JOHANN FISCHART, GENANNT MENTZER.
[Scherer D.291,E.288.]
Geboren zu Mainz um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts, erzogen zu Worms, bildete sich auf vielen und weiten Reisen, ward 1574 in Basel zum Doctor juris promoviert, lebte dann in Strassburg, Speyer und Forbach, wo er 1590 als Amtmann starb. Seine Werke sind sehr zahlreich. Er verfasste Übersetzungen, Bearbeitungen, originale Arbeiten, in Prosa und in Versen; satirischen und didaktischen Inhalts; auch Psalmen und andere geistliche Gesänge. Er war der gewaltigste protestantische Publicist nach Luther. Am bekanntesten ist seine Nachahmung Rabelais’, die ‘Affentheurliche, Naupengeheurliche Geschichtklitterung: Von Thaten vnd Rhaten der vor kurtzen, langen vnnd je weilen Vollenwolbeschreiten Helden vnd Herren: Grandgoschier, Gorgellantua vnd dess dess Eiteldurstlichen Durchdurstlechtgien Fürsten Pantagruel von Durstwelten, Königen in Vtopien, Jederwelt Nullatenenten vn̄ Nienenreich etc. etc. Durch Huldrich Elloposcleron. Getruckt zur Grensin im Gånsserich.’ (Berlin) 1590. Erste Ausgabe 1575. Herausgegeben von Kurz (3 Bde. Leipzig, 1866–67); Gödeke (Leipzig, 1880).
Geboren zu Mainz um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts, erzogen zu Worms, bildete sich auf vielen und weiten Reisen, ward 1574 in Basel zum Doctor juris promoviert, lebte dann in Strassburg, Speyer und Forbach, wo er 1590 als Amtmann starb. Seine Werke sind sehr zahlreich. Er verfasste Übersetzungen, Bearbeitungen, originale Arbeiten, in Prosa und in Versen; satirischen und didaktischen Inhalts; auch Psalmen und andere geistliche Gesänge. Er war der gewaltigste protestantische Publicist nach Luther. Am bekanntesten ist seine Nachahmung Rabelais’, die ‘Affentheurliche, Naupengeheurliche Geschichtklitterung: Von Thaten vnd Rhaten der vor kurtzen, langen vnnd je weilen Vollenwolbeschreiten Helden vnd Herren: Grandgoschier, Gorgellantua vnd dess dess Eiteldurstlichen Durchdurstlechtgien Fürsten Pantagruel von Durstwelten, Königen in Vtopien, Jederwelt Nullatenenten vn̄ Nienenreich etc. etc. Durch Huldrich Elloposcleron. Getruckt zur Grensin im Gånsserich.’ (Berlin) 1590. Erste Ausgabe 1575. Herausgegeben von Kurz (3 Bde. Leipzig, 1866–67); Gödeke (Leipzig, 1880).
Was hilfts, o Teutschland, das dir gfaltDiss bild, so herlich sighaft gstalt[747],Das es bedeit[748]der Teutschen macht,10Die unter sich der welt macht bracht,Und das du weisst, das dein uraltenDen namen mit rum han erhalten,Wann du dasselbig lasst veralten,Was dein voralten dir erhalten;Wann nicht dasselbig wilt verwaren,Was dein Vorfaren dir vorsparen[749];Wann nicht den namen wilt vermeren,Der auf dich erbt von grossen eren?Was ists, das man sich rümet hochDer eltern und folgt in nicht noch[750]?Bist aller tugend grosser preiser,Aber der tugend kein erweiser;Tust gut alt sitten hoch erhebenUnd schickst doch nicht darnach dein leben.Was rümst du dich vil adelichsUnd tust doch nichts dann tadelichs?10Was rum hat der jung adler doch,Wann er sich rümt der eltern hoch,Wie sie frei wonten in bergsklüften,Und frei regierten in den lüften:Und er sitzt gfesselt auf der stangen,Muss, was der mensch nur wil, im fangen!Also, was ist dir für ein ehr,Wann rümst die alten Teutschen sehr,Wie sie für ire freiheit strittenUnd keinen bösen nachbarn litten,20Und du achtst nicht der freiheit dein,Kanst kaum in deim land sicher sein,Lasst dir dein nachbarn sein pferd bindenAn deinen zaun fornen und hinden!Sollt auch solch feiger art gebüren,Das sie soll kron und scepter füren?Ja! ir gbürt für den königsstab[751]Ein hölzlin ross, welchs sie nur hab,Und füre für den adler künEin bunte atzel[752]nun forthin,30Und für den weltapfel ein ball,Den man schlegt, wann er hupft im fall.Weil heut doch schier keim[753]ernst ist mehr,Handzuhaben freiheit und ehr;Sonder man scherzt nur mit der freiheit,Sucht fremde sitten, brauch und neuheit,Und für alt teutsch standhaftigkeitReisst ein weibisch leichtfertigkeit.Drum ist nichts, das man adler fürt,Wann man des adlers mut nicht spürt;Nichts ists, das man fürmalt die weltUnd kaum ein stuck der welt erhelt:Sonder man muss erweisen feinDiss, des man wil gerümet sein,Und nicht der alten wacker taten10Schenden mit untun ungeraten[754].Aufrecht, treu, redlich, einig und standhaft,Das gwinnt und erhelt leut und landschaft;Also wird man gleich unsern alten,Also möcht man forthin erhaltenDen erenrum auf die nachkomen,Das sie demselben auch nachomen[755];Und also kan man sein ein schreckenDen nachbarn, das sie uns nicht wecken,Sonder dem hund lan seinen tratz[756],20Zu verwaren sein gut und schatz,Gleich wie man deren noch findt etlich,Die solchem rat nachsetzen[757]redlichUnd recht bedenken ire würden,Wie ir vorfaren scepter fürten.Gott sterk dem edlen teutschen gblütSolch anererbt teutsch adlersgmüt.Secht, diss hab als ein Teutscher ichAus teutschem gblüt treuherziglichEuch Teutschen, die herkommt von helden,30Bei diesen helden müssen melden,So bald ich diss teutsch bild schaut an:Gott geb, das ir es recht verstan,Und beides treu seid euern freundenUnd auch ein scheu[758]alln euern feinden.
Was hilfts, o Teutschland, das dir gfaltDiss bild, so herlich sighaft gstalt[747],Das es bedeit[748]der Teutschen macht,10Die unter sich der welt macht bracht,Und das du weisst, das dein uraltenDen namen mit rum han erhalten,Wann du dasselbig lasst veralten,Was dein voralten dir erhalten;Wann nicht dasselbig wilt verwaren,Was dein Vorfaren dir vorsparen[749];Wann nicht den namen wilt vermeren,Der auf dich erbt von grossen eren?Was ists, das man sich rümet hochDer eltern und folgt in nicht noch[750]?Bist aller tugend grosser preiser,Aber der tugend kein erweiser;Tust gut alt sitten hoch erhebenUnd schickst doch nicht darnach dein leben.Was rümst du dich vil adelichsUnd tust doch nichts dann tadelichs?10Was rum hat der jung adler doch,Wann er sich rümt der eltern hoch,Wie sie frei wonten in bergsklüften,Und frei regierten in den lüften:Und er sitzt gfesselt auf der stangen,Muss, was der mensch nur wil, im fangen!Also, was ist dir für ein ehr,Wann rümst die alten Teutschen sehr,Wie sie für ire freiheit strittenUnd keinen bösen nachbarn litten,20Und du achtst nicht der freiheit dein,Kanst kaum in deim land sicher sein,Lasst dir dein nachbarn sein pferd bindenAn deinen zaun fornen und hinden!Sollt auch solch feiger art gebüren,Das sie soll kron und scepter füren?Ja! ir gbürt für den königsstab[751]Ein hölzlin ross, welchs sie nur hab,Und füre für den adler künEin bunte atzel[752]nun forthin,30Und für den weltapfel ein ball,Den man schlegt, wann er hupft im fall.Weil heut doch schier keim[753]ernst ist mehr,Handzuhaben freiheit und ehr;Sonder man scherzt nur mit der freiheit,Sucht fremde sitten, brauch und neuheit,Und für alt teutsch standhaftigkeitReisst ein weibisch leichtfertigkeit.Drum ist nichts, das man adler fürt,Wann man des adlers mut nicht spürt;Nichts ists, das man fürmalt die weltUnd kaum ein stuck der welt erhelt:Sonder man muss erweisen feinDiss, des man wil gerümet sein,Und nicht der alten wacker taten10Schenden mit untun ungeraten[754].Aufrecht, treu, redlich, einig und standhaft,Das gwinnt und erhelt leut und landschaft;Also wird man gleich unsern alten,Also möcht man forthin erhaltenDen erenrum auf die nachkomen,Das sie demselben auch nachomen[755];Und also kan man sein ein schreckenDen nachbarn, das sie uns nicht wecken,Sonder dem hund lan seinen tratz[756],20Zu verwaren sein gut und schatz,Gleich wie man deren noch findt etlich,Die solchem rat nachsetzen[757]redlichUnd recht bedenken ire würden,Wie ir vorfaren scepter fürten.Gott sterk dem edlen teutschen gblütSolch anererbt teutsch adlersgmüt.Secht, diss hab als ein Teutscher ichAus teutschem gblüt treuherziglichEuch Teutschen, die herkommt von helden,30Bei diesen helden müssen melden,So bald ich diss teutsch bild schaut an:Gott geb, das ir es recht verstan,Und beides treu seid euern freundenUnd auch ein scheu[758]alln euern feinden.
