REINEKE FUCHS.[Scherer D.259,E.254.]Der flämische Dichter Willem verfasste um 1250 den niederländischen ‘Reinaert’ nach einem französischen Original. Sein Werk wurde um 1380 umgearbeitet und fortgesetzt und um 1480 von Hinrek van Alkmer mit einer prosaischen Glosse versehen. Der niederdeutsche ‘Reinke de Vos,’ von dem hier eine Probe folgt, wurde 1498 zu Lübeck verfasst und gedruckt. Er ist eine Übertragung der Arbeit Hinreks. Herausgegeben von Lübben (Oldenburg, 1867); Schröder (Leipzig, 1872).DATVI. GESETTE.Wô Brûn dê bare mit einen brêve wart gesant tô Reinken, unde wô hê ene vant unde ansprak.Dê konnink sprak tô Brûne den ber‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr,dat gî mit vlît desse bodeschop dôt.men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt,wente Reinke is sêr valsch unde quât,10hê wêt sô mannigen lôsen rât,hê wert jû smêken unde vorelêgen,jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede!ik segget bî mîneme swâren êde:sô geve mî got ungeval,wô mî Reinke icht hœnen sal.ik wolde em dat sô wedder inwrîvenhê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’Alsus makede sik Brûn up dê vârt.stolt van môde, tô berge wert;dorch eine wôstenî grôt unde lank,dâr dorch makede hê sînen gank.dô quam hê dâr twei berge lâgen:dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagenunde hadde den vordach dâr gewest.10sô quam hê vor Malepertûs tô lest,wente Reinke hadde mannich schôn hûs,men dat castêl tô Malepertûswas dê beste van sînen borgen,dâr lach hê alse hê was in sorgen.Dô Brûn vor dat slot was gekomenunde dê pôrten gesloten vernomendâr Reinke ût plach tô gân,dô gink hê vor dê pôrten stânunde dachte, wat hê wolde beginnen.hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen?ik bin Brûn, des konninges bode.hê heft gesworen bî sîneme gode:kome gî nicht tô hove tô deme gedingeunde ik jû nicht mit mî enbringe,dat gî dâr recht nemen unde geven,dat wert jû kosten jûwe leven.kome gî nicht, gî stân bûten gnâde,10jû is gedrauwet mit galgen unde rade.dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest.hê lach dâr binnen unde lûrdeunde dachte ‘wan mî dit eventürde,dat ik deme baren betâlde desse wôrtdê hê sô hômôdigen sprikt vôrt!hîr ût wil ik denken dat beste.’dâr mit gink hê dêper in sîne veste,wente Malepertûs was der winkel vul,hîr ein gat unde gindert ein hol,hadde mannige krumme, enge und lank,unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank,dê hê tôdede unde tôslôt,alse hê vornam, dat hê des hadde nôt;wan hê dâr jennigen rôf in brochteedder wan hê wuste, dat men ene sochteumme sîne valschen missedât,sô vant hê dâr den nauwesten rât.10mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêpdat hê dâr in vorrêtlîken grêp.Wie Braun der Bär mit einem Brief zu Reineke gesandt ward, und wie er ihn fand und ansprach.Der König sprach zu Braun dem Bären:‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren.Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss;Doch seht euch vor, seid klug und weis’:Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken.10Er weiss manch losen Rath zu erdenken;Er wird euch schmeicheln und belügen,Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur,Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur,So lass’ es Gott mir nimmer glücken,Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken;Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken,Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’Da machte Braun der Bär sich aufMit stolzem Muth, den Berg hinauf;Durch eine Wüste, gross und lang,Nahm er zuvörderst seinen Gang.Dann kam er, wo zwei Berge lagen,Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen;Er war erst dort den Tag zuvor.10So kam er vor Malepartus Thor.Denn Reineke hatte manch schönes Haus;Doch Malepartus, die Burg, vorausWar die beste von allen gar:Da lag er, wenn er in Sorgen war.Als Braun nun vor dem Schlosse standUnd dessen Thor geschlossen fand,Durch welches Reineke pflegte zu geh’n,Da blieb er vor der Pforte steh’n.Und bedachte sich, was zu beginnen.‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen?Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren.Er hat bei seinem Gott geschworen,Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht,Oder bring ich euch mit mir nicht,Da Recht zu nehmen und zu geben,So soll es euch kosten euer Leben.Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade,10Euch ist gedräut mit Galgen und Rade;Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’Reineke hatte wohl Alles vernommen;Er lauerte drinnen und dachte bei sich:Wenn es das Glück doch wollte, dass ichDen Bären bezahlte für die Worte,Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte!Ich will’s bedenken, das ist das Beste.Da gieng er tiefer in seine Feste.DATVII CAPITTEL.Wô Reinke vorsichtigen sik bedachte unde dâr nâ ûtgink unde Brûnen mit vruntlîken wôrden wilkome hêt.Dô Reinke sus des baren wôrdenam unde ôk hôrde,hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt,20em was leide vor ein achterholt.dô hê dat enkede hadde vornomen,dat Brûn alleine was gekomen,desto min hê dô vorschrak.hê gink ût tô em unde sprak‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen!ik hebbe recht nû dê vesper gelesen,dâr umme konde ik nicht êr komen.ik hope, it schal mî sîn tô vromen,dat gî tô mî gekomen sît.sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît.10deme enwêt ik des jô nênen dank,dê dat schaffede, dat gî dessen gankscholden overgân, dêde is sêr swâr.gî sweten, dat jû nat is dat hâr.envant unse hêre dê konnink nûnênen anderen boden tô senden dan jû?wente gî sint dê eddelste unde grôtste van lovedê nû is in des konninges hove.it wert mî sîn sunderlik tô vromen,dat gî sît her tô mî gekomen,jûwe vrôde rât wert mî helpen sêrebî deme konninge dêde is unse hêre.al hadde gî dessen wech nicht angenomen,ik wêre doch morgen tô hove komen.doch dunket mî sêre in mîneme wân,ik schal nû nicht wol konen gân:ik hebbe mî geten alsô sat;it was nie spîse dê ik at,dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’10Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû datwan ik jû sêde wat ik at?it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve,ein arm man enis jô nên grêve!wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven,sô môte wî eten versche honnichschîven.sôdâne kost at ik dorch dê nôt,dâr van is mî dê bûk sô grôt.ik môt sê eten ân mînen dank,dâr van bin ik wol half krank.wan ik dat jummer beteren kan,wolde ik umme honnich nôde upstân.’Dô sprak Brûn alsô vôrt‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt!holde gî honnich sô sêr unwêrt,dat doch mannich mit vlîte begêrt?honnich is ein sô sœten spîsedê ik vor alle gerichte prîse.10Reinke, helpet mî dâr bî tô komen,ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got!scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’dô sprak wedder Reinke dê rôdeis dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten!moge gî dat honnich sô gêrne eten,ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle,dat is men eine halve mîle:20bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht,gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’Brûnen deme stak sêr dat smer,nâ honnige stunt al sîn beger.hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî,ik denke des wedder, lôvet des mî.wan ik mî honniges sat mochte eten,sô môste men mî des vele tômeten.’Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt,honniges schal nicht werden gespârt.10al kan ik nû nicht wol gân,recht trûwe môt jummer schînen voran,dê ik mit gunst tô jû drage.wente ik wêt nên mankt al mînen mâgeden ik alsus wolde mênen,wente gî mî sêr wol wedder konen dênenjegen mîne vîende unde jegen ere klagein des konninges hof tôm hêrendage.ik make jû noch tâvent honniges sat,dâr tô van deme besten, merket dat,sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’men Reinke mênde: van grôten slegen.Reinke lôch sêr unde swinde,Brûn volgede eme nâ alse ein blinde.Reinke dachte ‘wilt mî gelingen,ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn.dô vraude sik sêr dê bare Brûn,men des hê sik vraude, dâr wart nicht van.10sô geit it noch mannigem unvrouden man.Wie Reineke sich vorsichtig bedachte, und dann hinausgieng und Braun mit freundlichen Worten willkommen hiess.Als Reineke so des Bären WorteVernommen hatte, bei der Pforte,Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald,20Er sorgte vor einem Hinterhalt.Doch als er’s gründlich jetzt vernommen,Dass Braun alleine war gekommen,Da war’s gar um seine Furcht gethan.Er gieng hinaus und sprach ihn an:‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen!Ich hatte so eben die Vesper zu lesen,Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen.Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen,Dass ihr hieher gekommen seid.Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit;10Weiss ich gleich dem keinen Dank,Der da schuld ist, dass ihr diesen GangÜbernahmt, der zu schwer euch war.Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar.Fand unser Herr, der König reich,Keinen andern Boten zu senden als euch?Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann,Den man am Hofe finden kann.Doch wird es mir ganz absonderlich frommen,Dass ihr zu mir seid hergekommen.Sehr wird mir helfen euer kluger RathBei dem König, der uns zu gebieten hat.Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen,Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen.Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn,Dass ich zu gehen unfähig bin.Ich ass mich heut schier übersattAn fremder Speise, das macht mich matt;Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’10Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das,Wenn ich euch sagte, was ich ass?Es war schlechte Kost, die ich hier traf;Ist doch ein armer Mann kein Graf!Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben,So essen wir frische Honigscheiben.Das ass ich heut’ aus Hunger auch;Davon ist mir so dick der Bauch.Ich musst’ es essen wider WillenUnd kann die Schmerzen nun nicht stillen.Wenn ich was Bess’res finden kann,So rühr’ ich keinen Honig an.’Verwundert sprach Herr Braun sofort:‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort!Dünkt Honig euch so wenig werth,Den mancher doch mit Fleiss begehrt?Honig ist eine süsse Speise,Die ich vor allen Gerichten preise.10Reineke, helft mir daran zu kommen,So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’:‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott.Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht:‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen:Seid ihr des Honigs so beflissen?Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile,Es ist nur eine halbe Meile,20Der hat viel Honig, versteht mich recht,Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’Braun den Bären gelüstete sehr,Nach Honig stund all sein Begehr;Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin,Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin;Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen,Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt!Der Honig werde nicht gespart.10Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss,Die Liebe jedoch mich stärken muss,Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten;Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten,Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt;Zumal ihr mir wieder dienen könntGegen meine Feinde und ihre Klage,An des Königs Hof, am Herrentage.Ich mach’ euch Honigs satt und vollNoch heut’, von dem besten, merket wohl;Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’Doch Reineke sprach es von derben Schlägen.Reineke lief voraus geschwind,Da folgte Braun ihm nach wie blind.Reineke dachte: Will’s gelingen,Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen.Sie kamen bald an Rüstefeils Haus:Da freute Braun sich im Voraus;Doch des er sich freute, das ward zunicht.10So geht es noch manchem unklugen Wicht.DATVIII CAPITTEL.Wô Reinke mit Brûnen deme baren gink unde en leidede, dâr hê honnich eten scholde, dat em ovel bequam; wô en Reinke bedrôch unde lêt en stân beklemmet in den bôme eft blocke mit deme hôvede unde beiden{20}vôten.Dô dê âvent was gekomenunde Reinke dat hadde vornomen,dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr,tô bedde was in sînem schûr,—Rustevîl was van grôteme loveein timmerman unde hadde in sînem hoveliggende eine êke, dê hê wolde klôven,unde hadde dâr in geslagen boventwei grôte kîle, dê wêren sêr glat.Reinke dê vos merkede dat:dat sulve holt was an einer sîtupgeklôvet einer elen wît,—hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm!10recht hîr in dessem sulven bômis honniges mêr wan gî lœvet:steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet,nemet nicht tô vele, dat is mîn rât,jû mochte dâr anders af komen quâtin jûweme lîve, sît des bericht.’Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht.mêne gî, dat ik sî unvrôt?mâte is tô allen dingen gût.’alsus lêt sik dê bare bedôren20unde stak dat hœvet in over dê ôrenunde ôk dê vordersten vôte mede.Reinke dô grôt arbeit dede:hê brak ût dê kîle mit der hast,—dâr lach dê bare gevangen vastmit hôvet unde vôten in der êken,em halp wêr schelden edder smêken.hê plach tô wesen kône unde stark,men hîr hadde hê sîn vulle werk.sus brachte dê neve sînen ômmit losheit gevangen in den bôm.10hê begunde tô hûlen unde tô brâschen,mit den echtersten vôten tô krâschen,unde makede alsô grôten lût,dat Rustevîl mit der hast quam ût:hê dachte, wat dat wesen mochte;jâ ein scharp bîl hê mit sik brochteup eventûr, efte des wêre nôt.Brûn lach dô in anxte grôt:dê klôve dâr hê in lach; ene knêp,hê brak sik unde tôch, dat hê pêp,men dat was pîn umme nicht gedân.hê vormôde sik nummer van dâr tô gân.dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîlevan vêrne komen mit deme bîle.hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû?etet nicht tô vele, dat râde ik jû,des honniges. segget mî, isset ôk gût?ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût,villichte wil hê jû bedenken10unde wil jû up dê mâltît schenken.’dâr mede gink Reinke wedder nâ hûsnâ sîneme slote tô Malepertûs.Wie Reineke Braun den Bären dahin geleitete, wo er Honig essen sollte, was ihm übel bekam, und wie ihn Reineke betrog und ihn mit dem Haupt und den Füssen in einen Baum oder Block geklemmt da stehen{20}liess.Der Abend war heran gekommen:Da hatte Reineke vernommen,Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag,Zu Haus in seinem Bette lag.Rüstefeil war als ZimmermannBerühmt; in seinem Hofe sah’nSie eine Eiche, die wollt er zerkloben.Schon hatt’ er eingeschlagen obenZwei Keile, die waren glatt.Reineke merkt’ es an der Statt.Das Holz war schon an einer SeiteGespaltet in einer Ellen Weite.Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun!10Seht hier, in diesem hohlen BaumIst des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt.Nun stecket tief hinein das Haupt,Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen,Es möchte euch übel sonst bekommenIn euerm Leib, lasst euch berichten.’Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten.Meint ihr gar, ich sei ein Frass?Zu allen Dingen gut ist Maass.’Also ward der Bär zum Thoren:20Er steckte das Haupt bis über die OhrenNebst den Vorderfüssen in den Spalt.An die Arbeit gab sich Reineke bald:Er brach die Keile heraus mit Kraft,Da lag der Bär in schmählicher Haft;Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse,Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse;Sonst war er stark und kühn, doch nunHatt’ er mit Überkraft zu thun.So brachte der Neffe den Ohm mit ListIn den Baum, aus dem keine Rettung ist.10Er begann zu heulen und zu schnarren,Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren,Und machte solchen Lärm vor dem Haus,Dass Rüstefeil eilends sprang heraus.Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul?Er brachte mit ein scharfes BeilFür den Fall, dass es zu brauchen wär’.Braun lag indes in Ängsten schwer.Der Kloben, drin er lag, ihn kniff,Er zog und zerrte sich, dass er pfiff:Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n.Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n.Auch Reineke meint’ es, und sah RüstefeilVon ferne kommen mit dem Beil.Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun!Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun,Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus?Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus;Vielleicht will er den Gast bedenken10Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’Hiermit gieng Reineke heim zuhand,Nach seinem Schloss, Malepartus genannt.DATIX CAPITTEL.Dô quam Rustevîl altôhant,den baren hê sus gevangen vant.20hê lêp hastigen mit eineme lôpedâr hê dê bûre wuste tô hôpe,dâr sê hêlden gesterî.hê sprak ‘komet hastigen mit mî,in mîneme hove is ein baregevangen, dat segge ik jû vorwâre.’sê volgeden em alle unde lêpen sêre,islik nam mit sik sîne werewat hê êrst krêch ût sînem werke:dê eine eine forke, dê ander eine harke,dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake,10dê vîfte einen grôten tûnenstake;dê kerkhêre unde dê koster beide,dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde;dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte—dat was dê dê dê besten gruttekonde bereiden unde kocken—dê quam gelôpen mit ereme wockendâr sê des dages hadde bî geseten,den armen Brûne mede tô meten.dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt,dâr hê lach up sînen dôt,hê tôch mit pînen dat hœvet ût,men dâr binnen blêf bekleven dê hûtbî beiden ôren umme dat hœvet her.ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr.dat blôt em over dê ôren ran.al brochte hê dat hœvet ût, nochtanbleven beide vôte dâr in al vast.doch ruckede hê sê ût mit der hast10al râsende, eft hê wêre van den sinnen:men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen,dâr tô dat fel van beiden vôten.dat honnich was nicht van deme sôtendâr em Reinke, sîn ôm, van sêde.eine quâde reise Brûn dô dede,jâ it was eine sorchlîke vârt.dat blôt lêp vaste over sînen bârtdê vôte dêden em wê sô sêr,hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr.Rustevîl quam unde begunde tô slân,sê gingen en altômâlen an,al dê mit em quêmen her,Brûnen tô slân was al er beger.dê pape hadde einen langen staf,wô mannigen slach hê eme gaf!hê konde nergen gân efte krûpen.sê quêmen up en in eineme hûpen,ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen;10dê smit brachte beide hamer unde vîlen,etlîke hadden schuffele, etlîke spaden,sê slôgen en âne alle gnâden,alle gêven sê em mannigen slachdat hê sik bedede dâr hê lach.al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne:Slobbe mit deme krummen bêneunde Lûdolf mit der brêden nese,alderwrêdest wêren eme dese.hê slôch mit sîner holten slingeren,20Gerolt mit dem krummen vingerenunde sîn swâger Kuckelrei;aldermeist slôgen desse twei,Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte,unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte,nicht dese alleine, men al dê wîve,dê stunden al nâ Brûnen lîve;hê môste nemen al wat men eme brochte.Kuckelrei makede dat meiste gerochte,wente hê was dê eddelste van gebôrten:10vrôw Willigetrût vor der kafpôrten,dê was sîn môder, dat wuste iderman,wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van;doch sêden dê bûr under malkander,it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander,ein stolt man dâr hê was allein.Brûn môste ôk van mannigem steinden worp entfangen up sîn lîf:sî worpen nâ em, beide mans unde wîf.int leste Rustevîls brôder her sprank,dê hadde einen knuppel dicke unde lankunde gaf em int hœvet einen slachdat hê wêr hôrde edder sach:van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf,al râsende quam hê mankt dê wîfunde vêl mankt sê alsô sêr,dat der vîve quêmen int revêrdat dâr bî was unde ôk sêr dêp.hastigen dô dê pape rêp10unde was schêr half vorzaget‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn magetbeide mit pelze unde mit rocke!sêt, hîr licht ôk noch er wocke!helpet er altômâlen nû,twei tunne bêrs dê geve ik jû,dâr tô aflât unde gnâde grôt.’sus lêten sê Brûnen liggen vor dôtunde lêpen hastigen hen mankt dê wîveunde hulpen en ût deme water al vîve.Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn,krôp Brûn int water van grôten tôrnunde begunde van grôtem wê tô brummen.hê mênde nicht dat hê konde swummen,sîn andacht was unde begunde tô denken,dat hê sik sulven wolde vordrenken,up dat en nicht mêr slôgen dê bûre.dô weddervôr em noch dit eventûre:hê konde noch swommen unde swam tô degen.10jâ dô dit dê bûre alle sêgen,mit grôtem gerochte unde mit gremensprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’sê hadden dâr umme grôte undultunde sprêken ‘dit is desser wîve schult.in untît quêmen sê hîr tô mâte.sêt, hê swommet wech sîne strâte!’sê sêgen den blok unde worden des enwâr,dat dâr noch in sat beide hût unde hârvan vôten unde ôren. dat was en lêf,sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf!hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’sus volgede em tô deme schaden schande,doch was hê vrô dat hê entgink.hê vlœkede deme bôme dê ene vink,dâr hê van vôten unde ôren wes lêt;hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt—dit was dat gebet dat hê dô las,10dê wîle hê in deme water was.dê strôm lêp snelle unde vast,den drêf hê nedder mit der hastunde quam in einer kôrten wîlevil nâ bî kant eine mîle.hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr.nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr:hê mênde sînen geist dâr up tô gevenunde trôste dô nicht lenger tô leven.hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’ôk dachte hê up dê quâden bûr,dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen,unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.Wie der gefangene Braun von den Bauern geschlagen wird, endlich doch loskommt und sich ins Wasser begiebt.Da kam Rüstefeil gerannt:Als er den Bären gefangen fand,20Da gab er hastig sich ans Laufen:Er wusste einen BauernhaufenIm Wirthshaus sitzen überm Bier.Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir!Es hat sich in meinem Hofe dortEin Bär gefangen, auf mein Wort!’Sie folgten ihm all und liefen sehr;Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr,Was er zuerst zu fassen bekam,Der die Gabel, jener die Harke nahm,Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen,10Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen.Der Kirchherr und der Küster beideKamen auch hin mit ihrem Gereide.Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt,Die die beste Grütze im ganzen LandBereiten konnte, auf den SockenKam sie gelaufen mit ihrem Wocken,An dem sie den ganzen Tag gesessen,Den armen Braun damit zu messen.Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth,Gefangen lag er auf den Tod,Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt;Doch sitzen blieb ihm in dem SpaltVon Gesicht und Ohren Haar und Haut:Ein kläglicher Thier ward nie geschaut.Das Blut ihm über die Ohren lief.Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tiefHielt ihm der Spalt die Füsse gefasst.Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast,10Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen.Da blieben ihm die Klauen drinnenUnd das Fell dazu von beiden Füssen.Der Honig war nicht von dem süssen,Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht.Eine üble Reise hatte Braun vollbracht,Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt:Das Blut lief hell über seinen Bart;Die Füsse schmerzten ihn so sehr,Er konnte nicht gehen noch stehen mehr.Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann;Sie fielen ihn all zumalen an:Alle, die mit ihm kamen daher,Braunen zu schlagen war ihr Begehr.Der Pfaffe trug einen langen Stab.Wie manchen Schlag er damit ihm gab!Er konnte sich nirgend nur verschnaufen,Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen,Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen,10Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen;Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten:Damit zermürbten sie ihm den Braten.Sie gaben ihm so manchen Schlag,Dass er im eigenen Unrath lag.Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen,Schloppe mit den krummen Beinen,Und Ludolf mit der breiten Nase,Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase.Auf seine krummen Finger stolz,20Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz,Und sein Schwager Kukelrei;Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei,Abel Quak und dazu Frau Jutte,Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte.Nicht die allein, nein all’ die Frau’n,Nach dem Leben stunden sie dem Braun.Er musste nehmen, was man ihm brachte;Kuckelrei des Lärms am meisten machte.Denn er war der edelste von Geburt.10Frau Willigtraut von der SchweinefurtWar seine Mutter, das war bekannt,Sein Vater aber blieb ungenannt;Doch raunten die Bauern unter einander,Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander,Ein stolzer Mann für sich allein.Auch musste Braun von manchem SteinDen Wurf empfangen auf seinem LeibSie warfen nach ihm, Mann und Weib.Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungenUnd hat einen mächtigen Knüttel geschwungenUnd gab ihm einen Schlag auf’s Haupt,Dass er aller Sinne lag beraubt.Dem Schlag entsprang lebendig Braun,Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n,Und hatte sich so als Weiberhasser,Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser,Das da vorbeifloss, ziemlich tief.Da begann alsbald der Pfaff’ und rief10Und war beinah’ schon halb verzagt:Da treibt Frau Jutte, meine Magd;Die in dem Pelz und grauen Socken;Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken.Nun helft ihr allzumal davon!Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn,Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’—Da liessen sie Braun für todt da liegen,Und liefen hastig zu den Weibern,Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern.Da sie dies betrieben, dieweilKroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’,Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen.Er dachte sich nicht, er könne schwimmen,Er wusste nicht andern Rath zu erdenken,Als sich hier selber zu ertränken,Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen.Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen,Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr.10Ja, als dies die Bauern wurden gewahr,Mit grossem Lärmen und mit GrämenRiefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’Sie sahn’s mit grosser UngeduldUnd sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld;Zur Unzeit sind sie hieher gekommen:Nun ist er seiner Wege geschwommen.’Sie besah’n den Block und wurden gewahr,Dass noch darin sass Haut und Haarvon Ohren und Füssen: das war ihnen lieb.Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb,Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande!Doch war er froh, dass er entgieng.Er fluchte dem Baum, der ihn fieng,Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied;Er fluchte Reineken, der ihn verrieth.Dies war das Gebet, das er da sprach,10Dieweil er in dem Wasser lag.Der Strom lief schnell und sonder Rast;Er trieb herab mit gleicher Hast.Und ward in einer kurzen WeileHerabgeführt wohl eine Meile.Da kroch er aus der Flut an’s Land:Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt.Den Geist schon meint’ er aufzugeben,Er getraute länger nicht zu leben.Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe,Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt,Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt.
REINEKE FUCHS.
[Scherer D.259,E.254.]
Der flämische Dichter Willem verfasste um 1250 den niederländischen ‘Reinaert’ nach einem französischen Original. Sein Werk wurde um 1380 umgearbeitet und fortgesetzt und um 1480 von Hinrek van Alkmer mit einer prosaischen Glosse versehen. Der niederdeutsche ‘Reinke de Vos,’ von dem hier eine Probe folgt, wurde 1498 zu Lübeck verfasst und gedruckt. Er ist eine Übertragung der Arbeit Hinreks. Herausgegeben von Lübben (Oldenburg, 1867); Schröder (Leipzig, 1872).
Der flämische Dichter Willem verfasste um 1250 den niederländischen ‘Reinaert’ nach einem französischen Original. Sein Werk wurde um 1380 umgearbeitet und fortgesetzt und um 1480 von Hinrek van Alkmer mit einer prosaischen Glosse versehen. Der niederdeutsche ‘Reinke de Vos,’ von dem hier eine Probe folgt, wurde 1498 zu Lübeck verfasst und gedruckt. Er ist eine Übertragung der Arbeit Hinreks. Herausgegeben von Lübben (Oldenburg, 1867); Schröder (Leipzig, 1872).
Wô Brûn dê bare mit einen brêve wart gesant tô Reinken, unde wô hê ene vant unde ansprak.
Dê konnink sprak tô Brûne den ber‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr,dat gî mit vlît desse bodeschop dôt.men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt,wente Reinke is sêr valsch unde quât,10hê wêt sô mannigen lôsen rât,hê wert jû smêken unde vorelêgen,jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede!ik segget bî mîneme swâren êde:sô geve mî got ungeval,wô mî Reinke icht hœnen sal.ik wolde em dat sô wedder inwrîvenhê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’Alsus makede sik Brûn up dê vârt.stolt van môde, tô berge wert;dorch eine wôstenî grôt unde lank,dâr dorch makede hê sînen gank.dô quam hê dâr twei berge lâgen:dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagenunde hadde den vordach dâr gewest.10sô quam hê vor Malepertûs tô lest,wente Reinke hadde mannich schôn hûs,men dat castêl tô Malepertûswas dê beste van sînen borgen,dâr lach hê alse hê was in sorgen.Dô Brûn vor dat slot was gekomenunde dê pôrten gesloten vernomendâr Reinke ût plach tô gân,dô gink hê vor dê pôrten stânunde dachte, wat hê wolde beginnen.hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen?ik bin Brûn, des konninges bode.hê heft gesworen bî sîneme gode:kome gî nicht tô hove tô deme gedingeunde ik jû nicht mit mî enbringe,dat gî dâr recht nemen unde geven,dat wert jû kosten jûwe leven.kome gî nicht, gî stân bûten gnâde,10jû is gedrauwet mit galgen unde rade.dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest.hê lach dâr binnen unde lûrdeunde dachte ‘wan mî dit eventürde,dat ik deme baren betâlde desse wôrtdê hê sô hômôdigen sprikt vôrt!hîr ût wil ik denken dat beste.’dâr mit gink hê dêper in sîne veste,wente Malepertûs was der winkel vul,hîr ein gat unde gindert ein hol,hadde mannige krumme, enge und lank,unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank,dê hê tôdede unde tôslôt,alse hê vornam, dat hê des hadde nôt;wan hê dâr jennigen rôf in brochteedder wan hê wuste, dat men ene sochteumme sîne valschen missedât,sô vant hê dâr den nauwesten rât.10mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêpdat hê dâr in vorrêtlîken grêp.
Dê konnink sprak tô Brûne den ber‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr,dat gî mit vlît desse bodeschop dôt.men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt,wente Reinke is sêr valsch unde quât,10hê wêt sô mannigen lôsen rât,hê wert jû smêken unde vorelêgen,jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede!ik segget bî mîneme swâren êde:sô geve mî got ungeval,wô mî Reinke icht hœnen sal.ik wolde em dat sô wedder inwrîvenhê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’Alsus makede sik Brûn up dê vârt.stolt van môde, tô berge wert;dorch eine wôstenî grôt unde lank,dâr dorch makede hê sînen gank.dô quam hê dâr twei berge lâgen:dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagenunde hadde den vordach dâr gewest.10sô quam hê vor Malepertûs tô lest,wente Reinke hadde mannich schôn hûs,men dat castêl tô Malepertûswas dê beste van sînen borgen,dâr lach hê alse hê was in sorgen.Dô Brûn vor dat slot was gekomenunde dê pôrten gesloten vernomendâr Reinke ût plach tô gân,dô gink hê vor dê pôrten stânunde dachte, wat hê wolde beginnen.hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen?ik bin Brûn, des konninges bode.hê heft gesworen bî sîneme gode:kome gî nicht tô hove tô deme gedingeunde ik jû nicht mit mî enbringe,dat gî dâr recht nemen unde geven,dat wert jû kosten jûwe leven.kome gî nicht, gî stân bûten gnâde,10jû is gedrauwet mit galgen unde rade.dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest.hê lach dâr binnen unde lûrdeunde dachte ‘wan mî dit eventürde,dat ik deme baren betâlde desse wôrtdê hê sô hômôdigen sprikt vôrt!hîr ût wil ik denken dat beste.’dâr mit gink hê dêper in sîne veste,wente Malepertûs was der winkel vul,hîr ein gat unde gindert ein hol,hadde mannige krumme, enge und lank,unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank,dê hê tôdede unde tôslôt,alse hê vornam, dat hê des hadde nôt;wan hê dâr jennigen rôf in brochteedder wan hê wuste, dat men ene sochteumme sîne valschen missedât,sô vant hê dâr den nauwesten rât.10mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêpdat hê dâr in vorrêtlîken grêp.
