REFORMATION UND RENAISSANCE.
[Scherer D.276,E.272.]
Geboren zu Eisleben 10. Nov. 1483 als der Sohn eines Bergmanns. 1501 auf der Universität zu Erfurt, wo er 1502 promovierte und 1505 ins Augustinerkloster trat. 1508 nach der Universität Wittenberg berufen; 1510 nach Rom gesandt; 1512 Doctor der Theologie; 1517 seine Thesen gegen Tetzel; 1520 vom Pabst in den Bann gethan; 1521 auf dem Reichstag zu Worms, dann versteckt auf der Wartburg; 1522 nach Wittenberg zurück, wo er seine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments herausgiebt; 1523 die Bücher Moses; 1524 die Psalmen; 1529 den deutschen Katechismus. Vollständige Bibelübersetzung 1534. Luther starb am 18. Februar 1546. Die beste Gesammtausgabe Erlangen 1826–57, 67 Bde. Eine kritische Gesammtausgabe ist im Erscheinen begriffen; bisjetzt kamen Bde. I-III (Weimar 1883–85) heraus. Kritische Ausgabe der Bibelübersetzung von Bindseil und Niemeyer, 7 Thle (Halle 1850–55); Facsimile der sogenannten Septemberbibel, d. i. des Neuen Testaments vom September 1522 (Berlin 1883). Briefe herausgegeben von de Wette Bd. 1–5 Berlin (1825–28), Bd. 6 von Seidemann (Berlin 1856); ferner von Seidemann, Dresden 1859; Burkhardt (Leipzig 1866); Kolde ‘Analecta Lutherana’ (Gotha 1883).
Geboren zu Eisleben 10. Nov. 1483 als der Sohn eines Bergmanns. 1501 auf der Universität zu Erfurt, wo er 1502 promovierte und 1505 ins Augustinerkloster trat. 1508 nach der Universität Wittenberg berufen; 1510 nach Rom gesandt; 1512 Doctor der Theologie; 1517 seine Thesen gegen Tetzel; 1520 vom Pabst in den Bann gethan; 1521 auf dem Reichstag zu Worms, dann versteckt auf der Wartburg; 1522 nach Wittenberg zurück, wo er seine deutsche Übersetzung des Neuen Testaments herausgiebt; 1523 die Bücher Moses; 1524 die Psalmen; 1529 den deutschen Katechismus. Vollständige Bibelübersetzung 1534. Luther starb am 18. Februar 1546. Die beste Gesammtausgabe Erlangen 1826–57, 67 Bde. Eine kritische Gesammtausgabe ist im Erscheinen begriffen; bisjetzt kamen Bde. I-III (Weimar 1883–85) heraus. Kritische Ausgabe der Bibelübersetzung von Bindseil und Niemeyer, 7 Thle (Halle 1850–55); Facsimile der sogenannten Septemberbibel, d. i. des Neuen Testaments vom September 1522 (Berlin 1883). Briefe herausgegeben von de Wette Bd. 1–5 Berlin (1825–28), Bd. 6 von Seidemann (Berlin 1856); ferner von Seidemann, Dresden 1859; Burkhardt (Leipzig 1866); Kolde ‘Analecta Lutherana’ (Gotha 1883).
Wenn ich mit menschen vnd mit engel zungen redet, vnd hette die liebe nicht, so were ich eyn dohnend ertz, odder eyn klingende schelle, Vnd wenn ich weyssagen kundt, vnd wuste alle geheymnis, vnd alle erkentnis, vnd hette allen glawben, also, das ich bergeversetzete, vnd hette der liebe nicht, so were ich nichts. Vnd wenn ich alle meyn habe den armen gebe, vnd liesz meynen leyb brennen, vnd hette der liebe nicht, so were myrs nichts nutze.
Die liebe ist langmutig vnd freuntlich, die liebe eyffert nicht, die liebe schalcket nicht, sie blehet sich nicht, sie stellet sich nicht honisch, sie sucht nicht das yhre, sie lest sich nicht erbittern, sie gedenckt nicht arges, sie frewet sich nicht vber der vngerechtickeyt, sie frewet sich aber mit der warheyt, sie vertreget alles, sie glewbet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles, die liebe verfellet nymer mehr,{10}szo doch die weyssagung auffhoren werden, vnd die zungen auffhoren werden, vnd das erkentnis auffhoren wirt.