Was hilfts, o Teutschland, das dir gfaltDiss bild, so herlich sighaft gstalt[747],Das es bedeit[748]der Teutschen macht,10Die unter sich der welt macht bracht,Und das du weisst, das dein uraltenDen namen mit rum han erhalten,Wann du dasselbig lasst veralten,Was dein voralten dir erhalten;Wann nicht dasselbig wilt verwaren,Was dein Vorfaren dir vorsparen[749];Wann nicht den namen wilt vermeren,Der auf dich erbt von grossen eren?Was ists, das man sich rümet hochDer eltern und folgt in nicht noch[750]?Bist aller tugend grosser preiser,Aber der tugend kein erweiser;Tust gut alt sitten hoch erhebenUnd schickst doch nicht darnach dein leben.Was rümst du dich vil adelichsUnd tust doch nichts dann tadelichs?10Was rum hat der jung adler doch,Wann er sich rümt der eltern hoch,Wie sie frei wonten in bergsklüften,Und frei regierten in den lüften:Und er sitzt gfesselt auf der stangen,Muss, was der mensch nur wil, im fangen!Also, was ist dir für ein ehr,Wann rümst die alten Teutschen sehr,Wie sie für ire freiheit strittenUnd keinen bösen nachbarn litten,20Und du achtst nicht der freiheit dein,Kanst kaum in deim land sicher sein,Lasst dir dein nachbarn sein pferd bindenAn deinen zaun fornen und hinden!Sollt auch solch feiger art gebüren,Das sie soll kron und scepter füren?Ja! ir gbürt für den königsstab[751]Ein hölzlin ross, welchs sie nur hab,Und füre für den adler künEin bunte atzel[752]nun forthin,30Und für den weltapfel ein ball,Den man schlegt, wann er hupft im fall.Weil heut doch schier keim[753]ernst ist mehr,Handzuhaben freiheit und ehr;Sonder man scherzt nur mit der freiheit,Sucht fremde sitten, brauch und neuheit,Und für alt teutsch standhaftigkeitReisst ein weibisch leichtfertigkeit.Drum ist nichts, das man adler fürt,Wann man des adlers mut nicht spürt;Nichts ists, das man fürmalt die weltUnd kaum ein stuck der welt erhelt:Sonder man muss erweisen feinDiss, des man wil gerümet sein,Und nicht der alten wacker taten10Schenden mit untun ungeraten[754].Aufrecht, treu, redlich, einig und standhaft,Das gwinnt und erhelt leut und landschaft;Also wird man gleich unsern alten,Also möcht man forthin erhaltenDen erenrum auf die nachkomen,Das sie demselben auch nachomen[755];Und also kan man sein ein schreckenDen nachbarn, das sie uns nicht wecken,Sonder dem hund lan seinen tratz[756],20Zu verwaren sein gut und schatz,Gleich wie man deren noch findt etlich,Die solchem rat nachsetzen[757]redlichUnd recht bedenken ire würden,Wie ir vorfaren scepter fürten.Gott sterk dem edlen teutschen gblütSolch anererbt teutsch adlersgmüt.Secht, diss hab als ein Teutscher ichAus teutschem gblüt treuherziglichEuch Teutschen, die herkommt von helden,30Bei diesen helden müssen melden,So bald ich diss teutsch bild schaut an:Gott geb, das ir es recht verstan,Und beides treu seid euern freundenUnd auch ein scheu[758]alln euern feinden.
Was hilfts, o Teutschland, das dir gfalt
Diss bild, so herlich sighaft gstalt[747],
Das es bedeit[748]der Teutschen macht,10
Die unter sich der welt macht bracht,
Und das du weisst, das dein uralten
Den namen mit rum han erhalten,
Wann du dasselbig lasst veralten,
Was dein voralten dir erhalten;
Wann nicht dasselbig wilt verwaren,
Was dein Vorfaren dir vorsparen[749];
Wann nicht den namen wilt vermeren,
Der auf dich erbt von grossen eren?
Was ists, das man sich rümet hoch
Der eltern und folgt in nicht noch[750]?
Bist aller tugend grosser preiser,
Aber der tugend kein erweiser;
Tust gut alt sitten hoch erheben
Und schickst doch nicht darnach dein leben.
Was rümst du dich vil adelichs
Und tust doch nichts dann tadelichs?10
Was rum hat der jung adler doch,
Wann er sich rümt der eltern hoch,
Wie sie frei wonten in bergsklüften,
Und frei regierten in den lüften:
Und er sitzt gfesselt auf der stangen,
Muss, was der mensch nur wil, im fangen!
Also, was ist dir für ein ehr,
Wann rümst die alten Teutschen sehr,
Wie sie für ire freiheit stritten
Und keinen bösen nachbarn litten,20
Und du achtst nicht der freiheit dein,
Kanst kaum in deim land sicher sein,
Lasst dir dein nachbarn sein pferd binden
An deinen zaun fornen und hinden!
Sollt auch solch feiger art gebüren,
Das sie soll kron und scepter füren?
Ja! ir gbürt für den königsstab[751]
Ein hölzlin ross, welchs sie nur hab,
Und füre für den adler kün
Ein bunte atzel[752]nun forthin,30
Und für den weltapfel ein ball,
Den man schlegt, wann er hupft im fall.
Weil heut doch schier keim[753]ernst ist mehr,
Handzuhaben freiheit und ehr;
Sonder man scherzt nur mit der freiheit,
Sucht fremde sitten, brauch und neuheit,
Und für alt teutsch standhaftigkeit
Reisst ein weibisch leichtfertigkeit.
Drum ist nichts, das man adler fürt,
Wann man des adlers mut nicht spürt;
Nichts ists, das man fürmalt die welt
Und kaum ein stuck der welt erhelt:
Sonder man muss erweisen fein
Diss, des man wil gerümet sein,
Und nicht der alten wacker taten10
Schenden mit untun ungeraten[754].
Aufrecht, treu, redlich, einig und standhaft,
Das gwinnt und erhelt leut und landschaft;
Also wird man gleich unsern alten,
Also möcht man forthin erhalten
Den erenrum auf die nachkomen,
Das sie demselben auch nachomen[755];
Und also kan man sein ein schrecken
Den nachbarn, das sie uns nicht wecken,
Sonder dem hund lan seinen tratz[756],20
Zu verwaren sein gut und schatz,
Gleich wie man deren noch findt etlich,
Die solchem rat nachsetzen[757]redlich
Und recht bedenken ire würden,
Wie ir vorfaren scepter fürten.
Gott sterk dem edlen teutschen gblüt
Solch anererbt teutsch adlersgmüt.
Secht, diss hab als ein Teutscher ich
Aus teutschem gblüt treuherziglich
Euch Teutschen, die herkommt von helden,30
Bei diesen helden müssen melden,
So bald ich diss teutsch bild schaut an:
Gott geb, das ir es recht verstan,
Und beides treu seid euern freunden
Und auch ein scheu[758]alln euern feinden.
