SEBASTIAN BRAND.

SEBASTIAN BRAND.[Scherer D.262,E.256.]Geboren zu Strassburg 1457, studierte zu Basel und wurde 1489 Doctor beider Rechte. Später ward er Stadtschreiber zu Strassburg und von Kaiser Maximilian zum Rath und Pfalzgrafen erhoben. Starb 1521. Ein satirischer und didactischer Schriftsteller. Sein berühmtes ‘Narrenschiff’ erschien zuerst Basel 1494 und ward oft nachgedruckt. Es wurde in das niederdeutsche, in lateinische Hexameter und hiernach in das Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Herausgegeben von Zarncke (Leipzig 1854), Gödeke (Leipzig 1872).1.Wer sinen kinden übersichtirn můtwil und sie strofet nicht,dem selbst zů letzst vil leides gschicht.VONLER[445]DERKIND.Der ist in narrheit ganz erblint,der nit mag acht han, das sin kint10mit züchten[446]werden underwiszt,und er sich sunders[447]daruf fliszt,das er sie losz[448]irr gon on strafglich wie on hirten gönt die schaf,und in all můtwil übersicht,und meint, sie dörfen[449]strofens nicht,sie sigen[450]noch nit bi den joren,das sie behalten in den orenwas man in sag, si strof[451]und ler.o groszer dor, merk zů und hör:die jugent ist zů bhalten gring[452],sie mercket wol uf alle ding;was man in nüe häfen[453]schitt,den selben gsmack[454]verlont[455]sie nit.ein junger zwig sich biegen lot[456].wann man ein alten understat[457]10zu biegen, so knellt[458]er entzwei,zimlich[459]strof bringt kein sorglich gschrei;der růt der zucht vertribt on smerzdie narrheit usz des kindes herz;on strafung selten iemens lert[460].alls übel wechszt, das man nit wert:Hely was recht und lebt on sünd,aber das er nit stroft sin kind,des stroft in got, das er mit klagstarb, und sin sün uf einen tag.20das man die kind nit ziehen wil,des findt man Catilinen vil.es stünd ietz umb die kind vil bas,geb man schůlmeister in, als wasPhenix[461]den Peleus sinem sůnAchilli sůcht, und zů wolt důn;Philippus durchsůcht Kriechenlandbisz er sim sůn ein meister fand:dem gröszten kunig in der weltwart Aristoteles zůgsellt;30der selb Platonen hort lang jar,und Plato Socratem darvor.aber die väter unser zit,darumb das sie verblendt der git[462]nemen sie uf sölich meister nůn[463],der in zům[464]narren macht ein sůnund schickt in wider heim zů hushalb narrechter[465], dann er kam drus.des[466]ist zů wundern nit daran,das narren narrecht kinder han.Crates, der alt, sprach, wann es imzůstůnd, wolt er mit heller stimschreien: ir narren unbedacht,10ir hant uf gůtsamlen grosz achtund achten nit uf uer kind,den ir sölich richtum samlen sind[467].aber uch wirt zůletst der lon,wan uer sůn in rot sönt[468]gonund stellen zücht und eren nach,so ist in zů dem wesen gach[469],wie sie von jugent hant gelert;dan wirt des vatters leid gemertund frist sich selbst[470], das er on nutz20erzogen hat ein winterbutz[471].etlich důnt sich in bůben rot[472],die lästern und gesmächen got;die andern henken an sich säck[473];dise verspielen rosz und röck;die vierden prassen tag und nacht.das würt usz solchen kinden gmacht,die man nit in der jugent züchtund mit eim meister wol versicht.dan anfang, mittel, end, der ere30entspringt allein usz gůter lere.ein löblich ding ist edel sin,es ist aber frömbd, und nit din,es kumbt von dinen eltern har[474];ein köstlich ding ist richtum gar,aber das ist des glückes fall,das uf und ab danzt wie ein ball;ein hübsch ding der welt glori ist,unstantbar[475]doch, dem alzit gbrist[476];schonheit des libes man vil acht,wert etwan doch kum ubernacht.glich wie gesuntheit is vast liepund stielt sich ab doch wie ein diep.10grosz sterck acht man für köstlich hab,nimt doch von krankheit, alter ab;darumb ist nützt[477]undötlich[478]merund bliblich[479]bi uns, dan die ler.Gorgias frogt[480], ob selig wervon Persia der mächtig her?sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt,ob er hab ler und tugent üt[481]’,als ob er sprech, das gwalt und golton ler der tugent nützet solt[482].202.Wer nit die rechte kunst[483]studiertderselb im wol die schellen[484]rürtund wurt am narrenseil[485]gefürt.VONUNNUTZEMSTUDIEREN.Der Studenten ich ouch nit fůr[486]sie hant die kappen vor zů stůr[487],wann sie allein die streifen[488]ander zipfel[489]mag wol naher gan[490];dan so sie solten vast studieren,so gont sie lieber bůbelieren[491].die jugent acht all kunst gar klein;sie lerent lieber ietz alleinwas unnütz und nit fruchtbar ist;dasselb den meistern ouch gebrist,das sie der rechten kunst nit achten,unnütz geschwetz allein betrachten,ob es well tag sin[492]oder nacht?ob hab ein mensch ein esel gmacht,10ob Sortes[493]oder Plato louf?solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].sind das nit narren und ganz dum,die tag und nacht gant domit umund krützigen sich und ander lüt?kein bessere kunst achten sie nüt.darum Origenes von inspricht, das es sint die frösch gesinund die hundsmucken[495], die do hantgedurechtet[496]Egyptenlant.20domit so gat die jugent hin,so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,kumen zů letst doch heim mit schanden.Das gelt das ist verzeret do,der truckeri[497]sint wir dan fro,und das man lert ufftragen win,darusz wurt dan ein Henselin[498].so ist das gelt geleit wol an.studentenkapp wil schellen han!30

