TROST IN VERZWEIFLUNG.

TROST IN VERZWEIFLUNG.

[Scherer D.86,E.78.]

Ein poetisches Fragment von einem unbekannten Dichter. Herausgegeben von Scherer Zeitschrift für deutsches Alterthum, B. 20.

Ein poetisches Fragment von einem unbekannten Dichter. Herausgegeben von Scherer Zeitschrift für deutsches Alterthum, B. 20.

Daz ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân,daz hân ich ân schulde niht getân:grôziu nôt ist mir von im kunt:ez sanchte mich unz in den grunt,ez hât mir sô vil ze leide getândâ von ich immer gnuoch ze sagen hân.wande dô mir got geschuof daz leben,hiet er mir dô ein herze gegeben,daz ein lîp möhte getragen,des wolt ich im immer gnâde sagen:wande es wær tûsent man genuochdes ich eine an mînem herzen truoch.Sâ dô ich êrste wart geborn,dô het mîn herze ûf mich gesworn.nu wesse ich des eides nietund volgete im als ez mir riet.nu leitt ez mich einen tieffen wechund versatzte dô prukke unde stech.10dô ich wider wolde varn,mit strichen und mit hâlscharnhet ez mich umbesetzet,sô ein hasen in einem netze.nu chunde ich niht ûz gewenchen.dô begunde ich denchen‘ez hât mich verrâten.’daz ich im ie gevolgit, daz rou mich ze spâte:wande ez chunde ân schaden niht ergân.ich sach di vîende bî mir stân;20der chom dô ein michel her:dô satzte ich mich ze deheiner wer.si sluogen mir ein verchwunden:deheiner wer ich begunde.dô ich ze verhe was versniten,iesâ chunde ich wol der wunde site,daz ich ir nimmer mohte genesen,ez muos mîn tôt wesen.vil sêre rou mich daz leben.nu chunde ich mir deheinen trôst gegeben:wande an den selben stundendô gedâhte ich nâch der wunden‘waz hilfet aller arztlist,10sît diu wunde sô tief und verborgen ist.si muoz ungeheilt bestânund mac mir wol ze dem tôde gân.’iedoch bat ich allenthalbenswâ man pflach guoter salben,daz man mir ein wênich streich dar an.nu vant ich nie deheinen sô guoten mander mir durch got gein einem hâre wolt geben.dô swant mir nâch mîn leben,wande niemen wart sô guot20der mir trœsten wolt den muot.dô wart ich trûrich und unfrô.iedoch chom ez alsôdaz mir ein rîcher herre enbôt,er wolt mir buozen mîn nôtund âne mâsen machen heil.dô wart ich frœlîch unde geil.Nu wil ich iu sagen an disen stunden,welhez doch sîn di wundenund der vîende hâlscharnden ich ân schaden niht moht enpfarn.10dô ich in mîner chintheitdurch mînes herzen eitdem tiufel und der werlt wart undertân,dô ich mich dô chunde enstân,dô erchande ich schier durch nôtdaz mich daz herze leittet ûf den tôt.nu wolt ich di werlt iesâ hân gelân.nu begunde si mich vaste zuo ir vânmit ir manigen tûsent listen,daz ich ez vur baz friste20unz si mich sô zuo ir het genomendaz ich mit nihte von ir chunde chomen.wande si twanch mir hende und vuozemit ir bittern suozeund mînen lîp alsô gar:dô ich ir rehte genam war,sô gedâhte ich ich muose bî ir bestân,und swie ich si immer wolde gelân.dô nam ich aber in mînen muot,ob dehein heilige wær sô guotder mir durch got ze helfe chæmeund mich genædechlîch von der werlt næme.10swie vil ich dô gebat und gelas,wânde ich des tiufels martirær was,sô half mir ir deheiner niet:an mir verzagte alliu himelischiu diet.nu wart ouch mir sô zorn,ich wânde ich wær zer helle geborn.ich lie dô mîn gebet stân,ze beiden handen liez ich ez gân.dô ich michs aller minste versach,nu hœret welch ein gluke mir dô geschach!20