Da freuten sich die raisgeferten,Als sie den Rein da rauschen hörten,Und wünschten auf ain neues glück,Das glücklich sie der Rein fortschick,Und grüssten jn da mit trommeten:‘Nun han wir deiner hilf von nöten,O Rein, mit deinem hellen fluss!Dien du uns nun zur fürdernus[759]!Lass uns geniessen deiner gunst!10Dieweil du doch entspringst bei uns,Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760]Im Rheinzierland[761], von alten anen,Und wir dein tal, dadurch du rinnst,Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst.Schalt diss wagschiflein nach begeren[762],Wir wöllen dir es doch vereren[763];Leit es gen Strassburg, deine zierd,Darfür du gern laufst mit begierd,Weil es dein[764]strom ziert und ergetzt,20Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’Der Rein mocht dis kaum hören aus,Da wund er um das schiff sich kraus,Macht um die ruder ain weit rad,Und schlug mit freuden ans gestad,Und liess ain rauschend stimm da hören,Draus man mocht dise wort erkleren:‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen!Also folgt eueren vorfaren,30Die diss taten vor hundert jaren[766]!Also muss man hie rum erjagen,Wann man den alten wil nachschlagen[767].Von euerer vorfaren wegenSeid ir mir wilkumm hie zugegen.Ir sucht die alt gerechtigkeit[768],Die euer alten han bereit[769];Dieselbig will ich euch gern gonnen,Wie es die alten han gewonnen.Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen,Solchs von euern nachkommen gschehen.10Also erhelt man nachbarschaft;Dann ie der Schweizer aigenschaftIst nachbaurliche freuntlichkeitUnd in der not standhaftigkeit.Ich hab vil erlich leut und schützen,Die auf mich in schiff teten sitzen,Gelait gen Strassburg auf das schiessen,Dafür[770]mit freuden ich tu fliessen;Aber kaine hab ich gelait,Noch heut des tags[771]mit solcher freud.20Far fort! far fort! lasst euch nichts schreckenUnd tut die lenden daran strecken!Die arbait tregt darvon den sieg,Und macht, das man hoch daher fliegMit Fama, der rumgöttin herlich;Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich.Mit solchen leuten solt man schiffenDurch die mörwürbeln und mördiefen;Mit solchen forcht man kain merwunderUnd kain wetter, wie sehr es tunder;30Mit solchen dörft man sich vermessen,Das ainen fremde fisch nicht fressen:Dann dise alles überstreiten,Durch ir unverdrossen arbaiten.Mit disen knaben solte ainerWerden des Jasons schiffartgmainer[772]In die insul zum gulden widder:Da wüsst er, das er käm herwider.Weren dise am meer gesessen,So lang wer unersucht nicht gwesenAmerica, die neue welt:Dann ir lobgier het dahin gstellt.Lasst euch nicht hindern an dem tun,Das auf die haut euch sticht die sunn:Sie will euch manen nur dadurch10Das ir schneid dapfer durch die furch,Dann sie seh gern, das ir die gschichtVollbrechten bei irm schein und liecht,Damit sie auch rum davon drag,Gleich wie ich mich des rümen mag,Die blatern[773], die sie euch nun brennt,Und die ir schaffet in der hend,Werden euch dienen noch zu rumWie zwischen tornen aine blum.Ir dörft euch nicht nach wind umsehen:20Ir seht, der wind will euch nachwehen,Gleich wie euch nun diss wetter liebt,Also bin ich auch unbetrübt.Ihr sehet ja mein wasser klar,Gleich wie ain spiegel offenbar,So lang man würd den Rein abfaren,Würd kainer euer lob nicht sparen,Sonder wünschen, das sein schiff lief,Wie von Zürch das glückhafte schiff.Wolan! frisch dran! ir habt mein glait30Um euer standhaft freudigkeit.Die strass auf Strassburg sei euch offen!Ir werd erlangen, was ir hoffen;Was ir euch heut frü namen vor,Das würt den abent euch noch wor[774].Heut werd ir die statt Strassburg sehen,So war ich selbs herzu werd nehen[775].Heut werd ir als wolkommen gest,Zu Strassburg noch ankommen resch[776]!Nun libs wagschifflin, lauf behend!Heut würst ain glückschiff noch genent,Und durch dich werd ich auch geprisen,Weil ich solch treu dir hab bewisen.’Solch stimm der gsellschaft selzam warUnd schwig drob still erstaunet gar,10Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777]Als wann ain wind bliess in ein hül[778]:Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779],Gleich wie das horn und rüfen tutDes jegers, wann es weit erschalltDen hunden in dem finstern wald,So sie im diefen tal vorlaufen,Und die berg auf und ab durchschnaufen,Alsdan in erst die waffel schaumt[780],Und kommen auf die spur ungsaumt:20Also war auch dem schiff die stimm,Bekam zu rudern erst ain grimm[781];Teten so stark die ruder zucken,Als wolten fallen sie an rucken[782],In gleichem zug, in gleichem flug,Der steurman stund fest an den pflug[783],Und schnitt solch furchen in den Rein,Das das underst zu oberst schein[784].Die sonn het auch ir freud damitDas so dapfer das schiff fortschritt,30Und schin so hell in druder rinnen[785],Das sie von fern wie spiegel schinen:Das gestad scherzt auch mit dem schiff,Wann das wasser dem land zulief,Dann es gab ainen widerton,Gleich wie die ruder teten gon[786]:Ain flut die ander trib so gschwind,Das sie aim underm gsicht verschwind:Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen,Die danzten um das schiff zu gsellen.In summa: alles freudig war,Die schiffart zu vollbringen gar.
Da freuten sich die raisgeferten,Als sie den Rein da rauschen hörten,Und wünschten auf ain neues glück,Das glücklich sie der Rein fortschick,Und grüssten jn da mit trommeten:‘Nun han wir deiner hilf von nöten,O Rein, mit deinem hellen fluss!Dien du uns nun zur fürdernus[759]!Lass uns geniessen deiner gunst!10Dieweil du doch entspringst bei uns,Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760]Im Rheinzierland[761], von alten anen,Und wir dein tal, dadurch du rinnst,Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst.Schalt diss wagschiflein nach begeren[762],Wir wöllen dir es doch vereren[763];Leit es gen Strassburg, deine zierd,Darfür du gern laufst mit begierd,Weil es dein[764]strom ziert und ergetzt,20Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’Der Rein mocht dis kaum hören aus,Da wund er um das schiff sich kraus,Macht um die ruder ain weit rad,Und schlug mit freuden ans gestad,Und liess ain rauschend stimm da hören,Draus man mocht dise wort erkleren:‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen!Also folgt eueren vorfaren,30Die diss taten vor hundert jaren[766]!Also muss man hie rum erjagen,Wann man den alten wil nachschlagen[767].Von euerer vorfaren wegenSeid ir mir wilkumm hie zugegen.Ir sucht die alt gerechtigkeit[768],Die euer alten han bereit[769];Dieselbig will ich euch gern gonnen,Wie es die alten han gewonnen.Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen,Solchs von euern nachkommen gschehen.10Also erhelt man nachbarschaft;Dann ie der Schweizer aigenschaftIst nachbaurliche freuntlichkeitUnd in der not standhaftigkeit.Ich hab vil erlich leut und schützen,Die auf mich in schiff teten sitzen,Gelait gen Strassburg auf das schiessen,Dafür[770]mit freuden ich tu fliessen;Aber kaine hab ich gelait,Noch heut des tags[771]mit solcher freud.20Far fort! far fort! lasst euch nichts schreckenUnd tut die lenden daran strecken!Die arbait tregt darvon den sieg,Und macht, das man hoch daher fliegMit Fama, der rumgöttin herlich;Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich.Mit solchen leuten solt man schiffenDurch die mörwürbeln und mördiefen;Mit solchen forcht man kain merwunderUnd kain wetter, wie sehr es tunder;30Mit solchen dörft man sich vermessen,Das ainen fremde fisch nicht fressen:Dann dise alles überstreiten,Durch ir unverdrossen arbaiten.Mit disen knaben solte ainerWerden des Jasons schiffartgmainer[772]In die insul zum gulden widder:Da wüsst er, das er käm herwider.Weren dise am meer gesessen,So lang wer unersucht nicht gwesenAmerica, die neue welt:Dann ir lobgier het dahin gstellt.Lasst euch nicht hindern an dem tun,Das auf die haut euch sticht die sunn:Sie will euch manen nur dadurch10Das ir schneid dapfer durch die furch,Dann sie seh gern, das ir die gschichtVollbrechten bei irm schein und liecht,Damit sie auch rum davon drag,Gleich wie ich mich des rümen mag,Die blatern[773], die sie euch nun brennt,Und die ir schaffet in der hend,Werden euch dienen noch zu rumWie zwischen tornen aine blum.Ir dörft euch nicht nach wind umsehen:20Ir seht, der wind will euch nachwehen,Gleich wie euch nun diss wetter liebt,Also bin ich auch unbetrübt.Ihr sehet ja mein wasser klar,Gleich wie ain spiegel offenbar,So lang man würd den Rein abfaren,Würd kainer euer lob nicht sparen,Sonder wünschen, das sein schiff lief,Wie von Zürch das glückhafte schiff.Wolan! frisch dran! ir habt mein glait30Um euer standhaft freudigkeit.Die strass auf Strassburg sei euch offen!Ir werd erlangen, was ir hoffen;Was ir euch heut frü namen vor,Das würt den abent euch noch wor[774].Heut werd ir die statt Strassburg sehen,So war ich selbs herzu werd nehen[775].Heut werd ir als wolkommen gest,Zu Strassburg noch ankommen resch[776]!Nun libs wagschifflin, lauf behend!Heut würst ain glückschiff noch genent,Und durch dich werd ich auch geprisen,Weil ich solch treu dir hab bewisen.’Solch stimm der gsellschaft selzam warUnd schwig drob still erstaunet gar,10Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777]Als wann ain wind bliess in ein hül[778]:Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779],Gleich wie das horn und rüfen tutDes jegers, wann es weit erschalltDen hunden in dem finstern wald,So sie im diefen tal vorlaufen,Und die berg auf und ab durchschnaufen,Alsdan in erst die waffel schaumt[780],Und kommen auf die spur ungsaumt:20Also war auch dem schiff die stimm,Bekam zu rudern erst ain grimm[781];Teten so stark die ruder zucken,Als wolten fallen sie an rucken[782],In gleichem zug, in gleichem flug,Der steurman stund fest an den pflug[783],Und schnitt solch furchen in den Rein,Das das underst zu oberst schein[784].Die sonn het auch ir freud damitDas so dapfer das schiff fortschritt,30Und schin so hell in druder rinnen[785],Das sie von fern wie spiegel schinen:Das gestad scherzt auch mit dem schiff,Wann das wasser dem land zulief,Dann es gab ainen widerton,Gleich wie die ruder teten gon[786]:Ain flut die ander trib so gschwind,Das sie aim underm gsicht verschwind:Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen,Die danzten um das schiff zu gsellen.In summa: alles freudig war,Die schiffart zu vollbringen gar.