SEBASTIAN BRAND.

[Scherer D.262,E.256.]

Geboren zu Strassburg 1457, studierte zu Basel und wurde 1489 Doctor beider Rechte. Später ward er Stadtschreiber zu Strassburg und von Kaiser Maximilian zum Rath und Pfalzgrafen erhoben. Starb 1521. Ein satirischer und didactischer Schriftsteller. Sein berühmtes ‘Narrenschiff’ erschien zuerst Basel 1494 und ward oft nachgedruckt. Es wurde in das niederdeutsche, in lateinische Hexameter und hiernach in das Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Herausgegeben von Zarncke (Leipzig 1854), Gödeke (Leipzig 1872).

Geboren zu Strassburg 1457, studierte zu Basel und wurde 1489 Doctor beider Rechte. Später ward er Stadtschreiber zu Strassburg und von Kaiser Maximilian zum Rath und Pfalzgrafen erhoben. Starb 1521. Ein satirischer und didactischer Schriftsteller. Sein berühmtes ‘Narrenschiff’ erschien zuerst Basel 1494 und ward oft nachgedruckt. Es wurde in das niederdeutsche, in lateinische Hexameter und hiernach in das Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Herausgegeben von Zarncke (Leipzig 1854), Gödeke (Leipzig 1872).

Wer sinen kinden übersichtirn můtwil und sie strofet nicht,dem selbst zů letzst vil leides gschicht.

Wer sinen kinden übersichtirn můtwil und sie strofet nicht,dem selbst zů letzst vil leides gschicht.

Wer sinen kinden übersichtirn můtwil und sie strofet nicht,dem selbst zů letzst vil leides gschicht.

Wer sinen kinden übersicht

irn můtwil und sie strofet nicht,

dem selbst zů letzst vil leides gschicht.

VONLER[445]DERKIND.

