MARTIN OPITZ.
[Scherer D.320,E.319.]
Geboren 1597 zu Bunzlau in Schlesien, woselbst er eine gute Erziehung erhielt. Er besuchte später das Gymnasium zu Breslau und studierte die Rechte. 1618 gieng Opitz zur Universität nach Frankfurt an der Oder und trat mit dem herzoglichen Hof zu Liegnitz in Verbindung. Sein erstes Werk, der ‘Aristarch,’ war lateinisch geschrieben. Er befürwortet darin den Gebrauch der deutschen Sprache für die Dichter Deutschlands und empfiehlt den Alexandriner als Versmass. 1619 begab er sich als Erzieher nach Heidelberg, wo er die Bekanntschaft von Janus Gruter und unter jüngern Leuten von Zinkgref, Caspar Barth und H. A. Hamilton aus Kopenhagen machte. Beim Ausbruch des dreissigjährigen Krieges gieng Opitz (1620) von Heidelberg nach Holland, wo er mit Heinsius in Verbindung trat. 1622 nahm er eine Stelle am Gymnasium zu Weissenburg in Siebenbürgen an, kehrte aber bereits 1623 nach Schlesien zurück, wo er fürstlicher Rath beim Herzog von Liegnitz wurde. 1626 trat er, obwol Protestant, in die Dienstedes Burggrafen Karl Hannibal von Dohna, eines erklärten Feindes der Protestanten. 1628 ward er von Kaiser Ferdinand II. als Martin Opitz von Boberfeld in den Adelstand erhoben, nachdem er bereits 1625 zum Dichter gekrönt war. 1630 reiste Opitz, in politischen Aufträgen nach Paris und machte die Bekanntschaft von Hugo Grotius. Nach dem Tode des Grafen Dohna (1633) fand Opitz neue Gönner und Beschützer und ward endlich Secretär und Historiograph des Königs Ladislaus IV. von Polen. Er starb 1639 an der Pest, angesteckt von einem Bettler, dem er ein Almosen gegeben. Er ist der Gründer der ersten schlesischen Schule. Von seinem ‘Buch von der deutschen Poeterei’ (1624) gab einen Neudruck heraus Braune (Halle, 1876). Eine Auswahl seiner Gedichte sowie der Werke der bedeutendsten Dichter des siebzehnten Jahrhunderts findet sich in Wilhelm Müllers ‘Bibliothek deutscher Dichter des XVII. Jahrhunderts’ (14 Bde. Leipzig 1822); auch von Tittman wurden ausgewählte Dichtungen herausgegeben (Leipzig 1867).
Geboren 1597 zu Bunzlau in Schlesien, woselbst er eine gute Erziehung erhielt. Er besuchte später das Gymnasium zu Breslau und studierte die Rechte. 1618 gieng Opitz zur Universität nach Frankfurt an der Oder und trat mit dem herzoglichen Hof zu Liegnitz in Verbindung. Sein erstes Werk, der ‘Aristarch,’ war lateinisch geschrieben. Er befürwortet darin den Gebrauch der deutschen Sprache für die Dichter Deutschlands und empfiehlt den Alexandriner als Versmass. 1619 begab er sich als Erzieher nach Heidelberg, wo er die Bekanntschaft von Janus Gruter und unter jüngern Leuten von Zinkgref, Caspar Barth und H. A. Hamilton aus Kopenhagen machte. Beim Ausbruch des dreissigjährigen Krieges gieng Opitz (1620) von Heidelberg nach Holland, wo er mit Heinsius in Verbindung trat. 1622 nahm er eine Stelle am Gymnasium zu Weissenburg in Siebenbürgen an, kehrte aber bereits 1623 nach Schlesien zurück, wo er fürstlicher Rath beim Herzog von Liegnitz wurde. 1626 trat er, obwol Protestant, in die Dienstedes Burggrafen Karl Hannibal von Dohna, eines erklärten Feindes der Protestanten. 1628 ward er von Kaiser Ferdinand II. als Martin Opitz von Boberfeld in den Adelstand erhoben, nachdem er bereits 1625 zum Dichter gekrönt war. 1630 reiste Opitz, in politischen Aufträgen nach Paris und machte die Bekanntschaft von Hugo Grotius. Nach dem Tode des Grafen Dohna (1633) fand Opitz neue Gönner und Beschützer und ward endlich Secretär und Historiograph des Königs Ladislaus IV. von Polen. Er starb 1639 an der Pest, angesteckt von einem Bettler, dem er ein Almosen gegeben. Er ist der Gründer der ersten schlesischen Schule. Von seinem ‘Buch von der deutschen Poeterei’ (1624) gab einen Neudruck heraus Braune (Halle, 1876). Eine Auswahl seiner Gedichte sowie der Werke der bedeutendsten Dichter des siebzehnten Jahrhunderts findet sich in Wilhelm Müllers ‘Bibliothek deutscher Dichter des XVII. Jahrhunderts’ (14 Bde. Leipzig 1822); auch von Tittman wurden ausgewählte Dichtungen herausgegeben (Leipzig 1867).