Da freuten sich die raisgeferten,Als sie den Rein da rauschen hörten,Und wünschten auf ain neues glück,Das glücklich sie der Rein fortschick,Und grüssten jn da mit trommeten:‘Nun han wir deiner hilf von nöten,O Rein, mit deinem hellen fluss!Dien du uns nun zur fürdernus[759]!Lass uns geniessen deiner gunst!10Dieweil du doch entspringst bei uns,Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760]Im Rheinzierland[761], von alten anen,Und wir dein tal, dadurch du rinnst,Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst.Schalt diss wagschiflein nach begeren[762],Wir wöllen dir es doch vereren[763];Leit es gen Strassburg, deine zierd,Darfür du gern laufst mit begierd,Weil es dein[764]strom ziert und ergetzt,20Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’Der Rein mocht dis kaum hören aus,Da wund er um das schiff sich kraus,Macht um die ruder ain weit rad,Und schlug mit freuden ans gestad,Und liess ain rauschend stimm da hören,Draus man mocht dise wort erkleren:‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen!Also folgt eueren vorfaren,30Die diss taten vor hundert jaren[766]!Also muss man hie rum erjagen,Wann man den alten wil nachschlagen[767].Von euerer vorfaren wegenSeid ir mir wilkumm hie zugegen.Ir sucht die alt gerechtigkeit[768],Die euer alten han bereit[769];Dieselbig will ich euch gern gonnen,Wie es die alten han gewonnen.Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen,Solchs von euern nachkommen gschehen.10Also erhelt man nachbarschaft;Dann ie der Schweizer aigenschaftIst nachbaurliche freuntlichkeitUnd in der not standhaftigkeit.Ich hab vil erlich leut und schützen,Die auf mich in schiff teten sitzen,Gelait gen Strassburg auf das schiessen,Dafür[770]mit freuden ich tu fliessen;Aber kaine hab ich gelait,Noch heut des tags[771]mit solcher freud.20Far fort! far fort! lasst euch nichts schreckenUnd tut die lenden daran strecken!Die arbait tregt darvon den sieg,Und macht, das man hoch daher fliegMit Fama, der rumgöttin herlich;Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich.Mit solchen leuten solt man schiffenDurch die mörwürbeln und mördiefen;Mit solchen forcht man kain merwunderUnd kain wetter, wie sehr es tunder;30Mit solchen dörft man sich vermessen,Das ainen fremde fisch nicht fressen:Dann dise alles überstreiten,Durch ir unverdrossen arbaiten.Mit disen knaben solte ainerWerden des Jasons schiffartgmainer[772]In die insul zum gulden widder:Da wüsst er, das er käm herwider.Weren dise am meer gesessen,So lang wer unersucht nicht gwesenAmerica, die neue welt:Dann ir lobgier het dahin gstellt.Lasst euch nicht hindern an dem tun,Das auf die haut euch sticht die sunn:Sie will euch manen nur dadurch10Das ir schneid dapfer durch die furch,Dann sie seh gern, das ir die gschichtVollbrechten bei irm schein und liecht,Damit sie auch rum davon drag,Gleich wie ich mich des rümen mag,Die blatern[773], die sie euch nun brennt,Und die ir schaffet in der hend,Werden euch dienen noch zu rumWie zwischen tornen aine blum.Ir dörft euch nicht nach wind umsehen:20Ir seht, der wind will euch nachwehen,Gleich wie euch nun diss wetter liebt,Also bin ich auch unbetrübt.Ihr sehet ja mein wasser klar,Gleich wie ain spiegel offenbar,So lang man würd den Rein abfaren,Würd kainer euer lob nicht sparen,Sonder wünschen, das sein schiff lief,Wie von Zürch das glückhafte schiff.Wolan! frisch dran! ir habt mein glait30Um euer standhaft freudigkeit.Die strass auf Strassburg sei euch offen!Ir werd erlangen, was ir hoffen;Was ir euch heut frü namen vor,Das würt den abent euch noch wor[774].Heut werd ir die statt Strassburg sehen,So war ich selbs herzu werd nehen[775].Heut werd ir als wolkommen gest,Zu Strassburg noch ankommen resch[776]!Nun libs wagschifflin, lauf behend!Heut würst ain glückschiff noch genent,Und durch dich werd ich auch geprisen,Weil ich solch treu dir hab bewisen.’Solch stimm der gsellschaft selzam warUnd schwig drob still erstaunet gar,10Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777]Als wann ain wind bliess in ein hül[778]:Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779],Gleich wie das horn und rüfen tutDes jegers, wann es weit erschalltDen hunden in dem finstern wald,So sie im diefen tal vorlaufen,Und die berg auf und ab durchschnaufen,Alsdan in erst die waffel schaumt[780],Und kommen auf die spur ungsaumt:20Also war auch dem schiff die stimm,Bekam zu rudern erst ain grimm[781];Teten so stark die ruder zucken,Als wolten fallen sie an rucken[782],In gleichem zug, in gleichem flug,Der steurman stund fest an den pflug[783],Und schnitt solch furchen in den Rein,Das das underst zu oberst schein[784].Die sonn het auch ir freud damitDas so dapfer das schiff fortschritt,30Und schin so hell in druder rinnen[785],Das sie von fern wie spiegel schinen:Das gestad scherzt auch mit dem schiff,Wann das wasser dem land zulief,Dann es gab ainen widerton,Gleich wie die ruder teten gon[786]:Ain flut die ander trib so gschwind,Das sie aim underm gsicht verschwind:Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen,Die danzten um das schiff zu gsellen.In summa: alles freudig war,Die schiffart zu vollbringen gar.
Da freuten sich die raisgeferten,
Als sie den Rein da rauschen hörten,
Und wünschten auf ain neues glück,
Das glücklich sie der Rein fortschick,
Und grüssten jn da mit trommeten:
‘Nun han wir deiner hilf von nöten,
O Rein, mit deinem hellen fluss!
Dien du uns nun zur fürdernus[759]!
Lass uns geniessen deiner gunst!10
Dieweil du doch entspringst bei uns,
Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760]
Im Rheinzierland[761], von alten anen,
Und wir dein tal, dadurch du rinnst,
Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst.
Schalt diss wagschiflein nach begeren[762],
Wir wöllen dir es doch vereren[763];
Leit es gen Strassburg, deine zierd,
Darfür du gern laufst mit begierd,
Weil es dein[764]strom ziert und ergetzt,20
Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’
Der Rein mocht dis kaum hören aus,
Da wund er um das schiff sich kraus,
Macht um die ruder ain weit rad,
Und schlug mit freuden ans gestad,
Und liess ain rauschend stimm da hören,
Draus man mocht dise wort erkleren:
‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’
Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen!
Also folgt eueren vorfaren,30
Die diss taten vor hundert jaren[766]!
Also muss man hie rum erjagen,
Wann man den alten wil nachschlagen[767].
Von euerer vorfaren wegen
Seid ir mir wilkumm hie zugegen.
Ir sucht die alt gerechtigkeit[768],
Die euer alten han bereit[769];
Dieselbig will ich euch gern gonnen,
Wie es die alten han gewonnen.
Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen,
Solchs von euern nachkommen gschehen.10
Also erhelt man nachbarschaft;
Dann ie der Schweizer aigenschaft
Ist nachbaurliche freuntlichkeit
Und in der not standhaftigkeit.
Ich hab vil erlich leut und schützen,
Die auf mich in schiff teten sitzen,
Gelait gen Strassburg auf das schiessen,
Dafür[770]mit freuden ich tu fliessen;
Aber kaine hab ich gelait,
Noch heut des tags[771]mit solcher freud.20
Far fort! far fort! lasst euch nichts schrecken
Und tut die lenden daran strecken!
Die arbait tregt darvon den sieg,
Und macht, das man hoch daher flieg
Mit Fama, der rumgöttin herlich;
Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich.
Mit solchen leuten solt man schiffen
Durch die mörwürbeln und mördiefen;
Mit solchen forcht man kain merwunder
Und kain wetter, wie sehr es tunder;30
Mit solchen dörft man sich vermessen,
Das ainen fremde fisch nicht fressen:
Dann dise alles überstreiten,
Durch ir unverdrossen arbaiten.