Der ist in narrheit ganz erblint,der nit mag acht han, das sin kint10mit züchten[446]werden underwiszt,und er sich sunders[447]daruf fliszt,das er sie losz[448]irr gon on strafglich wie on hirten gönt die schaf,und in all můtwil übersicht,und meint, sie dörfen[449]strofens nicht,sie sigen[450]noch nit bi den joren,das sie behalten in den orenwas man in sag, si strof[451]und ler.o groszer dor, merk zů und hör:die jugent ist zů bhalten gring[452],sie mercket wol uf alle ding;was man in nüe häfen[453]schitt,den selben gsmack[454]verlont[455]sie nit.ein junger zwig sich biegen lot[456].wann man ein alten understat[457]10zu biegen, so knellt[458]er entzwei,zimlich[459]strof bringt kein sorglich gschrei;der růt der zucht vertribt on smerzdie narrheit usz des kindes herz;on strafung selten iemens lert[460].alls übel wechszt, das man nit wert:Hely was recht und lebt on sünd,aber das er nit stroft sin kind,des stroft in got, das er mit klagstarb, und sin sün uf einen tag.20das man die kind nit ziehen wil,des findt man Catilinen vil.es stünd ietz umb die kind vil bas,geb man schůlmeister in, als wasPhenix[461]den Peleus sinem sůnAchilli sůcht, und zů wolt důn;Philippus durchsůcht Kriechenlandbisz er sim sůn ein meister fand:dem gröszten kunig in der weltwart Aristoteles zůgsellt;30der selb Platonen hort lang jar,und Plato Socratem darvor.aber die väter unser zit,darumb das sie verblendt der git[462]nemen sie uf sölich meister nůn[463],der in zům[464]narren macht ein sůnund schickt in wider heim zů hushalb narrechter[465], dann er kam drus.des[466]ist zů wundern nit daran,das narren narrecht kinder han.Crates, der alt, sprach, wann es imzůstůnd, wolt er mit heller stimschreien: ir narren unbedacht,10ir hant uf gůtsamlen grosz achtund achten nit uf uer kind,den ir sölich richtum samlen sind[467].aber uch wirt zůletst der lon,wan uer sůn in rot sönt[468]gonund stellen zücht und eren nach,so ist in zů dem wesen gach[469],wie sie von jugent hant gelert;dan wirt des vatters leid gemertund frist sich selbst[470], das er on nutz20erzogen hat ein winterbutz[471].etlich důnt sich in bůben rot[472],die lästern und gesmächen got;die andern henken an sich säck[473];dise verspielen rosz und röck;die vierden prassen tag und nacht.das würt usz solchen kinden gmacht,die man nit in der jugent züchtund mit eim meister wol versicht.dan anfang, mittel, end, der ere30entspringt allein usz gůter lere.ein löblich ding ist edel sin,es ist aber frömbd, und nit din,es kumbt von dinen eltern har[474];ein köstlich ding ist richtum gar,aber das ist des glückes fall,das uf und ab danzt wie ein ball;ein hübsch ding der welt glori ist,unstantbar[475]doch, dem alzit gbrist[476];schonheit des libes man vil acht,wert etwan doch kum ubernacht.glich wie gesuntheit is vast liepund stielt sich ab doch wie ein diep.10grosz sterck acht man für köstlich hab,nimt doch von krankheit, alter ab;darumb ist nützt[477]undötlich[478]merund bliblich[479]bi uns, dan die ler.Gorgias frogt[480], ob selig wervon Persia der mächtig her?sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt,ob er hab ler und tugent üt[481]’,als ob er sprech, das gwalt und golton ler der tugent nützet solt[482].20

