WOLFRAM VON ESCHENBACH.

WOLFRAM VON ESCHENBACH.[Scherer D.170,E.161.]Ein bairischer Ritter, lebte viel am Hofe Hermanns von Thüringen zu Eisenach, wurde in der Liebfrauenkirche zu Eschenbach begraben. Er konnte nicht lesen und schreiben, verstand aber, wenn auch nur unvollkommen, französisch. Er dichtete ausser lyrischen Gedichten den ‘Parzival’ 1205–1215; den ‘Titurel’ (Bruchstück; von einem gewissen Albrecht zwischen 1260 und 1270 umgearbeitet und vervollständigt) und ‘Wilhelm von Oranse’ (unvollendet), vor 1216 begonnen, ergänzt und fortgesetzt von Ulrich von Türheim und Ulrich von dem Türlein. Seine Werke herausgegeben von Lachmann (Berlin 1833, vierte Ausg. 1880); ‘Parzival und Titurel’ von Bartsch (3 Bde. Leipzig, 1870–71, 1875–77). Übersetzungen von Simrock (Stuttgart 1842, fünfte Aufl. 1876), San-Marte (Marburg 1836, 1858).1.PARZIVAL.Ez machet trûric mir den lîp,daz alsô mangiu heizet wîp.ir stimme sint gelîche hel:genuoge sint gein valsche snel,etslîche valsches lære:sus teilent sich diu mære.daz die gelîche sint genamt,des hât mîn herze sich geschamt.wîpheit, dîn ordenlîcher site,dem vert und fuor ie triwe mite.10Genuoge sprechent, armuot,daz diu sî ze nihte got.swer die durch triwe lîdet,hellefiwer die sêle mîdet.die dolte ein wîp durch triuwe:des wart ir gâbe niuweze himel mit endelôser gebe.ich wæne ir nu vil wênic lebe,die junc der erden rîhtuomliezen durch des himeles ruom.ich erkenne ir nehein.man und wîp mir sint al ein:10die mitenz al gelîche.frou Herzeloyd diu rîcheir drîer lande wart ein gast:si truoc der freuden mangels last.der valsch sô gar an ir verswant,ouge noch ôre in nie dâ vant.ein nebel was ir diu sunne:si vlôch der werlde wunne.ir was gelîch naht unt der tac:ir herze niht wan jâmers phlac.20Sich zôch diu frouwe jâmers baltûz ir lande in einen walt,zer waste in Soltâne;niht durch bluomen ûf die plâne.ir herzen jâmer was sô ganz,sine kêrte sich an keinen kranz,er wære rôt oder val.si brâhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.liute, die bî ir dâ sint,müezen bûwn und riuten.si kunde wol getriutenir sun. ê daz sich der versan,10ir volc si gar für sich gewan:ez wære man oder wîp,den gebôt si allen an den lîp,daz se immer ritters wurden lût.‘wan friesche daz mîns herzen trût,welch ritters leben wære,daz wurde mir vil swære.nu habt iuch an der witze kraft,und helt in alle rîterschaft.’Der site fuor angestlîche vart.20der knappe alsus verborgen wartzer waste in Soltâne erzogn,an küneclîcher fuore betrogn;ez enmöht an eime site sîn:bogen unde bölzelîndie sneit er mit sîn selbes hant,und schôz vil vogele die er vant.Swenne abr er den vogel erschôz,des schal von sange ê was sô grôz,sô weinder unde roufte sich,an sîn hâr kêrt er gerich.sîn lîp was clâr unde fier:ûf dem plân am riviertwuog er sich alle morgen.10erne kunde niht gesorgen,ez enwære ob im der vogelsanc,die süeze in sîn herze dranc:daz erstracte im sîniu brüstelîn.al weinde er lief zer künegîn.sô sprach si ‘wer hât dir getân?du wære hin ûz ûf den plân.’ern kunde es ir gesagen niht,als kinden lîhte noch geschiht.Dem mære gienc si lange nâch.20eins tages si in kapfen sachûf die boume nâch der vogele schal.si wart wol innen daz zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sîn gelust.frou Herzeloyde kêrt ir hazan die vogele, sine wesse um waz:si wolt ir schal verkrenken.ir bûliute unde ir enkendie hiez si vaste gâhen,vogele würgn und vâhen.10die vogele wâren baz geriten:etslîches sterben wart vermiten:der bleip dâ lebendic ein teil,die sît mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegin‘waz wîzet man den vogelîn?’er gert in frides sâ zestunt.sîn muoter kust in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,der doch ist der hœhste got?20suln vogele durch mich freude lân?’der knappe sprach zer muoter sân‘ôwê muoter, waz ist got?’‘sun, ich sage dirz âne spot.er ist noch liehter denne der tac,der antlitzes sich bewacnâch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flêhe in umbe dîne nôt:sîn triwe der werlde ie helfe bôt.10sô heizet einr der helle wirt:der ist swarz, untriwe in niht verbirt.von dem kêr dîne gedanke,und och von zwîvels wanke.’Sîn muoter underschiet im gardaz vinster unt daz lieht gevar.dar nâch sîn snelheit verre spranc.er lernte den gabilôtes swanc,dâ mit er mangen hirz erschôz,des sin muoter und ir volc genôz.20ez wære æber oder snê,dem wilde tet sîn schiezen wê.nu hœret fremdiu mære.swennerrschôz daz swære,des wære ein mûl geladen genuoc,als unzerworht hin heim erz truoc.Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme en zwîc.dâ nâhen bî im gienc ein stîc:dâ hôrter schal von huofslegen.sîn gabylôt begunder wegen:dô sprach er ‘waz hân ich vernomn?10wan wolt et nu der tiuvel komnmit grimme zorneclîche!den bestüende ich sicherlîche.mîn muoter freisen von im sagt:ich wæne ir ellen sî verzagt.’Alsus stuont er in strîtes ger.nu seht, dort kom geschûftet herdrî ritter nâch wunsche var,von fuoze ûf gewâpent gar.der knappe wânde sunder spot,20daz ieslîcher wære ein got.dô stuont ouch er niht langer hie,in den phat viel er ûf sîniu knie.lûte rief der knappe sân‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’Der vorder zornes sich bewac,dô der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wâleiseunsich wendet gâher reise.’ein prîs den wir Beier tragn,muoz ich von Wâleisen sagn:die sint toerscher, denne beiersch her,unt doch bî manlîcher wer.10swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dô kom geleischieretund wol gezimieretein ritter, dem was harte gâch.er reit in strîteclîchen nâch,die verre wâren von im komn:zwên ritter heten im genomneine frouwen in sîm lande.den helt ez dûhte schande:20in müete der juncfrouwen leit,diu jæmerlîche vor in reit.dise drî wârn sîne man.er reit ein schœne kastelân:sîns schildes was vil wênic ganz.er hiez Karnahkarnanzleh cons Ulterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sân.den dûhter als ein got getân:ern hete sô liehtes niht erkant.ûfem touwe der wâpenroc erwant.mit guldîn schellen kleinevor iewederm beinewârn die Stegreife erklenget10unt ze rehter mâze erlenget.sîn zeswer arm von schellen klanc,swar ern bôt oder swanc.der was durch swertslege sô hel:der helt was gein prîse snel.sus fuor der fürste rîche,gezimiert wünneclîche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrâgte Karnahkarnanz‘junchêrre, sâht ir für iuch varn20zwên ritter die sich niht bewarnkunnen an ritterlîcher zunft?si ringent mit der nôtnunftund sint an werdekeit verzagt:si füerent roubes eine magt.’der knappe wânde, swaz er sprach,ez wære got, als im verjachfrou Herzeloyd diu künegîn,dô sim underschiet den liehten schîn.dô rief er lûte sunder spot‘nu hilf mir, hilferîcher got.’vil dicke viel an sîn gebetfil li roy Gahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sîn gebot.10du maht hie vier ritter sehn,ob du ze rehte kundest spehn.’Der knappe frâgte fürbaz:‘du nennest ritter: waz ist daz?hâstu niht gotlîcher kraft,sô sage mir, wer gît ritterschaft?’‘daz tuot der künec Artûs.junchêrre, komt ir in des hûs,der bringet iuch an ritters namn,daz irs iuch nimmer durfet schamn.20ir mugt wol sîn von ritters art.’von den helden er geschouwet wart:dô lac diu gotes kunst an im.von der âventiure ich daz nim,diu mich mit wârheit des beschiet.nie mannes varwe baz gerietvor im sît Adâmes zît.des wart sîn lob von wîben wît.Aber sprach der knappe sândâ von ein lachen wart getân.‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?du hâst sus manec vingerlînan dînen lîp gebunden,dort oben unt hie unden.’10aldâ begreif des knappen hantswaz er îsers ame fürsten vant:dez harnasch begunder schouwen‘mîner muoter juncfrouwenir vingerlîn an snüeren tragnt,diu niht sus an einander ragnt.’der knappe sprach durch sînen muotzem fürsten ‘war zuo ist diz guot,daz dich sô wol kan schicken?ine mages niht ab gezwicken.’20der fürste im zeigete sâ sîn swert:‘nu sich, swer an mich strîtes gert,des selben wer ich mich mit slegn:für die sîne muoz ich an mich legn,und für den schuz und für den stichmuoz ich alsus wâpen mich.’aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,so verwunt ir niht mîn gabylôt.der vellet manger vor mir tôt.’Die ritter zurnden daz er hieltbî dem knappen der vil tumpheit wielt10der fürste sprach ‘got hüete dîn.ôwî wan wær dîn schœne mîn!dir hete got den wunsch gegebn,ob du mit witzen soldest lebn.diu gotes kraft dir virre leit.’die sîne und och er selbe reit,unde gâhten harte baldezeinem velde in dem walde.dâ vant der gefüegefrôn Herzeloyden phlüege.20ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:sie begunden sæn, dar nâch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.Der fürste in guoten morgen bôt,und frâgte se, op si sæhen nôteine juncfrouwen lîden.sine kunden niht vermîden,swes er vrâgt daz wart gesagt.‘zwêne ritter unde ein magtdâ riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporn si vaste ruorten,10die die juncfrouwen fuorten.’ez was Meljahkanz.den ergâhte Karnachkarnanz,mit strîte er im die frouwen nam:diu was dâ vor an freuden lam.si hiez Imânevon der Beâfontâne.Die bûliute verzagten,dô die helde für si jagten.si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen?20hât unser junchêrre ersehenûf disen rittern helme schart,sone hân wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne hazvon schulden hœren umbe daz,wand er mit uns dâ her liefhiute morgen dô si dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dô schôzdie hirze kleine unde grôz:er huop sich gein der muoter widr,und sagt ir mær. dô viel si nidr:sîner worte si sô sêre erschrac,daz si unversunnen vor im lac.Dô diu küneginnewidr kom zir sinne,swie si dâ vor wære verzagt,10dô sprach si ‘sun, wer hât gesagtdir von ritters orden?wâ bist dus innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getân:die sagten mir von ritterschaft.Artûs küneclîchiu kraftsol mich nâch rîters êrenan schildes ambet kêren.’sich huop ein niwer jâmer hie.20diu frouwe enwesse rehte, wiedaz si ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.daz begunde se in ir herzen klagn.si dâhte ‘in wil im niht versagn:ez muoz abr vil bœse sîn.’do gedâhte mêr diu künegîn‘der liute vil bî spotte sint.tôren kleider sol mîn kintob sîme liehten lîbe tragn.wirt er geroufet unt geslagn,sô kumt er mir her wider wol.’10ôwê der jæmerlîchen dol!diu frouwe nam ein sactuoch:si sneit im hemde unde bruoch,daz doch an eime stücke erscheinunz enmitten an sîn blankez bein.daz wart für tôren kleit erkant.ein gugel man obene drûfe vant.al frisch rûch kelberînvon einer hût zwei ribbalînnâch sînen beinen wart gesnitn.dâ wart grôz jâmer niht vermitn.20Diu küngin was alsô bedâht,si bat belîben in die naht.‘dune solt niht hinnen kêrenich wil dich list ê lêren:an ungebanten strâzensoltu tunkel fürte lâzen:die sîhte und lûter sîn,dâ solte al balde rîten în.du solt dich site nieten,der werlde grüezen bieten,Op dich ein grâ wîse manzuht wil lêrn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,10und wis im niht erbolgen.sun, lâ dir bevolhen sîn,swâ du guotes wîbes vingerlînmügest erwerben unt ir gruoz,daz nim: ez tuot dir kumbers buoz.du solt zir kusse gâhenund ir lîp vast umbevâhen:daz gît gelücke und hôhen muot,op si kiusche ist unde guot.Du solt och wizzen, sun mîn,20der stolze küene Lähelîndînen fürsten ab ervaht zwei lant,diu solten dienen dîner hant,Wâleis und Norgâls.ein dîn fürste Turkentâlsden tôt von sîner hende enphienc:dîn volc er sluoc unde vienc.’‘diz rich ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mîn gabylôt.’Des morgens dô der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artûse gâch.10Herzeloyde in kuste und lief im nâch.der werlde riwe aldâ geschach.dô si ir sun niht langer sach(der reit enwec: wemst deste baz?)dô viel diu frouwe valsches lazûf die erde, aldâ si jâmer sneitsô daz se ein sterben niht vermeit.Ir vil getriulîcher tôtder frouwen wert die hellenôt.ôwol si daz se ie muoter wart!20sus fuor die lônes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ôwê daz wir nu niht enhânir sippe unz an den eilften spân!des wirt gevelschet manec lîp.doch solten nu getriwiu wîpheiles wünschen disem knabn,der sich hie von ir hât erhabn.Es betrübt mir Seel’ und Leib,dass so manche heisset Weib.Die Stimme lautet allen hell,doch viele sind zum Falsche schnell,andre frei von falschem Wandel:so theilt sich dieser Handel.Dass die mit gleichem Namen prangen,das hat mein Herz mit Scham befangen.Weibheit, dein ordentlicher Brauch,Treue hielt und hält der auch.10Viele sprechen, Armutsei zu keinem Dinge gut;wer sie um Treue will erleiden,der mag doch Höllenfeuer meiden.Armut trug ein Weib um Treu:da ward ihr immer wieder neuim Himmelreich gegeben.Nun werden wen’ge leben,die jung der Erde Reichthumliessen um des Himmels Ruhm.Ich kenne keinen, der das will,Mann und Weib sind mir gleich viel,10sie gleichen alle sich darin.Frau Herzeleid, die, Königinfloh ihren dreien Landen fern:sie trug der Freuden Mangel gern.Aller Fehl so ganz an ihr verschwand,dass ihn nicht Ohr noch Auge fand.Ein Nebel war ihr die Sonne;sie mied die weltliche Wonne.Auch war die Nacht ihr wie der Tag,ihr Herz nur stäten Jammers pflag.20Sie zog sich vor des Grams Gewaltaus ihrem Land in einen Wald,in der Wildniss von Soltane;nicht um Blumen auf dem Plane:ihr Herz erfüllte Leid so ganz,sie kehrte sich an keinen Kranz,ob er roth war oder fahl.Sie flüchtete dahin zumaldes werthen Gahmuretes Kind.Leute, die da bei ihr sind,müssen reuten und pflügen.Ihre Pflege konnte wohl genügendem Sohn. Eh der Verstand gewann,10rief sie ihr Volk zu sich heran,wo sie Mann und Weib zumalbei Leib und Leben anbefahl,dass von Rittern schwieg’ ihr Mund:‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund,was ritterliches Leben wär,so hätt ich Kummer und Beschwer.Nun legt die Zunge klug in Haftund hehlt ihm alle Ritterschaft.’Allen Leuten schuf das Sorgen.20Der Knabe ward verborgenin der Wüste von Soltan erzogen,um königlichen Brauch betrogen,ausser in dem einen Spiel:der Bogen und der Bolzen vielschnitt er sich mit eigner Handund schoss die Vögel, die er fand.Wenn er jedoch das Vöglein schoss,dem erst Gesang so hold entfloss,so weint’ er laut und strafte garmit Raufen sein unschuldig Haar.Sein Leib war klar und helle:auf dem Plan an der Quellewusch er sich alle Morgen.10Nie meint’ er sich geborgen,bis ob ihm war der Vöglein Sang;die Süsse ihm das Herz durchdrang:das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus.Mit Weinen lief er in das Haus.Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an?Du warst ja draussen auf dem Plan.’Da wusst er ihr kein Wort zu sagen,so geht es Kindern noch in unsern Tagen.Solches macht’ ihr viel zu schaffen.20Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen,davon der Vögel Lied erscholl.Sie ward wohl inne, wie ihm schwollvon dem Gesang die junge Brust;in seiner Art lag solch Gelust.Frau Herzleid trug den Vögeln Hassseitdem, sie wusste nicht um was:sie wollt’ ihr Singen gern beschränken.Ihre Bauern und Enkenschickte sie mit Netz und Stangen,Vöglein zu würgen und zu fangen.10Die Vöglein waren gut beritten,sie haben den Tod nicht all’ erlitten:etliche blieben noch am Leben,die hört man neuen Sang erheben.Der Knabe sprach zur Mutter sein:‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund.Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund.Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot,der doch ist der höchste Gott?20Sollen Vöglein trauern meinethalb?’Der Knappe sprach zur Mutter bald:‘Höre, Mutter, was ist Gott?’‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott:er ist noch lichter denn der Tag,der einst Angesichtes pflagnach der Menschen Angesicht.Sohn, vergiss der Lehre nicht,und fleh ihn an in deiner Noth,dessen Treu’ uns immer Hülfe bot.10Ein Andrer heisst der Hölle Wirth,der schwarz Untreu nicht meiden wird;von dem kehr die Gedankenund auch von Zweifels Wanken.’Seine Mutter unterschied ihm gar,was finster ist, was licht und klar.Waldein dann eilt’ er hin zu springen.Das Gabilot auch lernt’ er schwingen,womit er manchen Hirsch erschoss,davon der Mutter Haus genoss.20Ob man Grund sah oder Schnee,dem Wilde thät sein Schiessen weh.Hört aber fremde Märe:wenn er erschoss das schwere,einem Maulthier wär’ die Last genug,die er unzerlegt nach Hause trug.Er kam auf seinem Waidegangeines Tages einer Hald’ entlang,und brach zum Blatten einen Zweig.In seiner Nähe gieng ein Steig:da vernahm er Schall von Hufschlägen:er begann sein Gabilot zu wägen.‘Was hab’ ich da vernommen?10Dass nun der Teufel kommenwollte grimm und zorniglich!Ich bestünd’ ihn sicherlich.Meine Mutter Schrecken von ihm sagt:mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’So stand er da in Streits Begehr.Seht, da traben dortenherdrei Ritter in der Rüstung Glanz,von Haupt zu Fuss gewappnet ganz.Der Knappe wähnte sonder Spott,20jeglicher wär’ ein Herregott.Wohl stand er auch nicht länger hie,er warf sich in den Pfad aufs Knie;mit lauter Stimme rief er gleich:‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’Der Vordre zürnte drum und sprach,als ihm der Knapp’ im Wege lag:‘Dieser täppische Waleisewehrt uns schnelle Weiterreise.’Ein Lob, das wir Baiern tragen,muss ich von Waleisen sagen:Sie sind täppischer als Bairisch Heerund leisten doch gleich tapfre Wehr.10Wen dieser Länder eins gebar,wird der gefüg, ists wunderbar.Da kam einher galoppiert,an Helm und Harnisch wohl geziertein Ritter, welchem Zeit gebrach:streitgierig ritt er denen nach,die ihm schon weit vorausgekommen.Zwei Ritter hatten ihm genommeneine Frau aus seinem Lande:das däuchte diesen Schande.20Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer,die erbärmlich ritt vor ihnen her.Die dreie sind ihm unterthan.Er ritt ein schönes Kastilian;an seinem Schild war wenig ganz.Er hiess Karnachkarnanz,Le Comte Ulterleg.Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’So fuhr er diesen Knappen an;dem schien er wie ein Gott gethan:er sah noch niemals lichtre Schau.Sein Wappenrock benahm den Thau.Mit goldrothen Schellen kleinwaren an jedwedem Beinihm die Stegereif’ erklängt10und zu rechtem Mass gelängt.Sein rechter Arm von Schellen klang,wenn er ihn rührt’ oder schwang;er war von Schwertschlägen hell.Der Degen war zur Kühnheit schnell.Also diesen Wald durchstrichder Fürst gerüstet wonniglich.Aller Mannesschöne Blumenkranz,den fragte da Karnachkarnanz:‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren20zwei Ritter, die nicht können wahrendas Gesetz der Rittergilde?Gewaltthat tragen sie im Schildeund sind an Würdigkeit verzagt:sie entführten eine Magd.’Was er auch sprach, doch hielt ihn nochder Knapp für Gott: so malt Ihn dochdie Königin, Frau Herzeleid,die vom lichten Schein ihm gab Bescheid.Da rief er laut sonder Spott:‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott!’Niederwarf sich zum GebetLe Fils du Roi Gahmuret.Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott;doch leist’ ich gerne sein Gebot.10Vier Ritter möchtest du hier sehn,wenn du besser könntest spähn.’Der Knappe fragte fürbass:‘Du nennest Ritter: was ist das?Hast du keine Gotteskraft,so sage, wer giebt Ritterschaft?’‘Die theilt der König Artus aus.Junker, kommt ihr in sein Haus,so mögt ihr Ritters Namen nehmen,dass ihrs euch nimmer habt zu schämen.20Ihr seid wohl ritterlicher Art.Von den Helden er beschauet ward:da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss.Von der Aventür ich weiss,die mich mit Wahrheit des beschied,dass Mannesantlitz nie geriethso schön wie seins von Adams Zeit:drum lobten Fraun ihn weit und breit.Da hub der Knappe wieder an,dass sein zu lachen Der begann:‘Ei Ritter gut, was soll dies sein?du hast so manches Ringeleinan den Leib gebunden dir,dort oben und auch unten hier.’10Der Knapp befühlte mit der Hand,was er eisern an dem Fürsten fand.Den Panzer wollt er gern beschauen:‘Meiner Mutter Jungfrauenwohl an Schnüren Ringlein tragen,die nicht so in einander ragen.’Noch sprach der Knappe wohlgemuthzum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut,was sich an dir so wohl will schicken?Ich kann es nicht herunter zwicken.’20Da wies der Fürst ihm sein Schwert:‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt,des erwehr ich mich mit Schlägen.Gegen seine muss ichs an mich legen,und dieser Schild behütet michvor dem Schuss und vor dem Stich.’Wieder sprach der Knappe laut:‘Hätten die Hirsche solche Haut,sie versehrte nicht mein Gabilot;so fällt doch mancher vor mir todt.’Die Ritter zürnten, dass er sprachmit den Knappen, welchem Sinn gebrach.10Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein!O wäre deine Schönheit mein!Dir hätte Gott genug gegeben,besässest du Verstand daneben.Die Gottesgabe liegt dir fern.’Da ritt er weiter mit den Herrn.Sie gelangten alle baldzu einem Feld im tiefen Wald.Da fand er an der PflugscharFrau Herzeleidens Bauernschar.20Dem Volke nie so leid geschah.Die man künftig ernten sah,sie mussten säen erst und egen,starken Ochsen dräun mit Schlägen.Der Fürst ihnen guten Morgen botund frug sie: ‘Sahet ihr nicht Notheine Jungfrau erleiden?’Da konnten sies nicht meiden,sie sagten ihm, was er gefragt:‘Zwei Ritter und eine Magdsahn wir reiten heute Morgen.Das Fräulein schien in Sorgen.Kräftig mit den Sporen rührte10die Pferde, der die Jungfrau führte.’Es war Meliakanz,dem nachritt Karnachkarnanzund ihm im Kampf die Jungfrau nahm;sie war an aller Freude lahm.Sie hiess Imänevon der Bellefontäne.Die Bauern waren sehr verzagt,da diese Helden sie befragt.Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’20Hat unser Junker ersehnan diesen Rittern schartges Eisen,so dürfen wir das Glück nicht preisen.Uns trifft mit Recht nun immerhindarum der Zorn der Königin,weil er mit uns zu Walde liefheute früh, da sie noch schlief.’Gleich galts dem Knappen, wer nun schossim Wald die Hirsche klein und gross;heim zu der Mutter lief er wiederund sagt es ihr. Da fiel sie nieder,seiner Worte sie so sehr erschrak,dass sie bewusstlos vor ihm lag.Als darauf die Königinwieder fand bewussten Sinn,wie sie zuvor auch war verzagt,10doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagtdir von ritterlichem Orden?Wie bist du’s inne worden?’‘Mutter, ich sah vier Männer licht,lichter ist Gott selber nicht:die sagten mir von Ritterschaft.Artusens königliche Kraftsoll mich mit ritterlichen Ehrendes Schildes Amt und Pflichten lehren.’Das war ihr neuen Leids Beginn.20Die Königin sann her und hin,wie sie eine List erdächteund ihn von solchem Willen brächte.Der einfältge Knappe werthbat die Mutter um ein Pferd.Das begann sie heimlich zu beklagen.Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen;aber grundschlecht muss es sein.‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein,‘die gar lose Spötter sind.Thorenkleider soll mein Kindan seinem lichten Leibe tragen.Wird er gerauft dann und geschlagen,so kehrt er wohl in kurzer Frist.’10O weh der jammervollen List!Da nahm sie grobes Sacktuchund schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose),aus Einem Stück jedoch geschnittenbis zu des blanken Beines Mitten;eine Kappe dran für Haupt und Ohren:so trugen damals sich die Thoren.Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch,als Kalbshäuten frisch und rauch,mass man seinen Beinen an,da weinten alle, die es sahn.20Die Königin mit Wohlbedachtbat ihn zu bleiben noch die Nacht;‘du darfst dich nicht von hinnen heben,ich muss dir erst noch Lehren geben:du sollst auf ungebahnten Strassendich nicht auf dunkle Furt verlassen;ist sie aber seicht und klar,so hat der Durchritt nicht Gefahr.Du sollst auch guter Sitte pflegen,jeden grüssen auf den Wegen.Will dich ein grauweiser MannZucht lehren, wie ein solcher kann,so folg ihm gerne mit der That,10und zürn ihm nicht, das ist mein Rath.Eins lass dir, Sohn, befohlen sein:wo du guter Frauen Ringeleinerwerben mögest und ihr Grüssen,da nimms: es kann dir Leid versüssen.Magst du auch ihren Kuss erlangenund herzend ihren Leib umfangen,das giebt dir Glück und hohen Muth,wenn sie keusch ist und gut.Du sollst auch wissen, Sohn mein,20dass der stolze kühne Läheleinzwei Länder dir hat abgefochten,die dir sonst nun zinsen mochten:Waleis und Norgals.Deiner Fürsten Einer, Turkentals,den Tod von seiner Hand empfieng:all dein Volk er schlug und fieng.’‘Das räch ich, Mutter, will es Gott:ihn verwundet noch mein Gabilot.’Da Morgens schien des Tages Licht,der stolze Knappe säumte nicht:Herr Artus ihm im Sinne lag.10Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach.Das grösste Herzleid ihr geschah.Da sie den Sohn nicht länger sah,(der ritt hinweg: wen mag das freun?)da fiel die Fraue Falsches reinzur Erde, wo sie Jammer schnitt,bis sie den Tod davon erlitt.Ihr getreulicher Todbewahrt sie vor der Hölle Noth.O wohl ihr, dass sie Mutter ward!20So fuhr die lohnergiebge Fahrt,diese Wurzel aller Güte,aus der das Reis der Demuth blühte.Weh uns, dass uns nicht verbliebihre Sippe bis zum eilften Glied!Drum muss man so viel Falschheit schaun.Doch sollten die getreuen FraunHeil erwünschen diesem Knaben,den sie hier sehen von ihr traben.2.TITUREL.