Mit disen knaben solte ainer
Werden des Jasons schiffartgmainer[772]
In die insul zum gulden widder:
Da wüsst er, das er käm herwider.
Weren dise am meer gesessen,
So lang wer unersucht nicht gwesen
America, die neue welt:
Dann ir lobgier het dahin gstellt.
Lasst euch nicht hindern an dem tun,
Das auf die haut euch sticht die sunn:
Sie will euch manen nur dadurch10
Das ir schneid dapfer durch die furch,
Dann sie seh gern, das ir die gschicht
Vollbrechten bei irm schein und liecht,
Damit sie auch rum davon drag,
Gleich wie ich mich des rümen mag,
Die blatern[773], die sie euch nun brennt,
Und die ir schaffet in der hend,
Werden euch dienen noch zu rum
Wie zwischen tornen aine blum.
Ir dörft euch nicht nach wind umsehen:20
Ir seht, der wind will euch nachwehen,
Gleich wie euch nun diss wetter liebt,
Also bin ich auch unbetrübt.
Ihr sehet ja mein wasser klar,
Gleich wie ain spiegel offenbar,
So lang man würd den Rein abfaren,
Würd kainer euer lob nicht sparen,
Sonder wünschen, das sein schiff lief,
Wie von Zürch das glückhafte schiff.
Wolan! frisch dran! ir habt mein glait30
Um euer standhaft freudigkeit.
Die strass auf Strassburg sei euch offen!
Ir werd erlangen, was ir hoffen;
Was ir euch heut frü namen vor,
Das würt den abent euch noch wor[774].
Heut werd ir die statt Strassburg sehen,
So war ich selbs herzu werd nehen[775].
Heut werd ir als wolkommen gest,
Zu Strassburg noch ankommen resch[776]!
Nun libs wagschifflin, lauf behend!
Heut würst ain glückschiff noch genent,
Und durch dich werd ich auch geprisen,
Weil ich solch treu dir hab bewisen.’
Solch stimm der gsellschaft selzam war
Und schwig drob still erstaunet gar,10
Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777]
Als wann ain wind bliess in ein hül[778]:
Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779],
Gleich wie das horn und rüfen tut
Des jegers, wann es weit erschallt
Den hunden in dem finstern wald,
So sie im diefen tal vorlaufen,
Und die berg auf und ab durchschnaufen,
Alsdan in erst die waffel schaumt[780],
Und kommen auf die spur ungsaumt:20
Also war auch dem schiff die stimm,
Bekam zu rudern erst ain grimm[781];
Teten so stark die ruder zucken,
Als wolten fallen sie an rucken[782],
In gleichem zug, in gleichem flug,
Der steurman stund fest an den pflug[783],
Und schnitt solch furchen in den Rein,
Das das underst zu oberst schein[784].
Die sonn het auch ir freud damit
Das so dapfer das schiff fortschritt,30
Und schin so hell in druder rinnen[785],
Das sie von fern wie spiegel schinen:
Das gestad scherzt auch mit dem schiff,
Wann das wasser dem land zulief,
Dann es gab ainen widerton,
Gleich wie die ruder teten gon[786]:
Ain flut die ander trib so gschwind,
Das sie aim underm gsicht verschwind:
Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen,
Die danzten um das schiff zu gsellen.
In summa: alles freudig war,
Die schiffart zu vollbringen gar.
{10}AUS DEM‘KATECHISMUS.’
Was lust und fleiss haben die leutIn iren gerten oft zur zeitMit setzung, impfung und aufsetzungEtwan ein pflenzlein zur ergetzung?Wie warten sie doch sein so eben,Das sich das schösslein mög erheben?Frü machen sie im raum zur sonnen,Zu mittag sie im schatten gonnen;Da pfropfens, biegens, understützen,Beschüttens vor der frost zu schützen,20Messens bei ruten und minutenSein teglich wachsen zu vermuten;Da gehen sie alle tritt hinzu,Sehen wie es aufschiessen tu.Und ist in süss all zeit und müh,Die sie damit zubringen ie:Wie viel mehr lust solt haben dannEin hausvater und iederman,Dem gott die kinder tut bescheren,Oder befihlet, die zu leren,Das sie dieselben himmelspflenzlein,20Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzleinZiehen und schmuckn zu gottes ehrenSein wort gern hören und gern leren?Das sie zu preis dem aller höchsten,Auch mit der weil nutz sein dem nechsten?Was schöners opfer kan man gebenDem herren gott in diesem leben?Denn das sind die recht frücht und güter,Die gott gibt das man opfer wider;Das sind die ölzweig und die reben,Die fruchtbar deinen tisch umbgeben;Diss ist des hauses benedeien,Des alters früling, glenz und meien,10Das sind die beumlein und die palmen,Von denen David singt in psalmen,Das sie gebaut sind und gepflanztNeben die wasserbech des lands,Welche kein hitz im sommer mindert,Noch im winter kein frost nicht hindert,Dann nicht erwelken ire bletterOder abfallen von dem wetter,Die zu rechter zeit ir frucht bringen,Damit erfreuen sie, die tüngen,Vnd die zu letzt gott gar versetzt,Ins paradeis, sie da ergetzt,Sie macht zu ewigen himmelssprösslein,Zu gnadenfeuchten engelsschösslein.Wie solt ein lehrer und ein vater,Wa er hat ein barmherzig ader,Nicht han ein freud mit ihrer zucht,Dieweil es ist ein schöne frucht,Und noch viel mehr an inen wird10Natur lieblich anmutung gspürt,Als in den aller schönsten geschöpfenDaraus wir sonst ergötzung schöpfen,Das macht die lebhaft freundlicheit,Die anlachend gesprechlicheit,Die in den kindern wir all spüren,Wie sie schön all geberden zieren.Dann was ist lieblichers zu hören,Als wann die kinder reden leren?Wanns herauslispeln bald die red20Und rufen: abba, vater, ett[787],Rufen der muter, memm und ammen,Geben nach irer notturft namen,Brauchen den ererbt Adams gwalt,Der jedem geschöpf ein nam gab bald,Wie ist im zuzusehen wol,Wanns wankeln[788]wie ein wasserpfol?[789]Und so halslemig[790]ungwis tasten,Und wie ein engelchen erglasten[791]?Solch freundlicheit und lieblich sittenSolten die elter und ein ieden,10Reizen, das sie dess lieber mehrMit kinderzucht umgiengen sehr,Dieweil solch blüend alter frischUmsonst so lieblich gstalt nit istAuch oft das wild und vieh bewegt,Das es zu dem ein gfallen tregt.Und dieweil die engel sich nicht schemen,Der kindspfleg sich selbs anzunemen.Wie Christus zeugt, das vor gott standenAllzeit die kinder engels gsanden:20Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen,Weil es euch komt zu nutz und treuen?Dann wen mags freuen mehr dann euch,So euere kind sind tugendreich?Wie kanstu bessere ruh dir schaffenUnd friedlicher in gott entschlafen,Dann so du weist, das dein kind seindErzogen wol und drum gott freund?Und weisst, das nach dem tod dein kinderAn gott han ein ewigen vormünder?10Zu dem solt euch auch darzu bringen,Das ir gern mit der zucht umgiengen,Dieweil Christus der herr verheisst,Das, was man solchen kindern bweist,Das wöll er halten und ansehen,Als obs im selber sei geschehen:Dann er in klar spricht: Wer ein kindIn seim nam aufnimmt, im selbs dient:Wie kan man aber in seim namenKinder aufnemen von seim stamen?Zwar[792]anders nicht, dann so dieZur gottsforcht anhallt zimlich frü,Es sei obere oder herren,Die sie in kirch und schulen leren,So wird selbs Christi drinn gepflegetAls ob man in im geren[793]treget,Und werden oberkeit und lererDardurch sein seugam und sein nerer.10Dann was sein kleinsten gliedern gschicht,Das rechnet er, das in anficht.Drum thun wol, die als dahin schlichten,Das man djugend mög recht berichten,Zu kennen lernen iren gott,Der sie von sünden, höll und todAuch mit seins sons blut glöset hat,Und schenkt in als durch lauter gnad.Hingegen treut der herr gross peinDen, die der kleinsten ergern ein,Dann dem ein mülstein besser werAm hals, und sein versenkt im mer.Derhalben aus mit losem gschwetzWelchs gute sitten nur verletzt!O aus mit unzucht, völlerei,Mit böser gsellschaft büberei!Raumt[794]weit von diesen zarten herzenDas gottlos gsind, das schandbar scherzen,Lasst solch wort nit mehr von euch hören,10Das djugend weltlichkeit muss leren[795]:Es dunkt mich, es leret sich früh,Mutwill und frechheit komt ohn müh.Ler du sie die recht gottsforcht vor,Die ist zu weisheit tür und tor,Und denk, das rechenschaft must gebenFür die verderbnus und bös leben.Es lesst sich zwar nicht also schimpfen[796]:Und mit der weltlichkeit verglimpfen[797]:Du hörst wol, was dein Christus melt,20Sein völklein sei nit von der welt,Wiltu dein kinder weltlich machen,So stecksts dem teufel in den rachen:Dann man sol brauchen so die welt,Als ob mans[798]nit brauch, noch was gelt.Man kan nit dienen ie zugleichGott und der welt, des teufels reich,Daher umsonst nit Christus spricht:‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’Als sprech er, das sie die verklagen,10Die kindern hie bös vorbild tragen.O weh der welt vor ergernus,Welchs weltlichkeit heut heissen muss:Damit man reizt gotts rach herzu,Zu strafen das kalb mit der ku.Dann wie wolt gott das leiden immer,Das man sein grün setzling bekümmer,Und im dasselb beschmutzen tut,Was sein Son reinigt durch sein blut,Das man die zarte gfess verwüst20Die zu seim lob warn zugerüst.Bedacht[799], das der prophet sagt dort,Gott leg in kindsmund auch sein wort,Und müssen auch ir sön und töchterSein aposteln sein und wechter,Und aus der unmündigen stamlenWill er seins namens lob auch samlen.Wie samlet er aber diss sein lob?Nemlich durch sein wort die recht prob,Das lasst er treulich durch sein lerer10Teilen nach glegenheit der hörer,Also das ers auch nicht verschweigtDein kindern, wie diss büchlein zeigt,Darinn er in nach irm verstandDurch kurze fragstück macht bekant,Die fürnemst stück christlicher lere,Wie man in recht nach seim wort ere.Derwegen niemand nicht verachtDie Fragen, hie kurz eingebracht,Sondern denk, das wir müssen allZu kindern werden in dem fall,Wollen wir andern glauben rechtDie gheimnus unsers glaubens schlecht,Die kindlich einfalt muss uns füren,Und müssen lassen uns regierenGotts worts, gleich wie das kind regiert,Des vaters red, was der ordiniert;Müssen von uns nit hoch ding halten,Sondern wie kind demütig walten,10Welchs Christus damals hat gemeltDa er das kind für djünger stellt.Hierum so brauch, mein liebe jugend,Diss büchlin zu ler und rechter tugend,Die dann in gotts erkantnus stehet,Das man nach seinen gboten gehet.Darzu wöll gott sein gdeien gebenUnd nach disem das ewig leben.
