JOHANN GEILER VON KAISERSBERG.[Scherer D.280,E.276.]Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel, ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und Strassburg. Hier starb er 1510.1.VONKIRCHNARREN.Die andere schel[499]ist: gotz dienst irren[500]. Es seint ettlich, wan sie in die kirchen wöllen gon, so rüsten sie sich, als wolten sie gon beissen[501]oder jagen, und nemmen die vögel mit den schellen uff die hend, und ein huffen hünd: so klinglen da die schellen unnd beissen die hünd einander, und wird der predicant geirret, und hœrt man nit, was man im chor singt, und künnen die lüt nit betten. O brüeder, es ist nit da ein feld venandi sed veniandi, zejagen, aber zevenjen[502]. Nun wiewol es ynn allen menschen{10}straffbar ist, so stot es doch geweichten[503]leuten übeler an, dan anderen: als dann vil pfaffen thuontt, die vögel uff den henden tragen, mitt federspil[504]umbgond; dar umb das sie edel[505]seint, so wenen sie, inen zimm das und anders noch weitter (baz), den anderen priestern; wann am morgen so seint sie priester, und am andern tag ein edelman. Denen sol geantwurt werden, wie ein buer ein mal eim bischoff ein bequemliche[506]oder guote antwurt gab.Es reit ein bischoff uff ein mal über feld mitt viertzig pferden und mit seim zug: da liess ein buer den pfluog ston und sach dem zeug zuo, und het das mul offen und die hent jn die seitten gestelt.{20}Der bischoff der sach es, reit zuo im unnd sprach: ‘meier[507], was denckstu, das du uns also zuoluogst?[508]’ Der buer sprach: ‘Her, ich hab gedacht, ob sant Martin auch also mitt eim reisigen zeug geritten sei, der auch ein bischoff was.’ Der bischoff wart rott im antlit, schamt sich und sprach: ‘Ich bin nit allein ein bischoff, ich bin auch ein weldtlicher fürst; jetz bin ich ein fürst. Wiltu aberein bischoff sehen, so kum uff den tag in die kirchen, so würd ich das fron ampt haben.’ Der buer fieng an lachen, das er in einander hotzlet[509]. Der her fraget yn, wess er lachte. Der bur sprach: ‘herr, da lach ich, da gott vor sei: wan der teuffel den fürsten am letsten nimpt, was thet dan der bischoff dar zuo?’ Also fuor der bischoff dar von und het ein antwurt gelœsst.2.VONPREDIGNARREN.Die andere schelist: nitt recht predig hœren. Und wie sol man recht hœren? In dreierlei weg: Zuo dem ersten mit fleiss.{10}Ein schuoler mit grossem fleiss loset[510]er zuo dem doctor, der siech dem artzet, und ein lantzmann[511]dem botten[512]. Also sollen wir fleisslichen zuohœren dem predicanten: der ist unser doctor und artzet und bott. Gedenck, was fleiss und ernst du an kerst, wan man dir das heilig sacrament gibt, das es nit uf das erterich fal. Selichen fleiss ker an zuo dem wort gotz, das nit minder ist, dan der leib Christi, seit sanctus Augustinus. Zuo dem anderen sol man predig hœren behaltlich, Matth. 23. Wa für wer es, das man predig horte, wan man es nit behielte. Dar umb sollen wir sein wie ein fenster, das lasst den sonnenschyn und das liecht durch sich gon;{10}aber schne, regen und hagel lasst es nit hin yn. Aber leider vil seint gleich eim sibi[513], oder eim büttel[514]und eim seythuoch[515]: da bleiben fliegen und wuost[516]darin, aber das guot laufft als da durch; also das guot an der predig ist von inen verloren, aber was lecherlich ist und spöttig und bœss, das behalten sie, und seint gleich eim hündle der edlen, wan man ym etwas guotz beut zeessen, so laufft es etwan einer mucken nach; und seint gleich eim fischen garn[517], die weil es im wasser ist, so ist es vol wasser, so bald es uss dem wasser kumpt, so ist es ler. Von denen seit der weiss (Pred. 21):eins narren hertz ist wie ein zerbrochen fass, es behalt{30}kein wyssheit, und ein zerbrochen fass kein wein.Zuo dem dritten sol man hœren gehorsamlich, wan so dar umb prediget man, das man es sol thuon u. s. w.