Der ist in narrheit ganz erblint,der nit mag acht han, das sin kint10mit züchten[446]werden underwiszt,und er sich sunders[447]daruf fliszt,das er sie losz[448]irr gon on strafglich wie on hirten gönt die schaf,und in all můtwil übersicht,und meint, sie dörfen[449]strofens nicht,sie sigen[450]noch nit bi den joren,das sie behalten in den orenwas man in sag, si strof[451]und ler.o groszer dor, merk zů und hör:die jugent ist zů bhalten gring[452],sie mercket wol uf alle ding;was man in nüe häfen[453]schitt,den selben gsmack[454]verlont[455]sie nit.ein junger zwig sich biegen lot[456].wann man ein alten understat[457]10zu biegen, so knellt[458]er entzwei,zimlich[459]strof bringt kein sorglich gschrei;der růt der zucht vertribt on smerzdie narrheit usz des kindes herz;on strafung selten iemens lert[460].alls übel wechszt, das man nit wert:Hely was recht und lebt on sünd,aber das er nit stroft sin kind,des stroft in got, das er mit klagstarb, und sin sün uf einen tag.20das man die kind nit ziehen wil,des findt man Catilinen vil.es stünd ietz umb die kind vil bas,geb man schůlmeister in, als wasPhenix[461]den Peleus sinem sůnAchilli sůcht, und zů wolt důn;Philippus durchsůcht Kriechenlandbisz er sim sůn ein meister fand:dem gröszten kunig in der weltwart Aristoteles zůgsellt;30der selb Platonen hort lang jar,und Plato Socratem darvor.aber die väter unser zit,darumb das sie verblendt der git[462]nemen sie uf sölich meister nůn[463],der in zům[464]narren macht ein sůnund schickt in wider heim zů hushalb narrechter[465], dann er kam drus.des[466]ist zů wundern nit daran,das narren narrecht kinder han.Crates, der alt, sprach, wann es imzůstůnd, wolt er mit heller stimschreien: ir narren unbedacht,10ir hant uf gůtsamlen grosz achtund achten nit uf uer kind,den ir sölich richtum samlen sind[467].aber uch wirt zůletst der lon,wan uer sůn in rot sönt[468]gonund stellen zücht und eren nach,so ist in zů dem wesen gach[469],wie sie von jugent hant gelert;dan wirt des vatters leid gemertund frist sich selbst[470], das er on nutz20erzogen hat ein winterbutz[471].etlich důnt sich in bůben rot[472],die lästern und gesmächen got;die andern henken an sich säck[473];dise verspielen rosz und röck;die vierden prassen tag und nacht.das würt usz solchen kinden gmacht,die man nit in der jugent züchtund mit eim meister wol versicht.dan anfang, mittel, end, der ere30entspringt allein usz gůter lere.ein löblich ding ist edel sin,es ist aber frömbd, und nit din,es kumbt von dinen eltern har[474];ein köstlich ding ist richtum gar,aber das ist des glückes fall,das uf und ab danzt wie ein ball;ein hübsch ding der welt glori ist,unstantbar[475]doch, dem alzit gbrist[476];schonheit des libes man vil acht,wert etwan doch kum ubernacht.glich wie gesuntheit is vast liepund stielt sich ab doch wie ein diep.10grosz sterck acht man für köstlich hab,nimt doch von krankheit, alter ab;darumb ist nützt[477]undötlich[478]merund bliblich[479]bi uns, dan die ler.Gorgias frogt[480], ob selig wervon Persia der mächtig her?sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt,ob er hab ler und tugent üt[481]’,als ob er sprech, das gwalt und golton ler der tugent nützet solt[482].20