Was lust und fleiss haben die leutIn iren gerten oft zur zeitMit setzung, impfung und aufsetzungEtwan ein pflenzlein zur ergetzung?Wie warten sie doch sein so eben,Das sich das schösslein mög erheben?Frü machen sie im raum zur sonnen,Zu mittag sie im schatten gonnen;Da pfropfens, biegens, understützen,Beschüttens vor der frost zu schützen,20Messens bei ruten und minutenSein teglich wachsen zu vermuten;Da gehen sie alle tritt hinzu,Sehen wie es aufschiessen tu.Und ist in süss all zeit und müh,Die sie damit zubringen ie:Wie viel mehr lust solt haben dannEin hausvater und iederman,Dem gott die kinder tut bescheren,Oder befihlet, die zu leren,Das sie dieselben himmelspflenzlein,20Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzleinZiehen und schmuckn zu gottes ehrenSein wort gern hören und gern leren?Das sie zu preis dem aller höchsten,Auch mit der weil nutz sein dem nechsten?Was schöners opfer kan man gebenDem herren gott in diesem leben?Denn das sind die recht frücht und güter,Die gott gibt das man opfer wider;Das sind die ölzweig und die reben,Die fruchtbar deinen tisch umbgeben;Diss ist des hauses benedeien,Des alters früling, glenz und meien,10Das sind die beumlein und die palmen,Von denen David singt in psalmen,Das sie gebaut sind und gepflanztNeben die wasserbech des lands,Welche kein hitz im sommer mindert,Noch im winter kein frost nicht hindert,Dann nicht erwelken ire bletterOder abfallen von dem wetter,Die zu rechter zeit ir frucht bringen,Damit erfreuen sie, die tüngen,Vnd die zu letzt gott gar versetzt,Ins paradeis, sie da ergetzt,Sie macht zu ewigen himmelssprösslein,Zu gnadenfeuchten engelsschösslein.Wie solt ein lehrer und ein vater,Wa er hat ein barmherzig ader,Nicht han ein freud mit ihrer zucht,Dieweil es ist ein schöne frucht,Und noch viel mehr an inen wird10Natur lieblich anmutung gspürt,Als in den aller schönsten geschöpfenDaraus wir sonst ergötzung schöpfen,Das macht die lebhaft freundlicheit,Die anlachend gesprechlicheit,Die in den kindern wir all spüren,Wie sie schön all geberden zieren.Dann was ist lieblichers zu hören,Als wann die kinder reden leren?Wanns herauslispeln bald die red20Und rufen: abba, vater, ett[787],Rufen der muter, memm und ammen,Geben nach irer notturft namen,Brauchen den ererbt Adams gwalt,Der jedem geschöpf ein nam gab bald,Wie ist im zuzusehen wol,Wanns wankeln[788]wie ein wasserpfol?[789]Und so halslemig[790]ungwis tasten,Und wie ein engelchen erglasten[791]?Solch freundlicheit und lieblich sittenSolten die elter und ein ieden,10Reizen, das sie dess lieber mehrMit kinderzucht umgiengen sehr,Dieweil solch blüend alter frischUmsonst so lieblich gstalt nit istAuch oft das wild und vieh bewegt,Das es zu dem ein gfallen tregt.Und dieweil die engel sich nicht schemen,Der kindspfleg sich selbs anzunemen.Wie Christus zeugt, das vor gott standenAllzeit die kinder engels gsanden:20Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen,Weil es euch komt zu nutz und treuen?Dann wen mags freuen mehr dann euch,So euere kind sind tugendreich?Wie kanstu bessere ruh dir schaffenUnd friedlicher in gott entschlafen,Dann so du weist, das dein kind seindErzogen wol und drum gott freund?Und weisst, das nach dem tod dein kinderAn gott han ein ewigen vormünder?10Zu dem solt euch auch darzu bringen,Das ir gern mit der zucht umgiengen,Dieweil Christus der herr verheisst,Das, was man solchen kindern bweist,Das wöll er halten und ansehen,Als obs im selber sei geschehen:Dann er in klar spricht: Wer ein kindIn seim nam aufnimmt, im selbs dient:Wie kan man aber in seim namenKinder aufnemen von seim stamen?Zwar[792]anders nicht, dann so dieZur gottsforcht anhallt zimlich frü,Es sei obere oder herren,Die sie in kirch und schulen leren,So wird selbs Christi drinn gepflegetAls ob man in im geren[793]treget,Und werden oberkeit und lererDardurch sein seugam und sein nerer.10Dann was sein kleinsten gliedern gschicht,Das rechnet er, das in anficht.Drum thun wol, die als dahin schlichten,Das man djugend mög recht berichten,Zu kennen lernen iren gott,Der sie von sünden, höll und todAuch mit seins sons blut glöset hat,Und schenkt in als durch lauter gnad.Hingegen treut der herr gross peinDen, die der kleinsten ergern ein,Dann dem ein mülstein besser werAm hals, und sein versenkt im mer.Derhalben aus mit losem gschwetzWelchs gute sitten nur verletzt!O aus mit unzucht, völlerei,Mit böser gsellschaft büberei!Raumt[794]weit von diesen zarten herzenDas gottlos gsind, das schandbar scherzen,Lasst solch wort nit mehr von euch hören,10Das djugend weltlichkeit muss leren[795]:Es dunkt mich, es leret sich früh,Mutwill und frechheit komt ohn müh.Ler du sie die recht gottsforcht vor,Die ist zu weisheit tür und tor,Und denk, das rechenschaft must gebenFür die verderbnus und bös leben.Es lesst sich zwar nicht also schimpfen[796]:Und mit der weltlichkeit verglimpfen[797]:Du hörst wol, was dein Christus melt,20Sein völklein sei nit von der welt,Wiltu dein kinder weltlich machen,So stecksts dem teufel in den rachen:Dann man sol brauchen so die welt,Als ob mans[798]nit brauch, noch was gelt.Man kan nit dienen ie zugleichGott und der welt, des teufels reich,Daher umsonst nit Christus spricht:‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’Als sprech er, das sie die verklagen,10Die kindern hie bös vorbild tragen.O weh der welt vor ergernus,Welchs weltlichkeit heut heissen muss:Damit man reizt gotts rach herzu,Zu strafen das kalb mit der ku.Dann wie wolt gott das leiden immer,Das man sein grün setzling bekümmer,Und im dasselb beschmutzen tut,Was sein Son reinigt durch sein blut,Das man die zarte gfess verwüst20Die zu seim lob warn zugerüst.Bedacht[799], das der prophet sagt dort,Gott leg in kindsmund auch sein wort,Und müssen auch ir sön und töchterSein aposteln sein und wechter,Und aus der unmündigen stamlenWill er seins namens lob auch samlen.Wie samlet er aber diss sein lob?Nemlich durch sein wort die recht prob,Das lasst er treulich durch sein lerer10Teilen nach glegenheit der hörer,Also das ers auch nicht verschweigtDein kindern, wie diss büchlein zeigt,Darinn er in nach irm verstandDurch kurze fragstück macht bekant,Die fürnemst stück christlicher lere,Wie man in recht nach seim wort ere.Derwegen niemand nicht verachtDie Fragen, hie kurz eingebracht,Sondern denk, das wir müssen allZu kindern werden in dem fall,Wollen wir andern glauben rechtDie gheimnus unsers glaubens schlecht,Die kindlich einfalt muss uns füren,Und müssen lassen uns regierenGotts worts, gleich wie das kind regiert,Des vaters red, was der ordiniert;Müssen von uns nit hoch ding halten,Sondern wie kind demütig walten,10Welchs Christus damals hat gemeltDa er das kind für djünger stellt.Hierum so brauch, mein liebe jugend,Diss büchlin zu ler und rechter tugend,Die dann in gotts erkantnus stehet,Das man nach seinen gboten gehet.Darzu wöll gott sein gdeien gebenUnd nach disem das ewig leben.