WOLFRAM VON ESCHENBACH.

[Scherer D.170,E.161.]

Ein bairischer Ritter, lebte viel am Hofe Hermanns von Thüringen zu Eisenach, wurde in der Liebfrauenkirche zu Eschenbach begraben. Er konnte nicht lesen und schreiben, verstand aber, wenn auch nur unvollkommen, französisch. Er dichtete ausser lyrischen Gedichten den ‘Parzival’ 1205–1215; den ‘Titurel’ (Bruchstück; von einem gewissen Albrecht zwischen 1260 und 1270 umgearbeitet und vervollständigt) und ‘Wilhelm von Oranse’ (unvollendet), vor 1216 begonnen, ergänzt und fortgesetzt von Ulrich von Türheim und Ulrich von dem Türlein. Seine Werke herausgegeben von Lachmann (Berlin 1833, vierte Ausg. 1880); ‘Parzival und Titurel’ von Bartsch (3 Bde. Leipzig, 1870–71, 1875–77). Übersetzungen von Simrock (Stuttgart 1842, fünfte Aufl. 1876), San-Marte (Marburg 1836, 1858).

Ein bairischer Ritter, lebte viel am Hofe Hermanns von Thüringen zu Eisenach, wurde in der Liebfrauenkirche zu Eschenbach begraben. Er konnte nicht lesen und schreiben, verstand aber, wenn auch nur unvollkommen, französisch. Er dichtete ausser lyrischen Gedichten den ‘Parzival’ 1205–1215; den ‘Titurel’ (Bruchstück; von einem gewissen Albrecht zwischen 1260 und 1270 umgearbeitet und vervollständigt) und ‘Wilhelm von Oranse’ (unvollendet), vor 1216 begonnen, ergänzt und fortgesetzt von Ulrich von Türheim und Ulrich von dem Türlein. Seine Werke herausgegeben von Lachmann (Berlin 1833, vierte Ausg. 1880); ‘Parzival und Titurel’ von Bartsch (3 Bde. Leipzig, 1870–71, 1875–77). Übersetzungen von Simrock (Stuttgart 1842, fünfte Aufl. 1876), San-Marte (Marburg 1836, 1858).