ÜBER DENACCENT IN DEUTSCHENVERSEN.
Nachmals ist auch ein jeder verss entweder einiambicusodertrochaicus; nicht zwar das wir auff art der griechen vnnd lateiner eine gewisse grösse der sylben können inn acht nemen; sondern das wir aus denaccentenvnnd dem thone erkennen, welche sylbe hoch vnnd welche niedrig gesetzt soll werden. Ein Jambus ist dieser:Erhalt vns, Herr, bey deinem wort.{10}Der folgende ein Trochéus:Mitten wir im leben sind. Dann in dem ersten verse die erste sylbe niedrig, die andere hoch, die dritte niedrig, die vierde hoch, vnd so fortan, in dem anderen verse die erste sylbe hoch, die andere niedrig, die dritte hoch etc. aussgesprochen werden. Wiewol nun meines wissens noch niemand, ich auch vor der zeit selber nicht, dieses genawe in acht genommen, scheinet es doch so hoch von nöthen zue sein, als hoch von nöthen ist, das die Lateiner nach denquantitatibusoder grössen der sylben jhre verse richten vnd reguliren. Denn es gar einen übelen klang hat:Venus die{20}hat Juno nicht vermocht zue obsiegen; weilVenusvndJunoJambische,vermochtein Trochéisch wort sein soll:obsiegenaber, weil die erste sylbe hoch, die andern zwo niedrig sein, hat eben den thon welchen bey den lateinern derdactylushat.
AVff, auff mein Hertz’, vnd du, mein gantzer Sinn,Wirff alles dass was Welt ist, von dir hin:Im fall du wilt[981]was Göttlich ist erlangen,So lass den Leib in dem du bist gefangen:Die Seele muss von dem gesaubert seyn10Was nichts nicht ist als nur ein falscher Schein,Muss durch den Zaum der Tugend dämpffen könnenDie schnöde Lust der eusserlichen Sinnen.Ein jeder Mensch hat etwas dass er liebt,Dass einen Glantz der Schönheit von sich gibt:Der suchet Gold, vnd trawet sich den Wellen;Der gräbet fast biss an den Schlund der Hellen,Viel machen sich durch Kriegesthat bekandt,Vnd stehn getrost für GOTTvnd für jhr Land:Der dencket hoch, vnd strebet gantz nach Ehren;20Vnd jener lässt die Liebe sich bethören.Indessen bricht das Alter bey vns ein,In dem man pflegt vmb nichts bemüht zu seyn;Eh’ als wir es recht mögen innen werden,So kömpt der Todt, vnd rafft vns von der Erden.Wer aber gantz dem Leib’ ist abgethan,Vnd nimpt sich nur der Himmels-Sorgen an,Setzt allen Trost auff seines Gottes Gnaden,Dem kan noch Welt, noch Todt, noch Teuffel schaden.Den Ancker hat der Noa eingesenckt,30Da als er war mit Lufft vnd See verschrenckt;Der grosse Trost hat Abraham erquicket,Als er sein Schwerdt nach Isaac gezücket.Der Glaube muss von GOTTerbeten seyn,Der einig macht, dass keine Noth noch Pein,Vnd Todes-Angst auch den geringsten SchmertzenErwecken kan in frommer Leute Hertzen.Drumb schaw’, O Mensch, hinauff vnd vber dich,Nach dem was nicht den Augen zeiget sich,Was niemand kan beschliessen in den SchranckenDer Sterbligkeit vnd flüchtigen Gedancken.Vollbringst du dass, mein Hertz’, vnd du, mein SinnVnd legst die Last der Erden von dir hin,10Sagst ab dem Leib’ in dem du bist gefangen,So wird GOTTdich, vnd du wirst GOTTerlangen.