Denn vnser wissen ist stuckwerck, vnnd vnser weyssagen ist stuckwerck, Wenn aber komen wirt, das volkomene, so wirt das stuckwerck auffhoren. Da ich eyn kind war, da redet ich wie eyn kind, vnd richtet wie eyn kind, vnd hette kindische anschlege, Da ich aber eyn man wart, that ich abe was kindisch war. Wyr sehen ytzt durch eyn spiegel ynn eynem tunckeln wort, denne aber von angesicht zu angesicht. Itzt erkenne ichs stucksweysz, denneaber werd ichs erkennen, gleych wie ich erkennet byn. Nu aber bleybt, glawbe, hoffnung, liebe, dise drey, aber die liebe ist die grossist vnter yhn.
VORLUTHERSCHEÜBERSETZUNG(NACH DER FÜNFTEN DEUTSCHENBIBEL, AUGSBURG,ETWA1473–75,BEIGÜNTHERZAINER).
Ob ich red in der czungen der aengel und der menschen, aber ich{10}hab der lieb nit, ich bin gemachet als eyn glockspeis lautent oder als ein schell klingent. Und ob ich hab die weyssagung unnd erkennen alle heymlikait unnd alle kunst, unnd ob ich hab allen den gelauben, also das ich uebertrag die baerg, hab ich aber der liebe nit,{20}ich bin nichts. Und ob ich ausztayl alles mein guot in die speys der armen, und ob ich antwurt meinen leyb, also das ich brinne, hab ich aber der liebe nit, es ist mir nichts nutz.
Die lieb ist duldig, sy ist guetig. Die lieb die neyt nit, sy thuodt nit unrecht, sy zerpläet sich nit, sy ist nitt geitzig auf eer, sy suocht nit die ding, die ir seynd, sy wirt nit geraytzet. Sy gedenckt nit das uebel, sy freut sich nit ueber die boszheyt, aber sy mit frouwet sich der warheyt, alle ding uebertregt sy, alle ding gelaubt sy, alle ding hoffet sy, alle dyng duldet sy. Die lieb gevil nye. Es sey das die weyssagungen werden geraumet, oder das die zungen aufhoerent,{30}oder das die wissenheyt werde verwuest.
Wann wir erkennen unvolkumenlich, und weissagen unvolkumenlich. So aber kumpt, das do volkumen ist, so wirt auszgeraumet, das do unvolkumen ist. Do ich klein was, ich redt als ein kleiner, so ich aber bin ein man worden, do han ich auszgeraumet die ding, die do warn des kleinen. Wann nun sehen wir durch den spiegel in bedeckung, aber denn von antlitz zu antlutz. Nu erkenn ich unvolkumenlich, aber denn wird ich erkennen, als auch ich bin erkant. Aber nu beleibent dise drey ding, der gelaub, die hoffnung, die liebe, aber die groesser ausz den ist die liebe.
Gnad und Friede in Christo! Erbar, fursichtiger lieber herr vnd Freund! Ich hab ewer Schrifft empfangen mit den zwo Fragen,{10}darin jr meines Berichts begert. Erstlich, warumb ich in der Epistel Röm. 3 die wort S. PauliArbitramur hominem justificari ex fide absque operibus legisalso verdeudscht habe, Wir halten, das der Mensch gerecht werde, on des Gesetzes werck, allein durch den Glauben, Vnd zeigt daneben an, wie die Papisten sich vber die massen vnnütz machen, weil im text St. Pauli nicht stehet das Wortsola(allein) Vnd sey solcher Zusatz von mir nicht zu leiden in Gottes worten....
Ich weis wol, was fur kunst, vleis, vernunfft, verstand zum guten Dolmetschen gehöret. Es heisst, Ver am Wege bawet, der hat{20}viel Meister, Also gehet mirs auch.... Ich hab mich des gefliessen im dolmetschen, das ich rein vnd klar deudsch geben möchte. Vnd ist vns wol offt begegenet, das wir 14 tage, drey, vier wochen haben ein einiges Wort gesucht vnd gefragt, habens dennoch zuweilen nicht funden. Im Hiob erbeiten wir also, M. Philips, Aurogallus[669]vnd ich, das wir in vier tagen zuweilen kaum drei zeilen kundten fertigen. Lieber, nu es verdeudscht vnd bereit ist, kans ein jeder lesen vnd meistern, Leuft einer jtzt mit den augen durch drey oder vier Bletter, vnd stösst nicht einmal an, wird aber nicht gewar, welche Wacken[670]vnd Klötze da gelegen sind, da{30}er jtzt vber hin gehet wie vber ein gehoffelt Bret, da wir haben must schwitzen vnd vns engsten, ehe denn wir solche Wacken undKlötze aus dem wege reumeten, auff das man kündte so fein daher gehen. Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist. Aber den Wald vnd die Stöcke ausrotten, und den Acker zurichten, da wil niemand an, Es ist bey der Welt kein danck zu uerdienen, Kann doch Gott selbs mit der Sonnen, ja mit Himel vnd Erden, noch mit seines eigen Sons tod, keinen danck verdienen, Sie sey vnd bleibe Welt ins Teufels namen, weil sie ja nicht anders wil.