Dê konnink sprak tô Brûne den ber‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr,dat gî mit vlît desse bodeschop dôt.men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt,wente Reinke is sêr valsch unde quât,10hê wêt sô mannigen lôsen rât,hê wert jû smêken unde vorelêgen,jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede!ik segget bî mîneme swâren êde:sô geve mî got ungeval,wô mî Reinke icht hœnen sal.ik wolde em dat sô wedder inwrîvenhê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’Alsus makede sik Brûn up dê vârt.stolt van môde, tô berge wert;dorch eine wôstenî grôt unde lank,dâr dorch makede hê sînen gank.dô quam hê dâr twei berge lâgen:dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagenunde hadde den vordach dâr gewest.10sô quam hê vor Malepertûs tô lest,wente Reinke hadde mannich schôn hûs,men dat castêl tô Malepertûswas dê beste van sînen borgen,dâr lach hê alse hê was in sorgen.
Dê konnink sprak tô Brûne den ber
‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr,
dat gî mit vlît desse bodeschop dôt.
men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt,
wente Reinke is sêr valsch unde quât,10
hê wêt sô mannigen lôsen rât,
hê wert jû smêken unde vorelêgen,
jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’
‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede!
ik segget bî mîneme swâren êde:
sô geve mî got ungeval,
wô mî Reinke icht hœnen sal.
ik wolde em dat sô wedder inwrîven
hê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’
Alsus makede sik Brûn up dê vârt.
stolt van môde, tô berge wert;
dorch eine wôstenî grôt unde lank,
dâr dorch makede hê sînen gank.
dô quam hê dâr twei berge lâgen:
dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagen
unde hadde den vordach dâr gewest.10
sô quam hê vor Malepertûs tô lest,
wente Reinke hadde mannich schôn hûs,
men dat castêl tô Malepertûs
was dê beste van sînen borgen,
dâr lach hê alse hê was in sorgen.
Dô Brûn vor dat slot was gekomenunde dê pôrten gesloten vernomendâr Reinke ût plach tô gân,dô gink hê vor dê pôrten stânunde dachte, wat hê wolde beginnen.hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen?ik bin Brûn, des konninges bode.hê heft gesworen bî sîneme gode:kome gî nicht tô hove tô deme gedingeunde ik jû nicht mit mî enbringe,dat gî dâr recht nemen unde geven,dat wert jû kosten jûwe leven.kome gî nicht, gî stân bûten gnâde,10jû is gedrauwet mit galgen unde rade.dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest.hê lach dâr binnen unde lûrdeunde dachte ‘wan mî dit eventürde,dat ik deme baren betâlde desse wôrtdê hê sô hômôdigen sprikt vôrt!hîr ût wil ik denken dat beste.’dâr mit gink hê dêper in sîne veste,wente Malepertûs was der winkel vul,hîr ein gat unde gindert ein hol,hadde mannige krumme, enge und lank,unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank,dê hê tôdede unde tôslôt,alse hê vornam, dat hê des hadde nôt;wan hê dâr jennigen rôf in brochteedder wan hê wuste, dat men ene sochteumme sîne valschen missedât,sô vant hê dâr den nauwesten rât.10mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêpdat hê dâr in vorrêtlîken grêp.
Dô Brûn vor dat slot was gekomen
unde dê pôrten gesloten vernomen
dâr Reinke ût plach tô gân,
dô gink hê vor dê pôrten stân
unde dachte, wat hê wolde beginnen.
hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen?
ik bin Brûn, des konninges bode.
hê heft gesworen bî sîneme gode:
kome gî nicht tô hove tô deme gedinge
unde ik jû nicht mit mî enbringe,
dat gî dâr recht nemen unde geven,
dat wert jû kosten jûwe leven.
kome gî nicht, gî stân bûten gnâde,10
jû is gedrauwet mit galgen unde rade.
dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’
Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest.
hê lach dâr binnen unde lûrde
unde dachte ‘wan mî dit eventürde,
dat ik deme baren betâlde desse wôrt
dê hê sô hômôdigen sprikt vôrt!
hîr ût wil ik denken dat beste.’
dâr mit gink hê dêper in sîne veste,
wente Malepertûs was der winkel vul,
hîr ein gat unde gindert ein hol,
hadde mannige krumme, enge und lank,
unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank,
dê hê tôdede unde tôslôt,
alse hê vornam, dat hê des hadde nôt;
wan hê dâr jennigen rôf in brochte
edder wan hê wuste, dat men ene sochte
umme sîne valschen missedât,
sô vant hê dâr den nauwesten rât.10
mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêp
dat hê dâr in vorrêtlîken grêp.
Wie Braun der Bär mit einem Brief zu Reineke gesandt ward, und wie er ihn fand und ansprach.
Der König sprach zu Braun dem Bären:‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren.Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss;Doch seht euch vor, seid klug und weis’:Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken.10Er weiss manch losen Rath zu erdenken;Er wird euch schmeicheln und belügen,Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur,Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur,So lass’ es Gott mir nimmer glücken,Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken;Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken,Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’Da machte Braun der Bär sich aufMit stolzem Muth, den Berg hinauf;Durch eine Wüste, gross und lang,Nahm er zuvörderst seinen Gang.Dann kam er, wo zwei Berge lagen,Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen;Er war erst dort den Tag zuvor.10So kam er vor Malepartus Thor.Denn Reineke hatte manch schönes Haus;Doch Malepartus, die Burg, vorausWar die beste von allen gar:Da lag er, wenn er in Sorgen war.Als Braun nun vor dem Schlosse standUnd dessen Thor geschlossen fand,Durch welches Reineke pflegte zu geh’n,Da blieb er vor der Pforte steh’n.Und bedachte sich, was zu beginnen.‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen?Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren.Er hat bei seinem Gott geschworen,Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht,Oder bring ich euch mit mir nicht,Da Recht zu nehmen und zu geben,So soll es euch kosten euer Leben.Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade,10Euch ist gedräut mit Galgen und Rade;Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’Reineke hatte wohl Alles vernommen;Er lauerte drinnen und dachte bei sich:Wenn es das Glück doch wollte, dass ichDen Bären bezahlte für die Worte,Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte!Ich will’s bedenken, das ist das Beste.Da gieng er tiefer in seine Feste.
Der König sprach zu Braun dem Bären:‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren.Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss;Doch seht euch vor, seid klug und weis’:Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken.10Er weiss manch losen Rath zu erdenken;Er wird euch schmeicheln und belügen,Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur,Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur,So lass’ es Gott mir nimmer glücken,Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken;Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken,Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’Da machte Braun der Bär sich aufMit stolzem Muth, den Berg hinauf;Durch eine Wüste, gross und lang,Nahm er zuvörderst seinen Gang.Dann kam er, wo zwei Berge lagen,Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen;Er war erst dort den Tag zuvor.10So kam er vor Malepartus Thor.Denn Reineke hatte manch schönes Haus;Doch Malepartus, die Burg, vorausWar die beste von allen gar:Da lag er, wenn er in Sorgen war.Als Braun nun vor dem Schlosse standUnd dessen Thor geschlossen fand,Durch welches Reineke pflegte zu geh’n,Da blieb er vor der Pforte steh’n.Und bedachte sich, was zu beginnen.‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen?Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren.Er hat bei seinem Gott geschworen,Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht,Oder bring ich euch mit mir nicht,Da Recht zu nehmen und zu geben,So soll es euch kosten euer Leben.Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade,10Euch ist gedräut mit Galgen und Rade;Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’Reineke hatte wohl Alles vernommen;Er lauerte drinnen und dachte bei sich:Wenn es das Glück doch wollte, dass ichDen Bären bezahlte für die Worte,Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte!Ich will’s bedenken, das ist das Beste.Da gieng er tiefer in seine Feste.
Der König sprach zu Braun dem Bären:‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren.Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss;Doch seht euch vor, seid klug und weis’:Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken.10Er weiss manch losen Rath zu erdenken;Er wird euch schmeicheln und belügen,Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur,Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur,So lass’ es Gott mir nimmer glücken,Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken;Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken,Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’Da machte Braun der Bär sich aufMit stolzem Muth, den Berg hinauf;Durch eine Wüste, gross und lang,Nahm er zuvörderst seinen Gang.Dann kam er, wo zwei Berge lagen,Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen;Er war erst dort den Tag zuvor.10So kam er vor Malepartus Thor.Denn Reineke hatte manch schönes Haus;Doch Malepartus, die Burg, vorausWar die beste von allen gar:Da lag er, wenn er in Sorgen war.
Der König sprach zu Braun dem Bären:
‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren.
Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss;
Doch seht euch vor, seid klug und weis’:
Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken.10
Er weiss manch losen Rath zu erdenken;
Er wird euch schmeicheln und belügen,
Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’
‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur,
Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur,
So lass’ es Gott mir nimmer glücken,
Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken;
Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken,
Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’
Da machte Braun der Bär sich auf
Mit stolzem Muth, den Berg hinauf;
Durch eine Wüste, gross und lang,
Nahm er zuvörderst seinen Gang.
Dann kam er, wo zwei Berge lagen,
Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen;
Er war erst dort den Tag zuvor.10
So kam er vor Malepartus Thor.
Denn Reineke hatte manch schönes Haus;
Doch Malepartus, die Burg, voraus
War die beste von allen gar:
Da lag er, wenn er in Sorgen war.
Als Braun nun vor dem Schlosse standUnd dessen Thor geschlossen fand,Durch welches Reineke pflegte zu geh’n,Da blieb er vor der Pforte steh’n.Und bedachte sich, was zu beginnen.‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen?Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren.Er hat bei seinem Gott geschworen,Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht,Oder bring ich euch mit mir nicht,Da Recht zu nehmen und zu geben,So soll es euch kosten euer Leben.Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade,10Euch ist gedräut mit Galgen und Rade;Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’Reineke hatte wohl Alles vernommen;Er lauerte drinnen und dachte bei sich:Wenn es das Glück doch wollte, dass ichDen Bären bezahlte für die Worte,Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte!Ich will’s bedenken, das ist das Beste.Da gieng er tiefer in seine Feste.
Als Braun nun vor dem Schlosse stand
Und dessen Thor geschlossen fand,
Durch welches Reineke pflegte zu geh’n,
Da blieb er vor der Pforte steh’n.
Und bedachte sich, was zu beginnen.
‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen?
Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren.
Er hat bei seinem Gott geschworen,
Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht,
Oder bring ich euch mit mir nicht,
Da Recht zu nehmen und zu geben,
So soll es euch kosten euer Leben.
Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade,10
Euch ist gedräut mit Galgen und Rade;
Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’
Reineke hatte wohl Alles vernommen;
Er lauerte drinnen und dachte bei sich:
Wenn es das Glück doch wollte, dass ich
Den Bären bezahlte für die Worte,
Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte!
Ich will’s bedenken, das ist das Beste.
Da gieng er tiefer in seine Feste.
Wô Reinke vorsichtigen sik bedachte unde dâr nâ ûtgink unde Brûnen mit vruntlîken wôrden wilkome hêt.
Dô Reinke sus des baren wôrdenam unde ôk hôrde,hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt,20em was leide vor ein achterholt.dô hê dat enkede hadde vornomen,dat Brûn alleine was gekomen,desto min hê dô vorschrak.hê gink ût tô em unde sprak‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen!ik hebbe recht nû dê vesper gelesen,dâr umme konde ik nicht êr komen.ik hope, it schal mî sîn tô vromen,dat gî tô mî gekomen sît.sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît.10deme enwêt ik des jô nênen dank,dê dat schaffede, dat gî dessen gankscholden overgân, dêde is sêr swâr.gî sweten, dat jû nat is dat hâr.envant unse hêre dê konnink nûnênen anderen boden tô senden dan jû?wente gî sint dê eddelste unde grôtste van lovedê nû is in des konninges hove.it wert mî sîn sunderlik tô vromen,dat gî sît her tô mî gekomen,jûwe vrôde rât wert mî helpen sêrebî deme konninge dêde is unse hêre.al hadde gî dessen wech nicht angenomen,ik wêre doch morgen tô hove komen.doch dunket mî sêre in mîneme wân,ik schal nû nicht wol konen gân:ik hebbe mî geten alsô sat;it was nie spîse dê ik at,dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’10Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû datwan ik jû sêde wat ik at?it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve,ein arm man enis jô nên grêve!wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven,sô môte wî eten versche honnichschîven.sôdâne kost at ik dorch dê nôt,dâr van is mî dê bûk sô grôt.ik môt sê eten ân mînen dank,dâr van bin ik wol half krank.wan ik dat jummer beteren kan,wolde ik umme honnich nôde upstân.’Dô sprak Brûn alsô vôrt‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt!holde gî honnich sô sêr unwêrt,dat doch mannich mit vlîte begêrt?honnich is ein sô sœten spîsedê ik vor alle gerichte prîse.10Reinke, helpet mî dâr bî tô komen,ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got!scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’dô sprak wedder Reinke dê rôdeis dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten!moge gî dat honnich sô gêrne eten,ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle,dat is men eine halve mîle:20bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht,gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’Brûnen deme stak sêr dat smer,nâ honnige stunt al sîn beger.hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî,ik denke des wedder, lôvet des mî.wan ik mî honniges sat mochte eten,sô môste men mî des vele tômeten.’Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt,honniges schal nicht werden gespârt.10al kan ik nû nicht wol gân,recht trûwe môt jummer schînen voran,dê ik mit gunst tô jû drage.wente ik wêt nên mankt al mînen mâgeden ik alsus wolde mênen,wente gî mî sêr wol wedder konen dênenjegen mîne vîende unde jegen ere klagein des konninges hof tôm hêrendage.ik make jû noch tâvent honniges sat,dâr tô van deme besten, merket dat,sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’men Reinke mênde: van grôten slegen.Reinke lôch sêr unde swinde,Brûn volgede eme nâ alse ein blinde.Reinke dachte ‘wilt mî gelingen,ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn.dô vraude sik sêr dê bare Brûn,men des hê sik vraude, dâr wart nicht van.10sô geit it noch mannigem unvrouden man.