AVff, auff mein Hertz’, vnd du, mein gantzer Sinn,Wirff alles dass was Welt ist, von dir hin:Im fall du wilt[981]was Göttlich ist erlangen,So lass den Leib in dem du bist gefangen:Die Seele muss von dem gesaubert seyn10Was nichts nicht ist als nur ein falscher Schein,Muss durch den Zaum der Tugend dämpffen könnenDie schnöde Lust der eusserlichen Sinnen.Ein jeder Mensch hat etwas dass er liebt,Dass einen Glantz der Schönheit von sich gibt:Der suchet Gold, vnd trawet sich den Wellen;Der gräbet fast biss an den Schlund der Hellen,Viel machen sich durch Kriegesthat bekandt,Vnd stehn getrost für GOTTvnd für jhr Land:Der dencket hoch, vnd strebet gantz nach Ehren;20Vnd jener lässt die Liebe sich bethören.Indessen bricht das Alter bey vns ein,In dem man pflegt vmb nichts bemüht zu seyn;Eh’ als wir es recht mögen innen werden,So kömpt der Todt, vnd rafft vns von der Erden.Wer aber gantz dem Leib’ ist abgethan,Vnd nimpt sich nur der Himmels-Sorgen an,Setzt allen Trost auff seines Gottes Gnaden,Dem kan noch Welt, noch Todt, noch Teuffel schaden.Den Ancker hat der Noa eingesenckt,30Da als er war mit Lufft vnd See verschrenckt;Der grosse Trost hat Abraham erquicket,Als er sein Schwerdt nach Isaac gezücket.Der Glaube muss von GOTTerbeten seyn,Der einig macht, dass keine Noth noch Pein,Vnd Todes-Angst auch den geringsten SchmertzenErwecken kan in frommer Leute Hertzen.Drumb schaw’, O Mensch, hinauff vnd vber dich,Nach dem was nicht den Augen zeiget sich,Was niemand kan beschliessen in den SchranckenDer Sterbligkeit vnd flüchtigen Gedancken.Vollbringst du dass, mein Hertz’, vnd du, mein SinnVnd legst die Last der Erden von dir hin,10Sagst ab dem Leib’ in dem du bist gefangen,So wird GOTTdich, vnd du wirst GOTTerlangen.
AVff, auff mein Hertz’, vnd du, mein gantzer Sinn,Wirff alles dass was Welt ist, von dir hin:Im fall du wilt[981]was Göttlich ist erlangen,So lass den Leib in dem du bist gefangen:Die Seele muss von dem gesaubert seyn10Was nichts nicht ist als nur ein falscher Schein,Muss durch den Zaum der Tugend dämpffen könnenDie schnöde Lust der eusserlichen Sinnen.Ein jeder Mensch hat etwas dass er liebt,Dass einen Glantz der Schönheit von sich gibt:Der suchet Gold, vnd trawet sich den Wellen;Der gräbet fast biss an den Schlund der Hellen,Viel machen sich durch Kriegesthat bekandt,Vnd stehn getrost für GOTTvnd für jhr Land:Der dencket hoch, vnd strebet gantz nach Ehren;20Vnd jener lässt die Liebe sich bethören.Indessen bricht das Alter bey vns ein,In dem man pflegt vmb nichts bemüht zu seyn;Eh’ als wir es recht mögen innen werden,So kömpt der Todt, vnd rafft vns von der Erden.Wer aber gantz dem Leib’ ist abgethan,Vnd nimpt sich nur der Himmels-Sorgen an,Setzt allen Trost auff seines Gottes Gnaden,Dem kan noch Welt, noch Todt, noch Teuffel schaden.Den Ancker hat der Noa eingesenckt,30Da als er war mit Lufft vnd See verschrenckt;Der grosse Trost hat Abraham erquicket,Als er sein Schwerdt nach Isaac gezücket.Der Glaube muss von GOTTerbeten seyn,Der einig macht, dass keine Noth noch Pein,Vnd Todes-Angst auch den geringsten SchmertzenErwecken kan in frommer Leute Hertzen.Drumb schaw’, O Mensch, hinauff vnd vber dich,Nach dem was nicht den Augen zeiget sich,Was niemand kan beschliessen in den SchranckenDer Sterbligkeit vnd flüchtigen Gedancken.Vollbringst du dass, mein Hertz’, vnd du, mein SinnVnd legst die Last der Erden von dir hin,10Sagst ab dem Leib’ in dem du bist gefangen,So wird GOTTdich, vnd du wirst GOTTerlangen.