Also habe ich hie Röm. 3 fast wol gewusst, das im Lateinischen vnd Griechischen Text das wortsolaodersolumnicht stehet, vnd{10}hetten mich solchs die Papisten nicht dürffen leren. War ists, Diese vier buchstabensolastehen nicht drinnen, welche buchstaben die Eselsköpff ansehen, wie die Küe ein new thor. Sehen aber nicht, das gleichwol die Meinung des Texts in sich hat, vnd wo mans wil klar vnd gewaltiglich verdeudschen, so gehöret es hinein, Denn ich habe Deudsch, nicht Lateinisch noch Griechisch reden wöllen, da ich Deudsch zu reden im Dolmetschen furgenommen hatte. Das ist aber die art vnser Deudschen sprache, wenn sich ein Rede begibt von zweien dingen, der man eins bekennet vnd das ander verneinet, so braucht man des worts (allein) neben dem wort{20}(nicht oder kein), Als wenn man sagt, Der Bawr bringt allein Korn vnd kein Gelt, Item, ich hab warlich jtzt nicht gelt, sondern allein Korn, Ich hab allein gessen und noch nicht getruncken, Hastu allein geschrieben vnd nicht uberlesen? Vnd dergleichen vnzeliche Weise in teglichem brauch. In diesen reden allen, obs gleich die Lateinische oder Griechische Sprache nicht thut, so thuts doch die Deudsche und ist jr art, das sie das wort (Allein) hinzusetzt, auf das das wort (nicht oder kein) deste völliger vnd deutlicher sey. Denn man mus nicht die buchstaben in der Lateinischen sprachen fragen, wie man sol Deudsch reden, Sondern man mus die Mutter{30}im hause, die Kinder auff der gassen, den gemeinen Man auff dem marckt drumb fragen, vnd denselbigen auff das Maul sehen, wie sie reden, vnd darnach dolmetschen, So verstehen sie es denn und mercken, das man Deudsch mit jnen redet.... So wil ich auch sagen, du holdselige Maria, du liebe Maria, Vnd lasse die Papisten sagen, du vol gnaden Maria. Wer Deudsch kan, der weis wol, welch ein hertzlich fein wort das ist, die liebe Maria, der liebe Gott, der liebe Keiser, der liebe Fürst, der liebe Man, das liebeKind. Vnd ich weis nicht, ob man das wort liebe, auch so hertzlich vnd gnugsam in Lateinischer oder andern sprachen reden müge, das also dringe vnd klinge ins hertz, durch alle sinne, wie es thut in vnser Sprache....
Es meinen wol etliche, das Schreiberampt sey ein leicht, geringe ampt, Aber im Harnisch reiten, hitz, frost, staub, durst vnd ander vngemach leiden, das sey eine erbeit. Ja, das ist das alte gemeine{10}tegliche Liedlin, das keiner sihet, wo den andern der schuch druckt; Jederman fület allein sein ungemach und gaffet auff des andern gutgemach. War ist’s: Mir were es schweer, im Harnisch zu reiten; Aber ich wolt auch gern widerumb den Reuter sehen, der mir künde einen gantzen tag still sitzen und in ein Buch sehen, wenn er schon nichts sorgen, tichten, dencken noch lesen solt. Frage einen Cantzelschreiber, Prediger und Redener, was schreiben und reden fur erbeit sey, Frage einen Schulmeister, was leren und knaben zichen fur erbeit sey. Leicht ist die Schreibfedder, das ist war, ist auch kein Handzeug unter allen Handwercken bas zu erzeugen,{20}denn der Schreiberey. Denn sie bedarff allein der gense fittich; der man umbsonst allenthalben genug findet. Aber es mus gleichwol das beste Stücke (als der Kopff) und das edelste glied (als die Zunge) und das höhest werck (als die rede), so am Menschenleibe sind, hieher halten und am meisten erbeiten, da sonst bey andern entweder die faust, füss, rucken oder dergleichen glied allein erbeiten, und können daneben frölich singen und frey schertzen, das ein Schreiber wol lassen mus. Drey finger thuns (sagt man von Schreibern); Aber der ganz Leib und Seel erbeiten dran.
