ULRICH VON HUTTEN.

ULRICH VON HUTTEN.

[Scherer D.286,E.283.]

Geboren 1488 auf dem Schlosse Steckelberg bei Fulda. Ein ritterlicher Vorkämpfer der Reformation. Er schrieb erst meist lateinisch, später deutsch für das Volk. Starb 1523 auf der Insel Ufnau im Zürichersee. Seine Werke sind zuletzt herausgegeben von Böcking (Leipzig 1859–1862, 5 Bde. mit 2 Supplementbänden). Die Gespräche sind übersetzt und erläutert von Strauss (Leipzig 1860). Vgl. Strauss ‘Ulrich von Hutten’ (Leipzig 1857, Bonn 1871, 2 Bde.)

Geboren 1488 auf dem Schlosse Steckelberg bei Fulda. Ein ritterlicher Vorkämpfer der Reformation. Er schrieb erst meist lateinisch, später deutsch für das Volk. Starb 1523 auf der Insel Ufnau im Zürichersee. Seine Werke sind zuletzt herausgegeben von Böcking (Leipzig 1859–1862, 5 Bde. mit 2 Supplementbänden). Die Gespräche sind übersetzt und erläutert von Strauss (Leipzig 1860). Vgl. Strauss ‘Ulrich von Hutten’ (Leipzig 1857, Bonn 1871, 2 Bde.)

Ich habs gewagt mit sinnenund trag des noch kain rew.Mag ich nit dran gewinnen,noch muss man spüren trew.Dar mit ich main:nit aim allain,wen man es wolt erkennen,dem land zu gut,wie wol man tutein pfaffen feint mich nennen.Da lass ich ieden liegenund reden, was er wil;Het warhait ich geschwigen,mir weren hulder vil.10Nun hab ichs gsagt,bin drumb verjagt,das klag ich allen frummen,wie wol noch ichnit weiter flich,villeicht werd wider kummen.Umb gnad wil ich nit bitten,die weil ich bin on schult;Ich het das recht gelitten,so hindert ungedult[685],20Dass man mich nitnach altem sitzu ghör hat kummen lassen!villeicht wils gotund zwingt sie notzu handlen diser massen.Nun ist oft diser gleichengeschehen auch hie vor,Dass ainer von den reichenain gutes spil verlor.30Oft grosser flamvon fünklin kam:Wer waiss, ob ichs werd rechen!stat schon im lauf,so setz ich drauf:muss gan oder brechen!Dar neben mich zu tröstenmit gutem gwissen hab,Das kainer von den böstenmir er mag brechen abNoch sagen, dassuff ainig massich anders sei gegangen10dan eren nach,hab dise sachin gutem angefangen.Wil nun ir selbs nit ratendis frumme nation,Irs schadens sich ergatten[686],als ich vermanet han,So ist mir laid;hie mit ich schaid,wil mengen bass die karten.20bin unverzagt:ich habs gewagtund wil des ends erwarten.Ob dan mir nach tut denkender curtisanen list:Ain herz last sich nit krenken,das rechter mainung ist.Ich waiss noch vil,wöln auch ins spil,und soltens drüber sterben.30auf, landsknecht gutund reuters mut,last Hutten nit verderben!

Ich habs gewagt mit sinnenund trag des noch kain rew.Mag ich nit dran gewinnen,noch muss man spüren trew.Dar mit ich main:nit aim allain,wen man es wolt erkennen,dem land zu gut,wie wol man tutein pfaffen feint mich nennen.Da lass ich ieden liegenund reden, was er wil;Het warhait ich geschwigen,mir weren hulder vil.10Nun hab ichs gsagt,bin drumb verjagt,das klag ich allen frummen,wie wol noch ichnit weiter flich,villeicht werd wider kummen.Umb gnad wil ich nit bitten,die weil ich bin on schult;Ich het das recht gelitten,so hindert ungedult[685],20Dass man mich nitnach altem sitzu ghör hat kummen lassen!villeicht wils gotund zwingt sie notzu handlen diser massen.Nun ist oft diser gleichengeschehen auch hie vor,Dass ainer von den reichenain gutes spil verlor.30Oft grosser flamvon fünklin kam:Wer waiss, ob ichs werd rechen!stat schon im lauf,so setz ich drauf:muss gan oder brechen!Dar neben mich zu tröstenmit gutem gwissen hab,Das kainer von den böstenmir er mag brechen abNoch sagen, dassuff ainig massich anders sei gegangen10dan eren nach,hab dise sachin gutem angefangen.Wil nun ir selbs nit ratendis frumme nation,Irs schadens sich ergatten[686],als ich vermanet han,So ist mir laid;hie mit ich schaid,wil mengen bass die karten.20bin unverzagt:ich habs gewagtund wil des ends erwarten.Ob dan mir nach tut denkender curtisanen list:Ain herz last sich nit krenken,das rechter mainung ist.Ich waiss noch vil,wöln auch ins spil,und soltens drüber sterben.30auf, landsknecht gutund reuters mut,last Hutten nit verderben!