Ez machet trûric mir den lîp,daz alsô mangiu heizet wîp.ir stimme sint gelîche hel:genuoge sint gein valsche snel,etslîche valsches lære:sus teilent sich diu mære.daz die gelîche sint genamt,des hât mîn herze sich geschamt.wîpheit, dîn ordenlîcher site,dem vert und fuor ie triwe mite.10Genuoge sprechent, armuot,daz diu sî ze nihte got.swer die durch triwe lîdet,hellefiwer die sêle mîdet.die dolte ein wîp durch triuwe:des wart ir gâbe niuweze himel mit endelôser gebe.ich wæne ir nu vil wênic lebe,die junc der erden rîhtuomliezen durch des himeles ruom.ich erkenne ir nehein.man und wîp mir sint al ein:10die mitenz al gelîche.frou Herzeloyd diu rîcheir drîer lande wart ein gast:si truoc der freuden mangels last.der valsch sô gar an ir verswant,ouge noch ôre in nie dâ vant.ein nebel was ir diu sunne:si vlôch der werlde wunne.ir was gelîch naht unt der tac:ir herze niht wan jâmers phlac.20Sich zôch diu frouwe jâmers baltûz ir lande in einen walt,zer waste in Soltâne;niht durch bluomen ûf die plâne.ir herzen jâmer was sô ganz,sine kêrte sich an keinen kranz,er wære rôt oder val.si brâhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.liute, die bî ir dâ sint,müezen bûwn und riuten.si kunde wol getriutenir sun. ê daz sich der versan,10ir volc si gar für sich gewan:ez wære man oder wîp,den gebôt si allen an den lîp,daz se immer ritters wurden lût.‘wan friesche daz mîns herzen trût,welch ritters leben wære,daz wurde mir vil swære.nu habt iuch an der witze kraft,und helt in alle rîterschaft.’Der site fuor angestlîche vart.20der knappe alsus verborgen wartzer waste in Soltâne erzogn,an küneclîcher fuore betrogn;ez enmöht an eime site sîn:bogen unde bölzelîndie sneit er mit sîn selbes hant,und schôz vil vogele die er vant.Swenne abr er den vogel erschôz,des schal von sange ê was sô grôz,sô weinder unde roufte sich,an sîn hâr kêrt er gerich.sîn lîp was clâr unde fier:ûf dem plân am riviertwuog er sich alle morgen.10erne kunde niht gesorgen,ez enwære ob im der vogelsanc,die süeze in sîn herze dranc:daz erstracte im sîniu brüstelîn.al weinde er lief zer künegîn.sô sprach si ‘wer hât dir getân?du wære hin ûz ûf den plân.’ern kunde es ir gesagen niht,als kinden lîhte noch geschiht.Dem mære gienc si lange nâch.20eins tages si in kapfen sachûf die boume nâch der vogele schal.si wart wol innen daz zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sîn gelust.frou Herzeloyde kêrt ir hazan die vogele, sine wesse um waz:si wolt ir schal verkrenken.ir bûliute unde ir enkendie hiez si vaste gâhen,vogele würgn und vâhen.10die vogele wâren baz geriten:etslîches sterben wart vermiten:der bleip dâ lebendic ein teil,die sît mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegin‘waz wîzet man den vogelîn?’er gert in frides sâ zestunt.sîn muoter kust in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,der doch ist der hœhste got?20suln vogele durch mich freude lân?’der knappe sprach zer muoter sân‘ôwê muoter, waz ist got?’‘sun, ich sage dirz âne spot.er ist noch liehter denne der tac,der antlitzes sich bewacnâch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flêhe in umbe dîne nôt:sîn triwe der werlde ie helfe bôt.10sô heizet einr der helle wirt:der ist swarz, untriwe in niht verbirt.von dem kêr dîne gedanke,und och von zwîvels wanke.’Sîn muoter underschiet im gardaz vinster unt daz lieht gevar.dar nâch sîn snelheit verre spranc.er lernte den gabilôtes swanc,dâ mit er mangen hirz erschôz,des sin muoter und ir volc genôz.20ez wære æber oder snê,dem wilde tet sîn schiezen wê.nu hœret fremdiu mære.swennerrschôz daz swære,des wære ein mûl geladen genuoc,als unzerworht hin heim erz truoc.Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme en zwîc.dâ nâhen bî im gienc ein stîc:dâ hôrter schal von huofslegen.sîn gabylôt begunder wegen:dô sprach er ‘waz hân ich vernomn?10wan wolt et nu der tiuvel komnmit grimme zorneclîche!den bestüende ich sicherlîche.mîn muoter freisen von im sagt:ich wæne ir ellen sî verzagt.’Alsus stuont er in strîtes ger.nu seht, dort kom geschûftet herdrî ritter nâch wunsche var,von fuoze ûf gewâpent gar.der knappe wânde sunder spot,20daz ieslîcher wære ein got.dô stuont ouch er niht langer hie,in den phat viel er ûf sîniu knie.lûte rief der knappe sân‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’Der vorder zornes sich bewac,dô der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wâleiseunsich wendet gâher reise.’ein prîs den wir Beier tragn,muoz ich von Wâleisen sagn:die sint toerscher, denne beiersch her,unt doch bî manlîcher wer.10swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dô kom geleischieretund wol gezimieretein ritter, dem was harte gâch.er reit in strîteclîchen nâch,die verre wâren von im komn:zwên ritter heten im genomneine frouwen in sîm lande.den helt ez dûhte schande:20in müete der juncfrouwen leit,diu jæmerlîche vor in reit.dise drî wârn sîne man.er reit ein schœne kastelân:sîns schildes was vil wênic ganz.er hiez Karnahkarnanzleh cons Ulterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sân.den dûhter als ein got getân:ern hete sô liehtes niht erkant.ûfem touwe der wâpenroc erwant.mit guldîn schellen kleinevor iewederm beinewârn die Stegreife erklenget10unt ze rehter mâze erlenget.sîn zeswer arm von schellen klanc,swar ern bôt oder swanc.der was durch swertslege sô hel:der helt was gein prîse snel.sus fuor der fürste rîche,gezimiert wünneclîche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrâgte Karnahkarnanz‘junchêrre, sâht ir für iuch varn20zwên ritter die sich niht bewarnkunnen an ritterlîcher zunft?si ringent mit der nôtnunftund sint an werdekeit verzagt:si füerent roubes eine magt.’der knappe wânde, swaz er sprach,ez wære got, als im verjachfrou Herzeloyd diu künegîn,dô sim underschiet den liehten schîn.dô rief er lûte sunder spot‘nu hilf mir, hilferîcher got.’vil dicke viel an sîn gebetfil li roy Gahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sîn gebot.10du maht hie vier ritter sehn,ob du ze rehte kundest spehn.’Der knappe frâgte fürbaz:‘du nennest ritter: waz ist daz?hâstu niht gotlîcher kraft,sô sage mir, wer gît ritterschaft?’‘daz tuot der künec Artûs.junchêrre, komt ir in des hûs,der bringet iuch an ritters namn,daz irs iuch nimmer durfet schamn.20ir mugt wol sîn von ritters art.’von den helden er geschouwet wart:dô lac diu gotes kunst an im.von der âventiure ich daz nim,diu mich mit wârheit des beschiet.nie mannes varwe baz gerietvor im sît Adâmes zît.des wart sîn lob von wîben wît.Aber sprach der knappe sândâ von ein lachen wart getân.‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?du hâst sus manec vingerlînan dînen lîp gebunden,dort oben unt hie unden.’10aldâ begreif des knappen hantswaz er îsers ame fürsten vant:dez harnasch begunder schouwen‘mîner muoter juncfrouwenir vingerlîn an snüeren tragnt,diu niht sus an einander ragnt.’der knappe sprach durch sînen muotzem fürsten ‘war zuo ist diz guot,daz dich sô wol kan schicken?ine mages niht ab gezwicken.’20der fürste im zeigete sâ sîn swert:‘nu sich, swer an mich strîtes gert,des selben wer ich mich mit slegn:für die sîne muoz ich an mich legn,und für den schuz und für den stichmuoz ich alsus wâpen mich.’aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,so verwunt ir niht mîn gabylôt.der vellet manger vor mir tôt.’Die ritter zurnden daz er hieltbî dem knappen der vil tumpheit wielt10der fürste sprach ‘got hüete dîn.ôwî wan wær dîn schœne mîn!dir hete got den wunsch gegebn,ob du mit witzen soldest lebn.diu gotes kraft dir virre leit.’die sîne und och er selbe reit,unde gâhten harte baldezeinem velde in dem walde.dâ vant der gefüegefrôn Herzeloyden phlüege.20ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:sie begunden sæn, dar nâch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.Der fürste in guoten morgen bôt,und frâgte se, op si sæhen nôteine juncfrouwen lîden.sine kunden niht vermîden,swes er vrâgt daz wart gesagt.‘zwêne ritter unde ein magtdâ riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporn si vaste ruorten,10die die juncfrouwen fuorten.’ez was Meljahkanz.den ergâhte Karnachkarnanz,mit strîte er im die frouwen nam:diu was dâ vor an freuden lam.si hiez Imânevon der Beâfontâne.Die bûliute verzagten,dô die helde für si jagten.si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen?20hât unser junchêrre ersehenûf disen rittern helme schart,sone hân wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne hazvon schulden hœren umbe daz,wand er mit uns dâ her liefhiute morgen dô si dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dô schôzdie hirze kleine unde grôz:er huop sich gein der muoter widr,und sagt ir mær. dô viel si nidr:sîner worte si sô sêre erschrac,daz si unversunnen vor im lac.Dô diu küneginnewidr kom zir sinne,swie si dâ vor wære verzagt,10dô sprach si ‘sun, wer hât gesagtdir von ritters orden?wâ bist dus innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getân:die sagten mir von ritterschaft.Artûs küneclîchiu kraftsol mich nâch rîters êrenan schildes ambet kêren.’sich huop ein niwer jâmer hie.20diu frouwe enwesse rehte, wiedaz si ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.daz begunde se in ir herzen klagn.si dâhte ‘in wil im niht versagn:ez muoz abr vil bœse sîn.’do gedâhte mêr diu künegîn‘der liute vil bî spotte sint.tôren kleider sol mîn kintob sîme liehten lîbe tragn.wirt er geroufet unt geslagn,sô kumt er mir her wider wol.’10ôwê der jæmerlîchen dol!diu frouwe nam ein sactuoch:si sneit im hemde unde bruoch,daz doch an eime stücke erscheinunz enmitten an sîn blankez bein.daz wart für tôren kleit erkant.ein gugel man obene drûfe vant.al frisch rûch kelberînvon einer hût zwei ribbalînnâch sînen beinen wart gesnitn.dâ wart grôz jâmer niht vermitn.20Diu küngin was alsô bedâht,si bat belîben in die naht.‘dune solt niht hinnen kêrenich wil dich list ê lêren:an ungebanten strâzensoltu tunkel fürte lâzen:die sîhte und lûter sîn,dâ solte al balde rîten în.du solt dich site nieten,der werlde grüezen bieten,Op dich ein grâ wîse manzuht wil lêrn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,10und wis im niht erbolgen.sun, lâ dir bevolhen sîn,swâ du guotes wîbes vingerlînmügest erwerben unt ir gruoz,daz nim: ez tuot dir kumbers buoz.du solt zir kusse gâhenund ir lîp vast umbevâhen:daz gît gelücke und hôhen muot,op si kiusche ist unde guot.Du solt och wizzen, sun mîn,20der stolze küene Lähelîndînen fürsten ab ervaht zwei lant,diu solten dienen dîner hant,Wâleis und Norgâls.ein dîn fürste Turkentâlsden tôt von sîner hende enphienc:dîn volc er sluoc unde vienc.’‘diz rich ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mîn gabylôt.’Des morgens dô der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artûse gâch.10Herzeloyde in kuste und lief im nâch.der werlde riwe aldâ geschach.dô si ir sun niht langer sach(der reit enwec: wemst deste baz?)dô viel diu frouwe valsches lazûf die erde, aldâ si jâmer sneitsô daz se ein sterben niht vermeit.Ir vil getriulîcher tôtder frouwen wert die hellenôt.ôwol si daz se ie muoter wart!20sus fuor die lônes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ôwê daz wir nu niht enhânir sippe unz an den eilften spân!des wirt gevelschet manec lîp.doch solten nu getriwiu wîpheiles wünschen disem knabn,der sich hie von ir hât erhabn.

Ez machet trûric mir den lîp,daz alsô mangiu heizet wîp.ir stimme sint gelîche hel:genuoge sint gein valsche snel,etslîche valsches lære:sus teilent sich diu mære.daz die gelîche sint genamt,des hât mîn herze sich geschamt.wîpheit, dîn ordenlîcher site,dem vert und fuor ie triwe mite.10Genuoge sprechent, armuot,daz diu sî ze nihte got.swer die durch triwe lîdet,hellefiwer die sêle mîdet.die dolte ein wîp durch triuwe:des wart ir gâbe niuweze himel mit endelôser gebe.ich wæne ir nu vil wênic lebe,die junc der erden rîhtuomliezen durch des himeles ruom.ich erkenne ir nehein.man und wîp mir sint al ein:10die mitenz al gelîche.frou Herzeloyd diu rîcheir drîer lande wart ein gast:si truoc der freuden mangels last.der valsch sô gar an ir verswant,ouge noch ôre in nie dâ vant.ein nebel was ir diu sunne:si vlôch der werlde wunne.ir was gelîch naht unt der tac:ir herze niht wan jâmers phlac.20Sich zôch diu frouwe jâmers baltûz ir lande in einen walt,zer waste in Soltâne;niht durch bluomen ûf die plâne.ir herzen jâmer was sô ganz,sine kêrte sich an keinen kranz,er wære rôt oder val.si brâhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.liute, die bî ir dâ sint,müezen bûwn und riuten.si kunde wol getriutenir sun. ê daz sich der versan,10ir volc si gar für sich gewan:ez wære man oder wîp,den gebôt si allen an den lîp,daz se immer ritters wurden lût.‘wan friesche daz mîns herzen trût,welch ritters leben wære,daz wurde mir vil swære.nu habt iuch an der witze kraft,und helt in alle rîterschaft.’Der site fuor angestlîche vart.20der knappe alsus verborgen wartzer waste in Soltâne erzogn,an küneclîcher fuore betrogn;ez enmöht an eime site sîn:bogen unde bölzelîndie sneit er mit sîn selbes hant,und schôz vil vogele die er vant.Swenne abr er den vogel erschôz,des schal von sange ê was sô grôz,sô weinder unde roufte sich,an sîn hâr kêrt er gerich.sîn lîp was clâr unde fier:ûf dem plân am riviertwuog er sich alle morgen.10erne kunde niht gesorgen,ez enwære ob im der vogelsanc,die süeze in sîn herze dranc:daz erstracte im sîniu brüstelîn.al weinde er lief zer künegîn.sô sprach si ‘wer hât dir getân?du wære hin ûz ûf den plân.’ern kunde es ir gesagen niht,als kinden lîhte noch geschiht.Dem mære gienc si lange nâch.20eins tages si in kapfen sachûf die boume nâch der vogele schal.si wart wol innen daz zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sîn gelust.frou Herzeloyde kêrt ir hazan die vogele, sine wesse um waz:si wolt ir schal verkrenken.ir bûliute unde ir enkendie hiez si vaste gâhen,vogele würgn und vâhen.10die vogele wâren baz geriten:etslîches sterben wart vermiten:der bleip dâ lebendic ein teil,die sît mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegin‘waz wîzet man den vogelîn?’er gert in frides sâ zestunt.sîn muoter kust in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,der doch ist der hœhste got?20suln vogele durch mich freude lân?’der knappe sprach zer muoter sân‘ôwê muoter, waz ist got?’‘sun, ich sage dirz âne spot.er ist noch liehter denne der tac,der antlitzes sich bewacnâch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flêhe in umbe dîne nôt:sîn triwe der werlde ie helfe bôt.10sô heizet einr der helle wirt:der ist swarz, untriwe in niht verbirt.von dem kêr dîne gedanke,und och von zwîvels wanke.’Sîn muoter underschiet im gardaz vinster unt daz lieht gevar.dar nâch sîn snelheit verre spranc.er lernte den gabilôtes swanc,dâ mit er mangen hirz erschôz,des sin muoter und ir volc genôz.20ez wære æber oder snê,dem wilde tet sîn schiezen wê.nu hœret fremdiu mære.swennerrschôz daz swære,des wære ein mûl geladen genuoc,als unzerworht hin heim erz truoc.Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme en zwîc.dâ nâhen bî im gienc ein stîc:dâ hôrter schal von huofslegen.sîn gabylôt begunder wegen:dô sprach er ‘waz hân ich vernomn?10wan wolt et nu der tiuvel komnmit grimme zorneclîche!den bestüende ich sicherlîche.mîn muoter freisen von im sagt:ich wæne ir ellen sî verzagt.’Alsus stuont er in strîtes ger.nu seht, dort kom geschûftet herdrî ritter nâch wunsche var,von fuoze ûf gewâpent gar.der knappe wânde sunder spot,20daz ieslîcher wære ein got.dô stuont ouch er niht langer hie,in den phat viel er ûf sîniu knie.lûte rief der knappe sân‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’Der vorder zornes sich bewac,dô der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wâleiseunsich wendet gâher reise.’ein prîs den wir Beier tragn,muoz ich von Wâleisen sagn:die sint toerscher, denne beiersch her,unt doch bî manlîcher wer.10swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dô kom geleischieretund wol gezimieretein ritter, dem was harte gâch.er reit in strîteclîchen nâch,die verre wâren von im komn:zwên ritter heten im genomneine frouwen in sîm lande.den helt ez dûhte schande:20in müete der juncfrouwen leit,diu jæmerlîche vor in reit.dise drî wârn sîne man.er reit ein schœne kastelân:sîns schildes was vil wênic ganz.er hiez Karnahkarnanzleh cons Ulterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sân.den dûhter als ein got getân:ern hete sô liehtes niht erkant.ûfem touwe der wâpenroc erwant.mit guldîn schellen kleinevor iewederm beinewârn die Stegreife erklenget10unt ze rehter mâze erlenget.sîn zeswer arm von schellen klanc,swar ern bôt oder swanc.der was durch swertslege sô hel:der helt was gein prîse snel.sus fuor der fürste rîche,gezimiert wünneclîche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrâgte Karnahkarnanz‘junchêrre, sâht ir für iuch varn20zwên ritter die sich niht bewarnkunnen an ritterlîcher zunft?si ringent mit der nôtnunftund sint an werdekeit verzagt:si füerent roubes eine magt.’der knappe wânde, swaz er sprach,ez wære got, als im verjachfrou Herzeloyd diu künegîn,dô sim underschiet den liehten schîn.dô rief er lûte sunder spot‘nu hilf mir, hilferîcher got.’vil dicke viel an sîn gebetfil li roy Gahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sîn gebot.10du maht hie vier ritter sehn,ob du ze rehte kundest spehn.’Der knappe frâgte fürbaz:‘du nennest ritter: waz ist daz?hâstu niht gotlîcher kraft,sô sage mir, wer gît ritterschaft?’‘daz tuot der künec Artûs.junchêrre, komt ir in des hûs,der bringet iuch an ritters namn,daz irs iuch nimmer durfet schamn.20ir mugt wol sîn von ritters art.’von den helden er geschouwet wart:dô lac diu gotes kunst an im.von der âventiure ich daz nim,diu mich mit wârheit des beschiet.nie mannes varwe baz gerietvor im sît Adâmes zît.des wart sîn lob von wîben wît.Aber sprach der knappe sândâ von ein lachen wart getân.‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?du hâst sus manec vingerlînan dînen lîp gebunden,dort oben unt hie unden.’10aldâ begreif des knappen hantswaz er îsers ame fürsten vant:dez harnasch begunder schouwen‘mîner muoter juncfrouwenir vingerlîn an snüeren tragnt,diu niht sus an einander ragnt.’der knappe sprach durch sînen muotzem fürsten ‘war zuo ist diz guot,daz dich sô wol kan schicken?ine mages niht ab gezwicken.’20der fürste im zeigete sâ sîn swert:‘nu sich, swer an mich strîtes gert,des selben wer ich mich mit slegn:für die sîne muoz ich an mich legn,und für den schuz und für den stichmuoz ich alsus wâpen mich.’aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,so verwunt ir niht mîn gabylôt.der vellet manger vor mir tôt.’Die ritter zurnden daz er hieltbî dem knappen der vil tumpheit wielt10der fürste sprach ‘got hüete dîn.ôwî wan wær dîn schœne mîn!dir hete got den wunsch gegebn,ob du mit witzen soldest lebn.diu gotes kraft dir virre leit.’die sîne und och er selbe reit,unde gâhten harte baldezeinem velde in dem walde.dâ vant der gefüegefrôn Herzeloyden phlüege.20ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:sie begunden sæn, dar nâch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.Der fürste in guoten morgen bôt,und frâgte se, op si sæhen nôteine juncfrouwen lîden.sine kunden niht vermîden,swes er vrâgt daz wart gesagt.‘zwêne ritter unde ein magtdâ riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporn si vaste ruorten,10die die juncfrouwen fuorten.’ez was Meljahkanz.den ergâhte Karnachkarnanz,mit strîte er im die frouwen nam:diu was dâ vor an freuden lam.si hiez Imânevon der Beâfontâne.Die bûliute verzagten,dô die helde für si jagten.si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen?20hât unser junchêrre ersehenûf disen rittern helme schart,sone hân wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne hazvon schulden hœren umbe daz,wand er mit uns dâ her liefhiute morgen dô si dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dô schôzdie hirze kleine unde grôz:er huop sich gein der muoter widr,und sagt ir mær. dô viel si nidr:sîner worte si sô sêre erschrac,daz si unversunnen vor im lac.Dô diu küneginnewidr kom zir sinne,swie si dâ vor wære verzagt,10dô sprach si ‘sun, wer hât gesagtdir von ritters orden?wâ bist dus innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getân:die sagten mir von ritterschaft.Artûs küneclîchiu kraftsol mich nâch rîters êrenan schildes ambet kêren.’sich huop ein niwer jâmer hie.20diu frouwe enwesse rehte, wiedaz si ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.daz begunde se in ir herzen klagn.si dâhte ‘in wil im niht versagn:ez muoz abr vil bœse sîn.’do gedâhte mêr diu künegîn‘der liute vil bî spotte sint.tôren kleider sol mîn kintob sîme liehten lîbe tragn.wirt er geroufet unt geslagn,sô kumt er mir her wider wol.’10ôwê der jæmerlîchen dol!diu frouwe nam ein sactuoch:si sneit im hemde unde bruoch,daz doch an eime stücke erscheinunz enmitten an sîn blankez bein.daz wart für tôren kleit erkant.ein gugel man obene drûfe vant.al frisch rûch kelberînvon einer hût zwei ribbalînnâch sînen beinen wart gesnitn.dâ wart grôz jâmer niht vermitn.20Diu küngin was alsô bedâht,si bat belîben in die naht.‘dune solt niht hinnen kêrenich wil dich list ê lêren:an ungebanten strâzensoltu tunkel fürte lâzen:die sîhte und lûter sîn,dâ solte al balde rîten în.du solt dich site nieten,der werlde grüezen bieten,Op dich ein grâ wîse manzuht wil lêrn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,10und wis im niht erbolgen.sun, lâ dir bevolhen sîn,swâ du guotes wîbes vingerlînmügest erwerben unt ir gruoz,daz nim: ez tuot dir kumbers buoz.du solt zir kusse gâhenund ir lîp vast umbevâhen:daz gît gelücke und hôhen muot,op si kiusche ist unde guot.Du solt och wizzen, sun mîn,20der stolze küene Lähelîndînen fürsten ab ervaht zwei lant,diu solten dienen dîner hant,Wâleis und Norgâls.ein dîn fürste Turkentâlsden tôt von sîner hende enphienc:dîn volc er sluoc unde vienc.’‘diz rich ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mîn gabylôt.’Des morgens dô der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artûse gâch.10Herzeloyde in kuste und lief im nâch.der werlde riwe aldâ geschach.dô si ir sun niht langer sach(der reit enwec: wemst deste baz?)dô viel diu frouwe valsches lazûf die erde, aldâ si jâmer sneitsô daz se ein sterben niht vermeit.Ir vil getriulîcher tôtder frouwen wert die hellenôt.ôwol si daz se ie muoter wart!20sus fuor die lônes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ôwê daz wir nu niht enhânir sippe unz an den eilften spân!des wirt gevelschet manec lîp.doch solten nu getriwiu wîpheiles wünschen disem knabn,der sich hie von ir hât erhabn.