Der ist in narrheit ganz erblint,der nit mag acht han, das sin kint10mit züchten[446]werden underwiszt,und er sich sunders[447]daruf fliszt,das er sie losz[448]irr gon on strafglich wie on hirten gönt die schaf,und in all můtwil übersicht,und meint, sie dörfen[449]strofens nicht,sie sigen[450]noch nit bi den joren,das sie behalten in den orenwas man in sag, si strof[451]und ler.o groszer dor, merk zů und hör:die jugent ist zů bhalten gring[452],sie mercket wol uf alle ding;was man in nüe häfen[453]schitt,den selben gsmack[454]verlont[455]sie nit.ein junger zwig sich biegen lot[456].wann man ein alten understat[457]10zu biegen, so knellt[458]er entzwei,zimlich[459]strof bringt kein sorglich gschrei;der růt der zucht vertribt on smerzdie narrheit usz des kindes herz;on strafung selten iemens lert[460].alls übel wechszt, das man nit wert:Hely was recht und lebt on sünd,aber das er nit stroft sin kind,des stroft in got, das er mit klagstarb, und sin sün uf einen tag.20das man die kind nit ziehen wil,des findt man Catilinen vil.es stünd ietz umb die kind vil bas,geb man schůlmeister in, als wasPhenix[461]den Peleus sinem sůnAchilli sůcht, und zů wolt důn;Philippus durchsůcht Kriechenlandbisz er sim sůn ein meister fand:dem gröszten kunig in der weltwart Aristoteles zůgsellt;30der selb Platonen hort lang jar,und Plato Socratem darvor.aber die väter unser zit,darumb das sie verblendt der git[462]nemen sie uf sölich meister nůn[463],der in zům[464]narren macht ein sůnund schickt in wider heim zů hushalb narrechter[465], dann er kam drus.des[466]ist zů wundern nit daran,das narren narrecht kinder han.Crates, der alt, sprach, wann es imzůstůnd, wolt er mit heller stimschreien: ir narren unbedacht,10ir hant uf gůtsamlen grosz achtund achten nit uf uer kind,den ir sölich richtum samlen sind[467].aber uch wirt zůletst der lon,wan uer sůn in rot sönt[468]gonund stellen zücht und eren nach,so ist in zů dem wesen gach[469],wie sie von jugent hant gelert;dan wirt des vatters leid gemertund frist sich selbst[470], das er on nutz20erzogen hat ein winterbutz[471].etlich důnt sich in bůben rot[472],die lästern und gesmächen got;die andern henken an sich säck[473];dise verspielen rosz und röck;die vierden prassen tag und nacht.das würt usz solchen kinden gmacht,die man nit in der jugent züchtund mit eim meister wol versicht.dan anfang, mittel, end, der ere30entspringt allein usz gůter lere.ein löblich ding ist edel sin,es ist aber frömbd, und nit din,es kumbt von dinen eltern har[474];ein köstlich ding ist richtum gar,aber das ist des glückes fall,das uf und ab danzt wie ein ball;ein hübsch ding der welt glori ist,unstantbar[475]doch, dem alzit gbrist[476];schonheit des libes man vil acht,wert etwan doch kum ubernacht.glich wie gesuntheit is vast liepund stielt sich ab doch wie ein diep.10grosz sterck acht man für köstlich hab,nimt doch von krankheit, alter ab;darumb ist nützt[477]undötlich[478]merund bliblich[479]bi uns, dan die ler.Gorgias frogt[480], ob selig wervon Persia der mächtig her?sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt,ob er hab ler und tugent üt[481]’,als ob er sprech, das gwalt und golton ler der tugent nützet solt[482].20

Der ist in narrheit ganz erblint,

der nit mag acht han, das sin kint10

mit züchten[446]werden underwiszt,

und er sich sunders[447]daruf fliszt,

das er sie losz[448]irr gon on straf

glich wie on hirten gönt die schaf,

und in all můtwil übersicht,

und meint, sie dörfen[449]strofens nicht,

sie sigen[450]noch nit bi den joren,

das sie behalten in den oren

was man in sag, si strof[451]und ler.

o groszer dor, merk zů und hör:

die jugent ist zů bhalten gring[452],

sie mercket wol uf alle ding;

was man in nüe häfen[453]schitt,

den selben gsmack[454]verlont[455]sie nit.

ein junger zwig sich biegen lot[456].

wann man ein alten understat[457]10

zu biegen, so knellt[458]er entzwei,

zimlich[459]strof bringt kein sorglich gschrei;

der růt der zucht vertribt on smerz

die narrheit usz des kindes herz;

on strafung selten iemens lert[460].

alls übel wechszt, das man nit wert:

Hely was recht und lebt on sünd,

aber das er nit stroft sin kind,

des stroft in got, das er mit klag

starb, und sin sün uf einen tag.20

das man die kind nit ziehen wil,

des findt man Catilinen vil.

es stünd ietz umb die kind vil bas,

geb man schůlmeister in, als was

Phenix[461]den Peleus sinem sůn

Achilli sůcht, und zů wolt důn;

Philippus durchsůcht Kriechenland

bisz er sim sůn ein meister fand:

dem gröszten kunig in der welt

wart Aristoteles zůgsellt;30

der selb Platonen hort lang jar,

und Plato Socratem darvor.

aber die väter unser zit,

darumb das sie verblendt der git[462]

nemen sie uf sölich meister nůn[463],

der in zům[464]narren macht ein sůn

und schickt in wider heim zů hus

halb narrechter[465], dann er kam drus.

des[466]ist zů wundern nit daran,

das narren narrecht kinder han.