Ich habs gewagt mit sinnenund trag des noch kain rew.Mag ich nit dran gewinnen,noch muss man spüren trew.Dar mit ich main:nit aim allain,wen man es wolt erkennen,dem land zu gut,wie wol man tutein pfaffen feint mich nennen.

Ich habs gewagt mit sinnen

und trag des noch kain rew.

Mag ich nit dran gewinnen,

noch muss man spüren trew.

Dar mit ich main:

nit aim allain,

wen man es wolt erkennen,

dem land zu gut,

wie wol man tut

ein pfaffen feint mich nennen.

Da lass ich ieden liegenund reden, was er wil;Het warhait ich geschwigen,mir weren hulder vil.10Nun hab ichs gsagt,bin drumb verjagt,das klag ich allen frummen,wie wol noch ichnit weiter flich,villeicht werd wider kummen.

Da lass ich ieden liegen

und reden, was er wil;

Het warhait ich geschwigen,

mir weren hulder vil.10

Nun hab ichs gsagt,

bin drumb verjagt,

das klag ich allen frummen,

wie wol noch ich

nit weiter flich,

villeicht werd wider kummen.

Umb gnad wil ich nit bitten,die weil ich bin on schult;Ich het das recht gelitten,so hindert ungedult[685],20Dass man mich nitnach altem sitzu ghör hat kummen lassen!villeicht wils gotund zwingt sie notzu handlen diser massen.

Umb gnad wil ich nit bitten,

die weil ich bin on schult;

Ich het das recht gelitten,

so hindert ungedult[685],20

Dass man mich nit

nach altem sit

zu ghör hat kummen lassen!

villeicht wils got

und zwingt sie not

zu handlen diser massen.

Nun ist oft diser gleichengeschehen auch hie vor,Dass ainer von den reichenain gutes spil verlor.30Oft grosser flamvon fünklin kam:Wer waiss, ob ichs werd rechen!stat schon im lauf,so setz ich drauf:muss gan oder brechen!

Nun ist oft diser gleichen

geschehen auch hie vor,

Dass ainer von den reichen

ain gutes spil verlor.30

Oft grosser flam

von fünklin kam:

Wer waiss, ob ichs werd rechen!

stat schon im lauf,

so setz ich drauf:

muss gan oder brechen!

Dar neben mich zu tröstenmit gutem gwissen hab,Das kainer von den böstenmir er mag brechen abNoch sagen, dassuff ainig massich anders sei gegangen10dan eren nach,hab dise sachin gutem angefangen.

Dar neben mich zu trösten

mit gutem gwissen hab,

Das kainer von den bösten

mir er mag brechen ab

Noch sagen, dass

uff ainig mass

ich anders sei gegangen10

dan eren nach,

hab dise sach

in gutem angefangen.

Wil nun ir selbs nit ratendis frumme nation,Irs schadens sich ergatten[686],als ich vermanet han,So ist mir laid;hie mit ich schaid,wil mengen bass die karten.20bin unverzagt:ich habs gewagtund wil des ends erwarten.

Wil nun ir selbs nit raten

dis frumme nation,

Irs schadens sich ergatten[686],

als ich vermanet han,

So ist mir laid;

hie mit ich schaid,

wil mengen bass die karten.20

bin unverzagt:

ich habs gewagt

und wil des ends erwarten.

Ob dan mir nach tut denkender curtisanen list:Ain herz last sich nit krenken,das rechter mainung ist.Ich waiss noch vil,wöln auch ins spil,und soltens drüber sterben.30auf, landsknecht gutund reuters mut,last Hutten nit verderben!