Ez machet trûric mir den lîp,daz alsô mangiu heizet wîp.ir stimme sint gelîche hel:genuoge sint gein valsche snel,etslîche valsches lære:sus teilent sich diu mære.daz die gelîche sint genamt,des hât mîn herze sich geschamt.wîpheit, dîn ordenlîcher site,dem vert und fuor ie triwe mite.10Genuoge sprechent, armuot,daz diu sî ze nihte got.swer die durch triwe lîdet,hellefiwer die sêle mîdet.die dolte ein wîp durch triuwe:des wart ir gâbe niuweze himel mit endelôser gebe.ich wæne ir nu vil wênic lebe,die junc der erden rîhtuomliezen durch des himeles ruom.ich erkenne ir nehein.man und wîp mir sint al ein:10die mitenz al gelîche.frou Herzeloyd diu rîcheir drîer lande wart ein gast:si truoc der freuden mangels last.der valsch sô gar an ir verswant,ouge noch ôre in nie dâ vant.ein nebel was ir diu sunne:si vlôch der werlde wunne.ir was gelîch naht unt der tac:ir herze niht wan jâmers phlac.20Sich zôch diu frouwe jâmers baltûz ir lande in einen walt,zer waste in Soltâne;niht durch bluomen ûf die plâne.ir herzen jâmer was sô ganz,sine kêrte sich an keinen kranz,er wære rôt oder val.si brâhte dar durch flühtesaldes werden Gahmuretes kint.liute, die bî ir dâ sint,müezen bûwn und riuten.si kunde wol getriutenir sun. ê daz sich der versan,10ir volc si gar für sich gewan:ez wære man oder wîp,den gebôt si allen an den lîp,daz se immer ritters wurden lût.‘wan friesche daz mîns herzen trût,welch ritters leben wære,daz wurde mir vil swære.nu habt iuch an der witze kraft,und helt in alle rîterschaft.’Der site fuor angestlîche vart.20der knappe alsus verborgen wartzer waste in Soltâne erzogn,an küneclîcher fuore betrogn;ez enmöht an eime site sîn:bogen unde bölzelîndie sneit er mit sîn selbes hant,und schôz vil vogele die er vant.Swenne abr er den vogel erschôz,des schal von sange ê was sô grôz,sô weinder unde roufte sich,an sîn hâr kêrt er gerich.sîn lîp was clâr unde fier:ûf dem plân am riviertwuog er sich alle morgen.10erne kunde niht gesorgen,ez enwære ob im der vogelsanc,die süeze in sîn herze dranc:daz erstracte im sîniu brüstelîn.al weinde er lief zer künegîn.sô sprach si ‘wer hât dir getân?du wære hin ûz ûf den plân.’ern kunde es ir gesagen niht,als kinden lîhte noch geschiht.Dem mære gienc si lange nâch.20eins tages si in kapfen sachûf die boume nâch der vogele schal.si wart wol innen daz zeswalvon der stimme ir kindes brust.des twang in art und sîn gelust.frou Herzeloyde kêrt ir hazan die vogele, sine wesse um waz:si wolt ir schal verkrenken.ir bûliute unde ir enkendie hiez si vaste gâhen,vogele würgn und vâhen.10die vogele wâren baz geriten:etslîches sterben wart vermiten:der bleip dâ lebendic ein teil,die sît mit sange wurden geil.Der knappe sprach zer künegin‘waz wîzet man den vogelîn?’er gert in frides sâ zestunt.sîn muoter kust in an den munt:diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,der doch ist der hœhste got?20suln vogele durch mich freude lân?’der knappe sprach zer muoter sân‘ôwê muoter, waz ist got?’‘sun, ich sage dirz âne spot.er ist noch liehter denne der tac,der antlitzes sich bewacnâch menschen antlitze.sun, merke eine witze,und flêhe in umbe dîne nôt:sîn triwe der werlde ie helfe bôt.10sô heizet einr der helle wirt:der ist swarz, untriwe in niht verbirt.von dem kêr dîne gedanke,und och von zwîvels wanke.’Sîn muoter underschiet im gardaz vinster unt daz lieht gevar.dar nâch sîn snelheit verre spranc.er lernte den gabilôtes swanc,dâ mit er mangen hirz erschôz,des sin muoter und ir volc genôz.20ez wære æber oder snê,dem wilde tet sîn schiezen wê.nu hœret fremdiu mære.swennerrschôz daz swære,des wære ein mûl geladen genuoc,als unzerworht hin heim erz truoc.Eins tages gieng er den weidegancan einer halden, diu was lanc:er brach durch blates stimme en zwîc.dâ nâhen bî im gienc ein stîc:dâ hôrter schal von huofslegen.sîn gabylôt begunder wegen:dô sprach er ‘waz hân ich vernomn?10wan wolt et nu der tiuvel komnmit grimme zorneclîche!den bestüende ich sicherlîche.mîn muoter freisen von im sagt:ich wæne ir ellen sî verzagt.’Alsus stuont er in strîtes ger.nu seht, dort kom geschûftet herdrî ritter nâch wunsche var,von fuoze ûf gewâpent gar.der knappe wânde sunder spot,20daz ieslîcher wære ein got.dô stuont ouch er niht langer hie,in den phat viel er ûf sîniu knie.lûte rief der knappe sân‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’Der vorder zornes sich bewac,dô der knappe im phade lac:‘dirre tœrsche Wâleiseunsich wendet gâher reise.’ein prîs den wir Beier tragn,muoz ich von Wâleisen sagn:die sint toerscher, denne beiersch her,unt doch bî manlîcher wer.10swer in den zwein landen wirt,gefuoge ein wunder an im birt.Dô kom geleischieretund wol gezimieretein ritter, dem was harte gâch.er reit in strîteclîchen nâch,die verre wâren von im komn:zwên ritter heten im genomneine frouwen in sîm lande.den helt ez dûhte schande:20in müete der juncfrouwen leit,diu jæmerlîche vor in reit.dise drî wârn sîne man.er reit ein schœne kastelân:sîns schildes was vil wênic ganz.er hiez Karnahkarnanzleh cons Ulterlec.er sprach ‘wer irret uns den wec?’sus fuor er zuome knappen sân.den dûhter als ein got getân:ern hete sô liehtes niht erkant.ûfem touwe der wâpenroc erwant.mit guldîn schellen kleinevor iewederm beinewârn die Stegreife erklenget10unt ze rehter mâze erlenget.sîn zeswer arm von schellen klanc,swar ern bôt oder swanc.der was durch swertslege sô hel:der helt was gein prîse snel.sus fuor der fürste rîche,gezimiert wünneclîche.Aller manne schœne ein bluomen kranz,den vrâgte Karnahkarnanz‘junchêrre, sâht ir für iuch varn20zwên ritter die sich niht bewarnkunnen an ritterlîcher zunft?si ringent mit der nôtnunftund sint an werdekeit verzagt:si füerent roubes eine magt.’der knappe wânde, swaz er sprach,ez wære got, als im verjachfrou Herzeloyd diu künegîn,dô sim underschiet den liehten schîn.dô rief er lûte sunder spot‘nu hilf mir, hilferîcher got.’vil dicke viel an sîn gebetfil li roy Gahmuret.der fürste sprach ‘ich pin niht got,ich leiste ab gerne sîn gebot.10du maht hie vier ritter sehn,ob du ze rehte kundest spehn.’Der knappe frâgte fürbaz:‘du nennest ritter: waz ist daz?hâstu niht gotlîcher kraft,sô sage mir, wer gît ritterschaft?’‘daz tuot der künec Artûs.junchêrre, komt ir in des hûs,der bringet iuch an ritters namn,daz irs iuch nimmer durfet schamn.20ir mugt wol sîn von ritters art.’von den helden er geschouwet wart:dô lac diu gotes kunst an im.von der âventiure ich daz nim,diu mich mit wârheit des beschiet.nie mannes varwe baz gerietvor im sît Adâmes zît.des wart sîn lob von wîben wît.Aber sprach der knappe sândâ von ein lachen wart getân.‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?du hâst sus manec vingerlînan dînen lîp gebunden,dort oben unt hie unden.’10aldâ begreif des knappen hantswaz er îsers ame fürsten vant:dez harnasch begunder schouwen‘mîner muoter juncfrouwenir vingerlîn an snüeren tragnt,diu niht sus an einander ragnt.’der knappe sprach durch sînen muotzem fürsten ‘war zuo ist diz guot,daz dich sô wol kan schicken?ine mages niht ab gezwicken.’20der fürste im zeigete sâ sîn swert:‘nu sich, swer an mich strîtes gert,des selben wer ich mich mit slegn:für die sîne muoz ich an mich legn,und für den schuz und für den stichmuoz ich alsus wâpen mich.’aber sprach der knappe snel‘ob die hirze trüegen sus ir vel,so verwunt ir niht mîn gabylôt.der vellet manger vor mir tôt.’Die ritter zurnden daz er hieltbî dem knappen der vil tumpheit wielt10der fürste sprach ‘got hüete dîn.ôwî wan wær dîn schœne mîn!dir hete got den wunsch gegebn,ob du mit witzen soldest lebn.diu gotes kraft dir virre leit.’die sîne und och er selbe reit,unde gâhten harte baldezeinem velde in dem walde.dâ vant der gefüegefrôn Herzeloyden phlüege.20ir volke leider nie geschach;die er balde eren sach:sie begunden sæn, dar nâch egen,ir gart ob starken ohsen wegen.Der fürste in guoten morgen bôt,und frâgte se, op si sæhen nôteine juncfrouwen lîden.sine kunden niht vermîden,swes er vrâgt daz wart gesagt.‘zwêne ritter unde ein magtdâ riten hiute morgen.diu frouwe fuor mit sorgen:mit sporn si vaste ruorten,10die die juncfrouwen fuorten.’ez was Meljahkanz.den ergâhte Karnachkarnanz,mit strîte er im die frouwen nam:diu was dâ vor an freuden lam.si hiez Imânevon der Beâfontâne.Die bûliute verzagten,dô die helde für si jagten.si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen?20hât unser junchêrre ersehenûf disen rittern helme schart,sone hân wir uns niht wol bewart.wir sulen der küneginne hazvon schulden hœren umbe daz,wand er mit uns dâ her liefhiute morgen dô si dannoch slief.’der knappe enruochte ouch wer dô schôzdie hirze kleine unde grôz:er huop sich gein der muoter widr,und sagt ir mær. dô viel si nidr:sîner worte si sô sêre erschrac,daz si unversunnen vor im lac.Dô diu küneginnewidr kom zir sinne,swie si dâ vor wære verzagt,10dô sprach si ‘sun, wer hât gesagtdir von ritters orden?wâ bist dus innen worden?’‘muoter, ich sach vier mannoch liehter danne got getân:die sagten mir von ritterschaft.Artûs küneclîchiu kraftsol mich nâch rîters êrenan schildes ambet kêren.’sich huop ein niwer jâmer hie.20diu frouwe enwesse rehte, wiedaz si ir den list erdæhteunde in von dem willen bræhte.Der knappe tump unde wertiesch von der muoter dicke ein pfert.daz begunde se in ir herzen klagn.si dâhte ‘in wil im niht versagn:ez muoz abr vil bœse sîn.’do gedâhte mêr diu künegîn‘der liute vil bî spotte sint.tôren kleider sol mîn kintob sîme liehten lîbe tragn.wirt er geroufet unt geslagn,sô kumt er mir her wider wol.’10ôwê der jæmerlîchen dol!diu frouwe nam ein sactuoch:si sneit im hemde unde bruoch,daz doch an eime stücke erscheinunz enmitten an sîn blankez bein.daz wart für tôren kleit erkant.ein gugel man obene drûfe vant.al frisch rûch kelberînvon einer hût zwei ribbalînnâch sînen beinen wart gesnitn.dâ wart grôz jâmer niht vermitn.20

Ez machet trûric mir den lîp,

daz alsô mangiu heizet wîp.

ir stimme sint gelîche hel:

genuoge sint gein valsche snel,

etslîche valsches lære:

sus teilent sich diu mære.

daz die gelîche sint genamt,

des hât mîn herze sich geschamt.

wîpheit, dîn ordenlîcher site,

dem vert und fuor ie triwe mite.10

Genuoge sprechent, armuot,

daz diu sî ze nihte got.

swer die durch triwe lîdet,

hellefiwer die sêle mîdet.

die dolte ein wîp durch triuwe:

des wart ir gâbe niuwe

ze himel mit endelôser gebe.

ich wæne ir nu vil wênic lebe,

die junc der erden rîhtuom

liezen durch des himeles ruom.

ich erkenne ir nehein.

man und wîp mir sint al ein:10

die mitenz al gelîche.

frou Herzeloyd diu rîche

ir drîer lande wart ein gast:

si truoc der freuden mangels last.

der valsch sô gar an ir verswant,

ouge noch ôre in nie dâ vant.

ein nebel was ir diu sunne:

si vlôch der werlde wunne.

ir was gelîch naht unt der tac:

ir herze niht wan jâmers phlac.20

Sich zôch diu frouwe jâmers balt

ûz ir lande in einen walt,

zer waste in Soltâne;

niht durch bluomen ûf die plâne.

ir herzen jâmer was sô ganz,

sine kêrte sich an keinen kranz,

er wære rôt oder val.

si brâhte dar durch flühtesal

des werden Gahmuretes kint.

liute, die bî ir dâ sint,

müezen bûwn und riuten.

si kunde wol getriuten

ir sun. ê daz sich der versan,10

ir volc si gar für sich gewan:

ez wære man oder wîp,

den gebôt si allen an den lîp,

daz se immer ritters wurden lût.

‘wan friesche daz mîns herzen trût,

welch ritters leben wære,

daz wurde mir vil swære.

nu habt iuch an der witze kraft,

und helt in alle rîterschaft.’

Der site fuor angestlîche vart.20

der knappe alsus verborgen wart

zer waste in Soltâne erzogn,

an küneclîcher fuore betrogn;

ez enmöht an eime site sîn:

bogen unde bölzelîn

die sneit er mit sîn selbes hant,

und schôz vil vogele die er vant.

Swenne abr er den vogel erschôz,

des schal von sange ê was sô grôz,

sô weinder unde roufte sich,

an sîn hâr kêrt er gerich.

sîn lîp was clâr unde fier:

ûf dem plân am rivier

twuog er sich alle morgen.10

erne kunde niht gesorgen,

ez enwære ob im der vogelsanc,

die süeze in sîn herze dranc:

daz erstracte im sîniu brüstelîn.

al weinde er lief zer künegîn.

sô sprach si ‘wer hât dir getân?

du wære hin ûz ûf den plân.’

ern kunde es ir gesagen niht,

als kinden lîhte noch geschiht.

Dem mære gienc si lange nâch.20

eins tages si in kapfen sach

ûf die boume nâch der vogele schal.

si wart wol innen daz zeswal

von der stimme ir kindes brust.

des twang in art und sîn gelust.

frou Herzeloyde kêrt ir haz

an die vogele, sine wesse um waz:

si wolt ir schal verkrenken.

ir bûliute unde ir enken

die hiez si vaste gâhen,

vogele würgn und vâhen.10

die vogele wâren baz geriten:

etslîches sterben wart vermiten:

der bleip dâ lebendic ein teil,

die sît mit sange wurden geil.

Der knappe sprach zer künegin

‘waz wîzet man den vogelîn?’

er gert in frides sâ zestunt.

sîn muoter kust in an den munt:

diu sprach ‘wes wende ich sîn gebot,

der doch ist der hœhste got?20

suln vogele durch mich freude lân?’

der knappe sprach zer muoter sân

‘ôwê muoter, waz ist got?’

‘sun, ich sage dirz âne spot.

er ist noch liehter denne der tac,

der antlitzes sich bewac

nâch menschen antlitze.

sun, merke eine witze,

und flêhe in umbe dîne nôt:

sîn triwe der werlde ie helfe bôt.10

sô heizet einr der helle wirt:

der ist swarz, untriwe in niht verbirt.

von dem kêr dîne gedanke,

und och von zwîvels wanke.’

Sîn muoter underschiet im gar

daz vinster unt daz lieht gevar.

dar nâch sîn snelheit verre spranc.

er lernte den gabilôtes swanc,

dâ mit er mangen hirz erschôz,

des sin muoter und ir volc genôz.20

ez wære æber oder snê,

dem wilde tet sîn schiezen wê.

nu hœret fremdiu mære.

swennerrschôz daz swære,

des wære ein mûl geladen genuoc,

als unzerworht hin heim erz truoc.