AVff, auff mein Hertz’, vnd du, mein gantzer Sinn,
Wirff alles dass was Welt ist, von dir hin:
Im fall du wilt[981]was Göttlich ist erlangen,
So lass den Leib in dem du bist gefangen:
Die Seele muss von dem gesaubert seyn10
Was nichts nicht ist als nur ein falscher Schein,
Muss durch den Zaum der Tugend dämpffen können
Die schnöde Lust der eusserlichen Sinnen.
Ein jeder Mensch hat etwas dass er liebt,
Dass einen Glantz der Schönheit von sich gibt:
Der suchet Gold, vnd trawet sich den Wellen;
Der gräbet fast biss an den Schlund der Hellen,
Viel machen sich durch Kriegesthat bekandt,
Vnd stehn getrost für GOTTvnd für jhr Land:
Der dencket hoch, vnd strebet gantz nach Ehren;20
Vnd jener lässt die Liebe sich bethören.
Indessen bricht das Alter bey vns ein,
In dem man pflegt vmb nichts bemüht zu seyn;
Eh’ als wir es recht mögen innen werden,
So kömpt der Todt, vnd rafft vns von der Erden.
Wer aber gantz dem Leib’ ist abgethan,
Vnd nimpt sich nur der Himmels-Sorgen an,
Setzt allen Trost auff seines Gottes Gnaden,
Dem kan noch Welt, noch Todt, noch Teuffel schaden.
Den Ancker hat der Noa eingesenckt,30
Da als er war mit Lufft vnd See verschrenckt;
Der grosse Trost hat Abraham erquicket,
Als er sein Schwerdt nach Isaac gezücket.
Der Glaube muss von GOTTerbeten seyn,
Der einig macht, dass keine Noth noch Pein,
Vnd Todes-Angst auch den geringsten Schmertzen
Erwecken kan in frommer Leute Hertzen.
Drumb schaw’, O Mensch, hinauff vnd vber dich,
Nach dem was nicht den Augen zeiget sich,
Was niemand kan beschliessen in den Schrancken
Der Sterbligkeit vnd flüchtigen Gedancken.
Vollbringst du dass, mein Hertz’, vnd du, mein Sinn
Vnd legst die Last der Erden von dir hin,10
Sagst ab dem Leib’ in dem du bist gefangen,
So wird GOTTdich, vnd du wirst GOTTerlangen.
SEy wolgemuth, lass trawren sein,Auff Regen folget Sonnenschein,Es gibet endtlich doch das GlückNach toben einen guten Blick.Vor hat der rauhe Winter sichAn vns erzeiget grimmiglich,Der gantzen Welt Revier gar tieff20In einem harten Traume schlieff.Weil aber jetzt der Sonnen LiechtMit vollem Glantz herausserbricht,Vnd an dem Himmel höher steigt,Auch alles frölich sich erzeygt,Das frostig Eyss muss gantz vergehn,Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn,Favonius der zarte WindtSich wider auff die Felder findt,Die Saate gehet auff mit macht,30Das Grase grünt in vollem Pracht,Die Bäume schlagen wieder auss,Die Blumen machen sich herauss.Das Vieh in Felden jnniglich,Das Wild in Püschen frewet sich,Der Vögel Schaar sich frölich schwingt,Vnd lieblich in den Lüfften singt,So stelle du auch trawren ein,Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein,Vertrawe Gott, vnd glaube festDass er die seinen nicht verlest.Vlysses auch, der freye Heldt,Nachdem er zehn Jahr in dem FeldtVor Troja seine Macht versucht,Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht.10Durch Widerwertigkeit im Meer,Ward er geworffen hin vnd her,Noch blieb er standhafft allezeit,In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt.Die Circe mit der Zauberkunst,Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst,Auch der Sirenen süsser MundtVnd Harfen jhn nicht halten kundt,Er warff doch endtlich von sich nochDes rauhen Lebens schweres Joch,20Penelopen er wieder fandt,Vnd Ithacen sein Vaterland,So biss du auch getrost, mein Hertz,Vnd vbersteh des Glückes Schertz,Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht,Die Hoffnung nicht zu schanden macht.