Was lust und fleiss haben die leutIn iren gerten oft zur zeitMit setzung, impfung und aufsetzungEtwan ein pflenzlein zur ergetzung?Wie warten sie doch sein so eben,Das sich das schösslein mög erheben?Frü machen sie im raum zur sonnen,Zu mittag sie im schatten gonnen;Da pfropfens, biegens, understützen,Beschüttens vor der frost zu schützen,20Messens bei ruten und minutenSein teglich wachsen zu vermuten;Da gehen sie alle tritt hinzu,Sehen wie es aufschiessen tu.Und ist in süss all zeit und müh,Die sie damit zubringen ie:Wie viel mehr lust solt haben dannEin hausvater und iederman,Dem gott die kinder tut bescheren,Oder befihlet, die zu leren,Das sie dieselben himmelspflenzlein,20Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzleinZiehen und schmuckn zu gottes ehrenSein wort gern hören und gern leren?Das sie zu preis dem aller höchsten,Auch mit der weil nutz sein dem nechsten?Was schöners opfer kan man gebenDem herren gott in diesem leben?Denn das sind die recht frücht und güter,Die gott gibt das man opfer wider;Das sind die ölzweig und die reben,Die fruchtbar deinen tisch umbgeben;Diss ist des hauses benedeien,Des alters früling, glenz und meien,10Das sind die beumlein und die palmen,Von denen David singt in psalmen,Das sie gebaut sind und gepflanztNeben die wasserbech des lands,Welche kein hitz im sommer mindert,Noch im winter kein frost nicht hindert,Dann nicht erwelken ire bletterOder abfallen von dem wetter,Die zu rechter zeit ir frucht bringen,Damit erfreuen sie, die tüngen,Vnd die zu letzt gott gar versetzt,Ins paradeis, sie da ergetzt,Sie macht zu ewigen himmelssprösslein,Zu gnadenfeuchten engelsschösslein.Wie solt ein lehrer und ein vater,Wa er hat ein barmherzig ader,Nicht han ein freud mit ihrer zucht,Dieweil es ist ein schöne frucht,Und noch viel mehr an inen wird10Natur lieblich anmutung gspürt,Als in den aller schönsten geschöpfenDaraus wir sonst ergötzung schöpfen,Das macht die lebhaft freundlicheit,Die anlachend gesprechlicheit,Die in den kindern wir all spüren,Wie sie schön all geberden zieren.Dann was ist lieblichers zu hören,Als wann die kinder reden leren?Wanns herauslispeln bald die red20Und rufen: abba, vater, ett[787],Rufen der muter, memm und ammen,Geben nach irer notturft namen,Brauchen den ererbt Adams gwalt,Der jedem geschöpf ein nam gab bald,Wie ist im zuzusehen wol,Wanns wankeln[788]wie ein wasserpfol?[789]Und so halslemig[790]ungwis tasten,Und wie ein engelchen erglasten[791]?Solch freundlicheit und lieblich sittenSolten die elter und ein ieden,10Reizen, das sie dess lieber mehrMit kinderzucht umgiengen sehr,Dieweil solch blüend alter frischUmsonst so lieblich gstalt nit istAuch oft das wild und vieh bewegt,Das es zu dem ein gfallen tregt.Und dieweil die engel sich nicht schemen,Der kindspfleg sich selbs anzunemen.Wie Christus zeugt, das vor gott standenAllzeit die kinder engels gsanden:20Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen,Weil es euch komt zu nutz und treuen?Dann wen mags freuen mehr dann euch,So euere kind sind tugendreich?Wie kanstu bessere ruh dir schaffenUnd friedlicher in gott entschlafen,Dann so du weist, das dein kind seindErzogen wol und drum gott freund?Und weisst, das nach dem tod dein kinderAn gott han ein ewigen vormünder?10Zu dem solt euch auch darzu bringen,Das ir gern mit der zucht umgiengen,Dieweil Christus der herr verheisst,Das, was man solchen kindern bweist,Das wöll er halten und ansehen,Als obs im selber sei geschehen:Dann er in klar spricht: Wer ein kindIn seim nam aufnimmt, im selbs dient:Wie kan man aber in seim namenKinder aufnemen von seim stamen?Zwar[792]anders nicht, dann so dieZur gottsforcht anhallt zimlich frü,Es sei obere oder herren,Die sie in kirch und schulen leren,So wird selbs Christi drinn gepflegetAls ob man in im geren[793]treget,Und werden oberkeit und lererDardurch sein seugam und sein nerer.10Dann was sein kleinsten gliedern gschicht,Das rechnet er, das in anficht.Drum thun wol, die als dahin schlichten,Das man djugend mög recht berichten,Zu kennen lernen iren gott,Der sie von sünden, höll und todAuch mit seins sons blut glöset hat,Und schenkt in als durch lauter gnad.Hingegen treut der herr gross peinDen, die der kleinsten ergern ein,Dann dem ein mülstein besser werAm hals, und sein versenkt im mer.Derhalben aus mit losem gschwetzWelchs gute sitten nur verletzt!O aus mit unzucht, völlerei,Mit böser gsellschaft büberei!Raumt[794]weit von diesen zarten herzenDas gottlos gsind, das schandbar scherzen,Lasst solch wort nit mehr von euch hören,10Das djugend weltlichkeit muss leren[795]:Es dunkt mich, es leret sich früh,Mutwill und frechheit komt ohn müh.Ler du sie die recht gottsforcht vor,Die ist zu weisheit tür und tor,Und denk, das rechenschaft must gebenFür die verderbnus und bös leben.Es lesst sich zwar nicht also schimpfen[796]:Und mit der weltlichkeit verglimpfen[797]:Du hörst wol, was dein Christus melt,20Sein völklein sei nit von der welt,Wiltu dein kinder weltlich machen,So stecksts dem teufel in den rachen:Dann man sol brauchen so die welt,Als ob mans[798]nit brauch, noch was gelt.Man kan nit dienen ie zugleichGott und der welt, des teufels reich,Daher umsonst nit Christus spricht:‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’Als sprech er, das sie die verklagen,10Die kindern hie bös vorbild tragen.O weh der welt vor ergernus,Welchs weltlichkeit heut heissen muss:Damit man reizt gotts rach herzu,Zu strafen das kalb mit der ku.Dann wie wolt gott das leiden immer,Das man sein grün setzling bekümmer,Und im dasselb beschmutzen tut,Was sein Son reinigt durch sein blut,Das man die zarte gfess verwüst20Die zu seim lob warn zugerüst.Bedacht[799], das der prophet sagt dort,Gott leg in kindsmund auch sein wort,Und müssen auch ir sön und töchterSein aposteln sein und wechter,Und aus der unmündigen stamlenWill er seins namens lob auch samlen.Wie samlet er aber diss sein lob?Nemlich durch sein wort die recht prob,Das lasst er treulich durch sein lerer10Teilen nach glegenheit der hörer,Also das ers auch nicht verschweigtDein kindern, wie diss büchlein zeigt,Darinn er in nach irm verstandDurch kurze fragstück macht bekant,Die fürnemst stück christlicher lere,Wie man in recht nach seim wort ere.Derwegen niemand nicht verachtDie Fragen, hie kurz eingebracht,Sondern denk, das wir müssen allZu kindern werden in dem fall,Wollen wir andern glauben rechtDie gheimnus unsers glaubens schlecht,Die kindlich einfalt muss uns füren,Und müssen lassen uns regierenGotts worts, gleich wie das kind regiert,Des vaters red, was der ordiniert;Müssen von uns nit hoch ding halten,Sondern wie kind demütig walten,10Welchs Christus damals hat gemeltDa er das kind für djünger stellt.Hierum so brauch, mein liebe jugend,Diss büchlin zu ler und rechter tugend,Die dann in gotts erkantnus stehet,Das man nach seinen gboten gehet.Darzu wöll gott sein gdeien gebenUnd nach disem das ewig leben.