Eins tages gieng er den weideganc

an einer halden, diu was lanc:

er brach durch blates stimme en zwîc.

dâ nâhen bî im gienc ein stîc:

dâ hôrter schal von huofslegen.

sîn gabylôt begunder wegen:

dô sprach er ‘waz hân ich vernomn?10

wan wolt et nu der tiuvel komn

mit grimme zorneclîche!

den bestüende ich sicherlîche.

mîn muoter freisen von im sagt:

ich wæne ir ellen sî verzagt.’

Alsus stuont er in strîtes ger.

nu seht, dort kom geschûftet her

drî ritter nâch wunsche var,

von fuoze ûf gewâpent gar.

der knappe wânde sunder spot,20

daz ieslîcher wære ein got.

dô stuont ouch er niht langer hie,

in den phat viel er ûf sîniu knie.

lûte rief der knappe sân

‘hilf, got: du maht wol helfe hân.’

Der vorder zornes sich bewac,

dô der knappe im phade lac:

‘dirre tœrsche Wâleise

unsich wendet gâher reise.’

ein prîs den wir Beier tragn,

muoz ich von Wâleisen sagn:

die sint toerscher, denne beiersch her,

unt doch bî manlîcher wer.10

swer in den zwein landen wirt,

gefuoge ein wunder an im birt.

Dô kom geleischieret

und wol gezimieret

ein ritter, dem was harte gâch.

er reit in strîteclîchen nâch,

die verre wâren von im komn:

zwên ritter heten im genomn

eine frouwen in sîm lande.

den helt ez dûhte schande:20

in müete der juncfrouwen leit,

diu jæmerlîche vor in reit.

dise drî wârn sîne man.

er reit ein schœne kastelân:

sîns schildes was vil wênic ganz.

er hiez Karnahkarnanz

leh cons Ulterlec.

er sprach ‘wer irret uns den wec?’

sus fuor er zuome knappen sân.

den dûhter als ein got getân:

ern hete sô liehtes niht erkant.

ûfem touwe der wâpenroc erwant.

mit guldîn schellen kleine

vor iewederm beine

wârn die Stegreife erklenget10

unt ze rehter mâze erlenget.

sîn zeswer arm von schellen klanc,

swar ern bôt oder swanc.

der was durch swertslege sô hel:

der helt was gein prîse snel.

sus fuor der fürste rîche,

gezimiert wünneclîche.

Aller manne schœne ein bluomen kranz,

den vrâgte Karnahkarnanz

‘junchêrre, sâht ir für iuch varn20

zwên ritter die sich niht bewarn

kunnen an ritterlîcher zunft?

si ringent mit der nôtnunft

und sint an werdekeit verzagt:

si füerent roubes eine magt.’

der knappe wânde, swaz er sprach,

ez wære got, als im verjach

frou Herzeloyd diu künegîn,

dô sim underschiet den liehten schîn.

dô rief er lûte sunder spot

‘nu hilf mir, hilferîcher got.’

vil dicke viel an sîn gebet

fil li roy Gahmuret.

der fürste sprach ‘ich pin niht got,

ich leiste ab gerne sîn gebot.10

du maht hie vier ritter sehn,

ob du ze rehte kundest spehn.’

Der knappe frâgte fürbaz:

‘du nennest ritter: waz ist daz?

hâstu niht gotlîcher kraft,

sô sage mir, wer gît ritterschaft?’

‘daz tuot der künec Artûs.

junchêrre, komt ir in des hûs,

der bringet iuch an ritters namn,

daz irs iuch nimmer durfet schamn.20

ir mugt wol sîn von ritters art.’

von den helden er geschouwet wart:

dô lac diu gotes kunst an im.

von der âventiure ich daz nim,

diu mich mit wârheit des beschiet.

nie mannes varwe baz geriet

vor im sît Adâmes zît.

des wart sîn lob von wîben wît.

Aber sprach der knappe sân

dâ von ein lachen wart getân.

‘ay ritter guot, waz mahtu sîn?

du hâst sus manec vingerlîn

an dînen lîp gebunden,

dort oben unt hie unden.’10

aldâ begreif des knappen hant

swaz er îsers ame fürsten vant:

dez harnasch begunder schouwen

‘mîner muoter juncfrouwen

ir vingerlîn an snüeren tragnt,

diu niht sus an einander ragnt.’

der knappe sprach durch sînen muot

zem fürsten ‘war zuo ist diz guot,

daz dich sô wol kan schicken?

ine mages niht ab gezwicken.’20

der fürste im zeigete sâ sîn swert:

‘nu sich, swer an mich strîtes gert,

des selben wer ich mich mit slegn:

für die sîne muoz ich an mich legn,

und für den schuz und für den stich

muoz ich alsus wâpen mich.’

aber sprach der knappe snel

‘ob die hirze trüegen sus ir vel,

so verwunt ir niht mîn gabylôt.

der vellet manger vor mir tôt.’

Die ritter zurnden daz er hielt

bî dem knappen der vil tumpheit wielt10

der fürste sprach ‘got hüete dîn.

ôwî wan wær dîn schœne mîn!

dir hete got den wunsch gegebn,

ob du mit witzen soldest lebn.

diu gotes kraft dir virre leit.’

die sîne und och er selbe reit,

unde gâhten harte balde

zeinem velde in dem walde.

dâ vant der gefüege

frôn Herzeloyden phlüege.20

ir volke leider nie geschach;

die er balde eren sach:

sie begunden sæn, dar nâch egen,

ir gart ob starken ohsen wegen.

Der fürste in guoten morgen bôt,

und frâgte se, op si sæhen nôt

eine juncfrouwen lîden.

sine kunden niht vermîden,

swes er vrâgt daz wart gesagt.

‘zwêne ritter unde ein magt

dâ riten hiute morgen.

diu frouwe fuor mit sorgen:

mit sporn si vaste ruorten,10

die die juncfrouwen fuorten.’

ez was Meljahkanz.

den ergâhte Karnachkarnanz,

mit strîte er im die frouwen nam:

diu was dâ vor an freuden lam.

si hiez Imâne

von der Beâfontâne.

Die bûliute verzagten,

dô die helde für si jagten.

si sprâchen ‘wiest uns sus geschehen?20

hât unser junchêrre ersehen

ûf disen rittern helme schart,

sone hân wir uns niht wol bewart.

wir sulen der küneginne haz

von schulden hœren umbe daz,

wand er mit uns dâ her lief

hiute morgen dô si dannoch slief.’

der knappe enruochte ouch wer dô schôz

die hirze kleine unde grôz:

er huop sich gein der muoter widr,

und sagt ir mær. dô viel si nidr:

sîner worte si sô sêre erschrac,

daz si unversunnen vor im lac.

Dô diu küneginne

widr kom zir sinne,

swie si dâ vor wære verzagt,10

dô sprach si ‘sun, wer hât gesagt

dir von ritters orden?

wâ bist dus innen worden?’

‘muoter, ich sach vier man

noch liehter danne got getân:

die sagten mir von ritterschaft.

Artûs küneclîchiu kraft

sol mich nâch rîters êren

an schildes ambet kêren.’

sich huop ein niwer jâmer hie.20

diu frouwe enwesse rehte, wie

daz si ir den list erdæhte

unde in von dem willen bræhte.

Der knappe tump unde wert

iesch von der muoter dicke ein pfert.

daz begunde se in ir herzen klagn.

si dâhte ‘in wil im niht versagn:

ez muoz abr vil bœse sîn.’

do gedâhte mêr diu künegîn

‘der liute vil bî spotte sint.

tôren kleider sol mîn kint

ob sîme liehten lîbe tragn.

wirt er geroufet unt geslagn,

sô kumt er mir her wider wol.’10

ôwê der jæmerlîchen dol!

diu frouwe nam ein sactuoch:

si sneit im hemde unde bruoch,

daz doch an eime stücke erschein

unz enmitten an sîn blankez bein.

daz wart für tôren kleit erkant.

ein gugel man obene drûfe vant.

al frisch rûch kelberîn

von einer hût zwei ribbalîn

nâch sînen beinen wart gesnitn.

dâ wart grôz jâmer niht vermitn.20

Diu küngin was alsô bedâht,si bat belîben in die naht.‘dune solt niht hinnen kêrenich wil dich list ê lêren:an ungebanten strâzensoltu tunkel fürte lâzen:die sîhte und lûter sîn,dâ solte al balde rîten în.du solt dich site nieten,der werlde grüezen bieten,Op dich ein grâ wîse manzuht wil lêrn als er wol kan,dem soltu gerne volgen,10und wis im niht erbolgen.sun, lâ dir bevolhen sîn,swâ du guotes wîbes vingerlînmügest erwerben unt ir gruoz,daz nim: ez tuot dir kumbers buoz.du solt zir kusse gâhenund ir lîp vast umbevâhen:daz gît gelücke und hôhen muot,op si kiusche ist unde guot.Du solt och wizzen, sun mîn,20der stolze küene Lähelîndînen fürsten ab ervaht zwei lant,diu solten dienen dîner hant,Wâleis und Norgâls.ein dîn fürste Turkentâlsden tôt von sîner hende enphienc:dîn volc er sluoc unde vienc.’‘diz rich ich, muoter, ruocht es got:in verwundet noch mîn gabylôt.’Des morgens dô der tag erschein,der knappe balde wart enein,im was gein Artûse gâch.10Herzeloyde in kuste und lief im nâch.der werlde riwe aldâ geschach.dô si ir sun niht langer sach(der reit enwec: wemst deste baz?)dô viel diu frouwe valsches lazûf die erde, aldâ si jâmer sneitsô daz se ein sterben niht vermeit.Ir vil getriulîcher tôtder frouwen wert die hellenôt.ôwol si daz se ie muoter wart!20sus fuor die lônes bernden vartein wurzel der güeteund ein stam der diemüete.ôwê daz wir nu niht enhânir sippe unz an den eilften spân!des wirt gevelschet manec lîp.doch solten nu getriwiu wîpheiles wünschen disem knabn,der sich hie von ir hât erhabn.

Diu küngin was alsô bedâht,

si bat belîben in die naht.

‘dune solt niht hinnen kêren

ich wil dich list ê lêren:

an ungebanten strâzen

soltu tunkel fürte lâzen:

die sîhte und lûter sîn,

dâ solte al balde rîten în.

du solt dich site nieten,

der werlde grüezen bieten,

Op dich ein grâ wîse man

zuht wil lêrn als er wol kan,

dem soltu gerne volgen,10

und wis im niht erbolgen.

sun, lâ dir bevolhen sîn,

swâ du guotes wîbes vingerlîn

mügest erwerben unt ir gruoz,

daz nim: ez tuot dir kumbers buoz.

du solt zir kusse gâhen

und ir lîp vast umbevâhen:

daz gît gelücke und hôhen muot,

op si kiusche ist unde guot.

Du solt och wizzen, sun mîn,20

der stolze küene Lähelîn

dînen fürsten ab ervaht zwei lant,

diu solten dienen dîner hant,

Wâleis und Norgâls.

ein dîn fürste Turkentâls

den tôt von sîner hende enphienc:

dîn volc er sluoc unde vienc.’

‘diz rich ich, muoter, ruocht es got:

in verwundet noch mîn gabylôt.’

Des morgens dô der tag erschein,

der knappe balde wart enein,

im was gein Artûse gâch.10

Herzeloyde in kuste und lief im nâch.

der werlde riwe aldâ geschach.

dô si ir sun niht langer sach

(der reit enwec: wemst deste baz?)

dô viel diu frouwe valsches laz

ûf die erde, aldâ si jâmer sneit

sô daz se ein sterben niht vermeit.

Ir vil getriulîcher tôt

der frouwen wert die hellenôt.

ôwol si daz se ie muoter wart!20

sus fuor die lônes bernden vart

ein wurzel der güete

und ein stam der diemüete.

ôwê daz wir nu niht enhân

ir sippe unz an den eilften spân!

des wirt gevelschet manec lîp.

doch solten nu getriwiu wîp

heiles wünschen disem knabn,

der sich hie von ir hât erhabn.