SEy wolgemuth, lass trawren sein,Auff Regen folget Sonnenschein,Es gibet endtlich doch das GlückNach toben einen guten Blick.Vor hat der rauhe Winter sichAn vns erzeiget grimmiglich,Der gantzen Welt Revier gar tieff20In einem harten Traume schlieff.Weil aber jetzt der Sonnen LiechtMit vollem Glantz herausserbricht,Vnd an dem Himmel höher steigt,Auch alles frölich sich erzeygt,Das frostig Eyss muss gantz vergehn,Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn,Favonius der zarte WindtSich wider auff die Felder findt,Die Saate gehet auff mit macht,30Das Grase grünt in vollem Pracht,Die Bäume schlagen wieder auss,Die Blumen machen sich herauss.Das Vieh in Felden jnniglich,Das Wild in Püschen frewet sich,Der Vögel Schaar sich frölich schwingt,Vnd lieblich in den Lüfften singt,So stelle du auch trawren ein,Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein,Vertrawe Gott, vnd glaube festDass er die seinen nicht verlest.Vlysses auch, der freye Heldt,Nachdem er zehn Jahr in dem FeldtVor Troja seine Macht versucht,Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht.10Durch Widerwertigkeit im Meer,Ward er geworffen hin vnd her,Noch blieb er standhafft allezeit,In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt.Die Circe mit der Zauberkunst,Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst,Auch der Sirenen süsser MundtVnd Harfen jhn nicht halten kundt,Er warff doch endtlich von sich nochDes rauhen Lebens schweres Joch,20Penelopen er wieder fandt,Vnd Ithacen sein Vaterland,So biss du auch getrost, mein Hertz,Vnd vbersteh des Glückes Schertz,Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht,Die Hoffnung nicht zu schanden macht.
SEy wolgemuth, lass trawren sein,Auff Regen folget Sonnenschein,Es gibet endtlich doch das GlückNach toben einen guten Blick.Vor hat der rauhe Winter sichAn vns erzeiget grimmiglich,Der gantzen Welt Revier gar tieff20In einem harten Traume schlieff.Weil aber jetzt der Sonnen LiechtMit vollem Glantz herausserbricht,Vnd an dem Himmel höher steigt,Auch alles frölich sich erzeygt,Das frostig Eyss muss gantz vergehn,Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn,Favonius der zarte WindtSich wider auff die Felder findt,Die Saate gehet auff mit macht,30Das Grase grünt in vollem Pracht,Die Bäume schlagen wieder auss,Die Blumen machen sich herauss.Das Vieh in Felden jnniglich,Das Wild in Püschen frewet sich,Der Vögel Schaar sich frölich schwingt,Vnd lieblich in den Lüfften singt,So stelle du auch trawren ein,Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein,Vertrawe Gott, vnd glaube festDass er die seinen nicht verlest.Vlysses auch, der freye Heldt,Nachdem er zehn Jahr in dem FeldtVor Troja seine Macht versucht,Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht.10Durch Widerwertigkeit im Meer,Ward er geworffen hin vnd her,Noch blieb er standhafft allezeit,In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt.Die Circe mit der Zauberkunst,Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst,Auch der Sirenen süsser MundtVnd Harfen jhn nicht halten kundt,Er warff doch endtlich von sich nochDes rauhen Lebens schweres Joch,20Penelopen er wieder fandt,Vnd Ithacen sein Vaterland,So biss du auch getrost, mein Hertz,Vnd vbersteh des Glückes Schertz,Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht,Die Hoffnung nicht zu schanden macht.