{30}Ich hab von dem löblichen theuren Keiser Maximilian hören sagen, Wenn die grossen Hansen drumb murreten, das er der Schreiber so viel brauchte zu Bottschafften und sonst, das er sol gesagt haben: Wie sol ich thun? sie wöllen sich nicht brauchen lassen, so mus ich Schreiber darzu nemen? Und weiter: Ritter kan ich machen, aber Doctor kan ich nicht machen. So hab ich auch voneinem feinen Edelman gehöret, das er sagt: Ich wil meinen Son lassen studiren. Es ist nicht grosse Kunst zwey bein uber ein Ross hengen und Reuter werden; das hat er mir bald gelernt: und ist fein und wol geredt.
Das will ich nicht zur verachtung des reisigen Standes, noch einiges andern Standes, sondern wider die losen Scharhaufen gesagt haben, die alle Lere und Kunst verachten, und nichts rühmen können, denn das sie Harnisch füren und zwey Bein uber ein Ross hengen, wiewol sie solchs selten thun müssen, und dafur das gantze{10}jahr gemach, lust, freude, ehre und guts gnug haben. Es ist wol war, Kunst ist leicht zu tragen (sagt man) und Harnisch schweer zu tragen. Aber widerumb ist Harnisch füren bald gelernet, aber Kunst ist nicht bald gelernet, und nicht leicht zu uben und zu brauchen.
Und das ich dieses Gewesschs ein mal ein ende mache, So sollen wir wissen, dass Gott ein wünderlicher HERRist. Sein Handwerck ist aus Bettler Herrn machen, gleichwie er aus Nichte alle Ding macht: Solch Handwerck wird im niemand legen noch hindern. Er lessts gar herrlich in aller Welt von sich singen: Ps. 113. Wer{20}ist, wie der Herr, der so hoch sitzt, und so tief hernieder sihet? Der den Geringen auffricht aus dem staube und erhohet den armen aus den kot, Das er jn sitzen lasse unter den Fürsten, ja unter den Fürsten seines Volcks. Sihe dich umb in aller Könige und Fursten höfe und in Stedten und Pfarren, was gilt’s, ob nicht dieser Psalm mit vielen starcken Exempeln drinnen regiret? Da wirstu finden Juristen, Doctores, Rethe, Schreiber, Prediger, die gemeiniglich arm gewest, und ja gewislich allzumal Schüler gewest sind, und durch die Fedder so emporgeschwungen und auffgeflogen, das sie Herrn sind, wie dieser Psalm sagt, und wie die Fürsten Land und{30}Leute regiren helffen. Gott wils nicht haben, das geborne Könige, Fürsten, Herrn und Adel sollen allein regiren und Herrn sein. Er wil auch seine Bettler dabey haben, Sie dechten sonst, die eddel Geburt macht alleine Herrn und Regenten, und nicht Gott alleine.
Man spricht, und ist die wahrheit, der Bapst ist auch ein Schüler gewest: Darumb verachte mir nicht die Gesellen, die fur der thür Panem propter Deum sagen, und den Brodreigen singen; du hörest (wie dieser Psalm sagt) grosse Fürsten und Herrn singen. Ich bin auch ein solcher partecken Hengst[671]gewest, und hab das brot fur den Heusern genomen, sonderlich zu Eisenach in meiner lieben Stad; wi wol mich hernach mein lieber Vater, mit aller liebe und trew in der Hohenschulen zu Erffurt hielt, und durch seinen sauern schweis und erbeit dahin geholffen hat, da ich hin komen bin. Aber dennoch bin ich ein Parteckenhengst gewest, Und nach diesem Psalm, durch die Schreibfedder so fern kommen, das ich jtzt noch wolt mit dem türckischen Keiser beuten, das ich sein Gut solt haben, und meiner Kunst emperen. Ja ich wolt der Welt gut{10}vielmal geheufft nicht dafur nemen, Und were doch on zweivel nicht dahin komen, wo ich nicht in die Schule und ins Schreiberhandwerck were geraten.