Es betrübt mir Seel’ und Leib,dass so manche heisset Weib.Die Stimme lautet allen hell,doch viele sind zum Falsche schnell,andre frei von falschem Wandel:so theilt sich dieser Handel.Dass die mit gleichem Namen prangen,das hat mein Herz mit Scham befangen.Weibheit, dein ordentlicher Brauch,Treue hielt und hält der auch.10Viele sprechen, Armutsei zu keinem Dinge gut;wer sie um Treue will erleiden,der mag doch Höllenfeuer meiden.Armut trug ein Weib um Treu:da ward ihr immer wieder neuim Himmelreich gegeben.Nun werden wen’ge leben,die jung der Erde Reichthumliessen um des Himmels Ruhm.Ich kenne keinen, der das will,Mann und Weib sind mir gleich viel,10sie gleichen alle sich darin.Frau Herzeleid, die, Königinfloh ihren dreien Landen fern:sie trug der Freuden Mangel gern.Aller Fehl so ganz an ihr verschwand,dass ihn nicht Ohr noch Auge fand.Ein Nebel war ihr die Sonne;sie mied die weltliche Wonne.Auch war die Nacht ihr wie der Tag,ihr Herz nur stäten Jammers pflag.20Sie zog sich vor des Grams Gewaltaus ihrem Land in einen Wald,in der Wildniss von Soltane;nicht um Blumen auf dem Plane:ihr Herz erfüllte Leid so ganz,sie kehrte sich an keinen Kranz,ob er roth war oder fahl.Sie flüchtete dahin zumaldes werthen Gahmuretes Kind.Leute, die da bei ihr sind,müssen reuten und pflügen.Ihre Pflege konnte wohl genügendem Sohn. Eh der Verstand gewann,10rief sie ihr Volk zu sich heran,wo sie Mann und Weib zumalbei Leib und Leben anbefahl,dass von Rittern schwieg’ ihr Mund:‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund,was ritterliches Leben wär,so hätt ich Kummer und Beschwer.Nun legt die Zunge klug in Haftund hehlt ihm alle Ritterschaft.’Allen Leuten schuf das Sorgen.20Der Knabe ward verborgenin der Wüste von Soltan erzogen,um königlichen Brauch betrogen,ausser in dem einen Spiel:der Bogen und der Bolzen vielschnitt er sich mit eigner Handund schoss die Vögel, die er fand.Wenn er jedoch das Vöglein schoss,dem erst Gesang so hold entfloss,so weint’ er laut und strafte garmit Raufen sein unschuldig Haar.Sein Leib war klar und helle:auf dem Plan an der Quellewusch er sich alle Morgen.10Nie meint’ er sich geborgen,bis ob ihm war der Vöglein Sang;die Süsse ihm das Herz durchdrang:das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus.Mit Weinen lief er in das Haus.Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an?Du warst ja draussen auf dem Plan.’Da wusst er ihr kein Wort zu sagen,so geht es Kindern noch in unsern Tagen.Solches macht’ ihr viel zu schaffen.20Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen,davon der Vögel Lied erscholl.Sie ward wohl inne, wie ihm schwollvon dem Gesang die junge Brust;in seiner Art lag solch Gelust.Frau Herzleid trug den Vögeln Hassseitdem, sie wusste nicht um was:sie wollt’ ihr Singen gern beschränken.Ihre Bauern und Enkenschickte sie mit Netz und Stangen,Vöglein zu würgen und zu fangen.10Die Vöglein waren gut beritten,sie haben den Tod nicht all’ erlitten:etliche blieben noch am Leben,die hört man neuen Sang erheben.Der Knabe sprach zur Mutter sein:‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund.Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund.Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot,der doch ist der höchste Gott?20Sollen Vöglein trauern meinethalb?’Der Knappe sprach zur Mutter bald:‘Höre, Mutter, was ist Gott?’‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott:er ist noch lichter denn der Tag,der einst Angesichtes pflagnach der Menschen Angesicht.Sohn, vergiss der Lehre nicht,und fleh ihn an in deiner Noth,dessen Treu’ uns immer Hülfe bot.10Ein Andrer heisst der Hölle Wirth,der schwarz Untreu nicht meiden wird;von dem kehr die Gedankenund auch von Zweifels Wanken.’Seine Mutter unterschied ihm gar,was finster ist, was licht und klar.Waldein dann eilt’ er hin zu springen.Das Gabilot auch lernt’ er schwingen,womit er manchen Hirsch erschoss,davon der Mutter Haus genoss.20Ob man Grund sah oder Schnee,dem Wilde thät sein Schiessen weh.Hört aber fremde Märe:wenn er erschoss das schwere,einem Maulthier wär’ die Last genug,die er unzerlegt nach Hause trug.Er kam auf seinem Waidegangeines Tages einer Hald’ entlang,und brach zum Blatten einen Zweig.In seiner Nähe gieng ein Steig:da vernahm er Schall von Hufschlägen:er begann sein Gabilot zu wägen.‘Was hab’ ich da vernommen?10Dass nun der Teufel kommenwollte grimm und zorniglich!Ich bestünd’ ihn sicherlich.Meine Mutter Schrecken von ihm sagt:mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’So stand er da in Streits Begehr.Seht, da traben dortenherdrei Ritter in der Rüstung Glanz,von Haupt zu Fuss gewappnet ganz.Der Knappe wähnte sonder Spott,20jeglicher wär’ ein Herregott.Wohl stand er auch nicht länger hie,er warf sich in den Pfad aufs Knie;mit lauter Stimme rief er gleich:‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’Der Vordre zürnte drum und sprach,als ihm der Knapp’ im Wege lag:‘Dieser täppische Waleisewehrt uns schnelle Weiterreise.’Ein Lob, das wir Baiern tragen,muss ich von Waleisen sagen:Sie sind täppischer als Bairisch Heerund leisten doch gleich tapfre Wehr.10Wen dieser Länder eins gebar,wird der gefüg, ists wunderbar.Da kam einher galoppiert,an Helm und Harnisch wohl geziertein Ritter, welchem Zeit gebrach:streitgierig ritt er denen nach,die ihm schon weit vorausgekommen.Zwei Ritter hatten ihm genommeneine Frau aus seinem Lande:das däuchte diesen Schande.20Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer,die erbärmlich ritt vor ihnen her.Die dreie sind ihm unterthan.Er ritt ein schönes Kastilian;an seinem Schild war wenig ganz.Er hiess Karnachkarnanz,Le Comte Ulterleg.Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’So fuhr er diesen Knappen an;dem schien er wie ein Gott gethan:er sah noch niemals lichtre Schau.Sein Wappenrock benahm den Thau.Mit goldrothen Schellen kleinwaren an jedwedem Beinihm die Stegereif’ erklängt10und zu rechtem Mass gelängt.Sein rechter Arm von Schellen klang,wenn er ihn rührt’ oder schwang;er war von Schwertschlägen hell.Der Degen war zur Kühnheit schnell.Also diesen Wald durchstrichder Fürst gerüstet wonniglich.Aller Mannesschöne Blumenkranz,den fragte da Karnachkarnanz:‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren20zwei Ritter, die nicht können wahrendas Gesetz der Rittergilde?Gewaltthat tragen sie im Schildeund sind an Würdigkeit verzagt:sie entführten eine Magd.’Was er auch sprach, doch hielt ihn nochder Knapp für Gott: so malt Ihn dochdie Königin, Frau Herzeleid,die vom lichten Schein ihm gab Bescheid.Da rief er laut sonder Spott:‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott!’Niederwarf sich zum GebetLe Fils du Roi Gahmuret.Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott;doch leist’ ich gerne sein Gebot.10Vier Ritter möchtest du hier sehn,wenn du besser könntest spähn.’Der Knappe fragte fürbass:‘Du nennest Ritter: was ist das?Hast du keine Gotteskraft,so sage, wer giebt Ritterschaft?’‘Die theilt der König Artus aus.Junker, kommt ihr in sein Haus,so mögt ihr Ritters Namen nehmen,dass ihrs euch nimmer habt zu schämen.20Ihr seid wohl ritterlicher Art.Von den Helden er beschauet ward:da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss.Von der Aventür ich weiss,die mich mit Wahrheit des beschied,dass Mannesantlitz nie geriethso schön wie seins von Adams Zeit:drum lobten Fraun ihn weit und breit.Da hub der Knappe wieder an,dass sein zu lachen Der begann:‘Ei Ritter gut, was soll dies sein?du hast so manches Ringeleinan den Leib gebunden dir,dort oben und auch unten hier.’10Der Knapp befühlte mit der Hand,was er eisern an dem Fürsten fand.Den Panzer wollt er gern beschauen:‘Meiner Mutter Jungfrauenwohl an Schnüren Ringlein tragen,die nicht so in einander ragen.’Noch sprach der Knappe wohlgemuthzum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut,was sich an dir so wohl will schicken?Ich kann es nicht herunter zwicken.’20Da wies der Fürst ihm sein Schwert:‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt,des erwehr ich mich mit Schlägen.Gegen seine muss ichs an mich legen,und dieser Schild behütet michvor dem Schuss und vor dem Stich.’Wieder sprach der Knappe laut:‘Hätten die Hirsche solche Haut,sie versehrte nicht mein Gabilot;so fällt doch mancher vor mir todt.’Die Ritter zürnten, dass er sprachmit den Knappen, welchem Sinn gebrach.10Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein!O wäre deine Schönheit mein!Dir hätte Gott genug gegeben,besässest du Verstand daneben.Die Gottesgabe liegt dir fern.’Da ritt er weiter mit den Herrn.Sie gelangten alle baldzu einem Feld im tiefen Wald.Da fand er an der PflugscharFrau Herzeleidens Bauernschar.20Dem Volke nie so leid geschah.Die man künftig ernten sah,sie mussten säen erst und egen,starken Ochsen dräun mit Schlägen.Der Fürst ihnen guten Morgen botund frug sie: ‘Sahet ihr nicht Notheine Jungfrau erleiden?’Da konnten sies nicht meiden,sie sagten ihm, was er gefragt:‘Zwei Ritter und eine Magdsahn wir reiten heute Morgen.Das Fräulein schien in Sorgen.Kräftig mit den Sporen rührte10die Pferde, der die Jungfrau führte.’Es war Meliakanz,dem nachritt Karnachkarnanzund ihm im Kampf die Jungfrau nahm;sie war an aller Freude lahm.Sie hiess Imänevon der Bellefontäne.Die Bauern waren sehr verzagt,da diese Helden sie befragt.Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’20Hat unser Junker ersehnan diesen Rittern schartges Eisen,so dürfen wir das Glück nicht preisen.Uns trifft mit Recht nun immerhindarum der Zorn der Königin,weil er mit uns zu Walde liefheute früh, da sie noch schlief.’Gleich galts dem Knappen, wer nun schossim Wald die Hirsche klein und gross;heim zu der Mutter lief er wiederund sagt es ihr. Da fiel sie nieder,seiner Worte sie so sehr erschrak,dass sie bewusstlos vor ihm lag.Als darauf die Königinwieder fand bewussten Sinn,wie sie zuvor auch war verzagt,10doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagtdir von ritterlichem Orden?Wie bist du’s inne worden?’‘Mutter, ich sah vier Männer licht,lichter ist Gott selber nicht:die sagten mir von Ritterschaft.Artusens königliche Kraftsoll mich mit ritterlichen Ehrendes Schildes Amt und Pflichten lehren.’Das war ihr neuen Leids Beginn.20Die Königin sann her und hin,wie sie eine List erdächteund ihn von solchem Willen brächte.Der einfältge Knappe werthbat die Mutter um ein Pferd.Das begann sie heimlich zu beklagen.Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen;aber grundschlecht muss es sein.‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein,‘die gar lose Spötter sind.Thorenkleider soll mein Kindan seinem lichten Leibe tragen.Wird er gerauft dann und geschlagen,so kehrt er wohl in kurzer Frist.’10O weh der jammervollen List!Da nahm sie grobes Sacktuchund schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose),aus Einem Stück jedoch geschnittenbis zu des blanken Beines Mitten;eine Kappe dran für Haupt und Ohren:so trugen damals sich die Thoren.Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch,als Kalbshäuten frisch und rauch,mass man seinen Beinen an,da weinten alle, die es sahn.20Die Königin mit Wohlbedachtbat ihn zu bleiben noch die Nacht;‘du darfst dich nicht von hinnen heben,ich muss dir erst noch Lehren geben:du sollst auf ungebahnten Strassendich nicht auf dunkle Furt verlassen;ist sie aber seicht und klar,so hat der Durchritt nicht Gefahr.Du sollst auch guter Sitte pflegen,jeden grüssen auf den Wegen.Will dich ein grauweiser MannZucht lehren, wie ein solcher kann,so folg ihm gerne mit der That,10und zürn ihm nicht, das ist mein Rath.Eins lass dir, Sohn, befohlen sein:wo du guter Frauen Ringeleinerwerben mögest und ihr Grüssen,da nimms: es kann dir Leid versüssen.Magst du auch ihren Kuss erlangenund herzend ihren Leib umfangen,das giebt dir Glück und hohen Muth,wenn sie keusch ist und gut.Du sollst auch wissen, Sohn mein,20dass der stolze kühne Läheleinzwei Länder dir hat abgefochten,die dir sonst nun zinsen mochten:Waleis und Norgals.Deiner Fürsten Einer, Turkentals,den Tod von seiner Hand empfieng:all dein Volk er schlug und fieng.’‘Das räch ich, Mutter, will es Gott:ihn verwundet noch mein Gabilot.’Da Morgens schien des Tages Licht,der stolze Knappe säumte nicht:Herr Artus ihm im Sinne lag.10Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach.Das grösste Herzleid ihr geschah.Da sie den Sohn nicht länger sah,(der ritt hinweg: wen mag das freun?)da fiel die Fraue Falsches reinzur Erde, wo sie Jammer schnitt,bis sie den Tod davon erlitt.Ihr getreulicher Todbewahrt sie vor der Hölle Noth.O wohl ihr, dass sie Mutter ward!20So fuhr die lohnergiebge Fahrt,diese Wurzel aller Güte,aus der das Reis der Demuth blühte.Weh uns, dass uns nicht verbliebihre Sippe bis zum eilften Glied!Drum muss man so viel Falschheit schaun.Doch sollten die getreuen FraunHeil erwünschen diesem Knaben,den sie hier sehen von ihr traben.

Es betrübt mir Seel’ und Leib,dass so manche heisset Weib.Die Stimme lautet allen hell,doch viele sind zum Falsche schnell,andre frei von falschem Wandel:so theilt sich dieser Handel.Dass die mit gleichem Namen prangen,das hat mein Herz mit Scham befangen.Weibheit, dein ordentlicher Brauch,Treue hielt und hält der auch.10Viele sprechen, Armutsei zu keinem Dinge gut;wer sie um Treue will erleiden,der mag doch Höllenfeuer meiden.Armut trug ein Weib um Treu:da ward ihr immer wieder neuim Himmelreich gegeben.Nun werden wen’ge leben,die jung der Erde Reichthumliessen um des Himmels Ruhm.Ich kenne keinen, der das will,Mann und Weib sind mir gleich viel,10sie gleichen alle sich darin.Frau Herzeleid, die, Königinfloh ihren dreien Landen fern:sie trug der Freuden Mangel gern.Aller Fehl so ganz an ihr verschwand,dass ihn nicht Ohr noch Auge fand.Ein Nebel war ihr die Sonne;sie mied die weltliche Wonne.Auch war die Nacht ihr wie der Tag,ihr Herz nur stäten Jammers pflag.20Sie zog sich vor des Grams Gewaltaus ihrem Land in einen Wald,in der Wildniss von Soltane;nicht um Blumen auf dem Plane:ihr Herz erfüllte Leid so ganz,sie kehrte sich an keinen Kranz,ob er roth war oder fahl.Sie flüchtete dahin zumaldes werthen Gahmuretes Kind.Leute, die da bei ihr sind,müssen reuten und pflügen.Ihre Pflege konnte wohl genügendem Sohn. Eh der Verstand gewann,10rief sie ihr Volk zu sich heran,wo sie Mann und Weib zumalbei Leib und Leben anbefahl,dass von Rittern schwieg’ ihr Mund:‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund,was ritterliches Leben wär,so hätt ich Kummer und Beschwer.Nun legt die Zunge klug in Haftund hehlt ihm alle Ritterschaft.’Allen Leuten schuf das Sorgen.20Der Knabe ward verborgenin der Wüste von Soltan erzogen,um königlichen Brauch betrogen,ausser in dem einen Spiel:der Bogen und der Bolzen vielschnitt er sich mit eigner Handund schoss die Vögel, die er fand.Wenn er jedoch das Vöglein schoss,dem erst Gesang so hold entfloss,so weint’ er laut und strafte garmit Raufen sein unschuldig Haar.Sein Leib war klar und helle:auf dem Plan an der Quellewusch er sich alle Morgen.10Nie meint’ er sich geborgen,bis ob ihm war der Vöglein Sang;die Süsse ihm das Herz durchdrang:das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus.Mit Weinen lief er in das Haus.Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an?Du warst ja draussen auf dem Plan.’Da wusst er ihr kein Wort zu sagen,so geht es Kindern noch in unsern Tagen.Solches macht’ ihr viel zu schaffen.20Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen,davon der Vögel Lied erscholl.Sie ward wohl inne, wie ihm schwollvon dem Gesang die junge Brust;in seiner Art lag solch Gelust.Frau Herzleid trug den Vögeln Hassseitdem, sie wusste nicht um was:sie wollt’ ihr Singen gern beschränken.Ihre Bauern und Enkenschickte sie mit Netz und Stangen,Vöglein zu würgen und zu fangen.10Die Vöglein waren gut beritten,sie haben den Tod nicht all’ erlitten:etliche blieben noch am Leben,die hört man neuen Sang erheben.Der Knabe sprach zur Mutter sein:‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund.Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund.Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot,der doch ist der höchste Gott?20Sollen Vöglein trauern meinethalb?’Der Knappe sprach zur Mutter bald:‘Höre, Mutter, was ist Gott?’‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott:er ist noch lichter denn der Tag,der einst Angesichtes pflagnach der Menschen Angesicht.Sohn, vergiss der Lehre nicht,und fleh ihn an in deiner Noth,dessen Treu’ uns immer Hülfe bot.10Ein Andrer heisst der Hölle Wirth,der schwarz Untreu nicht meiden wird;von dem kehr die Gedankenund auch von Zweifels Wanken.’Seine Mutter unterschied ihm gar,was finster ist, was licht und klar.Waldein dann eilt’ er hin zu springen.Das Gabilot auch lernt’ er schwingen,womit er manchen Hirsch erschoss,davon der Mutter Haus genoss.20Ob man Grund sah oder Schnee,dem Wilde thät sein Schiessen weh.Hört aber fremde Märe:wenn er erschoss das schwere,einem Maulthier wär’ die Last genug,die er unzerlegt nach Hause trug.Er kam auf seinem Waidegangeines Tages einer Hald’ entlang,und brach zum Blatten einen Zweig.In seiner Nähe gieng ein Steig:da vernahm er Schall von Hufschlägen:er begann sein Gabilot zu wägen.‘Was hab’ ich da vernommen?10Dass nun der Teufel kommenwollte grimm und zorniglich!Ich bestünd’ ihn sicherlich.Meine Mutter Schrecken von ihm sagt:mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’So stand er da in Streits Begehr.Seht, da traben dortenherdrei Ritter in der Rüstung Glanz,von Haupt zu Fuss gewappnet ganz.Der Knappe wähnte sonder Spott,20jeglicher wär’ ein Herregott.Wohl stand er auch nicht länger hie,er warf sich in den Pfad aufs Knie;mit lauter Stimme rief er gleich:‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’Der Vordre zürnte drum und sprach,als ihm der Knapp’ im Wege lag:‘Dieser täppische Waleisewehrt uns schnelle Weiterreise.’Ein Lob, das wir Baiern tragen,muss ich von Waleisen sagen:Sie sind täppischer als Bairisch Heerund leisten doch gleich tapfre Wehr.10Wen dieser Länder eins gebar,wird der gefüg, ists wunderbar.Da kam einher galoppiert,an Helm und Harnisch wohl geziertein Ritter, welchem Zeit gebrach:streitgierig ritt er denen nach,die ihm schon weit vorausgekommen.Zwei Ritter hatten ihm genommeneine Frau aus seinem Lande:das däuchte diesen Schande.20Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer,die erbärmlich ritt vor ihnen her.Die dreie sind ihm unterthan.Er ritt ein schönes Kastilian;an seinem Schild war wenig ganz.Er hiess Karnachkarnanz,Le Comte Ulterleg.Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’So fuhr er diesen Knappen an;dem schien er wie ein Gott gethan:er sah noch niemals lichtre Schau.Sein Wappenrock benahm den Thau.Mit goldrothen Schellen kleinwaren an jedwedem Beinihm die Stegereif’ erklängt10und zu rechtem Mass gelängt.Sein rechter Arm von Schellen klang,wenn er ihn rührt’ oder schwang;er war von Schwertschlägen hell.Der Degen war zur Kühnheit schnell.Also diesen Wald durchstrichder Fürst gerüstet wonniglich.Aller Mannesschöne Blumenkranz,den fragte da Karnachkarnanz:‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren20zwei Ritter, die nicht können wahrendas Gesetz der Rittergilde?Gewaltthat tragen sie im Schildeund sind an Würdigkeit verzagt:sie entführten eine Magd.’Was er auch sprach, doch hielt ihn nochder Knapp für Gott: so malt Ihn dochdie Königin, Frau Herzeleid,die vom lichten Schein ihm gab Bescheid.Da rief er laut sonder Spott:‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott!’Niederwarf sich zum GebetLe Fils du Roi Gahmuret.Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott;doch leist’ ich gerne sein Gebot.10Vier Ritter möchtest du hier sehn,wenn du besser könntest spähn.’Der Knappe fragte fürbass:‘Du nennest Ritter: was ist das?Hast du keine Gotteskraft,so sage, wer giebt Ritterschaft?’‘Die theilt der König Artus aus.Junker, kommt ihr in sein Haus,so mögt ihr Ritters Namen nehmen,dass ihrs euch nimmer habt zu schämen.20Ihr seid wohl ritterlicher Art.Von den Helden er beschauet ward:da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss.Von der Aventür ich weiss,die mich mit Wahrheit des beschied,dass Mannesantlitz nie geriethso schön wie seins von Adams Zeit:drum lobten Fraun ihn weit und breit.Da hub der Knappe wieder an,dass sein zu lachen Der begann:‘Ei Ritter gut, was soll dies sein?du hast so manches Ringeleinan den Leib gebunden dir,dort oben und auch unten hier.’10Der Knapp befühlte mit der Hand,was er eisern an dem Fürsten fand.Den Panzer wollt er gern beschauen:‘Meiner Mutter Jungfrauenwohl an Schnüren Ringlein tragen,die nicht so in einander ragen.’Noch sprach der Knappe wohlgemuthzum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut,was sich an dir so wohl will schicken?Ich kann es nicht herunter zwicken.’20Da wies der Fürst ihm sein Schwert:‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt,des erwehr ich mich mit Schlägen.Gegen seine muss ichs an mich legen,und dieser Schild behütet michvor dem Schuss und vor dem Stich.’Wieder sprach der Knappe laut:‘Hätten die Hirsche solche Haut,sie versehrte nicht mein Gabilot;so fällt doch mancher vor mir todt.’Die Ritter zürnten, dass er sprachmit den Knappen, welchem Sinn gebrach.10Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein!O wäre deine Schönheit mein!Dir hätte Gott genug gegeben,besässest du Verstand daneben.Die Gottesgabe liegt dir fern.’Da ritt er weiter mit den Herrn.Sie gelangten alle baldzu einem Feld im tiefen Wald.Da fand er an der PflugscharFrau Herzeleidens Bauernschar.20Dem Volke nie so leid geschah.Die man künftig ernten sah,sie mussten säen erst und egen,starken Ochsen dräun mit Schlägen.Der Fürst ihnen guten Morgen botund frug sie: ‘Sahet ihr nicht Notheine Jungfrau erleiden?’Da konnten sies nicht meiden,sie sagten ihm, was er gefragt:‘Zwei Ritter und eine Magdsahn wir reiten heute Morgen.Das Fräulein schien in Sorgen.Kräftig mit den Sporen rührte10die Pferde, der die Jungfrau führte.’Es war Meliakanz,dem nachritt Karnachkarnanzund ihm im Kampf die Jungfrau nahm;sie war an aller Freude lahm.Sie hiess Imänevon der Bellefontäne.Die Bauern waren sehr verzagt,da diese Helden sie befragt.Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’20Hat unser Junker ersehnan diesen Rittern schartges Eisen,so dürfen wir das Glück nicht preisen.Uns trifft mit Recht nun immerhindarum der Zorn der Königin,weil er mit uns zu Walde liefheute früh, da sie noch schlief.’Gleich galts dem Knappen, wer nun schossim Wald die Hirsche klein und gross;heim zu der Mutter lief er wiederund sagt es ihr. Da fiel sie nieder,seiner Worte sie so sehr erschrak,dass sie bewusstlos vor ihm lag.Als darauf die Königinwieder fand bewussten Sinn,wie sie zuvor auch war verzagt,10doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagtdir von ritterlichem Orden?Wie bist du’s inne worden?’‘Mutter, ich sah vier Männer licht,lichter ist Gott selber nicht:die sagten mir von Ritterschaft.Artusens königliche Kraftsoll mich mit ritterlichen Ehrendes Schildes Amt und Pflichten lehren.’Das war ihr neuen Leids Beginn.20Die Königin sann her und hin,wie sie eine List erdächteund ihn von solchem Willen brächte.Der einfältge Knappe werthbat die Mutter um ein Pferd.Das begann sie heimlich zu beklagen.Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen;aber grundschlecht muss es sein.‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein,‘die gar lose Spötter sind.Thorenkleider soll mein Kindan seinem lichten Leibe tragen.Wird er gerauft dann und geschlagen,so kehrt er wohl in kurzer Frist.’10O weh der jammervollen List!Da nahm sie grobes Sacktuchund schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose),aus Einem Stück jedoch geschnittenbis zu des blanken Beines Mitten;eine Kappe dran für Haupt und Ohren:so trugen damals sich die Thoren.Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch,als Kalbshäuten frisch und rauch,mass man seinen Beinen an,da weinten alle, die es sahn.20Die Königin mit Wohlbedachtbat ihn zu bleiben noch die Nacht;‘du darfst dich nicht von hinnen heben,ich muss dir erst noch Lehren geben:du sollst auf ungebahnten Strassendich nicht auf dunkle Furt verlassen;ist sie aber seicht und klar,so hat der Durchritt nicht Gefahr.Du sollst auch guter Sitte pflegen,jeden grüssen auf den Wegen.Will dich ein grauweiser MannZucht lehren, wie ein solcher kann,so folg ihm gerne mit der That,10und zürn ihm nicht, das ist mein Rath.Eins lass dir, Sohn, befohlen sein:wo du guter Frauen Ringeleinerwerben mögest und ihr Grüssen,da nimms: es kann dir Leid versüssen.Magst du auch ihren Kuss erlangenund herzend ihren Leib umfangen,das giebt dir Glück und hohen Muth,wenn sie keusch ist und gut.Du sollst auch wissen, Sohn mein,20dass der stolze kühne Läheleinzwei Länder dir hat abgefochten,die dir sonst nun zinsen mochten:Waleis und Norgals.Deiner Fürsten Einer, Turkentals,den Tod von seiner Hand empfieng:all dein Volk er schlug und fieng.’‘Das räch ich, Mutter, will es Gott:ihn verwundet noch mein Gabilot.’Da Morgens schien des Tages Licht,der stolze Knappe säumte nicht:Herr Artus ihm im Sinne lag.10Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach.Das grösste Herzleid ihr geschah.Da sie den Sohn nicht länger sah,(der ritt hinweg: wen mag das freun?)da fiel die Fraue Falsches reinzur Erde, wo sie Jammer schnitt,bis sie den Tod davon erlitt.Ihr getreulicher Todbewahrt sie vor der Hölle Noth.O wohl ihr, dass sie Mutter ward!20So fuhr die lohnergiebge Fahrt,diese Wurzel aller Güte,aus der das Reis der Demuth blühte.Weh uns, dass uns nicht verbliebihre Sippe bis zum eilften Glied!Drum muss man so viel Falschheit schaun.Doch sollten die getreuen FraunHeil erwünschen diesem Knaben,den sie hier sehen von ihr traben.