SEy wolgemuth, lass trawren sein,
Auff Regen folget Sonnenschein,
Es gibet endtlich doch das Glück
Nach toben einen guten Blick.
Vor hat der rauhe Winter sich
An vns erzeiget grimmiglich,
Der gantzen Welt Revier gar tieff20
In einem harten Traume schlieff.
Weil aber jetzt der Sonnen Liecht
Mit vollem Glantz herausserbricht,
Vnd an dem Himmel höher steigt,
Auch alles frölich sich erzeygt,
Das frostig Eyss muss gantz vergehn,
Der Schnee kan gar nicht mehr bestehn,
Favonius der zarte Windt
Sich wider auff die Felder findt,
Die Saate gehet auff mit macht,30
Das Grase grünt in vollem Pracht,
Die Bäume schlagen wieder auss,
Die Blumen machen sich herauss.
Das Vieh in Felden jnniglich,
Das Wild in Püschen frewet sich,
Der Vögel Schaar sich frölich schwingt,
Vnd lieblich in den Lüfften singt,
So stelle du auch trawren ein,
Mein Hertz, vnd lass dein Zagen sein,
Vertrawe Gott, vnd glaube fest
Dass er die seinen nicht verlest.
Vlysses auch, der freye Heldt,
Nachdem er zehn Jahr in dem Feldt
Vor Troja seine Macht versucht,
Zog noch zehn Jahr vmb in der Flucht.10
Durch Widerwertigkeit im Meer,
Ward er geworffen hin vnd her,
Noch blieb er standhafft allezeit,
In Noth vnd Todt, in Lieb vnd Leydt.
Die Circe mit der Zauberkunst,
Bracht jhn niemals zu jhrer Gunst,
Auch der Sirenen süsser Mundt
Vnd Harfen jhn nicht halten kundt,
Er warff doch endtlich von sich noch
Des rauhen Lebens schweres Joch,20
Penelopen er wieder fandt,
Vnd Ithacen sein Vaterland,
So biss du auch getrost, mein Hertz,
Vnd vbersteh des Glückes Schertz,
Traw Gott, sey nur auff jhn bedacht,
Die Hoffnung nicht zu schanden macht.
Ich empfinde fast ein GrawenDass ich, Plato, für vnd fürBin gesessen vber dir;30Es ist zeit hinauss zu schawen,Und sich bei den frischen QuellenIn dem grünen zu ergehn,Wo die schönen Blumen stehn,Vnd die Fischer Netze stellen.Worzu dienet das studieren30Als zu lauter Vngemach?Vnter dessen laufft die Bach[982]Vnsers Lebens das wir führenEhe wir es inne werden,Auff jhr letztes Ende hin,Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn.Dieses alles in die Erden.Hola, Junger, geh’ vnd frage,Wo der beste Trunck mag seyn,Nimb den Krug, vnd fülle Wein.Alles Trawren, Leid vnd KlageWie wir Menschen täglich habenEh’ vns Clotho fortgerafft,10Wil ich in den süssen SafftDen die Traube giebt vergraben.Kauffe gleichfals auch MelonenVnd vergiess des Zuckers nicht;Schawe nur dass nichts gebricht.Jener mag der Heller schonen,Der bey seinem Gold’ vnd SchätzenTolle sich zu krencken pflegt,Vnd nicht satt zu Bette legt;Ich wil weil ich kan mich letzen.Bitte meine gute BrüderAuff die Music vnd ein Glass:Nichts schickt sich, dünckt mich so bassAls gut Tranck vnd gute Lieder.Lass’ ich gleich nicht viel zu erben,10Ey so hab’ ich edlen Wein;Will mit andern lustig seyn,Muss ich gleich alleine sterben.