Dô Reinke sus des baren wôrdenam unde ôk hôrde,hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt,20em was leide vor ein achterholt.dô hê dat enkede hadde vornomen,dat Brûn alleine was gekomen,desto min hê dô vorschrak.hê gink ût tô em unde sprak‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen!ik hebbe recht nû dê vesper gelesen,dâr umme konde ik nicht êr komen.ik hope, it schal mî sîn tô vromen,dat gî tô mî gekomen sît.sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît.10deme enwêt ik des jô nênen dank,dê dat schaffede, dat gî dessen gankscholden overgân, dêde is sêr swâr.gî sweten, dat jû nat is dat hâr.envant unse hêre dê konnink nûnênen anderen boden tô senden dan jû?wente gî sint dê eddelste unde grôtste van lovedê nû is in des konninges hove.it wert mî sîn sunderlik tô vromen,dat gî sît her tô mî gekomen,jûwe vrôde rât wert mî helpen sêrebî deme konninge dêde is unse hêre.al hadde gî dessen wech nicht angenomen,ik wêre doch morgen tô hove komen.doch dunket mî sêre in mîneme wân,ik schal nû nicht wol konen gân:ik hebbe mî geten alsô sat;it was nie spîse dê ik at,dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’10Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû datwan ik jû sêde wat ik at?it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve,ein arm man enis jô nên grêve!wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven,sô môte wî eten versche honnichschîven.sôdâne kost at ik dorch dê nôt,dâr van is mî dê bûk sô grôt.ik môt sê eten ân mînen dank,dâr van bin ik wol half krank.wan ik dat jummer beteren kan,wolde ik umme honnich nôde upstân.’Dô sprak Brûn alsô vôrt‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt!holde gî honnich sô sêr unwêrt,dat doch mannich mit vlîte begêrt?honnich is ein sô sœten spîsedê ik vor alle gerichte prîse.10Reinke, helpet mî dâr bî tô komen,ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got!scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’dô sprak wedder Reinke dê rôdeis dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten!moge gî dat honnich sô gêrne eten,ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle,dat is men eine halve mîle:20bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht,gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’Brûnen deme stak sêr dat smer,nâ honnige stunt al sîn beger.hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî,ik denke des wedder, lôvet des mî.wan ik mî honniges sat mochte eten,sô môste men mî des vele tômeten.’Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt,honniges schal nicht werden gespârt.10al kan ik nû nicht wol gân,recht trûwe môt jummer schînen voran,dê ik mit gunst tô jû drage.wente ik wêt nên mankt al mînen mâgeden ik alsus wolde mênen,wente gî mî sêr wol wedder konen dênenjegen mîne vîende unde jegen ere klagein des konninges hof tôm hêrendage.ik make jû noch tâvent honniges sat,dâr tô van deme besten, merket dat,sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’men Reinke mênde: van grôten slegen.Reinke lôch sêr unde swinde,Brûn volgede eme nâ alse ein blinde.Reinke dachte ‘wilt mî gelingen,ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn.dô vraude sik sêr dê bare Brûn,men des hê sik vraude, dâr wart nicht van.10sô geit it noch mannigem unvrouden man.
Dô Reinke sus des baren wôrdenam unde ôk hôrde,hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt,20em was leide vor ein achterholt.dô hê dat enkede hadde vornomen,dat Brûn alleine was gekomen,desto min hê dô vorschrak.hê gink ût tô em unde sprak‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen!ik hebbe recht nû dê vesper gelesen,dâr umme konde ik nicht êr komen.ik hope, it schal mî sîn tô vromen,dat gî tô mî gekomen sît.sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît.10deme enwêt ik des jô nênen dank,dê dat schaffede, dat gî dessen gankscholden overgân, dêde is sêr swâr.gî sweten, dat jû nat is dat hâr.envant unse hêre dê konnink nûnênen anderen boden tô senden dan jû?wente gî sint dê eddelste unde grôtste van lovedê nû is in des konninges hove.it wert mî sîn sunderlik tô vromen,dat gî sît her tô mî gekomen,jûwe vrôde rât wert mî helpen sêrebî deme konninge dêde is unse hêre.al hadde gî dessen wech nicht angenomen,ik wêre doch morgen tô hove komen.doch dunket mî sêre in mîneme wân,ik schal nû nicht wol konen gân:ik hebbe mî geten alsô sat;it was nie spîse dê ik at,dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’10Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû datwan ik jû sêde wat ik at?it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve,ein arm man enis jô nên grêve!wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven,sô môte wî eten versche honnichschîven.sôdâne kost at ik dorch dê nôt,dâr van is mî dê bûk sô grôt.ik môt sê eten ân mînen dank,dâr van bin ik wol half krank.wan ik dat jummer beteren kan,wolde ik umme honnich nôde upstân.’Dô sprak Brûn alsô vôrt‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt!holde gî honnich sô sêr unwêrt,dat doch mannich mit vlîte begêrt?honnich is ein sô sœten spîsedê ik vor alle gerichte prîse.10Reinke, helpet mî dâr bî tô komen,ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got!scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’dô sprak wedder Reinke dê rôdeis dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten!moge gî dat honnich sô gêrne eten,ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle,dat is men eine halve mîle:20bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht,gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’Brûnen deme stak sêr dat smer,nâ honnige stunt al sîn beger.hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî,ik denke des wedder, lôvet des mî.wan ik mî honniges sat mochte eten,sô môste men mî des vele tômeten.’Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt,honniges schal nicht werden gespârt.10al kan ik nû nicht wol gân,recht trûwe môt jummer schînen voran,dê ik mit gunst tô jû drage.wente ik wêt nên mankt al mînen mâgeden ik alsus wolde mênen,wente gî mî sêr wol wedder konen dênenjegen mîne vîende unde jegen ere klagein des konninges hof tôm hêrendage.ik make jû noch tâvent honniges sat,dâr tô van deme besten, merket dat,sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’men Reinke mênde: van grôten slegen.Reinke lôch sêr unde swinde,Brûn volgede eme nâ alse ein blinde.Reinke dachte ‘wilt mî gelingen,ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn.dô vraude sik sêr dê bare Brûn,men des hê sik vraude, dâr wart nicht van.10sô geit it noch mannigem unvrouden man.
Dô Reinke sus des baren wôrde
nam unde ôk hôrde,
hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt,20
em was leide vor ein achterholt.
dô hê dat enkede hadde vornomen,
dat Brûn alleine was gekomen,
desto min hê dô vorschrak.
hê gink ût tô em unde sprak
‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen!
ik hebbe recht nû dê vesper gelesen,
dâr umme konde ik nicht êr komen.
ik hope, it schal mî sîn tô vromen,
dat gî tô mî gekomen sît.
sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît.10
deme enwêt ik des jô nênen dank,
dê dat schaffede, dat gî dessen gank
scholden overgân, dêde is sêr swâr.
gî sweten, dat jû nat is dat hâr.
envant unse hêre dê konnink nû
nênen anderen boden tô senden dan jû?
wente gî sint dê eddelste unde grôtste van love
dê nû is in des konninges hove.
it wert mî sîn sunderlik tô vromen,
dat gî sît her tô mî gekomen,
jûwe vrôde rât wert mî helpen sêre
bî deme konninge dêde is unse hêre.
al hadde gî dessen wech nicht angenomen,
ik wêre doch morgen tô hove komen.
doch dunket mî sêre in mîneme wân,
ik schal nû nicht wol konen gân:
ik hebbe mî geten alsô sat;
it was nie spîse dê ik at,
dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’10
Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’
dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû dat
wan ik jû sêde wat ik at?
it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve,
ein arm man enis jô nên grêve!
wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven,
sô môte wî eten versche honnichschîven.
sôdâne kost at ik dorch dê nôt,
dâr van is mî dê bûk sô grôt.
ik môt sê eten ân mînen dank,
dâr van bin ik wol half krank.
wan ik dat jummer beteren kan,
wolde ik umme honnich nôde upstân.’
Dô sprak Brûn alsô vôrt
‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt!
holde gî honnich sô sêr unwêrt,
dat doch mannich mit vlîte begêrt?
honnich is ein sô sœten spîse
dê ik vor alle gerichte prîse.10
Reinke, helpet mî dâr bî tô komen,
ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’
Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’
Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got!
scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’
dô sprak wedder Reinke dê rôde
is dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten!
moge gî dat honnich sô gêrne eten,
ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle,
dat is men eine halve mîle:20
bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht,
gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’
Brûnen deme stak sêr dat smer,
nâ honnige stunt al sîn beger.
hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî,
ik denke des wedder, lôvet des mî.
wan ik mî honniges sat mochte eten,
sô môste men mî des vele tômeten.’
Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt,
honniges schal nicht werden gespârt.10
al kan ik nû nicht wol gân,
recht trûwe môt jummer schînen voran,
dê ik mit gunst tô jû drage.
wente ik wêt nên mankt al mînen mâge
den ik alsus wolde mênen,
wente gî mî sêr wol wedder konen dênen
jegen mîne vîende unde jegen ere klage
in des konninges hof tôm hêrendage.
ik make jû noch tâvent honniges sat,
dâr tô van deme besten, merket dat,
sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’
men Reinke mênde: van grôten slegen.
Reinke lôch sêr unde swinde,
Brûn volgede eme nâ alse ein blinde.
Reinke dachte ‘wilt mî gelingen,
ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’
Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn.
dô vraude sik sêr dê bare Brûn,
men des hê sik vraude, dâr wart nicht van.10
sô geit it noch mannigem unvrouden man.
Wie Reineke sich vorsichtig bedachte, und dann hinausgieng und Braun mit freundlichen Worten willkommen hiess.
Als Reineke so des Bären WorteVernommen hatte, bei der Pforte,Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald,20Er sorgte vor einem Hinterhalt.Doch als er’s gründlich jetzt vernommen,Dass Braun alleine war gekommen,Da war’s gar um seine Furcht gethan.Er gieng hinaus und sprach ihn an:‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen!Ich hatte so eben die Vesper zu lesen,Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen.Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen,Dass ihr hieher gekommen seid.Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit;10Weiss ich gleich dem keinen Dank,Der da schuld ist, dass ihr diesen GangÜbernahmt, der zu schwer euch war.Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar.Fand unser Herr, der König reich,Keinen andern Boten zu senden als euch?Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann,Den man am Hofe finden kann.Doch wird es mir ganz absonderlich frommen,Dass ihr zu mir seid hergekommen.Sehr wird mir helfen euer kluger RathBei dem König, der uns zu gebieten hat.Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen,Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen.Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn,Dass ich zu gehen unfähig bin.Ich ass mich heut schier übersattAn fremder Speise, das macht mich matt;Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’10Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das,Wenn ich euch sagte, was ich ass?Es war schlechte Kost, die ich hier traf;Ist doch ein armer Mann kein Graf!Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben,So essen wir frische Honigscheiben.Das ass ich heut’ aus Hunger auch;Davon ist mir so dick der Bauch.Ich musst’ es essen wider WillenUnd kann die Schmerzen nun nicht stillen.Wenn ich was Bess’res finden kann,So rühr’ ich keinen Honig an.’Verwundert sprach Herr Braun sofort:‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort!Dünkt Honig euch so wenig werth,Den mancher doch mit Fleiss begehrt?Honig ist eine süsse Speise,Die ich vor allen Gerichten preise.10Reineke, helft mir daran zu kommen,So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’:‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott.Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht:‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen:Seid ihr des Honigs so beflissen?Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile,Es ist nur eine halbe Meile,20Der hat viel Honig, versteht mich recht,Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’Braun den Bären gelüstete sehr,Nach Honig stund all sein Begehr;Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin,Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin;Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen,Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt!Der Honig werde nicht gespart.10Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss,Die Liebe jedoch mich stärken muss,Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten;Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten,Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt;Zumal ihr mir wieder dienen könntGegen meine Feinde und ihre Klage,An des Königs Hof, am Herrentage.Ich mach’ euch Honigs satt und vollNoch heut’, von dem besten, merket wohl;Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’Doch Reineke sprach es von derben Schlägen.Reineke lief voraus geschwind,Da folgte Braun ihm nach wie blind.Reineke dachte: Will’s gelingen,Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen.Sie kamen bald an Rüstefeils Haus:Da freute Braun sich im Voraus;Doch des er sich freute, das ward zunicht.10So geht es noch manchem unklugen Wicht.
Als Reineke so des Bären WorteVernommen hatte, bei der Pforte,Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald,20Er sorgte vor einem Hinterhalt.Doch als er’s gründlich jetzt vernommen,Dass Braun alleine war gekommen,Da war’s gar um seine Furcht gethan.Er gieng hinaus und sprach ihn an:‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen!Ich hatte so eben die Vesper zu lesen,Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen.Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen,Dass ihr hieher gekommen seid.Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit;10Weiss ich gleich dem keinen Dank,Der da schuld ist, dass ihr diesen GangÜbernahmt, der zu schwer euch war.Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar.Fand unser Herr, der König reich,Keinen andern Boten zu senden als euch?Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann,Den man am Hofe finden kann.Doch wird es mir ganz absonderlich frommen,Dass ihr zu mir seid hergekommen.Sehr wird mir helfen euer kluger RathBei dem König, der uns zu gebieten hat.Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen,Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen.Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn,Dass ich zu gehen unfähig bin.Ich ass mich heut schier übersattAn fremder Speise, das macht mich matt;Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’10Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das,Wenn ich euch sagte, was ich ass?Es war schlechte Kost, die ich hier traf;Ist doch ein armer Mann kein Graf!Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben,So essen wir frische Honigscheiben.Das ass ich heut’ aus Hunger auch;Davon ist mir so dick der Bauch.Ich musst’ es essen wider WillenUnd kann die Schmerzen nun nicht stillen.Wenn ich was Bess’res finden kann,So rühr’ ich keinen Honig an.’Verwundert sprach Herr Braun sofort:‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort!Dünkt Honig euch so wenig werth,Den mancher doch mit Fleiss begehrt?Honig ist eine süsse Speise,Die ich vor allen Gerichten preise.10Reineke, helft mir daran zu kommen,So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’:‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott.Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht:‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen:Seid ihr des Honigs so beflissen?Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile,Es ist nur eine halbe Meile,20Der hat viel Honig, versteht mich recht,Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’Braun den Bären gelüstete sehr,Nach Honig stund all sein Begehr;Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin,Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin;Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen,Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt!Der Honig werde nicht gespart.10Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss,Die Liebe jedoch mich stärken muss,Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten;Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten,Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt;Zumal ihr mir wieder dienen könntGegen meine Feinde und ihre Klage,An des Königs Hof, am Herrentage.Ich mach’ euch Honigs satt und vollNoch heut’, von dem besten, merket wohl;Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’Doch Reineke sprach es von derben Schlägen.Reineke lief voraus geschwind,Da folgte Braun ihm nach wie blind.Reineke dachte: Will’s gelingen,Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen.Sie kamen bald an Rüstefeils Haus:Da freute Braun sich im Voraus;Doch des er sich freute, das ward zunicht.10So geht es noch manchem unklugen Wicht.