Es betrübt mir Seel’ und Leib,dass so manche heisset Weib.Die Stimme lautet allen hell,doch viele sind zum Falsche schnell,andre frei von falschem Wandel:so theilt sich dieser Handel.Dass die mit gleichem Namen prangen,das hat mein Herz mit Scham befangen.Weibheit, dein ordentlicher Brauch,Treue hielt und hält der auch.10Viele sprechen, Armutsei zu keinem Dinge gut;wer sie um Treue will erleiden,der mag doch Höllenfeuer meiden.Armut trug ein Weib um Treu:da ward ihr immer wieder neuim Himmelreich gegeben.Nun werden wen’ge leben,die jung der Erde Reichthumliessen um des Himmels Ruhm.Ich kenne keinen, der das will,Mann und Weib sind mir gleich viel,10sie gleichen alle sich darin.Frau Herzeleid, die, Königinfloh ihren dreien Landen fern:sie trug der Freuden Mangel gern.Aller Fehl so ganz an ihr verschwand,dass ihn nicht Ohr noch Auge fand.Ein Nebel war ihr die Sonne;sie mied die weltliche Wonne.Auch war die Nacht ihr wie der Tag,ihr Herz nur stäten Jammers pflag.20Sie zog sich vor des Grams Gewaltaus ihrem Land in einen Wald,in der Wildniss von Soltane;nicht um Blumen auf dem Plane:ihr Herz erfüllte Leid so ganz,sie kehrte sich an keinen Kranz,ob er roth war oder fahl.Sie flüchtete dahin zumaldes werthen Gahmuretes Kind.Leute, die da bei ihr sind,müssen reuten und pflügen.Ihre Pflege konnte wohl genügendem Sohn. Eh der Verstand gewann,10rief sie ihr Volk zu sich heran,wo sie Mann und Weib zumalbei Leib und Leben anbefahl,dass von Rittern schwieg’ ihr Mund:‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund,was ritterliches Leben wär,so hätt ich Kummer und Beschwer.Nun legt die Zunge klug in Haftund hehlt ihm alle Ritterschaft.’Allen Leuten schuf das Sorgen.20Der Knabe ward verborgenin der Wüste von Soltan erzogen,um königlichen Brauch betrogen,ausser in dem einen Spiel:der Bogen und der Bolzen vielschnitt er sich mit eigner Handund schoss die Vögel, die er fand.Wenn er jedoch das Vöglein schoss,dem erst Gesang so hold entfloss,so weint’ er laut und strafte garmit Raufen sein unschuldig Haar.Sein Leib war klar und helle:auf dem Plan an der Quellewusch er sich alle Morgen.10Nie meint’ er sich geborgen,bis ob ihm war der Vöglein Sang;die Süsse ihm das Herz durchdrang:das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus.Mit Weinen lief er in das Haus.Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an?Du warst ja draussen auf dem Plan.’Da wusst er ihr kein Wort zu sagen,so geht es Kindern noch in unsern Tagen.Solches macht’ ihr viel zu schaffen.20Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen,davon der Vögel Lied erscholl.Sie ward wohl inne, wie ihm schwollvon dem Gesang die junge Brust;in seiner Art lag solch Gelust.Frau Herzleid trug den Vögeln Hassseitdem, sie wusste nicht um was:sie wollt’ ihr Singen gern beschränken.Ihre Bauern und Enkenschickte sie mit Netz und Stangen,Vöglein zu würgen und zu fangen.10Die Vöglein waren gut beritten,sie haben den Tod nicht all’ erlitten:etliche blieben noch am Leben,die hört man neuen Sang erheben.Der Knabe sprach zur Mutter sein:‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund.Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund.Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot,der doch ist der höchste Gott?20Sollen Vöglein trauern meinethalb?’Der Knappe sprach zur Mutter bald:‘Höre, Mutter, was ist Gott?’‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott:er ist noch lichter denn der Tag,der einst Angesichtes pflagnach der Menschen Angesicht.Sohn, vergiss der Lehre nicht,und fleh ihn an in deiner Noth,dessen Treu’ uns immer Hülfe bot.10Ein Andrer heisst der Hölle Wirth,der schwarz Untreu nicht meiden wird;von dem kehr die Gedankenund auch von Zweifels Wanken.’Seine Mutter unterschied ihm gar,was finster ist, was licht und klar.Waldein dann eilt’ er hin zu springen.Das Gabilot auch lernt’ er schwingen,womit er manchen Hirsch erschoss,davon der Mutter Haus genoss.20Ob man Grund sah oder Schnee,dem Wilde thät sein Schiessen weh.Hört aber fremde Märe:wenn er erschoss das schwere,einem Maulthier wär’ die Last genug,die er unzerlegt nach Hause trug.Er kam auf seinem Waidegangeines Tages einer Hald’ entlang,und brach zum Blatten einen Zweig.In seiner Nähe gieng ein Steig:da vernahm er Schall von Hufschlägen:er begann sein Gabilot zu wägen.‘Was hab’ ich da vernommen?10Dass nun der Teufel kommenwollte grimm und zorniglich!Ich bestünd’ ihn sicherlich.Meine Mutter Schrecken von ihm sagt:mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’So stand er da in Streits Begehr.Seht, da traben dortenherdrei Ritter in der Rüstung Glanz,von Haupt zu Fuss gewappnet ganz.Der Knappe wähnte sonder Spott,20jeglicher wär’ ein Herregott.Wohl stand er auch nicht länger hie,er warf sich in den Pfad aufs Knie;mit lauter Stimme rief er gleich:‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’Der Vordre zürnte drum und sprach,als ihm der Knapp’ im Wege lag:‘Dieser täppische Waleisewehrt uns schnelle Weiterreise.’Ein Lob, das wir Baiern tragen,muss ich von Waleisen sagen:Sie sind täppischer als Bairisch Heerund leisten doch gleich tapfre Wehr.10Wen dieser Länder eins gebar,wird der gefüg, ists wunderbar.Da kam einher galoppiert,an Helm und Harnisch wohl geziertein Ritter, welchem Zeit gebrach:streitgierig ritt er denen nach,die ihm schon weit vorausgekommen.Zwei Ritter hatten ihm genommeneine Frau aus seinem Lande:das däuchte diesen Schande.20Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer,die erbärmlich ritt vor ihnen her.Die dreie sind ihm unterthan.Er ritt ein schönes Kastilian;an seinem Schild war wenig ganz.Er hiess Karnachkarnanz,Le Comte Ulterleg.Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’So fuhr er diesen Knappen an;dem schien er wie ein Gott gethan:er sah noch niemals lichtre Schau.Sein Wappenrock benahm den Thau.Mit goldrothen Schellen kleinwaren an jedwedem Beinihm die Stegereif’ erklängt10und zu rechtem Mass gelängt.Sein rechter Arm von Schellen klang,wenn er ihn rührt’ oder schwang;er war von Schwertschlägen hell.Der Degen war zur Kühnheit schnell.Also diesen Wald durchstrichder Fürst gerüstet wonniglich.Aller Mannesschöne Blumenkranz,den fragte da Karnachkarnanz:‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren20zwei Ritter, die nicht können wahrendas Gesetz der Rittergilde?Gewaltthat tragen sie im Schildeund sind an Würdigkeit verzagt:sie entführten eine Magd.’Was er auch sprach, doch hielt ihn nochder Knapp für Gott: so malt Ihn dochdie Königin, Frau Herzeleid,die vom lichten Schein ihm gab Bescheid.Da rief er laut sonder Spott:‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott!’Niederwarf sich zum GebetLe Fils du Roi Gahmuret.Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott;doch leist’ ich gerne sein Gebot.10Vier Ritter möchtest du hier sehn,wenn du besser könntest spähn.’Der Knappe fragte fürbass:‘Du nennest Ritter: was ist das?Hast du keine Gotteskraft,so sage, wer giebt Ritterschaft?’‘Die theilt der König Artus aus.Junker, kommt ihr in sein Haus,so mögt ihr Ritters Namen nehmen,dass ihrs euch nimmer habt zu schämen.20Ihr seid wohl ritterlicher Art.

Es betrübt mir Seel’ und Leib,

dass so manche heisset Weib.

Die Stimme lautet allen hell,

doch viele sind zum Falsche schnell,

andre frei von falschem Wandel:

so theilt sich dieser Handel.

Dass die mit gleichem Namen prangen,

das hat mein Herz mit Scham befangen.

Weibheit, dein ordentlicher Brauch,

Treue hielt und hält der auch.10

Viele sprechen, Armut

sei zu keinem Dinge gut;

wer sie um Treue will erleiden,

der mag doch Höllenfeuer meiden.

Armut trug ein Weib um Treu:

da ward ihr immer wieder neu

im Himmelreich gegeben.

Nun werden wen’ge leben,

die jung der Erde Reichthum

liessen um des Himmels Ruhm.

Ich kenne keinen, der das will,

Mann und Weib sind mir gleich viel,10

sie gleichen alle sich darin.

Frau Herzeleid, die, Königin

floh ihren dreien Landen fern:

sie trug der Freuden Mangel gern.

Aller Fehl so ganz an ihr verschwand,

dass ihn nicht Ohr noch Auge fand.

Ein Nebel war ihr die Sonne;

sie mied die weltliche Wonne.

Auch war die Nacht ihr wie der Tag,

ihr Herz nur stäten Jammers pflag.20

Sie zog sich vor des Grams Gewalt

aus ihrem Land in einen Wald,

in der Wildniss von Soltane;

nicht um Blumen auf dem Plane:

ihr Herz erfüllte Leid so ganz,

sie kehrte sich an keinen Kranz,

ob er roth war oder fahl.

Sie flüchtete dahin zumal

des werthen Gahmuretes Kind.

Leute, die da bei ihr sind,

müssen reuten und pflügen.

Ihre Pflege konnte wohl genügen

dem Sohn. Eh der Verstand gewann,10

rief sie ihr Volk zu sich heran,

wo sie Mann und Weib zumal

bei Leib und Leben anbefahl,

dass von Rittern schwieg’ ihr Mund:

‘Denn würd’ es meinem Herzlieb kund,

was ritterliches Leben wär,

so hätt ich Kummer und Beschwer.

Nun legt die Zunge klug in Haft

und hehlt ihm alle Ritterschaft.’

Allen Leuten schuf das Sorgen.20

Der Knabe ward verborgen

in der Wüste von Soltan erzogen,

um königlichen Brauch betrogen,

ausser in dem einen Spiel:

der Bogen und der Bolzen viel

schnitt er sich mit eigner Hand

und schoss die Vögel, die er fand.

Wenn er jedoch das Vöglein schoss,

dem erst Gesang so hold entfloss,

so weint’ er laut und strafte gar

mit Raufen sein unschuldig Haar.

Sein Leib war klar und helle:

auf dem Plan an der Quelle

wusch er sich alle Morgen.10

Nie meint’ er sich geborgen,

bis ob ihm war der Vöglein Sang;

die Süsse ihm das Herz durchdrang:

das dehnt’ ihm seine Brüstlein aus.

Mit Weinen lief er in das Haus.

Die Kön’gin sprach: ‘Wer that dir’s an?

Du warst ja draussen auf dem Plan.’

Da wusst er ihr kein Wort zu sagen,

so geht es Kindern noch in unsern Tagen.

Solches macht’ ihr viel zu schaffen.20

Einst sah sie ihn nach Bäumen gaffen,

davon der Vögel Lied erscholl.

Sie ward wohl inne, wie ihm schwoll

von dem Gesang die junge Brust;

in seiner Art lag solch Gelust.

Frau Herzleid trug den Vögeln Hass

seitdem, sie wusste nicht um was:

sie wollt’ ihr Singen gern beschränken.

Ihre Bauern und Enken

schickte sie mit Netz und Stangen,

Vöglein zu würgen und zu fangen.10

Die Vöglein waren gut beritten,

sie haben den Tod nicht all’ erlitten:

etliche blieben noch am Leben,

die hört man neuen Sang erheben.

Der Knabe sprach zur Mutter sein:

‘Was giebt man Schuld den Vögelein?’

Er erbat ihnen Frieden gleich zur Stund.

Seine Mutter küsst’ ihn auf den Mund.

Sie sprach: ‘Was brech’ ich Sein Gebot,

der doch ist der höchste Gott?20

Sollen Vöglein trauern meinethalb?’

Der Knappe sprach zur Mutter bald:

‘Höre, Mutter, was ist Gott?’

‘Das sag’ ich, Sohn, dir ohne Spott:

er ist noch lichter denn der Tag,

der einst Angesichtes pflag

nach der Menschen Angesicht.

Sohn, vergiss der Lehre nicht,

und fleh ihn an in deiner Noth,

dessen Treu’ uns immer Hülfe bot.10

Ein Andrer heisst der Hölle Wirth,

der schwarz Untreu nicht meiden wird;

von dem kehr die Gedanken

und auch von Zweifels Wanken.’

Seine Mutter unterschied ihm gar,

was finster ist, was licht und klar.

Waldein dann eilt’ er hin zu springen.

Das Gabilot auch lernt’ er schwingen,

womit er manchen Hirsch erschoss,

davon der Mutter Haus genoss.20

Ob man Grund sah oder Schnee,

dem Wilde thät sein Schiessen weh.