Ob dan mir nach tut denken

der curtisanen list:

Ain herz last sich nit krenken,

das rechter mainung ist.

Ich waiss noch vil,

wöln auch ins spil,

und soltens drüber sterben.30

auf, landsknecht gut

und reuters mut,

last Hutten nit verderben!

— — Für solche deine wohlthat[687]dir genuogsamen danck sagen, hab ich nit mangel an gemüt[688]vnd willen, sonder am glück vnd vermögen gebrechen. Würt mir aber ye ein bessere zeyt erscheinen vnd sich anderung des glückes (als dann mein freye hoffnung zuo gott) begeben, wil ich dir, allem meinen vermögen nach, der massen wider thienen, das du ye vffs wenigest mich keinen fleiss, dir danckbarkeit zuo erzöigen, gespart haben[689], spüren solt, vnd mitler{10}zeyt[690]mit dem, das mir kein frevel noch gewalt, kein trotz noch übermacht, kein armuot noch ellend benemen mag, das ist: mit krefften meiner synnen vnd vermögen der verstäntnuss[691]trewlich vnd fleissigklich thienen, auch dir yetzo, wie ettwan Virgilius den zweyen wolverthienten jünglingen[692], zuo gesagt haben:

Wo etzwas mein geschrifft vermag,Dein lob muossz sterben keinen tag.

Wo etzwas mein geschrifft vermag,Dein lob muossz sterben keinen tag.

Wo etzwas mein geschrifft vermag,Dein lob muossz sterben keinen tag.

Wo etzwas mein geschrifft vermag,

Dein lob muossz sterben keinen tag.

Wiewol, ob du dich schon gegen mir der massen (wie obberürt) nit gehalten, hettest du dannocht on das mit deinen ritterlichen eerlichen[693]gethaten verthient, das ich vnd alle, deren vermögen ist,{20}gegenwärtige oder vergangene ding durch behelff der geschrifft in erkantnuss zuokünftiger zeyt bringen, deinen namen vss dunckelem vergessz in das lyecht der ewigen gedechtnuss setzeten. Dann, on schmeychelen vnd liebkossen zuo reden, bist du, der zuo disser zeyt, do yederman bedäucht, Teütscher Adel hette etzwas an strengkeit[694]gemüten[695]abgenommen, dich der masszen erzöigt[696]vnnd bewissen hast, das man sehen mag Teütsch bluot noch nit versygen, noch das adelich Teütscher tugend gantz aussgewurtzelt sein. Vnnd ist zuo wünschen vnd zu bitten, das gott vnserem haubt, keysser Carlen, deiner tugenthafftigen vnerschrockenen muotsamkeit erkentnussjngebe, damit er dich deiner geschicklichkeit nach in hohen trefflichen seinen händeln, das Römisch Reich oder auch gantze Christenheit betreffend, so mit rat vnd der that brauche; denn als dann würde frücht deiner tugend zuo weiterem nutz komen. Fürwar, einen solchen muot solt man nit ruowen lassen, noch innwendig bezyrcks[697]kleiner Sachen gebraucht werden lassen. Aber ich hab mir nit fürgenommen, in disser vorred dein lob zuobeschreiben, sonder einmal meinem hertzen, das gesteckt voll guoter gedäncken vnd freüntlicher guotwilligkeit, die ich gegen deinen vnwidergeltlichen{10}an mir begangenen wolthaten, die doch du noch täglich ye mer vnd mer überhauffest, trag, einen lufft geben, schenck dir zuo dissem newen jar die nachfolgende meine büchlin, die ich in nechst verschinenen[698]tagen in der gerechtigkeit (wie vor genannt) herbergen[699]eylendts vnd on grösseren fleiss verteütscht hab; vnnd wünsch dir damit, nitt, als wir offt vnserenn freünden pflegen, ein fröliche sanffte ruo, sonder grossze, ernstliche, dapfere vnd arbeitsame geschäfft, darinn du vilen menschen zuo guot dein stoltzes heldisch gemuot brauchen vnd üben mögest. Darzuo wöl dir gott glück, heyl vnd wolfarn verleyhen.

{20}Geben zu Ebernburgk, vff den heyligen newen jars abent, im jar nach Cristi geburtMCCCCC.vnd einvndzweintzigsten.


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