Als Reineke so des Bären WorteVernommen hatte, bei der Pforte,Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald,20Er sorgte vor einem Hinterhalt.Doch als er’s gründlich jetzt vernommen,Dass Braun alleine war gekommen,Da war’s gar um seine Furcht gethan.Er gieng hinaus und sprach ihn an:‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen!Ich hatte so eben die Vesper zu lesen,Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen.Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen,Dass ihr hieher gekommen seid.Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit;10Weiss ich gleich dem keinen Dank,Der da schuld ist, dass ihr diesen GangÜbernahmt, der zu schwer euch war.Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar.Fand unser Herr, der König reich,Keinen andern Boten zu senden als euch?Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann,Den man am Hofe finden kann.Doch wird es mir ganz absonderlich frommen,Dass ihr zu mir seid hergekommen.Sehr wird mir helfen euer kluger RathBei dem König, der uns zu gebieten hat.Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen,Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen.Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn,Dass ich zu gehen unfähig bin.Ich ass mich heut schier übersattAn fremder Speise, das macht mich matt;Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’10Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das,Wenn ich euch sagte, was ich ass?Es war schlechte Kost, die ich hier traf;Ist doch ein armer Mann kein Graf!Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben,So essen wir frische Honigscheiben.Das ass ich heut’ aus Hunger auch;Davon ist mir so dick der Bauch.Ich musst’ es essen wider WillenUnd kann die Schmerzen nun nicht stillen.Wenn ich was Bess’res finden kann,So rühr’ ich keinen Honig an.’Verwundert sprach Herr Braun sofort:‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort!Dünkt Honig euch so wenig werth,Den mancher doch mit Fleiss begehrt?Honig ist eine süsse Speise,Die ich vor allen Gerichten preise.10Reineke, helft mir daran zu kommen,So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’:‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott.Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht:‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen:Seid ihr des Honigs so beflissen?Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile,Es ist nur eine halbe Meile,20Der hat viel Honig, versteht mich recht,Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’Braun den Bären gelüstete sehr,Nach Honig stund all sein Begehr;Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin,Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin;Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen,Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt!Der Honig werde nicht gespart.10Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss,Die Liebe jedoch mich stärken muss,Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten;Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten,Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt;Zumal ihr mir wieder dienen könntGegen meine Feinde und ihre Klage,An des Königs Hof, am Herrentage.Ich mach’ euch Honigs satt und vollNoch heut’, von dem besten, merket wohl;Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’Doch Reineke sprach es von derben Schlägen.Reineke lief voraus geschwind,Da folgte Braun ihm nach wie blind.Reineke dachte: Will’s gelingen,Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen.Sie kamen bald an Rüstefeils Haus:Da freute Braun sich im Voraus;Doch des er sich freute, das ward zunicht.10So geht es noch manchem unklugen Wicht.
Als Reineke so des Bären Worte
Vernommen hatte, bei der Pforte,
Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald,20
Er sorgte vor einem Hinterhalt.
Doch als er’s gründlich jetzt vernommen,
Dass Braun alleine war gekommen,
Da war’s gar um seine Furcht gethan.
Er gieng hinaus und sprach ihn an:
‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen!
Ich hatte so eben die Vesper zu lesen,
Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen.
Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen,
Dass ihr hieher gekommen seid.
Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit;10
Weiss ich gleich dem keinen Dank,
Der da schuld ist, dass ihr diesen Gang
Übernahmt, der zu schwer euch war.
Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar.
Fand unser Herr, der König reich,
Keinen andern Boten zu senden als euch?
Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann,
Den man am Hofe finden kann.
Doch wird es mir ganz absonderlich frommen,
Dass ihr zu mir seid hergekommen.
Sehr wird mir helfen euer kluger Rath
Bei dem König, der uns zu gebieten hat.
Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen,
Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen.
Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn,
Dass ich zu gehen unfähig bin.
Ich ass mich heut schier übersatt
An fremder Speise, das macht mich matt;
Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’10
Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’
Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das,
Wenn ich euch sagte, was ich ass?
Es war schlechte Kost, die ich hier traf;
Ist doch ein armer Mann kein Graf!
Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben,
So essen wir frische Honigscheiben.
Das ass ich heut’ aus Hunger auch;
Davon ist mir so dick der Bauch.
Ich musst’ es essen wider Willen
Und kann die Schmerzen nun nicht stillen.
Wenn ich was Bess’res finden kann,
So rühr’ ich keinen Honig an.’
Verwundert sprach Herr Braun sofort:
‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort!
Dünkt Honig euch so wenig werth,
Den mancher doch mit Fleiss begehrt?
Honig ist eine süsse Speise,
Die ich vor allen Gerichten preise.10
Reineke, helft mir daran zu kommen,
So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’
Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’:
‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott.
Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’
Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht:
‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen:
Seid ihr des Honigs so beflissen?
Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile,
Es ist nur eine halbe Meile,20
Der hat viel Honig, versteht mich recht,
Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’
Braun den Bären gelüstete sehr,
Nach Honig stund all sein Begehr;
Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin,
Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin;
Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen,
Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’
Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt!
Der Honig werde nicht gespart.10
Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss,
Die Liebe jedoch mich stärken muss,
Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten;
Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten,
Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt;
Zumal ihr mir wieder dienen könnt
Gegen meine Feinde und ihre Klage,
An des Königs Hof, am Herrentage.
Ich mach’ euch Honigs satt und voll
Noch heut’, von dem besten, merket wohl;
Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’
Doch Reineke sprach es von derben Schlägen.
Reineke lief voraus geschwind,
Da folgte Braun ihm nach wie blind.
Reineke dachte: Will’s gelingen,
Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen.
Sie kamen bald an Rüstefeils Haus:
Da freute Braun sich im Voraus;
Doch des er sich freute, das ward zunicht.10
So geht es noch manchem unklugen Wicht.
Wô Reinke mit Brûnen deme baren gink unde en leidede, dâr hê honnich eten scholde, dat em ovel bequam; wô en Reinke bedrôch unde lêt en stân beklemmet in den bôme eft blocke mit deme hôvede unde beiden{20}vôten.
Dô dê âvent was gekomenunde Reinke dat hadde vornomen,dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr,tô bedde was in sînem schûr,—Rustevîl was van grôteme loveein timmerman unde hadde in sînem hoveliggende eine êke, dê hê wolde klôven,unde hadde dâr in geslagen boventwei grôte kîle, dê wêren sêr glat.Reinke dê vos merkede dat:dat sulve holt was an einer sîtupgeklôvet einer elen wît,—hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm!10recht hîr in dessem sulven bômis honniges mêr wan gî lœvet:steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet,nemet nicht tô vele, dat is mîn rât,jû mochte dâr anders af komen quâtin jûweme lîve, sît des bericht.’Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht.mêne gî, dat ik sî unvrôt?mâte is tô allen dingen gût.’alsus lêt sik dê bare bedôren20unde stak dat hœvet in over dê ôrenunde ôk dê vordersten vôte mede.Reinke dô grôt arbeit dede:hê brak ût dê kîle mit der hast,—dâr lach dê bare gevangen vastmit hôvet unde vôten in der êken,em halp wêr schelden edder smêken.hê plach tô wesen kône unde stark,men hîr hadde hê sîn vulle werk.sus brachte dê neve sînen ômmit losheit gevangen in den bôm.10hê begunde tô hûlen unde tô brâschen,mit den echtersten vôten tô krâschen,unde makede alsô grôten lût,dat Rustevîl mit der hast quam ût:hê dachte, wat dat wesen mochte;jâ ein scharp bîl hê mit sik brochteup eventûr, efte des wêre nôt.Brûn lach dô in anxte grôt:dê klôve dâr hê in lach; ene knêp,hê brak sik unde tôch, dat hê pêp,men dat was pîn umme nicht gedân.hê vormôde sik nummer van dâr tô gân.dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîlevan vêrne komen mit deme bîle.hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû?etet nicht tô vele, dat râde ik jû,des honniges. segget mî, isset ôk gût?ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût,villichte wil hê jû bedenken10unde wil jû up dê mâltît schenken.’dâr mede gink Reinke wedder nâ hûsnâ sîneme slote tô Malepertûs.
Dô dê âvent was gekomenunde Reinke dat hadde vornomen,dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr,tô bedde was in sînem schûr,—Rustevîl was van grôteme loveein timmerman unde hadde in sînem hoveliggende eine êke, dê hê wolde klôven,unde hadde dâr in geslagen boventwei grôte kîle, dê wêren sêr glat.Reinke dê vos merkede dat:dat sulve holt was an einer sîtupgeklôvet einer elen wît,—hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm!10recht hîr in dessem sulven bômis honniges mêr wan gî lœvet:steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet,nemet nicht tô vele, dat is mîn rât,jû mochte dâr anders af komen quâtin jûweme lîve, sît des bericht.’Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht.mêne gî, dat ik sî unvrôt?mâte is tô allen dingen gût.’alsus lêt sik dê bare bedôren20unde stak dat hœvet in over dê ôrenunde ôk dê vordersten vôte mede.Reinke dô grôt arbeit dede:hê brak ût dê kîle mit der hast,—dâr lach dê bare gevangen vastmit hôvet unde vôten in der êken,em halp wêr schelden edder smêken.hê plach tô wesen kône unde stark,men hîr hadde hê sîn vulle werk.sus brachte dê neve sînen ômmit losheit gevangen in den bôm.10hê begunde tô hûlen unde tô brâschen,mit den echtersten vôten tô krâschen,unde makede alsô grôten lût,dat Rustevîl mit der hast quam ût:hê dachte, wat dat wesen mochte;jâ ein scharp bîl hê mit sik brochteup eventûr, efte des wêre nôt.Brûn lach dô in anxte grôt:dê klôve dâr hê in lach; ene knêp,hê brak sik unde tôch, dat hê pêp,men dat was pîn umme nicht gedân.hê vormôde sik nummer van dâr tô gân.dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîlevan vêrne komen mit deme bîle.hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû?etet nicht tô vele, dat râde ik jû,des honniges. segget mî, isset ôk gût?ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût,villichte wil hê jû bedenken10unde wil jû up dê mâltît schenken.’dâr mede gink Reinke wedder nâ hûsnâ sîneme slote tô Malepertûs.
Dô dê âvent was gekomenunde Reinke dat hadde vornomen,dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr,tô bedde was in sînem schûr,—Rustevîl was van grôteme loveein timmerman unde hadde in sînem hoveliggende eine êke, dê hê wolde klôven,unde hadde dâr in geslagen boventwei grôte kîle, dê wêren sêr glat.Reinke dê vos merkede dat:dat sulve holt was an einer sîtupgeklôvet einer elen wît,—hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm!10recht hîr in dessem sulven bômis honniges mêr wan gî lœvet:steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet,nemet nicht tô vele, dat is mîn rât,jû mochte dâr anders af komen quâtin jûweme lîve, sît des bericht.’Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht.mêne gî, dat ik sî unvrôt?mâte is tô allen dingen gût.’alsus lêt sik dê bare bedôren20unde stak dat hœvet in over dê ôrenunde ôk dê vordersten vôte mede.Reinke dô grôt arbeit dede:hê brak ût dê kîle mit der hast,—dâr lach dê bare gevangen vastmit hôvet unde vôten in der êken,em halp wêr schelden edder smêken.hê plach tô wesen kône unde stark,men hîr hadde hê sîn vulle werk.sus brachte dê neve sînen ômmit losheit gevangen in den bôm.10hê begunde tô hûlen unde tô brâschen,mit den echtersten vôten tô krâschen,unde makede alsô grôten lût,dat Rustevîl mit der hast quam ût:hê dachte, wat dat wesen mochte;jâ ein scharp bîl hê mit sik brochteup eventûr, efte des wêre nôt.Brûn lach dô in anxte grôt:dê klôve dâr hê in lach; ene knêp,hê brak sik unde tôch, dat hê pêp,men dat was pîn umme nicht gedân.hê vormôde sik nummer van dâr tô gân.dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîlevan vêrne komen mit deme bîle.hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû?etet nicht tô vele, dat râde ik jû,des honniges. segget mî, isset ôk gût?ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût,villichte wil hê jû bedenken10unde wil jû up dê mâltît schenken.’dâr mede gink Reinke wedder nâ hûsnâ sîneme slote tô Malepertûs.
Dô dê âvent was gekomen
unde Reinke dat hadde vornomen,
dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr,
tô bedde was in sînem schûr,—
Rustevîl was van grôteme love
ein timmerman unde hadde in sînem hove
liggende eine êke, dê hê wolde klôven,
unde hadde dâr in geslagen boven
twei grôte kîle, dê wêren sêr glat.
Reinke dê vos merkede dat:
dat sulve holt was an einer sît
upgeklôvet einer elen wît,—
hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm!10
recht hîr in dessem sulven bôm
is honniges mêr wan gî lœvet:
steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet,
nemet nicht tô vele, dat is mîn rât,
jû mochte dâr anders af komen quât
in jûweme lîve, sît des bericht.’
Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht.
mêne gî, dat ik sî unvrôt?
mâte is tô allen dingen gût.’
alsus lêt sik dê bare bedôren20
unde stak dat hœvet in over dê ôren
unde ôk dê vordersten vôte mede.
Reinke dô grôt arbeit dede:
hê brak ût dê kîle mit der hast,—
dâr lach dê bare gevangen vast
mit hôvet unde vôten in der êken,
em halp wêr schelden edder smêken.
hê plach tô wesen kône unde stark,
men hîr hadde hê sîn vulle werk.
sus brachte dê neve sînen ôm
mit losheit gevangen in den bôm.10
hê begunde tô hûlen unde tô brâschen,
mit den echtersten vôten tô krâschen,
unde makede alsô grôten lût,
dat Rustevîl mit der hast quam ût:
hê dachte, wat dat wesen mochte;
jâ ein scharp bîl hê mit sik brochte
up eventûr, efte des wêre nôt.
Brûn lach dô in anxte grôt:
dê klôve dâr hê in lach; ene knêp,
hê brak sik unde tôch, dat hê pêp,
men dat was pîn umme nicht gedân.
hê vormôde sik nummer van dâr tô gân.
dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîle
van vêrne komen mit deme bîle.
hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû?
etet nicht tô vele, dat râde ik jû,
des honniges. segget mî, isset ôk gût?
ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût,
villichte wil hê jû bedenken10
unde wil jû up dê mâltît schenken.’
dâr mede gink Reinke wedder nâ hûs
nâ sîneme slote tô Malepertûs.
Wie Reineke Braun den Bären dahin geleitete, wo er Honig essen sollte, was ihm übel bekam, und wie ihn Reineke betrog und ihn mit dem Haupt und den Füssen in einen Baum oder Block geklemmt da stehen{20}liess.
Der Abend war heran gekommen:Da hatte Reineke vernommen,Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag,Zu Haus in seinem Bette lag.Rüstefeil war als ZimmermannBerühmt; in seinem Hofe sah’nSie eine Eiche, die wollt er zerkloben.Schon hatt’ er eingeschlagen obenZwei Keile, die waren glatt.Reineke merkt’ es an der Statt.Das Holz war schon an einer SeiteGespaltet in einer Ellen Weite.Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun!10Seht hier, in diesem hohlen BaumIst des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt.Nun stecket tief hinein das Haupt,Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen,Es möchte euch übel sonst bekommenIn euerm Leib, lasst euch berichten.’Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten.Meint ihr gar, ich sei ein Frass?Zu allen Dingen gut ist Maass.’Also ward der Bär zum Thoren:20Er steckte das Haupt bis über die OhrenNebst den Vorderfüssen in den Spalt.An die Arbeit gab sich Reineke bald:Er brach die Keile heraus mit Kraft,Da lag der Bär in schmählicher Haft;Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse,Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse;Sonst war er stark und kühn, doch nunHatt’ er mit Überkraft zu thun.So brachte der Neffe den Ohm mit ListIn den Baum, aus dem keine Rettung ist.10Er begann zu heulen und zu schnarren,Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren,Und machte solchen Lärm vor dem Haus,Dass Rüstefeil eilends sprang heraus.Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul?Er brachte mit ein scharfes BeilFür den Fall, dass es zu brauchen wär’.Braun lag indes in Ängsten schwer.Der Kloben, drin er lag, ihn kniff,Er zog und zerrte sich, dass er pfiff:Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n.Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n.Auch Reineke meint’ es, und sah RüstefeilVon ferne kommen mit dem Beil.Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun!Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun,Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus?Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus;Vielleicht will er den Gast bedenken10Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’Hiermit gieng Reineke heim zuhand,Nach seinem Schloss, Malepartus genannt.