Darumb las deinen Son getrost studiren, Und solt er auch dieweil nach Brod gehen, so gibstu unserm HERRNGott ein feines Höltzlin, da er dir einen Herrn aus schnitzen kan. Es wird doch dabey bleyben, das dein und mein Son, das ist, gemeiner Leute kinder, werden die Welt müssen regiren beide in geistlichem und weltlichem Stande, wie dieser Psalm zeuget. Denn die reichen Geitzwanste könnens und wollens nicht thun; Sie sind des{20}Mammon Cartheuser und Münche, des müssen sie tag und nacht warten. So vermügens die gebornen Fürsten und Herrn alleine nicht, und sonderlich vermügen sie das geistlich Ampt gar nichts verstehn: Also mus wol beide Regiment auff Erden bleiben bey den armen mittelmessigen und gemeinen Leuten und bey jren Kindern....
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort,Und steur des Papsts und Türkenmord,Die Jesum Christum deinen SohnStürzen wollen von seinem Thron.Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,30Der du ein Herr all’r Herrn bist,Beschirm dein arme Christenheit,Dass sie dich lob in Ewigkeit.Gott heiliger Geist, du Tröster werth,Gieb deinem Volk einerlei Sinn auf Erd,Steh bei uns in der letzten Noth,G’leit uns ins Leben aus dem Tod.(1511).
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort,Und steur des Papsts und Türkenmord,Die Jesum Christum deinen SohnStürzen wollen von seinem Thron.Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,30Der du ein Herr all’r Herrn bist,Beschirm dein arme Christenheit,Dass sie dich lob in Ewigkeit.Gott heiliger Geist, du Tröster werth,Gieb deinem Volk einerlei Sinn auf Erd,Steh bei uns in der letzten Noth,G’leit uns ins Leben aus dem Tod.(1511).
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort,Und steur des Papsts und Türkenmord,Die Jesum Christum deinen SohnStürzen wollen von seinem Thron.
Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort,
Und steur des Papsts und Türkenmord,
Die Jesum Christum deinen Sohn
Stürzen wollen von seinem Thron.
Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,30Der du ein Herr all’r Herrn bist,Beschirm dein arme Christenheit,Dass sie dich lob in Ewigkeit.
Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ,30
Der du ein Herr all’r Herrn bist,
Beschirm dein arme Christenheit,
Dass sie dich lob in Ewigkeit.
Gott heiliger Geist, du Tröster werth,Gieb deinem Volk einerlei Sinn auf Erd,Steh bei uns in der letzten Noth,G’leit uns ins Leben aus dem Tod.
Gott heiliger Geist, du Tröster werth,
Gieb deinem Volk einerlei Sinn auf Erd,
Steh bei uns in der letzten Noth,
G’leit uns ins Leben aus dem Tod.
(1511).
(1511).
Ein feste burg ist vnser Gott,ein gute wehr vnd waffen;er hilfft vns frey aus aller not,die vns itzt hat betroffen.Der alt böse feind,mit ernst ers itzt meint;10gros macht vnd viel listsein grausam rüstung ist;auff erd ist nicht seins gleichen.Vnd wenn die welt voll Teuffel wervnd wolt vns gar verschlingen,so fürchten wir vns nicht so ser;es sol vns doch gelingen.Der Fürst dieser welt,wie sawr er sich stelt,thut er vns doch nicht:20das macht, er ist gericht;ein wörtlin kan jn fellen.Mit vnser macht ist nichts gethan;wir sind gar bald verloren.Es streit für vns der rechte manden Gott hat selbs erkoren.Fragstu, wer der ist?Er heisst Jhesus Christ,10der HERRZebaoth;vnd ist kein ander Gott;das felt mus er behalten.Das wort sie söllen lassen stanvnd kein danck dazu haben.Er ist bey vns wol auff dem planmit seinem Geist vnd gaben.Nemen sie den leib,gut, ehr, kind vnd weib:las faren dahin!20sie habens kein gewin;das Reich mus vns doch bleiben.