Crates, der alt, sprach, wann es im

zůstůnd, wolt er mit heller stim

schreien: ir narren unbedacht,10

ir hant uf gůtsamlen grosz acht

und achten nit uf uer kind,

den ir sölich richtum samlen sind[467].

aber uch wirt zůletst der lon,

wan uer sůn in rot sönt[468]gon

und stellen zücht und eren nach,

so ist in zů dem wesen gach[469],

wie sie von jugent hant gelert;

dan wirt des vatters leid gemert

und frist sich selbst[470], das er on nutz20

erzogen hat ein winterbutz[471].

etlich důnt sich in bůben rot[472],

die lästern und gesmächen got;

die andern henken an sich säck[473];

dise verspielen rosz und röck;

die vierden prassen tag und nacht.

das würt usz solchen kinden gmacht,

die man nit in der jugent zücht

und mit eim meister wol versicht.

dan anfang, mittel, end, der ere30

entspringt allein usz gůter lere.

ein löblich ding ist edel sin,

es ist aber frömbd, und nit din,

es kumbt von dinen eltern har[474];

ein köstlich ding ist richtum gar,

aber das ist des glückes fall,

das uf und ab danzt wie ein ball;

ein hübsch ding der welt glori ist,

unstantbar[475]doch, dem alzit gbrist[476];

schonheit des libes man vil acht,

wert etwan doch kum ubernacht.

glich wie gesuntheit is vast liep

und stielt sich ab doch wie ein diep.10

grosz sterck acht man für köstlich hab,

nimt doch von krankheit, alter ab;

darumb ist nützt[477]undötlich[478]mer

und bliblich[479]bi uns, dan die ler.

Gorgias frogt[480], ob selig wer

von Persia der mächtig her?

sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt,

ob er hab ler und tugent üt[481]’,

als ob er sprech, das gwalt und golt

on ler der tugent nützet solt[482].20

Wer nit die rechte kunst[483]studiertderselb im wol die schellen[484]rürtund wurt am narrenseil[485]gefürt.

Wer nit die rechte kunst[483]studiertderselb im wol die schellen[484]rürtund wurt am narrenseil[485]gefürt.

Wer nit die rechte kunst[483]studiertderselb im wol die schellen[484]rürtund wurt am narrenseil[485]gefürt.

Wer nit die rechte kunst[483]studiert

derselb im wol die schellen[484]rürt

und wurt am narrenseil[485]gefürt.

VONUNNUTZEMSTUDIEREN.

Der Studenten ich ouch nit fůr[486]sie hant die kappen vor zů stůr[487],wann sie allein die streifen[488]ander zipfel[489]mag wol naher gan[490];dan so sie solten vast studieren,so gont sie lieber bůbelieren[491].die jugent acht all kunst gar klein;sie lerent lieber ietz alleinwas unnütz und nit fruchtbar ist;dasselb den meistern ouch gebrist,das sie der rechten kunst nit achten,unnütz geschwetz allein betrachten,ob es well tag sin[492]oder nacht?ob hab ein mensch ein esel gmacht,10ob Sortes[493]oder Plato louf?solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].sind das nit narren und ganz dum,die tag und nacht gant domit umund krützigen sich und ander lüt?kein bessere kunst achten sie nüt.darum Origenes von inspricht, das es sint die frösch gesinund die hundsmucken[495], die do hantgedurechtet[496]Egyptenlant.20domit so gat die jugent hin,so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,kumen zů letst doch heim mit schanden.Das gelt das ist verzeret do,der truckeri[497]sint wir dan fro,und das man lert ufftragen win,darusz wurt dan ein Henselin[498].so ist das gelt geleit wol an.studentenkapp wil schellen han!30