Der Abend war heran gekommen:Da hatte Reineke vernommen,Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag,Zu Haus in seinem Bette lag.Rüstefeil war als ZimmermannBerühmt; in seinem Hofe sah’nSie eine Eiche, die wollt er zerkloben.Schon hatt’ er eingeschlagen obenZwei Keile, die waren glatt.Reineke merkt’ es an der Statt.Das Holz war schon an einer SeiteGespaltet in einer Ellen Weite.Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun!10Seht hier, in diesem hohlen BaumIst des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt.Nun stecket tief hinein das Haupt,Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen,Es möchte euch übel sonst bekommenIn euerm Leib, lasst euch berichten.’Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten.Meint ihr gar, ich sei ein Frass?Zu allen Dingen gut ist Maass.’Also ward der Bär zum Thoren:20Er steckte das Haupt bis über die OhrenNebst den Vorderfüssen in den Spalt.An die Arbeit gab sich Reineke bald:Er brach die Keile heraus mit Kraft,Da lag der Bär in schmählicher Haft;Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse,Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse;Sonst war er stark und kühn, doch nunHatt’ er mit Überkraft zu thun.So brachte der Neffe den Ohm mit ListIn den Baum, aus dem keine Rettung ist.10Er begann zu heulen und zu schnarren,Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren,Und machte solchen Lärm vor dem Haus,Dass Rüstefeil eilends sprang heraus.Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul?Er brachte mit ein scharfes BeilFür den Fall, dass es zu brauchen wär’.Braun lag indes in Ängsten schwer.Der Kloben, drin er lag, ihn kniff,Er zog und zerrte sich, dass er pfiff:Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n.Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n.Auch Reineke meint’ es, und sah RüstefeilVon ferne kommen mit dem Beil.Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun!Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun,Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus?Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus;Vielleicht will er den Gast bedenken10Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’Hiermit gieng Reineke heim zuhand,Nach seinem Schloss, Malepartus genannt.
Der Abend war heran gekommen:Da hatte Reineke vernommen,Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag,Zu Haus in seinem Bette lag.Rüstefeil war als ZimmermannBerühmt; in seinem Hofe sah’nSie eine Eiche, die wollt er zerkloben.Schon hatt’ er eingeschlagen obenZwei Keile, die waren glatt.Reineke merkt’ es an der Statt.Das Holz war schon an einer SeiteGespaltet in einer Ellen Weite.Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun!10Seht hier, in diesem hohlen BaumIst des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt.Nun stecket tief hinein das Haupt,Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen,Es möchte euch übel sonst bekommenIn euerm Leib, lasst euch berichten.’Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten.Meint ihr gar, ich sei ein Frass?Zu allen Dingen gut ist Maass.’Also ward der Bär zum Thoren:20Er steckte das Haupt bis über die OhrenNebst den Vorderfüssen in den Spalt.An die Arbeit gab sich Reineke bald:Er brach die Keile heraus mit Kraft,Da lag der Bär in schmählicher Haft;Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse,Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse;Sonst war er stark und kühn, doch nunHatt’ er mit Überkraft zu thun.So brachte der Neffe den Ohm mit ListIn den Baum, aus dem keine Rettung ist.10Er begann zu heulen und zu schnarren,Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren,Und machte solchen Lärm vor dem Haus,Dass Rüstefeil eilends sprang heraus.Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul?Er brachte mit ein scharfes BeilFür den Fall, dass es zu brauchen wär’.Braun lag indes in Ängsten schwer.Der Kloben, drin er lag, ihn kniff,Er zog und zerrte sich, dass er pfiff:Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n.Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n.Auch Reineke meint’ es, und sah RüstefeilVon ferne kommen mit dem Beil.Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun!Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun,Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus?Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus;Vielleicht will er den Gast bedenken10Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’Hiermit gieng Reineke heim zuhand,Nach seinem Schloss, Malepartus genannt.
Der Abend war heran gekommen:
Da hatte Reineke vernommen,
Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag,
Zu Haus in seinem Bette lag.
Rüstefeil war als Zimmermann
Berühmt; in seinem Hofe sah’n
Sie eine Eiche, die wollt er zerkloben.
Schon hatt’ er eingeschlagen oben
Zwei Keile, die waren glatt.
Reineke merkt’ es an der Statt.
Das Holz war schon an einer Seite
Gespaltet in einer Ellen Weite.
Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun!10
Seht hier, in diesem hohlen Baum
Ist des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt.
Nun stecket tief hinein das Haupt,
Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen,
Es möchte euch übel sonst bekommen
In euerm Leib, lasst euch berichten.’
Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten.
Meint ihr gar, ich sei ein Frass?
Zu allen Dingen gut ist Maass.’
Also ward der Bär zum Thoren:20
Er steckte das Haupt bis über die Ohren
Nebst den Vorderfüssen in den Spalt.
An die Arbeit gab sich Reineke bald:
Er brach die Keile heraus mit Kraft,
Da lag der Bär in schmählicher Haft;
Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse,
Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse;
Sonst war er stark und kühn, doch nun
Hatt’ er mit Überkraft zu thun.
So brachte der Neffe den Ohm mit List
In den Baum, aus dem keine Rettung ist.10
Er begann zu heulen und zu schnarren,
Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren,
Und machte solchen Lärm vor dem Haus,
Dass Rüstefeil eilends sprang heraus.
Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul?
Er brachte mit ein scharfes Beil
Für den Fall, dass es zu brauchen wär’.
Braun lag indes in Ängsten schwer.
Der Kloben, drin er lag, ihn kniff,
Er zog und zerrte sich, dass er pfiff:
Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n.
Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n.
Auch Reineke meint’ es, und sah Rüstefeil
Von ferne kommen mit dem Beil.
Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun!
Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun,
Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus?
Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus;
Vielleicht will er den Gast bedenken10
Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’
Hiermit gieng Reineke heim zuhand,
Nach seinem Schloss, Malepartus genannt.
Dô quam Rustevîl altôhant,den baren hê sus gevangen vant.20hê lêp hastigen mit eineme lôpedâr hê dê bûre wuste tô hôpe,dâr sê hêlden gesterî.hê sprak ‘komet hastigen mit mî,in mîneme hove is ein baregevangen, dat segge ik jû vorwâre.’sê volgeden em alle unde lêpen sêre,islik nam mit sik sîne werewat hê êrst krêch ût sînem werke:dê eine eine forke, dê ander eine harke,dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake,10dê vîfte einen grôten tûnenstake;dê kerkhêre unde dê koster beide,dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde;dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte—dat was dê dê dê besten gruttekonde bereiden unde kocken—dê quam gelôpen mit ereme wockendâr sê des dages hadde bî geseten,den armen Brûne mede tô meten.dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt,dâr hê lach up sînen dôt,hê tôch mit pînen dat hœvet ût,men dâr binnen blêf bekleven dê hûtbî beiden ôren umme dat hœvet her.ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr.dat blôt em over dê ôren ran.al brochte hê dat hœvet ût, nochtanbleven beide vôte dâr in al vast.doch ruckede hê sê ût mit der hast10al râsende, eft hê wêre van den sinnen:men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen,dâr tô dat fel van beiden vôten.dat honnich was nicht van deme sôtendâr em Reinke, sîn ôm, van sêde.eine quâde reise Brûn dô dede,jâ it was eine sorchlîke vârt.dat blôt lêp vaste over sînen bârtdê vôte dêden em wê sô sêr,hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr.Rustevîl quam unde begunde tô slân,sê gingen en altômâlen an,al dê mit em quêmen her,Brûnen tô slân was al er beger.dê pape hadde einen langen staf,wô mannigen slach hê eme gaf!hê konde nergen gân efte krûpen.sê quêmen up en in eineme hûpen,ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen;10dê smit brachte beide hamer unde vîlen,etlîke hadden schuffele, etlîke spaden,sê slôgen en âne alle gnâden,alle gêven sê em mannigen slachdat hê sik bedede dâr hê lach.al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne:Slobbe mit deme krummen bêneunde Lûdolf mit der brêden nese,alderwrêdest wêren eme dese.hê slôch mit sîner holten slingeren,20Gerolt mit dem krummen vingerenunde sîn swâger Kuckelrei;aldermeist slôgen desse twei,Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte,unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte,nicht dese alleine, men al dê wîve,dê stunden al nâ Brûnen lîve;hê môste nemen al wat men eme brochte.Kuckelrei makede dat meiste gerochte,wente hê was dê eddelste van gebôrten:10vrôw Willigetrût vor der kafpôrten,dê was sîn môder, dat wuste iderman,wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van;doch sêden dê bûr under malkander,it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander,ein stolt man dâr hê was allein.Brûn môste ôk van mannigem steinden worp entfangen up sîn lîf:sî worpen nâ em, beide mans unde wîf.int leste Rustevîls brôder her sprank,dê hadde einen knuppel dicke unde lankunde gaf em int hœvet einen slachdat hê wêr hôrde edder sach:van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf,al râsende quam hê mankt dê wîfunde vêl mankt sê alsô sêr,dat der vîve quêmen int revêrdat dâr bî was unde ôk sêr dêp.hastigen dô dê pape rêp10unde was schêr half vorzaget‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn magetbeide mit pelze unde mit rocke!sêt, hîr licht ôk noch er wocke!helpet er altômâlen nû,twei tunne bêrs dê geve ik jû,dâr tô aflât unde gnâde grôt.’sus lêten sê Brûnen liggen vor dôtunde lêpen hastigen hen mankt dê wîveunde hulpen en ût deme water al vîve.Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn,krôp Brûn int water van grôten tôrnunde begunde van grôtem wê tô brummen.hê mênde nicht dat hê konde swummen,sîn andacht was unde begunde tô denken,dat hê sik sulven wolde vordrenken,up dat en nicht mêr slôgen dê bûre.dô weddervôr em noch dit eventûre:hê konde noch swommen unde swam tô degen.10jâ dô dit dê bûre alle sêgen,mit grôtem gerochte unde mit gremensprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’sê hadden dâr umme grôte undultunde sprêken ‘dit is desser wîve schult.in untît quêmen sê hîr tô mâte.sêt, hê swommet wech sîne strâte!’sê sêgen den blok unde worden des enwâr,dat dâr noch in sat beide hût unde hârvan vôten unde ôren. dat was en lêf,sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf!hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’sus volgede em tô deme schaden schande,doch was hê vrô dat hê entgink.hê vlœkede deme bôme dê ene vink,dâr hê van vôten unde ôren wes lêt;hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt—dit was dat gebet dat hê dô las,10dê wîle hê in deme water was.dê strôm lêp snelle unde vast,den drêf hê nedder mit der hastunde quam in einer kôrten wîlevil nâ bî kant eine mîle.hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr.nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr:hê mênde sînen geist dâr up tô gevenunde trôste dô nicht lenger tô leven.hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’ôk dachte hê up dê quâden bûr,dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen,unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.
Dô quam Rustevîl altôhant,den baren hê sus gevangen vant.20hê lêp hastigen mit eineme lôpedâr hê dê bûre wuste tô hôpe,dâr sê hêlden gesterî.hê sprak ‘komet hastigen mit mî,in mîneme hove is ein baregevangen, dat segge ik jû vorwâre.’sê volgeden em alle unde lêpen sêre,islik nam mit sik sîne werewat hê êrst krêch ût sînem werke:dê eine eine forke, dê ander eine harke,dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake,10dê vîfte einen grôten tûnenstake;dê kerkhêre unde dê koster beide,dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde;dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte—dat was dê dê dê besten gruttekonde bereiden unde kocken—dê quam gelôpen mit ereme wockendâr sê des dages hadde bî geseten,den armen Brûne mede tô meten.dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt,dâr hê lach up sînen dôt,hê tôch mit pînen dat hœvet ût,men dâr binnen blêf bekleven dê hûtbî beiden ôren umme dat hœvet her.ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr.dat blôt em over dê ôren ran.al brochte hê dat hœvet ût, nochtanbleven beide vôte dâr in al vast.doch ruckede hê sê ût mit der hast10al râsende, eft hê wêre van den sinnen:men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen,dâr tô dat fel van beiden vôten.dat honnich was nicht van deme sôtendâr em Reinke, sîn ôm, van sêde.eine quâde reise Brûn dô dede,jâ it was eine sorchlîke vârt.dat blôt lêp vaste over sînen bârtdê vôte dêden em wê sô sêr,hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr.Rustevîl quam unde begunde tô slân,sê gingen en altômâlen an,al dê mit em quêmen her,Brûnen tô slân was al er beger.dê pape hadde einen langen staf,wô mannigen slach hê eme gaf!hê konde nergen gân efte krûpen.sê quêmen up en in eineme hûpen,ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen;10dê smit brachte beide hamer unde vîlen,etlîke hadden schuffele, etlîke spaden,sê slôgen en âne alle gnâden,alle gêven sê em mannigen slachdat hê sik bedede dâr hê lach.al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne:Slobbe mit deme krummen bêneunde Lûdolf mit der brêden nese,alderwrêdest wêren eme dese.hê slôch mit sîner holten slingeren,20Gerolt mit dem krummen vingerenunde sîn swâger Kuckelrei;aldermeist slôgen desse twei,Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte,unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte,nicht dese alleine, men al dê wîve,dê stunden al nâ Brûnen lîve;hê môste nemen al wat men eme brochte.Kuckelrei makede dat meiste gerochte,wente hê was dê eddelste van gebôrten:10vrôw Willigetrût vor der kafpôrten,dê was sîn môder, dat wuste iderman,wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van;doch sêden dê bûr under malkander,it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander,ein stolt man dâr hê was allein.Brûn môste ôk van mannigem steinden worp entfangen up sîn lîf:sî worpen nâ em, beide mans unde wîf.int leste Rustevîls brôder her sprank,dê hadde einen knuppel dicke unde lankunde gaf em int hœvet einen slachdat hê wêr hôrde edder sach:van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf,al râsende quam hê mankt dê wîfunde vêl mankt sê alsô sêr,dat der vîve quêmen int revêrdat dâr bî was unde ôk sêr dêp.hastigen dô dê pape rêp10unde was schêr half vorzaget‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn magetbeide mit pelze unde mit rocke!sêt, hîr licht ôk noch er wocke!helpet er altômâlen nû,twei tunne bêrs dê geve ik jû,dâr tô aflât unde gnâde grôt.’sus lêten sê Brûnen liggen vor dôtunde lêpen hastigen hen mankt dê wîveunde hulpen en ût deme water al vîve.Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn,krôp Brûn int water van grôten tôrnunde begunde van grôtem wê tô brummen.hê mênde nicht dat hê konde swummen,sîn andacht was unde begunde tô denken,dat hê sik sulven wolde vordrenken,up dat en nicht mêr slôgen dê bûre.dô weddervôr em noch dit eventûre:hê konde noch swommen unde swam tô degen.10jâ dô dit dê bûre alle sêgen,mit grôtem gerochte unde mit gremensprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’sê hadden dâr umme grôte undultunde sprêken ‘dit is desser wîve schult.in untît quêmen sê hîr tô mâte.sêt, hê swommet wech sîne strâte!’sê sêgen den blok unde worden des enwâr,dat dâr noch in sat beide hût unde hârvan vôten unde ôren. dat was en lêf,sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf!hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’sus volgede em tô deme schaden schande,doch was hê vrô dat hê entgink.hê vlœkede deme bôme dê ene vink,dâr hê van vôten unde ôren wes lêt;hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt—dit was dat gebet dat hê dô las,10dê wîle hê in deme water was.dê strôm lêp snelle unde vast,den drêf hê nedder mit der hastunde quam in einer kôrten wîlevil nâ bî kant eine mîle.hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr.nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr:hê mênde sînen geist dâr up tô gevenunde trôste dô nicht lenger tô leven.hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’ôk dachte hê up dê quâden bûr,dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen,unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.
