, wo lauter abgeschmacktes Zeug vorkömmt, für ein Werks zu machen sei, darüber ein Kluger entweder gar nicht lacht, oder sich doch schämt, gelacht zu haben;{10}ingleichen was von allen deutschen Narren zu halten sei, sie mögen nun von alter Erfindung sein, wie Hanswurst oder Pickelhering, dessen sichWeisenoch immer bedient hat, oder auch von neuer Art, wie der sogenannte Peter, oder Crispin, oder wie sie sonst heissen mögen. Eben die Gründe, die wider jene streiten, sind auch allen diesen Geschöpfen einer unordentlichen Einbildungskraft zuwider, die kein Muster in der Natur haben.