Der Studenten ich ouch nit fůr[486]sie hant die kappen vor zů stůr[487],wann sie allein die streifen[488]ander zipfel[489]mag wol naher gan[490];dan so sie solten vast studieren,so gont sie lieber bůbelieren[491].die jugent acht all kunst gar klein;sie lerent lieber ietz alleinwas unnütz und nit fruchtbar ist;dasselb den meistern ouch gebrist,das sie der rechten kunst nit achten,unnütz geschwetz allein betrachten,ob es well tag sin[492]oder nacht?ob hab ein mensch ein esel gmacht,10ob Sortes[493]oder Plato louf?solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].sind das nit narren und ganz dum,die tag und nacht gant domit umund krützigen sich und ander lüt?kein bessere kunst achten sie nüt.darum Origenes von inspricht, das es sint die frösch gesinund die hundsmucken[495], die do hantgedurechtet[496]Egyptenlant.20domit so gat die jugent hin,so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,kumen zů letst doch heim mit schanden.Das gelt das ist verzeret do,der truckeri[497]sint wir dan fro,und das man lert ufftragen win,darusz wurt dan ein Henselin[498].so ist das gelt geleit wol an.studentenkapp wil schellen han!30

Der Studenten ich ouch nit fůr[486]sie hant die kappen vor zů stůr[487],wann sie allein die streifen[488]ander zipfel[489]mag wol naher gan[490];dan so sie solten vast studieren,so gont sie lieber bůbelieren[491].die jugent acht all kunst gar klein;sie lerent lieber ietz alleinwas unnütz und nit fruchtbar ist;dasselb den meistern ouch gebrist,das sie der rechten kunst nit achten,unnütz geschwetz allein betrachten,ob es well tag sin[492]oder nacht?ob hab ein mensch ein esel gmacht,10ob Sortes[493]oder Plato louf?solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].sind das nit narren und ganz dum,die tag und nacht gant domit umund krützigen sich und ander lüt?kein bessere kunst achten sie nüt.darum Origenes von inspricht, das es sint die frösch gesinund die hundsmucken[495], die do hantgedurechtet[496]Egyptenlant.20domit so gat die jugent hin,so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,kumen zů letst doch heim mit schanden.Das gelt das ist verzeret do,der truckeri[497]sint wir dan fro,und das man lert ufftragen win,darusz wurt dan ein Henselin[498].so ist das gelt geleit wol an.studentenkapp wil schellen han!30

Der Studenten ich ouch nit fůr[486]

sie hant die kappen vor zů stůr[487],

wann sie allein die streifen[488]an

der zipfel[489]mag wol naher gan[490];

dan so sie solten vast studieren,

so gont sie lieber bůbelieren[491].

die jugent acht all kunst gar klein;

sie lerent lieber ietz allein

was unnütz und nit fruchtbar ist;

dasselb den meistern ouch gebrist,

das sie der rechten kunst nit achten,

unnütz geschwetz allein betrachten,

ob es well tag sin[492]oder nacht?

ob hab ein mensch ein esel gmacht,10

ob Sortes[493]oder Plato louf?

solch ler ist ietz der schůlen kouf[494].

sind das nit narren und ganz dum,

die tag und nacht gant domit um

und krützigen sich und ander lüt?

kein bessere kunst achten sie nüt.

darum Origenes von in

spricht, das es sint die frösch gesin

und die hundsmucken[495], die do hant

gedurechtet[496]Egyptenlant.20

domit so gat die jugent hin,

so sind wir zů Lips, Erfort, Wien,

zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden,

kumen zů letst doch heim mit schanden.

Das gelt das ist verzeret do,

der truckeri[497]sint wir dan fro,

und das man lert ufftragen win,

darusz wurt dan ein Henselin[498].

so ist das gelt geleit wol an.

studentenkapp wil schellen han!30


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