JOHANN GEILER VON KAISERSBERG.
[Scherer D.280,E.276.]
Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel, ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und Strassburg. Hier starb er 1510.
Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel, ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und Strassburg. Hier starb er 1510.
Die andere schel[499]ist: gotz dienst irren[500]. Es seint ettlich, wan sie in die kirchen wöllen gon, so rüsten sie sich, als wolten sie gon beissen[501]oder jagen, und nemmen die vögel mit den schellen uff die hend, und ein huffen hünd: so klinglen da die schellen unnd beissen die hünd einander, und wird der predicant geirret, und hœrt man nit, was man im chor singt, und künnen die lüt nit betten. O brüeder, es ist nit da ein feld venandi sed veniandi, zejagen, aber zevenjen[502]. Nun wiewol es ynn allen menschen{10}straffbar ist, so stot es doch geweichten[503]leuten übeler an, dan anderen: als dann vil pfaffen thuontt, die vögel uff den henden tragen, mitt federspil[504]umbgond; dar umb das sie edel[505]seint, so wenen sie, inen zimm das und anders noch weitter (baz), den anderen priestern; wann am morgen so seint sie priester, und am andern tag ein edelman. Denen sol geantwurt werden, wie ein buer ein mal eim bischoff ein bequemliche[506]oder guote antwurt gab.
Es reit ein bischoff uff ein mal über feld mitt viertzig pferden und mit seim zug: da liess ein buer den pfluog ston und sach dem zeug zuo, und het das mul offen und die hent jn die seitten gestelt.{20}Der bischoff der sach es, reit zuo im unnd sprach: ‘meier[507], was denckstu, das du uns also zuoluogst?[508]’ Der buer sprach: ‘Her, ich hab gedacht, ob sant Martin auch also mitt eim reisigen zeug geritten sei, der auch ein bischoff was.’ Der bischoff wart rott im antlit, schamt sich und sprach: ‘Ich bin nit allein ein bischoff, ich bin auch ein weldtlicher fürst; jetz bin ich ein fürst. Wiltu aberein bischoff sehen, so kum uff den tag in die kirchen, so würd ich das fron ampt haben.’ Der buer fieng an lachen, das er in einander hotzlet[509]. Der her fraget yn, wess er lachte. Der bur sprach: ‘herr, da lach ich, da gott vor sei: wan der teuffel den fürsten am letsten nimpt, was thet dan der bischoff dar zuo?’ Also fuor der bischoff dar von und het ein antwurt gelœsst.
Die andere schelist: nitt recht predig hœren. Und wie sol man recht hœren? In dreierlei weg: Zuo dem ersten mit fleiss.{10}Ein schuoler mit grossem fleiss loset[510]er zuo dem doctor, der siech dem artzet, und ein lantzmann[511]dem botten[512]. Also sollen wir fleisslichen zuohœren dem predicanten: der ist unser doctor und artzet und bott. Gedenck, was fleiss und ernst du an kerst, wan man dir das heilig sacrament gibt, das es nit uf das erterich fal. Selichen fleiss ker an zuo dem wort gotz, das nit minder ist, dan der leib Christi, seit sanctus Augustinus. Zuo dem anderen sol man predig hœren behaltlich, Matth. 23. Wa für wer es, das man predig horte, wan man es nit behielte. Dar umb sollen wir sein wie ein fenster, das lasst den sonnenschyn und das liecht durch sich gon;{10}aber schne, regen und hagel lasst es nit hin yn. Aber leider vil seint gleich eim sibi[513], oder eim büttel[514]und eim seythuoch[515]: da bleiben fliegen und wuost[516]darin, aber das guot laufft als da durch; also das guot an der predig ist von inen verloren, aber was lecherlich ist und spöttig und bœss, das behalten sie, und seint gleich eim hündle der edlen, wan man ym etwas guotz beut zeessen, so laufft es etwan einer mucken nach; und seint gleich eim fischen garn[517], die weil es im wasser ist, so ist es vol wasser, so bald es uss dem wasser kumpt, so ist es ler. Von denen seit der weiss (Pred. 21):eins narren hertz ist wie ein zerbrochen fass, es behalt{30}kein wyssheit, und ein zerbrochen fass kein wein.
Zuo dem dritten sol man hœren gehorsamlich, wan so dar umb prediget man, das man es sol thuon u. s. w.