Ein feste burg ist vnser Gott,ein gute wehr vnd waffen;er hilfft vns frey aus aller not,die vns itzt hat betroffen.Der alt böse feind,mit ernst ers itzt meint;10gros macht vnd viel listsein grausam rüstung ist;auff erd ist nicht seins gleichen.Vnd wenn die welt voll Teuffel wervnd wolt vns gar verschlingen,so fürchten wir vns nicht so ser;es sol vns doch gelingen.Der Fürst dieser welt,wie sawr er sich stelt,thut er vns doch nicht:20das macht, er ist gericht;ein wörtlin kan jn fellen.Mit vnser macht ist nichts gethan;wir sind gar bald verloren.Es streit für vns der rechte manden Gott hat selbs erkoren.Fragstu, wer der ist?Er heisst Jhesus Christ,10der HERRZebaoth;vnd ist kein ander Gott;das felt mus er behalten.Das wort sie söllen lassen stanvnd kein danck dazu haben.Er ist bey vns wol auff dem planmit seinem Geist vnd gaben.Nemen sie den leib,gut, ehr, kind vnd weib:las faren dahin!20sie habens kein gewin;das Reich mus vns doch bleiben.
Ein feste burg ist vnser Gott,ein gute wehr vnd waffen;er hilfft vns frey aus aller not,die vns itzt hat betroffen.Der alt böse feind,mit ernst ers itzt meint;10gros macht vnd viel listsein grausam rüstung ist;auff erd ist nicht seins gleichen.
Ein feste burg ist vnser Gott,
ein gute wehr vnd waffen;
er hilfft vns frey aus aller not,
die vns itzt hat betroffen.
Der alt böse feind,
mit ernst ers itzt meint;10
gros macht vnd viel list
sein grausam rüstung ist;
auff erd ist nicht seins gleichen.
Vnd wenn die welt voll Teuffel wervnd wolt vns gar verschlingen,so fürchten wir vns nicht so ser;es sol vns doch gelingen.Der Fürst dieser welt,wie sawr er sich stelt,thut er vns doch nicht:20das macht, er ist gericht;ein wörtlin kan jn fellen.
Vnd wenn die welt voll Teuffel wer
vnd wolt vns gar verschlingen,
so fürchten wir vns nicht so ser;
es sol vns doch gelingen.
Der Fürst dieser welt,
wie sawr er sich stelt,
thut er vns doch nicht:20
das macht, er ist gericht;
ein wörtlin kan jn fellen.
Mit vnser macht ist nichts gethan;wir sind gar bald verloren.Es streit für vns der rechte manden Gott hat selbs erkoren.Fragstu, wer der ist?Er heisst Jhesus Christ,10der HERRZebaoth;vnd ist kein ander Gott;das felt mus er behalten.
Mit vnser macht ist nichts gethan;
wir sind gar bald verloren.
Es streit für vns der rechte man
den Gott hat selbs erkoren.
Fragstu, wer der ist?
Er heisst Jhesus Christ,10
der HERRZebaoth;
vnd ist kein ander Gott;
das felt mus er behalten.
Das wort sie söllen lassen stanvnd kein danck dazu haben.Er ist bey vns wol auff dem planmit seinem Geist vnd gaben.Nemen sie den leib,gut, ehr, kind vnd weib:las faren dahin!20sie habens kein gewin;das Reich mus vns doch bleiben.
Das wort sie söllen lassen stan
vnd kein danck dazu haben.
Er ist bey vns wol auff dem plan
mit seinem Geist vnd gaben.
Nemen sie den leib,
gut, ehr, kind vnd weib:
las faren dahin!20
sie habens kein gewin;
das Reich mus vns doch bleiben.
