SEBASTIAN FRANCK.

SEBASTIAN FRANCK.

[Scherer D.286, 295,E.282, 292.]

Geboren zu Donauwörth, gestorben gegen 1543 in Basel. Er führte ein unstätes Leben, ward als Mystiker und Schwärmer verfolgt, und scheint sich nothdürftig durch Schriftstellerei erhalten zu haben. Seine geschichtlichen Arbeiten, namentlich die ‘Chronik der Deutschen’, waren volksthümlich. Als Verfasser von mystischen Büchern ward er des Unglaubens verdächtig, und Luther nennt ihn: ein Lästermaul, des Teufels liebstes Maul, einen Enthusiasten und Geisterer, dem nichts gefällt als Geist, Geist, Geist. Seine Sprichwörtersammlung (vom Jahre 1532) wurde herausgegeben von Latendorf (Poesneck, 1876).

Geboren zu Donauwörth, gestorben gegen 1543 in Basel. Er führte ein unstätes Leben, ward als Mystiker und Schwärmer verfolgt, und scheint sich nothdürftig durch Schriftstellerei erhalten zu haben. Seine geschichtlichen Arbeiten, namentlich die ‘Chronik der Deutschen’, waren volksthümlich. Als Verfasser von mystischen Büchern ward er des Unglaubens verdächtig, und Luther nennt ihn: ein Lästermaul, des Teufels liebstes Maul, einen Enthusiasten und Geisterer, dem nichts gefällt als Geist, Geist, Geist. Seine Sprichwörtersammlung (vom Jahre 1532) wurde herausgegeben von Latendorf (Poesneck, 1876).

Es ist immerzu das frembd besser dann das heymisch. Was vor der thür, has hat mann niendert für[852]. Also ist es den Teutschen auch, daher haben sie so gar nicht von jn selbs, dass kaum ein volck ist, dass weniger von jm selbs weyss vnd hat. Zu dem hat das vnglück auch darzu geschlagen, dass sie mer krieger bissher dann glert Leut haben gezogen vnd gehabt: das macht, dass sie also versaumpt vnd dahinden bliben seind, dass sie so gar nicht von jn selbs wissen odder haben. Nit dass sie, so vnendlich[853]leut,{10}nichts Chronick wirdigs haben gestifft, geredt vnd thon; ja mer dann viel andere völcker, also dass sie in dem fall weder den Griechen noch Latinern weichen, sonder dass sie niemant haben gehabt, der jr weise kleinmüetige[854]red vnd that auffschrieb, vnd jrer eygen histori, so sie täglich gewont vor augen gesehen, vnd nichts seltzams oder wunders bey jnen gewesen ist, nit haben acht genommen, vnd nur fürwitzig auff andere völcker vnd lender gesehen, vnd jn lassen treumen[855], weil nuon von anderen orten inn Latein, Griechischer vnnd Judischer zung vil bücher seyen, so seyen allein dieselben land voller wunders, weissheit, reichthumb,{20}kunst, vnd jn ja lassen träumen, sie seien Barbari, darumb dass sie die Römer etwa Barbaros haben genent; dann Teutsche seind von art ein volck, dass nicht von seim ding helt, nur frembd ding guotding, vnd allein in vnd mit kriegen niemant weicht, den sieg aber der weissheit lasst es leicht andern nationen, ja scheubts vonn sich vnd gibts den Latinern, Griechen vnd anderen völckern. Mann sihet, dass ein Gallus, Italus, Jud etc. nicht dann sein spraach, volck, histori, kunst, weissheit, sterck etc. rhümpt. Dauon schreiben sie grosse büecher; allein die kriegerischen Teutschen bleiben krieger vnd fromm landsknecht,denrhuom lassen sie jn nit gern zucken[856]; künst, spraach, weissheit, weise red vnnd that lassen sie gern demüetig anderen, ja gebens selbs anderen, vnd rhüemen{10}odder verwunderen[857]auss einer sonder schier torechten demuot anderer rath, that, bücher, leer, red, vnd gefelt einem Teutschen in summa nicht, was seyn eygen ist, sonder nur auss fürwitze frembder siten, gang, kleyder, spraach, geberde, so gar, dass etlich mit kunst auss gelbem weissen hare, darumb dass es Teutsch ist, schwarz, Frantzösisch, Spaniolisch odder Welsch hare lassen machen[858], mit seltzamen beschoren köpffen, verkerter spraach, welche, so sie es gleich reden, vngern vnd verkert, als kunden sie es nimmer reden[859], vnd in summa wie die affen alle aller land verderbt sitten vnd kleyder anmassen[860], vnd in Teutschland bringen,{20}also dass Germania jetz voller Teutscher Frantzosen, Teutscher Walhen[861]vnd Spanier ist. Es ist kein volck, es bleibt bei seiner spraach vnnd kleydung, dunckt sich der gemeyd[862]sein, vnd rhümpt sich deren, wil auch, dass mans darbey erkenn. Allein die Teutschen verleugnen jre spraach vnd kleydung vnd geen in frembder seltzamer mummerey herein, als haben sie einn böss stuck thon[863], dass mann sie an nicht kan kennen, dann an sauffen vnd kriegen....