Was lust und fleiss haben die leut
In iren gerten oft zur zeit
Mit setzung, impfung und aufsetzung
Etwan ein pflenzlein zur ergetzung?
Wie warten sie doch sein so eben,
Das sich das schösslein mög erheben?
Frü machen sie im raum zur sonnen,
Zu mittag sie im schatten gonnen;
Da pfropfens, biegens, understützen,
Beschüttens vor der frost zu schützen,20
Messens bei ruten und minuten
Sein teglich wachsen zu vermuten;
Da gehen sie alle tritt hinzu,
Sehen wie es aufschiessen tu.
Und ist in süss all zeit und müh,
Die sie damit zubringen ie:
Wie viel mehr lust solt haben dann
Ein hausvater und iederman,
Dem gott die kinder tut bescheren,
Oder befihlet, die zu leren,
Das sie dieselben himmelspflenzlein,20
Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzlein
Ziehen und schmuckn zu gottes ehren
Sein wort gern hören und gern leren?
Das sie zu preis dem aller höchsten,
Auch mit der weil nutz sein dem nechsten?
Was schöners opfer kan man geben
Dem herren gott in diesem leben?
Denn das sind die recht frücht und güter,
Die gott gibt das man opfer wider;
Das sind die ölzweig und die reben,
Die fruchtbar deinen tisch umbgeben;
Diss ist des hauses benedeien,
Des alters früling, glenz und meien,10
Das sind die beumlein und die palmen,
Von denen David singt in psalmen,
Das sie gebaut sind und gepflanzt
Neben die wasserbech des lands,
Welche kein hitz im sommer mindert,
Noch im winter kein frost nicht hindert,
Dann nicht erwelken ire bletter
Oder abfallen von dem wetter,
Die zu rechter zeit ir frucht bringen,
Damit erfreuen sie, die tüngen,
Vnd die zu letzt gott gar versetzt,
Ins paradeis, sie da ergetzt,
Sie macht zu ewigen himmelssprösslein,
Zu gnadenfeuchten engelsschösslein.
Wie solt ein lehrer und ein vater,
Wa er hat ein barmherzig ader,
Nicht han ein freud mit ihrer zucht,
Dieweil es ist ein schöne frucht,
Und noch viel mehr an inen wird10
Natur lieblich anmutung gspürt,
Als in den aller schönsten geschöpfen
Daraus wir sonst ergötzung schöpfen,
Das macht die lebhaft freundlicheit,
Die anlachend gesprechlicheit,
Die in den kindern wir all spüren,
Wie sie schön all geberden zieren.
Dann was ist lieblichers zu hören,
Als wann die kinder reden leren?
Wanns herauslispeln bald die red20
Und rufen: abba, vater, ett[787],
Rufen der muter, memm und ammen,
Geben nach irer notturft namen,
Brauchen den ererbt Adams gwalt,
Der jedem geschöpf ein nam gab bald,
Wie ist im zuzusehen wol,
Wanns wankeln[788]wie ein wasserpfol?[789]
Und so halslemig[790]ungwis tasten,
Und wie ein engelchen erglasten[791]?
Solch freundlicheit und lieblich sitten
Solten die elter und ein ieden,10
Reizen, das sie dess lieber mehr
Mit kinderzucht umgiengen sehr,
Dieweil solch blüend alter frisch
Umsonst so lieblich gstalt nit ist
Auch oft das wild und vieh bewegt,
Das es zu dem ein gfallen tregt.
Und dieweil die engel sich nicht schemen,
Der kindspfleg sich selbs anzunemen.
Wie Christus zeugt, das vor gott standen
Allzeit die kinder engels gsanden:20
Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen,
Weil es euch komt zu nutz und treuen?
Dann wen mags freuen mehr dann euch,
So euere kind sind tugendreich?
Wie kanstu bessere ruh dir schaffen
Und friedlicher in gott entschlafen,
Dann so du weist, das dein kind seind
Erzogen wol und drum gott freund?
Und weisst, das nach dem tod dein kinder
An gott han ein ewigen vormünder?10
Zu dem solt euch auch darzu bringen,
Das ir gern mit der zucht umgiengen,
Dieweil Christus der herr verheisst,
Das, was man solchen kindern bweist,
Das wöll er halten und ansehen,
Als obs im selber sei geschehen:
Dann er in klar spricht: Wer ein kind
In seim nam aufnimmt, im selbs dient:
Wie kan man aber in seim namen
Kinder aufnemen von seim stamen?
Zwar[792]anders nicht, dann so die
Zur gottsforcht anhallt zimlich frü,
Es sei obere oder herren,
Die sie in kirch und schulen leren,
So wird selbs Christi drinn gepfleget
Als ob man in im geren[793]treget,
Und werden oberkeit und lerer
Dardurch sein seugam und sein nerer.10
Dann was sein kleinsten gliedern gschicht,
Das rechnet er, das in anficht.
Drum thun wol, die als dahin schlichten,
Das man djugend mög recht berichten,
Zu kennen lernen iren gott,
Der sie von sünden, höll und tod
Auch mit seins sons blut glöset hat,
Und schenkt in als durch lauter gnad.
Hingegen treut der herr gross pein
Den, die der kleinsten ergern ein,
Dann dem ein mülstein besser wer
Am hals, und sein versenkt im mer.
Derhalben aus mit losem gschwetz
Welchs gute sitten nur verletzt!
O aus mit unzucht, völlerei,
Mit böser gsellschaft büberei!
Raumt[794]weit von diesen zarten herzen
Das gottlos gsind, das schandbar scherzen,
Lasst solch wort nit mehr von euch hören,10
Das djugend weltlichkeit muss leren[795]:
Es dunkt mich, es leret sich früh,
Mutwill und frechheit komt ohn müh.
Ler du sie die recht gottsforcht vor,
Die ist zu weisheit tür und tor,
Und denk, das rechenschaft must geben
Für die verderbnus und bös leben.
Es lesst sich zwar nicht also schimpfen[796]:
Und mit der weltlichkeit verglimpfen[797]:
Du hörst wol, was dein Christus melt,20
Sein völklein sei nit von der welt,
Wiltu dein kinder weltlich machen,
So stecksts dem teufel in den rachen:
Dann man sol brauchen so die welt,
Als ob mans[798]nit brauch, noch was gelt.
Man kan nit dienen ie zugleich
Gott und der welt, des teufels reich,
Daher umsonst nit Christus spricht:
‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’
Als sprech er, das sie die verklagen,10
Die kindern hie bös vorbild tragen.
O weh der welt vor ergernus,
Welchs weltlichkeit heut heissen muss:
Damit man reizt gotts rach herzu,
Zu strafen das kalb mit der ku.
Dann wie wolt gott das leiden immer,
Das man sein grün setzling bekümmer,
Und im dasselb beschmutzen tut,
Was sein Son reinigt durch sein blut,
Das man die zarte gfess verwüst20
Die zu seim lob warn zugerüst.
Bedacht[799], das der prophet sagt dort,
Gott leg in kindsmund auch sein wort,
Und müssen auch ir sön und töchter
Sein aposteln sein und wechter,
Und aus der unmündigen stamlen
Will er seins namens lob auch samlen.
Wie samlet er aber diss sein lob?
Nemlich durch sein wort die recht prob,
Das lasst er treulich durch sein lerer10
Teilen nach glegenheit der hörer,
Also das ers auch nicht verschweigt
Dein kindern, wie diss büchlein zeigt,
Darinn er in nach irm verstand
Durch kurze fragstück macht bekant,
Die fürnemst stück christlicher lere,
Wie man in recht nach seim wort ere.
Derwegen niemand nicht veracht
Die Fragen, hie kurz eingebracht,
Sondern denk, das wir müssen all
Zu kindern werden in dem fall,
Wollen wir andern glauben recht
Die gheimnus unsers glaubens schlecht,
Die kindlich einfalt muss uns füren,
Und müssen lassen uns regieren
Gotts worts, gleich wie das kind regiert,
Des vaters red, was der ordiniert;
Müssen von uns nit hoch ding halten,
Sondern wie kind demütig walten,10
Welchs Christus damals hat gemelt
Da er das kind für djünger stellt.
Hierum so brauch, mein liebe jugend,
Diss büchlin zu ler und rechter tugend,
Die dann in gotts erkantnus stehet,
Das man nach seinen gboten gehet.
Darzu wöll gott sein gdeien geben
Und nach disem das ewig leben.