Gnade vnd Friede in Christo, Lieben Herren vnd Freunde. Ich hab ewer aller Schreiben empfangen, vnd, wie es allenthalben zustehet, vernomen. Auff dass jr nu widerumb vernemet, wie es hie zustehet, füge ich Euch zu wissen, das wir, nemlich Ich, M.{30}Veit und Ciriacus, nicht auff den Reichstag gen Augsburg ziehen, wir sind aber sonst wol auff einen andern Reichstag komen. Esist ein Rubet[672]gleich für vnserm Fenster hinunter, wie ein kleiner Wald, da haben die Dolen vnd Kraen einen Reichstag hingelegt, da ist ein solch zu vnd abreiten, ein solch geschrey, tag vnd nacht, one auffhören, als weren sie alle truncken, voll vnd toll; da geckt[673]Jung vnd Alt durch einander, das mich wundert, wie Stim vnd Odem so lang wehren möge, vnd möcht gerne wissen, ob auch solches Adels vnd reisigen Zeugs auch etliche noch bey euch weren: mich dünckt, sie seien aus aller Welt hieher versamlet. Ich hab jren Keiser noch nicht gesehen, aber sonst schweben vnd{10}schwentzen der Adel vnd grossen Hansen jmer für vnsern Augen, nicht fast köstlich gekleidet, sondern einfeltig in einerley farbe, alle gleich Schwartz, vnd alle gleich Grawaugig, singen alle gleich einen gesang, doch mit lieblichem vnterscheid der jungen vnd der alten, grossen vnd kleinen. Sie achten auch nicht der grossen Pallast vnd Saal, denn jr Saal ist gewelbet mit dem schonen weiten Himel, jr boden ist eitel Feld, getefelt mit hübschen grünen zweigen; so sind die Wende so weit als der welt Ende. Sie fragen auch nichts nach Rossen vnd Harnisch, sie haben gefidderte[674]Reder, damit sie auch den Büchsen empfliehen vnd eim zorn{20}entsitzen[675]können.
Es sind grosse mechtige Herrn; was sie aber beschliessen, weis ich noch nicht. So viel ich aber von einem Dolmetscher hab vernomen, haben sie für einen gewaltigen zug vnd streit wider Weitzen, gersten, haffern, maltz vnd allerley korn vnd getreidig[676], vnd wird mancher Ritter hie werden vnd grosse Thaten thun.
Also sitzen wir hie im Reichstag, hören vnd sehen zu mit grosser lust vnd liebe, wie die Fürsten vnd Herrn, sampt andern Stenden des Reichs, so frölich singen vnd wolleben. Aber sonderliche Freude haben wir, wenn wir sehen, wie ritterlich sie schwentzen[677],{30}den Schnabel wisschen vnd die Wehr stürtzen[678], das sie siegen vnd ehre einlegen wider Korr vnd Maltz. Wir wündschen jnen glück vnd heil, das sie allzumal an einen Zaunstecken gespiesset weren. Ich halt aber, es sey nichts anders, denn die Sophisten vnd Papisten mit jrem predigen vnd schreiben: die mus ich alle auffeim Hauffen also für mir haben, auff das ich höre jre leibliche stimme vnd predigten, vnd sehe, wie seer nützlich Volck es ist, alles zuuerzeren, was auff Erden ist, vnd dafür gecken für die lange weil.
Heute haben wir die erste Nachtigal gehöret, denn sie hat dem Aprill nicht wöllen trawen. Es ist bisher eitel köstlich wetter gewest, hat noch nie geregnet, one gestern ein wenig. Bey euch wirds vielleicht anders sein. Hiemit Gott befohlen, vnd haltet wol Haus.
Aus dem Reichstag der Maltztürcken. XXVIII. Aprilis. Anno M. D. XXX.
Martinus Luther D.
ES hat der von Brunsuig zu Wolfenbuttel itzt aber mal ein lesterschrifft lassen ausgehen, darin er an meines Gnedigsten Herrn des Churfursten zu Sachsen ehren, seinen grind[679]vnd gnatz[680]zu reiben furgenomen, auch mich zweimal angetastet vnd gelocket. Erstlich da er schreibt. Ich hab meinen Gnedigsten Herrn, Hans Worst genennet, Darnach die gantze heubtsache des Glaubens angreifft, der ich mich mus bekennen der furnemesten Lerer einen zu dieser zeit. Da flucht, lestert, plerret, zerret[681], schreiet, vnd speiet er also, das wenn solche wort mündlich von jm gehöret würden, so{20}würde jederman mit keten vnd stangen zulauffen, als zu einem der mit einer Legion Teuffel (wie der im Euangelio) besessen were, das man jn binden vnd fangen muste. Wie wol ich aber den vnfletigen man nicht werd achte, das ich jm einen buchstaben antworten wolte, doch weil ers nicht allein ist, wil ich den vnsern etwas zureden geben.