Auss disser vnachtsamkeit ist kommen, dass wir nicht vonn vns selbs haben noch wissen vnd bass[864]von Türcken vnd Dattern[865]{10}wissen zu sagen dann von vns selbs vnd vnseren ältern, dass vns die Römer nit gar vergebens Barbaros haben genent vnd in dem fall nit vnrecht thon. Es ist kaum ein vernüfftig höflich wort, spruch, red vnd that eim Griechen auss dem mund vnd hand gefallen,es ist in die feder kommen vnd als heiltumb[866]vffgehebt worden. Aber von Teutschen wissen die Teutschen nicht, sogar, wann nit die Latini für vns sorgfeltig etwas hetten auffgezeichnet (doch immer zu, dz jn der glimpffe[867], sieg vnd rhuom bleib), so wissten vnd hetten wir gar nicht. Das haben zu vnserer Zeit vil hochgelerter bedacht vnd noch seuffzen, klagen[868], als Wilibaldus Birckheymer, Christoferus Scheurlin, Conradus Celtis, Jacobus Wimphelingius, Beatus Rhenanus, Conradus Peuttinger, Nauclerus, Irenicus, vnd vor jn allen der gelert Auentinus, Item Petrus Apianus, Bart. Amantius vnd{10}andere etc. vnd auss mangel der büecher solch müeh vnd schweiss drob verrert[869], dass kaum ein ander arbeyt schwerer sein mag; vnd dissen vmb Germania woluerdienten mennern bin ich auff die achsel gestanden, mich vnderstanden[870], den Teutschen diss, das ist sich selbs, zu Teutsch geben; wiewol ich nuon höre, dass andere auch mit vmbgeen, vnd, ob Gott wil, mit grossen ehren herauss vff den plan werden kommen, wie ich ein jar, zwey[871]vff sie gewart, so wil ich doch im verlorn hauffen als einer auss dem halt[872]mich erster herfür lassen, allein darumb, ob ich die andern möcht vffbringen vnd auss dem leger[873]locken. Vbermögen[874]sie mich{20}übelgewapneten, wie ich zu Gott verhoff, so wil ich gern vnd mit eern wider zu ruck in hag[875]fliehen, vnnd soll disse flucht mein grosse eer, sieg vnd gewin sein, dass ich solch landschirmer vff den plan hab gelockt vnd auss dem leger bracht, vnd sol disser mein erster aussrit sein gleich als wann man ein künstler oder senger zu singen durch bit, wie jr art ist, nit kan bewegen, dass man ein andern grif[876]brauchen muoss, dass man gantz übel vor jn singen muoss oder ein harpffen nemen vnd vor den orn des harpffenschlagers zittel discordantz vnd rossquit druff schlagen[877], dass den in oren wee thuot vnd nit leiden konden, da heben sie an zu singen{30}wie der Schwan, vnd mit genommener harpffen wöllen sie den misshal zu schanden machen. Also geb Gott, dass durch diss mein raspen[878]einn ander auffgeweckt mich nit allein, wo icherlegen bin, ersetze, sonder mich mit meiner kunst zu schanden mache vnd Teutschland ein besser, warer melodey vnd simphonei schlag, vnnd eigentlicher heraus butz[879], dann ich geringer in disser profession vnd Chronick hab geleyst.

