NOTKER.
[Scherer D.56,E.51.]
Mit dem Beinamen Teutonicus oder Labeo. Er war ein Mönch im Kloster zu St. Gallen, wo er Übersetzungen aus dem Lateinischen verfasste oder anregte und 1022 starb. Sein Oheim und Lehrer war Ekkehard I. Herausgegeben von Hattemer ‘Denkmahle des Mittelalters’ (3 Bde. St. Gallen, 1844–49), Piper (Freiburg, 1882 ff.).
Mit dem Beinamen Teutonicus oder Labeo. Er war ein Mönch im Kloster zu St. Gallen, wo er Übersetzungen aus dem Lateinischen verfasste oder anregte und 1022 starb. Sein Oheim und Lehrer war Ekkehard I. Herausgegeben von Hattemer ‘Denkmahle des Mittelalters’ (3 Bde. St. Gallen, 1844–49), Piper (Freiburg, 1882 ff.).
Sanctus pauluskehîez tîen. dîe in sînên zîten uuândon des sûonetagen. táz er êr nechâme. êrromanum imperiumzegîenge. úndeantichristusrîchesôn begóndi.Uuér zuîuelôtromanosíu uuésen állero rîcho hêrren. únde íro geuuált kân ze énde dero uuérlte? Sô dô mánige líute énnônt tûonouuo gesézene. hára úbere begóndôn uáren. únde ín állên dísên rîchen keuuáltigo uuíderromanissízzen. tô íu stûonden íro díng slîfen.{10}únde ze déro tîlegúngo râmen. tîa uuír nû sehên. Tánnân geskáh pi des chéiseres zîtenzenonis. táz zuêne chúninga nórdenân chómene. éinêr ímo den stûol ze romo úndergîeng. únde állaitaliam. ánderêr náhor ímogreciambegréif. únde díu lánt. tíu dánnân únz ze tûonouuo sínt. Énêr hîez in únsera uuîs{20}ôtacher. tíser hîez thioterih. Tô uuárd táz ten chéiser lústa. dáz er dioterichen uríuntlicho ze hóue ládeta. tára ze dero mârunconstantinopoli. únde ín dâr mít kûollichên êron lángo hábeta. únz er ín dés bíten stûont. táz er ímo óndi. mít ótachere zeuéhtenne. únde úbe er ín úberuuúnde.romamióhitaliammít sînemo{30}dánche zehábenne. Táz úrlub káb ímozeno. sîn lánt. ióh sîne líute. ze sînên triuôn beuélehendo. Sô dioterih mít témo uúorte zeitaliachám. únde er ótaccheren mít nôte guán. únde ín sâr dáranâh erslûog. únde er fúre ín des lándes uuîelt. tônetéta er ze êrest nîeht úber dáz. sô demo chéisere lîeb uuás. Sô áber nâh ímo ándere chéisera uuúrten. tô begónda er tûon. ál dáz in lústa. únde dîen râten án den lîb. tîe ímo dés neuuâren geuólgig. Fóne díu slûog erboetíum. únde sînen suêrsymmachum. únde dáz óuh uuírsera{10}uuás.iohannemden bâbes. Sâr des ánderen iâres. uuárt thioterih ferlóren. sîn néuo alderih zúhta daz rîche ze síh.Romanum imperiumhábeta îo dánnan hína ferlóren sînalibertatem. Áber dóhgothiuuúrten dánnân uertríben fónenarsete patricio. sub iustino minore. Sô châmen áber nórdenanlangobardi. únde{20}uuîeltenitaliæ. mêr dánneducentis annis. Nâhlangobardis franci. tîe uuír nû héizên chárlinga. nâh ínsaxones. Sô íst nû zegángenromanvm imperivm. nâh tîen uuórtensancti pauli apostoli.
Sanctus Paulus verhiess denen, die zu seiner Zeit auf den{20}Tag des Gerichtes hofften, dass er nicht eher kommen würde, als bis das römische Reich untergegangen wäre, und Antichrist zu herrschen begonnen hätte. Wer bezweifelt, dass die Römer immerdar Herren über alle Reiche sind, und ihre Gewalt sich bis zum Ende der Welt erstreckt? Als damals manche Völker, jenseit der Donau gesessen, hier herüber zu ziehen begannen und{10}in allen diesen Reichen mit Gewalt sich den Römern zu widersetzen, da begann ihre Macht zu sinken und dem Untergange zuzustreben, den wir jetzt sehen. Damals ereignete es sich um die Zeiten Kaiser Zenos, dass zwei Könige von Norden gekommen, der eine den Stuhl zu Rom besetzte und ganz{20}Italien, der andere Griechenland an sich riss und die Länder, die von da ab bis zur Donau liegen. Jener hiess in unserer Sprache Otacher, dieser hiess Dietrich. Da geschah es, dass den Kaiser gelüstete, Dietrich freundlich an seinen Hof zu laden, nach der herrlichen Constantinopolis, und dass er ihn dort mit rühmlichen{30}Ehren lange behielt, bis er ihn darum bat, dass er ihm gestattete mit Otacher zu fechten, und für den Fall er ihn überwände, Rom und Italien mit seiner Zustimmung zu besetzen. Die Erlaubniss gab ihm Zeno, indem er sein Land und seine Leute in seine Treue befahl. Als Dietrich auf die Verabredung nach Italien gekommen und er Otacher mit Mühe besiegt und ihn darnach erschlagen und an seiner Statt das Land beherrschte, da that er zuerst nichts über das hinaus, was dem Kaiser lieb war. Als aber nach ihm andere Kaiser{10}wurden, da begann er zu thun Alles, was ihn lüstete, und denen nach dem Leben zu stellen, die ihm darin nicht folgsam waren. Deshalb tödtete er den Boetius und seinen Schwäher Symmachus und, was noch viel schlimmer war, den Pabst Johannes. Hierauf im nächsten Jahre fand Dietrich seinen Untergang. Sein{20}Neffe Alderich riss das Reich an sich. Das römische Reich hatte von da an auf ewig seine Freiheit verloren. Aber trotzdem wurden die Gothen von Narses dem Patricier unter Justinus dem Jüngeren vertrieben. Hierauf kamen abermals von Norden die Langobarden und beherrschten Italien über zweihundert Jahre{30}lang; nach den Langobarden die Franken, die wir heute Karolinger nennen; nach ihnen die Sachsen. So ist nun das römische Reich nach den Worten Sct. Pauls des Apostels untergegangen.
L.