Fur mich zwar zureden, hab ichs seer gerne, das solcher art bücher wider mich geschrieben werden, denn es thut mir nicht allein im hertzen, sondern auch in der kniekele vnd fersen sanfft, wenn ich mercke, das durch mich armen elenden menschen, Gott{30}der HErr, beide die hellischen vnd weltlichen Fürsten, also erbittert vnd vnsinnig macht, das sie fur bosheit sich zureissen vnd zubersten wollen, Vnd ich die weil vnter des Glaubens vnd Vater vnsers schatten sitze vnd lache, des Teuffels vnd seiner schupen[682]in jrem grossen zorn, plerren vnd zerren. Damit sie doch nichts ausrichten,on das sie jre sache teglich erger vnd meine (das ist Gottes) sache fordern vnd besser machen. Vnd wenn sie es könten leiden oder verstehen, wolt ich jnen darfur gedanckt haben vnd bitten, das sie on vnterlas solche Bücher wider mich schrieben, solch zerren vnd plerren trieben sampt allen Teuffeln in der Hellen. Wie künd ich sie besser plagen, denn dauon werde ich jung vnd frisch, starck vnd frölich.
Denn solche Bücher alle, wenn der selben so viel tausent weren, als der zu Wolffenbüttel lügen vnd vntugent an sich hat, vnd alle{10}tage vnd stunde so viel geschrieben würden, sind sie doch leichtlich zuuerantworten mit einem wortlin, das heist, Teuffel du leugest, wie denn der hohmutige Bettler Doct. Luther in seinem liedlin stöltzlich vnd verdrieslich singet, Ein wörtlin kan jn fellen. Der halben weil der Teuffel in seinem Heintzen zu Wolffenbüttel, so zornig ist, vnd die lügen so genaw sucht, das er an mir auch mit dem wort, Hans Worst, wil ritter werden, gedencke ich nicht viel noch besonders seinem verdampten gefangenen Heintzen zu antworten, als der nicht wirdig bey mir geacht, das ich an jn dencken wolt. Sondern wil dem selben seine ehre lassen suchen wie er kan,{20}denn er sol wol tausent jar süchen, ehe er ein kleines harlin dauon finden wird. Von Hans Worst wil ich erstlich ein wenig sagen.
Wie gar gern von grund aller seiner krefften der Teuffel leuget, zeiget er hie, auch da mit an, das er so aus der massen genaw durch seinen Heintzen zu Wolffenbüttel zu liegen sucht, da ich warlich gemeinet vnd mich nicht versehen hette, das der hohmütige Geist solte solche lecherliche, kindische vrsache zu liegen süchen, so er wol andere vrsachen hat, on das es mus sein, wie man spricht. Wer gern lachet, der kutzelt sich selbs, Also auch wer gern leuget, der mus auch liegen wenn er die warheit sagt, wie Chrysippus sagt.{30}Denn du zorniges Geistlin weissest wol, dein besessener Heintz auch sampt ewren Tichtern vnd schreibern, das dis wort, Hans Worst, nicht mein ist, noch von mir erfunden, Sondern von andern leuten gebraucht wider die groben tolpel, so klug sein wollen, doch vngereimbt vnd vngeschickt zur sachen reden vnd thun. Also hab ichs auch offt gebraucht, sonderlich vnd allermeist in der Predigt. Vnd weis mich nicht zu erinnern in meinem gewissen, das ich jemals eine Person in sonderheit gemeinet hette, weder feindnoch freund. Sondern wie die sachen sich zugetragen, so hab ichs gebraucht. Denn es solte mich nicht hel haben zubekennen, wo ich mir bewust were, welche person ich gemeinet hette, wens gleich dein Heintz von Wolffenbuttel selbs were mit allem seinem anhang, ich wolts zu recht fur euch allen, von Gottes gnaden, wol verteidigen.
Aus dem folget nu, weil du vnd dein Heintz so vnuerschampt lieget vnd die lügen so genaw suchet, das auch durch gantz ewr Buch in grössern sachen, nichts denn eitel lügen sein wird, wie{10}vnser HERr spricht, wer im geringen vntrew ist, der ist auch im grossen vntrew. Wer sich kleiner vnnötiger lügen nicht enthalten kan, wie kan sich der aller ander grossen lügen enthalten? Ja weil dein Heintz vnd du solche grobe tolpel seid, das jr gemeinet, solcher fauler, lamer zote solte in diesen sachen mir schaden thun, oder euch glimpff bringen, so seid jr beide die rechten hans worst, tolpel, knebel[683]vnd rültze[684], Vnd wil hiemit euch beiden geantwort haben das jr alle beide, Vater vnd Son, seid verzweiuelte, ehrlose, verlogene böswichter, da jr sagt, ich habe meinen Gnedigesten Herrn, Hans worst genennet, Keiner antwort darffs mehr auff{20}solche wörstliche kunst.