Ein grosser Vogel muss ein gross nest haben. Grosse herrn müssen vil verzern. Vil einnemens vil aussgebens. Man trinckt aus kleinen brunnen eben so gnug als auss grossen. Der hirt hat eben so gnug vnnd lebt eben so lang vnd wol als der schultheyss{10}im hauss, der bawr als der fürst. Es ist allein vmb ein wenig mehr bracht[880]zu thun, vnd der vnderscheid allein im schein. Die speise vnd kleyder seind wol vngleich; halt aber das habermuss[881]gegen eim hungerigen magen vnd die capaunen gegen dem saten, vnlustigen magen der reichen, so lebt der baur wie der fürst. Ja, was sag ich, der bauwer lebt wohl vnnd der fürst wie ein arm man vnnd Tantalus in der hell. Der baur schläft müd auf einem strosack, wasen[882], banck, vnd sonst, wo er ligt: der fürst mag in helffenbeynen betten, auff pflaumfeder, mit eitel spinet[883], seidin vnd gold vmbhenckt, vnder vnd vberlegt, nit schlaffen. Hie frage ich doch,{20}welcher wol lig? Der fürst kan den last der kleyder etwa kaum tragen; der baur singt vnd springt frei, hurtig in eim grawen röcklin daher, darff[884]der nit verschonen, vnd zert mit einem creutzer so weit als der reich mit einem ducaten.

... Wo vil vässer[885]seind, da seind vil abesser. Grosser hoff muss vil mägt vnd knecht haben, vnd vil einnemens macht vil aussgebens. Der baur, so sein höflin on mägd vnd knecht mit seiner hand kan bawen, vnd die bewrin, so on mägd jr vihe kan allein melcken: die mögen leicht haben, das jn gnug, vnnd seind in jrem nestlin wol so reich, als der gross Meyer[886]mit fünffzig haupt{30}vihe, fünfftzehen meyd vnd knechten. Vnd ist der vnderscheyd an der narung des meysslins[887]vnd des pfawen nur im schein. Das meysslin hat wenig vnd ein klein nestlin, es darff[888]aber auch wenig.Der pfaw aber muss vil vnd ein gross nest haben. So nun in das gross vnd weit vil gehört vnnd das klein vöglin an kleiner speiss vnd nest vergnügt ist, so seind sie ye gleich reich. Ein eymerig vass vol ist eben so reich vnd vol, als das füderig[889]; was jhens mehr fasst, darff es mehr, vnnd geht mehr in es. Weil aber ein Christ gar ein nidertrechtig[890]vöglin ist, darff er auch gar wenig, vnd steht doch in diesem wenig aller welt reichthumb, also dass in disem wenig alles jr ist, was die welt hat vnd ist. Ich sehe manchen reichen in stetten hin vnd wider, der vnrüwig fast zablet[891]{10}vnd in dem nicht thut, dann dass er seiner mägd vnd knecht knecht ist. Wie vil seliger ist das vöglin, an seinem kleinen Nestlin benügt, dass sich nach der deck streckt! Wer sich also einziehen kann, der wirt nimmer arm vnd ist gar an leichtem[892]reich.

Thl.I (1541), Bl. 123.

Eygner herd ist golds werdt.Es sol niemand jm selbs loben.Freuntschafft thuot mehr not, dann wasser vnd brot.Ein guoter freund ist in der not besser, dann gelt.Guoter freund, guoter fund.20Guot freund verzeihen einander leicht.

Eygner herd ist golds werdt.Es sol niemand jm selbs loben.Freuntschafft thuot mehr not, dann wasser vnd brot.Ein guoter freund ist in der not besser, dann gelt.Guoter freund, guoter fund.20Guot freund verzeihen einander leicht.

Eygner herd ist golds werdt.Es sol niemand jm selbs loben.Freuntschafft thuot mehr not, dann wasser vnd brot.Ein guoter freund ist in der not besser, dann gelt.Guoter freund, guoter fund.20Guot freund verzeihen einander leicht.

Eygner herd ist golds werdt.

Es sol niemand jm selbs loben.

Freuntschafft thuot mehr not, dann wasser vnd brot.

Ein guoter freund ist in der not besser, dann gelt.

Guoter freund, guoter fund.20

Guot freund verzeihen einander leicht.

Bl. 20.

Das angesicht verrath den man.Es ist niemand weniger allein, dann allein.

Das angesicht verrath den man.Es ist niemand weniger allein, dann allein.

Das angesicht verrath den man.Es ist niemand weniger allein, dann allein.

Das angesicht verrath den man.

Es ist niemand weniger allein, dann allein.

Thl.II, Bl. 24.

Zween hart stein muolen nie klein.Zween streitköpff werden nimmer eins.

Zween hart stein muolen nie klein.Zween streitköpff werden nimmer eins.

Zween hart stein muolen nie klein.Zween streitköpff werden nimmer eins.

Zween hart stein muolen nie klein.

Zween streitköpff werden nimmer eins.

Bl. 79.

Mensch helff dir selbs, so hilfft dir Gott.

Mensch helff dir selbs, so hilfft dir Gott.

Mensch helff dir selbs, so hilfft dir Gott.

Mensch helff dir selbs, so hilfft dir Gott.


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