Daz ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân,daz hân ich ân schulde niht getân:grôziu nôt ist mir von im kunt:ez sanchte mich unz in den grunt,ez hât mir sô vil ze leide getândâ von ich immer gnuoch ze sagen hân.wande dô mir got geschuof daz leben,hiet er mir dô ein herze gegeben,daz ein lîp möhte getragen,des wolt ich im immer gnâde sagen:wande es wær tûsent man genuochdes ich eine an mînem herzen truoch.Sâ dô ich êrste wart geborn,dô het mîn herze ûf mich gesworn.nu wesse ich des eides nietund volgete im als ez mir riet.nu leitt ez mich einen tieffen wechund versatzte dô prukke unde stech.10dô ich wider wolde varn,mit strichen und mit hâlscharnhet ez mich umbesetzet,sô ein hasen in einem netze.nu chunde ich niht ûz gewenchen.dô begunde ich denchen‘ez hât mich verrâten.’daz ich im ie gevolgit, daz rou mich ze spâte:wande ez chunde ân schaden niht ergân.ich sach di vîende bî mir stân;20der chom dô ein michel her:dô satzte ich mich ze deheiner wer.si sluogen mir ein verchwunden:deheiner wer ich begunde.dô ich ze verhe was versniten,iesâ chunde ich wol der wunde site,daz ich ir nimmer mohte genesen,ez muos mîn tôt wesen.vil sêre rou mich daz leben.nu chunde ich mir deheinen trôst gegeben:wande an den selben stundendô gedâhte ich nâch der wunden‘waz hilfet aller arztlist,10sît diu wunde sô tief und verborgen ist.si muoz ungeheilt bestânund mac mir wol ze dem tôde gân.’iedoch bat ich allenthalbenswâ man pflach guoter salben,daz man mir ein wênich streich dar an.nu vant ich nie deheinen sô guoten mander mir durch got gein einem hâre wolt geben.dô swant mir nâch mîn leben,wande niemen wart sô guot20der mir trœsten wolt den muot.dô wart ich trûrich und unfrô.iedoch chom ez alsôdaz mir ein rîcher herre enbôt,er wolt mir buozen mîn nôtund âne mâsen machen heil.dô wart ich frœlîch unde geil.Nu wil ich iu sagen an disen stunden,welhez doch sîn di wundenund der vîende hâlscharnden ich ân schaden niht moht enpfarn.10dô ich in mîner chintheitdurch mînes herzen eitdem tiufel und der werlt wart undertân,dô ich mich dô chunde enstân,dô erchande ich schier durch nôtdaz mich daz herze leittet ûf den tôt.nu wolt ich di werlt iesâ hân gelân.nu begunde si mich vaste zuo ir vânmit ir manigen tûsent listen,daz ich ez vur baz friste20unz si mich sô zuo ir het genomendaz ich mit nihte von ir chunde chomen.wande si twanch mir hende und vuozemit ir bittern suozeund mînen lîp alsô gar:dô ich ir rehte genam war,sô gedâhte ich ich muose bî ir bestân,und swie ich si immer wolde gelân.dô nam ich aber in mînen muot,ob dehein heilige wær sô guotder mir durch got ze helfe chæmeund mich genædechlîch von der werlt næme.10swie vil ich dô gebat und gelas,wânde ich des tiufels martirær was,sô half mir ir deheiner niet:an mir verzagte alliu himelischiu diet.nu wart ouch mir sô zorn,ich wânde ich wær zer helle geborn.ich lie dô mîn gebet stân,ze beiden handen liez ich ez gân.dô ich michs aller minste versach,nu hœret welch ein gluke mir dô geschach!20

Daz ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân,daz hân ich ân schulde niht getân:grôziu nôt ist mir von im kunt:ez sanchte mich unz in den grunt,ez hât mir sô vil ze leide getândâ von ich immer gnuoch ze sagen hân.wande dô mir got geschuof daz leben,hiet er mir dô ein herze gegeben,daz ein lîp möhte getragen,des wolt ich im immer gnâde sagen:wande es wær tûsent man genuochdes ich eine an mînem herzen truoch.Sâ dô ich êrste wart geborn,dô het mîn herze ûf mich gesworn.nu wesse ich des eides nietund volgete im als ez mir riet.nu leitt ez mich einen tieffen wechund versatzte dô prukke unde stech.10dô ich wider wolde varn,mit strichen und mit hâlscharnhet ez mich umbesetzet,sô ein hasen in einem netze.nu chunde ich niht ûz gewenchen.dô begunde ich denchen‘ez hât mich verrâten.’daz ich im ie gevolgit, daz rou mich ze spâte:wande ez chunde ân schaden niht ergân.ich sach di vîende bî mir stân;20der chom dô ein michel her:dô satzte ich mich ze deheiner wer.si sluogen mir ein verchwunden:deheiner wer ich begunde.dô ich ze verhe was versniten,iesâ chunde ich wol der wunde site,daz ich ir nimmer mohte genesen,ez muos mîn tôt wesen.vil sêre rou mich daz leben.nu chunde ich mir deheinen trôst gegeben:wande an den selben stundendô gedâhte ich nâch der wunden‘waz hilfet aller arztlist,10sît diu wunde sô tief und verborgen ist.si muoz ungeheilt bestânund mac mir wol ze dem tôde gân.’iedoch bat ich allenthalbenswâ man pflach guoter salben,daz man mir ein wênich streich dar an.nu vant ich nie deheinen sô guoten mander mir durch got gein einem hâre wolt geben.dô swant mir nâch mîn leben,wande niemen wart sô guot20der mir trœsten wolt den muot.dô wart ich trûrich und unfrô.iedoch chom ez alsôdaz mir ein rîcher herre enbôt,er wolt mir buozen mîn nôtund âne mâsen machen heil.dô wart ich frœlîch unde geil.Nu wil ich iu sagen an disen stunden,welhez doch sîn di wundenund der vîende hâlscharnden ich ân schaden niht moht enpfarn.10dô ich in mîner chintheitdurch mînes herzen eitdem tiufel und der werlt wart undertân,dô ich mich dô chunde enstân,dô erchande ich schier durch nôtdaz mich daz herze leittet ûf den tôt.nu wolt ich di werlt iesâ hân gelân.nu begunde si mich vaste zuo ir vânmit ir manigen tûsent listen,daz ich ez vur baz friste20unz si mich sô zuo ir het genomendaz ich mit nihte von ir chunde chomen.wande si twanch mir hende und vuozemit ir bittern suozeund mînen lîp alsô gar:dô ich ir rehte genam war,sô gedâhte ich ich muose bî ir bestân,und swie ich si immer wolde gelân.dô nam ich aber in mînen muot,ob dehein heilige wær sô guotder mir durch got ze helfe chæmeund mich genædechlîch von der werlt næme.10swie vil ich dô gebat und gelas,wânde ich des tiufels martirær was,sô half mir ir deheiner niet:an mir verzagte alliu himelischiu diet.nu wart ouch mir sô zorn,ich wânde ich wær zer helle geborn.ich lie dô mîn gebet stân,ze beiden handen liez ich ez gân.dô ich michs aller minste versach,nu hœret welch ein gluke mir dô geschach!20