Dô quam Rustevîl altôhant,den baren hê sus gevangen vant.20hê lêp hastigen mit eineme lôpedâr hê dê bûre wuste tô hôpe,dâr sê hêlden gesterî.hê sprak ‘komet hastigen mit mî,in mîneme hove is ein baregevangen, dat segge ik jû vorwâre.’sê volgeden em alle unde lêpen sêre,islik nam mit sik sîne werewat hê êrst krêch ût sînem werke:dê eine eine forke, dê ander eine harke,dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake,10dê vîfte einen grôten tûnenstake;dê kerkhêre unde dê koster beide,dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde;dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte—dat was dê dê dê besten gruttekonde bereiden unde kocken—dê quam gelôpen mit ereme wockendâr sê des dages hadde bî geseten,den armen Brûne mede tô meten.dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt,dâr hê lach up sînen dôt,hê tôch mit pînen dat hœvet ût,men dâr binnen blêf bekleven dê hûtbî beiden ôren umme dat hœvet her.ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr.dat blôt em over dê ôren ran.al brochte hê dat hœvet ût, nochtanbleven beide vôte dâr in al vast.doch ruckede hê sê ût mit der hast10al râsende, eft hê wêre van den sinnen:men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen,dâr tô dat fel van beiden vôten.dat honnich was nicht van deme sôtendâr em Reinke, sîn ôm, van sêde.eine quâde reise Brûn dô dede,jâ it was eine sorchlîke vârt.dat blôt lêp vaste over sînen bârtdê vôte dêden em wê sô sêr,hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr.Rustevîl quam unde begunde tô slân,sê gingen en altômâlen an,al dê mit em quêmen her,Brûnen tô slân was al er beger.dê pape hadde einen langen staf,wô mannigen slach hê eme gaf!hê konde nergen gân efte krûpen.sê quêmen up en in eineme hûpen,ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen;10dê smit brachte beide hamer unde vîlen,etlîke hadden schuffele, etlîke spaden,sê slôgen en âne alle gnâden,alle gêven sê em mannigen slachdat hê sik bedede dâr hê lach.al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne:Slobbe mit deme krummen bêneunde Lûdolf mit der brêden nese,alderwrêdest wêren eme dese.hê slôch mit sîner holten slingeren,20Gerolt mit dem krummen vingerenunde sîn swâger Kuckelrei;aldermeist slôgen desse twei,Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte,unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte,nicht dese alleine, men al dê wîve,dê stunden al nâ Brûnen lîve;hê môste nemen al wat men eme brochte.Kuckelrei makede dat meiste gerochte,wente hê was dê eddelste van gebôrten:10vrôw Willigetrût vor der kafpôrten,dê was sîn môder, dat wuste iderman,wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van;doch sêden dê bûr under malkander,it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander,ein stolt man dâr hê was allein.Brûn môste ôk van mannigem steinden worp entfangen up sîn lîf:sî worpen nâ em, beide mans unde wîf.int leste Rustevîls brôder her sprank,dê hadde einen knuppel dicke unde lankunde gaf em int hœvet einen slachdat hê wêr hôrde edder sach:van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf,al râsende quam hê mankt dê wîfunde vêl mankt sê alsô sêr,dat der vîve quêmen int revêrdat dâr bî was unde ôk sêr dêp.hastigen dô dê pape rêp10unde was schêr half vorzaget‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn magetbeide mit pelze unde mit rocke!sêt, hîr licht ôk noch er wocke!helpet er altômâlen nû,twei tunne bêrs dê geve ik jû,dâr tô aflât unde gnâde grôt.’sus lêten sê Brûnen liggen vor dôtunde lêpen hastigen hen mankt dê wîveunde hulpen en ût deme water al vîve.
Dô quam Rustevîl altôhant,
den baren hê sus gevangen vant.20
hê lêp hastigen mit eineme lôpe
dâr hê dê bûre wuste tô hôpe,
dâr sê hêlden gesterî.
hê sprak ‘komet hastigen mit mî,
in mîneme hove is ein bare
gevangen, dat segge ik jû vorwâre.’
sê volgeden em alle unde lêpen sêre,
islik nam mit sik sîne were
wat hê êrst krêch ût sînem werke:
dê eine eine forke, dê ander eine harke,
dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake,10
dê vîfte einen grôten tûnenstake;
dê kerkhêre unde dê koster beide,
dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde;
dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte—
dat was dê dê dê besten grutte
konde bereiden unde kocken—
dê quam gelôpen mit ereme wocken
dâr sê des dages hadde bî geseten,
den armen Brûne mede tô meten.
dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt,
dâr hê lach up sînen dôt,
hê tôch mit pînen dat hœvet ût,
men dâr binnen blêf bekleven dê hût
bî beiden ôren umme dat hœvet her.
ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr.
dat blôt em over dê ôren ran.
al brochte hê dat hœvet ût, nochtan
bleven beide vôte dâr in al vast.
doch ruckede hê sê ût mit der hast10
al râsende, eft hê wêre van den sinnen:
men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen,
dâr tô dat fel van beiden vôten.
dat honnich was nicht van deme sôten
dâr em Reinke, sîn ôm, van sêde.
eine quâde reise Brûn dô dede,
jâ it was eine sorchlîke vârt.
dat blôt lêp vaste over sînen bârt
dê vôte dêden em wê sô sêr,
hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr.
Rustevîl quam unde begunde tô slân,
sê gingen en altômâlen an,
al dê mit em quêmen her,
Brûnen tô slân was al er beger.
dê pape hadde einen langen staf,
wô mannigen slach hê eme gaf!
hê konde nergen gân efte krûpen.
sê quêmen up en in eineme hûpen,
ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen;10
dê smit brachte beide hamer unde vîlen,
etlîke hadden schuffele, etlîke spaden,
sê slôgen en âne alle gnâden,
alle gêven sê em mannigen slach
dat hê sik bedede dâr hê lach.
al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne:
Slobbe mit deme krummen bêne
unde Lûdolf mit der brêden nese,
alderwrêdest wêren eme dese.
hê slôch mit sîner holten slingeren,20
Gerolt mit dem krummen vingeren
unde sîn swâger Kuckelrei;
aldermeist slôgen desse twei,
Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte,
unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte,
nicht dese alleine, men al dê wîve,
dê stunden al nâ Brûnen lîve;
hê môste nemen al wat men eme brochte.
Kuckelrei makede dat meiste gerochte,
wente hê was dê eddelste van gebôrten:10
vrôw Willigetrût vor der kafpôrten,
dê was sîn môder, dat wuste iderman,
wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van;
doch sêden dê bûr under malkander,
it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander,
ein stolt man dâr hê was allein.
Brûn môste ôk van mannigem stein
den worp entfangen up sîn lîf:
sî worpen nâ em, beide mans unde wîf.
int leste Rustevîls brôder her sprank,
dê hadde einen knuppel dicke unde lank
unde gaf em int hœvet einen slach
dat hê wêr hôrde edder sach:
van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf,
al râsende quam hê mankt dê wîf
unde vêl mankt sê alsô sêr,
dat der vîve quêmen int revêr
dat dâr bî was unde ôk sêr dêp.
hastigen dô dê pape rêp10
unde was schêr half vorzaget
‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn maget
beide mit pelze unde mit rocke!
sêt, hîr licht ôk noch er wocke!
helpet er altômâlen nû,
twei tunne bêrs dê geve ik jû,
dâr tô aflât unde gnâde grôt.’
sus lêten sê Brûnen liggen vor dôt
unde lêpen hastigen hen mankt dê wîve
unde hulpen en ût deme water al vîve.
Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn,krôp Brûn int water van grôten tôrnunde begunde van grôtem wê tô brummen.hê mênde nicht dat hê konde swummen,sîn andacht was unde begunde tô denken,dat hê sik sulven wolde vordrenken,up dat en nicht mêr slôgen dê bûre.dô weddervôr em noch dit eventûre:hê konde noch swommen unde swam tô degen.10jâ dô dit dê bûre alle sêgen,mit grôtem gerochte unde mit gremensprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’sê hadden dâr umme grôte undultunde sprêken ‘dit is desser wîve schult.in untît quêmen sê hîr tô mâte.sêt, hê swommet wech sîne strâte!’sê sêgen den blok unde worden des enwâr,dat dâr noch in sat beide hût unde hârvan vôten unde ôren. dat was en lêf,sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf!hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’sus volgede em tô deme schaden schande,doch was hê vrô dat hê entgink.hê vlœkede deme bôme dê ene vink,dâr hê van vôten unde ôren wes lêt;hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt—dit was dat gebet dat hê dô las,10dê wîle hê in deme water was.dê strôm lêp snelle unde vast,den drêf hê nedder mit der hastunde quam in einer kôrten wîlevil nâ bî kant eine mîle.hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr.nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr:hê mênde sînen geist dâr up tô gevenunde trôste dô nicht lenger tô leven.hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’ôk dachte hê up dê quâden bûr,dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen,unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.
Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn,
krôp Brûn int water van grôten tôrn
unde begunde van grôtem wê tô brummen.
hê mênde nicht dat hê konde swummen,
sîn andacht was unde begunde tô denken,
dat hê sik sulven wolde vordrenken,
up dat en nicht mêr slôgen dê bûre.
dô weddervôr em noch dit eventûre:
hê konde noch swommen unde swam tô degen.10
jâ dô dit dê bûre alle sêgen,
mit grôtem gerochte unde mit gremen
sprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’
sê hadden dâr umme grôte undult
unde sprêken ‘dit is desser wîve schult.
in untît quêmen sê hîr tô mâte.
sêt, hê swommet wech sîne strâte!’
sê sêgen den blok unde worden des enwâr,
dat dâr noch in sat beide hût unde hâr
van vôten unde ôren. dat was en lêf,
sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf!
hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’
sus volgede em tô deme schaden schande,
doch was hê vrô dat hê entgink.
hê vlœkede deme bôme dê ene vink,
dâr hê van vôten unde ôren wes lêt;
hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt—
dit was dat gebet dat hê dô las,10
dê wîle hê in deme water was.
dê strôm lêp snelle unde vast,
den drêf hê nedder mit der hast
unde quam in einer kôrten wîle
vil nâ bî kant eine mîle.
hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr.
nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr:
hê mênde sînen geist dâr up tô geven
unde trôste dô nicht lenger tô leven.
hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’
ôk dachte hê up dê quâden bûr,
dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen,
unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.
Wie der gefangene Braun von den Bauern geschlagen wird, endlich doch loskommt und sich ins Wasser begiebt.
Da kam Rüstefeil gerannt:Als er den Bären gefangen fand,20Da gab er hastig sich ans Laufen:Er wusste einen BauernhaufenIm Wirthshaus sitzen überm Bier.Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir!Es hat sich in meinem Hofe dortEin Bär gefangen, auf mein Wort!’Sie folgten ihm all und liefen sehr;Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr,Was er zuerst zu fassen bekam,Der die Gabel, jener die Harke nahm,Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen,10Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen.Der Kirchherr und der Küster beideKamen auch hin mit ihrem Gereide.Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt,Die die beste Grütze im ganzen LandBereiten konnte, auf den SockenKam sie gelaufen mit ihrem Wocken,An dem sie den ganzen Tag gesessen,Den armen Braun damit zu messen.Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth,Gefangen lag er auf den Tod,Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt;Doch sitzen blieb ihm in dem SpaltVon Gesicht und Ohren Haar und Haut:Ein kläglicher Thier ward nie geschaut.Das Blut ihm über die Ohren lief.Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tiefHielt ihm der Spalt die Füsse gefasst.Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast,10Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen.Da blieben ihm die Klauen drinnenUnd das Fell dazu von beiden Füssen.Der Honig war nicht von dem süssen,Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht.Eine üble Reise hatte Braun vollbracht,Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt:Das Blut lief hell über seinen Bart;Die Füsse schmerzten ihn so sehr,Er konnte nicht gehen noch stehen mehr.Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann;Sie fielen ihn all zumalen an:Alle, die mit ihm kamen daher,Braunen zu schlagen war ihr Begehr.Der Pfaffe trug einen langen Stab.Wie manchen Schlag er damit ihm gab!Er konnte sich nirgend nur verschnaufen,Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen,Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen,10Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen;Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten:Damit zermürbten sie ihm den Braten.Sie gaben ihm so manchen Schlag,Dass er im eigenen Unrath lag.Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen,Schloppe mit den krummen Beinen,Und Ludolf mit der breiten Nase,Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase.Auf seine krummen Finger stolz,20Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz,Und sein Schwager Kukelrei;Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei,Abel Quak und dazu Frau Jutte,Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte.Nicht die allein, nein all’ die Frau’n,Nach dem Leben stunden sie dem Braun.Er musste nehmen, was man ihm brachte;Kuckelrei des Lärms am meisten machte.Denn er war der edelste von Geburt.10Frau Willigtraut von der SchweinefurtWar seine Mutter, das war bekannt,Sein Vater aber blieb ungenannt;Doch raunten die Bauern unter einander,Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander,Ein stolzer Mann für sich allein.Auch musste Braun von manchem SteinDen Wurf empfangen auf seinem LeibSie warfen nach ihm, Mann und Weib.Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungenUnd hat einen mächtigen Knüttel geschwungenUnd gab ihm einen Schlag auf’s Haupt,Dass er aller Sinne lag beraubt.Dem Schlag entsprang lebendig Braun,Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n,Und hatte sich so als Weiberhasser,Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser,Das da vorbeifloss, ziemlich tief.Da begann alsbald der Pfaff’ und rief10Und war beinah’ schon halb verzagt:Da treibt Frau Jutte, meine Magd;Die in dem Pelz und grauen Socken;Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken.Nun helft ihr allzumal davon!Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn,Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’—Da liessen sie Braun für todt da liegen,Und liefen hastig zu den Weibern,Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern.Da sie dies betrieben, dieweilKroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’,Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen.Er dachte sich nicht, er könne schwimmen,Er wusste nicht andern Rath zu erdenken,Als sich hier selber zu ertränken,Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen.Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen,Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr.10Ja, als dies die Bauern wurden gewahr,Mit grossem Lärmen und mit GrämenRiefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’Sie sahn’s mit grosser UngeduldUnd sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld;Zur Unzeit sind sie hieher gekommen:Nun ist er seiner Wege geschwommen.’Sie besah’n den Block und wurden gewahr,Dass noch darin sass Haut und Haarvon Ohren und Füssen: das war ihnen lieb.Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb,Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande!Doch war er froh, dass er entgieng.Er fluchte dem Baum, der ihn fieng,Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied;Er fluchte Reineken, der ihn verrieth.Dies war das Gebet, das er da sprach,10Dieweil er in dem Wasser lag.Der Strom lief schnell und sonder Rast;Er trieb herab mit gleicher Hast.Und ward in einer kurzen WeileHerabgeführt wohl eine Meile.Da kroch er aus der Flut an’s Land:Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt.Den Geist schon meint’ er aufzugeben,Er getraute länger nicht zu leben.Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe,Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt,Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt.