Hört aber fremde Märe:

wenn er erschoss das schwere,

einem Maulthier wär’ die Last genug,

die er unzerlegt nach Hause trug.

Er kam auf seinem Waidegang

eines Tages einer Hald’ entlang,

und brach zum Blatten einen Zweig.

In seiner Nähe gieng ein Steig:

da vernahm er Schall von Hufschlägen:

er begann sein Gabilot zu wägen.

‘Was hab’ ich da vernommen?10

Dass nun der Teufel kommen

wollte grimm und zorniglich!

Ich bestünd’ ihn sicherlich.

Meine Mutter Schrecken von ihm sagt:

mich dünkt, sie ist auch zu verzagt.’

So stand er da in Streits Begehr.

Seht, da traben dortenher

drei Ritter in der Rüstung Glanz,

von Haupt zu Fuss gewappnet ganz.

Der Knappe wähnte sonder Spott,20

jeglicher wär’ ein Herregott.

Wohl stand er auch nicht länger hie,

er warf sich in den Pfad aufs Knie;

mit lauter Stimme rief er gleich:

‘Hilf Gott, du bist wohl hilfereich!’

Der Vordre zürnte drum und sprach,

als ihm der Knapp’ im Wege lag:

‘Dieser täppische Waleise

wehrt uns schnelle Weiterreise.’

Ein Lob, das wir Baiern tragen,

muss ich von Waleisen sagen:

Sie sind täppischer als Bairisch Heer

und leisten doch gleich tapfre Wehr.10

Wen dieser Länder eins gebar,

wird der gefüg, ists wunderbar.

Da kam einher galoppiert,

an Helm und Harnisch wohl geziert

ein Ritter, welchem Zeit gebrach:

streitgierig ritt er denen nach,

die ihm schon weit vorausgekommen.

Zwei Ritter hatten ihm genommen

eine Frau aus seinem Lande:

das däuchte diesen Schande.20

Der Jungfrau Leid betrübt’ ihn schwer,

die erbärmlich ritt vor ihnen her.

Die dreie sind ihm unterthan.

Er ritt ein schönes Kastilian;

an seinem Schild war wenig ganz.

Er hiess Karnachkarnanz,

Le Comte Ulterleg.

Er sprach: ‘Wer sperrt uns hier den Weg?’

So fuhr er diesen Knappen an;

dem schien er wie ein Gott gethan:

er sah noch niemals lichtre Schau.

Sein Wappenrock benahm den Thau.

Mit goldrothen Schellen klein

waren an jedwedem Bein

ihm die Stegereif’ erklängt10

und zu rechtem Mass gelängt.

Sein rechter Arm von Schellen klang,

wenn er ihn rührt’ oder schwang;

er war von Schwertschlägen hell.

Der Degen war zur Kühnheit schnell.

Also diesen Wald durchstrich

der Fürst gerüstet wonniglich.

Aller Mannesschöne Blumenkranz,

den fragte da Karnachkarnanz:

‘Knapp, saht ihr hier vorüberfahren20

zwei Ritter, die nicht können wahren

das Gesetz der Rittergilde?

Gewaltthat tragen sie im Schilde

und sind an Würdigkeit verzagt:

sie entführten eine Magd.’

Was er auch sprach, doch hielt ihn noch

der Knapp für Gott: so malt Ihn doch

die Königin, Frau Herzeleid,

die vom lichten Schein ihm gab Bescheid.

Da rief er laut sonder Spott:

‘Nun hilf mir, hilfereicher Gott!’

Niederwarf sich zum Gebet

Le Fils du Roi Gahmuret.

Da sprach der Fürst: ‘Ich bin nicht Gott;

doch leist’ ich gerne sein Gebot.10

Vier Ritter möchtest du hier sehn,

wenn du besser könntest spähn.’

Der Knappe fragte fürbass:

‘Du nennest Ritter: was ist das?

Hast du keine Gotteskraft,

so sage, wer giebt Ritterschaft?’

‘Die theilt der König Artus aus.

Junker, kommt ihr in sein Haus,

so mögt ihr Ritters Namen nehmen,

dass ihrs euch nimmer habt zu schämen.20

Ihr seid wohl ritterlicher Art.

Von den Helden er beschauet ward:da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss.Von der Aventür ich weiss,die mich mit Wahrheit des beschied,dass Mannesantlitz nie geriethso schön wie seins von Adams Zeit:drum lobten Fraun ihn weit und breit.Da hub der Knappe wieder an,dass sein zu lachen Der begann:‘Ei Ritter gut, was soll dies sein?du hast so manches Ringeleinan den Leib gebunden dir,dort oben und auch unten hier.’10Der Knapp befühlte mit der Hand,was er eisern an dem Fürsten fand.Den Panzer wollt er gern beschauen:‘Meiner Mutter Jungfrauenwohl an Schnüren Ringlein tragen,die nicht so in einander ragen.’Noch sprach der Knappe wohlgemuthzum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut,was sich an dir so wohl will schicken?Ich kann es nicht herunter zwicken.’20Da wies der Fürst ihm sein Schwert:‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt,des erwehr ich mich mit Schlägen.Gegen seine muss ichs an mich legen,und dieser Schild behütet michvor dem Schuss und vor dem Stich.’Wieder sprach der Knappe laut:‘Hätten die Hirsche solche Haut,sie versehrte nicht mein Gabilot;so fällt doch mancher vor mir todt.’Die Ritter zürnten, dass er sprachmit den Knappen, welchem Sinn gebrach.10Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein!O wäre deine Schönheit mein!Dir hätte Gott genug gegeben,besässest du Verstand daneben.Die Gottesgabe liegt dir fern.’Da ritt er weiter mit den Herrn.Sie gelangten alle baldzu einem Feld im tiefen Wald.Da fand er an der PflugscharFrau Herzeleidens Bauernschar.20Dem Volke nie so leid geschah.Die man künftig ernten sah,sie mussten säen erst und egen,starken Ochsen dräun mit Schlägen.Der Fürst ihnen guten Morgen botund frug sie: ‘Sahet ihr nicht Notheine Jungfrau erleiden?’Da konnten sies nicht meiden,sie sagten ihm, was er gefragt:‘Zwei Ritter und eine Magdsahn wir reiten heute Morgen.Das Fräulein schien in Sorgen.Kräftig mit den Sporen rührte10die Pferde, der die Jungfrau führte.’Es war Meliakanz,dem nachritt Karnachkarnanzund ihm im Kampf die Jungfrau nahm;sie war an aller Freude lahm.Sie hiess Imänevon der Bellefontäne.Die Bauern waren sehr verzagt,da diese Helden sie befragt.Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’20Hat unser Junker ersehnan diesen Rittern schartges Eisen,so dürfen wir das Glück nicht preisen.Uns trifft mit Recht nun immerhindarum der Zorn der Königin,weil er mit uns zu Walde liefheute früh, da sie noch schlief.’Gleich galts dem Knappen, wer nun schossim Wald die Hirsche klein und gross;heim zu der Mutter lief er wiederund sagt es ihr. Da fiel sie nieder,seiner Worte sie so sehr erschrak,dass sie bewusstlos vor ihm lag.Als darauf die Königinwieder fand bewussten Sinn,wie sie zuvor auch war verzagt,10doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagtdir von ritterlichem Orden?Wie bist du’s inne worden?’‘Mutter, ich sah vier Männer licht,lichter ist Gott selber nicht:die sagten mir von Ritterschaft.Artusens königliche Kraftsoll mich mit ritterlichen Ehrendes Schildes Amt und Pflichten lehren.’Das war ihr neuen Leids Beginn.20Die Königin sann her und hin,wie sie eine List erdächteund ihn von solchem Willen brächte.Der einfältge Knappe werthbat die Mutter um ein Pferd.Das begann sie heimlich zu beklagen.Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen;aber grundschlecht muss es sein.‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein,‘die gar lose Spötter sind.Thorenkleider soll mein Kindan seinem lichten Leibe tragen.Wird er gerauft dann und geschlagen,so kehrt er wohl in kurzer Frist.’10O weh der jammervollen List!Da nahm sie grobes Sacktuchund schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose),aus Einem Stück jedoch geschnittenbis zu des blanken Beines Mitten;eine Kappe dran für Haupt und Ohren:so trugen damals sich die Thoren.Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch,als Kalbshäuten frisch und rauch,mass man seinen Beinen an,da weinten alle, die es sahn.20

Von den Helden er beschauet ward:

da sahn sie Gottes Kunst und Fleiss.

Von der Aventür ich weiss,

die mich mit Wahrheit des beschied,

dass Mannesantlitz nie gerieth

so schön wie seins von Adams Zeit:

drum lobten Fraun ihn weit und breit.

Da hub der Knappe wieder an,

dass sein zu lachen Der begann:

‘Ei Ritter gut, was soll dies sein?

du hast so manches Ringelein

an den Leib gebunden dir,

dort oben und auch unten hier.’10

Der Knapp befühlte mit der Hand,

was er eisern an dem Fürsten fand.

Den Panzer wollt er gern beschauen:

‘Meiner Mutter Jungfrauen

wohl an Schnüren Ringlein tragen,

die nicht so in einander ragen.’

Noch sprach der Knappe wohlgemuth

zum Fürsten: ‘Wozu ist dies gut,

was sich an dir so wohl will schicken?

Ich kann es nicht herunter zwicken.’20

Da wies der Fürst ihm sein Schwert:

‘Nun sieh, wer Streit mit mir begehrt,

des erwehr ich mich mit Schlägen.

Gegen seine muss ichs an mich legen,

und dieser Schild behütet mich

vor dem Schuss und vor dem Stich.’

Wieder sprach der Knappe laut:

‘Hätten die Hirsche solche Haut,

sie versehrte nicht mein Gabilot;

so fällt doch mancher vor mir todt.’

Die Ritter zürnten, dass er sprach

mit den Knappen, welchem Sinn gebrach.10

Da sprach der Fürst: ‘Gott hüte dein!

O wäre deine Schönheit mein!

Dir hätte Gott genug gegeben,

besässest du Verstand daneben.

Die Gottesgabe liegt dir fern.’

Da ritt er weiter mit den Herrn.

Sie gelangten alle bald

zu einem Feld im tiefen Wald.

Da fand er an der Pflugschar

Frau Herzeleidens Bauernschar.20

Dem Volke nie so leid geschah.

Die man künftig ernten sah,

sie mussten säen erst und egen,

starken Ochsen dräun mit Schlägen.

Der Fürst ihnen guten Morgen bot

und frug sie: ‘Sahet ihr nicht Noth

eine Jungfrau erleiden?’

Da konnten sies nicht meiden,

sie sagten ihm, was er gefragt:

‘Zwei Ritter und eine Magd

sahn wir reiten heute Morgen.

Das Fräulein schien in Sorgen.

Kräftig mit den Sporen rührte10

die Pferde, der die Jungfrau führte.’

Es war Meliakanz,

dem nachritt Karnachkarnanz

und ihm im Kampf die Jungfrau nahm;

sie war an aller Freude lahm.

Sie hiess Imäne

von der Bellefontäne.

Die Bauern waren sehr verzagt,

da diese Helden sie befragt.

Sie sprachen: ‘Wie ist uns geschehn!’20

Hat unser Junker ersehn

an diesen Rittern schartges Eisen,

so dürfen wir das Glück nicht preisen.

Uns trifft mit Recht nun immerhin

darum der Zorn der Königin,

weil er mit uns zu Walde lief

heute früh, da sie noch schlief.’

Gleich galts dem Knappen, wer nun schoss

im Wald die Hirsche klein und gross;

heim zu der Mutter lief er wieder

und sagt es ihr. Da fiel sie nieder,

seiner Worte sie so sehr erschrak,

dass sie bewusstlos vor ihm lag.

Als darauf die Königin

wieder fand bewussten Sinn,

wie sie zuvor auch war verzagt,10

doch sprach sie: ‘Sohn, wer hat gesagt

dir von ritterlichem Orden?

Wie bist du’s inne worden?’

‘Mutter, ich sah vier Männer licht,

lichter ist Gott selber nicht:

die sagten mir von Ritterschaft.

Artusens königliche Kraft

soll mich mit ritterlichen Ehren

des Schildes Amt und Pflichten lehren.’

Das war ihr neuen Leids Beginn.20

Die Königin sann her und hin,

wie sie eine List erdächte

und ihn von solchem Willen brächte.

Der einfältge Knappe werth

bat die Mutter um ein Pferd.

Das begann sie heimlich zu beklagen.

Sie gedacht: ‘Ich will ihm nichts versagen;

aber grundschlecht muss es sein.

‘Es giebt noch Leute,’ fiel ihr ein,

‘die gar lose Spötter sind.

Thorenkleider soll mein Kind

an seinem lichten Leibe tragen.

Wird er gerauft dann und geschlagen,

so kehrt er wohl in kurzer Frist.’10

O weh der jammervollen List!

Da nahm sie grobes Sacktuch

und schuf daraus ihm Hemd und Bruch (Hose),

aus Einem Stück jedoch geschnitten

bis zu des blanken Beines Mitten;

eine Kappe dran für Haupt und Ohren:

so trugen damals sich die Thoren.

Zwei Ribbalein statt Strümpfen auch,

als Kalbshäuten frisch und rauch,

mass man seinen Beinen an,

da weinten alle, die es sahn.20

Die Königin mit Wohlbedachtbat ihn zu bleiben noch die Nacht;‘du darfst dich nicht von hinnen heben,ich muss dir erst noch Lehren geben:du sollst auf ungebahnten Strassendich nicht auf dunkle Furt verlassen;ist sie aber seicht und klar,so hat der Durchritt nicht Gefahr.Du sollst auch guter Sitte pflegen,jeden grüssen auf den Wegen.Will dich ein grauweiser MannZucht lehren, wie ein solcher kann,so folg ihm gerne mit der That,10und zürn ihm nicht, das ist mein Rath.Eins lass dir, Sohn, befohlen sein:wo du guter Frauen Ringeleinerwerben mögest und ihr Grüssen,da nimms: es kann dir Leid versüssen.Magst du auch ihren Kuss erlangenund herzend ihren Leib umfangen,das giebt dir Glück und hohen Muth,wenn sie keusch ist und gut.Du sollst auch wissen, Sohn mein,20dass der stolze kühne Läheleinzwei Länder dir hat abgefochten,die dir sonst nun zinsen mochten:Waleis und Norgals.Deiner Fürsten Einer, Turkentals,den Tod von seiner Hand empfieng:all dein Volk er schlug und fieng.’‘Das räch ich, Mutter, will es Gott:ihn verwundet noch mein Gabilot.’Da Morgens schien des Tages Licht,der stolze Knappe säumte nicht:Herr Artus ihm im Sinne lag.10Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach.Das grösste Herzleid ihr geschah.Da sie den Sohn nicht länger sah,(der ritt hinweg: wen mag das freun?)da fiel die Fraue Falsches reinzur Erde, wo sie Jammer schnitt,bis sie den Tod davon erlitt.Ihr getreulicher Todbewahrt sie vor der Hölle Noth.O wohl ihr, dass sie Mutter ward!20So fuhr die lohnergiebge Fahrt,diese Wurzel aller Güte,aus der das Reis der Demuth blühte.Weh uns, dass uns nicht verbliebihre Sippe bis zum eilften Glied!Drum muss man so viel Falschheit schaun.Doch sollten die getreuen FraunHeil erwünschen diesem Knaben,den sie hier sehen von ihr traben.

Die Königin mit Wohlbedacht

bat ihn zu bleiben noch die Nacht;

‘du darfst dich nicht von hinnen heben,

ich muss dir erst noch Lehren geben:

du sollst auf ungebahnten Strassen

dich nicht auf dunkle Furt verlassen;

ist sie aber seicht und klar,

so hat der Durchritt nicht Gefahr.

Du sollst auch guter Sitte pflegen,

jeden grüssen auf den Wegen.

Will dich ein grauweiser Mann

Zucht lehren, wie ein solcher kann,

so folg ihm gerne mit der That,10

und zürn ihm nicht, das ist mein Rath.

Eins lass dir, Sohn, befohlen sein:

wo du guter Frauen Ringelein

erwerben mögest und ihr Grüssen,

da nimms: es kann dir Leid versüssen.

Magst du auch ihren Kuss erlangen

und herzend ihren Leib umfangen,

das giebt dir Glück und hohen Muth,

wenn sie keusch ist und gut.

Du sollst auch wissen, Sohn mein,20

dass der stolze kühne Lähelein

zwei Länder dir hat abgefochten,

die dir sonst nun zinsen mochten:

Waleis und Norgals.

Deiner Fürsten Einer, Turkentals,

den Tod von seiner Hand empfieng:

all dein Volk er schlug und fieng.’

‘Das räch ich, Mutter, will es Gott:

ihn verwundet noch mein Gabilot.’

Da Morgens schien des Tages Licht,

der stolze Knappe säumte nicht:

Herr Artus ihm im Sinne lag.10

Sie küsst’ ihn oft und lief ihm nach.

Das grösste Herzleid ihr geschah.

Da sie den Sohn nicht länger sah,

(der ritt hinweg: wen mag das freun?)

da fiel die Fraue Falsches rein

zur Erde, wo sie Jammer schnitt,

bis sie den Tod davon erlitt.

Ihr getreulicher Tod

bewahrt sie vor der Hölle Noth.

O wohl ihr, dass sie Mutter ward!20

So fuhr die lohnergiebge Fahrt,

diese Wurzel aller Güte,

aus der das Reis der Demuth blühte.

Weh uns, dass uns nicht verblieb

ihre Sippe bis zum eilften Glied!

Drum muss man so viel Falschheit schaun.

Doch sollten die getreuen Fraun

Heil erwünschen diesem Knaben,

den sie hier sehen von ihr traben.


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