Daz ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân,

daz hân ich ân schulde niht getân:

grôziu nôt ist mir von im kunt:

ez sanchte mich unz in den grunt,

ez hât mir sô vil ze leide getân

dâ von ich immer gnuoch ze sagen hân.

wande dô mir got geschuof daz leben,

hiet er mir dô ein herze gegeben,

daz ein lîp möhte getragen,

des wolt ich im immer gnâde sagen:

wande es wær tûsent man genuoch

des ich eine an mînem herzen truoch.

Sâ dô ich êrste wart geborn,

dô het mîn herze ûf mich gesworn.

nu wesse ich des eides niet

und volgete im als ez mir riet.

nu leitt ez mich einen tieffen wech

und versatzte dô prukke unde stech.10

dô ich wider wolde varn,

mit strichen und mit hâlscharn

het ez mich umbesetzet,

sô ein hasen in einem netze.

nu chunde ich niht ûz gewenchen.

dô begunde ich denchen

‘ez hât mich verrâten.’

daz ich im ie gevolgit, daz rou mich ze spâte:

wande ez chunde ân schaden niht ergân.

ich sach di vîende bî mir stân;20

der chom dô ein michel her:

dô satzte ich mich ze deheiner wer.

si sluogen mir ein verchwunden:

deheiner wer ich begunde.

dô ich ze verhe was versniten,

iesâ chunde ich wol der wunde site,

daz ich ir nimmer mohte genesen,

ez muos mîn tôt wesen.

vil sêre rou mich daz leben.

nu chunde ich mir deheinen trôst gegeben:

wande an den selben stunden

dô gedâhte ich nâch der wunden

‘waz hilfet aller arztlist,10

sît diu wunde sô tief und verborgen ist.

si muoz ungeheilt bestân

und mac mir wol ze dem tôde gân.’

iedoch bat ich allenthalben

swâ man pflach guoter salben,

daz man mir ein wênich streich dar an.

nu vant ich nie deheinen sô guoten man

der mir durch got gein einem hâre wolt geben.

dô swant mir nâch mîn leben,

wande niemen wart sô guot20

der mir trœsten wolt den muot.

dô wart ich trûrich und unfrô.

iedoch chom ez alsô

daz mir ein rîcher herre enbôt,

er wolt mir buozen mîn nôt

und âne mâsen machen heil.

dô wart ich frœlîch unde geil.

Nu wil ich iu sagen an disen stunden,

welhez doch sîn di wunden

und der vîende hâlscharn

den ich ân schaden niht moht enpfarn.10

dô ich in mîner chintheit

durch mînes herzen eit

dem tiufel und der werlt wart undertân,

dô ich mich dô chunde enstân,

dô erchande ich schier durch nôt

daz mich daz herze leittet ûf den tôt.

nu wolt ich di werlt iesâ hân gelân.

nu begunde si mich vaste zuo ir vân

mit ir manigen tûsent listen,

daz ich ez vur baz friste20

unz si mich sô zuo ir het genomen

daz ich mit nihte von ir chunde chomen.

wande si twanch mir hende und vuoze

mit ir bittern suoze

und mînen lîp alsô gar:

dô ich ir rehte genam war,

sô gedâhte ich ich muose bî ir bestân,

und swie ich si immer wolde gelân.

dô nam ich aber in mînen muot,

ob dehein heilige wær sô guot

der mir durch got ze helfe chæme

und mich genædechlîch von der werlt næme.10

swie vil ich dô gebat und gelas,

wânde ich des tiufels martirær was,

sô half mir ir deheiner niet:

an mir verzagte alliu himelischiu diet.

nu wart ouch mir sô zorn,

ich wânde ich wær zer helle geborn.

ich lie dô mîn gebet stân,

ze beiden handen liez ich ez gân.

dô ich michs aller minste versach,

nu hœret welch ein gluke mir dô geschach!20


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