Ich empfinde fast ein GrawenDass ich, Plato, für vnd fürBin gesessen vber dir;30Es ist zeit hinauss zu schawen,Und sich bei den frischen QuellenIn dem grünen zu ergehn,Wo die schönen Blumen stehn,Vnd die Fischer Netze stellen.Worzu dienet das studieren30Als zu lauter Vngemach?Vnter dessen laufft die Bach[982]Vnsers Lebens das wir führenEhe wir es inne werden,Auff jhr letztes Ende hin,Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn.Dieses alles in die Erden.Hola, Junger, geh’ vnd frage,Wo der beste Trunck mag seyn,Nimb den Krug, vnd fülle Wein.Alles Trawren, Leid vnd KlageWie wir Menschen täglich habenEh’ vns Clotho fortgerafft,10Wil ich in den süssen SafftDen die Traube giebt vergraben.Kauffe gleichfals auch MelonenVnd vergiess des Zuckers nicht;Schawe nur dass nichts gebricht.Jener mag der Heller schonen,Der bey seinem Gold’ vnd SchätzenTolle sich zu krencken pflegt,Vnd nicht satt zu Bette legt;Ich wil weil ich kan mich letzen.Bitte meine gute BrüderAuff die Music vnd ein Glass:Nichts schickt sich, dünckt mich so bassAls gut Tranck vnd gute Lieder.Lass’ ich gleich nicht viel zu erben,10Ey so hab’ ich edlen Wein;Will mit andern lustig seyn,Muss ich gleich alleine sterben.
Ich empfinde fast ein GrawenDass ich, Plato, für vnd fürBin gesessen vber dir;30Es ist zeit hinauss zu schawen,Und sich bei den frischen QuellenIn dem grünen zu ergehn,Wo die schönen Blumen stehn,Vnd die Fischer Netze stellen.Worzu dienet das studieren30Als zu lauter Vngemach?Vnter dessen laufft die Bach[982]Vnsers Lebens das wir führenEhe wir es inne werden,Auff jhr letztes Ende hin,Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn.Dieses alles in die Erden.Hola, Junger, geh’ vnd frage,Wo der beste Trunck mag seyn,Nimb den Krug, vnd fülle Wein.Alles Trawren, Leid vnd KlageWie wir Menschen täglich habenEh’ vns Clotho fortgerafft,10Wil ich in den süssen SafftDen die Traube giebt vergraben.Kauffe gleichfals auch MelonenVnd vergiess des Zuckers nicht;Schawe nur dass nichts gebricht.Jener mag der Heller schonen,Der bey seinem Gold’ vnd SchätzenTolle sich zu krencken pflegt,Vnd nicht satt zu Bette legt;Ich wil weil ich kan mich letzen.Bitte meine gute BrüderAuff die Music vnd ein Glass:Nichts schickt sich, dünckt mich so bassAls gut Tranck vnd gute Lieder.Lass’ ich gleich nicht viel zu erben,10Ey so hab’ ich edlen Wein;Will mit andern lustig seyn,Muss ich gleich alleine sterben.
Ich empfinde fast ein Grawen
Dass ich, Plato, für vnd für
Bin gesessen vber dir;30
Es ist zeit hinauss zu schawen,
Und sich bei den frischen Quellen
In dem grünen zu ergehn,
Wo die schönen Blumen stehn,
Vnd die Fischer Netze stellen.
Worzu dienet das studieren30
Als zu lauter Vngemach?
Vnter dessen laufft die Bach[982]
Vnsers Lebens das wir führen
Ehe wir es inne werden,
Auff jhr letztes Ende hin,
Dann kömpt ohne Geist vnd Sinn.
Dieses alles in die Erden.
Hola, Junger, geh’ vnd frage,
Wo der beste Trunck mag seyn,
Nimb den Krug, vnd fülle Wein.
Alles Trawren, Leid vnd Klage
Wie wir Menschen täglich haben
Eh’ vns Clotho fortgerafft,10
Wil ich in den süssen Safft
Den die Traube giebt vergraben.
Kauffe gleichfals auch Melonen
Vnd vergiess des Zuckers nicht;
Schawe nur dass nichts gebricht.
Jener mag der Heller schonen,
Der bey seinem Gold’ vnd Schätzen
Tolle sich zu krencken pflegt,
Vnd nicht satt zu Bette legt;
Ich wil weil ich kan mich letzen.
Bitte meine gute Brüder
Auff die Music vnd ein Glass:
Nichts schickt sich, dünckt mich so bass
Als gut Tranck vnd gute Lieder.
Lass’ ich gleich nicht viel zu erben,10
Ey so hab’ ich edlen Wein;
Will mit andern lustig seyn,
Muss ich gleich alleine sterben.