Da kam Rüstefeil gerannt:Als er den Bären gefangen fand,20Da gab er hastig sich ans Laufen:Er wusste einen BauernhaufenIm Wirthshaus sitzen überm Bier.Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir!Es hat sich in meinem Hofe dortEin Bär gefangen, auf mein Wort!’Sie folgten ihm all und liefen sehr;Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr,Was er zuerst zu fassen bekam,Der die Gabel, jener die Harke nahm,Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen,10Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen.Der Kirchherr und der Küster beideKamen auch hin mit ihrem Gereide.Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt,Die die beste Grütze im ganzen LandBereiten konnte, auf den SockenKam sie gelaufen mit ihrem Wocken,An dem sie den ganzen Tag gesessen,Den armen Braun damit zu messen.Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth,Gefangen lag er auf den Tod,Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt;Doch sitzen blieb ihm in dem SpaltVon Gesicht und Ohren Haar und Haut:Ein kläglicher Thier ward nie geschaut.Das Blut ihm über die Ohren lief.Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tiefHielt ihm der Spalt die Füsse gefasst.Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast,10Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen.Da blieben ihm die Klauen drinnenUnd das Fell dazu von beiden Füssen.Der Honig war nicht von dem süssen,Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht.Eine üble Reise hatte Braun vollbracht,Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt:Das Blut lief hell über seinen Bart;Die Füsse schmerzten ihn so sehr,Er konnte nicht gehen noch stehen mehr.Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann;Sie fielen ihn all zumalen an:Alle, die mit ihm kamen daher,Braunen zu schlagen war ihr Begehr.Der Pfaffe trug einen langen Stab.Wie manchen Schlag er damit ihm gab!Er konnte sich nirgend nur verschnaufen,Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen,Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen,10Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen;Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten:Damit zermürbten sie ihm den Braten.Sie gaben ihm so manchen Schlag,Dass er im eigenen Unrath lag.Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen,Schloppe mit den krummen Beinen,Und Ludolf mit der breiten Nase,Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase.Auf seine krummen Finger stolz,20Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz,Und sein Schwager Kukelrei;Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei,Abel Quak und dazu Frau Jutte,Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte.Nicht die allein, nein all’ die Frau’n,Nach dem Leben stunden sie dem Braun.Er musste nehmen, was man ihm brachte;Kuckelrei des Lärms am meisten machte.Denn er war der edelste von Geburt.10Frau Willigtraut von der SchweinefurtWar seine Mutter, das war bekannt,Sein Vater aber blieb ungenannt;Doch raunten die Bauern unter einander,Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander,Ein stolzer Mann für sich allein.Auch musste Braun von manchem SteinDen Wurf empfangen auf seinem LeibSie warfen nach ihm, Mann und Weib.Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungenUnd hat einen mächtigen Knüttel geschwungenUnd gab ihm einen Schlag auf’s Haupt,Dass er aller Sinne lag beraubt.Dem Schlag entsprang lebendig Braun,Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n,Und hatte sich so als Weiberhasser,Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser,Das da vorbeifloss, ziemlich tief.Da begann alsbald der Pfaff’ und rief10Und war beinah’ schon halb verzagt:Da treibt Frau Jutte, meine Magd;Die in dem Pelz und grauen Socken;Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken.Nun helft ihr allzumal davon!Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn,Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’—Da liessen sie Braun für todt da liegen,Und liefen hastig zu den Weibern,Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern.Da sie dies betrieben, dieweilKroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’,Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen.Er dachte sich nicht, er könne schwimmen,Er wusste nicht andern Rath zu erdenken,Als sich hier selber zu ertränken,Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen.Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen,Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr.10Ja, als dies die Bauern wurden gewahr,Mit grossem Lärmen und mit GrämenRiefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’Sie sahn’s mit grosser UngeduldUnd sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld;Zur Unzeit sind sie hieher gekommen:Nun ist er seiner Wege geschwommen.’Sie besah’n den Block und wurden gewahr,Dass noch darin sass Haut und Haarvon Ohren und Füssen: das war ihnen lieb.Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb,Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande!Doch war er froh, dass er entgieng.Er fluchte dem Baum, der ihn fieng,Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied;Er fluchte Reineken, der ihn verrieth.Dies war das Gebet, das er da sprach,10Dieweil er in dem Wasser lag.Der Strom lief schnell und sonder Rast;Er trieb herab mit gleicher Hast.Und ward in einer kurzen WeileHerabgeführt wohl eine Meile.Da kroch er aus der Flut an’s Land:Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt.Den Geist schon meint’ er aufzugeben,Er getraute länger nicht zu leben.Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe,Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt,Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt.
Da kam Rüstefeil gerannt:Als er den Bären gefangen fand,20Da gab er hastig sich ans Laufen:Er wusste einen BauernhaufenIm Wirthshaus sitzen überm Bier.Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir!Es hat sich in meinem Hofe dortEin Bär gefangen, auf mein Wort!’Sie folgten ihm all und liefen sehr;Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr,Was er zuerst zu fassen bekam,Der die Gabel, jener die Harke nahm,Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen,10Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen.Der Kirchherr und der Küster beideKamen auch hin mit ihrem Gereide.Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt,Die die beste Grütze im ganzen LandBereiten konnte, auf den SockenKam sie gelaufen mit ihrem Wocken,An dem sie den ganzen Tag gesessen,Den armen Braun damit zu messen.Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth,Gefangen lag er auf den Tod,Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt;Doch sitzen blieb ihm in dem SpaltVon Gesicht und Ohren Haar und Haut:Ein kläglicher Thier ward nie geschaut.Das Blut ihm über die Ohren lief.Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tiefHielt ihm der Spalt die Füsse gefasst.Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast,10Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen.Da blieben ihm die Klauen drinnenUnd das Fell dazu von beiden Füssen.Der Honig war nicht von dem süssen,Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht.Eine üble Reise hatte Braun vollbracht,Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt:Das Blut lief hell über seinen Bart;Die Füsse schmerzten ihn so sehr,Er konnte nicht gehen noch stehen mehr.Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann;Sie fielen ihn all zumalen an:Alle, die mit ihm kamen daher,Braunen zu schlagen war ihr Begehr.Der Pfaffe trug einen langen Stab.Wie manchen Schlag er damit ihm gab!Er konnte sich nirgend nur verschnaufen,Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen,Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen,10Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen;Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten:Damit zermürbten sie ihm den Braten.Sie gaben ihm so manchen Schlag,Dass er im eigenen Unrath lag.Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen,Schloppe mit den krummen Beinen,Und Ludolf mit der breiten Nase,Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase.Auf seine krummen Finger stolz,20Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz,Und sein Schwager Kukelrei;Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei,Abel Quak und dazu Frau Jutte,Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte.Nicht die allein, nein all’ die Frau’n,Nach dem Leben stunden sie dem Braun.Er musste nehmen, was man ihm brachte;Kuckelrei des Lärms am meisten machte.Denn er war der edelste von Geburt.10Frau Willigtraut von der SchweinefurtWar seine Mutter, das war bekannt,Sein Vater aber blieb ungenannt;Doch raunten die Bauern unter einander,Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander,Ein stolzer Mann für sich allein.Auch musste Braun von manchem SteinDen Wurf empfangen auf seinem LeibSie warfen nach ihm, Mann und Weib.Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungenUnd hat einen mächtigen Knüttel geschwungenUnd gab ihm einen Schlag auf’s Haupt,Dass er aller Sinne lag beraubt.Dem Schlag entsprang lebendig Braun,Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n,Und hatte sich so als Weiberhasser,Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser,Das da vorbeifloss, ziemlich tief.Da begann alsbald der Pfaff’ und rief10Und war beinah’ schon halb verzagt:Da treibt Frau Jutte, meine Magd;Die in dem Pelz und grauen Socken;Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken.Nun helft ihr allzumal davon!Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn,Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’—Da liessen sie Braun für todt da liegen,Und liefen hastig zu den Weibern,Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern.
Da kam Rüstefeil gerannt:
Als er den Bären gefangen fand,20
Da gab er hastig sich ans Laufen:
Er wusste einen Bauernhaufen
Im Wirthshaus sitzen überm Bier.
Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir!
Es hat sich in meinem Hofe dort
Ein Bär gefangen, auf mein Wort!’
Sie folgten ihm all und liefen sehr;
Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr,
Was er zuerst zu fassen bekam,
Der die Gabel, jener die Harke nahm,
Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen,10
Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen.
Der Kirchherr und der Küster beide
Kamen auch hin mit ihrem Gereide.
Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt,
Die die beste Grütze im ganzen Land
Bereiten konnte, auf den Socken
Kam sie gelaufen mit ihrem Wocken,
An dem sie den ganzen Tag gesessen,
Den armen Braun damit zu messen.
Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth,
Gefangen lag er auf den Tod,
Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt;
Doch sitzen blieb ihm in dem Spalt
Von Gesicht und Ohren Haar und Haut:
Ein kläglicher Thier ward nie geschaut.
Das Blut ihm über die Ohren lief.
Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tief
Hielt ihm der Spalt die Füsse gefasst.
Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast,10
Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen.
Da blieben ihm die Klauen drinnen
Und das Fell dazu von beiden Füssen.
Der Honig war nicht von dem süssen,
Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht.
Eine üble Reise hatte Braun vollbracht,
Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt:
Das Blut lief hell über seinen Bart;
Die Füsse schmerzten ihn so sehr,
Er konnte nicht gehen noch stehen mehr.
Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann;
Sie fielen ihn all zumalen an:
Alle, die mit ihm kamen daher,
Braunen zu schlagen war ihr Begehr.
Der Pfaffe trug einen langen Stab.
Wie manchen Schlag er damit ihm gab!
Er konnte sich nirgend nur verschnaufen,
Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen,
Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen,10
Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen;
Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten:
Damit zermürbten sie ihm den Braten.
Sie gaben ihm so manchen Schlag,
Dass er im eigenen Unrath lag.
Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen,
Schloppe mit den krummen Beinen,
Und Ludolf mit der breiten Nase,
Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase.
Auf seine krummen Finger stolz,20
Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz,
Und sein Schwager Kukelrei;
Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei,
Abel Quak und dazu Frau Jutte,
Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte.
Nicht die allein, nein all’ die Frau’n,
Nach dem Leben stunden sie dem Braun.
Er musste nehmen, was man ihm brachte;
Kuckelrei des Lärms am meisten machte.
Denn er war der edelste von Geburt.10
Frau Willigtraut von der Schweinefurt
War seine Mutter, das war bekannt,
Sein Vater aber blieb ungenannt;
Doch raunten die Bauern unter einander,
Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander,
Ein stolzer Mann für sich allein.
Auch musste Braun von manchem Stein
Den Wurf empfangen auf seinem Leib
Sie warfen nach ihm, Mann und Weib.
Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungen
Und hat einen mächtigen Knüttel geschwungen
Und gab ihm einen Schlag auf’s Haupt,
Dass er aller Sinne lag beraubt.
Dem Schlag entsprang lebendig Braun,
Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n,
Und hatte sich so als Weiberhasser,
Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser,
Das da vorbeifloss, ziemlich tief.
Da begann alsbald der Pfaff’ und rief10
Und war beinah’ schon halb verzagt:
Da treibt Frau Jutte, meine Magd;
Die in dem Pelz und grauen Socken;
Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken.
Nun helft ihr allzumal davon!
Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn,
Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’—
Da liessen sie Braun für todt da liegen,
Und liefen hastig zu den Weibern,
Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern.
Da sie dies betrieben, dieweilKroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’,Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen.Er dachte sich nicht, er könne schwimmen,Er wusste nicht andern Rath zu erdenken,Als sich hier selber zu ertränken,Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen.Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen,Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr.10Ja, als dies die Bauern wurden gewahr,Mit grossem Lärmen und mit GrämenRiefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’Sie sahn’s mit grosser UngeduldUnd sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld;Zur Unzeit sind sie hieher gekommen:Nun ist er seiner Wege geschwommen.’Sie besah’n den Block und wurden gewahr,Dass noch darin sass Haut und Haarvon Ohren und Füssen: das war ihnen lieb.Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb,Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande!Doch war er froh, dass er entgieng.Er fluchte dem Baum, der ihn fieng,Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied;Er fluchte Reineken, der ihn verrieth.Dies war das Gebet, das er da sprach,10Dieweil er in dem Wasser lag.Der Strom lief schnell und sonder Rast;Er trieb herab mit gleicher Hast.Und ward in einer kurzen WeileHerabgeführt wohl eine Meile.Da kroch er aus der Flut an’s Land:Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt.Den Geist schon meint’ er aufzugeben,Er getraute länger nicht zu leben.Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe,Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt,Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt.
Da sie dies betrieben, dieweil
Kroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’,
Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen.
Er dachte sich nicht, er könne schwimmen,
Er wusste nicht andern Rath zu erdenken,
Als sich hier selber zu ertränken,
Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen.
Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen,
Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr.10
Ja, als dies die Bauern wurden gewahr,
Mit grossem Lärmen und mit Grämen
Riefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’
Sie sahn’s mit grosser Ungeduld
Und sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld;
Zur Unzeit sind sie hieher gekommen:
Nun ist er seiner Wege geschwommen.’
Sie besah’n den Block und wurden gewahr,
Dass noch darin sass Haut und Haar
von Ohren und Füssen: das war ihnen lieb.
Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb,
Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’
So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande!
Doch war er froh, dass er entgieng.
Er fluchte dem Baum, der ihn fieng,
Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied;
Er fluchte Reineken, der ihn verrieth.
Dies war das Gebet, das er da sprach,10
Dieweil er in dem Wasser lag.
Der Strom lief schnell und sonder Rast;
Er trieb herab mit gleicher Hast.
Und ward in einer kurzen Weile
Herabgeführt wohl eine Meile.
Da kroch er aus der Flut an’s Land:
Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt.
Den Geist schon meint’ er aufzugeben,
Er getraute länger nicht zu leben.
Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’
Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe,
Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt,
Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt.